All language subtitles for Sarajevo_de-2014

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Original subtitles

Herr Dr. Pfeffer!

Haben Sie schon gehört, was passiert ist?

Ein Mann hat eine Bombe auf den Wagen Seiner Kaiserlichen Hoheit geworfen.

Aber sie ist zum Glück erst weiter hinten explodiert.

Unter dem nächsten Auto.

Oberstleutnant Merizzi ist verletzt worden.

Nicht sehr schwer, glaube ich. Sie haben ihn ins Spital gebracht.

-Hat man den Attentäter verhaftet? -Der Pöbel hat versucht, ihn zu lynchen.

Aber die Beamten haben ihn rechtzeitig festgenommen.

Er ist im Vernehmungsraum.

Man hat angeordnet, dass Sie die Befragung durchführen.

Was? Wer?

Justizrat Fiedler. Dienstliche Anweisung.

Der Thronfolger ist außer sich. Er will wissen, wer dahintersteckt.

Warum ist er so nass?

Er ist in die Miljacka gesprungen.

Wollte sich umbringen, aber der Fluss ist dort nicht tief genug.

Wir haben ihn rausgefischt.

Wie heißt er?

Weiß ich nicht.

Verstehen Sie Deutsch?

Wie heißen Sie?

Sein Mund ist verätzt.

Er hat versucht, was zu schlucken.

Ein Gift wahrscheinlich.

Können Sie schreiben?

Geben Sie mir Papier und Stift, bitte.

Wenn Sie nicht reden können, dann schreiben Sie hier Ihren Namen auf.

Und Ihr Alter.

Nedeljko Čabrinović, 19.

Holen Sie bitte den Dr. Sattler!

Er soll ihn verarzten, und dann werde ich ihn vernehmen.

-Leo? -Servus Herbert.

Sie haben ihm die Hand gebrochen. Und wahrscheinlich auch zwei Rippen.

Abgesehen von den Platzwunden. Ich habe ihn genäht.

Glaubt wahrscheinlich, er ist unverwundbar.

Wer?

Franz Ferdinand.

Dabei hat man ihn gewarnt.

Aha?

Gestern. Beim Abendessen.

Graf Harrach. Dass es gefährlich ist.

Weißt du, was er gesagt hat?

"In Lebensgefahr sind wir immer. Man muss nur auf Gott vertrauen."

Da hat es der liebe Gott ja noch mal gut mit ihm gemeint.

Was war das für ein Gift, das Čabrinović schlucken wollte?

Wahrscheinlich Zyankali.

Aber es war alt. Nicht mehr sehr wirksam.

-Also kann ich ihn vernehmen? -Ja, ja.

Viele Zuseher haben Splitter abbekommen von der Bombe.

-Wo warst du eigentlich beim Anschlag? -Unterwegs.

Und du wolltest dem hohen Besuch gar nicht zujubeln?

Ich glaube, mich hat dort keiner vermisst.

-Sehen wir uns heute Abend? -Ja, wenn es sich ausgeht.

Sie sind Serbe. Bosnischer Serbe.

Man hat Papiere bei Ihnen gefunden. Einen Passierschein.

Sie sind aus Belgrad eingereist. Was machen Sie in Belgrad?

Wollen Sie Serbien ins Unglück stürzen?

Uns alle?

Jetzt antworten Sie gefälligst.

Sie haben mit Ihrem Wahnsinn Menschen verletzt,

und jetzt werden Sie wenigstens den Mut haben, zu antworten, also...

Wer hat Ihnen die Bombe gegeben?

Reden ist nicht Ihre Stärke, oder?

Sie lassen sich lieber Dinge einreden, und die glauben Sie dann blind.

So wie Sie.

Bitte?

Der Kaiser ist gut. Das Volk liebt ihn.

Und Österreich auch.

Das glauben Sie.

Wer hat Sie beauftragt, die Bombe zu werfen?

Herr Doktor, man hat geschossen.

Auf Seine Kaiserliche Hoheit.

Und die Herzogin.

-Was? -Wann?

Vor zehn Minuten.

-Noch ein Attentat? -Ja.

Man hat Ihre Hoheiten in den Konak gebracht.

Verzeihung.

Verzeihung.

Herr Pfeffer.

Fräulein Jeftanović!

Was machen Sie hier?

Ich suche meinen Vater.

Er sollte an dem Empfang für den Thronfolger teilnehmen, aber...

Man lässt mich nicht vor.

-War er im Konvoi des Thronfolgers? -Ich weiß es nicht.

Wir haben unseren Wagen zur Verfügung gestellt, für den Besuch.

Ich melde mich, sobald ich etwas in Erfahrung bringe. - Ja?

Gehen Sie nach Hause.

Bitte.

Herr Justizrat Fiedler?

Die Herzogin ist auf dem Weg hierher verstorben.

Seine Kaiserliche Hoheit ist dann hier im Haus verblutet.

Feldzeugmeister Potiorek erwartet Sie in 20 Minuten in seinem Büro.

Herbert?

Was machst du hier?

Ich soll die Toten für die Überführung nach Wien vorbereiten.

Ihr Leibarzt ist dazu nicht imstande. Ich muss sie ausstopfen.

Was?

Den Thronfolger und seine Gattin. Konservieren.

Damit sie nicht verwesen.

Fünf Liter Formalin in die Halsschlagader und fertig.

Sein Gottvertrauen hat ihn doch nicht geschützt, hm?

Feldzeugmeister Potiorek erwartet Sie.

Herr Dr. Pfeffer.

Setzen wir uns.

Ihnen ist klar, was geschehen ist?

Nein.

Nicht ganz.

Man hat eine Bombe auf Seine Kaiserliche Hoheit geworfen.

Glücklicherweise ist sie von seinem Arm abgeprallt,

als er versucht hat, seine Gemahlin zu schützen.

Die Bombe ist dann unter Merizzis Wagen explodiert.

Der Chauffeur hat geistesgegenwärtig Gas gegeben.

