All language subtitles for SOKO Hamburg 4x06 Tod eines Teppichhändlers.deu

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Original subtitles

Oskar Schütz

Lena Testorp

Max Nordmann

Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des ZDF

* Musik *

* Rumpeln *

Hallo?

* Musik *

Was machst du denn hier?

Dich besuchen, was sonst?

Brauchst du Geld?

Ich wollte mit dir über Babas Geburtstag reden.

Diesmal kann ich was dazugeben, ein teures Handy oder so.

Weil Technik voll sein Ding ist?

Wir könnten was selber machen.

Geil, wir könnten was Schönes zeichnen.

Noch besser, Kastanientiere basteln.

Ich dachte eher an Kuchen für die Feier.

Baba hat Diabetes, schon vergessen?

Clean Baking, schon mal gehört?

Ich hab ein Superrezept für Süßkartoffel-Brownies.

(beide) Kartoffeln in Kuchen? - Warum macht man so was?

Weil es gesund ist und lecker schmeckt.

Kommst du, Eddi? - Wir schnacken.

Mhm.

(seufzt)

Ich geh noch mal kurz auf Klo, ja?

* Musik *

Moin.

Gönn dir. Oh, danke schön.

Na, spät geworden gestern?

Ja.

Wir haben eine Leiche in der Speicherstadt,

iranischer Teppichhändler aus Teheran.

Sag mal, willst du nicht mal mit?

Seit wann fragst du mich, ob ich mit will?

Du hast mir erzählt,

dass dein Vater seit seiner Pensionierung Ehrenvorsitzender

der Deutsch-Iranischen Handelskammer ist.

Da dachte ich, dass...

...dass ich jeden Perser in der Speicherstadt kenne.

Klar.

Ja.

Nein, da muss ich dich leider enttäuschen.

Außerdem muss ich den Quartalsbericht durchsehen,

diesmal vor der Abgabe.

Max.

Früher, als die Touristen und Werber noch nicht hier waren,

hat es hier schön nach Kaffee und Gewürzen gerochen.

Nostalgie ist echt so ein Alte-Leute-Ding, oder?

Lena ist im Mutterschutz, sie soll sich ausruhen.

Da ist es nicht förderlich,

dass du sie ständig anrufst und nach lustigen Sprüchen fragst.

* Musik *

Danke.

* Musik *

Farzad Haleh, 60 Jahre alt, Witwer, lebt seit 1979 in Hamburg.

Stumpfes Trauma am Hinterkopf.

Haben wir schon eine Tatwaffe? Nein, haben wir noch nicht.

Unfall, oder...

Während er im Teppich eingewickelt ist?

Wer hat ihn gefunden? Seine Bürokraft Bettina Schell.

Die ist im Krankenhaus mit einem Nervenzusammenbruch.

Ihr Mann war aber mit dabei, Michael Schell.

Der soll dahinten in der Küche sitzen.

Gut.

Herr Schell?

Mein Name ist Schütz,

mein Kollege Herr Nordmann von der Mordkommission.

Meine Frau hat den Schlüssel vergessen.

Die hat den lose in ihrer Handtasche.

Da muss sie ihn rausgepackt haben, nehme ich an.

Ich war bei einem Freund in Pinneberg.

Andi Schäfer, Auwiese 60 in 25421 Pinneberg.

Wir haben sein Wohnzimmer gestrichen.

Andi und ich haben zusammen Ausbildung gemacht.

Das war von '80 bis '83.

Ich war so um zwei zu Hause.

Tini hat da schon geschlafen, meine Frau.

Zum Glück habe ich das Telefon gehört, gegen neun.

Bin sofort hierher, weil meine Frau stand vor der Tür.

Wir sind zusammen rein, weil ich auf Toilette musste.

Dann lag da diese Teppichrolle.

Darf ich jetzt... Was wollen Sie wissen?

Kannten Sie Herrn Haleh gut?

Nein.

Wie lange war Ihre Frau bei ihm beschäftigt? 15 Jahre.

Regelmäßige Schulungen, Betriebsklima, Gehalt,

war immer alles gut.

(Frau) Sie können da nicht rein.

(Frau 2) Ich will zu meinem Vater, lassen Sie mich durch!

Ich kann Sie nicht reinlassen. - Oh fuck.

Frau Haleh, wir müssten Ihnen leider ein paar Fragen stellen.

