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Die Flut ist pünktlich (2014) dTV - ZDF - 24. Februar 2014
(Spannende Musik)
(Handyläuten)
(Handyläuten)
Harms?
Papa?
Ich muss weg. Frühstück schon mal ohne mich.
Was ist denn passiert?
Weiß ich noch nicht.
Ich versuch, bis Mittag zurück zu sein.
Meld mich.
(Motor startet.)
(Spannende Musik)
(Möwenrufe)
(Ticken)
(Spannende Musik)
Ich muss los. Meine Frau ist sicher schon wach.
(Spannende Musik)
(Möwenrufe)
Moin! (beide) Moin!
Danke, dass ihr gewartet habt.
Kennt ihr ihn? (beide) Nö!
Hilf mal!
(Düstere Musik)
(Geheimnisvolle Musik)
Papa?
Ich brauch deine Hilfe.
(Melancholische Musik)
Ich ruf dich nachher an.
Okay.
Moin! Moin Maike!
Schneller ging nicht.
Ich brauch Ihre Einschätzung für den Bericht.
Todesursache, Todeszeitpunkt. Das muss 'n Arzt machen.
Ich schau mal.
Er ist ertrunken. Sieht man doch.
Kann nicht länger als einen Tag her sein.
Und 'n bisschen genauer?
Ich bin kein Pathologe.
Sie sollen ihn ja auch nicht aufschneiden.
Ich muss nur wissen, ob 'n Anfangsverdacht besteht.
Was für 'n Verdacht denn?
Wenn einer tot ist, dann ist er tot, aber...
Das kann viele verschiedene Gründe haben.
Papa? Fahr schon mal vor!
Ich komm nach.
(Melancholische Musik)
(Rascheln)
Hallo! Du warst ja früh draußen. Hab ich mitgebracht.
Ich war schon. Der sitzt schon beim Frühstück.
Geht's deiner Mutter besser? Genauso wie gestern.
Die hat eben angerufen.
Hat wahrscheinlich schon wieder vergessen, dass du da warst.
Ich bin froh, dass die sich überhaupt noch an mich erinnert.
Willst 'n Kaffee? Zweites Frühstück wir beide?
Kriegst du das hin mit dem WLAN?
Ich glaub, schon.
Er möchte gern ins Internet.
(Spannende Musik)
(Ticken)
(Ticken)
(Betrübte Musik)
(Tiefes Einatmen)
(Tiefes Ausatmen)
Meike Harms, Polizeidienststelle Farland.
Ich hab 'ne Nachricht für Herrn Lambert.
Ich... hab heute Morgen... einen Toten im Watt gefunden
und wollt jetzt fragen, wie ich weiter vorgehen soll.
Der Tote heißt... Alexander Halbach und hat hier 'n Ferienhaus
und ist vor 'ner knappen Woche auf der Insel angekommen,
um seine Frau zu besuchen.
Bettina?
(Schritte treppauf.)
Was machst du hier?
Ich hab Glück gehabt.
Die Fähre war leer. Ich hab das ganze Deck für mich gehabt.
Und warum hast du nicht vorher angerufen?
Ich bezieh dein Bett später.
Danke.
Magst du was essen?
(Unheimliche Musik)
Frau Halbach?
Ja?
(Klavierklänge)
Wir haben Ihren Mann im Watt gefunden.
(Traurige Klaviermusik)
Ich möchte ihn sehen.
(Musik schwillt an.)
(Klaviermusik)
Dr. Knudsen sagt, er lag 'n Tag im Wasser.
Warum haben Sie keine Vermisstenanzeige gestellt?
Wo sind seine Sachen?
Auf der Dienststelle.
Kann ich die haben?
Jetzt? Ja!
(Tiefes Ausatmen)
(Telefonläuten)
Entschuldigung.
(Telefonläuten)
Polizeirevier Farland, Harms? Frau Harms?
Hier ist Hauptkommissar Lambert aus Husum. Ich hatte Sie auf dem AB.
Sie haben um Rückruf gebeten? Ja, danke, dass Sie sich melden.
