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Original subtitles

* Düstere Musik *

Dr. Johannes "Joe" Jessen

Vincent Ruiz

* Eine Uhr tickt. *

* Ruhige spannungsvolle Musik *

Nora Jessen

* Unterdrückter Schrei *

* Spannungsvolle Musik *

* Die Dielen knarzen. *

* Aufgeregtes Atmen *

Papa, hilf mir.

Sie verschmieren den schönen Fußboden.

Lassen Sie meine Tochter gehen. Oder?

Ich töte Sie. Nein, das glaube ich nicht.

Sie sind Psychiater, Joe. Psychiater töten keine Menschen.

Oder doch?

Drücken Sie ab. Retten Sie sie.

Papa...

Sie sind ein Feigling, Joe.

Nicht mal Ihre eigene Tochter können Sie retten.

Papa...

* Spannungsvolle Musik *

* Ruhige Musik *

* Leises Vibrieren *

Papa? Ich wollte dich...

Ich wollte nur hören, ob's dir gutgeht.

Ich schlafe. Tut mir leid. Schlaf weiter.

Geht's dir gut?

"Joe?" Äh... Nora?

Ist was passiert?

Nein. Tut mir leid, wenn ich euch geweckt habe.

"Oh, hast du mir einen Schrecken eingejagt."

Ja, ich wollte nur sagen, ich bringe dir den Wagen vorbei.

Ich brauche ihn nicht. Können wir das morgen besprechen?

Lotte schreibt morgen eine Klausur.

Versuch zu schlafen. Wir sehen uns morgen, ja? Gute Nacht, Joe.

* Schiffshorn *

* Aufzugklingel *

* Angespannte Musik *

* Heller mystischer Kindergesang *

Wir sollten das Finanzielle klären, bevor wir... - Ja, natürlich.

Danke.

(Mann) Ich habe etwas mitgebracht.

Ist das dein Ernst?

Ich zahle ja auch etwas mehr.

Können Sie das hier machen?

Okay.

* Tragende Streichmusik *

Kein Make-up.

Hör zu, ich stehe nicht so auf Rollenspiele.

Ich dachte... - Ja, hast du falsch gedacht.

Ich zahle das Doppelte.

* Angespannte Musik *

Wie siehst du denn aus? Und ... wo sind deine Sachen?

Weg. Der Typ ist einfach abgehauen.

Und das Geld?

Kleine Fotze.

* Angespannte Musik *

* Leises Klappern *

* Angespannte Musik *

* Eine Tür fällt zu. *

* Spannungsvolle Musik *

* Aufzugklingel *

* Schnelle Schritte *

* Schiffshorn *

Moin, Ruiz. Du siehst genauso aus, wie ich mich fühle. Du mich auch.

Wen haben wir? (Anna) Aki Aziz heißt er. Aus Hamburg.

(Kadir) Die Brieftasche war in der Jacke.

Wir können Raubmord ausschließen. Danke, Sherlock.

Er kann nicht lange tot sein.

Der Täter hat dutzendmal auf ihn eingestochen.

Ja, da war Leidenschaft im Spiel.

Der Wagen gehört einem Hasim Klaudiusz.

Fuck. - Kennen wir den?

Spielhallen, Rotlicht, Geldwäsche, Schutzgelderpressung.

Ja, ist 'n richtig cooler Typ. * Handyklingeln *

Ja? "Meine Praxis ist aufgebrochen worden.

Also, es sieht chaotisch aus." Was?

"Ich wäre dankbar, wenn Sie jemand vorbeischicken könnten,

oder noch besser, wenn Sie selber vorbeischauen.

Ruiz?"

(leise) Was ist das denn?

(Frau) Dr. Jessen?

Oh, Frau Lorenz.

Hier wurde eingebrochen. Haben wir Termin?

Ich bin nur da, um zu sagen, dass ich nicht mehr wiederkommen kann.

Ich muss die Therapie beenden.

Einen Moment, bitte.

Frau Lorenz, nehmen Sie Platz. Bitte, bitte.

So, bitte schön.

Danke.

Ich finde, Sie haben Fortschritte gemacht.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht mehr.

Ich schreibe ein Gutachten. Wir können das fortsetzen.

Sie verstehen das nicht.

Es ist grade einfach alles sehr ... schwierig.

Neues von Ihrem Mann?

Ach, die Polizei meinte,

die meisten vermissten Ehemänner tauchen wieder auf.

So wie ein streunender Hund, der von den Nachbarn gefüttert wurde.

Sie sind verletzt.

Hm, ja.

Nein, ich meine, Sie haben sich die Rippen geprellt.

Ich sehe, dass Sie Schmerzen haben.

Erlauben Sie, dass ich mir das kurz anschaue? Bitte.

Wie ist das passiert?

Ach, ich ... hatte den Kleinen auf dem Arm und ...

bin auf der Treppe ausgerutscht.

Da ist nichts gebrochen.

Da haben Sie ja Glück gehabt. Wie geht's ihm?

Elias ist nichts passiert, er ist auf mich drauf gefallen. Alles gut.

Ja...

Ach, wie, ähm... wie machen wir denn das jetzt mit den...

mit den Medikamenten?

Wie viel haben Sie noch? Nichts.

Mein Rezeptblock ist noch da.

Ich hab übrigens 'nen Termin morgen mit so 'nem Versicherungsvertreter.

Wegen Daniels Lebensversicherung. Aha.

Es muss... es muss irgendwas passieren, ich...

ich kann so nicht mehr leben.

Ich freue mich, ist 'ne gute Nachricht.

Ja, glauben Sie? Ja.

Für den Notfall. Okay.

Ja, Sie ... werden mir fehlen, Doktor.

Sie wissen, wo Sie mich finden. Ja.

* Tragende Streichmusik *

"Milena Lorenz: Abbruch Therapie.

Multiple Hämatome abdominal, thorakal.

Faustschläge?

9.50 Uhr."

Hey, stopp!

Was soll denn das? Das ist mein Wagen.

Lorenz? - Ja. Mein Mann hat den geleast.

Die letzten Raten wurden nicht bezahlt.

Ich erwarte jeden Moment 'ne Zahlung von der Versicherung.

Warten Sie nur einen Moment, okay?

(Mann) Hallo, Frau Lorenz. - Überwachen Sie mich?

Was? Nein! Ich habe Sie gehört und dachte...

Kann ich Ihnen vielleicht helfen? - Schon okay.

Äh, Moment, der Briefträger war vorhin da.

Ein Einschreiben, ich habe für Sie quittiert.

Ich hoffe, das ist okay? - Danke.

Oh, Scheiße.

* Ruhige Musik *

Ich bin wieder da!

Zoe?

Elias?

Hallo, mein Schatz. Ich habe dir was mitgebracht.

Und was ist mit Adrian?

Das habe ich total vergessen.

