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Einwanderung und Integration.
Für die meisten Städte und Gemeinden sind das große Herausforderungen.
Viele Menschen fragen: Wie kann ein Miteinander funktionieren?
Was muss passieren, was muss man tun?
Zwei Städte haben Rezepte gefunden.
Zeigen, wie Menschen aus verschiedenen Kulturen
besser miteinander auskommen können.
Erster Schultag in der flämischen Stadt Mechelen.
Menschen aus 138 Nationen leben hier.
Das ist nicht immer einfach, v.a. nicht an Schulen.
Auf die St. Pieters Schule gehen überdurchschnittlich viele Migranten
und nur wenige Kinder von Eltern mit belgischen Wurzeln.
Denn Belgiens Eltern haben freie Schulwahl.
Schulleiter Dirk Letens will die Klassen mehr mischen
und so die Integration in der Stadt weiter voranbringen.
Am besten bei den Kleinsten.
Guten Morgen.
Unsere Schule ist ein Integrationspunkt im Viertel.
Alle Kinder sind hier zusammen, sie leben zusammen,
sie lernen, miteinander umzugehen, miteinander zu arbeiten,
zusammen zu lernen und Spaß zu haben.
Aber sie lernen auch, miteinander zu diskutieren
und sie sehen, dass die Menschen auf der Welt verschieden sind.
Das ist viel wert.
Dass die Schulen in Mechelen diesen Weg gehen,
ist auch sein Verdienst.
Bart Somers ist seit fast 18 Jahren Bürgermeister der Stadt
und hat dort vieles verändert.
und hat dort vieles verändert.
Wir haben in Belgien Schulen mit einem riesengroßen Anteil
von Schülern mit Migrationshintergrund.
Da fand eine Konzentration statt.
Die Eltern aus der belgischen Mittelklasse
schickten ihre Kinder nicht mehr in diese Schulen,
weil sie Angst um die Bildungsqualität hatten.
Außerdem hatten sie auch Angst, dass ihr Kind
unter den vielen Migrantenkindern ziemlich allein dastehen würde.
Damit können sich Eltern oft nicht anfreunden.
Somers nahm Geld in die Hand für ein Programm,
übersetzt: "Schule in Sichtweite".
Dabei werben Schulbetreuer bei Belgiern dafür,
ihre Kinder in die nächstgelegene Schule zu schicken.
"Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind aufzuziehen",
sagt ein Sprichwort.
Aber man braucht v.a. die Eltern.
Man muss verstehen,
welche Anforderungen sie an die Erziehung ihrer Kinder stellen.
Die Schule garantiert die Qualität des Unterrichts.
Das Schulamt überprüft die Lernleistungen der Schüler.
Der kontrollierte Lernerfolg schafft Vertrauen bei den belgischen Eltern.
Tatsächlich steigt der Anteil von Kindern ohne Migrationshintergrund.
Nora besucht die St. Pieters Schule seit einem Jahr.
In Belgien werden Kinder schon mit drei Jahren eingeschult.
Die Entscheidung für die Nachbarschaftsschule
trafen die Eltern Hanne und Vincent nach einer Beratung.
Für uns ist es wichtig, dass unsere Kinder in eine Schule gehen,
die unsere Umgebung widerspiegelt.
Dass sie auf Menschen treffen, die aus verschiedenen Kulturen kommen.
Vincent und Hanne befürchten nicht, dass ihre Kinder zu wenig lernen.
Sie sehen eher Vorteile.
Es ist auch für uns eine Win-Win-Situation.
So kann man auch leichter mit anderen Eltern ins Gespräch kommen
und die Kinder spielen miteinander.
Ende der 1990er Jahre gab es kaum solche Integrationsbemühungen.
Mechelen kämpfte mit enormen Problemen.
Für viele in der Stadt waren Migranten daran schuld.
Wir kamen aus einer sehr schwierigen Ära.
Die rechtsextremen Parteien bekamen mehr als 30 % der Stimmen.
Mechelen war eine Stadt, die polarisiert hat,
ein Ort mit hoher negativer Ausstrahlung.
