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"Der Orden der Illuminaten wurde am 1. Mai 1776
von Adam Weishaupt gegründet,
einem Lehrer für Kirchenrecht an der Universität Ingolstadt.
Nur Studenten der Jesuiten hatten damals Zugang zu den Bibliotheken,
und Weishaupt wollte das ändern.
Der Orden wuchs, bis er wegen seiner aufklärerischen Tendenzen
als staatsfeindlich verboten wurde.
Danach gab es eine Menge Theorien.
Weil Adam Weishaupt George Washington ähnlich sah,
wurde behauptet, die Illuminaten hätten den Präsidenten ermordet
und ihn durch Weishaupt ersetzt. Das Wappentier der USA,
der Weißkopfadler, sei dafür ein Beleg."
Spannende Musik
"Und weil Menschen schon immer Verschwörungstheorien liebten,
gehörten plötzlich alle zu den Illuminaten:
Galileo, die babylonische Gottheit Lilith,
Luzifer und am Ende die Jesuiten selbst."
Spannende Musik
"In Wirklichkeit starb Weishaupt 1830 in Gotha. Alles, was blieb,
ist eine kleine Gedenktafel in der Ingolstädter Fußgängerzone."
Spannende Musik
"Manchen ist das zu wenig."
Henry!
Knistern
Dr. Friedrich Kronberg
Johannes Deittert Henry
Ist das immer noch der Alte?
Immer noch der Alte.
Immer noch zwei Schachteln am Tag? Ist weniger geworden.
Johannes... Hey, Friedrich.
Na, wie geht's dem Rektor?
Na ja, eine Lehrerin ist tot, 'n Schüler wär fast gestorben,
gegen drei andere wird ermittelt. Gegen mich auch.
Vernachlässigung der Aufsichtspflicht... Alles super.
Sag mal, die Eltern von Henry, können die mich verklagen?
Nach meinem Termin morgen bei der Staatsanwaltschaft weiß ich mehr.
Wichtig ist jetzt, dass ich viel über den Jungen erfahre.
Keine Sorge.
Der Arzt sagte, Henry wär tot gewesen,
wenn Frau Verdier nur eine Minute später gekommen wäre.
Hast du die beiden gefunden?
Dramatische Musik
Was ist das denn hier? Gute Frage.
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
Was hat die Jungs nur geritten? Ich hab keinen blassen Schimmer.
Fiel dir bei denen mal irgendwas in der Richtung auf?
Also, 'n Interesse an Okkultismus, Klamotten, Musik, irgendwie was?
Nein, überhaupt nichts, gar nichts.
Aber scheinbar haben sie sich schon 'ne ganze Weile damit befasst.
Natürlich frag ich mich die ganze Zeit...
Warum hab ich nichts davon mitbekommen?
Na ja, da werden die schon gut drauf aufgepasst haben.
Henry war einer der Ersten, die ich hier aufnahm, als ich Rektor wurde.
12 war er damals.
Unsere Abseilaktion? Mit Bettlaken, lebensgefährlich.
Es war deine Idee. Es war deine.
Musik
Morgen.
Henry. Dein Koffer.
Der ist doch viel zu schwer. Lass mich das mal machen.
Mama, es geht schon. Er ist alt genug.
Henry. Schön, dich zu sehen.
Na?
Hallo.
Herzlich willkommen. (Mutter) Guten Tag.
(Vater) Hallo. Lukas, kommst du mal, bitte?
Tja, Henry, das ist jetzt dein neues Zuhause.
Lukas, bist du so gut und zeigst Henry euer Zimmer?
Mach ich. Ja, darf ich Sie auf einen Kaffee einladen,
in mein Büro? Danke, wir möchten erst das Zimmer anschauen.
Und dann bringt uns Lukas sicher zu Ihnen, oder? - Ja, mach ich.
Ja, gut, klar. Lassen Sie sich Zeit.
Ist es denn schön hier, Lukas?
Essen ist gut? - (Lukas) Ja.
(Mutter) Gibt's auch mal Pommes? - Anna.
Was denn?
Danke. Das Büro von Herrn Deittert finden wir schon allein.
Danke.
(Mutter) Danke, Lukas.
