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Woodstock Police. Over. Woodstock Police.

Woodstock Police hier.

Roger. Das Groote Schuur Hospital hat ein gestohlenes Baby gemeldet.

Die Meldung war vor 20 Minuten. Die Verdächtige ist Mitte 30. Over.

Kapstadts Polizei meldet

das Verschwinden eines Babys aus dem bekannten Groote Schuur Hospital.

Das nur drei Tage alte Baby wurde aus der Klinik gestohlen...

Ein Phantombild wurde veröffentlicht, und die Polizei bittet um Hinweise,

um der Verdächtigen auf die Spur zu kommen.

MITCHELL'S PLAIN, KAPSTADT

Ich lernte Morné 1996 kennen.

Irgendetwas sagte mir, dass er der Richtige ist.

Er setzte sich neben mich, wir unterhielten uns,

und wir tanzten.

Ich dachte: "Wow, er ist so groß und sieht so gut aus."

Ein echt großer Kerl.

Sie war 17, ich war 18.

Ich sagte meinem Kumpel: "Sieh gar nicht hin. Sie gehört mir."

Sie war alles für mich. Sie wollte ich.

Davon ließ ich mich nicht abbringen.

Und so haben wir uns kennengelernt.

Nach zwei oder drei Monaten erfuhren wir, dass ich schwanger war.

Wir hatten so eine Angst.

Wir besprachen es.

Ich sagte: "Hör mal, du gehst noch zur Schule.

Ich bin erst 18.

Sollten wir vielleicht nicht besser abtreiben?"

Ich konnte das nicht. Ich wollte das Baby haben.

Ein Wesen, das ich lieben kann und das mich lieben wird.

JANUAR 1997

Ich organisierte eine große Hochzeit für ihn.

Alle aus der Gegend standen draußen.

MORNÉS MUTTER

Sie waren so beeindruckt von dieser großen Hochzeit.

Er freute sich so, er grinste den ganzen Tag bis über beide Ohren.

Er küsste Celeste und drückte sie an sich.

Und sie lachte die ganze Zeit.

Bei der Hochzeit war ich schon im sechsten Monat,

aber man sah noch nichts.

Es war so was Besonderes.

Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, war aufgeregt und dachte:

"Wow, heute ist der große Tag.

Ich bekomme mit 19 ein Kind."

Wir waren vorbereitet.

Wir ließen uns voll und ganz darauf ein.

Es war mein erstes Kind,

und ich freute mich auf jeden Moment mit ihm.

So fühlte ich mich.

Ich weiß noch, ich nahm meine Tasche, und ich war voller Vorfreude.

Aber ich spürte, dass etwas nicht stimmte.

Dann sahen sie, dass das Baby in Steißlage war,

und sie führten einen Notkaiserschnitt durch.

Als sie draußen war, blieb sie still.

Ihre Augen waren offen. In einem war eine Träne.

Der Arzt gab ihr Klapse auf den Po,

aber sie schrie nicht.

Ich dachte: "Warum dauert das so lange?"

Nach zwei Minuten fing sie dann an zu schreien.

Da war sie. Es war wundervoll.

Sie hatte viele Haare und war sehr blass.

Es war einfach...

Ich kann es nicht beschreiben. Dieses Gefühl...

Ich hatte das Gefühl: "Ich kann es nicht fassen,

das ist ein Wunder."

Sie trank bei mir an der Brust.

Und ich weiß noch, dass Morné sagte:

"Celeste, bitte pass auf sie auf. Pass auf das Baby auf."

Es war so ein Glück, Mutter zu sein.

Und ich schwor mir, ihr eine sehr gute Mutter zu sein.

Ich hatte mein Baby, ich war verheiratet.

Mein Ehemann wartete darauf, dass ich das Baby nach Hause bringe.

Das waren die glücklichsten Tage meines Lebens.

Ich weiß noch, dass ich im Bett lag.

Ich hatte etwas Schmerzen.

Die Schwester gab mir ein Schmerzmittel.

Und ich hörte das Baby schreien.

Dann kam eine Schwester rein.

Sie fragte: "Darf ich es hochnehmen?" Ich sagte: "Ja, natürlich."

Dann schlief ich wieder ein.

Eine halbe oder eine Stunde danach sagte jemand: "Celeste, Celeste."

Ich sagte: "Ja, ja, was denn?" "Wo ist Ihr Baby?"

Ich sagte: "Die Schwester hatte das Baby."

Sie fragte: "Welche Schwester?" Ich sagte: "Hier war eine Schwester."

Sie fragte: "Wo sind sie dann jetzt?"

Wir suchten überall. Ich lief mit dem Tropf in jede Etage.

Wir waren im vierten, fünften, sechsten Stock.

Sie war weg.

Sie riefen Morné an. Er war außer sich.

Ich platzte rein, die Polizei war dabei.

Ich fing an zu fluchen.

Sie sagten: "Morné, beruhigen Sie sich."

Ich verlor komplett die Kontrolle. Ich habe dort alles demoliert.

Ich saß nur noch da, mein Körper war in Schockstarre.

Das Bild, das sich mir einbrannte und mir so wehtat,

war Celeste.

Wie sie da saß, weinte

und Leute von sich wegstieß.

Man hört von so etwas nur.

Es passiert einem nicht selbst.

ERMITTLER

Nicht in einem bekannten Krankenhaus wie dem Groote Schuur Hospital.

Alles, worum ich sie bitte...

Ich weiß Ihren Namen nicht, aber...

Geben Sie uns bitte das Baby zurück. Wir werden nicht gegen Sie vorgehen.

Wir lieben dieses Kind,

weil sie zu uns gehört.

Sie wurde uns weggenommen.

Ich erinnere mich an das Gesicht der jungen Frau.

Es war so schrecklich,

als ihr klar wurde, dass ihr Kind weg ist.

Die Leute weinten und waren traumatisiert.

Die Pflegerinnen und Pfleger rannten hin und her.

Die anderen Mütter auf der Geburtsstation hatten Angst.

Sie waren schockiert von der Nachricht.

Es hätte auch einer von ihnen passieren können.

Das Gesicht eines Neugeborenen ändert sich über fünf Tage enorm.

Es kommt auf die ersten vier Stunden an.

Wir arbeiteten die Nacht durch,

und am Morgen veröffentlichten wir ein Foto des Babys

sowie ein Phantombild im nationalen Fernsehen.

Die Polizei von Kapstadt meldet das Verschwinden eines Babys

aus dem bekannten Groote Schuur Hospital.

Die 17-jährige Celeste Nurse merkte, dass ihr Baby weg ist,

nachdem sie zuvor eingeschlafen war.

Wir haben überall nach dem Baby gesucht,

aber es ist mit der Frau verschwunden.

Wir sind schockiert darüber.

Wir fühlen mit der Familie mit und helfen, wo wir können.

Die Verdächtige wird auf Mitte 30 bis Mitte 40 geschätzt.

Ein Phantombild wurde veröffentlicht, und die Polizei bittet um Hinweise,

um ihr auf die Spur zu kommen.

Der Fall hielt das ganze Land in Atem.

ENTFÜHRERIN BELAUERTE STATIONSARZT

NEUGEBORENES MÄDCHEN AUS GROOTE SCHUUR ENTFÜHRT

POLIZEI VERÖFFENTLICHT GESICHT DER KINDESENTFÜHRERIN

Können Sie mir in wenigen Worten sagen,

was die wichtigsten Aspekte ihres psychologischen Profils sind?

Solche Frauen nutzen ein Baby oft,

um den Mann nach einer Fehlgeburt zu manipulieren.

Sie tat so, als wäre sie schwanger und brauche das Baby.

Sie war sehr freundlich.

Und sie hat wohl versucht, ihre Haare blond zu färben.

Vermutlich fehlt ihr Liebe in ihrem Leben.

Und sie hat das Baby gekidnappt, um diese Leere zu füllen.

Aber ihr muss klar werden, dass das nicht ihr Baby ist.

Schließlich forderte ich eine Liste der Frauen an,

die in den vergangenen zwölf Monaten in dieser Klinik Fehlgeburten hatten.

Eine Person hatte eine Fehlgeburt,

und dann muss man bei ihr nach einem Baby suchen?

Wie macht man das diesem armen Menschen begreiflich?

Ich meine, das ist unmenschlich.

Man hatte eine Fehlgeburt, und dann kommt die Polizei

und verdächtigt einen der Kindesentführung.

LAVENDER HILL, KAPSTADT

Es gab einen Hinweis von jemandem, dass es da eine Frau gäbe,

die, glaube ich, in Lavender Hill wohnte.

