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Original subtitles

Die Mitte Europas im zweiten Jahrtausend.

Ein Land, das lange braucht, um eins zu werden.

Menschen, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte als deutsch verstehen.

Wer sind wir?

Woher kommen wir?

Fragen an ein Jahrtausend deutsche Geschichte.

Für die Demokratie!

Es kommt zum Streit.

Im 11. Jahrhundert. Wer ist stärker?

Der König der Deutschen oder der römische Papst?

Papst Gregor und Heinrich IV. kämpfen um die Macht.

Die deutschen Fürsten entscheiden mit über Niederlage oder Sieg.

Dass der Name des Papstes einzigartig ist in der Welt.

Was erlaubt sich dieser Papst?

Dass alle Fürsten nur dem Papst die Füße küssen dürfen.

Ich bin König der Römer, der künftige Kaiser.

Dass er selbst von niemandem sonst gerichtet werden kann.

Ein Kampf um die Macht im Königreich der Deutschen.

Dass er allein Bischöfe absetzen und wieder einsetzen kann.

Ein anderer soll Papst werden!

Dass es dem Papst erlaubt ist, den Kaiser abzusetzen.

Die Entscheidung bahnt sich hier an.

Die Burg Canossa in Oberitalien.

Es beginnt mit einer Nachricht an Papst Gregor VII.

Er hat hier Zuflucht gesucht.

Der deutsche König Heinrich ist im Anmarsch.

Wir verfügen, dass der Landbesitz der Region übergeht...

Er ist gekommen, Heiliger Vater.

Nicht aufregen! Wer ist gekommen? - Der deutsche König.

Heinrich. Er steht vor dem Tor.

Vater! ... Vater!

Gregor hat den deutschen König abgesetzt.

Er wird nicht wagen, uns hier anzugreifen.

Er ist ganz allein. Im Büßerhemd.

Es hat so etwas in der Geschichte noch nicht gegeben.

Was treibt den König als Büßer zum Papst?

Vater!

Vater!

Was sollen wir tun, Heiliger Vater?

Soll ich das Tor öffnen lassen?

Nein!

Der Machtkampf zwischen dem römischen Papst und -

- dem deutschen König prägt das späte 11. Jahrhundert.

Er verleiht Speyer eine besondere Bedeutung.

Es ist die über alles geliebte Stadt der Salier.

Sie haben hier das damals größte Gotteshaus der Welt errichtet:

Den Speyerer Dom.

Ein Ausdruck königlicher Macht.

Und christlichen Kaisertums.

Für Heinrich und seine Vorfahren.

Heinrich wird als Kind deutscher König.

Sein Vater Heinrich III. hat Gicht und braucht einen Nachfolger.

Die deutschen Fürsten wählen den Herrscher.

Sie sind "die Säulen des Reiches".

Erst ihr Treueschwur macht den Königssohn zum Herrscher.

Schwört eurem zukünftigen König die Treue!

Meinem Sohn!

Die Dynastie der Salier sieht sich zum Königtum berufen.

Sehen die Fürsten das genauso?

Deine Feinde sind meine Feinde. Deine Freunde sind meine Freunde.

Ich will dir allzeit treu und gewärtig sein.

Aber dann geschieht etwas Unerwartetes.

Die Quellen berichten davon.

Deine Feinde sind meine Feinde. Deine Freunde sind meine Freunde.

Ich will dir treu sein, ... wenn du ein gerechter Herrscher wirst.

Rudolf von Rheinfelden, der mächtige Herzog von Schwaben.

Er knüpft seine Gefolgschaft an eine Bedingung.

Er will nur einem gerechten König treu sein.

Er steht damit nicht allein.

Die Fürsten waren sehr unzufrieden.

Mit der Herrschaftsführung Heinrichs III.

Diese Worte sind eine Warnung an den Vater.

Und eine Hypothek für den kleinen Heinrich IV.

