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Heute stufte die WHO COVID-19 als Pandemie ein.
Sie müssen zur eigenen Sicherheit zu Hause bleiben.
…fast alle Bürger müssen schlicht und ergreifend zu Hause bleiben.
Ab heute Abend gilt eine einfache Regel:
Sie müssen zu Hause bleiben.
März 2020. Ein tödliches Virus geht um die Welt.
BLEIBEN SIE, WENN MÖGLICH, ZU HAUSE
Unser Leben wird über Nacht angehalten.
Doch dadurch…
kommt es zu bemerkenswerten Veränderungen in der Natur.
Sauberere Luft.
Saubereres Wasser.
Und den Tieren geht es so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Wir filmten seit Beginn des Lockdowns auf fünf Kontinenten…
…und nahmen die erstaunliche Reaktion der Natur auf.
Von Ozeanriesen, die auf neue Weise mit ihren Kälbern kommunizieren…
…über Geparde, die die Überlebenschancen ihrer Jungen verwandeln…
Jetzt ist für sie die beste Zeit, Mutter zu sein.
…bis hin zu gefährdeten Pinguinen, die die erfolgreichste Brutzeit erleben.
Es ist die einzigartige Chance, in die Welten der Tierreiche zu blicken
und zu sehen, was sich tut, wenn wir weniger eingreifen.
Ein globales Experiment epischen Ausmaßes.
Dieses Jahr veränderte unsere Erde.
Das Jahr, das unsere Erde veränderte
ERZÄHLT VON DAVID ATTENBOROUGH
Nach Beginn des Lockdowns bemerkten bald viele Menschen die Stille.
Der Verkehrslärm weltweit hat sich um bis zu 70 % verringert,
und neue Klänge werden hörbar.
Vogelgezwitscher.
4,7 MILLIONEN EINWOHNER
Diese Dachsammern
passen sich der Stille auf erstaunliche Weise an.
Da sie im Schatten der Golden Gate Bridge leben,
wurde ihr Gesang früher vom Lärm der Autos übertönt.
Doch hier ist der Verkehr jetzt auf dem Stand der 1950er Jahre,
und Forscher hören neue Töne bei den Paarungsrufen der Dachsammern.
Und es besteht Hoffnung, dass diese Vögel die beste Brutzeit seit Jahren erleben.
Nicht nur der Lärmpegel ist gesunken.
Die Luftqualität überall auf der Welt hat sich erstaunlich schnell verbessert.
Nach wenigen Tagen
hat Los Angeles die beste Luftqualität seit 40 Jahren.
In China sank das Schadstoffniveau in der Luft um die Hälfte.
Und Indien hat mit die schlimmste Luftverschmutzungsbilanz weltweit,
doch nur zwölf Tage nach Beginn des Lockdowns…
JALANDHAR - INDIEN 1 MILLION EINWOHNER
…entsteht ein atemberaubender Ausblick.
Wir frühstückten gerade,
als mein Vater hereinstürmte.
Er sagte: "Kommt nach oben. Man sieht die Berge."
Hobbyfotograf Anshul
geht nach oben, um zu sehen, was so aufregend ist.
All die Leute auf den Dachterrassen sagten: "Wow. Berge."
Dann hielt ich inne und sah sie auch.
Dank des klaren Himmels können wir zum allerersten Mal
den Himalaja sehen.
Über 200 km entfernt
ist das höchste Gebirge der Welt,
das 30 Jahre hinter Smog versteckt war,
plötzlich sichtbar.
Unglaublich.
Der Himalaja war die ganze Zeit da, hinter der schmutzigen Luft.
Anshuls Foto dieses Moments ging um die ganze Welt.
Das zeigt deutlich,
dass die Erde aufatmen konnte, sobald der Mensch nicht mehr eingriff.
Der Lockdown dauert seit Wochen an.
4 WOCHEN
Und die Reiseverbote schränken unsere Fortbewegung weiter ein.
Stornieren Sie geplante Urlaube.
Passagierzahlen und Buchungen sinken.