Diese Frau hätte ein wenige Wochen altes Baby.

Und sie hätte auch in Groote Schuur entbunden.

Als wir da ankamen, sagte ich: "Ja, heute finden wir sie."

Stell dir vor, du gehst in dieses Haus

und weißt, hier ist Leben.

Du hörst dieses Kind schreien

und sagst dir: "Das ist mein Kind. Das ist mein Kind."

Dort stellte sich heraus, das Kind war ein Junge.

Und ich weiß noch, ich war...

Ich dachte: "Großer Gott."

Da ich kein Baby zum Stillen hatte, ging es mir schlecht.

Meine Brüste spannten, und ich konnte nichts dagegen tun.

Und diese Frau gab mir ihr Baby

und sagte: "Still mein Kind, damit es dir besser geht."

Und... ich...

Man folgt einem Hinweis, und der führt zu nichts.

Die Emotionen kochten wieder hoch.

Wir mussten damit klarkommen und weitermachen.

ZEPHANYS SCHWESTER

Ich wuchs in dem Wissen auf,

dass ich eine Schwester habe, die vermisst wird.

Aber es belastete mich nicht, weil ich sie nicht kannte.

Doch ich wusste von meiner Schwester.

Vier Jahre lang...

ließ uns die Hoffnung, Zephany zurückzubekommen,

vergessen, dass wir weitere Kinder haben können.

Es war beängstigend,

wieder schwanger zu sein, Cassidy zu erwarten.

Ich hatte Angst, ins Groote Schuur Hospital zu gehen.

Davor hatte ich Angst, wieder in diese Klinik zu gehen.

Wir waren sehr glücklich mit Cassidy.

Sie war wie eine Droge für mich.

Immer wenn ich Zephany vermisste, verwöhnte ich dieses Kind

und drückte sie fest an mich.

Ich nannte sie mein kleines Schmerz-weg-Pflaster.

Cassidy war Mornés Ein und Alles.

Immer nur Cassidy. Es drehte sich alles um Cassidy.

Ich stellte sie mir gern vor und tat so, als wäre sie da.

Dann fragte ich sie: "Wo bist du?

Wann kommst du nach Hause? Du fehlst mir."

Ich allein, als Kind, konnte diese Leere nicht füllen.

Aber ich bemühte mich immer, ihnen das Gefühl zu geben,

dass es noch Grund zur Hoffnung und zum Optimismus gibt.

Ich beobachtete ältere Schwestern mit ihren jüngeren Geschwistern

und dachte mir, das sollte ich mit meiner Schwester sein.

IN DEN FOLGENDEN JAHREN BEKAMEN DIE NURSES ZWEI WEITERE KINDER:

2006 JOSHUA UND 2007 MICAH.

Ich weiß noch,

dass wir jedes Jahr ihren Geburtstag feierten,

mit meinem Bruder und meiner Schwester.

ALLES GUTE ZUM 14.

Wir feierten und baten sie, zurückzukommen.

FAMILIE FEIERT 14. GEBURTSTAG IHRES ENTFÜHRTEN BABYS

Es war so voller Liebe.

Wir sangen und beteten und waren glücklich um ihretwillen.

Wir baten sie, zurückzukommen,

und wir beteten und versuchten, positiv zu denken.

Man hatte das Gefühl,

dass sie zurückkommen könnte.

So empfand ich das.

AUCH NACH JAHREN GIBT DIESE FAMILIE IHR KIND NICHT AUF

Nicht viele Polizeibeamte sind so bekannt.

Aber in Kapstadt ist er seit Jahrzehnten ein Held:

Lieutenant Colonel Michael Barkhuizen.

Er ist die ganz große Nummer.

Danke, Melany. Ich grüße die Zuhörer.

Viele haben großes Interesse an dem Fall Zephany Nurse.

Die Nurses haben mich schwer beeindruckt.

Das waren keine gewöhnlichen Angehörigen...

EHEMALIGER CHEFERMITTLER

...die einen vermissten Verwandten suchten.

Sie waren...

überzeugt davon, dass man ihr Kind finden würde.

NIE ENDENDE SUCHE NACH DER TOCHTER

Die Leute riefen uns an und sagten, das Kind könnte da oder dort sein.

Ich fuhr mit Morné, seinen Brüdern und Celeste nachts los.

CELESTES MUTTER

Und wir suchten sie dort, aber es war jedes Mal falscher Alarm.

Es waren auch viele Scherzanrufe und so was.

Das ließ sie immer mehr die Hoffnung verlieren.

Ich fuhr gerade nach Hause, als mein Handy klingelte.

Es war eine unbekannte Nummer.

Ich hörte nur ein Atmen. Ich sagte: "Hallo?"

Und schließlich antwortete eine Frau. Sie sagte: "Legen Sie nicht auf.

Ich habe Ihre Tochter."

Man hat gesehen, wie aufgeregt er war.

Er schien wirklich zu hoffen,

dass wir seine Tochter jetzt finden werden.

Wir organisierten noch am selben Tag

einen Einsatz mit Detectives in Zivil.

Das Restaurant, in dem ich diese Frau treffen sollte,

war voller Polizisten, ohne dass es jemand merkte.

Ich war verkabelt. Überall waren Polizeiwagen geparkt.

Es wurde 12:30 Uhr, 13 Uhr: nichts.

14 Uhr: nichts.

Um 15 Uhr riefen sie uns an und sagten:

"Das ist Zeitverschwendung, wir müssen gehen."

Die Hoffnung war gestorben.

Und mir war schlecht. Mir war richtig schlecht an dem Tag.

Es war wieder mal eine falsche Spur.

Und du als Mutter musst dich aufraffen und weitermachen.

UNGELÖSTE VERBRECHEN, DIE SÜDAFRIKA SCHOCKIERTEN

FAMILIE SUCHT IHRE GESTOHLENE TOCHTER

In meiner Kindheit

erzählten sie mir jeden Tag von ihr, jeden Tag.

Es ging immer um die Schwester, wo ich auch hinging.

"Du weißt, was ihr passiert ist. Du kannst da nicht hin."

Immer nur Zephany, Zephany, Zephany. Ich sagte: "Ich bin nicht Zephany."

Ihr Eltern liebten sie sehr. Wirklich sehr.

Aber wir mussten immer

alle Türen und Tore abschließen.

Sie durfte nicht draußen spielen.

Ich durfte nicht mit Freunden raus. Ich durfte nicht ins Kino gehen.

Wenn ich fünf Minuten in einen Laden ging,

schrie mein Vater wie ein Irrer:

"Wo bist du? Was machst du so lange?" Er drehte durch.

Das setzte mir zu.

Ich war so wütend, dass ich rebellierte.

Ich fühlte mich wie ihre zweite Zephany,

die sie nur bei sich haben wollten, damit ich ihnen ihren Schmerz nehme.

So kam es mir vor.

Ich konnte nur Celeste die Schuld geben.

Ihr gab ich die Schuld.

Ich gab Morné die Schuld.

Ich sagte: "Du warst nicht für uns da.

Du hättest bei der Geburt dabei sein sollen.

Du hättest auf das Baby aufpassen sollen."

Wir gaben einander die Schuld.

Es hörte nie auf. Wir beschuldigten einander jahrelang.

Dann sagte ich: "Ich kann es immer noch nicht fassen.

Wenn du in dem Moment hingesehen hättest..."

Und es ging wieder los.

Einmal, als Morné spät nach Hause kam,

schlief er auf dem Sofa ein,

und ich nahm sein Handy.

Da war ein Foto von ihm und einer anderen Frau.

Ich sagte: "Hau ab. Du hast hier nichts zu suchen. Raus!"

Ich hatte genug davon, früh um zwei rausgeworfen zu werden.

"Na gut, ich gehe. Aber diesmal gehe ich für immer."

Ich wollte das nicht mehr.

Meine Mutter warf seine Klamotten raus.

Sie sagte mir: "Ich habe 17 Jahre für diese Ehe gekämpft,

und er hat sich kein Stück verändert."

Ich dachte mir: "Mommy..." Und sie sagte: "Nein, Cassidy.

Ich liebe deinen Daddy sehr. Ich liebe ihn so sehr."

Aber sie konnte nicht mehr.

Meine Oma, ihre Mutter, sagte mir:

"Cassidy, du bist die Älteste. Du wirst das besser verstehen.

Deine Mutter hat Krebs."

Die Ärzte sagten,

der Tumor sei so groß wie ein Golfball.

