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* Motorgeräusche *
* Motorengeräusch wird lauter *
* elektronisches Popmusik-Intro *
* beschwingte Melodie setzt ein *
Warum hast du mich nicht geweckt, als wir in die Stadt reingefahren sind?
Weil du ganz fest geschlafen hast.
Morgen kannst du dir alles ansehen.
* Musik verklingt *
* elektrische Kaffeemühle sirrt *
* Wasserkessel pfeift *
* beschwingte Musik *
Guten Morgen, Petruschka.
Morgen, Kathi.
Ab heute fangen wir ganz neu an. In einer ganz neuen Stadt.
Du hast ja schon was zu essen da. - Natürlich.
Wir wollen doch nicht mit leerem Magen an die Arbeit gehen.
Lass mal, ich helf dir nachher beim Einräumen.
Geht alles viel schneller dann.
Wenn wir hier fertig sind, müsstest du mal einkaufen gehen.
Wir wollen den Einzug doch auch feiern.
[Frau] Deine Mutti hat wohl heute keine Zeit, einkaufen zu gehen.
Ja, so ein Umzug.
Ich bin mit meinem Vater allein hierhergezogen.
Da kommt deine liebe Mama wohl gar nicht nach?
Nein, sie lebt nich mehr.
So warte doch, du armes Kind. Das ist ja furchtbar.
Sagen Sie bitte, wo kann ich hier Zigaretten und Wein einkaufen?
Ach du meine Güte, ausgerechnet Wein und Zigaretten?
Aber das ist doch... - Das gibt's bei uns alle Tage.
Brot, Eier, Milch...
Hm, Zigaretten und Wein muss Petruschka selber besorgen.
Die haben hier ja leider noch kein Vertrauen zu mir.
Na ja.
* elektronische Orgel spielt Barock klingende Orgelmusik *
Können Sie mir sagen, wer das ist?
Dieses Denkmal da. - Das ist der Roland.
Was für ein Roland? - Das weiß ich auch nicht.
Ich weiß nur, dass er sehr, sehr alt ist.
Wisst ihr vielleicht, was das für 'n Denkmal ist?
'n Denkmal? Du kommst wohl vom Mond. Vielleicht ist es der Weihnachtsmann.
Red kein Blech, Blechschmidt.
Das ist der Roland.
Er ist schon sehr alt, beinahe 1000 Jahre.
Nur wenige Städte hatten früher so eine Steinfigur.
Im Mittelalter wurde dort Gericht gehalten. Das war sehr berühmt.
Dort wurde festgelegt, was recht ist, und jeder musste sich dann danach richten.
Die werden denen was gehustet haben.
'n Haufen Ritter mit Lanze und Schwert. Runter mit der Rübe. So war das damals.
Halt die Klappe, wenn du nichts davon verstehst.
Erzähl mal weiter von dem Roland.
Das war nämlich so:
Wenn ein Roland am Markt stand,
wusste man gleich, dass die Stadt frei war,
und man nicht immer einem Fürsten oder so gehorchen musste.
Unser Roland ist ganz berühmt.
Sogar in Berlin haben sie einen nachgemacht und aufgestellt.
Aber unserer, das ist der echte.
Das war mal die Stadtbefestigung.
Oh Mensch, ist das 'ne alte Stadt. Beinahe 1000 Jahre.
Seif roh, dass die alten Buden nicht mehr stehen.
Stell dir vor, du müsstest drin wohnen.
Mir ist schon ein bisschen schwummrig. Dir auch?
Da seid ihr ja endlich! Na, los, los, los, los!
Die warten auf euch.
Na los, rein, rein!
Seid leise.
* gedämpftes Stimmengewirr von fern *
Vorwärts, Freunde. Sie warten auf euch.
Geh schon.
* Applaus *
Geh zur Mitte.
Wir begrüßen euch, liebe Pioniere unserer Patenklasse,
zu unserer Brigadefeier, und heißen euch herzlich willkommen.
[Mädchen] Unsern herzlichsten Glückwunsch zum Staatstitel.
Danke schön. - [Junge] Bitte.
Danke.
Danke.
* Publikumsgelächter * - Danke schön!
* laute Lacher aus dem Publikum *
Danke schön.
Sag mal, was machst du denn hier?
* Klavier spielt Intro zu Pionierlied *
[Kinder singen] Unser rotes Halstuch kann ein jeder sehen
wenn wir froh am Morgen durch die Straßen gehen.
Wo wir laut uns necken und die Spatzen schrecken
tanzt das rote Halstuch um die Straßenecken.
Wo wir laut uns necken und die Spatzen schrecken
tanzt das rote Halstuch um die Straßenecken.
* Zwischenspiel am Klavier *
Unser rotes Halstuch grüßt in alle Fernen
leuchtet, wenn wir spielen und gemeinsam lernen.
In des Weltraums Weiten wird es uns begleiten
wenn wir mit Raketen zu den Sternen reiten.
In des Weltraums Weiten wird es uns begleiten
wenn wir mit Raketen zu den Sternen reiten.
* Applaus *
Wissen Sie, wer das ist? - Weiß ich auch nicht.
Ich bin Kathi Montag. Ich will ein Gedicht vortragen.
"Der Drache". Der Staubsauger ist gefährlich,
ich geh nicht mehr an ihn ran.
Er ist ein verkleideter Drache, was man nicht nachprüfen kann.
Er verschlingt Streichhölzer und Knöpfe und Pfennige.
Ich hab zugeguckt,
und gestern hätte er beinahe meinen Hamster Moritz verschluckt.
* Publikum lacht * - Das könnt ihr mir glauben.
* Applaus *
[Mann] Das ist 'ne richtige Nudel, nicht?
Komm, Mädchen. Du kommst an unseren Tisch.
Da ist nämlich noch ein Platz frei, weißt du. Komm.
* Schritte im Treppenhaus nähern sich *
* Schritte im Treppenhaus gehen weiter *
Ich saß auf einem Pferd und hatte ein Kleid an, das war ganz aus Spitze.
Ich hielt einen Korb in der Hand und aus dem Korb streute ich Blumen herunter.
Die Leute haben sie aufgefangen.
Auf einmal ist das Pferd losgerannt, weil es so erschrocken war.
Ich konnte mich kaum festhalten.
Da hab ich dem Pferd den Korb über den Kopf gestülpt.
Da hielt es an, weil es nichts sehen konnte.
* Gelächter *
Na, es muss ja ein großer Korb gewesen sein,
dass er über den Pferdekopf gepasst hat.
Ich will wissen, wer die blöde Ziege ist. - Das kriegt Franzi schon raus.
Ihren Namen hat sie ja selber gesagt.
Kathi. Kathalittchen aus Hohenbergen.
Hohenbergen, von den sieben Zwergen.
[Frau] Na, Kleine?
Kannst du auch so schöne Geschichten erzählen wie deine Freundin?
* träumerische Gitarrenklänge *
Entschuldige, Petruschka! Es ist schon spät. Aber ich hab was Tolles erlebt.
So? Und wo sind die Sachen, die du einkaufen solltest?
Das habe ich alles den netten Leuten gegeben. Bei der Feier.
Die haben mich reingeholt, weil sonst das Programm nicht geklappt hätte.
Ich habe ein Gedicht aufgesagt.
Alle haben geklatscht.
Mit zwei anderen Pionieren habe ich ein Lied vorgesungen.
Du gehst zum ersten Mal hier aus dem Haus, kein Mensch kennt dich,
und erzählst, sie hätten dich bei einem Programm gebraucht.
Weißt du was? Du isst Abendbrot und gehst ins Bett.
Den Abend hast du dir selber verdorben.
Siehst du, Harlekin?
Da hab ich mal wieder Quatsch gemacht.
* träumerische Musik spielt *
* Motorradmotor heult auf und knattert *
* Motorradgeräusch entfernt sich *
[Frau] Sie haben mir da ein einfallsreiches Mädchen mitgeschickt.
Sie hat richtig für Stimmung gesorgt.
Aber nächstes Mal wüsste ich gern vorher, wenn jemand mitkommt.
Wieso? Ich habe Anke und Jürgen ausgewählt.
[Kind] Morgen! - Da muss ich die Kinder fragen.
Morgen.
Entschuldigen Sie mich, Kollegin Peters, aber ich muss heute eine Neue einführen.
[Mann] Ja, so viel wollte ich euch zu dem alten deutschen Volksbuch
vom Till Eulenspiegel sagen.
Wer kann eine der Geschichten wiedergeben?
[Schüler] Hier!
Ihr solltet euch eine davon aus dem Lesebuch aussuchen.
Nun, Katharina Montag,
wir wollen hören, welche Geschichte du gewählt hast.
