All language subtitles for Die.geliebten.Schwestern.2014.GERMAN.Festivalfassung.dTV

af Afrikaans
ak Akan
sq Albanian
am Amharic
ar Arabic
hy Armenian
az Azerbaijani
eu Basque
be Belarusian
bem Bemba
bn Bengali
bh Bihari
bs Bosnian
br Breton
bg Bulgarian
km Cambodian
ca Catalan
ceb Cebuano
chr Cherokee
ny Chichewa
zh-CN Chinese (Simplified) Download
zh-TW Chinese (Traditional)
co Corsican
hr Croatian
da Danish
nl Dutch
en English Download
eo Esperanto
et Estonian
ee Ewe
fo Faroese
tl Filipino
fi Finnish
fr French
fy Frisian
gaa Ga
gl Galician
ka Georgian
de German Download
gn Guarani
gu Gujarati
ht Haitian Creole
ha Hausa
haw Hawaiian
iw Hebrew
hi Hindi
hmn Hmong
hu Hungarian
is Icelandic
ig Igbo
id Indonesian
ia Interlingua
ga Irish
it Italian Download
ja Japanese
jw Javanese
kn Kannada
kk Kazakh
rw Kinyarwanda
rn Kirundi
kg Kongo
ko Korean Download
kri Krio (Sierra Leone)
ku Kurdish
ckb Kurdish (Soranî)
ky Kyrgyz
lo Laothian
la Latin
lv Latvian
ln Lingala
lt Lithuanian
loz Lozi
lg Luganda
ach Luo
lb Luxembourgish
mk Macedonian
mg Malagasy
ms Malay
ml Malayalam
mt Maltese
mi Maori
mr Marathi
mfe Mauritian Creole
mo Moldavian
mn Mongolian
my Myanmar (Burmese)
sr-ME Montenegrin
ne Nepali
pcm Nigerian Pidgin
nso Northern Sotho
no Norwegian
nn Norwegian (Nynorsk)
oc Occitan
or Oriya
om Oromo
ps Pashto
fa Persian
pl Polish Download
pt-BR Portuguese (Brazil)
pt Portuguese (Portugal)
pa Punjabi
qu Quechua
ro Romanian
rm Romansh
nyn Runyakitara
ru Russian
sm Samoan
gd Scots Gaelic
sr Serbian
sh Serbo-Croatian
st Sesotho
tn Setswana
crs Seychellois Creole
sn Shona
sd Sindhi
si Sinhalese
sk Slovak
sl Slovenian
so Somali
es Spanish
es-419 Spanish (Latin American) Download
su Sundanese
sw Swahili
sv Swedish
tg Tajik
ta Tamil
tt Tatar
te Telugu
th Thai
ti Tigrinya
to Tonga
lua Tshiluba
tum Tumbuka
tr Turkish
tk Turkmen
tw Twi
ug Uighur
uk Ukrainian
ur Urdu
uz Uzbek
vi Vietnamese
cy Welsh
wo Wolof
xh Xhosa
yi Yiddish
yo Yoruba
zu Zulu

Original subtitles

Hier könnte deine Werbung stehen! Kontaktiere noch heute www.OpenSubtitles.org

(Hufeklappern)

(Frau) Na, n bissl geschlafen?

Ich bin viel zu aufgeregt.

Mhm. Schlafen.

Die Kutsche wackelt auch so, da kann man nicht richtig schlafen.

(Musik)

Schreib mir.

Nelly?

Viel Glück.

(Musik)

- Festivalfassung, ca. 170 Min -

(Stimmengewirr)

Im Herbst 1787 tritt die junge Charlotte von Lengefeld

in den Dienst ihrer Patentante in Weimar.

Sie ist in die Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Weimar

geschickt worden.

In der Hoffnung, es möge unter den Augen ihrer berühmten Tante

Charlotte Albertine Ernestine von Stein eine Hofdame aus ihr werden.

Bitte? - Charlotte von Lengefeld. Ich werd erwartet.

Gehen Sie hinten am Seiteneingang rein.

Hinten, Marstallstraße.

Sie kommt mit dem Hintergedanken ihrer Mutter im Gepäck,

eine gute Partie für sich ausfindig zu machen.

Einen Mann von möglichst herausragendem Adel

und mit Vermögen.

Charlotte gilt zu Hause als brave und verständige Tochter,

die im Allgemeinen stets das tut und sagt,

was man ihr aufträgt zu tun und zu sagen.

(Mann ruft) Pyramus.

(Frau) Das ist Pyramus.

(Andere Frau) Der Löwe mit dem blutigen Schleier im Maul.

Frau von Stein, ein heller Stern am Hof des Herzogs Carl-August,

leidet seit einem Jahr unter der Abreise

ihres großen Freundes Johann Wolfgang von Goethe nach Italien.

(Gäste) Ah, Medea, Medea.

(Mann) Medea tötet ihre Kinder.

Sie ist Anfangs auch nicht immer nur liebevoll zu ihrem Patenkind.

Charlotte verbringt einen Winter mit Manieren-Erlernen,

literarischen Gesellschaften, mit Musik und Festen bei Hof.

Als der Frühling kommt, hat sie zahlreiche Einladungen erhalten,

hat die meisten davon angenommen, sie hat viel getanzt

und viele geistreiche Unterhaltungen geführt.

Aber wohin ihr Leben gehen soll, und v.a. zu wem,

das weiß sie jetzt noch weniger als am Tag ihrer Ankunft.

Ihre Briefe nach Hause bekommen einen anderen Tonfall.

Aus dem Respekt vor der höfischen Gesellschaft

wird Spott, aus der Zurückhaltung wird Einsamkeit.

Im Frühjahr 1788 ist nur noch ein schottischer Captain übrig,

der Charlotte mit seiner Zuneigung belagert.

Liebste, sehnlich vermisste Caroline.

Ich muss dir heute den Vorfall

des falschen Begräbnisses der Frau von Werthausen berichten.

Die sehr junge Frau des sehr alten Herrn von Werthausen

war am Vorabend noch gesund auf einer Gesellschaft gewesen.

Als ihrem Gatten anderntags um die Mittagszeit in seiner Kanzlei

ihr plötzlicher Tod angezeigt wurde.

Der alte Mann eilte nach Hause

und fand seine Frau dort bereits im Sarg,

angeblich wegen Seuchengefahr.

Er beweinte sie, ließ sie aufbahren und 3 Tage später begraben.

Doch seiner Schwester war aufgefallen,

dass sowohl ein gewisser Marquis von Bernbach,

der sich mit der Frau von Werthausen in den Wochen zuvor

recht gut verstanden hatte, sehr plötzlich fehlte.

Wie auch die halbe Garderobe der jungen Frau.

Und so fand man,

als schließlich die gemeinsame Flucht der beiden ruchbar wurde

und man das Grab öffnete, im Sarg statt ihrer liegend

eine lebensgroße Puppe.

Man beurteilt diese Episode hier hinter vorgehaltener Hand

als recht bewundernswert und von internationalem Flair.

Darüber hinaus, sagt man,

eröffnet sie unvermuteten Ideenreichtum,

wie man in gewissen Notfällen aus einer lästigen Ehe entfliehen kann.

Tu comprends?

Verzeihung. Ist da jemand, der sich hier auskennt?

Hört mich jemand?

Ich hab mich verlaufen, kennen Sie den Weg zum Marktplatz? - Freilich.

Bis zum Ende der Häuserreihe, dann links.

Eine dunkle Gasse geradeaus, dann kommen Sie zum alten Kirchhof.

Wie kann das sein?

Ich bin doch hier entlang gekommen. Jetzt bin ich hier.

Nein, Sie sind da. - Wo?

Da.

Nein, daneben. Da.

Können Frauen denn Landkarten lesen?

Bedarfs dazu nicht

eines männlichen strategischen Überblicks und Gestaltungswillens?

Sie meinen, wie er v.a. beim Kriegführen unerlässlich ist?

So ist es.

Aber Sie irren sich. Wir sind nicht hier.

Sie irren sich auch, sonst hätten Sie sich nicht verlaufen.

Das ist wahr. Ich gebe nach und probiers aus.

Falls Sie unrecht haben, komme ich wieder und mache Sie verantwortlich.

Falls Sie den Weg zurück zu mir finden.

Warum gehen Sie rückwärts?

Weil ich Ihren Anblick länger genießen möchte.

(Türklopfen) Ich werde das Fenster jetzt aber schließen.

Ich überbringe dem gnädigen Fräulein die Bitte der Frau Patin,

Sie sollen in den Salon kommen.

Wir wohnen in dieser Saison zwar direkt neben der Irrenanstalt,

weil es partout kein anderes Herrschaftshaus mit Garten

in der ganzen Stadt zu mieten gab.

Aber, mein Kind, das gibt uns noch keinen Anlass, uns so zu verhalten,

dass Passanten unser Haus mit der nämlichen Anstalt verwechseln.

Was sie aber zweifellos tun, wenn ein Fräulein von Stand wie du

vom Fenster aus mit ihnen parliert wie eine Küchenhilfe.

Und v.a. Lollo,

solltest du nicht am Hinterausgang mit dem einen Mann schäkern,

während am Vordereingang bereits ein anderer auf dich wartet.

Sagen Sie dem Captain, wir lassen bitten.

(spricht mit englischem Akzent) Gäbe es die Möglichkeit,

Fräulein zu Lengefeld

für eine Spaziergang zu fuhren in der herzogliche Geholz?

Gehölz, Herr Captain.

Gehulz.

Gehölz.

Gehuelz.

Dank dir, meine liebste Lollo, für die Idee,

sich als Ehefrau totzustellen und fälschlich begraben zu lassen,

um so einem ungeliebten Ehemann zu entfliehen.

Aber ganz so weit ist es bei mir mit Beulwitz noch nicht.

Er lässt mir zumindest die Freiheit, dich bald in Weimar zu besuchen.

Ich freu mich schon auf dich und den Engländer im roten Rock.

P.S.: Verzeih, ich weiß, er ist ein Schotte.

Aber als Caroline ihre Schwester in Weimar besucht,

ist das Unglück schon geschehen.

(Klopfen)

Ich habe Erkundigungen eingezogen.

Mr. Heron ist bereits gestern Mittag

mit der Kutsche Richtung Berlin aufgebrochen.

Dass er von dort nach Indien und ein soldatisches Heldenleben

führen will, hat er uns ja in seinem Abschiedsbrief mitgeteilt.

Kann man das glauben?

Man sollte es glauben.

Sonst gäbe man nur Raum für noch andere Unterstellungen.

Tatsache bleibt aber, Lollo:

Der nette Schotte hat dich sitzen gelassen.

Er hat zwar viele schöne englische Verse darum gemacht.

Er will auch nach seiner Rückkehr aus dem Orient

bei dir vorbeischauen.

Wohin, mein Kind?

Verzeihung. Ich bitte Sie, Tante, mich zurückziehen zu dürfen.

Lass mir einen Augenblick Zeit für mich, Line.

Charlotte kennt ihren Marktwert immer noch nicht.

Sie zeigt keinen Ehrgeiz, sich zu zieren,

sich bei den Festen ins rechte Licht zu setzen.

Das ist très sympathique, mais nicht sehr erfolgversprechend.

Vielleicht muss man ihr mehr Mut machen?

Ja. Sie hat doch so viel zu bieten.

Gut, in der Konversation könnte sie noch dazulernen.

Witz ist ihre Sache nicht.

Aber wie sie sich gibt, verkauft sie sich zu billig.

(Schluchzt)

Es ist gar nicht, was du denkst. Ich bin nicht traurig wegen dem Captain.

Warum denn dann? - Ich schäm mich nur so.

Mama hat mich doch hierhergeschickt,

und all die neuen Kleider, die ihr mir gekauft habt.

Ich sollte doch einen Ehemann finden, der gut gestellt ist.

Jetzt kann ich nicht mal diesen englischen Soldatengaul halten.

Wolltest du ihn gar nicht haben?

Nein. Nein. Nein. Um Gottes willen.

Aber ich hätte ihn geheiratet, wenn ihr mir alle zugeredet hättet.

Wenn ihr gesagt hättet, nimm ihn, einen besseren findest du nicht.

Das hätten wir sicher nicht getan.

Du sollst doch jemanden finden, den du liebst. Der dich glücklich macht.

Ich glaube, ich trau mich nicht zu lieben. - Warum nicht?

Ich würde mir einen Mann wünschen,

der ein bisschen ist wie unser Vater war.

Du kleines Kind.

Unser Vater war ein armer geschwächter Mann, er war gelähmt.

Er war zartfühlend und er redete immer nur liebevoll. Von allem.

Von den Menschen, von der Natur.

Nicht wie diese Giftpfeile hier am Hof,

wo alles bewertet und jedes Wort auf die Waagschale gelegt wird.

Hast du keinen jungen Mann in Weimar getroffen, der dir gefallen hat?

Caroline findet am Tag ihrer Rückreise

auf dem Schreibtisch ihrer Schwester einen bereits 2 Wochen alten Brief

eines Herrn Friedrich Schiller.

In dem er Charlotte mitteilt,

dass er nach ihrer beider erstem Treffen am Fenster ihres Zimmers

öfters am selben Ort nach ihr Ausschau gehalten

und in Erfahrung gebracht habe, wer sie sei.

Dass er sie bäte, ihm ein Zeichen zu geben,

ob ein Wiedersehen stattfinden könne.

Caroline schreibt ihm kurz entschlossen eine Antwort.

Herrn Friedrich Schiller, Weimar, am Frauenplan.

Sehr geehrter Herr Friedrich Schiller.

Sie kennen mich nicht,

aber ich habe Ihren Brief an meine Schwester Charlotte von Lengefeld

bei ihr gefunden und unerlaubterweise gelesen.

Es wirkt auf mich so,

als hätten Sie beide sich auf Anhieb gut verstanden.

Ich mache mir Sorgen um meine Schwester.

Würden Sie ein bisschen auf sie Acht geben?

Werte Frau von Stein, ich wollte Sie höflichst um Erlaubnis bitten,

das verehrte Fräulein Lengefeld ausführen zu dürfen.

Selbstverständlich in Begleitung und zu Ihren Bedingungen.

Sagen Sie ihr nicht, dass ich Ihnen geschrieben habe.

Aber wenn Sie mögen,

können Sie uns im Sommer in Rudolstadt an der Saale besuchen.

Unsere Mutter wäre sicher gespannt darauf,

einen so berühmten Dichter kennenzulernen.

Der wegen seines Stückes "Die Räuber" ein wenig skandalös ist.

Rudolstadt ist eine Tagesreise südlich von hier,

ein friedliches kleines Herzogtum.

Sie können ja kommen und es ein wenig durcheinanderbringen.

Holzstich ist ein Hochdruckverfahren.

Dadurch hat man größere Kontraste und größere schwarze Flächen.

Charlotte?

Schauen Sie, Schwefelkies aus dem Erzgebirge.

Mein Vater hat mir zu meinem 4. Geburtstag einen kleinen geschenkt.

Er ist schön.

Guck mal. - Oh nee.

Charlotte, schauen Sie. Diese Buchstaben aus Frankreich.

Man nennt sie "Didot-Schrift". Sie ist gestochen klar.

Schau mal.

Revolutionär, denn ihre Deutlichkeit erleichtert das Lesen.

So sieht die Schrift gedruckt aus.

Die Vorstellung, dass eines Tages jeder Mensch ein Flugblatt

oder auch ein Buch lesen, verstehen und auch kaufen kann.

Dass Bücher eines Tages für jeden erschwinglich sein werden,

eine gebundene Ideenmaterie für alle.

