All language subtitles for 2014_Die letzte Instanz.deu

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Original subtitles

Joachim Vernau

Marie-Luise Hoffmann

Hans-Jörg Hellmer

Salome Noack

Leise, spannende Musik

Kopf hoch, Herr Hellmer. Es hätte schlimmer kommen können.

Wegen einer Flasche Schnaps, Herr Rechtsanwalt?

Das können die mit mir nicht machen!

Ich hab mir nie was zuschulden kommen lassen. Das wissen Sie doch.

Beruhigen Sie sich mal. Kann ich nicht. Will ich nicht.

Das ist doch kein Rechtsstaat hier mehr. Ich will Revision!

Vernau? Revision will ich!

Joachim Vernau! Marquardt!

Mensch, was machst du denn hier?

Dass ich dich jemals mit 'ner Robe sehen würde, hätt ich nicht gedacht.

Hab grad 'ne Steuerhinterziehung. 20 Millionen. Und du?

Ich auch 20. Echt?

Euro. Ladendiebstahl.

Hauptsache, man bleibt in Übung, was? Revision will ich!

Herr Hellmer, hier ist Rauchverbot. Da müssten Sie rausgehen.

Kommen da gleich vier Wochen Bau oben drauf, ja?

Ich geh ja schon, ich geh ja schon. Wenn schon mein Geruch ...

Man kann sie sich nicht aussuchen, sag ich immer.

Wir müssen mal zusammen essen gehen.

Ich hab gehört, du hast dich verändert.

Ja, das stimmt. Äh ... wer ist die denn?

Salome Noack, Staatsanwältin.

Salome? Ist das nicht die, die ...

Die sich die Köpfe der Objekte ihrer Begierde

auf dem Silbertablett servieren lässt.

Deiner ist ja noch dran. Ja ...

Also dann, lass uns essen gehen! Was ist nun, Herr Rechtsanwalt?

Krieg ich Einspruch? Widerspruch, Herr Hellmer.

Gehen Sie doch schon mal vor, ich komm gleich nach.

Widerspruch ...

50 Millionen Euro für Tegel für die Toiletten.

Und ich komm nicht rein.

Wo soll's denn hingehen?

Nach oben. Nach oben.

Darf ich vorstellen: Joachim Vernau, ein Kollege von mir.

Er war mal einer der ganz Großen.

War? Dann gehört er also zu dir?

Ich wurde einen Kopf kürzer gemacht, quasi.

Beim ersten Mal tut's noch weh. Sie kennen sich aus?

Staatsanwältin, sag ich doch.

Hier, die machen wir noch selbst.

Ich hab 'ne Kanzlei in Prenzlauer Berg.

Falls Sie mal 'nen guten Anwalt brauchen.

Ich werd's mir merken. Schönen Tag noch.

Also dann.

Frau Staatsanwältin, ich hätte da noch 'ne Frage.

Hatten wir uns nicht ganz lose verabredet zur ...

Spannende Musik mit Streichern

Nicht doch, Fräuleinchen, nicht doch!

Hupen, quietschende Reifen

Halt! Schuss

Halt, bleiben Sie stehen!

Stehenbleiben!

Hol Verstärkung! Schnell, schnell!

Zurück! Zurück, hab ich gesagt! Gehen Sie weg!

Das ist ein Tatort, kein Jahrmarkt! Los, weg da!

Gehen Sie auf die andere Straßenseite!

Hellmer!

Spannende Musik mit Streichern

Ist er tot? Gott sei Dank nicht.

Meine Tropfen.

Hm? Die Tasche.

In der Tasche da müssen Tropfen sein.

Was ist passiert?

Diese Frau hat auf einen Mann geschossen.

Auf wen? Mit dieser Waffe.

Warum haben Sie denn geschossen?

Ich will nach Hause. Das geht jetzt nicht mehr.

Wo ist der Mann, auf den sie geschossen hat?

Der ist weg. Margarethe Altenburg aus Görlitz.

Margarethe Altenburg ... 76 Jahre.

Alterskriminalität wird maßlos unterschätzt.

Kann mal jemand 'n Krankenwagen rufen?

Sie räumen jetzt den Tatort. Sie auch, weg hier!

Ich brauche ...

Was? Ein Nachthemd.

Wir werden Sie umgehend dem Haftrichter vorführen.

Nehmen Sie sie endlich fest?

Diese Frau gehört in ein Krankenhaus, sofort.

Sind Sie jetzt Arzt?

Nein, aber ich bin ab jetzt Margarethe Altenburgs Anwalt.

Vollmacht wird anwaltlich versichert und nachgereicht.

Ruhige Musik

Und da lag sie plötzlich vor mir, zu meinen Füßen.

Als wär sie vom Himmel gefallen.

Äh ... Blutflecken mit kaltem Wasser?

Blut? Mhm.

Unsere neue Mandantin. Und was für eine!

Nötigung, unerlaubter Waffenbesitz, Totschlag.

Versuchter Totschlag.

Und mit der passenden Staatsanwältin: Mordversuch.

Was für 'ne Staatsanwältin? Lass mich mal machen.

Wenn wir unsere Mandanten in wehr- losem Zustand auflesen müssen ...

Kommt mal 'n Heizungsmonteur? Ich hab dir schon 3000 Mal gesagt,

dass die uns das Ding abgestellt haben. Letzte Woche.

Musst du immer alles kleinreden? Okay, 4000 Mal.

Jedenfalls ist dein erster Auftrag nach langer Zeit ein bisschen ...

Speziell.

Noch mal, damit ich mitkomme. Margarethe Altenburg, 76 Jahre.

Kommt aus Görlitz. Ja. Mit ihrer Kirchgemeinde.

Kaffeefahrt, Lichter der Großstadt, Berlin ...

Setzt sich ab und schießt auf den Obdachlosen Hellmer. Warum?

Weiß ich nicht. Noch nicht. Viel- leicht mag sie keine Obdachlosen.

Vielleicht war ihr langweilig. Das Opfer ist dein Mandant.

Du kannst doch nicht gleichzeitig Opfer und Täter vertreten.

Ich teile gern. Du den Kläger, ich die Angeklagte.

Das geht nicht! Dann tauschen wir.

Ich dachte, Opfer liegen dir mehr.

Mach, was du willst, aber lass mich da raus.

Sag mal, warum ist es eigentlich so warm bei dir?

Hast du Hitzewallungen? Wechseljahre?

Wie alt wirst du eigentlich nächste Woche?

Keine Geschenke. Mit dem letzten desinfizier ich noch das Klo.

Wer hat den Fall bei der Kripo übernommen?

Ritter. Und Staatsanwaltschaft?

Salome Noack. Na dann viel Glück.

Wieso? Kennst du sie? Nur das, was man so hört.

Und, was hört man so?

Dass sie, wenn sie ihr Paarungs- und Karrieremuster beibehält,

bald stellvertretende Vorsitzende des Oberlandesgerichts wird.

Sie hat sich mit höchster Kompetenz und bedingungsloser Hingabe

nach oben geschlafen.

Hast du ein Problem mit gut aussehenden, intelligenten Frauen?

Träum weiter! Ich sagte nach oben schlafen, nicht nach unten.

Pass mal auf dein Karma auf.

Katzen-Miauen

Frau Freytag. Ja?

Ich hab leider keine guten Nachrichten für Sie.

Leise, ruhige Musik

Ich mach das, danke.

Guten Tag.

Guten Tag.

Erinnern Sie sich noch an mich? Natürlich.

So.

Bitte schön. Danke.

Flanell, das ist schön. Ich frier doch so schnell.

Oh ja, vielen Dank.

Ruhige Musik mit Streichern

So, Frau Altenburg, dann würd ich Sie bitten, hier zu unterschreiben.

Das ist eine Vollmacht, dass ich Sie vertreten kann.

Das brauch ich nicht. Oh doch.

Sie haben auf einen Menschen geschossen.

Das sieht unser Rechtssystem nicht gerne.

Für mich gibt's nur eine Instanz. Vor der muss ich mich alleine vertreten.

Sie haben auf einen Obdachlosen ge- schossen. Der hätte tot sein können.

Was hat er Ihnen getan? Nichts.

Ich kannte ihn doch gar nicht. Moment mal.

Was war das dann? Ein Versehen, eine Schießübung?

Oder einfach nur Zufall?

Oder finden Sie einen Berliner Knast aufregender als Ihr Zuhause,

da in ... in ... wo immer das ist? Fragen Sie mich nicht.

Das wird man Sie aber fragen, vor Gericht.

Wenn Sie nicht unterschreiben, krie- gen Sie einen Pflichtverteidiger.

Nein, das brauch ich nicht.

Doch. Nein.

Bitte unterschreiben Sie! Nein.

Ich will Ihnen nur helfen. Nein.

