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(Junge) Ey, die Ersti-Party war so geil, Mann!
Ich habe mindestens drei Stunden getanzt.
Was hast du die ganze Zeit gemacht? - Ich hatte was Besseres zu tun.
Ja. Bier trinken mit nem Langweiler.
Ey, dieser Langweiler
hat mir von einer mega geilen Firma aus Hamburg erzählt, ja?
Backup Pharmaceuticals.
Stefan, kommen wir gerade von einer Party oder aus einer BWL-Vorlesung?
Urs, wirklich.
Die haben ein geiles Geschäftsmodell.
Wenn andere Pharmahersteller Produktionsengpässe haben,
dann produziert Backup Pharmaceuticals im Auftrag.
Das erspart dir die Entwicklung, das Marketing, den Vertrieb.
Du bekommst trotzdem noch ein fettes Stück vom Pharmakuchen ab.
Das ist genial.
Ich nehme trotzdem lieber ein frisches Bier
als was von deinem Pharmakuchen.
Wenn ich aus dem Studium draußen bin... * Hupen *
...bin ich auf jeden Fall dabei.
Irgendwann gehört mir der ganze Laden.
Okay, ich trink erst mal auf ein geiles Semester.
Und ich auf ne geile Karriere. Oh.
* Musik: Whigfield "Saturday Night" *
♪ I'll make you mine, you know I'll take you to the top.
I'll drive you crazy.
Saturday night, dance, I like the way you move. ♪
* Bremsen quietschen *
* Aufprall *
* Glockengeläut *
So, Handys schon mal bitte wegpacken. - Mhm.
Direkt weg bitte.
So, jetzt mach mir das mal nach.
Bitte beide Arme verschränken und vor die Brust legen,
sodass du deine Schultern berührst.
Dreh dich um zu deinem Chef, lass dich nach hinten fallen.
Sodass ihr euch hin und her pendelt.
Ihr auch bitte die Arme verschränken.
Und nun lasst euch auch einfach mal nach hinten fallen.
Wenns finanziell nicht so schlecht um den Orden stünde.
Wir brauchen das Geld nun mal zum Überleben.
Hm?
Pass auf.
Oh. Alles gut? - Entschuldigung.
Wie unachtsam von mir.
Ich hätte nach der Übung eintreten sollen.
Das war meine Schuld.
Guten Morgen erst mal. (alle) Guten Morgen.
Der Herr sei mit uns.
Alles gut?
Danke Bruder Isanfrid.
Mein Name ist Bruder Matthäus.
Ich begrüße Sie herzlich
zu unserer Seminareinheit im Kloster Finkenwerder.
(atmet schwer)
* Schritte auf der Treppe *
(Mann atmet schwer)
(Mann ächzt)
* Schlag * (Mann schreit auf)
(schreit)
* dumpfer Aufprall *
* Mönchsgesang *
Unser Opfer heißt Urs Kieling und ist CEO von Backup Pharmaceuticals.
Oh, in der Pharma-Branche spielen die in der ersten Liga.
Und er war hier mit seinen Vorstandskolleg*innen
für ein Potenzialentfaltungsseminar.
Ah. Das sollte ich auch machen, dann werde ich Polizeipräsident. Ja.
Die Ordensbrüder haben ihn heute Morgen gefunden.
Karsten glaubt, dass der Todeszeitpunkt gestern
zwischen 19 und 22 Uhr war.
Todesursache: vermutlich Sturz vom Glockenturm.
Weißt du, was komisch ist?
Er ist auf dem Rücken gelandet. Guck dir mal die Nase an.
Vielleicht gabs eine Auseinandersetzung da oben.
Der Bruch sieht ziemlich frisch aus.
Es hat niemand was gehört oder gesehen?
Die Abendruhe beginnt um 18.30 Uhr.
Dann gehen alle auf ihr Zimmer.
Kieling soll auch auf sein Zimmer gegangen sein. Aha.
* Musik *
Rugoxetin.
Was ist das?
Antidepressivum.
Kann die KTU nachher mitnehmen.
Das nehme ich jetzt schon mal mit.
Sind wir? Jo. Gut.
Was machte Herr Kieling für einen Eindruck auf Sie?
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.
Ich glaube...
Ich glaube, Herr Kieling fürchtete den Herrn und das Jüngste Gericht.
Aber der Herr ist ein Gott der Vergebung.
Wollen Sie sagen, dass Herr Kieling einen konkreten Grund hatte,
das Jüngste Gericht zu fürchten? Das wollte ich nicht sagen.
Das stünde mir nicht zu.
Ich müsste dringend mit Herrn Opitz reden.
Bruder. Äh, ja.
Gleich hier vorne. Ja, danke.
Bitte. Ja.
