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Original subtitles

(Wasserrauschen)

(sphärische Musik)

Es gibt Momente, die ändern das Leben für immer.

Bei manchen passieren sie später,

bei anderen viel zu früh.

Bei dem einen ist es ein Sturz aus großer Höhe...

Bei Anderen ist eine tödliche Krankheit ausgebrochen.

(einzelne Klaviertöne)

(nervöses Atmen)

(elektrischer Rasierer)

(traurige Musik)

(Hip-Hop-Musik)

(langsame Gitarrenmusik)

(melancholische Musik)

Das ist Ihr Aufnahmeantrag, den ich Sie bitte auszufüllen.

Dann bekomme ich noch die Krankenversichertenkarte Ihres Sohnes.

Jonas...

Jonas! Deine Versichertenkarte. Hast du die dabei?

Ja, klar.

Du bist Jonas, stimmt's? Ich bin Pfleger Deniz,

aber alle nennen mich Dietz.

Ich bring dich auf die Kinder- und Jugendstation. Steig ein.

Den brauch ich nicht. Noch kann ich gehen. - Hey...

Freu dich, dass du 'nen Chauffeur hast! Komm...

Hallo. - Hallo.

Hallo, Leo. Hi, Tabea. - Hey!

So, Jonas. Das ist dein Bett.

Sei nicht unhöflich. Stell dich vor.

Also... äh... Ich bin Tabea.

Das ist mein Bruder, Leo.

Und unsere Namen kommen daher, dass... - Ja, ja, der Löwe und die Gazelle.

Eure Mutter war 'n Hippie. Kenne ich alles schon. Schönen Tag noch!

Ja, hallo, ich bin Anne. - Hi.

Hallo. Und das ist mein Sohn, Jonas. Ähm... wir sind aus Dortmund hier

für die Operation.

Was denn für eine Operation?

Mir wird das Bein amputiert.

Ja, ich weiß.

Kann man nichts zu sagen.

Warte mal ab, wie krass die Leute schweigen, wenn sie dein abbes Bein sehen.

Gewöhn dich an so Showeinlagen. Leo ist ein kleiner Aufmerksamkeitsjunkie.

Leo? Wo bleibst du denn?

Schwester Heike, immer eine Freude. - Du hast Unterricht!

Der Arzt sagte, ich hab den ganzen Tag Reha.

Ich hab's am Bein, nicht am Kopf. Hat er gesagt!

Komm jetzt! Und hör auf, mich anzulügen.

Glaub nicht, dass du hier eine Sekunde entspannen kannst.

Röntgen, Reha, Schule, Schule, Röntgen, Reha, Schule... immer ist irgendwas.

(lauter Kuss)

Und du kannst nicht mal eben krank machen...

Eine Gleichung ist eine Aussage über die Gleichheit zweier Terme.

Wir müssen herausfinden, welcher Wert der Variablen x zugeordnet werden kann,

damit die Gleichung als wahr gilt. Kleines Beispiel:

6x - 32 = 16.

Leo, kommst du bitte zu uns?

Ich schau mir von hier an, wie es läuft. - Du kannst auch vorrechnen.

Nö.

Ja dann, bitte da.

Also...

Die 32...

(Lehrer) Die 32...

(flüstert) Hey! - (flüstert) Hi.

...geht auf die andere Seite.

Das Ganze geteilt durch 6...

Ich kann das alles schon. Bei uns in der Schule waren wir weiter.

Ja, wir auch. Aber auch da hab ich's schon nicht ganz kapiert.

Es sieht aus, als hättest du zehn bis zwanzig Gramm zugenommen.

Nicht, dass du den Mädchen auf der Station noch alles wegfrisst.

Vielen Dank. Ihr Krüppel seid echt charmante Typen.

Ja, wir sind nur immer so ein bisschen unausgeglichen.

Immerhin kann ich dir in den Arsch treten. Versuch du es doch mal.

(Emma räuspert sich)

Ich hab 'nen neuen Bettnachbarn. - Hm. Ätzend.

Am Anfang nerven die und kaum hast du dich an sie gewöhnt, sind sie wieder weg.

Ja, ich glaube, der bleibt 'ne Weile. Ist ein Kandidat für die Langstrecke...