Er soll ein König in ihrem Sinne werden.

Wann wird die Hypothek fällig?

Der Vater, Heinrich III., stirbt drei Jahre nach der Wahl.

Der Sohn muss die Last der Verantwortung tragen.

Heinrich IV. soll eines Tages über ein Reich herrschen.

Es bedeckt halb Europa.

Der deutsche König ist auch Kaiser der römischen Christenheit.

Seit dem 10. Jahrhundert.

Oberitalien gehört zu seinem Machtbereich.

Und seit 1033 auch Burgund.

Etwa fünf Millionen Menschen leben damals auf deutschem Boden.

Manche Dörfer werden in dieser Zeit kleine Städte.

Sie sind anziehend für Menschen.

Geschützt von Mauern, mit festen Wegen und Häusern.

Ihre Tore sind offen für Handel und Wandel.

Man muss sich medizinische Hilfe leisten können.

Ich habe ihn bald. Da! Ah!

Die meisten Menschen leben auf dem Land, haben wenig.

Dienen als Unfreie ihren Herren.

Technischer Fortschritt erleichtert das Leben auch damals.

Die Ernährung wird besser.

Die durchschnittliche Lebenserwartung -

- steigt auf immerhin 32 Jahre.

Ein Bauer kann immer größere Flächen bewirtschaften.

Macht und Besitz im Reich.

Fürsten, Bischöfe, der Adel und der König teilen sie sich.

Einen festen Herrschaftssitz gibt es noch nicht.

Regiert wird dort, wo der Monarch ist.

Der ist noch ein Kind.

Unter Vormundschaft der Mutter, Königin Agnes.

In den Annalen des Jahres 1056 steht:

"Das war der Anfang der Übel."

"Der König war ein Knabe."

"Die Mutter gab nach. Jeder gab ihr Ratschläge."

Der päpstliche Gesandte Hildebrand kommt.

Er will die Erneuerung der Kirche.

Er tritt ein für die Rechte des Papstes gegenüber dem König.

Stopp! Heinrich!

Behandelt man Gäste so? Nein!

Verzeiht! Man hat einiges von Euch gehört.

Ihr wollt die Missstände in der Kirche bekämpfen.

Ja! Die Klöster leben im Luxus.

Wir müssen die Weiberwirtschaft bei den Priestern beenden.

Und die Bischöfe müssen wieder...

Sie müssen unbedingt...

...mehr dem Papst als dem König folgen.

Entschuldige dich bei Herrn Hildebrand!

Sogar Jesus Christus musste seiner Mutter gehorchen.

Entschuldigung!

Das bleibt nicht die letzte Begegnung.

Er muss jetzt zu Bett.

Wie lange müssen wir uns noch demütigen lassen?

Ihr habt völlig recht. - Das höchste Amt auf Erden!

Wem hat der Herr es übertragen? Kommt!

Ein päpstlicher Legat will die Macht des Königs begrenzen.

Und strebt selbst nach höheren Weihen.

Aber auch andere wollen den König gefügig machen.

Die Pfalz Kaiserswerth bei Düsseldorf.

Schauplatz einer Entführung.

Durch Erzbischof Anno von Köln.

Die Mutter hatte ihn eingeladen.

Das ist ein schönes Schiff.

Es ist sehr schnell. Wir brauchten nur zwei Stunden.

Für die Fahrt von Köln hierher.

Der junge König wird auf ein Schiff gelockt, das am Rheinufer liegt.

Der Erzbischof ist nur einer von vielen Fürsten, die den König -

- in sicherer Obhut wissen wollen. In ihrer eigenen.

Niemand schöpft erst Verdacht.

Was tut ihr denn? ... Heinrich!

Keiner der Fürsten hilft, den Raub des Königs zu verhindern.

Heinrich soll nach Köln verschleppt werden.

Er soll in Gewahrsam von Erzbischof Anno bleiben.

