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Dieser Film, der ohne Schauspieler gedreht
wurde, wurde mit Männern und Frauen gemacht...
die einen Teil ihrer Zeit dem Experiment gewidmet haben...
die Wahrheit zu filmen.
Ein Gespräch am runden Tisch ist eine hervorragende Idee.
Aber ich frage mich, ob sie durchführbar ist...
ein Gespräch auf natürlicher Weise vor einer Kamera aufzunehmen.
Zum Beispiel, wird sich Marceline entspannen und normal reden?
Sie kann's versuchen.
Es wird nicht einfach sein.
Ich werde sicher nervös sein.
Nervös wovor?
Nervös, für den Fall...
dass ich's nicht schaffe.
Sind Sie jetzt nervös?
Noch nicht.
Dann schaffen Sie das schon.
Morin und ich wollen nur, dass Sie...
ein paar Fragen beantworten.
Wenn Ihnen etwas stört, kann es immer ausgeschnitten werden.
Okay?
Solange Sie es ruhig angehen lassen.
Er ist der Tyrann!
Greif an, Morin.
Gut! Los geht's.
Sie haben von den Fragen keine Ahnung...
Wir übrigens auch nicht. Was wir im Sinn haben...
ist ein Film zu machen, über wie die Menschen leben.
Sie sind unser Ausgangspunkt: Wie leben Sie?
Anders gesagt, was machen Sie in ihrem Leben?
Wir fangen mit Ihnen an, weil Sie das Zentrum unseres Experiments bilden.
Was machen Sie den ganzen Tag?
Arbeiten, meistens.
Ich arbeite für ein Marktforschungsunternehmen.
Ich interviewe Leute...
Ich analysiere und berichte über die Interviews.
Der Job hält mich auf Trab.
Gefählt's Ihnen?
Wenn sie morgens das Haus verlassen...
haben Sie ein Plan für den Tag?
Ich weiß, was ich tun soll.
Aber ich schaff nicht immer alles.
Ich weiß nie, was ich am nächsten Tag tun werde.
Ich lebe nach dem Prinzip, dass die Zukunft auf sich selber aufpassen kann.
Für mich liegt das Abenteuer gleich um die Ecke.
Wenn wir Sie rausschicken würden, um Menschen zu fragen...
ob sie glücklich sind, würden Sie's tun?
Entschuldigen Sie, sind Sie glücklich?
Er sagte, verpiss dich.
Keine Angst, wir beißen nicht.
Es kommt drauf an, was Sie meinen. Ich bin glücklich verheiratet...
Können Sie's mir nicht ansehen?
Sie scheinen sehr heiter zu sein.
Ja, ich freue mich, dass ich lebe... auch, wenn ich 60 bin...
Und ich habe jeden Tag einen langen Weg zur Arbeit...
Ich bin gesund und habe einen netten Mann.
Es drauf an...
wie viel Geld man hat. Für Arbeiter ist das Leben kein Spaß.
Ich habe genug Probleme.
Aber Sie sind nicht unglücklich?
Meine Schwester is tot.
Mitt 44... Ich habe alles satt, dass kann ich Ihnen sagen.
Ich versuche nicht einmal mehr, die Dinge zu verstehen.
Sie sind unglücklich?
Eine Frage der Philosophie...
Wir anstellen eine Nachforschung über das Glück.
Und sie haben keine Namen zu zitieren? Was wär's mit Descartes, zum Beispiel?
Ich lese das gerade...
Wir stellen eine Nachforschung...
Dürfen Sie nicht reden?
Versuchen Sie's, wenn ich nicht in Uniform bin!
Ich war glücklich, ich war traurig. Ich hatte ein bisschen von allem...
Man kann nicht das Leben nur so haben, wie man's will.
Ich bin unglücklich, weil ich alt bin.
Ich bin 79...
Ich wurde 1882 geboren.
Sind alte Menschen immer unglücklich?
Ich habe meine Frau verloren.
Ich bin jetzt ganz alleine. Ich muss die Miete für mein Zimmer jeden Monat zahlen.
Sind sie glücklich?
Wir sind jung, es ist okay...
Daniel hat mir gesagt, dass Sie bereit sind, sich interviewen zu lassen.
Ich habe nur eine Frage an Sie.
Sind Sie mit ihren Lebensbedingungen zufrieden?
Uns fehlt nichts... Alles war wir wollen, ist in der Welt weiterzukommen.
Wir dürfen nicht meckern, denke ich.
Ehrlich gesagt, können wir nicht meckern. Wir tun's nicht. Aber...
Um etwas zu erreichen, muss man arbeiten.
Das ist nicht der Punkt. Wir müssen schon ein bisschen schummeln, um durchzukommen.
Es stimmt... Ich antworte einfach Ihre Frage.
Keiner könnte es schaffen, wenn jeder sich komplett an das Gesetz hielt.
Wenn ich jeden Kunden eine Rechnung erstelle...
Wenn ich bei der Buchhaltung nicht schummeln würde, würden wir's nicht schaffen.
Manchmal bin ich glücklich... kommt drauf an...
Paris macht kein Spaß, seien wir ehrlich. Der Dunst, keine Sonne...
Sie arbeiten die ganze Woche. Am Sonntag haben Sie Angst, das Auto zu beschädigen.
Sie stellen Stühle und einen Tisch am Straßenrand auf...
Eine nicht angelegte Fahrbahn könnte das Auto beschädigen.
Sie brauchen Stunden, um nach Hause zu fahren. Ist das vernünftig?
Leben Sie anders?
Ich versuche... wir versuchen...
nur Dinge zu tun, die Spaß machen.
Was für Dinge?
Na ja, meine Freunde und ich blödeln herum,
wir tun Dinge, die nie nützlich sein werden
und die im Allgemeinen unsere Zeit verschwenden.
Wie heißen Sie?
Henri, ich habe gehört, Sie sind glücklich?
Ich weiß es nicht... Für mich ist das Glück kein Ziel.
Ich versuche... ein normales Leben zu führen...
Ehrlich mit mir selbst zu sein...
