All language subtitles for 2012_Das Kindermädchen.deu

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Original subtitles

"Utz. Lieber, Utz."

"Die Jahre eilen dahin und ich bin in Kiew alt geworden."

"Ich habe so oft geschrieben"

"und nie eine Antwort bekommen. Vielleicht hast du mich vergessen."

"Aber wenn ich mich erinnere und dich vor mir sehe,"

"dann als der Junge, der du einmal warst."

"Diesen Jungen bitte ich: hilf mir!"

"Ich bin zu schwach

und zu alt, müde."

"Eine Freundin wird nach Berlin kommen mit diesem Brief von mir"

"und dich ein letztes Mal an mich erinnern."

Joachim Vernau Marie-Luise Hoffmann

Sigrun Zernikow Utz Zernikow

Kirchlicher Gesang

Sag nichts. Sag einfach nichts.

Ich kenn den Mann doch gar nicht. Das ist kein Grund.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und schenke euch seinen Frieden.

War es sein Hobby? Seltene Orden? Unten ist das Bundesverdienstkreuz

und links oben die Kleinen, das sind die Ehrennadeln fürs Blutspenden.

Und die Dönerspieße auf Salat? Das Eichenlaub mit Schwertern

und Brillianten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Die zweithöchste Auszeichnung des Dritten Reichs. Nur zweithöchste?

Die Testamentseröffnung ist um drei. Sei da! Die Lehnsfelds sind heikel,

auch wenn sie unsere Freunde sind. Wenn man sie kennt, sind sie okay.

Mein Vater ist stolz auf dich. Du machst dich gut.

Ich muss los. Fraktionssitzung. Jeder Handschlag zählt.

Vergiss nicht den Fototermin heute Nachmittag.

Welcher Fototermin?

Musik

Familie Lehnsfeld kommt. - Sie erinnern mich an Pinguine.

Die füttern ihre Jungen auch bis ans Lebensende. - Stimmt nicht.

Hallo? - Aaron gibt den Hausherrn.

Der soll reinkommen. - Was macht die da?

Vielleicht steht sie auf ihn? So schön ist er nicht.

Haben Sie mich fotografiert? Das ist Privatbesitz! Was wollen Sie?

Geben Sie mal her! So nicht, ja! Kann ich was für Sie tun?

Ja.

Utz Zernikow. Zernikow. Herr von Zernikow?

Da müssen Sie einen Termin haben. - Termin.

Freundin hat seid über 60 Jahre.

Für Utz. Nur für Utz. Utz? Darf ich?

Da? Oder Familie? Mutter lebt noch?

Kinder? - Frau Zernikow ist Staatssekretärin

und nicht die Ausländerbeauftragte. Herr Vernau, wir hatten einen Termin.

Bitte! Geben Sie ihn Utz. Nur für Utz.

Ist Sache zwischen Utz und Freundin.

Natalja Tscherednitschenkowa.

Name vergessen in diese Haus?

Russen. Die werden immer geschickter. Einfach wegschmeißen den Brief.

Wir wären dann so weit.

Der alte Lehnsfeld. Er und mein Vater waren Freunde seit der Jugend.

Bis zum Krieg. Mein Vater ist gefallen, er nicht.

Manchmal denke ich, das Leben müsste einfach die Schachteln vertauschen.

Eben war eine Frau da. Die wollte zu dir. Das klang sehr persönlich.

Hast du in deinem Bekanntenkreis Russinnen?

Was meinst du, Russinnen? Russische Frauen?

Sag mal... Um Gottes willen, nein.

Auch keine Natalja? Nein.

Du bist hier nur der Anwalt. Noch gehörst du nicht zur Familie.

Danke.

Ist noch was? Es gibt noch eine Zusatzverfügung.

Aaron, ihr Großvater hat Ihnen auch was vermacht. Ein Haus. Villa Rosa.

Köpenick. Regattastraße.

Euer altes Haus. Das gibt es doch gar nicht mehr.

Gibt es das noch? - Das weiß ich nicht.

Das war noch vor meiner Zeit. - Doch. Opa hat oft davon erzählt.

Unser verlorenes Märchenschloss. Erst haben es uns die Russen geklaut,

dann die Kommunisten und jetzt der Liegenschaftsfond. - Du lehnst ab.

Das Haus wurde 1933 einem jüdischen Fabrikanten abgekauft.

Für eine Summe knapp über Diebstahl.

Sollen die echten Erben damit glücklich werden. - Ich nehme an.

Bevor Sie unterschreiben, bedenken Sie, es wird ein langer Weg.

Ich rechne mit weniger als 60 Jahren. - Du weißt nicht, was du sagst.

Wenn du ein Haus willst, dann kümmere dich um die Jagdhütte am Döllnsee.

Die steht auch seid 20 Jahren leer. - Es gehört mir.

1933, verstehst du nicht?

Ich nehme es.

Musik

Möge die Übung gelingen.

Oh, Gott. Verzeihung.

Sie haben den Keller geflutet. Oh, was ist das hier? Ein Geheimgang.

Das hatten alle herrschaftlichen Häuser. Im Krieg rettete er Leben.

Wir trocknen das und Sie bekommen den Plan nachgereicht.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, Aaron. Sie wissen,

Besitz heißt Verantwortung übernehmen. Ja, danke.

Meine Verehrung an Ihre Frau Mutter. Sie stand Großvater sehr nahe.

Ich will schnell den Umbau beginnen. Erst, wenn Sie der Eigentümer sind.

Eine Auflage sagt, dass das Gebäude an einen gemeinnützigen Verein

verpachtet werden muss. Verein? Behindertenverbände, Tierheime,

Sportvereine, Frauenhäuser... Frauenhäuser?

Frau von Zernikow,

alles zu unserer Zufriedenheit.

Bleiben Sie mir mit diesem Ding weg.

Sprechen Sie eigentlich Russisch? Nein. Aber was das heißt, weiß ich.

Soll ich Sie verbinden? Nein, danke.

Ist doch Ihre Mutter. Womit Sie das Problem erkannt haben.

Danke, ich mach das später.

Telefon

Anwaltskanzlei Marie-Luise Hoffman. Was kann ich für Sie tun? Hallo.

Joachim Vernau. Long time no hear. Was willst du?

Ich wollt bloß deine Stimme hören. Sag mir ein paar Worte auf Russisch.

"Du kannst mich." klingt in allen Sprachen gleich. Hört sich an,

als wird das ein gutes Gespräch. Du musst mir einen Gefallen tun.

Ich muss dir? Ich fax dir jetzt was durch,

und du sagst mir, dass alles harmlos war und nichts Ernstes.

Immer noch dein Spezialgebiet? Es war nicht alles schlecht damals.

Also, mit uns beiden meine ich. Es gab auch schöne Momente.

