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Joachim Vernau
Marie-Luise Hoffmann
* Alle schreien durcheinander. *
* Alle schreien durcheinander. *
Hey, stopp! Die brauch ich alle noch.
Mein Büro ist kein Altpapiercon- tainer. Das ist noch nicht verjährt.
Was verjährt, entscheide ich.
Entschuldigen Sie! Ist das hier die Kanzlei von Vernau & Hoffmann?
Ja. Kommen Sie hoch! Danke.
Wir renovieren gerade. Ja, 'ne Gasexplosion.
Nicht bei uns! Zwei Stockwerke tiefer.
Das ganze Haus wird wie neu. Ach ja? Es sieht noch etwas improvisiert aus
Lassen Sie sich nicht irritieren. Was können wir für Sie tun?
Ein Kollege von Ihnen, Herr Marquardt, ähm ...
Er sagte, Sie hätten, also umzugstechnisch bedingt ...
Freie Kapazitäten?
Er meinte, Ihre Stundensätze wären vielleicht nicht so hoch.
Deine Mandantin. Ich kann zahlen, wirklich.
Ich brauche auch keine Rechnung.
Was ist mit der Lampe da? Die kommt weg. Die bleibt!
Die Lampe kommt weg. Nee. Vernau!
Worum geht's denn? Meine Name ist Katherina Gebhardt.
Ich suche meinen Bruder Martin. Er ist vor 30 Jahren verschwunden.
Na ja, wenn er seit 30 Jahren verschollen ist ...
Vielleicht ist er ... Nein. Er lebt.
Ich weiß es. Ich weiß nur nicht wo.
Und jetzt wollen Sie, dass wir ihn für Sie finden? Ja.
Also, Frau ... äh ...
Äh, Geb ... Gebhardt. Wir sind Anwälte. Keine Detektive.
Es geschehen Dinge ...
Dinge? Ja, rätselhafte Dinge.
Alle paar Jahre, da ...
... meint man, ihn irgendwo gesehen zu haben.
Und letzte Woche wäre ich ihm um ein Haar begegnet.
Ich hatte einen Termin in Frankfurt.
Ich hatte dort eine Firma. Ein ... Familienunternehmen.
Auf dem Flughafen hörte ich plötzlich seinen Namen.
(Katherina) Er wurde ausgerufen für einen Flug nach Havanna.
Martin! Warte doch!
Martin, ich bin's! Warte doch!
Ihre Bordkarte, bitte! - Einen kleinen Moment, bitte.
Sie können hier nicht durch! - Ich will nur für eine Sekunde ...
Ich weiß, es hätte ein Irrtum sein können. Eine Namensgleichheit.
Aber wer denkt denn an Kuba?!
Vielleicht war er's gar nicht. Ja, vielleicht.
Entschuldigung!
Ich muss das Haus meines Vaters verkaufen.
Einfach so rein? Ja, bitte.
Es gehört uns beiden.
Ich möchte Sie bitten, dass Sie nach Kuba fliegen
und Martin Gebhardt finden.
Nach Kuba! Nach Kuba?
Meine Klientin! Er muss dem Verkauf des Hauses zustimmen.
Du kannst noch nicht mal spanisch. Si, claro!
Es wäre dringend!
Das ist alles? Ja.
(Handwerker) Die Leitungen sind der letzte Schrott.
Was wollen Sie wirklich?
30 Jahre lang kein Wort.
Nichts.
Finden Sie ihn!
Es wäre mein einziger Wunsch.
Gut.
In diesem Fall bitte ich Sie, das zu unterschreiben.
Das ist eine anwaltliche Vollmacht für meine Kanzlei.
Also unsere Kanzlei.
Ich verspreche Ihnen nichts. Havanna ist eine Millionenstadt.
Wo soll ich ansetzen? Sie sind doch ... ein Mann von Welt.
Und es wird teuer.
Flug, ... Hotel, Spesen.
Für ... Für zwei Personen. Sie spricht spanisch.
* Marie-Luise singt begeistert auf Spanisch ein Lied. *
Ja ... Danke, das reicht. Sie sind sich darüber im Klaren,
dass wir möglicherweise ohne Ergebnis zurückkommen?
Ja, ich weiß, dass das der letzte Versuch sein wird.
* Marie-Luise schreit. * Oh, Mann, wie blöd kann man ...
Ist alles okay? Ja. Weiß nicht ...
Was machst du denn? Wir müssen nach Kuba.
Ich kann nicht. Mein Bein.
Splitterbruch, Frau Hoffmann. In ein paar Wochen sind Sie wieder die Alte.
Vorsicht, das darf eigentlich nur ich zu ihr sagen.
Schade um Havanna. Bisschen Sommer, Sonne ...
Hemingway für mich. Für dich Sozialismus und Fidel Castro.
Du fährst. Wir brauchen das Geld. Ehrlich? Na, klar!
Nee! Damit du hinter meinem Rücken diese Hässlichkeit wieder aufhängst!
Die Lampe ist von meiner Mutter und bleibt! Sie bleibt nicht!
Schmeißen Sie diesen Mann raus! Ich kenne ihn nicht. Hau ab!
Gute Reise! Gute Besserung!
Kann ich einen Cuba Libre haben? (Krankenschwester) Nein!
Das macht alles die Hausverwaltung.
Ihr müsst nur den Sperrmüll entsorgen.
Wir haben eigentlich anderes vor. - So? Was denn?
Ich bin nur ein paar Tage weg.
Das ist eine Dienstreise und kein Vergnügen.
Und achtet darauf, dass nichts was die Kanzlei verlassen hat,
wieder zurückkommt. Sie auch nicht?
International.
Er arbeitet international.
Wenn ich das richtig verstanden habe,
müssen WIR uns jetzt um das Regionale kümmern.
Where are you from? Alemania, Berlin.
Oh, Berlin, Berlin!
Holiday or business? No, no, no.
Business. Ohhh!
Como te llamas? Aurora!
* Er versucht, sich mit Aurora auf Spanisch zu unterhalten. *
Aurora?!
Hallo? Hallo?
Senor, por favor?
Quiero un habitacion?
No habitacion?
Necesito una camera para la noche, por favor, senor.
Was haben Sie denn noch alles nicht?
Was ist hier das Zauberwort? Dollares? Euros? Yen?
Momento!
Senor!
Gott sei Dank! Gracias.
Puedo ... telefono ... Telefon? Si, si.
Hallo? Ist da die Deutsche Botschaft?
Können Sie mich verstehen? Ich verstehe Sie sehr schlecht.
Ich bin Rechtsanwalt Joachim Vernau aus Berlin.