Das Schwierigste ist es, die Balance wieder herzustellen.
Eine Stadt, in der die Regeln respektiert werden,
die aber auch gleichzeitig eine integrative Stadt ist.
Dieses Gleichgewicht zu finden zwischen Sicherheit und Integration,
das ist eine große Herausforderung.
Vor 17 Jahren machte sich Somers daran,
genau dieses Gleichgewicht herzustellen.
Auch für Stuttgart hatte Integration immer Priorität.
Mit vielen Maßnahmen hat die baden- württembergische Landeshauptstadt
seit Jahrzehnten daran gearbeitet - aus gutem Grund.
Hier leben über 160 Nationen.
Von 600.000 Einwohnern haben 270.000 ihre Wurzeln in anderen Ländern.
Ihr Anteil liegt bei 44 %.
Für Stuttgarts Integrationsbemühung
ist Multi-Kulti eine Frage der Gleichheit aller Bürger.
Multi-Kulti bedeutet nichts anderes,
als dass multiple Kulturen in einer Stadt vorhanden sind.
Das macht eine heterogene Gesellschaft aus.
Aber alle sind Stuttgarterinnen und Stuttgarter.
Die Rahmenbedingungen sind klar für das Zusammenleben,
für das Miteinander und das Füreinander.
Innerhalb dieser Rahmenbedingungen
kann sich jeder entfalten, wie er will.
Zuwanderung gehört seit Jahrzehnten in Stuttgart selbstverständlich dazu.
Im Stadtmuseum wird von Edith Neumann eine Ausstellung vorbereitet.
Dabei geht es auch um Zuwanderung.
Sie zeigt, welche kleinen Schätze im Depot lagern.
Diese Figur stellt einen typischen Gastarbeiter von damals dar.
Was mich daran fasziniert ist, dass höchstwahrscheinlich jeder,
der einen Migrationshintergrund hat in Stuttgart,
solch ein Foto von seinen Eltern hat,
die in den 60er und 70ern eingewandert sind.
Ich habe auch so ein Foto von meinen Eltern, von meinem Vater am Bahnhof,
mit seinem Koffer, mit seinen Freunden, als er nach Stuttgart kam.
In dieser Box ist ein Deutsch- Sprachkurs auf Schallplatten,
gespendet von einem Griechen.
Das Linguaphone hat er sich gekauft in seinem Heimatland,
in der Vorbereitung auf das Kommen nach Deutschland,
und hat gedacht: "Die Schallplatten kann ich noch gar nicht hören,
weil ich habe noch keinen Plattenspieler."
"Aber wenn ich in Deutschland arbeite,
kann ich mir den Plattenspieler dazu leisten."
Bereits in den 1970er Jahren
wurden die Herausforderungen um die Integration
ausführlich beschrieben.
Der erste Ausländerbericht ist von 1976.
Das ist eine Mischung zwischen Resümee der Zeit
und einem "Wie geht's weiter" - man musste sich was überlegen.
Aber man sieht auch, dass hier eigentlich sehr viel Themengebiete
schon abgeklopft worden sind in diesem Dokument,
die wir heute auch noch haben. - Selbstverständlich, ja.
Wir haben hier ein Kapitel zur Integration:
Was kann man machen, damit diese Menschen hier bleiben?
Was ist, wenn sie gehen wollen?
Die Kommunalverwaltung,
die damals gute 15 Jahre mit Zuwanderung konfrontiert war,
war schon seiner Zeit voraus.
In den 1960er Jahren schließt Deutschland
mit den südlichen Staaten Europas und mit der Türkei ein Anwerbeabkommen.
Die boomende Industrie braucht dringend Arbeitskräfte.
Der große Zulauf von "Gastarbeitern"
schon damals eine Geschichte von gegenseitiger Anpassung.
Einmal hatte ich für kurze Zeit einen Jugoslawen.
Den habe ich gebeten, nicht so viel Knoblauch zu schneiden und zu essen.
Das hat er nicht eingehalten und dann habe ich gesagt:
"Dann können Sie bei mir nicht wohnen, das stinkt ja überall."