Man hat uns alle ins Rathaus gefahren.

Uns?

Ich bin im Wagen gesessen.

Bei Seiner Kaiserlichen Hoheit. Er war furchtbar aufgebracht.

Dass man es wagt, mit Bomben auf ihn zu schmeißen.

Der Thronfolger war also schon im Rathaus.

In Sicherheit.

Ja, kurz.

Aber dann wollte er unbedingt den armen Oberstleutnant Merizzi besuchen.

Und alle sind wieder losgefahren.

Was soll man da machen?

Ich verstehe nicht ganz.

Was verstehen Sie nicht?

Wer ist wieder losgefahren?

Und wohin?

Alle.

Ins Spital.

Merizzi hat einen Splitter abbekommen. Beim ersten Anschlag.

-Man hat ihn ins Militärspital gebracht. -Aber das ist am anderen Ende der Stadt.

Heißt das...

...Ihre Kaiserlichen Hoheiten sind wieder über den Appel-Kai gefahren?

Im Wagen?

Sie können ja schlecht zu Fuß gehen.

Und was ist dann passiert?

Ein Serbe war plötzlich vor uns, er hat gleich geschossen.

Die Herzogin von Hohenberg ist getroffen worden.

Da unten.

"Sopherl, Sopherl! Stirb nicht!

Bleib am Leben für unsere Kinder", hat unser Thronfolger noch gerufen.

Die zweite Kugel hat ihn am Hals erwischt.

Da.

"Es ist nichts", hat er noch gesagt, dann hat er das Bewusstsein verloren.

Gott habe ihn selig.

Der feige Attentäter hat versucht, sich umzubringen wie sein Kollege.

Aber er ist gefasst worden.

Sie wollen also Krieg.

Die Serben.

Es ist offensichtlich, dass die serbische Regierung hinter diesem Attentat steckt.

Und Sie, Dr. Pfeffer, werden das beweisen.

Ja. Aber erst eine gründliche Untersuchung.

Wir können nicht einfach über Serbien herfallen.

Außerdem braucht der Kaiser Zeit, um sich mit den Deutschen abzustimmen.

Körner, das Protokoll.

Seine Exzellenz hat ein Gedächtnisprotokoll verfasst,

als Augenzeuge.

Sie werden die Ermittlungen leiten.

Und Wien?

Schicken die nicht jemanden?

Das ist nicht nötig.

Sie machen das schon.

Die in den anderen Automobilen gesessen sind,

kann ich die vernehmen?

Nein, die Herrschaften reisen noch heute mit der Bahn ab.

Sie werden dann schriftliche Berichte erhalten.

Wir müssen entschlossen handeln und die Attentäter vor Gericht stellen.

Finden Sie heraus, wer die serbischen Hintermänner sind.

Wien kennt bereits Ihren Namen, Pfeffer.

Eine Frage noch:

Marija Jeftanović hätte gern Auskunft über den Verbleib ihres Vaters.

Er soll Seiner Kaiserlichen Hoheit seinen Wagen zur Verfügung gestellt haben.

Stojan Jeftanović? Der reiche Serbe?

Der wurde nach Hause geschickt.

Sein Wagen wird ihm nach der Untersuchung zurückgegeben.

Halten Sie sich von diesen Leuten fern, Pfeffer.

Die Zeiten ändern sich.

Man erwartet Ihren Bericht. So schnell wie möglich.

Mein Name ist Leo Pfeffer. Wie heißen Sie?

Princip.

Und wie noch?

Gavrilo.

Alter?

19.

Hier geboren? In Sarajevo?

Nein, im Westen.

In Obljaj.

Was machen Sie beruflich?

Ich bin Schüler.

Ich gehe aufs Gymnasium.

Erzählen Sie mir, was geschehen ist.

Sie sind wo gestanden?

Am Kai?

Zeigen Sie mir die Stelle.

Bei der Lateinerbrücke, hier.

Warum?

Ihr Komplize hat eine halbe Stunde zuvor versucht,

Franz Ferdinand zu ermorden, aber Sie bleiben stehen?

Bei der Brücke?

Wie angenagelt?

Nein, da war ich schon im Café.

Da sind sie wiedergekommen.

Der ganze Konvoi.

Und Sie haben sofort geschossen?

Sie sind in die Gasse eingebogen.

Und vor mir stehen geblieben.

Wo?

Hier.

Die Wagen sind abgebogen?

Und direkt vor Ihnen stehen geblieben?

Ja.

Ich habe nichts verbrochen.

Ich habe einen Tyrannen ermordet.

Österreich-Ungarn unterdrückt alle Serben

in Bosnien und der Herzegowina.

Und deswegen erschießen Sie die Herzogin von Hohenberg?

Eine Frau?

Sie... ist tot?

Ja.

Ich habe schlecht gezielt.

Ich wollte ihr nichts tun.

Das tut mir leid.

Wie viele seid ihr?

Sie sprechen unsere Sprache?

Ich bin aus Osijek.

Ach, deshalb hat man Sie ausgewählt.

Weil Sie ein Slawe sind.

Ich bin Österreicher. Genau wie Sie.

Woher kennen Sie Nedeljko Čabrinović?

Wer hat euch geholfen?

Wollen Sie mir jetzt erzählen,

dass zwei 19-Jährige so was alleine planen und durchführen?

Wer hat euch die Waffen gegeben?

Reden Sie!

Strametz.

Bringen Sie den Kerl in seine Zelle.

Seine Kaiserliche Hoheit wollte doch ins Spital fahren.

Um nach Merizzi zu sehen.

Das Krankenhaus ist hier.

Warum sind sie da abgebogen?

Ein Fehler.

Der Chauffeur des ersten Wagens war über die neue Route nicht informiert.

Was ist das?

Die Tatwaffe.

Modell Browning.

Lassen Sie den Strametz seine Arbeit machen, Pfeffer.

So eine Nacht bei uns kann Wunder wirken.

