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Gibst du mir meine Tasche?
Hier. - Danke.
Auch eine? - Nein.
Danke.
Wie ist dein Nachname?
Mein Nachname? - Ja.
Weißt du, was ich glaube? Dass du meinen Vornamen vergessen hast.
Aber warum? Wie kommst du denn darauf?
Oft will jemand, der nach dem Nachnamen fragt, eigentlich den Vornamen wissen.
Ist doch eine elegante Art, nach dem Vornamen zu fragen.
Indem man nach dem Nachnamen fragt? - Klar.
Oder jemand bittet einen um die Telefonnum- mer, damit man seinen Namen aufschreibt.
Nein. Das läuft doch nicht.
Mal sehen. Wie ist mein Vorname?
Okay. - Wir hatten gerade Sex, und du weißt nicht, wer ich bin?
Doch, ich weiß wer du bist. Ich weiß bloß nicht deinen Namen.
Aber das läuft aufs Gleiche raus. - Nein. Das stimmt nicht.
Na gut.
Rate einfach mal, wie ich heiße.
Constanza. Fernanda? - Fernanda?
Nein, Fernandas sind mehr wie...
Ist dir nie aufgefallen, dass Namen oft typisch sind?
Ich habe eine Freundin: Ophelia.
Sie sieht fantastisch aus, ist spirituell.
Oder eine andere: Beatriz.
Die ist der klassische Typ. Das sind nämlich Namen für starke Frauen.
Rate mal, wie die Tochter meines Hausmeisters heißt. - Wie?
Rate mal. - Da komme ich nie drauf.
Lady Di. Es stimmt wirklich! Lady Di Carrasco.
Und rate mal, wie sein Sohn heißt. - Wie denn? - Rate.
Verrate es mir. - Arnold Silvester. - Was?
Ja, ich schwörs. Arnold Silvester!
Er ist ein schmales Hemd. Das haben die total verkackt.
Ich habe ein Buch über Namen.
Da steht drin, wie ein Mensch mit einem bestimmten Namen ist.
Und was steht über meinen Namen drin?
Claudio? Also, da steht...
Hey! Ich heiße aber nicht Claudio.
Doch, natürlich.
Du bist der Freund von Polo Bustamante. - Nein. - Claudio. - Nein.
Ich bin der Cousin von Polo Bustamante.
Siehst du? Weder kennst du mich, noch kenne ich dich.
Okay. Also wie heißt du?
Mein Name ist...
Los, im Ernst. - Jonathan.
Nein, im Ernst!
Im Ernst, ich heiße Jonathan.
Jonathan?
Ich bin Bruno.
Und du? - Daniela.
Hallo. - Hallo.
Du musst fest drücken. Kennst du das, wenn dir jemand die Hand so ganz schlaff gibt?
Das ist richtig eklig. Einer meiner Lehrer hatte so einen schlaffen Händedruck.
Echt unangenehm. - Zeigs mir, drück fest zu.
Es ist gut, wenn eine Frau so einen selbstsicheren Händedruck hat. Los!
Ich will das jetzt nicht. - Drück nur einmal.
So fest du kannst.
Nein, nicht!
Nein!
Nein! Nein!
Lass mich!
Hör auf. Nicht. Nein!
Nein.
Nein, hör auf. Es reicht.
Das ist heimtückischer Mord!
Nicht, du Idiot! Nicht!
Lass mich!
Nehmen wir lieber die Tagesdecke runter. - Warum?
Weißt du, wie viele Leute schon in diesem Motel gewesen sind?
Wie viele Bakterien in diesen Überdecken sind?
Hoffentlich nur Bakterien. - Wie meinst du das?
Es gibt noch anderes. - Zum Beispiel? Was soll noch drin sein?
Fußnägel, Haare, Hautschuppen. - Wie eklig, nein.
Aber wenigstens sind die Laken hier sauber.
Früher mal habe ich überall nachgeputzt.
Ich habe mich vor Türklinken geekelt,
vor Besteck, vor Telefonen, wenn vor mir jemand telefoniert hat.
Ich hatte immer ein Tuch und etwas Alkohol bei mir.
Nur mein eigenes Badezimmer konnte ich benutzen.
Läufst du immer noch mit diesem Tuch rum? - Nein. - Nein.
Nein, das war damals, als meine Eltern sich getrennt haben.
Ich glaube, damals wollte ich, dass alles sauber und in Ordnung ist.
Vermutlich als Kompensation. - Für diesen ganzen Beziehungsdreck.
Zum Beispiel? - Kompensation für irgendwas.
Und warum haben sich deine Eltern getrennt?
Meine Mutter ist mal meinem Vater zu einer Wohnung am Parque Forestal gefolgt.
Vom Portier erfuhr sie, dass der Mann, mit dem sie verheiratet war, ein Doppelleben führte.
Und da hast du den Putzfimmel entwickelt? - Ja.
Ich bin da empfindlich. Mich belastet die Sache mit den Bakterien.
Dann sollten wir uns auf keinen Fall küssen.
Wusstest du, dass nirgends mehr Bakterien ausgetauscht werden als beim Küssen?
Im Ernst! Ein Milliliter Speichel enthält hundert- mal mehr Bakterien als... - Als was?
Ich weiß nicht. Scheiße essen ist weniger schlimm.