Lass doch!
Ist doch super hier.
Gute Heimfahrt.
Machen Sie sich keine Sorgen.
Pass auf dich auf, mein Schatz, ja?
(Vater) Anna!
Tschüs, Bärli.
Musik
Henry war eigentlich einer von diesen Unauffälligen.
'n Außenseiter? Ja, absolut.
Sagt's Falsche, trägt's Falsche, kein guter Sportler, weißt du.
Niemand interessierte sich für ihn.
Keiner, also, kaum einer wollte was mit ihm zu tun haben.
Musik
Ach, siehst du den Jungen mit der Jeansjacke mit dem Rücken zu uns?
Das ist Ben. Henrys einziger Freund hier.
Ich hol das Essen. Gerne.
Guten Tag.
Friedrich Kronberg, ich bin Anwalt.
Ich vertrete die Interessen dieser Schule. Darf ich mich kurz setzen?
Natürlich. Danke.
Sie...
Sie sind 'n Freund von Henry, stimmt's?
Ja.
Wissen Sie, wie's ihm geht?
Na ja, wahrscheinlich nicht so gut.
Sprachen Sie seit dem Vorfall im alten Schlachthaus mit ihm?
Gibt es noch jemand anders, der Kontakt zu ihm hat?
Nein, das wollen seine Eltern nicht.
Können Sie sich vorstellen, warum Henry...
oder wie Henry in diese Situation geraten ist?
Überhaupt nicht.
Ich weiß nur, dass sie ihn fertiggemacht haben.
Von Anfang an.
Du siehst ja heute wieder geil aus, Bärli.
Vergiss sie einfach.
Kannst eh nichts machen. Sind alles Idioten.
Hast du ein Stipendium? Nein.
Dein Vater zahlt? Ja.
Läufst du eigentlich immer so rum? Wieso?
Ich bin Ben.
Die Jungs lachen.
Melancholische Musik
Tür wird geöffnet.
Melancholische Musik
Könnte es sein, dass seine Eltern sich nicht gut um ihn kümmerten?
Nicht so, wie's Henry gebraucht hätte.
Und wie hätte er's gebraucht?
Sie verstanden ihn halt nie richtig. Er ist eben anders.
Und wie "anders"?
Sie scheinen ihn ja verstanden zu haben, oder? Ja.
Ich weiß nicht, in letzter Zeit nicht mehr so.
Er hat völlig dichtgemacht.
Seit wann ungefähr?
Seit 'nem halben Jahr.
Was ist denn mit dir passiert?
Beim Joggen vorhin.
Bist du auf die Schnauze gefallen, oder was?
War halt schon dunkel.
Können Sie mir irgendwas darüber sagen,
was damals in Henrys Leben passierte?
Schritte nähern sich.
Guten Tag, Herr Deittert. Hallo, Ben.
Entschuldigen Sie, ich muss gehen. Ich wünsche guten Appetit. Danke.
Frau Verdier und Henry hatten, ja, 'ne recht intensive Beziehung.
Wie soll ich das verstehen?
Das wirst du gleich sehen.
Hier hat sie gewohnt.
Hier, guck mal, das sind alles Bilder von Henry.
Musik
So, Sportsfreunde. Schönen guten Morgen.
(Schüler) Guten Morgen.
Das ist eure neue Kunstlehrerin, Frau Verdier.
Frau Verdier, das ist Ihre Klasse.
Soll ich Ihnen die Schüler vorstellen?
Nein, danke, das machen sie selber.
Ihr braucht ein Stück Papier und das hier.
10 Minuten. Stellt euch mir vor.
Hiermit? - Ja. Oder...
hiermit.
Das bin ich.
Musik
Sie hielt ihn für die größte Begabung, die ihr je begegnete.
Seine Angst, seine... seine Kämpfe,
seine Wunden, ja, ist da alles drin.
Er gehört auf 'ne Kunsthochschule. Ja, ja, klar.
Die Eltern sehen es anders. Er im Stadtrat,
sie die Tochter des größten Bauern in der Gegend.
Und dann der Sohn Künstler?
Na ja...
Außerdem war Henry 'n Spätentwickler.
Ziemlich zerbrechlich und...
