All language subtitles for Tannbach - Schicksal eines Dorfes - S01E03 - Mein Land, dein Land.deu

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Original subtitles

Die SS sucht Vater. Wo ist Ihr Mann?

Weiß ich nicht. - Das ist Wehrkraftzersetzung.

Sie erschießen sie.

Hast du mein Parteibuch gesehen?

Du hast Charakter und Seele. Das hab ich schon immer gespürt.

Ich heirate. - Wer nimmt denn so einen Krüppel?

Bist du ein Mörder? Keiner ahnte, was wird.

Warum wusste Mutter es? Ich glaub dir nicht.

Die Russen übernehmen Tannbach. Wir müssen hier rechtzeitig raus.

Wo bringen sie dich hin? Du musst auf dem Gut bleiben.

Anna, ich glaube, es kommt eine bessere und gerechte Zeit.

Glaubst du wirklich?

Der gesamte Großgrundbesitz von mehr als 100 Hektar

wird entschädigungslos enteignet.

Das können Sie nicht machen.

Was soll das? - Wir brauchen Material.

Ihre Söhne bauen doch auch ein Haus.

Das ist unser.

Hast du geglaubt, dass du mich belügst und mir mein Land stiehlst?

Lothar und ich bauen dir das schönste Haus.

Wie bei den Nazis.

Das sind Nazis. Nazis, die es verdienen.

Sie haben hier die kleine Striesow versteckt.

Dafür kann ich Sie bestrafen. Wollen Sie das wirklich?

Die Grenze zwischen Bayern und Thüringen liegt eigentlich hier.

Mitten durchs Dorf.

Sollen wir Tannbach teilen wie Berlin?

Die machen morgen um acht die Grenze zu.

Ich geh hier nicht weg. Das ist mein Zuhause.

Anna von Striesow Friedrich Erler

Heiner Lauterbach

Hilde Vöckler

* Musik ertönt aus einem Radio. *

* Tür geht auf. *

Lothar.

Lothar.

Danke.

Für dich immer.

* Musik: Artur Beul - "Nach Regen scheint Sonne" *

Warum schläft hier keiner mehr?

Hat das Lothar wieder getauscht? Ich hab's mir gewünscht.

Kommst du wieder ins Bett? Ich muss den Stall ausmisten.

Das kannst du auch später.

* Ruhige, friedliche Musik *

Bleib noch ein bisschen.

Ich kann nicht.

Die Pflicht ruft.

Ich mag nicht, wenn du für andere springst.

Bis gleich.

Alles Gute.

Kommt Kinder, beeilt euch. - Ja, Papa.

Noch zwei Eier, Herr Landrat?

(Vater) Habt ihr alles? Dann los.

* Spannende Musik setzt ein. *

Dein Haus wird zur Durchgangsstation

für Überläufer in den Westen.

Das ist eine Pension.

Wir müssen dafür sorgen, dass die Leute hier bleiben.

Sonst gibt's Ärger. Mit wem, Konrad? Mit dir?

Wir leben in einem freien Land.

Wo meine Gäste herkommen oder hin wollen, geht mich nichts an.

(Lothar, leise) Schnell! Schnell!

Schnell! Schnell!

* Schüsse fallen. *

Hervorragende Leistung, Grenzpolizist Imhoff.

Die bayerische Grenzpolizei ist stolz,

dich in ihren Reihen aufzunehmen.

Gratulation!

Danke, Leutnant Fichte.

(Fichte) Grenzpolizisten! Aufsitzen!

(Grenzpolizist) Passieren lassen?

Papiere?

Ausweis!

(Lothar) Ich habe dir Socken,

Schinken,

und Schnaps mitgebracht.

(Cilly) Rasierklingen.

Wunderbar! Anna hat sich schon beschwert, dass Friedrich so kratzt.

Ich hab's geschafft!

Jetzt machen wir den Kommunisten richtig Feuer unter'm Arsch.

Nächstes Mal gibst du mir Geleitschutz.

(Cilly) Erwin, hätte er nicht durchfallen können?

Tut mir leid, er ist mein bester Mann.

Ein großartiger Schütze.

Lothar, du musst mir für die Mama noch was mit rüber nehmen.

Danke!

Und wir feiern jetzt!

* Babygeschrei *

Ist doch gut.

(bayrisch) Nicht barfuß herumlaufen, Christa!

Wirst ja noch krank.

Wo ist denn die Mama?

Passt da keiner auf? - Lass sofort mein Kind los!

Nicht, dass sie sich ihren Franzosenhintern verkühlt,

und mir meinen Enkel ansteckt.

(Franz) Pass bloß auf deinen Bastard auf!

Nicht, dass ihm noch was passiert!

(bayrisch) Habt ihr euch wieder gestritten?

Ich red noch mal mit ihm.

Reden hilft da nix.

Resi ...

* Klingel läutet. *

Theresa? - Grüß Gott, Frau Gräfin.

Ist ihr Gatte da?

(Sonja) Georg, kommst du mal bitte?

(Georg) Theresa.

Du warst lange nicht mehr hier. Weißt du was von Anna?

Das hab ich gefunden.

(Theresa) Das kann nicht mehr so weitergehen.

Anna muss das auch unbedingt wissen!

Hörst du?

Wir haben endlich was gegen den Schober in der Hand.

Du hast mir doch versprochen, dass das vorbei ist.

Ich habe jahrelang auf so einen Beweis gewartet.

Jetzt ist er endlich fällig!

(Adolf Herrmann) Letztes Jahr wurden allein in Thüringen

über 150.000 illegale Grenzübertritte registriert.

Jetzt haben wir die Grenzpolizisten ...

(Konrad) ... auf 5000 erhöht!

Aber da muss man doch mal durchgreifen!

Das wird das Problem nicht lösen. Wo führt das hin?

Dass Deutsche auf Deutsche schießen? Auf Frauen und Kinder?

Wir wollen einen gemeinsamen, gerechten sozialistischen Staat.

Nie wieder Krieg! Geht das irgendwie in Ihr Gehirn?

Ich bin kein Nazi.

Sie sind NS-Parteimitglied der ersten Stunde gewesen.

Inzwischen SED-Parteimitglied der ersten Stunde.

Komm ruhig rein, Friedrich.

Unsere neue Ordnung hält aus, dass wir so offen und klar reden.

Nicht wahr, Herrmann?

Menschen können sich ändern.

Denken Sie mal darüber nach, Genosse Werner.

(Konrad) Mach die Tür zu.

Ich kann diese kleinkarierten Ordnungsbeamten nicht ausstehen.

Was gibt's, Friedrich?

Wir werden unseren Plansoll wieder nicht erfüllen.

Wir haben kein Saatgut, keine Zugmaschinen,

kein einziges Stück Vieh!

Anna und ich tun wirklich, was wir können.

Wir tun alle, was wir können, Friedrich!

Das Problem ist, die Parzellen sind zu klein.

Dazu macht der Verfall der Währung die Kredite wertlos.

10.000 Neubauern haben ihr Land zurückgegeben.

Nur die mittelgroßen Betriebe schaffen es.

Wenn sie die jetzt auch kaputt machen ...

Das kann doch nicht der Weg sein!

Genau deshalb müssen wir jetzt den Kurs korrigieren.

Gut.

Was kann ich tun?

Setz dich.

In einem Punkt hat dieser Herrmann Recht.

Wir dürfen nicht weiter zuschauen, wie sie uns alle davonlaufen.

Das müssen wir ändern.

Auch ihr Erlers.

Ich weiß, dass dein Bruder euch über Wasser hält.

Aber sein Tauschhandel ist illegal.

Er ist verboten, das weißt du?

Das nützt denen drüben, aber uns schadet es, verstehst du das?

Ja, klar. Aber die letzten Jahre haben alle vom Tauschhandel gelebt.

Es sind zu viele.

Wir müssen dem ein Ende bereiten.

Sag das dem Lothar.

Denk daran, es geht nicht um ihn, es geht um unsere Sache.