Ich heiße eigentlich Kathi. - Kathalittchen mit dem Staubsauger.
Ich Kenn noch viel mehr Geschichten über Till Eulenspiegel.
Es gibt eine ganz lustige. Die steht nicht im Lesebuch.
Till Eulenspiegel kommt nach Erfurt an die Universität.
Die Gelehrten wollten ihm was Unmögliches aufgeben und sie sagten:
"Du sollst einem Esel das Lesen beibringen. Kannst du das?"
Und er sagte ja.
Da hat er ein dickes Buch genommen und zwischen die Seiten Hafer gelegt.
Und der Esel hat sie umgeblättert, weil er Hafer fressen wollte.
Und er hat jedes Mal "Ih-Ah" geschrien.
Da mussten die Gelehrten glauben, dass er schon ein paar Buchstaben lesen konnte.
Und so hat Till Eulenspiegel bewiesen, dass er klüger war als die Gelehrten.
Ja, Katharina Montag, das war gut,
dass du uns noch eine Geschichte erzählen konntest.
Eine neue. - Ja, so ist sie, unsere Märchentante.
Jürgen, steh doch mal auf.
Du bist 'ne Angeberin, 'ne ganz gemeine,
und deine Geschichten interessieren uns überhaupt nicht.
[Petruschka] Da es vor diesem Zeitpunkt unmöglich sein wird,
die Angelegenheit zu klären.
Im Übrigen verweise ich auf das Schreiben meines Vorgängers.
Gruß und Unterschrift. - * Türklopfen *
Herein, bitte.
Guten Tag. Klaroschewsky ist mein Name.
Ich bin Mitglied der BGL und wollte Sie bitten,
dass Sie heute um 16:30 Uhr an einer außerordentlichen Beratung teilnehmen.
Es wäre sehr wichtig, dass Sie dabei sind.
Also, wir erwarten Sie dann.
Eine sehr sympathische Kollegin, sie arbeitet in der Investabteilung.
So.Aha.
* Stimmengewirr *
Eine Ansichtskarte und eine Marke, bitte.
Ach was, Eiermeter.
Liebe Tante Tina!
Mach dir keine Sorgen, uns geht es gut.
Grüße Onkel Ronny.
Hat er schon sein Motorrad?
Deine Kathi und Petruschka.
* Stimmengewirr *
[Kassiererin] So.
[Frau] Hier war ich ja, nicht?
Na, na, na, Mutter! Komm, komm. Schön hinten anstellen.
Die Kinder müssen ihre Freizeit auch rationell nutzen.
Sie unverschämter Mensch, Sie.
[Kassiererin] 17,81.
Und die Club vier Mark. Kaffee, 12.
Macht zusammen dann 25,10.
Hey Peskowsky, du bist gleich dran.
Woher weißt du meinen Namen? - Weiß ich eben.
[Kassiererin] Komm, komm, Junge. Schlafe nicht.
[Frau] Entschuldigen Sie bitte, ich hab das nicht mit Absicht gemacht.
[Kassiererin] Danke. 13,75. 25 zurück.
Neulich war mal so 'ne Brigadefeier, da war auch dein Vater.
Der macht auch immer so.
[alter Mann] Macht mal ein bisschen Platz hier.
Tüten sind auch wieder keine da. - Gucken sie mal richtig nach.
Habe ich ja.
Ich gehe gerne einkaufen.
Aber lieber in kleinere Geschäfte. Du auch?
Ach, mir ist das eigentlich egal. - Was ist denn das da für ein Laden?
Kennst du das nicht? Da kaufen Leute für Westgeld ein.
Die denken, unser Zeug ist nicht gut genug.
Mein Vater sagt:
Nehmen wir ihnen das Geld ruhig ab und machen was Vernünftiges draus.
Sag mal, wartet deine Mutter nicht auf das, was du eingekauft hast?
Bei mir ist sowieso keiner zu Hause. Mein Vater, der kommt erst abends.
Seid ihr geschieden?
Meine Mutter lebt nicht mehr.
Sag mal, soll ich mit zu dir nach Hause kommen?
Ich könnt dir zeigen, wie man Würstchen brät, dass sie prima schmecken.
Mein Bruder hat's mir gezeigt. Der ist Koch.
Ja, komm mal gleich mit.
[Junge] Warst du da auch mit deinem Vater alleine, wo ihr früher gewohnt habt?
Nein, da hab ich doch bei Tante Tina gewohnt. Sie ist Krankenschwester.
Jetzt hat sie geheiratet und hat eine ganz neue Wohnung bekommen.
Wie war sie denn so zu dir? - Na ja, eigentlich ganz prima.
Sie hat sich um alles gekümmert und so.
Sie ist die kleine Schwester von meinem Vater.
Aber sie hat andauernd an uns beiden was rumzumeckern gehabt.
Das soll sie mal nicht mit ihrem Mann machen. Das gibt leicht Ärger.
Ach wo, macht sie nicht. Sie liebt ihn doch ganz ungeheuer.
Der ist wirklich ganz klasse.
Hast du jetzt ein eigenes Zimmer?
* entspannte Jazzmusik untermalt die Szene *
Ja. Ich zeig's dir, aber da steht's so aus wie Eiermeter.
Was ist denn das? Eiermeter?
Eiermeter, den gab's bei uns in Hohenbergen.
Wo ich früher gewohnt hab.
Der hat sich nur um seine Hühner gekümmert,
irgend so eine besondere Rasse.
Er hätte sie am liebsten gebadet und gekämmt,
sonst war bei dem nur Unordnung.
Er hat bei meinem Vater im Betrieb gearbeitet,
der hat vielleicht eine Menge Ärger mit dem gehabt.
Den müsste ich meiner großen Schwester zeigen, die macht auch so Sachen.
Den hat meine Mutter gemacht, als ich noch ganz klein war.
Na, ich hab dir jetzt alles erklärt. Ich muss nach Hause, also bis später.
Neulich ist der 18:30 auch ausgefallen. - Guck mal, Taxi.
Hallo! Hallo! - [Mann] Ich muss auch in die Richtung.
Leider schon bestellt.
Die Schöne konnte die ganze Nacht nicht schlafen.
Sie musste immer an das Ungeheuer denken,
dem sie ihr Versprechen nicht gehalten hatte.
Und das war immer so lieb zu ihr.
* Schlüsselgeräusche *
[Petruschka] Kathi?
Warum bist du so spät gekommen? Ich hab schon solche Angst gehabt.
Aber Kathi, es war noch so viel zu tun, und dann kam der Bus nicht.
* leises Motorradgeräusch von draußen *
So eine Überraschung. - Ist aber alles kalt.
Komm, das kriegen wir schon wieder hin.
Katharina, warte mal.
Ihr habt jetzt Mathematik, nicht wahr? - Mhm.
Kommst du mit den Hausaufgaben besser zurecht?
Ja, mein Vater hilft mir.
Darf ich jetzt gehen? - Ja.
* Verkehrsgeräusche *
[Mann] Aber Hündchen... Waldi! Komm zurück.
Waldi! Komm her!
* Mann pfeift *
[Mann] Wohin denn? Waldi?
Komm her.
[Mann] Waldi!
[Mann] Halt ihn fest!
Komm, du Köter, los. Na!
* Mann lacht *
Ach, da bist du ja.
Vielen, vielen Dank.
Na komm.
Ein Glück, dass du ihn gekriegt hast. War klasse von dir.
Geht dich doch nichts an.
[Petruschka] Also dann bis übermorgen. Und Ihre Unterlagen bitte zu mir.
Ich kann die Termine nicht ändern, ich hab sie nicht gemacht.
Tut mir leid. Wiederhören.
Kollege Montag.
Wir müssen das nach Feierabend unbedingt durchgeben.
Donnerstag ist Leitungssitzung...
Heute unter gar keinen Umständen. Ich muss pünktlich zu Hause sein.
Meinetwegen morgen früh, halb sechs, wenn es so dringend ist.
Was denn? Mitten in der Nacht?
Kollege Montag ist mit seiner Tochter allein, Kollege Brauer.
Sie kennen hier noch niemanden.
Also morgen eine halbe Stunde früher. Das wird ja wohl reichen.
* Tür knallt zu *
[Kathi] Ja, ja, ich weiß. Pioniernachmittag und Mathe machen.
Hm. Ausgerechnet 'ne Textaufgabe.
* Radio spielt melodische Jazzmusik *
Im Jahre 1950 konnten in der DDR
insgesamt 4100 Tonnen Harz gewonnen werden.
Die Harzgewinnung wurde bis zum Jahr 1960 um 11300 Tonnen erhöht.