Princip muss irgendwo in der Stadt untergekommen sein.

Schauen Sie im Melderegister nach, bitte.

Und lassen Sie alle festnehmen, die dort noch wohnen.

Dieser Čabrinović, der andere.

Sein Vater betreibt ein Gasthaus hier in Sarajevo.

-Ich esse dort manchmal. -Lassen Sie den auch festnehmen, bitte.

Den Vater.

Und alle sonstigen Verwandten auch.

Ja bitte?

Leo Pfeffer. Ich möchte zu Marija Jeftanović.

Bitte.

Herr Dr. Pfeffer.

Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen.

Ist Ihr Vater wohlauf?

Ja, vielen Dank.

Ich wollte Ihnen nur mitteilen,

dass Ihr Wagen nach der Untersuchung retourniert wird.

Ich hoffe, dass sich die Unannehmlichkeiten in Grenzen halten.

Waren es wirklich Serben?

Ich weiß es nicht.

Das wird die gerichtliche Untersuchung zeigen.

Dafür sind Sie zuständig?

Ja.

Das ist eine große Aufgabe.

Sie war sehr nett, glaube ich.

Die Herzogin.

Wir haben gestern zusammen Tee getrunken in Ilidža im Kurhotel.

Da hat sie gewohnt.

Mein Vater hat große Hoffnungen in Franz Ferdinand gesetzt.

Er hat geglaubt, er würde uns Slawen mit den Ungarn gleichsetzen,

wenn er einmal Kaiser ist.

Kann ich mit Ihrem Vater sprechen?

Dienstlich?

Er ist zu Bett gegangen.

Die Ereignisse haben ihn sehr mitgenommen.

Darf ich morgen wiederkommen?

Ja. Sehr gern.

Was geht hier vor?

Die Leute heizen den Serben ein bisschen ein.

Warum unternehmen Sie nichts dagegen?

Ich habe 36 Leute.

Soll ich mit denen eine ganze Stadt sichern?

Dann holen Sie halt die bosnische Gendarmerie.

Die sind heimgeschickt worden. Gestern schon.

Beim Besuch des Thronfolgers war keine Gendarmerie im Einsatz?

Und wo war das Militär?

In den Kasernen.

Und wie viele Polizisten waren da?

Alle 36.

Soll das heißen, die ganze Route ist von 36 Leuten gesichert worden?

Ich habe eh gesagt, dass wir zu wenig sind.

In der ganzen Stadt wird randaliert.

Passen Sie auf.

Servus.

Und?

Die Leichen werden morgen eingesegnet und mit der Bahn zur Viribus Unitis gebracht.

Eine Schiffsreise nach Triest. Fast romantisch.

-Ein Bier? -Gern.

Kennst du Stojan Jeftanović?

Sicher. Er hat die k. u. k. Armee mit Lebensmitteln beliefert

und damit ein Vermögen gemacht.

Das ist jetzt vorbei.

Wieso?

Das Militär hat ihm alle seine Verträge gekündigt,

dem großen Lieferanten.

Weil er ein Serbe ist.

Und woher weißt du das?

Er hat ein Magengeschwür, das ich behandle.

Besser wird es durch so was nicht.

Kennst du auch seine Tochter?

Marija?

Ich verstehe.

Sie hat in Paris gelebt und dort sogar studiert.

Nur zu deiner Warnung: Sie ist eine Suffragette.

Eine serbische, obendrein.

Danke.

-Herr Doktor, noch ein Bier? -Nein, danke.

Es war in allen Zeitungen.

-Was? -Die Fahrtroute.

Alle Zeitungen haben die Fahrtroute veröffentlicht.

Mit den exakten Angaben, wann der Thronfolger wo sein wird.

Ja. Und?

Ja, die Zeitungen werden auch in Belgrad gelesen.

Das ist doch wie eine Einladung zum Attentat.

Ja. Wahrscheinlich.

Franz Ferdinand ist trotz des ersten Anschlags

noch mal durch die Stadt gefahren.

Dann ist der Fahrer des ersten Wagens falsch abgebogen,

und die anderen sind ihm gefolgt.

Deswegen mussten sie zurückschieben.

Im Schritttempo.

Und sind genau vor Princip zum Stehen gekommen.

-So heißt er? -Ja.

Gavrilo Princip.

Man sollte sie aus der Stadt jagen.

Alle Serben.

Das ist also die große Chance. Das ist dir doch klar, oder?

Krieg, Leo.

Österreich muss Serbien sofort angreifen.

-Jedes Zuwarten verringert unsere Chancen. -Russland wird Serbien unterstützen.

Und wenn Russland eingreift, wird Frankreich nicht lange ruhig halten.

Bis die Russen mobilisiert haben, sind wir längst in Paris.

Die Franzosen werden untergehen.

Wir werden Frankreich so zerschmettern,

dass es uns niemals wieder in die Quere kommen wird.

-Wir? -Deutschland.

Mit Unterstützung eurer Operettenarmee, ja.

Und dann?

Dann kümmern wir uns um die Russen.

Und vielleicht um England.

Der Krieg wird kommen, Moishele.

Nenn mich nicht so.

Bitte.

Ein Jude, der ein Attentat auf einen Thronfolger aufklären darf.

Gibt es das sonst irgendwo auf der Welt

als in deinem geschlamperten Österreich-Ungarn, Herr Pfeffer?

-Ich bin evangelisch getauft. -Das sind sie alle.

Jude bleibt Jude.

Wenn du Erfolg hast bei dem Prozess, hast du in Wien alle Möglichkeiten.

Hofrat Pfeffer zum Beispiel. Wie klingt das?

-Ich muss gehen. -Ich bitte dich!

Eine Partie Carambole wird doch möglich sein.

Ich habe sehr viel zu tun.

Bitte?

Ich würde gerne mit Fräulein Jeftanović sprechen.

Warten Sie bitte hier.

Herr Pfeffer.

Sie verlieren wirklich keine Zeit.