Das ist so was von surreal.
Urs und ich kennen uns noch aus den Anfängen der Studienzeit.
Und dann sind Sie damals bei Backup Pharmaceuticals
die Karriereleiter nach oben gefallen?
Als Urs CEO wurde, wurde ich Finanzvorstand.
* Handyvibrieren *
Wir nehmen übrigens an, dass es kurz vor Kielings Sturz
zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen ist.
Sie wissen nicht zufällig, ob er mit irgendjemandem Streit hatte, oder?
Urs war ein absoluter Teamplayer.
Es gab niemanden in der Firma,
der sich von ihm unfair behandelt fühlen konnte.
Wissen Sie, was ich nicht verstehe?
Wie man mit einem pharmazeutischen Unternehmen ins Kloster gehen kann.
Wir machen jedes Jahr eine gemeinsame Challenge
auf der Führungsebene.
Forming, Storming, Norming, Performing. Ah.
* Handyvibrieren *
Und das heißt auf Deutsch? Team-Building.
Dieses Jahr sollte es um Reflexion gehen.
Zur Förderung unserer gemeinsamen Potenziale.
Teamwork makes the dream work.
* Handyvibrieren *
Wer wird Nachfolger von Kieling? Das entscheidet der Aufsichtsrat.
Okay. Und sind Sie auch im Rennen?
Herr Opitz? Hm?
Was machen Sie die ganze Zeit? Legen Sie das Handy weg.
Dr. Opitz. So viel Zeit muss sein. Ja.
Ich muss noch ein paar Aktien loswerden.
Sorry, aber das kann leider nicht warten.
Ein kleiner Tipp am Rand:
Tropenhölzer sind zurzeit extrem unterbewertet.
Ist das so? Ja.
Also wenn ein Bagger irgendein Dorf im Regenwald plattmacht,
klingelt es bei Ihnen in der Kasse, Glückwunsch, Herr Dr. Opitz.
Sie halten sich bitte zu unserer Verfügung.
Haben Sie das verstanden? Ja, ja.
Wie bitte?
Ja.
Geht doch.
* Handyvibrieren *
* Musik *
Frau Grader, ich würde Ihnen gern ein paar Fragen stellen.
Wie gehts Ihnen?
Okay.
Ist Ihnen gestern irgendetwas Merkwürdiges aufgefallen?
Ja, schon.
In den Seminar-Übungen, da stand Urs...
...stand Herr Kieling neben sich.
Ich hatte den Eindruck, dass irgendwas vorgefallen ist.
Und haben Sie ihn danach gefragt? In der Pause, ja.
Aber er wollte nicht darüber reden.
Wussten Sie,
dass Herr Kieling Antidepressiva eingenommen hat? Nein.
Das wusste ich nicht.
In was für einer Beziehung standen Sie zueinander?
Wir hatten ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis.
Er war der CEO und ich die Personalchefin.
* Musik *
Nicht anfassen.
Was ist denn das für eine Scheiße?
Das ist Sachbeschädigung. Mhm.
Und Fahrerflucht.
Das ist echt doof.
Jetzt müssen wir das Auto sicherstellen.
Ich glaube, ich höre nicht richtig.
Ja. Wir können nicht ausschließen, dass die Beschädigung
an diesem Fahrzeug mit dem Tod von Urs Kieling in Zusammenhang steht.
Haben Sie mal Ihren Schlüssel?
Aber dann rufen Sie mir wenigstens ein Taxi.
Das können Sie selbst. Schlüssel.
Sie wissen doch, wo ein Wille ist...
Tschüs.
Ella, wir haben einen Lackschaden an Opitz' Auto. Scheiße.
Es kann sein, dass einer rein ist ins Kloster
und bei der Flucht den Schaden verursacht hat.
(Ella) Was für ein Auto sucht ihr? Wir suchen ein gelbes Auto.
Ich sage Franzi Bescheid, sie soll bei Kfz-Werkstätten anrufen.
Die sollen auf Unfallschäden achten,
die zu den Spuren an Opitz' Wagen passen.
Und jemand muss mit der Ehefrau des Toten sprechen.
* Musik *
Frau Kieling, mein Beileid.
Schulz-Kieling.
Bitte.
Fragen Sie, was Sie zu fragen haben.
Im Zimmer Ihres Mannes im Kloster haben wir Antidepressiva gefunden.
Rugoxetin.
Die nahm er schon seit Jahren.
Ohne die hätte Urs es im Alltag nicht geschafft.
Ich habe sie ihm selbst verschrieben.
Okay.
Ich bin Psychiaterin.
Aber schon eine ganze Weile raus aus der Klinik.
Sie haben Ihren Mann ärztlich behandelt?
Ja.