Doch!

Na gut.

Herr Vernau? Ja?

Ruhige Musik

Ich hab ganz vergessen.

Was bin ich Ihnen schuldig?

Nichts. Schön warm. Danke.

Kennen Sie Görlitz?

Ehrlich gesagt ...

Ich wohne dort, wo früher die Fußgängerbrücke über die Neiße ging.

Vor dem Krieg, als wir noch hinüber zum Rabenberg liefen.

Wenn der Zirkus kam auf dem Friedrichsplatz.

Heute ist das Zgorzelec. Kaum einer weiß noch was davon.

Vom Tanzlokal Sanssouci oder dem Cafe Roland.

Das Cafe Roland hatte eine ver- spiegelte Tanzfläche. Sie verstehen?

Verspiegelt.

Warum? Warum wollten Sie Hellmer töten?

Weil er es verdient hat.

Damit kommen Sie vor keinem Gericht der Welt durch.

Die Gerichte dieser Welt sind nicht die meinen.

Wer hat Ihnen die Waffe besorgt?

Das haben Sie doch nicht alleine durchgezogen.

Natürlich nicht. Ich bin nie allein.

Wer ist Ihr Komplize?

So wird das nichts.

Wenn ich das unterschreibe, werden Sie für mich nach Görlitz fahren?

Unterwäsche, Strümpfe.

Sonst noch was?

Eine kleine Zigarrenkiste aus meiner Nachttischschublade.

Nichts Wichtiges, nur Erinnerungen.

Ich hab nicht viel davon, aber das Wenige hätte ich gerne bei mir.

Und was Warmes zum Anziehen. Ich mach mich morgen auf den Weg.

Leise, ruhige Musik

Das ist zu spät. Bitte.

Nehmen Sie unseren Gemeindebus.

Sagen Sie dem Pfarrer, Sie können meinen Platz nehmen.

Hier. 14 A. Ich hab alles im Voraus bezahlt.

Schlüssel.

Noch was.

Sie werden sich verlieben.

Was? In die Stadt mein ich.

Ah. (murmelt) Die Stadt.

Beschwingte Musik mit Streichern

Ruhige Klaviermusik

(aus dem Bus) Durch, durch, durch! - Ach, guck mal hier.

Sagen Sie, haben Sie Hunger vielleicht?

Oh. Das ist aber nett. Danke schön.

Es sollte so eine nette Kaffeefahrt werden.

Drei Linden, Checkpoint Charlie, der Fernsehturm, ...

Das Landgericht war gar nicht auf dem Programm?

Nein. Sie muss 'n Taxi genommen haben.

Ich kann mir das alles gar nicht erklären.

Am Brandenburger Tor war sie noch auf dem Gruppenfoto. Oder nicht?

War sie da noch? - Das weiß ich nicht.

Margarethe ist doch keine Mörderin.

Vielleicht ist sie unzurechnungs- fähig. Das war bestimmt 'n Versehen.

Verwechselt sie öfter 'ne geladene Pistole mit ihrer Pillendose?

Sie hatte den Vorsatz, jemanden zu töten.

Nein, nein. Nicht Margarethe.

Ist Ihnen in letzter Zeit was an ihr aufgefallen?

Hatte sie einen merkwürdigen Umgang oder neue Freunde?

Nein. Aber sie hat in unserem Bibelkreis

manchmal eine etwas radikalere Position eingenommen.

Welche Position?

Verstehen Sie bitte, ich bin der Pfarrer. Die Schweigepflicht.

Ah. Auf wen hat sie denn geschossen?

Bitte verstehen Sie mich, ich bin ihr Anwalt. Beichtgeheimnis.

Ja, ja. So trägt jeder das Seine, ne?

Beschwingte Musik mit Streichern

Sie sind doch hier alle im selben Bibelkreis?

Welches Thema hatten Sie da zuletzt? Das Buch Mose.

Kapitel 20 und 21. Im Verhältnis zu den Worten des Propheten Jeremiah.

Kapitel 31, Vers 29.

Ah, ja. Verstehe. Das beschäftigt mich auch immer wieder.

Die Frage von Sünde, Schuld und Vergebung.

Das zwölfte Jahrhundert vor Christus

steht für einen gewaltigen Wendepunkt in der Rechtsprechung.

Auge um Auge, Zahn um Zahn. Sie meinen Rache?

Sie haben über Rache gesprochen?

Es gibt nur eine Instanz, die wirklich gerecht ist.

Und die die große Waage hält.

Wunde um Wunde, Hand um Hand, Leben um Leben.

Das ist Gottes Wort.

Schuld hat ein Gewicht, und das ist messbar.

So hat Margarethe Altenburg gedacht?

Sie sind wohl eher für die Bergpredigt.

Ruhige Klaviermusik

Leise, spannende Musik

Ruhige Musik mit Streichern

Telefonklingeln

Ja? (Mann) "Wer spricht da?"

Ein Freund der Familie. Besetzt-Signal

Hallo?

Türklingel

Ja? Otmar Koplin mein Name.

Ich war das eben am Telefon.

Wo ist Margarethe? Wer sind Sie?

Ich bin Margarethe Altenburgs Anwalt.

Ah, dann stimmt das also.

Was machen Sie hier? Ein paar Dinge holen.

Was für Dinge? Persönliche.

Darf ich?

Die sind zu persönlich.

Margarethe Altenburg hat einen Mord geplant.

Ich bin ihr Anwalt, und ja, jetzt ist Schluss mit persönlich.

Dürfte ich's bitte wiederhaben?

Danke.

Wer ist das auf dem Foto? Und wieso ist die bessere Hälfte abgerissen?

Tja ...

Ich muss was trinken. Der Italienermarkt hat noch auf.

Die Chance auf einen passablen Roten kriege ich ja heute Abend nicht mehr.

Spannende Musik mit Streichern

Ein Barolo.

Den wollte ich heute Abend mit Margarethe trinken.

Sie sind selbstverständlich mein Gast.

Trinken Sie öfter mal ein Glas Wein zusammen?

Wir spielen Schach. Manchmal.

Was ist passiert?

Ihre Freundin hat auf einen Obdachlosen geschossen.

Margarethes Züge waren immer etwas unvorhersehbar.

Könnten Sie mir trotzdem die Logik erklären?

Nein. Woher hatte sie die Waffe?

Keine Ahnung.

Komisch, dass sie dafür einen Fremden schickt.

Komisch, dass sie ihren Freunden nicht vertraut.

Nicht so stolz!

Man kann sich die Leute nicht immer aussuchen, mit denen man trinkt.

Was ist denn mit Margarethes Mann passiert?

Hat sich vor 30 Jahren die Lunge aus dem Leib gehustet.

War in einer der Textilfabriken.

Chrom, Quecksilber, Phosphat.

Gibt es Kinder? Einen Sohn, Maik.

Ja.

Er ist auch schon lange tot.

Maik war keine Leuchte, in nichts.

Aber damals hatte man auch für solche Leute einen Platz.

Nach der NVA hat er in der Spinne gearbeitet.

Spulen wechseln, warten, oder was ähnlich Anspruchsvolles.

Heiratet, wartet.

Auf das kleine Glück.

Und dann kommt die Wende.

Als Erstes haben die die Strickwaren dichtgemacht.

Als Zweites die Zuschneidebetriebe.

Und dann die Spinne.

Für eine Mark hat sie die Treuhand verkauft.

An jeden, der das Blaue vom Himmel lügen konnte.

Ich war Betriebsarzt.

Zum Schluss hab ich nur noch Psychopharmaka verschrieben.

Und 'ne Menge falscher Totenscheine ausgefüllt.

Das versteh ich nicht.

Herzinfarkt.

Schlaganfall. Klingt doch besser für die Versicherung als "erhängt", oder?

Machen wir einen kleinen Spaziergang.

Ruhige Musik mit Streichern Krähenschreie

Nach drei Jahren ...

Nach drei Jahren war hier alles vorbei. Tabula rasa.

Dank dieser Treuhandverbrecher, dieser Lumpen, diesem Geschmeiß.

Darauf, dass man beenden soll, was man angefangen hat.

Egal, um welches Spiel es sich handelt.

Dann haben Sie aber schon verloren, denn die Dame ist vom Brett.

Es ist so gut wie schachmatt. Nicht, wenn man genug Bauern hat.

Sie sind etwas aus der Übung.

Vielleicht spielen wir mal 'ne Partie zusammen.

So jung ... 20 Jahre.

Woran ist er denn gestorben?

Kirchenglocke

Er ächzt.

Handyklingeln

Ja? (durchs Telefon) Wo steckst du?

Ich brauch dringend die Vollmacht, damit ich ...

"Görlitz. Guter Wein, gutes Bett." In wessen Bett?

"Margarethe Altenburgs."

