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* Dynamische Titelmusik *
Nina Petersen
Karl Hidde
* Nachdenkliche Musik *
* Weckeralarm *
* Tiefe Streichmusik *
Na, Holger, los, los, los, los!
* Pfiff *
* Pfiff *
* Pfiff *
* Zarte Streichmusik *
Holger, was ist los mit dir? - Kann meine Laufbeine nicht finden.
Nicht dein Tag heute? - Ich mache eh Schluss. Tschüss.
Bis morgen.
* Unheilvolles Dröhnen *
* Verheißungsvolle, düstere Musik *
* Glockenspiel setzt ein. *
* Musik wird intensiver. *
* Düsteres Dröhnen *
* Metallisches Quietschen *
Nina? Ja, was ist los?
Es gab eine Explosion in einem Kita-Bus.
Gibt es Tote? Wissen wir noch nicht. Komm.
Dein Riemen.
Hast du gesehen, wie der explodiert ist?
Jetzt ist alles gut. Jetzt sind wir da, ja?
Entschuldige bitte? Mein Kollege kümmert sich um ihn, ja?
Ja, danke.
* Karim seufzt. * Waren da Kinder drin?
Zum Glück nicht.
Der Kleine hat den Kita-Bus verpasst und steht unter Schock.
Nur der Fahrer ist tot. Wieso nur?
Was? Wieso "nur" der Fahrer?
Ich... Vielleicht hat er Frau und Kinder?
Ja, Karl, aber er hatte die Tour erst angefangen,
sonst säßen zehn bis zwölf Kinder drin.
Hat der Junge was beobachtet?
Warum hat der Wagen denn nicht gehalten?
Die ganze Familie hat verschlafen, der Junge hatte einfach nur Glück.
Sprengstoffspuren? Ja, bisher nicht klassifizierbar.
Papiere haben wir bisher nicht gefunden.
Aber laut Kita heißt der Fahrer Sascha Müller, 38 Jahre alt.
War das auch der Halter des Wagens?
Er ist als Fahrer eingetragen, aber Eigentümer ist die Kita.
Wer macht denn das?
Sprengstoffanschlag auf einen Kinderbus?
Ein Arschloch, das keine Kinder hat.
Du hast doch auch keine Kinder.
* Verheißungsvolle Streichmusik *
* Reifenquietschen, Hupe *
Guten Tag. Sind Sie Monika Beckmann?
Tut mir leid, wir haben die Kita heute schließen müssen.
Nina Petersen. Hidde. Kripo Stralsund.
Ach so.
Wo steht der Kita-Bus normalerweise,
wenn es keine Fahrten gibt?
Den hat Sascha immer mit zu sich nach Hause genommen.
Damit er ihn gleich dahatte, wenn er früh rausmusste.
Bitte. Danke.
Der Zweitschlüssel ist hier. Gott sei Dank.
Wer hat einen Schlüssel zu dem Schrank? Nur ich.
Und der ist immer abgeschlossen? Ja.
Sie hatten also Zugang zum Wagen, sonst keiner?
Wie gesagt, niemand.
Sagen Sie mal, ist er denn wirklich so ...
... richtig explodiert, der Wagen?
Darüber dürfen wir Ihnen nichts sagen.
Mein Gott.
In was für Zeiten leben wir eigentlich?
Hat jemand die Kita bedroht? Gab es ungewöhnliche Vorkommnisse?
Nein, nie. Und ich mache das hier seit 30 Jahren.
Was ist mit dem Fahrer, Sascha Müller?
So gut kannte ich Sascha auch nicht. Der kam aus dem Westen.
Hatte er hier Freunde, Verwandte, Familie? Nee.
Das war ein Einzelgänger. Eine Freundin vielleicht?
Ja.
Meine Tochter.
Ach, Ihre Tochter? Jeanette, ja.
Ich habe sie vorhin nach Hause geschickt. Sie arbeitet hier?
Ja, aushilfsweise.
In der Küche.
Da ist ja noch jemand.
Luca. Der Sohn meiner Tochter.
Hallo. Hast du auch eine Pistole?
Mhm. Seid ihr echte Bullen?
Ja, Luca. Aber man sagt Polizisten, sonst sind die traurig.
(Luca) Warum?
Weil "Bulle" ist ein böses Wort.
Wiedersehen. Wiedersehen.
Wiedersehen.
* Französisches Chanson aus Lautsprechern *
Nervös? - Ich? Nein.
Ich war mal einer der meistgesuchten Männer in Europa.
Ich bin doch nicht nervös.
Jaja. Und ich war mal Bond-Girl.
Das Potenzial dazu hätten Sie gehabt, Carmen.
Ja, klar. Danke.
Sie hätten die alle in die Tasche gesteckt.
* Schiebetür geht auf. *
Und? - Alles klar, Rainer.
Kannst du mir das Ticket besorgen? Erster Klasse.
Erster Klasse?
Och, Wölfi, bitte.
Deine Haltung zum Geld. Aber wirklich.
Wieso, was ist damit? - Ah ja...
Du, du musst größer denken.
Sprengstoff, ferngesteuert gezündet.
Dazu braucht es spezialisiertes, technisches Fachwissen.
Die gute Nachricht ist:
Der Sprengstoff ist weder vom TATP-Typus noch HMX.
Das wird besonders häufig von Islamisten und Neonazis benutzt.
Aber auszuschließen ist es nicht?
Bekennerschreiben liegt nicht vor.
Kann ja noch kommen. Ist ja erst ein paar Stunden her.
Wir brauchen dringend mehr Informationen.
Kann ich das mal sehen?
Wollen Sie unbedingt das große Gedeck,
den islamistischen Terroranschlag?
Wie kommen Sie darauf?
Dann sind Sie 24 Stunden im Fernsehen.
Irgendjemand muss ja Rede und Antwort stehen.
* Sie schnauft. * Genau. Und Sie, Herr Hidde?
Wie sieht's bei Ihnen aus?
Haben Sie Ergebnisse, die Sie hier mit der Runde teilen möchten?
Habe ich. Der Tote, Sascha Müller, wollte selber mal Polizist werden.
Er wurde aber während der Ausbildung in Dortmund entlassen.
Weil? Er ist körperlich übergriffig geworden.
Hat beim ersten Einsatz jemandem den Arm gebrochen.
"Labile Emotionsregulation" steht hier. Mhm. Noch was?
Ich telefoniere nachher mit der Polizeipsychologin in Dortmund.
