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♪ Getragenes Klavierspiel ♪
(Radio) * ... die scherzhaft gemeinte Äußerung *
* des amerikanischen Präsidenten Reagan über eine Bombardierung ... *
♪ Getragene Streicher und Klavier ♪
* Es weht ein schwacher bis mäßiger Wind aus westlichen Richtungen ... *
Es ist so ruhig.
Man hört Anne gar nicht.
Das kann auch ruhig noch 'ne Weile so bleiben.
* Juchzen und Lachen *
* Hektisches Lufthohlen *
♪ Bedrohliche dunkle Streicher ♪
♪ Bedrohliche dunkle Streicher ♪
* Pfiff *
♪ Treibender Elektro-Pop ♪
* Pfiff *
* Pfiff *
♪ Treibender Elektro-Pop ♪
Juli, mit der Zeit reißt du keinen vom Hocker.
Wir müssen an deiner Wasserlage arbeiten
und dein Abdruck ist zu schwach!
Karina, deine Wende ist auch zu langsam.
Evi, Gwen, eine auf Kraul, eine Brust und ihr beide seid fertig.
Ich dreh noch 'ne Runde.
* Pfiff *
Na? Na, du.
Deine Nichte ist richtig gut. Aber gut reicht nicht, weißt du ja.
Aber sie hat die besten Anlagen.
Ehrgeizig wie immer, deswegen bin ich da.
Wir brauchen für den Bundesstützpunkt einen neuen Cheftrainer.
Du wärst perfekt dafür.
Ich hoffe, du sagst mir nicht wieder ab.
Machst du mir hier 'n Angebot?
Anne! Du bist ehemalige Deutsche Meisterin,
du bist hier überqualifiziert.
Ich muss mir das überlegen. Ich brauch 'n bisschen Zeit.
Ich geb dir acht Tage,
dann sagst du mir, wie du dich entschieden hast.
Acht Tage?
Länger kann ich die Stelle für dich nicht freihalten.
Von 'nem Verehrer?
Anne?
Ich rechne mit dir.
Die Mama hat angerufen.
Du sollst die Wurstplatten nicht vergessen.
Nein, ich hab nicht vorbestellt, hab ich vergessen.
Ja, so 'n bisschen Aufschnitt.
Was Grünes drauf, kleine Gürkchen, Räucherlachs ist auch gut.
Super.
Meine Mutter hat Geburtstag.
Wenn da was schief geht, hab ich 'n Problem.
Danke.
* Handybrummen *
* Hier ist Tom Kampmann, Nachrichten bitte nach dem Ton. *
Tom, wo bist du?
Ich erreich dich nicht, meld dich mal.
Dass du so was kannst. - Gelernt ist gelernt.
* Handy-Signalton *
Schon wieder dein Kampfkarpfen?
Sei nicht so gemein.
Achtung! Ich riech nach Farbe und Schweiß.
Ich liebe deinen Schweiß.
Mehr als den Chlorgeruch vom Schwimmbad?
Viel mehr.
Dann bleib doch einfach hier.
Das geht nicht, Schwiegermutter hat Geburtstag.
Ich freu mich drauf, wie auf 'ne Wurzelbehandlung beim Zahnarzt.
Miri!
Papa.
Wo hast du denn mein Julchen gelassen?
Wo wohl? Wahrscheinlich treibt Anne sie noch durchs Becken.
Ohne Fleiß kein Preis. Wir kennen ja unsere Anne.
Komm, lass dir mal was abnehmen. Mann, sind die schön.
Wo ist Mama?
Die macht sich noch hübsch. Doris und Martin sind schon da.
Tom?
Tom?
* Zuschauerjubel *
* Verhallte Wettkampfatmosphäre mit Stadionsprecher *
Hallo, Anni.
Anni?
Anni?
Alles okay?
Ja. Brock hat mir ein Angebot gemacht.
Potsdam? Mhm.
Und?
Du riechst nach Terpentin. Was?
Äh, im Büro wird renoviert.
Ich zieh mir schnell 'n frisches Hemd an.
♪ Leise Streicher ♪
* Türklingel *
♪ Schwermütige Klänge ♪
Du musst die unten zusammenknoten.
Fast vollständig, fehlt nur noch Julchen.
Ännchen, bist du dünn geworden. Nur noch Haut und Knochen.
Stimmt doch gar nicht.
Tom, du musst auf sie aufpassen.
Wie geht's? Gut. Und dir?
Tom. Lange nicht gesehen.
Wie sehen die denn aus?
Sie freut sich doch eh über kein Geschenk.
Gute Laune! Ich freu ich mich auf den Rest des Tages.
Die brauchen aber dringend Wasser. Ich weiß. Wo ist denn Inge?
Deine Mutter kommt gleich.
Wenn Geburtstagsfreuden winken, kannst du ruhig mal einen trinken.
Im Wein liegt Wahrheit, sagt der Brauch ―
drum halt dich dran und tu's auch.
Habt ihr lang trainiert? Juli müsste längst da sein.
Die kommt gleich.
Miri, das Training ist zu Ende, sonst wär ich nicht hier.
* Türklingel *
Ah! Ah, da ist sie ja!
Wo warst du denn? Noch 'n paar Bahnen schwimmen.
Hat Anne das gesagt?
Nein, ich wollte das.
Hat Oma die Torte schon gesehen? Nein, ich hab auf dich gewartet.
Ich könnte jetzt echt 'ne Ladung Nudeln verdrücken.
Tadaa!
Wow! Oh!
Julchen, bist du groß geworden!
Fehlt nur noch das Geburtstagskind!
Ach, meine Güte! Alle sind da!
So, jetzt! Und!
♪ Happy Birthday to you,
Happy Birthday to you,
Happy Birthday liebe Inge,
Happy Birthday to you! ♪
Was für ein schöner Tisch!