(Ärztin, hallend) Hier haben wir eine Aufklärung zur Narkose,

eine Einwilligungserklärung zur Narkose,

die Aufklärung zur Operation selber und einmal

den Aufnahmeantrag für unser Krankenhaus.

Jonas, jetzt erklär ich dir die Operation.

Das heißt, wir werden einen eventuellen Schnitt hier machen.

Es kann aber sein, dass er weiter oben... - (Hugo) Noch ahnte Jonas nicht,

was alles auf ihn zukommen würde. Noch wusste er nicht,

was ihm dieses Krankenhaus einmal bedeuten würde.

Keiner von uns wusste das. - Spiel ab!

Hier, hier, hier! - Am wenigsten wusste es dieser Junge,

Alex. - Spiel ab, Mann!

Alter, geht's noch? Warum spielst du den nicht ab, Mann?

Sorry, Alex. Ich dachte, ich mach vielleicht ein Tor.

Ah, du denkst also? Das ist ja interessant.

Du denkst, dass du ein Tor machst?

Hat die fette Schwuchtel jemals ein Tor geschossen?

Kann sich da irgendwer dran erinnern? - Alex, hör auf, Mann!

Wer hat dir erlaubt mitzuspielen? - Ich hab doch nur...

Was hast du nur?

Du hast nur was?

Er war keiner von denen, die man unbedingt in sein Herz schließt.

Aber selbst wenn du das größte Arschloch vom Schulhof bist,

es ist immer traurig, wenn du krank wirst...

Alex?

Was ist denn hier los?

Hast du Schmerzen?

Was ist denn passiert? - Er ist einfach umgekippt!

Geht mal zur Seite.

(Leo) Hey, Benito. Ich hab einen neuen Zimmernachbarn.

Ist er nett? - Keine Ahnung.

Glaub schon.

Morgen nehmen sie ihm das Bein ab.

Tatsächlich?

Damit seid ihr Schicksalsgenossen. - Ja.

Bisher war ich der einzige Einbeinige auf der Station.

Hey, Leo.

Das ist 'ne große Sache.

Der Junge ist in deinem Team.

Und eins ist ja wohl mal klar:

Hier drinnen brauchst du Freunde.

Das ist das Wichtigste überhaupt.

(Benito keucht)

Na los, Leo. Hopp hopp! Dein Beinchen...

Die Diät funktioniert, du hast abgenommen, oder?

Halt die Klappe!

Ich bin nur hingefallen. Kein Grund für diese Rollstuhlscheiße!

Wenn du mir zusammenklappst, krieg ich Riesenärger.

Wegen dir setz ich meinen Job nicht aufs Spiel.

Uh... richtiger Job!

Schon klar. Sie führen nur Befehle aus. Egal, wie bescheuert sie sind.

Aber so sind Männer, die Krankenschwester werden.

So, das ist dein Bett. - Ah!

Was ist mit dem?

Darf ich vorstellen: Hugo, Alex. Alex, Hugo.

Tag!

Pennt der? - Hugo liegt im Koma.

Wie bitte?

Ich komm auf ein Zimmer mit so 'nem menschlichen Gemüse?

Nur damit das klar ist:

Hugo steht unter meinem ganz persönlichen Schutz.

Du bist nett zu ihm, oder wir beide haben ein Problem.

(Alex) Mhm.

Rrrrr.

(Hugo) Der Junge roch nach Fußball. Ich mag Fußball.

Zwei Jahre waren vergangen, seit ich von dem Turm gesprungen war.

Zwei Jahre ohne Kontakt zur Außenwelt.

Vor allem: Zwei Jahre ohne Freunde... - Spacko.

Es sah nicht so aus, als ob sich das bald ändern würde.

Brauchst du noch irgendwas? - Nein Mama, danke.

Ich kann hier übernachten. Die Ärztin hat das angeboten, wirklich.

Wie oft denn noch: Ich möchte das nicht!

Ich komm schon klar.

Du rufst mich an, wenn etwas ist, ne? Tschüss!

Mütter, hm?

Was ist mit deinen Eltern?

Ich hab meine Schwester. Die wohnt hier in der Nähe.

