All language subtitles for Die.Deutschen.S01E03.Barbarossa.und.der.Loewe.GERMAN.DOKU.dTV

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Original subtitles

Die Mitte Europas im zweiten Jahrtausend.

Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden.

Menschen, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte als deutsch verstehen.

Wer sind wir?

Woher kommen wir?

Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte.

Für die Demokratie!

Er ist der König der Deutschen.

Er will als Kaiser über das Abendland herrschen:

Der Staufer Friedrich Barbarossa.

Sein Reich erstreckt sich bis Süditalien.

Aber seine Herrschaft ist umstritten.

Rivalen fordern ihn heraus.

Auch sein einstiger Verbündeter Heinrich der Löwe.

Hoher Besuch in der "ewigen Stadt".

Ein deutscher König war 20 Jahre nicht in Rom.

Aber die Gäste aus dem Norden sind nicht willkommen.

Die Römer nennen ihn wegen seines roten Bartes: Barbarossa.

Mir ist nicht wohl hier. Jubel sieht anders aus.

Was willst du in Italien?

Ein Reich ohne Italien? Nein, Heinrich! Kein Kaiser ohne Rom.

Das antike Rom und seine Cäsaren. Ein ewiges Vorbild.

Für Herrscher in Europa.

Die römischen Kaiser:

Ihre Tradition ist verbunden mit dem deutschen Königtum.

Das seit 200 Jahren in Italien mitregiert.

Der Papst krönt den deutschen König auch zum römischen Kaiser.

Seit Otto dem Großen.

Er wird damit Schutzherr der abendländischen Christenheit.

Der Staufer Friedrich Barbarossa ist der 10. deutsche König -

- mit der römischen Kaiserkrone.

Ein Vetter begleitet den frisch gekrönten Kaiser:

Heinrich der Löwe, Herzog aus dem Haus der Welfen.

Er fühlt sich Barbarossa ebenbürtig.

Heinrich! Was ist mit dir?

Soll ich vor meinem Vetter knien?

Nicht vor dem Vetter. Vor dem Kaiser!

Barbarossa verdankt seinen Rang auch Fürsten wie Heinrich.

Sie haben das Recht, den deutschen König zu wählen.

Aber das Kaisertum gibt ihm die höchste irdische Würde.

Der Kaiser wird vom Papst gekrönt.

Und er will mit ihm mindestens auf einer Stufe stehen.

Die Quellen beschreiben Barbarossa als mittelgroß.

Mit rotem Gesicht, blonden Haaren und rotem Bart.

Er war wahrscheinlich nicht schön.

Aber seine Ausstrahlung muss groß gewesen sein.

Er legte großen Wert auf ein kaiserliches Erscheinungsbild.

Manche mochten das nicht.

Auch hier nicht. Die Römer pflegen ihren Stolz.

Sie sind in jener Zeit sehr selbstbewusst.

Man sollte sie sich nicht zum Feind machen.

Wenn man als Kaiser regieren will.

Der Papst hat ohne sie entschieden, wer Kaiser wird.

Und er hat Wahlgeschenke angenommen.

Die Römer rebellieren. - Verschwinde!

Schilde! Zum Kaiser!

Vorwärts! Brecht aus!

Der Zorn der Römer überrascht Barbarossa.

Er und sein Gefolge sind in Gefahr. - Stoppt!

Heinrich zeigt, dass er die Lage beherrscht.

Ich danke dir, mein Vetter! Für Mut und Treue.

Alles für den Kaiser und sein Reich!

Der Löwe machte seinem Namen Ehre.

Er wird Barbarossa daran erinnern.

Friedrich I. war als König nach Süden gezogen.

Er kommt mit der Kaiserkrone zurück.

Er will im Norden und im Süden seines Reichs regieren.

Er muss dafür über die Alpen.

Barbarossas Reich in der Mitte des 12. Jahrhunderts:

Er ist König der Deutschen.

Er hat kaiserliche Rechte in Italien und Burgund.

Mächtige Fürsten herrschen im deutschen Raum.