Sag mal, Vernau, hakt's jetzt bei dir komplett?

"Schatz, bitte, es ist nicht so, wie du denkst. Ich kann alles erklären."

Die ist 76. "Eben."

Deswegen liegt sie in Berlin in einem Krankenhaus

und ich hier in Görlitz in ihrem doppelten Doppelbett.

"Siehst du sonst noch irgendwas doppelt?"

Sonst würde ich vorschlagen, dass du dich schleunigst in Bewegung setzt.

"(gähnend) "Mach ich morgen, ja? Morgen Früh."

Gleich mit dem ersten Zug. Versprochen.

Okay. Du, der Haftrichter will ... Besetzt-Signal

Vernau? Hallo? Hey!

Spannende Klaviermusik

Äh, 'tschuldigung? Ja?

Was ist denn mit dem Restaurant passiert?

Das Restaurant ist seit Jahren geschlossen.

Das ist völlig unmöglich.

Ich hab gestern Abend hier mit jemandem Rotwein getrunken.

Das müssen Sie geträumt haben.

Leise, spannende Musik

(murmelt) Gibt's doch nicht!

Hey.

Na? Na?

Du, Frau Altenburg ist gestorben letzte Nacht.

Das Herz.

Soll ein schneller, leichter Tod gewesen sein, sagen die Ärzte.

So genau weiß man das ja nie.

Es tut mir leid.

Du hast sie sehr gemocht, oder?

Man soll seine Mandanten nicht mögen.

Sie hat immer so schnell gefroren.

Die Tatverdächtige ist tot, also habe ich das Verfahren eingestellt.

Außerdem wissen wir immer noch nicht, auf wen sie geschossen hat.

Ich schon. Haben Sie die alle selbst gewonnen?

Natürlich. Wen hatte die Frau im Visier?

Hans-Jörg Hellmer. Ein Obdachloser.

Und warum hat er keine Anzeige erstattet?

Das Verhältnis von Menschen ohne festen Wohnsitz zur Exekutive

ist gelegentlich ... etwas gespannt.

Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen.

Ist das Ihr ganzes Mittagessen?

Vergessen Sie's. Privattermine gibt's bei mir nicht.

Margarethe Altenburg, die hatte - oh.

Einen Komplizen.

Ist das eine Vermutung, oder wissen Sie das?

Beides. Gehen Sie damit zur Polizei.

Und finden Sie Ihren Obdachlosen, der soll Anzeige erstatten.

Aber versprechen Sie sich nicht zu viel davon.

Machen Sie das aus Spaß oder weil Sie gerne gewinnen?

Weil's Spaß macht, zu gewinnen.

Ja. Versuchen Sie's doch selbst mal.

War noch was? Nein.

Spannende Musik, undeutliche Gesprächsfetzen

Der war seit Tagen nicht mehr hier. Haben Sie Hunger?

Ja ... Nein. Seh ich so aus?

Vergessen Sie's. Danke.

Europäisches und internationales Verfahrensrecht, klar.

An der Humboldt. Mit dem ollen Hutter.

Ja. Ohne meine Notizen wärst du aufgeschmissen gewesen.

Hannes!

Joachim, stimmt's? Vernau. Gott, was ist denn passiert?

Das Übliche. Zu teures Haus, zu teure Frau, zu billiger Wein.

Wenn ich dir irgendwie helfen kann ...

Ich komm schon wieder auf die Beine. Aber was ist mit dir?

War nichts mit der Selbstständigkeit?

Also hier bin ich nur zufällig. Das sagen sie alle. Am Anfang.

Die Kleiderkammer hat erst wieder am Nachmittag auf.

Du musst dir was Warmes besorgen, sonst holst du dir den Tod.

Ich muss jetzt. Klar.

Beschwingte Musik mit Streichern

Mach's gut.

Haben Sie vielleicht was als Zugabe? Ist sonst zu trocken.

Hey, Vernau, unser Ausreißer ist wieder da.

Herr Vernau? Nicht jetzt.

Ich habe die ganze Stadt nach Ihnen abgesucht.

Ich weiß, Sie machen keine halben Sachen.

Ich hab gehört, Sie suchen mich.

Wegen dem Einspruch, ja? Da ist noch was zu machen, ja?

Nee, Herr Hellmer, da ist garantiert nichts mehr zu machen.

Aber ich bin doch wegen was anderem hier.

Ich weiß. Wegen Margarethe Altenburg.

Die alte Dame, die neulich auf Sie geschossen hat?

Vor dem Gericht? Sie erinnern sich? Ja.

Die ist jetzt tot.

Die ist gestorben? Herrje, das tut mir aber leid.

Das ist ein ganz feiner Zug von Ihnen. Kannten Sie sich?

Nee. Nie gesehen. Ich muss ...

Ja, genau. Sie müssen Anzeige erstatten.

Aber warum denn? Die ist doch jetzt schon gestraft genug.

Herr Rechtsanwalt, ich hab 'n Problem.

Eins?

Ich werde verfolgt.

Beim letzten Mal war's der Ladendetektiv.

Davor die Kontrolleure, die Sie in der U-Bahn

zum 34. Mal beim Schwarzfahren erwischt haben. Wer ist es diesmal?

Ich weiß nicht.

Er ist grau.

Grau. Irgendwie grau.

Grau? Grau, ja. Sogar der Hut.

Dieser Hut, was war das für 'n Hut? So ein Heilsarmee-Deckel?

So 'n, so 'n ... Volkssolidaritäts ... Käppi?

'Ne Schirmmütze? Ja. Grau, auch der. Genau.

Kennen Sie den?

Ja, den kenn ich. Der Mann heißt Otmar Koplin.

Ist das nicht verrückt? Die Welt ist doch ein Dorf.

Der kommt auch aus Görlitz.

Und zufällig ist er ein Freund unserer Margarethe Altenburg.

Und jetzt frage ich Sie, Herr Hellmer:

Was haben Sie zum Teufel mit den beiden zu tun?

Nichts. Nichts.

Ich schwör's! Bei allem, was mir heilig ist.

Ich schwör's bei meinem Leben! Bei meinem Leben, Herr Rechtsanwalt!

Beim Leben meiner Mutter. Bei Ihrem. Bei Ihrem auch.

Schon gut, schon gut.

Irgendwas muss die beiden doch auf Ihre Fährte gehetzt haben.

Bin ich jetzt der Böse? Die wollte mich killen, nicht umgekehrt.

Und jetzt, wo die Alte tot ist, macht der Andere weiter. Nee, nee.

Gehen Sie zur Polizei! Aber da glaubt mir doch keiner.

Keiner! Wo soll ich denn hin?

Gestern hab ich Manni mein Bett bei den Maltesern gegeben.

Die Nacht war kalt draußen. Ich frier mir den Arsch ab.

Leise, beschwingte Musik mit Streichern

Nee! Nee! Schreckst du denn vor gar nichts mehr zurück?

Herr Hellmer, Ihre nächste Station wird warm, trocken und sicher.

Geht es jetzt ins Kittchen?

Ganz so schlimm wird's nicht.

Also der geht doch noch?

Das ist 'ne 38. Da glaubst ja selber nicht mehr dran.

Hallihallo. Der hat immer noch 'n Schlüssel?

Hallo, Mama.

Was macht ihr denn? Wollt ihr umziehen?

Wir haben mal den Keller entrümpelt.

Sag mal ... Ist das mein Falcone-Anzug?

Das ist italienische Maßarbeit! Den such ich seit zwei Monaten!

Der sollte in die Reinigung, nicht in den Müll!

Der sieht doch aus wie vom Roten Kreuz!

Vaters Sachen.

Ich dachte, nach über 20 Jahren ... Vielleicht ...

Nach 20 Jahren im Keller, meint sie.

In denen sich niemand um das Zeug gekümmert hat.

Mein Gott, du bist ihm so ähnlich.

Jetzt hör mal auf.

Mamachen.

Türklingel

Erwartet ihr noch jemanden?

Wir? Nein. Oder? - Nee.

Soll ich mal nachsehen? Wenn Sie so freundlich wären.

Ruhige Klaviermusik

Tag auch.

Schöne Frau, ich melde mich gehorsamst zum Vollzugsantritt.

(lachend) Mensch, Marie! Lange nicht gesehen!

Na? Hallo! Hallo!

Setz dich.

Sagt dir der Name Hellmer irgendwas? Wer?

Julchen! Das Gleiche für die Dame. Und 'n Wasser, bitte!

Julchen? Da ist nichts.

Hellmer. Hans-Jörg Hellmer. Obdachlos.

Letzte Woche wurde auf ihn geschossen, hier um die Ecke.

Hellmer! Der war das!

Danke dir, Julchen. Danke.

So 'ne verrückte Nummer. Und dann stirbt die Frau auch noch!