Fremdenfeindlichkeit oder gar eine Zwei-Klassen-Gesellschaft,
das lehnt der damalige Oberbürgermeister,
der CDU-Politiker Manfred Rommel, ab.
Er wirbt für den Dialog der Kulturen, auch aus persönlichen Gründen.
Meine Schwiegermutter ist auch Griechin,
aber meine Frau kann kein Griechisch.
Dass Migranten die Stuttgarter Stadtpolitik mitgestalten,
auch wählen dürfen - für Rommel selbstverständlich.
Die Probleme der Ausländer, die hier geboren sind
und die nur in den Ferien in ihren Heimatländern waren,
und mehr Schwaben als Ausländer sind,
das alles wird uns viel näher gebracht.
Auch beim Thema Wohnen ist Stuttgart damals vielen Städten voraus.
Damit sich alle wie Stuttgarter fühlen,
werden städtische Wohnungen nach einem Belegungsschlüssel vergeben.
Der stellt sicher, dass Deutsche und Ausländer aus verschiedenen Nationen
nahe beieinander oder im gleichen Haus leben.
Das soll Parallelgesellschaften verhindern.
Diese Siedlung im Ortsteil Birkach
wird von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft verwaltet.
Damals kam Mehmet Bozdemir als Jugendlicher mit seiner Familie
aus der Türkei hierher.
In diesem Viertel bin ich aufgewachsen.
Auch unter vielen, vielen Deutschen war der Migrantenanteil sehr wenig,
aber ich fand schnell Freunde, auch deutsche Freunde in dem Fall,
wo meine sprachliche Entwicklung auch sehr geholfen hat.
Im Nachhinein ist das Viertel natürlich in Bewegung gewesen
und dann haben wir...
Und dann kamen auch teilweise die Migranten nach.
In den 1970er Jahren wohnte Bozdemirs Familie hier im ersten Stock.
Noch heute gilt eine Belegungsrichtlinie für das Haus.
Es fördert enorm die Integration,
vorausgesetzt, dass auch Deutsche da drin sind.
Das muss man auch klar sagen.
Ziel ist es ja, dass wir Teil dieser Gesellschaft werden.
Mehmet Bozdemir engagiert sich bei der städtischen Wohnungsgesellschaft
als ehrenamtlicher Mieterbeirat.
So sorgt er dafür, dass an dem Prinzip Städtische Wohnungen
gleichermaßen für Deutsche und Migranten festgehalten wird.
Diese Familie aus Mazedonien benötigt dringend Hilfe.
Sie suchen eine Wohnung? - Schon lange Zeit, zwei Jahre.
Haben Sie irgendwelche Anträge schon gestellt?
Momentan lebt die Familie unfreiwillig getrennt,
der Vater in einer Einzimmerwohnung, Mutter und zwei Söhne bei Freunden.
Die Suche nach einer gemeinsamen Wohnung ist schwierig,
auch wegen der umfänglichen Bürokratie.
Der Kleine sucht den Vater, das ist natürlich ein Problem.
Ich wünsche ein Zimmer, ein Zuhause.
Wo ich der Familie helfen kann, ist diese Situation so zu schildern,
dass die Leute, die in dem Amt arbeiten und sie betreuen,
ein ganz anderes Bild haben.
Bozdemir versucht, bei der Wohnungsgesellschaft
ein neues Zuhause für die Familie zu finden.
In Mechelen gab es keine Belegungsquote,
stattdessen die übliche Wohnungspolitik.
Bürgermeister Bart Somers
will die Schattenseiten aus der Vergangenheit beseitigen.
In den 1970er Jahren schuf man solche Mietskasernen.
Vorwiegend belegt mit Zuwanderern.
Damals lag das Hauptaugenmerk auf Masse, statt auf Klasse.
Wenn man die Menschen in solchen schlechten Häusern zusammenpfercht,
in denen man drum herum die Nachbarn hört
und man auch in einer Art Ghetto lebt, dann ist das nicht gut.
Diese Leute verdienen etwas Besseres.
