All language subtitles for Mao - Chinas roter Kaiser (1-3) - Langer Marsch - Die ganze Doku

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Original subtitles

.

(Vogelkrächzen)

(Raubvogelruf)

(Sphärische Musik)

(Gedämpfter Straßenlärm)

(Sphärische Musik mit Gesang auf Chinesisch)

(englisch:) In den 40er-Jahren

entstand das Lied "Der Osten ist rot".

(chinesisch:) # Der Osten ist rot.

# Die Sonne geht auf.

# China hat Mao Zedong hervorgebracht.

(Sphärischer Gesang)

(Jubel, Applaus)

(englisch:) Mao ist in dem Lied die rote Sonne, der große Retter Chinas.

(Die Kinder singen.)

(englisch:) Vor dem Unterricht in der Grundschule

sangen wir täglich eine Viertelstunde:

"Lang lebe Mao, lang lebe die Kommunistische Partei."

Der Vorsitzende Mao war wie ein Gott.

(Jubel, Applaus, Pfiffe)

Für die einen war er ein revolutionärer Held.

Für die anderen ein Monster.

(Nachdenkliche Musik)

(Die Musik wird düsterer.)

Er war ein Monster, verantwortlich für den Tod von Millionen Menschen.

(Düstere Musik)

(deutsch:) Die Mao-Ideen sind analog einer geistigen Atombombe.

Mao hat eine Art von sozialer Kernspaltung

im chinesischen Volk produziert.

(Düstere Musik)

In den drei Jahren der sogenannten Naturkatastrophen und Hungersnöte

verhungerten etwa 40 Millionen Menschen.

(Rufe)

Wir müssen uns unbequeme Fragen stellen.

(Angespannte Musik, Durcheinanderrufen)

Weshalb geschah das?

Warum nahmen so viele begeistert daran teil?

Was sagt das über die chinesische Psyche aus?

Was lernen wir daraus?

(Beklemmende Musik)

Xi Jinping möchte dem Vorsitzenden Mao nacheifern, ihn kopieren.

Er möchte eine überragende Figur sein, wie Mao.

(Aufgebrachtes Durcheinanderrufen)

(Angespannte Musik)

(Applaus, Pfiffe)

Wer China verstehen will, muss Mao verstehen.

(Ernste Musik)

Mao Zedong ist tot.

(Ernste Musik)

Am 9. September 1976

steht für ein Viertel der Menschheit die Zeit still.

(Ernste Musik)

930 Millionen Chinesen

trauern um den großen Vorsitzenden und Steuermann,

wie sie den Chef der Kommunistischen Partei Chinas auch nennen.

(englisch:) Ich war zwölf Jahre alt.

Ich erinnere mich, dass ich es nicht glauben konnte.

Wir sind mit dem Lied "Lang lebe der Vorsitzende Mao" aufgewachsen.

Ich habe wirklich gedacht, er würde ewig leben.

(Bedrückte Musik)

Alle um mich herum waren erschüttert, einige weinten.

(Ernste Musik)

Auf dem Platz des Himmlischen Friedens

findet eine einwöchige Trauerfeier statt.

In ganz China, bis in den letzten Winkel des Landes,

sollen die Menschen Mao die letzte Ehre erweisen.

(englisch:) Er war wie ein Gott für mich.

Alle Religionen wurden verteufelt oder galten als Sekten.

Wir sollten nur an den Kommunismus und Mao glauben.

(Getragene Musik)

Maos Leichnam wird für die Ewigkeit einbalsamiert.

Mitten in Peking, am Platz des Himmlischen Friedens,

wird ein riesiges Mausoleum für ihn errichtet.

(Applaus, Pfiffe)

Genau an dem Ort, an dem bis heute

chinesische Staatsfeierlichkeiten stattfinden,

auch Jahrzehnte nach seinem Tod, ist Mao allgegenwärtig.

Dafür sorgt Xi Jinping,

Generalsekretär der Kommunistischen Partei und seit 2013 Staatspräsident.

(Nachdenkliche Musik)

(französisch:) Als er an die Macht kam, bekräftigte er,

China brauche einen starken Mann, um den Sozialismus aufrechtzuerhalten.

Nach Maos Vorbild führte er den Personenkult wieder ein.

Mao träumte von einem Kommunismus chinesischer Prägung,

von einem starken und mächtigen Land.

Xi Jinping will diese Vision nun endgültig umsetzen.

(englisch:) Xi Jinping hat ein ehrgeiziges Ziel,

den chinesischen Traum.

Bis 2049 will er China zur Weltmacht Nummer eins machen.

(Einschüchternde Musik)

China soll die USA überholen,

wirtschaftlich, militärisch, technologisch und diplomatisch.

(Einschüchternde Musik, Kameraklicken)

Er dreht die Uhren zurück.

Er ist wie Mao.

Es gibt Xi-Jinping-Gedanken, Xi-Apps, Xi-Zitatsammlungen.

Jeder muss seine Politik kennen.

(Angespannte Musik)

Unter Mao musste jeder Chinese die "Worte des Vorsitzenden Mao Zedong"

aus dem Roten Buch auswendig lernen.

Und auch heute wird das Denken der Menschen gelenkt und kontrolliert.

(deutsch:) Die Partei hat alles im Blick.

Sie hat dieses Überwachungssystem.

Sie will eigentlich die ganze Gesellschaft steuern.

Ja, das ist ein ziemlich ... perverser Traum,

also, eigentlich ein Sonnenstaat.

Das ist schon auch maoistisches ... maoistisches Erbe.

(Ernste Musik)

Als Mao Zedong 1893 zur Welt kommt, ist China ein Armenhaus.

