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* Leises Stimmengewirr *
(M. Bongiorno) Alles klar. Mario? (Mario) Ja, ich höre dich.
Er ist der Hauptprotagonist.
(S. Berlusconi) Ich habe es da hingelegt.
Also... welche Kamera filmt mich? Die vor mir?
Ich fange an und du filmst mich, aber während ich die Frage stelle,
filmst du ihn, um zu sehen, wie er reagiert.
Gut, alles klar. Du bleibst ganz entspannt.
Wir können das Publikum hereinlassen.
Ich komme ... Du musst meine Haare noch richten.
Natürlich verfolgen Sie alles hier mit Interesse.
Es wird interessant werden.
Es ist das erste Mal, dass Berlusconi so ein Interview gibt.
Sie beschäftigen sich mit vielen Dingen: Fernsehen,
Film, Vertrieb, Verlagswesen, Bau, Fußball. Sehr viel ...- Zu viel.
Ich weiß nicht, wie Sie das alles schaffen.
Dachten Sie mal daran, in die Politik zu gehen?(Mann) Nein!
Warum nicht? Wer hat denn da gerufen?
Nein.- Kein bisschen ...? Vielleicht in der Zukunft?
Nein, ich bin ein Mann der Tat.
Ich mache das, was ich gut kann: Unternehmer sein.
* Intromusik *
(Journalistin) Herr Abgeordneter, was sagen Sie heute in Montecitorio?
(B. Craxi) Ich werde meine vielen guten Gründe darlegen.
* Leise unbehagliche Klänge *
(Journalist) Heute ist ein schwieriger Tag.
Erwarten Sie, dass es zu weiteren Ermittlungen kommt?
- Wie wird die Kammer abstimmen? (Mann) Ich weiß, wie ich abstimme.
- Wird die Kammer die Ermittlungen zulassen? - (Frau) Ich denke schon.
Sonst könnte es zum Volksaufstand kommen.
(Mann) Gemäß Antrag folgt nun die Abstimmung:
Soll die Kammer die Ermächtigung erteilen,
gegen Korruptionsvorwürfe in Mailand juristisch vorzugehen?
Hat jemand noch nicht abgestimmt?
(P. Corrias) Die Staatsanwälte sind auf Bettino Craxi zugekommen.
Sie haben ihm sieben oder acht Vorladungen geschickt.
(Mann) Abgegebene Stimmen: 564. Eine Enthaltung.
Ja-Stimmen: 273. Nein-Stimmen: 291.
Der Antrag wird abgelehnt.
* Aufgeregtes Durcheinander *
An diesem Tag hat das Parlament darüber abgestimmt,
ob die Staatsanwaltschaft weiter gegen Bettino Craxi ermitteln darf.
Das Ergebnis: Nein.
Craxi ist noch mal davongekommen.
(Moderatorin) Dass die Kammer Ermittlungen
wegen Korruption gegen B. Craxi ablehnt,
belastet die Glaubwürdigkeit der Institutionen.
(V. Dotti) Natürlich war Berlusconi eng befreundet mit Bettino Craxi.
Craxi hat Berlusconi politisch geschützt.
Ich freue mich über das Votum der Kammer,
denn ich war immer ein Freund und Bewunderer von Herrn Craxi.
Deshalb freue ich mich für ihn.
(S. Craxi) Berlusconi hat immer seine Freundschaft zu Craxi bekräftigt.
Er stand auch im schwärzesten Moment hinter ihm:
in der "Nacht der Münzen".
Es war barbarisch.
Ein Angriff, der auf gewisse Weise ...
faschistisch war, auch wenn er von der Linken ausging.
* Protestrufe *
Craxi war im Hotel Raphael untergebracht,
in der obersten Etage.
Wie immer, wenn er in Rom war.
* Protestrufe *
(G. Minoli) Wir waren die einzigen, die dort gefilmt haben.
Nebenan auf der Piazza Navona
war gerade eine Kundgebung zu Ende gegangen.
Viele von denen, die bei dieser Kundgebung waren,
kamen zum Hotel Raphael.
* Protestrufe *
Die Stimmung war sehr aggressiv.
Also schickte ich eine Redakteurin mit einem Team.
(Reporterin) Es ist 19:30 Uhr, wir stehen vor dem Hotel Raphael.
Wir warten darauf, dass Craxi das Haus verlässt.
Da ist er, da ist er!
Sie werfen mit allem ...
* Aufgeregtes Durcheinander, Pfiffe und Buhrufe *
(Reporterin) Achtung, Achtung ...
Sie bewerfen auch uns. Mit Münzen, mit allem. Sie werfen mit allem!
(Nachäffend) Sie werfen mit allem.
Raphaels Münzen sind ein Symbol.
Sie werfen mit Münzen, sie schimpfen, sie skandieren,
machen sich lustig über diesen mächtigen Mann,
der ängstlich zu seinem Wagen stürzt
unter dem Schutz seines Sicherheitspersonals.
Es ist ein Symbol für das Ende der Ära Craxi.
Und damit fällt auch das Parteiensystem in sich zusammen,
das seit dem Krieg regiert hatte.
* Straßenlärm *
* Düstere Musik *
(G. Moncalvo) Wir stehen vor den Trümmern einer zerstörten Republik.
Die Christdemokraten, die Sozialistische Partei,
die Republikaner, die Liberalen, die Sozialdemokraten -
alle fallen in sich zusammen.