'Ne Tragödie! Nee, wie nennt man diese absurde Mischung

aus verrückt und tragisch?

Das Leben, Alttay. (lachend) Ja!

Und das hetzt unserem Unschuldslamm Hellmer

den nächsten Verfolger auf den Hals.

Jemand ist hinter ihm her, und er schwört, er weiß nicht, warum.

Ich hab schon 'ne Menge Schwüre ... Mh, wäh!

Ich hab schon 'ne Menge Schwüre im Leben gehört.

Hellmer, Hellmer ... Nagel mich nicht fest, aber da war was.

Mit Hellmer ist immer irgendwas.

Ladendiebstähle, Schwarzfahren. Aber der ist harmlos.

Und jetzt machen diese durch- geknallten Rentner Jagd auf ihn.

Nein. Wenn ich's doch sage!

Das mein ich nicht. Hellmer ist nicht der, für den ihr ihn haltet.

Es ist schon 'ne Weile her. Damals war er noch nicht obdachlos.

Da hatte er hier in der Littenstraße ein Verfahren

wegen Paragraph 170 am Hals. 170? Das wüssten wir.

Bitte. - Danke, Julchen.

Guten Appetit.

Nicht, wenn die Anklage fallengelassen wurde.

Ich erinnere mich deshalb, weil zu der Zeit 'ne Menge hier los war.

Die Krankenschwestergeschichte, dann der Mord in Hakenfelde.

(kauend) Und dann war da noch ... dann war da noch ...

Ach, verdammt! Um was es jetzt genau dabei ging,

Fällt mir einfach nicht mehr ein. Alttay.

Du kriegst die Story exklusiv, wenn da was ist.

Wenn, ja, wenn! Wir müssten ins Archiv, aber das hat schon zu.

Kommst du morgen? Klar.

Prima! Julchen, zwei Wodka! - Kommt!

Wo ist es denn jetzt, euer Sorgenkind?

Schüsse und Schreie aus dem Fernseher

Kriegsgeschrei aus dem Fernseher

Ruhige Musik

Schrei, Pferdewiehern

Miauen

Herr Vernau?

Herr Vernau. Frau Freytag.

Ihre Kollegin hat gesagt, es wird schwierig.

Vielleicht können Sie noch was machen. Sie sind ja ein Mann.

Haben Sie auch einen Brief von der Hausverwaltung bekommen?

Sie wollen renovieren. Ein neues Bad und neue Fenster.

Ja. Das ist auch bitter nötig.

Aber ich darf dann keine Haustiere mehr haben. Wo sollen die denn hin?

Ins Tierheim? Da hab ich sie doch alle her!

Das kann ich ihnen nicht antun. Sie sind doch ihre Freiheit gewohnt.

Wowereit fängt sogar Mäuse. Wowereit?

Ja! Und das ist Diepgen.

Da sehen Sie mal, wie lange die schon bei mir sind.

Und was ist mit Stobbe? Weizsäcker? Mit Reuter? Brandt?

Die sind doch schon ... Laurien! Laurien, lass das!

Herr Vernau, können Sie da nicht was machen?

Sie sind doch Anwalt.

Wie viele Katzen haben Sie denn?

Mal so, mal so. Jetzt sind's gerade 14.

14.

Ich kann sie nicht weggeben. Eher bring ich mich um.

Das ist mein Ernst, hören Sie? Eher bring ich mich um.

Haben Sie's mal mit einem sozial- psychiatrischen Dienst versucht?

Arschloch!

Miauen, Jaulen Lass es! Lass - es!

Jaulen Pscht!

Fauchen

Das ist Eierlikör. Den machen wir selber.

Der aus dem Supermarkt ist ja nicht trinkbar.

Meine Rede. Sag ich auch immer.

Die sind noch von meinem Mann.

Wo ist er denn? Gott hab ihn selig.

Es war nicht immer leicht mit ihm.

Ich war auch nicht immer so. Nee.

Hab ich auch mal alles gehabt. Das alles.

Wohnung, Job. Alles gehabt.

Und 'ne Frau in der Küche.

Was ist passiert?

War wohl auch nicht immer leicht mit mir. Auf Ihr Wohl, Gnädigste.

Ruhige Musik mit Streichern

Sie lachen und lallen.

Herr Vernau, es wäre besser, wenn Sie schnell herkämen.

Danke. Super. Danke schön.

Aua! Du weißt ja überhaupt nicht mehr, wie mein Hund gebellt hat!

Sie bellen.

(lallend) Voll nervig. Nein!

Alttay bellt.

Komm, weiter. Wir sind gleich da.

Vorsicht, Vorsicht!

(schreit) Du Arsch!

Jetzt ... jetzt weiß ich's. 'N LKW!

War der Hellmer nicht LKW-Fahrer? War er LKW-Fahrer?

(lallend) War er das? War er? Weiß ich nicht.

Aber da war was. Ich glaub, der hat ...

Was denn? Nee, morgen.

Komm morgen in die Redaktion, dann weiß ich mehr.

Jetzt fährst du schön nach Hause. Wird alles gut.

So, komm. Können Sie fahren?

Exklusiv, Mylady, nicht vergessen! Er bellt.

Wenn man dich mal von der Leine lässt ...

Ich hab unter Einsatz meiner körperlichen

und geistigen Unversehrtheit ... Vor allem der geistigen!

... herausgefunden, dass unser Unschuldslamm Hellmer

ein Verfahren wegen Paragraph 170 am Hals hatte.

Schwere Körperverletzung, Totschlag, ...

Mord. Mord.

Leise, spannende Musik

Sie schreit. Oh Gott!

(Mutter) Joachim!

Wo ist Hellmer? Er ist weg.

Er hat gesagt, er kann nur unter freiem Himmel schlafen.

Wo ist er hin? Er ist nicht hier.

Das seh ich.

Es ist nicht, wie du denkst. Ich denke nicht. Ich sehe nur.

Wär es dir lieber, er hätte da drin gelegen?

Soll die Antwort ehrlich oder höflich sein?

Na, Frau Huth? Tag, Herr Vernau.

Kalt draußen, nicht? Mhm. Sehr kalt.

Sobald das andere Zimmer renoviert ist,

hat jeder sein eigenes Schlafzimmer.

Bis dahin müssen wir eben improvisieren.

Soll das heißen,

dass dieses Provisorium eures selbst gewählten Lebensabends

keines mehr ist?

Hellmer wird heute Nacht da draußen erfrieren.

Ihr hättet ihn nicht weglassen sollen.

Ich hab doch gesagt, behaltet ihn hier!

Du hast auch gesagt, er wäre harmlos. Ja, und?

Dann hat er ein Messer geklaut.

Schließt die Tür von innen zu! Zwei Mal.

Zwei Mal.

So, jetzt geht alles wieder von vorne los.

Sie stöhnt.

Ich fahr dich erst mal nach Hause. Nee, in die Kanzlei.

Jetzt? Ja, da ist so 'ne Mieter-Sache.

(ächzend) Oh nee.

Hier, guck: Maßarbeit vom Feinsten. Vom Feinsten!

Ja, ja. Es war einmal.

Sag mal, hat irgendjemand nach mir gefragt? So heute oder so?

Nach dir? Wer soll denn nach dir fragen?

Leise, spannende Musik

Guten Abend, Herr Hellmer. Darf ich mich setzen?

Ja, bitte. Manni?

Hau ab, Manni!

Ich bin gekommen, um Sie um Verzeihung zu bitten.

Wir haben eine gemeinsame Freundin.

Hatten. Sie wissen, wen ich meine. Sie ist tot.

Ja, schlimm. Aber ich hab nichts damit zu tun, ehrlich!

Ja, es ist schlimm, was sie Ihnen angetan hat.

Unverzeihlich. Nein, nicht!

Hören Sie.

Ich will mich entschuldigen. Hier.

Ist schon okay. Haben wir alle unsere schlimmen Tage, wa?

Ich will nicht, dass ihr jemand etwas Böses wünscht, da wo sie jetzt ist.

Was meinen Sie? Können Sie diese ganze Sache vergessen?

Sind Sie deshalb hinter mir her? Warum denn sonst?

Schönen Anzug haben Sie da. Ja, nicht? Maßarbeit.

Maßarbeit vom Feinsten. Mhm.

Alles Gute. Passen Sie auf sich auf.

Sie auch, Meister. Sie auch.

(murmelt) Mach ich.

Morgen! Morgen!

Danke.

Warst du nicht in deiner Wohnung? Das ist meine Wohnung.

Seit wann das denn? Zwei Mieten schaff ich nicht mehr.

Und wenn die hier renovieren, ist sogar eine zu viel.

Du solltest deine kostenlosen Rechtsberatungen

mal auf Effizienz prüfen. Also, wegen Hellmer.