Sie sagten, ich hätte Gebärmutterhalskrebs im Stadium 3B.

Ich sagte zu mir:

"Ich werde sterben. Wer kümmert sich um meine Kinder?

Ich habe niemanden, der mich unterstützt

außer meiner Mutter.

Ich brauche meinen Mann, er ist nicht da."

Ich brach zusammen.

Ich wollte für sie da sein, auch als sie im Krankenhaus war

für die Chemotherapie und die Bestrahlung.

Ich war immer für sie da.

Ich sagte ihr: "Mommy... ich bin für dich da."

Ich musste die Familie zusammenhalten.

Ich war doch erst 15 oder 14, und mein Vater hatte uns verlassen.

Tut mir leid.

Das war die schlimmste Zeit meines Lebens.

Ich bat Gott: "Hol mich noch nicht. Ich will noch meine Tochter sehen."

2015 WECHSELT CASSIDY AUF DIE ZWAANSWYK HIGH SCHOOL

Am ersten Tag in der neuen Schule wird man überall herumgeführt.

Und ich dachte: "Das wird ein gutes Jahr für mich.

Entspannt, ruhig. Ohne Streit und Ärger.

Ein neues Ich."

Und dann kam all das plötzlich aus heiterem Himmel.

Das Leben an der Zwaanswyk High war super.

STIMME VON MICHÉ SOLOMON

Da verlebte ich

meine Teenager-Jahre von 14 bis 17.

Ich war einfach eine normale Teenagerin.

Bis zu dem Tag, an dem ich Cassidy traf.

Ein Mädchen sagte mir:

"Hier gibt es ein Mädchen, das genauso aussieht wie du."

Mein Englischlehrer sagte auch: "Du siehst aus wie dieses Mädchen."

Und ich dachte mir:

"Wenn selbst ein Lehrer das sagt, ist da was dran."

Es klingelte zur Pause.

Und als ich rausging, standen wir plötzlich voreinander.

Ich sah sie an, sie sah mich an.

Und alle um uns herum riefen:

"Sie sehen gleich aus. Das sind die zwei!"

Sie war geschockt, und ich fragte: "Warum siehst du aus wie ich?"

Und sie fragte: "Warum siehst du aus wie ich?"

Ich sagte: "Nein, ich bin die Ältere. Ich stelle hier die Fragen."

Als ich ihr Gesicht sah,

spürte ich so ein Gefühl von Verbundenheit.

Ich dachte: Vielleicht weil sie so aussieht,

wie ich mit 14 aussah.

Wir verstanden uns auf Anhieb.

Wir sind danach sofort Freundinnen geworden,

was nicht selbstverständlich ist bei einer 18- und einer 14-Jährigen.

Ich hatte das Gefühl, sie beschützen zu wollen.

Wie eine große Schwester, denn die schien sie zu brauchen,

nach allem, was sie mir erzählt hatte.

Und ich dachte, ich könnte das für sie sein.

Ich erzählte ihm von dem Mädchen

und sagte: "Daddy, ich glaube, das ist meine Schwester."

Er sagte: "Cassidy, ich will keine falschen Hoffnungen."

Ich saß im Auto und hatte meine Brille auf.

Und dieses Mädchen kam auf mein Auto zu.

Irgendwas zog mich zu ihr hin.

Ich weiß nicht, ob es vielleicht Liebe war.

Ich sagte ihr: "Wow. Du siehst wirklich aus wie Cassidy.

Du siehst sogar ein bisschen aus wie ich."

Sie sagte: "Wow, das ist irgendwie gruselig."

Er sagte mir: "Behalte sie im Auge.

Sag ihr nichts von deiner vermissten Schwester,

denn wenn sie es ist, werden sie bestimmt fliehen."

Ich dachte: "Ich weiß nicht. Ich weiß nicht."

Aber dann habe ich es ihr erzählt: "Ich habe eine vermisste Schwester."

Und dann dachte ich:

"Oh, mein Dad wird mich zur Schnecke machen."

Erst habe ich es ihr nicht geglaubt, weil es mir nicht real vorkam.

Das war wie aus einem Hollywood-Film.

Es tat mir so leid für sie, dass sie das durchmachen musste.

Ich habe ihr damals immer die Haare gebürstet,

und wir trugen Lippenstift auf.

Auch in der Schule wollten wir gut aussehen.

So eine enge Freundschaft war das.

Es war Sporttag.

Wir beschlossen, zu McDonald's zu gehen.

Ich sagte: "Dein Daddy ist nicht da. Komm doch mit."

Sie waren nicht in der Schule.

Dieses Mädchen und meine Tochter Cassidy fehlten.

So ein Junge meinte:

"Ja, sie ist mit ihrem kleinen Klon bei McDonald's."

Ich stieg ins Auto und fuhr dahin.

Morné Nurse erschien.

Ich sage das immer wieder, aber er ist riesig,

er ist sehr einschüchternd.

Ich erzählte ihr ein paar Takte.

Ich sagte: "Hör zu. Ich kenne deine Eltern nicht.

Ich weiß nicht, woher du kommst.

Aber verlass nie wieder

ohne meine Erlaubnis mit meiner Tochter die Schule."

Wir setzten uns und redeten.

Und ich zeigte ihm ein Foto meiner Eltern.

Sie zeigte mir Fotos einer Mutter und eines Vaters,

und ich wusste...

Ich dachte mir, diese Frau da...

Ich sagte ihr: "Du siehst dieser Frau kein bisschen ähnlich."

Ich sah ihn so hier an...

Und er sah mich auch an.

Und er machte so...

Er zog die Augenbrauen so hoch, und ich wusste,

dass etwas nicht stimmt, und das wusste er auch.

Ich fragte: "Wie alt bist du jetzt?" Sie sagte: "17. Ich werde bald 18."

Ich fragte: "Wann hast du Geburtstag?"

Und sie sagte:

"Ich wurde am 30. April 1997 geboren."

Ich bekam einen Kloß im Hals.

Und ich konnte nicht mehr sprechen.

Meine Tochter wurde an diesem Tag gestohlen.

Die Sache wurde plötzlich real.

Ich dachte: "Was zur Hölle... Was höre ich hier?

Ist das hier Wirklichkeit?"

Ich recherchierte in den sozialen Medien.

Ich fand Fotos der Eltern.

Ich fand ganz viele Bilder, die mir zeigten, wie sie aufwuchs

und ihr damaliges Alter von 17 Jahren erreichte.

Ich sah in ihr all meine Kinder. Ich sah Celeste im Alter von 15.

Mit einer Geburt erfolgt ein Eintrag ins Geburtenregister.

VOLLSTÄNDIGE GEBURTSURKUNDE

Und für diese Miché Solomon gab es keinen Eintrag.

Ihre Geburt wurde erst registriert, als sie sechs Jahre alt war,

und zwar in Malmesbury,

50 Kilometer von Kapstadt entfernt.

Warum sollte man nach Malmesbury fahren,

um eine Geburt zu registrieren?

Wir hatten nun hinlängliche Indizien dafür,

dass Miché Solomon das Baby der Nurses war.

Als ich gerade in den Matheunterricht gekommen war,

kam der Schuldirektor rein, und er...

Ich glaube, er sagte: "Solomon,

kommen Sie in mein Büro, mit Ihrer Tasche."

Ich dachte: "Oh mein Gott, was habe ich angestellt?"

Wir hatten zwei Teams.

Eins ging mit einer Sozialarbeiterin in die Zwaanswyk High School,

wo sie Miché befragten

und ihre Erlaubnis einholten, eine DNA-Probe zu nehmen.

Da waren zwei Sozialarbeiterinnen.

Ich setzte mich,

und eine fing sofort an, über das Baby Zephany Nurse zu reden.

Sie holte eine Akte raus

und zeigte mir die Aufzeichnungen

von Babys, die am 30. April geboren wurden.

Sie fragte, wo ich geboren wurde.

Ich sagte: "Mein Mutter hat mir gesagt,

ich wurde im Retreat Hospital geboren."

Und sie zeigte mir die Daten aus dem Retreat Hospital

von diesem Tag, von diesem Jahr.

In diesem Krankenhaus wurde keine Miché Solomon geboren.

Mit dem anderen Team fuhr ich zum Haus der Verdächtigen.

Wir konfrontierten sie mit den Beweisen, die wir hatten.

Als wir dort ankamen, arbeitete sie. Sie nähte Kleidung.

Sie war sehr ruhig und freundlich.

Sie war sehr nett. Sie bot uns Tee an.

