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* Düstere Klänge *
(Moderator) Das Gesprächsthema in jeder Bar, in Büros,
auf der Straße und vor Schulen.
Auch wir von der RAI fühlen uns verpflichtet,
die Reaktionen der Menschen
auf die Abschaltung der Sender festzuhalten,
sind sie auch unverhältnismäßig oder uninformiert.
Wir stellten nur eine Frage:
"Wie haben Sie auf die Abschaltung der Sender
gestern Abend reagiert?"
(Frau) Mir geht es nicht gut,
ich habe kaum geschlafen.
(Mann) Ich finde diese Maßnahme nicht so abwegig.
(Mann 2) Meine Frau war fassungslos.
"Wie sollen wir jetzt 'Dallas' oder 'Denver Clan' schauen?"
(Mann 3) Große Fische fressen kleine. Daran scheitert der Grundsatz,
den wir verteidigen sollten: den Pluralismus.
(Frau 2) Ich wusste nicht, wer das entschieden hat.
Heute Morgen hörte ich, dass es ein Richter war.
Kurz gesagt: Es tat mir leid. Ihnen nicht?
Sie sind von der RAI, richtig?
* Intromusik *
* Musik verstummt. *
* Leiser Straßenlärm *
* Angespannte Klänge *
(Sprecher) Richter Nicola Trifuoggi unterzeichnete den Beschluss,
der auf Grundlage von Artikel 195 des Postgesetzes erlassen wurde.
Die Anordnung wurde heute Morgen
von Beamten der Escopost ausgeführt.
Sie versiegelten die Sendeanlagen von Canale 5, Rete 4, Italia 1.
Das bedeutet, dass diese drei Kanäle in der ganzen Region
nicht mehr senden können.
(D. Rivolta) An diesem Morgen klingelte das Telefon minütlich.
Verschiedene Mitarbeiter aller Abteilungen informierten uns,
dass die örtliche Justizbehörde
die Abschaltung der Fernsehsendungen angeordnet hatte.
* Leise, spannungsvolle Musik *
(A. Galliani) Dem Richter in den Abruzzen
folgte dann ein weiterer in Piemont und andere.
Sie schalteten unsere Sender ab.
Der Vorwurf:
Wir würden national, nicht lokal senden.
(M. Bongiorno) Das ist ein Missverständnis.
Dies ist keine Live-Übertragung, das war eine Falschinformation.
Live-Übertragungen sind verboten.
Wir senden nicht live, sondern simultan.
(V. Dotti) Einige Richter sahen in diesem System
einen Verstoß gegen das staatliche Monopol der RAI.
(M. Bongiorno) Die Show "Superflash" könnte an einem Tag in Latium,
an einem anderen Tag in Kampanien
und dann in Sizilien ausgestrahlt werden. Aber nicht zeitgleich.
Es würde drei Wochen dauern, eine Folge auszustrahlen,
weil es 20 Regionen gibt. Unmöglich!
(P. Corrias) Das Gericht stellte fest,
dass er gegen die Gesetze verstößt.
Für Berlusconi ist das nichts Neues.
Das hat er schon immer getan.
Er setzt die Gesetze außer Kraft.
Berlusconi hat es als einen Angriff gegen sein Unternehmen empfunden.
Und sofort gespürt, dass es ihn zu Fall bringen könnte.
Denn wenn weitere Staatsanwälte den ersten drei folgen würden,
wäre dies das Ende seines Fernsehgeschäfts.
(A. Galliani) Wenn man nicht mehr sendet,
kommen auch keine Werbeeinnahmen rein.
Wir hatten alle Angst, dass die Firma daran zerbrechen würde.
(Kind) Wenn sie die besten Sender streichen, was dann?
Die RAI einschalten? Da laufen doch nur dumme Sendungen.
Uns gefallen die Filme auf Canale 5, Rete 4, Italia 1.
(Frau) Eine Schande, dass sie so etwas in Turin zulassen!
(M. Dell'Utri) Berlusconi war extrem nervös,
aber nach außen blieb er immer zuversichtlich.
Vor allem dem Unternehmen gegenüber.
Die Angestellten litten unter der Unsicherheit.
Alle hatten Angst, bald ihren Job zu verlieren.
Innerlich hat auch er sehr gelitten.
So hatte ich ihn noch nie gesehen, seine Knie zitterten.
Wir mussten eine Entscheidung treffen,
wie wir uns verhalten.
Der erste Schritt war natürlich juristisch,
aber wie sollten wir auf hunderte wütende Zuschaueranrufe reagieren?
Die Leute waren sauer, weil die Sender nicht mehr liefen.
Berlusconi hatte sofort die richtige Idee:
Wir mussten uns die Wut der Zuschauer zunutze machen.
(Reporter) Liebe Zuschauer, ich bin auf der Piazza San Carlo in Turin,
wo sich Anhänger des Privatfernsehens versammelt haben.
Wie war es heute für euch,
eure Lieblingssendungen nicht sehen zu können?
(Kind) Sehr schlimm. Auch für meine Großmutter,
eine alte Dame, die sich nicht mehr bewegen kann.
Sie hat immer Canale 5, Italia 1 gesehen.
Es war sehr schlimm für sie.
(Rep.) Was war das Beste an Canale 5, Rete 4, Italia 1? - Die Schlümpfe.
Die Idee war, die Leute durch alle möglichen Methoden zu mobilisieren,
vor dem Palazzo Chigi, dem Amtssitz des Ministerpräsidenten,
zu demonstrieren.
Sie sollten laut kundtun,
was sie von der Abschaltung der Sender hielten.
* Aufgeregtes Durcheinander *
* Applaus *
* Jubelrufe *
(M. Costanzo) Guten Abend.