Diese Vorstellung macht mich schwindelig.

Ich glaube, dass die Menschheit sich durch Wissen und die Ansicht

von wahrhaftiger Schönheit weiterentwickeln wird.

Ich glaube, dass wir beide noch eine andere Welt erleben werden.

Sie haben einen Riss in der Jacke. - Wie bitte?

Sie haben einen Riss in der Jack. Da auch. Ich flick es ihnen.

Ich bring sie Ihnen nächstes Mal wieder mit.

Auf Wiedersehn.

Auf Wiedersehn.

(Türklopfen)

Madame ruft nach Ihnen. - Was ist?

Sie hat einen Brief gekriegt aus Italien. Vom Goethe.

Von Herrn von Goethe. Wann?

Heut Mittag, als Sie spazieren waren.

Er kommt nicht mehr.

Er kommt nicht mehr zu mir zurück.

Geht raus, geht raus. (Schluchzt laut)

Vielleicht sind es diese Erlebnisse,

die Charlotte den Eindruck vermitteln,

dass in der allergrößten Liebe immer Verzicht und der Verlust überwiegen.

Und dass die unglückliche Liebe denjenigen, der leiden muss,

wie mit einer Aura von Schönheit umgibt.

Charlotte empfindet für ihre Patentante nicht immer Sympathie.

Aber sie bewundert sie für den schweren Weg,

den sie in der Beziehung zu dem großen Freund geht.

Es ist die Musik der Tragik, die sie erstmals zu hören bekommt.

Die Tragik der Liebe und die Tragik der Ehe,

die ihr zu sagen scheint: Für Empfindungen dieser Größe

bist du nicht gemacht, kleine Charlotte von Lengefeld.

(Musik)

Ja, und zwar, dass dem Herrn Schiller

aufgrund seines Revolutionsdramas von den rebellischen "Räubern"

ein ungerechter Ruf vorauseilt.

Inwiefern?

Dergestalt, dass er ein Mann sei von übermäßiger Hitze angetrieben.

Sie können beruhigt sein. Er ist ein Dichter und ein Ehrenmann.

Werfen Sie ihn 2-mal täglich zum Abkühlen in die Saale.

Und verhindern Sie, dass er anfängt,

sein historisch-politisches Rad zu drehen.

Denn dann trägts ihn mit seinen Worten davon.

Ansonsten ist er ein manierliches Haustier für Ihre Töchter.

Quelle expertise exceptionelle.

Jean, découvrez la table... (Diener) Oui.

Was hast du?

Ich fürchte, dass er zu viel erwartet.

Was, wenn er sich langweilt?

Ach, was. Wir werden das mal proben, wenn er kommt.

Er wird uns in der Früh sicher immer eine Nachricht bringen lassen,

zu welcher Uhrzeit er zu kommen gedenkt.

Morgens wird er arbeiten wollen.

Wir werden ihn am Nachmittag erwarten und sehen,

wie er den Fluss entlangläuft.

Wir messen mal an dem Spaziergänger da hinten,

wie lange es dauert von der Brücke hierher. Ab jetzt.

Der läuft aber sehr lahm. Schiller hat einen anderen Schritt.

Gut, wir rechnen ein wenig Zeit wieder ab.

Wir legen, wenn wir ihn kommen sehen, Bücher auf den Tisch.

Dort drüben auch. Täglich andere.

Bei gutem Wetter stellen wir im Garten gekühlte Getränke bereit.

Mama hat gesagt, wir sollen ihn bei euch im Vorderhaus empfangen.

Warum? - Sie schämt sich für ihre Wohnung.

Aber drüben riecht alles nach meinem Mann.

Schau, jetzt wäre er bei der Brücke.

Du hättest genug Zeit, dir deine Perücke aufsetzen.

Ich hab keine Perücke. - Oder dir rote Backen zwicken.

Und wo wäre er jetzt?

Bei der Bank. Er könnte uns von dort schon erkennen. Weg vom Fenster.

Er soll sich nicht zu sicher sein, wie sehr wir ihn erwarten?

Nein. Ihm allenfalls den Rücken zuwenden.

Wir freuen uns, aber wir fiebern ihm nicht entgegen.

Frauen dürfen sich nicht anbieten wie saure Milch, weißt du. - Lotte?

Verzeihung. Ich hab Sie verwechselt.

Zeigen Sie mir nicht zu deutlich Ihre Enttäuschung, Herr Schiller.

Hier ist die Richtige.

"Lollo" heißt sie bei uns, nicht "Lotte".

Sie sind einen Tag zu früh.

Ich weiß. - Sei doch nicht so streng.

Besten Dank.

Und das Zimmer in Volkstedt? War alles gut?

Ja. Trotz meiner voreiligen Ankunft.

Sehr angenehme Leute, ich bekam Kaffee.

Unbegreiflich, wie konnte ich mich so im Datum vertun.

Ja, unbegreiflich.

Wir müssen Sie jetzt unserer Mutter vorstellen.

Aufwand, die Farbgenauigkeit, großartig.

Dies wird der 1. Band der forstwirtschaftlichen Schriften

des verstorbenen Herrn von Lengefeld werden.

Das Roh-Exemplar ist gedruckt.

Wir haben gerade noch gemeinsam die Fahnen korrigiert

und mit den Original-Handschriften verglichen.

Dies ist die Handschrift Ihres Vaters?

Sehr ausdrucksstark.

Mein Mann war halbseitig gelähmt, durch einen Schlag.

Er musste sich das Schreiben

von der rechten in die linke Hand hinübergewöhnen.

Daher die Ausdrucksstärke.

Man kann das Gekrakel manchmal nicht entziffern.

Mon chère ami, das wird jetzt ein Gespräch im internen Familienkreis.

Sie leben hier im Vorderhaus, Madame?

Nein. Aber ich empfange im Salon meines Schwiegersohns.

Er ist zurzeit abwesend.

In Berlin.

Seit dem Tod meines Mannes vor mehr als 10 Jahren sind wir

zu ständigen Kompromissen in unserem Lebensstil gezwungen worden.

Herr von Beulwitz ist vermögend?

Er ist von Haus aus gut gestellt.

Und hat inzwischen eine beachtliche Kammerherren-Position

beim Fürsten Schwarzburg.

Ist auf dem Sprung zum geheimen Legationsrat.

Und ja, wie Sie vermuten, Herr Schiller,

man kann nicht sagen, dass diese glänzenden Aussichten

der Verbindung mit meiner Tochter wesentlich im Weg gestanden wären.

Tu es nicht.

Der Mann ist doch ein Habenichts.

Vielleicht denkt er, dass bei uns was zu holen wäre?

Aufklärung.

"Bringt Licht in die Welt" spricht zu uns die neue Zeit.

Eine der edelsten Errungenschaften der Aufklärung ist ein neuer,

ein freier Umgang mit der Natur, ihren Schönheiten und Lebensquellen.

Ihr Mann ist in seiner Eigenschaft als Forstverwalter

des hiesigen Fürsten ein Leuchtturm dieses Fortschritts gewesen.

Er hat die Segnungen der Natur mit frischgewaschenen Augen gesehen.

Bis nach Berlin zum preußischen König

ist der Ruhm des Grafen von Lengefeld gedrungen.

Sie müssen mir nicht dahergeschmeichelt kommen

wie auf einer Brautschau.

Ich möchte die Zukunft meiner Töchter in hellen Farben sehen.

Ja, das kann jeder verstehen.

Als mein Mann starb,

da hat Charlotte mich jeden Tag gefragt, sie war damals 8 Jahre alt:

Maman, sind wir jetzt arm?

Und ich hab geantwortet:

Du wirst doch unterscheiden können

zwischen der Armut der kleinen Leute und unsereins.

Wir sind arm,

wenn wir nur noch eines unserer 12 26-Teile-Services besitzen.

Wir sind arm, wenn wir in einem Haus wohnen müssen,

wo es für jeden nur ein Zimmer gibt und nur 3 Dienstboten.

Das habe ich ihr damals geantwortet.

Und was ist uns geblieben?

Das Hinterhaus.

Herr Schiller, meine Töchter haben ein Leben ohne Sorgen verdient.

Italien.

Ja.

Er ist dort. Ich werde nie hinkommen.

Er ist auf dem Rückweg.

Als ich in Weimar meine Frau von Stein verließ,

kam sein letzter Brief schon aus Meran.

(Musik)

Jeden Nachmittag holen die Schwestern mich

zum festgelegten Termin an einer Saalebrücke vor der Stadt ab.

Um mich für den Rest des Tages zu sich nach Hause zu führen.

Sie erscheinen mir dann wie 2 Flussgöttinnen.

Als stünden sie an der Pforte eines unbekannten Paradieses,

das sich auch mir irgendwann erschließen wird.

Wir haben uns Tarnnamen gegeben, noms de guerre,

geheime Kriegsnamen, wie der Franzose sagt.

Charlotte ist die "Weisheit". Caroline ist die "Glut".

Wilhelm, nimms mir nicht übel.

Ich hatte dir eine klassische Tragödie

und ein halbes Dutzend Gedichte versprochen.

Wenn du mir eine Frau mit mind. 12.000 Taler Aussteuer

verschafft hättest.

Aber nun bin ich glücklich und verwirrt.

Denn Geld haben sie auch keines. Aber der Sommer, der Fluss.

Wirst du mir verzeihen,

wenn ich aus Thüringen ohne Meisterwerke zurückkomme?

Aber dafür mit 2 Flammen in meinem Herzen?

Hund, Hund.

(Kinder) Hilfe, sie ertrinkt.

Oh Gott, sie ertrinkt. - Wo?

(Mädchen ruft) Hilfe, Hilfe.

Kann er denn schwimmen?

Könnt Ihr denn schwimmen?

(Ruft) Nein.

Komm, komm zu mir.

(Mädchen hustet)

Schiller, hier!

(Vater) Ida.

Ich halt dich.

Nehmt mir das Kind ab.

Nimm die Hand.

Fritz, ich bin hier.

Fritz.

Ich hab dich.

(Mädchen hustet)

Halt dich fest.

(Schreit)

(Vater) Ida, mein Kind.

(Kind) Der Hund.

Wir begleiten Sie nach Hause. Wir beide.

Sie müssen sich ausziehen, Herr Schiller.

Es geht schon. - Sie müssen in die Wärme.

Seien Sie nicht dumm, sie holen sich den Tod.

Halt ihn warm.

Ich, Schiller, also hier die 2 Striche,

hat die segenreiche Darbietung von... Das Dreieck bist du.

Und der Kreis, das bist du.

Ja, von mir am 27. letzten Monats...

Also gestern, weil alle Daten sind ja immer plus einen Monat minus 2.

Heute ist der 30.

Er hat unsere segensreiche Darbietung zur Kenntnis genommen.

(Klopfen)

Herr Schiller, Besuch für Sie.

Danke, Herr Schiller. - Guten Tag.

(Eltern) Gute Besserung.

Er hat die segensreiche Darbietung von uns

mit Dankbarkeit zur Kenntnis genommen.

Und... Wieder die 2 Schrägstriche. Ich... - Also er.

...hoffe seither auf Wiederholung.

Allein, die Künstler haben ihre Tournee verschoben

und die Aufführung muss warten, so scheints.

(Musik)

Kreise, Dreiecke, das ist ein Code.

Man bräuchte mehrere Briefe, um ihn zu entschlüsseln.

Kein Problem, kommen ja täglich 2 davon.

Ich versuche, mir die Zeichen zu merken bis zur nächsten Nachricht.

Aber vielleicht

haben die Fräulein Töchter den Code dann modifiziert.

Was ist das für ein Zinnober. Sind hier alle durchgedreht?

Die Hitze vielleicht. Vorsicht, sie sollen nichts merken. - Unfug.

Lieber, 2 Schrägstriche,

Die Aufführung wurde damals... - Das bedeutet heute.

...verschoben, weil die Truppen am nämlichen Datum

des vergangenen Monats in die Kaserne zurückgekehrt sind.

Die Darsteller... Jetzt kommt ein Kreis und ein Dreieck.

Das sind wir beide. - Mhm.

... suchten daraufhin einen anderen Ort zur Wiederaufführung.

(Beide) Und hier sind wir.

Die Stunde ihrer Einswerdung zu dritt ist nun gekommen

und sie vollzieht sich in den 3 klassischen Stufen der Annäherung,

wie sie bei Madame de Scudéry nachzulesen sind.

Fühlen Sie sich stark genug, uns beide zu ertragen?

Gehen wir Ihnen auf die Nerven?

Wir sind gerade gekommen, wie sollen wir ihm schon auf die Nerven gehen?

(Hustet)

Erstens die Ironie, zweitens die Erkenntnis der wahren Empfindung,

drittens die rettungslose Offenheit.

Der Befragte hat sich eine Verkühlung zugezogen. - "Eins."

Das ist ein günstiger Augenblick, Korporal, schwärmen Sie aus.

Beten Sie zu Gott, Angeklagter, dass wir in Ihrer Mönchszelle

nur rechtschaffene Arbeit finden und nicht parfümierte Liebesbriefe.

GESCHICHTE DES ABFALLS DER VEREINIGTEN NIEDERLANDE.

Wollen Sie daraus vorlesen, wenn Sie wieder bei uns im Garten sind? - Ja.

Man erstickt hier drin. Warum öffnen Sie nicht die Fenster?

Ah. Und was ist das? Madame von Kalb. - "Zwei."

Ist die nicht verheiratet? - Ja, sie ist verheiratet.

Mit Herrn von Kalb?

Verstehe.

Verehrter junger Meister. Lollo, hier, lies du den.

Keine indezenten Stellen auf den 1. Blick

Irgendetwas über Literatur.

Bei dir?

Gut, prüfen wir den nächsten.

Aha. Lese ich richtig? Lollo.

Madame von Kalb zitiert hier einen Brief, den Sie, Herr Schiller,

an Ihren Freund Körner geschrieben hätten.

Und zwar zitiert sie Folgendes:

Ein braves Weib wollten Sie haben.

Und weiter: Dass bei einer ewigen Verbindung

die Leidenschaft nicht dabei sein darf.

Der Körner ist ein guter Kerl.

Er macht mir ständig Vorhaltungen, dass ich zu faul werde.

Ich wollte ihn damit beruhigen.

Woher weiß Frau von Kalb davon?

Sie war zugegen als ich den Brief an Körner verfasst habe.

Zugegen. - Sie zog mich damit auf.

Welcher Gestalt ist das Verhältnis zwischen Ihnen und Frau von Kalb?

Angeklagter, schnell. - Ihr Mann schätzt mich.

Dafür, dass Sie ihn mit seiner Frau betrügen?

Er weiß seine Frau gern in geistig anregender Gesellschaft. - Stimmt.

Man sagt am Hof,

dass Herr von Kalb die Freundschaft seiner Frau zu Schiller gern sieht.

Freundschaft? Das macht die Délicatesse nicht besser,

dass sie bei Hof stillschweigend sanktioniert ist.

Ich will auch keinen Freispruch.

Der Weimarer Hof ist mir egal.

Diese Welt ist nicht die meine.

Ironie, Koketterie, dafür bin ich viel zu schlicht gemacht.

Nicht schlicht. Ihr seid aufrecht. Das ist etwas anderes.

"Drei."

Ich kann mir auch von Ihnen nicht vorstellen,

dass Sie sich in der dünnen Hofluft in Weimar gefallen?

Selbst wenn wir beide uns dort kennengelernt haben.