Der Junge spürt die Gefahr.

Er versucht zu entkommen.

Es hätte den jungen Salier fast das Leben gekostet.

Trotz Rettung in letzter Sekunde:

Die Entführung ist das Trauma seiner Kindheit.

Der Erzbischof von Köln ist einer der mächtigsten Fürsten seiner Zeit.

Man kann das wohl sagen:

Der Erzbischof von Köln sorgte sich um das Reich.

Die Königsherrschaft hatte die Interessen der Fürsten missachtet.

Er lässt deshalb den jungen Heinrich entführen.

Der berühmte "Staatsstreich von Kaiserswerth".

Er will Heinrich IV. in seinem Sinne erziehen.

Zu einem gerechten König.

Wer hat nun die Macht im Reich?

In Goslar, seinem Geburtsort, ist der Thron Heinrichs IV. erhalten.

Aber der steht damals leer. Nicht der König entscheidet, sondern -

- die mächtigen Fürsten. Das Reich erlebt nicht nur innere Unruhe.

Die Zeit für Heinrichs Thronbesteigung ist da.

Aufstände im Osten stehen bevor.

Aber die rebellierenden Slawen werden bezwungen und unterworfen.

König Heinrich muss nun kraft seines Amtes sein Reich verteidigen.

Nach innen und außen.

Die Fürsten entlassen ihn aus der Obhut, als er volljährig wird.

Heinrich IV. wird im März 1065 für mündig erklärt.

Er erhält sein Königreich zurück. Die Bischöfe hoffen:

Sie haben ihn zu einem recht- schaffenen Herrscher erzogen.

Er ist wie seine Vorgänger auch ein Reisekönig.

Er wird sein Leben lang durch sein Reich reiten.

Mehr als 120.000 Kilometer. Dreimal um die Welt.

Sein Hofstaat reist mit. Bis zu 2000:

Ritter, Handwerker, Dienstleute, Hofschreiber.

Die königlichen Pfalzen liegen weit auseinander.

Bauern der Umgebung versorgen Monarch und Gefolge.

Zwölf Ochsen, Tausende von Scheffeln Getreide.

Hunderte Ziegen und Schweine.

Zahllose Strohballen.

Und Fässer mit Wein und Bier. Tausende Eier.

Und die Hühner gleich noch dazu.

Wieso nur drei Eier? - Ich habe nur die.

Aber du hast drei Hühner! - Königlicher Aufenthalt war -

- eine große Ehre und enorme Bürde.

Der Monarch wird zwar gut bewacht.

Aber es gibt keine medizinische Hilfe gegen Infektionen.

Schon eine Erkältung kann tödlich sein.

Auch bei einem König.

Nur wenige Herrscher im Mittelalter wurden älter als 40 Jahre.

Heinrich IV. war laut Quellen in der Jugend schwer erkrankt.

Aber als Erwachsener erfreute er sich bester Gesundheit.

Der König war 1,80 Meter groß und athletisch gebaut.

Ungewöhnlich für einen Menschen des Mittelalters.

Es wurde an seinem Skelett gemessen.

Es wurde 1900 gefunden im Speyerer Dom.

Man öffnete die salischen Kaisergräber und untersuchte -

- Gebeine und Grab-Beigaben zum ersten Mal.

Das Skelett Heinrichs IV. ist gut erhalten.

Experten sagen: Es zeugt von einem Leben im Sattel.

Der Schädel deute auf markante Gesichtszüge.

Ein Schneidezahn wurde früh ausgeschlagen.

Andere sind stark abgerieben.

Heinrich IV. ist der dritte Salier auf dem Thron.

Schon sein Großvater begann mit dem Bau des Domes von Speyer.

Unter der Herrschaft seines Enkels wird er zur größten Kirche der Welt.

Heinrich will der Salier-Dynastie ein Denkmal setzen.

Sein Verständnis von Gott, der Welt und vom eigenen Königtum ausdrücken.

