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* Andächtige Kirchenmusik, Applaus *
(Sprecherin) Heute wurde Silvio Berlusconi in Mailand beigesetzt.
Der Gründer der populistischen Partei "Forza Italia"
verstarb im Alter von 86 Jahren.
Tausende nahmen Abschied von Italiens schillerndem
und umstrittenem Ex-Ministerpräsidenten.
Wenn wir über Donald Trumps Fähigkeiten sprechen,
sich aus Problemen herauszuwinden, dann hat Silvio Berlusconi
das schon Jahrzehnte vor ihm getan.
(Sprecher) Berlusconi hat bewiesen, dass man mit allem durchkommt,
wenn man die Leute dazu bringt, einen zu lieben.
(A. Sinclair) Berlusconi, wie später Trump oder Bolsonaro,
brachte den Populismus in die Politik.
(R. Cohen) Es gab viele Rätsel um Berlusconi.
Wer ist er? Wo kommt er her? Woher all sein Geld?
(Sprecherin) Berlusconi, vom Medien- mogul zum populistischen Politiker.
Wiederholt wurde gegen ihn wegen Korruption, Steuerbetrugs,
falscher Buchführung und Veruntreuung ermittelt.
(G. Moncalvo) Er wollte König Midas sein.
Berlusconi ist unheimlich eitel.
(F. Confalonieri) Er war einfach besser, eloquenter.
(J. Lang) Ein Kommunikationsprofi!
Es ist schwer, seinem Charme zu widerstehen.
(S. Berlusconi) Unser Fernsehen soll ein Beaujolais-Fernsehen sein!
Champagner am Samstag!
(R. Cohen) Er hatte ein Gespür dafür, wie Italiener ticken,
italienische Männer. Darin war er genial.
(L. Braun) Sie waren begeistert von ihm,
in einer kindlichen Bewunderung für seinen Humor, für sein Auftreten,
für seine Frauengeschichten sogar.
Wenn du mich so ansiehst, verliere ich den Faden, Heather.
(C. Freccero) Berlusconi versteht, dass sich etwas ändert.
Alles ist Business, alles ist Profit.
(M. Bongiorno) Jetzt Werbung!
(G. Minoli) Es war klar, dass er es nicht dabei belassen würde.
(M. Dell'Utri) Er sagte zu mir: "Wir müssen eine Partei gründen.
Jeder macht es. Legen wir los."
(S. Craxi) Von da an ging es in der Politik nicht mehr um Leben und Tod,
sondern um Fernsehen.
Was ist Ihre größte Schwäche?
Ich habe so viele, das ist peinlich.
Nennen Sie mir eine. Nur eine?- Eine echte.
Ich denke darüber nach.
* Intromusik *
Alles, was von Bedeutung ist, kommt aus Mailand.
Alles, was Relevanz hat, geschieht in Mailand.
Die großen Leitmedien, die Verlagsgruppen sind hier.
Mailand ist ein wichtiger Industriestandort,
ein Finanzzentrum.
Rom ist das politische Zentrum, mehr nicht.
(Mod.) Aber politische Entscheidungen haben einen großen Einfluss ...
Leider ja.
Doch ich empfinde da eine gewisse Gleichgültigkeit.
Alle machen sich Sorgen, weil wir in einer Regierungskrise stecken.
Freunde aus New York rufen an und sagen:
"Du Armer, eure Regierung wackelt."
Meine Antwort: "Einen Champagner darauf,
dass es nicht mehr lange dauert."
* Straßenlärm *
(F. Confalonieri) Mailand ist bekannt für seinen Eifer.
* Elektronische Musik *
(F. Confalonieri) Mailand war schon immer der Motor Italiens.
Ein weitverbreiteter Unternehmergeist und die Fähigkeit,
die sich bietenden Chancen zu nutzen, machen die Stadt aus.
* Aufgeregtes Durcheinander *
* Die Männer sprechen Italienisch. *
(F. Confalonieri) Für jemanden wie Berlusconi
ist so eine Stadt der Nährboden für alles.
Das Mailand, das ich kenne, ist ein sehr tüchtiges Mailand,
in dem die Lichter in den Büros
erst spätabends ausgehen.
Ich kann bestätigen, dass ich nach 20 Uhr
noch viele Menschen am Arbeitsplatz antreffe.
(F. Confalonieri) Berlusconi machte uns zu Präsidenten,
CEOs und so weiter.
Aber ohne uns wäre Berlusconi immer noch Berlusconi gewesen.
* Leise, treibende Musik *
Ich weiß noch, wie seine Mutter zu ihm sagte:
"Du hast Feuer im Hirn."
Sie bat ihn, sich zu beruhigen und forderte ihn auf,
vorsichtiger zu sein, nichts zu überstürzen,
seine Freunde weise zu wählen und nicht jedem zu vertrauen.
Aber ich erinnere mich, dass sie sagte:
"Du hast Feuer im Hirn." Und so war es.
(Mod.) Wie wäre Ihr Leben verlaufen,
wenn Sie nicht in Mailand geboren wären?
Wäre ich in Saudi-Arabien geboren, wäre ich ein Scheich.
Wäre ich in Treviso geboren, würde man mich "Berluscon" nennen.
Wäre ich in Neapel geboren, "Berlusco".
Eine schöne Vorstellung.
Ich wollte schon immer Unternehmer werden
und irgendwann in eine große Stadt ziehen.
(R. Cohen) In den 1980er-Jahren war ich Chef vom Dienst
beim Wall Street Journal in Rom.
Es waren die Jahre, als Berlusconi aus dem Nichts
zu einem sehr prominenten italienischen Geschäftsmann aufstieg.
Ich begann, seinen Werdegang zu verfolgen.
Ich besuchte ihn in seinem luxuriösen Haus.