So haben wir uns kennengelernt vor 16 Jahren.
Und Sie haben Ihren Beruf inzwischen aufgegeben? Für Urs.
Er war...
...ein außergewöhnlicher Mensch.
Der Allerbeste.
Bezüglich der Depression Ihres Mannes: Gab es dafür eine Ursache?
Die ärztliche Schweigepflicht
gilt auch über den Tod des Patienten hinaus.
War Ihre Ehe harmonisch?
Wir haben uns perfekt ergänzt.
Perfekt.
Verstehen Sie das?
Bis diese Frau kam.
Ariane.
Grader? Seine Vorstandskollegin?
Manchmal kommt mir das vor wie ein böser Traum.
So war er nicht.
Das war nicht mein Urs.
Also hatten die beiden ein Verhältnis?
Er hat zu spät gemerkt,
dass es dieser Frau nicht um den Menschen Urs ging,
sondern nur um den Vorstandsvorsitzenden
eines Pharmakonzerns.
Er wollte diese Sache mit ihr auf dem Seminar beenden.
Und woher wissen Sie das?
Das hat er mir selbst gesagt, bevor er abgefahren ist.
* Musik *
Hey Franzi.
Kannst du bitte checken,
wie viele Fahrzeuge auf Urs Kieling und seine Frau zugelassen sind?
Frau Grader, hat Urs Kieling auf dem Seminar Ihre Beziehung beendet?
Nein. Wie kommen Sie auf so was?
Sie wären nicht die Erste, die in so einer Situation die Nerven verliert.
Urs hat nicht Schluss gemacht.
Wenn Sie diesen Unsinn von Susanne Kieling haben,
notieren Sie sich Folgendes:
Urs wollte nicht mich, sondern seine Frau verlassen.
Und das schon seit einem halben Jahr.
Susanne hielt ihn aufgrund seiner Depressionen
in einem therapeutischen Spinnennetz gefangen.
Ihre einzige Aufgabe bestand darin, ihn an einem freien
und selbstbestimmten Leben zu hindern.
Sie wollten ihm helfen, dass er sich aus dem Netz löst?
Wir haben uns geliebt.
Was wussten Sie denn über seine Depressionen?
Nichts. Er wollte nicht darüber sprechen.
Aber Sie wussten, dass er Antidepressiva nimmt.
Warum haben Sie heute Morgen meine Kollegin belogen?
Ich wollte unsere Beziehung geheim halten.
Oh, es riecht schon so gut, Luiz.
Danke. Tja.
Wart mal, wie es schmeckt. Bitte schön.
So. Danke. Bitte sehr.
Guten Appetit. Gleichfalls.
Achtung, das Grüne sind Kräuter, ne? Ah ja.
Guten. Guten.
Ich glaube nicht,
dass Urs Kieling sich von Ariane Grader trennen wollte.
Weiß nicht, diese Frau Schulz-Kieling
braucht jede Menge Kraft, um ihre Fassade aufrecht zu erhalten.
Ich glaube, sie leidet unter einer emotional
instabilen Persönlichkeitsstörung. Mhm.
Wie kommst du darauf?
Sie hebt ihren Mann auf einen Sockel,
als wäre es so eine Kaiser-Wilhelm-Statue.
Mein Urs hier, mein Urs da, der Größte, der Einzige.
Und das, obwohl er sie betrogen hat.
Wenn man in solchen emotionalen Extremen lebt,
kann Liebe schnell in Hass umschlagen.
Ich habe übrigens mal nachgeguckt.
Außer der Limousine ist kein Wagen auf die beiden gemeldet.
Aber ich glaube,
ich habe eine Erklärung für Urs Kielings Depressionen.
Vor 20 Jahren wurde gegen ihn ermittelt.
Weswegen?
Ein Auto ist am frühen Morgen über eine rote Ampel gefahren.
Hat eine Mutter mit Kinderwagen mitgenommen.
Die beiden waren sofort tot. Oh Gott.
Und Kieling saß am Steuer?
Der Vater konnte sich nur an den Wagentyp erinnern.
Vento GT, mit Münsteraner Kennzeichen.
Und so einen hatte Kieling? Wie zwölf andere.
Nur waren die nicht die Nacht auf einer Party
in der Nähe des Unfallortes. Mhm.
Und warum wurden die Ermittlungen eingestellt?
Es gab Indizien, aber keine Beweise.
Und er hatte ein Alibi von einem Kommilitonen.
Jetzt ratet mal, von wem. Stefan Opitz?
Richtig. Der heutige Finanzvorstand von Backup Pharmaceuticals.
Wenn Stefan Opitz damals gelogen hat,
hat Kieling eine Frau und ein Kind auf dem Gewissen.