SOZIALARBEITERIN

Und Barkhuizen sagte: "Nein, danke." Ganz freundlich.

Als wir alle saßen, fragte Barkhuizen sie nach Miché.

"Miché ist nicht Ihr Kind?"

Sie sagte: "Nein, das ist völliger Quatsch.

Miché hat mir so was auch schon erzählt,

dass sie in der Schule meinten, sie würde aussehen wie Cassidy.

Ich habe Miché gar nicht ernst genommen,

denn die erzählen völligen Blödsinn.

Ich kann Ihnen Fotos zeigen. Wollen Sie sie sehen?"

Sie leugnete alles.

Sie sagte, Miché wäre ihr eigenes Kind.

Sie bestand darauf, dass sie Michés leibliche Mutter sei.

Sie stritt jegliche Entführung ab.

Sie spürte offensichtlich keine Reue. Sie wollte nichts zugeben.

Sie sagte sogar:

"Wir werden ja sehen, was der DNA-Test aussagt."

Sie sagte: "Ich habe nichts zu verbergen.

Wir können den Bluttest machen."

Da dachte ich: "Ach, diese Spur führt zu nichts.

Wir dachten, wir hätten eine Spur, aber es ist keine."

Ich fing wirklich an, ihr zu glauben.

Sie überredeten mich zu dem DNA-Test.

Aber ich dachte: "Das kann nicht sein.

Das stimmt nicht.

Meine Mom ist meine Mom, und mein Dad ist mein Dad.

Ich bin Miché."

Ich hatte keinen Zweifel daran, dass das eine Lüge sein musste,

weil ich so viel Vertrauen in meine Mom hatte.

Wir wussten, Barkhuizen musste Lavona verhaften.

Wir wollten Miché an einem sicheren Ort unterbringen,

darum nahm ich Miché mit zu mir.

MARSHIONETTES HAUS STELLENBOSCH, NÖRDLICH VON KAPSTADT

Ich ging ins Bad, sah mich im Spiegel an

und sagte mir: "Du siehst nicht aus wie diese Leute.

Du siehst wie die Familie deines Vaters aus.

Du siehst aus wie... Du bist Miché."

Ich weinte mich in den Schlaf.

In diesen 24 Stunden hatte ich das Gefühl,

dass das weitere Leben aller um mich herum

davon abhing, was bei diesem Test herauskam.

Morné und ich ließen den Test machen. Ich konnte nicht schlafen.

Mom und ich redeten die ganze Nacht.

Ich sagte: "Mom, was ist, wenn sie wirklich meine Tochter ist?

Was sage ich ihr nur?

Ich muss alles über sie wissen,

wie sie mit eins war, wie sie mit zwei war.

Ich will alles über ihr ganzes Leben wissen."

Und um zwölf Uhr

am 25. Februar 2015

erhielt ich den Anruf.

Mit 99,96-prozentiger Wahrscheinlichkeit

ist Miché die Tochter von Morné und Celeste Nurse.

DIE ELTERNSCHAFT VON M. NURSE UND C. NURSE KONNTE BESTÄTIGT WERDEN.

Er sagte: "Celeste?", ich sagte: "Ja?"

"Sitzen Sie?"

Ich sagte: "Nein, ich stehe."

"Celeste, sie werden wieder Mutter."

ENDERGEBNIS: ALLE 15 MARKER WURDEN IDENTIFIZIERT.

Das Telefon fiel mir aus der Hand, und ich brach in Tränen aus.

Ich konnte nicht aufhören zu weinen.

Ich wusste nicht... Die ganze Welt war verändert.

Ich war glücklich und gleichzeitig traurig.

GESTOHLENES BABY NACH 17 JAHREN WIEDERGEFUNDEN

Marshionette sagte mir: "Du bist das Baby Zephany."

Ich saß einfach nur da...

Ich stand komplett unter Schock.

Ich saß da, und Marshionette fing an zu weinen.

Sie rief ihren Mann und erzählte es ihm.

Ich fragte sie: "Warum weint ihr?

Ich bin diejenige, die weinen sollte."

Als ich aus der Schule kam, rief sie mich an.

Ich fragte sie: "Woher hast du die Nummer?"

Sie sagte: "Ich habe dir etwas viel Wichtigeres zu sagen.

Ich bin deine vermisste Schwester."

Ich schrie, ich war so aufgeregt. Ich freute mich total.

Ich war total durch den Wind und nervös.

Ich dachte, wenn ich mich so fühle, wie geht es dann erst meinen Eltern?

Es war unglaublich.

Es war wunderschön. Man kann das gar nicht beschreiben.

Es war so eine unglaublich große Freude.

Ich zitterte, ich war nervös, extrem nervös.

Sie sah mich nur komisch an und war verängstigt.

Wir fingen an, miteinander zu reden. Ich starrte sie die ganze Zeit an.

Sie sagte: "Starr mich nicht so an. Das ist komisch."

Ich sagte: "Ich kann nicht anders. Du bist mein Kind.

Ich habe dich zur Welt gebracht."

Ich sah sie mir von oben bis unten an.

Ich sagte: "Wow, sieh dich nur an.

Hast du alle Finger und Zehen? Hast du irgendwelche Narben?

Wurdest du gut umsorgt?"

Das war der beste Moment meines 38-jährigen Lebens.

Der beste.

DNA BESTÄTIGT, DASS SIE DAS ENTFÜHRTE BABY IST

ZEPHANY NACH 17 JAHREN GEFUNDEN

Die mutmaßliche Entführerin von Zephany Nurse,

die sie 17 Jahre lang als ihre eigene Tochter aufzog,

wurde verhaftet.

Die Tochter, nach der sie gesucht hatten,

lebte nur wenige Kilometer entfernt.

Ich kann es immer noch nicht fassen.

Es ist immer noch so überwältigend. Es ist...

Als würden wir träumen. Nach über 17 Jahren ist sie zurück.

Es ist einfach...

Sie spricht Celeste als "Mommy" an

und mich als "Daddy".

Sie kann nicht fassen, dass sie so eine junge Mutter hat.

Sie akzeptiert uns also.

Und wir sind... Ja...

Ich holte sie ab und brachte sie nach Hause.

Ich fuhr zum Haus meiner Oma in Mitchell's Plain, und da war sie.

Ich rannte zu ihr und fiel ihr in die Arme.

Sie umarmte mich.

Alle freuten sich so, dass sie da war.

Mein einziger Gedanke war:

Meine Familie ist wieder zusammen.

Davon hatte ich mein ganzes Leben lang geträumt.

Dafür hatte ich jahrelang gebetet.

Es war ans Licht gekommen. Fall abgeschlossen.

So stellte ich es mir an dem Tag vor: Meine Familie ist komplett.

Ich wollte sie treffen, weil ich dachte,

ich würde zu ihnen so eine Verbindung wie zu Cassidy spüren.

Aber diese Verbindung war nicht da.

Sie waren ganz aus dem Häuschen, und sie weinten.

Aber ich wollte in diesem Moment einfach nur nach Hause.

Ich wollte zu meiner Mom.

Und sie sagten, dass sie leider verhaftet wurde.

Ich musste es jemandem erzählen, den ich kenne.

MICHÉS/ZEPHANYS NICHTLEIBLICHER VATER

Ich war einfach...

geschockt und sprachlos.

Wie konnte das sein? Sie war doch meine Tochter.

Sie konnte doch nicht das vermisste Kind sein,

nach dem sie suchten.

Ich fuhr nach Hause, ging rein,

sah mich um und dachte: "Ich komme in ein leeres Haus."

Ich sagte mir: "Ich komme in ein leeres Haus."

Ich legte mich ins Bett und weinte ein wenig.

Ich weinte einfach nur.

Denn...

ich konnte nicht fassen, dass mir das passierte.

Ich verstand das nicht. Was war los?

Da dachte ich das einzige Mal: "Wo ist meine Familie?"

Zu wem wird sie ziehen, wenn sie sich entscheiden muss?

Im Moment ist es so, wie ich schon sagte,

dass alles noch sehr frisch und sehr emotional ist.

Also...

bitte ich um Ihr Verständnis dafür, dass ich das noch nicht beantworte.

Danke.

Ich weiß noch, wie Morné in Tränen ausbrach.

Und ich saß nur da und fühlte mich schlecht.

Denn wäre es mein Kind, das mir sagen würde,

dass es bei den Kidnappern leben will,

würde ich natürlich auch weinen und wütend sein

und fragen: "Warum willst du nicht zu mir?"

Morné und Celeste waren nicht mehr zusammen.

