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Komm, mach!
So, Matrose Schmidt!
Willkommen am Tor zur Welt! Darf man fragen, wie es sich anfühlt?
Nicht schlecht!
Kannst du mal ein Foto von uns machen? - Klar!
Ja.
Seid ihr neu hier?
Ja, ganz frisch. Soll eigentlich nur eine Zwischenstation sein.
Der Verrückte da und ich wollen bei der Reederei anheuern. Komm!
Wir sehen uns in Havanna.
Und dann auf See.
Klar! - Wie hast du das gemacht?
Ich hab ihnen erzählt, was sie noch nicht wussten.
Hast du denen erzählt? - Ja, kommen von der Matrosenschule.
Schiffen morgen nach Kuba ein, sind total aufgeregt.
Hab ich gesagt, alles gut!
Sie wissen jetzt, wo es die besten Mädels gibt in Havanna.
Für einen Koffer Nylonstrümpfe.
Noch eins!
Ja, ist gut.
Ah! - Ah!
Hast du?
Wir sind hier, niemand kann uns mehr was.
Jetzt stecken wir die Schweine in die Tasche.
Conny!
Ich mache einen Krankenbesuch. War gerade in der Nähe.
Wir wollten ins Bett gehen.
Ist spät, ich weiß.
Wer ist da? Ab in die Falle!
Ach, Schmidt!
Guten Abend!
Herr Brigadier...
Hat dich die Parteileitung geschickt?
Nee, dann gäb's keine Blumen.
Dann gäb's ein paar mit Hammer und Sichel, was?
Die Reederei hat heute rumgezickt.
"Was ist mit Schönherr? Der hat keinen Krankenschein", und so.
Haben schon was von Versetzung gequatscht,
und dass sie ein paar Pfeifen vom Innern losschicken wollen.
Ich hab gesagt, ich gehe erst mal bei dir vorbei.
Und bringe einen Strauß Nelken.
Ich hol uns mal zwei!
Bin gleich wieder da.
Sabine!
Was soll das?
(Sabine und Matze diskutieren unverständlich.)
Warum hast du ihn mit reingenommen?
Ja, und?
Bist du bald mal wieder Schiedsrichter, Onkel Conny?
Was? Na, klar!
Deswegen bin ich hier.
Ich spreche gerade mit deinem Papa.
Wir machen bald ein richtiges Turnier.
Das ist aber noch ein Geheimnis.
Also...
Ab ins Bett!
Export-Pils!
Alles in Ordnung bei euch?
Sabine ist bisschen genervt in letzter Zeit. Hormone, oder so.
Wie läuft's mit der Seefahrerei?
Frag nicht!
Ich sag dir jetzt was, weil du der Einzige in dem Dreckshafen bist,
dem ich noch über den Weg trauen kann.
Ich bin überhaupt nicht krank, ich bin mopsfidel.
Fahr los!
Und, sind wir glücklich?
Nimm's mir nicht übel, Conny,
aber du siehst aus, als wärst du gerade in die Partei eingetreten.
Gab's Probleme, oder was?
Machst du dir Sorgen?
Wenn ich mir Sorgen machen würde, hätte ich geklingelt. Hab ich das?
Gibt auch keinen Grund dazu.
Lass mal hören!
(Matzes Stimme ertönt vom Band:) "... der Einzige in diesem
Dreckshafen bist du, dem ich noch über den Weg trauen kann.
Ich bin überhaupt nicht krank, ich bin mopsfidel.
Die Fortuna, der Bremer Frachtkahn drüben im Getreidehafen,
da sitze ich übermorgen in den Schotten drin.
Morgens läuft das Ding aus,
und mittags sitze ich bei Labskaus im Kieler Hafen."
Ja, ich hab's dir gesagt, der Schönherr macht rüber!
Bei dir kann er nicht hinterm Berg halten.
"Ich gehe zwei Tage auf Schicht, so hat keiner falsche Gedanken."
Conny!!
Wir haben gesagt, wir gehen auf See! Was ist denn los mit dir?
So nicht.
Du bleibst sitzen, ich hole das Scheißding, und regle den Rest.
Müsste ich lügen, würde mir was Besseres einfallen. Aber so war's.
Ausgerutscht, hingefallen, Schrott! Es war Alkohol im Spiel.
Amateure!
Nehmen wir an, es war so, wie ihr Pfeifen erzählt.
Was hat er gesagt?
Nichts.
Er hat gar nichts gesagt.
Herr Schönherr war krank und geht morgen wieder auf Schicht.
Wenn da irgendwas wäre, er hätte es mir erzählt.
Ist das so?
Ja, er vertraut mir.
Unsere Informanten behaupten das Gegenteil.
Dann müssen sich Ihre Informanten geirrt haben.
Schönherr hat nichts vor.
(Ein Telefon klingelt.)
Das prüfen wir nach.
Ja!
Nein, in hundert Jahren nicht!
Was ist mit unserer Abmachung?
Was?
Wir haben gesagt, wir machen das und ihr lasst uns dafür auf See.
(Beide lachen.)
Ich will, dass ihr beide noch mal in euch geht.
Sollte euch doch noch wider Erwarten etwas einfallen,
jede kleine Information, die uns bei der Aufklärung helfen könnte,
dann schreibt ihr sie auf.
Dann reden wir noch mal in aller Ruhe über die Handelsmarine.
(Die Band spielt das Lied "Unsere Heimat ist die See".)
Ja!
Conny!
Ich haue ab.
Ich muss dir zwei alte Freundinnen vorstellen. Das ist Katja.
Und das ist, äh...
Rebecca! - Rebecca!
Aus der Lausitz. Und das ist Conny!
Der für seinen großen Traum immer alles machen wollte, außer heute.
Soll das witzig sein? - Nein, überhaupt nicht.
Sekunde! Ihr kriegt ihn gleich wieder.
Für die beiden Schönheiten eine Runde! Das geht auf meine Kappe.
Die große oder kleine Kappe?
Die kleine Kappe, vielleicht gleicht sich das wieder aus.
Was ist los? Ist heut Freitag?
Ja, heute ist Freitag. Jetzt hör mir zu!
Der heilige Freitag! Du brauchst mal was Ordentliches vor den Bug.
Schönherr wär' fast im Knast gelandet! Ist dir das klar?
Der hat einen Traum, wie wir.
Wir schießen ihm in den Rücken und trampeln drüber.
Auf See wären wir gewesen, Conny.
Auf See!
So, wie wir das immer wollten.
Wenn wir noch eine Chance haben, dann pass auf mit den Freitagen.
Das wird nicht gern gesehen.
Leck mich!
Conny!
Es ist noch nicht zu spät.
Oder?
Ich würd' für dich jedes Deck der Welt schrubben. Egal wo, egal wie!
Verstehst du? Überall!
Denk noch mal darüber nach!
Sauf nicht so viel!
Ist dir jemand gefolgt?
Nur der Mond.
Du hast mich warten lassen. - Ja.
Du stinkst nach Schnaps... - Ja.
Kannst du nichts anderes sagen?
Dann sag nichts mehr.
Ich hatte schon fast vergessen, wie du aussiehst.
Nach einer Woche.
Du siehst aus, wie jeder andere hier.
Merkt man sich schlecht.
Ach, wirklich? Ich beiße dir gleich dein Ohr ab!
Schmeckt dir nicht!
Warum nicht? Woher willst du das wissen?
Schmeckt nach Reis.
Warum kann es nicht immer so sein wie jetzt?
Weil es kalt ist.
Weil ich auf See will, du willst studieren. Schon vergessen?
Sie haben mich drei Jahre nicht gelassen. Warum sollen die jetzt?
Meine Zeit hier ist fast vorbei.
Wenn nichts passiert, muss ich nach Vietnam zurück.
Warum gehen wir nicht weg?
Junge Paare bekommen keine Wohnung, am Anfang ein bisschen Geld.
Ich könnte nähen.
Wie soll das gehen?
Hast du je eine Vietnamesin mit einem Deutschen gesehen?
Das ist nicht erwünscht.
Das ist nicht erwünscht? - Ja.
Wenn wir heiraten? Ich hab von Mädchen gehört, die...
Ich hab gesagt, das wird nichts.
Die müssen nur rauskriegen, dass wir zusammen sind.