Zoe? Du solltest doch auf Elias aufpassen.

Der sitzt nur im Schrank und redet mit seinem iPad.

Der hat 'nen imaginären Freund. Hatte ich auch.

Ja, und ich habe Krebs.

Hör auf so zu reden, okay?

Was machst du mit den Schuhen auf meinem Bett?

Bei mir funktioniert das WLAN nicht.

Das hat auch seinen guten Grund.

Ich hab 'ne Suchanzeige über Facebook gepostet.

Mit Fotos von Papa. Ich hab über 100 Antworten.

Eine Frau hat Papa gesehen. Sie hat ihn beschrieben.

Ich weiß, wie sehr dir Papa fehlt, aber das bringt nichts.

Außerdem kennst du die Leute überhaupt nicht.

Ich hab gehört, wie ihr gestritten habt. Ständig.

Deswegen willst du nicht, dass er wiederkommt.

Du wünschst dir, dass er tot ist.

* Die Tür knallt zu. *

(Anna) Hier, die Zeitung von heute.

"Todesmutig wirft sich Polizistin Anna Bartholome in die Kugel,

die für Psychiater Dr. Jessen bestimmt war.

Bevor Gregor Römer ein zweites Mal seine Waffe anlegt,

tötet sie Römer mit einem Schuss ins Herz."

Bei meiner Mutter haben die Kerzen vor ihrer Tür angezündet.

Was willst du? Du bist jetzt 'ne Heldin, ist doch gut.

Ich weiß, warum du das gemacht hast.

Um deinem Freund Dr. Jessen ein gutes Gewissen zu verschaffen.

Hey, Leute? Habt ihr 'nen Moment? Was gibt's denn?

Die DNA-Ergebnisse vom Inneren des Wagens sind fertig.

Jede Menge Frauenhaare, schwarz bis blond, mit Färbung, ohne.

Ja, was für ein Wunder. Ja, ich weiß, aber...

Wir konnten drei Fingerabdrücke identifizieren. Und?

Wir haben eine Kasia Milowich, 23, ledig, wohnhaft in Hamburg.

Eine Silvia Kleinert, 30, verheiratet, keine Kinder.

Und eine Milena Lorenz, 35, auch wohnhaft in Hamburg, zwei Kinder.

* Schiffshorn *

* Klappern *

Moin, Doktor, tut mir leid,

dass ich's nicht mehr in Ihr Büro geschafft habe.

Es war ein echter Scheißtag heute.

Fehlt irgendwas? Bargeld?

Vielleicht haben sie Medikamente gesucht. Passiert zur Zeit öfter.

Kids? Das waren keine Kids, auch keine Junkies.

Der Einbrecher hat was ganz Bestimmtes gesucht.

Diese Verwüstung war Ablenkung.

Lassen Sie mich mal.

Wovon? Vergessen Sie's.

Läuft doch.

Wollen Sie Anzeige erstatten? Dann schau ich's mir morgen an.

Nein, ich habe schon angefangen aufzuräumen. Stellen Sie's dahin.

Gefällt mir, was Sie aus dem Haus gemacht haben.

Wenn Sie ausgepackt haben, sieht's bestimmt noch viel besser aus.

Lohnt sich nicht.

Nora und ich, wir nähern uns gerade wieder etwas an.

Fahren Sie in Urlaub, Doktor.

Sie sehen richtig scheiße aus.

Wie ist das in Ihren Kreisen, wenn Sie einen getötet haben?

Fahren Sie dann in Urlaub? Römer war ein Mörder.

Sie haben einen Mörder getötet und ein Mädchen gerettet.

Ende der Geschichte. Ich bin Arzt.

Ein Arzt sollte keinen Menschen umbringen!

Vielleicht versuchen Sie's mal so wie ich.

Ich trinke. Hm.

Lesen Sie sich das mal durch.

Der Abschlussbericht der Kripo wurde veröffentlicht.

Kann ich noch irgendetwas für Sie tun? Danke, nein.

Joe... Danke, nein.

Tschüss.

* Ruhige Musik *

* Vogelzwitschern *

Hallo, Joe.

* Jemand spielt ein paar Töne Klavier. *

Ihr kennt euch noch nicht.

Sie sind der Architekt,

der in Stockholm das Hotel entworfen hat, hm?

Korrekt. Robert Schütz.

Nora hat mir mit dem schwedischen Schriftverkehr geholfen.

Sie ist wirklich großartig.

* Klappern * Suchst du was?

Den zweiten Ohrring.

Den habe ich dir zum 17. Hochzeitstag geschenkt.

Oder zur Geburt unserer Tochter, ich weiß nicht mehr.

Ich schaue mal oben. Bin gleich wieder da.

Und wohin geht's heute Abend?

Ins neue japanische Restaurant in der HafenCity.

Ich kenne den Chefkoch. Perfekt.

Nach dem Theater und nach dem Konzert,

wir gehen auch immer japanisch essen.

Ich mag diese Traditionen,

diese ... Rituale.

Sie leben getrennt, oder habe ich da was falsch verstanden?

Vorübergehend, das ist korrekt.

Unser Therapeut meint, das sei gut.

20 Minuten von hier, das Wochenendhaus von Vater.

Sie machen eine Therapie?

Eine so lange und so leidenschaftliche Beziehung ...

gibt man nicht einfach auf.

Ich glaube, wir sind auf einem sehr guten Weg,

unsere Probleme in den Griff zu kriegen.

Habe ihn gefunden. Können wir? Gerne.

Alles okay?

Ich habe dir den Wagen mitgebracht.

Bist du sicher? Ich wollte mir was Kleineres besorgen.

Unsinn. Ich wünsche euch 'n schönen Abend.

* Angespannte Musik *

Hi, Papa. Tschüss, Papa.

Wo willst du denn hin? Verabredet.

Ich bin doch deinetwegen hier. Wir könnten doch jetzt wirklich...

Papa, ich brauche keinen Babysitter. Bis später.

* Tür wird geschlossen. *

* Dynamische Elektromusik *

Kann ich Ihnen helfen?

Wir sind Freunde der Familie. Kripo Hamburg.

Hm, Kommissar Ruiz. Das ist aber eine Überraschung.

Das ist privat. Schieb ab.

Das ist die Kollegin Bartholome. Was kann ich für Sie tun?

Suchen Sie 'n neuen Job? Ich hätte da was in der Security.

Kennen Sie den? Lass mich antworten.

Das ist dein Schwager. Der fährt für dich, oder?

Sie haben nichts von ihm gehört.

Mit durchschnittener Kehle spricht er schlecht.

Okay. Kennen Sie die?

Milena Lorenz.

Kasia Milowich.

Silvia Kleinert. Wir haben ihre DNA im Wagen gefunden.

Wissen Sie, dass Ihr Chef meinen Vater kannte?