Heute Morgen wurde im Watt 'n Toter gefunden.
Und ich wollt mich jetzt mit Ihnen besprechen,
wie ich weiter vorgehen soll. Was haben Sie bisher unternommen?
Ich hab die Leiche zu unserem Arzt gebracht und ihn um 'ne Einschätzung
gebeten wegen Todesursache und Zeitpunkt.
So wie es aussieht, ist er gestern... bei Flut ertrunken.
Wissen Sie, wer der Tote ist? Alexander Halbach.
Er hat hier 'n Ferienhaus.
Haben Sie Angehörige verständigt? Seine Frau.
Ist auch hier auf Farland.
Gibt es Anzeichen für ein Verbrechen oder einen Selbstmord?
Haben Sie einen Abschiedsbrief gefunden?
Nein, aber ich hab ihn doch auch erst vor zwei Stunden gefunden.
Das ist ja kein Vorwurf. Sie haben alles richtig gemacht.
Was ist Ihr Eindruck? Glauben Sie an einen Unfall?
Ja.
Er war auf 'ner Wattwanderung und ich nehme an, dass er sich...
verschätzt hat, wann die Flut kommt. Das hatten wir auf Pellworm auch.
Also passen Sie mal auf: Heut wird's eng bei mir.
Ich bin noch mit 'ner Sache beschäftigt, das hat Priorität.
Aber morgen komm ich bei Ihnen vorbei.
Bis dahin schauen Sie sich nach 'nem Abschiedsbrief um und...
rekonstruieren Sie grob die letzten Stunden vor seinem Todeszeitpunkt.
Kann ich die Asservate freigeben? Nein, damit warten Sie noch.
Machen Sie seiner Frau gegenüber keine Angaben,
wann wir die Leiche freigeben.
Ob obduziert werden muss, das entscheiden wir dann morgen.
Okay. Ich meld mich dann noch mal, ja?
Wenn ich genau weiß, wann ich komme. Wiederhören!
Wiederhören!
(Tiefes Ausatmen)
Tut mir leid, Sie können die Sachen doch noch nicht mitnehmen.
Warum denn?
Wenn jemand im Watt umkommt, dann muss man 'ne Voruntersuchung machen.
Und was heißt das?
Nur 'n paar Dinge abklären. Aber, aber was denn abklären?
Wann haben Sie ihn zum letzten Mal gesehen?
Gestern. Bevor er losgegangen ist?
Aber er kannte sich doch ziemlich gut aus im Watt, oder?
Ja, wir haben das Haus ja schon seit über siebzehn Jahren.
Haben Sie 'n Abschiedsbrief gefunden?
Du glaubst, er hat sich umgebracht? Weiß ich nicht.
Sind alles nur Routinefragen.
Das hat die Zentrale in Husum so angeordnet.
Ich hab nichts gefunden.
Ich müsste mich bei Ihnen zu Hause noch mal umsehen. Geht das?
Hm.
Warum haben Sie ihn nicht als vermisst gemeldet?
Die hat er sich gekauft, als er die Diagnose bekommen hat.
Er wollte die Zeiger ticken hören.
(Ticken)
Was denn für 'ne Diagnose?
Er war nierenkrank.
Ich hab mit Hamburg telefoniert.
Sie haben die beiden Bilder von dem spanischen Maler verkauft.
Schön.
Hast du den Herd reparieren lassen? Noch nicht.
Du bist schon seit zwei Monaten auf der Insel.
Ja, das hat mich nicht gestört.
Willst du noch hiervon?
Verträgst du die neuen Medikamente?
(Tiefes Seufzen)
Die Nebenwirkungen sind erträglich.
Magenbeschwerden, Atembeschwerden, Potenzstörungen.
Wenn du drüber reden willst, können wir das gerne machen.
(Es läuft sehr leise Klaviermusik.)
(stöhnt) Entschuldige...
Der Wein verträgt sich doch nicht mit den Tabletten.
Bin gleich wieder da.
(Sehr leise Klaviermusik.)