Die Welfen, Zähringer, Babenberger und Wittelsbacher.

Die Staufer haben ihre Stammlande vor allem im Südwesten.

Burg Trifels in der Südpfalz galt als nicht einnehmbar.

Sie ist immer wieder Anlaufpunkt Barbarossas.

Die Staufer werden die deutsche Geschichte ein Jahrhundert prägen.

Da! Der Kaiser! Barbarossa!

Die Heimkehr des Königs. Er bringt Frieden.

In ein Land mit 6 Millionen Einwohnern.

90 Prozent von ihnen sind Bauern.

Ihre Familien leben in einfachsten Verhältnissen.

Es bringt Glück, den Saum des Königs zu küssen.

Barbarossa ist ein Reisekönig, wie seine Vorgänger.

Er zieht von Kaiserpfalz zu Kaiserpfalz.

Ein Regent ohne Machtzentrum.

Die Pfalz Gelnhausen an der Kinzig.

Der Stauferkaiser hat sie errichten lassen.

Die Ruinen sind aus rotem Sandstein.

Sie künden von einer einst prachtvollen Burganlage.

Mit Gerichtssaal, Königshof und Herberge.

Der kaiserliche Bauherr hinterlässt Spuren.

Auch sein Wappentier ist da: der Adler.

Der Adler war das Symbol für Weltherrschaft.

Schon in der antiken Kaiserzeit.

Barbarossa legte viel Wert auf antike Symbole und Traditionen.

Er benutzt den Adler als Symbol der antiken Kaiserzeit.

Er ist seit dieser Zeit das Symbol des Kaisertums.

Eine Rekonstruktion zeigt den Idealtyp einer Kaiserpfalz.

Sie war architektonisch ein Sinnbild für die Idee des Reiches.

Das Erdgeschoss, die Ebene der Untertanen.

Sie trägt die Herrschaft der kaiserlichen Familie.

Die wohnt in der ersten Etage.

Die Ebene des Reiches liegt über der des Kaisers.

Der Pfalzsaal. Hier wird Recht gesprochen.

Hoftage und Reichstage finden hier statt.

Der Thron ist nur für den König und Kaiser.

Das Zentrum des Reiches ist immer dort, wo er regiert.

Barbarossas Reich wächst während seiner Regierung auch nach Westen.

Der Hoftag zu Würzburg 1156.

Ein gesellschaftliches Ereignis von europäischem Rang.

Es beherrscht die Bischofsstadt am Main einige Tage.

Der 34-jährige Friedrich Barbarossa heiratet.

Er heiratet die 16-jährige Beatrix von Burgund.

Es ist eine Traumhochzeit.

Die Minnesänger preisen die Schönheit der Braut.

Ohrenzeugen der Ereignisse berichten davon.

In der Chronik der Bischöfe von Würzburg steht:

"In der wochen nach pfingsten -"

"- het kaiser Friderich mit frawe Beatrichen, -"

"- in Wirtzburg hochtzeit und sein ehelich beischlaffen."

Der Vollzug der Ehe soll bezeugt werden.

Von Würdenträgern aus dem Reich, aus England, Frankreich und Polen.

Ein wichtiger Staatsakt.

Die Verbindung zwischen Staufer und Burgunderin -

- wurde erst damit rechtskräftig.

Die Ehe ist für beide vor allem eine politische Verbindung.

Die Hochzeit wird Jahrhunderte später gemalt.

Als großes Fresko in der Residenz von Würzburg.

Das Königreich Burgund gehört wieder zum Reich.

Eine friedliche Eroberung.

Heinrich der Löwe herrscht im Norden als Herzog von Sachsen.

Er lässt sein Wappentier vor seiner Burg in Braunschweig aufstellen.

Etwas begann wahrscheinlich noch zu seinen Lebzeiten an seinem Hof:

Die Arbeiten an der größten Karte des Hochmittelalters.

Ihr Durchmesser ist vier Meter.

Es ist der Versuch, die christliche Lehre in Einklang zu bringen -

- mit neuen geografischen Erkenntnissen.