Der war genauso ein Arschloch.

Er hat Sie geschätzt. Sie waren ein Mann mit Anstand für ihn.

Einer, der Abstand nehmen konnte. Was willst du damit sagen?

Das hat mein Vater gesagt. Gott hab ihn selig.

Gott? Was für ein Gott?

Der Gott der Zuhälter, Verbrecher, Kinderficker?

Schau mich an, wenn ich mit dir rede. Hey!

Aufhören! Sofort! - Lass!

So, jetzt wird's richtig interessant.

Lass das. Hat er mich angegriffen?

Wenn Sie mich anzeigen wollen, nur zu.

Ich hab immer noch denselben Anwalt. Wie mein Vater.

Was für ein Arschloch.

Du lässt dich provozieren. Wie 'n Erstklässler.

Ich hab keinen Bock auf die Internen.

Dass sein Vater und ich was laufen hatten, ist erlogen.

Außerdem hat er mich zuerst angegriffen.

Nein, hat er nicht.

Ist das dein Ernst? Ja.

Gut, machen wir's eben traditionell,

gehen im Büro noch mal alles durch.

Ja. Morgen. Ich mache jetzt Feierabend.

* Lied: "Autumn Leaves" von Joseph Kosma *

* Entspannte Jazzmusik *

* Er spielt zur Jazzmusik. *

* Die Musik endet abrupt. *

Wie ist es Ihnen seit dem letzten Mal ergangen? Gut.

Keine besonderen Ereignisse, keine Angstattacken?

* Sie verneint. * Nee, mir geht's gut.

Ah, das heißt, ich habe neulich jemandem das Leben gerettet.

Ich habe ihn davon abgehalten, Selbstmord zu begehen.

Sie lachen nicht. Nein. Warum?

Es war vorgestern.

Der Mann stand am Bahnsteig und hatte diesen Blick.

Da wusste ich sofort, was er vorhatte.

Was haben Sie getan?

Ich habe mich neben ihn gestellt, ganz dicht.

Und dann habe ich ihm gesagt, dass ich weiß, was er vorhat.

Und dann? Er hat gelacht.

* Ernste Streichmusik *

Sie haben ihn verunsichert.

Es war ihm unangenehm, dass jemand so tief in ihn reingucken kann.

Sie glauben, das hat gereicht, um ihn davon abzubringen?

Ich habe ihn gefragt, warum er's tun will.

Das ist gut. Ja, und er hat nur mit den Schultern gezuckt.

Dann habe ich ihn gefragt, warum er's hier tun will.

Auf dem Bahnsteig waren lauter Leute und Schulkinder.

Und er ist weggegangen? Ja.

Ja, das ist er. Einfach so.

Das klingt ...

fantastisch.

Sie glauben, ich habe mir das alles nur eingebildet?

Warum sollte jemand, der über Selbstmord nachdenkt,

nicht in der Lage sein, es anderen auszureden?

Immerhin haben Sie's bei mir geschafft.

* Tür wird geschlossen, Schritte. *

Hey, wie war dein Abend?

Das besprechen wir am besten mit unserem Ehetherapeuten.

Wie kommst du dazu, Robert zu erzählen,

dass wir eine Therapie machen, um unsere Ehe zu retten?

Von Ehe retten war keine Rede. Hat er sich ausgedacht.

So wie die alberne Geschichte,

dass wir nach dem Theater japanisch essen gehen?

Ich war noch nie gut in Konversation.

Ich habe improvisiert.

Trinkst du ein Glas Wein mit mir? Nein.

Und mit Lotte? War alles okay?

* Angespannte Musik *

Siehst du, alles in Ordnung.

Joe?

Ich möchte, dass du jetzt gehst. Gute Nacht.

* Donnergrollen *

* Unruhige Musik *

* Dramatische Musik *

* Unruhige Musik *

* Unruhige Musik *

* Schiffshorn *

* Angespannte Musik *

Um die Lebensversicherung Ihres Mannes aufzulösen,

muss er offiziell für tot erklärt werden.

Das hatte ich in meinem Brief erläutert.

Oder ist Ihr Mann gefunden worden? - Nein.

Aber ich weiß, dass er tot ist.

Woher? - Ja, niemand hat ihn gesehen.

Er hat weder Konten angerührt noch Freunde oder Verwandte kontaktiert.

Ohne Sterbeurkunde können wir Ihrem Anspruch nicht nachkommen.

Haben Sie eine Lebensversicherung? - Ja, natürlich.

Wenn Ihnen was passiert, würden Sie wollen,

dass Ihre Frau hingehalten wird?

Ich habe keinen Zugriff auf seine Konten.

Ich zahle seine Kreditkartengebühren.

Ich kann mich nicht von ihm scheiden lassen.

Ich kann weder seine Adresse ändern noch seine Post umleiten lassen!

Ich war zwölf Jahre mit ihm verheiratet,

aber habe keine Rechte,

weil er nicht vor mir tot zusammengebrochen ist!

Das ist nicht allein meine Entscheidung.

Es gibt hier bei uns Regeln.

Ich scheiß auf Ihre Regeln!

* Angespannte Musik *

Was zum Teufel machst du hier?

Sie ist deine Klientin.

Wenn das rauskommt, dass du ihr folgst, verlierst du die Zulassung.

* Aufregende Musik *

Es ist elf Uhr, du hast Klienten in der Praxis warten.

Ich habe die Termine abgesagt. Ach, warum?

Damit du rumeiern kannst? Wie siehst du überhaupt aus?

Das geht dich nichts an. Was willst du? Verschwinde.

Ich glaub's nicht. Du bist irre.

Ich kann dich nicht länger ertragen.

Du machst mich krank. Verschwinde! Hau ab!

* Ernste Musik *

* Ruhige Musik *

Kasia Milowich und Silvia Kleinert haben ein Alibi.

Aber ich habe was über die Lorenz gefunden.

Vor zwölf Jahren wurde sie nachts von Kollegen aufgegriffen,

weil sie orientierungslos durch die Straßen geirrt ist.

Beim Drogentest hat man Spuren von Ketamin nachgewiesen. Und weiter?

Sie hat behauptet, jemand hätte ihr das

ins Getränk gemischt und sie vergewaltigt.

Sie kannte den Mann... - Ronald Dehler. Musikverleger.

Der hat aber bei der Befragung alles abgestritten.

Bestell diesen Dehler mal ein. Ich möchte mit ihm sprechen.

Kommst du mal bitte, Ruiz?

Was gibt's denn noch?

Hasim Klaudiusz betreibt u. a. einen exklusiven Escort-Service.

Das glaube ich ja jetzt nicht.

Gut, Vorladung. Mal sehen, ob sie ein Alibi hat.

Ja, dann kannst du auch mit ihrem Psychiater sprechen. Was?

Milena Lorenz ist seit fünf Monaten bei Dr. Jessen.