Ich glaube, dass in diesen Tagen die Jüngsten, die ganz Kleinen,
die Kinder am wütendsten sind.
Mein Sohn war sauer, weil die Schlümpfe nicht mehr liefen.
Ich sagte, dass ich sie nicht zurückholen kann.
Ich weiß nicht, ob die Richter Kinder haben ...
Vielleicht haben sie welche.
Wahrscheinlich verkleiden sie sich als Schlümpfe ...
(G. Moncalvo) Der Aufstand der Schlümpfe!
Und warum?
Weil Millionen von Kindern die Schlümpfe auf Italia 1 schauten.
Und wenn man die Schlümpfe in einer Region nicht mehr sendet,
rebellieren die Mütter.
Sie schreiben an die Zeitungen, sie machen Telefonterror
und ziehen die Politiker und die Justiz zur Rechenschaft,
weil die ihre Kinder daran hindern, die Schlümpfe zu schauen.
(Mann) Die RAI macht nichts.
Wir zahlen 80.000 Lire pro Jahr Rundfunkbeitrag.
Und was kriegen wir dafür? Nichts!
(M. Costanzo) Einer nach dem anderen ...
Es war ein Angriff auf Berlusconi, das war klar.
Aber die Justiz hatte es entschieden,
daran war nicht zu rütteln.
Nur ein Regierungsdekret hätte die Sache ändern können.
(Mann) Costanzo, wenn Berlusconi ein Politiker wäre,
hätten sie diese Sender nicht abgeschaltet.
* Lauter Jubel *
(Mann) Diese Richter spinnen doch!
* Lässige, treibende Popmusik *
* Until I Reach the Sun / Ruggero Catania *
(F. Confalonieri) Das erste Mal in Hammamet waren wir '85.
Wir machten Ferien in Craxis Haus.
(G. Moncalvo) Craxi war General- sekretär der Sozialistischen Partei.
Einer Partei mit einer großen linken Tradition.
Er war Ministerpräsident.
Ein intelligenter, pragmatischer Mann.
(B. Craxi) Unsere Themen sind Beschäftigungspolitik
und Wohnungsbau.
(R. Cohen) Craxi war ein politisches Schwergewicht.
Ich habe noch nie einen Raum betreten und ein solch animalisches,
elektrisierendes Gefühl von Energie und Macht und Intensität gespürt.
Er ragte heraus.
(F. Confalonieri) Bettino war einfach ein netter Mensch.
Und zweitens: Mailänder.
Außerdem sehr gesellig.
Er liebte es, zu musizieren und zu singen.
Wir haben oft Silvester zusammen gefeiert.
(S. Craxi) Mein Vater war eine zurückhaltende Person,
fast schon schüchtern.
Berlusconi war sehr extrovertiert. Sie hatten nicht viel gemeinsam,
abgesehen von ihrer Schwäche für Frauen,
aber ansonsten kamen sie von unterschiedlichen Planeten.
Ab und zu versuchte Berlusconi es mit einem Witz.
Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Vater nur einmal gelacht hätte.
(R. Cohen) Sie kamen beide aus Mailand,
sie waren beide Vorkämpfer.
Beide wollten Italien verändern.
Craxi wollte dieses Land beim Schopfe packen und durchschütteln.
Ich kann bezeugen, dass es da eine Freundschaft gab,
eine echte, aufrichtige.
Eine gegenseitige Bewunderung.
Berlusconi bewunderte Craxi für seine Entscheidungsfähigkeit.
Bettino bewunderte Berlusconi für sein unternehmerisches Talent,
das Visionäre.
(B. Craxi) Guten Morgen.
(S. Craxi) Craxi mochte Männer, die nicht zum Establishment gehörten
und Silvio Berlusconi war nicht Teil des Establishments.
Craxi sah das Privatfernsehen als Chance für mehr Informationsfreiheit.
Und er erkannte, dass es kleinen und mittelständischen Unternehmen
neuen Schwung geben kann, sich weiterzuentwickeln.
(P. Corrias) Craxi hat Probleme mit der Parteifinanzierung.
Und Berlusconi ist ein hervorragender Verbündeter, denn er ist reich.
So wird Berlusconis Holding, die "Fininvest",
zu einer politischen Propagandamaschine.
(B. Craxi) Wir müssen eine galoppierende Inflation verhindern.
Wir müssen das Staatsdefizit abbauen, das unaufhaltsam wächst.
Wir müssen die Wirtschaft ankurbeln.
(Moderator) Sozialistische Partei Italiens: Italien wächst.
* Elektronische, treibende Musik *
(G. Moncalvo) Craxi und Berlusconi
sind verbunden durch eine scheinbare Freundschaft.
Aber vor allem durch suspekte geschäftliche Deals.
Craxi tut Berlusconi einen großen Gefallen.
Er unterbricht ein wichtiges Staatstreffen in London,
fliegt nach Italien
und unterzeichnet ein Dekret, das die Urteile der Richter aufhebt.
(Mod.) Regierung billigt das Dekret, das den wichtigsten Privatsendern
die Wiederaufnahme des Betriebs in den Regionen
Piemont, Latium, Abruzzen und Marken ermöglicht.
Dort waren die Sendeanlagen beschlagnahmt worden.
Sicherlich hat Craxi als Freund gehandelt,
aber das hätte jeder getan, der kein Feind war.
Craxi sagte damals:
"Mich nervt es, auf diesen schwarzen Bildschirm zu starren."
Das war alles.
(Moderator) Hätte es ohne eine Craxi-Regierung
so viele Pro-Berlusconi-Dekrete gegeben?
(S. Berlusconi) Es hätte auf jeden Fall Dekrete gegeben,
um die Situation zu verbessern, die viele Leute nicht guthießen.