Die schicken dich zurück.
Wir können uns hier treffen.
Ein Mal die Woche. Freitag...
Mehr ist nicht drin.
Wir haben noch über 30 Säcke. Du machst auch mit. Okay? Das passt!
Hey, willkommen am Tor zur Welt!
Ja, zur Samstags-Schicht.
Ja, Subbotnik! Die größte Erfindung von Lenin.
Zu viel Hafenbräu gestern? - Zu wenig.
Halt dich ran!
Ja.
Ich hab drei Schiffe draußen auf Reede zu liegen.
Eins aus Hanoi, zwei aus Mosambik, wie soll ich das machen?
Immer dasselbe!
Plan wird beschlossen und erfüllen soll er sich alleine. Feierabend!
Guck da nicht so hin!
Weißt du noch damals, Dolni Sandov?
Über die Tschechen-Grenze, dann durchschlagen nach Hamburg?
War eine Schnapsidee! - Das war kein schlechter Plan.
Stell dir mal vor, wir zwei auf großer Fahrt, schicke Uniform an.
Exotische Weiber stehen auf uns.
Schoko, Vanille... Küsschen hier, Bümschen da.
Und immer einen Kuli in der Tasche, was?
Du hast recht, ich mach's.
Ehrlich? - Ja.
Ich geh mit Schönherr auf seinen Kahn.
Hätte ich gleich machen sollen.
Dann viel Spaß im Knast, mein Freund!
Hornung! Herzlichen Glückwunsch!
Was?
Heute ist Tag der Republik!
Los, steig ein!
Und? Schönen Abend gehabt?
Ich kann nicht meckern.
Was ist jetzt mit Schmidt? War das sein letztes Wort?
Woher soll ich das wissen? Conny ist für so was nicht gemacht.
Aber du, ja?
Bist du für so was gemacht?
Jetzt mal Klartext, komm! Was hat Schönherr gesagt?
Ich war nicht dabei.
Du warst nicht dabei, Hornung.
Und warum nicht? Weil du ein Schmarotzer bist, ein Handlanger.
Ihr habt es doch gesehen, das Band war im Arsch.
Ich glaube, du willst gar nicht.
So ein Typ wie du, der will doch ein Handlanger sein.
Bisschen am Hafen rumbummeln, immer schön locker tun.
Ab und zu ein paar Touristinnen vögeln, das reicht dir doch.
Dein Kumpel ist aus anderem Holz geschnitzt. Aber du...
Ein Handlanger, mehr nicht. Du kannst gehen.
Raus, hab ich gesagt!
Wird's bald, Hornung!
Könnte ich mich darauf verlassen, dass es klappt?
Eine Empfehlung von uns steht so fest wie die Mauer in Berlin.
Wenn ich was für euch hätte...
Dann kommen Conny und ich auf See, und zwar endgültig.
Ich höre dir zu, Hornung!
Schmidt!
Einsteigen! Komm!
Ich hab keine Zeit.
Doch, du hast Zeit.
Komm!
Hey!
Hey! Hallo, hier spielt die Musik. Weitermachen! Pause ist zu Ende.
Ist gut! Reg dich ab!
Setzen!
Entschuldigen Sie!
Meine Frau hat mich gezwungen, meinen Geburtstag zu feiern.
Die Gästeliste ist immer das Schlimmste.
Seler, mein Name. Wie geht es Ihnen, was macht die Arbeit?
Was soll die Frage?
Ich wäre lieber dran, als darüber zu quatschen.
Natürlich!
Heute Morgen wurde im Getreide- hafen ein Mann verhaftet.
Er hatte vor, Republikflucht zu begehen.
Der Mann war Ihr Brigadier. Ich danke Ihnen für Ihre Mithilfe.
Schönherr hat gekämpft wie ein Bär.
Genutzt hat es ihm natürlich nichts.
Ich weiß, dass Sie seit mehreren Jahren zur See wollen.
Wollen Sie wissen, warum es nicht klappt?
Sie und Hornung sind Waisen.
Sie sind beide ledig, haben keine Kinder.
Ihre Familienverhältnisse gelten der Reederei als unsicher.
Man befürchtet, dass Sie im nächst- besten Westhafen von Bord springen,
und nicht mehr wieder kommen.
Wer würde Sie vermissen?
So einfach ist das manchmal.
Dann wissen Sie Bescheid.
Wir wissen sogar von deiner kleinen Fidschi.
Denken Sie jetzt genau nach, mein Junge!
Ich bringe Sie ohne Umschweife zur Handelsmarine.
Sogar dem Studium Ihrer Freundin muss nichts mehr im Wege stehen.
Sie bekommt unbegrenzten Aufenthalt in unserem schönen Land.
Vorausgesetzt, Sie halten Augen und Ohren für mich offen.
Auch als Matrose.
Wenn ich das nicht tue?
Wenn Sie das nicht tun, werden wir das Mädchen verhaften.
Der vietnamesische Kader erfährt von der kleinen, schmutzigen Beziehung.
Innerhalb von 24 Stunden sitzt sie im Flugzeug zurück in ihre Heimat.
Zudem überprüfen wir Ihre Eignung zur Arbeit am Hafenkai noch mal.
Gut, dann habe ich jetzt nachgedacht.
Wenn Sie glauben, Sie können mir ans Bein pissen,
dann lecken Sie mich gleich noch am Arsch.
Soll ich ihn verhaften?
Verhaften Sie die Vietnamesin!
Hey, du Arsch! Wo warst du?
Du hast Matze verraten!
Die wussten alles, Mann! Alles!
Hast du dir schön ausgedacht! Dachtest, so läuft das oder was?
Spinnst du? Mieses Dreckschwein!
Wir kommen nicht mehr raus, Andi! Nie mehr!
Das soll meine Schuld sein?
Du und deine verdreckte Fidschi! Du hast es versaut, nicht ich!
Eins sag ich dir, Conny!
Du, und deine Scheißgerechtigkeit!
Ich fass es nicht, es ist vorbei...
(Etwas knallt metallisch.)
Andi!!
Hey, hey!
Weg! Weg da!
Andi. Andi!
Andi!
Hab ihn nicht verraten...
Ist gut!
Ich hab niemanden verraten.
Ist gut!
Holt einen Krankenwagen!
Los!
(Ein Telefon klingelt.)
Station fünf!
Warum?
Da kommt sie gerade.
Telefon, für dich!
Entschuldigung! Wie geht's ihm?
Nicht gut, hab ich Ihnen doch gesagt.
Warum?
Gehen Sie nach Hause, Sie können nichts tun.
Was?
(Das Martinshorn heult auf.)
Hast du was von Andi gehört? - Nein.
Da waren Männer im Wohnheim.
Die haben sich nach mir erkundigt. Die wollten in meine Wohnung rein.
Ich hab kein gutes Gefühl.
Phuong Mai!
Steig ins Auto! Steig jetzt ein! - Wer ist das?
Mach keinen Fehler!
Wer war das? Halt an!
Was ist los? - Sei still!
Fahr mich zurück!
Wenn ich zurückfahre, wirst du nach Vietnam zurückgeschickt!
Du wirst verhaftet!
Dann gehe ich halt zurück.
Ich erkläre dir alles später.
Schau ins Handschuhfach! Da muss eine Karte sein, ganz hinten.
Schau bitte nach!
Moment! Sie können hier nicht...
Doch, können wir!
Verpisst euch!
Hornung, Ihr Freund Schmidt ist weg.
Wenn Sie wissen, wohin, sagen Sie's!
Ich weiß es nicht, ich weiß gar nichts.
Wir müssen operieren.
Überlegen Sie jetzt genau, was Sie tun!
Schmidt entführte eine Vietnamesin.
Wir haben die Verantwortung für diese Frau.
Ich weiß nichts.
Auch Sie haben niemanden mehr, der sich um Sie kümmert.
Wir haben auch die Verantwortung für Sie.
Du willst doch bestimmt wieder aufwachen aus deiner Narkose.
Schmidt hat dich im Stich gelassen. Wohin will er mit ihr?
Wohin will er mit ihr?
Hier, Dolni Sandov!
Das ist das letzte Dorf vor der Westgrenze in der Tschechei.
Von da gehen wir nach Hamburg.
Das hätte ich schon lange machen sollen.