Ich hatte mich angekündigt.
Es geht um einen Herrn Martin Gebhardt.
Martin Gebhardt!
Haben Sie Informationen, oder ...?
Ich verstehe Sie nicht mehr.
Ich bin in Havanna. Ich komme in einer Stunde zu Ihnen.
Ein Bier für den Herrn?
Oh ... Kann ich helfen? Das ist aber nett.
Senorita ...
Filipe Gonzalez. (lacht) Anna-Maria. Guest Relationship Management.
Wie kommt's, dass Sie so gut deutsch sprechen?
Meine Mutter ist Kubanerin, mein Vater Deutscher.
Noch Fragen?
Nein. Also ja. Tausende.
Ich suche hier so was wie die Stecknadel im Heuhaufen.
Einen Deutschen, der vielleicht in Havanna lebt.
Wie heißt er? Martin Gebhardt. Kennen Sie ihn?
Nein, nie gehört. Hier steigen viele Geschäftsreisende ab. Ah, sehen Sie.
Hatten Sie eine Verabredung? Nein, eher ein Überraschungsbesuch.
Ich hoffe, dass er Überraschungen mag.
Ich auch.
Ich müsste zur Deutschen Botschaft. Jetzt?
Ja. Dann müssen Sie sich beeilen. Ich hole Ihnen ein Taxi.
Was ist mit meinem Gepäck? Wir kümmern uns darum.
Ich müsste mich frisch machen. Sie müssen jetzt los!
Warum suchen Sie denn diesen ... Ist eine Familienangelegenheit.
Ist aber wichtig.
* Anna-Maria spricht Spanisch. *
Waren Sie schon mal auf Kuba? Nein.
Ich gebe Kurse. Kuba für Anfänger. Auch Einzelstunden?
Nur Einzelstunden.
Joachim Vernau, Berlin.
Herr Vernau?
Justus Biewald. Ich bin der stellvertretende Leiter
der Rechts- und Konsularabteilung. Freut mich.
Haben Sie was über Herrn Gebhardt herausgefunden? Das ist schwierig.
Er ist nicht Teil der Community.
Wir sehen ihn nur, wenn er seinen Pass verlängern muss.
Wo finde ich ihn? Ich bin nicht befugt, darüber Auskunft zu geben.
Und wer ist befugt? Niemand.
Herr Gebhardt möchte nicht, dass wir seine Adresse herausgeben. Punkt!
Tut mir leid, Herrn Gebhardts Ruhe zu stören,
aber es lässt sich nicht vermeiden. Wenn es so dringend ...
Deswegen kam ich her. Ich werde mit ihm in Kontakt treten.
Sehr freundlich von Ihnen. Wie lange sind Sie noch hier?
Noch zwei Tage.
Darf ich fragen, in welcher speziellen Familienangelegenheit ...
Natürlich dürfen Sie das.
Wiedersehen.
Senor Vernau?
Que tal? Olá, olá.
Danke, mir geht's sehr gut.
Ist es kurzfristig möglich "Kuba für Anfänger"
in "Havanna bei Nacht" umzubuchen?
Si, claro!
Was würde Sie interessieren? Die Geschichten meiner Eltern? Ja.
Hatten Sie Glück in der Botschaft?
Das Glück ist eine ernste Sache. Dann müssen wir es zum Lachen bringen
Vamos? Geben Sie mir zwei Minuten. Ich muss mich etwas frisch machen.
Und nicht weglaufen.
* Sambamusik *
Salút! Auf uns!
Quieres ver una pelicula conmigo en mi habitacion?
Ich will einen Film mit dir gucken? Ja. Steht hier im Wörterbuch.
Es gibt Situationen, da sind solche Fragen existentiell. Nein?!
No pelicular? No pelicular.
Me das tú número de telefòn?
Nein, du kriegst nicht meine Telefon- nummer. Das Buch funktioniert nicht.
Quieres tomer un café? Nein, ich möchte keinen Kaffee.
Quieres tener un nino conmigo? Nein, ich möchte kein Kind von dir!
Komm, lass uns tanzen. Oh, nee. Los, komm!
Das ist mir peinlich. Ich kann nicht tanzen.
* Sambamusik *
Was machst du hier?
Ich meine, was machst du in Havanna?
Ich suche diesen Mann, diesen Martin Gebhardt.
Er hat vor 30 Jahren seiner Familie den Rücken gekehrt.
Und kein Mensch weiß warum.
Seine Schwester will ein Haus ver- kaufen, das zur Hälfte ihm gehört.
Die Schwester von Gebhardt? Ja.
Dafür braucht sie sein Einverständnis. Seine Unterschrift.
Ich bin Anwalt. Also bat sie mich, das mit ihm zu erledigen.
Hm. Mehr nicht?
Vielleicht geht's auch darum, das letzte Band zu zerschneiden.
Seine Schwester bat ihn um diesen Gefallen.
Gebhardt ist nicht dafür bekannt, anderen einen Gefallen zu tun.
Du hast mich angelogen. Du kennst ihn.
Ja, aber nicht schlecht, oder? Nein, hervorragend.
Wenn du ihn kennst, bring mich zu ihm.
Das kann ich nicht. Ich kenn ihn eigentlich nicht.
Ab und zu trifft er sich im Hotel mit Geschäftsleuten. Mehr nicht.
Und es ist nur diese Familiensache?
Ja.
Du hast wirklich keine Ahnung, oder?
Oh! Huuu!
Kuba bei Nacht.
Das ist das, wovon alle träumen, die hierherkommen.
Die Menschen, die hier leben, träumen von ganz anderen Dingen.
Vom Glück, das lacht?
Ich muss in zwei Tagen wieder zurück.
Ja, ich weiß.
Was meinst du damit, ich hätte wirklich keine Ahnung?
Es gibt eine Menge Leute, die darauf warten,
dass Kuba sich dem Westen öffnet. Und Gebhardt auch.
Cola statt Kommunismus wollen viele. Er ist nur Gast in unserem Land.
Genau wie du. Immerhin lebt er hier.
Es gibt das Gerücht, dass er mit dem Tod eines Mitarbeiters
im Innenministerium zu tun hat.
Außerdem ist er Mittelsmann für ausländische Investoren.
Bitte halte dich fern von ihm.
Gebhardt ist ...
... ein Mann ohne Schatten. Machst du dir Sorgen um mich?
Gute Nacht.
* Rhythmische Musik *
Oha!
* Spannende Musik *
* Ein Auto fährt weg. *
* Telefon *
* Telefon *
Ahhhh!
* Telefon *
* Telefon *
* Telefon *
Ja?
