All language subtitles for Rechtsanwalt Vernau-Die 7. Stunde.deu

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Original subtitles

Joachim Vernau

Marie-Luise Hoffmann

Clara Ranftleben, 17 Jahre alt.

Eine geistesgestörte Massenmörderin,

die zwölf Menschen auf dem Gewissen hat.

Kokain, Absinth, Halluzinationen.

Dazu eine gravierende geistige Deformation - Wahnvorstellungen.

Sehen Sie sich die Bilder an.

Clara hat sie gemalt.

Das sind ihre Dämonen - Belphegor, die Teufelsziege.

Die schwarze Königin.

In Wien geschieht auf dem Gebiet der Psychotherapie gerade Erstaunliches.

Man lässt die Patienten im Garten arbeiten,

man fixiert sie nicht mehr rund um die Uhr.

Das Wichtigste aber:

Man hört den Kranken zu.

* Lautes Sirren *

Clara, bei unserer letzten Sitzung

hast du mir von der schwarzen Königin erzählt.

Sie hat dir den Auftrag gegeben, so viele Menschen zu ermorden.

Warum? Antworte, Clara.

Antworte.

* Lautes Sirren *

Keine Menschen. - Sprich lauter, Kind.

Keine Menschen. - Sprich lauter.

Sprich.

Ich soll die Dämonen töten!

* Laute Schreie *

Lasst mich los! Lasst mich los! - Hilfe! Hilfe!

* Düstere Musik *

* Sie schnappt nach Luft. *

(Stimme des Arztes) "Clara Ranftleben, 17 Jahre alt."

* Angespannte Musik *

Tote, nur Tote.

Die Eltern machen mir die Hölle heiß.

Alle wollen wissen, wann es mit dem "Teen Court" weitergeht.

Was ist das?

Eine Arbeitsgemeinschaft für die Abiturklasse.

Schüler ahnden kleine Verstöße gegen die Schulregeln

und verhängen selbst die Strafe.

Sie sitzen über sich selbst zu Gericht.

Und das bringt was? Halt mal.

Na ja, unter Anleitung eines Pädagogen mit juristischem Background

ist es 'n Renner.

Viele Eltern melden ihre Kinder wegen dieser Zusatzangebote an.

Sandkastenjustiz, also, ich weiß nicht.

Das war mir klar, dass du damit nichts anfangen kannst.

Aber da du im weitesten Sinne Anwältin bist, wollte ich nachfragen.

Mich?

Ich weiß nicht, also...

Warum ist denn das so dringend?

Weil der Lehrer, der den "Teen Court" betreut hat, gegangen ist.

Von jetzt auf gleich - keine Ahnung, warum.

Es ist nur für ein paar Wochen.

Wir haben eine Zusage, aber wir brauchen jemand für den Übergang.

Denk nach, wer dafür in Frage käme.

Hier, was ist denn mit deinem Partner?

Vernau?

Du siehst, was passiert, wenn man ihm Lebewesen anvertraut.

Die Fische seiner Mutter! Ja. Schlimm.

Aber er hat immerhin einen gewissen Ruf.

Als was?

Brillianter beruflicher Background.

Hervorragendes Allgemeinwissen.

Selbstsicheres Auftreten und einen guten Draht zu jungen Leuten.

Das hab ich auch. Ach, Süße...

* Handyklingeln *

Oh, der Vorsitzende des Fördervereins.

Oettinger?

Glauben Sie mir, wir arbeiten intensiv an einer Lösung,

aber Juristen mit internationalem Niveau fallen nicht vom Himmel.

Wir stehen in Verhandlungen mit mehreren Kandidaten

und einer scheint auf ideale Weise zu uns zu passen.

Mhm? Wir wollen keine Kompromisse, nein.

Auch nicht für eine Interimslösung.

Morgen. Selbstverständlich, gern.

Katharina Oettinger.

Ich bin die Leiterin des privaten Friedrich von Stein-Campus

in Schöneberg.

Joachim Vernau, freut mich.

Marie-Luise und ich kennen uns aus der Schulzeit.

Sie hat mir viel von Ihnen erzählt. Oh je.

Das hat mich dazu gebracht, Ihnen einen besonderen Auftrag anzubieten.

In einem besonderen Haus. Mit einer besonderen Klientel.

Jetzt müssen Sie nur noch sagen - für ein besonderes Honorar.

Exakt, Herr Vernau.

* Pausenglocke *

* Stimmengewirr *

Was hast du da?

Bist du wahnsinnig? Steck das Ding weg!

Hast du mir den in die Tasche gesteckt? - Nein!

Wer dann? Ich weiß genau, was das bedeutet.

* Geheimnisvolle Musik *

Ich hab auch einen bekommen.

Aber wir haben alle geschworen, damit aufzuhören. Alle!

Schmeiß ihn weg, hab ich auch gemacht.

* Düstere Musik *

Wir bieten eine Alternative zum staatlichen Schulsystem,

das in den Augen vieler versagt hat.

Bei uns gibt es keine Drogen, keine Gewalt.

Dafür kleine Klassen und individuelle Förderung.

Die Eltern, die ihre Kinder bei uns anmelden,...

Ich will Sie nicht unterbrechen,

aber ich bin Anwalt, ich bin kein Lehrer.

200 Euro pro Doppelstunde und nur vorübergehend.

Wieso machst du es nicht?

Ich hab keine Zeit. Seit wann das denn?

400 Euro. Zweimal die Woche 90 Minuten.

Es geht mir nicht ums Geld. Ich würd's machen.

Natürlich geht es nicht ums Geld.

Es geht darum, jungen Menschen etwas mitzugeben.

Ein Lehrer ist nach Eltern die wichtigste Person für Heranwachsende.

Ein Idol, ein Fixstern im besten Falle.

Berufung für Berufene.

Brillianz, Eloquenz, Wissen.

Wir nehmen nicht jeden.

Verzeih, Marie-Luise, das geht nicht gegen dich persönlich.

Schon klar, darum findet ihr auch keinen.

Was ist denn das Problem?

Die Vakanz. Sie müssten noch diese Woche beginnen.

* Er atmet laut aus. * 500 Euro?

* Erwartungsvolle Musik *

(Schülerin) Ist er das?

(Schüler) Könnte sein. Aber warum hat er eine Badewanne auf dem Dach?

Komm, spar dir die Mühe, er ist nur die Vertretung.

Das ist immer noch ein Vergnügen für mich.

* Sanfte Orchestermusik *

* Klopfen an der Tür *

* Stimmengewirr im Hintergrund *

Guten Tag.

Herzlich willkommen im privaten Friedrich von Stein-Campus.

Sie sind doch Herr Vernau?

Äh, ja. Mein erster Schultag.

Normalerweise begrüßen wir neue Kollegen mit einer Zuckertüte.

Darf ich Sie stattdessen zu einem Kaffee einladen?

Gerne. Domeyer.

Klassenlehrer der 12 C

und stellvertretender Direktor.

Milch, Zucker? Bitte?

Milch, Zucker? Weder noch.

Joachim Vernau, einer der besten Strafverteidiger Berlins.

Hatten Sie nicht die Verteidigung im Prozess um "Die letzte Instanz"?

Ja, aber das war Teamwork.

Ich habe mir sagen lassen,

ein Strafprozess ist nichts gegen ein Dutzend Abiturienten.

Da sind Sie völlig falsch informiert.

Es ist noch schlimmer. * Vereinzelte Lacher *

Danke.

Oh, es ist aber Zeit.

Müsste ich nicht noch zur Direktorin?

Sie sollten lieber pünktlich beginnen.

Zunächst begleite ich Sie in den Unterrichtsraum,

die 7. Stunde beginnt gleich.

Wir wollen ja keine Verspätung.

Was war mit meinem Vorgänger? Frank hat uns überstürzt verlassen.

* Unruhige Musik *

So, da haben wir sie.

Die Besten des Jahrgangs.

Die Creme der Abiturklassen.

Schüler unseres Instituts sind regelmäßig bundesweit

unter den Top Ten.

Gutes Gelingen - Hosianna in der Mittagspause.

Danke.

Guten Tag. (im Chor) Guten Tag.

Mein Name ist Joachim Vernau, ich bin Anwalt im richtigen Leben.

Ich werde vorübergehend Ihre Jura-AG leiten.

Ich freue mich sehr darauf, Sie kennenzulernen.

Wir uns auch.

(mehrere) Typisch. Ah ja.

Sie haben sich also entschlossen, nach Ihrem Abitur Jura zu studieren.

Wahrscheinlich haben Sie diese Filme mit den smarten Anwälten gesehen,

in teurem Zwirn, mit teuren Autos, schicken Frauen.