Übrig bleibt die Kommunistische Partei.
Auf nationaler Ebene ist sie die Partei,
die am wenigsten in die Ermittlungen verwickelt ist
und daher gute Chancen hat, die Parlamentswahlen 1994 zu gewinnen.
(D. Rivolta) Occhetto war Generalsekretär
der Kommunistischen Partei Italiens,
die später ihren Namen zu "Demokratische Partei der Linken",
PDS änderte.
(M. Dell'Utri) Herr Occhetto hatte bereits alle Ministerposten besetzt
und war zu 100 % überzeugt, die Wahl zu gewinnen.
Es gab keine Konkurrenz mehr.
* Leiser Jubel *
(M. Dell'Utri) Das ärgerte Berlusconi,
es beunruhigte ihn. Zu Recht.
"Wenn die Kommunisten kommen, sind wir am Arsch!"
Entschuldigen Sie den Ausdruck.
Der Kommunismus hat, wo immer er angewendet wurde,
sehr negative Auswirkungen mit sich gebracht,
vor allem den Verlust eines der wichtigsten Güter:
der Freiheit. Hinzu kommen miserable Lebensbedingungen.
Zudem Sklaverei, Terror, manchmal sogar der Tod.
* Fröhliches, beschwingtes Lied mit italienischem Gesang. *
# "... Wir ändern die Richtung und löschen aus, was war." #
(G. Moncalvo) Berlusconi befürchtet,
dass ein Sieg der Kommunistischen Partei
die Banken dahingehend beeinflussen würde,
dass er seine Schulden beim Credito Italiano
und der Banca Nazionale del Lavoro zurückzahlen müsste.
* Elektronische Musik *
(Moderator) Überwältigt von 900 Milliarden Lire Schulden
musste der Privatsender La Cinq
mit dem Berlusconi Frankreich erobern wollte, Konkurs anmelden.
Er hatte versucht, die europäische Fernsehlandschaft zu verändern.
In Frankreich mit La Cinq, in Deutschland Tele 5,
auch in Spanien.
(Mod.) ... weil sie Überraschungen vorbereiten ...
Alle drei Projekte scheitern.
(Moderator) Fünf, vier, drei, zwei, eins ...
* Leiser Applaus und Jubel *
La Cinq ist einer der Gründe,
warum Berlusconis Medienkonzern "Mediaset"
zunehmend rote Zahlen schreibt.
(G. Moncalvo) Berlusconi ist mit 1000 Milliarden Lire im Minus
und hat 1000 Milliarden Schulden in Form von unbezahlten Krediten.
Also in Summe mindestens zwei Billionen Lire Schulden.
Es stand nicht gut um seine Unternehmen.
Denn um diese Summe zurückzuzahlen, muss man ganz schön viel verkaufen.
Er steckt tief in den Schulden, die Lage ist wirklich ernst.
* Gelächter *
(R. Benigni) Silvio!
Hier sind 100.000 Lire, Silvio!
Er hat keine einzige Lira auf der Bank! Er hat kein Geld!
Ohne politische Unterstützung wird es noch komplizierter.
Die ersten Ermittlungen gegen Berlusconis Imperium
laufen bereits an.
(M. Dell'Utri) Diese Zeit war schlimm.
Sehr schlimm.
Ich wurde für Publitalia einbestellt.
Sie wollten mich verhaften.
Freunde riefen mich an: "Sie wollen dich verhaften!
Mach dich vom Acker! Tauch einfach ab!"
Und ich: "Aber wohin?"
(Journalist) Was sagen Sie zu den Vorwürfen der Bilanzfälschung?
(M. Dell'Utri) Ich habe diese Anschuldigungen komplett bestritten,
weil ich sie für unbegründet halte.
(F. Confalonieri) Und der erste, gegen den ermittelt wurde, war ich.
(Moderator) Auch gegen F. Confalonieri wird
wegen Millionenzahlungen an die PSI ermittelt.
"Normale Rechnungen", antwortete er.
(Journalist) Haben die Richter alles aufgeklärt?
(F. Confalonieri) Das müssen Sie die Richter fragen. Auf Wiedersehen.
Die Schlinge um Berlusconi zieht sich immer weiter zu.
Ich habe ihn in dieser Zeit oft interviewt und er sagte,
es gäbe Abende, da würde er weinen.
Einfach, weil der Druck so groß war und die Zukunft so düster aussah.
Er hatte schlichtweg Angst.
* Straßenlärm *
In diesem politischen Erdbeben,
in dem er zuerst seinen politischen Ankerpunkt Craxi verliert,
wird es für Berlusconi nicht gut enden.
Er weiß, dass es für ihn nur einen Ausweg gibt.
* Stimmengewirr *
(G. Moncalvo) Es gibt ein Vakuum.
Die rechte Mitte ist nicht mehr vertreten,
die gemäßigten Konservativen sind nicht vertreten.
Und in dieses Vakuum stürzt sich Berlusconi.
* Lautes Stimmengewirr *
(M. Dell'Utri) Eines Tages sagte Berlusconi zu mir:
"Ich hab's! Wir müssen eine Partei gründen!"
Ich sagte: "Wie geht das?"
Und er: "Keine Ahnung, aber alle machen das."
Das war im Sommer 1993.
* Fröhliche Popmusik *
(R. Cohen) Er dachte, er könne Italien in Schwung bringen,
so wie er es mit der Wirtschaft getan hatte.
Das wollte er nun auf die Politik übertragen.