Gut, ich kümmer mich drum.

Wenn du es willst, Friedrich,

kannst du jederzeit bei mir in der VEG anfangen und für mich arbeiten.

* Unheilvolle Musik *

(Lisa) Danke, Martha.

(Lisa) Pfiat di. - (Martha) Pfiat di.

Grüß dich, Lothar.

Heute geht's zu wie im Taubenschlag.

Erst war die Resi da, dann die Anna.

Und dann noch einer von der Behörde.

Der hat gesagt, wir müssen über unsere Verkäufe Listen führen.

Und das darf bloß von da sein.

Aus unserer Zone? Was wollt ihr dann verkaufen?

Sie haben uns angeboten, in die Partei einzutreten.

Nicht SPD, aber so ähnlich. Die neue halt.

Lisa, die heißt SED.

Mir egal, wer da oben sitzt.

Die haben noch nie was für uns getan. Egal wer.

(Rosa) Grüß Gott.

Ach, Rosa. Von deinem Erwin!

Er denkt an dich und möchte mal wieder ein Gulasch von dir.

Macht's gut! - Mein Erwin.

Diese Grenze mitten durchs Dorf.

Ich mag schon gar nicht mehr vor die Tür schauen. Es macht mich krank.

Grüß dich, Hilde. Anna, grüß dich.

Theresa war im Laden. Vater zeigt den Schober an.

Ich werde aussagen vor der Spruchkammer.

Wir brauchen dich und deine Aussage.

Kannst du dich noch erinnern, wie das damals war mit dem Schober?

Ich erinnere mich genau.

An jedes einzelne Wort.

Grüß Gott!

Schokolade für mein Annachen, Marzipan für meinen Lieblingsbruder.

Lothar, das muss aufhören.

Was? Das ist Schmuggel und illegal.

Der Landrat meint ... Hier geht's doch um uns!

Wovon wollt ihr leben ohne mich?

Mir geht es auch um uns!

Aber du bringst uns in Gefahr, verstehst du das nicht?

Ich muss nach drüben.

Sie machen Schober den Prozess.

(bayrisch) Entnazifizierung! 1948!

(lacht verächtlich) Das ist doch schon gar nicht mehr wahr!

Der Feind ist der Russe, auch für die Amis!

(Schober) Nicht die, die damals nur ihre Pflicht taten.

Spruchkammerverfahren! In der Kreisstadt! Ist ja lächerlich!

Aber eins schwöre ich dir: Wenn ich rauskrieg, wer das war ...

... den mach ich hin!

Den mach ich hin.

Er braucht einen guten Leumund von uns.

Es weiß eh jeder, dass er ein Nazi war. Das hast du selber gesagt.

Theresa, wir sind eine Familie. Wir halten zusammen.

Das geht nicht anders.

Das machst du jetzt einfach.

* Sentimentale Musik *

Wann wirst du mich eigentlich fragen,

ob du rübergehen kannst um auszusagen?

Da brauch ich dich nicht fragen, Konrad.

Da frage ich mein Gewissen.

Wünsch mir Glück.

Ich hab solche Angst, sie zu verlieren.

Ich weiß einfach nicht, ob ich ihr gerecht werden kann.

Was, wenn sie einfach drüben bleibt, bei ihrem Vater?

Man verhindert Dinge, vor denen man Angst hat

nicht dadurch, dass man sie verbietet.

Du kannst die Menschen nicht verändern, Friedrich.

Wenn du willst, dass ich hier lebe mit euch,

musst du mich akzeptieren wie ich bin.

Sie liebt dich. Sie kommt schon wieder.

* Klopfen an der Tür *

(Vorsitzender) Ich habe hier ein Parteibuch ... Ruhe, bitte!

Ausgestellt auf den Namen Franz Hubert Schober.

Parteimitglied seit 1929. Ist das Ihrer, Herr Schober?

Wie kommen Sie an diesen Lappen?

Die Liste der Leute, die er denunziert hat, liegt dabei.

Wissen Sie überhaupt, wer das ist?

Das ist der Striesow, der feine Graf! Ein Deserteur!

Du hast meine Frau umbringen lassen!

Du hast deine Kameraden verraten!

Du bist für ihren Tod verantwortlich!

Ein mieser Vaterlandsverräter!

(Vorsitzender) Beruhigen Sie sich!

Ich verwarne Sie, Herr Schober! Gehen Sie zurück auf Ihren Platz!

Das stimmt, ich bin 1929 in die Partei eingetreten.

Aber da konnte keiner, und ich sage keiner ...

(Vorsitzender) Hinsetzen!

... wissen, was dieses verbrecherische Regime veranstaltet.

Das sind ein paar Stellungnahmen,

von meiner Schwiegertochter und ihren Eltern,

bis zu denen, die mir nicht vergessen haben,

was ich für sie als Ortsbauernführer getan hab.

Ich habe nämlich einen guten Leumund.

Wagner, hab ich dich gewarnt, als dich die Gestapo gesucht hat?

Weil du dich dem Stellungsbefehl entzogen hast?

Ja, das ist wahr!

(Schober) Wenn das ein Verbrechen ist, bekenne ich mich schuldig.

Sie sind schuldig!

Solche Persilscheine bekommt man sehr leicht auf dem Schwarzmarkt.

(Vorsitzender) Wir hören jetzt die geladenen Zeugen.

Frau Anna Erler, sind Sie anwesend?

Ja, Herr Vorsitzender.

Dann bitte ich Sie um Ihre Aussage.

Franz Schober war ein fanatischer Nazi.

Er hat das Dorf schikaniert.

Er hat viele bei der Gauleitung denunziert.

Das hat er schon vor dem Krieg getan.

Sie sind jetzt nicht gefragt. Bitte, Frau Erler.

Er hat bis zuletzt an den Endsieg geglaubt.

Er hat den SS-Untersturmbannführer Vöckler auf meine Familie gehetzt.

Der hat dann meine Mutter erschossen.

Ich hab nie was zu tun gehabt mit der SS.

(Vorsitzender) Waren Sie Zeugin dieses Befehls?

Nein, aber die Mutter Vöckler.

Sie wollte heute kommen.

Und wo ist Frau Vöckler, ist sie anwesend?

Sie sollte längst hier sein.

(Vorsitzender) Offensichtlich ist sie das nicht.

Aber sie war Zeugin!

"Fahnenflucht ist Wehrkraftzersetzung!

Du musst ein Exempel statuieren." Das hat er zum Vöckler gesagt!

(Vorsitzender) Ruhe, bitte!

Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.

* Unheilvolle Musik *

Führen Sie das Klassenbuch selber?

Sagen Sie, wer schickt Sie eigentlich?

Sie sind doch dem Landrat unterstellt.

Theoretisch ja.

Praktisch ist alles im Umbruch.

Die neue Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft in Berlin

hat ein großes Interesse, gerade hier in der Grenzregion,

zu wissen, was aus alten Verbindungen geworden ist.

Was meinen Sie denn damit?

Ihre enge Beziehung zu Franz Schober.

Ehemaliger Parteigenosse der NSDAP.

Das ist doch längst vorbei.

Ich wollte doch gerade gegen ihn aussagen.

Das bringt doch nichts.

Sie gelten doch als befangen.

Sie haben einen gemeinsamen Sohn mit ihm, der bei der SS war.

Was hat denn mein Sohn damit zu tun?

Ihren Gewerbeschein bräuchte ich noch.

Machen Sie Ihre Pension zu.

Ansonsten werde ich das veranlassen.

Wiedersehen, Frau Vöckler.

(Vorsitzender) Der Angeklagte Schober ist als Mitläufer einzustufen.

Nach Einschätzung des Gerichts

aufgrund der vorliegenden Unterlagen und der gehörten Zeugen

hat Schober nicht mehr als nominell am Nationalsozialismus teilgenommen.

Nach Zahlung eines einmaligen Sonderbeitrages

in den Wiedergutmachungsfonds in Höhe von 500 Reichsmark

wird die Anklage abgewiesen.