Wie eklig!
Jedenfalls ist dieses Motel ziemlich gut.
Ich wollte mal mit einem Freund ein Motel aufmachen.
Das ist nämlich ein super einträgliches Geschäft.
Ob hier schon einer gestorben ist? Vielleicht ein alter Mann,
der beim Vögeln einen Infarkt gekriegt hat.
Oder ein Paar, das sich aus Liebe umgebracht hat.
So gesehen gibt es da viele Mythen.
Das Kondom unter dem Bett. Oder die versteckte Videokamera.
Siehst du bitte nach unter dem Bett?
Im Ernst? - Im Ernst. Ich sterbe, wenn unter dem Bett ein Kondom liegt.
Da liegt tatsächlich ein gebrauchtes. - Fass das bloß nicht an.
Wir wissen ja nicht, was für Leute vorher hier waren.
Leute, die unerlaubte Beziehungen haben
oder spontane Leute wie wir.
Der Chef und seine Sekretärin.
Alte Schulkameraden. Nach dem 10jährigen Klassentreffen.
Warst du denn schon öfter hier? - Ein paar Mal.
Zweimal das mitgerechnet? - Nein. Das ist das dritte Mal.
Erzähl von den beiden anderen. - Kommt nicht in Frage. Wieso interessiert dich das?
Ich will wissen, wer du bist. - Indem du was über mein Sexualleben erfährst?
Wenn du so willst.
Das erste Mal war ich hier mit einem Typen, auf den ich stand.
Ich war am Strand. Er rief aus Santiago an und lud mich ins Kino ein.
Er kam mit dem Auto her.
Wir waren im Kino. Kennst du das, wenn man sich inspiriert fühlt?
Wenn man genau das Richtige sagt, wenn spontan filmreife Dialoge entstehen,
wenn man sich gut fühlt und alles im Griff hat? Ja, so habe ich mich gefühlt.
Ich war braungebrannt, fühlte mich sehr sicher
und ich stand schon seit der Schulzeit auf ihn. Seit vielen Jahren.
Und jetzt saßen wir zusammen im Auto. Da habe ich zugegriffen.
Er war nicht so gut, wie ich dachte, aber da- mit war das Thema zu einem Ende gekommen.
Hast du ihn wiedergesehen? - Ich hörte, dass er jetzt Geburtshelfer ist und im Süden lebt.
Und dass er fünf Kinder hat. Der lang- weiligste Typ, den man sich vorstellen kann.
Und das zweite Mal?
Das zweite Mal im Motel war ich mit Rodrigo.
Deinem Verlobten?
Wir haben uns nur gestritten. Wir lagen auf dem Bett und berührten uns nicht einmal.
Wir haben uns gestritten und gestritten. Und am Ende habe ich geweint.
Dann hat er bezahlt und wir sind gegangen. - Warum habt ihr gestritten?
Er hatte mich angelogen. Er hatte was mit einer Schlampe aus der Firma seines Vaters.
Er sagte mir, da wäre nichts gewesen, aber er hatte ihre Nummer im Handy.
Und als wir gerade mitten im Streit waren, da rief sie ihn an.
Und er fing an, Scheiße zu erzählen.
Das war echt krank. Er konnte gar nicht mehr aufhören zu lügen.
Hast du mit ihm Schluss gemacht?
Nein.
Gibst du mir mal die Fernbedienung?
Da gibts bestimmt nur Pornokanäle.
Es gab noch ein weiteres Mal. - Ach ja? Und wie wars? Erzähl mal.
Das war ein Rucksacktourist. Und nicht hier, es war in Chillan.
Ach!
Und mit Rodrigo wollte ich immer wieder Schluss machen.
So um die zehn, zwanzig Mal. Aber ich konnte nicht.
Bis wir eines Tages wieder mal Krach hatten.
Ein ziemlich heftiger Krach. Da haben wir Schluss gemacht. Und zwar endgültig.
Hatte ich jedenfalls gedacht.
Ich besorgte mir ein neues Telefon, nahm meinen ganzen Urlaub,
entfernte ihn aus sämtlichen Adressbüchern.
Ich musste einfach weg aus Santiago.
Ich sagte meiner Oma, ich fahre mit meiner Freundin an den Strand. Aber das war gelogen.
Ich nahm den Bus nach Süden.
Bei einem Zwischenstopp kurz vor Chillan bin ich raus, um eine zu rauchen.
Ein Typ kam auf mich zu und bat mich um Feuer.
Ich hielt ihm das Feuerzeug hin,
er sah mich an, ich sah ihn an,
ich machte die Zigarette aus und ging mit ihm.
Echt?
Wir gingen in ein Motel.
Da haben wir uns dann ein paar Mal geküsst.
Ich wirkte wohl total nervös. Er fragte mich, was los ist.
Da habe ich ihm das mit Rodrigo erzählt.
Und dann, was Rodrigo nie gemacht hätte,
legte er mich ins Bett, deckte mich zu,
streichelte mich am Kopf
und erzählte mir eine Geschichte, bis ich eingeschlafen war.
Er war ein völlig Fremder.
Einer, zu dem ich keinerlei Beziehung hatte.
Und er behandelte mich, als wäre ich der wichtigste Mensch, der ihm je begegnet ist.