Er will auf Augenhöhe mit dem Papst stehen.

Sieht sich wie er von Gott berufen.

Die über alles geliebte Stadt soll von der Macht der Salier zeugen.

Seit dem Jahr 1030 wird Speyer aufgebaut.

Der Dom steht im Zentrum der geometrischen Anlage.

"Kreisschläge" markieren den Straßenverlauf der Stadt.

In dieser Stadt leben um die Wende zum 12. Jahrhundert 6000 Menschen.

Vorbild für spätere Gründungsstädte.

Sie entstehen auch auf dem Reißbrett.

Wie Freiburg, Leipzig oder Lübeck.

"Metropolis Germaniae".

"Die Hauptstadt Deutschlands".

So nennt ein englischer Mönch die Stadt.

Typisch für das 11. Jahrhundert: die Steigerung der Effizienz.

Nur dann kann man erklären, warum das im 11. Jahrhundert möglich war:

Diese gewaltige Bauleistung!

Diese vielen riesigen Kirchen, die Klöster und Städte, die entstehen.

Die Klöster werden wichtiger in der Ära Heinrichs.

Sie haben großen Zulauf und wachsen.

Sie sollen mehr den Menschen dienen.

Mehr der Kirche folgen. Nicht weltlichen Herren.

Ein neuer Papst in Rom fordert es, der selber vorher Mönch war.

Herrscher ernennen Äbte und Bischöfe.

Manche kaufen sich das Amt. Damit soll nun Schluss sein.

Rom sagt: "Zurück zu den Regeln des Heiligen Benedikt."

"Ora et labora" - "Bete und arbeite".

Die Novizen sollen sich strikt an das halten, was sie geloben:

"Keuschheit, Gehorsam und Besitzlosigkeit."

Von den Klöstern geht jetzt eine Reform der Kirche aus.

Die Parole Roms heißt: "libertas ecclesiae".

"Freiheit der Kirche vom Einfluss weltlicher Machthaber".

Die Botschaft der Mönche macht auch vor den Königen nicht Halt.

Chronisten schreiben: "Am Hofe Heinrichs geht es wüst zu."

Das gibt dem Papst zu denken. Aber auch deutschen Fürsten.

Sie erinnern den König von Gottes Gnaden an seine heiligen Pflichten.

Rudolf von Rheinfelden sagte: "Ich diene nur einem gerechten König."

"Ein 'Stellvertreter des himmlischen Königs' soll dessen würdig sein."

Wo finde ich den König?

Mal sehen!

Chronist Brun aus Sachsen schrieb:

"Der König über viele Völker baute der bösen Lust einen Thron."

"Er hatte drei Konkubinen zur gleichen Zeit."

Rudolf von Rheinfelden! Der Herzog von Schwaben!

Sie sind immerhin verwandt.

Komm an meine Brust, mein Schwager! Was kann ich tun?

Du wolltest mich sprechen.

Komm zu uns! - Ich komme ein anderes Mal wieder.

Schweigt! Ihr Narren!

Er muss vorsichtig sein.

Er misstraut den Fürsten. Er hat seine Entführung nicht vergessen.

Aber ihm ist auch bewusst:

Er kann ohne ihre Unterstützung nicht regieren.

Er weiß auch:

Einer will den Königen die Macht über die Kirche streitig machen:

Der Papst in Rom.

Er residiert seit 1073 auf dem Stuhl der Stellvertreter Christi:

Papst Gregor VII.

Ehemals der Mönch Hildebrand, der dem jungen Heinrich begegnete.

Er will nun den König in die Schranken weisen.

Er bezweifelt dessen Recht, Bischöfe zu ernennen.

Das dürfe nur die Kirche. Aber es ist Tradition:

Dass der König von Gottes Gnaden im Reich auch Bischöfe einsetzt.

Man nennt das "Investitur". "Einkleidung" mit dem Stab.

