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In Anbetracht dessen, dass meine beiden Söhne, James und Anthony,
zu außergewöhnlichem Reichtum gekommen sind,
der Ältere durch die neu entdeckten Minen auf seinen Ländereien
und durch die stattliche Mitgift, die er bei seiner Heirat erhielt,
der Jüngere durch seine Ostindien- Geschäfte und seine erfolgreichen
Unternehmungen, gab es wohl mit Gottes Segen nie eine so aufblühende Familie
wie unsere, in all ihren Zweigen.
Angesichts dessen fällt es mir nicht schwer, meinem letzten Willen
in der Weise Gestalt zu verleihen, dass ich weniger der Vernunft
als viel mehr meinem Herzen den Vorzug geben kann,
ohne großen Schaden anzurichten.
Dabei lasse ich mich von den Gedanken leiten,
wie sie nachfolgend beschrieben sind.
Und da nun mein Sohn James seinen Sohn James und seine Tochter Arabella als Erben
eingesetzt hat, die meinen uneingeschränkten Respekt hat,
weil sie ein sehr folgsames Kind ist, und da mein Sohn Anthony
dem Eheleben offenbar nicht zugeneigt ist
und die Linie somit nicht fortzusetzen vermag, wäre mein Vermächtnis
in ihrer beider Hände von geringem Nutzen.
Aus all diesen Gründen, und weil meine geliebte Enkeltochter Clarissa
von Kindheit an unvergleichlich folgsam mir gegenüber war,
und die große Freude meiner alten Tage, schenke und hinterlasse ich das Gros
meiner Besitztümer der besagten Clarissa Harlowe.
Mr. Lovelace ist da. Schon wieder.
Er scheint ganz versessen zu sein.
Kneif dich in die Wange, Bella! Dein Gesicht muss ab jetzt dein Vermögen sein.
Miss Arabella.
Mr. Lovelace.
Möchten Sie spazieren gehen, Sir?
Mr. Harlowe, Miss Clarissa.
Einen Adelstitel geerbt, ein prächtiges väterliches Anwesen,
zwei unverheiratete Tanten. Bemerkenswert!
Und eine Armada an Huren und Bastarden. Auch bemerkenswert.
Vater, Sie verwalten das Anwesen viel besser, als ich es könnte.
Ja. Besitztümer in den Händen der Männer sind immer das Sicherste.
Da ich kein großes Verlangen habe zu heiraten...
Welcher Mann würde dich schon verdienen?
Wenn Sie mir nur genug für wohltätige Zwecke ließen...
Ich strebe nicht nach Reichtümern, Vater.
Hätte sie das Vermögen, dann gäbe sie alles fort!
Es gehört wohl Ihnen, nicht?
Ja, danke.
Ich weiß, Jack. Ich habe mit meinen früheren Liebschaften geprahlt.
Aber was war denn mit der kleinen Matthews? War das nicht die Richtige?
Zu der Zeit damals dachte ich es.
Oder die aus Richmond, Miss Betterton.
Aber die waren alle nicht wie sie. Ehrlich.
Wenn ich das, was ich damals empfand, mit dem vergleiche,
was ich jetzt fühle, dann...
Ja. Gewiss doch.
Ich musste erst einen Weg finden, mich der verfluchten Schwester zu entledigen.
Was ist?
Die Angelegenheit bietet für einen Geist wie den meinen so viel Anregung.
So viele Möglichkeiten für Hinterlist und Einfallsreichtum.
Und Erschöpfung. Also, Bob. Wozu die viele Mühe? Und die Kosten?
Willige Jungfrauen fallen wie reife Feigen von den Bäumen.
Mich reizt dieses Hochgefühl dabei, eine junge Frau wie Clarissa Harlowe
zu erobern, gegen alle Keuschheit und Tugendhaftigkeit.
Das ist so verlockend. Welch ein Triumph über das ganze Geschlecht.
Gut. Mach es, wie du denkst!
Aber bitte erzähl mir alle pikanten Details.
Jetzt gerade ist mein charmanter Eiszapfen mit ihrer Freundin,
Miss Howe, zusammen.