Geht die Klimaanlage nicht kleiner? Mir ist kalt.
Hast du den Film schon mal gesehen?
Nein.
Ich habe da so eine Theorie über das Kino.
Also: Kino impliziert eine gemeinsame Erinnerung.
Zum Beispiel denk an die ästhetische Größe, die allen Filmen innewohnt.
Und stell dir mal vor, man würde sie jeweils einer bestimmten Gruppe zuordnen.
Das würde für den Zuschauer bedeuten, dass er zu einer ganz bestimmten Gruppe gehört.
Und das gibt uns einen Schlüssel. Zum Beispiel sieht sich jemand "High Fidelity" an.
Und dann "Magnolia" oder was weiß ich.
Aber ihm gefällt ganz einfach diese Ästhetik.
Diese Person gehört zu einer Gruppe, der Gruppe A. Und das ist gut.
Denn wenn wir jetzt einen nehmen,
der sich "Taxi Driver", "Reservoir Dogs", "Im Vorhof der Hölle", "Fargo" und so ansieht,
diese Person gehört ebenfalls zu einer Gruppe, zur Gruppe B.
Das leuchtet doch ein? Nicht wahr?
Aber stell dir vor, jemand sieht sich "Fessle mich" an und außerdem "Dr. Doolittle",
oder er sieht sich "Vor dem Regen" an und daraufhin "Die nackte Kanone",
und dann vielleicht... Was könnte er noch sehen?
Etwas, das gar nicht dazu passt. Diese Person gehört in überhaupt keine dieser Gruppen.
Es gibt für sie keine typische Ästhetik. Mit der Person stimmt was nicht.
Ich war mal mit einem Mädchen zusammen, das jeden Actionfilm gesehen hat, den es gibt.
Stallone, Schwarzenegger. Tja, meinetwegen. Sie gehörte klar zu einer Gruppe.
Eines Tages lud sie mich in einen Film ein. Von Godard: "Die Geschichte der Nana S".
Das war mir suspekt.
Ich wusste sofort, dass da irgendetwas nicht stimmt.
Als wir aus dem Kino kamen, sagte sie mir, dass sie mit ihrem Exfreund geschlafen hat.
Verstehst du? - Nein.
Na gut. Angenommen du müsstest einen Film machen, wovon würde er handeln?
Was wäre sein Thema? - Ich weiß nicht.
Überlegs dir. Denk nach.
Über eine Frau. Ich weiß nicht.
Denk dir was aus. Irgendwas. - Okay.
Fang an. - Nehmen wir eine Wahrsagerin. - Ja.
Die empfängt in ihrer Praxis einen Jugendlichen.
Er besucht sie, weil er immer wieder den gleichen Traum hat.
Die Wahrsagerin nimmt seine Hand und konzentriert sich.
Und ihre Karten sagen... Ich weiß nicht.
Ein Mann, der Nachforschungen nach Vermissten anstellt,
stößt auf die Leichen von fünf Kindern, die offenbar gefoltert wurden,
weil die Körper dieser Kinder ganz ungewöhnliche Verletzungen aufweisen.
Diese Verletzungen stammen aber, wie sich bald herausstellt, von Autopsien.
Und die vermeintlichen Kinder sind über 200 Jahre alt.
Das heißt, wir stehen hier wohl vor einem Ufo-Phänomen.
Ein Ehepaar trennt sich. Es fängt mit ihm an.
Er kommt aus dem Haus, steigt in ein Taxi und weiß offenbar nicht, wohin er jetzt soll.
Er kommt bei der Familie eines Freundes unter und schläft in einem Zimmer
voller Plüschtiere, dem Kinderzimmer.
Und am nächsten Tag geht er ins Büro
und versucht, sein normales Leben zu führen.
Aber da sieht er auf seinem Schreibtisch Fotos seiner Exfrau und seiner Kinder.
Deshalb fängt er an, alle Bilder wegzutun.
Motel! Eine Frau wacht in einem Motelbett auf. Und eine andere Frau im selben Bett ist tot.
Die Frau weiß gar nicht... Nein, nein, nein!
Eine Frau schläft mit ihrer lesbischen Freundin.
Und die beiden streiten sich, weil eine eine heterosexuelle Beziehung hatte.
Auf einmal taucht bei ihnen ein Mann auf. Und dieser Mann bringt eine von ihnen um.
Dann sieht der Mann sich dort um, nimmt das Telefon und ruft die Polizei.
Und? - Dann kommt die Polizei, umstellt das Haus und...
Am besten waren die Zeichentrickfiguren der 80er.
Typisches Thema für langweilige Partys: alte Trickfilme.
Ob dir Anthony besser gefällt oder Andy.
Die aus "Protocultura" und "Galactica".
Du siehst aus wie Anthony.
Und du siehst aus wie... - Wie wer?
Wie eine, die ich auf einem Geburtstag kennen gelernt habe.
Ich habe ihr angeboten, sie nach Hause zu fahren.
Und was ist dann passiert?
Wir fuhren auf eine Party. Ziemlich öde.
Da habe ich sie noch auf einen Drink eingeladen.
Und?
Und ich war sehr nervös.
Und? - Und...
... dann habe ich sie geküsst.
Und was hat sie dann getan? - Na ja...
Sie fragte, ob wir nicht woanders hinfahren können.