Der Luftverkehr hat sich weltweit um etwa 90 % reduziert.
Im April 2020
gibt es 114 Millionen weniger internationale Touristen
als im Vorjahresmonat.
In Spanien fallen die Besucherzahlen von über sieben Millionen auf null.
FLORIDA - USA 22 MILLIONEN EINWOHNER
Floridas Strände, die sonst in den Frühlingsferien voll mit Urlaubern sind,
sind nun menschenleer.
Könnte das die Chance für ein gefährdetes Meerestier sein,
das Vorkommen seiner Art zu steigern?
Weibliche Meeresschildkröten kehren alle zwei bis drei Jahre
an die Strände zurück, an denen sie geschlüpft sind,
um Eier zu legen.
Weltweit verringert sich das Vorkommen der Meeresschildkröten rasant,
was zum Teil daran liegt, dass sie die vollen Strände scheuen.
Doch dieses Jahr
ist das anders.
Unser Kameramann, der mit Forschern vor Ort arbeitet,
hat das Glück, am Strand von Juno Beach filmen zu können.
Eine der weltweit größten Nistkolonien der Unechten Karettschildkröte.
Als die Nistzeit beginnt,
kann dieses Weibchen erstmals in seinem Leben
ungestört Eier legen.
In den folgenden Wochen werden Hunderte andere Weibchen folgen.
Man geht schon lange davon aus, dass der Mensch
für die nistenden Schildkröten ein großes Problem darstellt.
Jetzt können Wissenschaftler zum ersten Mal das Ausmaß
genau dokumentieren.
Dieses Forschungsteam zählte jeden Morgen
die Spuren der Schildkröten, die zu einem Nest führen.
In den vergangenen zehn Jahren
ist die Nist-Erfolgsrate bei Unechten Karettschildkröten
auf nur 40 % gesunken.
Waren sie erfolgreicher, als sie den Strand für sich hatten?
Als Strände für Menschen gesperrt waren,
stieg diese Zahl auf 61 %. So eine hohe Zahl hatten wir noch nie.
SCHILDKRÖTENFORSCHER
Das ist ein beachtlicher Anstieg.
Jedes zusätzliche Nest bedeutet etwa 100 zusätzlich geschlüpfte Schildkröten,
die die Chance bekommen, später selbst einmal zu nisten.
Durch die Schließung der Strände konnten sie das,
was sie seit Millionen von Jahren tun,
erfolgreicher als in der Anwesenheit des Menschen tun.
6.000 km entfernt,
an der Westküste Amerikas…
…bietet die neue Ruhe unterhalb der Wellen
Ozeanriesen eine Chance.
SÜDOSTEN ALASKAS - USA JÄHRLICH 1,3 MILLIONEN BESUCHER
Jährlich migrieren über 10.000 Buckelwale von Hawaii…
…zu diesen Buchten Alaskas, um Nahrung zu finden.
Normalerweise müssen sie sich diese Gewässer
mit Schiffen mit jährlich einer Million Besuchern an Bord teilen.
Doch jetzt, da alle Kreuzfahrten gestrichen wurden,
ist es unter dem Wasser 25-mal ruhiger.
In dieser Stille zeichneten Forscher mithilfe von Unterwassermikrofonen
eine bemerkenswerte Veränderung auf.
Buckelwale kommunizieren öfter miteinander…
…und auf neue Weise.
Es war sehr spannend und bewegend zu hören…
WALFORSCHERIN
…wie sich die Wale ausgiebig austauschten.
Einer sang und dann eine Mutter und ihr Kalb.
Das hatte ich nie zuvor gehört.
Stellen Sie sich vor, Sie reden mit Freunden
in einer vollen Bar.
Es ist schwer. Man sagt weniger und muss schreien.
WALFORSCHERIN
Aber in einem netten, ruhigen Café, wo es nicht so laut ist,
können Sie ein viel ausführlicheres, produktiveres Gespräch führen.
Doch etwas ist noch überraschender.
Die Wale können jetzt ohne Störung über größere Entfernungen kommunizieren.