Könnte ich jetzt mit Ihrem Vater sprechen?

Ja.

Hatten Sie schon Kaffee?

Äh, nein.

Cornelia, einen Kaffee für den Herrn Untersuchungsrichter.

Dr. Pfeffer, mein Vater.

Ist er der Untersuchungsrichter?

Ja.

Der bin ich.

Woher kommen Sie?

Aus Osijek.

Bitte setzen Sie sich doch.

Ich war immer ein loyaler Freund der Österreicher.

Und der Deutschen. Immer.

Sie kaufen nichts mehr bei mir.

Was mache ich jetzt mit meinem Obst?

Papa! Er kann nichts dafür.

Und mit meinem Weizen?

Und rede bitte deutsch.

Wir sind bosnische Serben.

Er ist ungarischer Kroate.

Und wir sollen deutsch reden? Warum?

Weil das unsere Sprache ist.

Tatsächlich?

Österreich-Ungarn ist nicht mehr mein Vaterland, fürchte ich.

Ich dachte, wo es einem gut geht, da ist das Vaterland.

Geht es Ihnen denn gut?

Hier?

Wenn man nichts will, vielleicht.

Wenn man damit zufrieden ist, zu dienen. Manche ertragen es nicht.

Und wehren sich.

Indem sie Unschuldige töten und verletzen?

Frauen? Kinder?

Niemand trauert um euren Thronfolger.

Nicht einmal in Wien.

Aber als Vorwand für einen Feldzug gegen Serbien genügt er.

Und gegen die, die man sonst noch loswerden will.

Haben Sie Ihren Wagen wieder?

Nein.

In meinen Unterlagen steht,

dass Sie ihn zur Verfügung gestellt haben für den Besuch.

Ist das richtig?

Ja.

Ist Ihr Chauffeur gefahren?

Wir haben keinen Chauffeur. Mein Vater fährt selbst.

Dann sind Sie am Steuer gesessen?

Als Serbe?

Im Konvoi des Thronfolgers?

Bestimmt nicht.

Wer ist dann gefahren?

Warum?

Nach dem ersten Anschlag war Merizzis Wagen fahruntüchtig.

Also wurde Ihr Wagen an die Spitze des Konvois gesetzt.

Ich hätte gerne gewusst,

welche Instruktionen der Fahrer erhalten hat, und von wem.

Ich weiß es nicht.

Es war ein Mann von hier.

Unser Diener gibt Ihnen den Namen.

Potiorek.

Dieser Kärntner Streber will endlich Truppen anführen.

Und Fiedler, Ihr Justizchef, hat türkische Anleihen gekauft,

für die Bagdad-Bahn, über die Deutsche Bank.

Die brauchen Serbien, um ihre Eisenbahn bis Bagdad weiterzubauen.

Zu den Rohstoffen.

Zum großen Geld.

Verzeihen Sie meinen Vater.

Er ist verbittert. Sein Magen bringt ihn um.

Sie können hier auf den Namen des Chauffeurs warten,

oder lieber draußen im Garten?

Gerne im Garten.

Was meint Ihr Vater mit der Eisenbahn?

Die Bahn von Berlin nach Bagdad.

Was ist damit?

Einige Herrschaften in Berlin würden durch die Bahn sagenhaft reich.

Krupp. Henschel. Holzmann.

Und Deutschland könnte mit seinen Truppen den Orient beherrschen.

Die Trasse verläuft durch befreundete Länder,

bis auf ein kleines Königreich.

-Serbien. -Ja.

Österreich kriegt Serbien.

Wilhelm seine Eisenbahn, und Fiedler würde noch reicher.

Und das lästige Serbien gibt es nicht mehr.

Setzen wir uns?

-Wie alt ist Franz Joseph jetzt? 83? -84.

Er wird bald sterben.

Dann wäre Franz Ferdinand Kaiser geworden.

Er wollte uns Slawen mehr Rechte gewähren, friedlich.

Man hat also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Der Kriegsgegner ist tot.

Und den Kriegsgrund liefert seine Ermordung gleich mit.

Aber so einfach ist das nicht.

Europa ist ein Haufen von Schwertern,

die wie Mikadostäbchen übereinanderliegen.

Keins kann herausgezogen werden, ohne dass die anderen sich bewegen.

Dann bewegen sie sich eben.

Darauf warten Moltke und von Hötzendorf doch schon seit Jahren.

Rauchen Sie?

Nein.

Richtig.

Sie fahren Rad.

Sie werden verreisen?

Wir bereiten uns vor.

Auf das Schlimmste.

Franz Ofner.

Der Chauffeur. So heißt er.

Ich muss gehen.

Man erwartet mich.

Ich begleite Sie hinaus.

Guten Morgen.

Haben Sie den Vater von Čabrinović verhaften lassen?

Hier, bitte.

Können Sie eruieren, wo dieser Mann wohnt?

-Franz Ofner? -Ein Chauffeur.

Er muss einen der Wagen beim Konvoi gefahren haben.

Gavrilo Princip war Untermieter in der Bistrićstraße bei Danilo Ilić.

Wir haben eine Akte über ihn.

23 Jahre alt, hier in Sarajevo wohnhaft,

ein ehemaliger Lehrer und ein Journalist.

Er hat mehrere sozialrevolutionäre und anti-österreichische Artikel verfasst.

Bis die Redaktion behördlich geschlossen wurde.

Er ist im Vernehmungsraum.

Die Schwarze Hand.

Hier steht, man verdächtigt Sie der Mitgliedschaft.

Woher kennen Sie Gavrilo Princip?

Wen?

Ihren Untermieter?

Lassen Sie bitte die beiden anderen Gefangenen herbringen.

Waren Sie zu feige, um selbst zu schießen?

Ich weiß nicht, wovon Sie reden.

Die Schwarze Hand ist eine serbische Organisation.

Sie besteht aus Offizieren, die Meuchelmörder wie Sie anheuern.

Glauben Sie, das wissen wir nicht?

Wir sind Revolutionäre.