Soll ich dir was sagen?
Ich wusste gleich, dass es darauf hinausläuft. - Wie?
Auf das. Hier im Bett.
Als ich dich gesehen habe, habe ich es ge- wusst, wie man das im Grunde immer weiß.
Ich habe das gespürt.
Glaubst du an die Chemie?
Was machen wir jetzt?
Weiß nicht.
Wie viel Uhr?
Vier Uhr.
Zu spät, um irgendwo hinzugehen, zu früh, um nach Hause zu gehen.
Hast du vielleicht Hunger? Soll ich uns was zu essen bestellen? Ja?
Wir können ja bis dahin einen Film ansehen.
Was heißt "bis dahin"?
"Bis dahin" heißt einfach: bis ich mich erholt habe.
Du brauchst Erholung?
Dabei helfe ich dir ein bisschen.
Na gut. Warte, warte eine Sekunde. - Eine? Einverstanden.
Lass das an! Mach lauter!
Bravo. Bravo!
Das war gut. Und jetzt?
Tut mir leid, ehrlich. Ich brauche noch etwas. - Wie lange ungefähr?
Keine Ahnung. So etwa zwischen 15 Minuten und einer Stunde.
Männer brauchen 15 Minuten, um heraus- zufinden, ob sie einen Fehler gemacht haben.
Aber für Frauen ist das nicht so wichtig. - Was für ein Chauvinist hat sich das ausgedacht?
Lauter Theorien, wo man auch hinhört.
Weißt du eigentlich, warum die Leute einkaufen? - Nein.
Sexuelle Probleme. Die Frau wird durch ihren Partner nicht befriedigt.
Das heißt, dass sie irgendwo ein Defizit hat.
Ein Defizit hinsichtlich der Energie. Sie hat nämlich keinen Orgasmus.
Frauen, die ihre Orgasmen vortäuschen, glauben irgendwann, dass sie echt sind.
Sie können keinen Unterschied mehr feststellen.
Dann haben sie doch echte Orgasmen. - Nein, ein echter Orgasmus ist anders.
Und du? Täuschst du deine Orgasmen vor?
Klar! Und du? - Nein. Aber meine Ejakulationen.
Lass mich das weiter ausführen. Die Frau mit den falschen Orgasmen hat ein Energiedefizit.
Darum will sie lauter Dinge haben, weil nämlich Einkaufen wie eine Penetration ist.
Weil es ja auch etwas ist, wo einer dem anderen was gibt, etwas Sexuelles.
Sonderangebotsverkäufe macht man für frustrierte Frauen.
Oder hast du schon mal erlebt, dass jemand nach gutem Sex einen Kaufrausch hatte?
Nein. Und ehrlich gesagt meide ich Einkaufscenter.
Da fällt mir was ein.
Was soll das? - Das Blut soll nach unten fließen und dann wieder nach oben steigen.
Und zwar mit viel mehr Kraft.
Das hat was mit Gravitation zu tun. - Und funktioniert das?
Das hat mir mein Freund erzählt. Außerdem muss man viel Wasser trinken.
Das regt bestimmt Drüsen an. Achtung, ich verrate dir gerade Männergeheimnisse!
Männergeheimnisse. Wen interessiert denn so was?
Dagegen ist es für Männer offenbar uner- träglich, nicht zu wissen, was Frauen denken.
Wie das die Männer fertigmacht, wenn wir gemeinsam aufs Klo gehen.
Pure Unsicherheit, als ob wir bloß über sie reden.
Was mich angeht, finde ich am interessantesten,
dass Frauen in ihrer Jugend lesbische Erfahrungen machen.
Eine typische Männerfantasie.
Weißt du übrigens, warum Frauen höher entwickelt sind als Männer?
Weil sie über Intuition verfügen? - Nein.
Weil Männer sich mit der Hand befriedigen und Frauen digital.
Ich hatte mal eine lesbische Lehrerin,... - Ja?
... die uns beim Kopfstand immer befummelte. Ich habe immer bloß eine Vier gekriegt.
Es wurde erwartet, dass man dabei graziös wirkt.
Das zum Beispiel war ungerecht. Die Jungen durften Pelota spielen,
und die Mädchen mussten Bockspringen und Kopfstände machen.
Es war alles so faschistoid und religiös.
Wenn ich je in meiner Küche eine Nonne sähe, würde ich mich mehr erschrecken,
als wenn da jemand mit dem Messer käme. - Ah! - Hast du was?
Ja. - Wo tuts weh? Hier? - Ja. Ja.
Und tut dir das weh? - Ja.
Hattest du schon Reiki? - Nein.
An so was glaube ich eigentlich überhaupt nicht.
Alles ist Energie. Du solltest daran glauben.
Kannst du das? - Ja.
Du wirst gleich intensiv Wärme empfinden.
Arbeitest du? - Nicht mehr.
Bist du arbeitslos?
Ich werde in Belgien promovieren. - Und wann?
Bald. - Wie bald?
Ab nächster Woche.
Bist du verheiratet?
Nein.
Hast du eine Freundin? - Nein.
Hattest du eine Freundin? - Ja.
Aber es wäre nicht gut gegangen. Wegen der Entfernung.
Mails hin, Mails her, Webcam.
Wir haben darüber gesprochen und Schluss gemacht.