Dass wir jetzt zu zweit sind ändert nichts.
Wir versuchen einfach gemeinsam zurechtzukommen.
Und Sie?
Ich wohnte zu Hause, bis ich 17 war.
Dann bin ich mit Freunden ins Geschäft eingestiegen,
um schnell Geld zu verdienen... natürlich!
Harte Arbeit ist wirklich eine Zeitverschwendung, besonders, um nur Geld zu verdienen.
Uns sind ein paar Louise Phillipe-Kasten in die Hände gefallen.
Wir haben sie zerlegt...
und sie als Louis XVI-Antiquitäten verkleidet.
Die Leute waren von dem alten Holz angetan.
Es ist nicht leicht, das echte Alter zu erkennen...
Manchmal haben wir Stützen auf jeder Seite hinzufügt.
Und wir haben auch die Schubladen, bis auf drei, reduziert.
Später haben wir auch Louis XIV-Stücke gefälscht.
Wir haben Kurven und ein neues Furnier hinzugefügt.
Hat sich der Job gelohnt?
Der Lohn war okay... aber ich hab's aufgegeben.
Jetzt verklagen sie mich... Das ist typisch in der Geschäftswelt.
Es ist furchtbar! Ich habe nichts daraus verdient, aber ich habe meine Lektion gelernt.
Es ist ein Totalverlust.
Ich bin Maler... Ich habe keine Theorien...
Ich lerne durch das Malen. Ich liebe es...
Und es hilft mir dabei, andere Künstler zu verstehen.
Was tun Sie jeden Tag?
Wir sind schon seit anderthalb Jahren zusammen...
Es war wie in den Flitterwochen...
In der Früh blieben wir meistens im Bett... haben gelesen...
Am Nachmittag haben wir gemalt...
Zumindest haben wir's in den letzten sechs Monaten so getan.
Wir wollten immer reisen und im letzten Mai sind wir... Es waren unsere Flitterwochen.
Wir waren bis September weg...
Wir haben ein Atelier in einem alten Haus gemietet... in der Camargue.
Wir waren total pleite und mussten irgendwie zahlen.
Unsere Entdeckung war, dass das Leben dort dasselbe ist wie hier...
Ich malte Namen auf Boote... alles Mögliche... Wir lebten gut von 2 Stunden Arbeit pro Tag.
Wir lagen in der Sonne, haben ein bisschen gemalt...
Ich mache mir keine Sorgen um das Glück.
Es ist sowieso ein leeres Wort.
Das Glück, das Unglück, es ist dasselbe.
Sie sollten nicht im Wörterbuch stehen.
Kummer ist eine andere Sache...
Wir haben nicht viel Geld, aber sogar wohlhabende Freunde von uns haben nicht...
die Bücher und Schallplatten, die wir haben.
Wenn wir ein Bild verkaufen...
kaufen wir etwas, dass das Leben reicher machen wird.
Wenn ich bedenke, dass man jeden Morgen zur gleiche Zeit aufwacht...
Man frühstückt... nimmt dieselbe Straße zum Bahnhof...
Man kommt am Bahnhof an...
Man geht die Treppe hinauf, steigt in den Zug ein...
Geht jeden Tag durch denselben Tor...
Man stempelt sich ein...
Man sitzt an seinem Arbeitstisch und zeichnet...
Es ist dasselbe beim Mittagsessen.
Man redet, isst, geht zurück an die Arbeit und am Abend...
nimmt man denselben Zug nach Hause, man isst, geht zu Bett...
Es ist immer dasselbe und ziemlich albern.
Wenn ich morgens die Fabriktoren erreiche, spüre ich ein gewisses...
Ich werde mich auflehen. Aber dann denke, was soll's!
Ich habe nie jemanden sagen hören, dass er sich für seinen Job interessiert.
Fühlen Sie sich auch so, Angelo?
Ungefähr.
Viele Leuten wollen weitermachen, seine Lage verbessern...
Die Arbeiter wollen Techniker werden...
Die Techniker wollen...
ich weiß nicht... Ingenieure werden, vielleicht.
Also machen sie Unterrichten.
Das ist die Hoffnung... Aber warum gehen so viele weg? Um auf der Arbeitssuche zu gehen.
Viele gehen weg und müssen dann auf der Arbeitssuche gehen, also kehren sie zurück.
Manche gründen ihr eigenes Geschäft und sind erfolgreich. Die anderen kehren zurück.
Die Büroangestellten haben denselben Problem.
Es ist dasselbe, egal, wo man arbeitet...
Egal, was für ein Unternehmen es ist. In einer Fabrik...
Es ist dasselbe. Die Arbeit ist so aufgeteilt, so organisiert...
Bei einem monotonen Job... Und man hat es satt. Es ist immer dasselbe.
Ich glaube, ich arbeite 24 Stunden am Tag.
Stimmt, unsere Schicht ist nur neun Stunden.
Aber den Rest der Zeit...
Man schläft, damit man arbeiten kann.
Also ist es eh immer das gleiche - dauernd arbeiten.
Sie wollten Landry kennenlernen. Hier ist er.
Warum bist du hier?
Ich bin Student in Villeneuve.
Es ist ein schöner Ort.
Ich arbeite bei Renault.
Dieses Wort ist in jedem Haushalt in Afrika bekannt.
Es ist das einzige Auto, den wir kennen!
Aber ich konnte nicht in einer Fabrik arbeiten.
Man ist eingeschlossen...
Den ganzen Tag von Larm umgeben.
Du hast recht, es ist furchtbar!
Ich weiß nicht, wie wir das schaffen.
Die Regeln, das schlechte Gefühl unter den Männern...
Das Mobbing durch den Bauführer und das Management.
Das ist es, was es so furchtbar ist.
Du sagst, du könntest es nicht schaffen...
Aber manchmal ist es entweder das oder nichts.
Als du nach Frankreich gekommen bist...
Und alles und jeder war dir neu.
Darüber möchte ich was hören.
Ich habe absolut niemanden gekannt... niemand...
Ich hatte keine Ahnung, wie die Franzosen lebten...