Es wird kalt sein. Die werden uns suchen.
Ich hab noch Decken hinten, und paar Arbeitsklamotten.
Jetzt gibt es keinen anderen Weg mehr.
Mit meinem Pass kann ich nicht in die Tschechei.
Ihre Dokumente!
(Sie sprechen tschechisch.)
Hinten!
Licht kaputt! Gute Reise!
Wir müssen weiter.
Wenn alles glatt geht, sind wir morgen da.
Was ist da?
Ein Zaun, aber da kommen wir drüber.
Und ein Stück Wiese.
Dann noch ein Zaun, aber ein kleiner.
Wie gefährlich ist die Wiese?
Ich hab keine Ahnung, vielleicht ist da gar nichts.
Was meinst du, wie es Andi geht? Kommt er durch?
Ich wollte immer auf See.
Jahrelang ging nichts. Ich hatte mich eigentlich damit abgefunden.
Und dann hatte Andi wen kennen- gelernt, und der wusste alles.
Der wusste ganz genau...
...dass mein Brigadier mir vertraut.
Ja, keine Ahnung...
...ob man das einfach so hinter sich lassen kann.
Conny, wir sind jetzt hier.
Wir sind hier.
Hör zu!
Egal, was passiert, wir laufen einfach immer weiter, ja?
Es wird alles schnell gehen, du wirst sehen.
Okay!
Wenn wir in Hamburg sind,...
dann nimmst du einen anderen Namen an.
"Phuong Mai", ich mag meinen Namen.
Gib mir deine Hand!
Wenn wir da sind, finde ich einen schöneren.
Der ist schön genug.
Ich weiß, dass wir's schaffen.
Ja.
(Draußen donnert es.)
Ich gehe zuerst.
Komm!
Alles gut!
Komm!
Bleib unten!
Bleib unten!
Weiter, weiter!
Ah, Conny!
Was ist los?
Ruhig! Geht's?
Weiter!
(Ein Motorengeräusch nähert sich.)
Keine Angst! Hör zu!
Du läufst jetzt hoch,
Nein, wir laufen nach Hamburg, wie du's gesagt hast.
(Sie rufen auf tschechisch.)
Vertrau mir, Mai!
Vertrau mir, wir sehen uns in Hamburg!
Mai, ich schwör's dir!
Nein!
Hey!
(Sie rufen laut auf tschechisch.)
Nein, bleiben Sie!
Sie haben lange geschlafen. Wir haben uns Sorgen gemacht.
Aber die Ärzte meinen, es wird Ihnen bald besser gehen.
Ihre Arbeit im Hafen mussten wir leider aussetzen.
Was nicht heißt, dass wir keine Arbeit mehr für Sie hätten.
Conny...
Wo ist Conny?
Schmidt wurde gefasst. Genau da, wo Sie gesagt haben.
Sie haben alles richtig gemacht.
Na, Hornung? Siehst ja wieder ganz rosig aus!
Major Roman, Hans!
...im Glück, was? Abteilung Feindkontakt.
Das ist das Vorzeige-Objekt des Oberst.
Der wichtigste Teil unserer Aufklärungsarbeit.
Roman kommt hier nach Bedarf vorbei und macht seine Arbeit.
Er bringt dir Lebensmittel rum, und nimmt deine Schmutzwäsche mit.
Gregoris!
Schneller! Marsch, los!
Los und einreihen!
Bewegung!
Schneller!
Man nennt mich in diesem Gebäude "Roter Terror".
Ich halte das für übertrieben.
Aber ihr werdet merken, dass hier alles seinen Grund hat.
Mein Name ist Obermeister Fromm. Für mich ist es kein Unterschied,
ob ihr Mörder seid oder Frauenschänder,
oder Politische oder wie ihr euch auch nennt.
Für mich seid ihr alle Abschaum, und so werde ich euch behandeln.
Wenn ihr die Regeln befolgt, sitzt ihr eure Haftstrafe ab,
und die Welt dreht sich weiter.
Wer aber glaubt, sich mir widersetzen zu müssen, dem gnade Gott.
Noch Fragen?
Hier, ich bin ein Politischer!
Wo kann ich meinen Ausreiseantrag abgeben?
(Alle lachen.)
(Er schreit auf.)
Hat hier noch irgendwer einen Antrag abzugeben?
Guck mal, der ist neu!
Ach, was!
Schönherr!
Wege freihalten, Mann!
Hier wird Reine gemacht, Neuer! Und nicht versaut.
Komm! Mach einen Spaziergang mit uns.
Keine Zeit!
Die Zeit nimmst du dir.
So sieht man sich wieder!
Darf ich vorstellen? Alles 2-13er.
Wollten rüber.
Irgendwer hat es ihnen versaut. Jetzt erzähl, warum du hier bist!
Auch 2-13er.
Guck an! Hab ich dich inspiriert damals?
Ja, der Hafen war nicht mehr wie vorher, als du weg bist.
Wo bist du rüber?
Tschechei, Dolni Sandov. - Gute Stelle!
Wie man's nimmt!
Du und Hornung, oder was?
Der hatte einen Unfall.
Haftzeit? - 4 Jahre, 6 Monate.
Ich wollte mit einem Mädchen rüber, Vietnamesin.
Der ist sauber, Matze!
Einen Strauß Nelken wolltest du vorbeibringen, ja?
Dein Kumpel Hornung ist damals immer um mich herumgeschlichen.
Dass du hier bist, halte ich nicht für einen Zufall.
Matze!
Die Gummiohren schicken ihr Gesocks. Hast du mich verpfiffen?
(Er röchelt.)
Wenn das nicht stimmt, mach ich dich glatt.
Matze!
(Er hustet.)
Der ist ein bisschen fertig in letzter Zeit.
Hat seine Frau lange nicht mehr gesehen.
Ralf!
Cornelis! Conny!
Zelle 22, vollständig angetreten.
SG Jaehnert! SG Lehmann! Raustreten!
Raustreten!
Rest Einschluss!
Alles Gute, Lehmann!
Kannst mal ein Westpaket schicken!
Rechts rum! Abmarsch!
Leute, hört her! Ihr habt es alle selber gesehen.
Wieder haben es zwei geschafft.
Was hab ich immer gesagt, es lohnt sich immer noch.
Obwohl wir lange dachten, hier ist Schicht im Schacht.
Mann! Jaehnert und Lehmann, die haben es geschafft!
Weil sie immer daran geglaubt haben.
Meine Rede!
Und wir wollen das auch! Die ganze Zelle will es.
(Alle stimmen zu.)
Hier drinnen hat jeder die gleiche Chance.
Auch du!
Na ja, fast jeder.
Reingeschmuggelt?
Nicht schlecht, Herr Specht!
Musst aber gut darauf aufpassen, wenn es RT findet, bist du's los.
Wer ein Problem hat, kann zu mir kommen.
Unser Agitator!
Ralfi...
Greif unter das Kissen!
Lötzinn!
Fragst dich, was das wird, oder?
Ein astreiner Tauchsieder wird das.
Schwarzer Tee ist das Einzige, was die Meute hier ruhig stellt.
Ralfi, äh...
Ich muss wissen, wo mein Mädchen ist. Gibt's da eine Möglichkeit?
Sicher, sie hat's geschafft?
Ist eine gute Stelle, wo ihr rüber seid. Mach dir keinen Kopf!
Es könnte sein, dass sie jetzt in Hamburg ist...
Hamburg!
Kann man irgendwie Kontakt herstellen? - Nein.
Zelle 22, schwierig gerade, Besuchs- und Schreibverbot.
Hab gesagt, du sollst die Fresse halten!
Bis auf Weiteres.
Au! Mann!
In zehn Minuten gibt's Tee. Da ist Saft drauf.
War echt schön mit dir.
Das hab ich mal wieder gebraucht.
Hör mal!
Ich liebe dich.
Wirklich!
Ich weiß nicht, wie ich ohne dich leben soll.
Und ich will auch nicht drängen.
Aber die drängen, die wollen Ergebnisse sehen.
Unterschreibe einfach!
Ohne Unterschrift können wir uns nicht mehr sehen.
Ich weiß nicht, wie ich das machen soll.
Dein Mann muss ja nichts erfahren.
Dein Mann muss nichts erfahren, das verspreche ich dir.
