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Ludwig II: Glanz und Ende eines Königs dTV - WDR - 19. Mai 2012
Untertitel: WDR mediagroup digital GmbH im Auftrag des WDR
Musik
Ludwig II.
Prinzessin Sophie
Kaiserin Elisabeth von Österreich
Ludwig!
Ja, ich komme.
Majestät, was ist Ihnen?
Majestät sind krank. - Wir fahren nach Wien.
Ich habe was Schreckliches gesehen. - Was denn?
Ludwig lief über den See, sein Mantel flatterte im Wind.
Er reichte mir die Hand und rief meinen Namen.
Ich wollte zugreifen, aber es war, als ob Glas zwischen uns wäre.
Und plötzlich versank er vor meinen Augen.
Sie kommen. Louis und Cartiero bringen ihn.
Wo ist Ludwig? Wo ist der König?
König Ludwig ist tot.
Nein!
Er und Dr. Gudden, im Starnberger See ertrunken.
Glocken läuten
Musik
(Frau) Das ging so schnell.
(Mann) Der Gudden, der Arzt, hat ihn umgebracht.
(Mann 2) Niemand hat ihn umgebracht. Er war zu gut für diese Zeit.
(Frau 2) Warum spielen sie nicht Wagner, den er verehrte?
(Frau 1) Der Wagner war schuld mit seiner wahnsinnigen Musik.
Dass die das zugelassen haben!
Ich habs immer gesagt. Gottes Zorn kommt über uns alle.
Musik
Wie alt ist der König? 20? - 20, 25. Er heiratet ja doch nicht.
(Mann) Maderl! Ihr dürft dem König nicht ins Fenster schreien.
Zurücktreten!
Der Herr Minister bittet, dass sich Eure Majestät
in der Unterhaltung mit dem Kaiser von Österreich vorsichtig verhalten.
Der Herr Minister empfiehlt, nur Worte zu gebrauchen,
die später auch ein wenig anders interpretiert werden könnten.
Herr von Pfistermeister, ich werde sagen, was ich denke.
Jawohl, Majestät. - Bitte schön.
Werden wir auch die Kaiserin sehen?
Ja, Ihre Majestäten sind beide da.
Hier hat sie mich mal gebissen, als wir noch Kinder waren.
Ich passe auf, dass das nicht mehr vorkommt.
Mein Gott, war die Sissi ein wildes Dirndl,
wie sie mit ihrem Schimmel in die Isar springen wollte.
Erinnerst du dich noch? - Nein.
Da hab ich gesagt:
Als meine Frau dürftest du nur noch Esel reiten.
Was für ein Glück, dass sies nicht geworden ist!
Ausgezeichnet, wirklich ausgezeichnet.
Danke.
Da kommt der Ludwig.
Da du nicht zum Heurigen kommst, komme ich zum Sauerbrunnen.
Hoffentlich bekommts dir. Es ist ein teuflisches Zeug.
Ich freu mich, dass ihr hier seid.
Grüß dich Gott, Sissi.
Einen schönen Tag haben wir. - Ja, wirklich prachtvoll.
Grüß dich Gott, Majestät. Verzeihen Sie bitte.
Wofür? Ach so! Du darfst ruhig Du sagen.
Oder müssen wir erst Brüderschaft trinken?
Aber nicht damit.
Ich hab ein kleines Frühstück herrichten lassen.
Damit der Franz Joseph zur Nachkur ein Glas Champagner trinken kann.
Musik
Du musst etwas sagen, sonst denken alle, wir sind bös miteinander.
Ich kann nichts sagen.
Hab ich mich so verändert? Ich dachte, wenn wir uns wiedersehen...
Ich seh dich nicht wieder. Ich seh dich zum 1. Mal.
Wollen wir heute Nachmittag eine Kutschfahrt machen?
Ja, wenn ihr mögt, natürlich gern.
Der Franz ist lieb, gell?
Ich muss nachher mit ihm sprechen, ob es Krieg oder Frieden gibt.
Merkwürdiges Gefühl!
Ich möchte in der Politik nicht alles verlieren, was gut ist.
Und ich werds auch nicht. Grüß Gott!
Das darfst du nur mir sagen. - Ich sags aber jedem.
Es ist ja zum Verrücktwerden.
Das gehört dir. - Danke.
Es muss doch möglich sein, ohne Lüg und Verrat zu regieren
und was einem die Leute sonst empfehlen.
Rein, einfach rein.
Weißt du, Ludwig, jedem ist seins beschieden.
Jeder Mensch muss sich fügen.
Ich bin aber nicht jeder Mensch. Und du auch nicht.
Ich fühl das.
Kennst du den Richard Wagner? Der ist doch bei euch in Wien.
Wer ist denn das?
Wer das ist?
Ein Kompositeur.
Nein, kein Kompositeur, ein Genie, ein Gott!
Er schreibt Opern, nein, Musikdramen.
Du fragst, wer das ist?
Seit Beethoven war niemand so kühn.
So erhaben.
Solche Leute möchte ich bei mir in München haben.
Ich möchte... Es klingt wieder ganz dumm.
Ich möchte ein Königreich der Musen aufrichten.
Ja, du wirst ein wahrer Herrscher werden.
Und Bayern wird ein glückliches Land sein.
Mach alles genau so.
Es wär herrlich, wenn das mal einer von uns täte.
Lauft uns nicht davon! Da kommt ja keiner mit.
Jetzt habe ich mit dem Ludwig ein paar Worte zu reden.
Allein. Darf ich, Elisabeth? - Natürlich. Wir gehen voraus.
Er sieht mich nicht. Er sieht mich überhaupt nicht.
Wenn wir nachher mit der Kutsche ausfahren,
kannst du es einrichten, dass ich neben Ludwig sitze?
Das wird nicht so einfach sein.
Die Etikette, weißt du?
Ich hab keine Zeit für Kriege, Franz.
Ich hab viel Wichtigeres zu tun.
Das glaubt man, wenn man jung ist. - Du bist auch kein Greis.
Nein, aber man muss sich ins Unvermeidliche fügen.
Ist es unvermeidlich? Ist es unvermeidlich?
Wenn du nicht angreifst?
Diese Frage ist etwas romantisch.
Das interessiert nur die Gazetten.
Ja, ich bin ein Romantiker.
Aber für mich ist die Frage sehr wichtig.
Natürlich fang ich nicht an. Was glaubst du?
Aber Preußen wirds tun.
Ja, dann ist deine Frage überflüssig.
Wir haben ein Bündnis.
Ein Bündnis zwischen einem Kaiser und einem König ist heilig.
Na also, mein Freund.
Da wären wir uns ja einig.
Ich vermute, dass dich demnächst Herr Bismarck besuchen wird.
Dem solltest du nichts von der Heiligkeit der Verträge sagen.
Dem solltest du sagen...
Hab acht!
Sind Sie krank? - Nein, Majestät.
Sie sehen fiebrig aus.
Wie lange stehen Sie hier? - 4 h.
Das ist lang. Einen Fauteuil, bitte.
Fauteuil!
Stellen Sie es dorthin!
Setzen Sie sich!