Anna! Jetzt warte doch mal!

Ich weiß nicht, warum Hilde nicht gekommen ist. Sie hat's versprochen.

Sie werden Sie nicht rübergelassen haben.

Nein, da wird irgendwas passiert sein.

Ach, das ist doch typisch.

Sie hetzen die Leute auf, im Westen wimmele es nur so von Nazis,

und könnte man mal wen verurteilen, schießen sie quer!

Das sind faschistische Kommunisten!

* Anna schluchzt. *

* Soldaten unterhalten sich auf Russisch. *

(Sonja) Soll ich dir lieber ein Butterbrot machen?

Nein, Danke schön.

Ich freue mich ja so. Er erzählt so viel von dir.

Und jetzt ist sie hier.

Vielleicht ist es ja ein Anfang.

Anfang von was?

Wir haben so viel Platz. Das Haus ist zu groß für uns beide.

Vater, mein Leben ist drüben!

Das kann nicht sein, dass du freiwillig wieder rübergehst.

Es ist nicht alles schlecht.

Es geht nur langsamer als im Kapitalismus,

wo Geld keine Rolle spielt.

Das ist nicht wahr! Bei euch wird alles den Bach runter gehen.

Ich glaube daran, dass die Welt für alle besser werden muss.

Und, ist hier etwa alles besser?

Das haben wir ja gerade im Gericht erlebt.

Danke.

Hallo, Anna. Danke, Werner.

Friedrich!

Schön, dass du wieder da bist.

Sie haben ihn wieder laufen lassen.

Ich hab schon gehört.

Hier.

Du siehst erschöpft aus.

Lass uns nach Hause, ja?

Norbert, da sind schon wieder zwei Russen auf unserer Seite.

Wir müssen gucken, was da los ist.

(Arne) Walter, Lust auf 'n Bier?

Alarmbereitschaft. Zwei Russen plündern wieder bei uns.

Die überfallen uns schon wieder. Bis nachher vielleicht, ja?

Verdammt! Wir müssen schauen, dass es keine Schießerei gibt.

(Arne) Wir gehen in den Westen und holen die Russen wieder rüber.

* Schüsse fallen. *

Warum schießen die?

Irgendwelche Übungen. Diese Militaristen.

(Lothar) Brr. Ruhig.

Friedrich!

Hab ich gekauft, innerzonal!

Mein Bruder hat mir ja verboten rüberzugehen.

Ist zwar kein Ersatz für Tassilo, aber ich dachte, du freust dich.

Ein Prachtstück!

Hätte ich mal lieber drei Fahrkarten nach Süden geholt.

Ab morgen ist das hier nichts mehr wert.

Bist du bescheuert? Was'n los?

Ab morgen gibt es die Deutsche Mark. Aber nicht für uns.

Die haben die Währungsreform wirklich durchgedrückt?

Die Schweine wollen uns kleinkriegen.

Nein, wir sind denen egal. Denen hier und denen drüben.

Die lassen uns einfach verrecken.

(Lothar) Schöner Junge. Wie wird er heißen?

Lothar?

Oh, Lothar!

Das ist ein Lothar!

Haben Sie echt geglaubt, die sperren den Schober ein?

Der schon wieder überall die Finger drin hat?

Ich hab's vermasselt, Cilly.

Meine Tochter ist drüben.

Mein Land ist drüben. Ich sitze hier und sie lassen mich nicht rüber.

Und wen interessiert das? Niemand. Die Anna auch nicht.

Aber ...

... ich kann warten. Das kann nicht mehr lange dauern.

(Cilly) Walter? Was ist passiert?

(Erwin) Jetzt setz dich erst mal hin.

Er hat einen erschossen.

Ich dachte, das war ein Russe.

Auf Russen sind wir früher gedrillt worden.

Ein Schuss, Genickschuss, und weg.

Der Arne ...

Der Arne? Aus der Schule?

Es war ein Versehen.

Die ersten Male haben wir uns mit Alkohol abgefüllt.

Entweder du krepierst, mein Junge. Oder du überlebst es.

So einfach ist das.

Georg.

Komm nach Hause.

* Ruhige Musik *

Hilde?

Warum ist geschlossen?

Hier, Kartoffelsuppe. Schmeckt auch kalt sehr gut.

Was ist passiert?

Sie erschießen meine Familie.

Sie nehmen mir meine Arbeit bei der Cilly weg wegen der Grenze.

Und jetzt kommt dieser Herrmann, dieser Wicht,

und zwingt mich, meine Pension zu schließen.

Und du?

Was machst du?

Du bist doch der Landrat.

Wie kann so ein mieser, kleiner Nazi das mit dir machen?

Woher willst du wissen, dass er Nazi ist?

Weil alle hier Nazis sind. Waren.

Alle! Ich auch!

Wir haben geglaubt, Konrad!

Wir haben den Mund gehalten und gehorcht.

Und, was hat sich geändert?

Jetzt gehorchen wir dem Stalin und der Partei.

Ich glaube, du willst es nicht verstehen.

Nein, das verstehe ich nicht. Sie haben einen erschossen.

Er war 22 Jahre alt.

Revanchisten, Imperialisten, Kapitalisten, Kommunisten.

Alles Agenten, Verräter, Saboteure. Wer ist hier wer?

Deutsche schießen auf Deutsche, soweit sind wir jetzt!

Hilde! Und was wird aus mir?

Es widert mich an!

Guten Morgen, Genosse Werner.

Aufgrund Ihrer eigenwilligen Aktion am Hellingerhof ...

Sie gehen zurück nach Berlin. Heute noch.

Das ist ein Befehl.

Und treten Sie mir nie wieder unter die Augen.

* Blaskapellenmusik *

(Konrad) Dieser schändliche Mord kapitalistischer Handlanger

an einem blutjungen Soldaten,

der unsere neue demokratische Ordnung verteidigt hat, ist grobes Unrecht.

Unsere Antwort darauf kann nur lauten:

Wenn ihr Wind säht, werdet ihr Sturm ernten.

* Kirchenglocken läuten. *

Ich werde an Ihrer Seite kämpfen.

* Gefühlvolle Musik *

* Gefühlvolle Musik hält an. *

Alle Männer zu Grenz- sicherungsarbeiten auf den Wagen!

Zack, zack! - Und unser Abgabesoll?

Wie sollen wir das noch erfüllt kriegen?

Das geht mich nichts an.

Los, beweg dich.

(Bauer) Was soll das? Seit wann sichern wir die Grenze?

Gegen wen überhaupt? Wir sind Bauern!

* Vogelzwitschern *

* Traktor nähert sich. *

Liesbeth!

Hallo!

Schön, dass du da bist.

Wir freuen uns so auf die Taufe.

Ich dachte, ich komme gar nicht. Sie wollten mich nicht rüberlassen.

Das ist Felix.

Schau mal, Felix. Das ist deine Großmama.

Du bist Felix?

So groß bist du schon? * Felix weint. *

So groß? Danke, Martha.

Gerne. Bis morgen.

Er hat Hunger. Komm, wir gehen rein.

Er sieht aus wie Friedrich.

Aber die schönen Augen hat er von dir.

Du hast aber viel Gepäck!

Das sind alles Geschenke für euch. Ja?

Von mir sind nur drei Schlüpfer.

Die Landmaschinen bekommt man hier geliehen.

Zur Verfügung gestellt von der Maschinen-Ausleihstation.

Hauptsache, ihr seid glücklich.

Wie geht es denn meinen beiden Neubauern?

Ich mach den Hof.

Ach, gut.

Friedrich arbeitet für den Landrat.

Aha, muss er dann nicht in der kommunistischen Partei sein?

Ja.

Und Lothar? Er arbeitet oft auch drüben.

Das geht? Dann verstehe ich den ganzen Aufstand nicht.

Auf dem Weg hierher gab es nur Polizeikontrollen.

Ich verstehe nicht, warum sie diese Grenze bauen.