Ist am Ende nicht alles, was wirklich auf unsere Seelen wirkt,

die Natur und die Natürlichkeit wie eine schöne Melodie?

Ist es nicht die pure materielle Not,

die uns in die Welt der falschen Töne zwingt.

Die Lüge der ganzen widernatürlichen Schauspielerei am Hof.

In dieser Gesellschaft ersticken wir.

Wir wissen dort nicht mehr, was wir fühlen, was wir wollen.

Er zeigt Reue.

Am Ende erfährt ein Kerl wie ich

vom Leben das, was er am wenigsten erwartet hat.

Ich liebe Sie beide, Caroline, Charlotte,

Ich kann mich nicht mehr von Ihrer Seite fortdenken.

Verzeihung.

(Musik)

(Türklopfen)

Oh.

Herein.

Guten Tag.

Caroline.

Ah. - Maman. - Maman.

Deinem Mann, dem es gefällt,

sein Stiegenhaus so spärlich zu beleuchten,

dass man sich die Knochen bricht.

Dem hat es auch gefallen, mir einen Brief zu schreiben.

Was ist geschehen?

Madame ist gestürzt?

Ja, aber ich brauche euch nicht. Raus.

Warum schreibt er mir das nicht selbst?

Ah!

Ja?

Caroline.

Du hast uns durch deine Ehe mit Friedrich von Beulwitz gerettet.

Wir werden dir das nie vergessen, deine Schwester und ich.

Ich weiß, wie schwer dir das gefallen ist.

Das war keine Liebesheirat, das war materielle Not.

Ich hatte als junges Mädchen Glück.

Ich durfte deinen Vater aus Liebe heiraten.

Ich verstehe nichts von Geld-Ehen.

Nein, das...

Nein.

Nein.

Ich weiß doch, dass du nicht glücklich bist in dieser Verbindung.

Dein Mann ist ein boshafter Elefant.

Er hat keine Ahnung von Frauen.

Und dann möchte er auch noch ein Dutzend Kinder.

Aber nur, weil sein Vater im Testament festgehalten hat,

dass er sonst sein Erbe nicht antreten darf.

Ja. Und nein, nicht nur deshalb. Er bedrängt mich ständig.

Je comprends.

Aber eine Scheidung, falls du das im Sinn haben solltest,

das kommt für uns nicht in Frage.

Deine Schwester ist so gedemütigt worden in Weimar.

Tu ihr nicht noch eine Verletzung an.

Halt dich von diesem Schiller fern.

Es ist wichtig, wenn man liebt,

dass es Hindernisse gibt, die überwunden werden wollen.

Die 2 Schwestern und der junge Mann

haben sich wie in einem gleichseitigem Dreieck gefunden.

Sie schicken sich weiter verschlüsselte Briefe

und sie werden dabei Tag für Tag mehr zu Verschwörern.

Der abwesende Herr von Beulwitz ist für sie wie ein unsichtbarer Gegner,

der sich aber bald zeigen soll.

Schiller würde gern mit beiden Händen gleichzeitig schreiben,

wenn er Caroline und Charlotte 2-mal täglich mit einem Brief beschenkt.

Er ist sehr darauf bedacht,

nur keine Konkurrenz zwischen den beiden Schwestern zu entfachen.

Also schickt er beiden stets den gleichen Wortlaut.

Er schreibt ihnen, dass sie sich einen schwächlichen Erdensohn

auserwählt haben, dessen Gesundheit im Frühling und Herbst

schwersten Attacken ausgesetzt sei.

Er schreibt, dass das Wasser, das Element der Flussgöttinnen,

ihm von nun an ärztlich verboten worden sei.

Aber er könne ohnehin nicht schwimmen, wie sie gesehen hätten.

In 2 Tagen sei er wieder wohlauf

und erwarte Sie an einem konspirativen Ort.

Kommen Sie, kommen Sie.

Erinnern Sie sich an die Didot-Schrift,

die ich Ihnen gezeigt habe? - Ja.

Diese klobigen deutschen Buchstaben.

Der Buchdruck ist bei uns

im Gegensatz zu den Franzosen zurückgeblieben.

Er ist auf dem Stand am Ende des Dreißigjährigen Krieges.

Es gibt Neuigkeiten.

Für die Schwestern und ihre Mutter ist eine beträchtliche Erbschaft

von einem sehr wohlhabenden soeben verstorbenen

Lengefeldschen Verwandten aus dem Hinterindischen Batavia zu erwarten.

Einem Mann, der nicht nur ein erfolgreicher Kaufmann,

sondern auch eine eine Koryphäe

auf dem Gebiet der Urwaldaffenerforschung gewesen war.

Caroline und Charlotte entwickeln Pläne

für das in Aussicht gestellte Geld.

Pläne, die v.a. ein glückliches Leben mit Schiller zum Ziel haben.

Lollo, ich habe dir nie den Ort gezeigt,

an dem unser Vater gestorben ist. Bitte halten Sie noch mal.

Ich sehe ihn immer noch durch die Straßen hinken.

Ich wollte es dir so oft zeigen, aber Maman hats mir nicht erlaubt.

An der Ecke hat man ihn gefunden. Da war er schon ohne Bewusstsein.

Eines Tages werde ich ein Buch schreiben.

Über unsere Liebe zu dritt.

Es wird den Titel tragen "Unter dem Wasserfall". Unsere Treffen...

Caroline erinnert ihre Schwester an den geheimen Schwur,

den sie sich am 11.05.1783 gegeben hatten.

Vor 5 Jahren auf ihrer Reise in die Schweiz.

Dort, im Lärm des Wasserfalls von Schaffhausen,

unter den Augen ihres zukünftigen Ehemanns,

hatte die 17-jährige Caroline Charlotte den Eid abgenommen,

dass sie sich im Leben niemals trennen wollten.

Dass sie, Caroline, diese Zwangsehe mit Friedrich von Beulwitz

nur eingehen würde mit dem Ziel, ein unabhängiges Leben zu führen.

Feste zu geben, Künstler zu empfangen,

aber v.a. anderen durften sie sich niemals alleine lassen.

Niemand kommt zwischen uns.

Beim Geist des tosenden Wassers, schwörs mir.

Ich schwöre es. Beim Geist des tosenden Wassers, ich schwörs.

Jetzt, 5 Jahre später, erneuern die Schwestern diesen Schwur.

Lollo, wir müssen einen festen Plan haben.

Maman überlassen wir die Erbschaft aus Batavia.

Aber verbunden mit der Abmachung,

dass sie damit einen neuen Hausstand gründen soll.

Am besten in Weimar, da will sie sowieso hin. - Allein?

Vielleicht mit Knebel. - Den will sie nicht.

Was geht denn da schon wieder vor sich? Was soll das?

Hauptsache, sie ist raus aus dem Hinterhaus.

Du bleibst dafür bei mir, und Schiller kann uns frei besuchen.

Ich habe eine feste Stellung bei Frau von Stein.

Goethe kommt vermutlich jeden Tag zurück.

Ich bin bewegt und berührt wie nie zuvor.

Ich liebe ihn. So wie du.

Halt mich fest. Lass mich nicht mehr weg. Ich hasse Weimar.

Wie soll unser Zusammensein zu dritt erklärt werden?

Dein Mann duldet keinen Freigeist in diesem Haus

und keine männliche Konkurrenz.

Wir müssen Beulwitz glauben machen,

dass er keine Konkurrenz zu befürchten hat.

Und dass Schiller seine Wahl zwischen uns beiden getroffen hat.

Ich tu alles für dich.

Ihr würdet heiraten, um unsere Liebe zu dritt zu retten.

Und Maman? Wird sie das zulassen?

Das ist interessant, aber...

Hier.

Es duftet gut.

Madame, fassen Sie sich.

Hier sind wir groß geworden.

Nach dem Tod des Vaters mussten wir das Gut verkaufen.

Nun ist vor ein paar Jahren der Besitzer bankrott gegangen

und fortgezogen, danach ist das Gut abgebrannt.

Wir hatten davon gehört, aber seither noch nicht gesehen.

Maman, mit der Erbschaft aus Batavia

könnte man es zurückkaufen und aufbauen, wie es war.

Wer soll denn hier wohnen? (beide) Du.

Ich? Allein?

(Knebel) Hier, kommt mal her.

Hier ist alles voller Brombeeren. Zurück, wie gehen wieder... Da.

Ich mag ihn ja gern, den Knebel, aber er fühlt so wenig.

Erinnert mich daran, wenn ich nach 10 Glas Port geneigt sein sollte,

ihn in mein Bett zu lassen.

Mit Verlaub, er ist viel zu alt für Sie.

(Mutter lacht)

Mein Mann war auch viel älter als ich.

Und er war gelähmt, seit seinem 20. Lebensjahr.

Am rechten Bein und am linken.

Das hab ich Ihnen doch schon erzählt.

Aber er soll ein großer Mensch gewesen sein, klug und witzig.

Da stand das Spinett.

Und da hing das Bild von Papa.

Und da oben ist unser Zimmer.

Hier war doch der Esstisch.

(Musik)

Ich weiß schon, worauf ihr hinauswollt.

Ihr wollt mich gleich mitsamt der Erbschaft loswerden.

Non, non.

Modschegiebschen.

Bitte? - Modschegiebschen. Sagt man hier dazu.

Modschegiebschen.

Marienkäfer. - Modschegiebschen.

Marienkäfer. - Modschekiebschen.

Marienkäfer. - Modschegiebschen.

Bei solchen Farben am Himmel pflegte meine Mutter zu sagen,

die Schweden kommen.

Die Schweden kommen. Das ist interessant.

Das hat sich im Volk erhalten.

Die Schweden und ihre Überfälle, die sich mit Feuersbrünsten ankündigen.

Was für eine Zeit, der Dreißigjährige Krieg.

Ich will was darüber schreiben,

wenn ich den "Abfall der Niederlande" erledigt habe.

Ich war so faul.

Sie waren nicht faul, Sie waren abgelenkt. - Und er war krank.

So krank, dass er täglich 2 Billets an beide Damen schicken musste.

Wann bekommen wir Aufklärung darüber,

was 2 Schrägstriche, ein Dreieck, ein Kreis bedeuten?

Namen? Menschen, die wir kennen? Wir harren gespannt der Lösung.

Wir sind keine Bücklinge am Hof,

dass wir miteinander Intrigen und Versteckspiele nötig hätten.

Alle Gemütsbewegungen liegen bei unserer Familie offen zutage.

Sie müssen lernen, sie zu sehen und zu spüren.

Hier ist ein Moment an unserem alten Zuhause.

Mag es noch so traurig sein, so ist es auch erhebend,

so nah an unserer Kindheit und unserem Vater zu sein.

Seien Sie so lieb und verderben Sie uns das nicht.

# Oh, wie wohl ist mir am Abend, mir am Abend.

Wenn zur Ruh die Glocken läuten, Glocken läuten.

Bim, bam. Bim, bam.

Da oben rechts war unser Spielzimmer.

Da war unser Kindermädchen. Wie hieß sie noch mal?

Frederike.

Dann haben wir sie in den Schrank gesperrt,

dann haben wir sie die ganze Nacht vergessen.

War Ihr Heim glücklich, Schiller?

Es war klein.

War so beschaffen, dass man sich Fragen nach dem Glücklichsein

nicht viel Zeit hatte, zu stellen.

Aber in der Erinnerung scheint es mir ein guter Ort.

In der Erinnerung ist immer alles gut.

Mir scheint, der Mensch hat ein großartiges Talent, sich zu belügen.

Ich habe manchmal Sehnsucht. Einmal zurück nach Württemberg zu fahren.

Der Bann des Herzogs hat so lange gegen mich Bestand. - Wie lange?

Vor 6 Jahren musste ich aus meiner Heimat fliehen.

Entschuldigen Sie die Frage von eben. Wie indezent von mir.

Es ist aber auch eine Unruhe in der Luft.

Der Sommer schickt sich an zu gehen

und ruft uns zu, behaltet mich in guter Erinnerung.

Charlotte, Charlotte von Lengefeld? - Ja?

Eine Botschaft an Sie zu übergeben von Madame.

Ich soll sofort zu Frau von Stein nach Kochberg.

Goethe ist zurück und hat sich für morgen bei ihr angesagt.

Goethe ist zurück?

(Mutter) Was ist mit den Hüten? Sind die Hüte dabei?

Und der rote Koffer?

Das Präsent für Madame von Stein, ist das dabei?

Ja, ich habe es dabei.

Und die Festkleider von Charlotte. Sind sie dabei?

Sind Sie sicher? - Ja, Madame.

Verzeihung.

(Mutter) Sind die dabei? - Ja. Die Hüte sind dabei, Madame.

Vertrau mir. Alles wird so, wie wirs besprochen haben.

Mon chèr ami.

Grüß deinen Mann von mir. Wann wird er da sein?

Morgen Nachmittag.

Wenn Sie fertig sind, machen Sie die Kerzen aus und gehen Sie.

Sie auch, gute Nacht.

Er kann schlafen gehen, Wilhelm. Ich brauche ihn nicht mehr.

Und nehme er das Licht mit.

Gute Nacht.

Soll ich heimgehen? - Ist doch längst zu spät dafür.

Sie lesen bitte das, was auf dem Tisch für Sie bereit liegt.

Es ist der Beginn einer kleinen Novelle von mir.

Ich möchte Ihr aufrichtiges Urteil. - Ah.

Um Ihre Ehrlichkeit zu befeuern, mache ich uns einen Punsch.

Das Rezept stammt von meiner Mutter,

die hats wiederum von ihrer Mutter usw.

Wer davon getrunken hat, spricht unweigerlich die Wahrheit,

sagt man bei uns.

Meine Mutter wollte uns das Rezept erst in ihrem Testament verraten,

hat es aber dann doch im Nachmittagsschlaf ausgeplaudert.

Da hab ich mitgeschrieben.

Gar nichts Spezielles darin, alles eine Frage der Quantitäten.

Wie verfahren Sie mit dem Geheimnis? Es an Ihre Kinder weitergeben?

Ich werd vielleicht keine Kinder haben.

Aber wenn Sie welche haben werden, werde ich das Rezept

denen vermachen, wenn es liebe Kinder sind.

Kinder, hab ich noch nie daran gedacht.

Ich möchte gerne Fritz sagen dürfen.

Mein Mann heißt Friedrich,

seinen Namen möchte ich heute Nacht nicht aussprechen.

Ihr Urteil jetzt also.

Fabelhaft. Einfach geschrieben, trotzdem tief.

Was ich auszusetzen hätte, sind Details.

Die habe ich auf einen Zettel gekritzelt.

Sie werden glorreiche Prosa schreiben,

die männlichen Kollegen werden staunen.

Ich muss sofort verhindern, dass mir Ihr Lob zu Kopf steigt.

Meine Schwester liebt Sie. - Ich liebe sie auch.

Ich liebe meine Schwester auch, und ich liebe auch Sie.

Sie sind schwer zu deuten.

Ich bin ein offenes Buch, mir sieht man alles an,

im Gegensatz zu Charlotte.

Lieben Sie mich trotzdem ein bisschen so wie meine Schwester?

Wozu wäre das gut, wenn ich Ihnen darauf eine Antwort geben würde?

Dass ich mich nicht so klein fühle euch gegenüber.

Gehen Sie zu Charlotte in Weimar. Bieten Sie ihr die Heirat.

Ihr werdet glücklich werden, ich weiß es.

Was wird mit unserem Dreieck?

Ich hab zu Lollo gesagt,

ich werd keine Schwester verlieren, sondern einen Bruder gewinnen.

Was wird mit uns?