Vergessen Sie's.

Ihre Kanzlei wird ein winziger, wackliger Schreibtisch sein.

Hoffnungslos überladen mit verstaubten Akten.

Die einzigen Frauen, die Sie zu Gesicht bekommen,

sind im Vorstand eines deutschen Aktienunternehmens oder im Knast.

* Gelächter *

Das gilt leider auch für Sie. Statt Brad Pitt oder Johnny Depp

als Funkeln im Auge der blinden Justitia bekommen Sie ...

mich.

Ich hätte Ihnen auch Besseres gewünscht.

* Gelächter * Es kommt noch schlimmer.

Die nächsten Jahre Ihres jungen und nicht sehr ausschweifenden Lebens

werden Sie mit furztrockenen Paragraphen verbringen.

Wenn Sie zum Schlafen kommen, dann mit einem WGB im Arm.

Sie haben sich das langweiligste Studium ausgesucht, das es gibt.

Getoppt nur von einem:

dem traurigen Rest Ihres Berufslebens.

* Gelächter *

Und Sie werden jeden Tag einen demütigenden Pakt

mit dem Möglichen schließen.

Nur um dem Unmöglichen näher zu kommen:

der Gerechtigkeit.

Ja.

Nach diesen aufmunternden Worten hoffe ich, Sie sind motiviert genug

und wir können loslegen.

Ist das... Das ist Bluetooth, ja, okay.

Sokrates, Aristoteles, Platon -

alle haben versucht uns zu erklären, was Gerechtigkeit ist.

Aber keinem ist es richtig gelungen. Können Sie es?

Nee.

Wie sieht's mit Ihnen aus? Gleichheit für alle?

"Gleichheit ist die Utopie der Empörten." - Émile de Girardin

Dass jeder kriegt, was er verdient.

"Das hieße Gerechtigkeit wollen,

aber das Chaos erschaffen." - Nietzsche

Sie sehen, die Meinungen über das, was gerecht wäre, gehen auseinander.

Ich...

Das sind zwar klare Worte, aber wie bekommt man die weg?

Ich... Was soll der Mist!

Oh Gott, das tut mir leid.

Ich zeige Ihnen, wo Sie das abwaschen können.

Ist das heiß... Das kann ich auch alleine.

Ich... Ah, ist das heiß!

Tut mir leid.

* Bedrückende Musik *

Wer von euch war das?

Würden Sie die Jacke ausziehen, dann komm ich da besser ran.

"Tod euch allen" - war das der Spruch des Tages?

Nein, ein Scherz.

Das da unten machen Sie lieber selbst.

* Wasserrauschen, angespannte Musik *

(Schülerin) Das muss noch ein bisschen feuchter werden.

Ich hab das Gefühl, der wird immer größer.

* Er räuspert sich. *

* Sie lacht. *

Was gibt's da zu sehen? Kommt ihr beide mal?

Sie auch.

Einen Moment noch. Ja?

Ja, ja. In Ordnung.

Also, bitte.

Auf dem Smartboard in unserer Klasse tauchte eine Drohung auf.

Und oben drüber eine schwarze Krone.

Eine Drohung? - Erklären Sie das der Schulleitung.

Ein Lehrbeauftragter und zwei Abiturientinnen

auf der Mädchentoilette.

Ich hab keine Zeit für so 'n Blödsinn.

Blödsinn? * Sie räuspert sich. *

Herr Vernau, kommen Sie bitte herein.

Mädchentoilette!

Wir klären das. Ihr könnt gehen.

* Stimmengewirr im Hintergrund *

(leise) Gut.

"Tod euch allen"?

Also, das sind die Fälle,

die die Klasse in den letzten Jahren verhandelt hat.

Da gibt es nichts, was eine solche Drohung rechtfertigen würde.

Ein dummer Streich. Danke schön.

Kann ich das mitnehmen? Gern.

Schüler bestrafen Schüler - haben Sie damit gute Erfahrungen gemacht?

Nur die besten.

Ach und... Lassen Sie sich nicht provozieren.

Von wem? * Sie lacht. *

Wieders... Herr Vernau!

Ja? Geben Sie mir bitte Ihre Nummer.

Es ist immer der schönste Moment, wenn die neuen Lehrer kommen.

Dachte schon, Sie fragen mich nie. Keine Angst, ich will kein Date.

Das ist aber schade. Was denn dann?

Unsere Schüler haben den Anspruch, unsere Lehrer rund um die Uhr

anrufen zu können. Rund um die Uhr?

Mhm. Seien Sie froh. Sie werden ja nur angerufen.

Ich wohne gegenüber und habe dreimal in der Woche

Zahnstocher in der Klingel.

Hier, schon wieder.

Stand die nicht eben noch unten vor der Tür?

Wir haben die Anweisung, alle Symbole sofort zu entfernen.

Symbole, was für Symbole?

(flüsternd) Hat sie Ihnen denn nichts gesagt?

* Pausenglocke * Schulschluss.

* Nachdenkliche Musik *

Schulschluss, das gilt doch dann auch für mich, oder? Ja.

Käffchen?

Erzählen Sie mir was von Clarissa.

Ich würde Ihnen meine Geheimnisse anvertrauen. Alle?

Klar. Fast. * Sie lacht leise. *

Clarissa Scharnow hat sich umgebracht,

manche sagen, aus Liebeskummer.

Sie hatte sich in einen Jungen aus Neukölln verliebt.

Die Tochter aus reichem Haus und der Sohn libanesischer Einwanderer.

Klassischer kann der Konflikt wohl nicht sein.

Und was sagen Sie? Sie hätten's geschafft.

Es war schwer, aber sie hätten's geschafft.

Was hat ihnen das Leben zur Hölle gemacht?

Die Frage ist nicht was, sondern wer?

Tod euch allen?

* Melancholische Musik *

Warum ist an dieser Schule das Trauern verboten?

Nicht das Trauern, nur die Symbole.

Das hat mit den Spielen zu tun, die vergangenes Jahr grassierten.

Was für Spiele? Rollenspiele, fragen Sie mich nicht.

Die jungen Leute schlüpfen in Kostüme und in eine andere Zeit.

Mittelalter, zum Beispiel.

Das ist wohl das Bekannteste, oder dieses Star-Trek-Treffen.

Aber es soll auch Rollenspiele geben, die ziemlich düster sind.

Heißt das, die Schule stellt einen Zusammenhang her

zwischen den Rollenspielen und Clarissas Tod?

Das habe ich nicht gesagt. Aber seit ihrem Tod sind sie streng verboten.

Warum denn dann?

Clarissa ist aus dem Dachfenster unserer Schule gesprungen.

Sie trug ein weißes Kleid und schwarze Engelsflügel.

Sie hat sich für ihren Selbstmord ein Kostüm angezogen?

Ich denk mir das nicht aus, das haben alle gesehen.

* Düstere Musik *

Maxi will aussteigen. - Wer will das nicht?

Warum fängt die Scheiße von vorne an?

Ich dachte, wir wären durch.

Es hat was mit ihrem Todestag zu tun, Sonntag.

Wer von euch Idioten hat die Krone aufs Tablet geschickt?

Sie will wieder mit uns spielen, die tote Clarissa.

Das ist kein Spiel mehr, das ist irre.

Den hab ich gestern in meiner Jacke gefunden.

Ich auch. - Ich in meinen Sportsachen.

Das ist doch Wahnsinn, sie ist tot.

Und ihr wisst genau, warum. - Ihr?

Habe ich da grade "ihr" gehört?

War ich damals der Einzige und hab geträumt, dass du dabei warst?

Matthias, vom Rumkotzen wird's jetzt auch nicht besser, ja?

Habt ihr wirklich geglaubt, sie lässt es auf sich beruhen?

Sie? Sag mal, tickst du noch ganz richtig?

* Handyklingeltöne *

Scheiße, was ist das, was soll das?

Was soll die Scheiße, wo kommt dieses Video her?

* Schreie aus den Lautsprechern *

Okay, ich sag's einmal und dann nie wieder:

Ich mach nicht mehr mit. - Maxi, du kannst nicht aussteigen.

Doch. - Maxi!

Lass mal. - Maxi hat recht.

Das ist krank.

Spast, denkst du, das weiß ich nicht?

Wir müssen wissen, wer mit uns Schlitten fährt.

Wenn nur einer aussteigt, sind wir am Arsch, kapiert?

Das man mit so einem Haufen Schrott auf die Straße kann.

Das frag ich mich seit Wochen.

Ich hab versucht, die Wanne abzugeben.