Dort hatte er ein sehr großes Büro, ausgestattet mit Bücherregalen.
In den Regalen diese typischen ledergebundenen Buchbände.
Mir kamen sie wie Attrappen vor.
Das erweckte den Eindruck eines sehr belesenen und gebildeten Herrn.
Ich bezweifle, dass Silvio Berlusconi viel gelesen hat.
(D. Rivolta) Wie viele andere habe ich den Namen Silvio Berlusconi
im Kontext von "Milano 2" zum ersten Mal gehört.
* Spannungsvolle, treibende Musik *
(D. Rivolta) Milano 2 war etwas Neues,
ein gehobenes Viertel, etwas außerhalb von Mailand
und mitten im Grünen.
(Interviewer) Dr. Silvio Berlusconi, 41 Jahre alt.
Was sind Ihre Ziele für Italien?
Zur Lösung des Wohnungsproblems beizutragen,
indem ich große Siedlungen für 10-20.000 Menschen baue.
(V. Dotti) Silvio Berlusconi war ein aufstrebender Immobilienunternehmer.
Sehr kompetent.
Ein Mann der Tat.
Mit der Fähigkeit, den Markt zu analysieren und zu erobern.
(F. Confalonieri) Die erste Wohnung verkaufte er meiner Mutter.
(D. Rivolta) Berlusconi erkannte, dass es zu dieser Zeit
eine große Nachfrage nach Häusern gab.
Es gab viele Einwanderer, besonders aus Süditalien.
Der Wohlstand wuchs und damit auch die Nachfrage nach Wohnraum.
(R. Cohen) Er nahm mich mit nach Milano 2,
diesem neuen von ihm geschaffen Wohnbauprojekt.
Das ist die Landschaft der Lombardei,
diese Straßen, auf denen wir fahren ...
Eine Einstimmung auf unser Viertel,
das inmitten dieser grünen Kulisse
viel weiter entfernt von der Stadt zu sein scheint,
als es in Wirklichkeit ist.
(R. Cohen) Und er zeigte mir
die Annehmlichkeiten des Lebens in Milano 2.
Eine Idee von Silvio Berlusconi, erschaffen aus dem Nichts.
(F. Confalonieri) Er hatte eine außergewöhnliche Liebe zum Detail.
Jeden Freitag inspizierte er die Baustellen
von der Rasenkante bis zum Dachziegel.
Es ist keine Detailverliebtheit, es ist Besessenheit.
Ich war dabei, wie er einmal eigenhändig
ein Waschbecken aus der Wand gerissen hat,
das falsch installiert war.
Er warf es auf den Boden und sagte: "Hier gehört das hin!"
Das ist Berlusconi.
Wir bringen ein exklusives Produkt auf den Markt.
"Milano 2" ist ein Muss für alle europäischen Universitäten,
die sich für Stadtplanung interessieren.
(V. Dotti) Milano 2 war ein absolutes Erfolgsmodell.
Es war alles aufgegangen.
Er kannte die richtigen Wege, hatte das richtige Wissen
oder die richtigen Argumente.
Und er hatte die richtigen Kniffe angewandt.
Zum Beispiel ließ er die Flugzeuge vom nahe gelegenen Flughafen Linate
beim Start umleiten.
Sie flogen dann über eine andere Satellitenstadt,
Milano San Felice,
und störten so die Käufer von Milano 2 nicht.
(R. Cohen) Berlusconi war ein Schock für Italien.
Auf verschiedenen Ebenen.
Auf lokaler Ebene, auf Mailänder Ebene,
aber auch auf nationaler Ebene.
Niemand wusste so recht:
Wer ist er? Wo kommt er her? Woher hat er sein Geld?
Wie macht er das? Wer steht hinter ihm?
Es gab viele Rätsel um Berlusconi.
(G. Moncalvo) Wir müssen einen Schritt zurückgehen,
denn Berlusconis erstes Bauprojekt
fand an einem der langweiligsten Orte der Welt statt: Brugherio.
Ein Ort, der zehn Monate im Jahr im Nebel steckt.
Berlusconi kaufte ein Stück Land
und verkaufte auf dem Papier eine unglaubliche Menge an Wohnungen.
Mithilfe eines Tricks.
* Elektronische Musik *
(G. Moncalvo) Es gab in Italien ein Gesetz
- vielleicht gibt es das immer noch -
das Sozialversicherungsträger dazu verpflichtet, Immobilien zu kaufen,
die dann als Reserve für ihre Sozialversicherung dienen.
Berlusconi las sich in die Materie ein und entschloss sich,
den Geschäftsführer eines Sozial- versicherungsträgers zu kontaktieren,
der sein Büro in Rom hatte.
Der Geschäftsführer war schwer zu erreichen.
Was hat Berlusconi also getan?
Er überhäuft die Sekretärin dieses Geschäftsführers mit roten Rosen.
Er erobert sie.
Er macht ihr Geschenke. Er lädt sie zum Essen ein.
Und was verlangt er im Gegenzug?
Er bittet darum, informiert zu werden,
wann der Geschäftsführer nach Mailand fährt und den Settebello besteigt,
damals der VIP-Zug.
Die Sekretärin ruft ihn schließlich an und sagt:
"Morgen fährt der Geschäftsführer ab.
Im Settebello wird er Platz 7 B haben."
Und Berlusconi antwortet:
"Bitte buchen Sie mir den Platz gegenüber."
Dieser Begegnung ist zu verdanken, dass er zwei Gebäude verkaufte,
die noch nicht mal gebaut waren.
Nämlich an genau diesen Sozialversicherungsträger
über den Geschäftsführer.
Berlusconi kaufte viel mehr Land als andere Investoren.
Milano 2 war die perfekte Gelegenheit,
seine innovativen Ideen umzusetzen.
(Mod.) Im Mikrokosmos von "Milano 2" fehlt es nicht an Informationen.