Ich habe nicht vor zu verzichten.

Zum Dank für Ihr großzügiges Lob kann ich Ihnen heute Nacht

eine Vertiefung unserer Freundschaft anbieten, aber pst.

Ich werd mich nicht ausziehen.

Ich erwarte meinen Mann jeden Augenblick.

Wenn er sich für den Nachmittag anmeldet, ist er meist morgens da.

Ich kenn das.

(Klopfen)

Et voilà. Ja?

Ihre Frau Mutter ist Ihrem Ehemann heute Morgen

bei einer Kutschenwirtschaft in Orlamünde begegnet.

Sie hat mich zurückgeschickt, damit ich vorher da bin ich.

Hat er einen Verdacht?

Er hat undurchsichtig ausgeschaut, sagt Ihre Mutter.

Nein, nein, bleib da.

Undurchsichtig. Wo hat sie denn das Wort her?

Schau.

Das sind wir.

(stöhnt)

Tu ich dir weh?

Nein, nein.

Das ist alles sehr erfreulich.

(Musik)

Lass. Das vergeht... Das...

Liebe meines Lebens. Verlass mich jetzt, um wiederzukommen.

Wann?

Wann?

Wo ist meine Frau? - Ihre Frau schläft.

Lass. Ich gehe zu ihr.

Die Frau Gemahlin schläft im Schlafzimmer ihrer Schwester.

Vermisst sie Charlotte so sehr, ja?

Heute Nacht oder heute Morgen war ich nicht Herr meines Tuns.

Am Abend bin ich zwar eingeladen auf einem lange geplanten,

spät beginnenden Diner bei Rengmann, dem Arzt, der mich behandelte,

aber ich werde mich nachher zu Ihnen wegzustehlen versuchen.

Ich bitte Sie,

heute und in den folgenden Tagen unserem Haus fernzubleiben.

Lade Sie aber von Herzen für den nächsten Sonntag ein.

Da Sie dann, wenn ich alle Vorzeichen richtig deute,

einen Herrn bei uns treffen werden,

der Ihnen bislang aus dem Weg gegangen ist.

(Musik)

(Frau) Ich glaube, er sagte gerade Welt. (Mann) Nein, Weite.

Man bräuchte einen Lippenleser.

(Mann) Wir werden warten müssen.

Tu vas bien, mon ange?

(Stimmengewirr)

Schiller trägt seinen Rock so,

als hätte er ihn auf dem Komposthaufen gefunden.

Dabei war der nicht billig. - Wie wohl gebraucht.

Hätte ich ihm einen Neuen kaufen sollen? - Die Poeten.

Denen kann man anziehen, was man will, sie sehen aus wie Bettler.

Seien Sie mal großzügig. Hier sind Genies unter sich.

Der Fürst! Der Fürst!

Diese beiden sind 2 der wichtigsten Leute unserer Zeit.

Als die beiden großen Dichter zum 1. Mal aufeinandertreffen,

scheint eine schwüle spätsommerliche Sonne auf die Saale.

Schiller friert an diesem Tag, und Goethe spricht viel,

um die Befangenheit zwischen ihnen zu überwinden.

Der Jüngere fühlt sich dem Älteren gegenüber dennoch so,

als stünde er vor einer schroffen Felswand.

Charlotte für diesen Tag mit Madame von Stein zurückgekehrt,

sagt zu ihrer Schwester, das war nicht sein glücklichster Tag.

Wir müssen ihm beistehen in Momenten, in denen er einsam ist.

Caroline stimmt ihr zu.

Goethe reist am selben Abend in Begleitung von Knebel

und Madam Schein unter dem Vorwand wichtiger Geschäfte nach Weimar.

(Musik)

Zurück bleit ein Ton in der Luft, der bei Schiller

einen Eindruck von Abweisung und Nichtanerkennung hinterlässt.

Die Vermessenheit der Urteilssprüche der Inquisition konnte nur von der

Unmenschlichkeit übertroffen werden, womit sie dieselben vollstreckten.

Indem sie Lächerliches mit Fürchterlichem paarten,

ertränkten sie das Mitleid im Spott und in der Verachtung.

Mit feierlichem Pomp führte man den Verbrecher zur Richtstatt,

eine rote Blutfahne wehte voran.

Der Zusammenklang aller Glocken begleitete den Zug.

Zuerst kam ein Priester im Messgewand.

Ihnen folgte der verurteilte Sünder,

in ein gelbes Gewand mit schwarzen Teufelsgestalten darauf gekleidet.

Auf dem Kopf trug er eine Mütze aus Papier.

Weggekehrt von den Verdammtem wurde das Bild des Gekreuzigten getragen.

Ihm galt die Erlösung nicht mehr.

Dem Feuer gehörte sein sterblicher Leib,

und den Flammen der Hölle seine unsterbliche Seele.

Ein Knebel sperrte seinen Mund.

Man glaubte, eine Leiche zu sehen, die zu Grabe getragen wird,

und es war doch ein lebendiger Mensch,

dessen Qualen das Volk so schauderhaft unterhalten sollten.

Verzeihung, ich breche hier ab.

Wollten Sie uns mit der exakten Darstellung einer Hinrichtung

zu Zeiten der Inquisition divertieren?

Nein, pardon.

Ich bin sehr beeindruckt.

Ihre Sprache hat Klarheit und Kraft.

Wo kann man das Buch bestellen?

Das Buch wird im Herbst in Weimar erscheinen.

Warum lehren Sie nicht längst in Jena oder Berlin?

Niemand beschreibt in deutscher Sprache Historie so wie Sie.

Ich habs noch nirgendwo so gelesen, so im Wortsinne wahrgenommen.

Ich habe mich für Jena beworben.

Auf den Forschungen basiert mein Theaterstück Don Karlos.

Vor dieser Kunst fürchtet sich sogar der Gigant in Weimar.

Deshalb ist er so flink wieder abgezogen.

Sie müssen bei mir keine Reklame für Ihren Freund machen.

Er hat mich in Bann geschlagen.

Darf ich mich verabschieden? Es fällt mir heute schwer zu sprechen.

Ich möchte nicht zur Last fallen.

Manieren hat er ja keine.

Bin ich so langweilig?

Nein, wir anderen sind die Langweiler.

Du hast ihm deine Bewunderung gezeigt. Danke.

Aber ich bin doch wirklich begeistert, wie er schreibt.

Ich werde mal sehen, dass unser Freund

vor Zahnschmerzen nicht die Treppe runtergefallen ist.

Friedrich.

Entschuldige.

BITTEN SIE DREIECK IN WEIMAR UM IHRE HAND. VERGESSEN SIE ES NICHT.

AUF EWIG DANKBAR, KREIS.

(Musik)

Zurück in Weimar im Alltag seines Dichterlebens angekommen,

muss Schiller sich von den Freunden, die um ihn besorgt sind,

Vorwürfe anhören, allen voran von Körner.

Ich kann dir nur den Rat geben,

die Beziehung zur Madame von Kalb nicht abzubrechen.

Warum? - Die Kalb ist deine Geldquelle.

Sie liebt dich, sie hat diesen geduldigen Ehemann.

Ich sehe deine Produktivität bedroht,

wenn du dich zu sehr um deinen Broterwerb kümmern musst.

Solltest du die Professur in Jena annehmen, wirst du Vorträge...

Ich will auf eigenen Füßen stehen. Und brüll nicht so.

Du brauchst aber freie Zeit. Das hat dir die Kalb bisher finanziert.

Ich merke, dass ich die Entscheidung darüber, wie ich mich verhalte,

keinem Ratschlag überlassen darf.

Du kennst die Schwestern nicht.

Alles, was mir Bitterkeit brachte,

hatte nur eine Ursache, meine Einsamkeit.

Ich hielt mich für die Liebe ungeeignet.

In diesem Sommer sind mir an meiner Liebesunfähigkeit Zweifel gekommen.

Ich bin sehr glücklich darüber.

Komm mal her.

Ich muss zu Gericht.

Gewinnst du auch?

Immer.

Erst möchte ich Sie, allein vor uns und vor Gott fragen,

ob Sie eine wenn auch noch so geringe Neigung verspüren,

meine Frau zu werden. - Ja.

Nein.

Was ist Ihnen?

Lieben Sie mich denn?

Hab ich das nicht gesagt?

Charlotte, ja. Es ist die Wahrheit.

Aber ist Ihnen die Liebe so eine Qual?

Die Erbschaft aus Batavia. - Was ist damit?

Sie hemmt mich, dir meine Liebe zu zeigen. - Warum?

Weil ich höre, wie neue Pläne mit dem Geld gemacht werden.

Der arme Schlucker, der ich bin,

kommt sich vor wie ein Erbschleicher.

Meine Liebe zu dir ist bedenkenlos und treu.

Du wirst dich auf mich verlassen können wie auf einen Baum,

der jeden Tag gleich stark und blühend aussieht.

Für dich.

Denke nie, dass du mich verletzt.

Sei frei bei mir.

Geh mit mir um, wie es dir einfällt.

Meine Charlotte, da ist sie wieder.

Die Dezenz und die Weisheit.

Wir sind jetzt hier vor uns und vor Gott. - Ja.

Verlobt.

Es ist unser Geheimnis.

Ich werde Sorge tragen,

wie wir meiner Mutter die Zustimmung zur Heirat abjagen.

Ich werde es nirgendwohin berichte. - Aber ein Mensch muss es wissen.

Liebste Line, es geschah unter 4 Augen, ich hatte mich vergewissert,

dass kein Dienstbote im Haus uns überraschen konnte.

Madame war abwesend, niemand hörte unser Geheimnis.

Du, liebste Line, bist die Einzige, die es weiß.

Ich bin stolz, dir zu sagen, dass wir uns nicht ganz dumm

angestellt haben, aber seltsam ist ein kniender Mann doch.

Ich musste mich zu ihm knien, damit er nicht so albern aussieht.

Ich bin so glücklich.

Bald werde ich kommen, dann werden wir zu dritt heimlich feiern.

Aber haltet schön still, damit nichts nach außen dringt

und dass sich niemand das Maul zerreißen kann.

Und willst du mit Maman über unsere mögliche Heirat sprechen?

Wann willst du mit Maman sprechen?

Ich konnte kein Wort mit ihr wechseln,

seit sie aus Weimar zurück ist.

Sie hatte ein Augenleiden und war schlecht gelaunt.

Sie wollte mit dem Knebel 3 Tage verreisen, aber keine Kutsche fuhr.

Da war sie unansprechbar.

Fritz und ich sehen uns täglich, wir sind sehr lieb zueinander.

Wann willst du mit Maman sprechen? Wann kommst du?

Der Schwur besteht doch weiter zwischen uns, dass wir alles teilen?

Du meinst mit mir, ich deins mit dir?

Aber ja. Das war doch unser Schwur vom Rheinfall.

Aber wird er halten? Wird er halten, Lollo?

Glaubst du, dass Fritz irgendwann für Maman akzeptabel ist?

Erstmals wird hier öffentlich

von seiner Professur in Jena gesprochen.

Macht dies bisschen materielle Zukunft ihn für Maman heiratsfähig?

Ich würde ihr noch nichts davon erzählen.

Es gibt keine offizielle Berufung nach Jena.

Du weißt, dass die Erbschaft aus Batavia sie an Anwaltskosten

und Briefeschreiben mehr kostet, als sie einbringen wird.

(Wiehern) (Mann) Ruhig.

(Mann) Das ist eine Scheiße hier.

Caroline.

Glück.

Fritz.

Liebe.

Fritz, was ist zwischen uns geschehen?

Dass etwas ist, fühle ich.

Ich kann es nicht dulden, dass sich Wolken bilden.

Ich wünsche, dass ewig blauer Himmel zwischen uns sei.

Verehrte Carolin, ich bin in Vorfreude glücklich mit Charlotte,

warte aber auch darauf, Sie bald wiederzusehen.

Die Mohammedaner kehren, wenn sie beten, ihr Gesicht Richtung Mekka.

Ich werde mir einen Schreibtisch anschaffen, wo ich das meinige

gegen Rudolstadt wenden kann, dort sind meine Religion und Prophet.

Was den nächsten Sommer betrifft:

Sollte ich als Professor im Frühling nach Jena gehen,

bin ich nicht mehr Herr über meine Zeit.

Dann komme ich zu Ihnen, und so Gott alles andere richtig fügen

will, zu euch beiden und werde mich euch in den Arm werfen.

Wäre es dir angenehm, im nächsten Sommer niederzukommen?

Du hast mir nicht geantwortet.

Glaubst du, dass Schiller für Maman akzeptabel ist?

Inzwischen ist es klar, dass er nach Jena geht.

Er hat dir darüber geschrieben.

Aber macht diese kleine finanzielle Sicherheit

ihn für Maman heiratsfähig?

Noch weiß niemand von unserer Verlobung. Ist das richtig?

Antworte mir, Liebste, antworte mir.

Ich kann Maman nichts davon sagen.

Ihr Augenleiden droht, schlimmer zu werden.

Und Knebel ist nicht da. Das beunruhigt sie.

Ich kann sie jetzt nicht fragen.

Ich fürchte, dass ich schwanger geworden bin von Beulwitz.

Das macht mich irre.

(Summen)

(Klopfen)

Wir sind heimlich verlobt.

Seit wann? - Seit September.

Als Sie in Kochberg waren, und ich hierher vorausfuhr,

haben wir uns im Salon getroffen und uns Liebe geschworen.

Ich werde ihn heiraten.

Oui.

Mon Dieu.

Dieser bettelarme Mann und du.

Und jetzt soll die Verlobung nicht mehr heimlich bleiben? - Doch.

Je comprends. Er kriegt endlich die Professur?

Wann wird er bei der chère mère um deine Hand fragen?

Meine Schwester wollte die Vorarbeit leisten, aber...

Offenbar liegt das Ganze un peu in der Schwebe.

Deine Schwester scheint mal so, mal so, hm?

Du erzählst manchmal von Stimmungsschwankungen.

Ich liebe meine Schwester, ich bewundere... - Ja.

Und Monsieur Schiller selbst?

Mir scheint, du hast recht, Lollo.

Keine Geheimnisse mehr.

Nagel ihn öffentlich fest, sonst lässt er dich hängen, der Schiller.

Die großen Geister trocknen einem das Leben aus.

Der Mann ist bürgerlich, er hat keinen roten Heller.

Das sagt Maman auch, aber was gilt die Liebe?

Was gilt die Liebe bei einem Künstler,

einer männlichen Maitresse?

Es gibt meines Wissens noch andere Damen,

die Anspruch auf Schiller erheben.

Und die diesen Anspruch öffentlich kundtun werden.

Haben sie dich nicht zärtlich genug berührt?

Soll ich sie mir abhacken dafür?

Tu dir nicht weh. Ich kann das nicht mit ansehen.

Es ist aber vorbei. All die Jahre.

Die Jahre zusammen nimmt uns niemand. - Fritz!

Warum hast du mir nicht gesagt, dass ihr euch verlobt habt?

Damit ich es weiß, bevor es alle anderen wissen.

Es war geheim. - Geheim?

Ist das ein Witz? - Ja, in Weimar ist das offenbar ein Witz.

Demütige mich weiter. Ich zahl dir dafür eine Lebensrente.

Mein Mann wird sein bisschen Eifersüchtelei und Ehrgepinsel

auch vergessen.

All unsere Jahre, das darf nicht vorbei sein.

In Mannheim, dann hier. Du bist für mich hergekommen, denk daran.

Ich bin nach der Verbannung gekommen,

weil ich nicht mehr wusste wohin.