Die Tatsache, dass Craxi Ministerpräsident war,
bereitete eher Probleme, weil alle von unserer Freundschaft wussten.
(A. Galliani) Craxis politische Tat war im Sinne aller Italiener,
weil alle diese Unterhaltungs- programme behalten wollten.
Und die daran gebundene Industrie auch.
Dazu kam, dass das kommerzielle Fernsehen
die italienische Wirtschaft beflügelte,
denn dank der Werbung wurden mehr Produkte verkauft.
Wir machten die Werbung zu einem wichtigen Faktor für Unternehmen.
Das heißt, ich überzeuge Sie davon,
dass mehr Werbung mehr Umsatz bedeutet,
mehr Umsatz mehr Arbeit, mehr Konsum, noch mehr Konsum.
Das ist eine Aufwärtsspirale, die Wohlstand produziert.
* Elektronische, treibende Musik *
(C. Momigliano) Der Großteil des Cashflows
kommt von der angebundenen Werbeagentur Publitalia.
Um Ihnen eine Vorstellung zu geben:
Ich kam 1986 zu Publitalia,
die damals einen Umsatz von 600 Milliarden Lire hatte.
Nur fünf Jahre zuvor lag der Jahres- umsatz bei 25, 26 Milliarden Lire.
In Italien war Publitalia nicht nur irgendein Unternehmen.
Es hat Geschichte geschrieben.
(C. Momigliano) Marcello Dell'Utri war der CEO von Publitalia
und auf dem Papier war er dafür nicht besser geeignet
als die anderen Vorsitzenden.
Aber sein Führungsstil,
wie er die Leute organisierte und motivierte,
war einzigartig und ließ ihn aus der Führungsriege herausstechen.
Er hat die Fähigkeit, die Leute zu Höchstleistungen zu motivieren
und bindet sie geradezu ideologisch an das Unternehmen,
was wirklich außergewöhnlich ist.
Vor allem aber prägte er die Unternehmenskultur.
Nehmen wir das Beispiel der Begriffe Beruf und Freundschaft,
die sich eigentlich widersprechen.
In der Unternehmensphilosophie von Dell'Utri
nehmen die Führungskräfte von Publitalia an Kursen teil.
Dort wird ihnen beigebracht, wie man einen Roman liest und darüber redet,
wie man ein Kunstwerk betrachtet
und wie es sich im Vergleich zu anderen Werken verhält.
Und ich erinnere mich,
wie ich am Ende einer dieser Kurse zu Dell'Utri gehe und sage:
"Du musst mir erklären, warum wir all diese Zeit und Geld aufwenden,
um uns außerhalb unseres Berufs kulturell weiterzubilden?"
Und er sagte:
"Wenn ihr einen Kunden habt,
der sich für Literatur, bildende Kunst, Musik,
darstellende Künste begeistert,
dann müsst ihr drei Viertel eurer Zeit damit verbringen,
über seine Leidenschaften zu sprechen.
Und ihr müsst so kultivierte Gesprächspartner,
so kenntnisreich sein,
dass es für ihn eine Freude ist, sich mit euch zu unterhalten."
Ich erinnere mich, dass einige Geschäftspartner anmerkten:
"Früher kamen wir hierher und sprachen über Marketingstrategien,
Zahlen, Kontakte. Jetzt reden wir über Platon."
Ja, jetzt reden wir über Platon
und einigen uns direkt danach auf einen Deal.
Ich möchte sagen, dass ich als Tourist nach Bologna gekommen bin,
um Freunde zu treffen und all die schönen Frauen zu sehen,
von denen es hier mehr gibt als in anderen Städten Italiens.
Aber ich bin hier, weil ich durch Italien reise,
um den Werbepartnern und Kunden unserer Fernsehsender
das Frühjahrsprogramm vorzustellen.
(C. Momigliano) Berlusconi hatte eine extrem komplexe Strategie.
Sie schlug in die gleiche Kerbe wie Dell'Utris Prämisse,
Gesprächspartnern wie Freunden zu begegnen.
Er verlangte für jeden potenziellen Kunden
ein Dossier zu seinem Privatleben,
damit er das Gespräch mit etwas Persönlichem eröffnen konnte,
vielleicht einem Kompliment oder einem persönlichen Anliegen.
Er erinnerte sich an alles,
er konnte der richtigen Person das Richtige sagen.
Diese oder jene Person hatte eine Tochter,
die mal einen Reitunfall hatte.
Also war die erste Frage: "Wie geht es Ihrer Tochter?"
* Glockengeläut *
Eine der besten Eigenschaften von Berlusconi
ist sein Einfallsreichtum.
* Applaus *
Er überrascht einen jeden Tag aufs Neue.
* Hymne der Sowjetunion *
Ich erinnere mich an alles, weil ich der Leiter der Mission war.
Sie entsandten mich mit einer Vollmacht von Berlusconi.
Das Ziel der Mission war,
vom russischen Staat eine Konzession zu erhalten,
für den Verkauf von Werbung in den sowjetischen Fernsehprogrammen.
(M. S. Gorbatschow) Ich erkläre den 27. Kongress der KPdSU für eröffnet.
Berlusconi war nie in der Sowjetunion gewesen.
Er mochte die kommunistische Partei nicht,
er mochte keine Kommunisten.
Aber dort war es eine wirtschaftliche Angelegenheit.
Es war das erste Mal, dass sich die Sowjetunion
dem Übel des Kapitalismus, der Werbung, öffnete.
* Dynamische, basslastige Klänge *
Man kann sich das kaum vorstellen.
Wir durften das Wort "Privatfernsehen"
nicht einmal aussprechen.
Wir hielten uns daran.