Miri, den hast doch bestimmt du gedeckt!
Ich hab auch 'n bisschen mitgemacht.
Und die traumhafte Torte!
Die hat Juli fast alleine gebacken.
Ach Julchen, ich freu mich,
dass du noch was anderes kannst außer schwimmen.
Ein Glas für meine Liebste. Wir trinken auf unsere Inge.
Kummer sei lahm, Sorge sei blind, es lebe das Geburtstagskind.
Auf dich Mama. Zum Wohl.
Das wird ein granatenschöner Geburtstag!
Helmut, wie viel hat sie heute genommen?
Wer schneidet an?
Miri, du hast doch so geschickte Hände.
Ich kontrollier das nicht mehr. - Das solltest du aber.
Und gib ihr nicht so viel zu trinken.
Vorsicht, die Kerzen! Was habt ihr denn?
Nichts, alles gut, nichts passiert.
Ich will die noch ausblasen.
Hier, schau mal.
Das sind zwei Karten für unser Gastspiel in Berlin.
Für dich und Papa.
Ich übernehme die Hotelkosten und wir machen uns zwei schöne Tage.
Miri, du weißt doch, dass ich ...
... dass ich nicht mehr so gern verreise.
Schenk doch meine Karte Tante Doris!
Die freut sich bestimmt, oder? Inge, das sehen wir noch.
Miri, spielst du uns noch was vor?
Oh ja! Aber, aber nichts Trauriges, ich will mitsingen!
Was machen denn die Bienen? - Die Nachbarn beschweren sich.
Aber was mir wirklich Sorgen macht, ist die Varroamilbe.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.
Was ist? Das sind Freesien, die magst du doch?
Ja, wenn sie frisch sind.
Haben wir überhaupt noch 'ne Vase übrig?
Unten im Keller ist noch ein Regal mit Vasen.
Würdest du da mal nachsehen, bitte?
Sonst musst du eben 'nen Putzeimer nehmen.
♪ Einzelne Cello-Töne ♪
♪ Entferntes Cello-Spiel ♪
So schön.
♪ Musik klingt aus ♪
Woher hast du das?
Ausm Keller.
Ich kann mich nicht erinnern, wo ich die angemalt hab.
Das weiß ich nicht.
Am Strand oder am Fluss oder so. Inge?
Das gehört mir.
* Türknallen *
Die macht mich wahnsinnig.
Sie hat zu viel von ihren Aufhellern intus und dann noch Sekt.
Und du hast es drauf angelegt. Wie drauf angelegt? Womit denn?
Ohne Wasser sehen die Blumen eben scheiße aus.
Ich hätte sie auch frisch holen können und sie hätte gemeckert.
Echt, das war merkwürdig, wie alle auf die Steine reagiert haben.
Ja.
Wenn Juli dir einen Stein angemalt hätte, wüsstest du, wo das war.
Ganz genau wüsste ich das.
(verhallt) Wo sind die Wurstplatten, Anne?
Anne, die Wurstplatten, wann kommen die?
Mama kann nichts dafür, sie ist krank.
Warum unterstellst du ihr das Schlechteste?
Und du? Warum verteidigst du sie?
Du merkst gar nicht, wie schlecht sie dich behandelt.
Wie sieht's mit Abendessen aus?
Ich finde, wir schenken ihr nichts mehr.
"Schenke mit Geist, ohne List.
Sei eingedenk, dass dein Geschenk du selber bist."
Von?
Ringelnatz. - Gut.
Papa, der ewige Deutschlehrer. * Türklingel *
'n Abend. Einmal die Wurstplatten.
Und das Baguette oder irgendein Brot?
Wurde keins bestellt.
Bist du in deinem Job auch so vergesslich?
Mach jetzt kein Drama.
Schönen Abend.
In der allergrößten Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot.
Super!
Dann stopft euch doch voll mit eurem Weißmehl.
Ich hol Brot. Danach bin ich raus hier.
♪ Tiefe Basstöne mit sphärischen Klängen ♪
♪ Tiefe Basstöne mit sphärischen Klängen ♪
♪ Sphärische Klänge mit klagenden Streichern ♪
♪ Musik klingt aus ♪
♪ Vereinzelte Klavierakkorde ♪
* Handy-Signalton *
♪ Getragene Klavierakkorde ♪
* Rattern *
* Klopfen *
Inge.
Inge, weißt du wie spät es ist?
Frau Borgheim hat drei Quilts bestellt.
die müssen fertig werden, die sind schon bezahlt.
♪ Leise, treibende Glockenklänge ♪
Anne?
Anne?
Hast du gestoppt?
Ich Dussel!
Trag einfach den Weltrekord ein.
Schau mal, da, sehr gute Wasserlage.
Ist alles sehr gut und hier: Was machst du mit deinem linken Arm?
Siehst du? Der geht nach links außen.
Der muss unter die Körpermitte runter,
du verlierst sonst viel zu viel Energie.
Ja. Guck mal, was du da machst.
Machen wir Schluss für heute.
Müde?
Nö. Ich bin irgendwie nur so ein bisschen schlapp in letzter Zeit.
Ich mach dir 'nen Termin bei Dr. Hafflinger.
Für einen Check-up. Okay.
Morgen fahren wir nach Hannover und schauen uns das Sportinternat an.
Echt? Nice.
Hast du Mama davon erzählt?
Nein. Mach ich aber noch.
Tschüss.
Sie muss es erlauben, sonst zieh ich zu Papa.
Machst du ganz sicher nicht.
♪ Klassische Streichmusik ♪
Ähm. Stoppt mal. Robert, ich glaub du schleppst 'n bisschen.
Könnten wir noch mal ansetzten bei zwei vor drei.
Machen wir Mittagspause?
Wir sind eh schon zehn Minuten drüber.