Die darf dir auch nichts sagen. Reden kann man ja.
Gut. Uthman, Hidde, Sie schauen sich die Wohnung des Opfers an.
Ich spreche mit dem LKA
und informiere die Kollegen drüben von der Polizeiinspektion.
Und Sie sprechen mit der Freundin, Jeanette Beckmann.
* Gedämpfte rockige Popmusik *
* Lautsprecher: "Beautiful Day" von U2 *
* Türglocke *
* Musik spielt weiter. *
* Unheilvolle Streichmusik *
* Türglocke klingelt wiederholt. *
* Freiton *
"Hier ist die Mailbox von Holger Meese,
bitte sprechen nach dem Piep."
Ja, hi. Ich bin's. Sag mal, wo bist du denn?
Melde dich mal, wenn du das abhörst. Okay, danke.
Tschüss, Schatz. Tschüss. Tschau.
Ich hatte so ein komisches Gefühl
heute Morgen, als Sascha gegangen ist.
Warum?
Ich weiß nicht.
Wann hat er das Haus verlassen?
Um kurz vor halb sieben muss er immer los.
Wie lange kannten Sie sich?
Acht Monate.
Über die Kita? Mhm.
Hatten Sie Streit?
Nee.
Klar haben wir uns ab und an mal gefetzt.
Was soll die Frage? Worüber haben Sie sich gestritten?
Ja, wir sind halt beide Widder, da knallt's schon mal.
Ja, er war auch viel weg, für sein Training.
Und hat nie gesagt, wo er da rumfährt.
Hatte er Kontakte ins kriminelle Milieu?
Nee, glaube ich nicht.
Ihre Mutter hat gesagt, er war Einzelgänger.
Ja, wir haben alle unsere Narben.
Zum Beispiel?
Ja, sein Vater ist gestorben, als er fünf war.
Das war ein Tabuthema bei ihm.
* Jeanette seufzt. *
Haben Sie öfter bei ihm übernachtet?
Mein Sohn wohnt hier.
Und oben ist jetzt meine Mutter.
War heute Morgen irgendwas anders als sonst?
Nein.
Ich habe nur den ganzen Morgen überlegt,
habe ich die Scheißkaffeemaschine ausgemacht?
(Karim, gedämpft) Karl?
Der Typ hat 37.000 Euro auf dem Konto.
Da musst du lange für arbeiten, wenn du für 8,50 Mindestlohn
fünfmal die Woche 'nen Kita-Bus fährst.
Ziemlich unpersönlich, die Wohnung. Mhm.
Sieht aus, als sei er nicht richtig eingezogen.
Ja, das Haus hat mein Exmann selbst saniert.
Er war Dachdecker. Er konnte alles.
Seit wann sind Sie getrennt?
Als er hier den letzten Nagel eingeschlagen hat,
ist er kurz darauf bei einer Kirchturmsanierung abgestürzt.
Wen müssen wir noch benachrichtigen wegen Sascha?
Niemanden. Ja, seine Mutter ist auch schon tot.
Er war so ein einsamer Wolf.
Wahrscheinlich verstanden wir uns deshalb so gut.
* Jeanette schnieft. *
Was ist? Ich bin in so einer Siedlung aufgewachsen.
Da kannst du keinen Mülleimer runterbringen,
ohne dass das die Leute mitkriegen.
Oder 'ne Sprengladung in 'nen Kita-Bus bauen.
Genau. Du nimmst die linke Seite, ich die rechte.
Darf ich nachher angeln mit Sascha?
Das ... geht heute nicht. - Warum nicht?
Erzähle ich dir, wenn wir zu Hause sind.
* Dialoge überlagert von spannungsvoller Musik. *
Hidde, Kriminalpolizei.
Wir machen eine Nachbarschaftsbefragung. Ja?
Gestern hat ein bunter Transporter da drüben vorm Haus geparkt.
Ja, der Kita-Bus, den kenne ich. Ah, gut.
Haben Sie was Verdächtiges gesehen?
Jemanden, der sich an dem Fahrzeug zu schaffen machte?
Nee. Wieso denn, was ist damit?
Ja, haben Sie? Mein Freund ist heute Morgen damit losgefahren.
Sascha von drüben rief ihn heute früh an,
er hat spontan seine Schicht übernommen.
Was ist denn mit Holger? Ich erreiche ihn nicht.
* Düstere Musik *
Guck mal, da drüben ist Sascha.
Nein, Sascha ist das nicht.
(Luca) Doch, ist er.
Nein, er sieht nur so aus.
Stopp! Halt, das ist Sascha.
Anhalten, bitte.
Komm mit.
* Hupe, Reifenquietschen *
Sascha. Was machst du hier?
Was ist denn los? - Äh, warum bist du nicht tot?
Warum soll ich denn tot sein?
Es kommt gleich noch jemand vom psychologischen Notdienst.
Ich brauche keinen psychologischen Notdienst.
Ich brauche Holger.
Guten Tag. Nina Petersen, Kripo Stralsund.
(seufzt) Ich weiß, das ist jetzt sehr schwer für Sie.
Aber ich muss Ihnen dringend ein paar Fragen stellen.
Wusste noch jemand, dass Holger die Schicht getauscht hat?
Nee, keine Ahnung.
Wo könnte Sascha Müller jetzt sein?
Trainieren vielleicht? Was trainiert er?
Dieses Laufen, Schwimmen, Rad da. Dieses Tri... Wie heißt das?
Triathlon. Ja, genau.
Deswegen musste Holger heute früh los?
Weil Sascha Rad fahren wollte, oder was?
Holger ist tot, und Sascha lebt, der Arsch? Wieso ist er ein Arsch?
Das war nicht so gemeint, Holger mochte ihn ja.
Wo trainiert Sascha denn normalerweise?
Lauftraining ist im "Stadion der Freundschaft".
* Nahendes Motorbrummen *
Dem fällt morgens um 6.25 Uhr ein,
dass er trainieren will, und er sagt niemandem Bescheid?
Das ist ja keine Straftat.
Da müsste ich das halbe Land verhaften.
Und der hat wie viel auf dem Konto? 37.000.
Und arbeitet auf 450-Euro-Basis als Busfahrer für eine Kita?
Der ist eben sparsam.
Und macht einen spontanen Schichtwechsel
ausgerechnet an dem Tag, an dem sein Bus in die Luft fliegt?