(Möwenrufe)
Lass an!
Sein Zimmer ist oben.
Waren Sie hier schon mal drinnen, seit er weg ist?
Das ist sein Zimmer.
Das hier sind nur die Tidenzeiten.
Wie schwer war er krank?
Sehr.
Das ist 'n Schlafmittel.
Das ist gegen Alpträume.
Was heißt sehr schwerkrank?
Er hatte eine Niereninsuffizienz.
Er hatte nicht mehr viel Zeit.
Hat er 'n Selbstmord angedeutet?
Ja, das hat er.
Wer hat noch hier übernachtet?
Hier war noch jemand. Ich hab heute Morgen jemand bei Ihnen gesehen.
Schau dich um. Ich warte unten.
(Bedrückende Musik)
(Handyläuten)
Entschuldigung.
Hallo Mama, was gibt's denn? Hast du kurz Zeit?
Ist schlecht gerade. Ich bin an der Uni.
Geh irgendwohin, wo du ungestört bist.
Du weißt doch, dass ich fürs Physikum lerne.
Was ist jetzt?
(Traurige Musik)
(Traurige Musik)
Ich glaube nicht, dass du da einen Abschiedsbrief findest.
Hast du oben noch was entdeckt?
Nee.
Tom ist hier gewesen.
Warum machen Sie das? Ihr Mann ist schwerkrank.
Mein Mann ist seit sechs Jahren krank.
Wusste er davon?
Musst du noch mehr sehen?
Nein.
Warst du oft schwimmen? Das ist zu kalt dieses Jahr.
Das hat dich doch früher auch nicht gestört.
Das ist lange her.
Und wie geht's dir hier?
Hast du dich einsam gefühlt?
Komm!
Lass uns reingehen!
Alex, das ist zu kalt für dich.
Ich hab Lust rauszuschwimmen!
Du warst doch auch schon drinnen.
Komm mit!
(lacht) Nein!
Komm schon!
Du hast die Socken noch an! Die lass ich an. Komm!
Nein!
Alexander!
Komm hoch!
Hilf mir hoch, hilf mir hoch.
Komm her!
Ah, ist alles gut.
Mir war nur kurz schwindlig.
Geht schon wieder.
Ganz schön erschreckt, was?
(Musik)
Und?
Was und?
Na, kriegst du's hin?
Weiß ich nicht.
Was?
Alexander Halbach ist tot.
Die haben ihn heute Morgen aus dem Watt gefischt.
Ertrunken...
Um die Zeit ist der doch sonst nie hier.
Ich mach mal 'ne Woche zu.
Der Gast reist heute Mittag ab, und ich hab gar keine weiteren Buchungen.
Wollte mal 'ne Woche weg.
Warum?
Zu Klara, einfach mal raus.
Warum?
Ist doch vielleicht auch für dich gut.
Kannst du deine Sachen machen.
Bist du sicher? Ja!
(norddeutsch) Mittag ist vorbei!
Ich bin im Einsatz.
Ich hab hinten noch Würstchen. Kannst du bitte Wasser aufsetzen?
Sag mal... der Halbach... kannte der die Priele?
War der sicher im Watt?
Nach siebzehn Jahren hier war er wohl kein Tourist mehr.
Was ist denn nun? 'n Unfall oder ist er ins Wasser gegangen?
Das weiß ich noch nicht.
Warum musst du das machen, Mädchen?
Lass da mal die Jungs vom Land ran.
'ne Leiche... ist das nicht ein bisschen zu groß für dich?
Das ist überhaupt nicht zu groß.
Was hast du denn da?
Das ist das Handy vom Halbach. Da sind die Anrufe drauf.
Das hat er im Watt dabei gehabt.
Warum hat er keine Hilfe gerufen, wen er sich verlaufen hat?
Hat man da denn Anschluss? Eigentlich schon.
(stöhnt) Morgen vielleicht. Muss noch 'n bisschen trocknen.
Komm! Ich mach uns was Richtiges.
(Möwenrufe)
Ich hab den AB angestellt, ja?