Und manche Mütter, so wie diese, lassen ihre Kälber alleine.
Ein extrem seltener Anblick.
Sie kann Futter suchen gehen
und weiß, dass sie ihr Kalb hören kann, falls es ihre Hilfe braucht.
Eine säugende Mutter muss sehr viel Nahrung zu sich nehmen.
Das geht am besten, wenn sie mit anderen ausgewachsenen Walen jagen geht.
Die Wale schwimmen in die Tiefe…
…blasen eine kreisförmige Mauer aus Luftblasen…
…und treiben so Fische zu Schwärmen zusammen…
…um dann Tausende von ihnen zu verschlingen.
Es ist eines der eindrucksvollsten Naturspektakel.
Dank der Stille
können Buckelwalmütter öfter mit einer Gruppe auf die Jagd gehen.
Dieses Jahr sind sie ganz alleine.
Sie tun, was sie wollen, wo und wann sie wollen.
In den letzten Jahren wuchsen nur 7 % der Kälber aus.
Dieses Jahr stehen die Chancen gut, dass viel mehr von ihnen überleben werden.
Nach ein paar schwierigen Jahren für die Wale…
WALFORSCHERIN
…können sie sich hoffentlich dank der Pandemie endlich erholen.
Der Unterwasserlärm hat sich nicht nur in Alaska verändert.
Nach drei Monaten des Lockdowns gibt es weltweit 17 % weniger Schiffsverkehr,
was das Leben für die Tiere aller Ozeane verbessert hat.
HAURAKI GULF NEUSEELAND
Delfine vor der Küste Neuseelands
verdreifachten die Reichweite ihrer Kommunikation.
SALISH SEA KANADA
Wie Forscher in Vancouver feststellten, ist Schiffslärm um ein Vierfaches leiser,
wodurch Schwertwale effektiver mithilfe von Lauten jagen können.
Die Pandemie herrscht nun seit drei Monaten vor.
3 MONATE
In den USA arbeitet fast die Hälfte aller Berufstätigen von zu Hause aus.
Weltweit ist ein Viertel aller Geschäfte und Unternehmen geschlossen.
Bars, Restaurants und Cafés bleiben weiterhin geschlossen.
Im Grunde wird der Einzelhandel stillgelegt.
Es wirkt verlassen. Als wäre niemand hier.
In den Großstädten der Welt
sind über 90 % weniger Menschen auf den Straßen unterwegs.
Stadtzentren sind so gut wie leer gefegt,
und erstaunliche Bilder von Tieren, die das Stadtleben erkunden, entstehen.
SANTA LUCIA SÜDAFRIKA
Ein Nilpferd auf dem Weg zur Tankstelle.
Schakale vergnügen sich im Stadtpark.
Sogar ein Puma streift auf dem Fußweg herum.
Doch ein Tier ist bei der Anpassung an die verlassenen Plätze der Stadt
besonders clever.
JÄHRLICH 13 MILLIONEN BESUCHER
In der Stadt Nara lebt eine Gruppe Sikahirsche
seit über 1300 Jahren.
Die meisten Wiesen, die ihnen als Futterquelle dienten,
mussten Gebäuden weichen.
Doch diese sonst scheuen Tiere fanden eine Lösung.
Die Hirsche kamen zu den Tempeln von Nara, wo jährlich 13 Millionen Besucher sind,
und stellten fest, dass sie durch etwas Respekt…
…leckere Belohnungen bekommen.
Reiskekse sind ein wichtiger Bestandteil ihrer Ernährung geworden.
Doch die Pandemie hat das verändert.
Ihr Lieblingssnack ist plötzlich verschwunden.
Keine Menschen bedeutet keine Kekse.
Es gibt Bedenken, dass diese Hirsche verhungern könnten.
Doch ein paar ältere Hirsche haben wohl einen Plan.
Sie führen eine Gruppe Hirsche weg vom Tempel
und scheinen genau zu wissen, wo sie hinwollen.