Das ist ein Land! Du hast keine Ahnung, Liesbeth.

Ja? Warum?

Es haben alle Angst vor einem neuen Krieg.

Was denn für ein Krieg, Anna?

Die Menschen wollen leben.

Glücklich sein, essen, einkaufen, reich werden.

Anna, ich glaub für einen Krieg kommt da keiner mehr.

Ihr redet euch das nur ein.

Ich hab dir was mitgebracht.

Ich hoffe, es gefällt dir.

Ist das für mich? Mhm.

Ziehst du's mal an? Liesbeth, das ist wunderschön!

Hast du das gemacht? Ja.

Zieh's mal an! Ich kann's ja noch ändern.

* Unheilvolle Musik *

(Hubertus Prantl) Grenzpolizisten.

Ihre Aufgabe wird es sein, zu verhindern,

dass Saboteure, Spione, SS-Banditen die Grenze der DDR infiltrieren.

Sie haben einen Grenzdurchbruch mit allen Mitteln zu verhindern.

Notfalls mit der Waffe.

Haben Sie verstanden? - (alle) Jawohl!

Gefechtsstellung beziehen! Alle 50 Meter ein Mann, auf geht's!

So. Auf einem Streifen von zehn Metern

neben der hier verlaufenden Grenze wird gerodet.

Schnappt euch das Werkzeug, an die Arbeit!

Was? Den ganzen Wald?

Das machen wir nicht. Das wäre eine Schande!

Bis heute Abend ist das alles weg hier!

Das ist ein Befehl!

Auf geht's!

* Dramatische Musik *

Hier sehen Sie den Kontrollstreifen.

Er ist zehn Meter breit ...

... und er wird gerodet, gepflügt, gehakt

und er darf auf keinen Fall betreten werden.

Es folgt eine 500 Meter breite Schutzzone.

Auch sie ist absoluter Sperrbereich.

Ich habe gehört, die Amerikaner bauen Schützengräben. Stimmt das?

Das mögen Gerüchte sein.

Aber sie provozieren uns.

Tagtäglich.

Sie haben Stalins Angebote für ein vereintes,

neutrales Deutschland abgeschmettert,

und stattdessen die europäische Verteidigungsgemeinschaft errichtet.

Als militärisches Kampfbündnis gegen uns.

* Stimmengewirr *

Das könnt ihr nicht machen. Das ist dem Fichte sein Waldstück.

Nein, dem Bräuer, dem Bürgermeister.

Der ist letzte Woche abgehauen, der Wald gehört dem Staat.

Das wächst in 50 Jahren nicht mehr nach.

(Mann) Baum fällt!

An die Schutzzone schließt eine fünf Kilometer breite Sperrzone an.

Hier liegt Tannbach.

Direkt an der Demarkationslinie.

Die wir natürlich streng bewachen werden,

um ein Eindringen von feind...

... von feindlichen Kräften auf das Territorium der DDR

unmöglich zu machen. - Genosse Werner.

Genosse. - Danke.

Ich bin Parteisekretär Seiler.

Genossen, es geht um die geplante Aktion "Ungeziefer".

Diese ist ab sofort nicht nur Sache der Partei,

sondern vor allem auch des Ministeriums für Staatssicherheit,

der Volks- und Grenzpolizei.

Verantwortlicher Vertreter ist Genosse Oberkommissar Herrmann.

Guten Tag.

Ein Teil von Ihnen kennt mich. Ich bin froh, wieder hier zu sein.

Oberstes Ziel in den nächsten Tagen ist die Grenzsicherung.

Wir werden Tannbach natürlich nicht schleifen,

obwohl es genau an der Grenze liegt.

Laut Befehl 38/52 und der Verordnung vom 26. Mai

werden wir neben der Sicherung der Zone

vor allem hart gegen Spione, Saboteure, Staatsfeinde

und Schädlinge in unserem Grenzgebiet vorgehen.

Vor allem Grenzgänger und Schmuggler stellen eine Gefährdung

der antifaschistisch-demokratischen Ordnung dar.

Sie werden mit ihren Familienangehörigen ausgewiesen,

oder zwangsweise umgesiedelt.

* Spannende Musik *

(Lothar) Halt, wartet. Runter, runter!

* Sägen im Hintergrund * (Mann, entfernt) Achtung, Baum fällt!

Alles in Ordnung.

Kommt, weiter! Kommt! Schnell, Kinder. Schnell!

Vorsicht!

Sagt mal, was treibt ihr denn da drüben?

Baut ihr jetzt Festungsanlagen, oder was?

Wir schützen uns vor eurer Übermacht, euren Faschisten.

Ja, und eure verdammten Kommunisten. Kommt, macht.

Aber du bist trotzdem mein Freund.

Komm rüber, dann machen wir einen Schinken- und Wurstladen auf.

Nicht gerade Schinken und Wurst, aber wir finden was.

(flüstert) Bis später. - Pass auf sie auf.

Ihr habt's geschafft! Kommt!

Genosse Werner, gutes Gelingen.

* Unheilvolle Musik *

"Aktion Ungeziefer"? Das ist reine Nazi-Sprache.

Ausgerechnet Herrmann ist Oberleutnant bei der Stasi?

Opportunisten sind folgsame Knechte der Macht.

Ich hasse solche Kriecher.

Wie können sie zulassen, dass so einer zurückkommt?

Wo sollen die gewachsenen Sozialisten und Demokraten herkommen?

Friedrich!

Deine Mutter ist da.

Frau Erler. Guten Tag, Herr Landrat.

Aus Amerika?

Tag, Frau Erler.

Machen die jetzt tatsächlich mobil? Womit sollen sie das tun?

Mit Mistgabeln und Leiterwagen?

Wir werden die kleine Schreinerei bald vergrößern, Sonja.

Wir kaufen alles auf, was sie da drüben abholzen.

Dir wird keiner was verkaufen.

Mir nicht, aber Günther mit seiner Holzhandlung.

Der kennt die alle.

Jede deutsche Hausfrau träumt von einer neuen Küche.

Und die wird sie bekommen.

* Friedvolle Musik *

Verdammt.

Heute geht auch alles schief.

Weil du nicht auf deine Mutter vorbereitet bist?

Ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Es ist schwierig.

Es gibt seit kurzem diese Verordnung von Grotewohl für die Grenzregion.

Der Chef der Volkspolizei ... Du brauchst nicht weiterzureden.

Ich werde das meinem Vater nicht antun.

Ich habe ihn seit vier Jahren nicht gesehen.

Und egal wie ich zu ihm stehe: Felix ist sein Enkel.

Und ich will, dass er getauft wird und meinen Glauben hat.

Wenn ich schon nicht mehr in die Kirche gehen kann.

Hallo, Greta. Hallo.

Liesbeth glaubt sowieso, dass das alles Propaganda ist.

Ach ja? Das ist keine Propaganda! Die rüsten hemmungslos auf.

Wer denn?

Deine Leute oder unsere "Feinde"?

* Musik: Jackie Brenston - "Rocket 88" *

Schläft Felix?

Ich habe ihn ins Bett gebracht. Hallo, Friedrich.

Mutter.

Mein Junge.

Oh Gott, habt ihr mir gefehlt!

Ich habe so Heimweh nach euch gehabt.

Deshalb bist du nie gekommen?

Ich hab geschrieben.

Er freut sich. Wir freuen uns. Auf dich, Liesbeth!

Danke. - Anna.

Was ist denn mit meinen Briefen? Ihr habt nie geantwortet.

Offenbar hast du dich zu offenherzig über den Sozialismus geäußert.

Ach so.

Ist ja auch egal.

Danke, dass du mich zur Taufe eingeladen hast, Anna.

Ich habe mich sehr gefreut. Wir freuen uns, dass du da bist.

* Tür wird geschlossen. *

Aktion "Ungeziefer".

Bekämpfung von Schmugglern, Saboteuren und Terroristen ...

Zwangsumsiedlung ...