* Türklingel *

Dr. Jessen? Sie haben Ihren Schal bei mir liegen lassen.

Ich war gerade in der Nähe, und da...

Ähm... wollen Sie vielleicht reinkommen?

Ja... setzen Sie sich.

Zur Abwechslung mal auf meine Couch. Ja.

Ich mache uns Tee.

Sehr gerne.

Ist grün okay?

Sehr.

Gib her. Ah...

Elias, ja? Mhm.

Wir haben keinen Fernseher mehr.

Aha. Mama hat ihn verkauft.

Damit wir was zu essen haben. So.

Ich habe dafür Schokolade bekommen.

Ach, das ist dein Versteck.

Nein, das ist Adrians Versteck.

Ist er jetzt da drin?

Was? Das ist er? Ja.

* Er wiehert. *

(mit tiefer Stimme) Hallo, Adrian, ich bin Joe.

* Er schnalzt mit der Zunge. * Er redet nur mit mir.

Und was magst du an ihm? Er beschützt uns.

Er ist immer da, wenn wir manchmal Angst haben.

Sehr nett von ihm. Das ist toll.

Tee ist fertig.

Ja, ich habe alles verkauft.

Den Wagen haben die gestern abgeholt.

Wie blind muss man sein, nicht zu merken,

dass der eigene Mann spielsüchtig ist.

Suchtkranke haben oft das unheimliche Talent,

ihre Sucht zu verbergen.

Mein Mann David hat für Hasim Klaudiusz

als Buchhalter gearbeitet.

Der hat Läden auf der Reeperbahn.

Kennen Sie das Puppenhaus?

David hat sich Geld von ihm geliehen,

immer auf die große Glückssträhne gehofft.

Schuldet ihm 120.000 Euro.

Ich habe alles zu Geld gemacht, was ging.

Aber das hat nicht gereicht.

Und, ähm... Ja, dann hat er mich erpresst.

Gesagt, dass er dafür sorgen würde,

dass ich ins Gefängnis komme und ...

dass man mir die Kinder wegnimmt.

* Ernste Musik *

Ich bin dann mit... mit...

mit Männern ausgegangen.

Männer, die er für mich ausgesucht hat.

Ich sollte sie unterhalten, mit ihnen essen...

* Sie schnieft. *

(leise) Entschuldigung.

Hat dieser Hasim Sie geschlagen?

Sein Fahrer. Ein Kunde hat mich nicht bezahlt.

Und Sie haben sich gewehrt?

Nee, der hatte ein Messer.

* Düstere Musik *

Ich kenne jemanden bei der Polizei. Nee, bitte nicht.

Bitte, bitte, bitte nicht.

Oh, Zoe...

Das ist, ähm ... meine Tochter.

Sind Sie von der Polizei?

Gibt's was Neues von Papa?

* Laute Musik aus dem Lokal *

Ist Ihr Chef im Haus?

* Dynamische Funkmusik im Lokal *

* Die Musik übertönt das Gespräch. *

* Die Musik übertönt das Gespräch. *

Hasim Klaudiusz? Ich bin Dr. Joe Jessen.

* Die Musik übertönt seine Sätze. *

Milena Lorenz wird nicht mehr für Sie arbeiten. Ach?

Schweiß auf der Stirn, zittrige Händchen und Tunnelblick.

Parkinson, nicht wahr?

Mein Vater hatte das auch, aber erst mit 75.

Was nehmen Sie? Levodopa? Pramipexol?

Was immer es auch ist, nehmen Sie mehr, Sie sind auf Entzug, Doktor.

Jetzt verpissen Sie sich, sonst lass ich Sie rausschmeißen. Moment.

Ich bitte Sie, lassen Sie Frau Lorenz in Ruhe.

Frau Lorenz und ihre Familie, sie schuldet Ihnen nichts.

Wenn ihr Mann Spielschulden bei Ihnen hat,

dann suchen Sie ihn und ziehen ihn zur Rechenschaft, bitte.

Treiben Sie's mit ihr? Nein, natürlich nicht.

Sollten Sie aber.

Sie macht ihre Sache ziemlich gut.

* Tragende Streichmusik *

Die Kleine hat dir echt den Kopf verdreht, hm?

Lass mich in Ruhe. Kein Problem.

Lass mich einfach gehen, Doktor.

* Er räuspert sich. *

* Unheimliche Musik *

Du hättest ihm eins in die Fresse geben sollen,

diesem Zuhälter, diesem Kinderficker.

Ist es das, was du brauchst, ja? Willst du bestraft werden?

Dafür, dass du ein Versager bist, eine Null. Jetzt hör mal auf, ja?

Lässt dir einfach die Eier abreißen von diesem Schwein.

Hey, was ist? Ha?

(neckend) Feigling. Feigling. Komm schon.

Ja! Das ist gut!

Ja, komm! Gleich noch mal.

Ja!

So, und das war's jetzt schon mit dem großen Joe Jessen?

Hm?

* Krömer lacht irre. *

Na ja, es geht doch.

* Angespannte Musik *

Merhaba, habibi.

* Sie sprechen eine fremde Sprache. *

* Sie sprechen eine fremde Sprache. *

* Dynamische Hip-Hop-Musik *

* Grausige Musik *

* Schleifmaschine, Hämmern *

Entschuldigung, kann ich Ihnen helfen?

* Sanfte Klaviermelodie *

Noch ein Provisorium?

Nur bis morgen früh, dann sind die Handwerker fertig.

Ich wusste gar nicht, dass Sie Klavier spielen können.

Was ist mit Ihnen, irgendwelche Talente?

Ja, ich kann Leuten richtig auf 'n Sack gehen.

Sie waren gestern bei Hasim Klaudiusz.

Sein Leibwächter meinte, ein Mann mit Zitterhand wäre da gewesen.

Sehr komisch.

Das war privater Natur. Es ging doch um Milena Lorenz.

Ihre Patientin.

Er hat sie misshandelt. Und ich habe versucht, zu helfen.

Ach, und da dachten Sie, es wäre 'ne gute Idee,

sich mit 'nem Scheißgangster einzulassen?

So ungefähr.

Doktor, was ist los mit Ihnen?

Schlafen Sie mit der Frau? Das hat mich Klaudiusz auch gefragt.

Sie scheinen ähnlich zu denken. Ja, nicht mehr.

Klaudiusz liegt auf der Pathologie.

Abgeschlachtet mit einem Rasiermesser.

Und Sie glauben, ich war's? Natürlich nicht.

Aber raten Sie mal, wer kein Alibi hat.

Sie ist keine Mörderin. Die Dame ist aktenkundig.

Der hier hat ihr angeblich vor zwölf Jahren

etwas ins Getränk gemischt und sie vergewaltigt.

Eine Woche später haben sie ihn so aus der Elbe gezogen.