Ich krieg das alles nicht mehr richtig zusammen.

Irgendwas Schlimmes ist in seinem Vorleben passiert.

Wir müssen an die alten Gerichtsakten rankommen.

Dein Hellmer ... Es ist nicht mein Hellmer!

... hatte Dreck am Stecken.

Versuch's doch mal bei deiner Staatsanwältin.

Es ist auch nicht meine Staatsanwältin!

Ich geh zu Alttay, wenn er wieder nüchtern ist.

Deinem Alttay.

Sag mal, gibt's irgendwas, was du mir verheimlichst?

Ich? Nö.

Nicht schießen! Vernau!

Das wird mir jetzt aber unheimlich. Mir auch.

Dass du deinen zahlreichen Handicaps freiwillig weitere hinzufügst ...

Respekt! (lachend) Lass mal sehen!

Könntest du schnell mal 'n Widerspruch aufsetzen?

Mach ich im Schlaf. Worum geht's denn?

Steuernachzahlung? Vaterschaftsklage?

Mietrecht. Fristlose Kündigung.

Na ja ... Marie-Luise und ich, wir sitzen grad ein bisschen im Dreck.

Ihr habt keinen Gewerbemietvertrag.

Oh.

Oh. Wie lange geht das schon so?

Ich glaube, es gab nie einen. Sie redet nicht darüber mit mir.

Sofort Widerspruch, dann auf Duldung gehen.

Ich mach auf gewohnheitsrechtlich anerkannte Nutzung und Formfreiheit.

Mhm. Mary-Lou. Unsere Rotarmistin.

Ich hab dir nie verziehen, dass du sie mir damals weggeschnappt hast.

Sie mir auch nicht.

Ist da was zwischen euch beiden? Nein.

Ruhige Klaviermusik

Oh. Er lacht.

In meiner Kanzlei wird ein Büro frei.

Gute Konditionen, noch bessere Aussichten. Überleg's dir!

Sie sind doch nicht zufällig hier? Ich hoffe auf den kleinen Dienstweg.

Nehmen Sie mich ein Stück mit? Was wollen Sie eigentlich von mir?

Hans-Jörg Hellmer, der Mann, auf den geschossen wurde,

hatte vor ein paar Jahren ein Verfahren am Hals.

Ich versteh Sie nicht. Görlitz.

Ich war dort, im Haus von Margarethe Altenburg.

Sie hat auf ihn geschossen. Sie erinnern sich?

Ja, klar. Und?

Irgendwie gibt's da 'ne Verbindung. Ich versteh Sie nicht, Herr Vernau.

Ich geb mir Mühe, aber es gelingt mir nicht.

Besorgen Sie mir die Akte von Maik Altenburg, Margarethes Sohn.

Ich muss wissen, warum er 1991 gestorben ist. Da war er gerade 20.

Was soll das? Es gibt kein Ermittlungsverfahren.

Wenden Sie sich an die Polizei.

Wenn die was finden, kann ich entsprechende Maßnahmen einleiten.

Mhm. Hm ...

Also dann ... werd ich Sie mal nicht länger aufhalten.

Doch ... Ich bitte sogar darum.

Ruhige Musik

Mein Mann ist heute nicht da.

Das ist besser so. Das wär nicht gutgegangen.

Wer weiß, was solche Leute noch vorhaben.

Am Ende hätte er uns noch die Gurgel durchgeschnitten.

Vielleicht hat er das Messer ja gebraucht.

Fragt sich nur, für was.

Ich sage dir, wie der dich angesehen hat ...

Wie hat er mich denn angesehen? - Hm ...

Wie hat er mich denn angesehen?

Leise, melancholische Klaviermusik

Leidenschaftliches Stöhnen

Sie stöhnt.

(schwer atmend) Wasser. Hm?

Unten in der Küche.

Sind Sie fertig?

Die Frage, in welchem Verhältnis Sie zu meiner Frau stehen,

erübrigt sich wohl. Dennoch wüsste ich gerne: Wer sind Sie?

Ich bin Anwalt.

Frau Noack und ich, wir hatten b- beruflich ein ...

Du bist schon zurück?

Ja, wie du siehst.

Er räuspert sich. Na, ich werd dann mal ...

... besser gehen.

Es tut mir leid. Wir hatten 'ne Abmachung.

Es wird nicht wieder vorkommen.

Wer ist er? Nicht hier.

Hast du schon vergessen ... Nein, wie denn auch?

Jeder Tag an deiner Seite erinnert mich daran.

Du hattest es ja bisher ganz gut an meiner Seite.

Ja, und ich will, dass es so bleibt.

Verstehst du?

(flüsternd) Verstehst du?

Du weißt ganz genau, was du mir bedeutest.

Leise, dramatische Musik mit Streichern

Kirchenglocke

Ruhige Klaviermusik

Morgen.

Wie kommt Marquardt dazu, mich gegen den Vermieter zu vertreten?

Ist das deine Art von Hilfe,

überall rumzuerzählen, in welcher Scheiße ich stecke?

Erstens stecken wir beide in der Scheiße. Zweitens ...

Ausgerechnet dieser Kudamm-Advokat!

Wir haben keine andere Möglichkeit. Wie siehst du überhaupt aus?

Hast du auch keine Wohnung mehr?

Wieso ... Türklingel

Ach, das ist die Freytag. Sucht ihren Wowereit.

Darf ich fragen,

was die Staatsanwaltschaft bei uns zu suchen hat?

Ich ...

Möchtest du uns vielleicht 'n Kaffee machen?

Kaffee ist alle. Dann Tee?

Alle. 'Ne Tasse heißes Wasser?

Kaltes Wasser? Bemühen Sie sich nicht.

Ich hab schlechte Nachrichten.

Ich bin gekommen, um Ihnen das persönlich mitzuteilen.

Hellmer wurde heute tot aufgefunden, vor der Suppenküche der Heilsarmee.

Wie ist denn das passiert?

Er war betrunken. Wahrscheinlich ist er an seinem Erbrochenen erstickt.

Oder er ist erfroren.

Können Sie das ein bisschen eingrenzen?

Oder nimmt man das bei Obdachlosen nicht so genau?

Ich bin nicht gekommen, um mir das bieten zu lassen.

Warum dann?

Kann ich Sie unter vier Augen sprechen, Herr Vernau?

Mein Mann ...

Mein Mann war in Brüssel.

Er ist Berater der Kommission des Europäischen Rates.

Normalerweise bleibt er über Nacht. Gestern waren die früher fertig.

Ich wollte ihm nie wehtun.

Ich hab ihm das plausibel erklären können. Er hat es akzeptiert.

Was hat er akzeptiert?

Dass das ein einmaliger Ausrutscher war.

Ein Ausrutscher? Wie meinst du das?

So, wie man auf Hundekacke ausrutscht,

die man dann am Schuh kleben hat?

Wir sollten uns vorerst nicht mehr sehen.

Das wird sich aber nicht vermeiden lassen.

Ich werde eine Obduktion beantragen für Hellmer.

Glaubst du, ist ihm was passiert? Der Tod ist ihm passiert.

Und ich bin überzeugt, jemand hat nachgeholfen.

Ein Obdachloser, da fragt doch niemand.

Aber ich frage. Und ich werde so lange fragen ...

Ja? Hör auf damit.

Ich werd so lange fragen, bis ich alle Antworten habe.

In dein Haar bin ich verliebt, Jochanaan.

Ach komm, hör auf.

Es ist wie die großen Zedern vom Libanon,

die den Löwen Schatten spenden.

Jetzt komm mir nicht mit Oscar Wilde!

Die langen, schwarzen Nächte, wenn die Sterne bangen,

sich der Mond verbirgt, sind nicht so schwarz wie dein Haar.

Laute Rockmusik

Sag mal, was soll das? Hat sie was gegen Rammstein?

Du hast da ja überall Lippenstift!

Am Ende denkt Alttay noch, der wäre von mir. Ist ja peinlich!

Leise, spannende Musik

Hier.

Ich dachte, das ist alles schon im Internet.

(lächelnd) Ich auch. Ist es aber nicht.

Herr Alttay? Sie wären da.

Moin, moin. Hey!

Was hetzen wir uns jeden Tag ab. Schlagzeilen, Nachrichten, Stories.

Und über Nacht wird's zu Altpapier.

Das kommt mir bekannt vor. Ist ja auch von mir.

Das sind Dinge, die man nie vergisst. Schnee, schlechte Sicht.

Kind hat Geburtstag, bekommt 'n neues Fahrrad.

'N LKW biegt rechts ab.

Eine Sekunde nicht aufgepasst, schon ist es passiert.

Salome Noacks erster großer Fall.

Und sie folgt gleich der Vertei- digung und gibt Freispruch für ...