Wenn Ihnen besser ist, stehen Sie wieder auf.
Bitte sehr um Verzeihung.
Ich sehe die Dinge einfacher.
Es ist ein physikalisches Gesetz.
Die Natur lässt Dinge reifen und erteilt uns ihre Aufträge.
Wir haben sie zu erfüllen oder unterzugehen.
Die deutsche Kleinstaaterei hat ihre Aufgabe erfüllt.
Nun suchen die deutschen Staaten eine neue Form, ein neues Gefäß.
Dieses neue Gefäß heißt Deutschland.
Es heißt das Deutsche Reich.
Und wie wird das Reich aussehen,
das Ihnen die Natur vorschreibt?
Es wird auf dem Weg des Fortschritts die anderen einholen, überflügeln.
Es baut Eisenbahnen und Kanäle, errichtet Industrie.
Eine mächtige Schifffahrt wird es mit der Welt verbinden.
Seinem Ansehen wird eine starke Kriegsmacht
Kraft verleihen und das Glück...
Verzeihen Sie, wenn ich unterbreche.
Aber im Arsenal Ihrer Worte nimmt sich das Wörtchen Glück
ein bisschen seltsam aus.
Glück ist eine große Gnade.
Nehmen Sie? - Danke, Eure Majestät.
Behalten Sie Platz.
Ich bin zum König gesetzt über ein altes, schönes Land.
Seine Bewohner sind glücklich und friedlich.
Ich halte es für meine Pflicht, Frieden und Glück zu wahren.
Und, so Gott will, zu mehren.
Ich bin nicht fortschrittsfeindlich.
Kunst und Kultur sind die Gebiete,
wo ich mein Volk in den Kampf führen möchte.
Bestrebungen, die auch einem größeren Vaterland zugutekommen.
Ich hoffe, dass mir Gott Zeit dazu gibt.
Das Sterbliche ist dazu da, das Unsterbliche zu behüten.
Deshalb machen Sie Ihre Armee so stark?
Warum wollen Sie den Krieg gegen Österreich?
Das Reich wird nur im Krieg entstehen.
Klaviermusik
Kennen Sie die Klänge?
Wissen Sie, was sie bedeuten?
Ich kenne sie nicht, aber ich spüre, was sie Ihnen bedeuten.
Leben Sie wohl, Bismarck.
Ich bewundere große Männer. Ich liebe die Kraft.
Wir hätten Freunde werden können,
hätte die Natur uns nicht verschiedene Aufträge erteilt.
Ich wünsche Ihnen und uns eine gute Reise. Leben Sie wohl.
Ich habe eine Bitte.
Ja?
Wenn Euer Majestät mir die Gnade erweisen würden.
Ich hätte gern ein Bild Eurer Majestät.
Von mir?
Das Bild eines wirklichen Königs.
Bringen Sie mir Richard Wagner!
Richard Wagner?
Es klopft Ja?
Eckert, warum so spät?
Meister, ich habe alles versucht.
Was denn, kein Geld? - Nein.
"Lohengrin" wurde doch aufgeführt. Sie haben ihn dirigiert.
Das Geld steht mir zu.
Es ist gepfändet. Sie hätten Wechsel unterschrieben.
Bis hierher verfolgen sie mich!
Ich kann das Zimmer nicht zahlen und nicht weiterfahren.
Ich sehe, was ich zusammenbringe.
Ich bin nicht mehr in Ihren Jahren.
Ich habe gearbeitet wie andere nicht in 100.
Es war vergeblich.
Ich will nicht mehr.
Es ist keine Schande, als Musiker zu verhungern
in einer Welt, in der ein Mozart verhungert ist.
Sie werden nicht verhungern.
Alle warten darauf, dass Sie "Die Meistersinger" beenden.
Wer? Wer wartet darauf? Wie viele?
10 Menschen oder 20?
Das ist der "Tristan", in Wien wieder abgesetzt.
Und da ist der "Ring der Nibelungen".
Von mir selber abgebrochen, weil ihn nie jemand aufführen wird.
Nein, ich schreib nichts mehr.
Ein Requiem vielleicht auf die deutsche Kunst.
Es klopft
Das kann nur jemand aus Wien sein. Helfen Sie mir, Eckert!
Sagen Sie, dass ich kein Geld habe.
Ich komme im Auftrag Seiner Majestät, des Königs von Bayern.
Seine Majestät schickt Ihnen diesen Ring und seine Grüße.
Er bittet um Ihren Besuch.
Was will der König von mir?
Ach so?
Ich weiß nicht. Er erwartet Sie. - Meister...
Er wird einen Musikanten für seinen Hofstaat suchen, weiter nichts.
Aber nicht ein verkrachtes Genie,
das einen ruhigen Platz zum Sterben sucht.
Soll ich bestellen, dass Sie nicht kommen?
Meister!
Ich komme.
Es mag nicht üblich sein, dass ein Besucher zuerst spricht.
Aber ich muss Sie warnen.
Ich bin keine fröhliche Unterhaltung für einen Feierabend.
An mir klebt Unglück.
Meine Existenz ist an einem Punkt...
...wo ich so verletzlich bin wie Glas.
Einen Sprung habe ich schon.
Ein falsches Wort und es gibt Scherben.
Und Sie bekommen blutige Finger.
Bruder?
Sie werden hier frei sein von der Erbärmlichkeit des Tages.
Die Nacht wird leuchten.
Die begnadetsten Künstler Europas werden Ihre Werke aufführen.
Und ich werde es sein, der beschenkt ist.
Ich grüße Sie.
Musik
Musik
Oh, sink hernieder, Nacht der Nebel.
Gib Vergessen, dass ich lebe.
Nimm mich auf in deinen Schoß.
Löse von der Welt mich los.
Aber Isolde ist unerreichbar für Tristan.
Sie ist König Marke verbunden,
dem Tristan die Treue gelobt hat.
Doch die Liebe ist stärker als alle Gebundenheit.
Und was ihm das Leben versagt,
das erfüllt sich den Liebenden im Tod.
Im Tod...
Wann ist die Aufführung? Wie gehen die Proben?
Ich habe es Ihnen verheimlicht. Die Proben sind qualvoll.
Auch für mich.
Was heißt das?
Manchmal glaube ich, diese Musik ist Frevel.
Mein Freund Bülow meint, Menschen würden davon wahnsinnig.
Sie hat nichts mehr zu tun mit Mozart und Beethoven.
Diese Musik ist ein Narkotikum.
Ein Gift, das alle Bindungen löst.
Oh ja, aber es macht uns frei.
Und führt uns zu höchsten Höhen.
Oder in die tiefsten Tiefen.
Manchmal fürchte ich mich selber.
Ja, kennen Sie denn ein Meer ohne Grauen?
Wir dürfen uns nicht fürchten, wenn wir das Große wollen.
Vor keinen Höhen, keinen Tiefen.
Keinem Wahnsinn.
Wann ist die Aufführung, wann?
Ich bin zum 1. Mal glücklich.
Ich werde den Kaiser von Österreich einladen.
Und die Kaiserin.
Die Kaiserin!