Das ist merkwürdig. Was machen Sie da? Runter von der Bahn!
Kripo Stralsund. Wir suchen Sascha Müller.
Wieso, was soll mit dem sein?
Hat der was ausgefressen?
Ist er das?
Ja.
Scheiße, die haben die Schicht getauscht.
Holger ist tot.
Wie war das Verhältnis zwischen den beiden?
Herr Winkelmann. Holger durfte gar nicht fahren.
Er musste doch den Lappen abgeben, weil er nach irgendeiner Feier...
Wusste Sascha das? Ja, klar.
Ja, klar wusste er das. Aber so ist Sascha.
So ein bisschen ein falscher Hund ist er schon.
Sie mögen ihn nicht besonders?
Er ist ein toller Athlet,
aber er passt hier nicht rein mit seinen ganzen modernen Methoden.
Technikkram...
Was ist das für ein "Technikkram"?
(lacht) Der hat diese ganzen Laufprogramme
auf seinem Fitness-Wecker am Arm.
Denen vertraut er mehr als mir.
Mhm. Tja...
Er ist ein Wessi. Wieso ist Sascha ein falscher Hund?
Na, sage ich doch, ein Wessi eben.
Die... Die sind halt anders. Die sind nicht so...
(seufzt) Nicht so solidarisch.
Die tun so, als wären die die besten Freunde,
aber in Wirklichkeit denken die nur an sich.
Könnte denn Sascha etwas mit Holgers Tod zu tun haben?
* Heller Ton *
Man weiß nicht, wem man noch vertrauen kann und wem nicht.
* Absätze klackern. *
Tag. Ah. Hier war der Sprengsatz eingebaut.
Hinterm CD-Spieler in der Klimaanlage.
Mit Zeitzünder. Das waren Profis.
Ja, gut ausgebildet. Die bauen keine Silvesterböller zusammen.
Welche Art von Sprengstoff?
TATB und HMX wurden ausgeschlossen,
wegen der hohen Detonationsgeschwindigkeit.
Es deutet eher auf ältere Bestände hin.
Ältere Bestände? Entweder Semtex H oder PLNP 10.
Ach so, aus NVA-Beständen?
Und mit PLNP 10 haben die sogar in der NVA gekocht.
Ein kleines Klümpchen angezündet, schon sprudelt es im Kochgeschirr.
Gibt die Bombenkonstruktion Hinweise auf die Täter?
Fein gemahlenes Ammoniumnitrat und Holzkohle.
So was gab es das letzte Mal bei RAF-Terroristen.
* Telefonklingeln * RAF? Das ist 40 Jahre her.
Genau, fand ich auch merkwürdig.
Podolski hier.
Ja, ich rufe zurück.
Aber das Beste kommt noch. Hier.
Eine Makarov P-64.
Neun Millimeter. Wieso ist die nicht verbrannt?
Die wurde unter dem Reifen versteckt. Schon abgeglichen?
Ja, damit wurde eine Bank überfallen in Wolgast,
unweit der polnischen Grenze.
Fingerabdrücke? Nee.
Hat man die Täter gefasst? Nie.
Vielleicht kriegen wir sie gemeinsam.
Was war denn das für ein KTU-ler?
Auf jeden Fall hat er ein gesundes Selbstbewusstsein.
(imitiert polnischen Akzent) "Podolski".
* Düsterer Klang *
(Radiosprecher) "...aus Skandinavien
lenkt kalte, aber feuchte Luft nach Mecklenburg-Vorpommern.
Die Temperaturen fallen teilweise auf bis minus 10 Grad.
Immer wieder kommt es zu starkem Schneefall, es bleibt unbeständig.
Das war der Wetterbericht von Radio Stralsund."
* Radiojingle *
Schon die dritte Packung heute.
Ja. Und?
Ist doch zuckerfrei.
Sag mal, bist du jetzt meine Mutter, oder was?
* Popmusik aus dem Radio *
Dann hole ich mal meinem Sohn Kaffee.
Geht doch.
Mit Zucker ...
oder ohne?
* Er seufzt und summt. *
(singt) "Amore mio..."
* Er summt. *
* Fahrradnabe knattert. *
Hallo? Sie da!
Stehen bleiben, Polizei.
* Gedämpfte Popmusik *
Stehen bleiben!
Was wollt ihr von mir?
* Sascha ächzt laut. *
Zeitschlossgesicherte Geldbestände.
(Stein) Hier, das ist die Makarov.
Weil die Geldbestände gesichert sind,
nahm er aus Verzweiflung Kunden Schmuck und Geld ab.
Und dann, jetzt kommt's...
* Tastenklacken *
Dieser Mann wurde damals von der Soko Napoli als, ähm ...
Pietro ... Pietro Minasso identifiziert.
Er wollte wohl Geld einzahlen.
Ein kalabrischer Kellner, der in einem Hotel in Usedom arbeitete.
Und dabei soll er so viel Trinkgeld bekommen haben,
dass er das ganze Hotel nach sieben Monaten in bar kaufte.
Das ist ein Job. Brauchen die noch jemanden? (Seibert) Geldwäsche.
Sie glauben, der Bankräuber hat Mafiageld geraubt, in dem Umschlag?
Ich glaube gar nichts, ich bin "IT und Technik".
Angenommen, Sascha Müller stahl der Mafia Geld,
und drei Jahre später haben sie ihn aufgespürt?
Und den Wagen aus Rache hochgejagt. Er hat 37.000 Euro auf dem Konto.
Brauchbare These: Sascha Müller zur Fahndung ausschreiben.
Karim hat ihn schon. Der Vernehmung wohne ich bei.
Die Mafia... Die will doch nicht auffallen.
Die jagen doch keinen Kita-Bus in die Luft.
* Bedrohliche Musik *
* Düsterer Klang *
Hast du mich erschreckt. - Holger ist tot.
Hab's gehört, Wölfi.
Ach, komm.
Du hast doch schon ganz andere Sachen durchgestanden.
* Er atmet wohlig aus. *
Nee, lass mal.
Das ist vorbei.
Ich hab keine Lust mehr. - Ach, hör auf.
Am liebsten würde ich unter alles einen Strich machen. Schluss.
Was meinst du denn damit?
* Er seufzt. *
Ich hatte ... Angst.
Vor wem?
Sagen Sie mir das, Sie sind die Polizei.
Heute wurde mein Freund getötet,
und dann ruft mir ein komischer Typ hinterher.