Aber kam ich zurecht... irgendwie.
Für jemand wie ich... es ist nicht einfach.
Ein Afrikaner in Frankreich muss sich anpassen.
Noch etwas... Manchmal...
Leute kriegen schon einen Minderwertigkeitskomplex...
Für mich war das bestimmt so.
Das wollte ich dich fragen...
Leidest du noch immer darunter?
Jetzt nicht mehr. Mir wurde schnell klar...
dass Frankreich nicht wie das französische Afrika ist.
Keine Hauptfarben-Probleme?
Nicht ganz, aber ich habe ein System, um es zu besiegen.
Wenn die Tür vor mir schließt, drehen ich mich um und gehe.
Weiter so!
Was hältst du von den Arbeitern?
In Frankreich? Ich weiß nicht, was ich denken soll.
Wirklich nicht. Jeder kleiner Arbeiter...
besitzt sein eigenes Auto, hat viel Spaß.
Vielleicht ist es nicht so, wie in Afrika.
Bei Renault haben 80% der Kerle ihr eigenes Auto.
Der französische Arbeiter ist ein Individualist.
Er arbeitet nur für sich selber.
Er will seinen Lohn, also schuftet er weiter.
Er spart sich jeden Bissen vom Mund ab...
um mit den Wohlhabenden mithalten zu können.
Aber ist ein armer Typ... ehrlich!
Ich bin immer pleite, aber ich mag gutes Essen.
Manche der Kerle bei Renault...
ernähren sich mit Brot und und Käse.
Aber wie du sagst, sie haben ein Auto.
Natürlich sagst du, der franzöischer Arbeiter...
hat es nie so gut gehabt.
Er kann sich ein Auto oder ein Haus leisten...
Aber glaub's nicht.
Ich lebe mit ihnen, ich weiß es.
Siehst du einen Arbeiter in einem Restaurant...
und er wird ganz schön angezogen sein...
aber trotz alldem ist er arm.
Er hat sich jeden Bissen vom Munde abgespart, um sich diesen Anzug leisten zu können.
Es ist alles nur eine Rolle... ein Scherz...
Am Montag wird er dann wieder am Arbeitstisch sitzen.
Du würdest nicht glaube, dass er derselbe Mann ist.
Ich kann mich an den Jahren erinnern, als Sie kein Zuhause hatten...
Wie das Ihr ganzes Leben beeinflusst hat.
Jetzt sind Sie in Clichy...
Es ist luftig... ruhig...
Erzählen Sie uns über dieses Problem.
Kein Zuhause zu haben, war sehr beängstigend.
Es ist furchtbar, anderen ausgeliefert zu sein.
Zuerst lebten wir in einer Pension.
Wir haben alles durch den Wänden gehört.
Und die Flöhe! Ich wollte draußen schlafen.
Natürlich wollte ich nicht, dass sie das tut.
Ich hatte noch nie ein Krabbeltier gesehen!
Ich bin gegen 5 Uhr morgens aufgewacht...
Ich wusste nicht, was diese Flecken waren.
Dann eines Tages, als ich aufwachte...
war einer dieser Viecher auf der Wand.
Den Ersten, den ich sah! Ich habe geschrien!
Für mich waren sie nichts Neues.
Aber Simone wollte draußen schlafen...
Und ich wollte das nicht. Die Idee war...
Alles Mögliche kann nachts passieren...
Ich wollte nicht, dass sie auf dem Gras schläft.
Ich hatte Freundin im Büro davon erzählt...
Und sie sagte, dass diese Krabbeltiere wie...
komisch... wie Blutstropfen auf meiner Haut waren.
Die ganze Nacht blieb ich wach, und dachte...
Ich konnte das Blut spüren. Es war furchtbar!
Ich habe mich gefragt: Sind Sie glücklich?
Mehr oder weniger.
Ich schäme mich, es zu sagen... das Geld.
Das zu tun, was man will...
Meine Zeit meinen Interessen zu widmen.
Es kommt auf das Gleiche hinaus, denn mit Geld kann man machen, was man will.
Warum sind Sie jetzt glücklich?
Aber...
Ich zähle mich als glücklich, weil...
ich meine Familie liebe und mein Job gefällt mir.
Arbeit für mich ist wie verschwendede Zeit.
Aber Sie haben...
beide für ein besseres Leben gekämpft.
Lassen wir's.
Die Ideale können nicht immer verwirklicht werden.
Entweder man akzeptiert oder man lehnt ab...
was das Leben dir anbietet.
Man muss anpassungsfähig sein...
Wer gänzlich anpassungsfähig ist, hat Glück.
Ich bin wie ein geistiges Schlachtfeld.
Ein Teil von mir möchte sich anpassen, und der Rest nicht.
Und was passiert mit dem Rest?
Na ja, ich halte ihn intakt...
Oder besser gesagt, ich passe eifersüchtig auf ihn auf.
Und was ist dieser Teil?
Mein wahres Ich.
Ich glaube, die Tragödie unserer Zeiten ist...
dass kaum jemand seinen eigenen Beruf auswählt.
Man wählt ihn nicht - man fällt hinein.
Man braucht... wenn nicht ein Diplom...
dann wenigstens einen Job... eine offizielle Stellung.
Sonst hat man keine Papiere, und keine Arbeitserlaubnis.
Ein Mensch heutzutage... Was ist ein Mensch heutzutage?
Ein Ausweis... ein Haufen Formulare.
Das ist der Mensch heute, nicht wahr?
Nicht jeder ist ein Künstler... oder sogar ein Handwerker! Jetzt sind wir Maschinen.
Wir kämpfen gegen die Langweile durch einen langweiligen Job.
Ohne Interesse oder Zweck...
Aber selbstverständlich muss der Job erledigt werden.
Man muss ihn bis 18 Uhr aushalten.
Nach 18 Uhr versucht man, sich selber wiederzuentdecken.
Einen anderen Mann werden... eine andere Person.
Er lebt, er ist echt!
Aber er ist noch immer ein Gefangener...
Der Arbeiter trägt die Handschellen.