Sie gehen eine große Straße entlang…
…in die Tiefen des Beton-Dschungels der Stadt.
Aber wo wollen sie in der großen Stadt Nahrung finden?
Nach der 2,5 km langen Wanderung
bleiben sie stehen.
Dieses unscheinbare Stück Wiese war einmal Teil ihres Weidelands.
Die Älteren scheinen sich an ihren früheren Futterplatz erinnert zu haben.
Hier finden sie alles, was sie brauchen:
frisches Gras, Blätter und Kräuter.
In den darauffolgenden Wochen
grasen sie diese erhaltenen in der Stadt verstreuten Grünflächen ab.
Es gibt noch einen Vorteil, wenn keine Menschen da sind.
Wissenschaftlern zufolge sind die Hirsche durch die Nahrungsumstellung gesünder…
…und außerdem erzeugen weniger Besucher weniger Plastikmüll,
der den Tod der Hirsche bedeuten kann.
Auch wenn es scheint, als würden wir diesen Tieren Gutes tun…
…geht es ihnen ohne uns oft besser.
Vier Monate nach Beginn des Lockdowns…
BUENOS AIRES - ARGENTINIEN 15,2 MILLIONEN EINWOHNER
…geben wir der Tierwelt durch unseren Rückzug eine neue Chance.
In Argentinien
erobern die sonst scheuen Capybaras
die schicken Gärten dieses wohlhabenden Vororts,
der auf ihrem früheren Sumpfgebiet gebaut wurde.
Nichts scheint sie aufhalten zu können, ihr früheres Zuhause zu genießen.
Na ja,
fast nichts.
Je länger keine Menschen da sind, desto wagemutiger werden die Tiere.
Und nachdem Safaris in Afrika gestrichen wurden…
MPUMALANGA - SÜDAFRIKA JÄHRLICH 4,2 MILLIONEN BESUCHER
…schreibt ein gefährliches Raubtier die Regeln neu.
Diese Luxus-Lodge steht leer.
Doch schon nach kurzer Zeit checken neue Gäste ein.
Südliche Grünmeerkatzen sichern sich einen Platz am Pool.
Während Impalas und Nyala-Antilopen
die Salatbar plündern.
Doch es nähert sich…
…ein männlicher ausgewachsener Leopard.
Diesen nachtaktive Jäger bei Tag zu sehen,
ist sehr überraschend.
Nicht zuletzt für unsere Filmcrew.
Nicht bewegen.
WILDTIERFILMER
Ich war oft in bedrohlichen Situationen, aber das ist die schlimmste.
In ganz Afrika
haben Leoparden 60 % ihrer Reviere an den Menschen verloren,
was ihre Jagd zunehmend erschwert.
Aber die Abwesenheit der Gäste
sieht dieser Leopard als Chance,
und er verändert sein Verhalten gravierend.
Er fängt an, tagsüber zu jagen.
Er braucht ein paar Anläufe…
…doch schon nach kurzer Zeit
macht sich seine neue Strategie
bezahlt.
Das Leopardenvorkommen in Afrika
ist in den letzten 25 Jahren um mehr als 30 % gesunken.
Aber dank der neuen All-you-can-eat-Bar in Zeiten des Lockdowns
geht es diesem Leopard bestens.
Das ist jetzt seine Lodge. Sein eigenes Königreich.
Die Pandemie herrscht nun seit sechs Monaten vor.
6 MONATE
Im September gelten in über 40 Ländern noch immer Verordnungen,
die die Aktivitäten von über drei Milliarden Menschen einschränken.
Großversammlungen
wie Sportveranstaltungen, Konzerte und Festivals
werden erst mit zuverlässigen Behandlungen wie einer Impfung stattfinden können.
Während wir uns an die neue Realität gewöhnen,
erholt sich die Natur weiter.
GANGES INDIEN
In Indien ist im Ganges
der Sauerstoffgehalt um 80 % gestiegen.
ATLANTIKKÜSTE MAROKKO
Und an Afrikas Atlantikküste
steigt die Einstufung der Wasserqualität von mangelhaft auf sehr gut.