Oh, Gott ...
Senor?
Necesito hablar con la senorita Anna-Maria.
Lo siento, senor Vernau, senorita Anna-Maria no es encuentro.
No ... Guest Relationship Management Anna-Maria?
Si, no esta Anna-Maria.
No Felipe Gonzalez?
Si, Filipe Gonzales soy yo. Pero Anna-Maria no esta la.
No Anna-Maria? No.
* Sie unterhalten sich weiter auf Spanisch. *
Herr Vernau?
Und wer sind Sie?
Maximilian.
Ein Freund von Herrn Gebhardt.
Es tut uns leid, dass Sie Unannehmlichkeiten hatten.
Woher haben Sie die?
Nicht einmal Taschendiebe möchten Herrn Gebhardt verärgern.
Schon gar nicht, wenn es um seine Familie geht.
Toll. Und woher weiß Herr Gebhardt, dass ich ihn suche?
Havanna ist ein Dorf.
Herr Gebhardt ist sehr beschäftigt und wünscht Ihnen eine gute Heimreise
Mein Flug geht erst morgen Abend.
Na gut, dann kommen jetzt all die unangenehmen Suchanfragen.
Das ganze juristische Geplänkel.
Das kann einem das Leben schwer machen.
Fast handlungsunfähig.
Das wird Herrn Gebhardt sicher noch mehr beschäftigen.
Ich werd's Herrn Gebhardt ausrichten.
Richten Sie Herrn Gebhardt aus, dass wir jetzt eine Termin haben.
Heute Nachmittag. Sagen wir vier. Um acht.
Fünf. Um sieben. Sechs!
Danke.
Ohhh!
Berlino! Berlino! Oh, mi amor.
Heute wird's nichts mit uns. Ich muss nur ... da um die Ecke.
* Sie unterhalten sich auf Spanisch. *
Oh mein Gott!
* Er klingelt. *
* Türsummer *
* Spannende Musik *
Mein Name ist Joachim Vernau. Ich habe einen Termin mit ...
Meinem Vater, ich weiß.
Ich bin Laura Gebhardt. Willkommen in Havanna.
Ah ... Ähm ... Dankeschön.
Ich wusste gar nicht, dass er eine Tochter hat.
Wir sind sehr zurückhaltend, was unsere Familie betrifft.
Kommt Ihr Vater noch, oder ...
Mein Vater führt noch ein wichtiges Telefonat.
Sind Sie zum ersten Mal in Kuba? Ja.
Ein Land voller Widersprüche. Genau wie seine Menschen.
Hat Ihr Vater mal irgendwas über die Gründe gesagt,
warum er Heimat und Familie den Rücken gekehrt hat?
Darüber redet er nicht. Deutschland spielt keine Rolle mehr für ihn.
Und für Sie? Auch nicht.
Meine Mutter starb, als ich noch klein war.
Ich bin in den USA geboren und aufgewachsen.
Meine Tochter hat sich schon um Sie gekümmert.
Ich grüße Sie.
Kommen Sie! Sie sind Martin Gebhardt?
Ja! Einen zweiten werden Sie hier nicht finden.
Geboren in Berlin ... Am 21. Februar 58.
Wollen Sie meinen Ausweis sehen?
Ja! * Er lacht. *
Warum sind Sie hier? Was gibt's?
Es geht um Ihr Haus.
Das Erbe, das Sie mit Ihrer Schwester teilen.
Ach so. Setzen Sie sich!
Ich habe selten Gäste.
Meine Tochter ist immer hocherfreut, wenn sie ihre Kochkunst zeigen kann.
Oh!
Ich würde trotzdem gerne den offiziellen Anlass unseres Treffens
vorziehen. Geben Sie her! Ist Ihnen das recht?
Verkauft sie die Bruchbude jetzt, ja?
Ihren Ausweis, bitte!
Sie sind misstrauisch. Das gefällt mir.
Was sind Sie? Privatdetektiv, oder was?
Ich bin Anwalt. Natürlich. Ich hab meine ...
... Vollmacht in dieser Sache ... Lassen Sie mal.
Der Ausweis. Oh, danke.
Es geht um das Haus Ihres Vaters. Er starb vor zwei Jahren.
Ihre Mutter ... Moment. Bevor Sie weiterreden.
Ich habe vor 30 Jahren den Kontakt abgebrochen.
Die Gründe werde ich mit Ihnen nicht diskutieren.
Ihre Schwester hat mich trotzdem beauftragt, Ihnen auszurichten ...
Sie werden mir nichts ausrichten!
Das Geld würde dann ...
Ich möchte ein für alle Mal keinen Kontakt mehr.
Können Sie das zusichern?
Ja, natürlich. Ich denke schon.
Sie müssten Ihre Verzichtserklärung dann handschriftlich
als Addendum darunter schreiben. Mein Wort reicht.
Tut mir leid. In dieser Sache leider nicht.
Meine Brille.
Ich bin blind wie ein Maulwurf.
Aber eitel, wie der Mensch nun mal ist ...
Es geht mich zwar nichts an, aber ...
Exakt!
Wie ist das bei Ihnen?
Bei mir? Kein Gruß?
Ich würde sehr gerne ...
Meine Tochter hat keine Verbindung zu Deutschland.
Sie ist in den USA geboren und aufgewachsen.
So, bitte. Soll sie glücklich werden mit dem Haus.
Haben Sie ein Faxgerät im Haus?
* Sentimentale Musik *
* Lied: "Für immer und Dich" von Rio Reiser *
* Lied läuft weiter. *
* Musik: "Für immer und Dich" von Rio Reiser *
* Geräusch des Faxgeräts *
Sie haben sich erkundigt. Was sagt man über mich?
Sie sind der Mann ohne Schatten. El hombre sin sombra.
Und noch?
Und dass man sich von da an besser in Schweigen üben sollte.
Sagt man?
Wann fliegen Sie zurück?
Morgen Abend. Ich hab ja, was ich wollte.
Es gibt keinen Grund, länger hierzubleiben.
Keinen Drink in Hemingways Bar? Keine Havanna?
Das wären Gründe wiederzukommen. Sie müssen unsere Plantage besuchen.
In Vinales wächst der beste Tabak. - Den kriegt er auch in der Stadt.
Nehmen Sie! Oh, das ist die Letzte.
Ich hol morgen Nachschub.
Danke.
Leben Sie wohl.
Unsere Königsklasse. Linea 1492.
Fabricado en al corazon del valle.
Das Herz ... Des Tales, genau.
Soll ich wirklich nichts ausrichten? Kein Gruß, kein Wort.