Ja, Momente. Ich lad dich zum Essen ein, hm?

Was richtig schön Warmes. Okay, den Wisch hier,

den kannst du dir an Hut stecken. Hut: tschapka. Nein: njet.

Und auf Wiedersehen: doswidanja.

Du mich auch. Ihre Mutter? Schlimmer.

Musik

Alles ist gut. Alles gut.

Glocken läuten

Musik

Der Wähler muss entscheiden, wie das Abgeordnetenhaus aussehen wird.

Man sagt, Ihre Ambitionen gehen in Richtung Innensenatorin.

Das entscheidet der Bürgermeister, nicht ich. So gern ich's täte.

Mist.

Sag mal, wo steckst du denn? Wenn du nicht bald hier auftauchst,

gibt's 'ne Beerdigung. Meine. Was mögen deine Wähler dazu sagen?

Wo warst du denn?

Sie sind... Ja, ich bin... Mein Verlobter. Joachim Vernau.

Schreiben Sie "mein Verlobter". Wir sind da etwas konservativ.

Und bald Partner in der Kanzlei meines Vaters. Schreiben Sie das so.

Können Sie näher zusammenrücken? Gerne. Na klar.

Darf ich die Braut nicht küssen? Doch. Später.

Wann ist die Hochzeit? Im August. Im August.

Tatsächlich? Schön. Gut. Gelbe Felder. Singende Lerchen.

Prallblauer Himmel. Blütenkränze im Haar.

Sehr romantisch. Zur parlamentarischen Sommerpause.

Genau. Danke, die Herren. Wiedersehen.

Wiederschauen. Schönen Tag.

Entschuldige. Er fragte die ganze Zeit nach meinem Beziehungsstatus.

Dann soll er bei Facebook schauen. Ich möchte noch gefragt werden.

Joachim Vernau,

willst du mich, Sigrun Zernikow ohne "von", heiraten?

Du, willst du mich heiraten?

Ich will das Zauberwort hören. Bitte!

Wie war das? Bitte! Ich hab's noch nicht verstanden.

Oh, bitte nicht, du.

Du, ich muss um fünf Uhr...

Ich hab den Entwurf für den Innenausschuss noch nicht fertig.

So, mein Schatz...

Musik

Klingel

Hütchen, machst du mal auf?

Mit dir hab ich gar nicht gerechnet. Ich backe gerade Apfelkuchen.

Das sehe ich.

Wo ist eigentlich diese Frau Huth? Die fleißigste Haushälterin,

der ich auch in diesen Monat wieder 300 Euro black überwiesen hab?

Du hast es schon. Glückwunsch zur Verlobung.

Ist sie nett? Ja. Natürlich.

Schönes Foto, oder? Dass du dich mal verlobst.

Und noch dazu mit einer "von". Hat sie ja abgelegt, Mama.

Warum ziehst du immer dasselbe an? Haben wir nicht erst was gekauft?

Weihnachten. Aber in Reinickendorf können wir was für den Sommer kaufen.

Das müssen wir mal machen.

Die Mädels vom Bridge und nach den anderen schauen.

Bei Käthe war ich noch gar nicht. Käthe? War das nicht die

mit den Salmonellen im Kuchen? Einmal. Und du erwähnst es ständig.

Ich muss weg, Mama. Jetzt schon? Ich muss arbeiten.

Heute? Aber...

Wann lerne ich sie denn mal kennen? Bald, Mama.

Bald. Versprochen.

Ich ruf dich an.

Musik

Der war Aus. Hast du schon gelesen? Mittelteil.

Die durch-und-durch-Demokratin Sigrun Zernikow und Joachim Vernau,

der Anwalt, auf dem Weg nach oben.

Hast du das gesehen? Diese Frau, die stand neulich vor eurer Villa.

Sie wollte zu Utz. Das ist ja fürchterlich.

Olga W. aus der Ukraine. Kennst du sie? Ich? Woher denn?

Sie wollte doch zu Utz. Ja, und sie hatte auch...

Das ist Zufall. Ich warte noch auf den Bauplan.

Meine Mitarbeiterin erledigt das. In Sachen Kompetenz

ist sie nicht meine erste Ansprechpartnerin. Ich brauch sie.

Meine Investoren werden ungeduldig. Eine einstweilige Verfügung,

und Sie sind den alten Kasten los. Für was beschäftige ich eigentlich

so hoch bezahlte Leute wie Sie? Hat das nicht Zeit bis morgen?

Besitz ist Verantwortung. Aber das verstehen nur Menschen mit Tradition.

Die Villa Rosa. Dieser alten Kasten. Als wir im Krieg ausgebombt wurden,

nahmen uns die Lehnsfelds dort auf. Du warst im Krieg?

Diese alten Familiengeschichten. Vergiss es.

Hattet ihr was zu tun mit Russen? Nein. Jetzt hör doch mal auf,

zwischen uns und diesem Vorfall einen Zusammenhang zu konstruieren.

Ah, guten Tag. Sie vergessen nicht, nächste Woche? Wir freuen uns.

Danke. Ich sag der Polizei Bescheid, dass sie öfters bei uns vorbeifahren

und die Augen offenhalten sollen. Warum machte der Typ so?

Wir beide im kleinen Kreis. Schnöden Worten folgen Taten.

Nur die Familie, Freunde und der Fraktionsvorsitzende. Sprich:

Genau die Verlobung, die ich brauch. Küss mich, wir werden beobachtet.

Musik

Spannende Musik

(Ansage) Auf Gleis 8 hat Einfahrt der Eurocity aus Kiew.

Dieser Zug endet hier.

Musik

Wo ist denn hier der gesetzlich vorgeschriebene Nichtraucherraum?

Ist er jetzt Bulle? Schlimmer. Anwalt.

Bringen Sie meiner Stiefmutter 'nen Kuchen. Ich das Essen, du Russisch.

Denk nicht, du kriegst mich so rum. Sag mir, was in dem Brief stand,

den ich dir gefaxt hab. Und sag nicht, du hast ihn nicht gelesen.

Ich dachte, du fragst nie. Der ist interessant. Ja. Bin gespannt.

Das war die Kopie eines Schreibens der ukrainischen Nationalstiftung

"Verständigung und Versöhnung".

Gerichtet an deinen zukünftigen Schwiegervater Utz von Zernikow.

Und was stand drin? Nichts Aufregendes. Halb so wild.

Nur, dass die Zernikows im Dritten Reich Zwangsarbeiter beschäftigten.

Was? Du spinnst. Eine Natalja Tscherednitschenkowa.

Und sie will eine Entschädigung für all die Jahre, die sie schuftete.

Sie hat aber kein Arbeitsbuch und sie steht nicht in der Zentraldatei.