Das über 2.000 Jahre alte Kaiserreich befindet sich im Niedergang.

Viele Menschen leben im Elend, und die herrschende Qing-Dynastie

kann das Land nicht mehr zusammenhalten.

Das Reich zerfällt.

(Ernste Musik)

China wird von den imperialistischen Mächten völlig ausgeplündert.

Sie zwingen es, sich dem Handel zu öffnen,

obwohl es das gar nicht wollte.

(Nachdenkliche Musik)

Mit militärischem Druck erzwingen Großbritannien, Frankreich,

das Deutsche Reich, Japan und die USA

im 19. Jahrhundert Handelskonzessionen.

Sie beuten das Land gnadenlos aus.

Innerhalb der Grenzen Chinas entstehen Pachtgebiete,

Quasi-Kolonien.

Das stellt Chinas Macht und seine ganze Weltanschauung infrage,

den Sinozentrismus.

China betrachtete sich als Zentrum der Welt.

(Ernste Musik)

Die Chinesen bezeichnen diese Zeit als das Jahrhundert der Demütigung.

(Ernste Musik)

(englisch:) Für viele Chinesen, Intellektuelle und Eliten,

gab es von da an nur noch ein Ziel:

China wieder zu einem reichen, mächtigen Land zu machen.

(Nachdenkliche Musik)

In dieser Zeit wächst Mao in einem Dorf

in der zentralchinesischen Provinz Hunan auf.

(englisch:) Sein Vater war ein reicher, wohlhabender Bauer,

wenn nicht sogar ein Gutsbesitzer.

(Nachdenkliche Musik)

Maos Vater ist streng.

Er will nicht, dass sein Sohn Bauer wird,

sondern Gelehrter, etwas Besonderes.

(Nachdenkliche Musik)

Damals konnten nur zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung

lesen und schreiben.

(Nachdenkliche Musik)

(deutsch:) Sein Vater will,

dass Mao eine klassische konfuzianische Bildung beginnt.

Das ist seinem Vater sehr, sehr wichtig.

Er ist also im klassischen Chinesisch durchaus gut ausgebildet.

Neben dem Schreiben, Lesen und Rechnen

sind unbedingte Ordnung und Harmonie

zentrale Elemente der konfuzianischen Philosophie.

Nur wenn sich die Menschen an Regeln halten,

können alle gut miteinander leben.

Revolution und Gewalt lehnt Konfuzius kategorisch ab.

(Ruhiger Klang)

Doch Friedfertigkeit und Milde liegen nicht in Maos Charakter.

Er ist impulsiv, aufsässig, frech.

Um ihn zu bändigen, verprügelt ihn sein Vater häufig.

Ohne Erfolg.

(Nachdenkliche Musik)

Da beschließt er, Mao anders zu zähmen.

(Düstere Musik)

Er sucht ihm eine Frau.

Im Alter von 14 Jahren wird Mao

mit der 18-jährigen Luo Yigu zwangsverheiratet.

Doch Mao vollzieht die Ehe nie.

(Beklemmende Musik)

(Schriller Klang)

Die Zwangsverheiratung wird ihn für immer prägen.

Wie üblich wird seine Frau Teil der Mao-Familie

und bleibt in seinem Elternhaus.

Hartnäckig halten sich die Gerüchte im Dorf,

dass sie zur Konkubine von Maos Vater wird.

Drei Jahre nach der Zwangsheirat stirbt Luo Yigu 1910 an Ruhr.

(Bedrückte Musik)

Mao wird seinen Vater für immer verachten.

(deutsch:) Im Prinzip glaube ich,

das, was Mao in seiner Kindheit immer wieder erfahren hat

und auch in seiner Jugend immer wieder erfahren hat,

als junger Mann - Ablehnung.

Man muss wirklich durch schwierige Situationen sich durchlavieren,

die ihn ... irgendwo immer wieder beflügelt hat.

(Erwartungsvolle Musik)

Mit knapp 18 Jahren verlässt Mao sein Heimatdorf.

Er zieht nach Changsha und macht dort eine Ausbildung zum Hilfslehrer.

(Rufe, aufgeweckte Musik)

Mao spürt, dass in China Veränderung in der Luft liegt.

Junge Leute stellen die Qing-Dynastie infrage.

Mao gehört zu jenen,

die sich als Zeichen der Rebellion den Zopf abschneiden.

(Drängende Musik, Rufe)

1911 kommt es zur Revolution.

(Drängende Musik, Rufe)

Die Qing-Dynastie wird gestürzt, die Republik ausgerufen.

(Drängende Musik, Jubel, Pfiffe)

Es werden demokratische Wahlen durchgeführt,

die allerdings schon im Folgejahr wieder

durch einen Militärmachthaber rückgängig gemacht werden.

(Drängende Musik)

Aufstände und Revolten häufen sich.

Kurz gesagt: China zerfällt.

Warlords und Militärcliquen

beherrschen nun weite Teile des Landes.

Es ist chaotisch.

Einzelne Kolonialmächte wie Japan nutzen das entstehende Vakuum,

um ihre Macht auszubauen

und um das Land und seine Bewohner noch stärker auszubeuten.

(Kampfgeschrei)

(Nachdenkliche Musik)

Wie viele patriotische junge Menschen

war Mao auf der Suche nach einer Vision für Chinas Zukunft.

Körperliche Ertüchtigung und Abhärtung

stehen im Mittelpunkt seiner ersten Schriften.

(Nachdenkliche Musik)

Das sind so Elemente, die in seinem Leben dann immer wieder

später ganz, ganz wichtig werden.