Das ganze Konzept von Werbung im Fernsehen
war ihnen total fremd.
Geradezu unvorstellbar.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Werbung in der Sowjetunion
als schwarze Seele des Kapitalismus dämonisiert.
Über Konsumgüter wurde nicht gesprochen, weil sie -
obwohl die Perestroika bereits begonnen hatte -
gar nicht verfügbar waren.
Das Konzept von Privateigentum
war nicht mal in der Verfassung verankert.
Werbung war nur dann zulässig,
wenn der Spot einen erzieherischen Zweck erfüllte.
Eine Art kleiner Dokumentarfilm.
Man kommt in die Fabrik, sieht die Arbeiter arbeiten
und am Ende das Produkt.
Dieses Programm, das wir schließlich mit Gosteleradio -
der TV- und Rundfunkanstalt der UdSSR -
vereinbaren konnten, hieß PIR.
Es stand für "Progress Informacija Reklama".
Auf dem Logo waren die europäische und die sowjetische Flagge,
vereint unter der Marke Publitalia.
Sobald ich unterschrieben hatte,
rief ich Berlusconi an und sagte ihm,
dass er bald zum Zar aller Russen würde.
Das war natürlich ein Scherz.
Ich schlug vor, die Kommunistische Partei in Italien
höflich über den Vertragsabschluss zu informieren.
Er sagte: "Nein, wir sind ihnen nichts schuldig."
Er hatte nie Kontakt zu einem italienischen Kommunisten.
Wir haben es selbst gemacht,
ohne auch nur einen Funken Unterstützung
von der italienischen Kommunistischen Partei.
Und was soll ich sagen? Zum Teufel mit ihnen.
(Mod.) Möchten Sie noch etwas sagen, was ich Sie nicht gefragt habe?
Sie sehen hinter mir eine Europakarte.
Das ist unser nächstes Abenteuer. Wir waren nicht untätig.
Wir prüfen die Möglichkeit eines Fernsehkanals in Frankreich,
in Spanien.
Wir wollen eine europäische Fernsehgesellschaft
und ein Programm, das es auf dem internationalen Markt
und mit amerikanischen Angeboten aufnehmen kann.
Das ist auch für unsere Industrie wichtig,
die ihre Produkte in Frankreich und in Europa
nicht im kommerziellen Fernsehen bewerben kann.
* Feierliche Tanzmusik *
Berlusconis Bestrebungen waren grenzenlos.
Irgendwann wurde ihm klar, dass das Privatfernsehen
und sein durchschlagender Erfolg in Italien etwas ist,
das man exportieren könnte.
Warum können wir das nicht auch in anderen Ländern machen?
Silvio Berlusconi glaubt,
dass die Zeit gekommen ist, zu expandieren.
Nach Spanien, nach Frankreich und nach Deutschland.
Wenn Sie mir die Unbescheidenheit gestatten:
Die Idee, über die italienischen Grenzen zu schauen
und unser Fernsehen in Europa zu exportieren, war von mir.
Ich sprach mit Berlusconi darüber,
aber er hörte mir gar nicht wirklich zu.
Doch kurze Zeit später machte Craxi denselben Vorschlag:
"Warum gehst du nicht nach Frankreich?"
Ich glaube, weil Berlusconi sich daran erinnerte,
was ich ihm vorgeschlagen hatte, beauftragte er mich mit einer Studie
über die tatsächlichen und potenziellen Chancen,
unser Fernsehen in Frankreich zu etablieren.
* Leise beschwingte Musik *
(C. Freccero) Berlusconi hielt eine große Versammlung ab und verkündete,
dass er das Feld in Frankreich, in Paris, übernehmen würde.
Er wolle "La Cinq" aufbauen.
* Fröhliche, beschwingte Musik *
* Te perdre à Paris / Eric Ronsse und Gamina Chad *
* Nachdenklicher, französischer Gesang *
(A. Sinclair) Eines Tages bekam ich einen Anruf von Berlusconi.
Er wolle mich zum Essen einladen.
Wir aßen zu Mittag und er versuchte, mich davon zu überzeugen,
meinen Sender ORTF,
der wirklich eingestaubt war, zu verlassen.
Er schwor mir, La Cinq sei die Zukunft,
jeder solle ein Teil davon werden.
Ich sagte: "Nein, danke."
Daraufhin wurde ich Zeugin einer wirklich surrealen Szene,
ich erinnere mich noch gut und musste noch lange darüber lachen.
Er stand vom Tisch auf - wir waren gerade beim Dessert -
lief um den Tisch herum und kniete vor mir nieder.
Verzeihen Sie mir, dass ich den italienischen Akzent etwas nachmache,
aber es wirkte etwas stümperhaft.
Er sagte: "Was wollen Sie? Wollen Sie Millionen? Kriegen Sie.
Wollen Sie einen Ferrari? Gebe ich Ihnen.
Ich gebe Ihnen alles, was Sie wollen."
Dann lachte ich herzhaft.
"Ich will Ihre Millionen nicht, ich will auch keinen Ferrari.
Ich lasse mich nicht kaufen."
Können unsere Helden im Rahmen eines Abenteuers
den Himmel über Frankreich und Europa friedlich erobern?
(A. Galliani) Das Problem:
Die Franzosen sind sehr chauvinistisch.
Sie sind sehr, sehr nationalistisch
und haben uns das Leben schwer gemacht,
weil wir Ausländer waren.
Vermute ich.
(Mod.) S. Berlusconi ist umstritten.
In Italien veränderten seine Sender alles.
In Frankreich macht dieses Beispiel Angst.