Wir haben das zigmal durchgekaut, Anne. Ich will das nicht.
Das ist so egoistisch von dir.
Weil ich meine Tochter nicht auf ein Sportinternat stecken will?
Mit sinnlosem Leistungsdruck.
Es ist nicht sinnlos, sich um sein Talent zu kümmern.
Und ihre anderen Talente? Sie will das.
Es geht hier um Juli.
Ja, genau, es geht um Juli.
Hat man bei dir gesehen, wohin das führt.
Ja? Wohin denn?
Immer nur Training, Anne.
Morgens vor der Schule: Training.
Im Sommer, im Winter: Training.
Wenn andere ins Kino gegangen sind oder tanzen, warst du im Schwimmbad.
Ich wollte das, mich hat niemand dazu gezwungen.
Und lass Inge da raus.
Die hat jahrelang versucht, mich daran zu hindern.
Die war bei keinem Wettkampf.
Willst du das genauso machen? Hast du das vor?
Ich will, dass Juli 'ne schöne Kindheit hat.
Das hat sie. Sie liebt schwimmen.
Wenn man ein Talent hat,
hat man die Verpflichtung sich darum zu kümmern.
Und nicht ...
Und nicht was?
So wie ich, ja?
Cello in 'nem Provinzorchester!
Das hab ich nicht gesagt. Aber gedacht.
Weißt du, was ich glaube?
Ich glaube, dass du Juli benutzt.
Sie soll das erreichen, was ...
Was? Was?
Miri, der Pförtner hat mir 'nen Brief für dich mitgegeben.
Kannst du einmal Juli fragen, was sie will? Bitte.
Und du meld dich mal bei Mama.
Dein Abgang gestern war echt unmöglich.
* Bienensummen *
Helmut.
Kommt mal gucken!
Bist du verrückt? Ich hab 'ne Bienenallergie.
Was? Das ist ja das Neueste.
Und, konntet ihr euch verabschieden?
Sie macht nicht auf. Kannst du nicht versuchen ...
Wenn sie sich eingeschlossen hat, hilft nur abwarten.
Dass du das aushältst.
Helmut, wollt ihr es den beiden nicht doch sagen? - Nein.
Irgendwann kommt es raus.
Alles, was du sagst, sollte wahr sein.
Aber nicht alles, was wahr ist, solltest du auch sagen.
Voltaire. Tschüss, macht's gut.
* Türenklappen und Motorstarten *
* Handyklingeln *
Tom?
* Hi Anni, es tut mir leid, es wird 'n bisschen später. *
* Ich hab noch 'nen Videocall mit Washington.
* Anni? *
Ja? Ich dachte, wir gehen essen.
* Ich weiß. Es ist wegen der Zeitverschiebung. *
* Ich meld mich, wenn wir fertig sind. *
* Dann gehen wir was trinken. *
Ja, wie du meinst.
♪ Aufgewühlte Streicher mit tiefem Basston ♪
♪ Aufgewühlte Klangkulisse mit Streichern ♪
* Handyklingeln *
* Das ist die Mailbox von Anne Kampmann. *
* Nachrichten bitte nach dem Ton. *
* Anne, hier ist Miri. *
* Kannst du bitte bei Mama und Papa vorbeifahren. *
* Papa hat was von leeren Tablettenschachteln gesagt, *
* die er gefunden hat. *
* Ich kann nicht weg. *
Hallo.
* Staubsauger *
Es ist zu.
Du weißt doch, wo der Schlüssel liegt.
Was ist los?
Was soll los sein?
Miri sagt, es ist was passiert.
Und wo ist Miri? Die hat Probe, Papa.
Hat sie zu viel Tabletten genommen? Nein, nein.
Nur, so lange hat sie sich noch nie eingeschlossen.
* Klopfen *
Inge. Mach mal die Tür auf.
Inge, mach mal bitte die Tür auf. Papa macht sich Sorgen.
Inge, wir wollen doch nur wissen, dass es dir gut geht.
Bitte mach mal auf.
♪ Klassische Musik geht an ♪
Soll sie doch da drinbleiben.
* Lautes Hämmern *
Bist du verrückt?!
(schreit) Mach die Tür auf. (hysterisch) Du sollst aufmachen.
Hör auf!
Komm raus jetzt.
Mach jetzt die Tür auf. Lass das!
Spinnst du?
Merkst du, was sie mit uns macht? Merkst du das?
Merkst du, wie die uns tyrannisiert?
Merkst du das?
Du hast Diabetes und 'nen Bypass,
lass dich ruhig weiter von ihr schikanieren.
Papa, die Torte ist nicht mehr gut.
Ja, das hab ich vergessen.
Das ist 'ne Sahnetorte.
Jaja.
Papa, weshalb habt ihr so komisch reagiert,
als ich die Kieselsteine aus dem Keller gebracht hab?
Tritt die da oben gegen die Tür.
Du warst schon als Kind so ein jähzorniger kleiner Teufel. Papa!
Hab ich einen Hunger.
Ach, da ist ja noch Torte.
Was ist? Warum starrt ihr mich so an?
Weil du vielleicht furchtbar aussiehst?
Weil wir uns Sorgen gemacht haben?
Weil es einfach rücksichtslos ist, wie du dich ...
Anne, nicht, bitte.
Inge, die Torte ist nicht mehr gut.
Mir schmeckt sie.
Ich weiß, dass das 'ne Zumutung ist, dass ich ...
Aber ich hatte nicht so viel Glück wie du.
Was?
Wieso hab ich Glück?
Lass sie mal.
Ich versteh das nicht, wieso hab ich Glück?
Ich hab Glück?
Weil ich so 'ne großartige Mutter hab?
Es reicht, Anne!
Alle diese Medaillen und all diese Pokale.
Aber wenn's drauf ankam, wenn's um Gold ging oder wenn es um ...
Inge!