Sie gibt an, dass sie von März 1941 bis zur Flucht im November 1944

bei Wilhelm und Irene von Zernikow Zwangsarbeit geleistet hat.

Das gibt sie an.

Und als was? Kindermädchen.

Als Kindermädchen? Ist doch keine Zwangsarbeit.

Oh doch.

Musik

Sigrun?

Au!

Was habt ihr mit Olga gemacht? Ihr habt sie umgebracht.

Habt ihr mit meiner Großmutter verwechselt, was? Olga? Was?

Olga, Olga?

Ach so. Das war... Das stand in der Zeitung. Das war ein Unfall.

Sie ist ertrunken.

Wer bist du? Milla Tscherednitschenkowa,

Enkelin von Natalja, die bei den Zernikows gelitten hat.

Die trotzdem 1000 Briefe schrieb und nie eine Antwort bekam.

Wo ist Sigrun? Bist du ihr Mann? Dein Name!

Jo... Jo... Jojo, ich will die Bestätigung.

Egal, von wem. Wenn Utz sie mir nicht gibt,

dann hole ich sie von seine Tochter. Ich werde mich drum kümmern.

Ich gebe euch genau 24 Stunden.

Wecker

Oh Gott.

Wer hat meinen Lippenstift benutzt?

Ich hab dich gar nicht kommen hören heut Nacht. Was ist passiert?

Ich bin ausgerutscht in der Dusche. Was? Autsch.

Das tut mir leid. Und ich war nicht da.

Vorsichtig. Vorsichtig. Ja. Vorsichtig.

Vorsichtig.

Ich weiß gar nicht, wo die herkamen. Die drei Typen waren einfach da.

Der eine hatte ein Messer, der andere einen Schlagring

und der dritte 'ne Pistole. Ich hatte nichts und war allein.

Meine Güte. Guten Morgen. Utz, kann ich dich kurz sprechen?

Hast du dich geprügelt?

Ich hatte gestern Abend Besuch von einer jungen Dame. Die bat mich,

dich an ihre Großmutter in Kiew zu erinnern. Ich soll dir sagen,

dass das hier erst der Anfang ist.

Natalja Tscherednitschenkowa,

Zwangsarbeiterin in eurem Haus von 1941 bis 1944.

Sie braucht für die Plausibilitätsprüfung

ihres Entschädigungsantrags deine Bestätigung. Hier!

Schreib was! Ich, Utz von Zernikow, bestätige, dass meine Mutter,

geborene Freifrau von Hollwitz, Zwangsarbeiterinnen beschäftigt hat.

Es tut uns sehr leid, wir werden es nie wieder tun. Zwangsarbeiter?

Was Siemens und Krupp geschafft haben, das kannst du auch. Nein.

Mutter! Du weißt, dass ich das nicht mag, wenn du hier überall rumrollst.

Besuch von jungen Frauen? Walter? Kommen Sie mal bitte!

Russische Frauen? Das klären wir gerade.

Da gibt es nichts zu klären.

Sagt Ihnen der Name Natalja etwas? Natalja Tscherednitschenkowa? Utz!

Ich warne Sie. Sie wissen nicht, wer wir waren. Sie wissen nicht,

wer wir sind. Walter, bitte! Sie wissen überhaupt nichts.

Wie soll ich die Warnung verstehen?

Als ein Zeichen meiner Güte und Fürsorge.

Es wird immer schlimmer mit ihr. Zuerst waren das Deutsche.

Und dann kamen sie aus Polen, aus Weißrussland, Ukraine...

Bei ihr hielt es keine lange aus. Ja. Zwangsarbeiterinnen.

Kindermädchen. Putzfrauen.

Minderjährige ausländische Putzfrauen. Komm, unterschreib!

Ich kümmere mich um den Rest. Natalja ist tot.

Tot? Ja. Ich hörte, sie sei euch abgehauen.

Sie wurde im November 1944...

Was wurde sie im November? Wie ist sie denn gestorben, hm?

War sie krank? Nein. Berlin war kein Luftkurort.

Ein Massengrab. Ich will nicht daran erinnert werden. Es geht um...

Von niemandem! Es geht um eine... Das sind Trittbrettfahrer.

Es geht um 5 Euro im Monat. Für eine Tote?

Es gibt nichts mehr, was ich darüber zu sagen hätte.

Herr von Lehnsfeld?

Na, endlich.

Ich will Sie nicht weiter stören.

Bei was eigentlich? - Ja, bei dem,

was Inkompetenz so mit sich bringt. Wo ist der Kaffee? - Kaffee?

Der Kaffeefleck. Das ist der falsche Plan. Sie erinnern sich doch, oder?

Sicher. Der ist aus dem Grundbuchamt. Er ist neuer, dachte ich.

Der anderen ist nicht gebügelt. - Gebügelt?

Damit er nicht so knitterig ist. Aber der sieht doch genauso aus.

1955. Baukammer der DDR. Mensch, das ist ein Nachkriegsplan.

Ich brauch den Vorkriegsplan. Den ersten. Den mit dem Kaffee.

Ohne Milch und Zucker.

Ich glaube, den hat Herr Vernau wieder. Ich kümmere mich drum.

Machen Sie das. Und zwar schnell. Und bringen Sie ihn mir. Nur mir.

Haben Sie das kognitiv erfasst? - Ob ich das verstanden habe?

Ich denke schon.

Ja, ist noch was?

Musik

Nun, geht es voran? - Der Bauplan ist falsch.

Wir brauchen mehr Zeit. - Zeit.

In dieser Hinsicht sind meine Ressourcen nahezu erschöpft.

Und meine restlichen Mittel auch.

Es ist ein Jammer. Wäre ich nur 20 Jahre jünger.

Sie sind nicht alt. Sie haben uns nur einiges voraus.

Den Blick für lohnende Investition. Das übersteigt meinen Rahmen,

und mein Vater... - Bei allem was du tust.

Erwäge es wohl und bedenke das Ende. Auch finanziell. - Ich wusste nicht,

dass es so teuer wird. - Du hast es ihm versprochen.

Ja, aber... - Er hat viel von dir gehalten.

Durchaus. - Ich nicht.

Unverständlich Ja, das ist die DDR-Ausgabe.

Darf ich einen Moment um eure Aufmerksamkeit bitten?

Als wir uns vor vier Jahren kennenlernten, Hand aufs Herz,

wer hätte uns da 'ne Chance gegeben? Du bist meinem Vater aufgefallen,

als du mit dem Brinkmann-Fall in Revision gegangen bist.

Und ich erinnere mich an den Moment, als ich dich zum ersten Mal sah.

Guten Abend.

Hast du die 13. Fee vergessen?

Die Freifrau, nehme ich an. Und Utz.

Wer ist Utz?

Wir sind jetzt wie eine richtige Familie. Wer ist das?