Wenn man nur will, dann kann man etwas erreichen.

Also, man muss zum Beispiel seinen Körper stählen,

man muss in ganz, ganz kaltem Wasser baden.

(Nachdenkliche Musik)

Das ist genau dieser Mao, der sagt, wir können das alles erreichen,

wir können uns gegen die schlimmsten Wellen wehren, wenn wir nur wollen.

(Nachdenkliche Musik)

Mao ist wie zahlreiche andere junge Menschen

von der russischen Oktoberrevolution beeindruckt.

Er knüpft erste Kontakte zu kommunistischen Studentenzirkeln.

In Changsha, dort wo Maos politische Karriere begann,

lässt die Kommunistische Partei Chinas

2009 eine Statue des jungen Mao errichten.

Knapp eine Million Menschen besuchen jährlich das Denkmal.

Und da ist Mao dargestellt mit so einer Riesentolle.

Sieht aus wie die Beethoven-Darstellungen,

die es in China auch häufig gibt.

So ein ganz romantischer junger Mao.

(Gespannte Musik)

(englisch:) In China wird Mao heute

als der gelassene, ruhige Landesvater dargestellt.

Meinen Studenten sage ich: Das ist nicht Mao.

In seiner Radikalität war Mao einzigartig.

(Angespannte Musik)

In den Jahren ab 1915 entwickelt sich Mao vom jungen Rebellen

Schritt für Schritt zu einem überzeugten Kommunisten,

der China von Grund auf verändern will.

(Angespannte Musik, Stimmengewirr)

Er bereist das Land, knüpft Kontakte und zieht in die Metropolen,

zuerst nach Peking, später nach Shanghai.

Tagsüber arbeitet er mal in einer Bibliothek,

mal in einer Seifenfabrik, und er schreibt für Zeitungen.

Abends besucht er politische Studentenklubs im Untergrund.

(Angespannte Musik)

Shanghai symbolisierte die Er- niedrigung des chinesischen Volkes.

(Bedrückte Musik, Stimmengewirr)

Shanghai ist fest im Griff der Kolonialmächte.

Die Stadt ist in Pachtgebiete aufgeteilt,

in ein britisches, ein internationales, ein französisches.

(Bedrückte Musik)

Viele Vergnügungsstätten, Kulturzentren,

Restaurants und Treffpunkte sind für Chinesen verboten,

denn sie werden als Hunde betrachtet.

Gleichzeitig erlebt Mao in Shanghai

den Beginn der Industrialisierung Chinas.

Dort entstehen Fabriken und Industrien.

Es ist der Beginn des Kapitalismus.

Eine Arbeiterklasse formiert sich,

und erste Gewerkschaften werden gegründet.

Diese Entwicklung wird auch im fernen Moskau aufmerksam beobachtet.

Lenin, Stalin und Trotzki verfügen über eine mächtige Organisation,

die Kommunistische Internationale, kurz "Komintern".

(Ruhige Musik)

(englisch:) Das war ein internationales Führungsgremium,

finanziert von den Bolschewisten.

Eine Art Sonderorganisation, um die weltweite Revolution voranzutreiben.

Die Komintern nimmt Kontakt

mit kommunistisch gesinnten Zirkeln in China auf.

Das Ziel: die Gründung einer kommunistischen Partei.

Alles muss im Verborgenen geschehen, denn in ganz China

gehen die Warlords rigoros gegen vermeintliche Aufrührer vor.

Im Sommer 1921 findet das entscheidende Treffen

der chinesischen Kommunisten statt.

Es geht gerade mal um ein bisschen mehr als 50,

von denen ein gutes Dutzend sich in Shanghai versammelt hatte,

unter ganz klandestinen Umständen.

Man trifft sich in einer Mädchenschule zunächst,

dann wird dieser Ort verraten, und man flieht auf ein Hausboot.

An diesem Tag gründen die Männer die Kommunistische Partei Chinas.

Mao Zedong ist einer von ihnen.

Zu diesem Zeitpunkt ist er Delegierter der Provinz Hunan,

ein gewöhnliches Mitglied einer Partei,

deren Chancen auf Erfolg verschwindend gering erscheinen.

(Feierliche Musik)

100 Jahre später, im Sommer 2021,

feiert die Kommunistische Partei Chinas ihr 100-jähriges Bestehen.

Sie ist zu einer Massenorganisation

mit über 90 Millionen Mitgliedern angewachsen.

Doch nicht jeder darf beitreten.

Lange war die Mitgliedschaft nur Staatsbediensteten,

Bauern und Arbeitern vorbehalten.

Inzwischen werden auch private Unternehmer aufgenommen.

Wer in die Partei eintritt, wird Teil eines mächtigen Netzwerks,

das politischen Schutz, beste Kontakte

und Zugang zu Bankkrediten verspricht.

Es gibt keine Ernennung auf irgendeinen Posten

ohne die Zustimmung der Partei, selbst in den Privatfirmen.

Immer muss die Partei zustimmen. Ja.

(Jubel, Applaus, Pfiffe)

Ganz bewusst knüpft Xi Jinping bei den Feierlichkeiten 2021 an Mao an.

Er präsentiert sich in grauer Mao-Uniform,

inszeniert sich als Erbe und Nachfolger des großen Vorsitzenden.

Der Aufstieg von Xi Jinping zum Partei- und Staatschef

war nicht frei von Hindernissen.

Auch hier gibt es gewisse Parallelen zu Mao.

Mao war nicht jemand, der von vornherein

in einer privilegierten Position auftreten kann,

sondern er muss sich das alles wirklich erkämpfen.