Wie grausam von dir, der armen Bella den Liebhaber zu rauben, meinst du nicht?
Ich? Das war ich nicht. Sie hat ihn abgewiesen. Wenn auch sehr widerwillig.
Dieser Mann bringt sie erst fast zu Weißglut und macht ihr dann einen Antrag.
Was hätte sie tun sollen? Sie war beinahe sprachlos.
Stammelte nur etwas davon, dass sie abgeneigt sei,
ihre gesellschaftliche Stellung zu ändern.
Eine zustimmende Verneinung, wenn es solch Wort gäbe. Arme Bella.
So ein stattlicher Mann. Aber wild. Sehr wild und stürmisch.
Willst du denn niemals heiraten?
Und damit meine Unabhängigkeit opfern? Ihn lieben, ehren und ihm gehorchen?
Kann man das ernsthaft versprechen?
Versprechen ist nicht das Problem.
Ich kann nur versprechen, woran ich mich halte.
Bei mir ist es ganz anders.
Das biegsame Wörtchen "Gehorchen" kümmert mich kein bisschen.
Ich spreche es so demütig aus, wie du nur willst. Aber danach...
Ich habe alles, woran mir liegt. Meine Bücher, meine Freunde...
Das Landgut deines Großvaters.
Du weißt doch. Ich hab es meinem Vater überlassen.
Die gehorsame Tochter. Aber war das so klug von dir?
Solch offenkundige Beweise der Tugendhaftigkeit
sehen leicht wie Berechnung aus.
Aha!
An Miss Clarissa Harlowe. Deine Freier verfolgen dich überallhin.
Unglaublich. Ihr alle Gemälde der Familie zu hinterlassen.
Nur weil sie früher gerne darauf herumgeschmiert hat.
Und es mit ihren zierlichen Fingerchen dann wieder weggewischt hat.
Zierlichen? Welche Finger sind wohl zierlicher als diese?
Dann kann man sie doch auch gleich der Zofe vermachen!
Von welchem deiner unglücklichen Freier mag der wohl sein.
Du hast so viele abgewiesen. Den armen Mr. Wiley, Mr. Mullins...
Oder hast du einen neuen Verehrer? Mr. Lovelace?
Wirf den Brief weg! Ich will ihn nicht lesen.
Ach Unsinn!? Meine liebste Miss Harlowe? Ja, er ist von Lovelace!
"Glauben Sie mir, wenn ich bekenne,..."
Ich will es nicht hören!
"...dass es ganz tief in meinem Herzen nichts gibt, das ich so sehr begehre"
"wie die Gelegenheit, mich Ihrer Achtung würdig zu erweisen."
Ihre anzügliche Art, sich heranzuschleichen,
während andere Leute sich unterhalten.
Mit ihrer bezaubernden Sanftmütigkeit und Ergebenheit,
bis alle Welt gezwungen ist, Miss Clarissas über jeden Zweifel
erhabenen Meinung zu folgen.
Magst du ihn denn gar nicht? Nicht einmal ein kleines bisschen?
Er ist so stattlich.
So stürmisch.
So eitel. Und wie.
Ich kann keinen Mann ohne Moral verehren.
Clarry. Männer streifen ihre Moral über wie wir unser Korsett.
Er hat auch kein Herz. Und keine Aufrichtigkeit.
Mr. Lovelace weiß gar nicht, wie es ist zu lieben.
Du aber, ja?
Also, wenn ich ihn träfe...
Was heißt wenn? Stellst du denn Bedingungen für die Liebe?
Wer hat etwas von Liebe gesagt? Ich rede bloß von Zuneigung.
Hielte ich ihn für einen tugendhaften Mann, könnte ich ihm gegenüber
eine gewisse Zuneigung entwickeln.
Clarry, Liebes, würde ich dich nicht sehr viel besser kennen,
so könnte man es fast für eine zustimmende Verneinung halten, nicht wahr?
Clarissa! Ich dachte, Mr. Lovelace hätte es auf Bella abgesehen.
Im Interesse unseres Grundbesitzes, und solange Bella keine Einwände hat...