Da wäre jeder weggerannt.
Haben Sie eine Ahnung... ...wer Holger umgebracht hat? Nein.
Warum haben Sie heute die Schicht abgegeben? Ich wollte trainieren.
Sie tauschen mit Holger Meese, der gerade keinen Führerschein hat?
Sie riskieren Ihren Job, nur um etwas Rad zu fahren?
Das ist Triathlon, nicht "etwas Rad fahren".
War das spontan entschieden oder länger geplant?
Spontan.
Es war nicht das erste Mal, Holger kann fahren.
Die war in Ihrem Bus.
Keine Ahnung, warum die in meinen Bus...
Die Bank in Wolgast kennen Sie auch nicht?
Was denn für eine Bank? Wo waren Sie im März 2015?
März 2015? In Brisbane, ich habe Kühlaggregate gewechselt.
Brisbane? Ich arbeitete da drei Jahre als Klimatechniker.
Man kann da viel verdienen.
Wieso sind Sie dann in Stralsund und fahren Kleinkinder in die Kita?
Ist ja nicht verboten, oder?
Ich mache Saisonaufbau, 20 Stunden pro Woche.
"500 km Fahrradfahren, 80 Laufen, 15 km Schwimmen.
Ich will einmal im Leben nach Hawaii,
da kann ich nur Teilzeit arbeiten."
Ihr Trainer Wolfram Winkelmann nennt Sie "falschen Hund". Warum?
Der... Ja?
Warum sind Sie wirklich in Stralsund?
Billige Mieten. - Glauben Sie dem ein Wort?
"Laut früherem Polizeiausbilder..." Erste Regel: Alle lügen immer.
(Sascha) "Wer weiß schon mit 17, was er werden will?"
Wollen Sie die Vernehmung übernehmen? "Na ja, hier steht ..."
Das können Ihre Leute.
"... Armbruch. Es gab eine Anzeige."
Und sogar eine Vorstrafe.
Ja, ich war noch zu jung.
Ich habe noch etwas erfahren,
was Sie auch Ihrem Ausbilder verschwiegen hatten.
Ihr Vater wurde Opfer eines Gewaltverbrechens.
Er wurde erschossen, als Sie fünf waren.
Woher wissen Sie das? Was ist damals passiert?
Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Das heißt?
Eine Schießerei. Was war das für eine Schießerei?
Querschläger vor 'nem Lokal.
Bullshit. - "Ist das wichtig?"
Das ist 30 Jahre her, ich habe damit abgeschlossen.
Was heißt Querschläger, Schwachkopf?
Meinst du, das kriegen wir nicht raus?
Oder war dein Vater beteiligt? - Halten Sie den da raus!
Hey. (leise) Pass auf.
(Sascha) "Ich sage gar nichts mehr." Was soll das?
Wir vernehmen gerade, und der KTU-Blödmann kommt rein.
Arschloch!
Das ist Thomas Jung. Ich habe ihn als Berater vom LKA hinzugezogen.
Wie, vom LKA?
Er war 15 Jahre beim SEK Spezialist für besondere Gefahrenlagen.
Und? Ist das eine? Er wird uns bei den Vernehmungen unterstützen.
Er war Polizeiausbilder in Afghanistan, oder?
Hier ist Stralsund, nicht Kabul.
Wir hatten ihn fast. Aber jetzt macht er zu.
Der Vater ist wohl sein wunder Punkt.
Wir knallen keine Verdächtigen gegen die Wand.
Schade, führt schneller zum Ziel. Bezweifle ich.
Wie lange sind wir schon in Afghanistan? 17 Jahre?
So. Jetzt beruhigen wir uns alle.
Leider haben wir nicht genug Verdachtsmomente gegen ihn.
Was meinen Sie? - (Jung) Er verschweigt etwas.
Dürften wir auch erfahren, was? Haben Sie es nicht gemerkt?
Er fragte nicht, von wem der Sprengsatz sein könnte.
Als wüsste er es schon. Wir müssen ihn observieren. Rund um die Uhr.
Bei der Faktenlage kriege ich richterlich keine lange Observation.
Also machen wir nichts?
(Seibert) Ich spreche mit der Staatsanwältin.
Aber heute kriege ich die nicht mehr.
* Gedämpfte Musik, er röchelt. *
* Französisches Chanson *
Wozu brauchst du drei Kaffeemühlen?
Ich trinke gerne Kaffee.
Du solltest besser mal schlafen. - Ach ... da geht eh nichts.
(keucht) Die Geister. - Was denn für Geister?
Von den ganzen Toten.
* Düstere Musik *
* Spannungsvolle Musik *
* Musik schwillt an. *
* Musik klingt aus. *
Fertig?
Viel Spaß.
Ich kriege Luca überhaupt nicht mehr zu sehen.
Du siehst ihn doch jeden Tag in der Kita.
Ich würde ihn gerne am Samstag mal für mich allein haben.
Ach, Mutti. Hör auf. - Ja...
Ich bin ja nur die blöde Oma.
Du kennst ihn doch gar nicht richtig.
* Nachdenkliche Musik *
(Sascha) Okay.
(Luca) Tut ihm das nicht weh? - Nee. Der merkt das nicht.
Okay.
Bist du froh, dass du nicht mehr tot bist?
Ja.
Können wir Blutsbrüder machen?
Wenn du ein bisschen älter bist.
Morgen. Morgen.
Unser Polizeiausbilder aus Afghanistan
ist heute gar nicht da.
Du meinst den Experten vom LKA?
Wie konnte unsere Dienststelle
die letzten 25 Jahre überhaupt funktionieren?
Du, ich hab heute Nacht recherchiert.
Es gab 1983 in Dortmund keinen "Müller",
der durch einen Querschläger umkam.
Es gab gar keine Schießerei, die auf Saschas Beschreibung passt.
Morgen.
Morgen. Morgen.
Wie schnell bist du eigentlich mit dem Ding?
Ziemlich schnell, würde ich sagen.
Wieso? Ich hab das Stralsunder Polizeisportfest gewonnen.
Das war letztes Jahr. Karim macht keine Observierung.
Du machst 'nen Ausflug. Genau. Ist ja Samstag.
* Gedämpfte Atemlaute *
* Er atmet heftig. *
Na, Karim, kannst du noch?
(Funk) "Kein Problem. Ich werde erst warm."
* Heftiges Atmen *
Könnt ihr schon sehen, wohin?