(Nachdenkliche Musik)

Zwei Jahre nach der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas

steigt Mao in der Parteihierarchie auf.

Er wird Sekretär des Zentralkomitees.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Chinesische KP

immer noch eine kleine Untergrundbewegung,

gesteuert von der Komintern aus Moskau.

Dort ist seit 1924 Stalin an der Macht.

Er zweifelt an den Erfolgsaussichten der chinesischen Genossen.

Die Arbeiterklasse sei, so seine Einschätzung,

für eine Revolution viel zu klein.

China war damals ländlich.

90 Prozent waren Bauern.

(Nachdenkliche Musik)

Zudem hält Stalin die Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas

für unerfahren, bedeutungslos und schwach.

(Düstere Musik)

Mao will in der Partei neue Akzente setzen,

doch er scheint denkbar ungeeignet,

die kommunistische Revolution anzuführen.

Marx kannte er in Wirklichkeit überhaupt nicht.

(Nachdenkliche Musik)

Kommunismus war einfach ein magischer Begriff,

ja, für eine große Volksrevolution, die sich auf das ganze Volk stützt,

und auf den Klassenkampf, was immer das in China war.

(Düstere Musik)

(französisch:) Sein hunanesischer Akzent war so stark,

dass die meisten Chinesen ihn nicht verstehen konnten.

(Nachdenkliche Musik)

(englisch:) Er sprach mit einem starken hunanesischen Akzent.

Diejenigen von uns,

die Chinesisch bei Lehrern mit Pekinger Akzent gelernt haben,

verstanden ihn kaum.

(Nachdenkliche Musik)

Er ist ja auch nie aus China so richtig rausgekommen.

Er war sehr chinesisch, aus der Tiefe Chinas.

(Walder:) Mao war kein großer Performer.

In den Wochenschauen, die seine Reden auf Parteitagen zeigen,

wirkt er hölzern.

(Nachdenkliche Musik)

Er ist kein großer Redner.

Bei öffentlichen Auftritten strahlt er wenig Charisma aus.

(Beklemmende Musik)

Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand,

welche Kräfte in Mao stecken.

(französisch:) Mao hat eine unglaubliche Vorstellungskraft.

(Ernste Musik)

Er wird das,

was in den Augen der marxistischen Doktrin als Chinas Schwäche gilt,

in Stärke verwandeln.

(Nachdenkliche Musik, Vogelzwitschern)

Mao, das darf man nicht vergessen,

stammte aus einem bäuerlichen Umfeld.

Mao ist ein Mann aus dem Volk.

(Nachdenkliche Musik, Vogelzwitschern)

Er analysiert die Mechanismen der Ausbeutung der Bauern

unter dem Feudalregime und kommt zum Schluss,

dass die eigentlichen Proletarier in China nicht die Arbeiter,

sondern die Bauern sind.

(Nachdenkliche Musik, Vogelzwitschern)

Daraus schloss er, dass diese soziale Schicht

der Kommunistischen Partei und der Revolution zum Sieg verhelfen würde.

(Nachdenkliche Musik)

(deutsch:) Er beginnt zu mobilisieren, zu organisieren.

Es geht jetzt nicht mehr primär darum, Städte zu erobern,

Industrieproletariat zu organisieren

und dadurch dann eben die Revolution zu starten,

sondern es ist notwendig, dass eher die Dörfer die Städte umzingeln.

(Nachdenkliche Musik)

Und auf diesem Weg dazu also kommt,

eine ganz eigene und viel größere Dynamik zu schaffen,

die eben das gesamte chinesische Staatsgebiet erfassen kann.

(Nachdenkliche Musik)

Maos ständige Begleiterin in dieser Zeit ist Yang Kaihui.

Seit 1920 ist er mit der jungen Revolutionärin verheiratet.

Sie haben drei Kinder.

Gemeinsam mit ihrem Mann

will Yang Kaihui die kommunistische Bewegung zu den Bauern tragen.

Das Paar spürt, dass sie mit Maos revolutionärem Ansatz

Millionen Menschen für die Partei gewinnen können.

Das erkennen eben auch die führenden Köpfe der Kuomintang,

dass ihnen da eine veritable Konkurrenz erwächst.

Die Kuomintang, Chinas nationale Volkspartei,

entsteht 1912 als revolutionäre Kraft gegen die Monarchie.

Ihr Ziel:

Eine starke, unabhängige Republik, frei von kolonialer Bevormundung.

Mit Waffengewalt erweitert sie ihren Machtbereich,

bis sie 1927 einen Großteil Chinas beherrscht.

An der Spitze dieser nationalen Bewegung

steht der Militär Chiang Kai-shek.

(Beunruhigende Musik)

Chiang Kai-shek wird im Verlauf des 20. Jahrhunderts

der große Widersacher Mao Zedongs werden.

(Beunruhigende Musik)

Chiang Kai-shek war Militär, Nationalist, ein Anführer.

Er war überzeugt, nur militärische Stärke könne China retten.

Chiang Kai-shek hat starken Rückhalt im Bürgertum und bei Industriellen.

Deren Finanzierung ermöglicht ihm eine gut ausgerüstete Armee.

Um die Machtübernahme der Kommunisten zu verhindern,

verbündet er sich mit Geheimgesellschaften,

um die Kommunisten auszulöschen.

1927 eskaliert die Auseinandersetzung.

In Hunan lässt Chiang Kai-shek

den von Mao organisierten Herbsternte-Aufstand niederschlagen.

Zuvor hatte er in Shanghai die Kommunistische Partei zerschlagen.

Damit ist die städtische Basis der Kommunisten zerstört.