Aber wenn Miché zu Besuch war, waren sie zusammen.

Das war so lange gut, bis einer nach Hause gehen musste.

Und das war zu viel für sie.

Es war schwer für mich zu hören,

dass sie geschieden sind.

Also wollte ich wieder nach Hause.

Ich fühlte mich sehr schuldig.

Aber ich traf diese Entscheidung, weil es das war, was ich brauchte.

Ich brauchte diese Stabilität.

Schließlich war mein Leben umgeworfen worden.

Ich wusste immer, wenn Zephany nach Hause kommt...

wird der Schmerz erst richtig beginnen.

Wir hatten nicht damit gerechnet, wie es ausging.

Wir wollten wirklich unsere Familie komplett machen.

Sie würde nach Hause kommen, Cassidy hätte eine Schwester.

Sie waren ja schon beste Freundinnen.

Sie würde uns kennenlernen. Aber wir dachten nicht an die Folgen.

Die Sache hatte einen Preis.

Ich musste meinen Kindern erklären:

Wir können sie sehen, aber es wird anders sein.

Sie will uns vielleicht nicht sehen.

Wir müssen das also Schritt für Schritt angehen.

Ich fragte mich:

"Warum empfinde ich so für dieses Kind?

Warum fühle ich mich so? Ich kenne dieses Kind doch gar nicht.

Warum belastet es mich, dass sie zu ihnen zurückwill?

Warum werde ich emotional?"

Mir wurde klar, warum ich emotional wurde.

Weil sie meine Tochter ist.

Das Verfahren am High Court von Westkap

im Fall der entführten Zephany Nurse beginnt heute.

ACHT MONATE SPÄTER BEGINNT LAVONA SOLOMONS PROZESS

MICHÉ HAT ENTSCHIEDEN, IHRE IDENTITÄT NICHT PREISZUGEBEN

Der Fall sollte am High Court verhandelt werden.

Ihr wurden drei Anklagepunkte zur Last gelegt.

Der erste war die Entführung.

Der zweite war der des Betrugs.

Und laut Children's Act ist es auch ein Vergehen,

ein Kind fälschlich für das eigene auszugeben.

Der erste Tag dieser Verhandlung war...

Die Suche nach Zephany hatte die Öffentlichkeit bewegt.

Es war, als wäre auch ihr Kind wiedergefunden worden.

Alle hingen jedem einzelnen Zeugen an den Lippen.

Das Interesse war groß.

GERICHTSREPORTERIN

Darüber wollten alle Gerichtsreporter berichten.

Ich hasste es im Gericht.

Ich hasste es, mit der Presse zu reden.

Ich wollte diese Frau und ihre Familie nicht sehen.

Klau mir mein Fahrrad...

und ich verzeihe dir, Kumpel.

Klau mir meinen Wagen, ich verzeihe dir.

Aber wer jemandes Tochter stiehlt, stiehlt ihm das Herz.

Ich kann keine Nachsicht üben bei jemandem, der so was getan hat.

Morné Nurse war sehr leidenschaftlich.

Man spürte, dass er was zu sagen hatte.

Er hatte seine Tochter verloren.

Das Ganze ist doch ein Witz.

Wir und die ganze Welt wissen,

dass die Gerechtigkeit am Ende siegen wird.

Als Celeste all die Erinnerungen hervorholte,

brach sie zusammen, und das Gericht vertagte sich.

Sie fragten mich: "Celeste, Sie haben dieser Frau vergeben?"

Ich sagte: "Ja, das habe ich. Ich lebe mein Leben weiter."

MUTTER DANKT KINDESENTFÜHRERIN

Aber an dem Tag, als ich aussagte,

lachte und lächelte sie.

Sie zeigte keinerlei Reue.

Dieser Moment hat alle schockiert.

Keiner wusste, warum sie sich so verhielt.

Wollte sie nicht hören, was Celeste zu sagen hatte?

War es zu schwer für sie, es zu hören?

Nur Lavona weiß,

was ihr durch den Kopf ging und warum sie das tat.

Ich war schockiert.

"Ist das die Frau, die meine Tochter aufzog?"

Als ich meine Mom zum ersten Mal im Fernsehen sah,

versteckte sie ihr Gesicht in einem Hoodie,

und sie sah nicht wie sie selbst aus.

Es hat mich verletzt, sie so zu sehen.

Das war nicht die Mutter, die ich kannte.

Das war nicht die Mutter, von der ich großgezogen wurde.

Es war sehr hart für mich, all das Negative zu lesen.

Es beeinflusste meine Beziehung zu meinen leiblichen Eltern.

Daran besteht kein Zweifel.

Ich hatte dadurch...

das Gefühl...

Es sorgte komischerweise dafür, dass ich meine Mom noch mehr liebte.

Können Sie das Leid nachvollziehen, das Sie der Familie Nurse zufügten?

Ich wusste nicht, dass sie gestohlen worden war.

Ich weiß nicht, was sie durchgemacht haben.

Sie verurteilen mich, aber ich vergebe ihnen.

DER STAAT GEGEN LAVONA SOLOMON

Als Lavona in den Zeugenstand kam,

konnten wir zum ersten Mal die Frau hören,

die Zephany all die Jahre großgezogen hatte.

KREUZVERHÖR DURCH MS. KORTJE

Lavona Solomon hatte sich eine Version zurechtgelegt,

und bei der blieb sie.

WANN ERFUHREN SIE, DASS SIE SCHWANGER SIND?

IM SEPTEMBER.

- HABEN SIE ES MICHAEL GLEICH GESAGT? - MEINER SCHWESTER, DANN IHM.

Sie sagte aus,

dass sie 1996 schwanger geworden war

und dann eine Fehlgeburt hatte.

Von der Fehlgeburt erzählte sie Michael nichts.

SIE SAGTEN ES DEM VATER NICHT?

NEIN.

ALSO DACHTEN ALLE, SIE WÄREN NOCH SCHWANGER?

RICHTIG.

WIE KONNTEN SIE IHNEN VORMACHEN, NOCH SCHWANGER ZU SEIN?

ICH WAR DICK.

Sie sagte, sie traf im Tygerberg Hospital

eine Frau namens Sylvia.

Sylvia wollte ihr helfen, schwanger zu werden.

Sie hätten aber auch über Adoption gesprochen.

Die sollte um die 3.000 Rand kosten.

ES WAREN 3.000 FÜR DIE ADOPTION.

- SIE HABEN FÜR DAS BABY BEZAHLT? - JA, HABE ICH.

Dann sollte sie Sylvia am Bahnhof Wynberg treffen.

- SIE GINGEN ALLEIN HIN? - JA.

- UM SYLVIA ZU TREFFEN? - RICHTIG.

Stattdessen erschien eine andere Frau mit einem Baby.

SIE NAHMEN DAS BABY MIT?

JA, MIR WURDE GESAGT, DIE MUTTER WOLLTE DAS BABY NICHT.

Seit wann kauft man in Südafrika ein Baby an einem Bahnhof?

Sie hatte 17 Jahre Zeit, sich zu überlegen,

was sie den Leuten sagen würde,

wenn herauskommt, dass sie Zephany Nurse gestohlen hat.

Die Angeklagte machte ihre Aussage ruhig und gefasst,

bis sie erzählte,

dass sie Zephany zuletzt am Tag ihrer Verhaftung sehen durfte,

im Februar 2015.

Sie weinte so sehr, dass sich das Gericht vertagte.

LAVONA SAGT AUS,

DASS SIE DIE FEHLGEBURT VIER MONATE VOR IHREM MANN GEHEIM HIELT

EUER EHREN, MEIN NÄCHSTER ZEUGE IST MICHAEL SOLOMON.

Ich setzte oder legte mich abends immer zu ihr.

Und dann...

fühlte ich immer ihren Bauch.

Ich legte meine Hand drauf und spürte die Bewegungen.

Darum hielt ich sie für schwanger.

WIE VERÄNDERTE SICH LAVONAS KÖRPER?

- WAS VERÄNDERTE SICH? - IHR BAUCH.

Aber was dann passierte, hat sie mir nicht erzählt.

Sie kam mit dem Baby nach Hause, und...

Michael freute sich über sein Kind.

Als ich eines Abends von der Arbeit kam,

rief sie mich an und sagte, ich soll kommen, das Baby ist da.

Dann kam ich mit meiner Mutter hin,

und wir sahen das Baby.

ALS SIE SIE AM 30. APRIL 1997 SAHEN, WAR ES IHRE TOCHTER?