Auf jeden Fall Richtung Südosten. Richtung Polen.
Nach Polen?
* Bremse quietscht laut. *
Fuck. Scheiße.
Scheiße.
Fuck. Ich hab Sascha Müllers Telefonliste von gestern früh.
Ich weiß, wohin er fährt.
Um 6.32 Uhr hat er Meese angerufen, um die Schicht zu wechseln.
Aber kurz vorher, 6.28 Uhr, kam ein Anruf von hier.
* Spannende, dissonante Musik *
Da ist er. Und wer ist die Frau?
* Kampflaute, Funk rauscht. * Karim, bist du okay?
Karim? Scheiße, ich fahr dahin.
Ey, ich bin Polizist! - Versuch's gar nicht erst.
Ich bin Polizist, Idiot. - Sieht man an der Uniform.
Ganz ruhig. - "Karim Uthman, Deutsche Polizei".
Aber nicht in Meck-Pomm, so was kann man fälschen.
Wie war das? - So was kann man fälschen.
Okay, das reicht. Komm hoch.
Jetzt will ich mal deinen Ausweis sehen. Na los, komm.
Was ist denn das für eine Waffe, hm?
Eine Gaspistole. Die darf man.
Ja, aber nicht offen tragen. Kleinen Waffenschein auch, los.
Na los, ich hab keine Zeit.
Habe ich nicht ... dabei.
Ja, das wird scheiße teuer.
* Absätze klackern. *
Hallo. Äh, können Sie mir sagen, wo der Mann hin ist, der da saß?
Sascha? Mein Sohn?
Der musste wieder los.
Moment mal, haben Sie Sohn gesagt?
Tag. Guten Tag.
Tot? Das hat er gesagt?
Der besucht mich doch immer.
* Sie lacht. *
Und gestern früh ist er auch vorbeigekommen, ja? Wieso?
Weil Sie ihn angerufen hatten, um 6.28 Uhr.
Ja. Wegen dem Kammerflimmern. Das geht auch nicht ewig so weiter.
Stimmt's, Rene?
Weil Sie heimlich rauchen, Frau Müller.
(lachend) Nö. Das ist doch gar nicht mehr erlaubt.
(Rene) Wir wollen Sie behalten. Blutdruck ist noch zu hoch.
Drei Monate bleiben mir mindestens, sagt der Stationsarzt.
"Ultraleicht", sind keine richtigen Zigaretten, die machen doch nichts.
Ich habe mein Leben lang geraucht und Luft gekriegt. Was soll das?
Gestern ist er also
wegen Ihrer akuten Herzbeschwerden vorbeigekommen, ja?
Wer?
Sascha. Ihr Sohn?
Ach so. Ja, der war da. Der denkt immer, er müsste kommen.
Ja, weil Sie ihn angerufen hatten.
Ich? - Mhm.
Ist das Ihr Freund?
Ja, ich arbeite dran.
Ist das Saschas Vater? Mhm.
Er kam bei einer Schießerei ums Leben, richtig?
Schießerei? Das war eine Hinrichtung.
12. September 1983 in Düsseldorf.
Der Anschlag der RAF auf Dr. Walter Büttner, den Westbank-Chef.
Erinnern Sie sich? Da war mein Kurt der Fahrer.
15.38 Uhr eröffneten sie das Feuer, 23 Kugeln hat er abgekriegt.
Und die Täter der Roten-Armee-Fraktion?
Zwei Terroristen auf einem Motorrad, hieß es, mit einer Kalaschnikow.
Ihr Sohn sagt, es sei für ihn abgeschlossen. Abgeschlossen...
Das ist nie abgeschlossen.
Ja, wenn man mal weiß, wer genau was gemacht hat.
Aber was die Opfer wollen, das hat nie jemanden interessiert.
Mein Junge war fünf,
als es damals passiert ist.
* Er ächzt leise. *
* Unheilvolle Musik *
* Musik steigert sich. *
* Radnabe rattert. *
* Sie schnieft leise. *
Wieso ist dieser Scheißbus hochgegangen?
Ich weiß es nicht.
Die haben was gesagt von Mafia und 'nem Banküberfall.
Das war eine Verwechslung.
Nächste Woche wollten wir nach Mallorca.
Ich weiß.
Kann ich mir mal Holgers Motorrad ausleihen?
Das Büttner-Attentat.
Auch der Chauffeur, Saschas Vater, Kurt Müller, wurde erschossen.
Warum hat er uns das nicht gesagt
und erzählt was von Bandenschießerei?
Weil er nicht auf die RAF aufmerksam machen will?
Was weiß ich, sein Handy ist tot.
Seine Freundin in der Kita weiß auch nichts.
Er ist wie vom Erdboden verschluckt.
Gute Arbeit. - (leise) Danke.
Hier ist die Bewilligung der Staatsanwältin.
Ich ließ es vordatieren, um Ihre Aktion rechtlich abzusichern.
Danke. Wir wollten keine Zeit verlieren.
Sie brauchen sich nicht entschuldigen.
Eigeninitiative zeichnet gute Polizisten aus.
Sie sind 'n gutes Team.
* Handy klingelt. *
So, jetzt sehen wir uns Sascha Müllers Wohnung noch mal genauer an.
Die Wohnung war total leer. Dann gehen wir noch mal rein.
(Karim) Das ist irgendwie komisch.
Triathleten brauchen viel Ausrüstung und daher Platz ohne Ende.
Ich glaube nicht, dass wir was übersehen haben.
Er kam von da drüben, und ich holte mir am Kiosk Kaffee.
Das Interessante war, er wollte nicht nach Hause,
sondern auf die andere Straßenseite, da bin ich hinterher.
Hier hat der Tote gewohnt.
Holger hat Sascha den Kellerraum überlassen,
weil wir nicht so viel Sachen haben.
Wegen dieses Trainingszeugs. Die haben zusammen trainiert?
Nein. Sascha spielt in einer ganz anderen Liga.
Sascha ist fanatisch. Holger war das nicht.
Bitte schön.
Licht.
Ich durfte hier nie rein.
Und ich dachte, es geht um frische Luft und etwas Bewegung.
Karl, guck dir das mal an.
* Ruhige Klaviermusik *
Ich wusste nicht, dass Schießen zum Triathlon gehört.
"Für Kurt Müller, in Anerkennung für seine treuen Dienste."
Das war ein Geschenk des Bankchefs an seinen Fahrer.