Langsam muss die Beschäftigung mit dem eigenen Beruf...
zugunsten dessen reduziert werden...
was ich die 'Grenzexistenz' nenne.
Gibt es irgendwas, an dem Sie glauben?
Ich glaube an das Leben..Ich glaube...
an die Möglichkeit der Erfüllung...
trotz und wegen allem.
Sie sind 27 Jahre alt, eine Italienerin, die in Paris lebt.
Diese drei Jahren stehen in völligem Gegensatz...
zu Ihrem Leben in Cremona...
in einem bürgerlichen Haushalt.
Hier leben Sie in einem Dienstmädchenzimmer.
Sie sind Ausländerin, Sie kennen Männer...
Paris ist Ihnen vertraut worden.
Sie haben neue Freundinnen gemacht.
Gibt es etwas Neues, dass Ihnen übrigbleibt?
Sie haben von den Veränderungen in meinem Leben gesprochen...
Mein Dienstmädchenzimmer hatte seinen Nutzen...
Ich habe einige Winter da verbracht.
Es gab keine Heizung.
Früher war mir noch nie kalt.
Es war ein Beschwichtigungsmittel für mein Gewissen.
Ich freute mich, dass ich eine harte Zeit durchmachen musste.
Es war das erste Mal, dass ich jemals gearbeitet hatte.
Ich würde um 7 Uhr morgen erschöpft aufstehen, aber...
war fast froh über die Menschenmenge zur Hauptsverehrzeit.
Ich glaube, ich hatte das Gefühl, dass ich da hingehörte.
Aber das war nicht von Dauer.
Jetzt habe ich die Nase voll von meinem Zimmer und der Kälte.
Ich hasse die Metro zur Hauptverkehrszeit.
Und ich finde, der Kontakt zu anderen Menschen...
ist sinnlos... Ich mag's nicht.
Aber Sie haben ein Ziel... eine Hoffnung?
Um ehrlich zu sein... ich weiß es nicht.
Manchmal freue ich mich, dass ich in Paris bin...
Ich fühle, als ob ich eine verlorene Zeit nachgeholt habe...
Als ich hierher kam, fühlt ich mich gestrandet...
Ich war so in mir selber eingeschlossen und isoliert...
als ich in Italien lebte.
Ich hatte meine inneren Ressourcen erschöpft.
Ich wollte mit der Realität konfrontiert werden.
Ich frage mich, ob das der richtige Weg war.
Zum Beispiel, trinke ich... verstehen Sie...
Als ich nach Frankreich kam...
wollte ich alle Alibis loswerden.
Ich wollte nach meinen eigenen Vorstellungen leben.
Ich habe mein falsches Denken zerstört...
aber habe es durch das Trinken und durch Männer wiedergefunden.
Schlicht gesagt: Im Müll.
Aber was verstehen Sie under dem Begriff, die Realität?
Ist es ein Job, für den Sie sich interessieren?
Zu tun, was Sie wollen? Oder mit einem Mann
zu leben, der Sie liebt, und keine Affären zu haben?
Ich möchte einen Job haben, der mir keine Angst macht...
Ich möchte mit jemanden leben... für eine Stunde...
zwei Stunden, zwei Wochen sogar.
Einfach mit ihm sein... ohne...
irgendwelche Geister, die mich davon abhalten würden, ihn zu lieben.
Aus mir raus zu kommen... sterben sogar...
Mit der Voraussetzung, dass ich mit etwas in Kontakt komme.
Anstatt immer wieder auf mich selbst zurückgeworfen zu werden.
Ich habe nicht einmal das Recht...
mich selber umzubringen... Es würde eine Aufführung sein.
Warum sind Sie auf sich selber zurückgeworfen?
Wenn ich's nur wüsste...
Jean Pierre, du bist 20 Jahre alt und sind Student.
Wie kommst du im Leben zurecht?
Na ja, ich lebe, das stimmt... ich komme zurecht.
Wahrscheinlich besser als die meisten Studenten.
Aber nur durch furchtbare Kompromisse...
Indem ich akzeptiere, dass ich die Dinge nicht ändern kann.
Sobald ich akzeptiere, dass ich nichts machen kann, dann habe ich keine Probleme.
Ich glaube nicht, dass meine Generation zurechtkommen kann,
ohne diese Unfähigkeit zu akzeptieren.
Ich spreche von einer echten Unfähigkeit.
Zum Beispiel, ich habe meine Prüfungen nicht durchstanden.
Ich hab's versucht, mit meiner Frau zu leben...
Wir haben versucht, uns gegenseitig glücklich zu machen.
Aber es ist schiefgelaufen, es war zwecklos.
Es ist dasselbe bei der Politik.
Nicht dass das jetzt wichtig ist...
Ich habe keine politische Theorien.
Ich habe noch meine Ideale, natürlich.
Aber ich rege mich nicht ihretwegen auf.
Ich würde nichts Konkretes tun oder irgendwie eingreifen.
Ich kann mich intellektuell rechtfertigen.
Ich habe gesehen, was das Engagieren tut...
Die Ohnmacht angesichts der Hindernisse.
Das ist nichts für mich... Ich habe so viele gesehen...
die zu Tränen reduziert wurden.
Völlig zerstört... hilflos...
Man kann das von fast jeden sagen.
Es ist meine Rechtfertigung, mich davon raus zu halten.
Aber in meinem Innersten, weiß ich, dass es falsch ist.
Es ist ein Mangel an Mut.
Egoismus, sogar.
Trotz Träumen von großen Momenten...
Man wird gezwungen zu erkennen... oder ich wurde es...
dass das Leben grau ist... nur aus neutralen Tinten besteht.
Es gibt kein Schwarz oder Weiß...
nur verschiedene Grautöne.
Ich fühle mich für alles verantwortlich.
Ich habe dir Leuten vorgestellt,
die durch ihre politischen Erfahrungen zerstört wurden.
Und ich schließe mich da nicht aus.
Wenn du davon sprichst, eine Frau glücklich zu machen,
weiß ich, dass du mich meinst.