(F. Confalonieri) Im Sommer '93 fing er an, darüber nachzudenken.
Ich war dagegen,
weil wir erst im April/Mai '93 von der Justiz attackiert worden waren.
In die Politik zu gehen,
würde der Justiz noch viel mehr Angriffsfläche geben.
(V. Dotti) Confalonieri bremste ihn.
"Sei vorsichtig, sie werden dich zerfetzen."
Dell'Utri wiederum drängte ihn schon fast zu diesem Schritt.
Sicherlich, weil er sich seiner großen Rolle bewusst war,
sollte die Berlusconi-Gruppe in die Politik gehen.
* Angespannte Musik *
(F. Confalonieri) Marcello Dell'Utri ist für Berlusconi das,
was der heilige Paulus für Jesus Christus ist.
Mit anderen Worten:
Dell'Utri ist ein wunderbarer Vollstrecker.
Und zu 100 % eingenommen von Berlusconis Doktrin.
(M. Dell'Utri) Fedele Confalonieri war dagegen,
Gianni Letta, ein enger Vertrauter von Berlusconi, ebenfalls.
Eines Tages nahmen sie mich in die Mangel.
"Unterstütze Silvio nicht darin, das zu tun. Das ist Wahnsinn!
Was machst du da?"
"Unterstützen?
Er ist längst auf dem Weg,
ich sammele nur die Scherben hinter ihm auf."
* Musik verstummt. *
(G. Moncalvo) Eine nationale Partei zu gründen ist nicht ohne,
es braucht Zeit. Vor allem, wenn es noch gar keine Struktur gibt.
Doch eine potente Organisation gibt es bereits: Publitalia.
* Elektronische Musik *
(M. Dell'Utri) Es gab viel zu tun.
Die Unternehmensgruppe retten, eine Partei gründen,
die das Land vor den Kommunisten retten sollte,
aber gleichzeitig offiziell leugnen, dass wir all das taten.
Wir hatten 1000 Leute im Außendienst, Standorte in ganz Italien.
Wir hatten Vertriebler, Manager.
Berlusconi sagte: "Findet die besten Leute!
Alle Positionen müssen besetzt werden!"
"Und wie machen wir das?"
Eine Höllenarbeit.
(L. Braun) Es gibt ja dieses "il furbo",
das ist ja der Schlaue, die Schlauheit.
Das ist ja wirklich eine italienische Tugend.
Je schlauer jemand ist,
das heißt auch, je geschickter er die Gesetze umgehen kann,
je geschickter er seine Interessen vertritt,
desto toller ist er.
All das hat sich in seiner Person konzentriert.
(G. Moncalvo) Die Publitalia-Armee rückt an.
Es sind indoktrinierte Leute, so was wie "Missionare",
die ausrücken, um Geld für Berlusconi zu sammeln.
Für sein Fernsehunternehmen oder wie jetzt:
um Wählerstimmen für ihn zu gewinnen.
Eine glattrasierte Armee ohne ein Barthaar.
Söldner, die immer ein Ersatzhemd und eine Ersatzkrawatte im Auto hatten
und die jeden Pitch sorgfältig probten,
wenn nötig im Aufzug oder im Vorzimmer.
Die genau wussten, was sie sagen sollten und was nicht,
bevor sie in ein Meeting gingen.
Eine Armee derer, die durch Berlusconis Schule gegangen waren,
die er seit seiner Zeit als Immobilienunternehmer geprägt hatte.
Es galt, die Geburtstage der Geschäftspartner zu kennen,
die Hochzeitstage, die Geburtstage der Kinder,
den Geburtstag der Sekretärin, den Geburtstag der Geliebten
und ihnen angemessene Geschenke zu schicken.
(L. Braun) Für Berlusconi war es ganz klar,
dass er die Macht des Bildes erkannt hat,
dass er wusste, wie wichtig die Kontrolle über das Bild ist
und dass er ungemein genau wusste,
wie wichtig das Aussehen auch für einen Mann ist.
* Der Mann spricht Italienisch. *
Die Auswahl der Kandidaten hat er am Bildschirm getroffen.
Entweder in seiner Villa in Arcore
oder im Büro oder direkt im TV-Studio.
Er schaut sich die Videos der Castingteilnehmer an
und entscheidet, wer am besten vor der Kamera wirkt.
(V. Dotti) Waren sie wortgewandt? Traten sie überzeugend auf?
Wirkten sie sympathisch? Lächelten sie?
Ich kann mich nicht erinnern,
dass es dabei jemals um ihre politischen Ansichten ging.
* Treibende Popmusik *
Die mit Bärten oder Schnurrbärten sortiert er sofort aus.
Er verabscheut Gesichtsbehaarung.
(V. Dotti) Ein feuchter Händedruck?
Der fliegt raus. Tut mir leid.
Er disqualifiziert alle, die sich nicht zu benehmen wissen,
die nicht elegant genug sind, nicht charismatisch genug sind.
Sein idealer Kandidat muss dem Fernsehstandard entsprechen.
(R. Cohen) Er wusste, dass er die Möglichkeit hatte,
sein Netzwerk in der italienischen Medienlandschaft zu nutzen.
Und er hatte überhaupt keine Gewissensbisse,
sich dort zu promoten.
* Applaus *
Liebe Zuschauer, unser Präsident Silvio Berlusconi!
(M. Dell'Utri) In kürzester Zeit war alles vorbereitet.