Die genauen Opferzahlen sind unbekannt.

Man spricht von 5.000 Vermissten und 300 Toten,

in Wirklichkeit waren es viel mehr.

(Beunruhigende Musik)

Zahlreiche Menschen aus Maos Umfeld

sterben bei den gewaltsamen Konflikten

zwischen der Kuomintang und den Kommunisten.

Auch Yang Kaihui, Maos zweite Ehefrau und Mutter seiner drei Kinder.

Die Kuomintang verhaften Yang Kaihui 1930 als Vergeltungsmaßnahme.

Tagelang wird sie verhört und gefoltert,

vor den Augen ihres kleinen Sohnes.

Als sie es ablehnt, sich öffentlich von Mao Zedong

und der Kommunistischen Partei loszusagen, wird sie hingerichtet.

(Beunruhigende Musik)

(Fallbeilgeräusch)

Obwohl Mao zu diesem Zeitpunkt bereits von Yang Kaihui getrennt ist,

verfällt er in tiefe Trauer.

Er widmet ihr zahlreiche Gedichte.

Später wird die Partei Yang Kaihui als revolutionäre Märtyrerin feiern.

Die Brutalität der Kuomintang hinterlässt bei Mao tiefe Spuren.

Der einst vom Konfuzianismus geprägte Bauernsohn

durchläuft eine dramatische Wandlung.

Er wird zum gewaltbereiten Kämpfer.

(Beunruhigende Musik)

In einem seiner Essays schreibt Mao,

dass sich Tausende Jahre der Unterdrückung

nicht ohne Gewalt überwinden lassen.

(Ernste Musik)

Hier beginnt, wenn man so will, Maos Phase als echter Revolutionär.

Die Kuomintang ist den Kommunisten militärisch weit überlegen.

Deshalb zieht sich Mao mit den Überlebenden

in eine unzugängliche Bergregion zurück, nach Yangxi.

Dort will er die Kämpfer neu organisieren.

Knapp 6.000 Kilometer entfernt, in Moskau,

beginnt sich zu diesem Zeitpunkt der sowjetische Diktator Josef Stalin

für den aufstrebenden chinesischen Revolutionär Mao zu interessieren.

Ich fand heraus, dass Stalins erste Reaktion auf Mao Zedong positiv war.

Er begrüßte die Bewegung in China.

Aus den Unterlagen der Komintern geht hervor,

dass Stalin zwar Maos Idee einer Bauernrevolution befürwortet,

aber weiß, dass Mao in einer nahezu ausweglosen Situation steckt.

(Ernste Musik)

Zu Beginn der 1930er-Jahre spitzt sich die Lage für die Kommunisten zu.

Die Kuomintang hat ihren Gegner nahezu vollständig eingekreist.

Eine Niederlage der kommunistischen Bewegung scheint fast unabwendbar.

Mao muss eine Streitmacht aufbauen, eine Rote Armee.

Die Bauern allein reichen nicht,

um gegen die Kuomintang auf Augenhöhe zu kämpfen.

Die Kommunisten benötigen Kämpfer, die mit Waffen umgehen können.

Eine faszinierende Entdeckung,

die ich in russischen Archiven machte, zeigt:

Die von Mao angeführte Bewegung war keine reine Bauernbewegung.

Stattdessen setzte sie sich aus Vagabunden, Lumpenproletariat,

Verarmten und den mittellosen Clans der Hakka zusammen.

"Hakka" bedeutet "Gastvolk".

Es sind Nachfahren chinesischer Binnenmigranten,

die nie akzeptiert und integriert wurden.

Sie leben in den entlegenen Bergregionen Südchinas.

Mao organisierte die Hakka.

Er sprach offen aus, was sie waren:

eine Bewegung von Banditen.

So gelingt es der kommunistischen Führung,

eine rund 85.000 Mann starke Armee aufzustellen.

Unter ihnen befinden sich auch ungefähr 30 Frauen.

Eine von ihnen ist He Zizhen, Maos dritte Ehefrau.

Sie gehört den Hakka an, ist lebhaft, belesen,

eine überzeugte Kommunistin und Mitglied der Sanitätsbrigade.

(Nachdenkliche Musik)

Im Oktober 1934 müssen die Kommunisten

die Umklammerung der Kuomintang durchbrechen,

um nicht komplett vernichtet zu werden.

Doch wie?

Die Führung wählt den unwahrscheinlichsten

und gefährlichsten Fluchtweg - über die Berge.

Was folgt, ist der sogenannte "Lange Marsch".

Verschiedene Kolonnen setzen sich in Bewegung,

ihr Fluchtziel zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss.

Der "Lange Marsch" geht über 12.000 Kilometer.

Das Tempo ist sehr hoch, weil die Kommunisten

von den Nationalisten verfolgt und bedrängt werden.

27 Kilometer am Tag.

Das ist enorm.

Wo der Marsch hinführen soll, steht anfangs noch nicht fest.

Der Lange Marsch führt durch Südchina, den Südwesten,

den Westen, an die Grenzen Chinas.

Alles in äußerst unwirtlichen Regionen mit Bergen und Flüssen,

die überquert werden müssen.

(Nachdenkliche Musik)

Es ist eine sehr unwirtliche Gegend, durch die Mao seine Truppen führt.

Es war eine Leistung, die seine Autorität begründete.

Er trägt die Truppen.

Er ist allein wie ein Kaiser, der sich seinem Schicksal stellt.

"Wir vertreten die Interessen der breiten Volksmasse."

"Wir atmen die gleiche Luft."

"Wir kämpfen für den Sieg der Revolution bis zum Ende."