Und dem Ring als Zeichen der geistlichen Würde.

Die Ernennung der Bischöfe sichert die königliche Macht im Reich.

Sie verfügen über Reichtümer und Territorien und stellen Truppen.

So schafft sich der Monarch Verbündete.

Aber der Papst will von nun an, dass die Kirche allein -

- über die Besetzung der Bischofsstühle bestimmt.

Die Zeit der Verfügung über geistliche Ämter war vorbei.

So wurde der Streit zum Investiturstreit.

Aber wer hat im Machtpoker die besseren Karten?

Steht der Papst über dem König? Oder umgekehrt?

Im Kloster Prüfening sind Gemälde, die Partei ergreifen.

Über allem thront die himmlische Kirche.

Aber die Macht auf Erden habe Gott in Form zweier Schwerter verliehen.

Die geistliche Autorität gebührt dem Papst.

Die weltliche dem Kaiser und König. Beide stünden also auf einer Stufe.

Aber die römische Kurie meint, der Papst empfange beide Schwerter.

Und so handelt der ehemalige Mönch Hildebrand, Papst Gregor VII.

Im vatikanischen Geheimarchiv in Rom -

- liegt ein Dokument, das Geschichte machte.

Der "Dictatus Papae" von 1075.

Keine offizielle Urkunde. Nur eine Notiz.

Aber eine Kampfansage.

Dass der Name des Papstes einzig ist in der Welt!

Dass alle Fürsten nur dem Papst die Füße küssen dürfen.

Dass er selbst von niemandem sonst gerichtet werden kann.

Dass er allein Bischöfe absetzen und wieder einsetzen kann.

(Alle reden durcheinander.)

Dass es dem Papst erlaubt ist, den Kaiser abzusetzen.

Ein Papst formuliert mit großer Konsequenz seine Ansprüche neu.

Und er setzt sie auch um in politische Praxis.

Das ist das Aufregende im 11. Jahrhundert.

Und es ist das Vorspiel für einen beispiellosen Machtkampf.

Lest! Er hat Euch sogar "deutscher König" genannt.

Ich bin der König der Römer, der künftige Kaiser.

Nachfolger Karls des Großen.

Hol den Schreiber!

Der König regierte damals über die deutschen Lande.

Und auch über Burgund und Teile Italiens.

Und er ist designierter Kaiser der römischen Christenheit.

Und er fühlt sich von Gott berufen.

Heinrich, der nicht durch Anmaßung, -

- sondern durch Gottes gerechte Anordnung König ist, -

- an Hildebrand, der nicht mehr der Papst, -

- sondern der falsche Mönch ist.

Christus hat Uns zum Königtum, -

- Dich aber nicht zur geistlichen Herrschaft berufen.

Durch List bist Du zu Geld gekommen.

Durch Geld zu Gunst, durch Gunst zum Schwert.

Durch das Schwert zum Sitz des Friedens.

Und vom Sitz des Friedens aus -

- hast Du diesen Frieden gestört.

Steige Du herab vom Apostolischen Stuhl, den Du Dir angemaßt hast!

Ein anderer besteige den Thron des heiligen Petrus!

Ich, Heinrich, -

- durch Gottes Gnade König, -

- sage Dir zusammen mit allen meinen Bischöfen:

Steige herab!

Steige herab!

Von dem Moment an, als die Bischöfe und Heinrich -

- Gregor aufgefordert hatten, den Stuhl Petri zu verlassen, -

- war der Konflikt nicht mehr zu deeskalieren.

Die Antwort aus Rom lässt nicht lange auf sich warten.

Gregor VII. handelt getreu nach seinem Selbstverständnis.

Er, der Papst, setzt den König ab.

Er entbindet die Untertanen vom Treue-Eid.

Der Bann über den König erreicht in nur wenigen Wochen -

- die Bischöfe, die Fürsten und das Volk.