Das hier ist ihr Ehemann. Verschwunden seit sechs Monaten.

Das ist Aki Aziz, der Fahrer von Klaudiusz.

Getötet vor zwei Tagen in seinem Auto.

Ihre Patientin war bei Hasim Klaudiusz angestellt.

Jetzt ist er tot. Kein Verlust, aber tot.

Alles nur Zufall? Ich weiß nicht, wie ich Ihnen helfen soll.

Ich fahre jetzt zu Milena Lorenz' Ex-Mann.

Sie war schon mal verheiratet?

* Energische Musik *

* Eine Maschine piepst. *

Herr Beck? Kevin Beck?

Ja? Kripo Hamburg.

Um was geht's denn? Ich habe zu tun.

Um Ihre Ex-Frau, Milena?

Kevin. Wer nennt denn sein Kind so?

Was haben sich Ihre Eltern dabei gedacht?

Der Junge wird mal ein Fußballstar?

Bekommen haben sie 'nen Dealer und Ex-Knacki.

Was will sie? Will sie Geld?

Wieso? Haben Sie was anzubieten?

Soll das ein Scherz sein?

Wann haben Sie Ihre Ex das letzte Mal gesehen? Ein paar Jahre her.

Die ist gestört. Wie meinen Sie das?

Ich hab ihre Freundin gevögelt, sie hat's rausbekommen.

Dann hat sie's mir heimgezahlt.

Sie gab der Polizei 'nen Tipp,

und die haben 50 Gramm Kokain bei mir gefunden.

Sie glauben, sie hat die Drogen versteckt?

Wie soll sie an eine solche Menge gekommen sein? Keine Ahnung.

Als ich in den Bau gewandert bin, hat sie sich von mir scheiden lassen

und 'ne Postkarte geschickt.

Da stand dann drauf: "Rache ist süß."

Wie haben Sie sie denn kennengelernt?

* Unruhige Musik *

Ihre Patientin war mal 'ne Nutte.

Na ja, sie war 18 Jahre alt.

Vielleicht hat sie deswegen ihren Mann beseitigt.

Warum sollte sie das tun?

Er hat sie betrogen,

zu viel Fußball geschaut, was weiß ich.

Was soll denn der Unsinn?

Ich war gestern bei ihr... Moment mal, Doktor.

Sie waren bei ihr? Vielleicht sollten Sie mal zum Psychiater.

Sie glauben, sie manipuliert mich.

Was steht in der Polizeiakte über die Familie?

Ihre Mutter ist hochschwanger

bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, als sie acht war.

Wie war Ihre Kindheit? Woran denken Sie?

An Schweinepisse und auch an dieses elende Gequieke.

Ich bin auf so 'nem Masthof groß geworden, in Schleswig.

Meine Mutter hat's gehasst.

Die wollte da immer weg. Aber?

Sie ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Wie alt waren Sie? Acht.

Das tut mir leid.

Das beschäftigt Sie sehr? Nee.

* Heller mystischer Kindergesang und Spieluhrmusik *

Ist ja auch schon lange her.

Und ich habe jetzt selber Kinder.

Haben Sie eigentlich Kinder?

Eine Tochter. Dann kennen Sie das ja.

15. Hm.

Wo war Ihr Vater zu der Zeit?

Ach, meine Eltern,

die haben sich ziemlich schnell nach meiner Geburt getrennt.

Nach dem Unfall, da hat er mich dann zu sich geholt.

Sie sind bei Ihrem Vater groß geworden.

Mhm, ja.

* Tragende Musik und Spieluhrtöne *

Die Kleine wurde in ein Heim für schwer erziehbare Kinder gesteckt.

Was? Sie ist in einem Heim aufgewachsen? Ja.

Komm, rot, rot, rot! Ja.

Wo denn? Elmshorn.

Ach.

* Türglocke *

* Unheimliche Musik *

Das geht nicht.

Was wollen Sie hier? Wo haben Sie meine Adresse her?

Die Polizei war heute bei mir.

Die glauben, dass ich Hasim Klaudiusz umgebracht habe.

Glauben Sie, dass ich jemanden umbringen kann?

Sie wollten nicht, dass ich zur Polizei gehe, erinnern Sie sich?

Ja. Ich glaube, es war David.

Ihr Mann?

Vor Kurzem waren Sie noch der Meinung, dass er tot ist.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich beobachtet werde.

Da ist immer jemand. Ich habe...

Ich habe heute Ihren Ex-Mann kennengelernt.

Ach.

Sie haben nie von ihm erzählt.

Ja, weil er keine Rolle mehr spielt in meinem Leben.

Aber Sie in seinem, er ist der Meinung,

dass Sie ihn ins Gefängnis gebracht haben.

Das habe ich auch.

Das ist der Grund, warum ich noch am Leben bin.

Also, Milena, ich kann Ihnen einen meiner Kollegen vermitteln.

Das kostet Sie nichts, der kann Ihnen dann weiterhelfen,

Medikamente verschreiben...

Ich will aber Sie.

Ja. Sie wissen, dass das nicht geht.

Vielleicht haben Sie auch 'ne zweite Chance verdient.

* Bewegte Musik *

* Unruhige Musik *

Milena?

Milena!

Milena!

'tschuldigung.

* Unruhige Musik *

* Kinderstimmen *

Dr. Sternberg? Ich bin Joe Jessen, wir haben telefoniert.

Ach ja. Ihre Enkel?

Ja.

Ich möchte mit Ihnen über Milena Lorenz sprechen.

Sie kannten Sie als Milena Boysen.

Ja, Sie sind nicht der Einzige, der sich für Milena interessiert. So?

Vor ... vier Wochen wurde bei uns eingebrochen.

Seitdem kann meine Frau nicht mehr richtig schlafen.

Gestohlen wurde das Übliche, Bargeld, Schmuck.

Und meine Unterlagen über Milena Boysen.

Ich war damals Kinder- und Jugendpsychiater in Elmshorn.

Sie hat erzählt, Ihre Mutter sei

bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

(Milena) Ich bin auf 'nem Masthof groß geworden.

Meine Mutter hat's gehasst.

(Milena als Mädchen, singt) "...Luise, es ist ein großes Fidel.

Du fühlst dich wie im Paradiese..."

Komm, Milena. Wir müssen jetzt ins Krankenhaus.

Dein Brüderchen will raus.

(Sternberg) Milenas Mutter war hochschwanger, schon in den Wehen.

Sie war auf dem Weg zur Entbindung ins Krankenhaus.

Milena war mit in dem Wagen,

weil ihre Mutter niemanden gefunden hatte, der auf sie aufpassen konnte.

* Ruhige tragende Musik *

(Mutter singt) "Komm auf die Schaukel, Luise."

(beide singen) "Es ist ein großes Pläsier."

"Du fühlst dich wie im Para..."