Aber meine Mutter muss sich bei der Adresse geirrt haben.

Dann frag sie noch mal. "Küssen auf dem Schulhof."

Ja, das fördert die innere Reife.

Eigenverantwortung, da haben sie in den USA tolle Erfahrungen gemacht.

Das Schulsystem der USA gilt nicht als Leitstern am Bildungshimmel.

Unseres aber auch nicht mehr. Wusste nicht, dass das da rein muss.

Früher hab ich als Arbeiterkind hier Abitur gemacht.

Das kann ich nicht glauben, bei so wenig Klassenbewusstsein.

Und? Nee, sag, dass das nicht wahr ist.

Die Bremsen - drei Monate kann ich dir noch geben, mehr nicht.

Ist aber nicht legal. Legal ist egal.

Wenn er nicht anspringt - kräftig auf den Motorblock schlagen.

Morgen Früh brauch ich den wieder, ohne Sanitärbedarf.

Wo soll ich damit hin?

Du sollst einfach noch mal fragen, sonst setz ich das Ding aus.

Das mit den Bremsen hat er verstanden?

Ähm, ja, pff...

* Stock schlägt gegen Topf. *

Das sind wunderschöne Stücke. Wunderschön.

Er war so ein süßer Junge. - Wie ein Überraschungsei.

Man weiß nie, was rauskommt.

* Standuhr schlägt. *

Och.

Hochheben. - Ja.

* Er schlägt rhythmisch gegen die Töpfe. *

* Türklingel *

Soll ich aufmachen? - Nein!

Oh nein!

(leise) Geh du.

Guten Abend. Joachim.

Was machst du denn hier?

Ich kann damit nicht länger durch die Gegend fahren.

Darin wurde dein Vater schon gebadet.

Wo hast du das her?

Öh... Gefunden.

Also wir... - Wir haben noch zu tun.

Frau Hüthchen, ein solcher Satz aus Ihrem Mund?

Ihr habt mir die falsche Adresse gegeben, da ist nur ein Verrückter,

der auf alten Töpfen Musik macht. Auf ihn ist kein Verlass.

Hätten wir das Ding schleppen sollen, bei meiner Hüfte?

Die sollte Montag da sein. - Die Post wäre schneller.

Du meinst, die Adresse war korrekt? Ja.

Ist alles in Ordnung mit euch? (beide) Ja!

Wie geht's den Fischen? Welche Fische?

Ach so, die Fische... Denen geht's gut.

Marie-Luise kümmert sich drum, die hat ein Händchen für so was.

Den Fischen geht's 1 A. Gut, gut.

Wir können sie erst nächste Woche holen.

Wieso das denn?

Das ist mein Büro, das ist keine Tierhandlung.

Und außerdem ist mein Auto kein Schrottplatz...

Nächste Woche!

* Im Hintergrund wird auf Töpfen gespielt. *

Hör mal...

* Sie atmet laut aus. *

Dass ich meinen eigenen Sohn belogen habe.

Belogen nicht... Beschwiegen.

* Unruhige Musik *

* Er stöhnt. *

Wunderschöne Stücke.

Lassen Sie uns auf diesen neuen Lebensabschnitt

mit einem Glas Absinth anstoßen.

Absinth? Kriegt man davon nicht Halluzinationen?

Nur die besten, meine Liebe, nur die besten.

* Bedrückende Musik *

* SMS-Signal *

* Musik wird lauter. *

* Stimmengewirr aus den Lautsprechern *

Hast du ihn auch gekriegt? - Ja.

Was machen wir denn jetzt?

In drei Wochen sind Prüfungen, wenn das auffliegt...

Welcher Penner will uns hier fertig machen?

Ich halt das nicht mehr aus. - Ruhig, keine Panik.

Lasst uns nach der siebten Stunde treffen, okay? - Ja.

He, was machst du denn hier?

Wusstest du, dass das römische Recht

auf den Machtkampf zwischen Patriziern und Plebejern zurückgeht?

Wusstet du, dass dein Unterricht in 20 Minuten anfängt?

Oh.

* Unheimliche Musik *

Tag, Herr Vernau. Tag.

Unsere Jahresmatinee.

Unsere Besten.

Natürlich, unter dem machen Sie es nicht, was, Herr Domeyer?

Herr Vernau?

Ja? Warte, ich weiß es, was mit M.

Maximiliane Fischer.

Herr Vernau, ich wollte nur sagen, ich verlass den Teen Court.

Wir sind ja keine richtige Klasse, nur eine Arbeitsgemeinschaft.

Wollen Sie mir keine Chance geben? Doch, ja, es...

Nein.

Nein, das hat nichts mit Ihnen zu tun.

Sondern?

Ich wechsle zu Wirtschaftsenglisch.

Mein Vater meint, das sei wichtiger.

Und was meinen Sie selbst?

Ich weiß es nicht.

Ich wäre gerne bei der Probe dabei.

Ich mag klassische Musik, aber meine Mutter sagt,

ich hab zwei linke Hände. Richard Wagner?

Ja. "Der Liebestod" aus "Tristan und Isolde".

Ich... Ich liebe den "Liebestod".

Ich könnte dafür sterben.

* Verträumte Musik *

Wissen Sie was, Maximiliane? Tun Sie heute mal, was Sie lieben.

Echt? Mhm.

Danke schön.

* Verträumte Musik *

Wo ist Maxi?

Sie kneift, sie denkt, es hat was mit der siebten Stunde zu tun.

Das hat was mit eurer Scheiße zu tun. - Mit seiner.

Was willst du damit sagen? - Woher kommt dieser Handyfilm?

Wer hat ihn aufgenommen?

Wir alle haben ihn, kein Grund, die Nerven zu verlieren.

Er kommt.

Hallo, guten Tag. Können Sie die Tür zumachen?

Würden Sie diese Kärtchen verteilen, einfach durchreichen?

Und Ihre Namen draufschreiben, Vorname reicht -

würde ich gerne auswendig lernen.

Mit Handynummer oder ohne?

Meine haben Sie sowieso schon.

Das muss erst mal reichen.

* Angespannte Musik *

Schopenhauer.

Augustinus.

Und ...

Kant.

Das werden unsere heutigen kurzweiligen Themen.

Ja, Matthias?

Entschuldigen Sie, aber wir sind Schnellläufer,

das mit den Philosophen steht nicht im Lehrplan.

Ich hoffe, in Ihren Leben passieren noch mehr Dinge,

die nicht im Lehrplan stehen.

Wir müssen uns auf den nächsten Gerichtsprozess vorbereiten.

Den Prozess? Auch gut. Interessiert mich.

Ich hab mir ...

eure Unterlagen vom Teen Court mal durchgeblättert.

Und wie genau funktioniert das da eigentlich, Kurt?

Ich bin der Staatsanwalt.

Matthias ist der Richter, dann haben wir Verteidiger.

Das letzte Mal war das Samantha.

Und Zeugen und Ankläger und so weiter.

Und diese...

* Aufgeregtes Gemurmel *

Diese Urteile hier.

Sind die dann bindend? Meistens.

In Härtefällen eine Empfehlung an die Schulleitung.

Bei einem Verweis zum Beispiel.

Ein Verweis? Ja, ein Verweis.

Wow.

Wir haben echte Kompetenz. Offensichtlich.

So ein Schulverweis...

Dieses Urteil könnte ...

dem Lebensweg eines jungen Menschen eine komplett andere Richtung geben.

Ganz schön viel Verantwortung, oder? Und das auf welcher Grundlage?

Der Schulordnung?

Was ist Justiz für euch?

So 'ne Art Brettspiel? "Mensch ärgere dich nicht"?

Das wird mir zu unsachlich. Sonst noch was?

Ich weiß nicht, wie's bei euch ist,

aber ich schreib morgen 'ne Matheklausur,

da helfen keine Philosophen.

Sorry, die bringen nichts.

Na ja.

Der Druck ist echt krass hier.

Wir haben Bestleistungen abzuliefern.

Das ist kein echtes Fach mit Noten.

Glauben Sie mir: Einem echten Lehrer hätten Sie das Herz gebrochen.

Tun Sie nicht so, Sie haben 'ne geile Art an sich.

Was?

Den Würfel, den schmeißen Sie lieber weg.

Was ist das? Ich hab so was noch nie gesehen.

Die sind verboten. Irgendein Idiot hat ihn mitgebracht.

Bitte melden Sie das nicht.

Ich habe keine Lust, beim Teen Court meine Klassenkameraden anzuklagen.

Das müssten Sie deshalb?

Alle denken, der Teen Court ist die geilste Erfindung

seit der Einführung des römischen Rechts.