Ja, er hat ihren Schutz gebraucht.
Hast du der Polizei erzählt, dass das Henrys Zeichnungen sind?
Nee, hab ich nicht.
Sie führte wohl Tagebuch. Und die Polizei nahm es mit.
Wenn ich das gewusst hätte, dann... Du hast Angst davor, was drinsteht?
Mein Gott, sie war 60. Henry ist 17.
Klar, sie war fixiert auf den Jungen, aber das ist...
Ich möchte noch mal mit Ben reden, wenn's geht. Ja, natürlich.
Gerüchte gibt's natürlich immer, wenn 'n Schüler und 'ne Lehrerin
'n Tick mehr machen als üblich. Was heißt das?
Sie gab ihm Zeichenunterricht. Nur sie und er, alleine?
Genau. Für mich war das völlig in Ordnung.
Sie war die Einzige, die ihn so fördern konnte.
Könntest du dir vorstellen, dass sie etwas damit zu tun hat?
Nein, eigentlich kann ich mir das nicht vorstellen.
(Ben) Ja, er konnte das schon immer.
Ich hab früher sehr viel Fantasybücher gelesen.
Und Henry zeichnete mir manchmal so Figuren.
Die waren wie echt.
Realer, als ich's mir vorgestellt hab.
Mhm.
Haben Sie...
die zufällig schon mal gesehen?
Ja, die sind wirklich sehr gut getroffen.
Party-Musik
Unverständliches Gespräch
Komm mit.
Was? Na komm.
Stell dich nicht so an.
Henry, lass es.
Ich... Scht.
Ich liebe dich.
Musik
Tut mir leid.
Was soll 'n das? - Er hat die gemalt.
Der ist total verknallt.
Na, war geil, Franceska, oder? Jungs lachen.
(Franceska) Ich hab nur 'ne Wette verloren.
(Lukas) Henry, du hast da 'n Fleck auf der Hose.
Alle lachen.
Ich werd versuchen, Henry möglichst bald zu besuchen.
Wenn ich ihn treffe, soll ich ihm irgendwas von Ihnen ausrichten?
Er soll zurückkommen.
Spannende Musik
Dramatische Musik
Musik
Es muss anders sein. Guten Tag, Kronberg ist mein Name.
Ich hab 'n Termin mit der Frau Staatsanwältin. Langenstein.
Bringen Sie uns die Akten im Fall Deittert?
Schön, dass Sie Zeit haben. Vielen Dank.
Meinem Mandanten liegt viel daran, dass die Ermittlungen
schnell zum Abschluss kommen. Der Ruf seiner Schule
ist auch finanziell sehr bedeutsam. Guten Tag.
Ich sehe keine Verletzung seiner Aufsichtspflicht.
Das Nebengebäude war gesichert, die Jugendlichen sind eingebrochen.
Die Vernehmungsprotokolle liegen in der Akte. Kommen Sie, hier lang.
Was fand man in den Schränken? Mehr als 400 Bücher
über Inquisitionsprozesse, Satansriten, Geheimbünde.
Ihre Computer waren z. B. voll mit sadistischer Pornografie.
Aber was Schüler in ihren Schränken und Bettkästen aufbewahren...
ist Privatsache.
Sie hielten sich für die legitimen Nachfolger Adam Weishaupts,
nannten sich heimlich "Illuminati".
Was hat Henry Kremer damit zu tun?
Sie haben ein Opfer gebraucht.
Eigentlich wollten sie ein Mädchen,
aber das ist in einem Jungeninternat etwas schwer zu finden.
'n Opfer, wofür?
Exorzismus.
Henry wurde dann quasi gezwungen, da mitzumachen? Wohl nicht.
Er soll selbst dazu bereit gewesen sein.
Unverständliche Zurufe
Dramatische Musik
Dramatische Musik
Ruf einer Krähe
Dramatische Musik
Dramatische Musik
Scheißtyp.
Das wirst du büßen.
Dramatische Musik
Du solltest um elf da sein.
Zieh dich aus.
Was?
Ausziehen!
Sie wissen von Henry Kremers künstlerischer Begabung?
Ja, ich sah 'n paar Zeichnungen von ihm.