Somers denkt um.
Wohnen, soziale Betreuung, Dialog
und eine Verpflichtung für alle, sich den neuen Zeiten zu stellen.
Das machte ihn berühmt.
Ja, ich habe Sie schon mal gesehen.
Sie sind in unserer Schule gewesen.
Somers fördert den Bau von neuen Reihenhäusern,
investierte in den letzten Jahren 180 Millionen Euro
in den sozialen Wohnungsbau.
Wir wollen auch Mittelklasse- Familien in diese Häuser bringen.
Dafür zahlen die weniger Miete,
müssen sich aber acht Stunden in der Woche sozial im Viertel engagieren.
Sie müssen uns etwas zurückgeben.
Oft gibt es das Problem,
dass in solchen Vierteln hohe Arbeitslosigkeit herrscht.
Wenn auch andere hier wohnen, sehen sie Arbeit, Fortschritt,
dass etwas vorangeht, sie bekommen ein besseres Netzwerk.
Das bringt Vielfalt in das Viertel.
Bart Somers kämpft für gemischte Viertel und gegen Abschottung.
Die Stadtviertel sollen für alle gleich lebenswert und sicher sein.
Das kommt an in Mechelen, bei Belgiern und Migranten.
Zufrieden in Mechelen? - 100 %.
Ich war vorher in Holland in Den Haag, mir fehlt hier nichts.
Also: Mechelen ist gut.
Sozialpolitik ist die eine Seite von Somers.
Aber ein Bürgermeister muss auch die Sicherheit aller Bürger garantieren.
Nur in einer sicheren Stadt gelingt Integration.
Deshalb geht er mit null Toleranz gegen jede Form von Kriminalität vor.
Über 400 Kameras sind in Mechelen verteilt.
Damit machte sich Somers, Mitglied einer liberalen Partei,
nicht nur Freunde.
Am Anfang sagten die Leute: "Er ist ein rechter Politiker,
er steckt viel Geld in die Polizei, in Sicherheit, in saubere Straßen."
Aber das war wichtig, weil es auch das Vertrauen wiederherstellte.
Auch für die Leute,
die mit der Vielfalt in der Stadt Schwierigkeiten haben.
Die Kameras entlasten die Polizisten.
Die haben nun auf ihren Patrouillen Zeit für die direkte Ansprache.
Sie können Präsenz zeigen, beraten, sensibilisieren.
V.a. auch die Bewohner vieler armer Stadtteile
fühlten sich sicherer.
Bald gab es wieder mehr gemischte Quartiere.
Das Prinzip "Law and Order" und zugleich Multi-Kulti.
Das erfordert einen enorm hohen Aufwand.
Doch in Mechelen scheint sich dieses Konzept auszuzahlen.
Die meisten Leute in Mechelen, die ich kenne, sagen mir,
dass sie sich durch die Kameras sicherer fühlen, z.B. beim Einkaufen
In den Shopping-Zonen haben wir Kameras.
Die Menschen wissen auch: Wenn was passiert,
ist es uns möglich, den Täter zu ermitteln.
Neben der Überwachung
setzt die Stadt auf Nachbarschaftshelfer,
Beratungsangebote, Streetworker.
In Somers Amtszeit sanken die Verbrechensraten.
Somers Devise: Es gibt keine Freiheit ohne Sicherheit.
Beides sind Grundsteine für Integration.
Das schafft eine ent- spannte Atmosphäre in der Stadt.
Das mögen die Menschen.
Wenn sie sich sicher fühlen, sind sie auch offen für Vielfalt.
Selbst beim Thema Islamismus bewies Sommers Weitsicht.
Seit einigen Jahren
kämpft Belgien mit dem Problem junger radikaler Islamisten.
Bürgermeister, Polizei
und speziell geschulte De-Radikalisierungs-Arbeiter
kümmern sich in Mechelen um gefährdete Jugendliche.
Schon bei kleinsten Anzeichen gibt es Hilfe,
damit sie nicht durch das soziale Netz fallen.
Es gab einen Jungen, der andeutete, nach Syrien zu fahren,
sollte er in dem Schuljahr scheitern.