Das römische Recht wurde auch mehrfach neu erfunden.

Danke.

Mach's gut, Samantha.

* Klavierspiel *

* Klavierspiel im Hintergrund *

* Leise unheimliche Musik, Klavierspiel *

* Knarren *

* Klavierspiel *

* Sphärische Musik *

* Heftiges Atmen, Herzklopfen *

Maxi!

Maximiliane!

* Bedrückte Musik *

He! Wir brauchen einen Notarzt!

Samamtha! Hol Hilfe!

He! Hol Hilfe!

* Sie schluchzt. *

Wie viele von denen gibt's noch?

Es waren mal 13.

Einer für jeden von uns.

Herr Vernau?

Was machen Sie hier? Ich bin hier eine Aushilfe.

Maximiliane war in meiner Klasse. Was ist da passiert?

Ich kann... Ich darf nicht wirklich was sagen, toxikologischer Schock.

Giftlähmung. Morgen weiß ich mehr.

* Sie schluchzt. *

* Melancholische Musik *

Und?

Tod euch allen.

Was guckst...

Was zum Teufel... Bleib stehen!

Kennst du den? Wer ist das?

Den hab ich gestern schon gesehen.

Das ist der Stalker von Clarissa.

Der hat gesagt, er killt uns alle.

* Melancholische Musik *

Was machst du denn hier?

Katharina hat angerufen - ein Todesfall?

Bin ich froh, dass du da bist.

Ich fürchte, wir brauchen einen Anwalt.

Einen, der nicht während des Vorfalls anwesend war. Bitte?

Sie kennen sich doch aus mit Befangenheit, oder?

Ein Mordanschlag, das ist doch lächerlich.

Basenbruck, LKA. Tag, Frau Hoffmann.

Wir haben einen Anruf erhalten.

Eine Mischung aus Selbstbezichtigung und Hinweis.

Verstellte Stimme, kryptische Ansage:

"Die schwarze Königin hat wieder getötet."

"Doch das ist erst der Anfang."

Schwarze Königin... Wer soll das sein?

Keine Ahnung.

Gab es noch einen Todesfall im Umfeld der Schule?

Nein. Clarissa?

Ein Mädchen aus meiner Klasse. Clarissa Scharnow?

Das ist ein Jahr her. - Der Anruf stammt von ihr.

Clarissa ist tot.

* Spannungsvolle Musik *

Ich hab sie in diese Probe gehen lassen.

"Liebestod".

"Ich könnte sterben für den Liebestod", hat sie gesagt.

Und ich hab gesagt:

"Dann tun Sie doch einmal das, was Sie wirklich lieben."

Sie war keine 18.

Vorhin war hier ein Junge in der Schule,

der nicht hierher gehört.

Der nicht zur Schule gehört?

Er hat schon mal meine Klasse bedroht.

Das muss Clarissas Romeo gewesen sein.

Die Sekretärin hat mir von ihm erzählt.

Gestern bin ich ihm vor der Schule begegnet.

Er hat eine Trauerkerze aufgestellt

und gleich darauf bekam meine Klasse die Morddrohung.

* Unheimliche Musik *

"Mitternacht, alte Kreuzkirche, komm alleine."

Was ist das denn?

Ah, du hast 'n Blind Date.

Ich geh wieder rein, kommst du alleine klar?

Hast du mich jemals anders erlebt?

Durchaus.

* Angespannte Musik *

* Geheimnisvolle Musik *

* Unverständliche Stimme, Hall *

* Er spricht Lateinisch. *

Non est medicamen vim mortis, non est medicamen in hortis.

Contra vim mortis non est medicamen in hortis.

Contra vim mortis non est medicamen in hortis.

Contra vim mortis non est medicamen in hortis.

Contra vim mortis non est medicamen...

'Tschuldigung. Tut mir leid, dass ich Sie stören muss.

Auszeit!

Bist du der, den wir erwarten?

Keine Ahnung.

Ich ... hab das hier.

* Spannungsvolle Musik *

Wo haben Sie das her? War in meinem Postfach.

Wie ist dein Name?

Joachim Vernau.

Sein Name ist ... Hadar Rosea vom Hohen Blick zur Rabeneiche.

Das war der Dackel meiner Mutter.

Oh, danke.

Dies ist unsere Domäne.

Die Domäne der Nosferatu von Berlin.

Wer auch immer versucht, hier einzudringen,

den erwartet ewige Verdammnis. Autsch.

So, jetzt kannst du wählen.

Pfählen oder Scheiterhaufen?

Äh... Oder willst 'n Bier?

Ich nehm auf jeden Fall was Sie auch hatten.

Zwei Bier für mich und unseren Gast.

Was treibt ihr hier? Wir spielen.

"Vampire - the Masquerade", eines der geilsten Rollenspiele überhaupt.

LARP - Live Action Roleplay.

Da kannst du nicht einfach so reinstolpern.

Nicht mal mit Einladung. Ja.

Verstehe, tut mir leid.

Also...

Ich bin so eine Art Lehrer am Friedrich von Stein-Campus.

Heute ist eine Schülerin von mir ums Leben gekommen.

Vor ein paar Tagen ...

gab es eine Drohung mit dieser Krone. Was bedeutet das?

Das ist die Krone der schwarzen Königin.

Aha.

Letztes Jahr kam ein ganzer Haufen versnobter Kids an.

Die haben's nicht gerissen.

Denen war es zu langweilig, die haben den Pegel overtuned.

Die wollten mehr, die wollten burnen und über die Grenze gehen.

Die sind weitergezogen, zu irgendeinem Dachboden.

Ich hab gehört, dass sich eine von denen ein paar Wochen später

von irgendwo runtergestürzt hat.

Die haben so 'ne Büchse aufgemacht.

Die Büchse von Andorra.

Pandora.

Ist egal.

Worum ging es bei der schwarzen Königin?

Um Wahnvorstellungen, Paranoia.

Um so eine uralte Krankenakte,

die haben sie auch mal hierhin mitgebracht.

Woher stammt die? Keine Ahnung.

* Düstere Streichmusik *

He, Vernau. Am heiligen Sonntag?

Was willst du denn damit?

Ist nicht dein Ernst.

Vernau!

Wie war dein Blind Date, hm?

Das kannst du nicht machen. Halt den Schnabel und komm.

Sag mal, das ist Einbruch...

Sachbeschädigung und... Aua!

Und - he, Vernau!

Stell dich nicht so an, ich bin auf Baustellen groß geworden.

Aber lass uns doch Montag wiederkommen.

* Schwungvolle Streichmusik * He!

* Wasserrauschen *

Ach, Vernau.

Hast du 'ne Plastiktüte dabei? Nee, wieso?

Das merken die doch nicht, wenn ein paar fehlen.

Der Zweck heiligt die Mittel.

Das denkst auch nur du. Und Macchiavelli.

* Flattern, Gurren *

Und hier oben haben sie sich getroffen.

Und ihr Spiel gespielt.

Die schwarze Königin... Na los.

"Nervenklinik"...

"1907, 1908."

Ja, das sind Krankenakten.

"Fortschreitende paranoide Demenz."

"Sind wir angetan zu raten, die Gabe von Veronal zu erhöhen."

"Glaubt er, des Nächtens heimgesucht zu werden

von der Seele seiner Mutter, die er mit eigenen Händen erwürgt

und mit Steinen beschwert im Mühlbach..."

"Spricht die Patientin in wirren Sätzen von Kindern,

die als Vöglein wiedergeboren in ihren Liedern Botschaften verkünden

von der Unsterblichkeit der Seele."

"Geht nächtens auf den Friedhof, um Liebespaare zu befreien,

die begraben, aber nicht gestorben sind."

* Krähen krächzen. *

He, guck mal, hier! Hm?

Das ist es.

"Clara Ranftleben, 16 Jahre."

Kunst von psychisch Kranken,

die hat schon Max Ernst und Breton inspiriert.

* Lauter Schlag *

Die Tür hat innen keine Klinke.

Vernau, du hast den Schlüssel draußen stecken lassen? Oh, nee.

* Handyklingeln *

* Flattern, Gurren *

Ja, hallo?

Hallo?

* Tuten *

Aufgelegt.

* Schwungvolle Musik *

Ich kann es ihm nicht sagen.

Nicht so, nicht hier.

Er ist doch so sensibel.

Was, du kannst es ihm nicht sagen? Das glaub ich jetzt nicht.

Komm, ich übernehm das jetzt mal. - Was?

* Schwungvolle Musik *

Na?

Besetzt. - (seufzend) Ja.

Nein, nein, Frau Öttinger. Ich möchte nicht,

dass Sie mit nassen Haaren hinausgehen.