Neben zwei lokalen Zeitschriften etabliert sich "TeleMilano",
Mailands erster Kabelfernsehsender.
Sein Hauptsitz: neben dem Spielplatz.
Das Kabelfernsehen von Milano 2 wurde entwickelt,
um die Nachbarschaft zu informieren.
Nur darum ging es.
(Mann) Aufmachen.
Näher zum oberen Anschnitt ...
(F. Confalonieri) Eine weitere Serviceleistung.
Clever, sehr innovativ für die Zeit.
(D. Rivolta) Berlusconi wollte den Bewohnern von Milano 2
das Gefühl geben, besser ausgestattet zu sein als diejenigen,
die in anderen Vierteln lebten.
Also rief er ein Stadtteilfernsehen ins Leben.
Es war eine Zeit, in der die Menschen mehr und mehr einforderten,
dass das Fernsehen sich öffnet.
Das Monopol des öffentlich- rechtlichen Fernsehsenders RAI
empfanden viele als unzureichend.
(Mann) Die Fernsehsendungen sind Mist.
Niemand mag sie, weil sie dumm sind.
Am Jahresende betrügen sie uns um 10.000 Lire.
(Reporter) Aber Sie sehen fern? - Ja, täglich.
(Sprecherin) Um 13:00 Uhr Mittagsnachrichten.
Um 13:30 Uhr eine neue Folge
von "Intelligenz und Umwelt" aus dem Bildungsressort.
Italienisches Fernsehen durfte nur von der RAI übertragen werden,
weil der Äther heilig und unantastbar war.
Als dieses Verfassungsurteil dann den Äther liberalisierte,
war die Rede vom sogenannten Privatfernsehen.
Aber die versprochene Liberalisierung des Rundfunks
war sehr begrenzt.
Es war die Rede von einer maximalen Reichweite von 17 Kilometern.
(P. Corrias) Das Verfassungsgericht urteilte 1976,
dass das Radio- und Fernsehmonopol
nicht länger ein Vorrecht des Staates sein durfte.
Die Liberalisierung des RAI-Monopols
führte zur Entstehung lokaler Fernsehsender.
* Schwungvolle Discomusik *
Am Anfang ist es die kleine, verborgene Welt der Provinz,
die beginnt, Fernsehen zu machen.
(Moderator) Drei, zwei, eins. Los geht's!
Der kleine Geschäftsmann stellt sich eine Kamera ins Wohnzimmer
und filmt seine Frau und ihre Freundin,
wie sie Spaß haben.
Und schon ist ein kleiner Softporno geboren.
(Frau) Der erotische Moment ...
(Mann) Im ersten Chakra gibt es eine Energie,
die alles ändern kann.
Und es gab Varieté-Shows mit Komikern,
die nicht zur RAI gehörten.
(Mann) Endlich sehen wir Isabella Biagini ...
Kaum einer erkennt das wahre Potenzial des Fernsehens.
Der Einzige, der das Potenzial des kommerziellen Fernsehens versteht,
ist Silvio Berlusconi.
(D. Rivolta) Er erkannte bald, dass ein reines Nachbarschaftsfernsehen
ohnehin Schwierigkeiten haben würde, zu überleben.
Es musste ein Produkt geschaffen werden,
das auch Werbeinvestoren anlockte, um zumindest einen Teil,
wenn nicht sogar die gesamten Kosten zu decken.
Und so wurde aus der Idee eines Nachbarschaftsfernsehens
nach und nach ein lokaler Fernsehsender mit Einfluss,
der sich an ganz Mailand richtete.
(Mod.) Ich bin hier bei TeleMilano, einem wunderschönen Privatsender.
TeleMilano, Kanal 58, das war der Name.
Im Sinn hatte Berlusconi ein lokales Fernsehen,
aber mit nationalen Kriterien.
(Moderatorin) Sie sehen den Film "Sicario 77".
(Moderator) Willkommen bei Kanal 58, TeleMilano.
* Anfeuerungsrufe *
(Mann) Wir sind zurück mit unserer "Kaugummidisco"
auf Kanal 58 von TeleMilano.
Dachte er an etwas Lokales? Nein.
Also wen kontaktierte er? Mike Bongiorno.
(Mod.) Der Meister aller Quizshows: Mike Bongiorno!
Er war der wichtigste TV-Moderator der RAI.
(M. Bongiorno) Sehr erfreut! Danke, liebes Publikum!
Groß zu denken, ist eine seiner Kernkompetenzen.
(M. Bongiorno) 4.300.000 Lire kann sie gewinnen. Also, ab zur Stoppuhr.
(F. Confalonieri) Mike war der Star schlechthin.
Er hatte in Amerika gearbeitet und wusste,
dass das kommerzielle Fernsehen eine Zukunft hatte.
Mike war Feuer und Flamme. Er bewunderte Silvio.
(M. Bongiorno) Wenn man berühmt wird, gibt es immer ein paar Kritiker.
Ich werde für ihn kämpfen. Ich stehe auf seiner Seite.
Meine Entscheidung ist endgültig.
Er überzeugte Mike Bongiorno mit einem beachtlichen Angebot.
Aber vor allem überzeugte ihn Berlusconis unermüdliches Umwerben.
Eine Charmeoffensive wie man sonst nur eine Traumfrau umwirbt.
(Moderatorin) Wie kommt es, dass Sie von der RAI zu uns kommen,
um neue Programme zu entwickeln?
(M. Bongiorno) Der Grund ist ganz einfach.
Wir, die so viele Jahre bei der RAI moderierten,
verfügen über einen großen Erfahrungsschatz
in Sachen Organisation von Shows.
Also erklärte ich mich bereit, hier als künstlerischer Leiter
neue Shows zu realisieren.