Bis zum Jahre 1968 vermindert sich das Ergebnis um 2400 Tonnen.
Wie viel Tonnen Harz wurden 1968 gewonnen?
Hä? Wieso auf einmal weniger?
...Radio DDR sendet Informationen aus der Wirtschaft.
Du, sag mal, wo ist denn Block A, Aufgang D?
Zweite Querstraße links, vierter Aufgang.
Danke.
* Türklingel *
Tag. - Weißt du, wo Michael ist?
Mikki ist zum Training.
Ich wollte ihn was fragen. Kommt er bald?
Er ist erst eben losgegangen.
Pech gehabt.
1968 verminderte sich das Ergebnis um 2005...
[Kathi] Was ist denn mit dir los? - Mein Bruder ist weg.
Wo wohnst du denn? - Mario Müller, Milankostraße 47 b.
Können Sie mir sagen, wo die Milankostraße ist?
Milanko? Nee, Kenn ich nicht.
Können Sie mir bitte sagen, wo die Milankostraße ist?
Noch mal, Mädchen, wie soll die heißen?
Milanko.
Ja, es sind viele Straßen umbenannt. - Ist das in der Nähe?
Ich wohne schon 30 Jahre hier,
aber eine Milankostraße ist mir unbekannt.
Moment mal, Kleine.
Junge Frau, können Sie mir bitte sagen, wo es hier eine Milankostraße gibt?
Nein. Aber hier in der Gegend kenne ich mich nicht aus, ich wohne weiter draußen.
Danke. Na, da fragst du am besten mal einen Polizisten.
Schönen Dank.
Ich hab Durst und mir tun die Füße weh.
Na ja.
Tun dir noch die Füße weh? Sonst mach ich dir 'n Fußbad.
Ich muss nach Hause.
Ja, gleich.
Sag mal, welche Puppe findest du am schönsten?
Die da.
[Frau] Die? Aber die ist doch viel zu klein als Geschenk.
Können Sie mir sagen, wo die Milankostraße ist?
Der Kleine wohnt nämlich da und findet nicht allein zurück.
Ach herrje. Nein, so was aber auch.
Am besten ist, du gehst zur Polizei.
Thilo! Thilo! Thilo!
Bedank dich bei dem Mädchen. Sie hat sich um ihn gekümmert.
War wirklich klasse von dir. Und wenn ich mal was für dich tun kann...
Jetzt nicht, vielleicht später mal. Aber gib mir mal deine Adresse.
Du bist aber ein komisches Mädchen.
Michelangelo.
Na ja. Das kann ja so ein Kleiner noch nicht wissen. Tschüss, Mario.
Tschüss. - [Mario] Tschüss.
* Schlüssel im Schloss *
* Tür klappt zu *
So lange dauert kein Pioniernachmittag. - Entschuldige.
Ich beeil mich und schicke Kollegen weg, die was besprechen wollen,
nur um pünktlich zu Hause zu sein, und du bist nicht da.
Tut mir ja wirklich leid, Petruschka.
Aber da war so ein kleiner Junge auf der Straße.
Er war ganz alleine. Er hatte Angst und wusste nicht, wohin.
Und er weinte und er wollte nach Hause.
Er wär unter ein Auto gekommen, hätt ich ihn nicht weggezogen.
Da waren so viele Autos. - Und was hattest du draußen zu suchen?
Die Hausaufgaben sind nicht fertig,
aber du erlebst draußen aufregende Geschichten.
Wenn Kathi nicht kommt,
findet eine Feier nicht statt, oder ein Junge geht verloren. Sieh mich an.
Du kannst dir nicht immer Geschichten ausdenken.
Du musst begreifen, dass das nicht geht. - * Türklingel *
[Frau] Guten Tag, Herr Montag. - [Petruschka] Guten Tag.
[Frau] Ach, wissen Sie, ich habe das Zeitungsgeld vorhin ausgelegt. 9 Mark 50.
Warten Sie, ich hab's passend.
Danke schön!
Ihre Tochter hatte ja Besuch, war so ein netter kleiner Junge.
[Petruschka] Vielen Dank, Frau Küselwitz. - [Frau Küselwitz] Danke, Herr Montag.
Siehst du. Mario gibt's doch. Und wer ist Michelangelo?
[Petruschka] Jetzt klären wir erstmal das Problem.
Warum du nicht gekommen bist, das hast du noch immer nicht gesagt.
Doch, ich hab's gesagt.
Weil ich mich um den kleinen Jungen kümmern musste.
Der Pioniernachmittag war um zwei.
Den Jungen hast du erst viel später getroffen.
Das hast du ja selber gesagt. Also du wolltest nicht.
* Beatmusik spielt *
Oh.
Na dann tschüss für heute. -Tschüss.
Darf ich morgen Beatrice wieder ausfahren?
Gern, aber nur, wenn du Zeit hast.
Hab ich.
Ja, das wäre eine Mutter für die Kleine.
Komm, komm, komm, komm.
* Tanzmusik spielt *
Die Hemden darfst du nicht so übereinanderlegen.
Die müssen tropfnass aufgehängt werden. - Ja.
Auweia, das ist bestimmt zu heiß .
Sind das 40 Grad? - Weiß ich nicht. Ist das wichtig?
Natürlich. Wir müssen uns unbedingt mal Weichspüler kaufen.
Damit die Handtücher nicht so hart und kratzig werden.
Sag mal, woher weißt du denn das? - Ja, von Frau Dietze.
Frau Dietze? Wer ist denn das?
Wir treffen uns manchmal so beim Einkaufen.
Den Rest mache ich.
Na, hör mal. Und die Schularbeiten?
Ich helf jetzt dir, und du hilfst mir nachher.
* Musik stoppt *
Wir brauchen unbedingt 'ne Waschmaschine.
Du hast mir versprochen, nicht zu rauchen.
Nicht in der Küche, nicht in meinem Zimmer
und nur manchmal in deinem.
Wenn du nun krank wirst?
Übrigens, Tante Tina hat geschrieben. Sie kommen uns besuchen.
Hat denn Onkel Ronny schon sein Motorrad? - M-m.
Sie kommen mit dem Zug. Und wir holen Sie zusammen vom Bahnhof ab.
* Volksmusik spielt *
[TV-Sprecher] Und jeder Tag in diesem befreundeten Land
brachte uns ein neues, schönes Erlebnis.
Kathi, es ist spät. - Nur ein kleines bisschen, bitte.
[Petruschka] Na gut, weil du heute so fleißig warst.
Wir machen auch bald mal einen Ausflug.
[TV-Sprecherin] Meine Damen und Herren, nach unserer Sendung
"Zu Gast in Freundesland"
sehen Sie nun eine neue Folge der französischen Kriminalserie
"Die Komplikationen des Kommissars Couché".
Gute Unterhaltung.
[Kathi] Das ist die Neustadt.
* entspannte Musik *
[Kathi] Und da ganz hinten ist die Dominsel.
Siehst du dort unten? Da ist die Altstadt.
Und da ganz draußen, wo die Neubauten sind, da wohnt Mikki.
Du kennst die Stadt ja besser als ich. Gefällt sie dir?
Ja, sie ist sehr interessant. Aber ich kenne noch lange nicht alles.
Dort kann man im Sommer schwimmen gehen.
Und ein Boot müssten wir uns auch noch kaufen.
Und was siehst du jetzt? - Natürlich Onkel Ronny.
Komm, ich will dir auch mal was zeigen.
Wie oft habe ich dir das gesagt? Wenn's zieht, musst du deine Kapuze aufsetzen.
Du weißt doch, wie leicht du Ohrenschmerzen bekommst.
Wollen wir auch runterrennen? - Lauf mal alleine.
Ach, ich geh mit dir.
Ich wollte was mit dir besprechen. Ich dachte, du weißt darüber Bescheid.
Gut.
Aber unterwegs, ich muss zum Training.
Also das wollte ich mit dir besprechen:
Wir brauchen jemanden, nämlich eine Frau, die uns hilft.
Dein Vater wird schon eine finden.
Er lernt eine kennen, dann mögen sie sich,
und dann hilft sie euch auch.
Aber dann müssen sie irgendwann heiraten, sonst läuft sie euch wieder weg.
Aber er lernt doch keine kennen, weil er immer keine Zeit hat.
Kann man da nicht irgendwas machen?
Mann, du hast Probleme. Setz dich mal.
Kennst du nicht 'ne nette junge Frau, die alleine ist?
Ich meine noch nicht verheiratet oder schon geschieden?
Natürlich, Frau Dietze. Sie ist sehr nett und hat ein ganz niedliches Baby.
Ist sie auch hübsch? - Bestimmt. Sie hat sogar blonde Haare.