Wenn noch irgend 'ne Buchung kommt, dann gehst du einfach nicht ran.
Das lohnt sich nicht.
Ich weiß schon, dass dir das alles hier 'n bisschen zu langweilig ist.
Das war ja auch alles eher mein Traum.
Nicht unbedingt deiner.
Aber wenn ich wieder da bin, dann hast du dich entschieden.
Bleiben oder gehen, dazwischen ist nichts.
(Musik)
Ulrike ist weggefahren.
Warum?
Weißt du, wo mein Mann gefunden wurde?
Ungefähr 'n Kilometer von hier.
Zeigst du's mir?
Und was ist, wenn man uns zusammen sieht?
Und was hast du jetzt vor?
Ich weiß nicht.
Vielleicht verkauf ich das Haus. Was soll ich hier ohne ihn?
Was redest du da? Dir geht's doch hier viel besser als in Hamburg.
Du kennst mich in Hamburg doch gar nicht.
Das muss ich auch nicht.
Ich seh' dich, wenn du hier ankommst und wenn du wieder wegfährst.
Warum hast du ihn eigentlich nicht verlassen?
Das hab ich doch.
Er hat mich verlassen, schon vor Jahren.
(Musik)
(Musik)
Mama?
(Vogelgezwitscher)
Ich geh vielleicht weg, Papa.
Und? Warum?
Ich bin sechsundzwanzig. So geht das hier nicht mehr.
Als ich sechsundzwanzig war, ging's auch noch.
Die Zeiten ändern sich halt.
Nichts ändert sich!
Die Oberfläche vielleicht.
Aber die Kühe, die brüllen noch genauso wie früher.
Und als deine Mutter noch lebte... Mama lebt aber nicht mehr!
(laut) Und ich kann das nicht für sie machen!
Entschuldigung.
Und ich?
Weiß ich nicht.
Hast du denn nichts überlegt?
Ich war immer hier.
(Telefonläuten)
Machst du das mit dem Toten nur, um auf dich aufmerksam zu machen?
Für deinen Vorgesetzten in Husum?
Harms? Hi Meike, hier ist Mia.
Du entschuldige, dass ich gleich zur Sache komm.
Bettina meinte, du machst wegen meinem Vater so 'ne Voruntersuchung?
Es tut mir leid, was mit deinem Vater passiert ist.
Kann ich ihn sehen?
Bist du hier?
Ja, bei meiner Mutter.
Bist du dir sicher?
Er lag 'n Tag im Wasser. Das sieht nicht schön aus.
Ja. Geht das?
Soll ich dich abholen?
Vorne an der Ecke? Vorne an der Ecke.
Zehn Minuten.
Tschüs.
(Rascheln)
(Musik)
Hach, scheißkalt ist es bei euch hier!
'ne Frostbeule warst du schon immer. Ach, na komm!
Na, wenn man immer nur im August kommt...
Willst du ihn wirklich sehen?
(Rascheln)
(Traurige Musik)
(Weinen)
Ist das Mias Wagen?
Ja, bis später.
(Fernes Glockenläuten)
Ich will mich um die Beerdigung kümmern.
Wann wird die Leiche freigegeben?
Morgen kommt jemand aus Husum und schaut sich den Bericht an.
Dann entscheiden sie.
Darf ich dir was sagen?
Lass das deine Mutter machen. Die Beerdigung.
Das ist ihre Sache, nicht deine.
(Musik)
(Handyläuten)
(Handyläuten)
"Hier ist die Mailbox von Mia.
Du hast zehn Sekunden für deine Message.
Wenn sie mich überzeugt, ruf ich zurück."
Mia, ich bin's. Wo bist du denn?
(Musik)
(Ruhige Klaviermusik)
Soll ich lieber noch mit reinkommen?
Kannst du mir zeigen, wo ihr ihn gefunden habt?
(Rascheln)
Da draußen irgendwo.
Ist halt grad Flut.
Er war vor zwei Wochen noch bei mir.
'n paar Sachen fürs Physikum durchgesprochen.