Hier kristallisiert sich der Mythos des kommunistischen Kampfes heraus.

Das Heldentum der Partei und ihrer Männer,

die nicht einmal etwas zu essen hatten,

während sie gegen die Streitkräfte der Kuomintang kämpften.

(Ernste Musik)

"Der Lange Marsch ist ein Feldzug,

wie ihn die Geschichte noch nicht gekannt hat."

"Der Lange Marsch ist ein Manifest,

ein Propagandatrupp, eine Sähmaschine."

"Hat es in der Geschichte

derartige Feldzüge wie unseren Langen Marsch schon gegeben?"

Mao erkennt durchaus

den propagandistischen Wert einer solchen Bewegung.

Er stilisiert sich und seine Bewegung als ein auserwähltes Volk.

Für ihn ist der Lange Marsch daher eine Sähmaschine,

so nennt er das, um kommunistische Ideen zu verbreiten und zu zeigen,

wir sind anders als die korrupten, ausbeutenden Truppen der Kuomintang.

Wir verbinden uns, wie Fische mit dem Wasser, mit dem Volk.

(Sphärische Musik)

Aus dieser Verbindung mit dem Volk

wird 1947 die Volksbefreiungsarmee hervorgehen,

die heutigen Streitkräfte der Volksrepublik China.

Es ist noch immer ein wichtiger Mythos.

Die Rebellenarmee von damals

ist heute der bewaffnete Arm der Kommunistischen Partei Chinas.

Sie steht unter dem Kommando Xi Jinpings.

Ihm unterstehen rund zwei Millionen Soldaten

und eine halbe Million Reservisten.

Mit Propagandavideos signalisiert Xi Jinping Kampfbereitschaft,

nicht nur nach außen.

(Angespannte Musik)

Die Armee wurde auch schon gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt,

so auch 1989.

Beim Volksaufstand auf dem Platz des Himmlischen Friedens

töten Soldaten Hunderte bis Tausende Zivilisten.

(Aufgebrachtes Durcheinanderrufen)

"Jeder Kommunist muss diese Wahrheit begreifen."

"Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen."

"Die Partei kommandiert die Gewehre,

und niemals dürfen die Gewehre die Partei kommandieren."

Mao stilisiert den Langen Marsch zu seinem Heldenmythos.

In Wirklichkeit ist es für viele ein Marsch in den Tod.

Ein Überlebender erinnert sich:

"Der Herbstregen hielt die ganze Zeit an."

"Er verwandelte unseren Weg in einen Sumpf."

"Kranke und Schwache schliefen ein und wachten nie wieder auf."

"Einige zwangsrekrutierte Arbeiter desertierten,

die Fügsameren flehten um ihre Freilassung."

(Bedrückte Musik)

Tausende sterben an Hunger oder Krankheit.

Babys werden teilweise ausgesetzt.

Maos Frau He Zizhen bringt auf dem Marsch ein Mädchen zur Welt.

Das Paar übergibt es einem Bauern.

Später lässt Mao nach dem Kind suchen, doch es bleibt verschollen.

(Bedrückte Musik)

Im Herbst 1935, nach einem Jahr,

erreichen Mao und seine Anhänger Yan'an.

Von anfangs rund 85.000 Mann kommen nur 8.000 an.

(Spannungsvolle Musik)

Inzwischen können Touristen auf Maos Spuren Teile der Route nachwandern.

Die Partei forciert diesen "Roten Tourismus" landesweit.

Museen und Freizeitparks sollen die Wirtschaft ankurbeln

und der Jugend die Parteigeschichte vermitteln.

Auch in Yan'an.

(Erhabene Musik)

Yan'an ist ein abgelegenes Gebiet,

das von gleichgesinnten Kommunisten gehalten wird.

Zunächst sieht es aus, als ob Chiang Kai-shek dort angreifen wird.

Dann kommt es aber zu einem ganz wichtigen Umbruch,

dem sogenannten Xi'an-Zwischenfall.

Dabei meutern Truppen der Nationalisten gegen Chiang Kai-shek.

Sie weigern sich, die Kommunisten anzugreifen.

(Angespannte Musik)

Die Truppen sagen, es gibt eine größere Bedrohung für uns

als die Kommunisten, nämlich die Japaner,

die seit vielen Jahren Teile des chinesischen Territoriums erobern.

(Erwartungsvolle Musik)

Diese unerwartete Wende verschafft den Kommunisten um Mao kostbare Zeit.

Sie nutzen die Atempause, um sich zu regenerieren.

Yan'an wird für über ein Jahrzehnt Maos Basis.

Nach den Strapazen des Marsches herrscht Aufbruchsstimmung.

In Yan'an setzt Mao erste kommunistische Ideen um.

Er enteignet ansässige Landeigentümer und beschlagnahmt deren Geräte.

In den Bergen schaffen sich die Kommunisten einfache Behausungen.

Später kommen Krankenhäuser und Schulen dazu.

Endlich scheint die kommunistische Utopie wahr zu werden.

Gleichzeitig sind das die Jahre,

in denen sich Mao als Theoretiker profiliert.

Eine ganz prägende Phase,

in der ganz viele Grundlagen dessen gelegt werden,

was wir heute mit dem Maoismus oder dem maoistischen System verbinden.

(Ruhige Musik)

(Froissart:) Und in Yan'an schreibt Mao jeden Tag.

(Ruhige Musik)

(Walder:) Mao studierte Literatur aus Stalins Sowjetunion,

wo der Personenkult Hochkonjunktur hatte.

Seine Schlussfolgerung: Eine Revolution braucht einen Anführer,

der die Partei und die Bewegung lenkt.