Musik: Richard Wagner "Tristan und Isolde"
(Tristan singt) * Oh, sink hernieder,
Nacht der Liebe.
(Isolde singt) O, sink hernieder,
Nacht der Liebe.
(Tristan) Gib Vergessen, dass ich lebe.
(Isolde) Gib Vergessen, dass ich lebe.
(Tristan) Nimm mich auf in deinen Schoß.
(Isolde) Nimm mich auf in deinen Schoß.
(Tristan) Löse von der Welt mich los.
(Isolde) Löse von der Welt mich los.
(Tristan) Verloschen nun...
...die letzte Leuchte.
(Isolde) Was wir dachten...
Was uns deuchte...
(Tristan) All Gedenken...
(Isolde) All Gemahnen...
(Tristan) Heil'ger Dämm'rung...
(Isolde) Heil'ger Dämm'rung... (Tristan) hehres Ahnen...
(beide) ...löscht des Wähnens Graus... *
Ich möchte allein sein, fort von den Menschen.
Reiten wir zurück nach Berg.
Ja.
Hier ist der Weg zu Ende.
Oh nein, hier fängt er an.
Ich steh oft an dieser Stelle.
Ich weiß nicht, warum. Ich lieb sie.
Es ist so friedlich.
Da drüben ist die Roseninsel aus unserer Kindheit.
Warum hast du ihn geheiratet?
Ich war 16, Ludwig.
Niemand hat mir gesagt, dass ich mal eine Frau sein würde.
Dass ich eines Tages empfinden könnte, was Musik ist...
...und ein Nachthimmel und ein Mensch.
Das sind wir, wie 2 Wolken.
Ganz nah.
Ganz weit, ganz gleich.
Sie treiben aufeinander zu.
Da ist ein Boot. Wollen wir es wieder stehlen wie damals?
Wollen wir nicht das Glas zerbrechen, das zwischen uns ist,
und alles zurücklassen?
Wir sind nicht wie alle, das hast du selbst gesagt.
Vergiss nicht, was du dir vorgenommen hast!
Heute war dein 1. Triumph, der Frieden ist der nächste.
Du zeigst uns, dass man erst Mensch und König wird, wenn man Gutes tut.
Und wenn man rein bleibt...
Nein.
Ich bin gar nicht unglücklich.
Du sollst es auch nicht sein.
Ich hab gelernt zu lächeln und zu weinen durch dich.
Und immer wenn ich das eine oder andere tue,
werde ich bei dir sein.
In Gedanken.
In Gedanken.
In den Wolken.
Musik
Sei mir nicht bös, dass ich nicht zur Oper gekommen bin.
Es war recht schwer, aber jetzt sind wir so weit.
Der Krieg kann kommen, wenn Herr von Bismarck es will.
Meine Herren!
Dank dir, Ludwig. Leb wohl.
Leb wohl, Franz.
In Gedanken. - In den Wolken.
Musik: Joseph Haydn "Kaiserlied"
Musik
Das ist ja kein Theater mehr.
Das ist...
Das ist ein Monument. - Ich weiß auch schon, wo.
Auf der Uferhöhe der Isar. Wissen Sie, wo ich meine?
Umgeben vom schönsten Garten Deutschlands.
Wagner, freuen Sie sich. - Ich habe Angst.
Das kenne ich.
Das Lampenfieber vor etwas Unüblichem.
Aber jetzt, nach dem Sieg von Tristan...
Man wird mir vorwerfen, ich beute Sie aus.
Dass ich Sie arm mache.
Wissen Sie, was diese fantastische Musikhalle kosten soll?
6 Mio. - Ich kann das nicht verantworten.
Seit einem Jahr geht das so.
Lauter Rechnungen an Herrn Wagner. Hier, 18.000 Gulden.
40.000 Gulden.
200.000, als Darlehen maskiert.
30.000 für Aufführungsrechte an Werken, die es noch nicht gibt.
"Parsifal"! Können Sie sich was darunter vorstellen?
Ich habe auch noch einige Rechnungen.
Sänger, Dirigenten, französischer Damast für sein Haus.
Das wird ein Skandal.
Man singt schon Spottlieder auf ihn und den König.
In den Bierkellern.
Musik im Hintergrund Grässlich, diese Musik.
Stellen Sie Herrn Wagner eine Anweisung aus.
Wie viel, bestimmt er selbst. - 30.000.
Was heißt denn das? - Ihr Geld, die Gulden.
Das ist absurd. Ich will mein Geld in Scheinen.
Herr Pfistermeister sagt, wir dürfen nur so zahlen.
Das ist eine Teufelei, eine abgefeimte Schurkerei.
Lassen Sie es zurückbringen!
Nein, es ist schon abgebucht.
Ich kann nicht so rumfahren!
Ist das nicht der Wagner? - Natürlich. Das ist der Wagner.
Da kann er wieder Musik machen jetzt.
...mit dem Ludwig seiner Lola Montez.
Für das viele Geld können Sie uns doch was singen.
(alle lachen)
Sag mir um Gottes willen, was bedeutet das alles?
Sie wollen mich demütigen.
Aber ich werde sie hinwegfegen, diese Neidlinge.
Pfistermeister und Hohenfels, das ganze Ministerium.
Diese Knechtseelen sollen sich noch ducken vor mir.
Ich schlage sie mit ihren eigenen Mitteln, mit politischen Mitteln.
Bedenke deinen Namen! - Nicht unter meinem Namen, Cosima.
Unter Alberichs Tarnkappe. Bitte, schreib!
"Wir halten es für unsere Pflicht, die Bevölkerung Bayerns
vor einer gewissen selbstsüchtigen Clique
in der engsten Umgebung unseres Königs zu warnen.
Das ganze Land..."
Das ganze Land wird noch einmal froh sein,
wenn die Welt zum Werke von Wagner nach München pilgern wird.
6 Mio.!
Die Kriegsvorbereitungen kosten 50 Mio. und mehr.
Ohne dass jemand mit der Wimper zuckt.
Das Festspielhaus aber kostet 6!
Es handelt sich nicht nur um die Sache.
Sondern auch um die Person.
Wagners Lebensart und -führung sind eine einzige Herausforderung.
Alle Städte haben ihre Vertreter entsandt.
Das Vorzimmer ist voller Leute.
Wir halten uns für verpflichtet, auf 2 Dokumente hinzuweisen.
Das erste ist ein Brief zum Privatleben des Herrn Wagner.
Über das Verhältnis
zur Gattin seines besten Freundes, Cosima von Bülow.
Ich habe mich öffentlich dafür verbürgt,
dass dies gemeine Lügen sind.
Ich bitte Eure Majestät, den Brief zu lesen.
Und den Artikel aus der Zeitung.
Von Wagner, unter Pseudonym geschrieben!
Er versucht darin, die Minister Eurer Majestät lächerlich zu machen.
Er ruft zum Sturz auf.
Euer Majestät verschwenden Ihre Gunst an einen Unwürdigen.
Ich danke Ihnen.
Musik
Richard, der König. - Endlich, er kommt zu mir.
Das ist die Rettung. Ich hab es gewusst.