Ach du Scheiße. Hans-Jörg Hellmer.

Krass. Aber dann kommt's wirklich dicke.

Die hat ja ohne Ende die schlimmsten Verbrecher laufen lassen.

Sie hat nach geltendem Recht und Gesetz gehandelt.

Sehr tröstlich. Der Typ hier sticht einen ab,

aus reiner Lust am Krawall.

Und kriegt statt lebenslänglich vier Jahre Jugendknast.

Guck mal, erinnerst du dich?

Die Krankenschwester, der man nicht nachweisen konnte,

dass sie die alten Leute erstickt hatte,

weil deine Staatsanwältin die Zeugenaussagen nicht zugelassen hat.

Und im Fall Hellmer: 1500 Euro für 'n totgefahrenes Kind.

Das war alles. Also wenn ich die Mutter wäre ...

Wer ist die Mutter?

Rosi M. Erlitt noch im Gericht einen Zusammenbruch.

Frau Wittkowski, bringen Sie das bitte in mein Büro.

Ja, mach ich.

Und einen Kaffee, bitte. Den kriegen Sie mittlerweile hin, oder?

Schülerpraktikantin. Hat man mir für drei Wochen untergejubelt.

Aber die Recherche im Archiv

hat ihre noch unkoordinierten, jugendlichen Kräfte

zumindest zeitweise gebündelt. Ich bin deshalb zu Dank verpflichtet.

Wäh!

Dann mal los mit meiner Exklusiv- Geschichte. Wer macht den Anfang?

Margarethe Altenburg hat ihren Artikel aufbewahrt.

Zusammen mit einem Foto ihres Sohnes.

Dann waren da noch Kindersachen und ein Taufring.

Das sollte ich ihr bringen. Ach ja? Und wo ist das alles?

Man hat es mir quasi im Rausch vom Leib entwendet.

Quasi im Rausch vom Leib entwendet! So klingen auch seine Schriftsätze.

Wäre er nicht bei euch besser aufgehoben?

Was ist denn los mit dir?

Mein Bedarf an Schülerpraktikanten ist gedeckt.

Also. Margarethe Altenburg schießt auf diesen Obdachlosen.

Was wissen wir über diese alte Dame?

Nicht viel. Sie hat ihren Mann verloren.

Die Niederlausitz ging damals in der Zeit nach der Wende

komplett in die Arbeitslosigkeit. In dieser Zeit starb auch ihr Sohn.

Wissen wir mehr?

Ich hab Salome Noack ... Marie-Luise hustet.

Ich hab die Staatsanwaltschaft um Amtshilfe aus Görlitz gebeten.

Die kümmert sich grad drum. Das glaubst du ja selber nicht.

Ich hab dich schon mal gefragt: Was ist eigentlich dein Problem?

Hä? Was ...

Mein Problem? Hast du schon mal irgendwas von Loyalität gehört?

Ich versteh dich nicht.

Wie kommst du dazu, sie in unsere Angelegenheiten einzuweihen?

Warum denn nicht? Weil sie nicht der Typ ist,

der mittellose Anwälte vögelt, ohne was davon zu haben.

Vielleicht hat sie was davon gehabt. Ja? Was denn?

Alttay pfeift.

Also, wie geht's weiter?

Ich muss mit der Mutter des Mädchens reden.

Meine Story, exklusiv? Ihre Story.

Sie heißt Roswitha Meissner und wohnt in einem dieser Häuser

an der Mollstraße. Zumindest damals.

Ach, äh ... Frau Hoffmann und ich, wir haben eine Kanzlei zusammen.

Das war's schon. Mehr nicht. Mehr nicht.

(murmelt) Weiß das auch Frau Hoffmann?

Türklingel

Ruhige, melancholische Musik

Frau Meissner?

Mein Name ist Joachim Vernau. Ich bin Anwalt.

Vorige Woche hatte ich noch zwei Mandanten. Die sind inzwischen tot.

Wenn Sie jetzt glauben, ich bin jemand, der anderen Unglück bringt,

können Sie mich wieder wegschicken. Aber ich denke, Sie brauchen Hilfe.

Frau Meissner?

Ich muss zum Dienst.

Sie sind das.

Ruhige, melancholische Musik

Wir waren draußen mit ihrem neuen Rad,

das sie zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte.

Sie fuhr bei Grün über die Straße. Der LKW auch.

Kinderlachen

Er hat sie nicht gesehen.

Leise, dramatische Musik

Hoher Schrei Es hat ein Geräusch gemacht ...

Ich höre es heute noch manchmal.

Es hat sich damals mir so in den ...

Kopf ... geschraubt.

Aber da hat sie noch gelebt.

Ich hab ihre Hand gehalten, die linke. Die rechte war nicht mehr da.

Hilf mir doch, Mami, hat sie immer gesagt.

Hilf mir doch, mir ist so kalt ... Ihr war irgendwie ganz kalt.

Ich war ein Jahr krankgeschrieben.

Ich war Verkäuferin in einer Bäckerei,

aber die hatten dann schon 'ne andere.

Wo ist denn Ihr Mann? Wir haben das nicht geschafft.

Also nicht zusammen, mein ich.

Der Prozess gegen Hellmer ... Der fand am Landgericht statt?

Ja.

Und haben Sie da Margarethe Altenburg kennengelernt?

Ich helf Ihnen. Nein, nicht. Das geht schon.

Haben Sie?

Ähm ...

Das ist die Dame, die Hans-Jörg Hellmer töten wollte.

Versteh ich nicht.

Für das, was er Ihnen angetan hat? Leben um Leben, Schuld um Schuld?

Ähm ... Hören Sie, ich muss jetzt zum Dienst. Sie müssen gehen.

Sie arbeiten bei der Heilsarmee.

Sie müssen ihm Suppe geben.

Jeden Tag müssen sie den Anblick dieses Mannes ertragen.

Dieser Obdachlose, der sein Leben vergeudet, versäuft, wegwirft.

Dieses vollkommen sinnlose, ungenutzte Leben, das er haben kann.

Aber Ihre Tochter nicht.

Ihre Ehe geht kaputt.

Der tötet Ihre Tochter, und Sie müssen barmherzig sein.

Das versteh ich nicht.

Dramatische Musik mit Streichern

Sie müssen jetzt gehen.

Ich mach das nur für Ma- ... Nur für Marie-Luise, ich weiß.

Woher kennen Sie sich?

Das zu erläutern,

wäre dem Ernst dieser heiligen Hallen nicht angemessen.

Guten Morgen, die Herren. Herr Kommissar, Herr Anwalt.

Bitte. - Morgen.

Oh.

Falcone. Das tragen doch eigentlich nur Zuhälter.

Haben Sie 'ne Ahnung, woher er den Anzug hatte?

Nein.

Das ist er. Na, da geh ich wohl mal davon aus.

Hans-Jörg Hellmer hatte neben 1,2 Promille Alkohol

Methadon in letaler Dosis in seinem Blut.

War er heroinabhängig?

Nein. Definitiv nicht.

Was heißt letale Dosis?

Dass seine Schutzreflexe erloschen sind.

Entweder er hat das in suizidaler Absicht genommen,

oder jemand hat es ihm eingeschenkt.

Ach. Das heißt, er ist gar nicht erfroren.

Doch, aber nur, weil ihn das Methadon außer Gefecht gesetzt hat.

Er hat keine Erfrierungen, keine Frostbeulen.

Minimale Wischnewski-Flecken in der Magenschleimhaut.

Der Acetonspiegel gering erhöht.

Also wurde er betäubt, damit er erfriert?

Auf den ersten Blick sollte es so aussehen.

Dann reden wir von Mord.

Hey, das ist meiner! Der ist konfisziert.

Ich habe immer geahnt, dass es andere Gründe geben muss,

wenn mir in deiner Gegenwart heiß wird.

Lange hab ich geglaubt, es wäre Wut. Was ist das?

Die Akte Maik Altenburg. Er hat sich erhängt.

Selbstmord? Zeig her.

Hey! Der bleibt hier.

Ich werde nicht in meinem Büro erfrieren.

Dann zahl deinen Anteil an den Umlagen.

Das ist keine Akte, das ist ein Witz. Da fehlt ja die Hälfte.

Die Heiratsurkunde ist nicht da.

Und das Protokoll der amtlichen Leichenschau fehlt auch.

Du musst ja mächtig Eindruck auf deine Staatsanwältin gemacht haben,

wenn sie schon anfängt, Akten zu manipulieren.

So, gib mir den Schlüssel. Das kann doch nicht dein Ernst sein!

Nein, das ist ein Pfand. Du kannst es jederzeit einlösen.

Vielleicht solltest du dir Mandanten mit höherer Lebenserwartung suchen.

Oh ... Das war pietätlos.

Ja, das war's.