Wie findest du mein Kleid? Dazu hast du noch nichts gesagt.

Das ist sehr praktisch für unser Leben hier.

Du bist ungerecht.

Sie hat sich so sehr auf uns gefreut.

Und sie hat ein halbes Vermögen für uns ausgegeben.

Ich weiß.

Sie ist mir einfach zu viel.

Diese Aktion "Ungeziefer", wir sind direkt betroffen.

Lothar, du und ich. Wir sind in Gefahr, verstehst du?

Es ist jede Woche irgendwas Neues.

Die Taufe wird nicht verschoben! Regel das!

Anna, darum geht es nicht. Worum geht's denn dann?

Es geht um Lothar und sein Schmuggeln.

Hier muss man wohl immer noch die Klappe halten?

Das kann ich so schlecht.

Weißt du Lothar, in New York, da ist es egal was du glaubst oder denkst,

ob du Jude bist oder Katholik oder dir einen Knopf an die Backe nähst.

Es würde dir dort gefallen.

Ich habe ihm versprochen, bei ihm zu bleiben.

Ihr seid so ... deutsch.

Streiten sie sich oft?

Nein, eigentlich nicht.

Verstehe. Es ist wie bei uns damals.

Er will die Welt retten, sie möchte ein gemeinsames Leben.

Herr Erler, kommen Sie mal bitte!

Nur, damit Sie auch informiert sind.

... müssen folgende Personen innerhalb von 48 Stunden

ihre Häuser verlassen ... Lothar Erler ... Liesbeth Erler ...

Wieso steht meine Familie auf dieser Liste?

Was hat das mit uns zu tun? Zeig her.

Lothar, Anna. Mein Sohn.

Sogar meine Mutter und die ist nur zu Besuch hier!

Diese Liste ist mit mir nicht abgestimmt.

Ist es wegen der Taufe? Weil wir drüben feiern wollen?

Meine Frau möchte in ihre Kirche. Meine Mutter kommt aus Amerika.

Ich bring diesen Herrmann um! Du wartest!

Meine Herren, diese Liste hat es nie gegeben!

Habe ich mich klar ausgedrückt?

Das ist der reinste Dilettantismus.

Wollen Sie die alle zwangsumsiedeln?

Wieso?

Diese Liste ist entstanden aus dem gesammelten Wissen der Abteilungen

Pass- und Meldewesen bzw. durch Informationen

der Kriminal- und Schutzpolizei. - Und der Staatssicherheit.

Durch Ihre Denunzierung steht halb Tannbach auf dieser Liste.

Sind Sie noch zu retten? Wollen Sie den ganzen Ort auslöschen?

Hilde Vöckler, aufgefallen durch "negative Einstellung".

Heißt was genau?

Verwandtschaftliches Verhältnis zu einer reaktionären Westfamilie.

Und Anna Erler?

Genosse Werner, ich bitte Sie!

Sie ist eine geborene Striesow.

Ihr Vater ist ein ehemaliger Großgrundbesitzer,

der zwei Kilometer entfernt im Westen sein Unwesen treibt.

Sie ist eine Erler. Anna Erler ist eine tüchtige Neubäuerin.

Und ihre Schwiegermutter? Ist die Agentin bei der CIA?

Weiß ich nicht.

Und das Baby?

Das ist Sippenhaft, Herrmann. Das hat Ihr Himmler eingeführt.

"Auslöschen bis ins letzte Glied", ist es das, was sie wollen?

Sie bewegen sich auf sehr, sehr, sehr dünnem Eis.

Sie auch, Genosse Werner.

Der beste Lump im ganzen Land ist immer noch der Denunziant.

Wir sehen uns morgen vor der Kreiskommission.

Das gibt's doch nicht.

Ich will diese Liste nicht mehr sehen!

Und? Komm in mein Büro.

Vergiss diese Liste.

Er wird sich morgen vor der Kreiskommission verantworten.

Danke.

Die Taufe ...

Die Passierscheine.

Ihr habt mit Hin- und Rückfahrt drei Stunden Zeit.

Keine Minute länger.

Braucht ihr eine Minute länger, seid ihr illegale Grenzgänger.

Nach der neuen Verordnung sind illegale Grenzgänger

und deren Angehörige zwangsumzusiedeln.

Und dann kann ich nichts mehr für euch machen.

* Unheilvolle Musik *

Komm, ich zeig dir was.

* Unheilvolle Musik *

So Lisa, du musst jetzt was trinken. Ich hab's der Resi versprochen,

Hallo Lisa, wie geht's? Hallo Anna.

Schönes Kleid. Danke.

Ist es immer noch nicht besser? Nein.

Morgen ist die Taufe. Ich brauche Schokoglasur.

Da hast du Glück, ich habe welche da.

Weißt du, was die da machen? Nein.

Konrad hat mich zu sich bestellt. Wegen einem Umsiedlungsbefehl.

Was denn für ein Umsiedlungsbefehl?

Ich dachte, du weißt vielleicht etwas darüber von Friedrich.

Der hat was von einer Grenzverordnung gesagt.

Frag doch den Landrat. Ihr seid doch ...

Freunde, ja.

Danke.

Tschüss, Lisa.

(Konrad) 1.378 Kilometer.

Von der Lübecker Bucht im Norden bis zum Dreiländereck im Süden.

Das wird ein gigantisches Schutzbauwerk.

Wir müssen das tun,

damit wir den Sozialismus in Ruhe aufbauen können.

Sonst geht es uns wie Korea.

(Liesbeth) Rührei und Bratkartoffeln habe ich ewig nicht gegessen.

Weißt du, das Schlimmste ist eigentlich das Heimweh.

So weit weg von Zuhause denkt man ständig an die Heimat,

obwohl man eigentlich gar nicht mehr weiß, was das ist.

Erzähl mal von dir! Bist du verliebt? Was arbeitest du?

Ich betreibe sowas wie deutsch-deutschen Handel.

Meine Familie, das sind jetzt Anna und Friedrich,

nachdem du uns verlassen hast.

Ich habe euch nicht verlassen.

Ich habe es hier nicht mehr ausgehalten

und ihr wolltet nicht mit. - Du hast uns trotzdem verlassen.

Und er hat das nie verstanden.

Der Landrat ist nicht da.

Ja, richte ich ihm aus, Frau Vöckler. Sie warten im Konsum.

Wiederhören.

Na, Herrmann. Gibt's was Neues?

Frau Vöckler war hier. Hat die ganze Zeit auf Sie gewartet.

Hat sie irgendwas gesagt? - Nein.

Übrigens, von Striesow hat sich alles unter den Nagel gerissen.

Über einen Strohmann, diesen Günther.

Wer hat bitte was? - Ich kümmere mich drum.

(Liesbeth) Am Anfang konnte ich mich kaum über Wasser halten.

Manchmal wusste ich nicht, wie ich die nächste Miete bezahlen soll.

Aber so nach und nach kamen die Aufträge.

Von Amerikanern, aber auch von vielen Deutschen.

Interessante Leute. Künstler, Wissenschaftler.

Man hätte sich fast wie zu Hause fühlen können.

Wer tüchtig ist, kann es da drüben zu etwas bringen.

Es schläft sich ganz passabel. Möchtest du es mal probieren?

Anna, warum kommt ihr mich nicht mal besuchen?

Schaut euch den schrecklichen Kapitalismus doch mal an!

Weil Menschen unterschiedlich sind!

Weil Friedrich und ich andere Ideale haben.

Liesbeth, kannst du das nicht einfach akzeptieren?

Es ist trotzdem schön, dass du da bist. Gute Nacht.

Was ist denn hier passiert?

Das räumen wir morgen in die Scheune.

Acht Jahr, nein sieben ist's her.

Wir haben geweint und geweint und gezetert mit'm lieben Gott.

Und jetzt ist er wieder da.

Aus dem Krieg, den wir nie verlieren hätten dürfen.

Aber wir richten ihn schon wieder zusammen, den Gustl.

Der braucht erst mal was Gescheites zu essen.