Das ist doch keine Situation so. Das kann nicht endlos so gehen. - Doch!

Bleib noch ein Jahr bei mir.

Dann töte ich mich, ich verspreche es dir,

und du bist frei und bekommst mein Erbe.

Das ist nicht dein Ernst, was du da sagst.

Wir machen das schriftlich.

Nur denke, was der Dichter sagt.

"Ich bin auch ein Mensch, sagt der Staub.

Ich bin auch ein Geist, sagt das All."

(Musik)

(Musik)

...will ich Sie

vor der Schattenseite des Dichters Schiller warnen.

Er ist untreu, verkehrt in Freudenhäusern,

er nimmt das Geld anderer Leute, ohne zu danken.

Er trägt Kleider des Mannes seiner Geliebten, der Frau von Kalb,

aus dem Haus und verpfändet sie.

Ich will nicht sagen, er stiehlt sie.

Aber es ist neben seiner Genialität, die so rühren kann,

neben seiner Verletzlichkeit eine fundamentale Liederlichkeit an ihm,

die einen abstoßen sollte.

(Musik)

(Klopfen)

Ja bitte? - Ich soll sagen, Sie sollen runterkommen.

Jemand wartet auf Sie.

(Wind rauscht)

(Pferde wiehern)

Charlotte?

Deine Hände sind ja ganz kalt. Warum kommst du nicht nach oben?

Ich kann nicht mit in dein Zimmer, das ist kompromittierend.

Ich hab einen Brief bekommen.

Ein Freund.

Ich werde das in Ordnung bringen. Umgehend.

Besonders will ich Sie

vor der Schattenseite des Dichters Schiller warnen.

Er ist untreu, verkehrt in Freudenhäusern.

Er trägt Kleider des Mannes seiner Geliebten aus dem Haus.

Ich will nicht sagen, er stiehlt.

Aber es ist neben seiner Genialität, die so rühren kann,

neben seiner Verletzlichkeit eine fundamentale Liederlichkeit an ihm,

die einen abstoßen sollte.

Haben Sie das geschrieben?

Die Kenntnis meines Schreibstils sollten Ihnen sagen,

dass ich nicht der Urheber dieses Schreibens bin.

"Liederlichkeit" ist ein Wort, das ich nicht verwenden würde.

Überhaupt habe ich mich in unserer Liaison der Übertretung aller

moralischen Normen schuldig gemacht, seelisch wie körperlich.

Insofern ist es idiotisch,

einer wie mir Moralurteile wie "liederlich" in den Mund zu legen.

Ich gestehe dem Briefschreiber zu,

dass er die Angelegenheit gegen mich gut eingefädelt hat.

Sie wollen glauben, dass ich den Brief geschrieben habe,

damit Sie einen Grund haben, mir die Freundschaft zu kündigen.

Damit Sie Ihr Leben neu ordnen können,

auch wenn Sie meines damit vernichten.

Ich möchte, dass Sie Ihre Briefe an mich zurücknehmen.

Ich weiß, wem ich die Einladung für die Professur in Jena verdanke.

Sie überschätzen meinen Einfluss. Viele andere haben da mitgewirkt.

Dalberg, der Statthalter in Erfurt und Mainz, Sie kennen ihn.

Aber auch der Geheimrat, auf den Sie in Rudolstadt

einen mächtigen Eindruck gemacht haben, und der Herzog.

Diese Wohltat von Ihnen besiegelt meinen Schritt

in ein unabhängiges Akademiker- und Schriftstellerleben.

Ich war erschrocken über mich selbst, dass ich

ein derartig niederträchtiges Schauspiel so gut ausführen konnte.

Ich habe es für dich getan.

Ich fühle mich schmutzig. Ich werde dir alles erzählen.

(Musik)

Line?

Line.

Und ich bin nicht schwanger. Gott sei Dank.

Willkommen.

So lässt sich nach all den Gesprächen und Begegnungen in Jena

sagen, dass ich meine Professur für Geschichte im nächsten Frühjahr

stolz und demütig zugleich antreten werde.

Seit heute Vormittag 11 Uhr bewege ich im Kopf

das Thema meiner 1. Vorlesung.

Und muss an unseren Abend bei dem Lengefeldschen Gehöft denken,

als du sagtest, angesichts der Dämmerung, die Schweden kommen.

Ich hab das gesagt.

Stimmt. Du hast das gesagt.

Was grinsen Sie so blöd? - Hab ich gegrinst?

Sie grinsen den ganzen Tag schon unter Ihrem Niveau.

Pardon, ich werde es sofort unterlassen.

Grüße herzlichst deine sehr liebe Mutter von mir.

Ich stelle mir vor, wie sie im Nachmittagslicht sitzt.

Eine dunkle Brille vor den Augen, die sie schützt vor dem Winterlicht.

Wie sie dir zuhört.

Und du, wie du den Brief ihr vorliest.

Wenn sie das jetzt zu hören bekommt, bitte ich sie,

nur einziges Mal mit dem Kopf zu nicken.

Sie wird schon wissen, wozu sie da ihren Segen gibt, nicht wahr?

Alles wird dann gut, meine Weisheit Lollo.

Johann Christof Friedrich Schiller.

Willst du Charlotte Luise Antoinette von Lengefeld,

die Gott dir anvertraut hat, als deine Ehefrau lieben und ehren

und die Ehe mit ihr führen, bis dass der Tod euch scheide?

So antworte: Ja, mit Gottes Hilfe.

Ja, mit Gottes Hilfe.

Charlotte Luise Antoinette von Lengefeld,

willst du Johann Christof Friedrich Schiller

von Gott dir anvertraut, als deinen Ehemann lieben und ehren,

die Ehe mit ihm führen, bis dass der Tod euch scheide.

Ja. Ja, mit Gottes Hilfe.

Was Gott zusammenfügt, das soll der Mensch nicht scheiden.

(Frau) Jetzt die Blumen.

Weil Johann Christof Friedrich Schiller

und Luise Antoinette von Lengefeld einander zur Ehe begehren

und dies hier öffenlich vor Gott und der Welt bekennen.

Weswegen Sie einander die Hände reichen.

So spreche ich Sie ehelich zusammen

im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen.

(Gäste rufen) Hoch, hoch.

(Musik)

(Arzt) Wie lange heute Nacht geschlafen? - 5 h.

Das ist zu wenig. - Aber dafür tief.

Das kann ich bezeugen, er war heut Morgen nicht wach zu kriegen.

Typisches Symptom, steintiefer Schlaf vor Morgengrauen.

Mund auf, Zunge raus.

Sie sind noch nicht gesund.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals ganz gesund gewesen zu sein.

Hose runter.

Husten.

Hier rein. Kommst du?

Nicht da hinten?

Komm.

Guten Tag.

Damen unter 50 Jahren sofort den Raum verlassen.

Das könnte Ihnen so passen.

In sämtlichen Gebäuden der Universität herrscht Frauenverbot.

Das wollen Sie hier auch einführen?

Wir sind in einem ordentlichen Gästehaus.

Nur verheiratete Paare dürfen hier wohnen.

Und der Mann ist nackt. - Jawohl, ich bin nackt.

Wir beide sind auf das Frauenverbot in der Vorlesung vorbereitet.

Wussten Sie, Herr Schiller,

dass Sie in einer Berliner Zeitung für tot erklärt wurden?

Er wusste es. Das hat ihn schnell wieder gesund werden lassen.

Jena. Der Liebling der Deutschen Musen, Hofrat Schiller,

ist gestorben.

(Arzt) Das hat mich gekränkt. - Wo der Herr Doktor

sich so viel Mühe gegeben hat.

Dank, dass Sie uns den Meister erhalten haben.

Auf die Fehlmeldung hin möchte mir eine Dichtervereinigung

eine jährliche Rente ausschreiben. - Wie hoch ist die?

Das hab ich vergessen.

Friedrich, das ist das Einzige, was zählt.

Ich möchte euch bitten, uns allein zu lassen. Bitte geht voraus.

Ich büchse auch nicht aus. Ich verspreche es euch.

Setzt euch irgendwo vorne hin.

Ich bin Beulwitz entflohen.

Er wollte mich im Turm in Rudolstadt festsetzen lassen.

Aber ich bin ihm entkommen. - Kompliment.

(Musik)

Was suchen Sie?

Die Antrittsvorlesung Schiller

"Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte".

Ist verlegt worden. 2. Stock, da ist noch ein Hörsaal.

(Jubel)

Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?

Erfreuend und ehrenvoll ist mir der Auftrag,

künftig an Ihrer aller Seite ein Feld zu durchwandern,

das dem denkenden Betrachter so viele Gegenstände des Unterrichts,

dem tätigen Weltmann so herrliche Muster zur Nachahmung,

dem Philosophen so wichtige Anschauungen

und jedem so reiche Quellen des edelsten Vergnügens eröffnet.

Das große weite Feld der allgemeinen Geschichte,

der Anblick so vieler vortrefflicher jungen Männer,

die eine edle Wissbegierde um mich her versammelt.

In deren Mitte schon so manches Genie für das zukünftige Zeitalter

aufblüht, macht mir meine Pflicht zum Vergnügen.

Groß ist das Geschenk, das ich Ihnen zu übergeben habe.

Was hat der Mensch dem Menschen Größeres zu geben als Wahrheit?

Fruchtbar und weit umfassend ist das Gebiet der Geschichte.

In ihrem Kreise liegt die ganze moralische Welt.

Zum Menschen spricht die Geschichte unaufhörlich.

(Musik)

Die Schweden kommen.

So begrüßten generationenlang Menschen aus dem Volk

die Abenddämmerung,

wenn sie sich als schöner roter Streif auf den Horizont legte.

Die Schweden kommen, eine Vorstellung des Grauens.

Wie eine Furche gräbt sich das Grauen der Geschichte,

in das Gedächtnis der Menschheit, in ihre Träume und Sprache,

bewusst und unbewusst.

Aber unser menschlicheres Jahrhundert herbeizuführen,

haben sich, ohne es zu wissen oder zu erzielen,

alle vorhergehenden Zeitalter angestrengt.

Unser sind alle Schätze, welche Geist und Genie,

Vernunft und Erfahrung im langen Alter der Welt heimgebracht haben.

Erst durch die Geschichte werden Sie lernen,

einen Wert auf diese Güter zu legen,

denen Gewohnheit und Besitz so gern unsere Dankbarkeit rauben.

Kostbare Güter, an denen das Blut der Besten und Edelsten klebt.

Die durch schwere Arbeit vieler Generationen

haben errungen werden müssen.

Wie verschieden auch die Bestimmung sei,

die Sie in der bürgerlichen Gesellschaft einnehmen.

Jedem Verdienst ist eine Bahn zur Unsterblichkeit aufgetan.

Zu der wahren Unsterblichkeit, wo die Tat lebt und weiter eilt.

Wenn auch der Name ihres Urhebers hinter ihr zurückbleiben sollte.

Bravo.

(Musik)

(Mann) Hoppla. - Verzeihung.

(Frau) Setz den Hut wieder auf, Alter.

Lollo, tanz mit.

Wissen Sie, was ich gerade zu meinem Mann gesagt hab?

So ein glückliches Paar wie Sie beide, das sieht man selten.

Besten Dank.

Am 14. Juli 1789 fand 1.000 km westlich von Thüringen

der Sturm auf die Bastille statt.

Das Erbe der Menschheit, der Drang zu Wahrheit,

Sittlichkeit und Freiheit, von dem Schiller gesprochen hatte,

schlug an diesem Tag ein neues, heldenhaftes Kapitel auf.

Jedoch dazu musste erst die alte Weltordnung hingerichtet werden.

(Musik)

Oh nein, der Rock. Mein Rock.

(Männer lachen) Hoch, Hoch.

(Glockenläuten) - Oh nein, mein Hut.

Danke Männer.

Eine schleicht sich zu ihm.

Einer von uns beiden geht zu ihm. Er wird es nicht merken.

Morgen sagen wir ihm, wer die Nacht bei ihm gewesen ist.

Was hast du?

Wir haben dich beide erwartet. Jeder auf seine Art.

Ich wollte eine Brücke zwischen euch sein.

Wir leben in einer Wohnung, aber wir leben nicht wie Mann und Frau.

Wir leben wie Geschwister.

Warum?

Ich hätte niemals den Mann, den du so liebst, empfangen können.

Du hast so viel für uns getan, für Maman und mich.

Für dich bin ich bereit, mein ganzes Leben im Schatten zu leben.

Aber willst du ihn gar nicht bei dir?

Warum nicht? Ich dachte...

Madame?

Danke.

Ich komme morgen nach mit der Postkutsche.

Mach das.

(Musik)

Wir werden uns nun lange nicht sehen, liebste Schwester.

Der Ring unseres Vaters, den Mutter mir vererbt hat, ist jetzt für dich.

Du bist der beste Mensch der Welt.

Aber ihr müsst von heute an zu euch selbst finden.

Ich werde euch nicht mehr länger im Weg stehen.

Der unmenschliche Pakt, den wir geschlossen haben, ist nichtig.

Ich war kurzsichtig, eigensüchtig und dumm.

Verzeih mir, wenn du kannst.

In ewiger Liebe, Caroline.

(schreit)

(schreit) Lina!

Lina, bleib bei mir.

Lina!

Nehmen wir an, es war so:

An einem staubigen Sommertag 1793

begegnet Schiller seiner Schwägerin Caroline erstmals wieder.

Kommen Sie, ich zeige Ihnen, wie man Matritzen herstellt.

Während er sich

die Weiterentwicklungen der Buchdruckkunst erklären lässt,

bei der neuerdings die gesetzten Seiten

mithilfe von Gipsvorlagen gebrannt und danach aufbewahrt werden,

was jederzeit die Herstellung von unzähligen Kopien ermöglicht.

Während der stolze Druckereimeister auf Schiller einredet,

meint er, durch das Geklapper der Druckerpressen für einen Augenblick

Carolines Stimme zu hören, hält das aber für eine Halluzination.

Die Abertausenden Kopien, die die Revolution in Paris beflügelt haben.

Ist erst möglich geworden durch die Erfindung der Stereokopie.

"Als er sie dann sieht, setzt sein Herz für einen Moment aus."

Da hat der Herr Cotta ein Näschen dafür. Ich bring sie zu ihm.

Das ist der Herr Seeliger.

Er ist froh darüber, dass er in Württemberg wegen des Bannes,

mit dem der Herzog ihn vor Jahren belegt hat,

noch immer für die meisten unerkannt bleiben muss.

Denn niemand soll ihm jetzt seine innere Bewegung ansehen.

Wie ist es, wieder zu Hause zu sein?

Inzwischen nach 4 Wochen ganz vertraut.

Ist gut, dass Sie da sind.

Was für ein schöner Stoff. Woher?

Von meiner lieben Frau. Chinesische Seide. Mein Inkognito.

Sie hat ein FS hineingestickt. Ferdinand Seelinger.

Ja, oder Friedrich Schiller.

Wie ist das Befinden Ihrer Frau? - Die Hitze macht ihr zu schaffen.

7. Monat, alles verläuft regulär, sagt der Arzt.

Ich vertrau ihm, er hat meine Schwestern zur Welt gebracht.

Wir sind auch seinetwegen nach Ludwigsburg gekommen.

Verzeihung, Cotta. Wir wussten nicht...

Wer war der Mann?

Das ist nicht Ihr Ernst?

Dalberg, war er nicht ihr Gönner in Mannheim und in Weimar?

Ich muss mich bei ihm entschuldigen. - Bleiben Sie.