Komm, wir reden mit Stefan Opitz. Ja.
Er heißt aber Dr. Stefan Opitz.
Und die Zeit muss sein. Luiz, es war superlecker. Danke.
Danke Luiz, es war superlecker.
* Musik *
Herr Opitz.
Moin.
Ist ja ein tolles Büro.
Und so geräumig.
Der Blick ist ja der Hammer, ne? Ja.
Das ehemalige Büro Ihres alten Freundes?
Ja. Wow.
Ja. Ich richte mich gerade ein.
Am Sonntag?
Dann hat sich der Aufsichtsrat doch schnell für Sie entschieden.
Glückwunsch.
Na ja, wir müssen als Unternehmen ja handlungsfähig bleiben.
Was führt Sie zu mir?
Eine alte Geschichte.
Eine sehr alte Geschichte.
Die sich vor 20 Jahren in Münster abgespielt hat.
Wir haben Ihnen ein altes Vernehmungsprotokoll mitgebracht.
Und was soll das?
Ja, das habe ich damals ausgesagt. Na und?
Urs Kieling ist den Unfallwagen nicht gefahren?
Natürlich nicht.
Die Staatsanwaltschaft hat keine Anklage erhoben. Klar.
Sie haben ja auch Ihre Aussage gemacht.
Weil ich vielleicht die Wahrheit gesagt habe.
Aha.
Herr Opitz,
Herr Kieling hat Sie in dieser Firma protegiert, richtig?
Ah.
Langsam habe ich eine Ahnung, was Sie andeuten wollen.
Sie hatten ihn die gesamte Zeit in der Hand.
Ihre Falschaussage hat sich bezahlt gemacht.
Ganz vorsichtig, Herr Schutzmann.
Wenn Sie glauben, dass ich mir von Leuten der Besoldungsgruppe A 11
ans Bein pissen lasse, haben Sie meine Anwälte auf dem Hals.
A 13. Wir beruhigen uns mal einen Augenblick.
Erzählen Sie das Ihrem Kollegen.
Wir gehen allen Spuren gewissenhaft nach.
Wir führen unsere Ermittlungen
nicht nach Sympathie oder Antipathie.
Aber wir lassen uns auch nicht von Leuten aus Ihrer Einkommensgruppe
ans Bein pissen.
* Musik *
Okay.
Ja, danke. Ciao.
Hier ist so ein komischer Eintrag in Kielings Notizbuch.
Daraus werde ich nicht schlau.
Tang 83/50, 20M.
Und dann ein Datum in fünf Wochen. Guck ich mir später an.
Moin. Danke. Moin.
Moin. Hi.
Hört mal, die Rechtsmedizin hat sich gemeldet.
In Urs Kielings Blut wurden keine toxischen Substanzen gefunden.
Kein Rugoxetin.
In seinem Blut ist kein Antidepressivum.
Aber in seinem Mageninhalt wurden Hilfsstoffe gefunden,
die man zur Tablettenproduktion braucht.
Und das heißt?
Er hat Placebos geschluckt.
Tabletten ohne Wirkung.
Die Suizidgefahr steigt,
wenn Antidepressiva auf einen Schlag abgesetzt werden.
Die muss man eigentlich langsam ausschleichen.
Das heißt, es könnte Suizid gewesen sein.
Jemand tauscht seine Tabletten gegen Placebos aus,
um ihn in den Selbstmord zu treiben?
Na ja.
Das passt nicht zu der gebrochenen Nase und zu den sonstigen Spuren
auf dem Glockenturm, ne?
Vielleicht hat seine Frau die Tabletten ausgetauscht,
um ihm die Kraft für die Trennung zu nehmen.
Ich spreche noch mal mit ihr. Mhm.
Ich frage in der Rechtsmedizin nach,
ob die die Tabletten aus Kielings Zimmer untersucht haben.
Warum hätte ich es zulassen sollen,
dass Urs seine Medikamente nicht bekommt?
Er brauchte sie so sehr.
Weil Ihr Mann Ariane Grader nicht verlassen wollte,
sondern Sie.
Sagt sie das?
Was sollte sie auch sonst sagen.
Im Übrigen, wie sollte ich denn Placebos
in eine verschweißte Originalverpackung bekommen?
Ich arbeite nicht für ein Pharmaunternehmen.
Im Gegensatz zu anderen Personen aus dem Umfeld meines Mannes.
Wie Ariane Grader oder Stefan Opitz?
Stefan Opitz.
Ein Gernegroß von sehr geringem inneren Format.
Aber er und Ihr Mann waren doch Freunde.
Oder etwa nicht?
Freunde.
Erzählen Sie mir von ihm.
Dieser Mann ist von Neid zerfressen.