Also: Du besorgst Wein und Blumen, und dann ladet ihr sie mal ein.
Am besten nachmittags, damit sie abends noch bleiben kann.
Und ich kümmere mich solange um das Baby.
Vor allem musst du sie alleine lassen. Du darfst sie nicht stören, verstehst du?
Neulich war mal so ein Film im Fernsehen, da lernten sich auch zwei so kennen.
Mann, ich muss los. Tschüss, Kathi!
* harmonische Musik im Dreivierteltakt *
* Musik wird schneller und getriebener *
* Musik wird langsamer und melancholisch *
* schmatzendes Geräusch *
* verträumte Gitarrenmusik *
* Motorengeräusch *
Sag mal, was fällt dir ein? Willst du mich in Teufels Küche bringen?
Läufst mir um ein Haar in den Schwenkbereich.
Kannst du nicht lesen? Der Aufenthalt im Schwenkbereich ist verboten.
Scher dich weg, hier wird gearbeitet. - Aber ich weiß nicht, wohin.
Na dahin, woher du gekommen bist. Aber bisschen dalli.
Bitte, ich hab mich wirklich verlaufen. Ich wollte zu dieser Ruine da.
Hm...
Na, von der Seite kommst du sowieso nicht ran.
Ausgerechnet kurz vor Feierabend kommst du mir in die Quere.
Ich wollt mir ja nur die Ruine angucken. Vielleicht kann man darin spielen.
Spielen?
Tja.
Mein Vater war in der Ruine.
Schon mein Großvater. Aber ihr alle könnt doch überhaupt nicht mehr richtig spielen.
Mit dem Moped rumsausen, abends in die Disco.
Und solche wie du,
die sitzen den ganzen Tag vor der Flimmerkiste
und lassen sich was vorgaukeln.
Ich gucke manchmal auch gerne Fernsehen.
Aber richtig spielen ist viel interessanter.
Und was haben Sie früher so gespielt?
Na ja.
Ist alles schon so lange her.
Mein Freund zum Beispiel, der war mutig.
Klein, aber mutig.
Mit einem großen, schwarzen Schirm, wie sie früher waren,
ist er von da oben runtergesprungen.
Er wollte Fallschirmspringer werden. - [Kathi] Ist ihm was passiert?
Sein Vater hat ihn verprügelt, aber es hat nichts genützt.
Er musste immer irgendwas versuchen.
Und was hat er noch so gemacht? - Mal dies, mal das.
Schließlich war unsere Freundschaft aus.
Warum war eure Freundschaft aus?
Das war Ende des Krieges, wir konnten die Geschütze hören
und nachts sahen wir den Feuerschein am Himmel.
Ich hatte Angst, verstehst du? Ich bin davongelaufen.
Hierher. Zu dieser Ruine.
Herr Montag. Herr Montag!
Kommen Sie herein, sehen Sie sich das an. Seit Stunden tropft es durch meine Decke.
Hoffentlich sind Sie versichert.
[Frau stöhnt]
Mist.
Wo kommt denn das Wasser her? - Das muss ich dich fragen.
Wer hat dir erlaubt, die Waschmaschine einzuschalten?
Du hast gesagt, dass sie sich automatisch ausschaltet.
Los. Hilf mir wenigstens.
Den Schlauch hast du nicht richtig eingehängt.
Frau Küselwitz muss ihre Küche neu streichen, und ich muss das bezahlen.
Gib her!
Du hättest eben hierbleiben müssen, bis alles fertig ist.
[Petruschka] Ohne ihre Erfahrung hätten wir es nicht so schnell geschafft.
[Frau Klaroschewsky] Die Idee war ja schließlich von Ihnen.
Neue Augen sehen schärfer.
Wichtig scheint mir, dass wir es zusammen gemacht haben.
Eigentlich ein Grund, das ein bisschen zu feiern. Was meinen Sie?
Da vorne ist ein kleines Café, das sieht von außen ganz gemütlich aus.
Drin war ich allerdings noch nicht.
Na, Kathi? Ich habe schon auf dich gewartet, gib mal her.
Dein Kleid ist auch schon fertig.
Stückchen Saum raus, und du kannst es wieder anziehen.
Wenn das bei mir auch so einfach wäre.
Der Rock ist ein bisschen kurz, findest du nicht auch?
Sie sehen sehr hübsch aus.
Mein Vater meint, Sie müssen uns unbedingt mal besuchen.
Der kennt Sie doch noch gar nicht.
Nun, wir werden uns schon mal treffen beim Einkaufen oder so,
dein Vati und ich.
Aber er möchte gern wissen, wie Sie das machen mit dem Wettervorhersagen.
Das interessiert ihn nämlich mächtig.
Wirklich, Kathi?
Mit den Wettervorhersagen hab ich eigentlich nichts zu tun.
Die werden aus den Zahlen gemacht,
die ich zusammenstelle von den Meteorologen.
Ja, Zahlen. Zahlen, das ist für meinen Vater was Ungeheures.
Er sagt, damit kann man die Welt auseinandernehmen
und wieder zusammensetzen.
Versteh ich nicht.
Aber Beatrice...
Ich mag Mathe nicht so besonders. Du auch nicht, Beatrice, hm?
Und so habe ich mit meinem Fahrrad die ganze Gegend abgeklappert.
Im Umkreis von 60 Kilometern kenne ich hier jedes Dorf und jeden See.
Und immer allein? - Nein, meistens mit meiner Freundin.
Und auch mal mit Kollegen, aber die haben inzwischen alle ein Auto.
Und nun ist Schluss mit der Treterei.
* Klaviermusik im Hintergrund *
Und jetzt möchten Sie wohl auch lieber im Auto spazieren fahren, was?
Nein, nein. Ich bleib meinem Drahtesel treu.
Auf Ihren Drahtesel.
Vielleicht komme ich mal mit.
Allerdings habe ich kein Fahrrad. - Na, das lässt sich doch ändern, oder?
Vielleicht hätte Kathi auch gern eins.
Es tut mir wirklich sehr leid, aber ich muss jetzt nach Hause. Meine Tochter.
Ich kann sie die Hausarbeit doch nicht immer ganz allein machen lassen.
Und dann wartet sie auf mich. Auch wegen der Schularbeiten.
Das verstehe ich ja sehr gut.
Ach was. Eiermeter.
* Schlüsselgeräusche *
[Petruschka] 'n Abend, Kathi. - Hast du Brot mitgebracht?
Glatt vergessen. Und nun sind alle Geschäfte zu.
Dann müssen wir eben heute Abend Suppe essen und morgen früh Kekse und Zwieback.
Du, ich glaube, wir müssten mal Fenster putzen.
Und ich glaube, wir haben uns da zu viel vorgenommen.
Wir beide allein.
Die ist ja niedlich, die Kleine. - Das ist meine Schwester. Beatrice.
Sie wohnt jetzt auch bei uns.
Ich denke... Bist du nicht mit deinem Vater allein?
Na und? Und jetzt ist eben Beatrice auch noch da.
Mein Vater besorgt noch eine Haushaltshilfe.
Dann schaffen wir alles, weißt du?
Darf ich den Wagen auch mal schieben? - Na klar.
Bleib mal stehen. Guck mal, das Kleid da. Gefällt es dir?
[Mädchen] Ist schau.
Weißt du, vielleicht heiratet mein Vater bald.
Und dazu brauch ich ein ganz neues Kleid. Und die Hochzeit feiern wir ganz groß.
Meine Güte, Kathi, es ist doch nicht Advent.
Kerzen müssen sein. Das sieht festlicher aus.
Das steht hier drinnen. - Und die Gardinen, warum sind die zu?
Die Gardinen habe ich zugezogen, weil die Fenster nicht geputzt sind.
Ich hoffe, deine Frau Dietze ist nicht irgendeine Tante Amalie,
bei der man den Staub aus den Schlüssellöchern putzen muss.
Bitte, Petruschka. Zieh das schicke Hemd an. Und die gestreifte Krawatte.
Es ist gleich fünf Uhr. - [Petruschka] Ach, du liebe Zeit.
Musste denn das wirklich sein, Kathi?
Diese Einladung.
Bück dich mal.
Na, hör mal, was soll denn das?
Na ja, dann siehst du so aus wie die Männer im Fernsehen.
So Jung und sportlich.
Manchmal siehst du so streng aus.
Ja? Wirklich?
* Türklingeln *
[Petruschka] Guten Tag.
Guten Tag, mein Name ist Franziska Peters.
Ich bin Pionierleiterin an der Schule ihrer Tochter.
[Petruschka] Kommen Sie doch rein.