Er hat Sie sicher auch nicht erkannt.

Das ist kolossal, was Sie mir bringen.

Alle sind Ihrer Einladung gefolgt

und haben Beiträge verfasst für unsere Zeitung.

Schlegel.

Fichte.

Der Humboldt.

Herder.

Woltmann.

Und Goethe.

Ich weiß. Ich bin auch sehr froh über die Zusagen.

Das wird ein großer Anfang für unsere Horen.

Das wird enormes Aufsehen erregen. Deutschlands Zukunft.

Sie machen mit, weil jeder spürt, dass die Seele der Menschheit

im Tumult der Gegenwart unterjocht wird.

Nur die Beschäftigung mit der Schönheit kann uns befreien.

Es ist kein politischer Diskurs. Alles ist Ästhetik und Historie.

Kunst und Philosophie. So soll es sein.

Es tut mir leid, ich muss noch mal unterbrechen.

Verzeihen Sie, Herr Dalberg, ich hab Sie vorher nicht erkannt.

Herr Schiller, wie kann das sein. Sie hier?

Mein lieber Schiller. Wie lang sind Sie in Tübingen? - Heute nur.

Darf ich kurz dazwischen? - Freilich.

Danke. Cotta, ich beabsichtige,

Ihnen einige von mir überarbeitete Stücke zu überlassen.

Was lesen Sie?

Du kennst mich nicht mehr, Line?

Sie machens einem schwer, und keinen Gruß.

Ich muss mich hier verbergen.

Der Herzog hat den Bann gegen mich erneuert, du weißt das.

Der Herzog ist schwer krank.

Mir war nicht bewusst, dass du in Württemberg bist.

Charlotte hat nichts erzählt.

Sie weiß es nicht. Auch nicht Maman.

Der Herzog ist derart krank, er wird seinen Bann vergessen haben.

Er wird auch vergessen haben, wie sie aussehen.

Das bezweifle ich. Er hasst mich bis zum letzten Atemzug.

Nehmen Sie sich nicht so wichtig. Die Welt drehts sich auch ohne Sie.

Zweifellos.

So sehen wir uns also wieder. Ich im Exil und du heimgekommen.

Wie gehts deinem Mann? - Er will mich loswerden.

Nein, ich will ihn loswerden. Aber ich finde niemand, der mich nimmt.

Dalberg?

Er und ich, wir lehnen uns aneinander an.

Er ist dankbar für meine Anwesenheit. Vorübergehend.

Was hattest du mich eingangs gefragt?

Was du liest.

"Clélie" von Madeleine de Scudéry.

Du kennst es? - Nein.

Ich hab mich mit höfischer Frauen-Literatur nie beschäftigt.

Es gibt darin eine Karte vom Reich der Liebe.

Entlang einem Fluss, der ins Meer der Gefahren mündet,

finden sich Ortschaften.

Die tragen Namen wie "Liebesbrief", "Ungeduld", "gemeinsame Freuden",

"Sehnsucht", "geheime Nachricht ", "Indiskretion",

"Heimtücke", "Einsamkeit".

Einen "See der Gleichgültigkeit" gibt es auch.

Jenseits des "Meeres der Gefahren" wartet "das unbekannte Land".

Madame de Scudéry war eine Adlige aus der Bretagne,

die in Paris vor 150 Jahren großen Ruhm erlangte.

Sie hatte viele Amouren,

war aber nur in ihrer Arbeit glücklich.

Sie plädierte für ein Reich der Liebe,

in dem Leidenschaft auf immer gebändigt ist.

Wo stattdessen tiefe Sympathie der Seelen regiert.

(Tür wird geschlossen)

Nur dies eine Mal.

Gib mir Obhut in deinem Herzen und Schutz an Körper.

Nur dies eine Mal.

Gib mir Obhut in deinem Herzen und Schutz an Körper.

Nur noch ein letztes Mal.

Verzeih meine Lust, werde nie wieder darauf zurückkommen.

Warum ein letztes Mal?

Ich verspreche es, ich verspreche es.

(Musik)

(Reiter) Der Herzog ist verstorben.

Was? - Der Herzog ist tot.

(Junger Mann) Meister, meine Verehrung.

Besten Dank.

Jetzt muss ich mich nicht mehr verbergen.

Jetzt bin ich zu Hause angekommen.

Sie ist dabei, einen Roman zu schreiben.

Sie wünscht sich deine Hilfe. - Gleich einen Roman.

Als ob das jeder könnte.

Sie besteht, ihn anonym zu veröffentlichen.

Das Ganze ist nur eine Beschäftigung für Madame von Beulwitz,

der es gefällt, sich von ihrem Gemahl zu emanzipieren.

Sie hat großen Respekt vorm Schreiben.

Du hast einmal zu ihr gesagt, dass sie Talent hat.

Das hat sie dir erzählt? - Ja.

Da gings um Kurzgeschichten. Ein Roman ist was ganz anderes.

Ich will sie aber gerne um mich haben, sie kann uns helfen.

Warum schreibt sie mir nicht selbst, wenn sie mich

als Geburtshelfer für ihre Literatur zu gebrauchen beabsichtigt?

Sie sucht nur ein Versteck vor der Unordnung in ihrem Leben.

Die geplante Scheidung... - Psst.

(flüstert) Das fast öffentliche Liebesverhältnis mit Dalberg.

Neue Liebe hier, neue Liebe da. - Davon darf ihr Mann nichts wissen.

Weil er sonst nicht in die Scheidung einwilligt.

Nein, ich bin nicht dafür, dass sie zu uns kommt.

Wenn deine Mutter uns die Schwenke ausleihen würde, hätten wir Hilfe.

Es ist auch der Frieden, den sie bei uns sucht.

Ja. Wir haben darum gekämpft.

Vielleicht können wir ihr von unserem Gleichklang etwas abgeben.

Ich freu mich so, dass sie wieder in meinem Leben sein wird.

Sie schreibt "Liebe" jetzt blau und nicht mehr rot.

Wie weit gehts noch?

4. oder 5. Stock.

(wimmert) Kommen Sie.

Leg dich hin.

Wer sind Sie? - Das ist meine Schwester.

Was kann ich tun?

Die Hebamme ist unterwegs. Machen Sie heißes Wasser.

Und die Tücher für die Geburt? - Sind im Arbeitszimmer.

Weck ihn bitte nicht. Er hat die ganze Nacht gearbeitet.

(schreit)

Ich hab solche Angst, Line. - Und atmen.

Und ausatmen. Langsam ausatmen. - Lollo, du musst schreien.

Lollo, doch du schreist jetzt oder ich zwick dich in die Backen rein.

(schreit)

(Hechelt) - Schneller.

Atmen, atmen!

Sehen Sie schon was?

Kommen Sie rein. - Wie siehts aus?

Gut so. - Jetzt. Ja.

(Baby schreit) - Da ist es.

Wir habens geschafft.

Was Sie für eine Frau haben. Und was sie für eine Schwester hat.

Dank dir.

Danke Line.

Entschuldigt. Ich hab heute Nacht die 2. Nummer der Zeitung

komplett zu redigieren gehabt.

Die Artikel der Freunde kamen spät. Das Ganze muss nach Tübingen.

Nehmen Sie das als Anzahlung. Besten Dank. - Danke schön.

Ist wieder alles gut zwischen euch? - Ja, es hat sich alles gewandelt.

Was für ein Glück.

So eine Freude.

Der tiefe Schlaf bei ihm in den Morgenstunden gefällt mir nicht.

Der ist nicht natürlich.

Ich komm in der Früh noch mal. Ade. - Ade.

Er soll gleich eine Geburtsanzeige ins Heft setzen.

Willst du nicht

eine Geburtsanzeige für deinen Sohn mit in das Heft setzen?

Warum nicht? Guter Einfall.

Am 14. September...

Am 14. September 1793

wird Charlotte und Friedrich nach 4 Jahren Ehe

ihr 1. Sohn Karl Friedrich Ludwig Schiller geschenkt.

Wie Caroline sofort anmerkt,

ist das Datum gemäß dem brandneuen französischen Kalender

der 22. Tag des Monats Fructidor im Revolutionsjahr 2.

Das Zimmer ist für dich hergerichtet.

Ein Zimmer ganz für mich?

Willst du nicht bleiben?

Ich muss morgen wieder nach Tübingen. 2 Tage.

Aber wenn ich von dort aus immer zu euch kann, wär ich glücklich.

Freilich.

Lollo, ich darf bei euch bleiben.

(singt) # Ich habe einen Hafen. ♪

Wir müssen uns beeilen.

(Arzt) In die Kutsch blasts aber kräftig nei.

Ich muss sichergehen, dass die Blätter in Tübingen ankommen.

(ruft) Sie haben mir den schönsten Tag meines Lebens beschert.

Ich hab ihr noch mal Geld gegeben.

Das Geld ist von Dalberg. Beulwitz wird nichts erfahren.

Lollo, ich werd nicht zurückkehren zu ihm. Es geht nicht mehr.

Der Respekt ist zwischen uns völlig hinüber.

Mann und Frau sind wir längst nicht mehr,

aber er will absolut nicht in eine Scheidung einwilligen.

Er wird. Hab Geduld.

Bleib nur bei uns.

(Kutscher treibt die Pferde an) (hustet)

Wir haben die Auflage verdoppelt.

Die Leute reißen sie uns aus den Händen.

Die wird noch besser als die erste.

Lieber Herrgott, mach dass er heil und gesund wieder... - Zu uns...

...beiden... - Ja, zu uns dreien. - Zurückkommt.

Amen. - Amen.

(Erinnerung) Warum ein letztes Mal?

(Baby schreit)

Du siescht auch aus, als wärscht grösser gworde.

Stolz ist er.

(Mutter) Ja, das kannsch au sei.

Es sind heut 4 Wochen über der Zeit, in der ich in den letzten 3 Jahren

im Herbst immer krank geworden bin.

Der Karl, das Echo, das meine Arbeit jetzt findet.

Auch die Caroline, die uns eine große Hilfe ist.

Das macht Kraft.

Du solltscht scho a bissle Geld von deiner Schwiegermutter verlangen.

Warum?

Die 2 Töchter wohnet jetzt hier, du verköschtigscht die beide mit.

I moin...

Darf i soebes net sage?

Die oine hockt doch den ganzen Tag bloß herum.

Die schafft doch gar nix.

Mutter, jetzt ist gut. So a Gschwätz.

Soll ich euch was sagen?

Die Caroline zahlt wöchentlich 3 Taler ein in unsere Haushaltskasse.

Oh, das Essen. - Von wem het se denn des Geld?

Net von ihrem Mann, des isch klar.

Das Mittagessen ist fertig.

Bitte, mich von der Hausarbeit für mehrere Stunden abmelden zu dürfen.

Wollen Sie nicht mit uns mitessen? - Nein, vielen Dank.

Auf dem Herd steht noch Tee, Lollo.

Ich heiz dir den Ofen im Zimmer ein. - Den hab ich vor 2 h angemacht.

Danke.

Au, der hat mich gebissen.

Des hesch du au immer gemacht.

Geld, Geld, Geld. Jetzt fängst du auch noch an.

Meine Studenten waren in den letzten Monaten geschrumpft von 400 auf 30.

Bei jeder Vorlesung hab ich 5 Taler weniger als zu Beginn eingenommen.

Die Zuhörer passten am Ende in unsere kleine Wohnung.

(Klopfen) - Herein.

Grüß Gott, das ging aber schnell.

Kommen Sie rein, kriegen sie ein Mittagessen, nehmen Sie Platz.

Das ist aber nett. (Mutter) Lassen Sie offen.

Ich hab Rutzung und Körner versprochen, innerhalb von 5 Jahre

ein oder 2 klassische Tragödien und lange Gedichte zu schreiben,

wenn sie mir einen reichen Mäzen besorgen.

Ich bin die Bettelbriefe leid.

(Alle) Amen. Mahlzeit.

Schau, Louise.

Der Kutscher bringt alle 3 Tage

die Abschriften meiner Artikel nach Tübingen.

Hast du die 1. Ausgabe gelesen? (Klopfen)

Ja. Grüß Gott.

Sogar Goethe hat etwas verfasst. - Sie kriegen noch was.

Meine Schwägerin arbeitet an ihrem 1. eigenen Roman,

den ich beabsichtige zu veröffentlichen.

Außerdem übernimmt sie Hausarbeiten.

Also, alle tun hier was für die Zukunft.

Schreiben, denken, lenken und Kinder kriegen.

(Mutter) Zeig mal. - Irgendwann wird sich der Himmel eröffnen.

Hier am Anfang. - Ach, da.

Charlotte sagt, du missbilligst meinen Lebenswandel.

Das steht mir nicht zu. - Du darfst mir alles sagen.

Nur denk daran, ich hab nichts.

Nur einen Mann, den ich heiraten musste.

Bei all deinem Einsatz für die Humanität.

Wo bleibt dein Engagement gegen die Zwangsverheiratung junger Mädchen?

Zweifellos schlimme Missstände.

Muss sich ein anderer Schriftsteller annehmen.

Ich möchte bei dir Unterricht nehmen.

Das Schreiben ist vielleicht meine Seelenrettung.

Ich zahle mit dem Geld, was ich euch wöchentlich geb.

Wenn du einmal die Woche aus Mainz oder Tübingen zurückkommst.

Erinnere dich, wie wir Dalberg genannt haben, den Goldschatz.

Du musst wissen, dass der Mann in Tübingen bekannt ist.

Was ist, wenn Beulwitz von euch erfährt?

Willst du eine Scheidung ohne jede Abfindung?

Ich will nicht abreisen, bevor ich den Roman beendet habe.

Ich gebe Dalberg, was er sich von mir wünscht.

Ich wills nicht hören.

Ich trinke von deinen Lippen. Du bist Gott, hilf mir.

Das ist also aus den ersten Versuchen von damals geworden?

Warum "von Lilien"?

(Stöhnen)

Noch knapper die Sätze.

Schau, da ist ein Relativsatz zu viel.

Wie wärs, wenn du die Erzählung des alten Pflegevaters

in direkte Rede setzt, ab hier.

Muss ich es dann nicht überall ändern, wo indirekte Rede vorkommt?

Nein, keine durchgängigen Konzepte.

Die Literatur kann Inkonsequenzen gut vertragen.

Nicht immer, wenn du denkst, du musst Spannung machen,

so einen schicksalhaften Ton anschlagen. - Ho, ho, ho.

In der Szene zu Beginn bekommt der Leser alle sehnsüchtigen Ahnungen,

die er braucht, um die nächste Fortsetzung zu erwarten.

Vertrau auf dein Talent.

Vertrau du meinem Talent, dann vertrau ich ihm auch.

Darf ich das herausnehmen? - Freilich.

"Ein großes erleuchtetes Haus

glänzte mir aus der finsteren Nacht entgegen.

Es lag einsam und war nur von wenigen Nebengebäuden umgeben.

Hier werden Sie Ihre Mutter sehen, sagte mir Charles."

Hörst du zu?

Ah, die Mutter.

"Wir sind bald an dem Ort unserer Bestimmung.

Die kleine Türe führte zu einem langen Gang,

den eine Lampe sparsam beleuchtete.

Charles öffnete eine Seitentüre und hieß mich hineingehen.

Ich trat in ein dunkles Zimmer.

Charles schloss die Tür hinter mir ab und befahl zu warten.

Nach wenigen Augenblicken öffnete sich eine Tür mir gegenüber,

aus welcher ein mattes Licht zu mir drang, und eine Stimme rief zu mir:

Komm herein, meine Agnes, meine Mutter erwartet dich mit Ungeduld."