Mein Vater kommt nicht mehr. Dem ist alles zu krass.

Und deine Mutter?

Ich bin jetzt seit neun Monaten hier.

Das Wichtigste ist, dass du dich nicht runterziehen lässt. Egal, wie es ist.

Deswegen musst du heute Nacht auf jeden Fall eine Party feiern.

Was? 'Ne Party? - Mhm.

'Ne Abschiedsparty. Für dein Bein!

Das habe ich auch gemacht. - Wie soll denn das aussehen?

Mhm... Ich hab alle eingeladen, die mit dem Bein zu tun hatten.

Der Torwart, dem ich die Dinger immer reingehauen hab,

das Mädchen, mit der ich immer gefüßelt hab.

Na so Leute eben.

Vergiss es. Meine Leute sind alle meilenweit weg.

Und Besuchszeit ist auch schon vorbei.

Du kannst hier drin an Krebs sterben, aber...

...auch an Langeweile, das sage ich dir.

Aber für ne richtige Party... bräuchten wir da nicht Mädchen?

Ja. Und ich kenn eins, die hat sogar zwei Beine...

Na komm.

Du musst dir die Straßenklamotten ausziehen. Du siehst aus wie 'n Besucher.

Komm, wir fahren zu ihr!

(ruhige Musik)

Was soll das denn werden?

Erstens: Den Krankenhausfraß hier ess ich nicht. Zweitens: Ich geh jetzt nach Hause.

Erstens: Du isst das, was alle essen.

Zweitens: Wir dürfen dich nicht gehen lassen. Nicht in deinem Zustand.

Was für 'n Zustand? Mit mir redet keiner. - Wo sind denn deine Eltern?

Arbeiten.

Sobald die da sind, wird die Ärztin mit euch reden.

Die kann ja bei uns zu Hause anrufen. - Geh jetzt auf dein Zimmer.

Sonst?

Das willst du nicht wissen, Junge.

Wenn mein Vater kommt, fragen Sie ihn mal nach 'nem richtigen Job.

Vielleicht hat er da einen für Sie.

Und das nächste Mal nicht ohne Rollstuhl! - Danke, Schwester!

Wie gesagt... Alex macht es einem nicht einfach ihn zu mögen.

Wenigstens Jonas hatte jemanden, der ihm zeigte, wo es lang ging.

(Leo seufzt) Das ist sie.

Sie ist ziemlich dünn... - Klar ist sie dünn.

Das ist die Station für Essstörungen.

Aber sie ist 'n Mädchen, oder nicht? - Kein Zweifel.

Ja und sie sieht okay aus, oder?

(Leo flüstert) Komm, komm.

(Jonas) Wo geht sie hin?

Keine Ahnung. Wahrscheinlich kotzen. - Echt jetzt?

Na was denn sonst? - Wie kann die denn kotzen,

wenn die gar nichts isst?

Irgendwas geht immer.

Keine Ahnung, auf jeden Fall ist sie jetzt kotzen. Jede Wette!

Tut mir leid. Die Wette verlierst du.

Was macht ihr hier? Spannen? - Äh...

Hi. Sorry...

Wir wollten dich zu 'ner Party einladen. - Was denn für 'ne Party?

Jonas hier wird morgen das Bein abgenommen und wir machen eine Abschiedsparty.

So 'n Quatsch. - Das stimmt.

Dir wird morgen das Bein abgenommen

und du kurvst auf der Mädchenstation rum, als wär nichts?

Welches denn?

Das.

Das andere wär genauso scheiße. Das ist nicht...

Bei Armen ist wichtig, welcher. - Ja!

Aber bei Beinen ist es ziemlich egal.

Wann und wo ist denn eure Abschiedsparty? - Du kommst also?

Das hab ich nicht gesagt.

Die Schwestern lassen mich sowieso nicht.

Zimmer 337, dritte Etage.

Um 21 Uhr ist die Übergabe an die Nachtschicht, also da passt eh keiner auf.

Na, komm. 'Ne Party ohne Mädchen ist doof. Du bist das Einzige, das wir kennen...

Ich werd nur eingeladen, weil ich ein Mädchen bin?

Braucht ihr ein Gogo-Girl oder was?