Gib mir die Pistole und dann lass uns reden. Ja, lasst uns reden.

Hier und jetzt vor deiner ganzen ahnungslosen Familie.

Sag, was damals passiert ist. Erzähl von dem Keller.

Milla! Was macht sie in meinem Haus?

Soll ich die Polizei rufen? Wir klären das ohne Polizei. Danke.

Ich rief sie. Wir gehen. Was?

Ein bisschen viel Russen bei euch. - Nein. Du hast mir versprochen!

Was hast du versprochen. Später. War das dein Ausrutscher?

Danke schön, ich mache das. Was wird das? Ukrainisches Roulette?

Idiot. Hast du gesagt. Änderung. Es gibt keine Natalja,

also gibt's dich auch nicht. Frag Utz nach dem Kreuz.

Nach welchem Kreuz? Frag ihn, dann werden wir sehen,

ob es mich gibt. Ich werde euch nicht in Ruhe lassen! - Guten Abend.

Ist das die Dame? Ja, das ist die Dame.

Das Kreuz! Frag ihn! Dass er sich erinnert, was er getan hat.

Sie stand im Bad und bedrohte mich. 'ne Russin. Mit Waffe im Badezimmer.

Das ist unglaublich lächerlich. War sie auch in unserem Bett?

Quatsch. War sie in unserem Bett? Nein!

Wo habt ihr es denn dann getrieben? Auf dem Teppich? Auf dem Sofa?

Unter der Dusche? Natürlich. Würdest du mir mal zuhören?

Nein. Sie ist jung. Ich bin oft nicht da. Das kann ich verstehen.

Aber nicht mit einer Kriminellen und Leuten, die mir wichtig sind.

Der Fraktionsvorsitzende, meine Familie und die halbe Kanzlei.

Er versuche, euren Arsch zu retten. Jetzt pass mal auf, was du sagst!

Frag Utz, wo die alle herkommen. Dass du Utz da noch mit reinziehst,

das ist doch das Allerletzte. Ich will nicht wissen, woher sie kommt,

wohin sie geht. Und auch nicht, was sie in meiner Wohnung getan hat.

Und ich will, dass du sie nie mehr wiedersiehst. Ist das klar?

Nun muss ich deinen Arsch retten! So einfach geht das nicht.

Genau so einfach geht das. Rein oder raus. Ja oder nein.

Sie oder ich. Bleiben oder gehen.

Du bist gerade dabei, mein Leben kaputt zu machen.

Klingel

Klopfen

Was für eine Überraschung. Um diese Zeit.

Das finde ich auch. Habt ihr einen Rohrbruch?

Ja. Land unter, könnte man so sagen. Gott zum Gruße auch, Frau Huth.

So spät noch bei der Arbeit? Deine Haushälterin lebendig

und bei guter Gesundheit zu sehen, das ist ja... Sonst ist alles gut?

Wir sehen öfter mal zusammen fern. Dann will ich nicht länger stören.

Ich geh in mein Zimmer. Wohin? In mein Zimmer.

Dein Zimmer? Welches Zimmer? Das, in dem ich 22 Jahre verbrachte.

Wird ja noch da sein, oder habt ihr es weggesprengt? Natürlich.

Aber das ist jetzt nicht mehr... Es ist nicht mehr ganz so...

Schick. Haben Sie kein Zuhause mehr? 20 Jahre lang hast du nicht gefragt.

Und jetzt auf einmal.

Was machst du denn da? Ich schaff ein bisschen Platz.

Wir wollen es doch gemütlich haben, wir beide. Ist doch viel zu eng.

Ist ja nur für ein paar Tage. Machen wir uns eben dünn, Frau Huth?

'n paar Tage? Sie kommen mit zu mir, wenn es schon sein muss.

Danke.

(Ansage) Liebe Besucher, die Bibliothek schließt in fünf Minuten.

Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Heimweg.

Musik

Ja, ich bin's. Eine junge Frau hat heute versucht,

sich mit Waffengewalt Zugang zu unserer...

unserer Wohnung zu verschaffen. Sie wurde festgenommen.

Milla Tscherednitschenkowa. Sie braucht einen Anwalt,

der sie irgendwo hinbringt, wo ich mit ihr reden kann. Das war's.

Danke. Gehen Sie zurück nach Kiew.

Ich versuche alles, um Ihrer Familie zu helfen. Mit leeren Händen?

Milla! Milla! Das kann ich nicht.

Können wir reden? Zernikow. Das ist 'ne Verwechslung.

Die Frau wurde festgenommen und wird psychologisch betreut.

Halten Sie die Sache klein. Danke. Handy

Herr Brettschneider, hallo, ja. Schöner Bericht über mich. Danke.

Nein, es war ein Überfall. Nein, nein.

'ne weiblich verwirrte Person. Fragen Sie die Polizeipressestelle.

Danke. Bis zum nächsten Mal. So geht es seit heute Morgen um sechs.

Gab sie 'ne Agenturmeldung raus? Kannst du mir das abnehmen?

Wo warst du heute Nacht? Bei meiner Mutter.

Schwacher Versuch.

Musik

Morgen. Guten Morgen.

Das ist von einer ganz schrecklichen Frau. Nein, nicht Ihre Mutter.

Eine Frau Hoffman. Sie sagt, die Russin von gestern Abend...

Das kann ja kein Mensch lesen. Pension Adler, Albrechtstrasse.

Ihre Papiere wären in Ordnung. Sie ist, wer sie ist. Wörtlich.

Herr von Zernikow schon da? Ja, aber...

Guten Morgen. Ich hab nur meinen Stift gesucht.

Der Alte fragte nach dir. Es gibt Ärger mit Aaron. Sonst noch was?

Nö.

Obwohl, das mit der Verrückten von gestern Abend. Habt ihr das im Griff?

Ganz offen? Ganz offen. Wir haben's im Griff.

Guten Morgen.

Ich hoffe, du hattest einen. Ich nicht.

Ich hatte auch keine so gute Nacht, falls es dich interessiert. Nein?

Scheint nicht der Fall zu sein. Aaron. Er hat angefangen zu bauen.

Hat er dir das schon gesagt? Sein Vater fürchtet um seinen Ruf,

wenn rauskommt, dass die Lehnsfelds jüdischen Besitz nicht rausrücken.

Dieser Überfall gestern Abend, der galt dir.

Das hier, meine schiefe Nase, der Brief, die Frage nach dem Kreuz,

das ging alles an deine Adresse. Ich hab deine Post entgegengenommen.

Kein Problem. Aber jetzt wüsste ich doch gerne, was hier gespielt wird.

Erklär's mir! Und erkläre es mir so, dass ich und Sigrun es verstehen.

So langsam muss ich ihr eine Erklärung geben, die Sinn macht.

Das ist so lange her.