Spätestens dann war dem auch klar, sie stehen auf der Liste der RAF.
Was hat Sascha Müller vor?
Der will den Terroristen finden, der seinen Vater getötet hat.
* Dissonante Klänge *
Wo warst du?
Was denn? Ich habe doch gesagt, ich will trainieren.
Bei deiner Mutter?
Du hast mir gesagt, sie ist tot.
Was ist das für eine kranke Nummer? Das ist doch voll psycho.
Wer bist du? - Ich kann das jetzt nicht erklären.
Erst geht dein Bus in die Luft, Holger ist tot.
Jetzt deine Mutter... Was ist mit der?
Ich will Luca und dich nicht gefährden.
Wieso gefährden? - Es ist bald vorbei, versprochen.
Welche Gefahr? Fliege ich auch in die Luft?
Kann ich nicht sagen. - Ach, kann er nicht sagen. Super.
Ich bin kurz vor dem Ziel, ja?
Na, dann viel Glück. - Danke.
Gut, dann gehst du jetzt wohl besser.
Schwing dich auf dein 8000-Euro-Rad und hau ab.
Kann ich Luca noch Tschüss sagen? - Nee, der schläft.
Wer hatte alles Zutritt zu dem Raum?
Holger, Sascha. Warum?
Sonst niemand? Nee.
Doch, letzte Woche hat Holger dem Trainer die Geräte gezeigt.
Der wollte die mal sehen. Ist das denn wichtig?
Gleich kommt die Spusi, dann schicken wir den Hund durch.
(Frau Beckmann, entfernt) Jetzt komm mal mit.
* Schritte nähern sich. *
Und? Zufrieden? - (schnaufend) Nee.
Ich bin nicht zufrieden.
Komm. Guck dir das mal an.
Zeig der Mutti mal den Arm. Hier.
Blutsbrüderschaft.
Hat der Junge sich selbst reingeschnitten.
Auf solche Ideen bringt ihn Sascha.
Stimmt das, Luca?
(sanft) Jenny.
Komm.
Es tut mir so leid.
Wir nehmen an, Sascha Müller will den Mörder seines Vaters finden.
Diese acht RAF-Terroristen tauchten in den 80ern in der DDR unter.
Mit Unterstützung der Stasi.
Sie verübten im Westen Attentate
und versteckten sich danach in der DDR.
Einer der Anschläge war auf den Westbank-Chef Büttner,
bei dem auch Sascha Müllers Vater starb.
Moment, ich dachte immer, alle in der DDR untergetauchten Terroristen
wurden nach der Wende verhaftet.
Nicht alle.
Neu aufgetauchte Stasidokumente deuten auf weitere Terroristen hin,
namentlich unbekannte.
Wie kann Sascha Müller die aufspüren,
wenn es BND und BKA zusammen nicht schaffen?
Es gab Stasi-Führungsoffiziere,
die sich damals um diese RAF-ler kümmerten.
Meistens Stasi-Generalmajore der MFS-Abteilung XII:
Terrorabwehr. (schnaufend) Terrorabwehr.
Wir glauben, Sascha Müller fand die Stasi-Helfer,
um an die nicht identifizierten Terroristen ranzukommen.
Es gibt zumindest ein eindeutiges Indiz. Das da wäre?
Sascha Müllers Wagen wurde in die Luft gesprengt.
Und zwar mit Semtex H aus alten NVA-Beständen.
Eine sehr spezielle Form der Waffenbruderschaft.
* Düstere Musik *
* Leise unruhige Klavierklänge *
* Spannungsvolles Dröhnen *
Immer die böse Stasi.
Und was ist mit der Makarov und dem Bankraub, dem Mafiageld?
Das war auch so eine Spezialität der Stasi.
Die haben immer gleich mitgedacht,
wem man die Tat in die Schuhe schieben kann.
Hat uns Herr Jung vom Bahnhof mitgebracht.
Tja, und morgen um 15 Uhr ist die Pressekonferenz.
Bis dahin müssen wir denen irgendwas Konkretes sagen können.
Vielleicht können Sie mich dabei unterstützen?
Okay. Bringen Sie den "KTU-Blödmann" auf den neuen Stand? Warum nicht?
Reden kann man ja mal.
Sage ich doch.
* Düstere Musik *
* Spannungsvolle Klaviermusik *
Sascha Müller scheint besessen, den Mörder seines Vaters zu finden.
Aber dank Ihnen verschwand er wieder von der Bildfläche.
Ich wollte ihn provozieren, das ging nach hinten los.
Das kann man wohl sagen, ja.
Der Ansatz, über seinen Vater zu gehen, war ja richtig.
Ich weiß nicht, was Sie wirklich wollen,
aber halten Sie sich aus meinen Vernehmungen raus.
Sie haben recht, es tut mir leid. Das war nicht professionell.
Manchmal, da blende ich Kollegen aus und gehe dazwischen.
Das war nicht richtig.
Kann ich auch ein Bier haben? Na klar.
Was halten Sie von der RAF-Theorie?
'ne Menge.
Die Zeitzünder-Reste und der Sprengstoff sind wie damals.
Ah... Das ist übrigens das einzig existierende Foto
von Martin Coppenberger.
Einer der Terroristen? Der Bombenbauer der RAF.
Er wurde von allen "Der Elektriker" genannt.
An dem war mein Ausbilder Hagner vom LKA schon dran.
Seit 30 Jahren hat man nichts mehr von Coppenberger gehört.
Alle denken, er ist tot.
Sie nicht? (zweifelnd) Hm.
Sie meinen, der könnte die Bombe gebaut haben?
Der müsste jetzt sicher 60 sein und sich anders nennen.
Bitte schön. Danke.
Und wo wollen Sie jetzt da ansetzen?
Verbindungsleute, Helfer, Nachrichtenüberbringer.
Na dann, prost, Podolski.
Ja, manchmal wissen wir alle gar nicht mehr so genau,
wie wir wirklich heißen.
Damals in Afghanistan,
da gaben die uns ständig neue Decknamen, also die Vornamen.
Nee, die Nachnamen, die Vornamen blieben gleich.
Was hat das deutsche SEK denn mit Afghanistan zu tun?
Das deutsche SEK gar nichts, ich war davor in Afghanistan.
Ja, aber ... das dauert jetzt zu lang.
Ich habe Zeit.
* Ruhige Zupfklänge *
Ich war auch schon bei Rummenigge.
Und Scholl. Unser Gruppenführer war Bayernfan.