Nein. Ihre Tante hat sonst niemanden.
Wer weiß, vielleicht wollen Sie ... Nein, bitte gehen Sie!
Davon eine Kiste. Wo krieg ich die?
Am besten direkt in der Manufaktur in Vinales.
(Gebhardt) Ich werde meine Ent- scheidung nicht mit dir diskutieren.
Ich möchte mit Deutschland nichts mehr zu tun haben.
(Laura) Es ist doch auch meine Familie.
Ich bin deine Familie, Laura.
Wir haben nur uns.
Es gibt sonst niemanden in deinem Leben oder in meinem.
Du verbirgst doch etwas.
(Gebhardt) Komm mal her!
Ich liebe dich mehr als mein Leben.
* Melancholische Musik *
Anna-Maria.
Nie da, wo man sie vermutet.
Ich reise morgen zurück.
Besser ist, wir verlieren keine Zeit.
* Telefon *
Ja? (Katherina) Endlich! Ich versuch seit Stunden, Sie zu erreichen.
Ist das nicht toll? Er hat alles unterschrieben.
Er hat sogar aufs Geld verzichtet. Er ist es nicht! Was?
Dieser Mann ist nicht Martin Gebhardt.
Ich hab mit ihm gesprochen. Ich war in seinem Haus.
Dann gucken Sie sich den Zusatz an. Ich kenne den Zusatz.
"Hiermit verzichte ich, nanana, zu Gunsten von Katharina Gebhardt ...
Und so weiter. Gezeichnet Martin Gebhardt.
Er hat Katherina mit "a" geschrieben statt mit "e".
Soll das ein Trick sein? Wollen Sie mein Honorar sparen?
Der Auftrag lautet: Bringen Sie mir die Unterschrift von Martin Gebhardt
Der Auftrag ist erfüllt. Er ist es nicht!
Es ist 30 Jahre her. Der Mann hat mit Ihnen abgeschlossen.
Aber man vergisst doch nicht den Namen seiner Schwester.
Sie wollen ihn flüchtig am Flughafen von hinten erkannt haben?
Und jetzt regen Sie sich wegen eines Buchstabens auf?!
Ein wichtiger Buchstabe. Wann fliegen Sie zurück?
Morgen Nachmittag. Canceln Sie den Flug.
Ich komme nach Kuba. Ich muss diesen Mann sehen.
Lassen Sie das. Ich schicke Ihnen ein Foto von ihm.
Sparen Sie sich die Flugkosten.
Hallo?!
Oye amigo, esculpa!
La fabricacion corazon de valle?
* Musik *
Was wird das?
Machen Sie keine Fotos im Urlaub? Ich bin nicht im Urlaub.
Verschwinden Sie! - Ich dachte, Sie wären auf dem Weg in die Heimat.
Ich wollte so gerne noch ein paar von diesen Zigarren mitnehmen.
Und sonst? Alles in Ordnung? Ja. Es wird gerade alles geprüft.
Ihre Schwester würde gern auf Nummer sicher gehen.
Mhm.
So ... Was geht schon auf Nummer sicher?
Lust auf ... eine Zigarrenverkostung?
Oh, ja.
Der Wagen passt doch gar nicht zu Ihnen.
* Die Hunde bellen und knurren. *
Hier produzieren wir unsere Salomones
Dafür beschäftigen wir die besten torcedores des Landes.
Sagen Sie ...
Was prüft meine Schwester eigentlich da?
Ob Ihre Verzichtserklärung
einer eidesstattlichen Versicherung gleichkommt. Reine Formsache.
Formsache?
Formsachen machen mich immer nervös. Ja? Mich nicht.
Deshalb sind Sie auch das, was Sie sind.
Haben Sie schon mal eine Estupendo cristales geraucht?
Welcher Jahrgang? 52.
Nein.
Es gibt Dinge im Leben, die muss man mindestens ein Mal gemacht haben.
Kommen Sie!
Für gute Freunde, für ganz besondere Freunde,
öffnen wir von Fall zu Fall unser Herz.
Weiß schon, für die beiden Herren da auf Ihrer Plantage.
Ich habe ein besonders großes Herz. Da könnte noch Platz für Sie sein.
Wenn Sie nicht so viele Fragen stellen.
Darf ich? Jaja, bitte.
Danke.
Eine gute Zigarre ist wie guter Wein. Ja.
1957.
Zwei Jahre vor der Revolution.
Die hätte Hemingway gefallen.
Eine große Havanna ...
... stirbt nie, sagt man. Ja! Die raucht man.
Das ist ein großer Moment.
Mhm!
Boa!
Gehört das alles Ihnen? Noch nicht.
Wir helfen unseren einheimischen Freunden ...
... und irgendwann helfen sie uns. Vielleicht.
Die Stunde Null. Darauf scheint jeder hier zu warten.
Was wird dann geschehen?
Es wird sie so nicht geben. Wie 1989 in der DDR.
Sondern wie?
Que sera.
Wollen Sie investieren?
Ab einer halben Million sind Sie dabei.
Bei was? Erdöl. Offshore.
Vor der Punta del Gato.
Sie haben aber viele Interessen. Das hält jung.
Man muss immer unter den Ersten sein.
Machen Sie es wie ich.
Pachten Sie eine Hazienda an der Punta del Gato.
Investieren Sie in die richtigen Leute, in das richtige Land.
Welches Land?
Bleiben Sie mal der, der Sie sind.
Machen Sie das mit der Formsache.
Sie denken zu klein.
Also ...
Grüßen Sie mir die Heimat.
Ihre Schwester will Sie treffen.
Ich sagte doch, dass ich kein Interesse habe.
Warum sagen Sie ihr das nicht selbst? Nach 30 Jahren.
Sie sind kein Mann ohne Schatten. Keiner ist das.
Das wird ein einsames Treffen ohne mich.
Hier, für Sie.
Warum?
Man soll die Geschenke des Lebens genauso annehmen wie die Verluste.
Sagen Sie ihr das.
Leben Sie wohl.
Danke.
* Telefon *
* Telefon *
* Telefon *
* Der Motor startet nicht. *
* Der Motor startet nicht. *
Oye, chico!
Donde hay internet? Internet?
Este fotografia ... email à l'Allemana?
Es possible? Si, si, moment.
Si, si. Buen amigo.
Nosostros estamos.
Porque? Es importante.
No puedo.
Hey, hey!
Ich hab's verstanden.
Mein Telefon!
Hallo! Hey!
* Stimmengewirr *
* Entspannte Musik *
Berlino! Berlino!
Un taxi? Quires un taxi?
Berlino!
Senor Vernau?