DAS IST RICHTIG, JA.

Sie sah aus wie ein Engel, so rein, jung und unschuldig, wie sie da lag.

HAT LAVONA NIE GESAGT, DASS SIE SIE ADOPTIERT HAT?

NEIN, NIE.

Ich hatte nie daran gezweifelt, dass sie mein Kind ist.

In meiner Familie gibt es Kinder,

die aussehen wie sie.

LAVONA SAGTE, DAS WÄRE IHR KIND, UND NUN IST ES NICHT SO?

ICH BIN AM BODEN ZERSTÖRT.

LAVONA HAT SIE 18 JAHRE LANG ANGELOGEN, RICHTIG?

RICHTIG.

Ich war so verwirrt, und sie sagte:

"Mach dir keine Sorgen. Alles wird gut."

Und ich glaubte ihr.

Was machte er auf Sie als Vater für einen Eindruck vor Gericht?

Ich halte ihn ehrlich gesagt für einen Knallkopf.

Wenn eine Frau einem neun Monate lang eine Schwangerschaft vormacht,

würde ihr jeder Vater auf die Schliche kommen.

Ich halte ihn also für einen Idioten.

Das reicht für heute.

Die Beziehung zu meinem Vater, der mich großzog, verfestigte sich.

Ich hatte das Gefühl, niemandem vertrauen zu können.

Und er war immer noch als Vater für mich da.

Er hätte mich auch im Stich lassen

und sagen können: "Geh zu deinen leiblichen Eltern."

Er blieb bei meiner Mom,

obwohl es so erniedrigend und kränkend ist,

was die Leute über ihn denken.

Und Morné konnte nicht mal bei Celeste bleiben.

Dabei hatte sie Krebs und drei weitere Kinder.

Ist das nicht Grund genug, bei ihr zu bleiben?

ALS DAS URTEIL NÄHERRÜCKT,

BRICHT MICHÉ DEN KONTAKT ZU IHREN LEIBLICHEN ELTERN AB

Morné Nurse sagte, dass es ihm wehtut,

keine Beziehung zu seiner Tochter zu haben.

Morné, wann sehen Sie Zephany?

Ich weiß es nicht. Keine Ahnung.

VERSTOSSENE MUTTER CELESTE NURSE: ZEPHANY WILL MICH NICHT SEHEN

SIE LIEBT NOCH IHRE ANDERE MUTTER

Ich dachte über Morné und Celeste,

dass es ihnen nur ums Geld, ums Rampenlicht und die Medien ginge.

So dachte ich darüber.

Und diese Denkweise war beeinflusst

durch viele andere Stimmen, die gegen sie waren.

Morné muss heute wieder in den Zeugenstand treten.

Er muss das Trauma und den Schmerz

noch mal durchleben, was nicht angenehm ist.

Aber...

wir schaffen es da durch.

Im Zephany-Nurse-Entführungsprozess an Kapstadts High Court

ruft der Staat heute

seine Star-Zeugin auf.

Man erwartet, dass Mrs. Shireen Piet sagt, die Angeklagte habe

ihre Tochter aus dem Groote Schuur Hospital entführen wollen,

einen Tag bevor Zephany Nurse verschwand.

Einer der wichtigsten Punkte in diesem Prozess

war die Identifizierung der Angeklagten.

Mrs. Piets Kind war eigentlich die erste Wahl der Angeklagten,

und nicht Miché.

Mrs. Piet sagte aus, dass sie Lavona um Geld bat,

um zu telefonieren.

Dann sah sie Lavona am Fahrstuhl mit ihrem Kind.

Mrs. Piet fragte sie: "Warum tragen Sie mein Baby?"

Dann nahm sie es ihr sofort ab.

Doch Mrs. Piet dachte sich gar nichts bei diesem Vorfall.

Aber am nächsten Tag wurde ihr alles klar:

"Es wäre mein Baby gewesen."

Gerichtspräsident John Hlophe fragte Mrs. Piet:

"Ist die Frau, die Sie damals sahen, heute hier anwesend?"

Und sie antwortete: "Ja."

Es wurde ganz still im Saal.

Meine Augen wanderten vom Richter zur Angeklagten,

zur Zeugin und zum Zuschauerrang, um alle Reaktionen mitzukriegen.

Er bat sie, auf sie zu zeigen. Und sie zeigte auf Lavona.

TAG DES URTEILSSPRUCHS

Das Urteil im aufsehenerregenden Zephany-Nurse-Fall

wurde heute im Cape High Court gesprochen.

Gerichtspräsident John Hlophe

beschrieb die Aussage der Angeklagten als verblüffend.

Er sagte: "Man muss kein Genie sein,

um zu begreifen, dass Ihre Version ein Märchen ist.

Und ich strafe es mit der Verachtung, die es verdient.

Sie sind schuldig in allen drei Anklagepunkten."

Kautionshinterlegung wurde ihr verwehrt.

Sie wurde in die Zelle gebracht.

RICHTER BEENDET "TAGE DER LÜGEN"

"LÜGNERIN, LÜGNERIN", SIE HABEN DAS MÄDCHEN NICHT GEKAUFT

ZEPHANY-ENTFÜHRERIN: ICH WÜRDE ES WIEDER TUN

Auf einmal ist deine Mom nicht mehr deine Mom, sondern eine Kriminelle.

"Wie kannst du nur eine Kriminelle lieben?

Wie kannst du es wagen zu sagen, du liebst sie und sie ist deine Mom?

Diese Frau hat dich gestohlen und deiner Familie entrissen."

Ja, aber ich kannte 17 Jahre lang nur diese Mutter.

Und es ist nicht meine Schuld,

dass ich nichts anderes aus meiner Kindheit kenne.

Meine Mom hatte es sehr schwer als Kind.

Ihre Mutter war oft weg.

Sie musste mit zwölf für die Familie sorgen.

Ich weiß nicht, wie sie das machte.

Meine Mutter sagte vor Gericht aus,

dass ihr erster Mann sie missbrauchte.

Sie musste sich vor ihm verstecken.

Sie bekam ihr erstes Kind, als sie noch sehr jung war.

Ich glaube, das Baby starb, als es etwa sechs Wochen alt war.

Sie erzählte mir, dass sie seitdem Schwierigkeiten hatte,

ein Kind vollständig auszutragen.

In der Gegend, aus der sie kam,

gibt es viel Armut.

Dort treiben sich viele Kinder auf der Straße herum.

Und dann sieht man sich Miché an.

Sie wuchs zu einer tollen jungen Frau heran.

Ich denke, wir können daraus schließen,

dass es diesem Kind gut ging.

Ich hatte eine normale Kindheit.

Meine Mutter hat mich verwöhnt.

Und mein Vater fand alles toll, was ich tat.

Alles, was sie von mir erwarteten, war:

"Mach die Schule zu Ende.

Bring es zu etwas im Leben. Mehr verlangen wir nicht."

Das war alles.

Lavona verschaffte ihr die beste Ausbildung,

die sie ihr damals ermöglichen konnte.

Alle Kleider, die sie trug, wurden von ihrer Mutter entworfen.

Was Miché wollte, bekam Miché.

Ich kenne Miché Solomon aus meinem Afrikaans-Unterricht.

Ich erkannte,

dass Miché ein tiefes Vertrauen hatte,

Liebe für andere Menschen und Respekt.

Und Lavona als ihre Mutter brachte ihr das offensichtlich bei.

Ich denke, dass sie eine gute Frau ist.

Sie half immer ihrer Familie.

Sie half immer bedürftigen Kindern auf der Straße.

Sie gab ihnen immer Essen.

Sie war die große Schwester, die Mutter vom Dienst

unserer gesamten Familie.

Die Leute fragen sich, warum sie das tat.

Irgendwas muss sie dazu gedrängt haben...

Vielleicht drängte sie etwas in ihrem Herzen dazu,

gerade dieses kleine Kind mitzunehmen.

Wie ich gehört habe,

war ihre Beziehung damals wohl nicht gut.

Sie trennten sich immer wieder.

Und darum versuchte sie vielleicht, ihren Mann zu halten,

indem sie ihm sagte, sie sei schwanger.

Und es funktionierte.

Ja, sie wirkte wie jemand, der sich um andere kümmert

und anderen hilft,

aber sie muss das Heft in der Hand haben.

Sie will die Person sein, die die Regeln vorgibt

und alle anderen manipuliert.

Sie stahl dieses Baby für sich selbst.

Lavona Solomon hat ein Leben gestohlen.

Sie stahl das Leben von Zephany Nurse.