Jerusalem liegt immer noch im Zentrum.

Das Haupt von Jesus Christus ist am Kopf der Ebstorfer Weltkarte.

Er hält die Welt zusammen.

Die Arbeit wird unter Heinrichs Nachfolgern vollendet.

Braunschweig ist der Stammsitz der Welfen.

Ein mächtiger Löwe markiert das Stadtsymbol auf der Karte.

Vorbild ist das Löwen-Monument vor der Burg Dankwarderode.

Eine für die Zeit spektakuläre Bronzearbeit.

Der Braunschweiger Bronze-Löwe symbolisiert den Herzog.

Er sagte in einer Münz-Umschrift: "Ich bin der Löwe."

Der Löwe ist das älteste Machtsymbol.

Von den alt-orientalischen über die griechischen Reiche.

Und das römische Imperium. Bronze ist ein imperiales Material.

Heinrich stellt sich auf höchste Ebene.

Auf einer Ebene mit dem Kaiser. Barbarossa und der Löwe.

Von Angesicht zu Angesicht.

Auch aus Bronze. Nur vergoldet. Der Cappenberger Barbarossa-Kopf.

Friedrich ließ ihn zu Lebzeiten anfertigen.

Er ist mehr als ein Porträt.

Sein Haupt gründet auf den Mauern Roms.

Sinnbild für das christlich-römische Reich, über das er herrscht.

Aber etwas ist verschwunden.

Ein Stirnband. Ein Diadem, wie das der römischen Kaiser.

Forscher meinen, es sah etwa so aus:

Sinnbild dafür, dass nicht nur der Papst über Rom herrscht.

Der Barbarossa-Kopf zeigt das neue Selbstbewusstsein.

Das Reich steht symbolisch auf einer Höhe mit der Kirche.

Barbarossa will Gleichrangigkeit von Papst und Kaiser.

Der Gleichgewichts-Streit bricht 80 Jahre nach Canossa wieder auf.

Schauplatz ist Besancon in Burgund.

Rolando Bandinelli ist eingetroffen.

Gesandter des Bischofs von Rom. Unseres Herrn Papstes.

Es gibt dazu Überlieferungen, die von einer neuen Machtprobe künden.

Die Worte im Namen des Papstes klingen zunächst harmlos.

In Erinnerung an die Vorteile ...

Es gibt Streit über ein lateinisches Wort:

"Beneficium" bedeutet "Wohltat". Und "Lehen" im Sinn von "Leihgabe".

Ich habe die Kaiserwürde als Lehen vom Papst erhalten?

Von wem sonst hat der Kaiser die Krone?

Wenn nicht vom Papst? - Tötet diese römische Hure!

Haltet ein!

Kaiser Friedrich sieht sich nicht als Herrscher -

- von des Papstes Gnaden. - Sagt Eurem Herrn:

Wir haben die Krone unseres Reiches von Gott erhalten!

Und nicht von seinem anmaßenden Diener.

Das Reich ist heilig.

Sacrum imperium!

Lasst ihn gehen!

Er ist der Herrscher eines "heiligen Reiches".

Er braucht dafür nicht den Segen des römischen Papstes.

1157 passiert es zum ersten Mal:

Der Begriff "sacrum imperium" taucht auf.

In einer kaiserlichen Urkunde.

Später wird dieses "Heilige Reich" zum "Heiligen Römischen Reich".

Der Zusatz "Deutscher Nation" folgt 300 Jahre später.

Es geschah unter Friedrich Barbarossa:

Ein wichtiger Bestandteil des Reichstitels wurde geschaffen.

"Heiliges Römisches Reich" bildete sich.

Er bestimmte 600 Jahre deutsche und europäische Geschichte.

Rom und Oberitalien gehören zum Reichsgebiet.

Sie widersetzen sich kaiserlichen Ansprüchen:

Die wohlhabenden Städte südlich der Alpen.

Barbarossa sieht sich um seine Rechte betrogen.

Und um die lukrativen Abgaben.