Hans-Jörg Hellmer wurde ermordet. Was?

Ich war in der Rechtsmedizin.

Jemand hat ihm eine solche Dosis Methadon in den Schnaps geschüttet,

das hätte einen Gaul umgehauen.

Dann ist das alles wahr! Und ich hab ihn für 'n Spinner gehalten.

Vielleicht ist das alles so 'ne alte Rachegeschichte.

So wie in der Bibel. Auge um Auge, Zahn um Zahn.

So, als müsste der Tod von Maik Altenburg gerächt werden

durch den Tod von Hans-Jörg Hellmer. Aber warum?

Die haben nichts miteinander zu tun. Die kannten sich nicht mal.

Und Rosi und Margarethe, die Mütter? Haben die sich gekannt?

Rosi sagt nein. Margarethe können wir nicht mehr fragen.

Alle Fäden laufen am Landgericht zusammen.

Da müssen wir da noch mal stochern.

Das ist doch ewig her. Da kann sich kein Mensch mehr daran erinnern.

Doch.

Leise, spannende Musik

Die kleine Kathrin Meissner. Schrecklich.

Die Verhandlung war eine Farce.

Wofür einen Prozess, wenn die Staatsanwältin Freispruch fordert?

Bei Unfällen mit Todesfolge gibt es grundsätzlich eine Anklage.

Hellmer war zur Tatzeit nüchtern und nicht vorbestraft.

Rechtlich gesehen war der Freispruch korrekt.

Nicht alles, was Recht ist, ist auch gerecht.

Ich hab nur eine Frage. Woher kennen Sie Marie-Luise?

Gisa, das sind die beiden, von denen ich dir erzählt hab.

(Gisa) Das sind hoffentlich nicht die Bilder vom Unfallort.

Ich hab den Bericht damals geschnitten.

Das sind die Aufnahmen vom Prozess im Landgericht.

Auftakt und Urteilsverkündung. - Ah, okay.

Darf ich? Bitte.

Hm. Da ist sie ja, deine Staatsanwältin.

Und da ... Das ist Frau Meissner.

Rosi.

Leise, dramatische Musik mit Streichern

Das ist alles? Tut mir leid, mehr haben wir nicht.

Hier sind noch Außenaufnahmen. Totale, Aufzieher Landgericht.

Wollen Sie die sehen? Mhm.

So.

Leise, dramatische Musik

Da haben wir sie ja beide.

Können Sie's kurz ... Mhm.

Ruhige Klaviermusik

Das ist noch kein Beweis. Was willst du denn noch?

Die beiden kommen Arm in Arm aus dem Landgericht.

Einmal Bolognese, bitte.

Hellmers Tod kann auch Zufall gewesen sein.

Ein Streit unter Obdachlosen. Und dann?

Methadon liegt ja in jeder Fixerstube rum.

Und dann gießt einer ein Schnapsglas in Hellmers Flasche?

Da kommt 'n Obdachloser gar nicht ran in der Menge.

Niedergelassene Ärzte kommen ran. Krankenpfleger, Notaufnahmen.

Koplin! Es läuft alles bei Koplin zusammen.

Der war mal Betriebsarzt in der Spinne.

In der was? Einer von den Textilbetrieben,

die sie nach der Wende geschlossen haben.

Die waren zu dritt! Margarethe, Rosi und Koplin.

Sind Sie sicher, dass das Bolognese ist?

Mhm. Zwei fünfzig, bitte.

Hier ist das Geld. Andersrum, danke.

Autoschlüssel ... Fühl dich von mir eingeladen, ja?

Wo willst denn du hin? Du kannst doch nicht ...

Ach. Du kannst mich. Ehrlich.

Wollen Sie zu mir? Nee.

Julchen, kommen Sie doch mal.

Vernau! Sie waren ja lange nicht hier.

Haben Sie diese beiden Frauen schon mal gesehen?

Ja. Die waren öfter hier.

Erst alleine, alle paar Monate. Die sind immer in den ersten Stock.

Da ist es ruhiger. Später kam noch ein Mann dazu.

Wann war das? Ich weiß nicht ... Letztes Jahr?

Die ältere Dame schien gesundheitliche Probleme zu haben.

Irgendwas mit dem Herzen.

Der Mann war wohl anfangs nur ihre Begleitung,

aber mit der Zeit hat sich die Sache geändert.

Der bestimmte das Gespräch, den Tisch. Irgendwie alles.

Wissen Sie noch, wie der heißt? Nee.

Wie er aussah?

Grau irgendwie. Alles grau, selbst die Mütze.

Ich weiß ja nicht, ob's wichtig ist,

aber die sind nicht zu dritt geblieben.

Moment, Moment. Noch mal klar und deutlich.

Das sieht mein Chef nicht gern. Die sind nicht zu dritt geblieben?

Es kamen immer mehr. Leute, die Prozesse verloren haben,

obwohl jeder sagt, dass sie im Recht waren.

Da war einer, dem hat man den Vater im Pflegeheim ermordet.

Der Krankenschwestern-Freispruch.

'Ne Witwe. Ihr Mann wurde niedergestochen,

als er Jugendliche gebeten hat, ihren Müll wegzuschmeißen.

Der Täter durfte in die Karibik reisen.

Danke.

Leise, spannende Musik

Moment!

Wir hatten 'ne Abmachung. Woher haben Sie das Foto?

Ist das echt? Kann ich's verwenden? Ihr Job.

Wer sind die beiden, Rosi und Margarethe? Vernau, eine Minute!

Dann sag ich Ihnen was, da fallen Sie tot in Ohnmacht.

Ja? Was? Die Krankenschwester ist tot.

Fiel vor vier Wochen vom Balkon.

Und der Messerstecher bekam 'n Brett vor den Kopf.

Dass mir das nicht aufgefallen ist! Und jetzt auch noch der Hellmer.

Wie viele stehen noch auf der Liste? Das weiß ich doch nicht.

Wir müssen am Landgericht ansetzen. Da hat alles angefangen.

Das hat viel früher angefangen.

Meine Story, klar? Vernau!

Spannende Musik mit Streichern

Kirchenglocke

Tag, Frau Stein. Sind Sie überrascht, mich zu sehen?

Margarethes Anwalt.

Gibt's Probleme mit dem Nachlass? In gewisser Weise ja.

Sie sind in Margarethes Haus eingebrochen.

Einbrechen würde ich das nicht nennen.

Und Sie haben Beweismaterial verschwinden lassen.

Soll er doch endlich in Frieden ruhen.

Wer?

Ruhige, melancholische Musik

Was ist damals passiert?

Kurz nach der Wende

hat Maik sich in das schönste Mädchen von Görlitz verliebt.

Kurz nach der Wende war kurz vor Maiks Tod.

Bildhübsch war sie. Blutjung und hat schon damals allen den Kopf verdreht.

Die wusste schon immer ganz genau, was sie wollte.

Ihre Familie kam aus Schlesien.

Haben nach dem Krieg unten am Fluss bei den Fischerhütten gewohnt.

Das war ihr schon damals viel zu klein und zu eng.

Aber wohin und wie?

Also hat Salome den erstbesten jungen Mann geheiratet,

der sie da rausholen sollte.

Salome? Salome Noack?

Ja, Sie kennen sie natürlich.

Sie ist ja jetzt Staatsanwältin in Berlin.

Die Ehe war natürlich von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Als ob eine Katastrophe nicht gereicht hätte.

Die Treuhand, die Liquidatoren, wie die Hunnen sind sie übers Land.

Die bekamen Prämien für jeden geschlossenen Betrieb.

Ich sag ja gar nicht, dass alles falsch war,

aber man hätte viel retten können.

Mit einem von denen, diesen ...

Mit einem von denen ist Salome dann auf und davon?

Na klar. Und sie tilgte ihr altes Leben. Rigoros.

Keine Zeile, kein Anruf, kein Wort, nichts.

Über Jahre keine Nachricht, kein Lebenszeichen.

Bis zu diesem Skandalprozess in Berlin,

wegen dem totgefahrenen Mädchen. Da stand was über sie in der Zeitung.

Da wusste Margarethe, wo sie sie finden kann.

Eine junge Frau verlässt ihren Mann, das reicht nicht.

Ja, Moment. Sie kam ja noch mal zurück, ein paar Monate später.

Ich weiß noch genau, wie sie über den Marktplatz stolzierte.

Fremd sah sie aus. Ganz anders.

Sie ging zu Maik und in der Nacht hat er sich umgebracht.

Was hat sie ihm gesagt?

Womit hat sie ihn in den Selbstmord getrieben?

Diese Frage ließ Margarethe all die Jahre nicht los.

Margarethe fuhr nach Berlin.

Hat im Gericht auf Salome gewartet. Da war Maik schon viele Jahre tot.