Berlusconi kommt aus dem Baugewerbe, aus dem Immobilienhandel.
Er hat verstanden, dass man das Fernsehen verändern muss.
Man muss es attraktiv machen für die Zuschauer.
Sie sind an das ewige Grau und den Konformismus der RAI gewöhnt.
(TV) In Brüssel billigte die EWG-Kommission
den Vorschlag des italienischen Landwirtschaftsministers Marcora,
mit der "Lira Verde" fortzufahren.
(On) Ich kam 1972 zur RAI.
(TV) Einen schönen Sonntag!
(On) Es war ein wunderbarer Sender.
Die RAI hatte einen ausgeprägten Sinn für den öffentlichen Dienst.
Sie folgte einem Bildungsauftrag.
Es war eine Institution.
(Moderatorin) Im Abendprogramm zeigen wir
Franco Zeffirellis berühmtes vierteiliges Drama
"Jesus von Nazareth". Mit Robert Powell und Olivia Hussey.
RAI 1 war der katholische Kanal der Christdemokraten.
Die Christdemokraten regierten mit einer relativen Mehrheit,
also war es ganz logisch, dass sie RAI 1 hatten.
RAI 2 war das sozialistische Netzwerk
und RAI 3 war trendy, sagen wir mal kommunistisch.
(Mod.) Beim letzten Mal haben wir diesen Laut gelernt: ghe, ghi.
Die RAI - Radiotelevisione Italiana - ist ein Sender,
der dem Publikum nachmittags das Alphabet beibringt,
wie man schreibt und liest.
Er sendet aber auch Spielfilme.
Von Dostojewskis "Die Brüder Karamasow"
bis zum Geschichtsdrama "Die Verlobten"
und verwandelt in gewisser Weise Hochkultur in ein Massenprodukt.
(Frau) Ich dachte an meine Familie.
Es lag an mir, ihre Liebe zurückzugewinnen.
Berlusconi kam aus einer anderen Welt.
Er hatte diese kulturelle Bindung nicht.
Aber er hat das System verstanden und gesagt:
"Weißt du was? Ich spreche den Verbraucher an,
während die RAI den Bürger anspricht."
(Moderator) Der öffentlich-rechtliche Sender RAI hat Konkurrenz bekommen.
(Mann) Wenn wir Wettbewerb gutheißen, dann müssen wir uns ihm stellen.
Das akzeptieren wir.
Aber Wettbewerb bedeutet, dass man ein komplettes Programm
mit Unterhaltung, Kultur und Informationen anbietet.
Das wäre echter Wettbewerb.
Ein Wettbewerb mit einem Sender, der nur Unterhaltung anbietet
und einem Sender, der nur Kultur macht, ist kein Wettbewerb.
Das ist nur ein sehr einfacher Weg für die Medienmacher,
alle Zuschauer für sich zu gewinnen. Das ist zu einfach.
Es ist nicht einfach, das Fernsehen neu zu erfinden.
Denn in Italien gibt es kein Know-how für das Privatfernsehen.
Es gibt keine Techniker, also bilden wir junge Leute aus,
die Schritt für Schritt zu Profis werden.
Wir können keine RAI-Techniker nehmen,
weil sie die RAI nicht so schnell verlassen
und weil sie anders arbeiten.
Die RAI-Arbeitsweise ist nicht gut für das Privatfernsehen.
Ein Fernsehsender muss langsam wachsen.
Wie ein kleines Kind,
das unter unserer Obhut bestmöglich gedeiht.
* Jubel *
* Ausgelassene Popmusik *
* Still Dreaming / Ruggero Catania *
# They told you boy never look back.
They told you once again your life is a huck. #
(A. Galliani) Es war ein Wochenende im November.
Ich bin gerade auf einer Spritztour zwischen San Gimignano und Siena
und erhalte einen Anruf von meiner Firma.
Man teilt mir mit,
dass Dr. Silvio Berlusconi mich am nächsten Tag zum Essen einlädt.
Ich erscheine also in seiner Villa in Arcore mit einem meiner Mitarbeiter.
Ich setze mich, wir unterhalten uns,
und die erste Frage, die Berlusconi mir stellt, lautet:
"Wären Sie in der Lage, mit Ihrem Unternehmen
drei nationale Fernsehsender aufzubauen?"
(Mann) Drei, zwei, eins.
(V. Dotti) Berlusconis Ziel war es, ein Fernsehnetzwerk zu erschaffen,
das es mit der RAI aufnehmen könnte, mit jeweils drei Sendern.
Das stellte er gleich zu Beginn seines Fernsehabenteuers klar.
Die Anwesenden, seine langjährigen Mitarbeiter,
glaubten ihm nicht und lachten.
Es war klar, dass das nicht möglich war,
denn die RAI hatte die Exklusivrechte für die nationale Fernsehübertragung.
* Schwermütige Orchestermusik *
(A. Galliani) Ich sagte:
"Wie sollen wir drei nationale Fernsehsender aufbauen,
wenn man nur regional senden darf?"
Aber er sagt:
"Wir werden kein nationales Fernsehen machen.
Wir werden viele regionale Fernsehsender machen,
die die gleichen Programme ausstrahlen
und vermitteln so das Gefühl eines nationalen Fernsehens."
* Quirlige Intromusik *
(Puppe) Operation 5...
Ich bin's, dein Canale 5!
(V. Dotti) Im Jahr 1982 gründete er das Konsortium "Canale 5".
Das war eine Art Galaxie von lokalen privaten Fernsehsendern,
die er erworben hatte oder mit denen er Verträge gemacht hatte.
Er zeichnete Stunden über Stunden Programm auf Magnetbänder auf,
sogenannte "Pizzone",
und ließ jeweils 20 bis 30 Kopien anfertigen.
Für jeden lokalen Fernsehsender eins, über das Land verteilt.