Also fühle ich mich verantwortlich, weil ich dich irgendwie
aus deiner eigenen Welt gebracht habe.
Wenn Jean Pierre Ohnmacht sagt...
denkt Marceline an das Wort Versagen.
Ich habe mich langer Zeit als Versagerin gefühlt.
Als ich Jean Pierre kennenlernte...
wollte ich unbedingt, dass er es vermeidet.
Ich wollte nicht, dass er so fühlt wie ich.
Ich dachte, ich würde ihn glücklich machen.
Aber... es war noch ein Versagen.
Und nicht nur ein Versagen für mich...
aber auch ein schmerzhaftes Erlebnis für ihn.
Weil ich glaube, dass er mich noch liebt.
Bis zu jetzt war der Film auf eine...
relativ persönliche Welt beschränkt.
Jetzt erweitert er sich um die Ereignisse des Sommers 1960.
Schieß los!
Wenn ich jetzt Student wäre, besonders ein junger Mann...
im Alter des Militärdienstes
würde mich der Krieg in Algerien Sorgen machen.
Dir ist es völlig egal.
Natürlich ist es mir wichtig. Auch wenn nur, weil eines Tages...
in einem Jahr, oder zwei oder zehn Jahren,
der Algierenkrieg fantastisches Filmstoff sein wird.
Du redest als Künstler.
Das ist alles schön und gut...
Wenn die Mehrheit der Franzosen ihre Opposition zeigten...
Wofür?
Damit dieser blöder Krieg endet!
Aber warum soll Frankreich nachgeben?
Sie hat bestimmte Rechte.
Der Krieg wird in Verhandlungen enden.
So wie jeder anderer Krieg.
Die G.P.R.A. kann ihn wahrscheinlich nicht enden.
Darauf kommt es nicht an.
Es ist zu einer Gewohnheit geworden...
Etwas, das wir für selbstverständlich halten.
Verbrechen finden da statt...
und die Menschen drücken ein Auge zu.
Die Studenten sind ein Teil des Problems.
Dass sollte dir persönlich betreffen.
Ich kritisiere die Jugend von heute...
weil sie ihren Beitrag nicht leisten.
Euer Herz ist nicht bei der Sache.
Die Jugend, von dem Sie sprechen, ist ein Mythos!
Ja, ein Mythos, dass Sie geschaffen haben!
Die aufstrebende Jugend, glorreich, aktiv!
Nein, eine engagierte Jugend, vielleicht!
Wir sind 20, also sind wir entbehrlich.
Alle scheinen momentan im Unklaren zu sein, was der Algerienkrieg betrifft.
Sogar die Leute, die definitive Meinungen und Lösungen haben.
Wenn wir dieses Chaos in den Griff bekommen wollen,
dann müssen wir alle anpacken.
Jeder muss handeln, und dieses Gruppendenken und diese abstrakten Worte loswerden.
Wir müssen bei uns selber anfangen!
Damit Frankreich das Risiko eingeht...
mit der Idee, dass die Menschen diesen Krieg endlich beenden können.
F.L.N. GEGENANGRIFFE
VERZWEIFELTE NACHRICHTEN AUS DEM WEIßEN KONGO
Ich würde nie einen Schwarzen heiraten.
Wieso?
In meinem Fall würde es nicht klappen.
Ich kann's verstehen, einen...
Neger zu lieben!
Du magst keine Schwarzen.
Sie sind eine Rassistin.
Es ist nicht Rassismus.
Wenn ich micht nicht angezogen fühle, könnte ich mit niemandem eine Affäre haben.
Sie fühlen sich von Schwarzen nicht angezogen?
Ich glaube nicht, dass es mögich ist.
Aber nur, weil ich es nicht will. Ich kann mich erinnern, vor zwei Jahren am 14. Juli...
war er das erste Mal...
Es war das erste Mal, dass ich mit einem Schwarzen getanzt habe.
Es hat sie berührt?
Sein Tanzen war unglaublich.
Ich muss protestieren... Es ist üblich, dass in Frankreich die Schwarzen
für ihren Tanzen beliebt sind.
Mir würde es lieber sein, wenn es aus anderen Gründen sein würde.
Genau... Aber wir sind eigentlich da, um den Kongo mit unseren
afrikanischen Freunden zu besprechen.
Aber bevor wir anfangen, frage ich mich,
ob wir in Paris, trotz der großen Aufmerksamkeit, die die Presse die Ereignisse
dort drüben widmen, uns wirklich darüber Sorgen machen?
Macht ihr euch alle Sorgen darüber und wenn ja, dann warum?
Ich weiß, dass ich mich körperlich betroffen fühlte, nachdem ich einen Fernsehbericht gesehen hatte.
Nachdem einige Szenen gezeigt und einige der Vorfälle erwähnt wurden,
schloß der Kommentator seinen Bericht ab mit: "Sehen
Sie, wie die Menschen ihre Unabhängigkeit nutzen."
Also Belgien in den Kongo kam, sagten sie: "Gut, wir können hier Geld machen."
Nein, das stimmt nicht. Die erste Idee war, keine privilegierte Klasse, keine Schwierigkeiten.
Ich stimme den Landry zu.
Ich habe ein Jahr lang in Leopoldville gelebt, mit den Nonnen, die vergewaltigt wurden.
Es war furchtbar. Die Afrikaner waren wie eingesperrt...
Sie dürften bestimmte Stadteile nicht besuchen.
Fühlen sich andere Afrikaner daran beteiligt?
Gibt es eine Einigkeit unter den Schwarzen?
Fühlst du dich verantwortlich?
Natürlich.
Es ist eine Wutexplosion, wirklich.
Wenn es zwischen zwei afrikanischen Staaten gewesen wäre...
würden sich die anderen Afrikaner davon fern halten. Aber Schwarz gegen Weiß...
Verstehen Sie, alle afrikanischen Nationen waren einst Kolonien.
Also im Falle von den Missbräuchen durch den Weißen...
fühlen sich alle betroffen und teilen das Leid der anderen.
Das ist kein gutes Beispiel...