[Franzi] Ich dachte, es wäre ganz gut, Sie mal kennenzulernen.
Tag, Kathi. - Tag.
Wissen Sie, zur Elternversammlung konnte ich nicht da sein.
Und ich wüsste nun gern...
Mach uns bitte einen Kaffee und bring was von dem Kuchen mit.
Aber wir haben doch gar keinen Kuchen.
Kathi.
* Wasserkessel pfeift *
Sie erwarten sicher Besuch?
Ach, nein, nein. - Ich komme gerne ein andermal wieder.
Ich bin froh, dass ich mit jemandem über meine Tochter sprechen kann.
[Franzi] Kathi hat es noch sehr schwer...
[Kathi] Blöde Ziege, ausgerechnet heute Nachmittag.
* Türklingel *
[Franzi] Die meisten kennen sich noch aus dem Kindergarten.
Guten Tag, Frau Dietze, kommen Sie rein. Mein Vater hat schon auf Sie gewartet.
Guten Tag, Kathi.
* Franzi spricht weiter im Hintergrund *
Hier, das ist Frau Dietze.
Ah ja, guten Tag. - Guten Tag.
Schön, Sie kennenzulernen. Sie kümmern sich so nett um meine Tochter.
Das ist Fräulein... - [Franzi] Peters.
Sie haben sicher nichts dagegen. Das ist die Pionierleiterin von Kathi.
[Frau Dietze] Aber nein, im Gegenteil.
Bitte, setzen Sie sich doch.
Ich muss jetzt wirklich gehen. - Ja, aber wieso denn?
[Franzi] Nein, es geht wirklich nicht.
Ich muss heute Nachmittag noch was erledigen. Auf Wiedersehen.
Tschüss, Kathi. - Auf Wiedersehen.
Ich komme dann gerne ein andermal wieder. Wenn es Ihnen recht ist.
[Franzi] Auf Wiedersehen. - [Petruschka] Wiedersehen.
Ich hoffe, ich kann in den nächsten Tagen mal in die Schule kommen.
Was nützt der Kram auf dem Tisch, wenn die Leute über deine Sachen fallen?
Darf ich Beatrice mal nehmen? - Ja natürlich, Kathi.
Darf ich Ihnen was eingießen? - Ja, bitte.
* Beatrice quäkt *
Kathi ist sehr lieb und fleißig, da können Sie froh sein.
Ja, sie gibt sich viel Mühe, nur manchmal...
Nun ja. Ihre Tochter ist ja noch sehr klein.
Stück Torte vielleicht? - Mhm.
Kann ich mit Beatrice in mein Zimmer gehen?
[Frau Dietze] Ja sicher.
Petruschka, mach mal die Kerze an. Es wird draußen schon langsam duster.
Aber Kathi, wozu haben wir denn elektrisches Licht?
* Beatrice gluckst und gurgelt *
* Gabeln und Kaffeetassen klappern leise *
Soll ich noch 'ne Kanne Kaffee aufbrühen?
Nein danke, Kathi, ich muss jetzt gehen.
Aber Frau Dietze, müssen Sie wirklich? - Ja, wirklich.
Tschüss, Kathi.
[Petruschka] Auf Wiedersehen. Es war nett, dass Sie vorbeigekommen sind.
[Frau Dietze] Auf Wiedersehen und vielen Dank noch mal.
Sie ist wirklich nett, deine Frau Dietze, aber weißt du:
Sie hat wenig Zeit. Ich auch.
Solche Einladungen lass bitte künftig bleiben, ja?
Na gut. Dann müssen wir eben alleine weitermachen.
* Geschirr klappert *
Hinter den Fenstern, das machen doch alle.
Da kann man von der Straße aus gar nichts sehen.
Aber am Zaun können sie vom Regen abgeweicht werden,
und abreißen kann sie auch jemand.
Ich hab zuerst gesagt, dass wir die Blumen selber machen.
Dann sag ich auch, wo sie hinkommen.
Ach du... - [Franzi] Na, na, muss das sein?
Warum denn Streit? Ist doch alles gut geworden, oder?
Ja aber... - Ja, ja.
Ich weiß, ihr habt ja laut genug geschrien.
Wir bringen die Blumen hinter den Fenstern an.
Und einige auch außen am Zaun. Das sieht sehr lustig aus.
Kathi, du gehst mit Marina und Jürgen zum Zaun. Hier sind Nägel und Hammer.
Das kannst du doch, Jürgen? -Klar.
Und wir bringen die Blumen hinter den Fenstern an.
[Kathi] Frau Peters!
Darf ich, wenn wir die Blumen angebracht haben, dann weg?
Ich hab noch was zu erledigen.
Na gut, Kathi. Ausnahmsweise.
Immer diese Extrawürste.
Kann ich hier einsteigen nach Klein-Hagen?
Immer zu, mein Kind. Immer zu.
Bist hier richtig, bis zur Endstation.
Kathi hat sich natürlich mal wieder verdrückt.
Lass mal, Franzi hat es ihr erlaubt.
Unser Kathalittchen ist eben was Besonderes.
Verdiente Spinnerin des Volkes. - Redet doch nicht einfach so daher.
Für Kathi ist das alles recht schwierig.
Sie ist allein zu Hause mit ihrem Vater.
Helft ihr lieber mal ein bisschen.
Muss das wirklich sein? Könnt ihr Weiber doch alleine viel besser machen.
Im Fernsehen ist Fußball. - Mensch, ist ein Pionierauftrag.
Von dir, wa? - Franzi hat es doch gesagt.
Wir brauchen dich. Außerdem bist du viel stärker als wir.
Ihr wollt alle zu Kathi? - Ja.
Sie muss gleich kommen.
Ich muss noch mal weg.
Kommt rein.
Macht es euch gemütlich.
[Mann] Wir fahren ran auf der Schiene, und wenn du 5 Meter davor bist...
[Mann] Das Licht steht. - [Frau] Beeilt euch bitte.
Gewehrträger, Gewehre abnehmen. - Fertigmachen zum Drehen.
[Mann] Ruhe, wir wollen drehen. Ton ab. Kamera.
* Kamera surrt *
[Frau] Bleib hier! - [Mann] Halt!
Bist du verrückt, hier durchs Bild zu rennen?
Du musst doch spinnen, Kind. - [Mann] Aus, aus. Verflucht.
[Mann] Du hast die Aufnahme geschmissen. Passt doch besser auf.
Hier läuft doch sonst keiner durch. - [Kathi] Aber ich.
Hier ist nämlich früher mal was passiert. -Hä?
Da sie schon mal da ist, äh... Vielleicht sollte man sie mit reinnehmen.
Ein Mädchen ist manchmal emotionaler als ein Junge, findest du nicht auch?
Prima Idee. Aber der Junge kommt morgen um 16:00 Uhr.
Wie besprochen. - Eben.
Wir machen das gleich jetzt. Und zwar so.
[Mann] Also ohne Genehmigung der Eltern, Schule, Pionierorganisation...
[Regisseur] Das regeln wir später.
Konrad erschöpft am Boden, Rudi hebt ihn auf. Ab.
So. Dann sie.
Mit einem blauen Krug.
Kommt auf die Kamera zu, blickt hinterher.
Ja, kannst du das mal versuchen? - Ja.
Aber ich hab doch keinen Krug. - Aber wir haben doch einen, nicht wahr?
Also los, Requisite, Garderobe, Maske, macht mal die Kleine fertig.
Beeilt euch. Ausgerechnet ein blauer Krug.
Blöder Kram. Das sollten sie mal zu Hause von mir verlangen.
Guck mal, hier ist noch so viel Platz. Da kann noch 'ne Menge Kram rein.
Da lässt es sich dann auch bequemer Staub wischen. Gib mal her.
* Kamera surrt *
* Pferd wiehert *
Los, lauf jetzt los! Na lauf schon.
Ist gut?
Können wir machen. Gestorben.
[Mann] So, siehst du? Nun bist du fertig, mein Mädel.
Stell dich dahin und warte. Ich nehm dich nachher mit in die Stadt.
He, Schwanti, was ist morgen?
Morgen? Weiß ich doch nicht. Ich warte doch auch auf die Dispo.
* Pferd schnaubt *
Wer ist gestorben? Der, der auf dem Weg lag?
* lacht *Ach wo. Das, was wir eben gedreht haben.
Man sagt das so, weißt du.
Die Einstellung, das kleine Stück Film, ist fertig.
Und das heißt bei uns "gestorben".
Ach so. Ich mag nämlich keine Filme, in denen Leute sterben.
Nee, der auf dem Weg lag, wird gerettet. Um den geht die Geschichte.
Wird spannend, musst du dir ansehen, wenn's im Kino läuft.