Er hat mir gesagt, dass er herfahren will, um Bettina zu sehen.
Und warum?
Es ging ihm scheiße.
Außerdem war er einsam.
Bettina ist seit zwei Monaten hier.
Und dann kommt er ausgerechnet zu ihr?
Obwohl sie ihn...
(knapp) Ja.
Können sich irgendwie nicht loslassen.
Seit wann hat er diese Nierenkrankheit?
Schon ziemlich lang. Seit sechs Jahren oder so.
Kann man daran sterben?
Wenn ich Arzt bin und ich weiß, ich muss sterben,
und ich will mich umbringen, ich komm doch an Medikamente, oder?
Zu ertrinken ist doch ziemlich qualvoll, das weiß er doch.
Wenn ich mich umbringen will... Es war 'n Unfall.
Er kennt sich doch aus im Watt! Er war viel schwächer als sonst.
Er war kraftlos.
Wahrscheinlich hat er sich verschätzt.
(Tür wird geöffnet.)
Schön, dass du endlich da bist.
Warst du bei ihm?
Ja.
Lass mal.
Magst du was essen? Bin müde.
Kannst du nicht schlafen?
Komm her.
Was ist denn?
Es ging ihm wirklich schlecht am Ende.
Er hätte dich gebraucht.
Er war bei mir, weil er jemanden gebraucht hat.
Warum warst du nicht für ihn da?
Ich war immer für ihn da.
Nicht, als es drauf ankam.
Warum Tom?
Ist das so wichtig?
Du warst mit ihm im Bett... oder habt ihr euch nur nett unterhalten?
Ich glaube nicht, dass dich das was angeht.
Papa hat mir erzählt, dass ihr nichts mehr miteinander hattet.
Das hat er dir gesagt?
Er hat's angedeutet.
Wolltest du ihn nicht mehr?
(Gasanzünderklicken)
Kannst du bitte aufhören, mich so anzuschauen?
Lass mich das machen.
Warum muss in diesem Haus immer alles kaputtgehen?
Du hättest den Herd reparieren lassen können.
Warum bist du hergekommen?
Man muss das Gas ganz klein aufdrehen.
Lass das!
Willst du was essen oder nicht? Du sollst das lassen!
(Klaviermusik)
Es tut mir leid.
Ich will dir nicht wehtun.
Das tust du aber.
Ich liebe dich.
Ich liebe dich.
(Klaviermusik)
Ich will nicht, dass du's auch kriegst.
Ich will nicht, dass du dich ansteckst.
An mir.
Das mit den Nieren ist nur eine Folgeerscheinung der Medikamente.
Ich weiß überhaupt nicht, wovon du redest.
Es war in Kapstadt.
Es gab da diese Frau.
Ich wollt es dir gleich sagen. Gleich nach meiner Rückkehr.
Gleich, nachdem ich den Befund bekommen habe, aber...
Ich konnte es nicht.
Ich hatte Angst, dich zu verlieren.
Ich will dich nicht anlügen.
Ich will, dass alles ist wie vorher.
(Spannende Musik)
Ich hab mich sechs Jahre lang gefragt, was ich falsch gemacht hab.
(Tür schlägt zu.)
(Wind bläst.)
(Musik)
(Musik)
(Schluchzen)
(Lautes Weinen)
(Schniefen)
Hast du schon geschlafen?
Kann ich vorbeikommen?
(Entferntes Hundegebell)
(flüstert) Komm rein.
Leise, er schläft schon.
Ja und, ist doch dein Haus.
Seit wann geht das mit Tom?
(Tiefes Durchatmen)
Nicht lang. Zwei Monate?
Hat sie so was früher auch schon gemacht?
Was, sich Lover suchen?
'n "Lover"...
Nee, das ist neu.
Können wir nicht über was anderes reden?
Worüber?
Zum Beispiel, wo deine Lover sind?
Hier gibt's 42 Ureinwohner in meiner Altersklasse plusminus fünf Jahre.
Ist doch was!
37 davon in festen Händen.
Sehr fest.
Willst du weg hier?