Er glaubte, dass Urs ihm seine Karriere gestohlen hat,
weil er während ihres gemeinsamen Studiums
Urs auf dieses Unternehmen aufmerksam gemacht hat.
Immerhin ist Stefan Opitz im Windschatten Ihres Mannes
Finanzvorstand geworden.
Wobei, vielleicht hat ihm die Sache mit dem Unfall
dabei in die Karten gespielt. Worauf spielen Sie an?
Falschaussage damals in Münster?
Ohne die Aussage von Opitz
wäre Ihr Mann wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden.
Opitz hatte Ihren Mann damals schon in der Hand.
Aber das wissen Sie ja.
Sie sind ja schließlich seine Therapeutin.
Wenn Sie mich aufs Glatteis führen wollen,
müssen Sie ein bisschen früher aufstehen.
Sie wissen nicht, wann ich aufstehe.
Bitte schön.
Frau Grader, wir wissen, dass Backup Pharmaceuticals nicht nur Rugoxetin,
sondern auch Placebos herstellt.
In identischer Verpackung.
Sie als Vorstandsmitglied hätten an solche Placebos rankommen können?
Warum tun Sie das?
Urs hat mich geliebt.
Und ob Sie mir das glauben oder nicht, ist mir völlig egal.
* Musik *
Das Braune ist Schnitzel.
Also, euer Finanzdoktor ist laut Steuererklärung
anscheinend als Börsenzocker unterwegs.
Und nach anfänglichen Erfolgen hat er mächtig ins Klo gegriffen.
Jetzt schuldet er dem Finanzamt eine knappe Million.
Ja, apropos Geld:
Urs Kieling hatte eine Lebensversicherung
über 1,5 Mio. Euro.
Begünstigt ist allerdings nicht seine Frau,
sondern ein gewisser Marten Steinhaus aus Münster.
Und wer soll das sein?
Das ist der Vater des Säuglings,
der bei dem Unfall zusammen mit der Mutter gestorben ist.
Wissen wir, wo der wohnt?
Nee. Unter der Adresse in der Police ist er nicht mehr gemeldet.
Diese Lebensversicherung zugunsten dieses Marten Steinhaus,
ist so gut wie ein Geständnis.
Ja. Urs Kieling hat den Wagen gefahren.
Ist das Ihr Ernst?
Ich soll Urs die Dinger untergejubelt haben,
damit er sich umbringt.
Das ist Unsinn.
Ja, natürlich ist das unser Ernst.
Wir wissen sogar,
dass Sie die Position Ihres "besten Freundes" länger im Visier haben.
Hat geklappt, Glückwunsch.
Das ist eine glatte Lüge. Urs war ein hervorragender CEO.
Wo wir beim Thema Lügen sind, Herr Dr. Opitz:
Wir wissen auch,
dass Urs Kieling vor 20 Jahren den Unfallwagen gefahren hat.
Ich habe Ihnen gesagt, dass das nicht so war. Mhm.
Dann können Sie mir erklären, warum Urs Kieling
eine Lebensversicherung für den Vater des toten Säuglings
in Höhe von 1,5 Millionen Euro eingerichtet hat?
Haben Sie da irgendeine Erklärung für?
Selbst, wenn es so gewesen sein sollte,
dann ist das Schnee von gestern.
Ja. Juristisch gesehen, hat Ihre Falschaussage
und die Straffreiheit von Urs Kieling keine Bewandtnis mehr.
Ist verjährt.
Ich frage mich allerdings,
wie wohl der Aufsichtsrat mit dem "Schnee von gestern" umgehen würde.
Was wollen Sie denn damit andeuten? Das werde ich Ihnen erzählen.
Trunkenheit am Steuer, 2 tote Menschen, Falschaussage.
Stellen Sie sich mal vor,
dass diese Geschichte an die Öffentlichkeit gerät.
Da bleibt doch auch was am Unternehmen hängen.
Ob das Einfluss auf den Aktienkurs hat, das kann ich nicht beurteilen.
Ich bin ja kein Fachmann.
Das sind eher Sie und der Aufsichtsrat, Herr Dr. Opitz.
Können wir versuchen rauszufinden,
ob jemand aus der Führungsetage Zugang zu Placebos hatte?
(Franzi) Ich könnte es in der Produktion versuchen. Super.
Ich habe mit den Kolleg*innen in NRW gesprochen.
Den Aufenthaltsort des Vaters, der Frau und Kind verloren hat,
haben wir noch nicht.
Aber ein paar alte Zeitungsartikel zu dem Unglück.
Ist das der Vater?
Ja, genau. Marten Steinhaus.
Kommt der dir bekannt vor?
Urs Kieling hat mich im Seminar erkannt
und später an meiner Zimmertür geklopft.