Ich? Was sollte ich einwenden? Sie kann gern haben, was ich übrig lasse.
Nehmen wir an, sie würde den Grundbesitz ihres Großvaters wieder selbst...
Ich will nicht sorgenvoll sein, aber...
Sorgenvoll wegen seiner Moralität? Das ist unbegründet.
Wenn eine Frau ihm Moral beibringen kann, dann bestimmt Clarry.
Nebenbei gesagt, ist der Mann von reinrassigem Geschlecht.
Kultiviert und weit gereist.
Wohl etwas zu weit gereist, wie mir zu Ohren kam.
"Noblesse oblige", nicht wahr. Kein ordinärer Lüstling.
Nehmen wir an, mit dem Besitz ihres Großvaters, dem Erbe von Mr. Lovelace
und nur angenommen, ich würde meine Einkünfte auch noch mit einbringen,
könnte deine Tochter noch zu deinen Lebzeiten in den Adelsstand treten!
Schwester, Bella! Du siehst ja, wie es läuft.
Die kleine Sirene ist auf dem besten Wege, ihren Onkel einzuwickeln,
wie sie es schon mit ihrem Großvater getan hat.
Wir müssen einen Weg finden, ihr die Flügel zu stutzen.
Dann bist du mit einer Schwester nicht zufrieden und willst sie beide haben?
Nein. Nur die eine, die sich noch sträubt. Bella ist für einen anderen Mann.
Vielleicht für dich.
Verflixt und zugenäht!
Bei den Vögeln ist es wie bei den Frauen. Du musst einfach geduldig sein.
Immer das Gelände im Auge haben, wohin sich der Wind dreht.
Die anderen Raubtiere gehen. Das erste Gebot eines Lebemanns?
Der Beharrlichkeit und der gebotenen Gelegenheit
können Frauen nicht widerstehen.
Der schlaue Jäger verfolgt die Beute, verteilt die Fallen,
schickt sein Pferd zur Tarnung vor und platziert die Köder und...
...erlegt nur eine Krähe.
Aber der Spaß, Jack! Der Spaß!
Immerhin ist sie die Harlowe-Erbin.
Ich pfeife auf ihr Geld! Die Frau, nicht das Geld!
Das Harlowe'sche-Gut ist aus einem Misthaufen entstanden.
Ich würde alles gegen nur einen süßen Kuss eintauschen.
Und morgen werd ich mir den Kuss holen.
Nichts ist süßer, als eine Jungfrau zu demütigen.
Das zweite Gebot eines Lebemanns: "Alle im Ungewissen lassen!"
Mr. Lovelace beehrt uns aufs Neue mit seinem Besuch!
Die Ehre ist ganz meinerseits.
Ich lasse euch allein.
Gehen Sie nicht! Denn bestimmt wird Mr. Lovelace nicht wollen, dass die Ehre,
die er uns erweist, nur mir zuteil wird.
Oh nein, bleiben Sie da!
Eine Unterhaltung mit zwei so charmanten Ladys
wie Ihnen ist eine doppelte Freude.
Wie ich höre, sind Sie generell dafür,
Ihre Freude nicht auf eine Dame zu beschränken, oder?
Das, Madam, kommt voll und ganz auf die Dame an. Mr. Harlowe.
Mr. Lovelace! Schon wieder.
Falls Sie gehofft haben, meine Schwester zu sprechen,
so muss ich Sie zu meinem Bedauern enttäuschen. Sie ist indisponiert.
Es tut mir leid, das zu hören.
Wenn Sie ihr eine Nachricht hinterlassen möchten?
Clarry wird sie gerne überbringen, denke ich.
Ich denke, Clarry würde unserem Gast die Gesellschaft
deiner beiden Schwestern ungern vorenthalten.
Ich bezweifle doch sehr, dass Bellas Unpässlichkeit sie anstecken würde.
Darf ich es?
Solche feinen Details.
Woher Ihre Tochter ihren exquisiten Geschmack hat, scheint mir offenkundig.
Welche Tochter mag das sein? Oder trifft das Kompliment auf alle zu?