Er zieht 1158 zum zweiten Mal nach Italien.

Ein Chronist berichtet über sein Gefolge:

"Die Zahl der Truppen war sehr groß."

"Auch mehrere Straßen konnten sie kaum fassen."

"Junge Männer sahen mutig den Wechselfällen des Krieges entgegen."

Das Ziel ist das Zentrum des Widerstands.

Mailand.

Der Konsul der Stadt sieht die drohende Gefahr.

Er hat deshalb eine Versammlung der Bürger einberufen.

Ihr tapferen Bürger Mailands!

Wollt ihr den hochmütigen Deutschen gehorchen?

Ihren Geboten unterliegen? Wollt ihr es immer erdulden?

(Alle rufen durcheinander.)

Lasst uns eher sterben wie Männer!

Als den Hochmut der Deutschen und ihre Tyrannei zu ertragen!

Wer kann die Deutschen ertragen?

(Alle rufen durcheinander.)

Der Aufmarsch der deutschen Ritter ruft in Italien -

- ein Gefühl der Zusammengehörigkeit hervor.

Die meisten Städte öffnen ihre Tore.

Sie unterwerfen sich in Anbetracht der Übermacht.

Nur die Mailänder wollen sich gegen den deutschen Kaiser wehren.

Mailand war eine riesige Stadt.

Ich denke, Mailand hatte damals 100.000 Einwohner.

Unvergleichbar mit allem, was es in Deutschland gab.

Allein der Einsatz der Mittel, der nötig war, -

- zwang Barbarossa bis zum Ende zu gehen.

Dass er den totalen Erfolg in seinen Augen vorweisen kann.

Um seine imperiale Position zu beweisen.

Die Belagerung Mailands zieht sich über Monate.

Es gibt heftige Kämpfe.

Die lombardische Großstadt muss schließlich kapitulieren.

Eine der blühendsten Metropolen des Abendlandes -

- wird bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Die Bürger Mailands können nur ihr nacktes Leben retten.

Und das, was sie tragen können.

Friedrich zeigt keine Gnade auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Sie haben ihren Kaiser herausgefordert.

Ich war gezwungen, sie dafür zu bestrafen.

Sie sind selbst schuld an diesem Schicksal.

Ein zweifelhafter Sieg.

Das deutsche Heer wütete heftig.

Der Spruch vom "Furor Teutonicus" kam so in die Welt.

Denn zu der Zerstörung kam auch noch ein historischer Raub.

Was ist da drin?

Die Gebeine der Heiligen Drei Könige.

Willst du sie den Mailändern wegnehmen?

Das heilige Reich braucht Heilige Könige!

Barbarossa lässt die Reliquien nach Köln schaffen.

Pilger werden so in die Stadt gelockt.

Sie spenden später viel Geld für ein monumentales Bauprojekt:

Den Kölner Dom.

Eine alte Tradition wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts wiederbelebt.

Die Domwallfahrt zum Schrein der Heiligen Drei Könige.

Die bedeutendste Goldschmiede-Arbeit des Hochmittelalters.

Mit den Gebeinen derer, die den König der Könige sahen: Kaspar, -

- Melchior und Balthasar.

Die Stadt erhält so wirkungsmächtige Patrone.

Wer weiß schon, dass die Reliquien Beutestücke aus der Lombardei sind?

Die Gebeine aus Mailand verhalfen der Metropole zu dauerhafter Blüte.

Die Pilger gaben viel. Städte wie Köln wachsen.

Die Gründung anderer steht noch bevor.

Heinrich der Löwe erhielt das Herzogtum Bayern -

- von seinem Vetter Friedrich Barbarossa.

Er setzt eine Markierung auf eine Wiese.

Er beschließt damit die Gründung der Marktsiedlung Munichen.

Das heißt übersetzt: "Bei den Mönchen".

Heinrich will auch als Städtegründer in die Geschichte eingehen.

Die Hauptstadt des Herzogtums Bayern wird 3 Jahrhunderte später -

- mehr als 13.000 Einwohner zählen.