Zur Ehre und zum Schutz Deiner heiligen Kirche, -

- kraft Deiner Gewalt und allumfassenden Vollmacht, -

- spreche ich König Heinrich, der sich mit unerhörtem Hochmut -

- erhoben hat, die Herrschaft ab über Deutschland -

- und Italien. Ich löse alle Christen vom Eid, -

- den sie ihm geleistet haben.

Und ich untersage allen Christen, ihm zu folgen!

Bischof Bonizo von Sutri:

"Als die Nachricht vom Bann über den König das Volk erreichte, -

- erzitterte unser ganzer römischer Erdkreis."

Herzog Rudolf von Rheinfelden, weitere Fürsten und Bischöfe:

Sie beraten, ob sie dem König weiter folgen sollen.

Kann Heinrich noch ihr König sein? Ist er seines Amtes noch würdig?

Der Papst hat ihn gebannt. Wie sollen wir uns verhalten? Wie?

Er hat die Würde des Reiches beschmutzt.

Und sich schlechte Berater gesucht.

Aber er ist der Sohn Kaiser Heinrichs.

Wir haben ihm Gefolgschaft geschworen.

So auch du, Rudolf!

Ich leistete meinen Eid nur auf einen gerechten Herrscher.

Es war Gottes Wille, dass er die Königskrone trägt.

Gott kann sie auch wieder nehmen. - Genug!

Wir müssen eine Entscheidung fällen.

Jetzt!

Man wollte über den König nicht mit dem König verhandeln.

Man wollte sich selber darüber klar werden, -

- ob man ihn absetzen muss oder ob er bleibt.

Heinrich hat die Initiative verloren und kann nur abwarten.

Wie befinden andere über ihn?

Endlich! Wie haben sie entschieden?

Die Entscheidung der Fürsten ist bedrohlich:

Er muss sich binnen eines Jahres vom Bann des Papstes befreien.

Oder er verliert seine Krone.

Heinrich muss handeln. Aber wie?

Der Winter des Jahres 1077 ist eisig.

Heinrich macht sich auf den Weg über die Alpen.

Die Fürsten haben die Pässe sperren lassen.

Der König soll nicht zum Papst nach Italien gelangen.

Aber Verwandte erlauben ihm die Passage über Burgund -

- und den Mont Cenis. Keine königliche Reise.

Der Chronist Lampert schreibt:

"Bald krochen sie auf Händen und Füßen vorwärts."

"Bald stützten sie sich auf die Schultern ihrer Führer."

"Manchmal glitt ihr Fuß aus. Sie fielen hin."

"Und rutschten ein Stück den Berg hinunter."

Aber der König und sein Gefolge haben keine Wahl.

Boten berichten, dass der Papst auf dem Weg nach Norden sei.

Er will sich mit den Fürsten verbünden.

Heinrich muss ihn abfangen.

Der Papst erfährt, dass Heinrich die Alpen überquert hat.

Er verschanzt sich in der Burg Canossa.

Denn er befürchtet einen Angriff des deutschen Königs.

Was sich im Winter 1076/77 abspielt, -

- der Gang nach Canossa, das hat weltgeschichtliche Bedeutung.

Zum ersten Mal unterwirft sich ein König dem geistlichen Oberhaupt.

Ein Vorgang, der schon in der Zeit und vor allem im Rückblick -

- als umstürzend angesehen wird.

Der Papst hatte mit einem Angriff des deutschen Königs gerechnet.

Aber dann geschah das Unerwartete. Der Chronist:

"Hier stand der König ohne Gewänder."

"Ohne Abzeichen der königlichen Würde."

Vater! - "Barfuß und nüchtern."

"Vom Morgen bis zum Abend."

"Wartend auf das Urteil des Papstes."

Vater!

Der Chronist Lampert von Hersfeld will den König schwach -

- und den Papst stark erscheinen lassen.

Vater! Vergebt mir!