Sie meinen sicher Bella.
Sie konnte mit der Nadel immer viel geschickter umgehen.
In einer Familie wie dieser muss man jeden loben.
Ich habe tiefste Bewunderung für eine Familie,
die sich durch eigene unübersehbare Verdienste emporgearbeitet hat.
Wir haben Erfolg gehabt, Sir. - Und das zu Recht.
Erfolg gehabt, weil wir um unseren Wert wissen.
An dem, was wir haben, halten wir fest. Wir schulden niemandem etwas.
Da haben Sie ja Glück.
Wir sind nur sehr besonnen, Sir.
Kein Mensch, der seine Seele verpfändet hat, sollte sich anmaßen,
jemanden der Harlowes für sich pachten zu wollen.
Unsere Familie kann man nicht pachten.
Dieser dreiste Gutsherr ist mein Werkzeug. Ich benutze ihn, wie es mir gefällt.
Eins steht für mich eindeutig fest.
Wenn ich seine Schwester nicht kriege, schnapp ich mir ihn.
Ist Ihrs, nehme ich an?
Geben Sie acht, Mr. Harlowe!
Um Ihrer Schwester willen, ich warne Sie.
Du musst nicht niederknien, Clarissa Harlowe.
Aber gehorsam sollst du sein, und pflichtbewusst.
Dein Herz soll sich beugen, nicht dein Knie.
Ist dir bewusst, welch ein Verbrechen man an deinem Bruder begann?
Ein unbedachter Streit ist mir bewusst.
Leugnest du, die Briefe dieses Kerls erhalten zu haben?
Ich leugne, sie erwidert oder ermuntert zu haben.
Du weichst uns nicht aus, Mädchen. Hast du verstanden?
Ist dir eigentlich klar, dass du diesen Mann weder noch einmal sehen
noch ihm schreiben wirst?
Ich weiß nur das eine, du bist mein Bruder und auch nicht mehr als mein Bruder.
Es steht dir nicht zu, mich über meine Pflichten zu belehren.
Nicht dein Bruder hat dich zu belehren, sondern ich, dein Vater.
Wie schamlos wäre eine Schwester, die einen Verehrer ermutigt,
durch das Blut des Bruders zu waten, um sich ihrer Gunst zu versichern.
Womit habe ich solche Anschuldigungen nur verdient, Sir?
Clarissa Harlowe. Du warst mir immer eine folgsame Tochter.
Wenn du es weiterhin bleibst, behältst du deinen rechtmäßigen Platz
und die Zuneigung der ganzen Familie.
Mr. Roger Solmes wird dir morgen seine Aufwartung machen.
Und es ist unser Wunsch, dass du seinen Heiratsantrag
bereitwillig entgegennimmst.
Seinen edlen und gebefreudigen.
Mister...
Solmes.
Herein!
Bella, komm herein! Ich bin gleich fertig, ja?
Schreibst du immer noch? Ach Clarry. So ein Jammer.
Was wirst du nun tun, um dir die Zeit zu vertreiben?
Bella.
Nein, wie ungezogen. Du kennst doch die Regeln: keine Briefe.
Nicht mal einen an Anna?
Deinem Postillon d'Amour zu Lovelace?
Bella!
Was willst du tun? Hin zu Mama? Warum schreibst du ihr nicht einen Brief?
Die Dienstboten sind vorgewarnt. Deine Briefe werden abgefangen.
Was Mr. Solmes wohl von solch einer schreibwütigen Ehefrau hält.
Soll ich Tee machen, Mama?
Wir sollten vielleicht... - Bleib sitzen!
Den Tee kann Betty uns machen.
Sir. - Clarissa Harlowe.
Merke dir bitte: Ich möchte keine Kinder haben, die ungehorsam sind.
Ein Mr. Solmes.
Habe die Ehre.
Mr. Solmes.
Ihr Diener, Sir. Und Mr. Harlowe.
Madam. Miss Harlowe. Sir.
Und, äh, Miss Clarissa! Darf ich?
Clarissa Harlowe!
Sir.
Ungewöhnlich kalt für die Jahreszeit, Sir.