München wird ein wichtiges Zentrum für Handel, Gewerbe und Kultur.

Eine der großen Metropolen nördlich der Alpen.

Und sie wird nach dem 2. Weltkrieg -

- zur Hauptstadt eines Freistaats.

Der auf Eigenständigkeit besonderen Wert legt.

Heinrich der Löwe setzt sich auch im Norden Denkmäler.

Er legt das Fundament für Lübeck, Braunschweig und Schwerin.

Er zeigt, dass es neben dem Kaiser auch mächtige deutsche Fürsten gibt.

Barbarossa verfolgte eine traditionelle imperiale Politik.

Denn Italien ist ein Teil des Reiches.

Während Heinrich der Löwe seine Herrschaft -

- über die Grenzen Sachsens ausweiten wollte.

In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts:

Seine Truppen rücken nach Norden und Osten vor.

Slawische Gebiete werden erobert und besiedelt.

Der Löwe ist mit den Herzogtümern Bayern und Sachsen -

- einer der mächtigsten Territorialherrscher.

Sein Vordringen ist der Anfang einer deutschen Expansion nach Osten.

Dort entstehen in den kommenden Jahrhunderten weitere Herzogtümer:

Mecklenburg, Pommern, aber auch das Deutsch-Ordens-Gebiet.

Die Marienburg bei Danzig.

Eine riesige Festung, der größte Backsteinbau Europas.

Symbol der deutschen Besiedlung des Ostens, -

- die Heinrich der Löwe begann.

Und die der Deutsche Orden fortsetzte.

Der Braunschweiger Dom ist auch eine Gründung des Löwen.

Der mächtige Herzog trug in seiner Wahlheimat -

- ein königliches Selbstbewusstsein zur Schau.

Seine Hochzeit mit einer englischen Königstochter trug dazu bei.

Heinrich lässt zu diesem Anlass ein kostbares Evangeliar anfertigen.

Es belegt sein Herrschafts- Verständnis.

Heinrich und seine Gemahlin erhalten auf einer Darstellung -

- ihre Krone direkt aus der Hand Gottes.

Eine Anmaßung?

In den Augen anderer Fürsten und des Kaisers -

- setzt der Löwe zum Sprung an.

Zu einem eigenen welfischem Königtum.

Die prächtigen Räume seines Palastes scheinen diesen Anspruch zu belegen.

Auch sein Kunstsinn steht -

- im Dienst der ehrgeizigen Ziele.

Seine Burg Dankwarderode wurde im 19. Jahrhundert rekonstruiert.

Im Stil der Zeit.

Heinrich der Löwe baut sich mit Dankwarderode 1170 eine Residenz.

Wie den Palast eines Königs.

Der Löwe ist Herrscher in Sachsen, Bayern und den slawischen Gebieten.

Er hat eine königsähnliche Stellung.

Die Machtfülle wirkt auf den Kaiser und andere Fürsten des Reiches -

- immer bedrohlicher. Ja, als Kampfansage.

Goslar.

Das Silber auf alle Zeit.

Der Löwe widersetzt sich Barbarossa.

Der Kaiser will, dass er mit nach Italien zieht.

Um Aufstände lombardischer Städte niederzuschlagen.

Der Löwe fordert die Silberminen von Goslar.

Ich bitte dich. Als Vetter, Freund und Kampfgefährte.

Folge deinem Kaiser nach Italien!

Es soll dein Schaden nicht sein.

Aber Goslar wird es nicht.

Der Kaiser wäre zahlungsunfähig ohne das Silberbergwerk in Goslar.

Möge Gott mit dir sein, Vetter!

Ich bin es nicht.

Bist du dir deiner Macht so sicher, Herzog von Sachsen?

Das Reich ... Es hat dich groß gemacht.

Es kann dich auch zerschmettern.

Heinrich verweigert die Teilnahme an der Heerfahrt.

Er verletzt damit kein Recht.

Doch er brüskiert den Kaiser.

Ein Reich von der Ostsee über die Alpen bis ans Mittelmeer.

