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Dr. Johannes (Joe) Jessen
* Möwenkreischen, ernste Musik *
Kommissar Vincent Ruiz
* Ernste Musik *
(laut schreiend) Hilfe!
* Sie schluchzt. *
Nora Jessen
* Ernste Musik *
* Dramatische Musik *
Ach ja.
* Türklingel *
Hallo, Papa!
Hallo, Mausezahn!
Wehe! Lotte, deine Jacke.
Es ist Sommer! Nimm die.
Danke.
Ich hab noch die Schlüssel.
Behalt sie.
Du siehst müde aus.
Ich habe dich gestern Abend gesehen.
Du hast eine Stunde vorm Haus im Wagen gesessen.
Du musst uns nicht beschützen.
Wollen wir am Samstag zum Essen gehen, alle drei?
* Ruhige Musik *
Am Samstag bin ich verabredet.
Mhm.
Viel Spaß!
Ruf an, wenn was ist, ne?
Nora? Ja?
Mir gefällt deine Frisur.
* Ruhige Musik *
Papa! Heute noch?
(leise) Ja.
* SMS-Ton *
An wen schreibst du? Einem Freund.
Wie heißt der?
Ist das ein Verhör?
(mit Akzent) Ich versuche nur machen zu sprechen mit meinem Mausezahn.
Keine Angst, er ist nicht mein Typ.
Süß, Alter, krass!
Und darf ich fragen, wer oder was dein Typ ist?
* SMS-Ton *
* Unheilvolle Musik *
Neuigkeiten, die ich wissen müsste?
Du willst wissen, ob Mama sich mit jemandem trifft. Macht sie?
Willst du mich die ganze Woche über Mama aushorchen?
Ich werde mich bemühen, das nicht zu tun.
Ich bitte darum.
* Spannungsvolle Musik *
Hallo, Herr Ruiz! Hallo, Mausezahn!
Doktor? Egal, was Sie wollen, die Antwort ist nein.
Die nächsten Tage gehören meiner Tochter.
Ich brauche Ihre Hilfe.
Geht's um die Frauenleiche an der Elbe? Schatz. Cool, oder?
Nein, ein Ehepaar, dass vor drei Tagen ermordet wurde.
Woher haben Sie meine neue Adresse? Der hier.
Es dauert nicht lange. Wir haben den Täter schon.
Wozu brauchen Sie dann meine Hilfe?
Er ist ein Fall für 'nen Psychiater.
Ich kann Ihnen eine Liste hervorragender Kollegen geben.
Hören Sie, Doktor... Nein!
Ruiz, Sie hören zu. Ich hab Ihnen schon mehrmals geholfen.
Ich hab mich und meine Familie in Gefahr gebracht.
Und dabei wahrscheinlich auch meine Ehe ruiniert.
Ich verbringe die nächsten Tage mit meiner Tochter.
Weil ich es ihr versprochen habe, und ich mich darauf freue.
Geh ruhig mit, Papa, es macht mir nichts.
Nein, Charlotte, das ist sehr lieb von dir...
Wenn du helfen kannst, einen Mord aufzuklären, solltest du das tun.
Ich sag auch Mama nichts.
Kluges Kind.
* Unheilvolle Musik *
Der Verdächtige heißt Andreas Schaller, ist 25 Jahre alt.
Schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch.
Die Tochter Lorenz hat angegeben,
dass ihr Vater ihn entlassen hat. Warum?
Hat in den privaten Sachen der Familie rumgeschnüffelt.
Wie privat? In der Unterwäsche der Mutter.
Bevor ich mit dem Täter spreche, möchte ich den Tatort sehen.
Mir läuft die Zeit davon.
Weil Ihre Freundin auf Sie wartet?
Welche Freundin?
Bei der Sie spontan übernachtet haben.
Da, der Lippenstift unterm linken Ohr.
Sie hatten kein frisches Hemd dabei.
Deswegen haben Sie sich auch dermaßen mit Deo eingenebelt.
Hinten liegt eine Tüte aus dem Bio-Markt.
Sie kaufen da bestimmt nicht ein.
Schauen Sie bitte auf die Straße? * Ernste Musik *
Was gibt es von den Opfern zu berichten?
Frau Lorenz schrieb Kinderbücher.
Ihr Mann war freiberuflicher Lektor, beide Mitte 50,
Tochter studiert in Berlin, kommt nur noch selten nach Hause.
* Ruhige Musik *
Was riecht hier so penetrant?
Ist alles voller Bleichmittel.
Deswegen haben wir auch keine verwertbaren Spuren.
* Ernste Musik *
Markus Lorenz wurde hier gefunden, seine Frau oben im Schlafzimmer.
Beide wurden erschlagen. Danach hat der Täter oben Feuer gelegt.
Wie kam er rein? Tür war aufgebrochen.
Ach so, hab ich gesehen.
Gestohlen wurde nichts.
Das Kamin-Set fehlt.
Sehr gut. Der Täter hat den Schürhaken als Waffe verwendet.
Vom Handy des Ehemannes ging ein Notruf aus.
Aber bevor er was sagen konnte, wurde die Verbindung getrennt.
Hier...
(Handy) "Polizeinotruf?" - "Ja, Markus Lorenz."
"Wir brauchen Hilfe!" - "Wo sind Sie?"
"Meine Frau und ich..." * lauter Knall. *
(Frau) "Hilfe!" - "Patricia!"
* Patricia schreit laut. *
* Glas zerbricht. *
* Tür quietscht. *
* Angespannte Musik *
Wer war im Bad?
Der Ehemann vermutlich. Und das Fenster?
Der Rahmen ist verzogen, das lässt sich nicht mehr öffnen.
Der Ehemann hat das Fenster eingeschlagen, um zu flüchten.
Ohne seine Frau?
Er will Hilfe holen, der Täter erwischt ihn und schlägt zu.
Wurde aber im Wohnzimmer gefunden.
Doktor!
Zack ... ähähähähähäh ... bumm!
Die Zentrale hat den Streifenwagen hergeschickt.
Die haben das Feuer entdeckt, bevor es sich ausbreiten konnte.
* Tür knarrt. *
* Unheilvolle Musik *
Wurde die Frau vergewaltigt? Das untersuchen wir gerade.
Es gibt noch keine Ergebnisse.
Was macht Sie so sicher, dass Sie Ihren Täter schon haben?
Er hat für die Familie gearbeitet, wurde gefeuert.
Ich wollte ihn befragen, seine Hände sind verbrannt.
Wie hat er die erklärt?
Das Haus hätte schon gebrannt, als er rein ist, er wollte sie retten.
Warum hat er nicht den Alarm ausgelöst?
Sein Bruder hat's ihm verboten.
Sie waren zu zweit?
Er hat gar keinen Bruder.
Sehen Sie, Doktor, und dafür brauche ich Sie.
Entweder er spielt uns was vor, oder er hat echt einen an der Waffel.
* Wirre Laute *
Was?
Sind das seine Kleider?
Nee, die haben wir ins Labor gegeben.
Ich möchte aber allein mit ihm sprechen.
(Andreas) ... fragen, ist das Sicherste ...
Römer? Ich will jetzt nichts mehr hören!
Der war überhaupt nicht hässlich!
Du redest immer Unsinn.
Aber das hat auch schon Dr. Einstein gesagt.
Herr Schaller, mein Name ist Joe Jessen, ich bin Psychiater.
Wollen wir uns setzen?
* Ruhige Musik *
Sie denken, ich habe etwas Böses getan?
Wie kommen Sie darauf?
Sie wollen mich töten.
Oder auf den elektrischen Stuhl setzen.
Warum sollte ich das tun? Bei uns gibt's keine Todesstrafe.
Was ist mit Ihren Händen passiert?
Da war ein Feuer.
Mhm. Erinnern Sie sich daran, was Sie gesehen haben?
Die Tür war offen.
Oben hat es gebr... Ja!
(leise) Ja.
Ich bin die Treppe rauf, aber da war das Feuer.
Dann haben Sie sich die Hände verbrannt? Mhm.
Was wollten Sie bei dem Ehepaar Lorenz mitten in der Nacht?
Mein Geld holen. Um die Uhrzeit?
Ich soll kommen, wann ich möchte, hat Patricia gesagt.
Ihnen wurde da gekündigt. Was ist passiert?