* Dynamische basslastige Klänge *
(V. Dotti) Pizzone sind einstündige Kassetten,
bespielt mit TV-Programm.
(Moderatorin) Ich werde im Interview sehr unverschämt sein.
(V. Dotti) Werbespots mit Eigenwerbung.
(Frau) Wie weich ... Ist das neu? - Nein, mit "Perwoll" gewaschen.
(V. Dotti) Die Kassetten wurden sortiert, verpackt
und an die Regionalbüros geschickt.
Die fertigen Sendungen reisten von Mailand nach Palermo,
von Mailand nach Bari. Per Flugzeug, das war am besten.
Mal gab es Flugstreiks, mal Nebel auf der Autobahn.
Um auf Nummer sicher zu gehen, dass das Programm rechtzeitig ankam,
musste man es vier Tage im Voraus aufnehmen.
Exakt zur angekündigten Zeit wurde überall das gleiche Band eingelegt,
sodass ganz Italien dasselbe Programm sehen konnte.
(Moderator) Einen schönen vorweihnachtlichen Samstag
an alle Zuschauer ...
(V. Dotti) Das Programm umfasste 24 Stunden, einschließlich Werbung.
Am Ende war der Zweck des Ganzen die Werbung.
Einmal habe ich ihn gefragt:
"Silvio, was ist Fernsehen?"
Wir waren in einer Sitzung,
alle seine Mitarbeiter waren da, er sagte:
"Fernsehen ist das, was um die Werbung herum passiert."
(F. Confalonieri) Er verstand, dass Werbepartner nur bereit waren,
große Summen zu zahlen, wenn sie sichergehen konnten,
dass ihre Werbung im ganzen Land
und im Kontext hochwertiger Programme ausgestrahlt werden würde.
Coca-Cola, um ein wichtiges Produkt zu nennen,
wollte nicht im gleichen Werbeblock
wie die Pizzeria um die Ecke erscheinen.
Berlusconi verstand das.
(M. Bongiorno) Um solche Sendungen zu machen, brauchen wir Werbepartner,
die bei uns unter Vertrag stehen.
Verfolgen Sie also bitte, was in unseren Sendungen gesagt wird
und versuchen Sie, die Produkte zu kaufen, die wir bewerben.
Bleiben Sie dran. In zwei Minuten sind wir zurück.
Und jetzt Werbung.
Die RAI hingegen hatte ein gewisses Kontingent für Werbespots.
Die RAI-Mitarbeiter konnten also entscheiden,
ob Firma XY für ihr Zielpublikum interessant war oder nicht.
Von 100 Bewerbungen wurden 50 Werbespots angenommen
und 50 abgelehnt.
Die Warteliste derer, die ihr Produkt
im "Zauberkasten Fernsehen" ausstrahlen wollten, war lang.
Natürlich war die RAI nicht in der Lage,
der großen Nachfrage der Industrie nach Werbefläche gerecht zu werden.
Werbung war ein Garant für Umsatzsteigerung
und damit essenziell für das Wachstum der Unternehmen
und für die italienische Industrie insgesamt.
Dell'Utri und Berlusconi haben diese Diskrepanz sofort erkannt
und sie sich zunutze gemacht.
(M. Bongiorno ) Die Firma Carapelli:
Wir sprechen später über das Sonnenblumenöl
mit dem Tropfverschluss.
Zuerst trinken wir eine Tasse vom guten, aromatischen "Nescafé".
Dann sprechen wir über Mayonnaise von Kraft.
(A. Galliani) Es ist eine Banalität, was ich jetzt sage,
aber vielen ist das nicht bewusst:
Werbung kauft nicht Programme, sondern Köpfe.
* Düstere Musik *
"Köpfe", so heißt es im Fachjargon.
Das bedeutet:
Die Zahl der Zuschauer einer Sendung entspricht dem Wert meines Produkts.
Je mehr Zuschauer, desto stärker mein Produkt.
Die Werbung wurde einer Werbeagentur
namens "Famiglia Cristiana" anvertraut.
Nach einer Weile beschloss Berlusconi,
das Werbegeschäft selbst in die Hand zu nehmen.
"Warum sollen sich andere darum kümmern, wenn wir es selbst können?"
Und so wurde "Publitalia '80" geboren.
* Elektronische, treibende Musik *
Wir haben eine wichtige Organisation
namens "Publitalia" gegründet.
Für uns arbeiten mehr als 250 junge Absolventen
von italienischen Universitäten,
und zwar die mit den besten Noten.
Gemeinsam kontaktieren wir alle unsere Kunden.
Solange der Werbung keine Grenzen gesetzt waren,
gab es extrem viel Werbung.
Und Berlusconi macht es sehr geschickt:
Er bietet kostengünstig Werbeslots an.
Dafür besteht er darauf, zu einem gewissen Prozentsatz
an der Umsatzsteigerung beteiligt zu sein,
die das Produkt durch die Werbung erzielt.
(C. Momigliano) In der Ideologie des kommerziellen Fernsehens
sind Programme nur dann nützlich und erfolgreich,
wenn sie für die Werbetreibenden ein Publikum generieren.
Eines Tages unterhielten sich der damalige Programmchef von Canale 5
und Berlusconi darüber, dass Canale 5 montagabends
oft eine viel niedrigere Einschaltquote als RAI 1 erreichte.
Der Programmchef erklärte:
"Wenn ich nur am Anfang und am Ende des Films Werbung einblende ... " -
so war es damals bei der RAI,
sie hat nicht mal zur Halbzeit einen Werbeblock geschaltet -
" ... hätte ich viel mehr Zuschauer.
Wegen der Werbung springen mir die Zuschauer ab."
Berlusconi sagte: "Es ist mir egal,
ob der Film ohne Werbung eine höhere Quote einfährt,
denn diese Zuschauer sind für mich nutzlos."