(Tiefes Einatmen)
Ich hab mich in Husum beworben.
Husum.
Ist das der Gipfel?
Kann meinen Vater nicht alleine lassen.
Bei uns ist es 'n bisschen anders als bei dir und deiner Mutter.
Da ist Husum der Mount Everest.
Wenn er dich liebhat, muss er dich auch gehen lassen.
Kannst du deinen Vater gehen lassen?
(seufzt) Deine Mutter auch nicht.
(Musik)
(Musik)
(AB) "Guten Morgen, Frau Harms! Hier Hauptkommissar Lambert aus Husum.
Ich wollte noch Bescheid sagen wegen der Fähre.
Ich nehme die um 13:47 Uhr.
Dann bin ich so wahrscheinlich 14:30 Uhr bei Ihnen.
Ich weiß jetzt nicht, ob Sie dann den Bericht schon fertig haben, aber...
...schauen wir mal, ja? Bis später!"
(Piepton)
(Spannendes Ticken in der Musik)
(Musik)
(Rascheln)
(Klopfen)
Kann ich dich sprechen?
Jetzt?
Guten Morgen, Maike.
Komm rein.
Was soll 'n der Mist? Ist nicht deine Baustelle.
Willst' dich da jetzt auch noch reinhängen, oder was?
Wo ist Ulli? Die ist bei ihrer Schwester.
Die kommt in 'n paar Tagen wieder. Kaffee?
Wann hast du das letzte Mal mit Halbach gesprochen?
Keine Ahnung, wann war er das letzte Mal hier?
Weihnachten, oder so?
Er ist schwarz, ja?
Er hat dich angerufen.
Willst du mich jetzt vorführen, oder was?
Wer will hier wen vorführen?
Verarschen kann ich mich alleine.
Vorgestern Mittag.
Wo warst du?
Ich war hier, ich hab noch 'n bisschen aufgeräumt.
Du bist der letzte, den er angerufen hat.
Um 14:03 Uhr war Hochwasser.
Ungefähr da ist er ertrunken.
Um 12:47 Uhr war der Anruf.
Was wollte er?
Ja, was wohl?
Okay, ich war nicht hier. Ich war bei ihr.
Er hat angerufen, er wollt mit ihr reden. Die hatten irgendwie Stress.
Und warum ruft er dann bei dir an, wenn er sie sprechen will?
Wahrscheinlich wollt er zeigen, dass er Bescheid weiß.
Hat er gesagt, wo er war? Im Watt.
War er panisch? Glaub ich nicht.
War das ein Hilferuf? Nein!
Wenn das ein Hilferuf war, und ihr seid nicht gekommen...
Du weißt, was das heißt.
(atmet aus) Der Mann war krank, der wollte nicht mehr.
Der hat sie aus 'm Watt angerufen, weil er sich verabschieden wollte.
Gut.
Dann spreche ich noch mal mit Frau Halbach.
Warte!
Es geht ihr nicht gut.
Überhaupt nicht.
Ob Unfall oder Selbstmord, ist doch völlig egal.
Wenn deine Kollegen jetzt herkommen und alles auf 'n Kopf stellen, wozu?
Wozu soll das gut sein?
Ich will nicht, dass du Ulli wehtust.
(Bedrückende Musik)
Mia?
(Vogelgezwitscher)
(Rascheln)
(Muhen)
(Muhen)
Hallo!
Maike musste schon los, ich hab versprochen, dass ich helfe hier.
Hallo.
Ich war gestern Abend noch bei ihr. Sie haben schon geschlafen.
Haben Sie vielleicht 'n Kaffee für mich?
Oder 'n Tee?
Ja... bitte!
Tut mir leid mit deinem Vater.
Er hat sich immer so abgeschottet, wenn er hier war.
Aber Maike hat ihn wirklich gern gemocht.
Danke.
Und du?
Wie lange warst du nicht hier?
Gar nicht so lang her. Vor sechs Wochen.
Ich war bei meiner Mutter im Ferienhaus.
Ich hab für 'ne Prüfung gelernt.