Das wurde für Sie abgegeben.
War ja klar.
Das ist ein seltsames Land, wo ein geklautes Handy
vor seinem Besitzer wieder zurückkommt. Wer hat es abgegeben?
Quien entrajo?
Ich bleib noch einen Abend. Sehen wir uns?
Ich denke nicht, nein.
Ich warte auf dich.
Mach das lieber nicht. Was ist los?
Es war schön mit dir, aber ich kann das nicht weiterlaufen lassen.
Es wäre verrückt.
Ich bin verrückt genug für uns zwei.
* Es donnert. *
* Türklopfen *
Ich hatte Ihnen gesagt, Sie sollen in Berlin bleiben!
Nicht alle Frauen tun, was Sie sagen. Wo ist er?
Hier ist er nicht. Haben Sie das Foto?
Könnte ich mir erst mal was anziehen? Darf ich?
Ein Mann in Unterhose bringt mich nicht mehr aus der Fassung.
Bitteschön!
Haben Sie das Foto?
Ich hatte es. Es wurde gelöscht.
Es war sowieso kaum was drauf zu erkennen. Seine Hunde.
Seine Hunde? Ja.
Ich kam nicht näher dran. Einer hätte mich fast gebissen.
Welche Hunde? Die zwei Dobermänner.
Hunde?
Ja. Er ist es nicht.
Jetzt bin ich absolut sicher. Warum?
Martin hat seit seiner Kindheit eine Allergie.
Allergie ...
Wenn das stimmt, was Sie sagen ... Es stimmt, was ich sage.
Aber wir können nicht bei ihm reinspazieren
und ihn mit 30 Jahre alten Vorwürfen konfrontieren. Wir brauchen Beweise.
Mein Gott, sind Sie jetzt mein Anwalt?!
Ich ... Brauchen Sie einen Schluck Wasser?
Ja.
Bitte.
Was ist es wirklich?
Sie erzählten mir nicht die ganze Geschichte. Das müssen Sie aber.
Wann ist Ihr Bruder verschwunden?
In der Nacht vom 13.Dezember 1980. Was ist damals passiert?
Die Fraenkelburg sollte abgerissen werden.
Es gab schlimme Krawalle. Massenweise Verletzte und Festnahmen.
Später nannte man sie "Die Schlacht am Fraenkelufer".
Martin und seine Freunde gehörten zur Hausbesetzerszene.
Unser Vater war Bauinvestor und Projektleiter.
Martins Protest war auch der gegen die Autorität der Väter.
(alle rufen) "Scheiß Bullenschweine."
(Katherina) Martin kämpfte für den Frieden.
Von Schwertern zu Pflugscharen.
Aber nicht alle seine neuen Freunde dachten so.
(Martin) "Was machst du?! Nein!!!
Doro! Wir brechen ein!"
(Doro) "Los, komm! Na, los, komm!"
"Los, komm schon!"
Wurde er verhaftet?
Nein.
"Scheiße, die haben mein Gesicht gesehen."
Waren Sie damals auch dabei? Ich?
Ich war im RCDS. Ring christlich- demokratischer Studenten.
Klingt aufregend.
Martin war das schwarze Schaf. Glänzende Zeugnisse.
Stipendium für Harvard in der Tasche.
Dann rennt er auf die Straße und verflucht den US Imperialismus.
Was geschah noch in dieser Nacht? Ich hörte, wie er nach Hause kam.
Was ist passiert? - Ich hau ab. Ich geh nach drüben.
Bist du verrückt?! - Bin ich nicht.
Besser verrückt als im Knast. - Was hast du getan?
Nichts. Aber die Scheißbullen sehen das anders. - Was?
Der Molly. Sie hat ihn geworfen. Ich konnte nichts tun.
Molotowcocktail? Bist du wahnsinnig?! - Hörst du mir nicht zu?
Ich hab nichts getan! - Das ruiniert deine Zukunft.
Ich hab hier keine Zukunft mehr. Einer von den Bullen ging drauf.
Die haben mich gesehen. Die kriegen mich.
Du kannst mich doch nicht alleine lassen. Wohin willst du?
Was willst du denn da drüben?
Martin, bitte, bleib hier!
Drüben? Das war die DDR.
Aber da muss es irgendwas geben. Aktennotizen.
Er ist direkt in Rüdersdorf gelandet.
In der Psychiatrie. Keiner landet einfach so in der Psychiatrie.
Gott, wie naiv sind Sie?
Martin war genauso verrückt oder normal wie Sie oder ich.
Ja, eigensinnig schon. Leidenschaftlich und rasend verliebt.
Er konnte sich so reinsteigern in seinen Hass und seine Leidenschaften.
Er war verliebt? In wen?
Sie war's. Wer?
Dorothea.
Die rote Doro.
Sie war seine große Liebe.
Was haben Sie vor?
Wir müssen diese Doro finden.
* Handy *
Vernau! Ich erkenne dich schon am Klingeln, wusstest du das?
Du musst was recherchieren. Lassen die dich schon raus?
Nett, dass du dich nach mir erkundigst.
Ich darf noch nicht raus.
Aber sich gar nicht bewegen! Kann da nichts zurückbleiben?
Keine bleibenden Schäden. Es geht um Folgendes.
Diesen Gebhardt, den ich gesucht habe, ist der Falsche.
Mir egal, welchen Gebhardt du suchst. Ich rekonvalesziere, okay.
Du sollst doch nur zu deinen West- berliner Hausbesetzerfreunden.
Ist doch schön, die wiederzusehen. Ja, die Fraenkelburg.
Da trug ich noch ein Pionierhalstuch.
Außerdem verhindere ich ein innen- architektonisches Desaster.
Wenn du mir nicht hilfst, bleib ich hier.
Okay, tschüss. Sagen Sie, ist der Käsekuchen von heute?
Wird schon.
Morgen wissen wir mehr.
Sie sollten versuchen, ein paar Stunden zu schlafen.
Nein, bitte keine Tapeten.
Und schon gar keine die aussehen wie ... 40 Jahre alte Bettvorleger.
Die haben wir im Wohnzimmer.
Oh!
Äh ... Ja ... Das Muster gewinnt ja auch auf der Fläche.
Ja, sehr.
Und Sie haben alles im Griff? Alles im Griff.
Man muss ihnen natürlich auf die Finger schauen. Allen!
Heute hat jemand versucht, die ab- gestellten Möbel im Hof mitzunehmen.
Kann das sein, dass das die Sperrmüllabfuhr war? Ja!
Unfassbar! Die wollten alles aufladen. Alles!