Dann wird er schon wieder.

Was ist des? Meine Möbel? Meine Sachen?

Wo sollen denn jetzt die Kinder wohnen?

Er hat sich halt aufgeregt.

Ist ja immer sein Zimmer gewesen. Das musst du auch verstehen.

Und er hat ja auch recht.

Ganz ruhig, alles gut. Alles gut, Gustl!

Ich möchte, dass du mich auszahlst.

Ich geh wieder weg.

Was redest du?

Ich habe doch längst vorgesorgt für dich.

Was willst du dich abrackern auf dem Hof?

Schau.

Direkt aus der Fabrik in Jena.

* Lachen *

Ich mach den "Westverkauf", sozusagen.

Du schmuggelst? - Ja.

Ich mag die Leute im Osten. Die sind noch dankbar und verlässlich.

Bei uns macht der Wohlstand die Sitten kaputt. Das ist ganz einfach.

Du nimmst 100 DM, fährst rüber, wechselst sie 1:10 in 1000 Ostmark,

kaufst bei unseren "Freunden",

verkaufst die Ware für 1000 Westmark.

Und so weiter.

Nur Geld drucken ist leichter.

Und gegen ein bisschen Kohle

haben auch eingefleischte Kommunisten nichts.

Da ist ihnen der Arsch näher als die rote Fahne.

Ich mache mir nur ein kleines Währungsgefälle zunutze.

Vater, das interessiert mich nicht.

Schlaf dich erst einmal aus, dann sehen wir schon.

Bin halt doch froh, dass du da bist.

Was wird jetzt aus uns, Heini?

Was soll werden? Der Hof gehört mir, dir und unseren Kindern.

Setzt du das auch durch?

Mir graust so vor mir, Theresa.

Ich spür nix mehr.

Es ist wie ausgeschwemmt in mir drin.

Jahrelang hat's wehgetan, wenn ich an ihn gedacht hab.

Ich hab mir vorgestellt, wie er daliegt am Boden.

Eingefroren zwischen zigtausend Knochen.

Aber wo ich ihn heute gesehen habe, ...

... da hab ich mir gedacht, warum bist du nicht tot, Gustl.

Warum bist du nicht einfach da geblieben, wo du warst?

Und dann passiert's.

Dass man seinen Bruder erschlägt, wie der Kain den Abel.

* Heini schluchzt. *

Resi, ich will einfach ein Mensch bleiben.

Lothar, was wird das?

Ich hau ab. Über Berlin.

Bevor sie mich holen.

Was ist mit der Taufe?

Scheiß drauf, ich hab deine Liste gelesen.

Lothar, du bist Taufpate.

Ich weiß, dass ich euch in Gefahr bringe, das sagst du mir jeden Tag.

Der Landrat kann nichts mehr machen.

Und ich schon gar nicht. Weil ich ein Grenzgänger bin?

Weil ich ein Krimineller bin? Hm?

Erzähl denen, ich bin nicht dein Bruder.

Sag ihnen, ich bin ein Jude.

Das kommt in diesem Land immer gut an.

(Liesbeth) Seid ihr verrückt geworden? Hört auf.

Jetzt reicht's. Jetzt reicht's!

Schluss.

Wir bringen morgen die Taufe hinter uns

und dann geht jeder seiner Wege.

Verstanden?

(laut) Verstanden?

In Ordnung.

Ihr fahrt morgen rüber, ich komm nach.

Das geht nicht, das ist zu gefährlich.

Wir fahren ohne dich rüber.

Und wenn wir wiederkommen, dann feiern wir gemeinsam.

Dann gehst du mit Liesbeth nach Berlin.

* Tür wird geschlossen. *

Lothar gehört zu uns.

Ich weiß.

Das wird sich auch nicht ändern.

Versprich mir, dass du ihn schützt.

Ich werd's versuchen. Versprich's mir.

Gut, ich versprech's dir.

Ich liebe dich.

Ich dich auch.

* Motor *

(Mann) Die Bretter müssen dort hin.

Schneller, das muss fertig werden.

Bauer Fichte?

Wenn ihr wegen der Butterabgabe hier seid,

die Viecher haben kaum Milch abgegeben.

Sie gehören zum Personenkreis, der nach der Verordnung vom 26. Mai

als Sicherheitsrisiko gilt und ins Landesinnere umzusiedeln ist.

Was haben wir mit der Sicherheit zu tun?

Bewegliches Inventar verbleibt am Grenzort.

Das gilt nicht für normalen Hausrat, den dürfen Sie mitnehmen.

Hier unterschreiben. Und Ihre Ausweise.

Unterschreiben!

* Unheilvolle Klänge *

* Auto startet. *

* Klaviertöne *

* Ruhige Musik *

* Baby weint. *

Ihre Passierscheine, bitte.

Nein, Lothar Erler ist nicht dabei. Richtig.

Die machen dicht. Ich fass es nicht.

Die machen einfach dicht.

In Ordnung.

Weiterfahren. Sie haben drei Stunden.

* Spannende Klänge *

(Megaphon) An alle Bewohner Tannbachs.

Laut der besonderen Verordnung an der Demarkationslinie

teilen wir Ihnen mit, der Grenzverkehr in beide Richtungen

sowie der Aufenthalt im Sperrgebiet ist untersagt und wird geahndet.

Bei Nichtbefolgung der Anordnung der Grenzstreifen

wird von der Schusswaffe Gebrauch gemacht.

Felix, der Glückliche.

Wir beten für dieses Kind,

weil es in einer Liebe aufwächst,

die irgendwann die Grenze überwinden wird,

die diese Familie,

dieses Dorf, ja, das ganze Land zerschneidet.

Liebe Anna, lieber Friedrich ...

(Megaphon) An alle Bewohner Tannbachs.

Laut der Verordnung an der Demarkationslinie teilen wir mit,

der Grenzverkehr in beide Richtungen sowie der Aufenthalt im Sperrgebiet

ist untersagt und wird geahndet.

Bei Nichtbefolgen der Anordnung der Grenzstreifen

wird von der Schusswaffe Gebrauch gemacht.

Liebe Anna, lieber Friedrich,

selig sind, die reinen Herzens sind.

Matthäus 5, Vers 8 ist euer Taufspruch für Felix.

Wir wüschen uns für sein Leben,

dass er ein Herz haben möge

dass er sich im Wissen um die eigene Versehrtheit

seine Reinheit als Gabe von Gott erbitten wird.

Es geht für uns alle in diesen Zeiten roher Gewalt darum,

dass unser Gewissen und unser Herz beurteilt,

was gut und richtig ist.

In der Verheißung Gottes:

(Pfarrer) "Selig sind, die reinen Herzens sind ...

(Grenzstreife) Da ist einer.

(Pfarrer) ... denn sie werden Gott schauen."

Nicht schießen, ich glaub, das ist Lothar.

Felix Lothar Erler,

ich taufe dich im Namen des Vaters

und des Sohnes

und des Heiligen Geistes.

Amen.

* Ruhige Musik *

Gute Arbeit, Welke.

Jessas Maria.

(schreit) Was habt ihr gemacht?

Der ...

Der liegt auf eurer Seite.

Auf unserer Seite?

Sag mal, bist du noch bei Verstand?

Du darfst nicht sterben.

Wir gehen doch beide weg, oder?

Oder machen zusammen unseren Laden auf?

Bitte!

So, ihr haut jetzt ab!

Haut ab, los!

Macht, dass ihr wegkommt!

Sonst gibt's hier noch ein Blutbad.

Auf die bezaubernde Mutter,

auf Friedrich,

auf die Schwiegermama

und auf dich, mein Schatz.

Auf das Leben trotz Schießbefehl und Stacheldraht.

So, bitte, lasst es euch schmecken.

Ihr habt es verdient.

Man hört ja immer, wie wenig es bei euch drüben gibt.

Es gibt genug für alle.