Gratuliere.

Die Zeit imperialer Fremdherrschaft ist vorbei.

Unsere Zeit ist gekommen, in der jene regieren, die arbeiten,

und nicht jene, die schmarotzen.

Und was sind Sie?

Sie haben zwei Halbwüchsige die Drecksarbeit machen lassen.

Gavrilo Princip aus dem Gymnasium.

Nedeljko Čabrinović, ein Druckergeselle.

Und ein arbeitsloser Journalist.

Wollen Sie mir erzählen, dass Sie sich zufällig kennengelernt haben?

Drei mittellose Idealisten?

Die trotzdem das Geld zum Reisen aufbringen

und im Besitz von Waffen und Sprengstoff sind?

Ich will die anderen Namen.

Wer war noch beteiligt?

Wer hat euch beauftragt?

In ganz Bosnien sind Dutzende Leute festgenommen worden.

Auf bloßen Verdacht.

Wollen Sie wirklich, dass Unschuldige leiden müssen?

Da. Schau hin.

Seit heute gilt das Standrecht.

Da werden die Menschen hingerichtet, schon beim geringsten Verdacht.

Wir haben deinen Vater.

Man verdächtigt ihn der Mittäterschaft.

Das ist nicht wahr!

Wer war noch dabei?

Trifun Grabež.

Die anderen kenne ich nicht.

Trifun Grabež.

Wo finden wir ihn?

Ich weiß nicht.

Er ist aus Pale. Sein Vater ist dort Priester.

Lernt man das? Als Druckergeselle?

Bomben bauen? Schießen?

Einfach so?

Glaubst du an Gott?

Als Sozialist vermutlich nicht.

Also?

Was wird sein? Nachher?

Sieh genau hin.

Und denk darüber nach, ob du wirklich für andere sterben willst.

Weil die, die solche Ideen haben, überleben immer,

während die Dummen an ihrer Stelle verrecken.

Der Dr. Sattler soll sich seine Hand anschauen.

Er darf mit seinem Vater reden. Eine halbe Stunde.

Unter Aufsicht.

Danilo Ilić also.

Wann können wir mit einer Anklage rechnen?

Wieso?

Der Legationsrat Hoyos wird von Wien nach Berlin fahren.

Zum deutschen Kaiser.

Um dort Bericht zu erstatten über die gerichtliche Untersuchung hier.

Was?

Wann?

Sehr bald.

Deutschland ist bereit.

Wien ebenfalls.

Je eher der Krieg beginnt, desto besser für uns.

Also, was kann Hoyos Seiner Majestät berichten?

Wir haben noch einen Namen.

Trifun Grabež.

Angeblich aus Pale.

Ich lasse sofort eine landesweite Fahndung herausgeben.

Gut.

Es waren nur 36 Polizisten im Einsatz beim Besuch.

Keine Gendarmerie. Kein Militär.

Wer hat das angeordnet?

Ich.

Wieso?

Das Militär war im Manöver.

Und der Gendarmerie kann man nicht trauen.

Da sind zu viele Serben dabei.

Aber der Besuch wurde ausgerechnet am Vidovdan angesetzt,

dem höchsten Feiertag der Serben.

In einem Land, das erst vor Kurzem von Österreich annektiert worden ist.

Und niemand schützt den Thronfolger?

Ihre Aufgabe ist es, die Täter vor Gericht zu bringen.

Die Verwaltung des Landes überlassen Sie bitte mir

und Justizchef Fiedler.

Der Kaiser fordert Ergebnisse, Pfeffer.

Ich muss mich erst in der Wohnung von Danilo Ilić umsehen,

dann kann ich hoffentlich mehr sagen.

Ja.

Tun Sie das.

Und beeilen Sie sich. Man wartet.

Mitnehmen.

Herr Dr. Pfeffer, wir haben es, das Geständnis.

Nedeljko Čabrinović hat alles zugegeben.

Ilić und Princip haben es bestätigt.

Zehn Namen, alle seine Mitverschwörer.

Die Waffen und Instruktionen stammen aus Belgrad.

Es waren die Serben.

-Wem gegenüber hat er das zugegeben? -Justizchef Fiedler.

Was haben Sie gefunden, Herr Doktor?

Waffen.

Und Geld.

Der Herr Justizchef hat mich beauftragt, das Geständnis Potiorek zu bringen.

In Ihrem Namen, selbstverständlich.

Seine Exzellenz wird außer sich sein vor Freude.

Strametz hat mit seinem Vater gesprochen,

wenn du weißt, was ich meine.

Ich habe ihm Morphin gegeben.

Woher kennst du Ilić?

Danilo Ilić.

Dieses Rezept hier ist von dir ausgestellt.

Also war er dein Patient.

Das Rezept ist für Laudanum. Opium.

Er ist süchtig.

Und ich besorge ihm sein Gift, ihm und vielen anderen auch.

Warum?

Weil ich Geld brauche.

Ich bin kein sehr guter Arzt, Leo.

Leider.

Glaubst du, ich bin von Berlin nach Sarajevo gegangen,

weil es hier so toll ist?

Ich bin an der Charité rausgeflogen, das weißt du.

Und jetzt flicke ich hier die Leute zusammen, die ihr zurichtet.

Ich werde keine Aktennotiz machen.

Danke.

Die Adresse des Chauffeurs, die wollten Sie doch.

Und?

Ist er glücklich?

Bitte?

Feldzeugmeister Potiorek.

Ja, sehr.

Er lässt bitten, den Bericht für Wien umgehend vorzubereiten.

Diese Geldscheine sind in der Wohnung von Danilo Ilić gefunden worden.

Die sind druckfrisch von der Oesterreichisch-ungarischen Bank.

Anhand der Seriennummern lässt sich vielleicht eruieren,

wo sie ausgegeben wurden und an wen.

Kümmern Sie sich darum, ja?

Und dann können Sie heimgehen.

Feiern.

Das famose Geständnis.