Oh ja. In der Tat. Ja.
Finden Sie es nicht auch zu kalt, Miss?
Meiner Schwester ist wohl eher warm, wie es aussieht.
Teile dem Gentleman mit, wir seien nicht da.
Überlass es mir!
Nein, dazu besteht kein Grund.
Sag Mr. Lovelace, die Harlowe'sche Familie sei für einen Raufbold
wie ihn nicht zu sprechen.
Und unsere Schwester sei gegenwärtig in Gesellschaft eines Gentleman.
Sag ihr, dass ich meine Briefe im Hühnerstall hinterlege.
Vielleicht möchtest du lieber Großmutters Juwelen neu einfassen lassen?
Aus Rücksicht auf deine Neigung zur Wohltätigkeit.
Sie würden einer Braut zauberhaft stehen.
Ja, bitte?
Gerade eingetroffen aus London. Die feinste Seide, die erhältlich war.
Mama. Schicken Sie das bitte zurück!
Clarry. Entweder büßen wir erheblich an Einfluss ein, und du weißt,
das können wir uns nicht leisten, oder du verzichtet auf deine Launen,
was wir wohl mit Fug und Recht erwarten dürfen.
Du warst doch immer ein gehorsames Mädchen.
Was hätte ich davon? Muss ich mir nicht auch selbst gehorchen?
Sind sie nicht wunderschön? Komm, sieh sie dir an!
Und Mr. Solmes wird dir Juwelen schenken.
Ganz abgesehen von dem hübschen Taschengeld, das er dir zugesteht.
Du wirst weit unabhängiger sein, als es für Ehefrauen üblich ist.
Mutter! Nichts auf dieser Welt wird mich dazu bringen, seine Ehefrau zu werden!
Solch ein Arrangement, Kind!
Menschen, die aus Zuneigung heiraten, legen zu wenig Wert auf ein Arrangement.
Ich verstehe nicht, was du gegen ihn hast.
Er ist ein ehrlicher Mann. Tugendhaft...
Tugendhaft? Wenn er eine junge Frau gegen ihren Willen zwingen will?
Von dem, was du willst, ist viel zu oft die Rede.
Für deinen Vater steht die Sache fest, mein Kind.
Und für Sie? Was ist mit Ihnen?
Dein Vater...
Ja, ich weiß. Für ihn steht es fest. Aber ich will Ihre Meinung wissen!
Oder ist zu dem Eheversprechen auch ein Schweigegelübde gekommen?
Nein, mich darfst du nicht fragen.
Oh Mutter!
Ich soll deine Briefe alle in Verwahrung nehmen.
Ist das alles?
Es ist genug.
Clarry, eine Frau muss wissen, wann sie sich zu beugen hat.
Sonst wird sie daran zerbrechen.
Sind das alle?
James, warum bist du so gehässig?
Madam! Sie wissen mit Ihrer eigenen Tochter einfach nicht umzugehen.
Hätte man sie meinem Regiment überlassen, könnten wir längst
über ihr glückliches Schicksal als Ehefrau eines wohlhabenden Mannes jubilieren.
Doch stattdessen, äh, ähm...
Wo will sie jetzt wieder hin?
Hier ist es, Miss.
Ist es sicher?
Ja, bewährt und erprobt, Miss. Geheimnisse haben hier nicht nur Sie.
So in Eile, Schwester? Dir ist womöglich noch nicht zu Ohren gekommen,
was für ein Ruf Lovelace, diesem Burschen, vorauseilt.
In Bath: Miss Matthews und Miss Medlicott, die die Geburt seines Bastards
nicht überlebt hat. In Richmond: Miss James, Mrs. Wilson
und zwei hübsche Serviererinnen vom "Rose 'n Crown".
Und in Hammersmith: Miss Oliver, ihre Mutter und deren Kammerzofe.
Du siehst, dass es ihm mehr um Masse geht und weniger um Klasse.
Sehnst du dich jetzt immer noch danach, den Namen Harlowe
in dem Büchlein aufgeführt zu sehen?
Deine Spione sind sehr fleißig gewesen.