* Dynamische basslastige Klänge *
Berlusconi musste feststellen, dass in der französischen Presse,
vor allem in wichtigen Zeitungen wie "Le Monde",
eine feindselige Haltung gegenüber einem neuen Fernsehsender
unter italienischer Führung herrschte.
Es wurde sogar der Begriff "Spaghetti-Fernsehen"
von einem französischen Journalisten eingeführt.
(C. Freccero) Sie empfanden es als eine Demütigung,
dass ein dahergelaufener Italiener ihnen beibringen wollte,
wie man Fernsehen macht.
Zumal das öffentliche Fernsehen in Frankreich sehr anerkannt war.
Das Fernsehen in Frankreich
hat eine dialektische Beziehung zur Hochkultur.
Es hat eine dialektische Beziehung zum Kino,
es hat eine dialektische Beziehung zum Verlagswesen,
zum Ballett, zur Kunst und so weiter.
Das Fernsehen ist also nicht so imperialistisch wie in Italien,
wo es alle anderen, sagen wir mal "Disziplinen", ausgelöscht hat.
(J. Lang, TV) Wenn wir über das "ideale" Fernsehen nachdenken,
sehen wir uns zwei konträren Versuchungen ausgesetzt.
Die eine ist, Programme zu entwickeln,
die den "idealen" Zuschauer zufrieden stellen.
Die andere ist,
den eigenen Geschmack durchsetzen zu wollen.
(On) Ich war Kulturminister unter François Mitterrand.
Ich unterstützte das Kino als eine echte Kunstform.
Ich habe mich dafür eingesetzt,
dass die Verbreitung von Filmen im Fernsehen reguliert wird.
Ich habe dafür gekämpft, die Werbung stark einzuschränken,
um die Kunst, die Kultur und das Kino im Fernsehen zu schützen.
Ich wollte das vermeiden, was in Italien passiert war.
(F. Fellini) Ich möchte dem sehr aktiven Cavaliere Berlusconi,
der viel zu viele Ideen hat,
etwas vorschlagen. Er könnte doch
ein Dekret im Parlament erwirken, was nicht ausgeschlossen ist,
das ihm erlaubt, Prozessionen, Militärparaden
und Reden von Parlamentariern mit Werbung zu unterbrechen.
Eine Messe: drei Unterbrechungen.
Eine gesungene Messe: sieben.
Das mag frevelhaft sein, aber ist es das nicht auch,
die Arbeit eines Künstlers zu unterbrechen?
(J. Lang) Ich habe die Geburt von La Cinq verhindert,
weil ich in Berlusconi einen Gegner der Kultur sah.
Rein objektiv war er der Mörder des italienischen Kinos gewesen.
(Journalisten) Herr Präsident ...
(Journalist) Sie sind ein Mann der Kultur.
Sind Sie über die Aktivitäten
und die Vergangenheit von Herrn Berlusconi besorgt?
(F. Mitterrand) Wir machen uns berechtigterweise
über das bedauerliche Beispiel Italiens Sorgen.
Meine Damen und Herren, das Beispiel Italien
hat nichts mit diesem oder jenem Herrn zu tun.
Es hat mit der dortigen Situation zu tun.
Mit dem italienischen Gesetz, mit dem Fehlens eines Gesetzes.
Mitterrand war zunächst geradezu entrüstet über den Vorschlag,
einen Sender auf Berlusconi-Art in Paris,
in Frankreich zu starten.
Ich denke, dass es dann Craxis politische Macht war,
die einen großen Einfluss auf Mitterrand hatte
und ihn am Ende überzeugte.
(J. Lang) Craxi sagte zu ihm:
"Auch wenn Sie mit großer Wahrscheinlichkeit
die Parlamentswahlen verlieren,
werden Sie Präsident der Republik bleiben.
Ich empfehle Ihnen,
mit Berlusconi einen privaten Fernsehkanal ins Leben zu rufen,
der Sie bis zum Ende Ihrer Amtszeit unterstützt.
Sie werden sich sonst mit einer rechten Regierung wiederfinden,
die das öffentliche Fernsehen
sofort zu einem Propagandaorgan machen wird."
Damit hatte er Mitterrand in der Tasche.
Dank der Wegbereitung von Craxi
empfing Mitterrand Berlusconi persönlich.
Und mit seinem Charme gelang es Berlusconi,
ihn zu überzeugen.
So wurde er der Sponsor für die Einführung
des kommerziellen Fernsehens in Frankreich.
(F. Mitterrand) Wenn man kommerzielles Fernsehen will,
privat, also kommerziell, wie La Cinq oder andere es sind,
dann sind Werbeeinnahmen unabdingbar.
Woher soll das Geld kommen?
(Journalist) Entschuldigen Sie die Unterbrechung.
Nach 54 Minuten müssen wir eine Werbepause machen.
(J. Lang) Diese La-Cinq-Geschichte war der einzige Konflikt,
den ich je mit Mitterrand hatte.
* Elektronische, treibende Musik *
Guten Abend, allerseits. Ich kann Sie nicht sehen.
Stört es, wenn ich hier stehe?
Ich stehe zu Ihrer Verfügung.
Oder ist es besser, wenn ich hier stehe?
Auch hier war ich sehr beeindruckt.
Es war wirklich unglaublich.
Er hat gute Französischkenntnisse.
Sie haben gesehen ...
Aber er hat keinerlei Übung.
Wenn man eine Sprache jahrelang nicht spricht,
ist man eingerostet.
Aber er hat mit nur wenigen Stunden Vorbereitung -
am Abend und am Morgen vor der Eröffnungsrede -
eine perfekte Rede auf Französisch auf die Beine gestellt.
Ich bringe Sie zum Schmunzeln, wenn ich sage:
Wir sind es gewohnt, einen Film mit Werbung zu sehen.