Ich würde gerne mit dem Herrn Ofner sprechen, bitte.

Franz Ofner.

Warum?

Ich bin vom Gericht.

Ich habe dem anderen schon gesagt, dass mein Mann erst morgen zurück ist.

Welchem anderen?

Dem Untersuchungsrichter. Pfeffer oder wie der heißt.

Ich bin Leo Pfeffer.

Haben Sie einen Ausweis?

Äh, nein. Den habe ich jetzt im Büro.

Wiederschauen.

Verzeihen Sie.

Die Tür war nicht versperrt.

Ja. Ich weiß.

Bei mir ist nicht viel zu holen.

Potiorek hat unsere Konten sperren lassen.

Wahrscheinlich hat er Angst,

dass wir mit unserem Geld die Serben unterstützen.

Wir haben nicht einmal mehr Geld, um unsere Arbeiter zu bezahlen.

Ich bin gekommen, um Ihnen Adieu zu sagen.

Wir fahren nach Paris zurück, Vater und ich.

Wann?

In zwei Tagen.

Und wenn ich mitkomme?

-Nach Paris? -Ja.

Was willst du in Paris machen?

Kinder.

Was?

Vier Stück.

Mit dir.

Das Geschlecht ist mir egal.

Was ist, wenn ich keine Kinder will?

Dann würde ich das sehr bedauern.

Ich bin verheiratet.

Noch.

Mit einem Franzosen.

Liebst du ihn?

Nein.

Nicht mehr.

Leider.

Die Attentäter haben gestanden.

Es waren insgesamt zehn.

Alle bewaffnet.

Auf der ganzen Fahrtroute verteilt.

Serben?

Bosnische Serben.

Die meisten davon nicht einmal großjährig.

Wahrscheinlich waren noch andere dabei, die ihnen geholfen haben.

Es wird Krieg geben.

Und du willst Kinder in die Welt setzen mit mir, einer Serbin?

-Warum? -Du bist klug.

Hübsch.

Sehr reich.

So eine Gelegenheit bekomme ich nie wieder.

Es war schön mit dir, Leo Pfeffer.

Meine Verehrung, Herr Sektionsrat!

Bitte.

Pfeffer.

Sektionsrat Wiesner aus Wien.

Der Herr Sektionsrat ist extra angereist, um dem Kaiser Ihren Bericht zu bringen.

Persönlich.

Ich darf herzliche Grüße übermitteln.

Von unserem Außenminister Berchtold.

Wann können wir mit der Einleitung des Verfahrens beginnen?

Dazu brauchen wir erst einen fertigen Bericht.

Bitte schön.

Der Dr. Dörre war so freundlich, Ihre Erkenntnisse zu Papier zu bringen.

Sie müssen es nur noch unterschreiben.

Ich kann das nicht unterschreiben.

Es sind zu viele Fragen offen.

Aber wir haben die Verschwörer. Alle.

Sie haben doch gestanden.

Welche Fragen sind offen?

Warum wurde die ganze Fahrtroute so unzureichend gesichert?

Warum sind die Details in allen Zeitungen gestanden?

Und warum ist der ganze Konvoi falsch abgebogen

und war dadurch ein leichtes Ziel für den Attentäter?

Gut.

Untersuchen Sie das. Gewissenhaft.

Die Anklage gegen Serbien muss Bestand haben,

vor der ganzen Welt.

Wie lange werden Sie brauchen?

Einen Monat.

Sie haben 24 Stunden.

Meine Herren?

Extra aus Wien.

Und Sie lassen ihn warten?

Es geht nicht anders.

Sind Sie plötzlich ein Serbenfreund geworden, Pfeffer?

Über Nacht?

Zahlt sich das wirklich aus?

Trifun Grabež ist in der Nacht gefasst worden.

Einer der Verschwörer. In Pale.

Wie konnten Sie so etwas verfassen?

Ich wolle Ihnen nur helfen.

Ich will Ilić und Princip sprechen.

Im Vernehmungszimmer. Sofort.

Wie haben Sie vom geplanten Besuch des Thronfolgers erfahren?

Aus der Zeitung.

Ich habe Čabrinović und Grabež von meinem Plan erzählt,

Franz Ferdinand zu ermorden.

Aber wir wussten nicht, wie.

Deswegen habe ich Milan Ciganović gefragt, ob er uns helfen kann.

Wen?

Er ist ein serbischer Volksheld.

Und warum ihn?

Weil er bei mir im Haus gewohnt hat in Belgrad.

Er hat uns das Schießen beigebracht.

Die Pistolen besorgt.

Und sechs Bomben, außerdem das Zyankali.

Er hat uns auch über die Grenze gebracht.

Wo Sie die drei dann erwartet haben.

Ja.

Wer sind die anderen?

Vaso Čubrilović und sein Bruder.

Kranjčević.

Popović.

Jovanović.

Und Mehmedbašić.

Wer hat euch nach Sarajevo geführt?

Über die Berge?

Wir haben Meldungen aus Priboj.

Welche Meldungen?

Ich zeige es Ihnen.

Erkennen Sie sie?

Das sind Bauern aus Priboj.

Sie haben zugegeben, euch geholfen zu haben,

und daher werden sie jetzt gehenkt.

Ihr Schweine!

Ihr widerwärtigen Schweine!

Wir haben Standrecht.

Ich kann Ihnen nicht helfen. Und Ihren Freunden auch nicht.

Aber ich kann verhindern, dass weitere Menschen sterben müssen.

Unschuldige Menschen.

Wie war es wirklich?

Den Gefangenen abführen.

Wollen Sie Ihre Karriere ruinieren oder nur meine?

Wovor hat er solche Angst?

Vor dem Galgen, an dem er enden wird.

Der Kaiser will Vergeltung für seinen Neffen.

Und Sie wollen sich dem in den Weg stellen?

Morgen um zehn liegt der unterschriebene Bericht auf meinem Schreibtisch.

Oder Sie existieren nicht mehr.