Ganz einfach so? - Ja. Ganz einfach so.
Vielleicht hatte sie ja eine ganz andere Ansicht darüber.
Und du? Wie hättest du das gesehen?
Ich finde,
es ist besser, überhaupt irgendeine Beziehung zu haben als gar keine.
Auch eine halbe Beziehung? - Eine halbe?
Halb, weil sie ohne Sex ist? - Ja.
Ja, halb, weil sie ohne Sex ist. - Sex an sich, wenn es sich ergibt, bedeutet nichts.
Wie das hier.
Ja, wie das hier.
Wir sollten lieber gehen.
Ja. Finde ich auch.
Was macht dein Rücken?
Geht mir schon besser.
Francisca!
Ich heiße Daniela, verdammt!
Tut mir leid, war ein Blackout. Verzeih mir. - Ja. Ein Blackout!
Verzeih mir bitte. - Wer ist Francisca? Deine Ex?
Spielt keine Rolle. - Und ob! Du hast sie hergebracht. Hierher, in unser Bett!
Aber es ist doch nur ein Name.
Und wenn ich zu dir Mathias sagen würde? Oder vielleicht Diego?
Diego, ja, besorgs mir, fester! Würde dich das vielleicht nicht stören?
Okay, okay. Verzeih mir.
Wer ist sie?
Eigentlich ist mir das egal. - Ist meine Ex. - Ex?
Meine Exverlobte. - Ah.
Es hatte ein Loch. - Was?
Es hatte offensichtlich ein Loch. - Was hatte ein Loch?
Das Kondom. Anscheinend ist es gerissen.
Beim Abziehen, oder? - Ich weiß nicht.
Vielleicht ist es beim Abziehen passiert, vielleicht ist es schon vorher geplatzt.
Ich weiß es nicht. Gemerkt habe ich nichts.
Aber wie konntest du das nicht merken? Und wie groß ist das Loch?
Was spielt das für eine Rolle? Es hatte ein Loch.
Aber ich möchte nur wissen, ob viele durchgekommen sind oder... - Na klar.
Auf jeden Fall. Es sind viele durchgekommen.
Verhütest du?
Nimmst du die Pille oder so?
Nein.
Ist heute einer deiner fruchtbaren Tage?
Ja.
Mittelmäßig fruchtbar oder sehr fruchtbar?
Wie groß war das Loch, und wo hast du das Ding? - Ich weiß nicht, ich habs runtergespült.
Aber erst hätten wir sicher sein müssen! - Was soll denn das? Es war beschädigt!
Tut mir leid, wenn ich es nicht gemessen habe. Ich nehme kein Lineal mit, wenn...
Werde nicht ordinär, das ertrage ich nicht!
Ich denke, dass ein paar tausend Spermien da durchgekommen sind.
Die jetzt in mir sind. - Natürlich sind sie in dir. Wir haben uns gerade geliebt!
Wir haben es getrieben. Wir hatten Sex.
Und das heißt nun mal im Prinzip, dass etwas von mir zu dir geht.
Hat dir das noch niemand gesagt?
Wie kann es sein, dass dir das entgangen ist? - Augenblick mal, ja.
Gibst du etwa mir die Schuld?
Du wirst doch jetzt nicht einfach abwarten? Selbst, wenn heute der ideale Tag ist,
selbst wenn eins durchgekommen ist, können wir immer noch ein paar Pillen kaufen.
Und die nimmst du dann. - Ach, so ganz einfach? - Nein. Ja. Doch!
Was willst du? Was soll das werden?
Willst du jetzt eine Moraldiskussion?
Nein, ich will nicht! Aber dir geht ja alles am Arsch vorbei. Da seid ihr Kerle alle gleich!
Ach so? Okay. Und worüber willst du dann reden? Über Abtreibung?
Die Pille danach? Aliens? Babyklappe vielleicht?
Jetzt habe ich keinen Bock mehr auf dich! Gehen wir. - Ja, gehen wir.
Wenn ich schwanger bin, mache ich dich fertig.
Du wirst dein blaues Wunder erleben
und dir zweimal überlegen, ob du weiter in ganz Santiago herumvögelst!
Stimmt, ich habe dich ja dazu gezwungen! Nicht wahr, du wolltest ja gar nicht!
Ich muss einen Blackout gehabt haben, dass ich mit einem schlafe, den ich nicht kenne.
Woher soll ich wissen, dass du kein Aids hast oder sonst irgendwie versifft bist?
Woher soll ich wissen, dass du nicht so eine Verrückte bist, die für immer an mir klebt?
Ich bin nervös. Entschuldige.
Sieh mal... Es wird nichts passieren.
Vielleicht habe ichs beim Abziehen zerrissen oder vielleicht kam es mir auch bloß so vor.
Ja, das ist das Wahrscheinlichste. Es passiert gar nichts.
Gehen wir?
Gehen wir.
Hast du meinen BH gesehen?
Nein.
Sieh bitte mal unter dem Bett nach.
Da ist er nicht.
Es ist nämlich so, dass ich BHs sammle.
Idiot!
Weißt du, ich will ja nur, dass wir beide das hier nicht in mieser Stimmung beenden.
Sieh mal. Da ist er.
Hast du mal "Wenn einer den Boden berührt, geht die Welt unter" gespielt?