* Ruhige Musik *
(flüsternd) Er fragt, was passiert ist...
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Patricia weiß es. Er soll einfach Patricia fragen.
* Er schnieft. *
Fragen Sie Patricia.
Wie soll ich das machen? Patricia ist tot.
Die Polizei denkt, dass Sie sie getötet haben.
Nein!
* Spannungsvolle Musik *
Warum haben Sie nicht die Polizei gerufen?
Mein Bruder hat gesagt...
Mein Bruder hat gesagt ... - doch, du hast gesagt - ich soll es nicht tun!
Erzählen Sie mir mal von Ihrem Bruder.
Können Sie ihn auch sehen?
Nein.
Ruiz!
Nicht jetzt.
(drinnen) Warum wollte Ihr Bruder nicht, dass Sie die Polizei rufen?
Es ist wirklich wichtig.
(Andreas) Er sagte, Sie würden mich beschuldigen. Für das Feuer?
Nein, dass ich nicht geholfen habe...
der Frau auf der Straße.
* Ernste Musik *
* Er schluchzt. *
Ich wollte ihr helfen, aber dann hab ich den Schneemann gesehen.
Dann hab ich Angst gekriegt.
Den Schneemann?
Kam aus dem Wald.
Und die Frau? Wie sah die aus?
* Düstere Musik *
Unschuldig.
Und wunderschön.
Mit roten Füßen.
Und der Schneemann kam aus dem Wald, um die Frau zu holen?
Das Mädchen wurde hier an den Kai gespült.
Wir müssen den ganzen Hafen absuchen.
Das ist ein riesiges Gebiet. Ja, dann fangt an.
Holt euch Hilfe von der Bereitschaft,
von der Polizeihochschule, wenn es sein muss.
Sie sollen von Tür zu Tür gehen.
Offiziell suchen wir nach einer jungen, vermissten Frau.
Kein Wort über die Elbemädchen! Und die Angehörigen?
Vorerst bleibt alles intern.
Kommen Sie?
Also, was halten Sie von ihm?
Er leidet an Wahnvorstellungen, ist vermutlich schizophren.
Das haben Sie in einer Stunde diagnostiziert.
Das habe ich in zwei Minuten diagnostiziert.
Was ich wissen will, wird er gestehen?
Er hat gesagt, er war's nicht.
Das glauben Sie ihm?
Wer auch immer es war, ist nicht in Panik geraten,
hat Feuer gelegt, systematisch Spuren beseitigt,
das zeugt von strukturiertem Denken und klingt nicht nach Schaller.
Andreas Schallers Hände waren verbrannt.
Er wollte helfen. Er ist vom Tatort geflohen.
Er ist in Panik geraten.
Weil er die zwei umgebracht hat.
Entschuldigung, haben Sie mich herbestellt,
damit ich Ihnen meine Einschätzung sage,
oder damit Sie den Fall möglichst schnell abhaken können?
Beides, wenn's geht.
Meine Einschätzung haben Sie gehört, wer fährt mich nach Hause?
Ihr überlegenes Getue nervt!
Im Gegensatz zu dem, was Sie offen- bar denken, bin ich kein Vollidiot!
Ich hatte auch schon mal ein Buch in der Hand und glaube nicht,
dass "in vino veritas" italienisch ist für "einen Wein, bitte"!
Wer fährt mich nach Hause? Römer. Römer!
Römer fährt Sie nach Hause.
Das ist sehr freundlich, vielen Dank.
* Ruhige Musik *
Wer war die Tote, die heute aus dem Wasser geholt wurde?
Tanja Bredesen. Sie war eine der beiden "Elbemädchen".
Das sind die Mädchen, die vor zwei Jahren verschwunden sind.
Tanja und ihre Freundin Pia Hansen.
Am Abend waren sie noch in der Strandbar.
Danach hat sie keiner mehr gesehen.
Ich war damals bei der Suchmannschaft.
Es hieß damals, sie seien weggelaufen.
Kurz war der Hausmeister der Schule unter Verdacht,
weil er die Mädchen heimlich fotografiert hat.
Aber der hatte ein Alibi.
Was glauben Sie, was ist passiert?
Sie sind ins falsche Auto eingestiegen.
Es muss jemand gewesen sein, den sie kannten.
Jemand, dem sie vertraut haben.
* Unheilvolle Musik *
Wie lang lag die Tote im Wasser?
Ein, zwei Tage vielleicht.
Aber da müssen Sie den Pathologen fragen.
(Andreas) Dass ich nicht geholfen habe, der Frau auf der Straße.
Die Frau, wie sah die aus?
Wie ein Engel.
Mit roten Füßen.
Fahren Sie zurück, bitte!
Ich weiß nicht, ob der noch da ist. Es ist wichtig.
Wie Sie wollen, Herr Doktor!
* Unheilvolle Musik *
Kriminalhauptkommissar Ruiz?
Haben Sie was vergessen?
Ja.
Ich glaube, Andreas Schaller hat in der Nacht,
als das Ehepaar Lorenz umgebracht wurde, das Mädchen gesehen,
das Elbemädchen.
* Angespannte Musik *
Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun, Doktor.
Andreas Schaller hat von einem Engel gesprochen mit roten Füßen.
Sie trug ein weißes Nachthemd, für ihn sah sie wie ein Engel aus.
Und er meinte ihre blutigen Füße.
Und was hat er noch gesehen?
Einen Schneemann.
Einen Schneemann? Im August?
Suchen Sie im Haus Lorenz nach Spuren von Tanja Bredesen.
Sie ist dort gewesen. Sie meinen,
das Ehepaar Lorenz hat die beiden entführt und gefangen gehalten?
Ich meine nicht mehr, als das, was ich gesagt habe.
Sie ist dort gewesen, nicht nur Andreas Schaller.
Jetzt warten Sie doch mal. Wie kommen Sie drauf?
Korrigieren Sie mich.
Im ganzen Haus Lorenz gab es keinen Hinweis
auf den regelmäßigen Konsum von Alkohol.
Der einzige Alkohol, der dort war, war eine Flasche Scotch.
Die stand frisch geöffnet auf dem Kaminsims. Und?
Nun, ich vermute, man macht nicht für jemanden,
den man gerade gefeuert hat, einen 20-jährigen Single Malt auf.
Vielleicht hat das Ehepaar auf irgendwas angestoßen.
Nur ein Glas war benutzt.
Stimmt das? Mhm.
Es tut mir leid, Doktor, das reicht nicht.
Vor dem Kamin lag eine Decke.
Da wollte sich jemand aufwärmen.
Es war ein Bad eingelassen, da war ein Handtuch.
Das Badezimmerfenster war aufgebrochen.
Suchen Sie nach Spuren von Tanja Bredesen. Sie ist dort gewesen.
Ich freue mich, dass ich ihnen helfen durfte.
* Ruhige Musik *
So, jetzt aber.
Lotte?
* Unheilvolle Musik *
* Schluchzen *
* Rauschen *
* Klimpern des Windspiels *
(Handy) "Hallo, hier ist Charlotte, ich bin gerade nicht zu erreichen."
"Aber ich rufe zurück." * Piepton *
Lotte, ähm ... wo bist du?
Wir wollten eigentlich... Egal.
Ich muss wissen, wo du bist.
Also, bitte ruf an, wenn du das hörst.
* Unheilvolle Musik *
* Rauschen *
* Unheilvolle Musik *
* Schluchzen, lautes Atmen *
* Schritte *
* Spannungsvolle Musik *
* Freizeichen *
(Handy) "Hallo, hier ist Charlotte, ich bin gerade nicht..."
Hallo, Jessica. Hier ist Joe Jessen, der Vater von Charlotte.
Tut mir leid, dass ich so spät anrufe.
Ist Lotte bei euch?
Mhm.
Nee, da habe ich's schon versucht.
Nein, mach dir keine Sorgen, ist alles gut.
Ja? Danke.
* Ernste Musik *
Habt ihr heute miteinander telefoniert?
(Mädchenstimme) "Nein, ist sie bei Jessica?"
Da hab ich schon gefragt, da ist sie nicht.
Ja, danke.
Shit!
Scheiße!
* Ernste Musik *
* Er ächzt. *
* Quietschende Reifen *
Hey!
Bist du besoffen, oder was? Arschloch!
Ja.
* Handyklingeln *
Doktor, was gibt's?