Ich bitte Sie nur Ihren Friseurtermin abzukürzen.

Hier oben ist es ziemlich kalt.

Danke schön. Das wär... Danke. Danke.

Deine Freundin ist in 'ner halben Stunde da.

Na, da rechne gleich mal zwei Stunden dazu.

Frau Öttinger ließ mich schon immer am ausgestreckten Arm verhungern.

Hab ich dir die Geschichte erzählt von meinem Auto und meinem Exfreund?

Gefühlte 50 Mal. Nee, eben nicht. Pass mal auf.

Mein erstes Westauto, ja? Ziemliche Blechkiste, angerostet.

Aber ich hab's geliebt. Genau wie meinen Freund.

Die Reihenfolge ist vielleicht doof.

Ich hätte meinen Freund zuerst erwähnen sollen.

Ja, du. Ich hab wirklich gelitten. Mmh.

Mein Auto war futsch, Schrott. Und mein Freund auch. Mmh.

Also der war jetzt nicht Schrott.

Obwohl... Wenn ich so darüber nachdenke...

Katharina Öttinger hat jedenfalls schon damals

eindeutig Prioritäten gesetzt, was ihre Loyalität betraf. Hmm.

Was macht ihr hier an einem schulfreien Tag?

Ich dachte, Sie waren beim Friseur? Pff.

Dort oben wurden die Albträume einer Wahnsinnigen

zur Vorlage für ein Spiel. Und das geriet außer Kontrolle.

Ich habe von solchen Spielen gehört, aber hier sind sie streng verboten.

Wer spielt, der fliegt. Dann machen sie's heimlich.

Und jemand benutzt Clarissas Namen, ruft bei der Polizei an.

Behauptet, Maximilianes Tod sei erst der Anfang.

"Tod euch allen." Das stand an der Tafel.

Das war 'ne Drohung. Ach, das ist absurd.

Informieren Sie die Schüler. Wa...

Beziehen Sie die Eltern ein. Rufen Sie sie an. Jetzt!

Was soll ich ihnen denn sagen?

Das kann doch nicht deine ganze Reaktion sein?

Natürlich nicht. Ich, ich...

Ich werde die Sicherheitsmaßnahmen erhöhen.

Aber ich kann nicht jeden unter Personenschutz stellen.

(seufzend) Boah. (Katharina) Mit welcher Begründung?

Dass eine tote Schülerin ihre Klassenkameraden terrorisiert?

Katharina, ich versteh dich nicht. Bitte bleib, ich brauch dich hier!

(Katharina) Ich habe geglaubt, mit deinem Herrn Vernau

ein Problem zu lösen und keines dazuzubekommen.

Mit "meinem" Herrn Vernau? Hätte ich dir gleich sagen können,

dass er jemand ist, der zuerst an die Schüler denkt.

(Katharina) Das tu ich auch. Und gerade deshalb möchte ich,

dass niemand ohne Genehmigung das Schulgelände betritt.

Kann man das mit einer einstweiligen Verfügung

oder einem Hausverbot durchsetzen?

Ein Hausverbot für Externe ist kein Problem.

Aber 'ne einstweilige Verfügung? Wer soll das kontrollieren?

Profis. Der Wachschutz wird aufgestockt.

(seufzt) Was das alles kostet.

Du kannst doch nicht völlig außer Acht lassen,

was Vernau dir gerade gesagt hat. Rollenspiele, hier?

Das ist doch lächerlich.

Ich erwarte bis Montag eine konkrete Vorlage.

Okay.

* Tür fällt zu. *

* Spannungsvolle Musik *

* Hund bellt. *

* Türglocke, Hund bellt. *

(Mann über Sprechanlage) "Ja?" Herr Scharnow?

Mein Name ist Vernau. Ich bin Lehrer an der Schule,

die auch Clarissa besuchte. "Moment, bitte."

* Türöffner summt. *

Aus. Aus! Ja, ist gut. (lacht)

Sie müssen entschuldigen, sie ist noch sehr jung.

Kein Problem.

Monate haben wir versucht mit der Schulleitung zu reden.

Immer wurden wir abgewimmelt.

Danke schön.

Meine Frau ist in Kur.

Ein anderes Wort dafür, wenn man nach einem Zusammenbruch

nicht mehr auf die Beine kommt.

Meine Frau, die Kinder und ich.

Dürfte ich...? Ja, bitte.

Unser Sohn Eyk ist in Rosenholm, einem Internat am Bodensee.

Sagt Ihnen was? Nee. Das sagt mir nichts.

Ist das Clarissa?

Also?

Herr Scharnow, gestern ist wieder ein Mädchen gestorben.

Diesmal hat jemand bei der Polizei angerufen

und weitere Morde angekündigt.

Der Anruf kam vom Handy ...

Ihrer toten Tochter.

Ich habe den Eindruck, jemand gibt meiner Klasse

die Schuld an Clarissas Tod.

Damit ich Sie richtig verstehe: Jemand rächt meine Tochter?

Dann bin ich ehrlich gesagt geneigt, ihn gewähren zu lassen.

Ich nicht.

Herr Scharnow, der benutzt das Telefon, den Namen

und das Andenken Ihrer Tochter. Wollen Sie das wirklich?

Wir wollten aus ihrem Zimmer kein Museum machen, aber ...

das fällt uns schwerer, als wir dachten.

Mhm.

Hier, bitte.

Am Sonntag ist ihr erster Todestag.

* Klettverschluss *

Ihre Schulmappe.

Wo ist die SIM-Karte?

Ich weiß nicht. Es war eine Prepaid-Karte.

Sie war jung, sie war verliebt.

Und dann stürzt sie sich in den Tod.

Matthias hat es genauso wenig verwunden wie wir.

Matthias? Der... Der aus ihrer Klasse?

Ich dachte, da wäre was mit einem libanesischen Jungen?

Das hätte ich gewusst, das können Sie mir glauben.

Matthias war uns nach ihrem Tod eine große Stütze. War öfters hier.

Die ganze Klasse kam vorbei. Es war für alle ein großer Schock.

In Schmerz und Trauer, da zeigt sich,

auf wen man sich verlassen kann.

Herr Scharnow? Gehen Sie zur Polizei.

Wegen der gestohlenen SIM-Karte? Nein. Weil jemand

im Namen Ihrer Tochter... Meinen Segen hat er ja.

* Handyklingeln *

* Vernau stöhnt. *

Ja?

Herr Vernau? Ja.

Jemand will mit Ihnen reden. "Ja, dann...!"

"Hallo?" Joachim?

Ja? Hallo? "Also..."

Ich wollte dir sagen, ähm...

Wie... Wie geht's den Fischen?

Wa... den Fischen? Mama, ich fahre Auto.

Ich kann nicht telefonieren.

Wir können sie morgen holen. Ist das in Ordnung?

"Ähm... morgen?"

Ja, ja. Ist in Ordnung.

Sag ihm, wir wohnen woanders

und haben unsere Wohnung aufgelöst.

Ha-llo?!

Und dann wollt ich dir noch sagen, dass wir...

* Verbindung bricht ab. * Joachim?

Hallo?

Da müssen Sie drauf drücken. Dann ist das Gespräch zu Ende.

* Muezzin-Gesang *

(Frau über Sprechanlage) "Ja?" Frau Sommerlath? Joachim Vernau.

Ihr letztes Date. Ich brauch noch mal Ihre Hilfe.

"Bei aller Liebe, das hat Zeit bis Montag."

Sie lieben doch Fische. "Wozu wollen Sie mich überreden?"

Herr Vernau, gucken Sie mal. Das ist 'n sehr schöner Fisch.

Ja, ja. Nehm ich. Nehm ich.

Ja? Und vielleicht noch... Vielleicht noch...

Dalmatiner-Mollys. Die sind sehr robust.

Für Aquaristik-Neulinge gut geeignet. Ah ja.

Nehm ich, nehm ich. Zwei. Oder besser vier?

Gibt's sonst noch was? Ich...

Sie wollen gar keine Fische. Fische machen mir Angst.

Dieses Schweigen. Diese Augen.

Erzählen Sie mir lieber noch was von Romeo und Julia.

Die Geschichte ist bekannt.

Auch, wie sie ausgeht. Ich war bei Clarissas Vater.

Er versicherte mir, seine Tochter war nie

mit einem libanesischen Jungen zusammen.

Nicht offiziell. Äh...

Was halten Sie von diesen Guppys? Sehr pflegeleicht.

Ja? Nehm ich, nehm ich. Ich muss diesen Sami sprechen.

Warum? Ich hab ihn an der Schule gesehen.