Er sah sich nach dem Unfall als...
...verlorene Seele.
Wurde depressiv.
Und die Bilder von damals haben ihn nie wieder losgelassen.
Er tat mir leid.
Da steht der Mann vor Ihnen, der für den Tod Ihrer Tochter
und Ihrer Frau verantwortlich ist... Mhm.
Und der tut Ihnen leid?
Sie erwarten andere Gefühle:
Bitterkeit, Wut, Hass.
Um das hinter mir zu lassen, bin ich in den Orden eingetreten.
Ich habe Urs Kieling nicht vom Glockenturm gestoßen.
Ich habe ihm verziehen.
* Musik *
Es ist meine Schuld.
Ich bin für ihren Tod verantwortlich.
(schluchzt)
Es... Es tut mir leid.
Es tut mir leid.
* Musik *
Warum haben Sie uns das nicht gestern erzählt?
Er hat sich mir vertraulich offenbart.
Urs Kieling hat eine Lebensversicherung abgeschlossen,
die Sie begünstigt.
Und mit viel Glück kriegen Sie 1,5 Millionen Euro.
Das wusste ich nicht.
Und das möchte ich auch nicht.
Der Segen des Herrn allein macht reich.
Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt.
Und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben.
Die Versicherung enthält eine Suizidklausel.
Irgendwo stehts hier.
Da. Bei Selbstmord würde der Begünstigte leer ausgehen.
Urs Kieling versucht, einen Teil seiner Schuld loszuwerden.
Und sorgte dafür, dass Bruder Matthäus das Geld auch bekommt.
Vielleicht hat er sich die Verletzungen zugefügt
und sich dann suizidiert, damit die Versicherung zahlt.
Mich hat gerade eine Werkstatt angerufen.
Dort wurde ein gelbes Cabrio abgegeben, bei dem die Lackschäden
zu den Spuren von Opitz' Wagen passen könnten.
Ich kümmere mich drum.
Danke schön. Hier.
Wer bei Backup Pharmaceuticals hat entschieden,
dass dieses Seminar in dem Kloster stattfindet,
in dem Bruder Matthäus lebt?
Hm. Ich habe da so eine Vorahnung.
Darf ich? Danke.
Herr Opitz, Sie haben die Buchungen im Kloster vorgenommen.
Wir fragen uns jetzt, warum ausgerechnet dort?
Ich habe irgendwo einen Bericht über diese Kloster-Wochenenden gelesen,
und das hat mich inspiriert. Aha.
Ihren Glauben präsentieren Sie hier prominent an der Wand, nicht?
Aber in Wahrheit wollten Sie doch
Urs Kieling mit Marten Steinhaus konfrontieren.
Mit wem? Ach, kommen Sie, Herr Opitz.
Tun Sie nicht dümmer als Sie sind, ja?
Das müsste sogar unter Ihrer Würde sein.
Marten Steinhaus ist der Mann, dessen Frau und Tochter
Urs Kieling vor 20 Jahren überfahren hat.
Und der heute als Bruder Matthäus im Kloster Finkenwerder lebt.
Sie wollten Urs Kieling auf dem Seminar mit Marten Steinhaus
und seiner Schuld von damals konfrontieren.
Und wissen Sie, was wir beide uns fragen?
Warum jetzt?
Was ist zwischen Ihnen und Ihrem besten Freund passiert? Nichts.
Hm.
Vielleicht hat das was mit Ihrer Steuerschuld zu tun. Moment.
Schnüffeln Sie in meinen Steuerunterlagen rum?
Herr Opitz... Immer noch Doktor.
Sie glauben nicht, was wir noch alles über Sie haben.
Kommst du? Mhm.
Wiedersehen.
Wieso haben Sie mir verschwiegen,
dass Ihre Schwester den Wagen in Ihrer Garage untergestellt hat?
Wie mir Ihre Schwester erzählte,
liegt auch ein Schlüssel bei Ihnen zu Hause.
Kann schon sein.
Nee, nee, Frau Schulz-Kieling, das ist so.
Denn Sie haben den Wagen zur Werkstatt gebracht,
und Sie haben den Reparaturauftrag unterschrieben.
Was wollten Sie vorgestern Abend im Kloster?
Mit Urs reden.
Kurz bevor Stefan ihn abholte für das Seminar, hatten wir einen...
...einen furchtbaren Streit.
Du brauchst mich, Urs.
Du hast mich immer gebraucht.
(Urs) Lass uns nicht aufrechnen, wer wen mehr gebraucht hat.
Wir brauchen beide einen Neuanfang.
Diese Frau weiß nicht, was du brauchst.
Sie weiß nicht, was ich dir alles gebe.
Sie weiß nichts von unserer tiefen Beziehung.