* Dramatische Musik *

(singt) "Hey, komm auf die Schaukel,

Luise.

Und später auf der Wiese, Luise...

Komm auf die Schaukel, Luise...

Es ist ein großes Pläsier..."

* Hupen, Reifenquietschen *

* Sie stöhnt laut. *

* Sie keucht und stöhnt. *

Alles gut, Mama?

Alles gut... Es geht schon wieder.

Komm, schnall dich wieder an. Na komm, gib mir deinen Gurt.

* Dramatische Musik *

(Sternberg) Der Fahrer des auffahrenden Wagens

holte die kleine Milena wohl noch aus dem Wrack,

machte sich dann aber aus dem Staub.

Man hat ihn nie ausfindig gemacht.

* Ruhige Musik *

Als der Rettungswagen eintraf, da waren Mutter und Baby tot.

Und die kleine Milena hat das alles mitangesehen.

Wann wurde sie auffällig? In der Pubertät.

Ihr Verhalten wurde zunehmend aggressiv und gewalttätiger.

Eine Mitschülerin, die ihr ein Buch gestohlen hatte,

wurde von Milena angezündet.

Einen Nachbarsjungen hat sie in den Wäschetrockner gesperrt.

Und sie konnte sich nicht daran erinnern, das getan zu haben.

Milena litt unter kurzzeitigen Bewusstseinsstörungen.

Wenn sie sehr wütend oder erregt war,

dann verlor sie sogar das Bewusstsein.

Diese Blackouts dauerten nicht länger als eine Stunde.

Wenn sie dann wieder zu sich kam,

dann hatte sie keine Erinnerung daran, was passiert war.

Hat sie nie davon erzählt?

Nein, das ist, als sprächen Sie von einer anderen Person.

Es wundert mich auch nicht,

denn diese Aussetzer wurden unter der Therapie immer seltener.

Schließlich verschwanden sie vollständig.

Milena hat gelernt,

ihre Wut in den Griff zu bekommen.

Es war ein langer Weg,

aber sie war geheilt.

Sie wissen, wie selten wir Psychiater das erleben.

Eine Erfolgsgeschichte.

Was haben Sie gerade gesehen?

Wie bitte? Nichts.

Der Beruf lässt einen niemals los, nicht wahr? Fluch und Segen.

Wissen Sie, was ich mir wünsche, seit ich pensioniert bin?

Allein zu sein.

Joe?

Nora. Ich habe nur 'ne halbe Stunde.

Cappuccino! Nimm meinen, der ist frisch.

Triffst du dich mit Herrn Schütz?

Wir sind nicht hier, um über Robert zu sprechen, oder? Robert? Nein.

Ich habe mich dumm verhalten, kindisch.

Ich weiß nicht mal, warum.

Und es kommt nie wieder vor.

Du bist gut darin, andere zu analysieren, nur bei dir nicht.

Und bei dir? Ich hasse es, wenn du mich analysierst.

Nein, bitte, ich will es so gar nicht, ich...

Als Rätsel bist du mir viel lieber.

Ich will dich nicht verstehen und wissen, was du als Nächstes machst.

Ich will den Rest meines Lebens damit verbringen,

die Schönheit dieses Rätsels zu bewundern

und es vielleicht ein wenig zu ergründen.

Ich hatte so gehofft, dass du jemanden gefunden hast.

Habe ich ja. Vor 17 Jahren, wir haben geheiratet.

Nee, das meinte ich nicht.

Ähm... Nora, vielleicht sollten wir einen Pakt schließen.

Wenn bis zu einem gewissen Zeitpunkt keiner von uns

jemanden gefunden hat, dann kommen wir wieder zusammen.

Und welcher Zeitraum schwebt dir vor? Bis nächstes Wochenende.

Lass mich zurückkommen.

Ihr fehlt mir.

Ich liebe dich nicht mehr.

Nicht richtig.

Es gibt kein richtig oder falsch, es gibt nur uns.

Wir können unser Leben nicht noch einmal von vorn leben.

Warum eigentlich nicht?

Hallo, Frau Lorenz, ich möchte mit Ihnen sprechen.

Es geht jetzt nicht.

Es dauert nicht lang. Es geht um Zoe.

Geh schon mal rein, okay? Ich komme gleich.

Ziehst die Schuhe aus?

Ja? - Kommen Sie kurz rein?

Ich will Ihnen was zeigen.

Okay.

* Unheimliche Musik *

Wollen Sie vielleicht was trinken?

Nee, danke, ich hab wirklich nicht viel Zeit. Was ist jetzt mit Zoe?

Kleinen Moment, ja?

Kleinen Moment.

So, jetzt.

* Düstere Musik *

Frau Lorenz, Sie sind sehr einsam, oder?

Ich kann Ihnen helfen. - Ich brauche keine Hilfe.

Ich würde verstehen, wenn Sie das für sich behalten wollen.

Was würde Zoe dazu sagen, wenn sie das wüsste?

Oder die Eltern von ihren Freunden.

Ihre Mutter, eine Hure?

* Unheimliche Musik *

"Hallo, Elias." - Adrian?

"Ja. Wollen wir verstecken spielen?" - Oh ja!

"Wenn du mich findest, gibt's 'ne Belohnung." - Ich will Schokolade.

"Einverstanden. Ich sage heiß und kalt."

Mama?

* Unheimliche Musik *

* Unruhige Musik *

(Adrian) "Öffne die Tür." - Das darf ich nicht.

"Du willst doch die Belohnung."

* Adrian schnaubt. * "Kalt."

Wo bist du?

"Heiß.

Noch heißer."

* Spannungsvolle Musik *

* Ein Vogel krächzt. *

* Telefonklingeln *

Ich würde gern doch woanders hinfahren.

Elias?

Elias?

Komm mal raus.

Elias?

Elias?

Mami?

Mami!

Elias?

Elias?

* Unheimliche Musik *

Elias?

* Spannungsvolle Musik *

Mami? - Hey...

Das ist Adrian.

* Dramatische Musik *

* Türklingel *

* Klopfen * Frau Lorenz!

Milena!

* Angespannte Musik *

Hallo, jemand da?

Ruiz...

Ruiz... Ruiz...

(Mann) Polizei! - (Mann 2) Polizei!

Sicher! - Sicher!

Sicher!

Gib die Fahndung raus.

Straßen, Flugplätze, Bahnhöfe. Das volle Programm.

Wo sind die Kinder?

Zoe ist vielleicht noch in der Schule. Ich kümmere mich drum.

Sagen Sie mir mal eins, Doktor,

wie konnte Ihnen eine Irre wie Milena durchrutschen?

Ich glaube nicht, dass sie irre ist.

Ihre Patientin hat jetzt mindestens drei Männer getötet.

Mensch...

Was suchen Sie denn da?

Ihr Sohn hat hier immer gespielt.