Mao fordert von seinen Anhängern,

ihre Gedanken und Gefühle offenzulegen.

Sie müssen Selbstkritik üben.

Diese öffentliche Erniedrigung soll "falsches Denken" ausrotten.

Alle sollen seine Weltsicht teilen.

(Angespannte Musik)

Also, so richtig wie in der katholischen Kirche,

wo man seine Sünden zum Abend dann bekennt

und vor Gott sich entschuldigen muss für die Dinge,

die man eben nicht richtig gemacht hat.

(Düstere Musik)

Mao orientierte sich an Stalin.

Er erschuf in Yan'an den Mao-Kult.

Bis heute ist Yan'an ein mythisch aufgeladener, heiliger Ort.

Hunderttausende Schüler, Studenten und Touristen besuchen ihn jährlich.

Ich war 1994 dort.

Man konnte die Uniform der Roten Armee anziehen.

Das habe ich gemacht.

Ich habe davon ein Foto.

(Nachdenkliche Musik)

Auch die Parteielite pilgert nach Yan'an

und sonnt sich im Licht des großen Steuermanns Mao Zedong.

Xi Jinping hat eine besondere Verbindung zu diesem Ort.

Sein Vater gehörte zu Maos ersten Genossen,

die hier die Grundzüge der späteren Volksrepublik China

entwarfen und erprobten.

(Angespannte Musik)

Xi Jinpings Aufstieg zur Macht war kein Zufall.

Er stammt aus einer revolutionären Familie

und strebt danach, auf ein Level mit Mao zu kommen.

(Nachdenkliche Musik)

Xi Jinping weiß, dass Selbstdarstellung elementar ist.

Genau wie Mao.

Dieser setzt in Yan'an auf Besucher aus dem Ausland.

Es gab also eine ganze Reihe von westlichen Journalisten,

die in der Yan'an-Phase zunächst auf ganz abenteuerlichen Wegen

es geschafft haben, nach Yan'an vorzudringen

und die Bilder und Schriften geliefert haben,

die sich Mao und die Kommunistische Partei gewünscht haben.

Vor allem Anhänger der amerikanischen Linken sind von Mao fasziniert.

Einer von ihnen ist der Autor Edgar Snow.

Er begleitet Mao über einen längeren Zeitraum

und führt ausführliche Interviews mit ihm.

Edgar Snow ist eine unglaublich wichtige Person

für die Charismatisierung Maos im globalen Kontext,

also, sozusagen die globale Ikone Mao

entsteht unter anderem ja durch das Buch, was er geschrieben hat.

Was dann rückübersetzt wird ins Chinesische

und was Mao dann auch in China bekannt macht.

Snows Buch "Roter Stern über China"

prägt das Bild eines erdverbundenen und genialen Mao.

Genau wie dieser es sich erhofft hat.

Yan'an ist vielleicht der Moment, wo Mao tatsächlich seine Größe erlangt.

Mao genießt die Aufmerksamkeit, besonders die der Frauen.

In Yan'an werden ihm zahlreiche Affären nachgesagt.

(Ruhige Musik)

Die Kommunistische Partei versprach freie Liebe.

Zuvor gab es nur arrangierte Ehen.

Viele hochrangige Parteimitglieder

trennten sich von ihren alten Frauen und heirateten jüngere.

Mao lernte die schöne Schauspielerin Jiang Qing kennen.

Die Schauspielerin Jiang Qing war nach Yan'an gekommen,

um an der Akademie für Dramatische Kunst zu arbeiten.

Mao, der dort gelegentlich über Philosophie und Literatur spricht,

verliebt sich in sie.

(Ruhige Musik)

Er verlässt seine dritte Ehefrau He Zizhen und heiratet Jiang Qing.

(Düstere Musik)

In Yan'an verfolgt Mao von Beginn an ein Ziel.

Alle Lebensbereiche sollen seinem kommunistischen Dogma

unterworfen werden, einschließlich der Kunst.

"Die Geschichte wird vom Volk geschaffen."

"Doch auf den alten Bühnen wird das Volk nun so dargestellt,

als sei es lediglich Abschaum."

"Die Bühne wird beherrscht von Adligen

und ihren verwöhnten Söhnen und Töchtern."

"Diese verkehrte Geschichte sollte nun von euch zurückgedreht werden,

um das wahre Gesicht der Geschichte wiederherzustellen."

(Düstere Musik)

Es war schon sehr klar in den Yan'aner Reden,

dass er eben sagt, Literatur, Kunst und Musik muss dem Volke dienen.

Aber er sagt nicht, was genau die politische Richtung ist.

Das genau ist das, was für Künstler dann so wahnsinnig gefährlich war,

weil man nie 100 Prozent wissen konnte, ob das,

was man gerade macht, möglicherweise morgen verboten sein wird.

(Angespannte Musik)

In Yan'an regt sich Widerstand gegen Maos Vorgaben.

Einige Künstler weigern sich,

ihre Werke in den Dienst der Politik zu stellen.

Autoren hinterfragen in Essays

die Privilegien höherer Kader bei Essen und Kleidung.

Ein Flüsterwitz macht die Runde:

In Yan'an sind nur drei Dinge für alle gleich:

die Sonne, die Luft und die Toiletten.

Mao befürchtete, die Kritik untergrabe die Einheit

und den Korpsgeist der Partei.

Dem wollte er ein Ende setzen.

(Düstere Musik)

Er lässt Listen mit den Namen seiner Kritiker erstellen.

(Klingeln)

Daraufhin leitet Mao eine Säuberung innerhalb der Partei ein.