Das ist bequemer,
weil man während der Werbung einiges erledigen kann,
einen Telefonanruf oder so.
Ich sehe viel lieber Filme mit Werbeunterbrechungen.
* Applaus *
Alle waren verblüfft.
Woher kommt er? Wer ist diese Erscheinung?
Das Fernsehen, das uns vorschwebt, ist kein Coca-Cola-Fernsehen,
kein Spaghetti-Fernsehen.
Es soll ein "Beaujolais-Fernsehen" sein.
Champagner am Samstag!
(J. Lang) Er ist ein großer Charmeur, ein sehr guter Redner.
Gekonnt, schlagfertig, anschaulich, lustig.
Es ist schwer, seinem Charme zu widerstehen.
(M. Bongiorno) Die Spätaufsteher und die, die keine Zeitung lesen,
erwarten heute Abend eine neue Folge von "Pentathlon". Aber nein.
"Pentathlon" wird am Samstagabend ausgestrahlt.
Heute erleben Sie ein besonderes, ein historisches Ereignis:
Die Premiere von La Cinq,
der französischen Version von Canale 5.
* Applaus und Jubel *
* Applaus verstummt. *
(C. Freccero) Der Start von La Cinq war phänomenal.
Das Bühnenbild der ersten Einstellung bestand aus einer Concorde,
die die Leinwand durchbrach
und auf der Gangway erschienen die Tänzerinnen und Tänzer.
* Feierliche, beschwingte Musik *
(C. Freccero) Es fühlte sich an wie im Moulin Rouge.
* Sanfter Gesang und Applaus *
* Applaus verstummt. *
(C. Freccero) Alle französischen Stars waren dabei.
Berlusconi hat sie gut bezahlt, eine Rieseninvestition.
(Moderator) Verehrtes Publikum! Heute Abend auf La Cinq ...
Charles Aznavour!
(C. Aznavour) Mit Stolz erkläre ich La Cinq offiziell für eröffnet!
(C. Freccero) Ich erinnere mich sehr gut daran,
wie Berlusconi all die französischen Stars überzeugt hatte mitzumachen.
Er versprach ihnen Fernsehunterhaltung
und Verträge allererster Güte.
* Langsame, gefühlvolle Musik *
* My Lady Heroine / Serge Gainsbourg *
(C. Freccero) Unter den französischen Stars
war auch der Sänger Serge Gainsbourg.
Er wirkte immer etwas mitgenommen.
Schlecht gekleidet,
mit einem ungepflegten Bart und schmutzigen Haaren,
immer die Zigarette im Mund.
Berlusconi hat ihn gesehen und sagte:
"Wer ist dieser dahergelaufene Landstreicher,
der mir die Show meines Lebens versaut?"
"Bei allem Respekt, Dr. Berlusconi, das ist Serge Gainsbourg,
der berühmteste Sänger Frankreichs!"
Und er:
"Besorgen Sie ihm sofort ein doppelreihiges blaues Jackett!"
(S. Gainsbourg) La Cinq ... Das hat Klasse!
* Hallelujah / G. F. Händel, elektronisch abgewandelt *
(J. Lang) Ich hatte Angst,
dass dieser Kanal ein schlechtes Beispiel abgeben würde.
Dass ab dem ersten Tag on air
die öffentlich-rechtlichen Sender die gleichen Vorteile einfordern könnten.
Und dass somit das ganze System ins Wanken geraten würde.
Es bestand die Gefahr einer Destabilisierung.
(Moderator) Hoch lebe La Cinq!
* Feierliche Musik *
(A. Sinclair) Es war ein Kanal, für den ich nicht arbeiten wollte,
weil es viele Shows gab, viel Varieté.
Diese Welt hat mich nie interessiert.
Ich wusste, dass sie auf große Shows setzten,
weniger auf Nachrichten.
Das war für mich als Journalistin uninteressant.
Ich wusste sofort,
dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.
Es war nichts für mich.
Ich habe keine Sekunde bereut, nicht dabei gewesen zu sein.
* Rotorenrattern *
* Unheilvolle Musik *
(A. Galliani) Woran ich mich mit großer Nostalgie erinnere:
Am selben Tag, an dem La Cinq on air ging,
am 20. Februar 1986, kauften wir den AC Mailand.
* Walkürenritt / R. Wagner, elektronisch abgewandelt *
(F. Confalonieri) Wie das Team vorgestellt wird,
wie es unter der Hymne des Walkürenritts
aus dem Hubschrauber steigt, genau wie bei "Apocalypse Now",
das war ein Geniestreich.
So ist Berlusconi.
Berlusconi wollte schon immer Präsident vom AC Mailand werden.
Das war schon in den 70er-Jahren Thema,
wenn auch unwahrscheinlich.
Er hat verstanden,
dass er sich als Präsident dieses wichtigen Vereins,
direkt in die Herzen der Menschen spielen würde.
Eine wahnsinnig schlaue und öffentlichkeitswirksame Strategie.
Es war ein Traditionsverein,
allerdings mit einer eher grauen Vergangenheit.
Wir bauen eine Mannschaft auf, die sich bewähren
und auf dem Spielfeld alles geben wird.
(G. Moncalvo) Bevor er AC Mailand gekauft hat,
hat er wochenlang Umfragen analysiert:
Würden Fans der anderen Mannschaften seine Meinung über ihn ändern,
wenn er Mailand kaufen würde?
"Wenn ich AC Mailand kaufe,
werden die Inter-Mailand-Fans mich trotzdem noch lieben?"
(Journalist) Was erwarten Sie?
Ein gutes Spiel und Spieler voller Leidenschaft.
Sind Sie aufgeregt? Sicher.
Wie kann man beim ersten Spiel nicht aufgeregt sein?