Ruiz, jetzt brauche ich Ihre Hilfe.
Schlecht, ich wollte gerade zum Bio-Laden.
Ruiz, bitte.
* Lockere Musik *
* Handyklingeln *
Euch ist bekannt, wes wir bedürfen. Wir wollen starke Getränke schlürfen!
Goethe! - Der Germanistikstudent.
Was machst du denn?
Ich bin dran mit tanzen, na komm!
Los, komm. Komm! * Lockere Musik *
Charlotte?
Hat Papa Sie geschickt?
Wir gehen jetzt, die Party ist vorbei.
Sagt wer?
Noch so 'ne dämliche Frage? Die Kleine ist minderjährig.
Ganz ruhig, Alter, wir haben nichts gemacht.
Entspann dich, Dicker.
Abmarsch!
Das ist voll peinlich!
Wie haben Sie mich überhaupt gefunden?
Handyortung.
Ist das überhaupt erlaubt? Verklag mich doch!
Ho-hop-hop-hoy! Komm, immer schön geradeaus.
* Schiffshorn aus der Ferne *
Ah!
* Schmerzenslaut, Handyklingeln *
* Er stöhnt. *
Ruiz?
Alles gut, sie ist hier bei mir.
Ich will mit ihr sprechen.
* Lallende Laute *
Ist jetzt vielleicht nicht so eine gute Idee.
Ähm, ich nehm sie erst mal mit zu mir.
Wie geht's ihr?
Ja, sehr gut. Und Ihnen?
Ja, gut, gut.
Sie können sie morgen Vormittag bei mir abholen.
"Gut, einverstanden."
Danke, Ruiz.
"Nacht, Doktor."
* Er stöhnt leise. *
* Düstere Musik *
* Schreckenslaute *
* Düstere Musik *
* Knistern von Feuer *
* Wimmernde Laute *
Hm?
* Verkehrslärm *
* Schiffshorn *
* Türklingel *
* Flotte Musik *
Morgen, Doktor.
Kaffee?
Danke, nein.
Haben Sie sich beim Rasieren geschnitten?
Wollen Sie sich nicht anziehen? Wieso? Ich bin doch angezogen.
Die Kleine schläft noch.
Hing die halbe Nacht überm Klo.
Wenn ich Ihnen einen psychologischen Rat geben darf, Doktor,
sparen Sie sich die Vorträge.
Sie weiß, dass sie Scheiße gebaut hat.
Danke, dass Sie sie aufgespürt haben.
Sie sehen auch Scheiße aus. Ich hab mir Sorgen gemacht.
Wie geht's Ihrer Frau?
Und Ihrer?
Die ist weg, ich musste ja die halbe Nacht Ihre Tochter aufspüren.
Nora bringt mich um, wenn sie davon erfährt.
Die Kleine wird ihr nichts davon erzählen.
Ich will keine Geheimnisse vor meiner Frau haben.
Kein Wunder, dass die Ehe im Arsch ist.
* Tür wird geöffnet. *
Morgen! Morgen!
Kotz mir nicht den Küchenboden voll, Prinzessin.
Spiegeleier?
* Würgelaute *
* Handyklingeln *
* Würgelaute *
Ja, Anna?
* Ernste Musik *
Verstanden.
Sie hatten recht, Doktor.
Die KT hat Blutspuren gefunden im Haus Lorenz.
Von Tanja Bredesen.
Was hat sie da gemacht?
Ich glaube, Tanja Bredesen konnte aus ihrer Gefangenschaft fliehen.
Es war Nacht. Und sie konnte niemanden um Hilfe rufen.
Sie ist in das Lorenz-Haus gelaufen.
Vielleicht, weil es das einzige war, in dem Licht brannte.
Aufmachen! Hilfe!
Sie war durchgefroren, Frau Lorenz lässt ihr ein Bad ein.
Herr Lorenz ruft den Notruf an.
Aber nicht um einen Einbruch zu melden.
Sondern, dass das Mädchen aufgetaucht ist.
Ja, Markus Lorenz hier. Wir brauchen Hilfe!
Es geht um... - "Wo sind Sie?"
* Knall *
Dann ist der Täter eingedrungen.
Er war schon hinter Tanja her.
* Spannende Musik *
Während er mit Herrn Lorenz kämpft, gelingt es dem Mädchen,
durch das Fenster im Badezimmer zu entkommen.
* Spannende Musik *
Der Täter tötet das Ehepaar.
Dann ist er hinter Tanja her.
Er tötet sie auch, kommt zurück und verwischt seine Spuren.
* Spannende Musik *
Damit bleibt Andreas Schaller unser Hauptverdächtiger.
Andreas Schaller ist nicht in der Lage, zwei Mädchen zu entführen.
und sie zwei Jahre lang gefangen zu halten.
Dazu hat er weder den nötigen Intellekt
noch die nötige praktische Lebenserfahrung.
Aber er ist der Einzige, den ich habe. Was erwarten Sie von mir?
Soll ich nach einem Schneemann fahnden? Ja.
Ich möchte noch mal mit Schaller sprechen.
Wenn Pia Hansen noch lebt, wird Schaller uns zu ihr führen.
Sie sind sich so sicher, dass Pia Hansen noch lebt. Warum?
Weil ich will, dass sie noch lebt!
Ich musste den Eltern der Kinder vor zwei Jahren sagen,
dass wir keine Spur von ihren Töchtern haben,
dass wir Mord nicht ausschließen können.
Haben Sie ein Ahnung, wie beschissen das ist?
* Entfernte Rufe *
Scheiße!
Alarm auf A83!
* Aufregende Musik *
* Würgelaute *
Stellen Sie sich vor, wenn Sie das können,
Sie würden absolut keine Gefühle empfinden
für andere menschliche Wesen.
Keine Schuld, keine Scham, kein Bedauern.
In Ihren Adern fließt Eiswasser, Sie haben ein Herz aus Stein.
Nicht alle Psychopathen sind gleich.
Und trotz allem was in der Boulevardpresse steht,
sind sie auch nicht alle Serienmörder.
Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit
befinden sich in diesem Hörsaal mindestens zwei Personen,
auf die die von mir gegebene Beschreibung zutrifft.
Zwei Personen, die sich unter uns verstecken.
Vielleicht sitzt sie neben Ihnen.
Vielleicht sind Sie sie selbst.
Psychopathen sind ja keine Monster.
Sie gehen in die Wirtschaft, in die Politik,
ins Rechts- oder Finanzwesen.
Wir treffen sie überall.
Und sie verfolgen ihre Karrieren mit skrupelloser Effizienz.
Erfolgreiche Psychopathen.
Wer ihnen im Weg steht, mit dem fahren sie Schlitten.
Wohlgemerkt, das sind nicht die Psychopathen,
die Sie später vielleicht in Ihren Praxen behandeln werden.
Vielleicht ist es gut so.
Vielleicht geht es nicht darum, sie zu behandeln,
sondern zu verstehen... Ja?
Ist das nicht zynisch, diesen Menschen unsere Hilfe zu verweigern?
Ich weiß nicht. Nur, um ihnen die Fertigkeiten an die Hand zu geben,
noch bessere Psychopathen werden zu können?
Sprechen wir nicht von einer verschwindend kleinen Gruppe? Hm.
Ich habe heute Morgen in der Zeitung gelesen,
dass Magersucht inzwischen epidemische Ausmaße angenommen hat.
Dabei gibt es dreimal so viele Psychopathen
wie Menschen mit Essstörungen. Also, Epidemie oder Übertreibung?
Man hat mich gebeten, pünktlich Schluss zu machen.
Also, herzlichen Dank!
* Handyklingeln *
Nora? "Lotte ist hier."
Stand plötzlich mit dem Koffer vor der Tür.
"Was war?" Was hat sie denn gesagt?
Nichts, sie ist einfach in ihr Zimmer gegangen
und seitdem nicht mehr rausgekommen.
Ich weiß nicht, sie war auf einer Party und hat die Zeit vergessen.
Mehr war nicht? "Nicht, dass ich wüsste."
Vielleicht hatte sie Heimweh. Es ist nichts passiert.
Okay, ich sprech mal mit ihr,
wenn sie wieder aus ihrem Zimmer rauskommt. Bis später.
Bis später.
Andreas Schaller hat das Ehepaar Lorenz nicht getötet.
Julia Allenstein.