Und ich kann mich an jeden Moment erinnern,

als wäre sie gerade weggegangen.

Utz! Utz!

Natalja Tscherednitschenkowa wurde am 14. November 1944

um 5:42 Uhr hingerichtet.

Sie wurde abgeholt und umgebracht,

deshalb kann sie keine Enkelin haben. Verstehst du nicht?

Was hat sie getan? Es war Krieg. Ich weiß. Das reicht mir nicht mehr!

Ich hatte Diphtherie, sie besorgte mir Penicillin auf dem Schwarzmarkt.

Das war alles?

Um das Penicillin bezahlen zu können, hat sie ihr Kreuz versetzt.

So ein kleines Kreuz, aber aus Gold.

Ich nehm an, das war es, worauf deine Bekannte gestern anspielte.

Sie ist nicht meine Bekannte, sie... Natalja ist tot.

Reicht das nicht?

Es gibt eine Menge Leute, die das anders sehen.

Vergiss nicht, wo du bist und wer du bist.

Wie könnte ich das?

Milla!

Milla?

Wie ist das passiert? Unfall mit Fahrerflucht.

So. Hast du irgendwas gesehen? Nummernschild, Wagentyp...

Nein, es ging alles so schnell. Der hat noch nicht mal gebremst.

Ich hab gedacht, der will die... Wer ist sie?

Milla Tscherednitschenkowa. Nein.

Ich nahm mit der ukrainischen Nationalstiftung Kontakt auf.

Die Angaben sind völlig plausibel.

Und wie hat sie ihre Hinrichtung erklärt? November 1944. Plötzensee.

Morgens um 5.42 Uhr, hm? Verschont mich einfach!

Jetzt hör mir mal in Ruhe zu.

Sie ist geflohen. November '44, verstehst du? Der Bombenkrieg.

Alles in Schutt und Asche. Alles. Meinst du? Was soll das?

Sie sprang dem Henker vom Schafott. Auch Plötzensee wurde zerbombt.

Eine 17-jährige Zwangsarbeiterin ohne Papiere alleine in dem Chaos.

Wie soll das gehen? Sie kannte Olga. Zu ihr ging sie.

Sie wurden gemeinsam deportiert. Natalja kam zu den Zernikows,

Olga zu 'nem Bauern! Olga ist tot. Ja, aber der Bauer lebt. Komm mit!

Können wir nicht wenigstens mit meinem Auto fahren?

Musik

Herr Kähnrich?

Wir kommen wegen Olga und Natalja. Sie arbeiteten im Krieg bei Ihnen.

Damals. Lass uns hier verschwinden.

Das hat doch keinen Sinn. Komm!

Jetzt komm!

Sie haben im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter beschäftigt?

Wir brauchen Ihre Hilfe. Es geht um zwei Mädchen,

die im Krieg vielleicht bei Ihnen waren. Die eine hieß Olga

und die andere Natalja.

Meine Frau starb letztes Jahr. Die hätte Ihnen mehr sagen können.

Hier. Hat die Olga gemacht mit der Aquabox.

War ein schlimmer Winter '44/'45.

Heute bringen sie ja manchmal was im Fernsehen über die Flüchtlinge.

Wie sie übers Eis gelaufen sind. Aber über die, die hier waren,

bringen sie nichts. Das interessiert keinen.

Doch. Uns interessiert das. Haben die Olga zugeteilt bekommen

als Erntehelferin. War ja niemand mehr da zum Arbeiten.

Mussten ja alle den Krieg gewinnen. Hab Olga erwischt, wie sie Brot nahm

und zum Heuboden tragen wollte. Wollte wissen, wen sie da versteckt.

Mit der Heugabel bin ich hoch. Meine Frau hat geschrien,

und Olga hat geschrien, und da tauchte sie auf, die Kleine.

Meine Frau hat mich festgehalten. Die wollte kein Unglück.

Also hab ich sie nicht totgeschlagen.

Und die Kleine haben Sie versteckt, bis der Krieg vorbei war?

Ist sie das?

Keine Ahnung. Ist schon so lange her.

Man müsste graben.

Meine Frau hat gesehen, dass die beiden da was versteckt haben.

Damals, als die Russen kamen.

All die Jahre hab ich nicht wissen wollen, was da drin ist.

Und jetzt erst recht nicht.

Stellen Sie ihn gegen die Wand, wenn Sie fertig sind.

Guck mal hier!

Hier, sie hat's geschafft Sie hat es wirklich geschafft.

Arbeitseinsatz in Schöneberg im Fernmeldebunkerbau,

in der Pulvergrundstoffverarbeitung der Spandauer Sprengstoff AG.

Und bei den Zernikows. Damit kriegen wir sie. Schluss mit den Lügen.

Hey, gib die Bücher her! Hey, gib die her. Das sind Beweise!

Und wieder auf dich reingefallen. Wir werden uns drum kümmern.

Deine Sigrun vielleicht. Die wird die Bücher verschwinden lassen.

Was soll sie auch sonst machen? Zeitnahe Signale setzen oder was?

Was ich mit den Büchern anfange, entscheide ich nicht unter Schafen.

Es gibt Neuigkeiten. Wir können losfahren.

Milla hatte einen Unfall. Das erinnert mich an irgendwas.

Berlin scheint ein gefährlich zu sein für Frauen aus der Ukraine.

Zu Fragen der Sicherheit hat man mir die Kompetenz abgesprochen.

Ist das die offizielle Version? Ich bin raus aus dem Rennen.

Dank deiner zweifelhaften Kontakte zur russischen Mafia.

Gibt es sonst so was aus deiner Vergangenheit, was ich wissen muss?

Aus meiner nicht, aber aus deiner. Was ist das?

Beweise dafür, dass deine Familie Zwangsarbeiter beschäftigt hat.

Oh Gott. Das wird ja immer besser. Drauf musst du reagieren.

Ich? Fahren Sie bitte ran.

Gib sie mir! Ich regele das.

Was will diese Frau? Geld? Es geht nicht um Geld.

Natürlich. Ich dachte, es geht um eine Haltung.

Wir gehen raus. Hupen

Von Null auf 30, Joachim.

Ich hatte es schon fast geschafft. Ich werd mit meiner Familie reden.

Hängen wir es nicht so hoch. Wann? Zeitnah. Ich werd 'ne Lösung finden.

Das klingt gut. Projektbezogen... Was erwartest du denn von mir?

Soll ich Plakate aufhängen oder eine Pressekonferenz einberufen?

Zwangsarbeiter! Was hab ich damit zu tun?

So bist du nicht. Das ist jetzt schlechtes Timing.

Aber ich werd mich darum kümmern.

Nach über 60 Jahren ist das einzig mögliche Timing jetzt. Sofort. Ja.