Das heißt, wenn's für Kinder erlaubt wird.
Und wie heißt der Film? - "Feuerschein im Zwielicht".
Könnte man auch über jemanden einen Film machen,
der Angst hat und sich deshalb in den Ruinen versteckt?
Natürlich kann man. Wenn einer so eine Geschichte richtig aufschreibt.
Könnte der auch?
[Reiter] Möglich, er ist ja schließlich Regisseur.
Seid ihr jeden Tag hier?
[Reiter] Nächste Woche wieder, aber da drehen wir nachts.
Als ich das hörte, habe ich gleich gesagt:
Das ist doch mal 'ne Idee von dem neuen Kollegen.
Solche Beratungen vor der Arbeitszeit, da ist man noch frisch
und kann danach die Sache gleich richtig in Angriff nehmen.
Ehrlich gesagt, habe ich nur aus der Not eine Tugend gemacht.
Ich kann Kathi abends nicht immer alleine lassen.
Kathi? Kathi? Natürlich, Kathi Montag. Ihre Tochter.
Die hat ja damals auf unserer Brigadefeier prima für Stimmung gesorgt.
Hey Onkelchen! Sollen wir dir 'n Steuermann rüberschicken?
Na, Rudern ist aber nicht Ihre Spezialstrecke.
In Hohenbergen gab es ja auch kein Wasser.
Dafür gibt's hier keine Berge, und ich kann bestimmt nicht gut klettern.
Aber ich rudere sehr gerne.
Darf ich mal? Nur ein kleines Stück.
Aber Sie können uns doch hier nicht... - Doch, ich kann.
Wir kaufen uns lieber ein richtiges Motorboot.
Wenn wir den Weg hier immer geradeaus gehen,
kommen wir direkt zur Regattastrecke.
[Petruschka] Aha. Und wie lange geht man da?
[Frau Klaroschewsky] Na, so ungefähr 20 Minuten.
Du wolltest doch Federball spielen.
Hätten Sie Lust?
Ja. * lacht *
[Frau Klaroschewsky] Ich spiele aber nicht so gut.
[Petruschka] Ach, das wird schon gehen.
* sie lacht *
* er lacht *
Ach.
* Zug knattert und pfeift *
* sie lacht *Ach du meine Güte.
[Petruschka] Das geht doch gut? - Ach, hören Sie mal.
* beide lachen *
[Kathi] Guten Tag.
Interessierst du dich für Angeln?
Ja, wenn Sie was fangen. - Hättest mal vorgestern kommen sollen.
Da hatte ich einen an der Angel, der war SO lang wie mein Arm.
Na, sagen wir mal bis hier.
* sie seufzt *
Immer läuft sie weg. Dauernd ist sie auf der Suche nach irgendwas.
Lernt immerzu irgendwelche Leute kennen.
Ich wollte als Kind auch immer mal irgendwo hinlaufen.
Einfach so.
Aber ich hatte nicht den Mut dazu.
Jetzt bin ich erwachsen, und alles geht ordentlich und planmäßig.
Und am Schluss saßen der Fischer und seine Frau wieder im Pisspott,
weil die Frau nie genug kriegen konnte.
Wenn es nun so einen Butt gäbe, was würden sie sich da wünschen?
Hm. Ja, was eigentlich?
Ich bin eigentlich ganz zufrieden.
Vielleicht 'ne hübsche Datsche am Wasser.
Das macht aber 'ne Menge Arbeit. - Da hast du recht.
Hier, halt mal, vielleicht beißt einer.
* Blässhuhn ruft *
Komm, ich helf dir.
So, der gehört dir.
[Kathi] Guck mal, ich hab einen Fisch gefangen.
Was? Du?
Ja, sie hat ihn selbst gefangen.
Siehst du! Immer glaubst du mir nicht, denkst immer, ich spinn mir was aus.
* tiefe, unheimliche Musik *
* Fisch stöhnt *
[Fisch] Wenn du mich ins Wasser zurückschwimmen lässt,
dann werde ich dir einen Wunsch erfüllen.
[Kathi] Ich wünsch mir ein ganz schnelles Boot.
* ruhige, verträumte Musik im Dreivierteltakt *
[Petruschka] Kathi, bummel nicht. Beeil dich ein bisschen.
* Musik verklingt *
Oh, da ist Anke. Sie hat doch alles organisiert.
Dass wir bei dir zu Hause sauber gemacht haben und so.
Ich wollt mich bei dir bedanken.
Weißt du, dass ihr bei mir wart.
Ganz schön rumgeräumt habt ihr. Manches hab ich gar nicht wiedergefunden.
Sollten wir etwa auf dich warten? Du warst ja um fünf noch nicht da.
Ich konnte eben nicht eher kommen, weil ich in einem Film mitspielen musste.
Du spinnst und spinnst.
Das war eben ganz schön blöd von dir.
Anke meint's doch bloß gut.
Du spinnst dir eben immer mal wieder was aus.
Das mit der kleinen Schwester hat ja auch nicht gestimmt.
Aber das mit dem Film stimmt, das werdet ihr ja sehen.
* Petruschka singt *
Du hörst jetzt bitte auf zu lesen.
Morgen früh ist wieder Schule.
Du, es kann sein, dass es bei mir heute Abend ein bisschen später wird.
Also, schlaf schön.
Tschüss, Petruschka. - Tschüss.
* Petruschka singt *
Unerhört, so was.
Na, Kleene, bist wohl von zu Hause ausgerückt, was?
Ach wo, ich muss heute bloß bei meiner Tante übernachten.
Die wohnt in Klein-Hagen.
* Stimmengemurmel und Unterhaltungsfetzen *
* Stimmengemurmel und Unterhaltungsfetzen *
[Frau] Schon das dritte Mal Nachtschicht diese Woche.
Wenn das vorbei ist, geht er auf Dienstreise.
[Frau] Ja, das passt mir auch nicht.
[Regisseur] Ich weiß doch, wo ich sie hingepackt hab...
[Mann] Fertig machen zum Drehen. - [Regisseur] Ruhe! Wir wollen drehen.
Und ab.
308, die Zwote. - [Regisseur] Bitte.
* Kamera surrt *
[Regisseur] Danke, gestorben.
[Mann] Sag mal, was willst denn du hier?
Bist du etwa allein gekommen, mitten in der Nacht?
Bitte, 1... Ich geh auch gleich wieder. Ich will bloß mal zugucken.
Und mit dem mal ganz kurz sprechen.
Du gehst auf sie zu und fasst...
Du bist gut, Kleine. Kurz mal mit ihm sprechen.
Hör mal zu, der hat bestimmt keine Zeit für dich.
Und wenn der dich erwischt...
Du wirst um 18:30 Uhr abgeholt... - [Kathi] Na gut.
Schade. - [Mann] Mhm.
Dann geht's eben nicht.
[Kathi] Tschüss. - Tschüss.
[Mann] 20er aus! - [Mann] Wasser marsch.
Pyrotechnik, bisschen Beeilung!
Wollen heute Nacht noch fertig werden, oder?
[Regisseur] Mach mir doch mal hier [unverständlich] ... müsste reichen.
* Stimmen, Lachen, Motorengeräusche *
Sag mal, wer hat dich denn hierherbestellt?
Niemand. Ich bin von allein gekommen.
Ich wollte mal so sehen, was hier in der Nacht so passiert.
Und ich wollte Ihnen mal ganz kurz was erzählen.
Hey Schwanti, wie lange haben wir noch?
Na ungefähr... 'ne Viertelstunde braucht die Pyrotechnik noch.
[Regisseur] Gut. Also, was gibt's?
Vielleicht wäre da mal so 'ne Geschichte für einen Film.
Hier in der Ruine ist früher mal wirklich was passiert.
Also: Warum läufst du weg? Mitten in der Nacht?
Ich... ich konnte nicht schlafen.
Und ich habe gedacht,
du hast vielleicht den Hausschlüssel vergessen, weil du doch weg warst.
Fang nicht noch an zu lügen!
Du tust immer gerade das, was dir einfällt. Ohne Rücksicht auf andere.
Du hintergehst mich.
Du nutzt die erste Gelegenheit, wo ich einmal abends weggehe,
und läufst wieder irgendwo rum.
Nee. Nein.
So können wir nicht zusammenleben. Ich jedenfalls nicht.
Ich schreibe Tante Tina, dass sie dich zu sich nimmt.
Dann können sie und Onkel Ronny abwechselnd auf dich aufpassen.
Aber ich will bei dir bleiben. Ich mach's auch nie wieder.
Du kannst auch ausgehen, auch abends.
* schnieft *
Hast du dich mit deiner Kollegin getroffen?