Alles war angeleiert.
Aber wir hatten noch nicht mal einen Namen für unsere Partei.
Wir fragten: "Wie soll sie heißen, unsere Partei?"
Viele Namen wurden vorgeschlagen, aber keiner gefiel ihm.
Eines Tages trommelte er uns zusammen und sagte:
"Ich habe einen Namen!
Die Partei soll 'Forza Italia' heißen!"
Wir schauten uns alle an und dachten: "Was für ein Schwachsinn."
* Angespannte Klänge *
* Leises Rotorenrattern *
* Entfernter Straßenlärm *
(Mann) Wir haben das Signal aus der Türkei.
(Mann) Das ist alles von Palermo für Rom.
(Frau) Francesco? (Mann, off) Ja.
(Frau) Schalte nach Mailand zu Berlusconi.
(Mann) TG 1, Berlusconi in Mailand... (Frau) Danke.
* Musik verstummt. *
Italien ist das Land, das ich liebe.
Hier liegen meine Wurzeln, meine Hoffnungen - und die Zukunft.
Hier habe ich von meinem Vater und vom Leben gelernt,
Unternehmer zu sein.
Hier habe ich auch gelernt, wie wichtig Freiheit ist.
Ich habe beschlossen, das Feld zu betreten
und mich aktiv in die Politik einzubringen,
weil ich nicht in einem unfreien Land leben möchte,
das von unreifen Kräften und von Männern regiert wird,
die für eine politisch und wirtschaftlich
bankrotte Vergangenheit stehen.
* Elektronische, treibende Musik *
Seine Ansprache an das italienische Volk
sprengt jede Konvention.
Die Rede entwaffnet jeden Politikwissenschaftler,
weil sie so naiv daherkommt.
Aber die breite Öffentlichkeit ist beeindruckt.
Berlusconi spricht ihnen aus der Seele.
(Journalist) In Arcore haben sich Schaulustige versammelt,
während Berlusconi noch auf Sendung ist.
Wie lautet Ihr erster Kommentar?
(Mann) Ich habe aufmerksam zugehört und begrüße es,
dass er das Feld betritt, um sich aktiv in die Politik einzubringen.
Noch nie hat Italien,
das zu Recht Propheten und Heilsbringern misstraut,
so dringend Menschen mit Köpfchen gebraucht,
die erfahren, kreativ, innovativ und fähig sind,
anzupacken und das Land zu regieren.
(D. Rivolta) Es war der richtige Ton,
der richtige Zeitpunkt und die richtige Vorgehensweise,
um zu erreichen, was und wen er wollte.
(Journalistin) Haben Sie erwartet, dass er in die Politik geht? - Ja.
Für mich war das lange absehbar.
(Mann) Ich war von den ersten Sätzen beeindruckt:
Dass er Italiener ist und er seine Nation liebt.
Kein Norden oder Süden ...
Ich glaube, dass wir alle
für uns und für unsere Kinder
ein neues italienisches Wunder brauchen.
(R. Cohen) Er sah sich als Held.
Als jemanden, der die Kraft hatte, alles zu verändern.
Und er hatte Gründe, das zu glauben,
denn er hatte Italien wirklich verändert.
Er hatte verändert, was die Italiener im Fernsehen sahen,
was sie lasen, was sie hörten.
(C. Freccero) Das Fernsehen bekommt mit dem Wahlkampf
eine andere Bedeutung.
Es wird zu Berlusconis Geist.
Es ist so, als würde das Fernsehen
den Schöpfer all dessen, was wir uns erträumen,
was wir uns wünschen, aufleben lassen.
Und dieser Schöpfer ist Berlusconi.
Er ist der Mann, der uns liebt.
Ich habe beschlossen, das Feld zu betreten ...
(C. Freccero) "Ihr, die stundenlang mein Fernsehen gesehen habt:
Ich werde das Land so verändern, wie ich mein Fernsehen verändert hab.
Ich mache es zu einem Unternehmen, das funktioniert."
Das ist Berlusconis Traum.
Das Alte zerreißen, um was Neues zu machen.
(Moderator) Was sagen Sie zu dieser Meldung?
Hat Berlusconi das Zeug zum Anführer?
(Moderatorin) "Hat Ihnen die Fernseh- botschaft von Berlusconi gefallen?"
41 Prozent antworteten mit Ja,
45 Prozent mit Nein.
14 Prozent sind unentschieden.
(L. Braun) Als ich damals Umfragen machte,
kam immer wieder das Argument:
"Er ist so reich, er wird uns nicht bestehlen."
Also die haben ihm das wirklich auch geglaubt.
Dass er Wunder vollbringt und Italien wieder groß macht.
(Frau) Ich glaube, er ist gut vorbereitet.
Mal sehen, ob sich seine Erfahrungen aus der Wirtschaft
auf die Politik übertragen lassen.
Es sind zwei sehr unterschiedliche Bereiche.
Aber wer gut vorbereitet ist, hat eine Chance.
(Mann) Berlusconi verfolgt seine eigenen Interessen.
Vor allem will er seine Haut retten.
(Mann 2) Andere sorgen für Arbeitslosigkeit,
er schafft Arbeitsplätze.
- Sie wählen ihn in der Hoffnung auf Arbeitsplätze? - Ja.
(Journalist) Wie reagieren Sie auf Vorwürfe,
dass Sie persönliche Interessen verfolgen?- Ich antworte ...
Ich antworte bei "Mixer".