Parsifal lässt nicht von seinem Gral.
Nein, bitte bleib doch.
Du hast ihm doch gesagt, dass wir nicht...
Mein König, Sie retten mir zum 2. Mal mein Leben.
Sprechen wir nicht davon, es ist zu klein.
Aber dass Sie sich zu mir bekennen,
ich kanns Ihnen nur in meinem Werke danken.
"Parsifal" ist im Entstehen.
Die Krone meiner Werke. Und Sie haben mich inspiriert.
Von Ihnen soll es allen künden.
In den reinsten, geheimnisvollsten Klängen.
Die so sind wie Sie!
Nicht von dieser Welt.
Musik
Glas splittert
Wenn ein Gralsritter seine Reinheit verliert...
Wie?
Wie stehen Sie zur Frau Ihres besten Freundes?
Wie stehen Sie zu Frau Cosima von Bülow?
Ich sagte Ihnen, dass dieses Netz infamer Lügen...
Nein, verdammen Sie mich. Ich liebe Cosima.
Ich werde sie zu meiner Frau machen.
Ich habe nach unendlichen Leiden endlich eine Seele gefunden.
Und Sie haben anonyme Artikel geschrieben gegen meine Minister?
Ja.
Verlassen Sie noch heute mein Land!
Ich habe von Ihnen nur Liebe und Güte erfahren.
Was Sie da eben gesagt haben, ist nicht wahr.
Und das Festspielhaus?
Und der Ring der Nibelungen?
Der Parsifal?
Ihre Werke ebenso wie meine.
Ihr Werk wird bleiben, Wagner.
Sie nicht.
Ich weiß nicht, wie ich das ertragen werde, aber...
Ich kann Sie nicht länger halten.
Gehen Sie!
Dann...
...dann...
Dann meine Hochachtung vor Zwergen und Nachtgelichter.
Meine Referenz vor Nattern, die es vermochten,
einen König sich selber untreu werden zu lassen.
Nicht eine min will ich länger bleiben.
Cosima, wir reisen.
Man soll packen.
Wir reisen in die Schweiz. - Nein!
Musik
Es klopft
Verzeihung, Graf Holnstein lässt sich nicht...
Das Kabinett bittet Euch sofort in die Residenz.
Bismarck ist in Sachsen einmarschiert. Das ist der Krieg.
Schlag
Von der Tann, erinnern Sie sich?
Sie standen vor vielen Jahren da unten in der Halle.
Ich rutschte das Treppengeländer hinunter und fiel vor Ihre Füße.
Erinnern Sie sich? Sie hoben mich auf.
Sie hatten Angst um mich.
Und ich fühlte, dass Sie mich liebten.
Sie alle haben mich irgendwann Ihrer Zuneigung versichert.
Jetzt brauch ich Sie.
Ich möchte das nicht unterschreiben.
Wir haben keine andere Wahl.
Bismarck wird vor den Grenzen Bayerns nicht haltmachen.
Erst recht nicht, wenn wir neutral bleiben.
Wir müssen diesen Krieg führen. - Von der Tann?
Wir sind gezwungen. Ich sehe keine Möglichkeit.
Max, den Wagen! Wir fahren zurück nach Berg.
Ich bitte Euer Majestät, in der Residenz zu bleiben.
Euer Majestät muss zu den Truppen sprechen.
Hohenfels, wollen Sie, dass ich sage:
Ihr werdet auf eure Brüder schießen und sie auf euch.
Das Schicksal will es.
Das Schicksal und ein paar Herren hüben und drüben.
Sie haben es sich nicht leicht gemacht.
Sie haben Bedingungen ausgehandelt, Verträge konzipiert.
Diese Hand hat mit unterschrieben.
Man holt euch von euren Äckern in Bayern und Preußen.
Und ich soll euch zurufen:
Kein Erbarmen mit Brüdern, die Feinde sind.
Feinden, die eure Brüder sind!
Ich will nur sagen:
Wem bestimmt ist, zu sterben, dem möge der Tod leicht sein.
Der möge mir verzeihen.
Wollen Sie, dass ich das sage?
Dann rufen Sie mich!
Trommelschläge und Musik
Gewitter
Komm! Komm!
Du brauchst keine Angst zu haben.
Das ist nur ein Wetter.
Der Krieg ist schon vorbei.
Die einen glauben, sie haben gewonnen.
Und die anderen glauben, sie haben verloren.
Das Karussell dreht sich.
Ein reizendes Tier! So zutraulich.
Es weiß, dass Majestät kein Jäger sind.
Warte den Herren was auf!
Bitte schön?
Wir sind in Eile, der Kurier muss zurück zu den Friedensverhandlungen.
Eigentlich dürften die Leute, die den Krieg verhandeln,
doch nicht auch den Frieden verhandeln. Das geht nicht.
Aber das ist halt so.
Also, wie wars?
Er verzichtet. Bismarck verzichtet auf etwas.
Ach so, auf Gebietsabtrennung.
Unter der Bedingung eines Bündnisses mit Preußen.
Man muss das Angebot
unter den Umständen für großmütig halten.
Es stärkt unsere Position: Bayern an der Seite Preußens!
Es lässt sich kurz nicht sagen, welche Perspektiven sich auftun.
Ja, die Perspektiven kenne ich: Blut und Eisen.
Unser Land, eine Provinz.
Wir werden darauf dringen,
dass Bayerns Selbständigkeit erhalten bleibt.
So weit als möglich.
Und was dürfen wir nun weiter tun? Gewitter
Was Sie wollen, Herr Pfistermeister.
Der Sieger heißt Otto von Bismarck.
Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf,
es hat den Anschein, als würden wir etwas gewinnen in dieser Niederlage.
Ich werde Sie mal an das Wort erinnern.
Es ist gut, sich zu verabschieden.
Sonst kommen Sie in die Dunkelheit und in das Wetter.
Adieu!
Ich muss mal mit dir reden, Ludwig.
So wie wir als Kadetten geredet haben.
Du darfst nicht so weitermachen. Du darfst nicht so unglücklich sein.
Was darf ich nicht? - Nicht so unglücklich sein.
Wenn du unglücklich bist, breitet sich das über uns alle aus.
Über Bauern und Städter,
die sich fragen, warum sie dich nie sehen.
Sie sehen dich nicht, aber sie fühlen mit dir. Sie vergöttern dich.
Sie lieben dich mehr, als du ahnst. Trenn dich nicht von deinem Volk!
Geh zu den Menschen, die dich lieben. Du musst auch mal heiraten.
Der König kommt. - Der Holnstein hats gesagt.
Ganz überraschend. - Mama, Mama! Ludwig kommt.
Der König? - Ja.
Ich bin so unglücklich. - Warum denn?
Gerade heute sitzt mein Haar so schlecht.
Otto, dein Bruder kommt.
Da muss ich gleich... - Warte!
Er sieht mich gar nicht. Vielleicht kannst du...
Ja, ich richte es ein. - Aber vergiss es nicht. Schlag
Seine Majestät, der König!
Gemurmel
Euer Majestät, wir sind glücklich.
Nicht nur wir hier im Saal.