Mein König! Es hat keinen Sinn.

(Der Papst betet auf Latein.)

Die Quellen machen aus dem Gang nach Canossa ein historisches Drama.

Die Quellen berichten:

Heinrich IV. stand drei Tage lang vor den Toren Canossas.

Im Büßergewand, barfüßig, frierend, in Eis und Schnee.

Ob das alles so stimmt? Das ist die Frage.

Aber Fakt ist: Er hat durch seine Büßerhaltung -

- enormen Druck auf den Papst ausgeübt.

Er ist nicht nur Kirchenfürst. Er ist auch Seelsorger.

Ein reuiger, bußfertiger Sünder hat Anspruch auf Verzeihung.

Und Barmherzigkeit.

Das weiß auch Heinrich.

Sein Chronist nennt die Inszenierung:

"Einen klugen Schachzug!"

Hat der Papst noch eine Wahl?

Er gibt schließlich nach.

Gregor VII. schreibt:

"Wir lösten die Fessel des Kirchenbanns:"

"Überwunden von seiner Reue -

- und den flehentlichen Bitten aller, die da waren."

"Wir haben ihn wieder aufgenommen:"

Steh auf! - "In die Gnade der Gemeinschaft -

- der Heiligen und in den Schoß der heiligen Mutter Kirche."

Der Gang nach Canossa erscheint wie die Heimkehr des verlorenen Sohnes.

Die Nachwelt teilt ein in Sieger und Besiegten.

Ein deutscher König sei nie zuvor so gedemütigt worden.

Ein römischer Papst habe nie zuvor seine Macht drastischer bewiesen.

Beim Gang zum Papst war tatsächlich vor allem Berechnung im Spiel.

Der Canossa-Gang war darum -

- ein wirklich kluger Schachzug Heinrich IV.

Genauso nämlich, wie es der Autor seiner Vita auch genannt hat.

"Ein kluger Schachzug Heinrich IV."

Er hat im Grunde das Überleben der salischen Dynastie, -

- des salischen Königtums, gewährleistet.

Heinrich ist vom Bann befreit.

Er kehrt zurück in sein deutsches Königreich und will Gefolgschaft.

Ein Fürst möchte sie nicht mehr leisten:

Rudolf von Rheinfelden.

Heinrich wurde von ihm schon als Kind in Frage gestellt.

...ein gerechter Herrscher wirst!

Wir müssen eine Entscheidung fällen. Jetzt!

Die Fürsten und Bischöfe haben ihn inzwischen zum Gegenkönig ernannt.

Die Kontrahenten suchen die Entscheidung auf dem Schlachtfeld.

Die Waffen sollen entscheiden, wer künftig regiert.

Nun zeigt sich, wer der König ist!

Ich kämpfe nicht um meine Krone.

Du hast sie verloren, als du in Canossa auf den Knien lagst!

15. Oktober 1080.

Die Heere der beiden deutschen Könige treffen aufeinander:

An der Weißen Elster in Thüringen.

Chronisten schreiben:

"Und ein schreckliches Morden beginnt."

Rudolf von Rheinfelden gilt als der beste Feldherr seiner Zeit.

Seine Truppen scheinen von Anfang an überlegen.

Heinrich gerät in Bedrängnis.

Doch die Schlacht nimmt eine unverhoffte Wende.

Der Gegenkönig wird umzingelt und getötet.

Die Quellen berichten:

"Ihm wurde sogar die rechte Hand abgeschlagen. Die Schwurhand!"

Die Schwurhand.

Der Chronist Heinrichs schreibt:

"Die gerechte Strafe für den Meineid."

"Er brach den Treue-Eid, den er seinem Herrn und König schwor."

Rudolfs Hand überstand wie Heinrichs Skelett ein Jahrtausend.

Sie wurde mumifiziert und in einem Reliquien-Kästchen aufbewahrt.

Gibt sie weitere Aufschlüsse über das Geschehen auf dem Schlachtfeld?