Er hat mit einem imaginären Freund gesprochen,

Adrian, mit dem er über Tablet verbunden war.

Ein Freund, der die ganze Familie beschützt.

War es Frage und Antwort, oder hat er nur zugehört?

Nein, nein, interaktiv, auf jeden Fall.

Dann muss er online gewesen sein.

Man lässt doch 'nen Fünfjährigen nicht rumsurfen.

Ein ungeschütztes Netzwerk. Vielleicht war er da eingeloggt.

* Spannungsvolle Musik *

* Leiser Polizeifunk *

* Leise Gespräche *

Aha...

Können wir da rein?

* Unheimliche Musik *

Das glaube ich ja nicht.

Kadir, bist du schon unten?

Komm mal hoch in die Wohnung im ersten Stock links.

Und bring einen SEK mit, ja?

Da, schauen Sie mal, das Schwein hat

in jedem Zimmer unten 'ne Kamera installiert.

Nicht in jedem Zimmer.

Keine Überwachungskamera im Badezimmer.

Erweiterter Tatort. Sag mal unten Bescheid, ja? Geht los.

Egger, ist das hier alles aufgezeichnet?

Das kenne ich. Ein simples Videotool aus dem Internet.

Das speichert alles. Können Sie zurückspulen?

Was zum Henker ist das? Damit hat er den Jungen geködert.

Aber ich meine die Überwachungskameras.

Okay, wie weit? 40, 50 Minuten.

Halt, mach mal langsam.

Stopp mal, stopp.

Zurück noch ein Stück, zurück. Stopp.

Den kenne ich, der war ...

gestern vor meiner Wohnung, abends.

Ich habe gedacht, das wäre ein Fußgänger.

* Spannungsvolle Musik *

Zoe Lorenz? Ich bin von der Polizei.

Mein Name ist Anna Bartholome...

Ist nichts Schlimmes.

Laut Mietvertrag wurde die Wohnung vor sechs Jahren gemietet

von einem Adrian Köhler.

Was zum Teufel will er? Ihr nahe sein?

Sie beschützen? Er ist von ihr besessen?

Er hat seine Lebensplanung auf Milena ausgerichtet.

Seine Sonne, um die er kreist.

Es ist ihnen bestimmt, zusammen zu sein.

So was kann durch was ganz Banales ausgelöst werden.

Er ist ihr auf der Straße begegnet oder saß neben ihr im Bus.

Vielleicht waren sie mal zusammen.

Ein abgelegter Liebhaber, der nicht drüber wegkommt.

Liefert uns das vielleicht einen Hinweis darauf,

wo er sie hingebracht hätte?

Dann gibt es vielleicht auch einen Ort, der ihm etwas bedeutet.

Aber wenn er Milena beschützen möchte, ist sie dann in Gefahr?

Er hat sich diesen Moment so oft vorgestellt.

Ihr zu sagen, wie sehr er sie liebt,

ihr zu zeigen, wie viel er für sie getan hat.

Dass es für ihn nur ein denkbares Szenario gibt,

dass Milena ihm diese große Liebe zurückgibt.

Und sie leben glücklich bis an ihr Lebensende?

Oder sterben bei dem Versuch.

Wie geht's eigentlich der Kleinen?

Zoe? Ist okay. Ich hab das Jugendamt verständigt, die schicken jemand.

* Unruhige Musik *

* Heller mystischer Kindergesang *

(Elias) Wo sind wir hier?

Das ist das Zuhause von deiner Mami.

Das sind ja alles meine Sachen. - Mama, unser Fernseher.

Es wird alles wie früher. - Warum machen Sie das?

Ich kümmere mich um euch, wie's dein Mann hätte tun sollen.

Sei froh, dass er weg ist. - Ich muss mal.

Ja? Okay.

Komm, ich zeige dir den Weg.

* Tragende Streichmusik *

Ich habe eine Überraschung für dich.

So...

Ich habe alles so hergerichtet, wie es früher mal war.

Was soll das?

Gefällt es dir?

Nein... - Mama?

Nein! - Ich muss noch mal los.

Ist nur für deine Sicherheit.

Mami, was ist?

* Sie hämmert gegen die Tür. *

* Handy vibriert. *

Papa?

(Kadir) Merkt ihr, was ich sage?

(Anna) Mhm, ist identisch.

(Kadir) Ich bin jetzt kein Arzt oder so,

aber für mich sieht das gleich aus.

Gut, die Schnitte sind gleich geführt. Und was ist das?

* Düstere Musik *

(Kadir) Ethanol oder halt Frostschutzmittel.

Zoe ist weg. Was? Wie weg?

Jessen ist auch verschwunden.

So eine Scheiße!

* Handyklingeln *

Ja... So, Doktor, jetzt bin ich aber mal gespannt.

Zoe ist abgehauen, jemand hat sie weggelockt. Ich bin ihr hinterher.

Wohin läuft sie denn? Hauptbahnhof.

Lassen Sie mein Handy orten. Was geht da ab?

Er will die Familie beisammen haben. Aber wozu?

Vielleicht hatte er das nie.

Er hätte meine haben können. Ortung läuft.

* Tragende Streichmusik *

Ich fürchte, ich habe sie verloren.

Ich habe sie. Sie ist auf Gleis elf.

Regionalexpress nach Flensburg. Fährt sofort.

Doktor? Joe!

* Spannungsvolle Musik *

Hallo, Adrian.

Wo ist Zoe?

Aus Ihnen werde ich nicht schlau. Das müssen Sie auch nicht.

Wo ist Milena Lorenz?

Wo ist ihr Sohn Elias? In Sicherheit.

Sie müssen Milena beschützen, nicht wahr?

Das habe ich verstanden.

Sagen Sie mir auch, wovor? Vor Menschen wie Ihnen.

Dann hätten Sie mich bei unserer letzten Begegnung getötet.

Ich stelle für Milena keine Bedrohung dar.

Ich bin wie Sie. Ich will nur ihr Bestes.

Das hat ihr Mann auch immer gesagt, dieses Schwein.

Sie haben ihn getötet? Er hat sie belogen und betrogen.

Jahrelang. Hatte ein Flittchen nach der anderen.

Und sie hat seinen Lügen geglaubt.

Er hätte die ganze Familie ins Unglück gestürzt,

wenn ich nicht eingeschritten wäre.

Sehen Sie, mir war nicht klar, warum diese Eskalation.

Sie haben Milena beobachtet, seit sie ein kleines Mädchen war.

Und jetzt plötzlich bringen Sie all diese Leute um.

Auch das hier, übers Knie gebrochen, improvisiert.

Ihnen läuft die Zeit davon, nicht wahr?

Sie haben Schmerzen im Oberbauch.

Ihre Augen und Schleimhäute haben eine Gelbfärbung.