Ich habe das gespielt. Damals sind mein Bruder und ich über Betten, Kopfkissen
und alles gesprungen. Wenn man den Boden berührt hätte, wäre die Welt untergegangen.
Das reicht!
Betrüger!
Was machst du morgen?
Erst mal schlafen. Mindestens bis 12 Uhr mittags.
Und du?
Ich muss nach Vina.
Ich muss mit meiner Großmutter zu einer Beerdigung.
Und wer ist gestorben? - Der letzte Bruder meiner Großmutter.
Er hatte Krebs.
Alle Welt stirbt an Krebs. Keiner mehr, weil er alt ist.
Glaubst du an Gott?
Nein.
Und du? - Ja.
Allerdings nicht an einen bärtigen alten Mann im weißen Gewand.
Aber ich glaube schon, dass es eine Energie gibt, die auf Liebe beruht.
Und die Kriege? Und die Kinder, die draufgehen?
Und die Flugzeuge, die abstürzen? Dieser Gott, glaube ich, ist super gewalttätig.
Vielleicht ist er ein Kind und muss noch ler- nen nach der Methode "Versuch und Irrtum".
Aber er ist da. Man kann das an den Zusam- menhängen zwischen den Dingen erkennen.
Am Synchronismus.
Sieh mal.
Du hast mich gesehen. Wir sind um die gleiche Zeit aufgebrochen.
Mein Taxi hat sich verspätet. Du hast im Flur gestanden.
Nur allein das.
Wenn du in der Küche gewesen wärst, als mein Taxi gekommen ist, oder noch früher,
wenn meine Schwester nicht meinen Wagen genommen hätte,
wenn ich nicht zu dem Geburtstag gekommen wäre...
Zu vieles war nötig, damit wir hier gelandet sind.
Rufst du mich an?
Was denkst du?
Nein.
Hey!
Schläfst du?
Schläfst du etwas? - Nein.
Hast du das gehört?
Eine meiner Freundinnen ist mit einem Typ ins Motel gegangen.
Sie wurden gefragt, ob sie das Zimmer mit Video wollten.
Sie haben gesagt, sie wollten Video.
Als sie reinkamen, waren weder ein Fern- seher noch ein Videorecorder im Zimmer.
Aber als sie am Morgen auscheckten, gab ihnen das Zimmermädchen ein Video.
Sie waren gefilmt worden. Aufmerksamkeit des Hauses.
Hätte ich ein Motel, wären auch versteckte Kameras da.
Würdest du nicht bezahlen, um zu sehen, wie die Leute es wirklich machen,
um zu sehen, was wirklich zwischen zwei Leuten passiert,
die sich gemeinsam in einem Motelzimmer einschließen? - Nein.
Hallo? Carla.
Wo bist du denn?
Stimmt irgendwas nicht?
Und wer fährt dich nach Hause?
Du kannst so nicht weitermachen.
Nein.
Nein.
Warte doch mal.
Ja. Ja, ciao.
Ja, ich rufe dich dann an. Also ciao.
Wer war das? - Eine Freundin.
Um diese Zeit? - Es geht ihr schlecht.
Sie ist mit einem verheirateten Mann zusammen, einem Psychopathen.
Sie waren zusammen aus, er hat sich betrun- ken, seine Show abgezogen und ist gegangen.
Und sie ist weinend dageblieben.
Wie kann man nur so dämlich sein?
Dieses Schwein versaut ihr nur das Leben und trennt sich doch nicht von seiner Frau.
Aber deine Freundin ist doch selber Schuld.
Sie ist eben verliebt.
Und sie fragte, mit wem du zusammen bist?
Sie hat mich gefragt, ob ich mit dir mitgegan- gen bin und ob wir noch zusammen sind.
Und was hast du gesagt? - Ja.
Und sie? - Sie hat gelacht. Sie wusste es ja.
Wieso wusste sie es? - Weil ich es ihr gesagt hatte.
Was hattest du ihr gesagt? - Ich hatte gesagt:
Siehst du diesen Typ da vorne mit dem Vogelgesicht und dem grünen T-Shirt?
Den schnappe ich mir!
Das hast du gesagt? - Ja.
Vogelgesicht? - Ja.
Und der Synchronismus und Gott? Und das Taxi, das nicht kam, das war bloß Scheiße!
Du hast gesagt: Siehst du den Typen mit dem Vogelgesicht? Und dass du ihn abschleppst?
Du hast mich abgeschleppt? - Ja. - Ah.
Na klar. Und nicht ich etwa dich? - Nein. - Nein. Nein.
Die Welt dreht sich nämlich immer nur um dich. - Ja!
Verdammt! Und wenn ich dir sage, ich habe einen Freund gefragt:
Hey Mann, wer ist denn die Vollbusige da hinten? - Vollbusig? - Ja.
Die schleppe ich ab! Was würdest du dazu sagen?
Dass du ein typischer Mann bist.
Hast du meine Narbe gesehen?
Von der Blinddarm-Operation.
Ich war auf einer Studienreise in Bariloche.
Auf einmal gings mir tierisch schlecht, aber das war den anderen ziemlich egal.
Sie haben mich ins Krankenhaus gebracht.
Ist echt hart in einem fremden Land im Krankenhaus zu sein.
Ich habe mich mit einer Argentinierin angefreundet, die eine Abtreibung hatte.