Und die Abwesenheit des Menschen dauert nun schon so lange an,
dass eine ganze Generation der Tiere davon profitiert.
KAPSTADT - SÜDAFRIKA 4,7 MILLIONEN EINWOHNER
Hier an der Küste Südafrikas
gehen ein paar stolze neue Eltern ihre morgendliche Route.
Die afrikanischen Brillenpinguine.
Sie leben ganz in der Nähe der Menschen.
Während der Brutzeit
gehen sie jeden Morgen ins Meer, um Fische zu fangen.
Ihr Nachwuchs braucht viel Futter.
Sie müssen täglich 15 % ihres eigenen Körpergewichts fressen.
Zum Glück sind Brillenpinguine ausgezeichnete Jäger.
Sie können 80 m tief tauchen,
wo sie sich mit Fischen und Krebstieren vollfressen.
Aber es ist schwierig, den Küken das Futter zu bringen.
In den vergangen Jahren waren diese Strände voller Menschen.
Als die Pinguine zurückkehren wollten,
war ihr Durchgang versperrt.
Viele von ihnen warteten bis zum Sonnenuntergang im Wasser…
…bis die Menschen nach Hause gingen.
Aber dieses Jahr ist der Strand menschenleer.
Die Pinguine folgen nicht mehr ihrer alten Routine
und gehen schon nach wenigen Stunden nach Hause,
mit reichlich Futter für ihre Küken.
Der Tag ist noch lange nicht vorbei, sodass sie ins Wasser zurückkehren können.
Diese Küken werden jetzt zwei- bis dreimal am Tag gefüttert.
Sie sind gesünder und wachsen schneller,
und mehr Familien wie diese schaffen es sogar, Zwillinge großzuziehen.
Es gibt noch eine gute Nachricht.
In den folgenden Wochen
werden manche Eltern ein zweites Mal Küken großziehen.
So etwas wurde hier über zehn Jahre nicht mehr beobachtet.
Jahre lang ging man davon aus, dass hier Pinguine und Menschen
bestens miteinander auskommen.
In Wirklichkeit haben wir ihr Leben erschwert.
Und da die Population der Pinguine in Südafrika
in den letzten 30 Jahren um fast 70 % geschrumpft ist…
…brauchen sie dringend unsere Hilfe.
Nicht nur dem Nachwuchs von Stadtbewohnern geht es besser.
Inzwischen sind die Auswirkungen der diesjährigen Verordnungen
auch in den unberührtesten Plätzen der Welt zu spüren.
MASAI MARA - KENIA JÄHRLICH ÜBER 300.000 BESUCHER
Eine Wildkatze kann ihre Jungen jetzt auf neue Weise beschützen.
Der Gepard.
Der schnellste Läufer der Welt.
Er hat jedoch eine Schwäche.
Durch seine schlanke Statur ist er schwächer als andere Raubtiere
wie Löwen und Hyänen.
Sie klauen gerne das Fressen des Gepards
und scheuen sich nicht, sein Junges zu töten.
Geparde versuchen, kein Aufsehen zu erregen.
Aber diese Mutter muss alle zwei bis drei Tage Beute für ihre zwei Jungen finden.
Während sie jagen geht,
verstecken sich die sechs Monate alten Jungen im Gras.
Nachdem sie ihre Beute gefasst hat, steht sie vor einem Problem.
Sie ist Hunderte Meter von ihnen entfernt
und kann den großen Kadaver nicht so weit schleppen.
Wenn sie ihn zurücklässt, kann er von Aasfressern geklaut werden.
Das Problem löst sie, indem sie mit einem sanften Laut
ihre Jungen zu sich ruft.
Sie muss vorsichtig sein.
Wenn sie zu laut oder zu oft ruft,
wissen ihre Feinde, dass ihre Jungen schutzlos sind.
Genau in diesem Moment
war es für die Geparde hier immer am schwersten, gehört zu werden.
In den Jahren vor dem Lockdown
war eine Gepardenjagd die beliebteste Attraktion
der Touristen von Masai Mara.