Also das haben wir nicht so gemeint. Aber wenn du...

Ich überleg's mir.

Jetzt geh ich erst mal kotzen.

Party in einem Krankenhaus ist 'ne schwierige Sache...

Aber ich, ich bin ein Glückspilz in dieser Hinsicht.

Denn ich bekomme jeden Abend meine eigene Party.

Hallo! Wer bist du denn?

(singt) Oma fährt im Hühnerstall Motorrad! - Stopp! Nicht so 'ne Clownkacke jetzt!

Ich werd eh entlassen. Verbreiten Sie Ihre Witzigkeit woanders.

Ey du! Ich bin doch nicht wegen dir da. Sondern wegen ihm!

(singt) Motorrad, Motorrad! - Der? Der liegt im Koma.

Ja und?

(singt) Meine Oma liegt im Koma und hört alles, hört alles!

(flüstert) Der kriegt alles mit. - Wer sagt das?

Die Fachärzte vom Clowns-College oder was? - Hey, warte ab.

Du wirst ihn lächeln sehen. - Ich glaub's kaum.

Komm mal her.

Meine Oma spielt in Hollywood 'nen Cowboy, meine Oma ist ne ganz bekannte Frau.

Der sieht echt etwas glücklicher aus. - Er ist glücklicher.

Meine Oma hat 'ne Brille mit Gardinen, Gardinen, Gardinen...

Was hat denn der?

(Clown schnappt nach Luft)

Ey, sag mal Hugo... Was hast 'n du?

Ah, okay, mhm.

Er hatte einen Unfall. Von einem bösen Sprungturm.

Und seit wann liegt der da so rum? - Öh. Und seit wann liegst du da so rum?

Seit zwei Jahren. - Seit zwei Jahren?

Und seine Eltern?

(verblüfft) Nee!

Oh, das ist aber schön!

Seine Mutter kommt ihn jeden Tag besuchen. Sie hat ihn so lieb,

dass sie sogar einen Job im Krankenhaus angenommen hat, um ihm nahe zu sein.

(Alex lacht hämisch) Und als was? Als Putzfrau oder was?

Oh, Hugo. Der ist 'n bisschen doof!

Komm mir nicht komisch, du Scheißclown. - Und jetzt tut er so 'n bisschen böse,

aber lass dich einfach nicht irritieren, okay?

Okay, nee, versteh ich. Klar, ne. Machen wir Schluss, ja. Tschüss.

Ja! Tschüss, tschüss, ciao!

(Clown lacht) Fertig?

Kleiner Tipp: Sie singt ihm jeden Tag Lieder.

Sie? - Ja!

(Hugos Mutter schnieft und hustet)

Ach du Scheiße. (Hugos Mutter kichert)

Kannst du mir einen Gefallen tun?

(sphärische Musik)

Sprich mit ihm.

Aber pass auf, was du sagst, okay?

(melancholische Musik)

Was sind das eigentlich für Bänder?

Ähm...

Die bekommt man vor jeder Operation.

Warum hast du die alle anbehalten?

Sie erinnern mich daran, was ich schon alles überstanden hab.

Die gewonnenen Schlachten. Na ja und die sind meine Siegesorden.

Und ich bin mindestens Napoleon.

Und ich?

Ja, du nicht.

Du hast es erst noch vor dir.

Ich suche meinen Sohn, Alexander Breidtbach.

(genervtes Seufzen)

Alex!

Füße.

Was hast du wieder angestellt? - Nichts.

Nichts... - Ja, nichts!

Guten Tag.

Was sagen denn die Ärzte?

Keine Ahnung. Mit mir reden die ja nicht.

Was ist mit dem? - Das ist Hugo. Der liegt im Koma.

Die stecken dich zu 'nem Komapatienten? Ja, sag mal. Spinnen die denn hier?

Hab ich denen auch gesagt! - (schreit) Ist hier irgendwo ein Arzt?

Wir sind im Krankenhaus!

(langsame Musik)

Komm schon, Emma.

Du weißt, wie wichtig es für dich ist.

Ja, klar. Ich ess es gleich. Versprochen!

Du stehst immer noch auf der Kippe. Ich hoffe, das weißt du?