Und das wars für diesen Monat, Freunde.

Fortsetzung folgt. - (Goethe) Also nein. Nein.

Mais si donc.

Ich bin süchtig nach den Fortsetzungen.

Ich bin zutiefst ergriffen.

Eine charmante Unverschämtheit, an der Stelle aufzuhören.

Wie Musik, die einen auf ihren Flügel davonträgt.

Muss ich eine Woche warten, wie es weitergeht.

Einen Monat musst du warten, mein Söhnchen... - Ja, Vater.

Wie verflucht modern.

Ich gehe jede Wette ein,

dass der Autor ein ganz Großer ist, ein ganz Großer.

Dieses Spiel mit den Herzen der Leser, das könnte von Ihnen sein.

(Goethe) Ich würd es mir wünschen, aber leider, leider...

Ist es nicht einer, den wir kennen und der sich ins Fäustchen lacht?

Vielleicht.

Wer mag der Meister sein, der diesen Roman verfasst hat?

Caroline, erinnerst du dich, als ich zu dir gesagt habe:

Sie werden glorreiche Prosa schreiben,

und die männlichen Kollegen werden staunen.

Darf ich das Fenster öffnen, um den Druck der Spannung und Anteilnahme

von unseren Atmungsorganen zu nehmen?

Es ist eisig kalt hier. Du musst die Tür zum Treppenhaus zumachen,

sonst wird es nicht warm.

Der brennt noch, aber du musst Holz nachlegen.

Ich bin so glücklich, hier zu sein.

Ich kann schreiben, er hilft mir. Behaltet mich noch eine Weile.

Du kannst so lange bleiben, wie du willst.

Es ist so kalt hier drin. Leg ab und zu Holz nach.

Lass sie die Arbeit fertig machen.

Heute muss sie Blätter nach Tübingen bringen.

Auf den vereisten Straßen? - Ich kenn doch den Weg.

Dann stells auf den Boden, Mutter.

Line, mach die Tür zu, es wird doch kalt.

(Kutscher) Madame. Madame.

Ich komme. - Sehr wohl, Madame.

Ich bring dich runter. - Danke.

Sie können dableiben, wir bringen das Manuskript allein auf Tübingen.

Nein, das ist meine Kutsche, mein Pferd.

Es ist mein Manuskript. Sie sind zur Sicherheit dabei.

(Wiehern)

Ist der Dalberg von Mainz aus nach Tübingen zu dir unterwegs?

Seht ihr euch noch heute Nacht? Im Hotelzimmer mit den Lilien.

Er hat das Zimmer für euch gemietet, ich hab mich erkundigt.

Deutschland fragt sich, wer der Verfasser von "Agnes" sei,

und niemand ahnt,

dass dieser Anonymus mit dem Mainzer Theaterdirektor im Bett liegt.

Du weißt nicht, was es heißt, in so einer Ehe zu leben.

Ihr 2 seid ein Herz und eine Seele.

Ich will nicht nach Rudolstadt zurück.

Ich werde deinem Mann schreiben.

Er muss sehen, dass es so nicht weitergeht.

Wir 3 kommen uns aus großer Entfernung wieder entgegen.

Ihr habt mir so unendlich gefehlt.

Als ich auf euch verzichtet habe,

hab ich mir alles aus dem Herz gerissen.

Wenn der Roman fertig ist, werd ich eine freie Frau sein.

Wir geben einen Empfang zusammen in Weimar, wir 3.

Du sagst dort allen, wer "Agnes" geschrieben hat.

Ich könnte stundenlang so mit dir stehen.

Wird es noch mal so sein mit uns? Wie in Tübingen? - Nein, nein.

Nicht hier.

Warte, bis wir zusammen in Weimar sind,

bis wir endlich zusammen leben werden.

Ich will mit euch die Dichter empfangen in unserem Haus,

zu dritt.

Geh rein. Mir wird Angst um dich.

Denk an letztes Jahr, an deine Krankheit.

(Wiehern)

(Musik)

(Klopfen) (Dalberg) Herein.

(Musik)

"Geben Sie Ihre Frau Caroline, geborene Lengefeld, frei."

(Klopfen) Ja?

Was denn?

Geben Sie Ihre Frau Caroline, geborene Lengef....

Tauschen Sie zum Besten aller Beteiligten eine notorisch Flüchtige

ein gegen eine andere, Ihnen treu ergebene Bett- und Tischgenossin.

Gegen eine, die willens ist,

Ihnen den ersehnten Nachkommen zu gebären.

Ist das nicht zu direkt? Was sagen Sie?

Ist der Briefschreiber übergeschnappt?

Liegt er mit meiner Frau im Bett?

Ich kann Ihnen mit absoluter Sicherheit versichern,

dass niemand dem Schiller diesen Brief aufgetragen hat.

Der spricht für sich, der wollte was Gutes tun, ist aber, wie so oft,

übers Ziel hinausgeschossen.

Bei mir erreicht er damit eher das Gegenteil.

"Liebes Kind, Linchen.

Warum kannst du deinen Schwager nicht daran hindern, dir

in Privatdingen auf derart täppische Weise behilflich sein zu wollen?

Bei Beulwitz und dir handelt es sich um eine Zweckeheverbindung

und nicht um eine lächerliche bürgerliche Liebesheirat,

die sich erledigt, sobald die Liebe sich davongestohlen hat.

Schillers Brief ist auf Dienstbotenniveau.

Deine Ehe ist in Gefahr gebracht."

Madame, ich...

"Das hat dein Mann nicht verdient.

Mir ist auch nicht wohl bei eurer Ménage zu dritt in Ludwigsburg."

(Musik)

Warum so förmlich, Madame?

Nur Mut, auch beim Beenden einer Sache.

Haben wir nicht immer gesagt, ein Wink genügt,

und unsere kleine gegenseitige Vereinbarung ist ad acta?

Einen letzten Wunsch habe ich aber noch.

Die Scham, die Caroline fühlt, dringt tief in ihre Seele.

Sie empfindet diese Demütigung als eine Strafe dafür,

ihre Schwester mit ihrem Schwager in diesem Raum hintergangen zu haben.

Dalberg ist ein kluger Mann.

Er dreht die Verletzung, die Caroline ihm

durch die Trennung zufügt, um.

Er bezahlt sie für Ihre Nacktheit so gut wie noch nie.

Er weiß, dass er damit

ihr schlechtes Gewissen und ihre Einsamkeit vertiefen wird.

(Musik)

(Musik)

(Babyschreien)

(Glockenläuten)

"Sie sind großzügig, sagte der Prinz,

da Sie die Unabhängigkeit und die Freiheit seines Auftrags

ernst nehmen und ihn ziehen lassen."

Das geht alles knapper. Es geht doch um Agnes.

Eine Seite weiter schreibst du so etwas:

"Hell wie die Natur sei unser Seele im Abschied."

Das ist wundervoll.

Dir wird eine bessere Lösung für dieses..

Ich versteh nicht, was du meinst. Ich finde es gut so, wie es ist.

Was ist falsch an

"die Unabhängigkeit und die Freiheit seines Auftrags"?

Ich möchte, dass es so bleibt. - Nein, nein es geht besser.

"Der freie Kreis seiner Tätigkeit". Das klingt offener.

Und der Kreis sagt uns, dass er zu ihr zurückkommen wird.

Ich fühl mich unterlegen. Ich hasse das Gefühl.

(Klopfen)

Wer ist das?

Wer ist das? Na so was.

Beschützer der Herde, komm in meinen Arm.

Wo kommt der Mann her?

Aus Paris, geschüttelt in einer Nussschale.

Ich werde größere Kutschen entwickeln lassen.

Für dich züchten sie größere Pferde. - Wer wusste, dass er kommt?

Es sollte eine Überraschung sein. - Das will ich aber meinen.

Schau mal, wer da kommt. Schau mal, wer da ist?

Na, wer ist denn da?

Gerade aufgewacht.

Es ist nicht zu schildern, was vor sich geht.

Massaker, Mord.

Das sind keine Worte, die auch nur annähernd treffen, was passiert.

Schuldig, unschuldig, egal, alle kommen aufs Schafott.

Werden auf der Straße aufgeschlitzt bei lebendigem Leib. Totgetreten.

Von Pferden zerrissen wie im Mittelalter.

Es regiert ein Mob, dessen Bosheit so abgrundtief ist.

Dessen Blutgier schauriger ist als jemals in der Menschheitsgeschichte.

Hätten wir das nicht wissen müssen, Wilhelm? - Ja.

Alle, die an diesem Glockenseil zum Sturm geläutet haben,

hätten das wissen müssen.

Das glaube ich fest, seitdem ich dort war.

Nur noch Niedertracht und Hoffen auf den nächsten Blutrausch.

Hier.

Kann man in der ganzen Stadt kaufen.

Nach der Wahrheit gezeichnet.

Ohne Talent, aber im Einklang mit der Realität.

Für den Revolutionsbesucher.

Die Auflage geht in die Zigtausende.

(Musik)

Der Kaufpreis geht in die Taschen der Mörder.

Diesem Mann wurde das Gesicht abgeschnitten.

Er kam verkehrt unter die Guillotine,

weil er sich gewehrt hat.

Krude. Ich wills nicht haben.

Hast du uns nicht damals über die Inquisition vorgelesen? - Mhm.

Genau so ist es wieder.

Es gab Abende, da wollt ich nicht mehr leben.

Ich habe mich im Keller von meinem Hotel versteckt,

sogar meinen aristokratischen Namen geändert aus Angst.

(Charlotte und Caroline streiten im Hintergrund)

Sie zanken zurzeit öfter. Ist mir ganz neu.

(Klopfen)

(flüstert) Ich komme zu euch. Der Kleine muss einschlafen.

Ich weiß, die Küchendielen knarzen.

Darf ich mich aufs Bett setzen?

Ich erwarte ein Kind, Fritz. Ich bin im 4. oder 5. Monat.

Genau kann ich es nicht sagen,

weil meine Regel auch schon ausblieb, wenn ich Krämpfe hatte.

Ihr Zustand müsste geheim bleiben.

Beulwitz könnte sonst

die Scheidungsformalitäten rückgängig machen.

Ist er denn jetzt bereit?

Er hat mir mitteilen lassen, dass er keine Aussprache mehr will,

sondern gleich die Trennung.

Wenn er aber wüsste, dass Line schwanger ist,

und nicht von ihm, könnte er einen Rückzieher machen.

Ja, das ist wahr.

Es ging ihm ja immer um die Nachkommenschaft.

Was wäre mit eurer Mutter? Wird sie ausziehen? - Sie ist schon dabei.

Da wohnt man unter einem Dach und weiß so wenig voneinander.

Deine Ankunft hat auch damit zu tun? - Mhm.

Willst du das Kind bekommen? - Ja.

Warum? - Warum nicht? Sie hat doch...

Weil ich nicht sicher bin, ob ich noch einmal schwanger werde.

Unser Arzt hat mir eine Disposition zur Lungenentzündung prophezeit.

Meine Haut ist dünn wie bei Rothaarigen.

Ich möchte nicht sterben,

ohne das gleiche Glück wie du erlebt zu haben.

Und wo willst du das Kind kriegen? Hier?

Bist du feindselig? - Nein.

Ich kenne einen Dorflehrer in der Nähe von Schaffhausen, Herrn Roll.

Er müsste die Pflege des Säuglings und die Erziehung übernehmen,

zumindest bis die Scheidung unterschrieben ist.

Aber du bist erst im 5. Monat.

Die Scheidung wird mindestens ein Jahr auf sich warten lassen.

Hat mein Anwalt gesagt.

Bis dahin sollte Caroline kein unnötiges Risiko eingehen.

Für sie geht es um viel Geld.

Du fährst nicht allein.

Ich werde mit ihr reisen. Ich hab hier keine Verpflichtungen.

Ich möchte die Erlebnisse aus Paris vergessen.

Als Samariter einer jungen schwangeren Frau

finde ich vielleicht den Glauben an die Menschheit wieder.

Und was zahlt Dalberg?

Nichts. Er weiß nichts. Ich hab mit ihm gebrochen.

(Kind wimmert)

Wir hatten einen Pakt, Line.

Dieser Pakt wollte, dass wir uns alles sagen.

Dass wir uns näher sind, als wir unseren Männern je sein werden.

Du und ich. Dieser Schwur gilt nicht mehr.

(Musik)

Hab ich dich zu sehr vor vollendete Tatsachen gestellt?

Ich tauge nicht fürs praktische Leben.

Hab die Geburt meines Sohnes verschlafen.

Wilhelm ist aus anderem Holz. Pragmatisch. Lebensnah.

Er ist froh, dass er einer Freundin helfen kann. - Ja.

Wie wird es mit unserer "Agnes" weitergehen?

Ich werde versuchen, die letzten Kapitel in der Schweiz anzufangen.

Ist das eine Flucht?

Ich kann nicht bleiben. Ich spüre, dass sie mich verachtet. - Nein.

Ich hab ihr nichts erzählt von Tübingen. - Ich auch nicht.

Unserem Wiedersehen im Sommer.

Trotzdem fühlt sie sich hintergangen.

Es gibt eine Frage, die ich dir nicht stellen werde.

Dann tus nicht.

Ich würde sie dir womöglich beantworten und laut schreien dabei.

Komm.

Wenn du Sanftmut suchst, die liegt da in der Kammer.

Ich will nur dich. Du bist mein Leben.

Nein, du willst nicht nur mich. Ich bin nicht gut genug.

In Tübingen hat mich jemand auf offener Straße angesprochen.

Etwas an mir riecht nach Prostitution.

Ich weiß nicht mehr, hat Dalberg mir den Laufpass gegeben, oder ich ihm?

Mit wem war ich zusammen in den letzten Monaten? Ich weiß es nicht.

Tu dir nicht weh.

Ich muss doch. Sonst kann ich nicht gehen.

Es ist nichts Ehrenhaftes daran,

sich schuldig, schmutzig und unglücklich zu fühlen.

Zu versuchen, glücklich zu sein, das lohnt die Mühe.

Ich werde jetzt den Brief an den Lehrer schreiben.

Du findest ihn morgen auf dem Küchentisch.

Weckt mich, wenn ihr fahrt.

In 1/2 Jahr seid ihr wieder hier, ja? - In Weimar, wenn ich frei bin.

Wir schreiben uns täglich. Ich muss wissen, wie es dir geht.

Lass uns zu dritt den Traum leben. Ich bitte dich.

In Weimar. Dann sind wir wieder alle zusammen.

(Hufklappern, Stimmengewirr)

(Musik)

Dennoch wüsste ich gerne, ob du wohlauf bist.

Ob Wilhelm dir eine Hilfe ist, was ich nicht bezweifle.

Hier ist alles gut, Line.

Der Junge hatte einen Wespenstich und 2 Tage Fieber.

Charlotte hat einen schönen Namen für euch gefunden:

Maria und Josef auf der Suche nach einem Stall.

Wilhelm, ich wende mich jetzt direkt an dich.

Ein wenig kommen Charlotte und ich uns vor,

als würden wir eure Namen in den dunklen Kosmos hineinrufen.

Sag Caroline,

ich hab die letzten Kapitel der "Agnes" selbst geschrieben.

Ihr wart beim Herrn Roll, seid aber weitergefahren

und ihr wolltet im Oktober wiederkommen. Stimmt das?

Stimmt das?

Anhalten, anhalten.

(Kutscher) Brrr.

Hörst du es?

(Sehr leises Vogelzwitschern)

Die Kraft? Die Natur?