Haben sie es gemacht? Natürlich nicht. Das haben wir verhindert.
Wir sollten jetzt eine Tapetenauswahl treffen. Keine Tapeten. Bitte!
Ingeborg, hol mal die andere Tasche. Wir haben noch mehr mitgebracht.
* Handy summt. *
Frau Vernau, Frau Huth, ich brauche Ihre Hilfe.
Natürlich, deshalb sind wir ja da. Könnten Sie ins "Tacheles" fahren?
Oranienburger Straße. Jetzt gleich? Nach Holger fragen.
Der soll herkommen. Sofort. Holger? Tacheles? Ja!
Gute Nacht.
* Hundegebell *
Ich glaube, wir sind beide verrückt.
* Tür fällt ins Schloss. *
Frau Gebhardt, entschuldigen Sie die späte Störung.
Herr Gebhardt möchte Sie sehen.
Und dann hat er immer gesagt:
"Jeden Morgen einen Joint und der Tag ist dein Freund."
Jaaa! Der hatte die größte Hanf- plantage, die ich je gesehen hab.
Weißt du, was die gesagt haben? Zu Schulungszwecken!
Auf dem Dach von der städtischen Gartenbauanlage. Begrünte Städte.
Aua! Ach, Gott! Scheiß!
Hast du mal was von Michi gehört?
Ich glaub, der hat zwei Jahre auf Bewährung gekriegt.
Dann ist er in die Schorfheide gezogen. Zucchini züchten!
Zucchini!
Sag mal, du warst doch damals in der Fraenkelburg, oder?
Das ist lange her. Das waren Zeiten!
Erinnerst du dich an Martin Gebhardt?
Der war doch einer von euch, oder? Martin, ja.
Der machte immer Stress wegen unseren Hunden.
Was wurde aus ihm?
Der war weg. Von einem Tag auf den anderen.
Hat wohl Stress mit den Bullen gehabt Weißt du, wo der ist? Keine Ahnung.
Wieso? Der soll auf Kuba leben oder so.
Kuba? Ja, ... das passt zu ihm. Der hat auch von der DDR geschwärmt.
Besonders als Doro aufgetaucht ist. Hmmmmm! Doro?! Das war ein Feger.
Keine Ahnung, wie er an die rangekommen ist.
Die hat ganz andere Typen haben können.
So Typen wie dich, oder? Zum Beispiel.
Aber die war scharf auf Martin.
Und mich hätten keine zehn Pferde in die DDR gebracht.
Sorry, aber da endet meine internationale Solidarität.
Die ist einfach so mit dem rübergezogen? Ging das so leicht?
Keine Ahnung. Da musst du sie fragen.
Die hat jetzt 'ne Kneipe in Köpenick.
Ich hätte gedacht, die landet mal auf dem Cover vom Playboy oder so.
Jetzt steht sie hinterm Tresen.
Wollen wir noch eine? Boa, nee, danke.
Was machen wir jetzt? Keine Ahnung.
Auf mich warten nur Tapetenbücher. Brauchst du was zu lesen?
Nee, ich brauch 'n Bier.
Ja!
Holger? - Ja.
Bist du's wirklich?
Hey!
Hallo!
Ich bin Marie-Luise, Holgers Anwältin.
Hast du was ausgefressen? - Sie boxt meine Mietminderungen durch.
Reichte nie zum Haus da konnten wir besetzen so viel wir wollten.
Wie lange ist das her? Mindestens ein Vierteljahrhundert.
Hast dich gar nicht verändert. - Red keinen Scheiß. Bier? Wein?
Zwei Helle. Ja.
Und Sie sind Dorothea, die Ex von Martin Gebhardt?
Von wem? Martin Gebhardt.
Mit dem sind Sie doch 1980 in unsere schöne DDR gezogen.
Niemals.
Wir haben doch alle mitgekriegt, was zwischen euch gelaufen ist.
Das war die ganz große Liebe. - Den kenn ich nicht.
Deinetwegen ist er rüber. Du hast den Molly geworfen.
Ich hab's gesehen. Ich war dabei. Diese Augen lügen nicht.
Wir können das auch alles über den kleinen Dienstweg rausfinden.
Ein Anruf bei der Stasiunterlagen-Behörde.
Sind Sie Anfang Mai 1980 mit Martin Gebhardt
in die DDR gezogen oder nicht?
Nein.
Nee?
Echt jetzt? Wohin ist er dann? Ihr wart doch plötzlich beide weg.
Sie redet nicht. Die hat Angst. Was? Wegen des Mollys? Nee.
Oder sie haben sie an der Grenze hochgenommen.
Er durfte rüber und sie musste draußen bleiben.
Bei euch ging's ja nicht nach Schönheit hieß es immer.
Ich weiß, wo er steckt. In Kuba.
Kuba, ja.
Wir hatten den Auftrag von seiner Schwester ihn zu finden.
Seiner Schwester? Ja.
Wir haben ihn in Kuba aufgetrieben. Voilà, Auftrag erledigt.
Aber dann sagt die Schwester von Martin Gebhardt, er ist es nicht.
Ist er nicht? Er ist nicht der Echte. Er tut nur so als ob.
Er ist ein Doppelgänger, ein Legendendieb, ein Lebensräuber.
Ich kann's nicht poetischer ausdrücken, tut mir leid.
Aber der echte Martin Gebhardt ist vor 30 Jahren spurlos verschwunden.
Scheiße. Da verschwindet der 80 in die DDR
und dann taucht jemand anders unter seinem Namen in Kuba auf.
Was war da los?
Ich hab keine Ahnung, wovon du redest. Ich hab zu arbeiten.
Hey, Doro, du musst doch ... - Ich weiß es nicht. Hau ab!
Gut, dann müssen wir den ganzen Behördenapparat in Gang setzen.
Aber diesen falschen Gebhardt und seine Tochter schnappen wir uns.
Seine Tochter?
Ja. Sie heißt Laura.
Hmmmmm!
Noch nicht gehen.
Es darf mich hier keiner sehen.
Komm mit mir mit!
Nach Deutschland.
Als was?
Dein Urlaubsouvenir?
Ich will kein Souvenir.
Ich mein es ernst. Leb mit mir.
Ich kenne Deutschland.
Ich hätte zu große Sehnsucht. Havanna ist meine Stadt.
Ich kann nicht ohne meine Freunde, die Musik, die Leute sein.
Lass mich gehen.
Laura ist meine Tochter.
Ihre was? Meine Tochter.
Sie halten mich bestimmt für eine Rabenmutter.
Aber so war das nicht. Wie dann?
Ich habe Laura bei ihm gelassen, weil ...