Und was heißt das? Kann ich am Wochenende nicht nach Hause?

Im schlimmsten Fall heißt das Jugendpsychiatrie.

(traurige Musik)

(flüsternd) Spinnst du?

(Herr Breidtbach) Was ist los?

Warum muss er hierbleiben, wenn er umgeknickt ist?

Er ist nicht umgeknickt, er ist umgekippt. Er wird zur Beobachtung

heute Nacht hier bleiben müssen. Eventuell sogar länger.

Sie sind ja lustig. Was soll ich ihm jetzt sagen?

Am besten nichts. Wir wollen ihm keine Angst machen, solange wir nichts wissen.

Sorgen Sie dafür, dass er ein anderes Zimmer bekommt!

Ich mein, mit diesem Halbtoten da drin... - Der Junge ist komatös.

Alles andere ist unpassend. - Was macht so einer bei meinem Sohn?

Ich werde sehen, was sich machen lässt. Heute bleibt er auf jeden Fall da.

Es ist alles okay, Alex. Allerdings musst du eine Nacht hierbleiben.

Oh, nee. Echt jetzt? So 'ne Scheiße!

Und was ist jetzt mit mir? - Ach, nichts.

Die machen morgen ein paar Untersuchungen mit dir, aber...

Schau doch, dass du solange nett zu... - Hugo.

Ja. Charlotte kommt morgen früh und bringt dir ein paar frische Sachen.

Wieso kommst du nicht selber? - Alex, ich muss arbeiten!

Ich hab aber keinen Bock auf deine Alte!

(leise) Jetzt reicht's.

Pass mal auf, mein Freund: Nicht in dem Ton! Haben wir uns da verstanden?

Kannst die Sachen ja mit 'nem Taxi schicken.

Halt's Maul!

Leo?

Ja?

(leise) Tut es weh?

Mh-mh.

Nein.

Es ist in einem Augenblick vorbei.

Hast du Angst?

Sehr.

Was machen die eigentlich mit deinem Bein?

Hier geht's ja voll ab.

Das ist also eure Abschiedsparty? - Emma! Willkommen!

Wie geht's? - Noch geht's.

Und die Party? - Ja, ich geh mal ein paar Cola holen.

Mal schauen, wo Dietz den Gin versteckt hat.

Als Leo gesagt hat, dass ich mich von meinem Bein verabschieden muss,

wusste ich schon nicht, wie.

Jetzt hab ich noch eine Nacht mit zwei Beinen.

Was mach ich als Letztes?

(Handytöne)

(ruhige Tanzmusik)

Komm!

Stopp!

(Rockmusik)

(Geschrei im Song)

(Jonas atmet schwer)

Ich konnte Jonas' Angst bis in mein Zimmer spüren.

Dabei sind die vielen Instrumente nicht einmal das Schlimmste.

Auch nicht die Messer und Skalpelle. Sondern die vielen Leute um dich herum.

Zu wissen, dass sie alle etwas zu tun haben. Bis auf dich.

Alles in Ordnung, Jonas?

Ein bisschen nervös.

Mach dir keine Sorgen. Gleich wirst du einschlafen.

Und ohne Bein wieder aufwachen.

Wollen Sie mich aufmuntern? - Ja.

Weißt du, was in so einer Situation wirklich hilft?

Hm?

Denk an den besten Moment deines Lebens. Teile den Moment in zwei Teile.

Denke an den ersten jetzt und an den zweiten, wenn du aufwachst.

Und was soll das für ein Moment sein? - Das musst du selber wissen.

Wenn du Schokokuchen magst, stell dir vor, wie du ihn auf deinen Teller legst,

Sahne darum machst

und kurz bevor du ihn isst, teilst du die Erinnerung.

Wenn du aufwachst, dann denkst du daran, wie du den Kuchen isst.

Und es wird kaum Zeit vergangen sein.

(Videospielgeräusche)

Kannst du damit mal einen Moment aufhören?

Sie sind nicht meine Mutter. Sie sind 'n Clown.

Wo ist denn deine Mutter? - Nicht da. Sehen Sie doch.

Ich hoffe, die lassen mich heute endlich raus. Ich halt's echt nicht mehr aus hier.