Musst nur zugucken und zuhören, was dein Mann da so treibt...
Ich hab was vergessen. Bin gleich wieder da!
Haben sie dir ins Hirn geschissen? Viertelstunde ist die Abmachung!
Eine Viertelstunde sind 15 Minuten, keine 5 Minuten!
Was ist, wenn die noch mal zurückkommt? Mann!
Ich dachte, ihr wart weg.
Du sollst nicht denken!
Ich fahr die jetzt nach Wismar, und dann ist Feierabend.
Und?
Hast du zugeguckt?
War klasse, was?
Das Pferdchen ist zugeritten. Jetzt bringen wir's nach Troja.
Geht nichts über eine undichte Stelle in der Opposition.
Die Gruppierung ist so gut wie zersetzt.
Roman!
Können wir vielleicht mal zusammen was Trinken gehen?
Was?
Irgendwo raus.
Macht dich ziemlich fertig hier, was?
Ja, ein bisschen...
Das wird schon, Kopf hoch!
Übrigens, hier!
Das ist vom Oberst, für dich. Sollst was damit anfangen können.
Ich hab seit 6 Monaten mit keinem Menschen mehr richtig gesprochen.
Hör mal zu! Du hast ein Haus.
Du hast eine Bar, einen Farb- fernseher mit Fernbedienung.
Was willst du denn mehr? Genieße das doch!
Vielleicht stehst du irgendwann wieder auf eigenen Beinen,
und dann kannst du die Mädels selber flachlegen.
Das ist das Dümmste, was ich je gehört hab.
Wir halten das wie immer. Mein Privatleben geht dich nichts an.
Mich interessiert nicht, was du machst, ja?
Und jetzt räume endlich hier auf! In einer Woche bin ich wieder da.
Mai Phuong...
Hamburg...
(Mais Stimme liest vor:)
"Lieber Andreas! Mehr als ein Jahr ist vergangen,
und ich habe keine Nachricht, kein Lebenszeichen von Conny.
Sicher hast du erfahren, was passiert ist.
Wenn du weißt, wo er jetzt ist, antworte mir schnell!
Es ist etwas passiert, was er unbedingt wissen muss.
Bitte gib ihm meinen Brief, es ist dringend.
Mai."
"Liebster! Zeit ist vergangen, schrecklich viel Zeit.
Ich habe es tatsächlich geschafft, und lebe in Hamburg.
Es vergeht keine Sekunde, in der ich nicht an dich denke.
Eine Frau aus Südvietnam hat mir geholfen.
Sie hat ein kleines Restaurant, und lässt mich bei sich arbeiten.
Aber du fehlst, du fehlst sehr. Denn es ist etwas passiert.
Sein Name ist Hung Xuan, und er ist jetzt 6 Monate alt.
Wir haben ein Kind. Er sieht aus wie du.
Findest du nicht?"
Wieso wolltest du rüber?
Auch wegen einem Mädchen, aus Dänemark.
Die hab ich an der Ostsee kennengelernt.
Wär' der fast nachgeschwommen.
Die hatte so blonde Haare.
Und so Haut, die so riecht wie...
...wie wenn du den ganzen Tag in der Sonne liegst.
Mit Sommersprossen und so? - Ja.
Na ja, irgendwann komm ich hier raus.
Wie Jaehnert und Lehmann?
Westen kauft Politische frei, da warten hier alle drauf.
Kannst dich aber nicht darauf verlassen.
Was muss man da machen?
Ausreiseantrag schreiben, Anwalt kontaktieren.
Selbst wenn du den rauskriegst, du brauchst auf der anderen Seite
einen Anwalt, der dich raufbringt auf die Scheißliste.
Jaehnert und Lehmann, die haben zwei Jahre gewartet.
Das ist ja ewig her.
Ein Jahr U-Haft, und du kommst nicht mehr los von dem Zeug.
Ein Jahr U-Haft oder ein Jahr Politunterricht, Teucher?
(Das Telefon klingelt.)
Hans, hier!
Andreas, wie geht es Ihnen?
Was macht die IM-Anwerbung in meinem Lieblingsobjekt?
Geht gut, würde ich sagen. Gibt viel Einsamkeit in der Republik.
Genau da muss man ansetzen, das haben Sie gut erkannt.
Herr Oberst, kann ich Sie mal was Persönliches fragen?
Aber natürlich, immer. Bitte!
Ich glaube, ich bin für diese Arbeit hier nicht gemacht...
Haben Sie diese Briefe gelesen?
Ja.
Solche Leute wie Schmidt, die unsere Geheimnisse mit sich herumtragen,
die darf man doch nicht einfach laufen lassen.
Nein, natürlich nicht.
Wenn seine Vietnamesin da drüben einen Freikaufsanwalt einschaltet,
dann muss sie hier nur noch einen Ausreiseantrag stellen.
Dann es ist nur eine Frage der Zeit, und er ist im Westen.
Im Westen?
Das ist die Welt, in der wir leben, ch hab da keinen Einfluss drauf.
Wenn der sich im Knast nichts zu Schulden kommen lässt, ist er weg.
Es sei denn...
Es sei denn, was?
Was wäre, wenn er nicht mehr rüber will? Weil sie gar nicht da ist.
Es gibt doch nur einen Grund, warum sie in Hamburg ist.
Sie wartet auf ihn. Was, wenn sie wüsste, dass er nicht mehr kommt?
Wie meinen Sie das?
Ich schreibe ihr. Sie wird freiwillig gehen, Herr Oberst.
Und für ihn wird es keinen Westen mehr geben.
Verlassen Sie sich drauf! Er kommt in den Osten zurück und Schluss.
Ich sorge dafür, dass Ihre Briefe durchgehen. Sie haben freie Hand.
SG Schmidt! Besuch!
Besuch?
Sonderbesuch. Mitkommen!
Besuchszeit 20 Minuten!
Andi!
Totgesagte leben länger, was?
Dich schickt der Himmel.
Gibt eine Menge Zeug, das ich dir nicht sagen konnte, Andi.
Und ich weiß, du hast mir das übel genommen.
Du hast gedacht, ich hab dir nicht vertraut.
Ja.
Die Dinge, die passiert sind...
Die sind passiert.
Aber eins weiß ich.
Du bist der Einzige, den ich da draußen noch habe.
Mein einziger Freund.
Und du bist es immer gewesen.
Ja, das ist...
Ich hab mir immer gewünscht, dass du das so siehst.
Schönherr sitzt auch hier.
Wenn der rauskriegt, warum, der wird nicht lange fackeln.
Dabei ist er wahrscheinlich meine einzige Hoffnung.
Was macht er?
Er hält wie immer alles zusammen. Hilft Politischen, die raus wollen.
Was kann ich für dich tun?
Ich muss mein Mädchen wiedersehen.
Ich hab's ihr versprochen.
Und du bist der Einzige, der mir dabei helfen kann.
Ich hab einen Ausreiseantrag geschrieben.
Den musst du für mich rausbringen, an mehrere Stellen schicken.
Dann musst du rausfinden, wo sie ist.
Es gibt da etwas, was du wissen solltest.
Sie hat sich an mich gewandt. Wir wussten nicht, wo du bist.
Es hat lange gedauert, dich zu finden.
(Mais Stimme liest vor:)
"Liebster! Zeit ist vergangen, schrecklich viel Zeit.
Es ist mir nicht gut ergangen in Hamburg.
Keine Sekunde, in der ich nicht an dich dachte.
Eine Frau aus Südvietnam hat mir geholfen.
Sie ließ mich in ihrem Restaurant arbeiten.
Aber es ist etwas passiert. Ich wollte auf dich warten.
Aber eines Tages kamen Männer, ich hatte keinen Pass, keine Erlaubnis.
Cornelis, ich gehe nach Vietnam zurück.
Ich hoffe, Andreas findet dich und gibt dir meinen Brief.
Ich habe es nicht geschafft.
Cornelis, vergiss mich nie!
Leb wohl! Phuong Mai."
Das ist alles meine Schuld.
Conny, es tut mir leid!
So, fertig, wenn's geht!
Conny!
Ich besuche dich.
"Bericht vom 23.10.1986.
Zielperson: Strafgefangener Schmidt, Cornelis.
Ehemaliger Hafenarbeiter Überseehafen.