Das Anthropologische Institut der Universität Mainz:

Es macht für den Film die computer- tomografische Untersuchung.

Mit einem überraschenden Befund.

Die Schnittspuren, die wir finden, betreffen nicht die ganze Hand.

Der Schnitt müsste sich entlang der gesamten Handwurzelknochen zeigen.

Wenn die Hand im Kampf abgehackt worden wäre.

Aber wir finden nur einen Schnitt im äußeren Teil der Hand.

Wir glauben deshalb: Die Hand wurde nach seinem Tode erst abgetrennt.

Der Verlust der Schwurhand in der Schlacht!

Heinrich stilisierte damit seinen Sieg -

- über Rudolf von Rheinfelden zum Gottesurteil.

Er ist im Dom von Merseburg begraben.

Heinrich hat seine Macht im Reich der Deutschen nun gefestigt.

Doch er will mehr: die Kaiserkrone. Wie sein Vater.

Er ist als deutscher König dazu erwählt.

Aber der Papst muss ihn krönen.

Er muss dafür wieder nach Italien ziehen. Diesmal nicht als Büßer.

Er hat seinen früheren Gegner Gregor VII. vertrieben.

Und lässt sich am Ostersonntag des Jahres 1084 -

- von einem neuen Papst zum Kaiser krönen.

Von einem Gegenpapst, -

- den er selbst ernannte.

Keiner soll über ihm, dem Kaiser, stehen.

Papst Gregor VII. hat die Macht des Monarchen angefochten.

Er verbringt seine letzten Tage im Exil in Salerno.

Gregor VII. stirbt dort im Jahr 1085.

"Ich liebte die Gerechtigkeit und hasste das Unrecht."

"Ich sterbe darum in der Verbannung."

Das sollen seine letzten Worte sein.

Er wollte seine Kirche vor weltlichem Einfluss bewahren.

Und hat doch im Kampf um die irdische Macht Partei ergriffen.

Die Person Gregors VII. ist eine Ausnahmeerscheinung.

Schon die Zeitgenossen nannten ihn: "Heiliger Satan".

Und es waren keine Feinde Gregors VII.

Man hat also die Rigorosität, den Fanatismus, -

- schon unter den Zeitgenossen gesehen.

Er hat bis zum Ende mit Konsequenz gehandelt.

Das ist sehr außergewöhnlich!

Die Nachfolger Gregors beenden vorerst den Streit -

- zwischen Kaiser und Papst.

Mit dem so genannten Wormser Konkordat im Jahr 1122.

Das kostbare Schriftstück zählt heute -

- zu den wertvollsten Dokumenten im vatikanischen Geheimarchiv.

Was wurde in Worms feierlich beschlossen?

Das Wormser Konkordat brachte einen Kompromiss.

Heinrich verzichtete auf die Einsetzung der Bischöfe -

- in ihr geistliches Amt.

Der Papst erlaubte ihm im Gegenzug, diese Bischöfe weiterhin -

- in ihre weltlichen Herrschaftsrechte einzusetzen.

Bischöfe, Äbte und Fürsten wurden wichtige Partner des Königtums.

Sie schufen eine föderale Struktur des Reiches.

Sie lässt sich im Föderalismus der Länder bis heute wiederfinden.

Heinrich IV. stirbt im Jahre 1106.

Diese Krone hat ihn auf dem letzten Weg begleitet.

Er fand im Speyerer Dom seine letzte Ruhe.

Er nahm auch den Ring mit ins Grab, den er als König trug.

Die Chronisten schrieben die Geschichte seines Lebens -

- auf ihre Art.

Die einen nannten ihn "Verlierer", -

- die anderen nannten ihn "Sieger":

Im Ringen um die Macht als deutscher König und Kaiser.

Der Gang nach Canossa:

Er steht für einen Wendepunkt der jungen, deutschen Geschichte.

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