Aber im Falle des Antisemitismus,
würde ich's bekämpfen. Egal ob es eine deutscher Jude oder
ein polnischer, ein russischer oder ein amerikanischer Jude ist!
Landry, hast du diese Nummer
auf Marcelines Arm bemerkt?
Was glaubst du, was das ist?
Ich habe keine Ahnung.
Weiß nicht... Ich weiß, Matrosen
sich tätowieren lassen, aber sie ist keiner.
Ein Liebhaber von ihr, vielleicht?
Ein Herz würde besser sein.
Es ist keine Telefonnummer, sie ist zu lang...
Das ist kein V, es ist ein Dreieck...
Die Hälfte des jüdischen Sterns.
Der sechszackiger Stern ist ein jüdisches Symbol.
Die Nummer ist nicht meine Telefonnumer.
Als Jüdin wurde ich im Krieg deportiert.
Sie ist meine KZ-Nummer.
Ja, ich habe einen Film über sie gesehen.
Der Place de la Concorde ist leer.
Leer wie vor 20... 15 Jahren... ich kann mich jetzt nicht erinnern.
"Du wirst schon sehen.
Wir werden da in einer Fabrik arbeiten.
Wir werden uns sonntags sehen," sagte Vater.
Du hast mir geantwortet...
"Du bist jung, du kommst zurück."
"Ich werde nie zurückkommen."
Und da bin ich jetzt auf dem Place de la Concorde.
Ich bin zurückgekommen, du bist geblieben.
Wir waren da sechs Monate, bevor ich dich gesehen habe.
Wir haben uns in die Armen genommen.
Dann hat dieser dreckiger S.S. Offizier...
mich vor deinen Augen geschlagen.
Du hast gesagt, "Sie ist meine Tochter."
Er wollte dich schlagen...
Du hattest eine Zwiebel in der Hand...
Du hast sie mir in die Hand gedrückt und ich wurde ohnmächtig.
Als ich dich sah, hast du gefragt, "Mutter und Michel?"
Du nanntest mich, dein kleines Mädchen.
Ich war fast darüber froh, deportiert zu werden, ich habe dich so sehr geliebt.
Ich wünsche, du wärst jetzt hier.
Als ich zurückkam... war es schwierig.
Ich habe alle am Bahnhof gesehen... Mutter, alle...
Sie küssten mich. Mein Herz hat sich wie ein Stein angefühlt.
Es war Michel, der es besänftigt hat.
Ich sagte, "Kennst du mich nicht?"
Er sagte, "Ja, ich glaube schon... ich glaube, du bist die Marceline."
Also, Marilou, es ist ein Monat her, seit unser letztes Gespräch.
Es ist August und es gibt eine Sache, die mir aufgefallen ist.
Vor zwei Nächten, als wir unterwegs waren,
habe ich dir von einer Frage erzählt, die im Film gestellt wird.
Ich fragte Jacques und seine Frau: "Sind Sie glücklich?"
Sie antworteten: "Mehr oder weniger."
Du sagest, dass du dieselbe Antwort geben würdest.
Aber als ich dich vor zwei Wochen sah,
warst du sehr deprimiert und hast dich sehr unwohl gefühlt.
Aber du kannst mit "mehr oder weniger" antworten?
Noch einmal... ich weiß nicht, was mit mir passiert.
Es ist wie... der 14. Juli... ganz von vorne wieder.
Die Gesichter all der Menschen, die ich kannte, drängten sich mir auf.
Ich wusste nicht, was ich tun soll.
Ich dachte, ich sei erledigt.
Ich glaube, dass sich die Dinge an diesem Abend zuspitzen.
Danach gab es zwei Tage voller Leere.
Und dann ganz plötzlich sind die Dinge in ihrem Platz gefallen.
Die Menschen wurden wieder echt.
Ich hatte meine Fantasiewelt hinter mir gelassen. Alles wurde einfach.
Ist es plötzlich von selber passiert?
Im Moment, da ich anfing...
die Menschen um mich zu sehen und mich als ein Teil des Lebens zu fühlen,
wurde ich für alles bereit.
Für... ich weiß nicht... für Freundschaft...
Und für Liebe.
Und das hat alles verändert?
Ja, aber eine Sache ist das stärkste.
Die Angst... Trotz allem, die Angst!
Es könnte wieder dasselbe wie vorher werden.
Ich werde wieder allein sein, völlig abgeschnitten.
Das wirst du nicht.
Was soll ich dir sagen?
Ich kann nicht darüber reden.
Edgar erzählt mir, dass du in Schwierigkeiten steckst.
Was ist passiert?
An diesem Morgen in der Werkstatt, habe ich weitergearbeitet, nachdem ihr gegangen seid.
Mir wurde gesagt, dass jemand mich im Büro sehen wollte.
Ich dachte, es war wegen meiner Arbeit. Aber das war's überhaupt nicht.
Der Chef sagte: "Also, Sie spielen jetzt in Filmen."
"Was hat das mit meiner Arbeit zu tun?", sagte ich.
"Vergiss es, das ist es nicht," sagte er.
"Sie müssen Werkstätte ändern."
Sie haben nie aufgehört, mich zu belästigen. Und gestern in der Früh,
kam der Werkmeister zu mir und sagte,
"Machen Sie diese zehn Teile fertig und am Nachmittag lasse ich Sie in Ruhe."
Also hab ich mein Bestes getan und hab sie erledigt.
Als ich fertig war, war es fast 13 Uhr.
Aber er brachte mir dann 20 weitere Teile. "Sie sind hier zu Arbeiten," sagte er.
Es war zu viel, fast hätte ich ihn angeriffen.
Mir wurde klar, dass er mein Willen brechen wollte.
Also nahm ich meine Karte und bin abgehauen.
Ich bin abgehauen, weil Jacques und Gontrand mir sagten, "Du musst gehen."
"Sonst schlagst du sie zusammen und das geht nicht."
Was für Zukunftsaussichten hast du bei Renault?
Keine.
Wirst du nicht Werkmeister, eines Tages?
Bestimmt nicht, nein!