Das Problem waren die Menschen, die die Mutter nach der Jagd umgaben.
Es herrscht Unruhe. Autos fahren umher.
GEPARDENFORSCHER
Reiseführer sprechen über Funk, Menschen unterhalten sich.
Der Lärm übertönte den Ruf der Mütter zu ihren Jungen.
Der ganze Lärm erstickt die Signale, die Geparde zum Überleben brauchen.
Sie müssen weiterrufen und riskieren, Rivalen anzulocken.
Doch in diesem Jahr
wird diese Mutter kaum durch den Menschen gestört.
Nach wenigen Rufen über die leere Savanne…
…können ihre Jungen sie hören…
…und zu ihr kommen.
Wir stellen fest, dass die Mütter
nur ein- oder zweimal rufen und die Jungen sofort reagieren.
Forscher beobachten,
dass es Gepardenjungen besser geht, wenn keine Menschen da sind.
Vor COVID überlebte jedes dritte Junge.
Aber jetzt stellen wir fest,
dass mehr Junge über drei Monate alt werden,
was uns Hoffnung gibt,
dass dieses Jahr mehr Junge überleben und es somit mehr Geparde geben wird.
Da es in Afrika nur noch etwa 7.000 ausgewachsene Geparde gibt…
…ist das Leben jedes Jungen kostbar.
Während das Jahr die Menschen weiter herausfordert,
steigen die Überlebenschancen für immer mehr gefährdete Tierarten.
Dank weniger Störungen im Jahr 2020,
bekamen diese Berggorillas
doppelt so viel Nachwuchs wie sonst.
An der südenglischen Küste
erreicht das seltene Dornige Seepferdchen Zahlen von vor über zehn Jahren,
da sich die Seegräser, in denen sie leben, vom Schaden durch Besucherboote erholen.
LAIKIPIA KENIA
Und in Kenia wurden zum ersten Mal seit 1999 keine Nashörner
wegen ihrer Hörner gewildert.
Seit Beginn des Lockdowns ist ein ganzes Jahr vergangen.
12 MONATE
Ein Jahr, in dem viele von uns die Natur genießen konnten.
Ein Jahr, in dem die Welt sich auf erstaunliche Weise verändert hat.
Weltweit ist der Kohlendioxidausstoß
um mehr als 6 % gesunken.
Es ist der größte je gemessene Rückgang.
Sogar unter der Erdoberfläche gab es deutliche Veränderungen.
Vibrationen durch Verkehr und Industrie reduzierten sich um 50 %,
was zu den geringsten Erschütterungen im Boden seit Aufzeichnungsbeginn führte.
Doch die Auswirkungen des Lockdowns werden nicht ewig anhalten.
Welche Inspiration können wir aus diesem Moment schöpfen,
um in Zukunft besser mit der Natur zu koexistieren?
In Indien nutzen manche bereits die Chance,
mit sehr kräftigen, aber gefährdeten Tieren in Harmonie zu leben.
ASSAM - INDIEN 36 MILLIONEN EINWOHNER
Ein ausgewachsener Asiatischer Elefant braucht täglich 150 kg Fressen.
Doch es existiert nur noch 5 % seines natürlichen Lebensraums,
und die meisten seiner heimischen Wälder sind jetzt Ackerland,
sodass die Elefanten oft die Ernte klauen müssen, um zu überleben.
Daraufhin versuchen die Bauern ihre Felder zu verteidigen.
Sie verlieren aber meistens die Hälfte der Reisernte, von der sie leben.
Wir scheuchen sie die ganze Nacht in den Wald.
Dann kommen sie zurück, und wir fangen wieder von vorne an.
Nicht nur die Landwirtschaft ist betroffen.
Elefanten suchen auch in Dörfern nach Fressen
und haben dabei schon Menschen niedergetrampelt.
Im ganzen Land
kommen jährlich etwa 400 Menschen und 100 Elefanten
bei solchen Konflikten ums Leben.