Er hatte viel Frust aufgebaut, es gab Probleme.
Aber es gab noch eine Lehrkraft, zu der er ein gutes Verhältnis hatte.
Die hat ihn betreut, damit er das Jahr schaffen würde.
Die intensive Arbeit wirkt.
Aus Mechelen zog bisher niemand in den "Heiligen Krieg".
Betreuung gilt auch für die Freizeit.
Mechelen hat erkannt, dass Sport hilft.
Diese Sporthalle haben Jugendliche selbst renoviert.
Montags ist Thai-Box-Training.
Für Jungs und Mädchen, für Migranten und Einheimische.
Jeder hier ist gleichwertig, jeder muss die gleichen Übungen machen.
Jeder muss mit jedem trainieren.
Dadurch lernen wir uns alle besser kennen.
Über 30 solcher Box-Clubs gibt es in der ganzen Stadt.
Mustapha Lahrach kümmert sich im Auftrag der Stadt um das Training.
Er selbst ist ein ehemaliger Drogendealer mit Knasterfahrung.
Nicht spielen, trainieren.
Nicht müde werden.
Los, Konter!
Ja, gut, kontern, reagieren.
Alle möglichen Nationalitäten sind in diesem Raum.
An erster Stelle steht hier Respekt.
Gegenseitiger Respekt, einander helfen, Disziplin.
Das macht unseren Verein aus.
Außerdem hat das harte Training noch einen weiteren Effekt.
Wenn die Jugendlichen herkommen, um Sport zu treiben,
haben sie keine Möglichkeiten mehr, keine Kraft mehr,
um draußen Mist zu bauen.
Es ist mir lieber, sie kommen her und trainieren,
als dass sie sich auf der Straße Blödsinn ausdenken.
In Stuttgart Raitelsberg kümmert sich auch jemand um Kids: Ali Baki Enhas.
Früher wäre ihm der Zustand des Bolzplatzes egal gewesen.
Heute setzt er sich bei der Stadt für dessen Erhalt ein.
Ich mach das hier nur, weil ich will, dass die Kinder
nicht ohne Perspektive auf der Straße abhängen,
irgendwie Scheiße machen und auf die schlechte Bahn kommen.
Sondern sie sollen sich lieber
in ihrer Freizeit mit was Wichtigem beschäftigen,
Sport machen, sich im Verein anmelden,
vielleicht irgendwann Profi werden - jeder kann ja seine Träume haben.
Und das will ich den Kindern zeigen,
dass sie etwas aus sich machen und nicht perspektivlos abhängen.
Der 19-Jährige saß schon mal wegen Körperverletzung im Gefängnis.
Heute ist Ali anders, das liegt auch an ihm.
Hey, Balthasar.
Ernst Strohmeier leitet einen Verein, der Jugendliche re-integriert.
Ich versuche herauszufinden, was das Besondere an den Leuten ist.
Das ist eine Art Empowerment,
wie man mit den Jugendlichen arbeiten könnte.
Dann funktioniert es auch.
Jeder ist etwas ganz Besonderes.
Jeder ist ein anderer.
Dieses "Andere" zu finden und schauen, wo seine Stärken sind
und die Interessenschwerpunkte zu verschieben, das ist mein Job.
Unterstützung kommt von der Stadt Stuttgart.
Levent Günes, zuständig für die Integrationspolitik,
möchte ein Projekt fördern,
bei dem sich Jugendliche um alte Leute kümmern.
Wie hast du dir das vorgestellt?
Wird das in Form einer Nachbarschaftshilfe sein,
oder werden die Jugendlichen auch aktiv in Altenheime gehen?
Das Projekt heißt "Silver Star aktiv".
Das heißt, dass junge Leute anfangen sollen,
den älteren Leuten zu Hilfe zu kommen.
Dahinter steckt die Idee,
mehr Verständnis für die Lebens- situation anderer zu bekommen.
Mit dem Nebeneffekt: Sie merken, dass sie etwas bewirken können.