Die Zahl der Zuschauer, die trotz Werbeunterbrechung dranbleiben,
ist immer noch größer als die Zahl derer,
die sich Werbung vor oder nach dem Film anschauen.
Natürlich sind wir auf dem richtigen Weg,
indem wir mit den Unternehmen zusammenarbeiten.
Vor allem sorgen wir dafür,
dass die Werbekampagnen auch zum Absatz der Produkte führen.
Wenn du mich so ansiehst, verliere ich den Faden, Heather.
Ich mache Werbung für Heather.
(C. Freccero) Berlusconi hat mir etwas Grundlegendes beigebracht:
"Wenn du Fernsehen machen willst, Carlo, musst du eins wissen:
Bei uns im Büro gibt es vier Kollegen,
die von morgens bis spät abends nichts anderes machen,
als jede halbe Stunde 100 Leute anzurufen,
um die Zuschauerzahlen herauszufinden."
Das war mein Auffrischungskurs im kommerziellen Fernsehen.
Mir war sofort klar, dass die Quote allesentscheidend ist.
Es ging nicht um meine kritische Beurteilung von Filmen
oder ob sie mir gefielen.
Es ging nicht um mich.
Es ging einzig und allein um die Zahlen,
die diese vier Kollegen jede halbe Stunde aufschrieben.
Man muss ein Programm machen, das die Zuschauer fesselt.
Die Sendungen müssen seriell sein,
sie müssen den Zuschauer zwingen, weiterzuschauen.
* Die Männer sprechen Italienisch. *
(C. Freccero) Mit "Dallas" schaffte ich es,
ein verlässliches Kernpublikum am Dienstag aufzubauen.
Die RAI hat nur in sich abgeschlossene Formate gesendet.
Sie verstanden nicht, dass Dallas eine Soap Opera war,
die ein offenes Ende hatte und dass das für gute Einschaltquoten sorgt.
Dallas schauen, war wie ein Pflichttermin.
(J. R. Ewing) Ich habe schon zu viel Blödsinn von diesem Mann gehört ...
(C. Freccero) Interessanterweise war der Protagonist
quasi das Abbild von Berlusconi, ein Gewinnertyp.
(J. R. Ewing) Er bringt keinen Deal zustande.
Er war nur gut, weil er mir das Geschäft stahl.
(C. Freccero) Ich musste das Programm der RAI untergraben.
Das effektivste Mittel,
um dem Hauptsender seine Zuschauer zu stehlen,
war Gegenprogrammierung.
Also genau das Gegenteil von dem zu senden, was die RAI sendete.
(Beauty) Nein, so ernst mag ich mich wirklich nicht.
(C. Freccero) Also sendeten wir die Schlümpfe zeitgleich
zu den Nachrichten bei der RAI.
Denn die Schlümpfe richten sich an Kinder
und Kinder haben Probleme beim Essen.
Dank der Schlümpfe mussten Mütter ihre Kinder nicht mehr füttern.
Es war ein durchschlagender Erfolg.
Nicht zuletzt, weil die Schlümpfe so großartig waren.
(Beauty) Wo waren wir? Bei meinem Lieblingswort: ich!
Immer ich...
(G. Moncalvo) Berlusconi hat im Laufe der Jahre oft Anekdoten erzählt,
von wem er was übers Fernsehmachen gelernt hat.
* Dynamische basslastige Klänge *
(G. Moncalvo) Oft ging es um Paley,
den Erfinder des amerikanischen Senders CBS.
Berlusconi sagte: "Eines Tages empfing mich Paley in New York,
er sagte: 'Silvio, komm mit!'
Er nahm mich mit zum Fenster, er sagte:
'Schau nach draußen und sag mir,
wie spät es ist gemessen am Stand der Sonne.'
Fernsehen muss genauso sein. Wenn du einschaltest,
weißt du anhand des Programms, wie spät es ungefähr ist.
Nachmittags laufen Kindersendungen, vormittags Sendungen für Hausfrauen,
abends Quizsendungen oder Nachrichten."
(D. Hartman) Ich bin David Hartman.
(J. Lunden) Und ich Joan Lunden. Es ist Mittwoch, der 28. März.
Willkommen zurück. - Danke. Schön, wieder hier zu sein.
(F. Ruffini) Bei der RAI gab es kein Vormittagsprogramm.
Bei seinem Amerikabesuch sah Berlusconi "Good Morning America".
Er kam zurück und sagte: "Ich möchte 'Buongiorno Italia' machen."
Und das war die erste Sendung, die ich gemacht habe.
(G. Moncalvo) Unter diesem Label
waren alle Elemente des Fernsehens der Zukunft enthalten:
Rezepte, Horoskope und Schönheit.
(C. Freccero) Berlusconi durchschaut den Zeitgeist.
Er versteht, dass sich etwas ändert, dass der Markt zentral ist.
Der Markt ist alles.
Dass alles Geschäft und alles Profit ist.
Und dass das Fernsehen all dem dient.
(R. Cohen) Wenn man so will, war er "der Amerikaner".
Amerikaner stören Werbeunterbrechungen nicht.
Werbung kann uns ins Verderben führen,
aber man kann auch ein Vermögen damit machen.
* Fröhlich-heitere Intromusik *
(I. Zanicchi, TV) Damen und Herren, willkommen zu "Der Preis ist heiß".
(On) "Der Preis ist heiß" war eine Goldmine.
Eine Geldmaschine.
(TV) Das Magic-Line-Set besteht aus
einem Bügeleisen und einem Fön, inklusive zweier Universaladapter.
Also, Herr Giuseppe, was ist der richtige Preis?
(Mann) 280 ...
(I. Zanicchi) Ein Senderredakteur ruft mich an und sagt:
"Frau Zanicchi, wir würden Ihnen gerne eine Quizshow anbieten.