Da hat sie gepatzt!
Ja, da hat's nicht gereicht.
Da hast du gepatzt, Anneli, wenn es drauf ankommt.
Es reicht jetzt!
* Türschlagen *
* Das entscheidende Rennen um die Teilnahme für Atlanta beginnt. *
* Auf Bahn sieben startet Anne Halter, *
* die als größte Hoffnung des deutschen Schwimmverbands gilt. *
* Bettina Warnke auf Bahn drei. *
* Und die zweite Wende. *
* Warnke und Halter machen das Rennen unter sich aus. *
* Jetzt geht es in den Spurt, die Stärke von Anne Halter *
* und da zieht sie auch schon an Warnke vorbei. *
* Es scheint, als ob Anne Halter *
* dieses Rennen souverän nach Hause schwimmt. *
* Aber was macht sie denn da? Was ist da los? *
* Es sieht aus, als sei sie abgetaucht. *
* Sie kommt nicht mehr hoch. Hoffentlich ist nichts passiert. *
♪ Getragene Klavierakkorde ♪
* Schlüsselklappern *
Anne, wieso schaust du dir das an, das bringt doch nichts.
Wieso kann ich mich nicht erinnern, was passiert ist.
Du hattest eine Panikattacke.
Warum bei diesem Wettkampf, in dieser Millisekunde?
Warum fängst du jetzt damit wieder an.
Weil mein ganzes Leben anders verlaufen wäre?
Das weißt du doch gar nicht. Doch!
So lang ich mich erinnern kann, hab ich trainiert.
Und warum passiert das genau bei diesem Wettkampf, genau da?
Ich hab nie wieder den Anschluss gekriegt.
Ja, ich weiß.
Wo warst du überhaupt?
Na, der Videocall, hab ich doch erzählt.
Lass uns morgen reden, ich bin echt platt.
♪ Aufgewühltes Klavierspiel mit anschwellenden Basstönen ♪
♪ Musik stoppt abrupt ♪
* Telefon-Freizeichen *
* Sportinternat Hannover, März. *
Frau Dr. März, hier ist Anne Kampmann.
* Anne, wie geht's dir? *
Ja, ist lange her, ich weiß.
Ich bin heute in Hannover und wollte fragen, ob Sie Zeit haben?
Was ist los?
Weil ...
Es hat wieder angefangen.
Morgen.
Ist was? Was soll sein?
Du bist so komisch irgendwie.
Der Smoothie ist mit frischen Erdbeeren.
Ich nehm noch so einen Quark mit, ja? Der war voll lecker gestern.
Juli? Ja?
Ich möchte nicht, dass du diese Qualifikation mitschwimmst.
Was?!
Ich will nicht, dass du in so einen Leistungsdruck kommst.
Das kannst du nicht bringen! Weißt du, wie scheiße das wär?
Vielleicht in zwei Jahren, wenn ... Ich will da jetzt mitschwimmen!
Es geht nicht immer darum, was du willst!
Kein Wunder, ist Papa abgehauen. Wie bitte?
Ja, weil du gemein bist!
Weil du in so einem popeligen Theater hängen geblieben bist,
heißt das noch lange nicht, dass ich auch ...
* Türschlagen *
* Handyklingeln *
(Autoradio) ♪ Popmusik ♪
Anne, ich freu mich so!
Danke, danke, dass du das für mich machst!
Ist doch klar!
Und du meinst, du kriegst das hin mit Mama?
Wir hatten so einen Stress heute Morgen.
Wenn sie jetzt noch vom Sportinternat erfährt!
Mach dir mal keine Sorgen, ich mach das schon.
Versprochen? Ja, versprochen.
(Autoradio) ♪ Popmusik ♪
Anne? Wie schön, dich mal wieder zu sehen.
Frau Dr. März, hallo.
Danke, dass es so kurzfristig geklappt hat.
Was führt dich an deine alte Sportschule?
Meine Nichte schaut sich das Internat an.
Sie ist talentiert und ich möchte gerne,
dass sie optimiert trainieren kann.
Wie lange ist das jetzt her, Anne? 23 Jahre.
Und seit wann hat es wieder angefangen?
Es geht schon seit einer ganzen Weile,
aber seit dem Geburtstag meiner Mutter ist es schlimmer geworden.
Ist es so wie damals?
Ich seh Dinge, die es gar nicht gibt.
Ich hab's Gefühl, ich dreh durch.
Da ist irgendetwas ganz tief im Wasser,
was mich nach unten zieht, was mich festhält.
Ich kann nicht mehr auftauchen, komm gar nicht mehr nach oben.
Warum sträubst du dich gegen eine Therapie?
Du hättest das damals machen sollen,
als das bei der Olympia-Quali passiert ist.
Ich brauch keine Therapie.
Ich möchte nicht in meiner Kindheit rumstochern,
so schön war die nicht. Genau deshalb!
Deine Seele versucht, irgendetwas wegzudrücken.
Sie hat eine Art Rettungsmanöver laufen.
Irgendetwas spaltet sie ab.
Was soll denn das sein?
Wenn etwas Schlimmes passiert wäre, wüsste ich das doch.
Manchmal nicht.
Bei schweren Schuldgefühlen kann es sein, dass die Verdrängung anhält.
Es geht bestimmt wieder weg.
Damals ist es ja auch verschwunden. Warum hast du mich dann angerufen?
So. Bitte schön.
Oh, Spargel.
Schön.
Frisch vom Markt. Lass es dir schmecken.
Äh, kannst du nachher mit mir bei Frau Borgheim vorbeifahren,
die Quilts wegbringen?
Hast du die alle schon fertig? Mhm.
Warum schuftest du so? Wir brauchen das Geld doch gar nicht.
Es macht mir einfach Spaß.
Außerdem, ich kann doch nicht die ganze Zeit nur so rumhocken.