Barbarossa muss dafür Norditalien langfristig an sein Imperium binden.

Und er braucht den Reichtum der italienischen Städte.

Die Lombarden wollen nicht Teil eines deutschen Reiches sein.

Und nicht sein Zahlmeister.

Die Mailänder haben wenige Jahre nach der Zerstörung -

- ihre Stadt wieder aufgebaut.

Lombardische Truppen bekämpfen Barbarossa bei Legnano.

Es kommt im Mai 1176 zur Feldschlacht.

Zwischen den freien Städtern und kaiserlichen Rittern.

Gefechtsaufstellung! Schließt die Reihen!

Die Streitmacht des Gegners ist doppelt so groß.

16.000 Mann gegen 8.000.

Die Städter kämpfen für ihre Freiheit.

Es wird darüber entschieden:

Wie weit reicht die Macht des deutschen Königs -

- als römischer Kaiser?

Wer setzt einem Anspruch Grenzen, der scheinbar keine Grenzen kennt?

Das Banner Friedrichs geht zu Boden.

Er hat nicht nur eine Schlacht verloren.

Diese Schlacht war für die deutsche Geschichtswissenschaft -

- militärisch wenig effektvoll.

Aber der Sieg der Bürger über die Ritter war es.

Und antideutsche Gefühle blieben seither in Italien lange erhalten.

Bürger des kleinen Ortes Legnano erinnern jedes Jahr am letzten -

- Sonntag im Mai an die dramatischen Ereignisse von 1176.

Ein Brief der Mailänder Bürger an die italienischen Verbündeten -

- gleich nach der Schlacht beschwört den historischen Sieg.

"Der Triumph über die Eindringlinge war nicht durch Waffen."

"Der Sieg gehört allen Italienern."

"Ihr stolzer Wille erhob sich gegen die Knechtschaft."

Ein Nationalgefühl bildet sich südlich der Alpen zum 1. Mal:

Das der Italiener, in Abgrenzung zu den Deutschen.

Deren Herrscher sind hin- und her- gerissen zwischen den Pflichten -

- eines deutschen Königs und den Ansprüchen eines römischen Kaisers.

Barbarossa machte sich Feinde in Deutschland und in Italien.

Ist sein Traum vom einigen heiligen Reich gescheitert?

In Venedig ist 1177 der bis dahin größte Friedenskongress in Europa.

Es wird ein Ausgleich der Interessen zwischen Deutschen und Italienern, -

- zwischen Kaiser und Papst, gesucht.

Barbarossa hatte schon den römischen Pontifex in die Schranken gewiesen.

Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches muss sich nun unterwerfen.

Es heißt jetzt: "Der Papst ist der wahre Kaiser."

Der Versuch des Kaisers, in Italien -

- eine Herrschaft mit eigenen Amtsträgern aufzubauen, -

- endet 1177 mit dem Frieden von Venedig.

Er hatte das Kräftemessen mit dem Papst verloren.

Nun wurde ein Schuldiger gesucht.

Man konnte dabei alte Rechnungen begleichen.

Heinrich der Löwe verweigerte Barbarossa Unterstützung in Italien.

Er wird nun zur Rechenschaft gezogen.

Er will den Kaiser beschwichtigen.

Auf dem Reichstag in Erfurt.

Durch einen Akt der Unterwerfung.

Verzeiht mir, mein Kaiser!

Eure Reue kommt spät, mein Herzog.

Zu spät!

Ich folgte Euch nicht nach Italien.

Ihr wart nicht dazu verpflichtet. Ihr sagtet mir das selbst.

Aber Ihr bringt mich deshalb zu Fall.

Es geht um die Ehre des Reiches.

Das Urteil bleibt bestehen.

Er hatte das Urteil auch auf Druck der Reichsfürsten gefällt.

Heinrich der Löwe wurde ihnen zu mächtig.

Die Gelnhäuser Urkunde besiegelt den Sturz des Sachsenkönigs.

Heinrich von Braunschweig wird als widersetzlich beurteilt.