Schmidt äußerte nur einen Wunsch: Ausreise in den Westen.
Dazu will er Hilfe von Schönherr, Matthias annehmen.
Vermutlich stellen sie Kontakt ins nichtsozialistische Ausland her,
um ihren Freikauf in den Westen zu beschleunigen.
Deshalb Empfehlung für Schmidt: Kontaktversuche unterbinden,
und nach verbüßter Haftzeit, Entlassung in die DDR.
Gegen den Agitator Schönherr werden gezielte Maßnahmen empfohlen.
Etwa ein zersetzender Eingriff in sein Familienleben."
Frau Schönherr? Keine Angst!
(Das Baby weint laut.)
Wir müssen uns nur mal kurz unterhalten.
(Alle rufen:) Ja!
Tor! 4:0!
Na, Schmidt?
Lässt sich Papas Messdiener zur Audienz herab?
Ich dachte, wer ein Problem hat, kommt zu dir.
Beichten kannst du bei Ralfi.
Meine Antennen funken mir, du hast Besuch gehabt.
Ja, Andi.
Hornung?
Ja, er war vor einer Weile hier.
Jetzt hat du wen, der dir hilft. Herzlichen Glückwunsch!
Hat leider nicht viel gebracht.
Ich werd sie nicht mehr sehen.
Ich brauch überhaupt nicht mehr rüber.
Burkhardt, was machst du, wenn sie dich in den Osten zurückschicken?
Zonenstich? Dann geh ich in mein altes Zimmer und dreh mir 'n Strick.
(Alle lachen.)
Schmidt, sag so was nie wieder! So was darfst du nicht mal denken.
Wenn dir eins nicht passieren darf, dann Zonenstich.
Wie willst du dann die Zeit hier durchhalten?
Hier!
Meinst du, ich weiß, wie es Sabine geht? Was sie macht?
Was sie treibt?
Keine Ahnung, wie es ihr geht. Aber eins weiß ich!
Sie wartet darauf, dass ich sie rüber hole.
Meine Kleine, die Knopfaugen...
Ihre Augen!
Ich weiß nicht mal, ob sie Papa sagen kann. Ob sie läuft.
Ich will dabei sein.
Jeder hier drin...
Jeder hier drin hat ein Ziel.
Aber hier drin darfst du nie vergessen, warum du rüber wolltest.
Niemals!
(Eine Frau lacht und kreischt.)
(Andi liest in Gedanken vor:)
"1. März 1987.
Liebste! Endlich, endlich ist es geschehen.
Andreas hat mich gefunden und mir von deinen Briefen erzählt.
Ich bin tatsächlich im Gefängnis,
doch den Umständen entsprechend geht es mir gut.
Vor allem seit ich weiß, dass es dir gut geht.
Dir und unserem Glück, Hung Xuan.
Hier drin kriechen die Tage dahin.
Einer länger und grauer als der andere.
Ich bin der einsamste Mann der Republik.
Was ich brauche ist ein Ort, an den ich meine Briefe adressieren kann.
Einen Ort, an den ich meine Gedanken schicke,
mein Leben und meine Hoffnung. Plötzlich wird alles anders.
Plötzlich wird alles hell und lebendig um mich herum.
Ich bitte dich nur um eins.
Unternimm auf keinen Fall etwas aus Hamburg. Warte auf mich!
Andreas wird alles für uns regeln.
Auch in ihn setze ich meine Hoffnung, dich bald zu sehen.
Vertrau mir! Ich liebe dich. Conny."
(Ernst Thälmann spricht im Fernsehen:)
"Die herrschende Klasse kann und die Arbeiterklasse
will nicht mehr in der alten Weise leben."
Vier für jeden!
"Die deutsche Arbeiter- klasse ist entschlossen ..."
Sonderpost für Schönherr. Durchreichen, los!
Kannst du dich noch an Sabines Augenfarbe erinnern?
Ich denk die ganze Zeit drüber nach. Was ist das?
Keine Ahnung! Sonderpost.
Von RT?
Was grinst der so blöd? - Was weiß ich!
Jetzt kommt gleich meine Lieblingsstelle.
"Die herrschende Klasse tritt nie freiwillig ab.
Man muss sie stürzen!"
(Alle jubeln.)
Was ist hier los? Hinsetzen!
Hinsetzen!
Ihr Schweine!
Immer da, wo es wehtut. Den Nerv finden sie bei jedem.
Das kann sie nicht machen! - Seine Frau lässt sich scheiden.
Ein kleines Haus, hat sie immer gesagt.
Wo die Kleine aufwachsen kann.
Bleib ruhig, Mann! Wahrscheinlich kann sie gar nix dafür.
Ich kann's nicht mehr hören. Halt's Maul!
Du bist doch selber schuld!
Hättest du die Füße still gehalten, dann gäb's kein Besuchsverbot.
Halt die Fresse!
Dann könntest du es deiner Ollen jetzt ausreden.
Bleib ruhig! - Ist gut!
Alles in Ordnung!
Matze, komm! - Alles gut!
Steh auf, Teucher!
Steh auf!
Das kannst du mit ins Protokoll aufnehmen.
(Etwas klirrt.)
Hört auf!
Matze!
(Alle schreien durcheinander.)
Matze! Verdammt noch mal!
Hör auf! Das bringt nichts.
Ralfi, hol deine Mappe raus! Wie viele Politische sind hier, 200?
Wie viele sind im ganzen Land? 2000? - 3000!
3000 politische Häftlinge! Es gibt Rechte, die sind fest geschrieben.
Menschenrechte, Amnestien, was weiß ich!
Da hält sich keiner dran. - Ja, hier nicht. Aber drüben.
Da gibt's Organisationen,
die müssen was machen für 3000 politische Häftlinge.
Was willst du machen?
Willst du zu RT gehen, und auf freie Meinungsäußerung pochen?
(Alle lachen.)
Das Wichtigste ist, dass du deine Frau wiedersiehst, oder nicht?
Ich bin zwar nicht der Hellste, aber wenn es irgendwas gäbe,
ich hätt's gemacht, schon längst gemacht, glaub mir!
(Laute Musik erklingt.)
Hans!
(Er klatscht laut.)
So war das nicht gemeint, dass das hier deine Privatgemächer werden.
Ich dachte, du wärst auf Dienstreise.
Hab dir was zu Essen gebracht.
Und? Wie läuft's denn mit deinem eigenen Fall?
Konspiration! Schon vergessen? Bist schlimmer als der Oberst.
(Das Telefon klingelt.)
Roman!
Ach! Na, klar!
Für dich!
Hans, hier! Herr Oberst!
Gute Nachrichten, Hornung. Ihre Berichte sind ausgezeichnet.
Hier ist eine ganze Abteilung daran interessiert.
Richtige Studienobjekte haben sie da.
Die kommen nie in den Westen.
Ja? Das ist ja...
Toll, wie Sie den in der Hand haben.
Aber manchmal denke ich, Sie verheimlichen mir doch was.
Sie haben doch noch einen Hintergedanken.
Nein, ich handle ganz im Sinne des Klassenauftrags,
und der von Ihnen erteilten Aufgabe, Herr Oberst!
Reden Sie keinen Blödsinn! Ich weiß genau, was Sie denken.
Sie wollen Karriere machen, Sie wollen Hauptamtlicher werden.
Na, ja...
Auf Wiedersehen, mein Junge!
Hauptamtlicher, Roman!
Hauptamtlicher!
Jetzt kannst du in Zukunft deine
Wir hätten noch das Modell Advokat, aus unsrer Exportserie HO-Exquisit.
Findet in der BRD großen Absatz.
Haben Sie auch eine Krawatte zu dem hier?
Gerade neu reingekommen.
Darf ich Ihnen die anlegen?
Ich bitte darum.
Schnüren Sie nicht zu fest zu, es wird ein heißer Sommer.
Darf ich Sie mal was Persönliches fragen?
Es kommt darauf an.
Finden Sie es besser ohne Bart? - Ehrlich gesagt, ja.
(Mais Stimme liest vor:)
"Mein Liebster, endlich hab ich wieder Nachricht von dir.
Jeden Tag lese ich deine Zeilen und kann sie schon auswendig.
Ich glaube, Hung Xuan versteht.