Ich drück dir die Daumen.

Hast du Lust, was mit uns zu spielen?

Was spielen? Ja klar, Superidee! Wie wär's mit Völkerball?

Oder Verstecken? Hugo versteckt sich und wir... wir suchen ihn.

Stillhalten kann er ja. - Tag, Schwester Dietz!

Komm, du Flegel. Es geht los.

"Flegel"? Wo sind Sie hängen geblieben? 50ern?

Was wär dir lieber? Schweinepriester? - 70er.

Arschgeige? - 80er.

Verwöhnter Drecksack

Entschuldige dich bei ihr. - Wieso? Ich hab nur 'nen Witz gemacht.

Also gut. Dann komm. Du musst ein paar Untersuchungen machen.

Ich muss dich warnen: Die sind schmerzhaft.

Aber du bist ein harter Bursche. Ich sag denen, die sollen die Betäubung weglassen.

Schon kapiert.

Tut mir leid. Der Witz war unnötig.

Zufrieden?

Was ist mit Hugo?

Der hört mich doch sowieso nicht!

Tut mir leid, Hugo.

Jetzt okay?

So war's gut.

Was sind das jetzt für Untersuchungen? - EKG.

EKG?

Sie haben mich verarscht!

Hast du nicht erwartet von 'nem Mann, der Krankenschwester ist, wa?

Wenn du noch mal Alkopops aufs Zimmer bestellst, bin ich dein Erzfeind!

Es sind eine Menge Hände nötig, um ein einziges Bein abzuschneiden.

Du fühlst dich wie ein Statist, dabei bist du die Hauptperson.

Deine Rolle: Der Junge, der ein Bein verlieren wird.

Und du weißt, dass immer etwas schiefgehen kann.

(Leo) Ah. Du hattest übrigens recht...

Ich glaub, der Neue könnte wirklich mein Freund werden.

Wird grad operiert. Und dann sind wir die Gang der Einbeinigen.

Warst du mal in 'ner Gang? - In 'ner Gang?

Ja, in der Schule halt.

Und wer warst du?

Wie meinst du?

Jede Gang hat sechs Leute. Und jeder spielt eine wichtige Rolle.

Aha.

So, Jonas, jetzt zähl bitte langsam von zehn rückwärts.

Zehn...

Neun...

(verzerrt) Acht...

(leise) Sieben...

(verzerrt) Sechs...

(hoffnungsvolle Musik)

(Herzfrequenzmessgerät piept)

(Benito) Erstens...

...der Anführer. Ist klar. Dann der zweite Anführer, der Anführer wäre,

wenn der Anführer nicht da ist. - Aha.

Dann ähm... der Schlaue und der Hübsche.

Und ich sag mal "der gute Geist".

Und das Mädchen natürlich.

Nur ein Mädchen? - Was heißt hier ein Mädchen.

Das Mädchen.

Auf fünf Typen? - Was soll ich dazu sagen. Es ist so.

Wie viele wart ihr in der Gang?

Ja, wir waren sechs. (Benito lacht)

Und nur ein Mädchen. Hey, das ist gut! - Ja.

Und wer warst du?

Also, Anführer und guter Geist sind nicht dasselbe?

Ganz und gar nicht. Der gute Geist, der verbindet die Truppe,

der hält sie zusammen. Ohne guten Geist zerfällt die Gruppe.

Ohne Anführer bleibt alles beim Alten. Es gibt nur einen anderen Anführer.

Also, ich glaub' ohne anzugeben schon, dass ich der Anführer war.

Na, es ist, wie du sagst: Es...

...dass es halt auch ohne einen weitergeht, ne!

Aber sag mal, wer warst'n du? - Was für 'ne Frage. Der Hübsche natürlich!

Mann Alter, pass auf, wo du hinfährst! - Schon okay. Ist nichts passiert.

Der soll sich entschuldigen. Musste ich ja eben auch.

Ist der neu hier? - Ich bin bald wieder draußen.

Ja, das sagen sie alle. Wie heißt 'n du?

Musst du nicht wissen.

Ist er von der Arschloch-Station? - Keinen Stress in meiner Schicht.

Muss scheiße sein ohne Bein, oder?