Mach doch weniger, lass dir mehr Zeit.
Hast du mit Doris schon gesprochen?
Wegen Miris Konzert.
Ich würde lieber mit dir fahren.
Nein, ich möchte das nicht.
Es ist mir einfach zu viel die ganzen Leu...
Inge?
Inge!
Anne! Hi!
Hallo Sören, zurück aus dem Urlaub? Ja, leider.
Ich hab da was läuten hören. Was denn?
Dass du womöglich bald nach Potsdam abschwirrst.
Für uns wäre das natürlich ein großer Verlust,
aber so ein Angebot kannst du nicht ausschlagen.
Hast du meine Mail bekommen, wegen der Quali?
Was denkst du, wer sogar im Urlaub Strippen gezogen hat?
Der NDR bringt das komplette Schlussrennen live.
* Handyklingeln *
'n bisschen mehr Begeisterung könntest du schon zeigen.
Miri?
* Klopfen *
Ja?
Was ist passiert?
Sie haben ihr den Magen ausgepumpt. Diese verdammten Tabletten.
Sie hat wohl alles durcheinander genommen.
Warum habt ihr mich nicht gehen lassen?
Dann wäre ich jetzt bei ihm.
Bei wem?
Wen meint sie, Papa?
Anne, könntest du 'n paar Sachen für sie holen?
Nachthemd und Zahnpasta und so was?
Ich versteh das nicht, Anne. Sie war stabil.
Sie stirbt doch jetzt nicht.
Sie wollte es.
Anne, sie wollte sterben.
Nein, sie stirbt nicht.
♪ Geheimnisvolle Klaviermelodie ♪
♪ Geheimnisvolle Klaviermelodie und Streicher ♪
(verhallte Stimmen)
* Ich hatte nicht so viel Glück wie du. Woher hast du das? *
* Aus dem Keller. *
* Das gehört mir. *
♪ Dunkles Cello-Spiel ♪
♪ Dunkles Cello-Spiel ♪
"Liebe Inge, auch wenn Du weiter beharrlich schweigst,
will ich dir doch, wie jedes Jahr, zum Geburtstag gratulieren.
Es gibt so viel, was uns für immer verbindet.
Alles Gute. Dein Klaus."
♪ Geheimnisvolle Streicher und Klavierklänge ♪
Anne?
Anne?
♪ Schwermütige Geigenmelodie ♪
Papa findet das 'ne gute Idee mit dem Internat.
Ach ja? Bezahlt er das dann auch?
Mama, man bekommt Zuschüsse.
Wirklich, es ist so super dort.
Der Internatsleiter hat gesagt, dass wenn ...
Warst du mit Anne dort?
Juli!
Ich muss mir 'n neues Engagement suchen.
Vielleicht müssen wir wegziehen. Hä?
Ich bin ab Ende der Spielzeit arbeitslos.
Aber das können sie doch nicht machen.
Das Theater muss sparen.
Das Musiktheater wird aufgelöst.
* Handyklingeln *
Anne?
Wir haben was?
♪ Schwermütiger Klangteppich ♪
♪ Schwermütiger Klangteppich ♪
Jetzt geht es aber nicht, Beret.
Ihre Mutter ist im Krankenhaus, die hat versucht sich umzubringen.
Ich hab versucht anzurufen, ich hab keine Ahnung, wo sie ist.
Ich versteh das, natürlich, aber ich ...
Wo warst du? Ich hab mir Sorgen gemacht.
Um wen? Deine Geliebte?
Anne, ich ...
Lass es einfach.
Du betrügst mich.
Wer weiß, wie lange schon. Ich werde jetzt nicht weinen, Tom.
Kannst du vielleicht einmal die Fassung verlieren?
Nur ein einziges Mal?
Hau mir eine runter, schrei mich an, aber ...
... aber lass dich einmal gehen, Anne. Bitte!
♪ Schwermütiger Klangteppich ♪
* Türöffnen *
Hallo Mama.
Hallo Schatz.
Wie geht es dir?
Zahnbürste oder Kamm wär schön gewesen.
Ich dachte, Anne bringt deine Sachen. Bist du soweit?
Ja.
Nächste Woche hast du einen Gesprächstermin in der Psychiatrie.
Wieso das denn?
Die Ärzte sagen,
dass du die Tabletten nicht Ausversehen geschluckt hast, Mama.
Die Dinger wirken nicht mehr, da hab ich 'n paar mehr genommen.
Michael Vollhard, der Vater heißt Klaus.
Nach der Scheidung bekam er das Sorgerecht.
Meine Mutter würde gerne Kontakt mit ihrem Sohn aufnehmen.
Ja, aber die müssen sich doch umgemeldet haben.
* Da kann ich leider nichts machen. *
Ich versteh ja, dass sie mir das nicht sagen dürfen, ...
* Handybrummen *
... aber meine Mutter ist sehr krank.
* Einen Moment, bitte * Ja, ich warte. Danke.
Papa?
Papa? Wo ist der denn?
Mann, hab ich 'nen Hunger.
Papa?
Miri, wo hast du die Torte gekauft?
Versteh ich nicht.
Vielleicht haben wir uns verpasst und er ist ins Krankenhaus.
Papa?
Papa? Was machst du denn hier draußen?
Ich hab mich ausgeschlossen.
Warum hast du mich denn nicht angerufen oder bist zu mir gekommen?
Weil ich ...
Hast du hier draußen übernachtet?
Inge!
Jaja, ich hab wohl verschlafen. Es tut mir leid.
Dann mach ich uns jetzt einen richtig guten Kaffee.
Der in der Klinik schmeckte wie eingeweichte Schuhsohlen.
Ist sie wieder okay?
Abgesehen davon, dass sie versucht hat sich umzubringen, schon.
Kommt ihr? Ja.