Und was machst du jetzt? Ich studiere Medizin.
Dann kannst du ja die Praxis von deinem Vater übernehmen.
Ja... weiß ich noch nicht.
Wahrscheinlich werd ich nicht schnell genug fertig.
Lass dir Zeit, mei Dirn!
Dann wird alles gut.
Du bist bestimmt nicht hergekommen, um meinen Stall auszumisten.
Lassen Sie Maike gehen!
Sie können sie nicht festbinden, weil Sie jemanden hier haben wollen,
der sich um sie kümmert.
Trink deinen Kaffee aus und dann gehst du!
Wenn du das nächste Mal aus 'm Stall kommst, lässt du die Schuhe draußen!
(Musik)
Ich muss Sie noch mal sprechen.
Hast du Mia gesehen?
Die war gestern Nacht bei mir.
Ihr Mann hat Sie aus 'm Watt angerufen kurz vor seinem Tod.
Er hat erst mit Tom gesprochen und dann mit Ihnen.
Was wollte er?
Das ist privat.
Sie wissen, was unterlassene Hilfeleistung ist.
Dann war das kein Unfall und auch kein Selbstmord.
Er hat nicht um Hilfe gebeten. Sondern?
Er hatte HIV. Er wollte nicht mehr.
Ich dachte, er war nierenkrank.
Das war eine Folge davon.
Weiß Mia das?
(Gespannte Musik)
(Ein Wagen fährt vor.)
Hallo!
Freut mich, Lambert. Harms.
Meinen Anruf haben Sie bekommen? Hab ich.
Wollen Sie 'n Kaffee?
Wenn sich mein Magen von der Fähre erholt hat, gerne.
Setzen Sie sich doch kurz draußen hin.
Also, ein Unfall?
Hm.
Aber der Mann war ein erfahrener Wattwanderer...
Die Fahrrinne ist neu ausgebaggert worden.
Die Lage der Priele verändert sich ständig.
Hat er keine aktuelle Karte bei sich gehabt?
Er hat sie sich runtergeladen und ausgedruckt.
Eine auf seinem Schreibtisch, die andere hat er bei sich gehabt.
Und trotzdem glauben Sie, dass es ein Unfall war?
Wer die Priele nicht kennt, der denkt, man kann durchwaten.
Wenn sie dann plötzlich so tief sind, muss man 'n Umweg nehmen
und dann... läuft einem die Zeit davon.
Die Flut ist pünktlich.
Der Mann hatte HIV. Vielleicht... war es doch 'n Selbstmord?
Gibt schönere Todesarten als zu ertrinken.
Und ich glaube, dass ihm als Arzt das auch klar war.
Danke für den Kaffee!
Sie müssen noch unterschreiben.
Ich würde gern noch ein, zwei Sachen überprüfen.
Und dann würde ich Ihnen den Bericht einfach zuschicken?
Ich denke, Sie sind sich sicher? Was wollen Sie denn noch überprüfen?
Wo er genau lang gelaufen ist im Watt.
Ich finde, das gehört da rein.
Nicht, dass so was noch mal passiert.
Na gut, dann... sagen Sie mir, wenn Sie so weit sind.
Und wenn's bei diesem Ergebnis bleibt,
dann würde ich die Ermittlungen einstellen.
Sind Sie damit einverstanden? Hm.
Haben Sie sich denn schon entschieden?
Wie?
Wegen Husum.
Der Lehrgang.
Haben Sie meinen Brief nicht bekommen?
Doch!
Doch.
Eine Woche kann ich noch warten.
Aber dann muss ich die Liste festklopfen.
(Bedrückende Musik)
Ich wollte Ihnen die Sachen von Ihrem Mann geben.
Seid ihr fertig mit den Untersuchungen?
Noch nicht ganz.
Aber die Leiche ist freigegeben.
Moment...
Ich mochte Ihren Mann sehr gerne.
Der konnte die besten Sandburgen bauen.
Ja, das hat er mit euch immer gerne gemacht.
Gute Nacht!