Ich habe keine Ahnung von Fußball,
aber ich tippe mal, "Podolski" ist ein Aufstieg?
Ach so. Ja, klar, Weltmeister.
Morgen. Morgen.
Morgen.
* Computersignal *
Morgen, Karl. Morgen.
Wie war's mit "Podolski"?
Interessant.
Ich habe mir Stasi-Abteilung XII, "Terrorabwehr" genauer angesehen.
Der hier, das war der Leiter der Abteilung, Harry Rossbach.
Dann gab es drei Stellvertreter.
Und der hier, der war für die RAF zuständig.
Oberst Robert Borowski. Ach.
Die standen alle '98 vor Gericht und wurden freigesprochen.
Ihre Handlungen seien als Ausdruck
staatlicher Souveränität hinzunehmen.
Das ist Wolfram Winkelmann.
Der Lauftrainer war früher Oberst Borowski, Abteilung XII.
Der kommt auch an alten NVA-Sprengstoff.
* Spannungsvolle Musik *
(SEK-Beamter) Go! - Go, go.
Polizei! - Polizei!
Polizei!
Polizei. - Sicher!
(SEK-Beamter) Raum frei.
Hier ist niemand. Was ist mit Winkelmanns Wohnung?
Negativ, sagt Karim.
Was ist mit den Umkleiden, der Gerätekammer? Im Schuppen.
Polizei! - Polizei!
Raum frei. Verschlossene Tür.
Rammen.
Polizei! - Polizei!
Wo ist der Hund?
* Hund bellt dreimal. *
Fund.
Achtung, Sprengstoff. Alle raus.
* Gedämpfter Atem *
* Energische Streichmusik *
Ich habe hier ein GPS-Signal von Sascha Müller.
Super.
Er hat den Ortungsdienst angelassen. - Guter Mann.
Das sind mindestens 7 bis 8 Kilo Semtex H.
Der gleiche Sprengstoff, der beim Anschlag verwendet wurde.
Winkelmann selbst hat den Sprengstoff geliefert,
durch den Holger umgekommen ist.
Ja?
Danke.
Stein hat Sascha Müllers Handy auf Rügen geortet.
Er fährt Richtung Norden.
Vielleicht führt der uns zu dem Terroristen.
* Nahendes Motorrauschen *
Hey, hallo. - Hey.
Und, ist er da? - Mhm.
Wartet schon auf dich. - Okay.
* Nahende Sirenen *
Die sind in Sassnitz, Hotel "Rügen". - Aha.
* Chanson: "La marche de Sacco et Vanzetti" von Georges Moustaki *
Das mit Holger macht mich fertig.
Bei jeder Aktion gibt's Kollateralschäden.
Da muss man sich hart machen im Kampf.
Das ist nicht mehr mein Kampf.
Ich weiß.
* Chanson läuft weiter, Gläser klimpern. *
Marseille, und dann?
Irgendwohin.
* Metallenes Schmatzen *
Keine Angst, Wolfram. Ist schon vorbei.
* Er stöhnt. *
Dein Kampf ist vorüber, Genosse.
* Nadel kratzt. *
* Spannende Musik *
Petersen, Uthman, Sie sichern die Rückfront.
Kriminalpolizei. Wie viele Zimmer sind belegt?
Eins. Zimmernummer?
16-15. - Wo ist das?
Im Anbau. Danke.
Ist das Stasi-Oberst Winkelmann? Noch keine zehn Minuten tot.
* Metallenes Scheppern *
Herr Müller! Bleiben Sie stehen.
Stehen bleiben!
* Motorbrummen *
Ja, hier wurde die Bombe gebaut.
Oh, Vorsicht. Das ist sicher Ammoniumnitrat. Einfach hinstellen.
* Gedämpftes Husten *
Coppenberger, "Der Elektriker". Ich habe nicht mehr dran geglaubt.
Müller ist mit dem Motorrad abgehauen.
* Er seufzt. *
(Seibert, TV) "Umfangreiche Untersuchungen ergaben,
bei dem Sprengstoffanschlag auf den Kita-Kleinbus
spielten weder religiöse noch politische Motive eine Rolle.
Ich kann bestätigen, dass es heute leider einen weiteren Toten gab.
Dank externer Spezialisten..." Was macht denn der da?
Na, das ist der externe Spezialist mit internationaler Erfahrung.
"...wer der Beschaffer des Sprengstoffs ist,
mit dem der Bus zur Explosion gebracht wurde.
Als dringend tatverdächtig wird nach Sascha Müller gefahndet."
Das ist eindeutig Sascha Müllers Messer.
Mit Gravur und Widmung aus Australien: "For my friend..."
Da hat die Seibert recht.
Keine Fingerabdrücke, der Griff wurde abgewischt.
Er hatte die Pistole seines Vaters,
aber ersticht den Stasi-Oberst mit einem Anglermesser?
Ja, aber warum rennt er weg?
Weil er den Mörder seines Vaters noch nicht gefunden hat.
Sie sind Martin Coppenberger, der Bombenbauer der RAF.
Der legendäre "Elektriker".
Tja, das hat die Ulrike in die Welt gesetzt.
Ulrike Meinhof.
Haben Sie die Bombe gebaut,
mit der der Kita-Bus in die Luft geflogen ist?
* Er seufzt. *
Und diese Geldscheine.
Stammen die aus der Bank in Wolgast,
die Sie vor drei Jahren überfallen haben?
Allein dafür kriegen wir Sie sowieso.
Warum war Winkelmann bei Ihnen im Hotel?
Weil er sich verabschieden wollte, ich wollte verreisen.
Verreisen? Mhm.
Haben Sie ihn getötet?
Warum hätte ich denn das tun sollen?
Weil Sie Angst hatten, dass er Sie verrät.
Angst.
Angst ist ein Unterdrückungsinstrument. Hm.
Sascha Müller hat Sie als RAF-Terrorist enttarnt,
der damals in der DDR von der Stasi versteckt wurde.
Da bin ich ja gar nicht drauf.
Hm.
Deshalb wollten Sie ihn mit der Autobombe umbringen.
Damit habe ich nichts zu tun, das war Wölfis Idee.
Waren Sie '83 dabei beim "Kommando Büttner"?
Die Haftbombe unterm Wagen explodierte nicht.
Das war doch Ihr Versagen. Nein.
Und weil die Bombe nicht hochging, wurde vom Motorrad aus geschossen.