Ich bin Psychiaterin und behandle Herrn Schaller.
Hauptkommissar Ruiz ermittelt in dem Fall. Bitte, gehen Sie zu dem.
Er lässt mich nicht zu ihm.
Ich soll mich an Herrn Schallers Anwalt wenden. Tun Sie das.
Andreas Schaller hat heute früh versucht, sich umzubringen.
Der Vollzugsbeamte kam wohl gerade noch rechtzeitig.
Andreas Schaller ist jetzt wieder in Haft.
Mache ich Sie nervös?
Nein. Erzählen mir von Ihrem Patienten.
Herr Schaller leidet an akustischen Halluzinationen, Blackouts,
Desorientierungen, chronischen Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit...
Immer wenn er wichtige Entscheidungen treffen muss,
empfängt er Botschaften von seinem Bruder. Er hat keinen...
Sein Zwilling ist bei der Geburt gestorben.
Herr Schaller sagt, das ist, als wäre dieser Zwilling in ihm gefangen
und würde nicht weggehen.
Was geben Sie ihm? Olanzapin.
Was nehmen Sie?
Mein Vater hatte Parkinson.
Levodopa gegen die Symptome, Carbidopa gegen das Übelkeitsgefühl
und Doxepin, damit ich keine Depressionen kriege.
* Ruhige Musik *
Andreas Schaller war nie gewalttätig.
In beengten Räumen kommt er nicht gut zurecht.
Als man ihn das letzte Mal eingesperrt hat...
Was hatte zu der Festnahme geführt?
Er war der Meinung, eine Frau vergewaltigt zu haben. Hat er?
Das Ganze entbehrte jeder Grundlage. Die Frau kannte ihn nicht mal.
Herr Schaller ist unschuldig.
Helfen Sie mir, das zu beweisen.
Wir konzentrieren uns auf ihn, Andreas Schaller.
Sucht nach Verbindungen zu Tanja Bredesen und Pia Hansen.
Befragt alle Zeugen von damals noch mal.
Wir müssen herausfinden, wo er die Mädchen versteckt hat.
Wenn Pia Hansen lebt, hat sie nicht viel Zeit. Wenn sie lebt.
Er könnte sie vor Monaten umgebracht haben.
Ohne Leiche ist sie am Leben, Ende der Diskussion!
Egger, was sagt die Rechtsmedizin?
Tanja Bredesen war lange ohne natürliches Licht eingesperrt.
Sie war chronisch untergewichtig, hatte Vitamin D- und Eisenmangel,
Hautläsionen, Entzündungen.
Sie war barfuß auf ihrer Flucht und ist in alles Mögliche getreten.
Das Labor arbeitet noch daran.
Die Obduktion hat außerdem Spuren von Schwermetallen
und chlorierten Kohlenwasserstoffen unter den Fingernägeln nachgewiesen.
Was war die Todesursache?
Ein stumpfes Schädelhirntrauma. Sie ist erschlagen worden.
Wurde sie missbraucht? Spricht alles dafür.
Sonst noch was?
Na gut, an die Arbeit,
Was ist mit Familie Bredesen?
Wir müssen ihr sagen, dass wir die Tochter gefunden haben.
Ja, großartig. In zwei Tagen weiß es die ganze Stadt.
Ich freu mich auf die Schlagzeilen. Sie suchen nach dem Falschen.
Andreas Schaller bringt nicht die Voraussetzungen mit
für so eine Entführung. Das hab ich befürchtet.
Andreas Schaller vielleicht nicht.
Aber er hier – Wilfried Schaller, Andreas' Vater.
Saß drei Jahre wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen.
Als er entlassen wurde, ist er nach Hamburg gezogen,
um in der Nähe seines Sohnes zu sein.
Im Gegensatz zu Andreas hat er sehr wohl die geistige Fähigkeit,
die Mädchen zu entführen und festzuhalten.
Ist letztes Jahr an Krebs gestorben.
Andreas musste nur das Erbe seines Vaters antreten.
Und er hat kein Alibi für die Nacht der Entführung.
Keine Angst, wir haben es nachgeprüft.
Weshalb war die Polizei damals der Meinung,
die Mädchen wollten weglaufen? Stand so in allen Zeitungen.
Es gab noch ein drittes Mädchen, Leonie Mommsen.
Und die hat das ausgesagt.
Aha.
Mit Leonie Mommsen würde ich gerne mal sprechen.
Wenn Sie uns helfen wollen,
dann bringen Sie Andreas Schaller dazu, uns zu sagen,
wo er Pia Hansen versteckt hält.
Schicken Sie mir bitte ihre Kontaktdaten auf mein Handy? Danke.
Was? Moment!
Römer, Sie fahren dem Doktor hinterher.
Okay.
Auch wenn's wahrscheinlich völlig umsonst ist.
* Ruhige, unheimliche Musik *
* Lautes Atmen *
* Rauschen *
* Rauschen *
Prinz, halt die Schnauze!
(Anna) Tag!
Morgen. - Was wollen Sie?
Wir haben ein paar Fragen an Sie.
Sie haben doch vor zwei Jahren nach meiner Tochter gesucht. Ja.
Und nur Scheiße gebaut.
Haben Sie diesen Mann schon mal gesehen?
Hat er was mit dem Verschwinden meiner Tochter zu tun?
Ja oder nein?
Nein.
Wo ist Ihre Frau?
Ex!
Die lebt jetzt am Arsch der Welt, irgendwo unten in Bayern.
Sie können sich die Mühe sparen, Tanja wird nicht mehr auftauchen.
Was macht Sie da so sicher, Herr Bredesen?
Tanja hat die Schule gehasst. Sie wollte weg.
Aber die wäre nicht einfach so abgehauen.
Sie hätte sich gemeldet, und wenn es 'ne Scheiß-Postkarte im Jahr ist.
Herr Bredesen, die junge Frau, die man gestern tot in der Elbe fand,
das war Ihre Tochter.
Ich weiß nicht, wo sie die letzten zwei Jahre verbracht hat,
aber wir finden es raus.
* Ruhige Musik *
Wie... Wie ist sie...
Sie wurde ermordet.
Von dem? - Das wissen wir noch nicht.
Ich will sie sehen.
Das ist keine gute Idee.
Sie lag im Wasser einige Tage.
Sie sollten sie so in Erinnerung behalten.
Ich will meine Tochter sehen!
* Ruhige, dramatische Musik *
Bist du Leonie? Wer sind Sie?
Mein Name ist Joe Jessen. Ist dein Vater da? Nein.
Du warst heute nicht in der Schule.
Ich hab mich nicht wohlgefühlt.
Ich hab gehört, du fehlst ziemlich oft.
Was wollen Sie?
* Düstere Musik *
Wer sind Sie? Polizei?
Nein. Ich arbeite nur hin und wieder mit der Polizei zusammen. Jessen.
Ich bin Psychiater. Geht es um die Elbemädchen?
Genau.
Wie geht's dir, mein Schatz? Besser?
Meine Tochter hat bereits dreimal ausgesagt.
Ich äh ... betrachte die Dinge etwas anders als die Polizei.
Es dauert nicht lang.
Was meinst du?
Kommen Sie doch rein. Danke.
Schreckliche Geschichte.
Zwei junge Mädchen, die weglaufen. Die Ungewissheit für die Eltern.
Da fragt man sich... Was?
Verzeihung? Was fragt man sich?
Was mit ihren Familien ist.
Wenn zu Hause alles in Ordnung gewesen wäre,
wären sie ja nicht weggelaufen. Und wenn sie entführt wurden?
Das ist natürlich was anderes, aber...
Weggelaufen sind sie doch, das hast du der Polizei gesagt, oder?
* Handyklingeln *
Verzeihung, ich hab nicht so viel Zeit.
Ich wollte nur nach Leonie gucken. Entschuldigung.
Leonie, kannst du mir noch mal sagen,
warum Pia und Tanja weglaufen wollten?
Bei Tanja zu Hause gab's immer nur Krach.
Ihre Eltern haben sich ständig gezofft.
Für die war Tanja überhaupt nicht mehr da.
Und bei Pia war es das Gegenteil. Mhm.
Ihre Mutter hat sie keine Sekunde aus den Augen gelassen.
Pia hier, Pia da, Pia, lass das.
So eine, Pia hat's einfach nicht mehr ausgehalten.