Es ist wie das erste Rendezvous.
Er behandelt Mailand genau wie sein Fernsehen.
* Elektronische, treibende Musik *
Als er Mailand kauft, verkündet er:
"Wir müssen jetzt eine Mannschaft zusammenstellen,
die Meister wird, den Scudetto gewinnt."
Ein Bekannter sagte zu ihm: "Wieso nur die nationale Liga?
Wir wollen doch Europameister werden."
Darauf Berlusconi: "Europameister? Weltmeister!"
Alle sahen sich an, als wollten sie sagen:
"Der ist verrückt."
* Jubel *
(Mod.) Wir sind bei einer Minute und 40 Sekunden. Gullit schießt ein Tor.
(A. Galliani) Berlusconi sagte:
"Wir müssen der beste Verein der Welt werden."
(Mod.) Er läuft ins Zentrum und zieht ab...
Unmöglich für Paradisi. Es steht 1:0.
(A. Galliani) Und '87, '88 wird der AC Mailand Meister.
(Reporter) Herr Präsident, ein Traum wird wahr.
Wir hoffen auf noch mehr Fans.
Die Fans wollen den Pokal. Wir auch.
(A. Galliani) '88, '89 gewinnen sie den Europapokal.
* Elektronische, treibende Musik *
(A. Galliani) Und im Dezember in Tokio
wird der AC Mailand Weltpokalsieger.
Damit beginnt das Epos.
Es folgen fünf Europapokale, acht italienische Meistertitel.
Ich würde sagen, es war nicht nur ein sportlicher Erfolg,
sondern ein Sieg des Kampfgeistes, ein Sieg des Neuen über das Alte.
Erfolg im Fußball heißt, den Pokal in der Hand zu halten.
Im Unternehmen geht es nur um Zahlen.
Fußball ist aufsehenerregender.
* Ausgelassener Gesang auf Italienisch *
(G. Moncalvo) Ein paar Tage nach dem Gewinn des Meistertitels
hat Berlusconi einem Journalisten des "Corriere della Sera"
den Gefallen getan, eine Pressekonferenz abzuhalten.
* Jubel *
* Hupen *
(G. Moncalvo) Im ganzen Land hatte es sich herumgesprochen:
"Berlusconi ist da!"
Eine riesige Menschenmenge hatte sich versammelt.
Wir saßen im Auto, ich vorne, Berlusconi auf dem Rücksitz.
Das Auto bahnte sich seinen Weg durch die Menge.
Plötzlich warf sich ein Mann
mit ausgebreiteten Armen auf die Motorhaube und sagte:
"Berlusconi, du bist der Geilste!"
Das war der Höhepunkt seiner Eitelkeit.
Er erinnerte sich an diese Szene als eine der schönsten seines Lebens,
die ihm die größte Befriedigung verschaffte.
Er war stolz, Silvio Berlusconi zu sein.
* Fanfaren *
(Rep.) Wem setzen Sie ein Denkmal? (Mann) Allen! Den Besten!
(Mann 2) Silvio Berlusconi!
(C. Freccero) Während seiner Präsidentschaft
rangierte der Name Silvio
jahrelang an der Spitze der beliebtesten Vornamen.
* Rufe auf Italienisch *
* Fanfaren und Jubel *
(C. Freccero) Ich habe zwei, drei Spiele des AC Mailand
mit ihm zusammen angeschaut und es war so was von beeindruckend.
* Jubel *
(C. Freccero) Viel beeindruckender als im Fernsehen.
Die Präsenz des Zuschauers, die Echtzeit.
Du bist ganz nah dran, es dröhnt über dir.
Es ist wirklich ... spektakulär.
* Fangesänge auf Italienisch *
Danke euch allen!
Im Namen der Mannschaft und aller,
die zu diesem Erfolg beigetragen haben.
Danke an euch alle!
Danke, dass ihr unser Stadion immer füllt.
Ein besonderer Dank an die Fans in der Südkurve!
* Jubel *
Wir sind sehr stolz darauf,
junge Menschen zu haben, die noch an Träume glauben.
(G. Moncalvo) Berlusconi wollte schon immer König Midas sein.
Der alles, was er anfasst, in Gold verwandelt.
Er ist unheimlich eitel.
Er hält sich für schlauer als andere, gewiefter als andere,
einfach besser, größer.
Die Messlatte muss immer weiter nach oben gelegt werden.
In vielen Bereichen ist ihm das auch gelungen.
Aber es ist nicht immer gut gelaufen.
(P. Corrias) Berlusconi gibt sich als erfolgreicher Unternehmer,
was ja auch stimmt.
Er setzt viele Geschäftsmodelle um, nicht alle davon sind erfolgreich.
Darüber spricht er natürlich nicht, denn das würde seinen Glanz trüben.
In diese Serie von Geschäftsmodellen, die floppen, gehört auch "Standa".
Ein Supermarkt, den er Ende der 1980er-Jahre für eine große Summe,
vielleicht sogar eine Milliarde Lire, erworben hatte.
Er stilisiert diesen Supermarkt mittels eines immensen Werbekraftakts
zur "Casa degli Italiani".
Aber dieses "Zuhause aller Italiener" wird nie funktionieren.
(Frau) Alla Standa! (Mann) Alla Standa!
(P. Corrias) Diese Initiative wird nicht fruchten.
Am Ende wirkt die Kette billig und mittelmäßig.
Es gibt also einige Dinge, an denen er sich versucht hat,
die überhaupt nicht gut gelaufen sind.
Aber mit seinem Hang zum Geschichtenerzählen,
zur Selbstdarstellung und zur Propaganda,
hat er diese Fehltritte natürlich als Missgeschicke heruntergespielt.