Ich glaube, bei den politischen Themen

liegen wir zu weit auseinander.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach:

Ohne Amerikaner und den Marshall- Plan wären wir heute so arm wie ihr.

Ich bin's nicht mehr gewohnt, so viel zu essen.

Unsere Passierscheine laufen in anderthalb Stunden ab.

Friedrich.

Seid ihr alle verrückt geworden,

dass länger mit euch machen zu lassen?

Vater! Nein Anna, jetzt ist Schluss.

Felix und du, ihr bleibt hier, bis wir wissen, was da vor sich geht.

Anna.

Wir kommen besser nach.

Ich gehe mit Felix zu Fuß.

Gut?

Gut.

Die Schießerei vorhin, hat man jemanden erschossen?

Einer von uns, nördlich am Bach.

Weiß man wer? Nachrichtensperre, wir wissen nichts.

Ich muss dich festnehmen, Friedrich.

Was? Mich? Warum?

Verdacht auf Republikflucht.

Los! Spinnt ihr? Ich bin doch hier.

Michi.

Ich mag keine Menschen mehr jagen.

Genosse Werner. Was liegt gegen den Mann vor?

Versuchte Republikflucht.

Nehmen Sie ihm die Handschellen ab!

Was ist hier los? Warum bin ich verhaftet?

Das erklär ich dir drin.

Heute herrscht hier Ausnahmezustand.

(Werner) Die Zwangsumsiedler widersetzen sich.

Wer hat meine Verhaftung befohlen? Das klären wir.

Herr Erler, entschuldigen Sie.

Aber als Ihr Bruder an der Grenze erschossen wurde,

hatten wir keine Wahl.

Was haben Sie gesagt?

Mein Bruder ist tot? Sie haben meinen Bruder erschossen?

Ich hab doch Ihren Bruder nicht erschossen!

Mein Bruder ist tot!

Ich würde niemanden erschießen,

der 863 Menschen zur Flucht verholfen hat.

Ich bring Sie um!

So jemanden wollen sie lebendig!

Wir schießen doch nicht auf Deutsche.

Die Schüsse kamen von der anderen Seite.

Die aus dem Westen erschossen ihn. Kann nicht sein.

Das kann nicht sein.

Lothar kannte drüben jeden.

Das waren seine Freunde.

Jetzt setzt man auch drüben auf ortsfremde Kräfte.

Die fackeln nicht lange.

Er wollte zur Taufe.

Weil ich es wollte.

Es ist meine Schuld.

* Traurige Musik *

* Traurige Musik hält an. *

Ihr könnt da nicht rüber.

Seht euch das doch mal an, das wird ein Gefängnis.

Übertreib nicht, Vater.

Friedrich wartet auf mich.

(Grenzstreife) Darf passieren.

Kommst du, Liesbeth?

Anna. Ich komm nicht mit.

Ich geh nicht wieder zurück.

Bitte, hol Friedrich und Lothar. Kommt zu mir nach Berlin.

Du kommst jetzt nicht mit?

Wenn du jetzt rübergehst, dann sehen wir uns nur noch über diesen Zaun.

Ich will dich nicht schon wieder verlieren.

Du bist mein Vater, das wirst du immer bleiben.

Wiedersehen.

Danke. Danke.

Friedrich.

Frau Erler? Ja?

Wo ist mein Mann?

Er ist in Sicherheit. Kommen Sie bitte mit.

Jetzt, wo wir wieder wer sind,

werden wir denen da drüben schon zeigen, wo's lang geht.

Prost. - Prost.

Prost, Junge.

(Gast) Auf die Zukunft.

(Liesbeth) Wie hältst du es hier nur aus?

Ich kriege hier Beklemmungen. Ich kriege keine Luft.

(Schober) Ich versichere euch, dass ich bei allen Parteien

in Oberfranken Druck machen werde, damit das Unrecht der Vertreibung

und Enteignung zurückgenommen wird.

* Stimmengewirr, Zustimmungsbekundungen *

Dass der hier immer noch sein Unwesen treibt ...

(Schober) .. wie ihr wisst, immer schon die Versöhnung.

Es waren schließlich nicht alle Verbrecher, die in der Wehrmacht ...

... ihrem Land treu gedient haben.

* Stimmengewirr, Zustimmungsbekundungen *

Meine Frau wartet.

Heil Hitler, Herr Major!

Waren Herrn Major immer dankbar für Alkohol und doppelte Rationen.

Ich darf Sie erinnern, Herr Major. Obergefreiter Schober.

300 Zivilisten festgenommen aus den umliegenden Dörfern.

Wir erwarten Ihren Befehl.

100 für jeden getöteten deutschen Soldaten.

50 für jeden verletzten.

Wie befohlen. Alles Partisanen.

Was soll das? Verschwinden Sie!

300 am Tag waren gut!

Sehr gut!

Ein ganzes Dorf! Ausgelöscht!

Sie sind ja betrunken!

Ratatatatatata! Je mehr desto besser! Ratatatatatata!

Gustl! Halt deinen Mund!

Auf die Wehrmacht lassen wir nichts kommen.

Das waren anständige Kerle, so wie du.

Außer diesen Feiglingen und Deserteuren.

Ratatatatatata! Erst die Frauen! Ratatatatatata!

Dann die Kinder, die hatten keine Mamas mehr.

(Schober) Dir haben sie wohl ins Hirn geschissen!

Ruhe!

(Schober) Cilly, schenk ein!

* Angespannte Musik *

Ich möchte jetzt bitte zu meinem Kind.

Das verstehe ich, Frau Erler.

Vorher möchte ich Ihnen Fragen zu Ihrem Schwager,

Lothar Erler, stellen.

* Es klopft an der Tür. *

Es ist wahr, was er gesagt hat.

Ich hatte nicht die Kraft, ich hatte nicht den Mut ...

* Er seufzt. *

Es gibt keine Entschuldigung.

Die Zeit heilt keine Wunden.

Das hast du gesagt.

Was bleibt, ist die Schuld.

* Sie seufzt. *

Noch mal: Mein Schwager hat niemanden zur Flucht

aus der DDR angestiftet!

Falsch. Er hat sich von den imperialistischen Aggressoren

sogar dafür bezahlen lassen.

Warum haben Sie das nicht gemeldet? Weil es nicht stimmt!

Er hat ab und zu Lebensmittel und Haushaltswaren getauscht.

Ich möchte jetzt gehen. Lebensmittel ...

Wissen Sie, was das ist?

Das sind Optiken aus Jena.

Mit das Beste auf der Welt.

Hochsensibles, technisches Gerät. Auch für militärische Zwecke nutzbar.

Oder zur Spionage.

Die hat Ihr Schwager rüber- geschmuggelt und dort verkauft.

Unter anderem an den ehemaligen NS-Ortsbauernführer Franz Schober.

Ich weiß, wer das ist.

Franz Schober hat nicht nur Ihre Mutter auf dem Gewissen.

Sondern auch Ihren Schwager Lothar Erler.

Und er ist ein Nazi geblieben. Revanchist.

Kriegstreiber.

Er hat seine Komplizen von der West-Polizei

auf Ihren Schwager gehetzt. Er hat Lothar erschießen lassen?

Nein. Aber seine Freunde.

Diese Militaristen wollen einen neuen Krieg anzetteln,

verstehen Sie? Wir sind ein kleines, junges Land.

Wir müssen uns schützen!

Deshalb müssen wir hier zusammenhalten.

Also. Noch mal:

Haben Sie davon gewusst?

Wusste Ihr Mann davon?

Würden Sie uns in Zukunft unterstützen?

* Traurige Klavierklänge *

* Traurige Musik dauert an. *

* Anna weint. *

* Sie schreit. *

Verstehe.

Dann richten Sie ihm bitte aus oder legen Sie ihm einen Zettel hin,

er kann mich im "Konsum" erreichen, ja?

Wiederhören.

* Leise, traurige Musik *

* Musik verstummt. *

* Ziege meckert. *

Rosa, was machst du denn hier?

Die kannst du haben, Friedrich.