Und du bist der Held, der mit daran erinnert. Ich dachte,

du stehst zu mir. Das tu ich doch.

Nein, du fällst mir in den Rücken. Gib mir jetzt die Bücher. Komm!

Die 31.

Du machst einen Fehler.

Ja. Ich hätte nicht wieder anfangen dürfen.

Musik

Herr Vernau!

Bridge mit meiner Mutter. Ich soll Ihnen ausrichten,

dass Sie eine Stunde Zeit haben, um ausräumen und die Akten zu übergeben.

Also jetzt nur noch 40 Minuten.

Neue Uhr? Herr Vernau, was ist denn bloß los?

Da müsste ich eigentlich weinen, hm?

Was wird das jetzt?

Ich befinde mich grad in einer sehr spannenden Alles-auf-Anfang-Phase.

Sie hat dich rausgeschmissen. Vorübergehend.

Du hast ein Herz für Arbeits-, Wohnungs- und Beziehungslose.

Das glaub ich jetzt nicht!

Tut mir leid, war dumm von mir.

Warte!

Bandenbildung, Nötigung, Erpressung, Waffenbesitz. Sie ist 16.

Da drüben ist dein Schreibtisch. Ich muss zum Gericht.

Kann ich das abhängen?

Bitte. Mich hat's immer inspiriert.

Es tut mir leid, aber das ist nicht meine Art, mit Problemen umzugehen.

Wenn ihr im Krieg tatsächlich keine Angestellten hattet...

Das Thema ist erledigt. Aber wenn dieses Kindermädchen...

Sigrun! Hausangestellte...

sind bei Tisch nur aus einem Grunde präsent. Das ist vorsintflutlich.

Ach? Ja. Nein.

Handelt es sich um Namensgleichheit, um eine reine Verwechslung,

dann sollten wir reagieren. Kann man hier nicht mal mehr fragen?

Natürlich. Aber denk darüber nach, ob die Antwort die Frage lohnt, hm?

Ja.

Sie sieht Utz sehr ähnlich.

Ist sie deine Frau?

Manchmal denke ich, ja. Dann wieder nein.

Im Moment eher vielleicht.

Dann lass dir keine Märchen mehr erzählen. Sie lügen.

Verstehst du?

Nein, verstehst du nicht. Was ist passiert?

Hast du den Fahrer erkannt?

Ein Mann hat angerufen und gesagt, ich bekomme die Bescheinigung.

Ich werde abgeholt. Ich muss nur über die Straße, und peng.

Als ob ich einen Lkw geküsst hätte. Hast du ihn erkannt?

Nein. Wie klang seine Stimme? Tief?

Kräftig? Hoch? Jung? Hat er noch was gesagt?

Kopferschütterung. Ich weiß nicht mehr. Alles ist weg.

Ich will rau... ich will raus.

Ich muss das Schwein finden, das uns das antut.

Aber nicht jetzt. Es ist viel mehr da draußen.

Es ist etwas sehr, sehr Böses.

Ich habe Angst.

Aber es kann doch nicht immer das Böse gewinnen, oder?

Nicht immer.

Nicht immer.

Handy

Sigrun?

Weißt du, was mir an dir immer so imponiert hat? Du hast immer gesagt,

ich würde das besser machen. Das will ich auch. Wirklich.

Danke schön. Danke.

Erzähl mir was! Von früher, deiner Familie, von deinen Großeltern,

dem Freundeskreis. Was ist das zum Beispiel mit den Lehnsfelds?

Die sind doch nicht nur Klienten. Woher kommt diese innige Verbindung?

Es begann in den 30er Jahren in Belgien. Opa war da stationiert.

Und Lehnsfeld hat damals Kunst...

beschlagnahmt. Für die Nazisammlung in Linz und Karinhall.

Was wurde aus der Zusammenarbeit? Sie dauerte nicht sehr lang.

Mein Großvater ist in den Ardennen gefallen und Großmutter war jung.

Früh verwitwet, ausgebombt...

Lehnsfeld hat sie und Utz in der Villa Rosa aufgenommen,

und ich glaub, die beiden hatten ein Verhältnis.

Die Freifrau, deine Großmutter, was hat die dir denn erzählt?

Blut ist dicker als Wasser. Kommissbrot ist ein Gottesgeschenk.

Sie ist 'ne harte Frau geworden, aber sie kann auch sehr lieben.

Für mich hätte sie sogar dich in Kauf genommen.

Es geht hier aber um eine Tat. Du redest von meiner Familie.

Ich rede von Mord. Von Habgier. Von etwas, das stark genug ist,

auch nach 60 Jahren wieder hochzukommen.

Jetzt warte mal! Du glaubst doch nicht wirklich,

dass meine Familie was mit dem Mord zu tun hat? Du nicht?

Nein. Ich... ich komm gleich.

Wir... was...

Was passiert gerade mit uns? Normale Paare nennen das eine Krise.

Und du? Bilaterale Herausforderung.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Tu zur Abwechslung mal das Richtige.

Mach reinen Tisch zu Hause.

Musik

Kommen wir nicht zu spät zu deiner Bridgerunde? Wir sind schon da.

Warum hast du denn nie was gesagt? Die kannte ich doch alle noch.

Die Gerda, den Heinrich und die Käthe.

Die hat doch immer geschummelt und diesen Frankfurter Kranz gebacken,

nach dem alle drei Tage krank waren. Daran ist sie ja auch gestorben

Die Zeit läuft manchmal schneller, als man rennen kann. Und?

Kriegt ihr das hin mit dem Rohrbruch? - Rohrbruch ist heimtückisch.

Fängt klein an und am Ende fällt die Decke runter. - Das Haus stürzt ein.

Alles im Eimer. - Und dann denkt man:

Warum hab ich das nicht alles nicht schon viel früher gesehen?

Nicht immer fragen, wer Schuld hat an dem Riss. Einfach flicken.

So lange es noch geht.

Und wie kommen wir jetzt nach Hause?

Gibt's hier doch was zu holen? Hast du die Tür offen gelassen?

Die haben was gesucht. Dann kombinieren Sie mal bitte, was.

Dann wüssten wir wenigstens, ob der Besuch von dir oder mir kommt.

Die Arbeitsbücher! Hast du die noch? Ja, die sind an einem sicheren Ort.

Wo? Die Bücher sind unsere einzigen Beweise. Wenn die weg sind,

hat Natalja keine Chance mehr. Hörst du mir zu?

Die wollten nicht die Bücher. Die haben diesen Grundriss geklaut.

Ja, aber hier ist er doch.

Da sind keine Kaffeeflecken drauf. Ja, das erstaunt mich bei dir.

Und hier fehlen nicht nur die Kaffeeflecken, auch der Geheimgang.

Der Keller ist kleiner als das Erdgeschoss. Wie verstehe ich das?