Papa? Kann ich dich was fragen?
Egal, es hat Zeit. - Ja?
Ja. - Gut.
♪ Getragenes Klavierspiel ♪
* Hallo? * Herr Vollhard?
* Ja. *
Mein Name ist Anne Kampmann, ich bin die Tochter von Inge Halter.
* Von Inge? *
Ja.
* Ist was mit Inge? *
Nein. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie anrufe,
aber ich hab erst jetzt erfahren, dass es Sie gibt.
Also dass ich einen Bruder hab und ich würde Sie gern treffen.
* Das geht nicht. *
Und Michael?
Können Sie mir sagen, wo ich ihn finden kann?
* Fragen Sie Ihre Mutter. *
Meine Mutter? Ja, das ist nicht so einfach.
Deswegen frag ich Sie jetzt.
* Sie finden ihn in Bassum - bei Diepholz. Steinweg 8. *
Danke. Und haben Sie vielleicht noch eine Telefonnummer?
* Knacken *
Herr Vollhard?
Was ist denn los? Wo steckt Anne?
Keine Ahnung.
Verdammt Anne! Was ist denn los mit dir?
Gestern fiel das Training ganz aus, heute eine Stunde zu spät.
Am Wochenende ist Quali!
Okay Mädels, Einschwimmprogramm. 251er-Wechsel, Vario Beine und TÜ.
Okay.
Abstand fünf Sekunden.
* Pfiff *
* Pfiff *
* Pfiff *
♪ Angespanntes Klavierthema ♪
(Verhallt) Anne? Anne?
♪ Musik stoppt ♪
Weiter geht's mit Bremsschwimmen.
Anne, ich kann nicht mehr.
Ich bin irgendwie voll müde.
Wir überprüfen mal deinen Ernährungsplan und die Blutwerte.
Warst du bei Dr. Hafflinger?
Der Termin wurde auf heute verlegt.
Gut.
Anne?
Du lässt mich jetzt nicht im Stich, oder?
Nein. Natürlich nicht.
Komm, mach wenigstens eine Bahn, hm?
Okay.
Ich bin bald zurück.
Im Kühlschrank ist noch 'n Rest, den kannst du in die Mikro stellen.
Bis später.
So 'n Blödsinn, was wir hier machen.
Was, wenn er gar nicht da ist?
Vielleicht findet er das gar nicht gut,
wenn da plötzlich zwei Frauen auftauchen:
"Hallo, wir sind deine Schwestern."
Er hätte sich doch auch mal melden können.
Hast du mal darüber nachgedacht,
warum die das alles verheimlicht haben?
Vielleicht ist dieser Klaus ja auch mein Vater.
Ach, du spinnst, Anne.
Wobei das mit der Ehrlichkeit ja so 'ne Sache ist, ne?
Was soll das jetzt? Ja, was wohl?!
Du fährst mit Juli einfach nach Hannover!
Hinter meinem Rücken!
Du bist nicht ihre Mutter.
Können wir das mal bei Seite lassen?
Nein, können wir nicht! Doch! Nein! Ich finde es unmöglich von dir!
Juli kann da nicht hin. Du bist so stur, Miri.
Ich bin stur!
Hast du einmal gefragt, wie's mir geht?
Ob ich vielleicht auch Probleme hab?
Also, wie geht's dir?
Beschissen geht's mir. Ich wurde gekündigt.
Das ganze Orchester ist gekündigt.
Ach du scheiße.
* Sie haben ihr Ziel erreicht. *
♪ Getragenes Klavierspiel ♪
♪ Getragenes Klavierspiel mit Streichern ♪
Mein Gott, er ist nur neun Jahre alt geworden.
1984.
Das stand auf dem Kieselstein.
♪ Getragene Glockenspiel-Melodie ♪
* Türklingel *
Och, meine beiden Mädchen. Wie schön.
Hallo Mama.
Schaut mal, ist der nicht unheimlich schön geworden?
Ja, toll.
Du siehst schlecht aus, irgendwie älter.
Wollt ihr auch Tee?
Wir waren auf einem Friedhof.
In Bassum.
Warum habt ihr uns nie gesagt, dass wir einen Bruder hatten?
Warum habt ihr uns das nie gesagt?
Er ist tot.
Das haben wir gesehen, Papa.
Seit 1984.
Aber warum ist er tot?
Wieso kann ich mich an überhaupt gar nichts mehr erinnern?
Weil er bei seinem Vater aufgewachsen ist.
Du warst zwei, als er zu ihm kam
und dann habt ihr euch nur noch einmal gesehen.
Und woran ist er gestorben?
Inge.
Er ist ertrunken.
Ertrunken?
Ja. In einem See.
♪ Getragenes Klavierspiel ♪
Inge wollte unbedingt, dass er in den Sommerferien kommt.
Sie hat ihn so vermisst.
♪ Geheimnisvolle Klaviermelodie ♪
Da war er gerade vier Tage bei uns und ...
... da ist es passiert.
Mein Gott.
Deswegen wollte sie nie, dass ich schwimme.
♪ Aufgewühlte Rythmusgitarre ♪
Wo war das, Papa?
Das war an einem See in der Nähe von Ratzeburg. Mustin.
Wie konntet ihr uns das all die Jahre verschweigen, Papa?
Wie bringt man so was fertig?
♪ Aufgewühlte Rythmusgitarre mit pulsierendem Takt ♪
♪ Aufgewühlte Rythmusgitarre mit pulsierendem Takt ♪
♪ Musik verstummt ♪
(Micha, Anne.)
Ich will, dass wir wieder ein Leben haben, das geht so nicht weiter.
Ich mach so nicht weiter.
Wir hätten das nie tun dürfen.
Dass wir geschwiegen haben, war ein großer Fehler.
* Fröhliche Kinderrufe *
(Du kriegst mich nie. Oh doch!)