Draußen im Hofgarten jubelt halb München.
Ja, hab mich schon gezeigt.
Die Leute waren sehr zufrieden mit mir.
Bissel wenig, aber na ja...
Otto!
Wir haben uns ewig nicht gesehen. Wir gehts dir?
Gut, nur immer das Kopfweh. Noch immer? Bist du in Behandlung?
Ja, aber keiner findet was.
Bist gewachsen. Für den Krieg leider zu klein.
So?
Na ja... Dann beim nächsten.
Aber eine Mission hab ich. - Aha?
Ich soll dich zu Sophie bringen. - Sophie? Wer ist das?
Enchante.
Onkel Max, wie gehts dir? - Danke schön.
Ah, da ist noch jemand. Grüß dich Gott.
Wir sahen uns in Kissingen, mit der Kaiserin?
Ja.
Du bist die Sophie? Ich dachte, du bist das kleine Sopherl.
Du hast dem Otto gesagt, er soll mich zu dir bringen?
Aber sagen sollte ers doch nicht.
Du sollst tanzen. - Ich soll?
Ich will. Darf ich dich bitten?
Musik
Wann hast du Sissi zuletzt gesehen?
Ich komme gerade von ihr. Sie ist so seltsam geworden.
Sie reist immer in der Welt herum.
Manchmal kommt sie nach Possenhofen, unangemeldet.
Dann spricht sie die ganze Nacht mit Mama.
Ich glaube, sie ist nicht froh mit dem Franz.
So hab ich den König lange nicht gesehen. Bezauberndes Paar!
Oder finden Sie nicht? - Doch. Ich denke schon weiter.
Seine Majestät muss noch heute mit dem preußischen Gesandten sprechen.
Ich wusste ja gar nicht, dass Sie...
Preußen hat die Zukunft. Wir gehören an seine Seite.
Bravo.
Es wird in der Zeitung stehen, dass wir den Ball eröffnet haben.
Tanzen wir nachher noch mal?
Ja, das steht dann aber gleich auf der 1. Seite.
Zu dumm, so eine Unterhaltung! Man kann sich nicht unterhalten.
Besuch uns mal am Starnberger See.
Wir wohnen gegenüber.
Komm doch du, besuch du mich in Hohenschwangau.
Ja.
Musik
Grüß dich Gott, Sophie. Enchante.
Ist das das Habsburger-Zimmer?
Nicht ganz, nur das Hohenstaufen-Zimmer.
Ich werf immer die Häuser durcheinander.
Gefällts dir? - Ja, sehr schön.
Aber? Sag die Wahrheit, Sophie!
Wenn ich ehrlich sein soll, ich finds ein bissel...
...bedrückend.
Aber der historische Charakter!
Der ist Sopherl nicht wichtig. Sie hat recht. Es ist bedrückend.
Darf ich bitten?
Das ist das Autaris-Zimmer.
Und da ist der Tee.
Bitte nehmt Platz.
Servez!
Ich kann noch nicht sitzen. Darf ich noch den Rest sehen?
Ja, du darfst. Komm.
Sie sehen müde aus. Restez, je vous prie.
Oh, ich... - Nehmen Sie Platz.
Das ist das Welfen-Zimmer. - Ja.
Der Heldensaal.
Das Musikzimmer.
Da ist ja ein Pianoforte.
Verschlossen?
Ja.
Schade.
Bitte.
Spiel!
Spiel das nicht, bitte.
Was ist denn? Ludwig?
Du hättest nicht kommen sollen. Du fühlst das nicht.
Fürchtest du dich nicht?
Warum sollte ich mich fürchten, wenn ich bei dir bin?
Das hab ich mir gewünscht, seit ich dich erstmals gesehen habe.
Beim Begräbnis deines Vaters.
Du gingst so einsam in der Prozession.
In Tausend so allein!
Schon damals wollte ich dir helfen.
Ludwig, schau mich doch an.
Lass dir doch helfen.
Du siehst mich ja wieder nicht.
Doch,
Sophie.
Wie spät ist es? - Schon halb 10.
Eine Nadel, bitte. Und beeilen Sie sich!
Wieso kommt er dich so spät abholen? Die Oper beginnt um 8.
Er wirds schon wissen.
Dass er Zeit hat, wo der Kronprinz von Preußen da ist!
Er macht sich eben mehr aus mir als aus dem Krieg.
Den Schal noch, bitte. - Das mach ich.
Sag mal, ist der Ludwig nicht oft ein bissel sehr ernst?
Ich mag keine lustigen Männer. Fröhlich bin ich selber.
Mir kommt er manchmal ein wenig seltsam vor.
Er... Er ist nie seltsam!
Warum sagst du das?
Wir haben eine Kaiserin in der Familie.
Und die ist nicht glücklich.
Du sollst keine unglückliche Königin werden.
Mama! Es klopft - Ja?
Seine Majestät, der König!
Wir kommen zu spät. Alle sind schon da.
Oder müssen sie auf dich warten? Gott, werden die mich anstarren!
Instrumente werden gestimmt
Ludwig? - Wir hören "Rheingold" von Wagner.
Musik
Nein, ich halt das nicht aus.
Ich fürchte mich.
Du hast gesagt, du fürchtest dich nicht, wenn du bei mir bist.
Aber jetzt fürchte ich mich.
Ludwig, bitte sag mir, warum tust du das?
Ich muss dir doch zeigen, wie ich leben werde,
wenn du bei mir bleibst.
Allein, Sophie. Ohne Menschen!
Weißt du, ich sehe manchmal ein Licht.
Was für ein Licht?
Meins, das mich führt.
Wenn Menschen zu nah kommen, dann läufts doch weg.
Dann ist es nicht mehr da. Verstehst du?
Ich liebe dich, Ludwig. Niemanden auf der Welt so wie dich.
Aber ich könnte so nicht leben, so allein.
Ohne Menschen.
Jetzt ist es weg.
Ich fleh dich an, bring mich nach Haus, bitte.
Komm!
Elisabeth, du?
Mama, die Sophie hat mir telegrafiert.
Wo ist sie?
Sie ist krank. Sie spricht nicht mit mir. Was ist denn geschehen?
Ich geh gleich zu ihr. Ich erzähls dir dann später. Da?
Sophie!
Sophie, was ist denn?
Ach, Sissi!
Sissi, ich lieb ihn so.
Ich lieb ihn.
Aber warum weinst du denn dann?
Ich kann nicht seine Frau werden.
Ich kann nicht. Ich kann nicht.
Warum denn nicht?
Das kann ich keinem Menschen auf der Welt sagen.
Nicht einmal dir.
Musik
Plötzlich kommst du? Warum?
Willst du mir Vorwürfe machen?
Jahrelang hör ich nichts von dir. Keinen Brief, keine Zeile.
Ich muss in den Zeitungen suchen, wo du dich aufhältst.
Muss mir Bilder besorgen von den Orten, damit ich weiß, wo du bist.
Wo bist du denn?
Sissi, wo bist du?
Du...
Bin ich dran schuld?
Hab ich vergessen, dich zu bitten, mir zu schreiben?