Ich werde mich mit niemandem mehr treffen.
Ich hab ja mit dir genug zu tun.
[Frau] So. Das kommt hierhin. Nimm das andere mal rüber.
Na Ja, da haben wir Ja 'ne ganze Menge verkauft.
Den und den.
Zwei Mark 50 zusammen.
Behaltet mal den Rest, ist ja für einen guten Zweck.
So Kinder, wir räumen dann zusammen, ihr müsst nach Hause.
Den Rest heben wir fürs nächste Mal auf.
Meine Mutti wird ein paar Taschentücher und Topflappen umhäkeln,
die bring ich dann zum nächsten Basar mit.
Schön.
Räumt dann zusammen. Na, Kathi willst du nicht einpacken?
Ist was?
Ich hab meine Sachen alle selber gemacht.
Kannst ja ein paar Fotos von dir mitbringen. Kathalittchen als Filmstar.
* Gelächter *
Sag mal, hast du noch ein bisschen Zeit für einen kleinen Umweg?
Ich will dir was zeigen, das hast du bestimmt noch nicht gesehen.
[Franzi] Deshalb haben sie die Schleuse gebaut.
Sie gleicht das Gefälle des Wassers aus.
Ohne sie könnten die Schiffe nicht weiterfahren.
[Kathi] Hier gefällt es mir. Hier könnte ich stundenlang stehen.
Hier gibt es immer was zu sehen.
Früher, da wollte ich Bootsmann werden. Aber sie nehmen natürlich keine Mädchen.
Und darum sind Sie Pionierleiterin geworden.
Ja, die Arbeit mit Kindern...
Weißt du, das ist doch auch ganz schön.
Du, zum Beispiel, erlebst immer was, denkst dir was aus.
Aber alle behaupten, ich würde bloß spinnen. Auch mein Vater.
Er sagt, das kommt davon, dass ich an einem Sonntag geboren bin.
Das sagt er sicher nur aus Spaß. - Bestimmt nicht.
Vater meint immer alles ernst.
Weißt du Kathi, vielleicht müsstest du dir mal was ganz Besonderes ausdenken.
Etwas, wo auch die anderen aus deiner Klasse Spaß dran hätten.
Aber die können mich doch alle nicht leiden.
Und der Blechschmidt gibt immer seine komischen Bemerkungen dazu.
Komm, Kathi. Wir müssen jetzt gehen.
Den Weg hierher kennst du ja jetzt.
Weißt du, manchmal muss man sich auch überlegen,
ob man nicht selbst etwas falsch macht.
Das stimmt schon, aber die interessieren sich doch nicht für so was.
Ich würd's an deiner Stelle mal versuchen.
Wenn du einen Vorschlag hast, sag es mir.
* Stimmengewirr *
* Kinder rufen *
Mikki! Mikki!
* Stimmen reden und rufen durcheinander *
Moment mal.
Tag, Kathi. Find ich gut, dass du bei uns mitmachen willst.
Die Mädchen da wissen, wo du dich anmelden musst.
Ich muss mit dir über was anderes sprechen. Es ist sehr wichtig. Bitte.
Mensch, Kathi. Immer hast du irgendein Problem oder so.
In deiner Klasse können doch nicht bloß Pfeifen sein. Ich meine...
Das ist es ja gerade!
Ich will denen aus der Klasse was zeigen, was sie vielleicht auch interessiert.
Und dazu brauch ich dich. Wirklich.
[Junge] Hey, Mikki, wir warten!
Ich komme heute Abend mal rum.
[Kathi] Guck mal, hier. - [Junge] Pass uff, das kann abbröckeln.
Da, der Ring, da haben sie ihre Gefangenen angeschmiedet
oder bloß die Pferde angebunden.
So, nun habt ihr euch alles angeguckt.
Und jetzt erzähl ich euch, wie damals alles war.
Ich hab keine Zeit, mir irgendwelche Geschichten anzuhören.
Du hast mir versprochen, dass du mir hilfst, wenn ich dich brauche.
Das mit Mario hat auch drei Stunden gedauert.
Jetzt wird sie uns irgend so ein Märchen auftischen.
[Kathi] Überhaupt kein Märchen. Das ist alles wirklich passiert.
Das war irgendwann ganz früher, im Krieg.
Der Junge hat sich hier versteckt und hat Hunger gehabt.
Und hat auch gefroren und immer bloß gedacht:
Wenn mich bloß keiner findet.
Er sollte nämlich mit einem Gewehr auf die sowjetischen Soldaten schießen.
Eines Tages kam sein bester Freund, der kannte das Versteck hier.
Der Junge war froh und dachte, nun wäre er nicht mehr so alleine.
Und sie könnten gemeinsam warten, bis der Krieg zu Ende ist.
Na und? Wie ging denn das nun weiter?
Stellt euch mal vor, so hat der Freund ihn angeschrien:
Du bist ein Verräter, du bist ein gemeiner Feigling,
weil du nicht kämpfen willst.
So hat er ihn beschimpft und gesagt, er soll sofort mitkommen.
Der Junge war viel stärker als sein Freund.
Er hat ihn immer beschützt vorher.
Gegen alle. Aber da hat er ihn gepackt, und furchtbar haben sie sich geprügelt.
Hier auf den Stufen.
Was denn? Er hat seinen besten Freund verprügelt?
Na klar, wenn er ihn verraten wollte.
Danach hat er den Freund da reingeschleppt
und mit einer Decke zugedeckt.
Er saß so bei ihm, aber sie haben kein Wort miteinander gesprochen.
Einen Tag und eine Nacht. Bis der Krieg zu Ende war.
Aber der Mann hat nie wieder so einen Freund gefunden.
Trotzdem. Sie hätten sich doch wieder vertragen können.
Haben sie aber nicht. Und jetzt sollt ihr das vorspielen.
Die in der Klasse sollen mal erleben, wie spannend so 'ne Geschichte ist.
Was hier an der Ruine mal wirklich passiert ist.
Mal sachte, sollen wir uns etwa auch blutig hauen?
Ach wo, ihr tut bloß so. Im Film machen die es ja auch so.
Der Regisseur hat gesagt, das wäre eine dramatische Szene.
Das bedeutet, dass sie spannend ist.
Du kommst die Treppe hoch. - Ich will lieber den Jungen spielen.
Nein, du spielst den Freund.
Wieso? Ich bin größer als er.
Mensch, ich bin trainiert, du wirst erleben, dass ich stärker bin.
Also, wie gesagt:
Ihre Leistungen im Fach Deutsch sind gut, ich möchte sogar sagen sehr gut.
Aber in Mathematik hat sie Schwierigkeiten, sagt der Fachlehrer.
Ich versuche, ihr zu helfen, aber ihr Verhältnis zu Zahlen und exakten Werten
ist mir unbegreiflich.
Ich fürchte, da verliere ich dann einfach zu schnell die Geduld und...
Es wäre eben wünschenswert,
wenn Katharina mehr Kontakt zum Klassenkollektiv hätte.
Anke zum Beispiel.
Wenn sie mit ihr gemeinsam die Hausaufgaben erledigen könnte,
das wäre ein Gewinn für Katharina.
Da bin ich sicher.
Aber...
Da liegt das Problem.
Mhm.
Meinen Sie nicht auch, dass Ihre Tochter ein wenig zu sehr Einzelgängerin ist?
Eigentlich nicht.
Im Gegenteil.
Sie kennt hier schon mehr Leute als ich.
Und macht dauernd neue Bekanntschaften.
Sie hat auch einen Freund, freilich nicht in ihrer Klasse.
Ich glaube schon, dass es Vorbehalte gegenüber Kathi gibt.
Ich habe ja selbst meine Schwierigkeiten mit ihr.
Du gehst jetzt die Treppe hoch und rufst ganz laut:
"Komm heraus, ich Kenn dein Versteck."
Los.
Scheiße. Ich bring lieber eine Maschinenpistole mit.
Die knallt richtig, sage ich euch. Dann schieß ich in die Luft
und dann ruf ich: "Komm raus, du feiger Hund, oder du sollst mich kennen lernen."
So war das gar nicht früher. Der Freund hatte doch überhaupt kein Gewehr.
Und außerdem darfst du nicht so laut sein.
Und du musst ihm sagen, dass er leise sprechen soll.
Das ist überhaupt nicht spannend,
Du hast doch gesagt, dass es spannend werden soll.
Ich spring hier rauf und runter, schlag ihm die Waffe aus der Hand,
heb sie blitzschnell auf und halt sie ihm entgegen.
Na schön. Aber in Wirklichkeit hatte er gar kein Gewehr.
[Junge] Gib mir mal das Ding.