* Herr Mommsen telefoniert im Hintergrund. *
Und wo wolltet ihr hin?
Keine Ahnung, wahr...
* Ruhige Musik *
Wieso "ihr"?
Leonie, wir haben alle Geheimnisse.
Ein geheimes Versteck, einen geheimen Schwarm.
Dinge, die wir insgeheim bedauern.
Warum wolltest du weglaufen?
* Ruhige, dramatische Musik *
In der Nacht vor ihrem Verschwinden in der Strandbar,
da warst du nicht dabei.
* Ruhige Musik *
Meine Mutter, sie musste ins Krankenhaus.
Sie ist manisch-depressiv.
Du weißt, was das bedeutet?
Manchmal ist sie total glücklich.
Aber an dem Abend ... wollte sie nicht mehr leben.
Wo ist deine Mutter jetzt? Sie lebt in Berlin.
Es geht ihr besser. Du warst so wütend,
als Tanja und Pia ohne dich gegangen sind.
Ja, schon.
Sie haben dich nicht allein gelassen, sie sind entführt worden.
Ich muss zurück ins Institut. Kann ich Sie mitnehmen?
Danke, nein.
* Handyklingeln *
Jessen? "Morgen, Doktor."
"Ich dachte, das interessiert Sie. Wir haben den Tatort gefunden."
Wo sind Sie? "Beim Containerhafen."
"Kommen Sie?" Ja, bin unterwegs.
* Ernste Musik *
* Leise Funksprüche *
Hallo! Ich dachte, das wollen Sie sich ansehen.
Hier hat er Tanja Bredesen erschlagen.
Dann hat er sie zur Kaimauer geschleift und ins Wasser geworfen.
Wissen Sie, ich frage mich,
warum hat er sie nicht einfach nur überwältigt
und zurück in sein Versteck gebracht?
Zu riskant?
Aber er ist das Risiko eingegangen,
zwei Frauen gleichzeitig mitten in der Stadt zu entführen.
Der Ort hier ist nachts tote Hose.
Tanja Bredesen war allein. Also, ich glaube,
er wollte sie gar nicht mehr als Gefangene.
Er konnte auf sie verzichten? Genau.
* Ernste Musik *
Weil er das andere Mädchen noch hat.
Also lebt Pia noch.
Schaller war das nicht, das passt einfach nicht.
Frau Hansen hat angerufen. Sie und ihr Mann wissen,
dass wir im Fall der Elbemädchen wieder ermitteln.
Wissen Sie auch, dass wir Tanja tot aus dem Wasser gezogen haben?
Ingo Bredesen hat sie betrunken angerufen und ihnen alles erzählt.
Gott, scheiße! Ich dreh durch.
Ich könnte Hilfe gebrauchen, Doktor.
Ruiz? Ja.
Können Sie ganz kurz herkommen?
Wir haben an der Tatwaffe Spuren von Maisstärke gefunden.
Also, damit pudert man Operationshandschuhe aus Latex ein.
Das Zeug kann Allergien auslösen.
Gehört eigentlich verboten, aber in unserem Fall...
Der Täter hat Handschuhe getragen.
Richtig.
Die Verbrennungen an Schallers Händen...
Wir hätten Spuren von Maisstärke daran finden müssen.
* Ernste Musik *
Was verschweigen Sie uns noch?
Als Sie Tanja gefunden haben, hätten Sie uns sofort informieren müssen!
Pia ist noch am Leben!
Dafür gibt es im Moment noch keine Hinweise.
Sie hatten auch keine Hinweise, dass Tanja noch lebt.
Vermutlich wurde Tanja in Hamburg festgehalten.
Ihr muss die Flucht geglückt sein.
Vielleicht sind die beiden zusammen geflohen!
Das ist doch möglich!
Bitte glauben Sie mir, wir tun alles Menschenmögliche, um sie zu finden.
Das haben Sie damals auch gesagt.
Dass wir die Hoffnung nicht aufgeben sollen.
Zwei Jahre ist das her und nichts ist passiert.
Und jetzt kommen Sie wieder und sagen uns das Gleiche?
* Ruhige Musik *
Ich würde gern einen Blick in Pias Zimmer werfen. Ist das möglich?
* Quietschen und Knarren *
* Ruhige, dramatische Musik *
Ich werde nicht kommen!
Ich werde niemals kommen!
* Schritte *
* Sie schreit laut. *
* Rufe des Vogels *
Pia mochte es nicht, wenn wir in ihr Zimmer kamen.
Sie war immer scheu.
Ganz anders als Tanja.
Tanja war ein Wildfang.
Eins von den Mädchen, die so tun, als wären sie erwachsen,
sich die Kleider der Mutter anziehen
und auf hohen Absätzen herumstolpern.
"Frühreif" ist nicht das richtige Wort.
Sie war einfach kein guter Umgang.
Pia fing an, Alkohol zu trinken, länger wegzubleiben.
Hat sich nicht mehr an Absprachen gehalten.
Tanja kommt nicht gerade aus guten Verhältnissen,
wenn Sie wissen, was ich meine.
Ihr Vater ist...
* Ruhige Musik *
Wir haben Pia dann auf eine andere Schule geschickt.
Wir wollten die beiden trennen. Mhm.
Aber Sie können einem Mädchen in dem Alter keine Vorschriften mehr machen.
Die machen, was sie wollen.
Außerdem gab es den Ärger in der Schule.
Was war in der Schule?
Der Hausmeister hatte Fotos von den Mädchen gemacht.
Heimlich. Nach dem Sport, und...
Solche Fotos.
Pia war sehr verstört deswegen.
Natürlich macht man Fehler als Eltern.
Vielleicht waren wir zu streng mit ihr, zu überfürsorglich.
Haben Sie Kinder?
Ja.
Den Hausmeister haben wir vernommen, hatte aber ein Alibi.
Wir konnten dem Wichser außer den Spannerfotos nichts nachweisen.
Die Schule hat ihn entlassen. Die Bilder können Sie sehen.
Oder wollen Sie mit dem auch reden? Gern, gute Idee.
* Ruhige Musik *
Das ist Ingo Bredesen, Tanjas Vater.
Wollte unbedingt noch seine tote Tochter sehen.
* Ruhige Musik *
* Klimpern des Windspiels *
* Türklingel *
* Klaviermusik im Hintergrund *
Komme ich ungelegen?
Nein.
Wie haben Sie mich gefunden?
Ich hab Ihren Assistenten an der Uni angerufen,
und der hat Ihre Frau gefragt. Ach.
Andreas Schaller wird morgen aus dem Krankenhaus entlassen.
Bitte. Danke.
Wer kümmert sich um ihn?
Er wird in einer betreuten Wohngruppe untergebracht.
Das hätten Sie mir auch am Telefon sagen können.
Ist es Ihnen unangenehm, dass ich hier bin? Nein!
Wegen Ihrer Frau?
Wir sind getrennt.
Hm.
Und wie lebt es sich so als Single?
Sagen Sie's mir.
Wie kommen Sie drauf, dass ich Single bin?
Sie tragen keinen Ring am Finger.
Und man kann die Stelle sehen, wo Sie ihn getragen haben.
Geschieden, vermute ich. Aber noch nicht so lange.
Sie sind noch nicht so weit, sich wieder auf was Festes einzulassen.
Sie haben sich zurechtgemacht.
Lippenstift, Parfüm ...
sind auffälliger als bei unserer ersten Begegnung.
Was bedeutet, dass Sie entweder noch verabredet sind
oder sich für mich zurechtgemacht haben.
Dafür spricht, dass Sie sich, seit sie hier sind,
bereits dreimal durchs Haar gefahren sind.
Was, wie Sie wissen, eindeutige erotische Signale sind.
Stimmt.
Ja.
* Ruhige Musik *
* Zitternde Laute *
* Rauschen *
(Männerstimme) "Sag, es tut dir leid."
* Sirene aus der Ferne *
* Türklingel *
* Schiffshorn aus der Ferne *
Nora?
Ich weiß, es ist spät.
Kann ich reinkommen? Ja, komm.
Ist bei dir eingebrochen worden?
Muss repariert werden.
Dein Assistent hat nach dir gesucht. Ja.
Er hat mich gefunden.
Willst du was trinken?
Lotte hat mir erzählt, dass sie bei Ruiz übernachtet hat.
Ich wusste nicht, wo sie steckt.