(Journalist) Wenn Sie gewinnen: Was wäre mit der RAI?
Erst das Interview, dann sehen wir weiter.
* Fröhliche Intromusik *
Von da an wollten wir alle, die bei der RAI Sendungen hatten,
Berlusconi interviewen.
Und ich war der erste, dem es gelang.
(TV) Also, glauben Sie immer noch, dass Kommunisten Kinder essen ...?
Nein, das habe ich nie gedacht. Ach nein?
Ich denke an Schlimmeres. Soso.
Denn sie wären nicht imstande,
das Land zu regieren und die Probleme zu lösen.
Sobald die Kommunisten einem Land ihr Rezept
und ihre Medizin verordnen, - das beweist die Geschichte -
erlebt das Land Elend, Terror ...- ... und Tod.
Und Diktatur. Ah, mal was Neues.
(On) Das Interview war wirklich ... zäh, aber auch sehr unterhaltsam.
Er war sehr sympatisch.
Viel sympathischer als ich, um ehrlich zu sein.
(TV) Dass das Fernsehen, - also Ihr Fernsehen -
bei dieser Wahl den Unterschied macht, ist allen klar.
Ihnen auch? Oder streiten Sie das ab?
Nein, für mich ist klar, dass die RAI,
die von den Geldern aller lebt,
für eine politische Partei steht. Das stimmt so nicht.
Vor allem RAI 3. Das ist nicht ...
Und die anderen Sender. Das wissen auch die Zuschauer.
Das ist ein leninistisches Argument.
Mein Fernsehen richtet sich an alle, auch an die Linken,
die viele Stunden davor zubringen. Manche erkennen das sogar an.
(On) Das war der Punkt.
Kann er als Inhaber dreier Fernsehsender
gleichzeitig Premierminister sein?
Diese Konstellation war beispiellos auf der Welt.
Das ist kein fairer Wettbewerb.
Etwas so Unfaires ist mir in der Geschichte der Demokratie
nicht noch mal untergekommen.
(TV) Denken Sie daran, dass hinter jedem Fininvest-Zuschauer
ein potenzieller Wähler der Forza Italia steht?
Genau wie hinter jedem RAI-Zuschauer.
Ein Wähler, der immer sagt ... Es gibt keinen Unterschied.
Sie bestehen darauf. Gut.
* Angespannte Klänge *
Das Fernsehen ist sehr mächtig.
Es ist die mächtigste Waffe der politischen Propaganda
und Berlusconi wusste sie zu nutzen.
Die Entscheidung, eine Partei zu gründen,
kann er nur deshalb so leichtfüßig fällen,
weil er der Besitzer von drei nationalen Fernsehkanälen ist.
* Lässige Intromusik *
(G. Funari) Applaus für mich, nicht für die Gäste! Das sei mir gegönnt.
Applaus für mich!
Danke, das reicht.
Der Erste, der klatscht, zahlt die Strafe.
Dr. Berlusconi, bitte ...
Entschuldigen Sie, aber so sind die Regeln ...- Guten Abend.
(Moderator) Ich habe das Glück, nach 45 Jahren endlich
den Kandidaten zu kennen, den ich wählen werde.
Denn ich habe viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet.
Endlich weiß ich, wem ich meine Stimme gebe.
(Moderatorin) Ah ...
- Verstehen Sie jetzt? - Berlusconi!
- Klar, Berlusconi.
Ein ziemlich harter Wahlkampf.
(Mod.) Der Satan kümmert sich um Occhetto,
der himmlische Vater um Forza Italia.
(G. Funari) Wir kennen uns sehr gut. Stimmt.
Wir haben einiges durchgemacht. Das ist wahr.
(G. Moncalvo) In seinen Sendungen platzierte Berlusconi Meinungsführer.
Für die Zuschauer waren sie Entertainer oder Moderatoren,
die sagten:
"Nur jemand wie Berlusconi kann Italien wieder auf die Beine helfen."
Denken Sie daran, dass die Fininvest-Gruppe als einzige
bisher niemanden entlassen hat.
Während es im Moment überall Entlassungen gibt.
Wie viele von Ihnen am Bildschirm werden wohl noch entlassen?
Berlusconi hat noch nie jemanden entlassen.
Wer gehen will, geht.
(G. Moncalvo) "All sein Erfolg und all das Geld,
das er mit seinen Unternehmen, mit seiner Arbeit verdient hat -
und jetzt stellen Sie sich vor, er würde all seine Fähigkeiten,
seine Brillanz, Kreativität in den Dienst des Staates stellen:
Wie viel besser wird es uns allen gehen!"
(Frau über Telefon) Ich schaue immer Canale 5, Rete 4, Italia 1.
Ich habe einen 24-jährigen Sohn. Er findet einfach keine Arbeit.
Wenn Berlusconi 40.000 Angestellte hat,
kann er dann nicht noch meinen Sohn einstellen?
* Freizeichen *
(I. Zanicchi) Ich glaube nicht, dass sich die Künstler darum rissen,
Werbung für Berlusconi zu machen.
(Mod.) Darf ich Sie etwas fragen? Schauen Sie dorthin!
(I. Zanicchi) Ich trat kaum auf, weil er mich nie darum gebeten hat.
(Mod.) Nennen Sie drei Gründe, warum wir Forza Italia wählen sollten.
(I. Zanicchi) Die Italiener waren von Berlusconi überzeugt
und sie hatten recht.