Alle Zeugen sagten damals aus, zwei Leute saßen auf dem Motorrad.
Wer hat geschossen? Sie oder der zweite Mann auf dem Sozius?
Nein. Es gab keinen zweiten Mann.
Ganz bestimmt nicht.
Niemals.
Wer war der zweite Mann?
Warum sagen Sie nicht die Wahrheit?
Die Wahrheit ist das, worauf sich die Herrschenden einigen.
* Karl grunzt. *
Wieso haben die schon angefangen? * Sie seufzt. *
Der hat 'ne Menge zu erzählen, wenn man ihn richtig anpackt.
Nee, nee. Jetzt lassen Sie die mal machen.
Die Wahrheit ist, Sie haben Sascha Müller den Vater genommen.
Ja.
Ja, das war ... ein taktischer
und ein Stück weit auch ein moralischer Fehler, ja.
Was sehen Sie, wenn Sie die Augen schließen? Die ganzen Toten?
Den Blick eines Vaters, der seinen Sohn nie mehr sehen wird?
Hey! Die Waffe runter!
Nehmen Sie die Waffe runter.
Geben Sie mir die Waffe.
Her mit der Waffe. Waffe weg.
Nein!
Nein!
* Dumpfe, tragische Musik *
* Musik überlagert Dialoge. *
* Dumpfe, sphärische Streichmusik *
(Seibert, gedämpft) Frau Petersen. Gehen Sie nach Hause.
* Fernes Rasseln, Klappern *
* Fernes Hundebellen *
(aufgebracht) Ich... Ich such meinen Anglerkasten. Meine Box.
Sag mal, was soll denn das hier alles?
Du kannst nicht einfach... - Es ist weg. Weg. Ich wusste es!
Was ist weg? - Mein Anglermesser.
Sag mal, spinnst du? - Damit wurde jemand ermordet, ja?
Irgendjemand wollte, dass es so aussieht, als ob ich das war.
Nee. Also, das reicht. Raus. - Ist sie da?
* Klopfen, Tür wird geöffnet. *
Nina ... du solltest nach Hause.
(Stein) Die Selbsttötung ist ein klares Schuldeingeständnis.
Das sagt die Seibert auch. - Komm, ich fahr dich nach Hause.
Die RAF ist für ihren Schweigekodex bekannt.
Coppenberger hat jetzt 35 Jahre lang geschwiegen.
Und heute gesteht er den Mord an Müllers Vater nach wenigen Minuten.
Alle Zeugen damals sagten aus, zwei Leute saßen auf dem Motorrad.
Stimmt.
Ich glaube, dass er gestanden hat, weil er jemanden decken wollte.
"Alle Zeugen damals sagten aus, zwei Leute saßen auf dem Motorrad.
Wer hat geschossen? Sie oder der zweite Mann auf dem Sozius?"
"Nein, es gab keinen zweiten Mann.
Ganz bestimmt nicht. Niemals."
Der lügt. Viermalige Verneinung.
"Alle Zeugen damals sagten aus, zwei Leute saßen auf dem Motorrad.
Wer hat geschossen? Sie oder der zweite Mann auf dem Sozius?"
"Nein, es gab keinen zweiten Mann.
Ganz bestimmt nicht. Niemals."
Der Befragte versucht sich
durch Wiederholung glaubwürdiger zu machen.
Haben wir doch gelernt.
Du hast recht, es gab einen zweiten Mann.
Oder eine Frau.
Los. Erzähl ihr, was du getan hast. - Was wisst ihr denn schon.
Ich mache 30 Jahre Friedensarbeit in der Kita, das ist längst vorbei.
Du hast Menschen umgebracht? - Der hat dich nur benutzt.
Um an mich ranzukommen. - Hör auf mit dieser Scheißlügerei!
Glaub ihm kein Wort, Jenny.
Du machst mein Leben nicht kaputt.
Hoffentlich dreht der nicht durch.
Frau Beckmann? Hallo?
* Unheimliche Musik *
Und ich habe mich immer gefragt,
wieso wir keine Fotos von Muttis Kindheit in der DDR hatten.
Wo ist Ihre Mutter?
Und? Willst du mich jetzt abknallen?
Raus.
Was soll ich hier?
Hier wurde mein Freund ermordet, wegen eurer Bombe.
Okay, ich hab's gesehen. Na und?
Hast du gesehen? - Ja.
Das hast du gesehen, ja? Es war ja nur der Fahrer, ne?
Nur der Fahrer, das macht ja nichts.
Den kann man ja mal umbringen.
Es ist ja nur der Kollateralschaden
für euren scheißbewaffneten Kampf gegen ... gegen irgendwas.
Für 'ne bessere Welt, nicht wahr?
Aber Holger hat von euch noch nie gehört.
Er wollte Suse heiraten. - Und?
War's das jetzt?
Nee. Nee, das war's noch nicht.
Warum hast du meinen Vater erschossen?
Warum meinen Vater?
Der war im Weg.
Der musste weg!
Waffe runter!
Waffe runter!
Es ist vorbei.
Nicht geladen. Und Sie sind verhaftet.
Hey, das kann ich selber. Pack mich nicht so an.
Ich hab meine Rechte. Jaja.
Ich muss zugeben, ich war wirklich sauer.
"Der Elektriker" war für uns alle so was wie Staatsfeind Nummer eins.
Ich hätte Coppenberger gerne meinem Chef präsentiert.
Was für ein Albtraum.
Aber in Wahrheit ist die Beckmann der viel größere Fisch.
Sie war RAF-Kommandoebene.
* Lautsprecher: "Rose Of My Heart" von Johnny Cash *
Und was machen Sie jetzt?
Ach, Arbeit gibt's immer und momentan auch genug.
Zum Glück.
Ich dachte, das wäre jetzt längerfristig bei uns.
Mit der Seibert verstehen Sie sich doch super.
Ach, keine Ahnung. Das, das entscheiden andere.
Ich bin Externer und das will ich auch bleiben.
Hm, wir haben es zusammen geschafft, genau, wie ich gesagt hab.
Haben Sie das?
Unsere erste Begegnung in der KTU.
Sie haben sich umgedreht.
Ich weiß es genau, Sie drehten sich um und lachten.
Ein schönes Lachen.
Dann sind Sie ja Teamplayer.
Na ja, wie Podolski. Doppelpass, allein.
* Ruhige Musik *
Na, Blutsbruder?
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018
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