Wie Richter Hlophe sagte,

sie löschte das Leben von Zephany Nurse.

ZEPHANYS IDENTITÄT "GELÖSCHT"

STAAT FORDERT ZEHN JAHRE HAFT UND GELDSTRAFE FÜR "ABSCHEULICHE" TAT

Sie dachte dabei an niemanden, nicht mal an Michael.

Sie dachte dabei nur an sich selbst.

Und darum stahl sie das Baby.

Bei Mord existiert die Person nicht mehr.

In diesem Fall existiert die Person zwar noch,

doch die Identität und das Wesen dieser Person existieren nicht mehr,

weil die Angeklagte ihr beides nahm.

Es gibt jetzt nur "Miché Solomon, auch bekannt als Zephany".

In einer nur 15-minütigen Sitzung wurde die Frau,

der die Entführung von Zephany Nurse vor 17 Jahren zur Last gelegt wird,

heute zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Richter John Hlophe sagte, sie zeige keine Reue,

und es sei klar, dass die Tat vorsätzlich begangen wurde.

ZEHN JAHRE GEFÄNGNIS FÜR BABY-ENTFÜHRERIN

Es war sehr schwer, sie zu verlieren.

Es ging so schnell. Innerhalb eines Tages verlor ich sie.

Schluchzer hallten durch das Gerichtsgebäude.

Ich fühle mich ekstatisch.

Ich fühle mich gut.

Denn die Gerechtigkeit wird siegen. Das haben wir immer gesagt.

Wir haben 18 Jahre geweint.

Sollen sie da drinnen weinen. Sollen sie weinen.

Der Mann, der Zephany großzog und bei dem sie noch wohnt,

wirkte geschockt.

Kein Kommentar. Kein Kommentar.

Wir freuen uns riesig.

Es sind anderthalb Jahre vergangen.

Wir sind zufrieden mit dem Ausgang des Prozesses.

Der Staat hat entschieden. Wir hatten damit nichts zu tun.

Wir haben nur unsere Tochter gefunden.

Hören Sie auf damit!

Lassen Sie unsere Familie in Ruhe!

Sie werden nichts von Zephany haben!

Sie werden nichts von Zephany haben.

Sie liebt sie nicht.

Sie liebt sie nicht.

Sie liebt sie nicht.

Die kümmern sich auch nicht um sie.

Sie ist ihnen egal.

Es geht hier doch nicht um unsere Familien,

sondern um Zephany.

Lasst sie!

Komm, gehen wir.

Du wirst nie besser sein als meine Mutter.

Dass du sie mir wegnimmst, bringt mich dir kein Stück näher.

Um der Rache willen wurde ihre Tat geahndet.

Sie ist im Gefängnis.

Aber wirst du je deine Tochter haben?

Ich bin am Boden zerstört,

weil ich meine Tochter erneut verloren habe.

Keine Anzahl von Jahren kann sie zurückbringen!

NACH DEM PROZESS KLINGT CELESTES KREBSERKRANKUNG AB

MICHÉ GIBT IHRE SCHWANGERSCHAFT BEKANNT

MICHÉ UNTERSCHREIBT EINEN VERTRAG MIT EINEM VERLAG,

UM IHRE EIGENE GESCHICHTE ZU ERZÄHLEN

Also, bei diesem Entstehungsprozess

eines Buchs über deine Geschichte

in deinen eigenen Worten

geht es darum,

die ganze Wahrheit zu sagen: "So war es wirklich."

Was würdest du gern korrigieren?

Ich würde gern vermitteln,

dass meine Mom, die mich stahl, nicht perfekt ist,

aber meine leiblichen Eltern genauso wenig.

Die Welt wird sie immer als die "Baby-Entführerin" kennen.

Aber auch gute Menschen tun nun mal böse Dinge.

Sie messen immer nur die guten und bösen Taten.

Und...

ich wünschte, ich könnte ändern, wie die Welt über sie denkt.

Findest du, dass Celeste und Morné dir gegenüber Verpflichtungen haben,

da du ihre Tochter bist?

Oder haben sie keine, weil du ihnen ja genommen wurdest?

Es wäre schön, wenn sie diese Rolle für mich einnehmen könnten.

Aber ich kann mich auf sie als Eltern nicht verlassen, wirklich nicht.

Es hat keinen Sinn, den Medien zu sagen:

"Ich will mein Kind", und zu weinen,

wenn die Realität anders aussieht.

Sie melden sich monatelang nicht. Sie fragen nicht, wie's mir geht.

Solche Dinge. Wir...

Entschuldigung. Das wird mein Dad sein.

Ich führe noch das Interview, Daddy.

Du wartest draußen?

Okay, gut. Nein, schon gut. Wir sind gleich fertig.

Bis dann.

Wir sind füreinander da.

Wir unterstützen uns.

Er ist der einzige Mensch, dem ich vertrauen kann.

LAVONA SITZT IN EINEM GEFÄNGNIS NÖRDLICH VON KAPSTADT

Keine Mutter plant, alleinerziehend zu sein.

Mein Dad sagte, er wird mir den Rücken freihalten.

Ich hatte sehr viel Angst.

Eigentlich will man, dass die Mutter beim ersten Kind dabei ist.

Aber mein Dad war da. Mehr brauchte ich nicht.

Lavona rief mich an, als ich gerade in den Wehen lag.

Sie sagte: "Du musst stark bleiben. Ich wünschte, ich wäre da."

Ich konnte nicht richtig sprechen, weil ich solche Schmerzen hatte.

Wenigstens war sie...

Wenigstens war sie so ein bisschen beteiligt.

Die Identität des berühmtesten Entführungsopfers Kapstadts,

Zephany Nurse, wurde nun enthüllt.

Heute erscheint ihre Autobiografie,

mit der sich die in Steenberg lebende Miché Solomon zu erkennen gibt.

ZEPHANY: MEIN LEBEN ALS MICHÉ

"Seit fast zwei Jahrzehnten wurde uns die Geschichte von Zephany Nurse

aus jeder Perspektive bis auf die von Zephany Nurse erzählt.

Zephany ist ein Hirngespinst in Baby-Gestalt,

das durch ein Trauma in die Erinnerung eingebrannt wurde.

Miché Solomon jedoch ist aus Fleisch und Blut.

Sie ist das Herzstück der Geschichte.

Der Zweck dieses Buchs ist es,

einige der klaffenden Lücken der Geschichte zu füllen.

Es soll über die kryptischen Schlagzeilen

und die sensationsgierigen O-Töne hinausgehen."

Sie ist Stadtgespräch,

bitte begrüßen Sie Miché Solomon alias Zephany Nurse.

Willkommen in der Show.

ICH HEISSE MICHÉ.

- Jetzt ist Ihre Zeit... - Ja.

Ich kann endlich aussprechen, was ich so lange zurückgehalten habe.

Ich kann meine Geschichte erzählen.

Magst du große Partys oder eher kleinere Runden?

- Kleine Runden. - Worüber musst du lachen?

- Witzige Menschen. - Worüber musst du weinen?

Mein Leben. Ja.

Ihre Geschichte ist echt außergewöhnlich.

Sie sind, wer Sie sind,

sind aber nicht die, für die Sie sich hielten.

Ja, manche finden das sehr verwirrend.

Wie ich im Buch sage,

ich behalte den Namen Miché

als Erinnerung an die Person, die ich war.

Und Zephany ist komischerweise die Person, die ich bin.

MEIN LEIBLICHER VATER IST EIN HOFFNUNGSLOSER FALL

ZEPHANYS BUCH BRACH MIR DAS HERZ

Ihren leiblichen Vater Morné mögen Sie nicht besonders,

das wird in Ihrem Buch deutlich.

Es ist nicht so, dass ich ihn nicht besonders mögen würde.

Ich wollte nur sagen, manchmal wünschte ich mir,

er würde mit Situationen mehr so umgehen wie Michael,

einfühlsamer und verständnisvoller...

Sie sagen in Ihrem Buch, Sie denken,

Sie wären bei Morné und Celeste keine so optimistische Frau geworden.

Ich habe akzeptiert, dass sie gebrochene Leute sind.

- Und wissen Sie... - Weil sie Sie verloren haben.

Ich schrieb ihr und fragte sie:

"Warum sagst du in dem Buch so was über unsere Eltern?

Sie sind doch gute Menschen.

Wenn du etwas brauchtest, waren sie für dich da."

Ich habe ihr gesagt: "Es wäre besser, wir hätten dich nicht gefunden."