Er hat sein Martyrium in all diesen Skizzen festgehalten.
Ich habe große Schuld auf mich geladen und werde dafür büßen.
Und?
Ich bin ein Dieb und ein verräter unserer Gemeinschaft.
Steh auf!
Du kannst gehen.
Henry!
Wenn deine Schuld gesühnt ist, werden wir dich aufnehmen.
Keine Angst.
Ich bin's doch nur.
Von Lukas.
Keine Ahnung, was da drinsteht. Top Secret, meinte er.
"Heute weihen wir dich zum Illuminaten".
Meine Schuld wird vergeben.
Dramatische Musik
Für dich.
Wenn deine Sünden ausgetrieben sind, bist du unser Jünger. Willst du das?
Ja. Steh auf!
Hodie te illuminatum inauguramus.
Bist du bereit?
Dramatische Musik
Exorciso te,
ominis Spiritus immunde,
in nomine Dei Patris omnipotentis,
et in nomine Jesu Christi filii egus,
Domini et Judicis nostri,
et in virtute Spiritus Sancti.
Dramatische Musik
Habitet in eo.
(Jungen) In Spiritus Sanctus habitet in eo.
Henry schnappt nach Luft.
Warum ließen sie ihn nicht runter? Die merkten doch, dass er stirbt.
Nein, offensichtlich nicht.
Sie sagten, sie hätten sich von ihm provoziert gefühlt.
Kette rasselt.
Provoziert, warum? Henry hatte eine Erektion.
Ja, wegen der Strangulation. Die Jungen wussten das aber nicht.
Du Schwein!
Dramatische Musik
Hallo?
Hallo?
Henry!
Sie schreit.
Dramatische Musik
(Staatsanwältin) Das sollte nicht passieren.
Es war tatsächlich ein Unfall.
Ich hörte, man hätte ein Tagebuch von Frau Verdier gefunden?
Ja.
Finden sich darin Hinweise auf eine,
ich sag mal, vielleicht nicht ganz normale Lehrer-Schüler-Beziehung?
Ich weiß, was Sie meinen. Nichts weist auf sexuelle Übergriffe hin.
Gar nichts in der Richtung.
Es muss wirklich tragisch für Henry sein.
Sie hat ihn für das größte Geschenk ihres Lebens gehalten.
Musik
Musik
Frau Kremer?
Guten Tag. Kronberg ist mein Name, ich bin Anwalt.
Ich vertrete das Internat, das Ihr Sohn besucht.
Das er besucht hat. Ja.
Wie geht's Henry?
Gut.
Ist er zu Hause? Könnte ich vielleicht kurz mit ihm reden?
Ich glaub nicht, dass mein Mann das will.
Könnten wir beide vielleicht kurz miteinander sprechen?
Sagen Sie Herrn Deittert, mein Mann meldet sich beizeiten.
Auf Wiedersehen. Frau Kremer, einen Moment, bitte.
Frau Verdier, Henrys Kunstlehrerin, hatte ein paar seiner Zeichnungen.
Ich hab sie in meinem Kofferraum. Wollen Sie 'n Blick drauf werden?
Ich bin kein Fachmann, aber...
Ihr Sohn ist hochbegabt.
Schritte nähern sich.
Guten Tag, Kronberg.
Was ist hier los?
Das sind Henrys Bilder.
Lassen Sie uns bitte in Ruhe. Ihr Mandant auch.
Kommt Henry zurück? Natürlich nicht.
Was macht er jetzt? Wiedersehen.
Frau Verdier hätte ihn gerne auf 'ner Kunsthochschule gesehen.
Dramatische Musik
Melancholische Musik
"Henrys Peiniger haben die Tat später gestanden.
Sie wurden zu einer Jugendstrafe von jeweils drei Jahren verurteilt.
Der Tod der Lehrerin wurde ihnen nicht vorgeworfen."
Musik
"Die Schuld eines Menschen ist schwer zu wiegen.
Wir streben unser Leben lang nach Glück.
Aber manchmal verlieren wir uns und die Dinge gehen schief.
Dann trennt uns nur noch das Recht vom chaos,
eine dünne Schicht aus Eis, darunter ist es kalt
und man stirbt schnell."
Musik
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