... weil die Umstände uns dazu gezwungen haben.
Ich war doch nur ein kleines Licht, aber er ...
Er? Der Mann in Havanna?
Sag endlich, was mit ihm los ist.
Das ist eine lange Geschichte.
Wir haben Zeit.
Es war Ende der 70er.
Ich war jung und idealistisch.
Ich lebte und studierte in Westberlin. War in der DKP.
Scheiße, ich kann nicht.
Das waren doch viele damals. Da brauchst du dich nicht zu schämen.
Und weiter?
Ich hab mich von der Stasi anwerben lassen
und wurde auf Martin angesetzt.
Als Lockvogel?
Eine Honigfalle! So hießen doch diese Frauen damals, oder?
Sie suchten jemanden in der BRD mit seinem Lebenslauf.
Seine Abschlüsse waren ideal für eine Karriere in den USA.
Aber Martin war zu instabil.
Nicht geeignet, um als Perspektiv- agent aufgebaut zu werden.
Also sollte ich ihn dazu bringen, in die DDR überzusiedeln,
damit ein anderer an seiner Stelle ...
Das ist die abgefuckteste Geschichte, die ich je ...
Martin liebte mich.
Er glaubte an eine gemeinsame Zukunft in der DDR.
Aber ich hatte nur einen Job erledigt.
Als er das begriff, ging alles schief.
Wir gingen getrennte Wege.
Er glaubte, es war nur vorübergehend. Ich wusste, es war für immer.
Dann kam er in das Aufnahmeheim Roentgental bei Berlin.
Dort kriegte er kalte Füße. Er wollte mich sehen, aber das ging nicht.
Dann wollte er wieder zurück, aber das ging erst recht nicht.
Er verweigerte jede Zusammenarbeit.
Bestand auf seine Rechte als BRD-Bürger.
Doch das war er nicht mehr.
Er war ein Niemand im Niemandsland.
Er hatte aufgehört zu existieren.
Ein anderer trug seinen Namen,
ging an seiner Stelle in den Westen
und lebte sein Leben.
Wer?
Mein Ex-Mann. Johannes Fröhlich.
Offizier im besonderen Einsatz der HVA
des Ministeriums für Staatssicherheit.
Doro, das ...
Ich fass es nicht.
Und Martin?
Ich hab ihn nie wiedergesehen.
Sie lassen diesen abgewrackten Stasiagenten unbehelligt in Kuba?
Sie lassen ihm Martins Leben, seinen Namen und Ihre Tochter?
So war das nicht!
Er hat gesagt, wenn ich den Mund halte, passiert ihr nichts.
Senor Vernau!
Tienen llamar telefonica.
Hallo! Ach, du bist es.
Was gibt's?
Was?
Frau Gebhardt?
Es ist Sonntag. Ich hoffe, die Sache ist dringend.
So dringend, dass es Sie bestimmt zu einer Maßnahme befugt. Kommen Sie!
Martin Gebhardt war ein Auslandsagent der DDR?
Der nach dem Fall der Mauer hier quasi politisches Asyl gefunden hat.
Ich bitte Sie!
Ich will keinen Kaffee. Der Mann hat jahrelang beim größten
amerikanischen Rüstungsproduzenten als Ingenieur gearbeitet
und all die Jahre militärische Geheimnisse an die DDR verraten.
Und die einzige Zeugin, die in enttarnen könnte, ist verschwunden.
Was haben Sie vor? Ich? SIE!
Sie müssen eine Fahndung durch die Polizei auslösen.
Meine Klientin ist in akuter Lebensgefahr.
Wenn sie Gebhardt auffliegen lässt,
werden die Amerikaner diesen Mann so lange jagen, bis sie ihn haben.
Dann ist Schluss mit ihm. Glauben Sie, das lässt er sich gefallen?
Haben Sie mich nicht verstanden? Wir müssen die Polizei einschalten.
Ich habe Sie sehr gut verstanden.
Können Sie mal aufhören, Kaffee zu trinken!
Geduld. Bisschen Geduld.
* Musik *
Du wartest hier, bis ich dich hole.
* Spannende Musik *
Was wird das hier? Steig bitte ein, wir müssen los!
Ich steig nicht in dieses Auto.
Ich steig da nicht ein.
Wer bist du wirklich?
Ich bin Offizier der kubanischen Streitkräfte.
Ich arbeite in einer Spezialeinheit zur Bekämpfung von Korruption.
Bin ich jetzt verhaftet?
Was hab ich mit Korruption zu tun? Oder geht's um Gebhardt? Ja.
Er macht Geschäfte mit Amerikanern.
Unterstützt von kubanischen Mittelsmännern. Es geht um Öl.
Er will das Land verlassen.
Er hat meine Klientin in seiner Gewalt. Wo ist er?
In seiner Hazienda Punta del Gato.
Du arbeitest gar nicht in dem Hotel. Du überwachst es.
* Spannende Musik *
Das sind alles deine Leute? Wow! Bekämpfung der Korruption.
Ich hab gestern dem Portier zwei Peso Trinkgeld gegeben.
Komme ich jetzt in den Knast? Jetzt hör auf!
Wir mussten erst mal wissen, was du vorhast.
Ich hätte es dir gesagt. Du hättest nicht mit mir ins Bett gehen müssen.
Ich musste nicht. Ich wollte.
Kommen Sie! - Lassen Sie mich in Ruhe!
Herr Gebhardt will Sie sehen.
Katherina Gebhardt?
Aus Berlin?
Was haben Sie mit meinem Bruder gemacht?
Das müssen Sie andere fragen.
Fahren Sie nach Hause. Finden Sie Frieden.
Was wollen Sie von mir?
Ich werde dieses Land verlassen.
Ohne Aufregung. Ohne Hysterie.
In zwei Stunden, wenn es dunkel ist, holt mich ein Boot.
Bis dahin bleiben Sie hier und verhalten sich ruhig.
Was ist mit Martin passiert?
Seit man ihn in die Psychiatrie steckte,
gibt's keine Spur mehr von ihm.
Meine Mutter ist daran kaputtgegangen Ich hab meinen Bruder verloren.
Ich bin ihm nie begegnet. - Das glaube ich nicht.
Herr Gebhardt? - Er heißt nicht Gebhardt!
Wer sind Sie? - Das hab ich längst vergessen.
Als Ihr Bruder freiwillig in die DDR ging,
bin ich unter seinem Namen in den Westen.
Das war ein normaler Vorgang in der HVA.
Wie in allen anderen Diensten dieser Welt.
Der HVA? - Ja. Hauptverwaltung Aufklärung.
Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR.