(Lautes Rauschen)

(schluchzt) Ich liebe ihn doch so sehr. Er gehört doch zu mir.

Rette mich, Wilhelm. Bring mich in Sicherheit. - Wovor?

Vor mir selbst. Vor meiner Leidenschaft. Rette mich.

(hechelt) - Schrei doch.

Bist du wohlauf? Du müsstest doch jetzt niedergekommen sein.

Gib mir Antwort. Auch Charlotte ist jetzt ernstlich beunruhigt.

Ist euch etwas zugestoßen?

Schrei. (schreit laut)

Wurde am 16. August...

...1794...

Knabe.

Wie mir Roll mitteilte, ist bei der Geburt alles gut gegangen.

Warum höre ich nichts von euch? Hast du das Schreiben verlernt?

Ist Wolzogen dir abhanden gekommen?

In den Bergdörfern der Schweiz gibt es doch auch Schreiber,

die helfen, Briefe zu formulieren.

Sucht doch so eine.

Verflucht, wo seid ihr, wo bist du? Warum kommt ihr nicht zurück?

Wenn er alt genug ist, es zu verstehen,

sagen Sie ihm, ich komme, seine Mutter holt ihn bald.

Caroline von Beulwitz, zur Zeit Genève, Schweiz.

Wenigstens ist ihnen nichts geschehen.

Ja. Aber was für ein Theater.

Beulwitz hatte sich inzwischen mit der Scheidung einverstanden erklärt.

In den offiziellen Akten steht später als Begründung zu lesen:

Zehnjährige Ehe-Unverträglichkeit.

Caroline erhält keinerlei Abfindung von ihrem 1. Mann.

Im gleichen Atemzug,

wie sie den Schillers von ihrer Scheidung Kenntnis gibt,

kündigte sie ihre Heirat mit Wolzogen in der Schweiz an.

Sie schreibt: Wilhelm ist ein treuer und liebender Gefährte.

Er ist der Mann, der Beschützer, den ich immer gesucht habe.

Freut euch mit mir.

Auffällig ist, dass Caroline nichts von ihrem Kind mitteilt.

Das Kind, von dem die Schillers wissen,

dass es vom Schulmeister Roll aufgenommen worden war.

Schiller nennt seine Schwägerin nur noch:

Die Frau, die nicht Ja sagen kann.

Ein Jahr später wird im Schaffhausener Gemeindebuch

das Geburtsdatum Adolphs auf 1795 abgeändert.

Wahrscheinlich geschieht das, um für immer zu verbergen,

dass Carolines Sohn als uneheliches Kind zur Welt gekommen war.

Dieses Kleid muss auch mit.

Wenn mich der Tod in Weimar holt,

möchte ich in dem Kleid aufgebahrt werden.

Jawohl, Madame.

Ich werde alles noch schriftlich niederlegen, Schwenke,

damit Sie sich nicht im Ernstfall herumstreiten muss

mit meinen Töchtern wegen Details bei meinem Begräbnis. - Jawohl.

Ich möchte meine 10 Lieblingsbücher um mich haben.

Den Voltaire. - Voltaire.

Und die Ausgabe der Schriften meines Mannes. - Ja.

Und das Neue Testament. Und... (stöhnt) - Madame?

Dieses Service möchte ich Charlotte vermachen.

Pack Sie es sorgfältig in Lumpen,

putz sie die beiden silbernen Kännchen, die dazu gehören

und stell Sie das Ganze auf den Balkon.

Damit der Gestank des Putzmittels bis Weimar verflogen ist. - Ja.

(Klopfen) Schwenke, der Brief.

Heul Sie nicht, sonst muss sie das Ganze noch einmal schreiben.

Meine lieben Kinder,

ich schreibe an euch beide denselben Brief,

damit es im Nachhinein nicht zu Unstimmigkeiten kommt.

Mein Arzt hat mir noch eine kurze Lebensfrist gesetzt.

Aufgrund eines unheilbaren Nierenleidens,

das er mit absoluter Gewissheit diagnostiziert hat,

hat er mich aufgefordert, meine irdischen Dinge zu ordnen.

Solange ich dazu in der Lage bin.

Neben allem Finanziellen und Materiellen möchte ich auch

unsere Verhältnisse geklärt sehen.

Besonders eures zueinander. (Lautes Krachen)

Ich werde in 2 Tagen nach Weimar reisen

und wünsche, euch beide, Charlotte und Caroline, zusammen zu sehen.

Caroline kann ja schon mal ihr Nachthemd anziehen. - Ja.

Komm, Linechen.

Hauruck.

Gute Nacht.

Schon frappant, wie selten man sich in Weimar zu Gesicht bekommt,

wenn man nur 500 Schritte voneinander entfernt lebt.

Ja, Weimar ist ein Labyrinth.

Davon kann Fritz ein Lied singen.

Ernst, komm mal her.

Wie findest du denn meinen Bart, den lass ich mir für dich wachsen.

Ist der weich genug für dich?

Ja. (Ernst) Mhm.

(Männer rufen) Halt.

Wo will er hin?

Und? - Ja, er reitet.

Ein Geheimrat Goethe

lässt sich nach dem Befinden Ihrer Schwiegermutter erkundigen.

Was soll ich sagen? - Die Wahrheit.

Wir warten noch und sind beunruhigt. Ich schreib ihm.

Tu das. - Warte. Ich schreibs drüben.

(Wolzogen) Karl, das ist übrigens ne Geschichte über euch beide.

Dein Vater hat jene Geschichte geschrieben

über einen Karl und über einen Ernst.

Über 2 Jungen, die nur Unfug im Kopf haben.

"Ich glaube, dass alles, was ein Genie als Genie tut,

unbewusst geschehe."

(Wolzogen) Karl und Ernst machten eine große Kissenschlacht.

Hans.

In der Küche ist noch was vom Mittagessen übrig.

Lass dir was geben. - Danke.

Guten Abend. - Abend.

Ich bring ne Nachricht für die Familie von Hofrat Schiller.

Die Kutsche von Madame Lengefeld ist auf halber Strecke steckengeblieben.

Alle darin sind wohlauf und mit Getränken versorgt.

Aber sie werden ihre Fahrt erst morgen fortsetzen.

Sie übernachten in der Kutsche? - Dann haben wir noch Glück gehabt.

Ich kann ihnen entgegenreiten. - Nein, du bleibst hier.

Lass uns erst mal den neuen Brief an den Geheimrat schreiben.

(Wolzogen) Wir sehen uns morgen wieder, wenn Maman ankommt.

(flüstert) Wir gehen jetzt nach Hause.

Also dann. - Gleiche Zeit, selbe Prozedur.

Auf morgen.

Warum stellt sie die Vitrine ins Entrée? Absurd.

Das ist petit bourgeois,

als hätte sie den Krempel in der Lotterie gewonnen.

(Kutscher) Brrr.

Ruhig, Brauner.

(Wolzogen) Madame, darf ich behilflich sein?

Maman. Wir freuen uns sehr, dass Sie da sind.

Ich stelle fest,

dass du noch immer niemand anderem ähnlich siehst als deiner Mutter.

Bedauert dein Vater das nicht?

Er ist schon gut, so wie er ist.

Bist aber groß für 6 Jahre.

Hast Du noch Erinnerungen an deine ersten 4 Lebensjahre in der Schweiz?

Bevor deine Mutter dich hierhergebracht hat? - Nein.

Na? Nicht mal an den großen Rheinfall? Warst du niemals da?

Doch, an den schon, chère mère.

Ja. Ich habe auch Erinnerungen an den Rheinfall.

Und als deine Mutter und deine Tante noch sehr jung waren

und sich innig geliebt haben.

Immer haben sie getuschelt.

Deine Mutter hat immer geschwatzt und deine Tante immer dazu genickt.

So.

Dein Großvater, schau, da drüben hängt er an der Wand.

Er ist früh gestorben.

Die beiden haben einander sehr gebraucht.

Deine Tante hat mich immer gefragt, sind wir jetzt arm?

Ich hab gesagt, nein, noch nicht.

Aber wenn wir nur noch eines

unserer 12 26-teiligen Porzellanservices besitzen,

dann sind wir arm.

Erinnerst du dich, meine Liebe?

Siehst du, nun habe ich dir mein letztes Service mitgebracht.

Schwenke, zeigs doch mal.

Und jetzt bin ich arm.

Aber ich brauchs wohl auch nicht mehr.

Der liebe Gott wird mich schon bald wieder reich machen.

Oh, liebe Maman.

Ja.

Aber ich möchte, dass du mit deiner Schwester gemeinsam daraus trinkst.

Dass ihr oft sprecht und euch lieb habt wie früher.

Und dass mein lieber Schwiegersohn, der Herr Schiller,

über dessen stetig wachsenden Ruhm ich alte Frau sehr glücklich bin

und gleichzeitig sehr beschämt,

dass ich diesen Ruhm nicht vorausgeahnt habe damals.

Als er erstmalig zu uns nach Rudolstadt kam.

Im Sommer vor 13 Jahren.

Ich will, dass das Gezänk zwischen euch ein Ende hat.

(beide) Wir zanken uns nicht.

Nein, ihr redet ja gar nicht miteinander.

Ihr schreibt euch artig Grußkarten und Einladungen,

sagt euch genauso artig ab und seht zu,

dass ihr euch auf den Straßen aus dem Weg geht.

Das muss ein Ende haben.

Ich will nicht aus dem Leben gehen mit dem Gefühl,

ein Schlachtfeld hinterlassen zu haben.

Deshalb bin ich hier.

Jetzt hast du dir wehgetan.

Ja, das hat wehgetan.

HAST DU MIR VERZIEHEN?

Warum hast du nie gefragt? - Was hätte ich fragen sollen?

Mein letztes Service. - Was hätt ich dich fragen sollen?

Eine Frage. - Welche? - Wer ist der Vater von Adolph?

Warum hätte ich das fragen sollen, Wenn du es selbst nicht wusstest?

Bei deinem Umgang damals. Dalberg.

Doch, ich weiß es. - Nein.

Doch ich weiß es. - Nein, du weißt es nicht.

Doch. Willst du es nicht auch wissen?

Nein. - Warum nicht?

Weil es mich nichts angeht.

Und wenn es dich mehr angeht, als du denkst?

Ich will es nicht wissen.

Warum macht keiner was?

Die kluge, gute Charlotte, da muss sie sich die Ohren zuhalten, gell?

Du hast mir das Kind nicht gegönnt.

Dein Gesicht in Ludwigsburg, als wir darüber sprachen,

das werd ich nie vergessen, nie.

Und was ist jetzt?

Du hast doch gewonnen. Du hast ihn für dich allein.

Wie kannst du solch einen Mann zeitlebens

mit deinen kleinen vulgären Liebesvorstellungen belästigen?

Wie konntest du so dumm an der Wirklichkeit vorbeileben?

Du hast meinen Mann immer im Stich gelassen, als es ernst wurde.

Du hast dich an ihn geschmissen und dann bist du immer getürmt.

Wir hatten einen Schwur. Alles wollten wir teilen.

Was soll ich denn mit dir teilen?

Eure gemeinsame Nacht in Tübingen?

Deine Männer, die du wie Hündchen hinter dir herziehst?

Du führst das Liebesleben einer bankrotten Feudalherrin.

In Frankreich kämst du unter die Guillotine.

Weil sie dort die Freiheit begraben haben.

So ein respektloses Benehmen. - Bleib hier.

Sie waren zu klein für die echte Freiheit.

Damit war nicht die Freiheit im Bett gemeint.

Schau deinen Mann an. Traurig. Dieser starke Mensch.

Er hält den Mund, wenn du wie eine Furie dich auslebst.

Hallo, die Damen. Gerne sind wir Zeugen eurer Leidenschaft.

Wenn ihr euch zu beschimpfen geruht. Aber lasst eure Männer...

(Mutter) Lollo. Lollo.

Einen Arzt, einen Arzt.

Lollo.

Er scheint schlimmer als früher... (Mutter) Das war immer so.

Nicht so.

Immer wenn der Schnee schmilzt, krieg ich Angst.

Aber er ist doch längst geschmolzen, Liebster.

(Wolzogen) Lasst mich helfen.

Ins Bett.

Schwenke, bringen Sie bitte die Schüssel raus.

(Arzt) Ich bleib über Nacht.

Wir müssen die Nacht noch abwarten.

Kommen Sie, ich zeig Ihnen ihr Nachtlager.

Das geht schon.

Bitte, reden und gehen und klappern sollen sie alle, ich hör das gern.

Und singen vielleicht noch mal.

Vielen Dank, Hans.

Die Frauen der Familie von Lengefeld haben allesamt ein seltsames Talent.

Sich Männer auszusuchen, die ihnen ins ewige Leben vorangehen.

Am Ende werden sie als Witwen wieder zu dritt zusammen sein.

Werden gemeinschaftlich

ihrer geliebten verstorbenen Männer inniglich gedenken.

Vielleicht ist es das, was sie dann doch immer zusammenhält.

Etwas, was sie selbst gar nicht verstehen,

weil es trotz allem so selbstverständlich ist.

Es ist ihre Dreisamkeit, die Schiller stets wieder gesucht hat.

Ihre Frauen-Gemeinschaft,

in die sie ihn ganz und gar hineingelassen haben.

Damals im Sommer 1788.

Und aus der sie ihn statt in ein Paradies

in die Einzelhaft der Ehe geschickt haben.

Jetzt...

...jetzt in diesem Moment, im Augenblick seiner Todkrankheit,

begreifen sie wieder:

Er ist der Flüchtling auf einem eisig kahlen Planeten.

Fremd in der Welt und einsam.

Er hat ein Zuhause nie gesucht.

Aber bei ihnen gefunden.

(Musik)

Line.

Lotte.

Friedrich von Schiller erholt sich auch von diesem Krankheitsanfall

nochmals wie schon von so vielen zuvor.

Erst 3 Jahre später gibt sein geschwächter Körper endgültig nach.

Er stirbt im Mai 1805 mit nur 45 Jahren.

Caroline von Wolzogen

schreibt noch als alte Frau eine Biographie ihres Lebensfreundes.

Die neuen Buchdruckverfahren haben zu diesem Zeitpunkt

längst den Siegeszug durch die Welt angetreten.

Die Auflagen stiegen in Höhen,

die nicht einmal Schiller sich hätte träumen lassen.

Vielleicht fürchtet Caroline angesichts der Erwartung

solcher enormen Leserscharen die Indiskretion.

Jedenfalls verschweigt sie in ihrer Biographie

jegliches intime Detail ihres Lebens.

Und kurz vor ihrem Tod

vernichtet sie alle schriftlichen Zeugnisse der Vergangenheit.

Zu wissen, dass keinerlei Nachwelt genau würde in Erfahrung bringen

können, was zwischen ihnen wirklich gewesen war,

war ihr wohl ein Trost.

Gegen Carolines Willen aber blieb ein einziges Billet übrig.

Jenes, das sie im Sommer 1788 in Rudolstadt erhalten hatte.

Heute Nacht oder heute morgen war ich nicht Herr meines Tuns.

Am Abend bin ich eingeladen auf einem Diner bei Rengmann,

dem Arzt, der mich hier behandelte.

Aber ich werde mich dennoch zu Ihnen wegzustehlen versuchen.

Copyright WDR 2017

Bitte bewerte diese Untertitel bei www.osdb.link/9re49 Helfe anderen Usern die besten Untertitel auszuwählen.

Can't find what you're looking for?
Get subtitles in any language from opensubtitles.com, and translate them here.