Man hat es halt nicht immer einfach,
wenn man aus einer sozial schwächeren Gegend
oder aus einer sozial schwächeren Familie kommt.
Und aufzuzeigen: Es ist nicht alles blöd.
Du kannst selber mitgestalten.
Politik ist nicht nur schlecht und so weiter.
Du kannst im Kleinen mitgestalten und deinen Stadtteil mitgestalten,
dein Viertel mitgestalten - das ist für mich Integration.
Dazuzugehören, mitzugestalten, sich um den eigenen Lebensraum kümmern.
Was für viele von Strohmeiers Zöglingen undenkbar war,
ist jetzt normal.
Integrationsarbeit liegt in Stuttgart auch in Händen der Polizei.
Tobias Reiff vom Staatsschutz weiß, was die muslimische Gemeinde bewegt.
Regelmäßig besucht er die Moscheevereine.
Seit dem 11. September 2001 stehen die Vereine vielfach unter Verdacht,
radikale Muslime zu fördern.
Die Ditib-Gemeinschaft in Deutschland ist wegen ihrer engen Verbindung
zur türkischen Regierung unter Beschuss.
Kommissar Reiff will mit seinen Besuchen verhindern,
dass sich die Moschee-Mitglieder von der deutschen Gesellschaft abwenden.
Wir sind als Polizei da.
Ihr braucht nicht Sorge haben, dass wir euch nur verfolgen,
wenn es um Straftaten geht, sondern dass wir im Vorfeld anbieten,
zu unterstützen oder bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist,
entsprechend tätig zu werden.
Und auch über den geplanten Moscheebau des Ditib-Vereins
lässt sich Polizist Reiff informieren.
Für ihn und für den Vorsitzenden des Vereins eine Selbstverständlichkeit.
Wer richtig unsere Religion lernte,
hat keinen Hass, hat keinen Feind in einem anderen Glauben.
Eine Grundzufriedenheit hilft weiter,
damit sich die Leute nicht abschotten.
Damit sie sagen: "Okay, wir fühlen uns in dieser Gesellschaft wohl,
wir dürfen im Rahmen des Grundgesetzes
unseren Glauben entsprechend ausüben und haben alle Möglichkeiten."
Stuttgarts Überzeugung ähnelt der von Mechelen.
Wenn Muslime integriert sind, haben religiöse Radikale wenig Chancen.
Wie verschiedene Kulturen friedlich und vertrauensvoll
aufeinander zugehen, zeigt seit über 30 Jahren das Haus 49.
Werner Wölfle, heute Stuttgarts Sozialbürgermeister,
hat das Haus aufgebaut.
Korina Smrcek leitet es heute.
Cool, dass du da bist.
Es gab auch in Stuttgart die Phasen, wo man diskutiert hat:
Kann man die Zuwanderer überhaupt integrieren?
Wenn man es sich anschaut: Wenn man es richtig macht, funktioniert's.
Es liegt nicht an dem Türken an sich oder dem Kroate an sich
oder dem Deutschen an sich.
Es kommt immer darauf an, dass man sie miteinander ins Gespräch bringt.
Werner Wölfle hat hier Freundschaften fürs Leben geschlossen.
Danke. - Wir leben noch.
Das ist die wichtigste Voraussetzung.
Das Haus 49 ist Anlaufpunkt für alle Generationen.
Schon die Kleinsten
finden spielerische Hilfe bei Lernschwierigkeiten.
Jugendliche werden von Sozialarbeitern beraten.
Hallo, sitzt ihr schon wieder an irgendeiner Präsentation?
Für Korina Smrcek steht Bildung ganz oben auf der Agenda.
Das ist uns wichtig, die Kinder und Jugendlichen zu befähigen,
irgendwann einen Beruf zu ergreifen, der ihren Vorstellungen,
ihren Wünschen und ihren Eigenschaften entspricht.
Es ist nicht nur für uns ein wichtiger Punkt,
sondern auch für sehr viele Eltern, deren Hauptmotivation,
das Haus 49 zu frequentieren, schon auch die Bildung ist
und die Beratung, die wir hier anbieten.