Gut, ich werde dir schreiben.
Ich weiß nur nicht, ob ich Zeit habe.
Das Leben ist so viel Ablenkung.
Diese Bälle, Rathäuser und Brücken, die einzuweihen sind.
Du glaubst es gar nicht.
Ich reise auch viel privat. Zu viel, sagt der Franz.
Es gibt eine Abteilung, um mich zu bewachen.
Man hat immer Angst vor Anarchisten.
Aber ich schüttele die Beamten ab.
Dann geh ich frei unter die Leute.
Und ich kann mir die Menschen ansehen.
Wie sie lächeln, traurig sind und...
Warum magst du die Sophie nicht?
Warum heiratest du meine Schwester nicht?
Ich hätte zu euch gehört. Wir hätten Ruhe gefunden.
Mein Gott!
Elisabeth!
Ja, eigentlich hast dus noch viel schwerer als ich.
Was ist aus deinen Plänen geworden?
Der Wagner ist fort, du hast den Krieg verloren.
Ein neuer steht vor der Tür.
Und du wirst dich wieder nicht ausschließen können.
Bald können wir uns nur noch daran halten,
dass du es mal gewollt hast, das Gute.
Das Reine.
Es ist heiß hier.
Ja.
Komm!
Musik
Wie nah die Ewigkeit, schau!
Ein Schritt!
Da unten ist das Licht und der Friede.
Nein, Ludwig.
Nein.
Nein, Ludwig, so nicht.
Wir brauchen den Tod nicht. Wir dürfen unser Unglück leben.
Und unser Glück.
Denn es ist doch ein großes Glück?
Zu wissen, dass etwas in unser beider Leben rein bleibt,
bis über den Tod hinaus.
Musik
Musik
In einer 1/2 h trifft Kronprinz Friedrich ein.
Zur Siegesfeier! Die ganze Stadt wartet.
Friedrich hat die Truppen zum Sieg geführt.
Euer Majestät müssen ihn empfangen.
Das besorgt mein Bruder Otto. Schicken Sie ihn rasch herein.
Komm, Max!
Euer Majestät, diese Brüskierung... Lassen Sie mich in Ruhe!
Du musst ihn empfangen. Morgen kann er Kaiser sein.
Wie sprichst du denn mit mir?
Du hast nicht erlebt, wie wir in Versailles das Reich gründeten.
Alle waren da, nur einer fehlte.
Ein König, Ludwig von Bayern.
1.500 waren versammelt, Kopf an Kopf, unübersehbar.
Du hättest es hören sollen. Die Orgel. Die Musik.
Und dann wie Donnerschläge:
Hurra! Hurra!
Und die Stille dann, als Bismarck sprach.
Die Kürasse!
Glänzend von Silber.
Ja, und dann weinte der Kaiser.
Dann kam wieder so ein Donnern zu den Fenstern herein.
Es klang wirklich nicht wie Musik.
(singt) * Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands.
Heil, Kaiser, dir.
Fühlst in des Thrones Glanz
die hohe Wonne ganz.
Liebling des Volks... *
Otto! Otto!
Kanonen!
Otto, das ist ja Musik. Das ist ja Musik.
Nein, das sind die Kanonen. Das sind die Kanonen des Kaisers.
Sie schießen auf uns, Ludwig.
Es geschieht dir nix, es geschieht dir nix.
Wir müssen fort aus der Residenz.
Komm, fort aus dieser Welt!
Einen Arzt!
Erbitte Ihren Vortrag, Herr Dr. Gudden.
Ich habe Ihren Bruder untersucht. Es ist nicht gut.
Es handelt sich um Schizophrenie.
Was ist das?
Eine Gruppe von seelischen Erkrankungen.
Wahnkrankheiten, die...
Die Heilung...?
Wie lange dauert die Heilung?
Der Prinz ist unheilbar.
Die Ursachen sind erblich?
Wir stehen auf dem Standpunkt, dass...
Jemand nähert sich
Majestät! - Fahren Sie fort!
Wir bitten Majestät... - Kronprinz Friedrich trifft ein.
Wir bitten Euer Majestät inständig, sich für den Empfang vorzubereiten.
Würden Sie bitte Fenster und Vorhänge schließen?
Wir verstehen natürlich, dass Euer Majestät präokkupiert sind.
Aber die Stunde erfordert... - Es wäre ein Skandal.
Ein Affront gegen den preußischen Kronprinzen, unseren Kaiser.
Hohenfels!
Majestät?
Ich muss darauf bestehen.
Führ die Herren hinaus, Max.
Ein offenes Wort: In dieser Stunde hat alles Private zurückzutreten.
Das Land stellt Forderungen.
Wenn Sie den Kronprinzen nicht empfangen,
trennen Sie sich vom Volk. Sein Herz ist bei ihm.
Ich werde Ihren Thronfolger nicht empfangen.
Treffen Sie alle Anstalten, die notwendig sind.
Ich erwarte Ihre Demission.
Wir werden dieses Zimmer nicht mehr betreten.
Dich hoff ich nicht wiederzusehen.
Volk jubelt laut
Preußische Volkshymne, von der Menge gesungen
* Heil dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands.
Heil, Kaiser, dir.
Fühl in des Thrones Glanz
die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein.
Heil, Kaiser, dir. *
(Mann) Der neue Taler! (Mann 2) Wer ist denn da drauf?
Der König wirds sein. - Mein Gott, so schaut er aus?
Einen Bart hat er, und dicker ist er.
Scheint so. Weiß mans?
Es sieht ihn ja seit Jahren keiner.
Aber ich hab ihn gesehen.
Im Wald, vor 8 Tagen, um 3 Uhr nachts.
Er kam daher mit seiner goldenen Kutsche, wie der Wind.
Und vorneweg die Reiter mit ihren brennenden Fackeln.
Ich kann euch sagen, unheimlich war das.
Ganz unheimlich. - Ja, wenn man nur wüsste!
Wenn man nur wüsste, was dahintersteckt.
Ich dachte, er würde in seiner Loge sitzen.
"Tristan", erstmals nach 20 Jahren!
Wo er nur immer ist? - Am liebsten im Gebirge.
Wo er Schlösser baut.
Wo sind denn die eigentlich?
Linderhof liegt im Wald, ganz versteckt.
Herrenchiemsee mitten im Wasser.
Nun will er ein drittes anfangen. - Neuschwanstein, auf dem Felsen.
Und immer allein. - Keinen sieht er.
Mit keinem Menschen hat er Kontakt.
Dass er das aushält! Es ist ja nur die Dienerschaft um ihn.
Romantisch. Er ist halt ein Romantiker.
Wir brauchen keinen Märchenkönig.
Wenn er nicht regieren will, soll er abdanken.
Minister Lutz regiert das Land!
Die Situation ist heikel, kompliziert und delikat.
Hier sind die Voranschläge für ein neues Schloss,
das seine Majestät zu bauen beabsichtigt.
Dabei sind die Schulden für die anderen kaum übersehbar.
Wenn die Verschuldung bekannt wird, wird es gefährlich für Sie.
Das Parlament wird Sie
mit Vergnügen eines Tages über die Klinge springen lassen.