Aber warum hast du meine Schwester nie vor seinen Taten gewarnt?
Bei deiner Schwester, Clarry, war dergleichen nicht notwendig.
Sie sah in ihm das, was er ist. Da! Nimm es!
Vielleicht amüsiert es dich zu sehen, in welcher Gesellschaft du dich befindest.
Hier die Stallungen, der rückwärtige Kreuzgang...
Alles zusammen? - Ja.
Zwölfhundert Morgen.
Ein Gutshaus und dazu ein Cottage, und das alles verpachtet?
Ja. Wenn ich das sagen darf...
Miss Clarissa ist mir jeden Penny meines Besitzes wert.
Dann sind wir uns ja einig.
Oh, gut. Ja. Ja. Oh. Gut.
Dann unterzeichne ich.
Clarry? Jemand in der Nähe? Gut.
Hier. Da ich sehr wohl weiß, wie gerne du schreibst...
Sag aber niemandem, woher du es hast.
Ach, liebster Onkel!
Clarry. Clarry, ich muss mit dir reden.
Ich habe dich immer wie mein eigenes Kind geliebt.
Ja. Sie waren immer so gütig.
Ich weiß, wir verlangen Außergewöhnliches von dir.
Aber du bist auch außergewöhnlich. Du bist eine Harlowe.
Es liegt im Interesse der ganzen Familie, dass du Mr. Solmes heiratest.
Nein.
Clarry!
Warum ich? Warum fällt die Wahl auf mich und nicht auf Bella?
Mr. Solmes hat seine Gründe, warum er dich nimmt!
Und ich habe Gründe, warum ich ihn nicht leiden kann.
Und die Familienehre, bedeutet sie dir gar nichts?
Was für ein Ehrbegriff, der auf Falschheit gründet!
Die Falschheit liegt in deinem Herzen, Clarissa Harlowe.
Du verstößt einen redlichen Mann,
weil dein junges Herz nach einem Lebemann giert!
Oh nein, Sir! Ich schwöre Ihnen:
Gäbe es ihn nicht, solch einen Mann wie Mr. Lovelace, gäbe es keinen anderen Mann
unter Gottes Kreaturen, ich würde diesen Mr. Solmes trotzdem niemals nehmen.
Geh mit deinem Gewissen ins Gericht!
Dich umschlingt die Schlange der Sündhaftigkeit.
Danke.
Den Brief her! - Rück ihn schon raus!
Lassen Sie... - Halt still! Wirst du wohl!
Da!
Jetzt verschwinde!
Mach, dass du hier rauskommst! Du bist entlassen!
Du brauchst deine Herrin gar nicht nach einem Zeugnis zu fragen.
Es gibt mit ihr kein Wiedersehen.
Du kannst es vielleicht bei Miss Howe versuchen.
Welches Kleid soll ich herauslegen, Miss?
Lass nur, Betty! Hannah kümmert sich darum.
Nicht mehr Hannah, Miss! Hannah ist fort.
Was soll das bedeuten?
Sie hat gepackt und das Haus gestern Abend verlassen.
Ich bin jetzt Ihre Dienerin. Das blaue Kleid, Miss? Oder doch lieber das graue?
Ohne ein Wort! Ich mag es nicht glauben. Das hat mein Bruder verbrochen.
Nein, das graue. Ich will in die Kirche gehen.
Die Kirche?
Sollst du meine Aufpasserin sein, Betty?
Nein, Miss. Nur...
Wenn ich in den Garten will oder die Hühner füttern möchte,
muss ich dich dann um Erlaubnis fragen?
Nein, Miss.
Ach so! Du hast nur die Aufgabe, dich um mein Gemüt zu kümmern.
Die Hühner sind wohl nicht mit enthalten. Leg mir das graue heraus!
Nein, lass es, bitte! Geh wieder! Ich behelfe mir alleine.
Sie sagt, sie will in die Kirche gehen.
"Werteste Schwester! Es erscheint mir seltsam, dass gerade du,
die du so viel Wert auf den Kirchgang legst, dich vehement dagegen sträubst
und dich derart widersetzt..."