VERZWEIFELTE NACHRICHTEN AUS DEM WEIßEN KONGO
Landry wurde also ein afrikanischer Erforscher des franzöischen Urlaubs.
Es ist schrecklich... schrecklich!
Er versucht ihn schnell zu töten.
Die Pässe sind wunderschön... wunderschön.
Es ist schön, das anzuschauen.
Sie kommen, um die Tieren beim Sterben zu sehen...
Das sind die Freuden des Provinzlebens!
St. Tropez ist eine Stadt, in manchen Hinsichten ein Dorf.
Es erinnert mich an Schwarzes Afrika.
Die gleichen alten Häuser und roten Dächer.
St. Tropez! Sogar im Landesinnere sprechen die Afrikaner davon.
Im Dschungel habe ich von St. Tropez gehört.
Die Frauen hier sind sehr komisch!
Sie alle tragen Bikinis und tun alles, um die Aufmerksamkeit zu erregen.
Nichts ist zu fantastisch.
Wenn ich denke, wie es zu Hause ist... denn ich einigen Regionen
tragen die Frauen Blätter, um ihr Geschlechtsteil zu verstecken.
Die Kolonialisten lachen uns aus.
Aber eine Frau in einem Bikini vesteckt nichts.
Es macht nicht so viel Spaß, ein Model zu sein.
Aber ich gewöhne mich daran.
Ich muss meinen Lebensunterhalt verdienen, und
die Werbefotos bringen etwas Geld ein.
Das ist der einzige Grund, warum ich das mache.
Wie auch immer, die Kritiker sind immer die Ersten,
die nach einem Foto verlangen, denn zu Hause
sieht es gut aus, ein Foto mit einem St. Tropez Mädchen zu haben.
Es gefällt ihnen, es ihren Freunden zu zeigen.
Das ist die Mehreit.
Aber es gibt genug Leute, die es nicht mögen.
Nur eine Minderheit.
Die Masse, und das gilt auch für uns, ist noch nicht sehr weit forgeschritten.
Catherine, du bist still.
Ich will nicht denken. Ich will nur schwimmen... Skifahren... besonders hier.
Trotzdem möchte ich Sophies Meinung hören. Kennst du St. Tropez gut?
Nicht wirklich. Für das, muss man an einem Ort
für eine bestimmte Zeit leben.
Ich war letztes Jahr hier wegen der Shows
in den verschiedenen Casinos. Ich habe...
eine kleine Villa gemietet. Und jetzt die übliche Frage: "Gefällt dir St.Tropez?"
Es klingt gut zu sagen: "Es ist langweilig."
Es ist ein Snobismus jetzt zu antworten: "Es ist langweilig." So ist wird's getan.
So ist es. Die Menschen sind jetzt überall gelangweilt.
Aber die Langweile kommt von einem selber.
Denn wenn man sein eigenes inneres Leben hat, dann wird man nie langweilig.
Sehr süß und simpel in ihren aufgebauschten BHs!
Es gibt viele Stars hier und sie ziehen die Produzenten an.
Also kommen die kleinen Mädchen aus Paris mit ihren Bikinis und Strümpfen,
mit ihren langen Haaren und Mascara.
Ihre Augen geschminkt... sehr schick.
Sie alle hoffen darauf, einen Produzent kennenzulernen.
Sie haben alles, nur keinen Verstand und das können wir nicht alle haben.
St.Tropez ist wirklicher ein wunderbarer Ort mit fantastischen Landschaften.
Es ist schade um die Menschen. Aber das gegen St.Tropez vorwerfen?
Mir persönlich ist es nicht langweilig hier. So ist's.
Ihr habt gehört, dass wir einen Film machen?
Ich habe nur flüchtig davon gehört.
Also, wir können uns nicht eingen. Rouch findet, dass das Leben Spaß macht.
Ich nicht.
Das ist etwas übertrieben!
Ich bin geneigt, Rouch zuzustimmen.
Warum macht es Spaß?
Na ja, vielleicht weil wir auf Urlaub sind.
Und außerhalb des Urlaubs?
Wir haben keine Erfahrung. Wir sind nicht wie Sie...
Abends gehst du mit Mutter aus. Macht das kein Spaß?
Warum ist das Leben plötzlich so trostlos?
Ich glaube, du weißt nicht, was für ein Leben, die französischen Kinder führen.
Überraschen dich diese Kinder? Ist es anders auf der Elfenbeinküste?
Natürlich ist das Leben nicht überall das Gleiche.
Zuhause, mit sechs, hat ein Mädchen bereits...
Sie hat bereits angefangen zu leben.
Mit sieben konnte ich bereits kochen.
Wir tun nichts, außer Schulaufgaben.
Abgesehen von Besorgungen ab und zu.
Das ist ein Fehler. Du solltest lernen.
Du solltest das Leben nicht so leicht nehmen, denn eines Tages wirst du mehr
als nur die gelegentliche Besorgung erledigen müssen.
Komm, komm schon, stell den Fuß dahin.
Angelo, stell deinen Fuß da und halte dich hier fest.
Los, stell den Fuß höher!
Du hast's geschafft!
Ich hätte's fast nicht geschafft mit deiner Schreierei.
Ich hab nur geschrien, weil du so dumm warst.
Deine Ärme sind stärker als meine.
Und du kannst sie benutzen, auch wenn du nicht
weißt, wo du deine Füße hinstellen sollst.
Tue den Fuß weg und nimm den Seil hinter dir.
Lass los und den Felsen nicht berühren.
Lass los! Keine Angst haben.
Gut machst du das!
Komm schon, lass los!
Tue deine Hand hinter dir und fang den Seil.
Da ist er, auf der einen Seite.
Benutzte deine andere Hand.
Jetzt habt ihr euch selber auf der Leinwand gesehen. Wir möchten eure Meinungen hören.
Zuerst die Kinder.
Hat es euch gefallen, was ihr gesehen habt?
Charlie Chaplin ist besser.
Was war euer Eindruck?
Ich weiß nicht. Erklären Sie's mir.
Manche sagen, es ist nicht die Wahrheit, andere sagen, es ist.