Eben. - Ich werde applaudieren.
Denn Sie hätten es nie so weit kommen lassen dürfen.
Ihr System des Hinhaltens... - Na, na!
Mein System hat ausgezeichnet funktioniert.
Was soll ich denn machen, bei dieser Popularität,
dieser Verehrung, die er beim Volk genießt?
Es ist nicht so einfach, wie Sie denken. Sie kennen ihn ja.
Nicht mehr. Seit 13 Jahren.
Ich habe ihn nie wiedergesehen.
Ich habe ja erfahren, was einem passiert.
Er lebt lieber mit Holzfällern und Köhlern.
Fast, als hätte er den Verstand verloren.
Soll deshalb ganz Bayern zum Gespött werden?
Aber Holnstein, mäßigen Sie sich!
All diese Dinge möchte ich einmal in Ruhe mit Ihnen besprechen.
Am Abend bei einem Glas Bier.
Jetzt möchte ich Sie nur noch eines fragen:
Mir wäre sehr an Berichten gelegen,
wie der König lebt, was er denkt und vorhat.
Seine Leute hängen alle sehr an ihm.
Aber wenn man sich das was kosten lässt...
Schläge
Musik
Lass alle Kerzen anzünden. Ich erwarte Besuch.
Musik
Wie lang war es diesmal? Wann haben wir uns zuletzt gesehen?
Wenn ich fort bin, denke ich, 100 Jahr.
Und wenn ich hier bin, denke ich, gestern.
Gehen wir zu Fuß. Willst du? - Ach, ja.
Gefällt es dir?
Ja, fantastisch.
Ich bin ganz benommen. Es ist herrlich.
Schön, ganz schön, was?
Ja, aber es fehlt etwas.
Menschen, Musik.
Aha.
Na, ich seh die Menschen.
Ich hör die Musik.
Die Menschen haben keine Schatten.
Aber wirkliche Menschen! Du wirst keine Gäste haben?
Nie Feste geben?
Wo denkst du denn hin?
Die Leute werden sich wundern und darüber nachdenken.
Das will ich, verstehst du?
Ja, ich versteh dich.
Alle sollen wissen,
dass hier das Schöne nur um der Schönheit willen entstanden ist.
Einen muss es doch geben, der nicht nur dran denkt, was ihm nützt.
Und wenn es niemand anderes ist, muss es eben der König sein.
Die Leute verstehen mich nicht? Lass die Leute!
Jetzt zeig ich dir was anderes.
Neuschwanstein.
Musik
Siehst du, das hab ich mir erkämpft.
Das müssen die Herrschaften verstehen.
Überall lassen sie die Burgen verfallen,
in Italien, Frankreich, England.
Hier baut einer eine.
Du wirst sehen, wie notwendig das noch ist.
Gib mir deinen Arm, Sissi.
Hier können jetzt die Träume wohnen.
Parsifal, Lohengrin, Wolfram, Tannhäuser.
Tristan.
Unser Tristan, meine geliebte Sissi.
Und da oben wird die Gralsburg stehen, Falkenstein.
Noch höher.
Noch näher.
Durch die Wolken in den Himmel.
Der Grundstein ist gelegt.
Wenn du wiederkommst... - Nein, Ludwig. Nein!
Was heißt Nein?
Ich weiß, was du sagen willst. Ich versteh dich so gut.
Aber sonst werden dich alle für einen Menschenfeind halten.
Du darfst nicht weiterbauen. Du darfst nicht!
Ich darf nicht?
Ich habe Angst um dich.
Siehst du denn nicht, dass ich Angst habe?
Man hat etwas Grauenvolles gegen dich vor, ich fühle es.
Wer soll denn mir was tun, Sissi?
Ich tu ja auch keinem was.
Ich hab ihnen gegeben, was sie wollten.
Herr Bismarck führt die Politik. Von mir verlangt keiner was.
Doch, dass du diese Bauten aufgibst, diese Burg da oben.
Du kennst die Menschen nicht. Die fragen nach dem Geld.
Ach so. In wessen Auftrag kommst du denn?
Ludwig!
Das kannst du doch nicht glauben, nicht von mir.
Ich hab schon viel gelernt zu glauben.
Von allen.
Ich gehör mehr in den Spiegelsaal,
wo die Menschen keinen Schatten haben.
Musik
Ludwig?
Wenn du mich brauchst, dann ruf mich bitte.
Musik
Musik
Was ist los? - Ein Wagen versperrt den Weg.
Das sind die Marmorsäulen für Falkenstein.
Was ist das?
Das ist doch kein Marmor.
Mörtel, Gips und Dreck.
Ich werd den Herren zeigen, was es heißt, mich zu betrügen.
Sogar die Steine zu Lügnern zu machen!
Das ist die nackte Wahrheit.
Die Verschuldung des Königs ist um 7 Mio. gestiegen.
Ich habe dem König erklärt, dass wir diese Summe nicht beschaffen können.
Aber bitte, bitte, mein Lieber.
Seine Majestät haben sich an Bismarck um Rat gewandt.
Bismarck hat empfohlen, das Kabinett solle sich ans Parlament wenden.
Sie kennen die Kräfteverhältnisse im Parlament.
Es wird dem König das Geld geben und verlangen, dass wir gehen.
(alle) Warum wir?
Es bestehen Gründe zu der Annahme, dass der König krank ist.
Glockenschläge
Musik
Danke, dass Sie gekommen sind. Wir brauchen Sie, Dr. Gudden.
Musik
Seine Majestät sind in hohem Maße seelengestört.
Dieselben leiden an jener Form von Geistesgestörtheit,
die, Irrenärzten wohlbekannt,
mit dem Namen Paranoia bezeichnet wird.
Die freie Willensbestimmung ist ausgeschlossen.
Seine Majestät ist daher verhindert an der Ausübung der Regierung.
Damit ist die Frage nach der Regentschaft gegeben.
Wie sind Sie zu diesem Gutachten gekommen?
Es ist das Resultat sorgfältigen Studiums des Aktenmaterials
mit 3 weiteren Nervenärzten.
Die Zeugenaussagen sind erdrückend.
Bestehen die Zeugen nicht nur aus dem Dienstpersonal des Königs?
Die Diener sind die Einzigen, die Seine Majestät zu sehen bekommen.
Was legt man ihm sonst noch zur Last?
Allein der Bau der Schlösser... - Andere Könige haben auch gebaut.
Wie hoch sind die Schulden? - 13 Mio. Mark, Prinz Luitpold.
13 Mio. Mark?
Wie hat es denn so weit kommen können?
Sie hätten Ihre Demission einreichen können,
bevor Sie eine so hohe Schuld anwachsen ließen.
Jetzt soll ich die Verantwortung dafür übernehmen,
dass man den König entmündigt?
Wissen Sie, was Sie mir da zumuten?
Die Abkehr Seiner Majestät von allen Regierungsgeschäften
ist im Falle einer Krise eine ernste Gefahr für Bayern.
Und das Vaterland steht doch gewiss höher als...?
Ja.
Ja!