Komm raus du Verräter. - Halte deine Zunge im Zaum.
* er stöhnt *
Hast du dir wehgetan?
Irgendwas ist mit meinem rechten Arm.
Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind.
Es war sehr gut, dass wir gesprochen haben.
Ach, meine Aktentasche. - Moment.
Die muss noch drin sein. Man ist doch immer in Gedanken.
Guten Tag.
Auf Wiedersehen, Kathi.
Auf Wiedersehen, Herr Montag. Vielen Dank für den Kaffee.
[Petruschka] Auf Wiedersehen, ich danke Ihnen.
Auch das noch. - Wieso?
Dein Lehrer ist ein verständnisvoller und vernünftiger Mann.
Er hat wahrhaftig wenig Zeit und kommt extra hierher.
Komm doch mal rein. Ich möchte mich mal in Ruhe mit dir unterhalten.
Bitte, Petruschka. Jetzt nicht.
Mir ist ja so schlecht.
Vielleicht von so viel Eis oder Bonbons.
Bitte! Mach mir doch solch bitteren Tee, wie mir Tante Tina immer gegeben hat.
Vielleicht hilft der. - Du willst Wermuttee trinken?
Dann geh lieber gleich ins Bett. Ich bring inzwischen den Tee.
* beschwingte Jazzmusik *
[Radio] In unserer Vormittagssendung für die Hausfrau
spricht heute Dr. Klaus Müller zum Thema: Gut essen und schlank bleiben.
[TV] Es ist Ihnen doch klar, Kollege Kahlert:
für diese Verletzung der Arbeitsschutzbestimmungen
tragen Sie allein die Verantwortung.
* Störgeräusch *
* Schlüssel im Schloss *
Guten Tag, Kathi.
Die sind für dich, mit meinen besten Wünschen, dass du bald gesund wirst.
* sie lacht *
* sie summt *
Dein Vati hat mich hergeschickt, der kann doch jetzt nicht weg.
Soll ich dir was zu essen machen? Ich hab Zwieback mitgebracht.
Was soll ich denn deinem Vater jetzt sagen?
Wenn es dir so schlecht geht, werd ich dir wohl einen Wermuttee machen müssen.
Ich bin ja gar nicht krank. Ist bloß alles schiefgegangen.
Alles. Die ganze Überraschung, die ich mir ausgedacht hatte für die Klasse.
Mikki hat sich den Arm gebrochen.
Er so lange trainiert und jetzt kann er nicht am Wettkampf teilnehmen.
Und ich bin schuld.
Hört bitte mal einen Augenblick zu. Ist Kathi nicht da?
Sie wollte mir Bescheid sagen wegen des Pioniernachmittags.
[Kinder] Nö! - Ihr Vater hat sie entschuldigt.
Sie hat Magenschmerzen. - Schade.
Sag mal, Marina, kannst du bei ihr vorbei gehen und fragen,
ob sie länger krank sein wird?
Mach ich. - Danke schön.
Tschüss. - [Kinder] Tschüss.
Unser Kathalittchen isst 'n Apfel und wird krank wie Schneewittchen.
Wenn jemand krank ist, braucht man darüber nicht zu spotten.
Aber trotzdem, dass die was für den Pioniernachmittag vorbereiten wollte,
das glaub ich nicht, ist doch nur Spinnerei und Angabe bei der.
Ich muss jetzt gehen, Kathi.
Und ich verlass mich auf dich.
Ich gehe auch morgen wieder in die Schule und erzähl Franzi alles, was los war.
Aber Anke und Jürgen und alle, die brauchen das doch nicht zu erfahren.
Nein, Kathi. Sag ihnen, was du vorhattest. Sei ganz ehrlich.
Dann werden sie dich auch verstehen.
Und wenn nicht alle, dann eben nur einige.
Alle überzeugen...
Das ist sowieso sehr schwierig. Sogar für Erwachsene.
Tschüss. Bis morgen.
* Tür klappt zu *
* verträumte Musik im Dreivierteltakt *
Komm Kathi, ich brauche dich für eine dringende Aufnahme.
Leider muss die Überraschung ausfallen, das seht ihr doch ein.
Komm!
* träumerische Musik wird lauter *
* Kinder reden durcheinander *
[Junge] Will uns Kathalittchen etwa diese olle Bruchbude vorführen?
Blödhahn! Du kannst von mir aus gleich wieder gehen.
Na, na, na! Schreit hier nicht rum ..
Kathi will uns was erzählen, und das hören wir uns erstmal in aller Ruhe an.
Na ja, ich wollte... Na, ich habe hier jemanden getroffen.
Deine Filmfritzen, das wissen wir schon.
Gar nicht. Einen alten Mann. Na ja, ziemlich alt war er schon.
Im Krieg war er noch ein Junge.
Der hat mir erzählt, was er damals erlebt hat.
Thilo und Mikki, zwei Jungen, die ich kenne, die wollten es vorspielen, aber...
Ja, ja. Wenn ich das schon höre. Vorspielen.
Immer willst du anderen was vormachen.
[Franzi] Ich versteh euch nicht. Lasst Kathi doch mal ausreden.
Der Baggerfahrer, den sie hier getroffen hat,
hat ihr wirklich eine sehr interessante Geschichte erzählt.
Auch für euch interessant.
Damals, es war gerade Frühling...
Mmm... Du, das ist verboten! - Wieso denn auf einmal?
Ja, Betreten der Anlagen ist verboten.
Na, muss ja nicht jeder gleich sehen.
Hm. Immer der korrekte Kollege Abteilungsleiter.
[Petruschka] Tag! - Tag!
Wie geht's ihrem Mikki? Kathi macht sich Sorgen wegen seines gebrochenen Arms.
Na so was. Kann doch jedem Jungen mal passieren.
Er hat den Arm 'ne Weile in Gips, und weil es der Rechte ist,
braucht er den nächsten Klassenaufsatz nicht mitzuschreiben.
Grüßen Sie ihn bitte von uns. - Ja, mache ich. Wiedersehen.
Ein sympathischer Kollege.
Dasselbe sagt man übrigens von dir.
Ja, gleich am ersten Tag hat man mir das gesagt.
Oh.
Wollen wir mal wieder in unser kleines Café gehen?
Ja gerne, aber nicht heute.
Ich habe eine wichtige Verabredung.
Mit deiner Tochter.
* Kinderstimmen *
[Franzi] Seid vorsichtig, dass nicht wieder jemand stürzt.
[Junge] Ja, aber kommen Sie doch mal hoch,
vielleicht ist hier ein Schatz verborgen.
Früher gab's hier mal Raubritter.
In solchen Burgen haben sie immer Leute eingesperrt.
Haben gewartet, bis sie 'n dickes Lösegeld gekriegt haben.
Richtige Kidnapper.
Du solltest dir mal was ausspinnen, von einem Burgfräulein,
oder von einer weißen Dame, die immer spukt.
Die würde ich dann spielen.
[Jürgen] Typisch für ein Weib. Hier sind Panzer gerollt und Granaten geflogen,
und da willst du als Gespenst rumgeistern?
Bloß weil du denkst, du kannst mal Schauspielerin werden.
[Mädchen] Ist doch viel interessanter, was hier früher passiert ist.
Tatsache: Du spinnst.
Findest du nicht, dass man mit dem Wort "spinnen" etwas sparsamer sein sollte?
Na ja, wir müssten mal alles erforschen, was hier früher so passiert ist.
Aber nicht von den alten Blechrittern und Gäulen.
[Anke] Also passt mal auf:
Jeder kriegt ein Auftrag und muss was Bestimmtes untersuchen.
Ich schlage vor...
Siehst du? Alle sind begeistert von der Ruine.
Und du hast sie entdeckt.
[Anke] Auf Brigadebasis.
[Kind] Der Ausflug hat richtig Spaß gemacht...
Ich lauf mal voraus, ich werde nämlich von jemanden abgeholt.
Na los.
* träumerische Gitarrenmusik *
Sind Sie extra wegen mir gekommen? - Na ja.
Ich wollte doch wissen, ob alles gut gegangen ist.
Ja, zuletzt ging alles gut. Sie haben mir zugehört.
Und jetzt wollen wir erforschen, was früher hier passiert ist.
Na siehst du. Geht doch.
Aber mein Vater... Mein Klassenlehrer war bei ihm,
und er sagt, dass er sich ernsthaft mit mir unterhalten muss.
Und er will mich zurückschicken zu Tante Tina.
Weil ich immer irgendwo rumlaufe.
* Boothupen *
Aber ich möchte doch so gerne hierbleiben.
Da müssen wir doch mal mit deinem Vater reden, was?
* fröhlich-beschwingte Musik *
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