Plünderer, Pfeffer.

Serbische Plünderer.

Wo ist Franz Ofner?

Weg.

Und seine Familie?

Wer hat den Auftrag gegeben?

Was?

Hören Sie auf, den Idioten zu spielen, Strametz!

Ich will wissen, wer Ihnen den Auftrag gegeben hat!

Sei froh, dass wir deine Unterschrift brauchen.

Judensau.

Leo!

Wie siehst du denn aus?

Schau, die Presse ist offenbar schon überzeugt davon,

dass Belgrad hinter dem Mord steckt.

Das ist alles falsch.

Was?

Das Attentat, sie wollen, dass wir glauben, es waren die Serben.

Aber es waren die Serben.

Princip, Čabrinović, Ilić, und wie sie alle heißen, die ganzen -iće.

-Wer soll es denn sonst gewesen sein? -Das weiß ich nicht.

Das spielt gar keine Rolle mehr. Weil das Ergebnis längst feststeht.

Serbien muss sterbien. Es wird Krieg geben.

Nein.

Ich kann das verhindern.

Du?

Du ganz allein?

Deutschland wird Österreich einen Blankoscheck ausstellen.

Den brüderlichen Beistand leisten. Komme, was wolle.

Preußische Kampfkraft, Leo.

Die warten schon darauf zuzuschlagen.

Das Minderwertige wird weggefegt werden.

Wie Unkraut.

Das ist auch nötig, für die Volksgesundung.

Du bist Eugeniker?

Du nicht, nehme ich an. Na ja, was nachvollziehbar ist.

Und die Wahrheit? Die interessiert dich nicht?

Doch, doch.

Aber alles zu seiner Zeit.

Ich mag dich, Leo.

Im Ernst.

Deshalb gebe ich dir einen Rat: Lass es gut sein.

Genieße stattdessen deine Beförderung.

Und deine kleine Serbin.

Woher weißt du das? Mit Marija?

Reine Deduktion.

Du bist ein kluger Kopf.

Aber ausgerechnet jetzt interessierst du dich dafür, was mit Serbien ist?

Das Organ, mit dem du denkst, sitzt momentan nicht zwischen deinen Ohren.

Pass auf dich auf, ja?

Verzeihung.

-Bitte. -Was ist das?

Ein Telegramm von der Bank,

wegen der Kronen, die bei Ilić gefunden wurden.

Die sind letzten Monat ausgeliefert worden, hierher, nach Sarajevo.

An wen?

An das Militär.

Für dringend benötigtes medizinisches Material.

-Wer ist dort dafür zuständig? -Der Stabsarzt.

Laden Sie den vor, bitte.

Franz Ofner, der Chauffeur, ist überfallen worden.

Angeblich von Serben.

Da muss es einen Polizeibericht geben dazu.

Bitte.

Dalibor Nikolić. Der Diener der Familie Jeftanović.

Ja. Ich weiß.

Was ist mit ihm?

Er ist gestern verhaftet worden unter dem Verdacht des Landfriedensbruchs.

Er hat geplündert.

Und das hat er zugegeben?

Nein, aber er wurde gesehen, von Augenzeugen.

Vor dem Haus von Franz Ofner.

Wo ist er?

Er wurde exekutiert.

Was?

Die Familie Jeftanović steht unter Hausarrest.

Wer hat das angeordnet?

Fiedler.

Wollen Sie mich erpressen?

Der Krieg gegen Serbien. Geht es um die Bahn?

Sie haben ein Vermögen in türkische Anleihen investiert, nicht wahr?

Und?

Wollen Sie mir erzählen,

dass Sie oder irgendjemand in Deutschland oder Österreich ein Vermögen

in ein türkisches Schienennetz investiert, ohne eine Anbindung bis Berlin?

Ich verstehe. Die gute Eisenbahn.

Erste Klasse bis nach Bagdad, und ich werde stinkreich.

Ein schöner Gedanke.

Glauben Sie das tatsächlich?

Ein Krieg ist immer eine empfindliche Störung des Wirtschaftslebens, Pfeffer.

Und sehr unangenehm.

Deswegen muss er kurz sein.

Entschlossen geführt und siegreich.

Und dann gehört Europa uns.

Und dann?

Frankreich und Russland umklammern uns von Westen und Osten.

Und im Süden lauert der Serbe.

Das muss man beenden.

Damit endlich wieder Raum ist. Zum Atmen.

Und zum Handeln.

Dann kann uns nichts mehr aufhalten.

Wer will sich der deutschen Tatkraft schon in den Weg stellen?

Sie vielleicht?

Marija Jeftanović.

Ihr Hausarrest wird aufgehoben, und zwar sofort.

Für Ihren Vater auch.

Ich fürchte, das ist nicht möglich.

Es besteht Fluchtgefahr.

Die beiden haben Verbindungen nach Paris.

Was wirft man ihnen vor?

Sie sind Serben. Sie beherbergen Plünderer.

Und wir vermuten, dass sie mit dem Feind kollaborieren.

Es besteht Verdacht auf Hochverrat.

Und darauf steht die Todesstrafe. Leider.

Sie brauchen meine Unterschrift.

Ohne einen gültigen Bericht wird niemand einem Militärschlag zustimmen.

Österreich kann es sich nicht leisten, auf bloßen Verdacht hin zu handeln.

Jetzt überschätzen Sie sich aber maßlos, Pfeffer.

Wollen Sie unterschreiben?

Nein?

Ich verstehe.

Wenn einer der Angeklagten zu reden anfängt beim Prozess...

...und sagt, wie es wirklich war...

...dann wäre Ihr Name beschmutzt und nicht meiner.

Oder?

Ihren kann man nicht beschmutzen.

Der ist schon dreckig.

Von Geburt an.

Sie lassen Marija Jeftanović ausreisen, dann unterschreibe ich die Anklage.

Es ist also Liebe?

Wo die bei euch hinfällt, muss der Tisch schon reich gedeckt sein.