Musik
Schritte nähern sich
Majestät, Osterholzer sagt...
...dass Ihr mir den Mantel bringen sollt?
Nein, er sagt...
Majestät, im Hof sind 3 Kutschen mit Herren.
Die führen was im Schild.
Osterholzer, wie viel Maß hast du getrunken?
Majestät, ich schwörs.
Graf Holnstein ist auch dabei. - Na, da schau her!
Der Holnstein!
Trommelschläge
Sollten wir nicht hinaufgehen? - Nein, wir warten hier.
Musik
Hast du das Chloroform?
Aber, meine Herren! Mitten in der Nacht?
Sie wissen doch, dass ich um diese Zeit ausfahre.
Musik
Gudden, um Gottes willen, ist was mit meinem Bruder?
Feige Bestien!
Ab in den Turm mit ihnen!
Herrn Holnstein! Der Max! Was steht ihr da und glotzt? Nehmt ihn fest!
Graf Holnstein.
Der König ist entmündigt!
Ich werde Sie alle zur Verantwortung ziehen.
Dich wird der Herrgott zur Verantwortung ziehen,
du feige Bestie.
Ihr alle, feige Bestien!
Ihr wollt keinen König, ihr wollt die Bestie!
Die geb ich euch!
Der König soll gemartert werden, er soll vernichtet werden.
Er tobt
Musik
Hilfe zum Turm!
Wir kommen nicht raus.
Gott sei Dank.
Sie müssen mich mitnehmen.
Los, raus! Kommen Sie!
Schritte nähern sich
Wo sind denn alle?
Sie haben alle Angst.
Der Leiblakai ist geflohen. Er hat die Halunken freigelassen.
Kannst du ein Telegramm aufgeben?
Bismarck, Franz Joseph, Dürckheim.
Aber in Österreich, unter deinem Namen.
Riechts hier nicht nach Chloroform?
An seine Apostolische Majestät,
Kaiser Franz Joseph zu Wien.
Das ist ja ein Hilferuf. Da muss ich doch gleich...
Da sollte man aber sofort...
Ja, was kann ich denn da tun?
Das ist eine rein bayerische Angelegenheit.
Nehmen Sie ein Telegramm auf!
An Sergeant Alfons Weber, Fils, Österreich.
Empfehle Eurer Majestät, sich sofort in München dem Volke zu zeigen.
Alles hängt davon ab, dass Euer Majestät entschieden auftreten.
Euer Majestät treuer Diener.
Bismarck hat recht. Das Volk wartet.
Die Bauern rotten sich zusammen. Offiziere melden sich.
Regimenter wollen nach München marschieren,
um mit ihrem Blut zu beweisen... - Blut? Mit ihrem Blut?
Majestät wären an der Spitze. - An der Spitze.
Sie wollen, dass ich wieder eine Rede halte.
Sie wollen, dass ich sage: Soldaten, zieht in einen Krieg!
Für Ludwig.
Wir gehen nicht nach München, Dürckheim.
Man will mich wegen Hochverrats anklagen,
wenn ich nicht zurückkomme.
Der Treue wird der Prozess gemacht.
Sehen Sie, das ist die Wahrheit dieser Welt.
Ich bleibe bei Ihnen. - Sehen Sie mich mal an!
Ich war genauso aufrecht,
jung.
Sie sind entlassen.
Würde ich Sie verlassen, wäre das Hochverrat.
Man soll sehen, wie vernünftig ich sein kann.
Ich befehle Ihnen den Hochverrat!
Musik
Die Heiligen Könige.
Wie habt ihr das gemacht?
Heilige und Könige zu sein.
Einer von ihnen heißt Ludwig, Sissi.
Man müsste ihn fragen, was man ihm erlaubt hat.
Verboten.
Man müsste wohl Bismarck fragen.
Denn weißt du, Sissi...
Wo bist du denn?
Wo bist du denn? Versteck dich doch nicht.
Wir sind keine Kinder mehr. Versteck dich doch nicht.
(Mann) Aber Ludwig!
Du bist unvernünftig. Du sprichst mit jemandem, der gar nicht da ist.
Otto!
Otto!
Komm!
Ich freu mich, dass du da bist.
Wie gehts dir? Schaust gut aus.
Du nicht, Ludwig. Fürchtest du dich?
Aber das brauchst du nicht. Du ahnst gar nicht, wie still es dort ist.
Manchmal hör ich noch den Kanonendonner und das Hurra.
Aber der Doktor hat meine Fenster vergittert.
Wie ist denn der Gudden?
Man gewöhnt sich an ihn.
Man gewöhnt sich.
Was soll ich denn tun, Bruder?
Dich fügen, Bruder.
Dich fügen.
Nein!
Musik
Musik
Majestät.
Majestät, ich stehe vor der schwersten Aufgabe meines Lebens.
Majestät wurden von 4 Ärzten für krank erklärt.
Aufgrund des Urteils dieser Ärzte
hat Prinz Luitpold die Regentschaft übernommen.
Ich hab Befehl, Euch nach Schloss Berg zu begleiten,
wo Pflege Sie erwartet.
Du musst mir helfen, Karl. Bitte fahr mich zu ihm.
Mein Gott, helft mir doch. Schloss Berg wird bewacht.
Wir müssen warten.
Aber er erträgt das nicht. Er stirbt.
Ihr müsst ihn befreien.
Er ist krank, Sissi.
Nein, er ist verzweifelt und unglücklich, aber nicht krank.
Bitte hilf mir doch.
Wir könnens versuchen.
Wie gehts dem König? - Er steht am Fenster.
Was gibts denn? - Ich bringe die Speisekarte.
Ich gehe ohnehin hinein.
Ich tue das seit 15 Jahren, Herr Professor.
Verzeihung, Euer Majestät. Es ist Essenszeit.
Bitte, Majestät.
Wollen Majestät nicht lesen?
Bitte Majestät.
Der Herr Professor wird mit uns speisen, ja?
Oh, sehr schmeichelhaft.
Wissen Sie, ich liebe diesen See, ich bin hier als Kind geritten.
Ich möchte...
...einmal wieder spazieren, bitte.
Gern, Majestät. Vielleicht nach Tisch?
Nein, heute bin ich zu müde. Aber morgen.
Ja.
In der Dämmerung.
Morgen.
Was für ein Tag ist denn heute, Herr Professor?
Der 13. Juni, Majestät.
Der 13. Juni.
Ich werde heute ein neues Leben beginnen.
In Freiheit, großer Freiheit.
Wie meinen Majestät?
In innerer Freiheit.
Majestät werden von vielen Dingen frei sein, die Sie bedrückt haben.
Das hoff ich.
Musik
Haben Ihre Herren Chloroform bei sich?
Majestät, das war reine Berufsroutine.
Schon gut.
Was will er denn? Wir sollen zurückgehen.
Musik
Hier ist die Stelle.
Es ist heiß hier. Danke.
Majestät, wir müssen umkehren. Der Weg ist hier zu Ende.
Nein, hier fängt er erst an.
Majestät, nicht! Majestät!
Musik
Majestät! Majestät!
Gudden!
Musik
Musik
Verzeih mir!
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