Er sprang von einem Baugerüst und rannte davon.

Unmittelbar nach Maximilianes Tod.

Und damit ist er gleich verdächtig? Ja, find ich schon.

Herr Vernau. Sami Khalil ist...

Gehen Sie doch einfach mal 'ne Wasserpfeife rauchen.

(Verkäufer) Wie wäre es mit diesen Schmetterlingsharnischwelsen?

Sehr pflegeleicht. - Oh, die sind schön.

Allerdings sollte man sie nicht mit den Guppys in ein Aquarium...

Wissen Sie was? Ich nehme einfach ein oder besser zwei Dutzend.

Von allen hier. Pärchen. Hetero. Wegen der Nachhaltigkeit.

Entschuldigung. Sind Sie der... der Chef?

Ja. Ich muss Sami Khalil sprechen.

Es ist dringend. Wer sind Sie?

Ich bin ein Lehrer. Ich kenne keinen Sami Khalil.

Würden Sie's Ihrem Sohn trotzdem ausrichten?

* Sirene von draußen *

* Sanfte Musik *

(schmunzelnd) Kaviar für alle.

* Reifen quietschen. *

* Er stöhnt. *

Sami!

Können wir uns unterhalten? Bevor es die Bullen machen?

Du warst zur falschen Zeit am falschen Ort.

Ja, 'n Ausländer und 'n Tatort ist so viel wie überführt, was?

Wollen wir drin darüber reden?

Ich stell jede Woche eine hin. Für Clarissa.

Wart ihr denn nun ein Paar? Clarissa und du?

Ja. Ja?

Ihr Vater sagt was anderes.

Ihr Vater ist 'n Fascho.

Der nennt seinen Jagdhund Blondie. Noch Fragen?

Gut. Der Vater der Braut ist ein Idiot.

Aber davon lässt du dich doch nicht abschrecken.

Ihr Bruder hat mich mit 'nem Messer bedroht,

weil er uns zusammen gesehen hat. Außerdem, was soll der Scheiß?

So was braucht Zeit. Nicht nur bei ihren Leuten.

Die sind völlig irre.

Völlig durchgeknallt. Alle da.

Wird denen ihr Trinkwasser vergiftet, oder was?

Was haben Sie eigentlich mit denen zu tun?

Ich bin ihr Lehrer. Also... aushilfsweise.

Eigentlich bin ich Anwalt.

Anwalt? Mmh.

Cool. * Vernau schnaubt. *

Ich soll das Geschäft übernehmen.

Würd ich wenigstens mal 'n Praktikum bekommen.

Dann könnte mein Vater sehen, dass es was anderes gibt.

So 'ne Kanzlei zum Beispiel.

Mal vor Gericht dafür sorgen, dass nicht die Falschen gewinnen.

Ein zweites Mädchen ist tot. Ich weiß.

Ich hab nix damit zu tun. Und was hast du dann dort gesucht?

Sie tun es wieder. Oben auf'm Dachboden.

Ich hab's neulich gesehen. Tun was wieder? Drogen?

Keine Ahnung. Kranken Scheiß.

Das Spiel?

Ich hab nie verstanden, was das soll.

Die waren völlig besessen davon.

Am Anfang hat Clarissa noch darüber gelacht.

Aber dann war sie drin.

Wie in 'nem Kettenkarussell, das nicht anhält.

Dann war sie weg.

Was meinst du mit weg?

Na ja, weg.

Wie vom Erdboden verschluckt.

Steht vor dir, aber nimmt dich nicht wahr.

Kriegt kein Wort raus.

"Was ist los?", hab ich gefragt. "Rede doch mit mir."

"Was haben die mit dir gemacht?"

Was hat sie gesagt?

Sie hat gesagt, sie ist in 'nem Albtraum

und sie wird nicht mehr wach. * Sami schluchzt. *

Hören Sie zu. Ich hab keine Ahnung, was sie ihr angetan haben.

Wahrscheinlich ist es besser so.

Sonst würde wahrscheinlich keiner mehr von denen leben.

Immer, wenn du in dieser Schule bist, passiert etwas.

Weißt du, dass du in Schwierigkeiten steckst?

Ich will wissen, was passiert ist. Deswegen war ich da.

Halt dich da raus. Okay?

Halt dich da raus.

Verstanden?

Ich mach das schon.

Hoffentlich.

* Unruhige Musik *

Hallo! Extra für dich.

Vollkorn, vegetarisch, gluten- und laktosefrei.

Ich hatte Salami.

Ich weiß. Hier.

Vielleicht sind die doch verrückt in meiner Klasse.

Die wollen sich nur ausprobieren. Drogen, Spiele, Sex.

Zwei Wochen vor ihrem Tod sagt Clarissa,

sie befindet sich in einem Albtraum, aus dem sie nicht mehr rauskommt.

Tut mir leid, ich muss los. Außerordentliche Elternversammlung.

Katharina will ein neues Sicherheitskonzept vorstellen.

Wieso weiß ich nichts davon? Weil sie gesagt hat, dass ähm...

dein konstruktiver Beitrag unterhalb der Wahrnehmungsgrenze liegt.

Dann hab ich ja 'nen freien Abend.

(Katharina) Wir nehmen Ihre Sorgen sehr ernst.

Wir haben jetzt Wachschutz rund um die Uhr.

Zumindest, bis der Tod

einer unserer begabtesten Abiturientinnen geklärt ist.

(Scharnow) Und was ist mit meiner Tochter?

Was wurde ihr an dieser Schule angetan?

(Domeyer) Wir verstehen Ihren Schmerz...

Nichts verstehen Sie! Alles, was hier geschieht,

steht in Ihrer Verantwortung. Und was tun Sie? Wachschutz!

Ich kann nicht für jeden einen Schülerlotsen abstellen.

Was Frau Öttinger...

Danke. Sie müssen das nicht übersetzen.

Ich werde die Polizei informieren. Die soll sich das hier mal vornehmen.

Von oben bis unten. Seit einem Jahr hält man mich hin.

Sie haben nie versucht, den Tod meiner Tochter aufzuklären.

(Katharina) Bitte mäßigen Sie sich.

Wir tun alles, um die Sicherheit der Schüler zu gewährleisten.

Ich... Ich kann Ihnen nur versichern, wir tun alles, um...

* Türen knallen. *

Vereitelung. Paragraph 52 Strafgesetzbuch.

Hey! Matthias!

Au!

Fuck.

Was wird das hier?

Beweismittelvernichtung?

Bickerich. Lexikon der Heil- und Giftpflanzen.

War das euer Kochbuch?

Die Zutaten: Tollkirsche, Bilsenkraut, Fliegenpilze.

Wir wollten keine Grenzen mehr.

* Düstere Musik *

* Mädchen stöhnt. *

* Mädchen stöhnt. *

Matthias, lass die Schlampe. Sie ist 'ne Kanakennutte!

Bitte hör auf. Lass mich los! Mir ist schlecht!

Ich hab sie so genannt.

Es ist mir rausgerutscht, weil... Kanakennutte?

Ich bin nicht rassistisch oder so.

Es ist mir einfach rausgerutscht, weil...

Weil du eifersüchtig warst?

Matthias war verliebt in Clarissa, obwohl sie ihn sitzen ließ

wegen 'nem anderen Jungen. Er hat sie einfach weitergeliebt.

Sie sind ziemlich romantisch, was?

Er war einfach noch ziemlich sauer auf sie.

Und da hat er's ihr heimgezahlt.

(Clarissa) Lass los, mir ist schlecht.

Nein! * Mädchen lacht. *

Mach mich los!

(Matthias) Nee, jetzt geht's erst richtig los.

(Mädchen) Entspann dich. - (Clarissa) Nein, nein!

(schreiend) Ihr macht mir Angst! Lass das!

* Clarissa kreischt. *

Ich bin gegangen. Ich hab nicht gefragt, was passiert ist.

Aber du weißt es.

Ein paar Tage später war sie tot.

* Dramatische Musik *

Es war so, als hätte es das Spiel nie gegeben.

Keiner hat mehr davon gesprochen.

Bis der Film aufgetaucht ist.

Welcher Film?

Beschissener Handyfilm. Hat 'n Spanner gemacht.

Zeigst du ihn mir? Ich hab ihn gelöscht. Alle haben das.

Er taucht immer wieder auf und wir löschen ihn.

Aber ihr sitzt in der Falle.

Denn der Film zeigt, was ihr getan habt.

Nichts. Wir haben nichts getan, was sie nicht wollte.

(Mann) Schönen Abend noch.

(Katharina) Psychologen, Gesprächs- kreise, Einzelsitzungen.