(Du bist viel zu lahm dafür.)
Papa, was war da?
Bitte, geh zu Anne und sag ihr die Wahrheit!
(Los komm, wir gehen ins Wasser. Das ist so kalt.)
(Wer am längsten tauchen kann. Nein, das ist doof.)
Was war da? Papa, da war doch irgendwas!
♪ Dramatische Streicher ♪
♪ Sphärische Klänge ♪
♪ Sphärische Klänge ♪
♪ Sphärische Klänge und aufgewühlte Streicher ♪
♪ Musik klingt aus ♪
♪ Melancholisches Klavierspiel mit Streichern ♪
♪ Melancholisches Klavierspiel mit Streichern ♪
♪ Melancholisches Klavierspiel mit Streichern ♪
Ich weiß, was passiert ist.
Ich hab Michael gesehen.
Hör auf.
Ich hab gesehen, wie er ertrunken ist.
Und warum hast du ihn nicht rausgezogen?
Er hatte sich verfangen, in einer Pflanze.
Warum du ihn nicht rausgezogen hast?
Du hast ihn ertrinken lassen.
Nein, das hab ich nicht.
Ich hab ihn nicht ertrinken lassen, Mama.
Du bist raus mit ihm, ins Wasser.
Obwohl du wusstest, dass er nicht gerne schwimmt.
Und ganz egal, ob er sich in irgendwas verfangen hat,
du hättest meinen Jungen retten müssen!
Ich hab's versucht, Mama. Ich hab's doch versucht.
Du warst eifersüchtig.
Ach, Inge.
Sie war eifersüchtig,
weil sie einmal nicht im Mittelpunkt gestanden hat.
Schwimmt wie eine Verrückte.
Aber wenn's drauf ankommt, wenn's wirklich drauf ankommt,
dann kann sie nicht.
Es tut so mir leid, Mama. Es tut mir so leid.
Entschuldige bitte.
Und dann hast du alles vergessen. Einfach vergessen.
Du weißt ja gar nicht, wie ich darum beneidet habe.
Und alle haben mich angefleht, dir nichts zu sagen.
"Schone das Kind, schone das Kind!
Was für ein Segen, dass sie es vergessen konnte."
Ja, du konntest das, ich nicht.
Mein Gott, all die Jahre.
Anne hat keine Schuld. Die Schuld haben wir beide.
Papa.
Anne, es tut mir so leid.
Es tut mir so leid.
♪ Schwermütige Klaviermelodie mit Streichern ♪
* Haustür *
Helmut hat mir gesagt, was passiert ist.
Es tut mir leid.
Gehst du zu ihr?
Wo willst du hin?
Juli, ich will nicht, dass du da mitschwimmst.
Mama, bitte! Nein, Juli!
Wenn ich da nicht mitschwimme, ... Warst du beim Arzt?
Anne hat mir erzählt, dass sie dich zum Sportarzt geschickt hat.
Ja, war ich. Es ist alles okay. Gut, dann komm frühstücken.
Nö, ich frühstücke nicht mehr mit dir.
Ich frühstücke nie wieder mit dir. Ich hasse dich.
* Türknallen *
Wo gehst du hin?
Ich schaue zu, wie meine Enkelin
ihre Qualifikation für die Jahrgangsmeisterschaften schwimmt.
Falls es dich interessiert ― wird im Radio übertragen.
* Wir bitten die Teilnehmerinnen dieses Laufes zum Start. *
* Auf die Plätze ... *
* Startsignal *
* Das ist die Mailbox von Anne Kampmann. *
* Nachrichten nach dem Ton. *
Anne, wo steckst du!
Das wird Konsequenzen haben.
Herr Niehausen, haben Sie mal 'ne Sekunde?
Wo ist denn Frau Kampmann,
die bräuchte ich noch für ein Interview?
Juli.
Entschuldigung.
* Auf Bahn 8 Karolin Mailand vom Schwimmclub Salzgitter. *
* Startsignal *
♪ Treibender Elektro-Pop ♪
* Eine wunderbare Zeit für Inga Winheller.*
* Damit ist sie Siegerin ... *
Hallo Papa, hast du Juli gesehen? - Nein, noch nicht.
Ich hol sie jetzt da raus. - Miriam, das lässt du bleiben.
Du lässt Juli jetzt schwimmen.
Mach nicht denselben Fehler wie Inge und verdirb dem Kind,
was es am liebsten tut.
* Liebe Freunde des Landesschwimmverbandes, *
* nun wird es für unseren Nachwuchs in der U16 spannend. *
* Das ist der Anrufbeantworter von Anne und Tom Kampmann. *
* Piep *
* Hallo Frau Kampmann, Dr. Hafflinger hier. *
* Sie hatten gestern einen Termin gemacht für Julia Gesthausen. *
* Leider erreiche ich sie nicht und wüsste gerne, *
* warum sie nicht erschienen ist. *
* Ich bitte um Applaus für die Teilnehmerinnen. *
Scheiße, dass Anne uns jetzt hängen lässt.
Ich versteh's auch nicht.
Ausgerechnet heute. Ich weiß.
* Ein paar von unseren Mädels sind mit ihren Bestzeiten *
* nur wenige Hundertstel von der Qualifikation entfernt. *
* Ich stelle Ihnen nun unsere kommenden Schwimmstars vor: *
* Auf der Bahn 1: Silke Harms vom Schwimmverein Hannover. *
* Auf Bahn 2: Melanie Kugler vom Verein Wassersport Osnabrück. *
* Bahn 3 hat Hannah Boll von der SG Hannover. *
* Auf Bahn 4 startet Jessica Merten vom Schwimmclub Wolfsburg. *
Wo bleibt denn Anne?
Weiß ich nicht.
* Wir bitten nun die Teilnehmerinnen dieses Laufes zum Start. *
Anne, wo bleibst du denn?