Sie mussten ihr die Gebärmutter entfernen.
Während meine Leute sich amüsierten, rede- te ich mit ihr über ihren Vergewaltiger-Vater.
Sieh mal, ich habe hier eine Narbe. Autounfall mit meinem Vater.
Die Bremsen haben versagt in seinem uralten Wagen. Diesem Wrack!
Als er merkte, dass er den Wagen nicht zum Stehen bringt,
hat er die Arme schützend um mich gelegt und den Wagen auf den Bürgersteig gelenkt.
Wir haben einen Pfosten umgefahren.
Aber er hat mich gerettet.
Ja, ich hatte nie das Gefühl, dass er mich liebt.
Aber in dem Augenblick wusste ich es.
Ich hatte immer gedacht, er würde meinen Bruder mehr lieben. - Wieso denn?
Ich weiß auch nicht.
Vielleicht, weil er immer die ganze Aufmerksamkeit bekommen hat.
Und siehst du deinen Vater häufig? - Nein.
Ist er wie du?
Ich nehms an.
Dann ist er ein schöner Mann. - Er hat aber kein Vogelgesicht.
Du siehst gut aus und hast kein Vogelgesicht.
Mein Vater hat ein Problem mit seinem Herz.
Eine Verengung oder so was. Ich weiß auch nicht genau. Er kann jeden Moment sterben.
Darum sage ich mir: Dieses Wochenende werde ich ihn besuchen.
Aber es kommt immer was dazwischen. Ich schaffe es nie. Und ohne mein Verschulden.
Das einzige, was ich für ihn hoffe, wenn es soweit ist, ist, dass es ganz schnell geht.
Ohne Schmerzen, ohne Todeskampf, ohne, dass er an Maschinen angeschlossen wird.
Mein Vater hasst Krankenhäuser.
Telefon-Sprechstunde!
Hallo?
Ja. Nein.
Nein, ich bin nicht allein.
Bei Freunden.
Ja.
Ja, morgen Mittag. Ja. Zum Essen.
Versuch zu schlafen.
Doch, das kannst du. Versuchs.
Nein, die kennst du nicht.
Von der Uni. Ja.
Ciao.
Auch eine?
Danke.
Willst du nicht wissen, mit wem ich gesprochen habe? - Nein.
Okay, wer wars?
Es war meine Ex. Sie hatte Panik. Sie will nicht, dass ich weggehe.
Deshalb ruft sie dich an? - Sie wollte wissen, mit wem ich zusammen bin.
Und mit wem bist du zusammen? - Mit Freunden.
Sie hat Riesenprobleme.
Klar, wenn sie dich um 5 Uhr früh anruft. - Nein, sie hat so eine Macke mit Kalorien.
Bei jedem Essen zählt sie Kalorien und erzählt mir, wie viele dies und jenes hat.
Sie glaubt, dass der Grund für unsere Trennung war, dass sie zu fett ist.
Und kotzt sie immer beim Duschen? - Was?
Hast du sie mal beim Kotzen erwischt? - Nein.
Wieso?
Machst du das?
Ich hatte Bulimie. Das glaube ich wenigstens. Vor ungefähr drei Jahren.
Und was hast du getan? - Gekotzt. - Warum gekotzt?
Man isst was und kotzt es aus.
Mein Verlobter war mit mir immer in Fastfood-Läden.
Hamburger oder Pizzas. Und danach bin ich kotzen gegangen.
Ich glaube, ich habe in sämtliche Klos aller Einkaufscenter gekotzt.
Und auf den Toiletten aller meiner Freunde. Ich war Expertin fürs Kotzen.
Am besten wars unter der Dusche.
Sie kotzt zwar nicht, aber dafür zählt sie jedes Mal zwanghaft Kalorien.
Und ist sie dick? - Ja. Nein. Ich weiß nicht.
Das ist nicht der springende Punkt. - Was ist der springende Punkt?
Ich fühle mich immer noch verantwortlich für das, was mit ihr passiert.
Das bist du aber nicht.
Das klingt hart, aber sie ist nicht mehr dein Problem.
Ist sie schon. So wie du.
Jeder Mensch, zu dem wir irgendwie in Beziehung stehen, ist auch unser Problem.
Angenommen, du würdest mich morgen anrufen und um Hilfe bitten,
dann müsste ich dir natürlich helfen. Würdest du das etwa nicht?
Da würde man ja verrückt.
Jeden Tag aufs Neue treten wir zu vielen Menschen in Beziehung.
Man hat doch nicht für alles die Verantwortung.
Ich glaube, man muss Verbindungen abbrechen können.
Übrigens bin ich auch Kalorienexpertin.
Weißt du, was das Kalorienreichste ist, das man essen kann?
Ein Eis? - Ein schönes Schokoladeneis mit Mandeln.
Ganze 550 Kalorien. Weißt du, wie viel eine Banane hat? - Nein.
Weißt du, wie viele Kalorien verbrannt werden, wenn man sich liebt? - Nein.
550. - Das bedeutet im Prinzip, du isst erst mal ein Eis... -... und dann vögle ich.
Wieviel Eis hast du heute gehabt? - Vier.
Dann müssen wir aber was unternehmen. Sonst wirst du zu dick. - Ja!