Wusste Martin das? - Anfangs sicher nicht.
Ich ging in die USA und als der Eiserne Vorhang fiel
stand ich genauso beschissen da wie alle anderen,
die für ihr Land alles gegeben haben. Für ein Land, das es nicht mehr gab.
Mir blieb nichts anderes übrig, als Martin Gebhardt zu bleiben.
Was ist mit ihm passiert? Was haben Sie mit ihm gemacht? - Nichts.
Wir haben gearbeitet. Auslandsaufklärung.
Frau Gebhardt ...
Sind Sie krank?
Frau Gebhardt ...
Ihr Bruder gehörte einer ... linksintellektuellen Szene an.
Das wussten Sie.
Er wollte in die DDR.
Sie war 'ne mögliche Alternative zu dem Schweinesystem,
wie Sie es damals nannten.
Er reiste ein, gab den Pass ab, seine Papiere.
Tauschte die Identität. Das tat er auf eigenen Wunsch.
Vielleicht hat da noch jemand diesen Wunsch verstärkt, ja.
Dorothea!
Die rote Doro.
Diese junge Frau ging, als sie ihren Auftrag erledigt hatte,
mit mir ins Ausland.
Sie haben ihm auch noch die Frau ausgespannt.
Eigentlich war es umgekehrt.
Sie sollte zum Zweck der Anwerbung eine Liebesbeziehung eingehen.
Das war ihr Auftrag.
Daraus wurde mehr. Sehr viel mehr.
Und als sie dann endlich aus Martins Lebens verschwand,
hat er das nicht verkraftet. Er wollte wieder zurück. Nach Hause.
Aber da war's zu spät.
Man konnte ihn nicht mehr gehen lassen. Ich wär aufgeflogen.
Und als er begriff, dass es kein Zurück mehr gab ...
Als er begriff, dass ...
(Katherina) Ja?
... dass es ihn eben so nicht mehr gab ...
... drehte er durch.
Kam in die Psychiatrie.
Und erhängte sich.
Nein, das hat er nicht. - Doch!
Das hat er nicht. - Doch!
Glauben Sie mir. Doch.
Der gesamte Vorgang wurde 1990 vernichtet. Im Januar.
Ich hatte Kenntnis davon.
Aber ich hab ihn nie getroffen.
Und jetzt wollen Sie meine Absolution.
Nein. Wofür?
Ein Intellektueller ist eben kein Revolutionär.
* Spannende Musik *
Wie heißt das Spiel? Was für ein Spiel?
Wir haben drei Jahre lang daran gearbeitet, ihn festzunehmen.
Gebhardt hat viele Leute geschmiert. Wir hätten ihn geschnappt,
wenn du uns nicht dazwischen gekommen wärst. Ich?
Ja, dein Telefonat. Damit hast du die Aktion platzen lassen.
Hier ist Rechtsanwalt Joachim Vernau Es geht um einen Martin Gebhardt.
Wir gaben ihm eine Heimat und er fiel uns in den Rücken.
Du bleibst jetzt hier.
Lass mich mit ihm reden. Er wird sich stellen.
Träumer! Wenn ihr das Haus stürmt, gibt's Tote.
Wenn du gehst, hat er zwei Geiseln. Überlass das uns!
Ich bin immer noch ihr Anwalt. Was machst du?
No, no!
Herr Gebhardt! Ich bin hier, um mit Ihnen zu verhandeln.
Lass ihn rein!
Ist alles in Ordnung? Geht's Ihnen gut? Was wollen Sie?
Ich kann Ihnen Folgendes anbieten.
Frau Gebhardt und ich verlassen diesen Raum. Was?
Und Sie stellen sich der Polizei. Wie bitte?
Im Gegenzug verspreche ich Ihnen, dass kein Schuss fällt.
Ach, Versprechen. Und einen Rechtsbeistand Ihrer Wahl.
Ich kann ganze Bibliotheken mit Versprechen füllen.
Laura, ich hab dir gesagt, du sollst im Wagen warten!
Wer ist das?
Ich bin die Schwester von Martin Gebhardt.
Sie sind ...
Diesen Mann kenne ich nicht. Er lügt.
Ihr Vater will keinen Ausflug mit Ihnen machen. Er ist auf der Flucht.
Wird weltweit gesucht. Vernau, lassen Sie das!
Ihre Mutter lebt noch. Halten Sie die Klappe, ich bitte Sie!
Sind Sie völlig verrückt geworden? Wir haben Sie ausfindig gemacht.
Sie lebt in Berlin. Hören Sie auf! Ich weiß ...
Einen Scheißdreck wissen Sie! Lassen Sie meine Tochter in Ruhe!
Wollen Sie's ihr sagen?
Es ist also wahr?
Meine Mutter lebt?
Du hast mich all die Jahre angelogen.
Man schützt doch das, was man liebt.
Oder? Das macht man doch.
Kommen Sie, wir gehen!
Wir kommen raus. Nicht schießen! Nein, Sie bleiben hier!
Die Waffe weg!
* Schuss! *
Hasta manana!
Wann fliegst du?
Heute Abend.
Du hast zu viele Filme geguckt. Es hätte schiefgehen können.
Ist ja nicht.
Was du über uns und Deutschland gesagt hast ... Vergiss es.
Willst du einen Film mit mir gucken?
Oder Kaffee?
Willst du ein Essen?
Ein Kind? Willst du ein Kind von mir?
Das bringt Unglück. Was?
Sich beim Abschied nicht anzusehen.
Ein Abschied für immer?
Havanna es algo dificil de olvidar.
Havanna kann man nicht einfach so vergessen.
Ich werde auf dich warten.
* Melancholische Musik *
Können Sie mir helfen, sein Grab zu finden?
Ich glaube, Martin hätte es auf Kuba gefallen.
Wir haben noch geschlossen.
Laura?
Laura!
Hey, war die Sperrmüllabfuhr doch da?
Sieht so aus.
Na, komm, lass mich mal!
Alles neu. Ist bestimmt toll geworden.
Was ist das?
Du ahnst ja gar nicht ...
wie schwierig es war, dieses Muster noch zu bekommen.
Die Hacken sind wir uns abgelaufen.
Die scheinen das gar nicht zu würdigen.
Doch, doch.
Ja, das hat man nun davon.
Da plagt man sich Tag und Nacht und dann so was.
Ach, komm!
Hier! Vielleicht hilft Schöntrinken.
Das funktioniert bei Frauen, aber nicht bei Tapeten.
Wir versuchen's wenigstens, okay?
Auf Kuba!
Auf das, was wir lieben.
Sag ich ja.
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