Möchtest du vielleicht kommen, wenn Alexander bestattet wird?
Er hätte sich sicher gefreut.
Okay.
(Traurige Musik)
(Muhen)
Traueranzeige von Herrn Halbach.
Wo ist der Brief aus Husum?
Hab ich aus Versehen aufgemacht.
Ich dachte, der wäre an mich!
Von der Polizeidirektion Husum.
An dich?
Der ist schon vor fünf Wochen gekommen!
Ich hab vergessen, ihn dir zu geben.
Man wird eben so 'n bisschen tüttelig im Alter.
Tüttelig? Ja.
So 'n bisschen doof vielleicht.
Vielleicht, ja!
(Musik)
(Kinderstimmen)
(Sie lacht.)
(Möwenrufe)
Passt doch!
Du siehst deiner Mutter immer ähnlicher.
(Seufzen)
Du weißt, wo Husum ist. 72 Km, 'ne knappe Stunde mit dem Auto.
Zur Not schafft's sogar dein Trecker...
und bei Sturmflut der Helikopter.
Das ist nicht Kirgisistan, und ich bin nicht aus der Welt!
Ich könnt' mal mit Peterson reden. Warum?
Ich könnt' ihm den Hof zur Pacht anbieten.
Erst mal fünf Jahre...
Er kriegt 'n guten Preis. Das wird er nicht ablehnen.
Und für das Geld miet ich dir in Husum 'ne schöne Wohnung.
Papa, ich verdien mein eigenes Geld.
Du hast 'ne erwachsene Tochter.
Ich geh vielleicht 'n bisschen nach... wie die hier.
Aber du kommst an.
(Ticken)
Zehn Minuten später, aber du kommst trotzdem an.
(Ticken)
Ich...
Ich muss los.
Bis später.
Vergiss die Blumen nicht!
(Gespannte Musik)
(Ticken)
Noch zwanzig Minuten.
Wollen wir los?
Lass, ich mach das später.
(Ticken)
Alles okay?
Soll ich hierbleiben?
(Schlüsselklimpern)
(Spannende Musik)
(Ticken)
Alexander?
Bis später.
(Schniefen)
(Musik)
Was machen Sie hier? Ich warte noch auf Ihren Bericht.
Sie haben ihn morgen auf Ihrem Tisch.
Entschuldigen Sie mich.
Danke, dass du hergekommen bist.
Ich wollte dir das geben.
(Ticken)
(Spannende Musik)
Weißt du eigentlich noch, wo wir uns kennen gelernt haben?
Lineare Algebra 2.
Ja, die Nachhilfe war 'n bisschen sandig, aber... war sehr schön.
(Möwenrufe)
(Rascheln)
(Musik)
Am Tag vor seinem Tod erfahren Sie, dass er HIV hat.
Hat Sie das so wütend gemacht?
Warum fragst du das?
Ich muss meinen Bericht abschließen.
Mama?
Warum?
Es war nicht die Krankheit, oder?
Er hat mich jahrelang belogen.
(Musik)
(Handyläuten)
Da ist dein Mann.
(Handyläuten)
Ja?
Gibst du sie mir mal?
Wen?
Jetzt komm, gib sie mir einfach.
Na?
Bettina?
Ich liebe dich.
Ich weiß, was ich dir zugemutet habe. Ich...
Ich danke dir, dass du trotzdem...
...dass du mich trotzdem begleitet hast.
Ich will, dass du ein schönes Leben hast.
Alex... Ich muss jetzt aufhören.
Bis später!
(Plätschern)
(Ruhige Klaviermusik)
(Besetztzeichen)
(Plätschern)
(Traurige Musik)
(Traurige Musik)
(Schluchzen)
Er hat's gewusst.
Sie haben die Uhrzeit verstellt.
Aber er wollte Sie schützen und hat die Zeit wieder zurückgestellt.
Das wäre gut, wenn man das könnte.
(Dynamische Musik)
(Sie schreit auf.)
(lacht) Du bist so doof!
(Ticken)
(Klaviermusik)
(Musik)
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