Du musst mir deine E-Mail-Adresse geben.
Einladung zur Hochzeit von Daniela und Rodrigo
Ich habe noch nicht verloren. - Was?
Bis jetzt habe ich den Boden nicht berührt. Noch geht die Welt nicht unter.
Und du bist zurzeit mit niemandem zusammen? - Nein.
Warum machen wir das überhaupt?
Was?
Dass wir reden.
Als ob wir uns kennen lernen wollten.
Als ob es eine Zukunft gäbe. - Und wenn ich dir sage, dass du mir unheimlich gefällst,
und dass ich mit dir zusammen sein will?
Das würdest du sowieso nie sagen. - Und wenn ich es sagen würde?
Mach das nicht. Das ist gar nicht lustig.
Bist du glücklich, Daniela? - Bruno, nicht.
Damit will ich gar nicht erst anfangen, im Ernst.
Ich aber. - Und wozu?
Damit ich Bescheid weiß.
Aber über was denn? - Ich will wissen, wer du bist.
Und was haben wir davon?
Du gehst weg, ich werde hierbleiben.
Was bringt es dir zu wissen, wie meine Großmutter heißt,
oder dass ich mich noch nie einsam gefühlt habe,
oder ob mir jemand eine Uhr geschenkt hat. Wozu?
Wir beide kennen uns nicht weiter.
Und wir sind nicht zusammen. Das bringt uns nicht weiter.
Ich kann dir nicht in einer Stunde meine Lebensgeschichte erzählen.
Wir sind hergekommen, ich weiß nicht warum, aber wir sind hergekommen,
wir haben unseren Spaß gehabt, wir gehen wieder.
Du warst eine Auszeit für mich vor dem Rest meines Lebens.
Und ich war das Abenteuer vor deiner Reise.
Wir bedeuten uns nichts.
Wir haben uns nie was bedeutet.
Und mehr wird auch nie sein.
Also frag nicht mehr, ob ich glücklich bin.
Das hat dich wirklich nicht zu interessieren.
Nein.
Ich will auch nichts über dich erfahren.
Als ich sieben war, ging meiner kleiner Bruder in einem Supermarkt verloren.
Ich will das gar nicht wissen.
Er ging in einem Supermarkt verloren.
Meine Mama hat verzweifelt nach ihm gerufen.
Ein Haufen Leute strömte zusammen.
Immer mehr Menschen haben nach meinem Bruder gesucht.
Sie haben ihn gerufen.
Man hat ihn nie mehr gefunden.
Jahrelang bin ich mit dem Gefühl aufgewacht, er wäre draußen vor unserem Haus.
Er wäre zurückgekommen.
Ich werde dir etwas erzählen, das niemand weiß.
Irgendwann mitten in dem ganzen Chaos,
in diesem ganzen Gewimmel von Menschen, die ihn gesucht haben,
da habe ich ihn gesehen.
Auf der Straße. Allein.
Und ich war wie versteinert.
Ich wusste, dass ich sagen musste: Da ist er! Er ist draußen! Er ist da!
Damit alles wieder zum normalen Alltag zurückkehrt.
Damit Gott existiert.
Damit meine Mama wieder lächeln kann.
Damit das alles nur eine Anekdote aus dem Supermarkt gewesen wäre
und nicht der Beginn der Finsternis.
Aber ich habs nicht getan.
Ich habe nichts gesagt.
Ich habe die Augen zugemacht
und niemandem je ein Wort gesagt.
Ganz ruhig.
Ist schon gut.
Warum erzählst du mir das?
Weil ich dich nie wiedersehen werde.
Ich werde heiraten.
Am Freitag.
Morgen habe ich meine Junggesellinnen-Abschiedsparty.
Trink nicht zu viel.
Soll ich dir sagen, welche Geschenke ich gekriegt habe?
Das Blödsinnigste: eine Maschine, um Ravioli herzustellen.
Das Sinnvollste: Lucita, das ist übrigens unsere Haushälterin,
hat mir einen Satz Geschirrtücher geschenkt.
Selbst bestickt.
Sie ist schon bei mir, seit ich geboren wurde.
Und warum heiratest du?
Weil er mich liebt. Weil ich ihn liebe.
Wir haben Pläne.
Und die Schattenseite?
Er ist aufbrausend. - Wie sehr?
Ziemlich.
Wie... Hat er dich... - Nur ein paar Mal.
In fünf Jahren.
Und was ist passiert?
Beim ersten Mal hat er mir eine Rippe gebrochen.
Wir haben Schluss gemacht.
Dann hat er eine Therapie mitgemacht.
Ich dachte, es wäre alles wieder gut oder zumindest unter Kontrolle.
Und beim zweiten Mal?
Das zweite Mal war ein Unfall.
Was für ein Unfall?
Er war genervt, und ich bin eine Treppe runtergefallen.
Ich hatte eine Verstauchung, nichts weiter.
Ich weiß... Das alles klingt viel schlimmer, als es wirklich war.
Ich fühle mich nicht wie eine Frau, die geschlagen wird oder so.
Es ist nur so, dass ich manchmal Angst habe.
Und wo ist er jetzt? - Auf Reisen.
Auf einer Geschäftsreise.
Er kommt am Dienstag.
Untertitel: Christian H. Schmitz GALILEO MEDIEN AG
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