Was ist nicht wahr? Die Kamera kann nicht lügen.
Wenn sie versuchten, sich selber auszudrücken,
haben sie meistens nur Allgemeinplätze benutzt.
Und das ist nicht lebensnah.
Das Gespräch zwischen Landry und Angelo
ist ein Haufen Allgemeinplätze.
Im Gegenteil, es ist wunderbar!
Sie haben die gleichen Probleme.
Das stimmt nicht.
Sie haben einander begegnet. Man kann sagen, dass sie einander entdeckt haben.
Es war ein Treffen der Gleichgesinnten.
Meiner Meinung nach, ist es die wahrste Szene, die wir gedreht haben,
weil wir sehen, wie sich ihre Freundschaft entwickelt.
Dass Landry und Angelo sich mögen ist klar.
Aber das ist nicht mein Punkt. Die Szene ist so unnatürlich, so gekünstelt!
Das glaub ich nicht, denn als ich Landry traf, habe ich nichts über ihn gewusst.
Als ich anfing, mit ihm zu reden,
habe ich die Kamera vergessen. Ich hatte mich in der Diskussion so vertieft.
Ich fand den Film extrem befremdet.
Ein Teil davon war eigentlich sehr langweilig.
Aber den Rest war ziemlich unanständig.
Ich bin der Meinung, dass um nur das kleinste Körnchen Wahrheit zu erhalten,
muss die Person normalerweise allein und am Rande der Hysterie sein.
Das heißt, wenn es von etwas sehr Intimes handelt.
Mit dieser Methode, kriegt man nur gekünstelte Szenen
oder Szenen, die in der Tatsache, völlig unanständig sind.
Und zu der Frage, ob ich einige dieser Leuten treffen würde,
verzeihen Sie mir, aber ich würde es lieber nicht machen.
Marilou hat mich furchtbar unbequem gemacht.
Sie hat zu viel von sich gezeigt.
Ich fand Marilou wunderbar und ich würde sie gerne treffen.
Für mich sind Maxies Ansichten monströs.
Ihre Reaktionen sind die Art, die die Entstehung der Wahrheit verhindern.
Marilou spielt nicht vor der Kamera.
Sie ist ungehemmt in ihrer Suche nach sich selbst.
Dasselbe gilt auch für Marceline, sie redet auch mit sich selber.
Und es ist uns peinlich, weil wir uns wie Eindringlinge fühlen.
Aber am Ende ist es genau das, was uns überzeugt.
Die Szenen mit Marceline sind besser als die anderen, weil sie uns etwas vorspielt.
Es waren sehr persönliche, intime Erinngerungen.
Es kann sein, als ich die Worte sagte,
dass ich die Vergangenheit wieder erlebt habe, sie wieder gespürt habe.
Aber zwischen den Aufnahmen war ich gar nicht theatralisch, wie Marilou andeutet.
Ich bin also nicht damit einverstanden, dass man am Rande der Hysterie sein muss.
Ich mag wie der Film von der falschen Natürlichkeit,
wie zum Beispiel diese bedeutungslosen Straßeninterviews,
zu einer Großaufnahme von Marilou, die nie ganz klappt, aber doch schön ist, übergeht.
Wie fandest du die Vorführung?
Ich fand sie interessant,
weil das Argument sich in zwei Gruppen geteilt hat.
Entweder haben sie unsere Figuren kritisiert, weil sie nicht lebensnah waren.
Zum Bespiel, wirft Jacques den Angelo vor, dass er eine Rolle mit Landry gespielt hat.
Oder sie fanden, dass sie zu wahr waren.
So wie Maxie, die die Marilou kritisiert hat,
weil sie zu viel von sich selber gezeigt hat.
Das heißt, dass wir den Punkt erreicht haben,
wo wir eine Wahrheit in Frage stellen, weil sie nicht eine alltägliche Wahrheit ist.
Wir sind darüber hinaus.
Wenn die Ehrlichkeit ein bisschen größer als lebensgroß ist, dann ist es übertrieben
oder es ist Exhibitionismus.
Und genau das ist das Problem.
Wenn sie als Schauspieler oder als Exhibitionisten
betrachtet werden, ist unser Film ein Misserfolg.
Aber ich bin mir sicher, dass sie weder das eine noch das andere sind.
Aber man kann sich nicht sicher sein.
Sie wissen es selber nicht genau.
Marceline behaupetet, dass sie die Concorde-Szene gespielt hat.
Aber das hat sie nicht.
Oder wenn schon, dass war es ihre authentischste Seite.
Über ihren Vater zu sprechen war kein Spiel.
Dieser Film, anders als das normale Kino, bringt uns das Leben näher.
Die Menschen reagieren, so wie sie's im Leben tun.
Weder sie noch das Publikum wird gesteuert.
Wir sagen nicht, dieser Mann ist gut, der ist schlecht oder nett oder schlau.
Das Publikum ist also verblüfft von diesen Leuten, die sie wirklich treffen könnten.
Es fühlt sich impliziert an, aber würde es lieber nicht sein.
Manche waren berührt. Ich bemerkte, wie manche von Mary Lou sehr berührt waren.
Andere von Marceline oder Jean Pierre oder Angelo.
Ich glaube also, dass ein paar unserer Ideen vermittelt werden.
Warst du davon berührt?
Ich habe den Film so oft gesehen,
dass die Auswirkung sich abgeschwächt hat. Aber er berührt mich noch immer.
Aber auf einer anderen Weise.
Zuerst dachte ich, alle würden den Film berührend finden.
Jetzt sehe ich, wie Leute, die ich mag, wie Marilou und Marceline, kritisiert werden.
Das beunruhigt mich. Ich hoffte, dass das Publikum auch diese Leute mögen würden.
Wir wollten einen Film über die Liebe machen,
aber stattdessen ist er über die Gleichgültigkeit geworden.
Oder wenn nicht die Gleichgültigkeit,
dann etwas, dass eine Reaktion auslöst.
Es ist eine schwierige Aufgabe, etwas zu vermitteln.
Wir stecken in Schwierigkeiten.
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