Auf Grund der Auflehnung.

Alle Lehen, die er vom Reich hatte, werden ihm aberkannt.

Auf einstimmiges Urteil der Fürsten.

Heinrich der Löwe war juristisch nicht verpflichtet, -

- dem Kaiser Heerfolge zu leisten. Aber moralisch.

Der Kaiser hatte ihn protegiert.

Er durfte nun davon überzeugt sein, dass Heinrich Leistungen erbringt.

Wir wissen nicht, warum er das unterlassen hat.

Er hat möglicherweise den Konflikt und seine Folgen unterschätzt.

Der Löwe geht zunächst ins Exil nach England.

Er spielt keine Rolle mehr in der deutschen Geschichte.

Heinrich stiftete den Braunschweiger Dom.

Er und seine Frau Mathilde liegen da.

Sein Sohn erreicht, was dem Löwen verwehrt blieb.

Er wird Anfang des 13. Jahrhunderts als Otto IV. gekrönt.

Als einziger welfischer Kaiser.

Die verlorenen Gebiete wird er nicht zurückerhalten.

Barbarossa verteilte sie. Kein Fürst sollte mächtig werden.

Otto von Wittelsbach! Ich verleihe dir Bayern.

Philipp von Heinsberg! Erzbischof -

- der Kölner Kirche. Du erhältst Westfalen.

Und du, Bernhard von Anhalt!

Du sollst fortan in Engern regieren.

Die Vergabe von Land durch den Monarchen zeigt:

Barbarossa braucht und sucht den Rückhalt der Fürsten.

Die steigende Macht der Fürsten im Reich zeigt sich -

- an der Neuverleihung der Reichslehen Heinrichs des Löwen.

Sie legen immer größeren Wert darauf:

Den König und künftigen Kaiser frei zu wählen.

Dieses Vorrecht hat es in England oder Frankreich nie gegeben.

Wahlmonarchie statt Erbmonarchie.

Eine wichtige Besonderheit in der deutschen Geschichte.

Dieser Grundsatz wurde bald in der "Goldenen Bulle" niedergeschrieben.

Einer historischen Urkunde von 1356.

Unser Föderalismus, die Stärke der Bundesländer, wurzelt hierin.

Pfingsten 1184.

Kaiser Friedrich hat zu einem gigantischen Hoftag eingeladen.

Auf der Maaraue bei Mainz.

Mehr als 70.000 Teilnehmer werden erwartet: Herzöge, -

- Fürsten, Ritter, Bischöfe, Gefolge.

Berühmte Dichter und Musikanten.

Die "Sächsische Weltchronik" berichtet davon:

"Das war das größte Fest, das es je in deutschen Landen gab."

Der Mainzer Hoftag soll schon allein durch seine Größe und Pracht -

- zum gesellschaftlichen Höhepunkt seiner Zeit werden.

Er soll die Niederlage in Italien überspielen.

Barbarossa will demonstrieren:

Wo er ist, ist auch das Reich.

Und dass er als Kaiser unter den Herrschern Europas herausragt.

Barbarossa will den 20.000 Rittern neue Privilegien gewähren.

Sie an sich binden, als Garanten seiner Macht.

Wehrhaft, treu und einsetzbar gegen innere und äußere Feinde.

Die Ritter suchen nicht nur Ruhm und Ehre.

Sondern auch die Gunst schöner Jungfrauen und edler Damen.

Miniaturen der "Manessischen Handschrift".

Bilder von Tugend, Liebe und Hingabe.

Der Höhepunkt des mittelalterlichen Rittertums.

Turniere sind nicht nur Gefechtsübungen.

Sie sind die Großwettkämpfe ihrer Zeit.

Wer einen berühmten Namen will, muss ihn erringen.

Höhepunkt des Turniers ist das Scharfrennen.

Für den Teilnehmer gilt:

Er muss sein eigenes Pferd mitbringen.

Er muss es mit Zügeln und Sporen beherrschen und -

- die Lanze halten können.

Tapferkeit findet dabei Beifall.