Er lächelt, wenn ich ihm vorlese.
Er muss denken, seine Mutter ist verrückt.
Wenn er nur deinen Namen sprechen würde!
Zum Glück haben wir Andreas.
Menschen wie ihn gibt's nicht oft."
Letzte Woche war ihre Freundin zu Besuch.
Sie holt den Pralinenkasten aus der Schrankwand. 1, 2, 3, Kasten leer!
Auf einmal schreit sie mich an, weil keine Kirschen drin waren.
Da sag ich, bei dem Cognac, den ihr euch reinzieht,
da merkt ihr doch sowieso keine Kirschen mehr.
(Sie lachen.)
Nein, da weißt du nicht, was du sagen sollst...
Die Frau macht mich krank.
Was soll ich ihr noch geben, damit die zufrieden ist?
Schenk ihr eine Westuhr, aus dem Intershop.
Teucher, übernimmst du mal?
Conny, bleib hier!
Was macht er da?
Junge Frauen machen auf Dauer nicht glücklich, das sag ich dir...
Obermeister Fromm!
Zurück an die Arbeit!
Leidet Ihre Frau an Übergewicht?
Was war das?
Ich meine, isst sie zu viel Westschokolade?
Ach so, du willst einen Arbeitsunfall.
Wenn sie nicht zu dick ist, sollten Sie ihr Westgeschenke machen.
Geschenke, die wir Ihnen besorgen können.
Was glotzt ihr so?
An die Arbeit!
Weitermachen!
Drück dich klar aus, sonst reißt du deine Fresse nie wieder auf.
Wir können Hilfsorganisationen von drüben kontaktieren.
Die können uns Westpakete schicken, und das Zeug können Sie haben.
(Er ringt nach Luft.)
Willst du damit sagen, dass ich bestechlich bin? Du Dreckschwein!
Ich will sagen, dass wir Ihnen pro Monat und Häftling Waren geben,
die Sie sonst nirgends kriegen.
Wir sind 16 Mann. Wir würden uns freuen, Ihnen das Zeug zu schenken.
Alles worum ich bitte, ist,
dass die Häftlinge von Zelle 22 ihre Angehörigen sehen dürfen.
Bohnenkaffee, Schokolade, Seife, was weiß ich! Parfum.
Hör mir auf! - Ein Westpaket, für jeden eins.
Diese Organisation von drüben schickt es hierher,
die Angehörigen bringen's rein.
Was du tun musst, ist rüber- schreiben und das Zeug bringen.
Im Gegenzug können die alle ihre Familien wiedersehen.
Vor allem Schönherr.
Ich weiß nicht...
Was ist, wenn Schönherr rauskriegt, dass ich dir helfe?
Was wär' dabei?
Also, unauffällig ist was anderes.
Du kennst doch Schönherr.
Er ist heute dein Freund, morgen sieht er seine Familie.
Wer weiß, was dann übermorgen ist.
Tu mir den Gefallen, und lass uns das ruhig angehen!
Sag mal, wegen dem Brief von Mai damals...
Kann das sein, dass der vielleicht gefälscht war?
Vielleicht will mir die Firma immer noch eins auswischen?
Du siehst Gespenster!
Du bist denen doch viel zu klein für so was.
Wie heißt diese Organisation, der ich schreiben soll?
"Schützende Hände."
Wie schreibt man "Sozialismus"?
Am besten, gar nicht.
Das sagt grad der Ralfi. Danke, Schmidt!
Was ist los, Teucher? Schreibst du nicht?
Wem denn?
Hast deine Hausaufgaben gemacht, was? Wenn das klappt...
Ja.
(Die Tür wird geöffnet.)
Achtung!
Fertig werden, Schlitzohren!
"Abteilung Innere Angelegenheiten?"
Ausreiseantrag?
Hoffnung stirbt zuletzt, Schmidt.
Müssen dich ganz schön bearbeitet haben damals, was?
Du siehst auch nicht unbedingt besser aus.
War auch ein enger, als ich dachte, in den Schotten.
Achtung!
Ihr wisst, was Sache ist!
Keine Informationen über die Zustände, Hygiene, Fressen, Arbeit!
Kein Geflüster, kein Gefummel unterm Tisch!
Verstanden?
(Alle:) Jawohl, Herr Obermeister Fromm!
Sonst wird das euer Waterloo!
Ihr habt eine halbe Stunde. Wegtreten lassen!
Rührt euch! Wegtreten!
Bine!
Guck mal! Onkel Conny!
Tobi!
Sabine hat die Scheidung zurückgezogen.
Die können uns jetzt gar nichts mehr.
Der Alte ist heißgelaufen. Das gibt's jetzt einmal im Monat.
Ralfi, du alte Sau, jetzt komm mal her!
(Er singt:) "What shall we do with the drunken sailor?"
(Alle stimmen ein:) "What shall we do with the drunken sailor?
What shall we do with the drunken sailor? Early in the morning.
What shall we do with the drunken sailor?
Nein!
What shall we do with the drunken sailor? Early in the morning.
Hey ya, hey ya!"
Wisst ihr was, Jungs?
Männer, der hier, der hat Mumm in den Knochen!
Und das Herz am richtigen Fleck! Auf den kann man sich verlassen.
Los! Damenwahl!
(Sie singen weiter:)
"What shall we do with the drunken sailor?"
"12. November 1987.
Operativer Vorgang Strafvollzug Cottbus.
Bericht über die Aufdeckung
korrupter Handlungen in der Strafvollzugsanstalt.
Es ist davon auszugehen, dass die Aktion nur eines zum Ziel hat:
Die friedlichen Bestrebungen unseres Landes zu unterwandern,
und die Ausreise in den Westen zu forcieren.
Deshalb dringende Empfehlung:
Die oppositionelle Verbindung um Schönherr muss aufgelöst werden,
damit Schmidts Entlassung in die DDR nichts mehr im Wege steht."
Genosse Obermeister!
Meine Herren!
Sabine hat mir was Komisches erzählt.
Meinte, ich bin immer zu gutgläubig. Glaubt ihr das auch?
Ich glaube, wer Gutes glaubt, wird Gutes ernten.
Was glaubst du denn?
Ich glaub, wenn ich nicht jedem gesagt hätte, was ich vorhab,
dann würd' ich jetzt nicht hier sitzen.
Sondern mit der Milka-Kuh auf der Schneekoppe sitzen.
Die ist in der Tschechoslowakei, Matze.
Jedenfalls haben wir uns was gefragt, Schmidt.
Wir wollen wissen, wieso machst du das hier eigentlich für uns?
Hältst deinen Arsch hin?
Gehst das Risiko ein, dass ihn dir einer verdrischt?
Und hast selber gar nichts von.
Na, vielleicht doch.
Vielleicht...
Vielleicht komm ich so irgendwann an.
Klingt komisch, aber...
Wenn das mit dir und Sabine wieder wird,
dann hab ich irgendwie auch eine Chance.
Dann komm ich vielleicht rüber.
Und vielleicht sogar nach Vietnam.
Ich weiß jetzt, wer mich damals verpfiffen hat.
Die Sache war von vornherein eingefädelt.
Der Bremer Bootsmann muss es gewesen sein.
Schach!
Habt ihr das... Du bist so eine hinterlistige Ratte!
Habt ihr das gesehen?
Ja, Bremer Bootsmann. Ich hab's ja immer gesagt.
Sabine will nächstes Mal die Kleine mitbringen.
Die kann bestimmt schon Papa sagen.
War letztens bei Oma gewesen.
War krank...
Erste Reihe zu mir!
Hände vorzeigen!
Hände vor!
Was soll das?
Es gab Beschwerden wegen dreckiger Wäsche. Weiter!
Stehenbleiben, umdrehen!
(Er schreit auf.)
Oh, ganz schön rutschig hier!
Was haben wir hier? Was ist das denn?
Nicht die Fotos.
Ein Freundschaftsfoto. Ist nicht schlecht, die Alte.
Ich weiß was, was du nicht weißt.
Wenn man eine Scheidung zurückziehen will,
dann muss man sich ab und zu ein bisschen ficken lassen.
Ist menschlich, würdest du doch auch tun, oder?
Matze, bleib ruhig!
Das wollen die doch!
Ihr Schweine!
Komm her, Schmidt!