Er hat sie aufgegabelt und zu sich genommen.
Ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst.
Ich will nicht belogen werden. Ich auch nicht.
Entschuldige, die Polizei... Bitte, erklär's mir nicht.
Das ist deine Sache.
* Ruhige Musik *
Was machen wir jetzt mit Lotte?
Ich red mit ihr. Du analysierst sie.
Sie braucht jemanden, der unbefangen ist.
* Ruhige Musik *
Hast du Besuch?
Ja.
Warum hast du nichts gesagt? Nora, bitte!
Ich bin doch froh, dass du da bist.
Nora, komm! Ich ruf dich an.
* Ruhige Musik *
Herr Steiner?
Ich würde mit Ihnen gerne über die Elbemädchen reden.
Wieso mit mir? Wer sind Sie überhaupt?
Ich heiße Joe Jessen, ich bin Psychiater.
Ich helf der Polizei manchmal auf die Sprünge.
Sie kannten die Mädchen? Kennen?
* Straßenlärm *
Jetzt sind sie jedenfalls tot, und der da war's.
Sie waren Hausmeister in der Schule, die die Mädchen besuchten.
Ich muss nicht mit Ihnen reden.
Ich hab die Fotos gesehen.
Das waren nicht einfach nur Spannerfotos, das waren...
Lassen Sie mich in Frieden.
Ich hab der Polizei schon alles erzählt.
Damals hat es keinen interessiert.
Jetzt will ich nichts mehr damit zu tun haben.
Aber mich interessiert es.
Nehmen Sie sich die Eltern vor.
Besonders den Vater von der Dunkelhaarigen.
Sie meinen Pia Hansen? Ja.
Der hat die andere immer zur Schule chauffiert. Die Blonde.
Tanja und Pia waren beste Freundinnen.
Ach ja? Einmal hat er sie vor der Schule abgesetzt,
und da saß sie auf seinem Schoß und hat ihn geküsst, so richtig.
Und dann ist sie zum Unterricht gehoppelt, als wär nichts.
Haben Sie das damals bei der Polizei erzählt?
Natürlich! Mit wem haben Sie da gesprochen?
Weiß ich nicht, war mir auch egal. Hauptsache ich war raus.
Und Sie sind sicher, dass Erich Hansen, also Pias Vater, Tanja...
Ich hab ihr sogar gesagt, dass ich sie gesehen hab.
Dann hat sie mir gedroht, dass sie von den Fotos weiß und jedem erzählt,
ich hätte versucht, sie zu vergewaltigen.
Ich wein der keine Träne nach.
Danke!
* Knarren der Tür *
Joe, hast du die Zeitung gesehen?
Mhm.
Ich hab mich da drinnen unbeliebt gemacht,
aber das geht nicht! Das hat ein Nachspiel!
Wie geht's Ihnen?
Ich möchte nach Hause.
Ich bring Sie nach Hause, Sie müssen keine Angst mehr haben.
Ich habe nichts getan! * Spannungsvolle Musik *
Du Arschloch hast meine Tochter umgebracht!
Wo ist Pia?
Sag schon! Was hast du mit den beiden gemacht?
* Spannende Musik *
* Ruhige Musik *
Bredesen, Waffe weg! Und runter!
Du Arschloch! - Hände auf den Rücken!
Hände auf den Rücken!
* Tragische Musik *
Ich weiß nicht, wer von euch der Presse gesteckt hat,
dass wir Andreas Schaller verdächtigen.
Aber derjenige welche kann sich schon mal
nach 'nem neuen Job umsehen!
Hier ist nämlich kein Platz für solche Arschlöcher!
So, zurück an die Arbeit, damit wir nicht noch inkompetenter dastehen!
Doktor, ich warne Sie, ich bin gerade in der Stimmung,
irgendjemandem die Fresse zu polieren.
Weswegen sind Sie überhaupt gekommen?
Wegen Erich Hansen, Pias Vater.
* Unheilvolle Musik *
* Quietschen und Knarren *
* Schritte *
* Unheilvolle Musik *
* Spannungsgeladene Musik *
(Hansen) Ich will wissen, was ich hier soll!
Haben Sie meine Tochter gefunden?
Seit wann hatten Sie ein Verhältnis mit der Freundin Ihrer Tochter?
Sind Sie verrückt geworden?
Sie wurden gesehen, wie Sie Tanja geküsst haben.
Ich habe mich um sie gekümmert.
Das ist alles.
Gekümmert? Was?
Langsam verstehe ich, warum die Mädchen weg wollten.
Die eine wird so streng gehalten, dass sie kaum atmen kann.
Bei der anderen gibt's nur Krach. Dann wird sie von Ihnen missbraucht!
Ein ungeheurer Vorwurf!
Was ist damals passiert? Hat Tanja Pia alles erzählt?
Das haben Sie mitbekommen. Das konnten Sie nicht zulassen.
Die Leute hätten Fragen gestellt. Ihre Frau hätte Verdacht geschöpft.
Ehe kaputt, Ruf kaputt, alles kaputt.
Da haben Sie die Mädchen eingesperrt. Das ist absurd!
Das ist nicht wahr. Was?
Ich habe Tanja Bredesen nichts getan.
* Ernste Musik *
Nichts, was sie nicht wollte.
Das Mädchen war 14 Jahre alt!
Es war Liebe.
Herr Hansen, bevor ich jetzt hier alles vollkotze.
Wo ist Ihre Tochter? Ich weiß nicht.
Wo ist Pia? Ich weiß nicht, wo sie ist! Sie sollen sie doch finden!
Sie sollen sie doch finden!
* Spannungsvolle Musik *
* Er schreit auf.*
* Lautes Atmen *
* Wimmernde Laute *
Hilfe!
* Klopfen von oben *
* Spannende Musik *
Das ist nicht unser Täter. Nein.
Der Mann, nach dem wir suchen, denkt in anderen Kategorien.
Ich vermute, für den gibt's nur einen Menschen von Wert.
Das ist er selbst.
Vermuten Sie mal weiter.
Ein Einzelkämpfer gegen eine verkommene Welt.
Er sehnt sich nach Ordnung. Sehr diszipliniert, anpassungsfähig.
Aber ohne jeglichen moralischen Kompass.
Was ist sein Ziel?
Kontrolle, er muss der Bestimmer sein über alles:
Licht, Dunkelheit, Wärme, Kälte, Leben, Tod.
Aber warum Pia und Tanja?
Er könnte auch zwei Prostituierte entführen und misshandeln.
Bei wesentlich geringerem Risiko.
Weil die beiden etwas für ihn bedeuten.
Es muss da eine Verbindung geben, weil sie etwas repräsentieren. Was?
Weiblichkeit natürlich, Jugend, Schönheit ... Formbarkeit.
Wenn Pia Hansen noch lebt...
Ich glaube, sie hat nicht mehr viel Zeit.
Ruiz, kommst du mal bitte?
Entschuldigen Sie mich.
* Handyklingeln *
Hansen?
Papa?
* Spannungsvolle Musik *
Pia? Bist du das? Pia?
(Pia) "Ich bin nicht weggelaufen, das musst du mir glauben!"
Sag das bitte auch Mama!
Stellen Sie auf laut!
Das werde ich, niemand ist böse! Wo bist du?
Ich weiß es nicht. Ich war hier noch nie.
"Pia, ich bin bei der Polizei. Sie wollen..."
Mein Name ist Joe. Ganz ruhig!
Wo hast du das Handy her?
Von ihm. Er wird mich finden!
"Wir finden dich, Schatz!"
Ruiz!
Bleib ganz ruhig, Pia! Versuch klar zu denken!
Das ist das Telefon von Herrn Hansen.
Ortung, sofort!
Ja. Was kannst du sehen?
Container, hier ist alles voller Container.
Sämtliche Streifenwagen zum Containerterminal am Hafen.
Pia, sag mal, wo warst du vorher?
In einem Verlies! Alles war ganz dunkel und dreckig.
Er ist hinter mir! Er wird mich finden! Er wird mich finden!
* Spannungsvolle Musik *
Wir sind auf dem Weg, Pia! Aber du musst uns noch helfen.
* Sie weint. *
Er wird sich Leonie holen. "Hat er das gesagt?"
Er hat ein Foto von ihr in der Brieftasche.
Er wird sich sie holen. Sie müssen sie warnen!