Seine Überzeugung:

Die Partei muss regelmäßig von Abweichlern befreit werden.

(Düstere Musik)

In China gibt es heute formal keine Grenzen für Kunst.

Doch inhaltlich existieren No-Go-Areas.

Das Tian'anmen-Massaker, kritische Aspekte von Maos Geschichte,

Pornografie und Menschenrechte.

(Angespannte Musik)

Kunstschaffende in China meiden diese Themen aus Angst vor Verhaftung.

Neuerdings ist auch Winnie Pooh tabu.

Nachdem Videoclips den Zeichentrick- bären mit Xi Jinping verglichen,

wurde seine Darstellung verboten.

Sie stellt den Machthaber infrage.

(Stimmengewirr)

Während Mao innenpolitisch seine Macht festigt,

verschärft sich die außenpolitische Situation im Sommer 1937 massiv.

Japan verstärkt seinen Griff um China.

Schon 1931 hatte das Kaiserreich die Mandschurei besetzt

und einen Marionettenkaiser installiert.

Nun dringt Japan weiter ins chinesische Kernland vor.

(Explosion)

Am 7. Juli 1937 kommt es zu Feuergefechten

zwischen japanischen und chinesischen Truppen

an der Marco-Polo-Brücke bei Peking.

Das war der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im asiatischen Raum.

(Düstere Musik)

Nun rücken die japanischen Truppen in den Süden Chinas vor.

Die Japaner gehen mit unvorstellbarer Brutalität vor.

Sie zwingen die Bewohner, ihre Häuser zu öffnen, und dringen ein.

Dabei missachten sie jegliche Regeln des Krieges.

(Düstere Musik, Geschrei)

(Sphärische Musik)

Die japanischen Soldaten erobern Nanjing.

(Bedrückte Musik)

Sie verüben beispiellose Gräueltaten.

(Bedrückte Musik)

Es werden rund 300.000 Menschen ermordet.

Ein schrecklicher Vorfall, den viele Chinesen nicht vergessen haben.

(Sphärische Musik)

"Die japanische Aggression verschärft sich von Tag zu Tag

und ist eine so gewaltige Bedrohung,

dass sich in ihrem Angesicht alle Kräfte Chinas vereinen müssen."

"Aufgrund der Gefahr für unsere nationale Existenz

sind wir heute dazu bereit, uns zu vereinen."

Dahinter steckt die Idee, dass Nationalisten und Kommunisten

eine Union bilden müssen, um China vor Japan zu retten.

Infolge der Gefangennahme Chiangs

durch meuternde Truppen im Dezember 1936 und auf Druck Stalins

schließen Mao und Chiang ein Zweckbündnis gegen Japan.

Mao galt als Architekt einer Guerillabewegung,

die sich gegen Japan zur Wehr setzte.

(Düstere Musik)

Wobei die kommunistische Seite sehr vorsichtig ist,

ihre eigenen Truppen also weitgehend autonom hält

und auf diesem Weg dafür sorgt,

dass ihre eigene Stärke weiter wachsen kann,

während die Hauptlast der Verteidigung die Armee

und der Truppen Chiang Kai-sheks zu tragen hat.

Maos Ziel ist es,

weiter eine eigenständige schlagkräftige Armee aufzubauen,

um nach dem Krieg erneut gegen die Kuomintang kämpfen zu können.

(Angespannte Musik)

Acht Jahre dauert der erbitterte Kampf der Chinesen

gegen die übermächtigen Japaner.

Erst ein Ereignis von historischer Tragweite

besiegelt das Ende des Krieges im pazifisch-asiatischen Raum.

Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.

(Beunruhigende Musik)

Der gemeinsame Feind Japan war besiegt.

Und damit sind die Kommunisten und die Nationalisten

wieder zwei getrennte Kräfte.

Chiang Kai-shek und Mao Zedong werden wieder zu Feinden.

Ein Vermittlungsversuch der USA scheitert.

Mao wendet sich an Stalin und bittet um Unterstützung

für den bevorstehenden Kampf gegen die Kuomintang.

Er fordert Geld und Waffen, um seine Truppen

für die entscheidende Konfrontation zu rüsten.

Aber Stalin hat kein Interesse am Bürgerkrieg in China

nach dem Zweiten Weltkrieg.

Unbeeindruckt von Stalins Bedenken setzt Mao auf seinen Instinkt.

Er ist sich des Sieges sicher.

(Angespannte Musik)

Erneut bricht der Bürgerkrieg

zwischen Nationalisten und Kommunisten aus.

Beide Seiten rekrutieren einfache Menschen,

oft unter Zwang, für ihre Armeen.

Doch das Kräfteverhältnis hat sich verschoben.

Chiang Kai-sheks Truppen ... sind erschöpft.

(Ernste Musik, Explosionen)

Maos Strategie entfaltet ihre volle Wirkung.

Chiang Kai-sheks geschwächte Truppen

brechen unter dem Ansturm der Kommunisten zusammen.

Wie Dominosteine fallen die Städte.

(Jubel, Pfiffe)

Chiangs Armee zerfällt,

seine Soldaten wechseln in Scharen die Seiten.

Am Abend des 20. Januar 1949

steht Maos Armee vor den Toren Pekings, bereit zum finalen Schlag.

Ist Mao der Mann, der China zu neuer Größe führen wird?

(Nachdenkliche Musik)

"Die Chinesen, die ein Viertel der Menschheit bilden,

sind nunmehr aufgestanden."

(Nachdenkliche Musik, Geschrei)

(Schreie hallen kurz nach.)

(Nachdenkliche Musik)

SWR 2024

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