Er hat ihnen direkt aus dem Herzen gesprochen.
Er hat direkt zum Volk gesprochen, und das Volk hat ihm geglaubt.
(Mann) Forza Italia! Forza Italia! * Lauter Jubel *
(Mann) Forza Berlusconi! Forza Berlusconi!
(C. Freccero) Diese Stars, die während des Wahlkampfs
in seinen Sendungen auftreten,
tun nichts weiter, als ihn zu verherrlichen.
Der ganze Wahlkampf wurde dadurch verzerrt.
(Journalistin) Fernsehen und Politik ...
Glauben Sie, dass das Fernsehen die Politik beeinflusst?
(A. Occhetto) Nun, es ist sicherlich ein wichtiges Medium,
weil es Millionen von Wählern erreicht.
Aber ich halte es nicht für das einzig probate Instrument.
In diesem Wahlkampf spielt auch
die Tür-zu-Tür-Befragung eine entscheidende Rolle.
Wir waren darauf nicht vorbereitet.
Die Gesellschaft war darauf nicht vorbereitet.
* Lauter Jubel *
(A. Occhetto) Seit 1945 hatten wir mehr oder weniger
den gleichen Wahlkampf gemacht.
Es ging um das große Ideal,
um politische und programmatische Themen.
Eigentlich hatte der Mentalitätswandel bereits begonnen.
Im Mailand der 80er-Jahre,
wo der Vergnügungsfaktor an oberster Stelle stand.
Es begann mit der Verquickung
von Premierminister Craxi und dem Privatfernsehen,
mit diesem Fokus auf Unterhaltungskultur.
Dabei meine ich nicht, wie viel Sendezeit ein Politiker hatte
oder wie viel ein anderer.
Das war es nicht.
Es war vielmehr die Erkenntnis, dass das Fernsehen
die Wahrnehmung der kulturellen und politischen Realität verändert hatte.
(Mod.) Berlusconi ruft zum Kampf gegen die "linke Gefahr" auf.
So lautete seine Botschaft auf dem Parteitag der Forza Italia in Rom.
Eine Veranstaltung nach amerikanischem Vorbild,
eine Kombination aus Politik, Spektakel und Kommerz.
(Moderator) Meine Herren, Silvio Berlusconi!
* Forza-Italia-Hymne *
* Hymne verstummt. *
(V. Dotti) Zu seinen Freunden gehörten viele Sänger,
Liedermacher und Lyriker.
Die Musik war eine seiner großen Leidenschaften.
Zu Hause, im Privaten, spielte er Klavier und sang dazu.
* Jubel und Pfiffe *
Wie kann man in diesem Moment nicht gerührt sein?
(V. Dotti) Er hatte einen seiner Freunde auserkoren,
den Parteisong zu schreiben.
Es war ein richtiger Ohrwurm.
Natürlich würde er später behaupten, den Text dazu geschrieben zu haben.
Diese Hymne erklang überall, in ganz Italien.
Man konnte sie überall hören.
(Menge) # "Forza Italia, um frei zu sein!
Wir sind sehr stolz, zu dir zu gehören,
zu einem Volk, das mit uns wiedergeboren wurde." #
* Hymne verstummt. *
(G. Moncalvo) Was die Kommunikationsstrategie anging,
war dieser Wahlkampf revolutionär.
* Elektronische, treibende Musik *
(G. Moncalvo) Berlusconi hatte Geld, sein eigenes.
Die anderen Parteien, insbesondere die Oppositionsparteien,
hatten dieses Geld nicht.
Sie mussten sich verschulden, sie mussten Sponsoren finden.
Sie konnten mit dem Tempo von Berlusconi nicht mithalten.
Er verkaufte Forza Italia wie ein Produkt.
(Moderatorin) Ein Forza-Italia-Abzeichen,
ein Abzeichen mit Berlusconis Gesicht,
eine Kassette mit der Forza-Italia-Hymne
in 15 Versionen.
Er sagte: "Ich vermarkte ein Produkt."
Er hat Forza Italia als ein Produkt verkauft,
wie eine Tomate.
(Rep.) Die politische Landschaft Italiens verändert sich rasant,
sodass fast alles möglich scheint.
Sogar dass ein Mann, der bis vor drei Monaten
noch keine politische Rede hielt, Ministerpräsident werden könnte.
(C. Freccero) Alle fragten sich: Wie hat er es geschafft,
innerhalb weniger Monate eine Partei zu gründen?
(A. Sinclair, TV) Italien erlebt drei Wochen vor der Wahl Unglaubliches.
(On) 1994 wurde in Frankreich
viel über die Kandidatur von Berlusconi gesprochen.
(TV) Silvio Berlusconi, guten Abend. Guten Abend.
Für uns Franzosen ist es unglaublich,
dass ein Geschäftsmann Premierminister werden kann.
Dem stimme ich zu ...
(C. Freccero) Die Antwort lag auf der Hand:
Die Umfrageergebnisse sprachen für ihn
und die Struktur für die Parteigestaltung war geschaffen.
(A. Sinclair, TV) Falls Sie an die Macht kämen,
würden Sie Ihren Konzern verkaufen?
Wären solche privaten Interessen damit vereinbar,
Chef einer europäischen Regierung zu sein?
Ist das ein Kaufangebot von TF1?
Eher nicht. Die Frage ist ernst gemeint ...
(On) Ich wollte dieses Interview mit ihm führen.