Welches Gebot war das noch gleich?
Weißt du, das mit der Mutter und dem Vater.
Das fünfte.
Oh liebste Bella. So gottesfürchtig.
"Wir empfehlen dir, dich in stille Andacht zu begeben,
in der Hoffnung, dass dein Geist in Zukunft von mehr..."
Demut?
"...von mehr Demut erfüllt ist.
Uns ist sehr wohl bewusst, an welchen Retter sich deine fromme Wünsche knüpfen."
Und Punkt.
Ihr Handschuh, nehme ich an?
Dir werde ich!
Ein freches Bubenstück, Miss.
Ihr Bruder sagt, das haben Sie gemeinsam ausgeklügelt.
Er sagt, welch ein Wunder, dass kein Mord geschehen ist.
Wenn Sie vielleicht meinen Rat möchten...
Möchte ich nicht, Betty.
Nein, Miss. Aber ich will trotzdem sagen...
Sie erlauben es mir doch? Das ganze Theater, das Sie an den Tag legen,
hilft Ihnen kein Stückchen weiter.
Die zwingen Sie, Mr. Solmes zu nehmen. Es soll so sein.
Nicht schreien!
Mr. Lovelace! - Verzeihen Sie mir!
Lassen Sie mich gehen!
Wohin gehen?
Zurück in den goldenen Käfig?
Damit Sie auf Schritt und Tritt überwacht und durchsucht
und am Ende für den ach so reizenden Mr. Solmes geopfert werden?
Gehen Sie nur! Na los! Ich werde Sie nicht aufhalten.
Ich hätte Ihnen etwas mehr Mut zugetraut.
Erkennen Sie nicht die Gefahr, in der Sie sind?
Und wenn es so wäre, wer ist schuld daran?
Wäre es Ihnen lieber, ich bliebe untätig? Sähe zu, wie man Sie verletzt?
Wie Sie hinter Gittern sitzen und wie irgendein Vogel eingesperrt sind?
Soll ich das?
Die Gefahr, der ich ausgesetzt bin, ist geringer als Ihre Freude,
sich einen Jux daraus machen!
Heben Sie sich ihre Ritterlichkeit für andere Frauen auf.
Madam. Sie können mich zwingen, wenn Sie wollen, darüber hinwegzusehen,
dass Ihr Bruder Sie in Ihrer Würde verletzt.
Doch eins erdulde ich nicht: seinen Affront gegen mich.
Die Fehler meines Bruders, sind nichts im Verhältnis zu den Ihren.
Sagen Sie, wie geht es Miss Matthews? Und Miss Medlicott?
Madam! Welcher Feind auch immer Ihre Achtung vor mir zu zerstören versucht,
verdient Dankbarkeit in alle Ewigkeit.
Sir!
Ich habe viel Schuld auf mich geladen. Das will ich gestehen.
Ich habe mich gegen Ihr Geschlecht versündigt.
Lüge, Verrat, Dinge, bei denen mir übel wird, wenn ich auch nur daran denke.
Teure Clarissa, vor Ihnen würde ich nichts verbergen.
Ich bestehe darauf, dass Sie das Schlimmste über mich erfahren.
Die schlimmsten Sünden und dunkelsten Flecken meiner Seele.
Erst dann werden Sie erkennen, wie sehr ich mich verändert habe.
Beflügelt von meiner Liebe zu Ihnen.
Denn bisher kannte ich immer nur die pure Sinneslust, nicht die Liebe.
Das ist das erste Mal. Ich bitte Sie inständig, Madam.
Würden Sie meiner Tante, Lady Betty, gestatten,
Ihnen ihren Schutz anzudienen?
Und wer beschützt mich vor meinen Beschützern?
Vertrauen Sie mir!
Kommen Sie wieder hierher!
Ich warte auf Sie. Lassen Sie mich nicht im Stich!
Ich verspreche Ihnen eins: Sollten Sie gezwungen werden,
das Scheusal zum Mann zu nehmen, dann mache ich Sie zur jüngsten
und schönsten Witwe der ganzen Grafschaft.
Und, hast du die Abendluft genossen?