Mach dir bitte keine Hoffnungen.
Ich habe mich für Ariane entschieden.
Das werde ich ihr am Wochenende auch sagen.
* Musik aus dem Radio: Al Green "Let's Stay Together" *
♪ Let me be the one you come running to
I'll never be untrue.
Oh baby.
Let's, let's stay together.
Loving you whether,
whether times are good or bad. ♪
Es tut mir so leid.
Nein.
Urs, bitte geh nicht.
Bitte lass mich nicht allein heute Nacht, bitte.
Bleib bei mir. Bitte. - Ich kann nicht anders.
Mach dir keine Sorgen ums Geld.
Du kannst alles behalten.
Urs.
Ich...
Susanne. - Ich rede von Liebe.
Hörst du mich nicht? Ich rede von meiner Liebe zu dir.
Du redest vom Geld, du Scheißkerl, du Scheißkerl.
Urs. Urs.
Es tut mir leid.
Geh nicht, bitte, Urs.
Urs. Bitte bleib bei mir.
Urs.
Ohne mich wärst du schon längst tot.
Urs!
Haben Sie Ihren Mann vom Glockenturm gestoßen?
Er brauchte mich.
Ich konnte ihn doch nicht ins Unglück rennen lassen mit Ariane.
Das wollte ich ihm unbedingt sagen.
Aber als ich...
Als ich im Kloster ankam, da...
Da lag er schon da.
Und wieso haben Sie keine Hilfe gerufen?
Ich weiß nicht, ich...
Ich war so erschrocken.
Mein Mann war...
...war tot.
Wissen Sie, was ich glaube?
Sie wollten gar keine echte Beziehung zu Ihrem Mann.
Sie wollten ihn besitzen.
Und als er sich von Ihnen lösen wollte,
da ist Ihre grenzenlose Bewunderung in blanken Hass umgeschlagen.
Wollen Sie den Hobby-Freud spielen und mich analysieren?
Passt auf. TANG 83/50, 20M, 23/5:
Tang ist die Abkürzung für Tangerine Incorporation.
Ein führender Brennstoffzellenhersteller
aus Amerika.
Vor drei Wochen hatten die einen Börsen-Wert von 83,50 Dollar.
Jetzt kommts: Für den 23.05. ist eine Präsentation geplant,
bei der die Tangerine Incorporation
eine neue Generation Brennstoffzellen präsentieren wird.
Mhm. Und was bedeutet 20M?
20 Millionen Euro, die Dr. Stefan Opitz aus dem Vermögen
von Backup Pharmaceuticals in sein privates Aktiendepot überwiesen hat.
Die hat er komplett in Tangerine-Aktien investiert.
Für den Stückpreis von 83,50 Dollar.
Urs Kieling hat herausgefunden,
dass Sie 20 Millionen Euro veruntreut haben.
20 Millionen? Interessant.
Ist ja wohl totaler Unsinn.
Ich könnte Ihnen vorlesen, von welchem Konto das Geld stammt.
Wie wollen Sie an solche Informationen gekommen sein?
Urs Kieling war Gott sei Dank so weitsichtig, alles zu dokumentieren.
Und er hat sogar dokumentiert,
dass Sie von dem Geld Tangerine-Aktien gekauft haben.
Na? Kommt da noch was, Herr Dr. Opitz?
Urs hat mir ein Ultimatum gesetzt.
Ich sollte das Geld innerhalb von einer Woche zurückzahlen,
sonst wollte er mich anzeigen.
Aber die eine Woche hat Ihnen nicht gereicht, ne?
Sie mussten warten,
bis Tangerine Inc. die neuen Brennstoffzellen präsentiert.
Damit Sie mit Gewinn aus der Sache rauskommen.
Tja. Dumm nur, Urs Kieling hat nicht mit sich reden lassen.
Urs hatte Angst,
dass die Sache unseren Wirtschaftsprüfern auffallen könnte.
Dabei ist Tangerine ein todsicheres Ding.
Das mag sein.
Deswegen auch die Idee mit dem Kloster.
Die Konfrontation mit Bruder Matthäus.
Damit Sie ihm sagen können, wenn ich untergehe, gehst du mit.
Ich wollte ihm nur zu verstehen geben, dass jeder mal Fehler macht
und vielleicht auf einen guten Freund angewiesen ist.
Wie sind Sie dahintergekommen, dass Bruder Matthäus im Kloster lebt?
Das wusste ich die ganze Zeit. Ich habe seinen Lebensweg verfolgt.
Gut, das als Druckmittel zu haben.
Aber wissen Sie, was ich nicht verstehe?
Warum haben Sie ihm nicht gesagt:
Wir wissen beide, was du damals getan hast.