Also fuhr ich mit meinem Senderchef nach Mailand
auf das herrliche Anwesen von Berlusconi und wir aßen zu Mittag.
Wir sprachen über alles Mögliche: Fußball, Geschäfte, Sport.
Außer über die Wahlen.
Irgendwann sagte ich:
"Nächste Woche ist das Interview, ich muss mich vorbereiten.
Ich würde die Vision für Ihre Politik gerne verstehen.
Was haben Sie vor?"
Er sagte: "Stimmt.
Was machen wir, wenn wir an der Macht sind?"
(C. Freccero) Um die Partei aufzubauen,
tut Berlusconi nichts anderes, als das Bestehende zu recyceln.
(Frau) Der Nachname? (Mann) Forza Italia. Guten Abend!
(C. Freccero) Von Publitalia
leitet er die Kreisverbände für Forza Italia ab.
Canale 5 verpasst ihm den Stil, den ein Kandidat haben muss.
Und vom Fußball greift er die Fans ab, den Patriotismus.
Forza Italia steht für Patriotismus.
Er verwertet alles, was er jahrelang aufgebaut hat.
Das ist wichtig zu verstehen.
* Forza-Italia-Hymne *
Forza Italia steht für ein besseres Italien.
Weniger Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung,
weniger Drogen, Kriminalität,
weniger Korruption, Steuern.
(A. Occhetto) Neulich sah ich einen Film, der fünfmal
vom Werbespot der Forza Italia unterbrochen wurde.
Wer bezahlt diesen Wahlkampf?
(D. Rivolta) Berlusconi.
Er war ein hervorragender Geschäftsmann,
aber er hatte keine politische Erfahrung.
Er wusste oft, welche Taktik die richtige war,
aber er hatte kein historisches Bewusstsein
für die politischen Ereignisse.
Berlusconi sagt, Sie seien Kommunist. Kränkt Sie das?
Sie sollten nicht erwarten, dass die Italiener so naiv sind,
Ihre Anwandlungen und alles andere gutzuheißen,
was Sie so schamlos vorschlagen.
(D. Rivolta) Er hatte verstanden,
dass er die Kommunisten allesamt verteufeln konnte,
ohne jede Differenzierung.
Wenn Sie wollen, dass alles bleibt, wie es ist
oder noch schlimmer wird, dann wählen Sie die Linke.
(D. Rivolta) Kurz vor den Wahlen
war eine essenzielle Debatte zwischen Berlusconi und Occhetto entbrannt.
Eine Debatte mit Occhetto, der Zeit seines Lebens Politiker war,
könnte Berlusconi zum Fallstrick werden.
Natürlich verfüge ich nicht über solche Erfahrungen.
Ich bin Fernsehmann, aber ich arbeite hinter den Kulissen.
(D. Rivolta) Ich schlug ihm vor, dass ich sein Sparringspartner sein würde
und wir eine Debatte über politische Themen proben könnten,
die ihm helfen würde, Antworten zu finden.
Wir hatten ein paar Sitzungen, aber dann wurde er genervt.
Er verließ sich lieber auf sich selbst.
(Moderator) Guten Abend, das ist das letzte TV-Duell.
Vier Tage vor der Wahl steigt die Spannung.
Heute sind die Spitzenkandidaten
der beiden Lager anwesend ...
... und wie Sie sehen,
platziert nach ihrer politischen Ausrichtung.
Zu meiner Rechten
Silvio Berlusconi von der Forza Italia.- Guten Abend.
Zu meiner Linken Achille Occhetto von der PDS ... - Guten Abend.
(A. Occhetto) Ich war spät in der Nacht
von einer großen Kundgebung in Bologna zurückgekommen.
Ich war immer noch der Meinung,
dass Kundgebungen wichtiger waren als Fernsehauftritte.
(Journalist) Eine Frage an beide Kandidaten:
Sie scheinen die Legitimität
des jeweils anderen nicht anzuerkennen.
Sie beide glauben wohl, dass Italien
eine Gewaltherrschaft droht, sollte der andere gewinnen.
Wir bewegen uns auf ein Regime
ohne echte Demokratie und Freiheit zu.
(A. Occhetto) Was mir vielleicht in die Karten spielen konnte,
war sein protziges Auftreten als "Selfmade-Kapitalist".
(TV) Wenn Sie gestatten, würde ich jetzt mal antworten.
Er lässt mich schon wieder nicht ... Sehen Sie?
Was Sie in Ihrer Parteizeitung schreiben ...
(Mod.) Wir nutzen die Werbepause, um für Ruhe zu sorgen ...
(A. Occhetto) Aber während dieser Debatte
habe ich auch den Menschen Berlusconi kennengelernt.
Während einer Werbepause standen wir nebeneinander in einem Raum.
Er hatte verschiedene Zettel in der Hand
und wirkte sehr beunruhigt.
Seine Hände zitterten.
Alles war neu für ihn.
Er hatte noch nie Politik gemacht.
(TV) Sie haben nicht geantwortet. Aber Sie haben doch gar nicht ...
Fragen Sie mich und ich antworte! Ich bin bereit!
(On) Ich bin auf ihn zugegangen und habe seinen rechten Arm berührt.
"Kopf hoch, du machst das super."
Das war natürlich ein Scherz, ich bin halt so.
Eine Million Arbeitsplätze sind ein Versprechen,
ein Ziel und eine Verpflichtung.
Wir glauben, dass wir das erreichen können,
weil wir die Arbeitsmarktsituation in Italien gut kennen.