Als Salome Görlitz und ihren Mann verließ, war sie schwanger.

Die Kindersachen und der Taufring, die waren für Margarethes Enkelkind.

Maik hat sich so dran geklammert.

Wo ist das Kind? Bitte?

(Frau Stein) Ein Kind war unterwegs, sein Kind.

Mein Enkelkind.

Wovon sprichst du denn?

Wo ist das Kind?

Salome hat es nicht gewollt. Sie ist nach Holland gefahren,

in eine Klinik, hat es da wegmachen lassen.

Wo ist mein Enkelkind?

Das erfuhr Margarethe auf dem Gang im Gericht in zwei dürren Sätzen.

Und sie gab Salome die Schuld? Schuld.

Musik mit Streichern

Sie weint laut.

Wir halten sie nicht, die große Waage.

Haben Sie das auch Koplin gesagt und Margarethe, in ihrem Bibelkreis?

Ja, ja, aber die wollten es nicht hören.

Spannende Musik

Telefonklingeln

"Vernau, du alte Mistgurke."

Sag mal, wenn du mir schon meinen Autoschlüssel klaust,

lass mir wenigstens den Fahrradschlüssel da.

"Wo steckst du?" Ich weiß jetzt alles!

Deine Selbstüberschätzung wird langsam auch legendär.

Es ist Salome! Du musst sie warnen. Ich kann sie nicht erreichen.

"Ja, wieso denn nicht?" Was ...

Ich hatte eine Nummer mit ihr, aber ich habe keine Nummer von ihr.

Du musst sie warnen! Sie ist in Lebensgefahr!

Das bist du auch, wenn du nicht sofort hier auftauchst!

Rosi wird sie umbringen. Das muss sie tun! Hast du verstanden?

Sie ist es. Rosi ist die letzte Instanz.

Frau Freytag? Moment.

Was?

Nein, von Ihnen nehme ich kein Geld.

Haben Sie nicht 'ne Rechts- schutzversicherung oder so was?

Nein. Okay, schon gut.

Sie müssen nicht aus Ihrer Wohnung raus, versprochen.

Und meine Katzen, ich geb sie nicht her, hören Sie?

"Marie? Marie-Luise! Hast du mich verstanden?"

Ich kümmere mich darum, versprochen!

Also, kümmere dich darum. Polizei, SEK, Interpol. Roger, over. Danke.

So, was ist los? Hallo? Hey.

Ruhige Musik

Wir haben unseren Teil erfüllt, jetzt bist du dran.

Lass uns aufhören, bitte.

Ich lasse niemanden im Stich.

Da bist du ja endlich. Hast du sie erreicht?

Nein, die ist nicht im Büro.

Hast du wenigstens der Polizei Bescheid gesagt?

Polizei? Ich mach mich doch nicht lächerlich.

Wo willst denn du schon wieder hin? Warte!

Das ist doch absurd, die wird dich hochkant rausschmeißen. Vernau!

Frau Freytag. Frau Freytag!

Was riecht so komisch hier? Das ist der Stallgeruch. Jetzt komm.

Hey, das hat doch keinen Sinn.

Ruhige Musik

Poltern

Glas zerbricht.

Oh ... Gott. Du?

Lange nicht gesehen, und doch er- kennen wir uns auf den ersten Blick.

Otmar Koplin.

Was wird das hier? Mach dich nicht lächerlich.

Es wird nach einem missglückten Einbruch aussehen.

Und es wird alles ganz anders sein. Wir wollen keine Zeichen setzen,

wir wollen nur, dass eine Schuld beglichen wird.

Ganz diskret machen wir das.

Du bist wahnsinnig. Was willst du?

Wo ist dein Mann?

Ich hab den Auslöser für das ganze Desaster, den Impuls, den Urknall.

Salome Noack war schwanger von Maik Altenburg. Sie verlässt ihn.

Und sie lässt illegal das Kind abtreiben.

Und kehrt noch einmal zurück, um es ihm zu erzählen

und weil sie die Scheidung will. In derselben Nacht bringt er sich um.

Das ist nicht schön, aber ... Warte.

Margarethe Altenburg lebt all die Jahre weiter in dem Glauben,

dass ihr wenigstens ein Enkelkind geblieben ist.

Irgendwann hält sie es nicht mehr aus. Sie fährt nach Berlin.

Sie erfährt in zwei Sätzen den Grund für den Tod ihres Sohnes,

und dass es nie ein Enkelkind gab. Das war zu viel.

Dann trifft sie Rosi. Zwei vom Glück Vergessene, zwei Opfer.

Falsch, also richtig, aber trotzdem falsch.

Es war nicht nur Rosi, es waren viel mehr.

Bis gleich. Ich dich auch.

Er ist gleich da. Sein Flieger hatte Verspätung.

Er arbeitet jetzt in Brüssel.

Mich interessiert nicht, was heute ist.

Weil du im Gestern geblieben bist? Was soll ich eigentlich büßen?

Dass ich damals weggegangen bin?

Dass ich was aus meinem Leben machen wollte?

Wir haben Jahr für Jahr Weihnachten gefeiert mit einem Enkelkind,

das es nie gegeben hat.

Ein Wort nur. Fünf Minuten Zeit. Ein Brief. Eine Lüge.

Irgendetwas Barmherziges. Ich habe es Maik gesagt.

Ich kann doch nichts dafür,

dass er sich in der gleichen Nacht das Leben nimmt.

Er hätte wenigstens einen Abschiedsbrief hinterlassen können.

Hörst du dir eigentlich manchmal noch selber zu? Hm?

Spannende Musik

Du kriegst lebenslänglich, Koplin. Leg die Waffe weg. Gib auf.

Du bist nicht die letzte Instanz, die sind wir. Das Recht. Das Gesetz.

(schreiend) Es gibt keine Morde im Namen der Gerechtigkeit!

Doch!

Schmerzensschreie

Das war ganz schlechtes Schach, Koplin. Matt, würde ich sagen.

Wo ist denn Rosi, hat sie frei?

Oder warum sind Sie schon wieder im Einsatz?

Du bist eine Niete. Im Schach wie im Leben.

Du kannst nicht mal bis drei zählen. Du Idiot!

Was? Wer sind Sie?

Sie schluchzt.

Rudolf Mühlmann.

Einer der erfolgreichsten Liquidatoren der Treuhand.

Ein Zyniker und Menschenfeind.

Die Spinne war der letzte Betrieb, den er dicht gemacht hat.

Wir hatten eine Selbstmordrate,

davon träumen die Bestatter heute noch.

Der war Ihr persönlicher Feind?

Ja, mein Beelzebub.

Als ich erfahren habe, was Margarethe und Rosi vorhaben,

wollte ich dabei sein.

Wir haben gelost. Margarethe bekam Hellmer. Rosi kriegte Mühlmann.

Und ich, ich die Frau Staatsanwältin.

Höhnisches Lachen

Und dann kam Zug in die Sache.

So, und Sie waren die treibende Kraft?

Jawohl, ich habe sie dazu gezwungen.

Was ist mit den anderen?

Wir waren zu dritt. Margarethe, Rosi und ich.

Welche anderen?

Ich zähle und ich komme auf fünf. Wie fünf? Welche fünf?

Ihre verschwiegenen Treffen in der letzten Instanz. Die hatten Zeugen.

Herr Koplin, welche anderen?

Lassen Sie sich von meinem Anwalt nicht verwirren.

Welcher Anwalt?

Jetzt wird man Salomes Kopf auf dem Silbertablett fordern.

Diesen Skandal wird sie nicht überleben.

Sie verlässt den Staatsdienst und geht in die Wirtschaft.

Ach wirklich?

Ich mach mir Sorgen um uns.

Rosi und Koplin, das werden zwei getrennte Verfahren.

Und wenn die anderen alten Fälle auch wieder aufgerollt werden, ...

Er schnuppert. Hier stimmt doch was nicht.

Nicht!

Knall

Yes. Getroffen. Elf zu null.

Jetzt hört doch mal auf. Ich habe schon drei Beschwerden.

Hier. 14 Prozesstage pro Angeklagten.

Und die anderen Verfahren kommen noch dazu.

Fünf Mordanklagen, Mensch. Ihr Glückspilze.

Wollt ihr mir nicht einen abgeben? Hä?

Abgeben! Teilen!

Entschuldige, das ist noch eine Spätfolge von der Explosion.

Bestimmte Wörter höre ich einfach nicht.

Nächste Woche geht's zurück in die Kanzlei.

Das Haus ist renoviert,

dank Gebäudeversicherung und Frau Freytag.

Wir werden sie vermissen. Und dich auch.

Was ist eigentlich mit seinen Ohren? Wird das wieder?

Als ob er sie je benutzt hätte.

Das habe ich gehört.

Na, sag mal.

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