Sie schwitzen, aber nicht, weil Sie sich von mir bedroht fühlen,

sondern weil Sie Fieber haben.

Wann wurde die Diagnose Leberkrebs gestellt?

Wie soll das jetzt weitergehen?

Vor allem, wenn Sie nicht mehr da sind.

Ich bin da, solange sie lebt.

Das ist das Problem, Adrian. Sie werden sterben.

Und Milena wird sich allein zurechtfinden müssen.

Das ist das Leben.

Adrian, bitte. Lassen Sie los. Machen Sie Ihren Frieden.

Die Polizei weiß, dass Sie hier im Zug sind. Wo ist Zoe?

Auf der Toilette, in dieser Richtung.

Zoe?

* Heller mystischer Kindergesang und Spieluhrmusik *

* Tragende Streichmusik *

Was machst du da?

Ich will nach Hause, Mami.

Ach, ich auch, mein Schatz.

* Düstere Musik *

Hallo, Zoe. - Wer sind Sie?

Komm, ich bringe dich zu deinen Eltern. - Und wohin?

Jetzt komm schon!

* Alarm *

Okay.

Der Zug hat gehalten. Jemand hat die Notbremse gezogen.

Das darf nicht wahr sein.

Ein Mann und ein junges Mädchen sind aus dem Zug gelaufen.

Was ist mit Jessen? Der ist noch immer nicht erreichbar.

* Alarm, Lautsprecherdurchsage *

* Gemütliche Akkordeonmusik, Stimmengewirr *

* Gemütliche Akkordeonmusik, Stimmengewirr *

* Handyklingeln *

(Anna) Dr. Jessen.

Wo zum Teufel stecken Sie, Doktor? Wir sind aufm Weg zum Zug.

"Die Fotos in der Nachbarwohnung."

Die Fotos von Milena Lorenz. Ja, was ist damit?

"Und die Kameras in ihrer Wohnung."

Die haben alle Räume gezeigt, bis auf einen.

Das Badezimmer. Und was schließen Sie daraus?

Adrian Köhler hat kein sexuelles Interesse an Milena.

Er hat eine bestimmte Grenze der Scham nie überschritten.

Also wer fühlt sich für jemand anderen so verantwortlich,

dass er sein Leben lang als Beschützer agiert?

Er ist Ihr Vater. Er ist der Vater.

Wo will er hin? Er bringt seine Familie nach Hause.

Milena hat mir erzählt, dass ihre Eltern in der Nähe von Schleswig

auf einem Bauernhof leben.

Schleswig liegt auf der Zugstrecke.

Ruiz... Wir müssen uns beeilen.

Ja, das wissen wir. Nein, Sie verstehen mich nicht.

Adrian Köhler hat keine Zeit, er hat Krebs.

Er kann Milena auf keinen Fall allein zurücklassen,

weil er überzeugt ist,

dass sie ohne seinen Schutz nicht überlebt.

Ich glaube, er will die Familie mit in den Tod nehmen.

Wo sind Sie jetzt genau?

* Bewegte Musik *

Schnell rein.

Oh Gott, Zoe. - Mama.

Oh, mein Schatz. Ein Glück, ein Glück...

Jetzt sind wir endlich alle zusammen. - Oh Gott.

Wer sind Sie? - Ich passe auf euch auf.

Wie das ein richtiger Vater doch tut, nicht?

Komm.

Wir wollen jetzt essen, ja?

So, setzt euch.

Ich sagte, setzen!

Ja, ich weiß, es ist kalt.

Aber ich habe heiße Schokolade vorbereitet.

Ich bin sehr dankbar, dass wir jetzt zusammen sind ...

und immer zusammen bleiben werden, wie eine richtige Familie.

Deine Mutter hat immer versucht, dich mir vorzuenthalten.

Sie hat immer so getan, als gäbe es mich nicht.

Sie hat immer gesagt, du bist nicht mein Kind.

Aber ich habe es dir angesehen.

Ja, ich bin euer Opa.

Heißer Kakao gegen die Kälte.

Und jetzt wollen wir beten.

* Düstere Musik *

Komm, Herr Jesus, sei unser Gast

und segne, was du uns bescheret hast.

Amen.

Greift zu.

Nein, Elias, du trinkst nicht. - Elias, trink.

Nein, er trinkt nicht. - Trink!

Was hast du da? - Nichts.

Was hast du da? Gib das her. - Ich habe nichts.

Gib das... - Lauft raus!

Lauft raus!

* Düstere Musik *

Doktor.

Sie bleiben im Wagen. Sie können da nicht reingehen.

Er hat schon drei Menschen umgebracht. Von denen wir wissen.

Lassen Sie mich mit ihm reden.

Das kommt überhaupt nicht infrage.

Er weiß, dass ich Milena nicht schaden werde.

Sie gehen da nicht rein. Ende der Diskussion.

* Angespannte Musik *

* Er lacht. *

Ist das der Dank dafür? Hm?

Für all das, was ich für dich getan habe?

Mach die Tür auf!

(wütend) Mach die Tür auf!

* Er schlägt gegen die Tür und schreit. *

Die Tür!

* Tragende Musik *

* Tragende Streichmusik *

Adrian...

Nein. Nein...

Mama! Mama!

Geiselnahme da drinnen.

Es ist ein Mann, seine Tochter, zwei Enkel...

* Angespannte Musik *

Adrian!

Ich bin hier, reden Sie mit mir!

* Tragende Streichmusik *

Milena...

Milena.

Er hat sie ... umgebracht. Er hat sie umgebracht.

Er hat meine Mutter umgebracht. Ja.

Doktor.

Ist sie okay?

Er lebt noch. Er braucht einen Notarzt.

* Ruhige Musik *

Sie hatten recht. Köhler hatte nur noch ein paar Wochen zu leben.

Und hat er vorher gestanden? Ja, alle vier Morde.

Er hat die letzten drei Jahre

praktisch ununterbrochen mit Milena und den Kindern verbracht.

Mehr als viele andere Väter.

Die Versicherung hat gezahlt? Ja, sie hat.

Kommt sie eigentlich noch zu Ihnen?

Also in die Praxis, meine ich. Nein, warum sollte sie?

Vielleicht braucht sie jemand,

mit dem sie reden kann oder neue Medikamente?

Was ist denn los?

Der Versicherungsangestellte, der ihren Fall bearbeitet hat,

der ist tot aufgefunden worden.

Genickbruch. Anscheinend die Treppe runtergefallen.

Köhlers letzte Tat?

Das war zwei Tage, nachdem wir ihn festgenommen haben.

(Milena) Schnall dich an, ja?

Hört sich an wie ein unglücklicher Unfall.

Ja, das tut es.

Kommen Sie?

* Lied: "Autumn Leaves" von Joseph Kosma *

* Entspannte Jazzmusik *

Untertitel im Auftrag des ZDF, 2020

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