Wir schicken jemanden zu ihr. Mach dir um Leonie keine Gedanken, Pia.
Kommen Sie wirklich? Ich möchte nach Hause.
Da wird gleich ein Streifenwagen da sein.
* Pieptöne *
Papa?
Pia? Pia?
* Pieptöne * Papa?
* Lautes Weinen *
Sie ist weg! Scheiße!
Die Nummer gehört zu einem Prepaid-Handy. Wo ist sie?
Der Anruf wurde von drei Masten aufgefangen.
Ich kann versuchen, das Signal zu triangulieren. Mach es!
Wohin gehen Sie, Doktor?
Wenn er zwei Mädchen verloren hat, wird er sich ein neues holen!
Alle Einsatzfahrzeuge zum Containerhafen.
* Reifen quietschen *
Sie sollen uns nicht um-, Sie sollen uns ans Ziel bringen!
Wenn rufen Sie da an? Leonie.
* Spannungsvolle Musik *
Das ist die Mailbox.
Welcher Mann bewahrt das Foto eines jungen Mädchens
in seinem Portemonnaie auf?
Ihr Freund. Älter.
Scheiße, der Vater!
* Unheilvolle Musik *
* Türklingel *
Da liegen Scherben auf dem Boden.
Kennen Sie den Unterschied
zwischen einem Anfangstatverdacht und einem hinreichenden Tatverdacht?
Wie soll uns das helfen?
Bei einem Anfangstatverdacht vermutet man,
dass eine Straftat begangen wurde.
Bei einem hinreichenden Tatverdacht reicht es,
wenn irgendjemand glaubt, dass eine Straftat begangen wurde.
Haben Sie das verstanden? Einigermaßen.
Dann können Sie ihm das erklären.
* Alarmanlage *
* Spannungsgeladene Musik *
Sie warten hier. Ja.
* Ernste Musik *
Egger konnte Pias Handy auf 200 Meter genau triangulieren.
Jeder Polizist in der Umgebung sucht nach ihr.
Was sagen Sie, Doktor? Hat Mommsen die Mädchen entführt?
Die eigene Tochter? Das weiß ich nicht!
(leise) Oh!
* Ruhige Musik *
Ich würde es nicht ausschließen.
Ich geb die beiden zur Fahndung raus.
* Sirene *
Habt ihr das Mädchen?
Sie ist wie vom Erdboden verschwunden.
Ich will Straßensperren. Riegelt die Gegend ab.
Ich will, dass jedes Fahrzeug durchsucht wird, ja?
Wir stellen die gesamte Gegend auf den Kopf! Haben wir uns verstanden?
Ruiz, das ist doch völlig sinnlos,
wenn Sie jetzt auch noch nach dem Mädchen suchen!
Sagen Sie mir nicht, was ich zu tun habe, Jessen.
Sie sind kein Polizist.
Wissen Sie, wie viele Morde ich untersucht habe?
Wie viele Leichen ich gesehen habe?
Erstochen, erschossen, erwürgt, ertrunken?
Ruiz, mich interessieren Ihre Leichen nicht.
Ich beschäftige mich mit den Lebenden.
Sie verstehen die Menschen. Ich hab gesehen, wozu Sie fähig sind.
Haben Sie mal die Waffe auf jemanden gerichtet, abgedrückt?
Dazu sind Sie nicht in der Lage.
Ich suche Pia, weil ich das muss, und Sie fahren jetzt nach Hause.
* Sirene *
* Schiffshorn *
Julia.
Ich muss dich warnen, ich bin betrunken.
* Ruhige Musik *
Komm, ich mach dir einen Kaffee.
Habt ihr das Mädchen gefunden? Noch nicht.
* Klimpern des Windspiels *
(Handy) "Morgen ist Lottes Geburtstag."
Wir feiern gemeinsam, danach kümmern wir uns um alles andere.
So machen wir's. Wie geht's Lotte?
"Sie spricht nicht mit mir."
Es ist schwer für sie.
"Wie geht's dir?"
* Gefühlvolle Musik *
Ich weiß es nicht.
Soll ich zu euch kommen?
Nein!
"Gestern Nacht..." Ich hätt's dir sagen sollen.
"Nein, es geht mich nichts an."
Doch, es geht dich sehr wohl was an.
Nein, es ist okay, ich...
"Es hilft uns vielleicht."
Das glaub ich nicht.
Wir sehen uns morgen, ja? Gute Nacht.
Gute Nacht!
* Gefühlvolle Musik *
* Sirene *
* Stimmengewirr *
Wie haben Sie den Ort gefunden?
Über die Chemikalien an Tanja Bredesens Füßen.
Außerdem liegt der Containerterminal in der Nähe und das Haus Lorenz.
* Dumpfes Geräusch *
Ruiz!
* Ruhige, spannungsvolle Musik *
* Dramatische Musik *
Es riecht hier überall nach Bleiche.
Ja. Die ganze Wohnung ist völlig verdreckt,
aber hier hat sich jemand ziemlich viel Mühe gegeben,
sämtliche Spuren zu verwischen. Ist wie im Lorenz-Haus. Bis auf die hier!
Was ist damit? Das ist eine Shampooflasche.
Die hat der Täter übersehen.
Sie lag hinter der Toilette, ist da wahrscheinlich hingerutscht.
Wir vergleichen jetzt die Fingerabdrücke mit sämtlichen,
die wir bereits verhört haben.
Das geht schneller, und auf die Art...
* Spannungsgeladene Musik *
Krass!
Wir haben einen Gewinner!
Egger? Keine Spur von Mommsen.
Ruiz. Ja?
Falk Mommsen besitzt noch ein zweites Haus.
Das hat er vor vier Jahren unter falschem Namen gekauft. Sehr gut!
Schnappen wir uns den Scheißkerl!
Anna, du bleibst hier. Bestimmt nicht!
Ich brauch jemanden, der alles koordiniert.
Fuck!
Der Täter hat in beiden Fällen improvisiert.
Im Haus Lorenz ... und im Containerterminal.
Wie konnte er Pia so schnell finden?
Wie hat er sie da so reibungslos weggeschafft?
In so kurzer Zeit.
Sie hatte Angst. Sie war extrem vorsichtig.
Er hat sie bedroht mit einer Waffe.
Damit konnte er auch die Familie Lorenz unter Kontrolle halten.
Was ist, Dr. Jessen?
Frau Bartholomé, wie sieht das für Sie aus?
* Unheimliche Musik *
Jeder, der sich am Tatort aufhält, trägt diesen weißen Schutzoverall.
Das ist so üblich. Ja, aber woran erinnert es Sie?
An die dicken Michelin-Männchen.
Oder an Schneemänner.
* Ernste Musik *
Sie meinen, wenn der Täter so einen Anzug getragen hat, dann erklärt das,
warum wir keine Spuren von ihm an den Tatorten fanden.
Er hatte einen Schutzanzug, er hatte eine Waffe.
Sie meinen, er ist Polizist?
Der Hausmeister von der Schule hat mir erzählt,
dass er einem Polizeibeamten berichtet hat,
Tanja habe ein Verhältnis mit dem Vater ihrer besten Freundin gehabt.
In den Unterlagen habe ich nichts darüber gefunden. Moment!
Die Aussage hat Gregor Römer aufgenommen.
* Spannungsgeladene Musik *
Ich war damals bei der Suchmannschaft.
Nein! Ich kenne ihn. Er war schon vor mir hier.
Können Sie einen Psychopathen erkennen?
Er ist ein Kollege. Er war bei Mommsen.
Er war auf der Toilette.
* Spannungsvolle Musik *
Er könnte das Shampoo mitgenommen haben.
Er war im Suchtrupp am Hafen.
Vielleicht hat er Pia ja entdeckt.
Hilfe! Hilfe!
Okay. Aber wie stellen Sie sich das vor?
Ich kann ihn nicht einfach herbestellen.
Wir fahren kurz bei ihm vorbei. Ich danke ihm für seine Unterstützung.
Wir trinken einen Kaffee.
Sie halten sich zurück. Mhm.
Sie irren sich!
* Spannungsvolle Musik *
* Spannungsvolle Musik *
* Türklingel *
Herr Römer! - Frau Bartholomé, Doktor Jessen?
Was machen Sie hier?
Ja, bitte?
Moin, Hauptkommissar Ruiz.
Ähm... ähm... Falk? - Ja?