Du kannst auch unseren Hof haben.

400 Jahre alt, sowas findest du nicht mehr.

Sie wollen uns weghaben.

Nimm die Tiere, Friedrich. Ich schenke sie dir auch.

Hauptsache, die Viecher haben es gut bei dir.

Wiedersehen, Friedrich.

* Ziege meckert. *

Rosa, ich bring sie dir. Sobald ihr ein neues Zuhause habt.

Ich versprech's dir.

Ich unterschreibe euch gar nichts.

Ich bin der Müller und gehöre hierher.

Meine Familie ernährt diesen Ort.

Boykott wird mit Zuchthaus zwischen drei und acht Jahren bestraft.

Bringen sie uns jetzt alle nach Russland?

Ich bin ein Sozi, ihr Deppen! Das ist ein Missverständnis!

Ihr macht einen Riesenfehler.

Haut ab!

Die werden so einem wie mir nichts tun.

Und dir und den Kindern zweimal nicht.

* Unheilvolle Musik *

Hilde!

Es ist besser, wenn du mit zu uns kommst.

Wenn die Umsiedlungswelle vorbei ist, kannst du sicher in dein Haus.

Nein, Friedrich. Ich werde mich nicht verstecken.

Die Leute haben 48 Stunden Zeit zu packen.

Nicht 24 oder weniger.

In anderen Landkreisen hat man kurzen Prozess gemacht.

Wir sind seit drei Jahren ein demokratisches Land, verdammt!

* Türklopfen *

* Sie begrüßen sich auf Russisch. *

* Konrad spricht auf Russisch. *

* Kommandant antwortet auf Russisch. *

Sie schaden mit Ihren Aktionen dem Ansehen der UdSSR.

Und was das heißt, muss ich Ihnen nicht sagen.

Friedrich, du pfeifst mir diesen aufgebrachten Prantl zurück.

* Spannende Musik *

(Prantl) Kratzer!

(Prantl) Kratzer!

(Frau, aufgebracht) Egon! Egon!

Sie kommen uns holen!

Hol du die Kinder, schnell! - Ja!

(Prantl) Kratzer! Jetzt komm raus endlich!

(Prantl) Sonst müssen wir stürmen!

Du hast immer noch nichts dazugelernt, Prantl, he?

Einmal Faschist, immer Faschist.

Kommt, Bauern. Den holen wir uns, den Sturschädel.

Tür aufbrechen, auf geht's!

Wir sind zur Grenzsicherung eingeteilt.

Dafür nicht, Hubert. - Das machen wir nicht!

Der Kratzer ist einer von uns, Prantl!

(Prantl) Oberkommissar Prantl, gefälligst!

Wird's bald! Aufbrechen und zwangsevakuieren.

Das ist ein Befehl!

Bleib da stehen. - Also, pass auf.

Bereit machen zur Stürmung. Wer nicht mitmacht, wird verhaftet.

Los jetzt! Drei Mann Tür aufbrechen!

Geh schon zu!

Paul! - Paul!

Komm her! - Geh schon zu, wir kommen nach.

Ich geh nicht ohne dich! * Holz bricht. *

* Bauern kämpfen mit der Polizei. *

* Kampfgeräusche, Stimmengewirr *

* Entferntes Stimmengewirr *

* Spannende Musik *

Waffen runter! Nicht schießen! Waffen runter!

Auseinander!

Was soll das hier werden?

Runter mit den Waffen!

(schreit) Runter!

Gut so. Der Staat wird es euch danken.

Und ihr Bauern, ihr geht jetzt nach Hause.

Auf eure Felder.

Ich danke allen Werktätigen und der Volkspolizei.

Die Aktion ist auf Befehl des Landrates beendet.

Und Sie, Prantl.

Sie sprechen in einer Stunde beim Landrat vor. Verstanden?

Aufsitzen.

Egon. Ihr müsst mit mir kommen.

Der Landrat wird eine Lösung für euch finden.

Es tut mir leid.

Wo ist deine Frau?

Gehen wir.

* Vogelgezwitscher *

Ich habe nie aufgehört, an dich zu denken.

Anna!

Ich habe sie gerade noch aufhalten können.

Kratzer ist gerettet. Gott sei Dank.

Dass das alles so weit kommen muss.

Du hattest Recht. Wir müssen uns schützen.

Die haben drüben alle Leitungen gekappt, diese Schweine!

Da geht gar nichts mehr.

Das ist ein Gefängnis, meine Tochter ist eingesperrt.

(Cilly) Es beruhigt sich.

Die bauen eine Mauer, Cilly. Mach die Augen auf!

Die sperren sich ein!

Trude und Karsten haben es gerade noch geschafft.

Die wollten einfach die Mühle vom Kratzer plattmachen.

Ich verstehe es nicht. Die eigenen Leute!

Wegbomben sollte man die.

Mit Ami-Panzern rüber und alles plattmachen.

Reg dich nicht so auf.

Wie war es denn im Camp? - Nix Camp.

Wir mussten bei den Amis antreten und beweisen,

dass nicht wir, sondern die von drüben den Lothar erschossen haben.

(Cilly) Welchen Lothar? - (Walter) Unseren Lothar!

Diese Drecksschweine! Einfach so in den Rücken rein.

* Traurige Musik *

Was ist mit Lothar? Friedrich! Was ist mit Lothar?

(Soldat) Halt! - Was habt ihr mit ihm gemacht?

(Soldat) Halt!

Ihr Mörder ... (schreit) Ihr Mörder!

(Soldat) Schluss jetzt!

Fass mich nicht an! Du bringst deine eigenen Leute um!

Schau hin, Friedrich. (schreit) Schau hin!

Schau hin, sie schießen auf euch!

Schau hin, Friedrich. Bitte, komm mit. Bitte!

Man kann umkehren im Leben, wenn man was verkehrt gemacht hat.

Wenn man sich geirrt hat, ich habe mich oft geirrt.

Ich habe alles falsch gemacht.

Es tut mir leid.

Es tut mir leid, Friedrich.

Aber bitte, bitte komm jetzt mit. Nein, Mutter. Du irrst dich.

Dein Westen hat Lothar erschossen.

Einfach in den Rücken, auf dem Weg zur Taufe.

Ihr habt meinen Bruder auf dem Gewissen, ihr Schweine!

Begreif das!

Bitte.

Komm mit.

* Liesbeth schluchzt. *

* Traurige Musik *

* Schwere Schritte *

Ich war bei dir.

Wo warst du?

Ich habe dich angerufen. Ich war bei Lisa.

Hab auf dich gewartet.

Ich dachte, dass wir ...

(Herrmann) Frau Vöckler.

Ich muss jetzt gehen. Hilde, ich ...

* Emotionale Klaviermusik *

* Emotionale Klaviermusik hält an. *

Das ist die Letzte. Hilde Vöckler.

* Emotionale Klaviermusik *

(Volkspolizist) Abfahrt!

Werden die jetzt alle umgesiedelt? Die einen schon.

Die anderen werden wegen Boykotthetze eingesperrt.

* Emotionale Musik *

Tja, man hat mich nach Berlin abberufen.

Ab Juli werden dort die Länder durch Kreise und Bezirke ersetzt.

Und die Landräte abgeschafft.

Die Idee von einer gerechteren Welt ist nicht schlecht.

Auch wenn unser Fehlverhalten sie trübt.

Neue Ordnungen brauchen Zeit.

Rückschläge gehören leider dazu.

Aber wenn du nicht daran glaubst und nicht dafür kämpfst,

dann kannst du nicht gewinnen.

Do swidanja, mein Freund.

* Ruhige, vereinzelte Klavierklänge *

Ich bin stolz auf dich.

Und ich glaub an das hier.

Ich glaub an all das, was wir uns hier gemeinsam aufgebaut haben.

Das ist unser Zuhause!

* Ruhige Musik *

* Ruhige Musik hält an. *

* Ruhige Musik hält an. *

* Ruhige Geigenmusik *

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