Bitte lass Juli jetzt nicht hängen.
* Auf die Plätze ... * * Signal *
♪ Treibender Elektro-Pop ♪
Meinst du, Anne kommt noch? Ich glaub nicht.
(Ich bin so schlapp in letzter Zeit, irgendwie voll müde.)
* Hanna Boll mit einer Traumzeit von 2:30,99. *
* Melanie Kugler hauchdünn dahinter mit 2:31,53. *
* Und nun der zweite Lauf des 2005er-Jahrgangs. *
* Auf Bahn 1: Fiona Petersen von der SSG Braunschweig. *
* Auf Bahn 2: Julia Gesthausen vom Schwimmverein in Celle. *
* Auf Bahn 3: Karina Maschke aus Celle. *
* Auf der Bahn 4 schwimmt Maike Sommer vom Schwimmclub Wolfsburg. *
Juli!
* Auf Bahn 5: Ute Heidloff, Poseidon Cuxhaven. *
Alles gut.
* Auf Bahn 6: Anna Wagner von Göttingen 42. *
* Auf Bahn 7: Joanna Abben vom TSV Hameln. *
* Und auf Bahn 8: Emilia Nebling vom Schwimmverein Hannover. *
(Radio) * Die Mädchen des zweiten Laufs *
* stehen jetzt auf den Startblöcken. *
* Startsignal *
* Da geht's auch schon los. *
* Nur zwei junge Talente können sich *
* für die Deutschen Meisterschaften in Berlin qualifizieren. *
Toll. Toller Start!
* Ein Traumstart für Ute Heidloff, dicht gefolgt von Julia Gesthausen, *
* die beiden gelten auch als Favoritinnen in diesem Lauf. *
* Und die Wende ist gut gelungen. *
* Julia Gesthausen: Mit einer perfekten Wende drückt sie sich ab. *
* Das macht sie gut, das sieht nach einem cleveren Rennen aus. *
* Sie krault nach vorne, lässt die Konkurrentinnen hinter sich, *
* atmet nach rechts aus, liegt sehr, sehr gut im Wasser. *
Jetzt kommt sie! Siehst du, was sie kann, Miri?!
* Jetzt arbeitet sich Julia Gesthausen langsam nach vorne, *
* zieht an Nummer drei vorbei, an Maike Sommer. *
* Wunderbar von Julia Gesthausen, sie hat einen Turbo eingelegt. *
Zieh, zieh, zieh, zieh!
♪ Treibende Musik ♪
♪ Musik verlangsamt ♪
* Was ist jetzt? *
* Julia Gesthausen treibt reglos auf dem Wasser, *
* die anderen ziehen vorbei. *
* Anne Kampmann, ihre Trainerin, hechtet ins Wasser, *
* hoffentlich ist ihr nichts Schlimmes passiert. *
Weißt du, was mir aufgefallen ist?
Ich bin genau neun Monate nach Michaels Tod auf die Welt gekommen.
Du konntest ihn nicht ersetzen.
Und ich konnte ihn nicht retten.
Du warst ein Kind, Anne.
Ich versteh das nicht, warum jetzt der Herzmuskel?
Die Grippe, die du gehabt hast, erinnerst du dich?
Du hast uns gesagt, dass es dir wieder gut geht,
aber du hast dich nicht richtig auskuriert.
Dadurch hat sich deine Herzinnenhaut und dein Herzmuskel entzündet.
Du hast Riesenglück gehabt.
Aber ...
Das hätte ganz anders ausgehen können.
Kann ich denn wieder schwimmen?
Man muss sehen, wie stark dein Herz angegriffen ist.
Du, das war jetzt einfach mal 'n kleiner Rückschlag.
'n guter Sportler gibt nie auf, weißt du doch.
Du bist so ein tapferes Mädchen, Juli. Du schaffst das.
Aber so was von!
Ich komm morgen wieder.
Ach Anne, wenn du das nächste Mal deine Mutter siehst,
dann mach's ihr nicht so schwer.
Hm?
♪ Getragene Klavierakkorde ♪
Schön habt ihr's hier.
Ich bleib nicht lange, Anne.
Ich wollte nur ...
Ich weiß, dass ich nicht die beste Mutter war, also bin.
Aber ich kam einfach nicht drüber weg, ...
... dass er sterben musste, obwohl ...
Ich war acht!
Mama.
Acht Jahre.
Weißt du, was damals passiert ist? Bei meiner Olympiaqualifikation.
Ich hab ein Kind gesehen.
Ich hab ein Kind auf dem Grund gesehen und bin getaucht,
weil ich dieses Kind retten wollte.
Ich hab das noch nie jemandem erzählt, Mama.
Weil ich dachte, ich bin verrückt, bin krank,
ich hab mich geschämt dafür.
Ich wusste ja nicht, was passiert ist.
Ich wusste nicht, ...
... warum ich all die Jahre diese Angstzustände hatte.
Vielleicht, dass ...
Vielleicht, dass wir irgendwann ...
Mama?
Du hast drei Kinder, ...
... nicht eins.
♪ Sanftes Klavierspiel ♪
Willst du am Freitag in die Vorstellung kommen?
Ich kann nicht. Ich bin am Freitag in Potsdam beim Bundesstützpunkt.
Echt?
Ich stell mich da vor.
Toll, Anne. Ich drück dir die Daumen.
Wetten, dass ich viel weiter flippen kann als ihr?
Nie im Leben. Zeig mal.
Wow.
Ist das nicht verrückt?
Dass einen die Vergangenheit nicht loslässt,
obwohl man sie nicht kennt?
Vielleicht gerade deshalb.
Hey!
Jetzt zeigt Mutti euch mal, wie's geht.
Wow.
Okay, und auf drei ― eins, zwei, drei!
Untertitel: NDR 2022
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