Komm her!
Du sollst dich wehren!
Der ist fertig, Genosse Obermeister!
Dein Kumpel, der geht ins Loch. 6 Monate!
Abführen!
(Sie spricht vietnamesisch.)
Wer sind Sie?
Mein Name ist Wolfram.
Ich bin von der Menschenrechts- organisation "Schützende Hände".
Ich komme in der Sache Cornelis Schmidt.
Zelle 22 bis auf SG Schönherr vollständig angetreten.
SG Schmidt, raustreten!
Dein Antrag!
Raustreten!
Mitkommen!
Viel Glück, Schmidt!
Schick eine Karte von drüben!
Rechts um!
Gibt Nachricht von ganz oben.
Dein Ausreiseantrag...
...wurde abgelehnt.
Gilt übrigens nicht nur für dich.
Die ganze Zelle geht zurück in den Osten.
"Lieber Gott, die Systemgegner aus der Zelle 22 fordern,
dass sie bald in den Westen kommen.
Wenn Du willst,
dass hier überhaupt noch jemand an Dich glaubt,
dann schick besser ein Zeichen."
Hier kommt euer Weihnachtsbaum. Ein bisschen ramponiert...
Viel Spaß beim Schmücken!
Was machst du noch hier?
Was hat er? Lass ihn!
Lass ihn!
(Sie singen:)
"Stille Nacht,
heilige Nacht,
alles schläft,
einsam wacht ..."
(Mais Gedankenstimme liest vor:)
"Bald wird wieder Frühling, mein Liebster,
und die Zeit nicht kürzer.
Ich verstehe nicht, warum Andreas für uns keine Fortschritte macht.
Es sah doch alles so gut aus.
Glaubst du, wir können ihm vertrauen?
Hung Xuan braucht endlich seinen Vater.
Er grüßt dich sehr.
Hast du meinen letzten Brief nicht bekommen?"
(Jemand klingelt.)
Andreas?
Wolfram, mein Name.
"Schützende Hände", von der Menschenrechtsorganisation.
Sie hatten vor langer Zeit Kontakt zu uns aufgenommen.
Wissen Sie, was Sie hier gerade machen, Sie Vogel!
Wir haben erfahren, Herr Schmidt hat einen Ausreiseantrag gestellt.
Wir müssen davon ausgehen, dass er zurückgehalten wird.
Sie müssen uns den Kontakt Ihres Freikaufsanwalts nennen.
Sie haben einen, oder?
Mai, können wir uns ganz kurz sprechen? Alleine?
Wir haben nur für zwei Tage ein Transit-Visum.
In der Zeit können wir uns um alles kümmern.
Um was kümmern? Ich versteh kein Wort.
Zu diesem Anwalt gehen. Wenn er mich sieht, wird er uns helfen.
War das seine Idee?
Er hat gesagt, du bist derjenige, der uns am meisten helfen kann.
Conny schreibt auf einmal nicht mehr.
Warum nicht?
Mai, was ihr hier macht, das ist extrem gefährlich.
Ich meine, nicht nur für mich, sondern auch für Conny.
Es ist gefährlich, ja. - Es gab Probleme.
Ich bin hierher gekommen, ohne mein Kind, Andreas!
Die sperren mich ein, schicken mich nach Vietnam zurück.
Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wir müssen Conny rausholen.
Es gibt manchmal so Momente...
...da muss alles raus.
Alles, was man nicht sagen darf.
All die verfluchten Geheimnisse, all die Jahre.
Dann kommst du hierher, man sieht sich.
Im Grunde genommen bin ich froh, dass du hier bist.
Was ich dir jetzt sage, das bleibt unter uns!
Ich arbeite für die.
Zumindest glauben die das.
In Wahrheit führe ich die an der Nase rum, die ganze Zeit schon.
Ich versuche Conny zu schützen, und euch beide zusammenzubringen.
Die Sache ist komplizierter, als dein Samariter da draußen glaubt.
Hör zu! Conny steht auf der Abschussliste, seit damals.
Wenn ihr jetzt zu diesem Anwalt geht, dann war's das.
Dann siehst du Conny nie wieder.
Was mit mir passiert, davon fange ich gar nicht erst an.
Mai!
Du und ich.
Das ist jetzt unser Geheimnis.
Halt noch eine Weile aus. Sei stark!
Du bist viel stärker, als du denkst.
Du hast das die ganze Zeit geschafft. Hey!
Noch eine kleine Weile, es wird alles gut.
Ich versprech's dir!
Was wären wir beide denn ohne ihn?
Und? Hat sie es Ihnen erzählt?
Ja, ohne Punkt und Komma. Und jetzt raus mit Ihnen!
Den Rest erzählt sie Ihnen auf der Fahrt.
Okay!
Um die Freiheit meines Freundes kümmere ich mich.
Ich kann nur für Sie hoffen, dass hier kein Mikrofon versteckt ist.
Hans! - Roman!
"Hans"?
Roman!
Ich wollte dich besuchen kommen, Freunde haben mich abgesetzt.
Hallo! Ich bin Hans. Der Bruder von Roman.
Roman?
Ich dachte, du heißt Wigbert?
Ist sein Zweitname.
Ich kann nicht mehr, Ralfi.
Ich halt's nicht mehr aus.
Matzes 6 Monate sind rum, schon längst.
Conny, bleib ruhig!
Noch fünf, und dann bin ich dran.
Dann komm ich in den Osten zurück.
Mehr als Ausreiseantrag ist nicht.
Mir fällt bestimmt was ein, ja?
SG Hellermann, austreten!
Ich...
Conny, sobald ich drüben bin, kümmere ich mich.
Ich nehm einen Anwalt, dann hol ich dich hier raus.
Abflug!
Was ist mit Matze? - Vergiss ihn!
Denk jetzt nur noch an dich!
Mach's gut, Papa!
Rechts rum! Marsch!
Sie müssen ihn rauslassen. Er ist bald ein halbes Jahr da unten.
Er verliert seine Familie.
Er hat einen kleinen Sohn.
Lassen Sie ihn raus, bitte.
"Alles still!
Nichts hör ich klopfen als mein Herze durch die Nacht."
Fontane. Denk mal drüber nach!
Schönherr hatte mit der Sache nie was zu tun, das war meine Idee.
Niemand wird jemals was erfahren wegen der Westpakete.
Darauf können Sie sich verlassen.
Sie haben uns doch damit auch einen Gefallen getan.
(Er schreit auf.)
Aufrichten!
Nie wieder wagst du es, mich zu erpressen, du Stück Scheiße!
Du kannst deinem Kumpel Gesellschaft leisten.
Für den Rest deiner Haftzeit.
Abführen!
Ich kann mich noch an die Geburt meines Sohnes erinnern.
Als wär's gestern gewesen.
So viel Blut.
So fängt das Leben an, hab ich gedacht.
Als ich ihn auf dem Arm hatte, hab ich geheult wie ein Waschweib.
Vor Glück.
Warum sind wir eigentlich gerade hier geboren?
Kannst du mir das sagen?
Weißt du das?
Bist du ein Spitzel, Schmidt?
Ich bin dein Freund.
Aber ich war mal ein Spitzel, für eine Nacht.
Ich werde immer einer bleiben.
Du bist kein Spitzel.
Doch!
Ich kann's nicht wiedergutmachen.
Nein, du verstehst nichts, du verstehst absolut gar nichts.
Wer kam hier rein?
Wer hat dir diesen Brief gebracht?
Warum sitzen wir beide jetzt hier unten? Warum?
Frag dich, warum!
Wohin geht's denn?
Konspiration!
Klar, was sonst?
Na, Hornung? - Roman!
Wie geht's dir?
Schlechten Menschen geht's immer gut, weißt du doch!
Man erwartet dich schon.
Mögen Sie Tiere?
Ich bewundere die Bienen.
Sie leben zu Tausenden in ihrem Volk,
und alle dienen der einen höheren Sache.
Das hatten wir hier auch mal vor.
Aber ohne Königin, schließlich leben wir im Sozialismus.
Wir essen eine Kleinigkeit, während wir uns unterhalten.
Was haben wir denn hier? Rehrücken. Tu mal auf, Roman!
Ja, schalt ruhig an!
Sehr gerne!
(Andis Stimme spricht vom Tonband.)