Muss scheiße sein ohne Hirn, oder?

War das deine Idee eigentlich?

Was meinst du? - Das mit dem Tanzen.

Und wenn? - Nur so.

Hat ihm bestimmt gefallen.

Wie geht's ihm denn? - So ziemlich jetzt

müssten sie es ihm grad abschneiden.

Krass. - Ja.

Und du? Hast du nicht 'n CT oder so was?

Jetzt ist erst mal Jonas dran!

(Herzfrequenzmessgerät piept)

(schnelleres Piepen)

(langer hoher Ton)

Dieses Geräusch habe ich schon oft gehört, seit ich hier bin.

Zu oft.

Jonas kommt jetzt an einen seltsamen Ort zwischen Leben und Tod.

Er kommt zu mir.

(Hugo, hallend) Hallo!

(hallend) Hallo! Wer bist du?

Und wo bin ich?

Ich bin Hugo. Ich lieg im Koma. Das hier ist meine Zwischenwelt.

Und ich? Was mach' ich hier?

Du bist zu Besuch.

Wie lange?

Bis du aufwachst.

Oder bis du stirbst.

(hoher Ton und verzerrte Stimmen)

Hörst du das?

Sie versuchen dich zurückzuholen.

Willst du mit mir ein bisschen schwimmen? Alleine schwimmen ist langweilig.

Na komm!

Warum ist deine Zwischenwelt ausgerechnet ein Schwimmbad?

Was ist passiert?

Warum gehst du nicht zu den anderen Kindern und spielst mit denen?

Ich glaub, die mögen mich nicht.

Woher willst 'n das wissen, wenn du sie gar nicht kennst?

Ich brauch keine anderen Kinder. Ich hab hier doch genug Spiele drauf.

Gib her! - Hey!

Kriegst du zurück. Aber erst heute Abend und jetzt geh!

Was will der denn?

Darf ich mitspielen?

Nur, wenn du eine Mutprobe machst.

Siehst du den Sprungturm da?

Den Dreier?

Nee, den Zehner!

Das ist ganz schön hoch...

Willst du jetzt unser Freund sein oder nicht?

(sphärische Musik)

Der macht das!

Der macht das nicht. - Wetten wir, der macht das?

Wetten wir, der macht das nicht?

(Videospielgeräusche)

(Junge, hallend) Spring doch, du Feigling! - (2. Junge, hallend) Spring, spring!

Hast du Schiss oder warum springst du nicht?

Wirklich, jetzt spring endlich! Spring!

Du Mädchen. - Du Mädchen, du Mädchen!

Spring doch! Spring doch! Spring doch!

(langsame Musik)

(Knall)

Komm, wir gehen besser, komm!

Hugo!

Hugo! Hugo!

(leise) Hilfe! Holt mal jemand den Bademeister!

Darf man hier überhaupt rauchen?

Es ist zumindest nicht so richtig verboten. Meine geheime Raucherecke.

Nur, wenn Sie es verraten, muss ich Sie umbringen, das ist Ihnen klar?

Feuer? - Mhm, danke.

Danke.

Sohn oder Tochter? - Sohn.

Woher wissen Sie das?

Besucher wollen nicht so nahe an den Krankenzimmern bleiben.

Die sind froh, wenn sie zum Rauchen vor die Tür können...

Aha, hier bist du also! Warum sagst du denn nichts?

Weil ich vielleicht auch mal meine Auszeit brauche?

Gerade du müsstest das doch verstehen!

Rauchen Sie? - Nein.

(Sirene aus der Ferne)

Falls du wieder aufwachst, kannst du mir einen Gefallen tun?

Klar.

Kannst du mit meiner Mutter reden? Sag ihr,

dass es nicht ihr Fehler war.

Dass sie nicht schuld ist.

Kann ich machen.

Aber wird sie mir glauben, dass ich mit dir gesprochen hab'?

Hm.

Na, sag ihr einfach, dass sie beim Basteln nicht immer die Zunge rausstrecken soll.

Ich klau sie ihr irgendwann mal, hab ich immer gesagt.

Wenn du das weißt, glaubt sie dir bestimmt.

Da. Sie versuchen es noch mal. Viel Glück.

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