* Er räuspert sich. *
Äh, es gibt da offene Fragen, die wir gern klären würden.
Um den Fall abzuschließen. - Mit mir?
Es geht um den Hausmeister, den Sie seinerzeit einvernommen hatten.
Was ist denn? Zugriff!
Hilfe!
Hinlegen! - Was soll denn das?
Ja, dazu gibt es doch ein Protokoll.
Es geht nur um das "wie". Es dauert nicht lange.
Danke. * Spannungsvolle Musik *
Was wollen Sie denn?
Herr Mommsen, wo ist Ihre Tochter?
* Ruhige Musik *
Ihre Tochter Leonie.
Bitte.
Möchte jemand was zu trinken? - Danke, nein.
* Unheimliche Musik *
Es ist mir etwas unangenehm,
aber dürfte ich kurz Ihre Toilette benutzen?
Aber gern. Geradeaus.
* Unheimliche Musik *
Und Sie möchten wirklich nichts?
Mhm.
* Spannungsvolle Musik *
* Knarren *
Schönes Haus.
Ja. Gehörte meinen Eltern.
Ich bin hier aufgewachsen.
Sie leben alleine hier? - Hm.
Mit meiner Verlobten.
Ach! Ich hätte jetzt doch gern was zu trinken. Wasser, wenn Sie haben.
* Düstere Musik *
An dem Abend, an dem die Elbemädchen verschwanden,
da waren Sie doch auf Streife ganz in der Nähe der Disco, oder?
Ja, aber was hat das mit dem Hausmeister zu tun?
Darauf komme ich gleich.
Und Sie kannten das Lokal und die Besucher ganz gut, ne?
* Unheilvolle Musik *
In der Disco gab's öfters Krach.
Beschwerden wegen der Lautstärke, Schlägereien, so was.
Da wurde viel getrunken.
An dem Abend hatten Sie aber keinen Einsatz dort, oder?
Nein.
Schade.
Was meinen Sie?
Ach, nur so.
Wenn Sie vor Ort gewesen wären,
dann wäre Ihnen vielleicht was aufgefallen.
Vielleicht sogar die beiden Mädchen.
Pia und Tanja.
* Unheilvolle Musik *
Ich hätte sie sicher nach Hause bringen können, ja.
Hätte ich vorher gewusst, was passiert.
Haben Sie die Mädchen denn dort schon mal gesehen?
Die hingen ständig da rum.
Meistens mit irgendwelchen Studenten.
Den Eltern war das wohl egal, wie die sich benehmen.
Wie haben die sich denn benommen?
Worauf wollen Sie hinaus?
* Spannungsvolle Musik *
Haben die getanzt? Haben sie getrunken?
Halbnackt waren sie, haben sich betatschen lassen von den Typen.
Ohne jede Scham.
Wir waren ja auch mal in dem Alter.
Anständige Mädchen machen so was nicht.
Wollten Sie sie deswegen bestrafen?
Ich hab befürchtet, dass Sie das fragen.
* Spannungsvolle Musik *
* Ernste Musik *
Frau Bartholomé?
Dr. Jessen?
Hallo?
Pia?
Pia? Hörst du mich?
* Wimmernde Laute *
Wir haben gestern miteinander gesprochen. Pia?
Ich bin Joe! Dr. Jessen? Hallo?
Sie haben mir gesagt, Sie kommen mich holen.
Ich weiß. Tut mir Leid.
Passen Sie auf, dass er mir nichts mehr tut. - Dr. Jessen!
Das mache ich.
Dr. Jessen?
* Ruhige, düstere Musik *
Dr. Jessen!
Lassen Sie sie liegen.
Ist Pia aufgewacht?
Was haben Sie ihr gegeben? Diazepam.
Diazepam?
Wie viel? Eine Menge.
Als ihr aufgetaucht seid.
Als ich euch gesehen hab.
Ich bin kein Arzt, aber ...
ich denke, sie wird nichts spüren.
Was spüren?
* Düstere Musik *
Sterben.
* Dramatische Musik *
Kommen Sie mit?
Oder wollen Sie Pia jetzt einfach ihrem Schicksal überlassen?
Römer?
* Lautes Atmen *
Römer!
Bitte, Römer...
Für Sie.
Wenn ich zusteche, verblutet sie innerhalb weniger Minuten,
und Sie können nur zusehen.
Bitte, Sie müssen sie jetzt nicht auch noch töten.
Nehmen Sie die Waffe.
Nehmen Sie die Waffe!
* Ruhige Musik *
Ich glaube nicht, dass sie das überlebt.
Wahrscheinlich müsste man ihr schnell den Magen auspumpen.
Wenn Sie mich erschießen, können Sie sie vielleicht retten.
Nein, ich werde Sie nicht erschießen.
Ich werde Pia jetzt helfen.
Mit einer kleinen Bewegung kann ich direkt in ihr Herz treffen.
Wie gut sind Sie als Arzt, Doktor?
Können Sie auch ein gebrochenes Herz wieder zusammenflicken? Hm?
* Husten und Würgelaute *
* Geräuschvolles Atmen *
Sie haben also ein Doppelleben geführt, seit vier Jahren.
Mit Ihrer Geliebten und dem gemeinsamen Kind.
Und deswegen das zweite Haus.
Ja.
Und Leonie?
Sie hat es mitgekriegt, gestern.
Deswegen haben wir uns auch gestritten.
Sie hat völlig durchgedreht, hat Sachen durch die Gegend geworfen
und ist dann abgehauen. Wohin?
Nach Berlin. Zu ihrer Mutter.
Ich hab vorhin mit beiden telefoniert. Es geht ihr gut.
Ja, das überprüfen wir dann noch.
Anna? * Anna atmet laut. *
(leise) Römer hat auf mich geschossen.
Römer?
(flüsternd) Ich bin in seinem Haus.
Was?
Warum tun Sie das?
Sagen Sie's mir.
* Ruhige Musik *
Sie haben keine Verlobte, Römer.
Das ist eine weitere Fiktion.
Das war schon immer das Problem, nicht wahr?
Sie haben sich immer eine Freundin gewünscht.
Aber es gab irgendein Hindernis. Was war das?
Sie haben eine Freundin gewollt, ganz verzweifelt und unbedingt.
Doch die Mädchen wiesen Ihre erbärm- lichen Bemühungen um sie zurück.
Bitte, ich meine das nicht kritisch oder herablassend.
Es war nicht Ihre Schuld vermutlich.
Haben Sie Tanja deshalb ausgesucht?
Hat sie Sie an die Mädchen erinnert, die Sie damals ausgelacht haben?
* Tragische Musik *
Wissen Sie eigentlich, dass Sie ein Feigling sind?
Ich lebe mit einer Krankheit, die mich mutig macht.
Ihre Krankheit liefert Ihnen nur Ihre Ausreden.
Drücken Sie ab, Doktor.
Beweisen Sie, dass Sie es können. Dass Sie mutig sind.
* Lautes Atmen *
Warum ist es so wichtig für Sie, dass ich Sie töte?
Für mich ist es vorbei.
Ich hab keine Zukunft.
Geben Sie mir Pia. Ich lass Ihnen die Waffe da.
Selbstmord?
So was würde ein Feigling wie Sie tun, ja.
Haben Sie nicht Lust, auch mal jemanden zu töten, Doktor?
Für all das, was Sie wütend macht.
Die Frau hat Sie rausgeschmissen.
Die Tochter will nichts mit Ihnen zu tun haben?
Ihre Krankheit macht Sie so erbärmlich.
Lassen Sie das Messer fallen. Erschießen Sie mich.
Nein! Drücken Sie ab, Doktor.
Nein! Pia stirbt.
Ja, sie stirbt. Erschießen Sie mich.
Drücken Sie ab, Doktor.
Lassen Sie sie los! Pia stirbt.
Ja, sie stirbt! Vielleicht schafft sie's ja.
Dann stehen Sie da als ihr...
* Angespannte Musik *
* Er atmet laut. *
Frau Bartholomé?
Können Sie bitte einen Krankenwagen rufen?
Sie müssen ihr den Magen auspumpen, schnell!
* Angespannte Musik *
* Leise Funksprüche *
* Ruhige Musik *
Bist du okay?
Doktor?
* Gefühlvolle Musik *
* Türklingel *
* Gefühlvolle Musik *
* Er weint. *
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018
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