Denn wie du großgezogen wurdest, unterscheidet sich komplett davon,

wie ich großgezogen wurde.

Du wirkst wie ein anderer Mensch." Aber ich liebe sie trotzdem.

MORNÉ IST ZU SEINER FREUNDIN GEZOGEN, MIT DER ER EINE TOCHTER BEKOMMEN HAT

Miché und ich...

haben derzeit keinerlei Kontakt.

Ich habe wegen dieser Sache mit Problemen zu kämpfen gehabt.

Und andere Menschen leiden wegen...

wegen meiner Probleme.

Also...

Heute bereue ich es, sie gefunden zu haben.

Ich habe genug davon, dass mir Leute sagen, wer ich bin.

Es fällt ihnen schwer zu verstehen, dass dieses Kind ein Leben hatte.

Als Miché fühlte ich mich nie verloren.

Es hat sich auf uns alle ausgewirkt, was eine Person getan hat.

Aber es hat sich auf jeden anders ausgewirkt.

Und unsere Schmerzen und Geschichten unterscheiden sich.

Es gibt kein Happy End, weil allen wehgetan wurde.

Allen.

Lavona ist im Gefängnis.

Das verletzt auch ihre Familie.

Wir wissen nicht, ob Michael etwas wusste.

Er kann nicht gewinnen, genauso wenig wie Lavona.

Meine Mutter und mein Vater können noch nicht vergeben.

Sie sind immer noch verletzt. Sie kriegen die 17 Jahre nie zurück.

Meine Schwester kann nicht gewinnen, weil sie zwischen den Stühlen sitzt.

Sie hat jetzt hier eine Familie und da eine Familie.

Das ist verwirrend. Sie versucht noch, sich zu finden.

Und ich sitze auch zwischen den Stühlen,

weil ich immer noch daran arbeite,

die Beziehung zu meiner Schwester zu kitten.

Ein Hin und Her.

So sieht es aus.

Sophia.

Sie kennt ihren Namen.

Ich war bei der Geburt von Sophia nicht dabei.

Ich erfuhr drei Tage nach ihrer Geburt davon.

Ich war total sauer auf Miché, aber ich zeigte es ihr nicht.

Michael war bei der Geburt dabei.

Aber als ich Sophia sah, war ich sofort verliebt in sie.

Ich sagte, sie sieht aus wie Zephany als Baby.

Man sieht, dass...

dass Miché es genießt, Mutter zu sein.

Sie braucht aber auch Unterstützung. Von einer Mutter.

Denn sie wurde ins kalte Wasser geworfen.

Plötzlich muss sie...

Im einen Moment war sie noch ein Teenager

und im nächsten ist sie Mutter und hat ein Kind zu versorgen.

Sie braucht meine Unterstützung und Hilfe.

SOPHIAS ERSTER GEBURTSTAG FEBRUAR 2018

Großes Mädchen.

Gott brachte uns Sophia,

damit ich eine Beziehung zu Miché aufbaue.

Durch die Geburt von Sophia

konnte ich die Beziehung zu meiner leiblichen Mutter retten.

All die Liebe, die sie mir nicht geben konnte,

gibt sie jetzt meinem Kind.

Sie will schlafen.

Nach all den Jahren fangen wir an, zueinanderzufinden.

Wir lernen einander kennen.

Michaels Geschwister sind gute Menschen.

Ich kann nicht sauer auf sie sein. Sie haben ja nichts getan.

Ich habe mich gefragt,

ob mein Dad von der Lüge wusste.

Ich habe ihn gerade erst letzte Woche gefragt...

"Daddy, wieso wusstest du nichts?"

Er sagte: "Fragst du das schon wieder?

Wie oft habe ich es dir schon gesagt? Ich wusste es wirklich nicht.

Zweifelst du an mir?"

Wenn doch herauskommen sollte, dass er es wusste...

tja...

das wäre echt hart.

Weil ich nur ein Mensch bin. Er ist ja mein Vater, den ich liebe.

Der Lockdown...

Ich sagte mir, ich werde einfach mein Leben leben,

Zeit mit meiner Familie verbringen und meiner Tochter näherkommen.

Daran wollte ich arbeiten.

2020 TRENNT SICH MORNÉ VON SEINER PARTNERIN

Michael und ich hatten einen Streit, einen ziemlich schlimmen.

Ich sagte ihm, dass ich Urlaub bei Morné mache.

Wir wohnten alle in einem Haus: sie, Joshua und ich.

Es waren, glaube ich, drei Wochen.

Celeste kam auch dazu, und wir waren als Familie zusammen.

Es fühlte sich so gut an,

meine Familie unter einem Dach zu haben.

Es brachte uns einander sehr viel näher.

Sie haben mir Dinge erzählt, die ich vorher nicht wusste,

über die sie nie sprachen.

Darüber, wie sie nach mir gesucht hatten.

Wäre ich nicht gestohlen worden, wäre mein Leben auch gut gewesen.

Sie warteten auf mich, sie waren bereit für mich.

Sie änderten ihr Leben, um mich zu bekommen.

Je besser ich sie kennenlernte,

desto eher fühlte es sich bei ihnen wie zu Hause an.

Ich bekam allmählich dieses Zuhause-Gefühl.

Es war einfach schön, sie zusammen zu sehen.

Nach allem, was passiert war, sagte Miché:

"Mommy, ich höre nie auf...

Ich höre nie auf zu versuchen, euch zwei wieder zusammenzubringen."

Und sie hielt dieses Versprechen.

Ich fühle mich wie mit 16.

Vergebung ist eine große Sache.

Ich habe der Frau nicht vergeben, die meine Tochter stahl.

Ich habe Celeste wehgetan und mir selbst noch nicht vergeben.

Ich habe mir die Dinge, die ich tat, nicht verziehen.

Aber ich lerne täglich dazu und bin auf einem guten Weg.

Hiermit erkläre ich die hier anwesenden Morné und Celeste

für rechtmäßig verheiratet.

- Amen. - Amen.

Viele Leute, vor allem in meiner Familie,

haben Morné gehasst.

Aber ich liebe diesen Morné. Ich liebe diesen Morné.

Er hat sich verändert. Das ist der Morné, den ich will.

Wir wurden zusammen erwachsen.

UNSERE HERZEN SIND WIEDER GANZ

Ich kam zu meiner Familie zurück. Ihr Krebs ging weg.

Ich habe wieder eine Beziehung zu ihnen.

Sie haben wieder geheiratet.

Eine zerbrochene Familie ist wieder ganz.

Lavona rief mich aus dem Gefängnis an und fragte mich,

ob Celeste und Morné eine Entschuldigung annehmen würden,

in der sie ihre Tat zugibt.

Ich bin froh über die Beziehung, die ich jetzt zu Miché habe,

und ich habe Angst, das zu verlieren, wenn sie aus dem Gefängnis kommt.

Man soll aus seinem Herzen keine Mördergrube machen.

Und ich will

mir und Lavona kein Grab schaufeln.

Lavona soll nicht die Oberhand über mich gewinnen.

Sie haben uns Schmerz zugefügt, heftigen Schmerz.

Doch andererseits...

wenn sie wirklich und ehrlich Reue zeigt

und wir spüren können, dass sie es wirklich so empfindet,

dann werde ich von meiner Seite aus wohl vergeben können.

Sonst würde ich mich vor Gott schuldig machen,

wenn ich ihr nicht vergebe.

Wir sind alle noch sehr fragil.

Wir haben alle noch vieles mit uns selbst zu klären.

Ich hoffe, wir haben irgendwann unsere eigenen Häuser,

sie wohnt bei sich, ich wohne bei mir,

mit unseren Ehemännern, hoffentlich,

wir haben Kinder und besuchen uns gegenseitig,

gehen mit den Kindern raus in den Park und haben Spaß.

Das wünsche ich mir.

Während sie im Gefängnis ist, verschaffe ich mir Zeit für mich.

Ich warte geduldig auf diesen Tag.

Diesen großen Tag, auf den alle warten.

Das Wichtigste, was ich gelernt habe,

ist, dass man die Wahrheit sagen muss.

Egal, wie düster sie ist, egal, wie hässlich sie ist,

sag die Wahrheit.

Warum ist all das mir passiert?

Ich meine, ich habe nie jemandem was getan.

Ich habe meinen Mann zurück, ich habe meine Tochter zurück.

Und mir ist klar, dass man all das wieder verlieren kann.

Es kann ganz schnell gehen.

Also...

Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt.

Aber ich hoffe,

dass wir darüber hinwegkommen

und jede Minute genießen.

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