Stuttgart hat mittlerweile viele solcher Bürgerzentren.
Die schaffen Nähe zwischen den Kulturen.
Verständnis als wichtiger Pfeiler für Integrationsarbeit.
Ich bin hier groß geworden, ich bin hier mitgewachsen.
Ich habe versucht, mitzuwirken
als Ehrenamtliche, als Kind, als Mama, als Jugendliche.
Praktisch die ganzen Wege habe ich hier mitgemacht.
Mir gefällt, dass wir jeden Donnerstag hierherkommen
und dass es oben ein Spielezimmer gibt, da spielen wir auch immer.
Ich finde es hier toll, weil ich hier öfters spiele
und ich es sehr lang kenne und es mir Spaß macht.
Wenn es kein Haus 49 geben würde, dann würden wir was vermissen.
Ganz stark vermissen,
weil wir treffen hier nicht nur hier unsere Freunde
und nicht nur unsere Kinder kommen hierher,
sondern unsere Jugend, unsere Kindheit steckt hier drin.
Diese Tische hier sind noch von unserer Kindheit.
Auch für die nächste Generation im Haus 49 gilt:
Man soll hier Türke sein, man soll Albaner und Kroate sein,
aber auch Stuttgarter.
Ich mache immer diese Einbürgerungsfeiern bei uns,
da sag ich immer: "Leute, vergesst eure Wurzeln nicht."
"Das gehört zur Identität, aber wir leben hier,
wir begegnen uns hier gemeinsam und wir schätzen uns gegenseitig."
Was im Haus 49 funktioniert,
ist tatsächlich auf viele Orte in Stuttgart übertragbar.
Multi-Kulti funktioniert dort, weil viele mitmachen.
Die Bürger, die Stadt, die Kirchen oder die Moscheevereine.
* Gesang *
Dennoch brauchen alle einen langen Atem,
denn Integration ist anstrengend, harte Arbeit.
Integrationsarbeit ist eine Querschnittsaufgabe.
Dass das nicht immer reibungslos von statten geht, das ist klar.
Wir sind eine Großstadt, da machen wir uns gar nichts vor.
Man muss einfach dieses Thema nicht als ein Randthema betrachten,
sondern es ist ein politisches Thema, das immer da sein wird.
Man muss immer am Ball bleiben.
Stuttgart kann überall sein.
Man muss offen sein und man muss den Willen dazu haben.
* E-Gitarrenmusik *
Die Menschen in einer Stadt kontinuierlich zueinander bringen.
* E-Gitarrenmusik *
Mechelens Bürgermeister Bart Somers hat keine Berührungsängste
und lebt vor, was er sich von allen seinen Bürgern wünscht: Offenheit.
Der war einfach.
Ich mag die Verbindung zu den Menschen, weil ich daran glaube,
dass ein guter Bürgermeister Empathie braucht.
Wir brauchen das alle.
In einer vielfältigen Gesellschaft hilft einem das,
sich in andere hineinzuversetzen.
Dann sieht man die Dinge plötzlich mit anderen Augen.
Wenn wir diese Empathie nutzen,
können wir eine gute Gesellschaft bilden.
Ob Belgier oder Migrant - alle müssen sich bewegen.
Auch politisch wirkt sich das aus.
In Mechelen wählen immer weniger Menschen die Rechtspopulisten.
Die Realität ist, dass sich unsere Welt täglich ändert.
Wir müssen uns alle anpassen.
Wenn wir also über Integration in einer Stadt sprechen,
dann müssen sich alle anstrengen.
Wir müssen alle versuchen, das Beste daraus zu machen.
Es geht nicht um die anderen, wir müssen ein "Wir" daraus machen.
Wir sind alle zusammen in einer Stadt, sie gehört uns.
Sie ist gewiss kein Paradies, wir haben auch Probleme,
aber wir ändern das.
Wir werden dieses Spiel gewinnen.
Klare Botschaften, klare Regeln für alle.
Oft ist das schwierig.
Für seinen Mut ist Bart Somers geehrt worden, zum Weltbürgermeister.
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