Sie sind so quirlig und aufgeweckt. Wie wär's?"
"Nein, ich bin doch Sängerin?"
* Schwermütiger, italienischer Gesang *
(I. Zanicchi) Ich habe auf allen Festivals gesungen:
von Sanremo bis Castrocaro.
Highlights waren sicherlich meine Erfolge in Sanremo.
(Mod.) Interpretin des Siegerliedes ist Iva Zanicchi.
* Jubel *
(I. Zanicchi) Ich erteilte ihm also eine Absage,
obwohl er mir eine sehr hohe Summe angeboten hatte.
Am nächsten Tag rief mich Berlusconi an.
"Signora Zanicchi, ... " - ich werde es nie vergessen -
" ... ich würde gerne mit Ihnen einen Kaffee trinken gehen,
aber ich habe so viele Verpflichtungen und Termine.
Könnten Sie zu mir nach Hause kommen?"
"Herr Berlusconi, ich komme."
Wir gehen also hinein
und drinnen war ein kleines Theater mit einem schönen Flügel.
Er kommt mir entgegen.
Ich denke: "Oh, Gott, jetzt muss ich singen."
Stattdessen setzt er sich an den Flügel und spielt Charles Trenet,
Edith Piaf, dann Aznavour - auf hohem Niveau.
Darin liegt die Größe, die Fähigkeit dieses Mannes.
Er könnte jeden, wirklich jeden,
davon überzeugen, am Nordpol Eis zu machen.
Es ist faszinierend.
(Moderatorin) Hier ist Iva Zanicchi!
* Jubel *
(I. Zanicchi) Große Marken, große Hersteller rissen sich darum,
bei "Der Preis ist heiß" mitzumachen.
Es war unglaublich.
(TV) Hier sind eins, zwei, drei ... fünf Drogerieprodukte.
Sie müssen raten, was diese Produkte kosten ...
(On) Es gab mir Genugtuung.
Großmütter hatten ihre Enkelkinder dabei.
Wenn ich heute 35-Jährige, 40-Jährige treffe,
ihnen ist es schnurzegal, dass ich drei Sanremo Festivals gewonnen habe,
dass ich in den größten Theatern der Welt gesungen habe.
Sie sehen mich und rufen "Cento!"
(Menge) Cento! Cento!
* Jubel *
(I. Zanicchi) Hundert!
Er sagte:
"Ich habe das Leben von Millionen gelangweilter Italiener verändert,
indem ich ihnen Fernsehunterhaltung rund um die Uhr präsentiert habe.
Ich habe ihr Leben aufgewertet."
Das glaubte er wirklich.
Viele halten ihn für zynisch, was auch stimmt,
aber er glaubte an das, was er geschaffen hat.
Er war überzeugt,
dass er die Lebensqualität der Italiener verbessert hat.
(Moderator) Ich lese Ihnen einen interessanten Satz vor:
"Berlusconis Fernsehen hat
die Lebensbedingungen der Italiener verbessert.
Es half, die Inflation zu senken,
die Wirtschaft anzukurbeln und die Demokratie zu stärken."
Kennen Sie den Autor dieser Worte?
Nein, und ich weiß nicht, ob das mir zuzuschreiben ist.
Die Konzepte sind sicherlich richtig.
Was den Lebensstandard angeht,
muss man nur den Fernseher einschalten.
Das Angebot ist rund um die Uhr beeindruckend.
Sogar die RAI hat sich verbessert.
Der Wettbewerb tut auch
dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen gut.
* Elektronische, treibende Musik *
(L. Braun) Im Corriere della Sera stand mal:
"Berlusconi hat die Köpfe kolonialisiert."
Und das ist genau das, was er gemacht hat.
Er hat aus Italien ein anderes Italien gemacht
und für mich hat er, wie gesagt, ein Frauenbild hinterlassen,
das bis heute nachwirkt.
Die Frauen, die in diesen Privatfernsehprogrammen auftraten,
waren fast nackt, vulgär und stumm.
Sie haben nie gesprochen,
sie waren wirklich zum Lustobjekt degradiert
und waren nichts anderes als Dekoration.
* Elektronische, treibende Musik *
(F. Ruffini) Wir haben uns wichtig gefühlt,
weil wir etwas gemacht haben, was es noch nicht gab
und wir haben es gemeinsam gemacht.
Am Anfang war die Gruppe wirklich klein,
aber er gab uns diese Kraft, diesen Enthusiasmus.
Vielleicht waren wir alle ein bisschen visionär,
aber wir sind immer ohne Zweifel vorangegangen.
Er hat uns bestärkt.
Wir waren von der Sache überzeugt.
(A. Galliani) Sein größtes Talent: Er weiß seine Leute zu motivieren.
Jedes Mal, wenn ich von einem Treffen mit ihm zurückkam,
war ich beflügelt.
(C. Momigliano) Berlusconi machte Notizen zu allem, was wir sagten.
Am Ende jeder Sitzung gab Berlusconi jedem ein individuelles Briefing.
Dieses Briefing enthielt immer Elemente dessen,
was die Person in der Sitzung gesagt hatte.
Sei es auch nur eine noch so kleine Anmerkung.
Was hatte das zur Folge?
Der Effekt für uns war immens.
Am Ende des Treffens hatte jeder von uns
einen individuellen Fahrplan, was als nächstes zu tun war.
Es fühlte sich an, als wäre es unser Plan,
nicht Berlusconis Plan.
Weil jeder ein kleines Körnchen Anteil daran hatte.
* Elektronische, treibende Musik *
(V. Dotti) Als Berlusconi mit Canale 5
diesen durchschlagenden Erfolg hatte -
super Einschaltquoten, hohe Werbeeinnahmen und so weiter -,
rief das natürlich die Konkurrenz auf den Plan:
andere italienische Medienhäuser.