"Was ich dir jetzt sage, das bleibt unter uns.
Ich arbeite für die.
Zumindest glauben die das.
In Wahrheit führe ich die an der Nase rum, die ganze Zeit schon.
Ich versuche, Conny zu schützen, und euch beide zusammenzubringen.
Die Sache ist komplizierter, als dein Samariter da draußen glaubt.
Hör zu! Conny steht auf der Abschussliste, seit damals.
Wenn ihr jetzt zu diesem Anwalt geht, dann war's das.
Dann siehst du Conny nie wieder. Und was mit mir passiert ..."
(Die Tonbandaufnahme endet.)
Reich mir doch bitte noch einen Kloß, Roman!
Das... Ich weiß, wie sich das anhört, aber so war's nicht!
So war's nicht!
Nicht auszudenken!
Eine Landesverräterin, in unserem konspirativen Objekt.
Eine kleine Brieffreundschaft nach Hamburg!
Danke, halber Teller!
Ich habe dir vertraut, mein Junge.
Bei seinen Briefen hat er ja wenigstens Ordnung gehalten.
Ihre Arbeit in der Sache Schmidt ist natürlich vorbei. - Nein!
Was ist los?
Frau Oberst ist berühmt für ihre Kochkünste. Hast du keinen Respekt?
Hellermann kennen Sie vielleicht.
Er hatte echte Informationen für uns. Dafür lassen wir ihn rüber.
Guten Tag!
Erzählen Sie ihm, was Sie in den letzten vier Jahren gemacht haben.
Ich habe einen operativen Vorgang geleitet,
der die oppositionelle Verbindung zweier Häftlinge analysiert...
Quatsch! In Cottbus gab es keine oppositionellen Verbindungen.
Schmidt war ein kleines Licht, wie all die anderen auch.
Alles, was der wollte, war rüber.
Wenn er jetzt in den Osten entlassen wird, dann ist er tot.
So sieht's aus!
Alles, was ich veranlasst habe, hatte Hand und Fuß, Herr Oberst.
Deshalb mache ich Sie zum
Hauptamtlichen Feldwebel für Überwachungstechnik.
Sie werden in Ihrem Objekt weiter arbeiten können.
Leute wie Sie, kann man ja nicht unter Menschen lassen.
Herzlichen Glückwunsch!
(Alle sprechen gemeinsam:)
"Ich schwöre, der Deutschen Demo- kratischen Republik treu zu dienen,
und sie auf Befehl gegen jeden Feind zu schützen.
Ich schwöre, ein wachsamer Angehöriger
des Ministeriums für Staatssicherheit zu sein ..."
Herzlichen Glückwunsch!
Danke!
(Alle applaudieren.)
Du musst was essen.
(Er hustet.)
Sehr gut!
(Die Türe wird geöffnet.)
SG Schmidt! Raustreten!
Ich dachte schon, meine Haftzeit ist rum.
Ja, das muss jetzt irgendwann sein.
Conny...
Dann komm ich hier raus.
Andi, dann komm ich in den Osten zurück.
Conny, ich meine... - Ich glaub, ich weiß Bescheid.
Das Ganze muss eine Verschwörung gewesen sein.
Weißt du noch, der Brief damals?
Ich bin jetzt sicher, der war gefälscht.
Sie hätte doch irgendwas versucht.
Glaubst du nicht?
Irgendwie Kontakt aufgenommen...
Meinst du nicht, ich hätte irgendwas bemerkt? Irgendwas?
Vielleicht haben sie dich auch an der Nase rumgeführt, mein Freund.
Erinnerst du dich noch an Hagen? Den Bootsmann mit dem einen Arm?
Ja...
Der hat doch immer gesagt, ich hätt's nicht in mir.
Ich hätte kein Salzwasser in den Adern.
Du wärst ein guter Matrose geworden.
Ich war wütend auf dich.
Ich...
Scheiße! Warum haben wir uns nicht früher so unterhalten?
Warst du mal an einem Ort, wo seit Jahrzehnten kein Mensch war?
In der Tschechei, vor der Grenze da gibt's einen See im Wald.
Der Winter fing gerade an, und es war so hell.
Als wäre der Himmel auf die Erde gefallen.
Wir wollten immer aufs Meer, Andi.
Wir wollten raus.
Alles, was ich mir gewünscht habe, war plötzlich da.
Es ist immer noch da, Conny.
Im Loch hab ich versucht, mir ihr Gesicht vorzustellen.
Den Wald hab ich noch.
Die Bäume, den Frost...
Da, wo ihr Gesicht ist...
Da ist nichts mehr.
Gar nichts!
Gibt's irgendwas, was du mir noch sagen wolltest?
Ich kann nicht, Conny.
Bei denen darf man nichts sagen.
Du bist nichts mehr für mich, Andi.
Kein Freund, kein Partner.
Ich will nicht wissen, wo du bist und was du machst.
Du wirst mich nicht mehr sehen.
Du kannst wenigstens noch rüber, Conny.
Jeder geht irgendwann rüber.
So, oder so...
Conny...
Conny!
Conny!
(Andi liest in Gedanken einen Brief vor:)
"Liebe Mai! Ich bin lange Zeit sehr weit weg gewesen.
Viel ist passiert und es ist kaum möglich,
alles in einen Brief zu fassen.
Cornelis und ich sind entdeckt worden.
Seitdem habe ich jeglichen Kontakt zu ihm verloren.
Es gibt keinen Grund und keine Hoffnung mehr, auf ihn zu warten."
SG Schmidt, SG Schönherr!
Hast du deiner Frau zu verdanken, Schönherr.
Ist schon im Westen und wartet auf dich.
Reise reise!
Aufmachen!
"Was bleibt mir noch zu sagen? Mein Plan ist nicht aufgegangen.
Die einzige Konstante in meinem Leben ist Vergeblichkeit.
Vergeblichkeit hat mich mein ganzes Leben verfolgt.
Im Hafen, in den Kneipen, mit den Mädchen. Das sehe ich jetzt.
Wir hatten niemals eine Chance.
Leb wohl, Mai! Andreas."
(Nachrichtensprecher im Fernsehen:)
"... Ordnungskräfte versuchten, einzelne noch zurück zu drängen.
Die aufgebrachten Demonstranten waren nicht mehr zu halten.
Die Zentrale des Staatssicherheits- dienstes in der Normannenstrasse,
Zentrum von 40-jähriger Überwachung und Bespitzelung, wurde gestürmt.
"Stasi raus!" riefen Chöre beteiligter Demonstranten
und "Wir sind das Volk".
An diesem historischen Tag
war für alle verbliebenen Mitarbeiter der Staatssicherheit
auch der letzte Arbeitstag.
Tische flogen aus den Fenstern, Türen wurden aufgebrochen.
Die Büros der Geheimpolizei wurden durchwühlt und verwüstet.
Wichtige Akten über die wahre Überwachungstätigkeit der Stasi
fielen der Menge nicht in die Hände ..."
(Es klingelt.)
Herr Schmidt? Ein Paket für Sie.
Wiedersehen!
Danke, dass Sie sich so lange um Mai gekümmert haben!
Und um Hung...
Hung Xuan!
Mai und ich, wir...
Ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll.
Eines Tages wird er durch diese Tür kommen, hat sie immer gesagt.
Cornelis Schmidt.
Dann sind wir eine Familie und leben wie Mann und Frau.
Jetzt sind Sie gekommen, junger Mann.
Wo ist sie?
Sie ist in ihre Heimat zurückgekehrt. Es ist zu lange her.
Kommen Sie wieder!
Besuchen Sie mich!
Ich weiß nicht, Herr Schmidt. Sind Sie sicher, dass Sie das wollen?
So sicher, wie nie zuvor.
Sie müssten ganz unten anfangen.
Handarbeiten, Instandsetzungen, Pinseln...
Alles, jederzeit.
Wie kommt es eigentlich, dass Sie erst jetzt zur See wollen?
In Ihrem Alter?
Man hat mich nicht gelassen.
Ich komme aus der DDR.
Ich komm auch aus der DDR. Gleich mit dem ersten Zug über Ungarn.
Und Sie?
Ja, ist eine lange Geschichte.
Willkommen an Bord!
In drei Tagen geht's los, Südostasien.
Ich weiß.
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