Hätt ich die Erlaubnis meiner Zofe haben müssen?
Merk dir mal eins, mein hübsches, kleines Flatterwesen:
Der Wille deines Vaters geht über den Letzten Willen deines Großvaters.
Es passt zu dir, das rosafarbene.
Es würde bei meiner Gesichtsfarbe ein bisschen fade wirken.
Freundlichkeit, Bella, stünde dir am besten.
Oh ja. Und das wäre ein schönes Nachthemd für die Hochzeitsnacht.
Es passt zur Farbe deiner Augen.
Hat Mr. Lovelace nicht deine Augen bewundert?
Und deine nicht genauso?
Wie viel Zeit verbringst du mit Gebeten?
Oder widmest du deine Gedanken ganz und gar der Liebe?
Wie passend, dass Mr. Solmes auf der Bildfläche erschien,
um uns von deinem romantischen Spleen zu befreien!
Ist es meine Schuld, Bella, dass die Männer nicht bei dir
auf der Bildfläche erscheinen?
Das flatterhafte Wesen lockt ein schwächliches Herz an.
Oh! Dann kann ich von dir Vernunft lernen.
Wenn ich tue, was du tust, sage, was du sagst, und so weiter.
Dann sag, dass Lovelace ein Halunke ist.
Das gäbe ich zu, würde ich es glauben.
Das heißt, du glaubst es jetzt noch nicht?
Hast du es geglaubt, Bella, als er dich geküsst hat?
Mr. Harlowe. Habe die Ehre, Sir.
Mrs. Harlowe.
Miss Arabella.
Mr. Harlowe, Sir. Mr. James.
Miss Clarissa!
Sir.
Madam. - Sir.
Wenn es in meiner Macht stünde, würde ich Ihnen das Gespräch ersparen.
Es ist für uns beide nämlich nur schmerzhaft.
Ich verstehe einfach nicht, wie ein Mann, der auch nur ein wenig
auf sein eigenes Glück bedacht ist, so darauf beharren kann.
Darauf beharren kann? Würde ich bis in alle Ewigkeit.
Und ich hoffe, die Zeit wird...
Die Zeit wird nichts an meinen Gefühle ändern.
Das würde mich sehr unglücklich machen.
Dann seien Sie lieber allein unglücklich, Sir, als dass wir es beide wären.
Um Gottes willen, liebste Madam...
Was heißt denn "um Gottes willen"?
Wie können Gottes Wille und der Ihre ein und dasselbe sein?
Madam, Sie haben die Leute vielleicht schlecht reden hören über mich.
Man kann sich gewiss nicht bei allen beliebt machen.
Aber seien Sie versichert, es ist nichts daran.
Sagen Sie mir, was Sie gehört haben.
Ich werde mich bemühen, die Fehler zu korrigieren.
Dann, Sir, korrigieren Sie bitte diesen.
Versuchen Sie nie mehr, eine Frau gegen ihren Willen zu zwingen,
die bedeutsamste Entscheidung ihres Lebens zu treffen,
aufgrund von verabscheuungswürdigen Beweggründen.
Nun gut.
Meine Nichte, du sitzt da wie eine Königin, die eine Audienz hält.
Mr. Solmes, warum so viel Distanz, mein Herr?
Ich hatte gehofft, Sie in vertrauterer Stellung vorzufinden.
Darf ich keinen eigenen Willen haben?
Bisher hast du in allem deinen Willen bekommen.
Nun ist es an der Zeit, folgsam zu sein. Du wirst Mr. Solmes heiraten.
Nein! Nein, niemals! Lieber würde ich verhungern.
Lieber will ich tot sein.
Lieber lasse ich mich in unserer Familiengruft für immer einmauern.
Bleib hier, Schwester! Noch ist es nicht so weit, dass man dich einmauern ließe.
Solch hübsches, kleines Märtyrergesicht!
Doch was für ein starrsinniger Hals.
Wie willst du in der Gruft Briefe aufsetzen, Schwesterlein? Hä?
Hier, Sir!
Ich muss doch bitten! Keine Gewalt!
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