Gib du mir die Zeit, die ich brauche,
und wir sind beide glücklich. Reden erschien mir sinnlos.
Ich wollte, dass er seine Schuld fühlt.
Sie wollten, dass er psychisch zerbricht,
wenn Sie ihn mit dem Mann konfrontieren,
dessen Leben er zerstört hat.
Aber Sie vergessen ein kleines Detail, Herr Dr. Opitz:
Sie haben nicht nur die Konfrontation arrangiert.
Sie haben auch die Antidepressiva gegen Placebos ausgetauscht. Nein.
Sie wollten Urs Kieling in den Suizid treiben.
Damit Sie mit Ihrer Unterschlagung davonkommen. Nein.
Das ist nicht wahr.
Oskar, kommst du mal? Ist wichtig.
Ich habe einen Rückruf bekommen aus der Produktion
von Backup Pharmaceuticals.
Ariane Grader hat vor acht Wochen Rugoxetin-Placebos bestellt.
Für eine klinische Studie, die es aber nie gab.
Los, komm.
* Musik *
Moin. Moin.
Moin.
Hier. Jo.
* Telefonklingeln *
* Anrufbeantworter * Hallo Frau Grader.
Hier spricht Dr. Löhrsen.
Ich wollte kurz Bescheid geben: Ihre Blutwerte sind in Ordnung.
Vielleicht mehr als in Ordnung.
Ich hätte Ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen.
Ja?
Oh.
Danke.
Wir müssen.
* Musik *
(Franzi) Ihr Handy hat sich in einer Funkzelle
in Finkenwerder eingeloggt.
Ganz in der Nähe des Klosters.
Ich danke dem Herrn, dass Sie gekommen sind.
Wo ist Frau Grader? Ich habe versucht, sie zu beruhigen.
Scheiße. Lena, los. Sie bleiben hier.
* Musik *
Frau Grader?
Frau Grader, ich bin hier.
Ich wars. Ich habe die Antidepressiva ausgetauscht.
Das ist alles meine Schuld.
Wir wollten ein Baby.
Ich bin schon 38 Jahre alt.
Und die Antidepressiva, die können unfruchtbar machen.
Urs hat sich nicht getraut,
die Tabletten ohne die Erlaubnis seiner Frau abzusetzen.
Ich wollte ihm helfen.
Ich wollte uns helfen.
Ich weiß, Frau Grader.
Wussten Sie, dass Urs einen tödlichen Unfall verursacht hat?
Nein.
Das war der Grund für seine Depressionen.
Stefan Opitz hat dieses Wochenende so geplant,
dass er mit dem Mann konfrontiert wird,
der bei dem Unfall Frau und Kind verloren hat:
Bruder Matthäus. Warum erzählen Sie mir das?
Weil Sie nicht verantwortlich sind.
Frau Grader, Sie sind schwanger.
Sie sind schwanger.
Nein.
Nein.
Nein.
Wir waren gerade bei Ihnen im Büro
und haben Ihre Frauenärztin angerufen.
Ich bin da. Ich hab Sie.
Ich hab Sie. Ich hab Sie.
Alles gut. Oh Gott.
Alles gut.
Sie müssen sich darauf einstellen,
dass Ihr Verhalten noch Konsequenzen haben wird.
In Ihrem Job müssten Sie wissen, dass das schlagartige Absetzen
von Antidepressiva zu einem erhöhten Suizidrisiko führt.
Es wird wahrscheinlich auf eine Anklage
wegen gefährlicher Körperverletzung hinauslaufen.
Natürlich wollten Sie Urs Kieling nicht schaden.
Melden Sie sich, falls Sie irgendwas brauchen, okay? Danke.
Bruder Matthäus hat mir erzählt,
dass es um den Orden ziemlich schlecht bestellt ist, finanziell.
Deswegen hat er sich überlegt,
das Geld von der Lebensversicherung doch anzunehmen.
Mhm. Also, da Urs Kieling die Tabletten entzogen wurden,
ist es Körperverletzung mit Todesfolge.
Kein Gericht auf dieser Welt wird das als Suizid bewerten.
Somit wird er wohl ans Geld kommen.
Die Wissenschaft rettet den Glauben. Ja.
Wer hätte das gedacht.
Ups.
Was ist das? Guck rein.
Beiß rein.
Nun beiß rein.
Das ist vom Chefkoch höchstpersönlich.
Sellerieschnitzel. Das glaube ich nicht.
Ja, ich habe auch meine Geheimnisse.
Mh. Oh, komm. Ist doch der Hammer, oder?
Mh. Ja.
* Musik: R.E.M. "Losing My Religion" *
♪ Oh no I've said too much.
I set it up.
That's me in the corner.
That's me in the spotlight,
losing my religion. ♪
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2022
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