* Straßenlärm *
Tatsache ist, dass sich die Gesellschaft in jenen Jahren
bei den Banken hoch verschuldet hat.
Wir waren um circa 5000 Milliarden Lire im Minus,
aber die Banken boten uns immer wieder Kredite an,
weil sie wussten, dass das Geld ständig zirkulierte.
Wir verdienten mit den Werbeeinnahmen
und zahlten die Kredite an die Banken zurück.
Eins ist klar:
Wenn man hohe Schulden bei den Banken hat,
dann nur deshalb, weil die Banken es zulassen.
Die Banken waren überzeugt,
ihr Geld nicht an uns zu verscherbeln.
Dennoch steuerten wir auf einen politischen Wandel zu.
Und das hätte auch das Ende der liberalen Haltung der Banken
uns gegenüber bedeuten können,
was wiederum katastrophale Auswirkungen
auf die Berlusconi-Gruppe gehabt hätte.
(Menge) Deutschland! Deutschland! Deutschland! Deutschland!
* Hymnische Musik *
(P. Corrias) Diese Stürme im politischen Klima
sind wie ein Luftzug, der alle Türen zuknallen lässt.
* Hoffnungsvolle Gitarrenmusik *
* Main Stage / Ruggero Catania *
* Pfiffe *
* Applaus und Jubel *
(Reporterin) Eine historische, eine unvergessliche Nacht,
nicht nur für Ostdeutschland,
sondern für ganz Deutschland und die Welt.
Nach 28 Jahren wurde die Berliner Mauer im Herzen Europas,
ein Symbol der Teilung der Welt in zwei Blöcke,
für immer niedergerissen.
(P. Corrias) 1989 hat sich die Welt verändert.
* Amerikanische Nationalhymne *
(P. Corrias) Die Ordnung der Welt in zwei Blöcke wurde Geschichte.
Jahrelang war Italien an den atlantischen Teil Europas gebunden.
Und damit an einen ziemlich starren politischen Rahmen,
innerhalb dessen die Christdemokraten,
eine katholische Partei der Mitte, das Sagen hatten.
Die Sozialistische Partei und andere säkulare Parteien
spielten eine untergeordnete Rolle.
Die Kommunistische Partei Italiens war ins Abseits verbannt.
Als die Berliner Mauer fiel, zerbrach dieser politische Rahmen.
Es brach alles auf.
Die Regierungsparteien hatten plötzlich nicht mehr die Macht,
juristische Ermittlungen wegen Korruptionsvorwürfen oder ähnlichem
zu blockieren.
Sie waren entmachtet.
Die Ermittlungen belasteten viele Führungskräfte
aus Wirtschaft und Politik.
(Moderatorin) Dutzende Unternehmer, die Politiker jahrelang
für ihre Arbeit bezahlten, haben ausgepackt.
* Sirenengeheul *
(Moderatorin 2) Der Bestechungsskandal in Mailand:
Neue Erkenntnisse bei den Ermittlungen
gegen die Mailänder Unternehmerelite.
(Moderator) Neun Verhaftungen von Politikern und Unternehmern,
davon fünf in den letzten 24 Stunden.
(P. Corrias) Wir waren an einem Punkt angelangt,
wo es nicht nur bei der Verteilung öffentlicher Aufträge Bestechung gab,
sondern wo Aufträge ins Leben gerufen wurden,
um Bestechungsgelder zu zahlen.
Das Parteiensystem
war zu einem Klotz am Bein der italienischen Wirtschaft geworden.
(A. Galliani) Mailand ist in der Krise, im Schock.
Es kommt zum Stillstand.
Viele Unternehmer und Politiker werden verhaftet.
Manche begehen sogar Selbstmord.
* Düstere Musik *
(Reporter) Bettino Craxi traf mittags vor dem Haus von S. Moroni ein,
dem Abgeordneten und Mitglied der nationalen Führung der PSI,
der sich gestern Abend das Leben genommen hat.
Gegen Moroni waren zwei Strafanzeigen gestellt worden.
Die Richter hatten die Aufhebung seiner Immunität gefordert.
(B. Craxi) Sie haben ein grausames Klima geschaffen.
(S. Craxi) Es waren schwere Zeiten.
Das waren fast Ängste wie im Krieg.
(B. Craxi) Die Parteimitglieder griffen und greifen
zu unerlaubten, illegalen Mitteln.
Wenn dieses Vorgehen nun als kriminell eingestuft wird,
dann wäre ein Großteil des Systems kriminell.
(F. Confalonieri) Craxi hielt diese berühmte Rede im Parlament, er sagte:
"Wir sind alle schuldig."
Es stimmte, es war die Realität.
Aber die Sozialistische Partei war damals der Sündenbock.
Berlusconi hatte Angst,
dass sich die Staatsanwälte auf Craxi stürzen würden.
Das wäre dramatisch gewesen.
Es gab bereits Rückzahlungsforderungen
der Großbanken, die Fininvest finanziert hatten.
Zu diesem Zeitpunkt war klar,
dass das politische System Italiens aus den Fugen geriet.
Und die Banken reagierten damals noch sehr empfindlich
auf politische Veränderungen.
Für Unternehmer konnte das ein sehr großes Risiko bedeuten.
(Moderator) Heute Morgen erhielt PSI-Generalsekretär Craxi
eine Vorladung der Mailänder Staatsanwaltschaft,
die gegen Korruption ermittelt.
Die Vorwürfe: Anstiftung zur Bestechung, Hehlerei,
Verstoß gegen das Gesetz zur Parteienfinanzierung.
* Elektronische, treibende Musik *
Untertitel: OMNIMAGO GmbH im Auftrag des ZDF 2024
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