Und gelungene Treffer.

Das Turnierwesen stammt aus längst vergangenen Zeiten.

Aber viele Redewendungen sind noch in unserem Sprachgebrauch:

"Jemanden ins Visier nehmen". "Mit offenem Visier kämpfen".

"Die Lanze für jemanden brechen". "Jemanden in die Schranken weisen".

Der Reiter musste damals "seine Sporen verdienen".

Und im Kampf "Farbe bekennen", sich zu einer Partei deklarieren.

Es soll nicht zu viele Verletzungen bei dem Spektakel geben.

Die Lanzen sind vorne stumpf.

Manche wurden trotzdem nicht nur in ihrem Stolz verletzt.

Der Mainzer Hoftag soll Gegner des Kaisers -

- unter den Farben des Reiches vereinen.

Aber die Fürsten wollen ihre Eigenständigkeit behalten.

Der Kaiser soll ihresgleichen sein.

Und nicht der über allem erhabene Herrscher.

Die "Schwertleite" ist der Höhepunkt des Hoftags.

Dieser Schwur führt tausende junge Männer in den Ritterstand.

Auch Barbarossas Söhne.

(Beide:) Wir schwören, die heilige Kirche zu schützen.

Dem Kaiser des Heiligen Reiches allzeit treu zu sein.

So wahr uns Gott helfe!

Im Namen Gottes, des heiligen Michael -

- und des heiligen Georg schlage ich euch zu Rittern.

Seid tapfer, unentwegt und treu!

Gott zur Ehre, dem Reich zur Wehr!

Den Schwachen zum Schutz, den Starken zum Trutz!

Ertragt diesen Schlag und fürder keinen!

Friedrich will mit dem Ritterschlag der Söhne seine Nachfolge regeln.

Heinrich, der ältere, ist links im Bild.

Er soll der nächste römisch-deutsche König und Kaiser werden.

Die Fürsten wählen den König.

Aber der Kaiser will seiner Dynastie eine Art "Erbfolge" verschaffen.

Die Staufer sind zum Herrschertum berufen.

Alle Welt soll das sehen.

Der mittelalterliche Traum von einen Reich.

Er scheint auf dem Hoftag zu Mainz aufzuleben.

Aber dunkle Wolken ziehen auf.

Der Chronist Otto von St. Blasien schreibt:

"Starker Wind von Westen erhob sich in der Dämmerung der Pfingstnacht."

"Er brachte viele Gebäude zum Einsturz."

"Man sah es als schlechtes Zeichen, was die göttliche Macht anzeigte."

Ein verheerender Sturm lässt die Kulissen des Hoftags einstürzen.

Viele Menschen werden verletzt oder getötet.

Zeitgenossen meinen: ein böses Omen.

Es ist tatsächlich der Anfang vom Ende.

Barbarossa geht 67-jährig auf einen Kreuzzug nach Jerusalem.

Das christliche Abendland hat dort seine heiligen Stätten.

Wie die Muslime, die dort herrschen.

Aber der Kaiser ertrinkt unterwegs in einem Fluss in Vorderasien.

Das Heilige Land bleibt ihm verschlossen.

Aber was hat er erreicht?

Ich denke, die Bilanz sieht hier eher nüchtern aus.

Er muss sich am Ende dem Papst unterwerfen.

Die Fürsten kommen nicht mehr an seinen Hof.

Die Italienpolitik scheitert.

Aber Friedrich Barbarossa wird dennoch rasch zu einem Mythos.

Er geht als große Persönlichkeit in die deutsche Geschichte ein.

Er wird an die Seite Karls des Großen gestellt.

Die Nachwelt machte ihn größer als er war.

Ein Monument auf dem Kyffhäuserberg in Thüringen.

Es wurde Friedrich Barbarossa gewidmet.

Ende des 19. Jahrhunderts.

Er soll der Sage nach im Kyffhäuser ruhen.

Aber er soll eines Tages wiederkehren.

Und die alte Kaiserherrlichkeit erneuern.

Ein grandioses Missverständnis!

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