Aber in einem Dorf wollen die Menschen das Problem
mit einer neuen Methode angehen.
Die Stadtarbeiter, die aufgrund des Lockdowns nach Hause kehren,
können helfen, das Projekt umzusetzen,
das von einer Naturschutzstiftung vor Ort geleitet wird.
Eine tolle Chance während des Lockdowns…
NATURSCHÜTZERIN
…Futter für die wild lebenden Elefanten anzupflanzen.
Entlang des Waldes entsteht ein Schutzwall
aus schnell wachsendem Wildreis und Gräsern als Futter für die Elefanten.
Alle der über 500 Einwohner halfen mit.
NATURSCHÜTZER
Innerhalb weniger Monate
haben die Bewohner 1,6 km² ihres Landes umgewandelt.
Und jetzt verjagen sie die Elefanten nicht,
sondern heißen sie mit einer Feier willkommen.
Der Reis ist bereit zur Ernte.
Werden die Elefanten die für sie gepflanzten Gräser fressen…
…oder werden sie die Felder der Bauern plündern?
Als die Menschen nach Hause kehren,
tut sich etwas am Waldrand.
Langsam treten die Elefanten aus dem Schutz der Bäume hervor.
Mütter.
Kälber.
Die gesamte Großfamilie, bestehend aus 26 hungrigen Elefanten.
Wie weit werden sie laufen?
Sie bleiben in der Nähe des Waldes
und fressen nur das Getreide, das für sie angepflanzt wurde.
Früher verscheuchten wir sie.
Aber das ist jetzt anders.
Es ist ein gutes Gefühl und macht uns glücklich.
Während der gesamten Erntezeit
gehen die Elefanten weder auf die Felder
noch ins Dorf.
Wenn wir Elefanten mit Liebe begegnen, dann tun sie das auch.
Ein Schutzwall aus Pflanzen bietet eine langfristige Lösung
für einen uralten Konflikt.
Benachbarte Dörfer
sind bereits mit der Naturschutzstiftung über ähnliche Projekte im Gespräch.
Blickt man auf das vergangene Jahr zurück,
das für viele eine große Herausforderung darstellte,
was kann man daraus lernen, um die Zukunft der Natur zu sichern,
und die der Menschen?
Wir müssen Lösungen finden, besser zu koexistieren.
Wir können unseren Lebensraum durchaus mit der Tierwelt teilen.
Wir dürfen nicht einfach so weitermachen wie zuvor.
Wie schnell und vielfältig die Natur reagiert hat,
zeigt, dass schon kleine Veränderungen in unserem Leben
entscheidende Auswirkungen auf die gesamte Tierwelt haben können.
Es könnte jeden Sommer kleine Shutdowns geben.
Strände nachts schließen. Es muss nicht tagsüber sein.
Schon durch sehr kleine Veränderungen
können Mensch und Tier gut zusammenleben.
Wir wissen, dass bei Schiffen, die langsamer
oder in Gruppen fahren würden, die Bilanz
in Bezug auf Unterwasserlärm und Schutz der Wale besser wäre.
Wir geben der Parkbehörde Empfehlungen,
verantwortungsvolles Verhalten der Touristen und Reiseführer zu fördern,
damit diese Tiere überleben können.
Dieses ungewöhnliche Jahr, das unsere Erde veränderte,
zeigte nicht nur, dass wir der Tierwelt helfen können, stärker zu werden,
sondern auch, wie wir dadurch
den Zustand unseres Planeten für alle Lebewesen verbessern können.
Es ist allerhöchste Zeit,
dass wir unseren kleinen Beitrag leisten, die Umweltverschmutzung zu reduzieren.
Wir leben nicht getrennt von der Natur,
sondern stellen fest, dass wir auf überraschende Weise
tief mit ihr verflochten sind.
Wenn wir eine gesunde Zukunft erleben wollen,
ist jetzt der entscheidende Moment,
Lösungen zu finden, unseren Planeten
mit allen Lebewesen dieser Erde zu teilen.
Untertitel von: Andrea Krauss
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