(On) Was er behauptete, war absurd.
"Die kommunistische Bedrohung", "eine Million Arbeitsplätze."
Ich dachte, diese Sätze würden ihm um die Ohren fliegen.
Man konnte sie nicht ernst nehmen.
Aber das war leider nicht der Fall.
Ich arbeite viel, mache nie Urlaub.
(TV) Und ich meditiere ... Hoffentlich bald öfter,
wenn Sie keine Regierungsverantwortung haben.
(M. Dell'Utri) Ich erinnere mich an den 3:0 Sieg von Berlusconi.
Occhetto war Alte Schule, Berlusconi neu und frisch.
Ein bisschen aufgeblasen vielleicht, aber er gewann.
Forza Italia ist die einzige wirklich neue Partei
auf der politischen Wahlkampfbühne.
"Das alte Italien,
das Italien der korrupten Parteien, ist er.
Das neue Italien der Unternehmer, die in die Politik gehen
und sich für das Wohl aller Italiener einsetzen
und Millionen von Arbeitsplätzen schaffen, das bin ich."
(Mann) Occhetto ist ein alter Mann. Ich bin für die junge Generation.
(F. Confalonieri) Er war besser, kommunikativer, charmanter.
Er war auf Augenhöhe mit Signora Maria
oder jeder anderen x-beliebigen Hausfrau.
Die Situation ist klar, denn ein Blick auf die Staatskonten zeigt,
dass wir kurz vor dem Bankrott stehen.
Es bleibt kein Geld übrig, um die Renten zu bezahlen.
(F. Confalonieri) Das bedeutet, er ist im Einklang mit dem Volk.
(A. Occhetto) Er ist pessimistisch, was uns betrifft
und zu optimistisch, was ihn selbst angeht.
Ich bin ein Optimist, weil man sonst nichts produzieren kann.
Berlusconi hatte diesen glänzenden Anstecker,
der die ganze Zeit funkelte.
Manche sagten sogar, dieses Funkeln übe eine
hypnotische Kraft auf die Zuschauer aus.
Occhetto dagegen, der arme Kerl,
war ein bisschen langweilig, klein, mit Schnurrbart.
(Reporterin) Wie verlief das Treffen? (A. Occhetto) Sehr gut.
Occhetto trug diesen schrecklichen braunen Anzug.
(A. Occhetto, TV) Ich muss die Wähler überzeugen, nicht Berlusconi.
(On) Es war erbärmlich.
Das Einzige, was über mich gesagt wurde, war,
dass ich diesen braunen Anzug trug.
Ich hatte ihn an diesem Tag angezogen,
weil der andere schmutzig war.
Ich hatte keine Mitarbeiter, die mich anzogen
und mir sagten, was ich zu tun hatte.
Denn wir machten immer noch Politik auf die gute alte Art.
Nun war die Politik der Außenwirkung, der Kommunikation angebrochen.
* Unheilvolle Musik *
(C. Freccero) Ich schaute am nächsten Tag in die Zeitungen
und das einzige, worum es ging, war Occhettos brauner Anzug.
Allein dieser Kommentar ließ irgendwie erahnen,
dass Berlusconi die Wahl gewinnen würde,
denn der Kommentar der Zeitungen bezog sich nicht auf den Inhalt,
sondern auf Occhettos braunen Anzug.
Es zeichnete sich ab, dass Berlusconi die Politik
in einen Medienrummel verwandeln würde.
Sein Medienhintergrund ließ vermuten,
dass er eher eine Fernsehpolitik als eine Parteipolitik machen würde.
* Spannungsvolle Musik *
(S. Craxi) Ich war mit meinem Vater in Hammamet.
Wir sahen Berlusconi im Fernsehen.
Craxi sah, dass sich die Politik verändert hatte.
Von da an ging es in der Politik nicht mehr um Leben und Tod,
sondern um Fernsehen.
Sie wissen, dass nächsten Sonntag gewählt wird.
Die Zeit vergeht wie im Flug. Alle fragen sich:
Wird Forza Italia, wird Berlusconi es schaffen?
Ich habe verfolgt, was Berlusconi im Fernsehen
über seine Projekte sagte.
Es waren viele schöne und interessante Dinge dabei.
Ich werde gefragt: "Sie kennen ihn schon seit Jahren.
Berlusconi verspricht viel, aber wird er es auch tun?"
Nach meinen Erfahrungen zu urteilen, sage ich Ihnen:
Berlusconi hält, was er verspricht!
* Stimmengewirr *
* Spannungsvolle Musik *
(L. Braun) Er ist sozusagen das Vorbild für alle anderen,
die danach gekommen sind.
Als Populist hat er all diese Eigenschaften in sich gebündelt,
die später Trump, Orban, alle anderen Populisten auch hatten.
Also auch die Art, wie sie öffentlich aufgetreten sind,
wie sie mit ihrem Wählervolk umgegangen sind,
wie sie die Medien instrumentalisiert haben,
das ist sehr, sehr vergleichbar.
* Aufgeregtes Durcheinander *
* Rufe und Pfiffe *
* Schwermütige Gitarrenmusik *
* Gefühlvoller, italienischer Gesang setzt ein. *
* Se io se tu / Luigi De Gaspari und Mr. T-Bone *
* Musik verstummt. *
* Elektronische, treibende Musik *
Untertitel: OMNIMAGO GmbH im Auftrag des ZDF 2024
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