Ich hab ihnen nach Clarissas Tod doch alles angeboten.

Sartre sagt: "Die Jugend hat Heimweh nach der Zukunft."

Das ist eine Entschuldigung, aber keine Erklärung.

Und damit kann man keine Schule leiten.

Keine private, meinen Sie?

Keine, die in eine AG umgewandelt werden soll.

Keine, wo die Ausbildung an eine Gewinnerwartung gekoppelt ist.

Nach dieser Zukunft verspüre ich keinerlei Heimweh.

Sie sind ja auch nicht mehr jung.

Diese Krankenakte war die Vorlage für das Spiel und die Kostüme.

Und das war die Anleitung, wie man sich der regionalen Flora bedient.

Bis jetzt sind's nur 'n paar Kids,

die sich die Köpfe zugeballert haben.

Hallo? Zwei von denen leben nicht mehr.

Da oben auf dem Dachboden ist das Spiel irgendwie eskaliert.

Vielleicht wurde Clarissa vergewaltigt, alle sahen zu,

keiner hat ihr geholfen, sie kam damit nicht klar und ...

hat sich umgebracht. Jetzt sollen alle dafür büßen.

Maximiliane war die Erste.

Die Erste? Wie meinst du das?

Die Würfel, die Drohung, die schwarze Krone...

Jemand will meine ganze Klasse.

Morgen ist Clarissas Todestag.

Ich glaube, du steigerst dich langsam in was rein.

Vielleicht.

Aber... Nee! Kein Aber. Schlaf drüber.

Sprich mit ihnen nächste Woche, und halt dich an die Fakten.

* Reifen quietschen. *

* Marie-Luise seufzt. * Das ist bei mir nie passiert.

Soll ich fahren? Vernau, es reicht.

* Friedliche Musik *

* Bedrohliche Musik *

Was hast du ihm gesagt? - Nichts.

(Matthias) Der ist doch mit allen Wassern gewaschen.

Wieso sprichst du mit ihm? - Weil er der Einzige ist,

der uns vielleicht noch rausholen kann.

Ich hab mit meinen Eltern gesprochen. - (alle) Was?

Es war 'ne Party, mehr nicht. - Und du warst dabei, vergessen?

Ich geh zu den Bullen.

(schreit) Das wirst du nicht!

Wir kriegen das nicht hin, warum kapierst du das nicht?

Ich geh für keinen von euch in den Knast!

* Handys klingeln. *

Scheiße.

Wenn das im Internet ist, sind wir geliefert.

Morgen ist Clarissas Todestag.

Fuck! Wer ist die Sau?

Bist du das, hä?

Glaubst du, du kriegst Bonuspunkte, oder was?

(Mädchen schreit) Matthias, lass ihn!

(Samantha) Mann, wir sind doch alle am Arsch!

* Spannungsvolle Musik *

Fuck! Spast! Was fällt ihm ein?

* Spannungsvolle Musik *

* Vernau stöhnt. * Hier entlang. Hier.

Und nun?

Hier.

(Mutter) Vorsicht!

Herzlich willkommen!

Das ist ja 'ne hübsche Kleine. Hallo.

Marie-Luise. George.

Wieso stehen alle eure Möbel hier?

Hättest du... - (Hüthchen) Hätten Sie die Wanne

ein bisschen früher gebracht, müssten wir nicht so viel erklären.

Ihr seid hier eingezogen?

Besseres als den Tod finden wir überall.

Warum?

Und warum mit ihm?

Würdet ihr mich freundlicherweise aufklären, wer von euch mit ihm...

* Er ploppt und pfeift. *

Habt ihr das Konkubinat neu erfunden? Kommune 2.0?

Sie sind volljährig. Ja, sind wir.

Wir haben ihn beim Arzt kennengelernt. Die Hüfte.

Ihre Hüfte. - Mhm.

Er hat Platz. Und die Mieten steigen.

Und in unserem Haus wohnen nur noch alte Leute.

Gut, dass er so ein Teenager ist.

Und wir mögen seine Musik.

Ich versteh nicht... Jetzt klingst du wie dein Vater.

(Hüthchen) Mich erinnert

die Musik an den Güterbahnhof, als ich ein Kind war.

Und mich an die Kräne

von den Baustellen in den 60ern in Berlin.

Dein Vater hat dich mal auf die Baustelle vom ICC mitgenommen.

Er war Kranführer.

Und oben, von der Kabine aus, konnte man die ganze Stadt sehen.

Dein Vater hat Berlin wieder mitaufgebaut.

Mein Vater hat sich wirklich rührend um mich gekümmert.

Er hat mir eine Lehrstelle als Betonbauer besorgt.

Damit ich ihm nicht länger auf der Tasche liege. Super.

Wenn es meine Lehrer damals nicht gegeben hätte...

Weißt du was? Ich find's ganz großartig. George?

Ja? Hast du was zum Anstoßen?

Ja. Das haben wir.

Hm? Ts.

Und morgen holen wir die Fische. Welche Fische?

Die Fische. Meine Fische.

Unsere Fische. Mir gehören auch zwei. Die gestreiften. Ein Pärchen.

Blauaugenbuntbarsche. Butschie und Klaus.

(Hüthchen) Ich weiß, Fischen gibt man keine Namen.

Wer will? Ich.

* Handy klingelt. * (Hüthchen) Aber ich hab sie gerne.

Es sind zwei Männchen, oder? - Ja, ja.

Hoffmann? Stoßen wir an auf euer neues Heim.

Herzlichen Glückwunsch. Sehr gemütlich.

Viel Glück und viel Segen.

Einer deiner Schüler ist tot.

Curd.

* Gefühlvolle Musik *

Ja, wir erhöhen die Sicherheitsmaßnahmen.

Aber wir können nicht für jeden 'nen eigenen Zebrastreifen...

* Sie seufzt. * Schon wieder 'ne Abmeldung.

Das ist 'n Albtraum.

Das ist ihr Albtraum?

Weißt du was? Geh alleine da rein. Vernau... Komm.

* Leise dramatische Musik *

Hat euch jemand gesehen?

(alle der Reihe nach) Nein. - (Samantha) Gut.

Dann fangen wir jetzt an.

Mein ganzes Leben hab ich davon geträumt.

Ich wollte alles anders machen. Besser.

Diese Schule ist mein Leben. Ich weiß.

Aber du kannst nicht mehr die Augen davor verschließen,

dass Vernau vielleicht recht hat. Ach. Ein Unfall, Drogen

und ein Selbstmord im letzten Jahr. Das...

Das kann an jeder Schule vorkommen. Drei tote Schüler! Katharina!

Die Schüler haben letztes Jahr einen Verweis ausgesprochen?

Ja, und? Ein Verweis, ich mein...

Kinder richten über Kinder. Das ist doch Wahnsinn.

Bestrafe einen, erziehe hundert.

Mao? Und alle, die Regeln für etwas Positives halten.

Der Teen Court ist die rechtmäßige Schülervertretung.

Verleiht man Macht, sollte diese auch ausgeübt werden.

Das Urteil ergeht einstimmig. Verweis für Eyk Scharnow.

Scharnow? So hieß doch auch Clarissa, oder?

Ihr Bruder. Er ist ein Jahr älter als sie.

Meines Erachtens ein Fall für die Psychiatrie.

Stattdessen schicken ihn die Eltern auf teure Internate wie Rosenholm.

Vandalismus, Prügelei, Hakenkreuzschmierereien?

Schwänzen, Diebstahl, eine Messerattacke auf Sami Khalil?

Ja. Das war der Freund von Clarissa.

Oh. Ja, da war das Maß voll.

Natürlich wurde Eyk provoziert.

Es hat mich viel Arbeit gekostet, dass keine Anzeige erstattet wurde.

Aber Eyk musste gehen.

Natürlich können Schüler keinen Verweis durchsetzen,

aber sie haben ihn empfohlen. Und wir sind dem nachgekommen.

Das war schon lange überfällig. Wo ist Eyk jetzt?

In Rosenholm nehm ich an.

Können Sie da anrufen und das überprüfen?

Nein, das werde ich nicht tun.

Würden Sie freundlicherweise in Rosenholm anrufen und...

Herr Vernau! Dann mach ich es!

Sie sind von Ihrer Verpflichtung als Lehrbeauftragter entbunden.

Sie machen einen Riesenfehler. Nicht so groß wie Ihrer.

Und dich brauch ich noch!

Wir müssen wissen, wo Eyk jetzt ist. Ja.

Kannst du zu seinem Vater fahren? Ist nicht weit weg von hier.

Majakowskiring 179C. Gut.