Als die Villa Rosa gebaut wurde, war der Keller größer.

Hier ist ein Raum verschwunden. Wovon sprichst du denn?

Irgendwas muss in diesem Raum passiert sein. 1944.

Und was? Handy

Vernau. (Freifrau) Ich sage es nur ungern,

aber ich wünsche Sie zu sehen.

Musik

"Wenn der Teufel die Menschen verwirren will,"

"bedient er sich der Idealisten."

Niccolo Machiavelli.

Ihr Gastspiel in unserem Haus war kurz.

Es wird, verlassen Sie sich darauf,

keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. So sicher?

So sicher. Gaben Sie die Morde in Auftrag?

Mein Büro verwüstet und die Pläne der Villa Rosa ausgetauscht?

Milla über den Haufen gefahren, eine alte Frau getötet,

aus dem einzigen Grund, weil Sie sie mit Natalja verwechselt haben?

Ich habe Sie gewarnt.

Ihre Führsorge rührt mich.

Sie und die Lehnsfelds und ein verschwundener Keller.

Was hatte Natalja damals, vor über 60 Jahren, gesehen?

Warum musste sie sterben? Und Utz? Wie alt war der, als alles geschah?

Als Sie ihn zu einen Denunzianten machten? Sie suchen die Idylle?

Das traute Heim, das spielende Kind? Ich muss Sie enttäuschen.

Wir waren eine nationalsozialistische Familie.

Wir hielten uns an Regeln und Gesetze.

Wenn die besagten, dass Diebstahl mit dem Tode betraft wird,

wer konnte und wollte sich da widersetzen?

Diese Mädchen haben bei uns gelebt.

Ich habe sie als Menschen behandelt. Ich war hart, aber gerecht.

Wer arbeitete, bekam zu essen. Und zwar genau das,

was die Marken vorgaben. Viele von ihnen wollten gar nicht mehr weg.

Auch diese Natalja nicht. Aber ich habe viel zu spät bemerkt, warum.

Sie hat gestohlen wie ein Rabe

und bekam dafür ihre gerechte Strafe.

Jedem das Seine.

Musik

Sie werden uns nie verstehen.

Nie. Leben Sie wohl.

Musik

Richard Tauber.

Ja, manche Juden habe ich sehr geschätzt.

Utz hört so selten Musik.

Ich gab ihr die Bücher, damit sie sich erinnert, aber es ist zu spät.

Sie ist zu alt.

Und ihn hab ich nie gefragt.

Es gibt Dinge, die fragen Töchter nicht.

Wovor hast du wirklich Angst?

Warte! Warte.

Opernmusik

Papa. Meine Kleine.

Was ist? Papa...

Ich will nicht nur die Heldensagen wissen, sondern auch das andere.

Das Böse. Das, was so schwer zu ertragen ist.

Ich bin ein Teil dieser Familie und ich hab ein Recht auf die Wahrheit.

Du willst die Wahrheit wissen? Ja.

Dein Großvater,

das war ein Fahnenflüchtiger.

Und ein Dieb. Deine Großmutter war eine Hure,

die es mit jedem getrieben hat, der eine Uniform trug.

Und ich, ich hab das Horst-Wessel-Lied gegrölt.

Und stand fanatisch hinter Führer und Vaterland.

Das ist deine Familie.

Ein Haufen gieriger egoistischer Barbaren.

Mühsam domestiziert

und durch Niederlagen erzogen.

Du bist das erste Gute, das unsere Familie seit Langem hervorbrachte.

Du hattest damals ein Kindermädchen. Sie hieß Natalja. Hör auf!

Ich will das nicht hören. Sie lebt. Das sind Lügen.

Du schuldest ihr was. Schulden? Ja.

Ich schulde ihr was.

Ich schulde ihr mein Leben. Nicht nur mein leibliches.

Erst durch sie oder diese ganze Nazischeiße, die Judenhetze,

die Rassengesetze, das Untermenschengeschwafel.

Ich hab daran geglaubt. Bis sie kam.

Und etwas tat, das nicht erzwungen werden kann.

Das drin ist in einem oder nicht. Sie liebte die Kinder ihrer Feinde.

Als ich krank war,

todkrank und ansteckend,

hat sie meine Hand gehalten und meine Stirn gekühlt.

Sie war bei mir.

Und als die Bomben fielen, auch draußen in Grünau, da war sie da.

Sonst keiner! Sie hat mich nicht verlassen.

Ein Blindgänger fiel direkt vor unsere Füße. Sie warf sich auf mich

und schützte mich mit ihrem Körper. Die Kellertür ist kaputt gegangen,

und dann sind wir runtergestürzt.

In den Keller? Ihr wart im Keller?

Habt ihr da irgendwas gesehen?

Ich weiß nicht.

Ich kann mich nicht erinnern. Ich stand unter Schock.

Kisten, Möbel, Bilder. Bilder?

Bilder in einem Luftschutzkeller?

Erst kamen die Bomben, dann der Untergang,

und dann die Russen.

60 Jahre lang hatten die Lehnsfelds praktisch gar keine Chance.

Und dann ist das Haus in greifbarer Nähe und plötzlich kommt...

Wo gehst du hin?

Guten Tag. Das ist die Mailbox von Joachim Vernau.

Guten Abend. Sie sollten im Krankenhaus sein.

Wo ist Jojo? Vernau? Keine Ahnung.

Bei dem weiß man nie, woran man ist. Was ist passiert?

Jemand hat uns besucht. Vernau glaubt, es hängt hiermit zusammen.

Die Villa Rosa.

Sie kennen das Haus? Ich nicht.

Meine Großmutter hat mir davon erzählt.

Der Keller und das Kreuz.

Warum sind Sie hier?

Ich habe so lange nachgedacht. Ich glaube, ich weiß, was passiert ist.

Ich weiß sogar, warum. Ein Wasser?

Ich brauche etwas gegen die Kopferschütterung.

Ja. Sofort. Natürlich.

Milla?

Verdammt!

Ich geh allein rein. Ihr wartet. Kommt gar nicht infrage.

Ich kenne jeden Stein. Ohne mich findest du den Geheimgang nicht.

Habt ihr Aaron gefragt? Holen wir nach. Versprochen.

Es gibt so was wie Gesetze, ja? Wir haben immer die Gesetze befolgt.

Egal, wer sie gemacht hat. Genau das hat uns hier hergebracht.

Musik

Komm, Papa!

Zu spät.

Zu spät. Gut, dann gehen wir wieder. Kommt!

Kommt! Seht ihr das? Die Spuren.

Hier standen Kisten und hier Bilder.

Was ist das? Was ist das? Raus hier!

Ist dir was passiert? Nein.

Düstere Musik

Ja, wir sind gefangen. Scheiße!