Emilio Rusconi und sein Sender "Italia 1"
und vor allem der Verlag "Mondadori".
Der wurde damals
von einer berühmten Person aus Kultur und Wirtschaft vertreten:
Mario Formenton.
Berlusconi steckte diese Konkurrenten in die Tasche.
Sein unternehmerisches Geschick
stürzte sowohl Rusconi als auch Mondadori in eine totale Krise.
Mit dem Resultat, dass er Rusconi ein Kaufangebot machte.
Und Rusconi schließlich Italia 1 verkaufte.
Der eigentliche Coup aber ist, was er mit Mondadori machte.
Rete 4 und Canale 5 führen einen Serienkrieg.
Der eine kauft "Denver-Clan", der andere "Dallas".
Und sie überbieten sich mit Rabatten auf Werbespots,
um mehr Kunden zu gewinnen.
Sie bluten sich gegenseitig aus.
Bis Berlusconi eines Tages
Mondadoris Rete 4 auf Berlusconi-Art plattmacht.
* Lässige Bassgitarren-Musik *
Berlusconi geht zu Formenton und sagt:
"Lass uns das Kriegsbeil begraben.
Lass uns eine gemeinsame Schmerzgrenze
für Rabatte unserer Werbepartner definieren."
Formenton, der ein Lebemann war
und es kaum erwarten konnte, segeln zu gehen, sagt:
"Abgemacht. Am nächsten Montag endet unser Preisunterbietungskampf.
Bis dahin wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende."
Formenton geht an jenem Freitag wirklich segeln,
Berlusconi jedoch kehrt in sein Büro zurück,
ruft die gesamte Publitalia zusammen und sagt:
"Ihr habt 72 Stunden Zeit,
um alle verfügbaren Kunden mit einem beliebigen Rabatt anzuwerben."
Und das tun sie auch.
Als Formenton an jenem Montag zurückkehrt, wird er feststellen,
dass der gesamte Werbemarkt versiegt ist.
Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits so verschuldet,
ohne jede Perspektive, dass er verkauft.
* Musik verstummt. *
(Moderatorin) Guten Abend.
Sie sehen Sean Connery
in dem Agentenfilm "Sag niemals nie".
Italia 1 zeigt "Supercar" und "A-Team".
Bei Rete 4 läuft "Der Preis ist heiß" mit Iva Zanicchi.
(A. Galliani) Die RAI hatte drei nationale Fernsehsender.
Wir wollten auch auf drei Sender kommen.
Nicht auf vier, nicht auf zwei.
(F. Confalonieri) Das war nur fair. Sie hatten drei Sender.
Hätten wir mehr oder weniger Sender gehabt,
hätte es keinen echten Wettbewerb gegeben.
* Düstere Musik *
(R. Cohen) Er liebte die Macht und er wollte das Land umkrempeln.
Überraschend bot er mir einen Flug in seinem Privatjet an.
Die Maschine steigt über Mailand auf und er wendet sich mir zu und sagt:
"Das ist Italien, das ist mein Land."
Und dann sagt er:
"Und ich bin jetzt der reichste Mann in Italien."
(C. Freccero) Er will gewinnen.
Was das angeht, ist er ein verkappter Amerikaner.
Ein Gewinner und ein Macher zugleich.
Wenn ich unterrichte, erkläre ich es gerne so:
Im Englischen lautet das Hilfsverb "do" - tun.
Im Italienischen ist es "essere" - sein.
Das ist der Unterschied zwischen Amerika und Europa.
Er ist ein Mann der Tat und ein Gewinner.
Das ist sein Mantra, sein Evangelium, sein Plan.
Machen und gewinnen.
(L. Braun) Ich habe ihn gesehen als einen extrem erfolgreichen,
skrupellosen, rücksichtslosen Machtmenschen,
der aber die Fähigkeit und das Talent hat,
all diese negativen Eigenschaften
zu überspielen mit Fröhlichkeit, mit Lachen, mit Witzen, mit Glamour.
Berlusconi ist ein sehr, sehr netter Mensch.
Es macht Spaß, mit ihm über Fernsehen zu reden,
weil er Ahnung davon hat.
Er hat Fernsehen verstanden, er wusste, was er tut.
Es hat mich nicht überrascht, dass er so schnell aufgestiegen ist.
Natürlich gab es eine Menge Widerstand.
Und warum?
Weil eine Privatperson mit drei Fernsehsendern angsteinflößend war.
Denn es war klar, dass das nicht das Ende der Fahnenstange war
und dass es ihm darum ging,
seine Fernsehsender auch für andere Zwecke zu nutzen.
(Moderator) Die Einschaltquoten der ersten 14 Tage im April
für die Programmzeit 20:30 bis 23:00 Uhr:
Canale 5 erreichte am Abend im Durchschnitt 7.974.000 Zuschauer.
RAI 1: 7.715.000 Zuschauer.
Italia 1: 3.844.000.
Der Magistrat von Rom verbietet die Ausstrahlung
der im restlichen Italien gezeigten Sendungen
von Canale 5.
(Mod. 2) Eilmeldung von der Front
des öffentlichen und privaten Fernsehens.
(Mod. 3) Den Eigentümern der wichtigsten Privatsender,
darunter Silvio Berlusconi,
wurde untersagt, landesweit auszustrahlen.
(Mod. 4) Canale 5, Italia 1, Rete 4 ...
(Mod. 5) Beamte der Finanzaufsichts- behörde beschlagnahmten
Videobänder von Canale 5, Italia 1, Rete 4 ...
Die Anwälte der Sender werden Berufung einlegen,
um die Freigabe der Bänder zu erwirken.
* Elektronische, treibende Musik *
Untertitel: OMNIMAGO GmbH im Auftrag des ZDF 2024
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