Ich kann mich irren, aber wenn der noch im Internat am Bodensee ist,

dann fress ich 'n Besen. Und wenn nicht?

Du musst dir so 'n jungen Mann vorstellen.

Zeit seines Lebens überall abgewiesen.

Überall rausgekantet. Keiner mag den, keiner will den.

Der ist 'ne lebende Zeitbombe.

Vielleicht geht's gar nicht um Clarissa,

sondern um Rache an allen, die ihm Unrecht getan haben.

In seinen Augen.

Und du? Ich bin vielleicht kein Lehrer.

Und wenn, dann kein guter.

Aber solange das meine Klasse ist, lass ich keinen im Stich.

Nicht einen Einzigen.

* Düstere Musik *

Clarissa.

Heute ist dein Todestag.

Hör auf.

Wir sind hier.

Zeig dich.

Wir haben keine Angst vor dir. - Hör auf, lass es einfach.

Wollt ihr euren Namen im Internet lesen?

Als die, die zugeschaut haben? Wir alle waren das.

Wir alle.

* Geheimnisvolle Musik *

Wir waren dabei, Arschloch.

Wir wissen, was du getan hast. - Hey, Moment mal.

Das war Teil des Spiels. Gehörte zu den Regeln.

Sie war die schwarze Königin. - Sie konnte nicht Nein sagen.

Sie war in 'ner Zwangsjacke. - Es war freiwillig.

Außerdem ...

hättest du doch alles gegeben, wenn du's gewesen wärst.

(Samantha) Das ist lange her. Heute weiß ich, was für 'n Penner du bist.

* Bedrohliche Musik *

Curd ist tot. Maxi ist tot.

Was soll denn noch passieren?

Wir alle wissen, warum Clarissa sich umgebracht hat.

Aber wir wissen nicht, warum wir heute hier sind. Oder?

Oder wissen wir das?

Wir wollen nur den Film, mehr nicht.

Jemand will unsere Zukunft zerstören.

Was machen wir?

(Samantha) Wir warten.

Wir müssen das heute zu Ende bringen.

Eyk.

Bitte lass uns reden.

Was war der letzte Satz, den du zu mir gesagt hast?

Was?

Noch mal: Was war der letzte Satz, den du zu mir gesagt hast?

Eyk, bitte. Das ist doch Wahnsinn.

Das sagt man doch nur so, um sich zu rechtfertigen.

Sag mal deinen Satz.

"Bestrafe einen..."

"Erziehe hundert."

Was war das? - Ein Schuss.

Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren.

(flüsternd) Hallo? Hallo?

Mein Name ist Vernau.

Ich rufe aus dem von Stein-Campus an.

Hier ist eben ein Schuss gefallen.

Ein Schuss.

* Erschrockenes Einatmen *

Du! Du hast den Film aufgenommen? Du... Du hast Maxi und Curd...

Sie fehlen entschuldigt.

Aber lasst uns anfangen. Ich komm da rüber.

Na los!

* Mädchen wimmert. *

Matthias!

Würdest du dich bitte setzen?

* Wimmern *

(Eyk) "Was war das Letzte, was du damals zu mir gesagt hast?"

I-i-ich... Ich weiß nicht, was...

Was machst du?

Das ist euer jüngstes Gericht.

Ich kann dich nicht hören, Matthias.

Was hattest du damals gesagt?

Eyk, ich...

Farewell. Du hast "Farewell" gesagt.

* Wimmern * Einspruch.

Einspruch.

Wer ist denn der Clown?

Ich war mal ganz kurz Lehrer hier.

Jetzt bin ich dein Anwalt.

Verpiss dich. Du wirst einen brauchen.

Die Todesstrafe ist in Deutschland abgeschafft worden.

Grundgesetz Artikel 102.

In Indien wird die Herstellung von Alkohol mit dem Tod bestraft.

In Saudi-Arabien Hexerei. Nach welchem Recht gehen wir vor?

* Schreie *

Standgericht, verstehe.

In Ausnahmefällen zulässig.

Bei inneren Unruhen, Aufständen. Komm her. Du sollst herkommen, Mann!

Mach mal 'n bisschen schneller. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit.

Wenn du eine zwangsweise durchsetzbare Rechtspflicht

begründen könntest... Jetzt halt doch mal deine Fresse!

Was hast du damals zur Urteilsbegründung gesagt, hä?

Eyk, bitte nicht...

Die Kriegsstraf... Willst du dir 'ne Kugel fangen?

Ist okay, ich bin nur der Anwalt.

Ich brauch keinen verschissenen Anwalt!

Ich bin hier der Richter! Stopp!

* Schuss, Schreie *

Ich werd euch alle abknallen.

Ich werd euch heute alle abknallen. Wen willst du abknallen?

Die da? Schau die doch mal an. Die willst du abknallen?

Das sind doch nur kleine Lichter.

Die können dir doch nicht das Wasser reichen.

Die sind nicht dein Problem. Das wartet da draußen.

Du müsstest die ganze Schule, den ganzen Staat,

das ganze Scheißsystem abknallen. Wie willst du das schaffen?

Lass die doch gehen. Das sind doch Würmchen.

Sollen sie zurückkriechen in ihren Dreck.

Ich bin da, ich bin da! * Eyk lacht wahnsinnig. *

He, Anwalt. Weißt du, was du jetzt noch sagen müsstest?

"Na los, gib mir die Waffe, mein Junge."

"Mach keinen Unsinn, ey. Du hast dein ganzes Leben vor dir."

Die ist eh leer.

Hast du auch wirklich richtig mitgezählt?

* Spannungsvolle Musik *

* Schuss *

* Aufgeregtes Reden * Mein Sohn ist da drin!

Joachim Vernau? Wissen Sie was? Nein, leider.

(Polizist) Bitte bleiben Sie zurück.

Ein Glück!

Er hat sich einfach in den Kopf geschossen.

Vor meinen Augen. Es ging so schnell.

Ich konnte überhaupt nichts machen. Natürlich nicht.

Nimmt die Waffe und drückt einfach ab.

Er hat noch gesagt...

"Das ist mein Spiel, meine Regeln."

"Mein Ende."

Komm, ich bring dich nach Hause.

Wir brauchen noch Ihre Aussage. In fünf Minuten, ja?

Was war da oben los?

Was hat mein Sohn getan?

Er ist doch kein Amokläufer. Sie waren doch bei ihm.

Warum? Warum?

War's wegen Clarissa?

Sagen Sie's mir, bitte.

Er hat Clarissa rächen wollen.

Ja.

(Scharnow murmelt) Er hat Clarissa rächen wollen.

Ja...

Mmh.

Wie lange wollt ihr eigentlich in diesem Provisorium noch bleiben?

(schmunzelt) Ich weiß.

Dein Vater hätte nur den Kopf geschüttelt.

Ich hab's dir nie gesagt, aber er wäre sehr stolz auf dich gewesen.

Der erste Akademiker in der Familie.

Wenn mein Lehrer damals nicht so... Dein Vater war bei ihm.

Er wollte wissen, ob du's schaffst. Wirklich schaffst.

Dein Lehrer meinte, er legt seine Hand nicht für dich ins Feuer.

Da hat dein Vater gesagt: "Aber ich."

"Mein Sohn wird studieren. Meine Hand drauf."

Dein Vater hat für dich seine Hand ins Feuer gelegt.

Manchmal denk ich, schade, dass er das alles nicht mehr miterlebt hat.

Das denk ich jedes Mal, wenn ich dich sehe.

Mit süßer Kondensmilch? - Bitte.

Genau so, wie ich es mag.

* Vernau schnaubt. * Den Tee hab ich gemacht.

(George) Wunderbar. - Kräutertee. Wir ziehen ihn selbst.

Sag mal, ist da das drin, was ich denke?

Besser als Baldrian.

Puh.

Raucht ihr das Zeug auch? Nur draußen vor der Tür.

Wir sind eine Nichtraucherw...

Wohngemeinschaft. Nun sag es doch.

Eine Nichtraucherwohngemeinschaft.

* Vernau stöhnt. * Puh.

Oje.

* Im Hintergrund läuft "Suzanne" von Leonard Cohen. *

War ich wirklich bei ihm auf dem Kran?

Ja.

Ganz oben.

Erzähl mehr davon.

Ich hab schon so viel vergessen.

Und die hier hast du zu Hause vergessen.

* Vernau schmunzelt. *

(George) Wunderbar. Ich liebe Fisch.

Die leben ja wieder. (George) Wunderbar. Es ist wunderbar.

* Leonard Cohen singt "Suzanne". *

Untertitel im Auftrag des ZDF, 2016

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