Das ist das kulturelle Erbe.

Familie Jeftanović reist heute noch ab.

Schön, dass Sie endlich vernünftig werden, Pfeffer.

Ich lasse die nötigen Papiere noch heute ausstellen.

Es ist eh jedermann froh, wenn die Serbenschweine endlich das Weite suchen.

So.

Und das bringen Sie dem Dr. Wiesner. Persönlich.

Mit einem Lächeln. Darauf bestehe ich.

Sie haben deine Familie, oder?

Deswegen sagst du nichts?

Leben sie noch?

Ihr werdet vor Gericht gestellt.

Du wirst hingerichtet werden.

Willst du mir noch etwas sagen?

Er wollte es verhindern.

Wer?

Pašić.

Das Attentat.

Nikola Pašić?

Der serbische Regierungschef?

Ja.

Also war die serbische Regierung gegen das Attentat?

Wer war noch dabei?

Außer Strametz, Fiedler und euch?

Wer hat dir deine Anweisungen gegeben?

Ich kann die Namen nicht nennen.

Ich würde trotzdem sterben.

Und alle, die ich liebe, auch.

Es ist gut, dass Franz Ferdinand tot ist.

Belgrad wird fallen.

Und mit Belgrad diese reichen Schweine.

Genau wie bei euch, genau wie überall.

Und dann?

Dann regieren wir Arbeiter.

Du nicht.

Du wirst dann nicht mehr da sein.

Der Herr Dr. Pfeffer würde gerne mit Ihnen sprechen.

Was ist das?

Die Anklage. Für Wien.

Ah ja.

Endlich.

Sehr schön.

Und Ihre Zweifel, sind die jetzt ausgeräumt?

Nein.

Die Schuld der Attentäter ist zweifellos festgestellt.

Deshalb ist die Einleitung eines Gerichtsverfahrens juristisch vertretbar.

Aber zusätzlich werde ich einen weiteren Bericht verfassen.

Über die Hintergründe.

Ja.

Tun Sie das.

Es wird also Krieg geben?

Unbedingt.

Das Ultimatum, das wir an die Serben stellen,

wird so formuliert sein, dass Belgrad unmöglich zustimmen kann.

Und dann geht es endlich los.

Und das Gerichtsverfahren?

Gegen die Attentäter?

Ja, das wird es geben, irgendwann.

Jetzt gibt es wichtigere Dinge.

Herr Doktor, ich habe Sie schon gesucht.

Bitte.

Was ist das?

Der Name des zuständigen Stabsarztes.

Eine polizeiliche Vorladung ist ihm bereits zugestellt worden.

Besorgen Sie mir eine dazugehörige Akte.

Er ist Stabsarzt, es muss also Unterlagen über ihn geben.

Eine Personalakte.

Diese Billets gelten bis Triest.

Dort werdet ihr neue Karten kaufen müssen.

Eure Pässe.

Niemand wird euch aufhalten.

Und du?

Was ist mit dir? Kommst du mit?

Nein.

Sie werden uns alle umbringen, Leo.

Die Österreicher wollen uns vernichten, alle.

Auch dich.

Es ist eine Gruppe.

Kriegstreiber.

Wahnsinnige.

Die glauben, dass sie über dem Gesetz stehen.

Wir müssen los.

Hast du nachgedacht?

-Worüber? -Kinder.

Ich weiß nicht.

In diesen Zeiten?

Es werden bessere Zeiten kommen.

Wann?

Irgendwann.

Hoffe ich.

Die Akte Sattler.

Wer hat das geschwärzt?

Das steht auf der letzten Seite.

Militärischer Nachrichtendienst.

Danke.

Gerne.

Leo!

Spielst du eine Partie mit mir?

-Sind sie weg? -Ja.

Das ist gut.

Seit wann bist du Stabsarzt?

Seit drei Wochen.

Die Wagen sind überhaupt nicht falsch abgebogen.

Der Fahrer des ersten Wagens, Franz Ofner,

hat ganz genaue Instruktionen erhalten, bei der Lateinerbrücke anzuhalten.

Dort, wo Princip gewartet hat.

Du hast Ilić das Geld gegeben, um alles zu organisieren.

Es waren einige Leute an der Strecke.

Lauter Serben.

Aber alle hatten die Hosen voll, wie immer.

Junge Fanatiker planen etwas Großes. Und sind sehr schnell überfordert.

Wer bist du wirklich?

Sattler, Herbert, Doktor der Medizin.

Und sonst?

Was willst du wissen?

Details?

Besser nicht.

Ich werde alles aufschreiben. Die Wahrheit.

Die Wahrheit, von der du redest, gibt es nicht.

Sie wird nämlich hergestellt.

-Von wenigen. -Von dir?

Auch.

Er hätte den Krieg verhindert.

Franz Ferdinand.

Deswegen musste er weg.

Du überschätzt ihn.

Und Pläne im Allgemeinen.

Aber glaube mir, man findet immer einen Grund für einen Krieg,

wenn man nur will.

Sei froh.

Du wirst sie bald wiedersehen.

Deine Marija.

In Paris.

Deutschland.

Pfeffer.

Herr Feldzeugmeister, Herr Sektionsrat.

Was ist das?

Das Protokoll.

Das Attentat auf Seine Kaiserliche Hoheit.

Es war alles anders.

Tatsächlich?

Ja.

Lesen Sie.

Ja.

Das werde ich lesen.

Ich habe eine Aktennotiz gemacht,

dass ich Ihnen das Protokoll ausgehändigt habe. Persönlich.

Sehr gut.

Danke.

Der Serbe wird doch nicht ernsthaft Widerstand leisten?

Der Serbe ist schon erledigt, Herr Sektionsrat.

Na also.

Dann kommt es auf ein paar Tage auch nicht an.

Adieu.

Siegreich wollen wir die Feinde schlagen

Sterben als ein tapferer Held

Hurra, hurra, bei Regen, Sturm und Wind

Marschieren wir zu unserem Regiment

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