Vor morgen früh wird sie niemand vermissen. Wir haben genug Zeit.

Ich meld mich. Sag der Freifrau, ich hab seinen letzten Wunsch erfüllt.

Musik

Und? Kein Empfang.

Sinnlos. Es ist sinnlos.

Wir werden das jetzt in Würde hinter uns bringen.

Was habt ihr eigentlich damals gemacht, hier im Krieg?

Wir haben Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt.

Oder uns Geschichten erzählt.

Warum hast du dieses Kindermädchen nie erwähnt?

Ich hab Natalja verraten.

Der alte Lehnsfeld war so etwas wie der erste Hehler am Platze.

Er brauchte diesen Keller, um seine Beute zu verstecken.

Es war verboten, hier runter zu gehen. Aber ich tat ich es doch.

Und da sah ich ihn,

den Schatz.

Ich wollte etwas wiedergutmachen und hab gestohlen.

Mutter kam dahinter und dachte, Natalja hätte das Kreuz gestohlen.

Und gesehen, was sonst noch hier unten war.

Und ich hab geschwiegen.

Aus Feigheit.

Und aus Scham.

Und dann passierte etwas, was ich bis heute nicht verstehe.

Natalja hat mich nicht verraten.

Mit keinem Wort.

Und bis heute vergeht kein Tag, an dem ich nicht wünschte,

sie hätte es getan.

Schuld ist ein Gefängnis, das man sich mit eigenen Händen errichtet.

Hallo? Ist hier jemand?

Hallo? Hey?

Du? Das hättest du wohl nicht gedacht.

Dass du dich freust, mich zu sehen.

Danke schön.

Wie hast du uns gefunden? Ein Glücksfall. Ich suche Milla.

Die Holde hat mein Auto geklaut. Da steht's. Wo ist Milla eigentlich?

Zernikow. Ja ich weiß, ich hab mich verspätet. Ja. Ja.

Ich werd den Entwurf zum Innenausschuss später nachreichen.

Ja, 14 Uhr. Danke.

Entschuldigen wir uns bei Aaron. Wir sind in sein Haus eingebrochen.

Wir haben uns strafbar gemacht.

Aaron ist ein Mörder. Bestimmt hat er uns hier eingebuddelt

und hat Milla in seiner Gewalt. Milla? Gut. Utz, kommst du bitte?

Du kannst doch jetzt nicht ins Abgeordnetenhaus gehen! Nein.

Ich muss mich vorher noch umziehen.

Sigrun. Ich muss das hier zu Ende bringen.

Ich bitte dich, komm mit.

Das kann ich nicht.

Das heißt, ich will nicht. Könnt ihr mal Gas geben mit euerm...

Gib ihr Zeit.

Wohin geht denn Lehnsfeld, wenn er nicht mehr weiter weiß? Zur Jagd.

Hier. Die ist unbenutzt. Wär schön, wenn es so bliebe.

Also, ich verstehe diesen ganzen bourgeoisen Lebensstil nicht.

Kann man deinen Wagen kurzschließen? Ja. Wo willst n hin?

Spannende Musik

Woher wusstest du das? Bei der Testamentseröffnung

war die Rede von einer Jagdhütte am Döllnsee. So viele gibts hier nicht.

Der alte Lehnsfeld war einer von Görings Kunsträubern.

Spannende Musik

Nicht doch.

Und jetzt möchten Sie sicher einen Blick auf das werfen,

was mein Leben versüßen und das Ihre kosten wird.

Ist das echt? Ich bitte Sie.

Nichts gegen den Großmarschall. Görings Kunstsammlung? Niemals.

Sieh mal einer an. Da haben wir ja eine richtige Expertin. Nein,

das war die Tauschware. Für Luzern oder die Dienststelle Mühlmann.

Reste der Ausstellung Entartete Kunst. Franz Marc.

Als die Russen über die Oder gingen, löste der Dicke seine Sammlung auf

und schickte sie nach Berchtesgaden. Zwei Waggons kamen aber nie dort an.

Großvater leitete sie nach Berlin. Dieses Kreuz, stammte es auch daher?

Welches Kreuz? Ah ja, Großvater hat davon erzählt. Und 60 Jahre später

taucht die Alte wieder auf. Das ist unschön, glauben Sie mir.

Du widerwärtiges Arschloch!

Woher sollte ich wissen, dass diese alte Frau die falsche war?

Sie hat sich mir nicht vorgestellt. - Sie hieß Olga. Aus der Ukraine.

Wir haben um sie geweint. - Wie viele Leben habt ihr denn?

Genau eins mehr als du.

Hilfe! Helft mir!

Ich muss gehen. Gleich wird viel Polizei hier sein.

Tu einfach, als wärst du ein Held.

Doswidanja.

Warst du das? Hey, mach jetzt hier nicht schlapp, okay?

Hey, sag was! Guck mich an! Mach keinen Blödsinn, hörst du?

Oder brauchst du Mund zu Mund? Nein, lass mal. Geht schon wieder.

Der Turm der blauen Pferde.

Hab ich mit diesen Händen berührt.

Tizians achte Venus. El Greco, Pissarro...

Wenn ich Ihnen erzähle, was meine Hände schon so alles berührt haben.

110:80.

Und sagen Sie mir jetzt nicht, das ist moderne Kunst. Aua!

Nur fünf Minuten. Der Patient ist noch geschwächt. Und keine Aufregung!

Ich komme nur, um mich noch zu verabschieden.

Ich hab Natalja geschrieben.

Sie will mich sehen.

Morgen früh geht mein Zug nach Kiew.

Die Polizei war da. Meine Mutter ist natürlich unschuldig.

Aber das hier haben sie bei der Hausdurchsuchung gefunden.

Natalja hat mir geschrieben. Jahr für Jahr.

Und ich habe nicht einen einzigen Brief erhalten.

Ich sprech gar kein Russisch. Wie soll ich mit ihr reden?

Freust du dich?

Ich hoffe, dass sie dem jungen Utz eines Tages vergibt.

Ich bin zu alt für neue Freundschaften. Aber ich denke,

du wärst ein guter Schwiegersohn geworden. Wie geht's Sigrun denn?

Ich denke, gut. Hier ist er nicht. Also, ciao.

Ist er doch.

Jesus! Schnaps im Krankenhaus!

Hast du die Karten? Hier ist ja gar kein zweiter Stuhl.

Die Schwester könnte einen bringen. - Ich mach das schon.

Wie riecht's denn hier? Macht denn hier niemand ein Fenster auf?

Was gab's heute zu essen? - Ja?

Schwester, ich fühle mich gerade gar nicht gut. Gar nicht gut.

Ach, die Familie? Da machen wir doch heute mal 'ne kleine Ausnahme, oder?

Musik

Ansage auf Russisch

Musik

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