Wann haben Sie Ihren Vater das letzte Mal gesehen?

Gestern, ich hab so um sechs Feierabend gemacht.

Ihr Vater ist '79 eingewandert?

Während der islamischen Revolution

wurde fast meine ganze Familie abgeholt und hingerichtet, ermordet.

Baba hatte Glück.

Er hat sich drei Wochen bei seinem besten Freund versteckt.

Dann sind sie zusammen geflohen.

Wie lange arbeiten Sie schon hier?

Fünf Jahre.

Ich bin Innenarchitektin und war im Journalismus.

Dann wurde meine Mutter krank, und Baba brauchte Hilfe.

Das war die beste Entscheidung.

Baba ist ein toller Mann.

Humorvoll, gelassen, er hat die besten Ideen.

Wir verleasen Teppiche an Firmen und Kanzleien.

Es gibt Menschen, die Teppiche leasen?

Damit machen wir 75% vom Umsatz.

Dann ist Ihr Vater ein Gewinner in dieser schwierigen Branche.

Vielleicht gab es irgendjemanden, dem das nicht gefallen hat.

Es gibt nicht mehr viele Teppichhändler in der Speicherstadt.

Wir halten zusammen.

Und Kunden? Gabs da mal Stress?

Da hing unser wertvollstes Stück,

ein Seiden-Kaschan für 200.000 Euro.

Die haben meinen Vater wegen einem Teppich umgebracht?

Krass. 200.000 Euro für einen Teppich?

Perserteppiche sind eine Investition.

Nach dem Einbruch in den 90ern steigt ihr Wert wieder,

vier Prozent seit '95.

Ich habe mit Lena telefoniert.

Ich wusste es. Gab's wieder Tipps für schlaue Sprüche?

Die langweilt sich zu Tode und wir sollen alle auf dem Teppich bleiben.

Lena kennt sich mit solchen Teppichen bestimmt aus,

die Eltern haben sicher welche.

Die haben einen Isfahan von 1920.

Das sind zwei Millionen Knoten pro Quadratmeter, zehn Jahre Arbeit.

Bestimmt megaviel wert.

Ich habe mich nicht getraut zu fragen.

Was haben wir noch? Wer kann das toppen?

Farzad Haleh ist 1979 aus Teheran geflohen

und hier in den Teppichhandel eingestiegen.

Seine Frau Monika ist letztes Jahr gestorben, an Krebs.

Die beiden haben drei Kinder.

Alexander, 34, der Älteste,

arbeitet als Kardiologe am Cedars-Sinai in L.A.

Renommiertes Krankenhaus.

Aha. In Kalif-Ornia?

Julia, 30, Lukas, 28, arbeiten beide in der Firma.

Lukas erst seit einem Jahr.

Süß. - Was ist mit Eddi?

Was ist mit der Rechtsmedizin?

Haben angerufen, Todesursache war eine Hirnblutung.

Die Kollegen gehen davon aus,

dass der Todeszeitpunkt zwischen 21 und 22 Uhr war.

Fingerabdrücke, Tatwaffe, Fehlanzeige.

Mit einem Teppich wurde er sicherlich nicht erschlagen.

(Sarah) Den Laptop hast du? - Ja, läuft.

Wer hat ihn gefunden? Seine Bürokraft und ihr Mann.

Michael und Bettina Schell, wohnen beide in Niendorf.

Er ist ein bisschen schräg.

Wir haben nicht eine Frage gestellt,

und der hat sein Alibi runtergerattert.

Wer stolpert schon gerne in eine Mordermittlung?

Was ist mit seiner Frau?

Im Krankenhaus, vernehmungsunfähig.

Welcher Raubmörder macht sich die Mühe

und wickelt sein Opfer in einen Teppich ein?

Der, der ein schlechtes Gewissen hat und den Anblick nicht erträgt.

Vielleicht sollte es nur aussehen wie ein Raubmord.

Was ist mit den Tageseinnahmen? Hat Julia zur Bank gebracht.

Ihr habt mit der Familie geredet?

Nur mit der Tochter.

Bis jetzt.

* Musik *

Ist was?

Das ist ja eine geile Hütte. Uh.

Mein Name ist Schütz, mein Kollege Herr Nordmann.

Wir würden uns gerne mit Ihnen und Ihrer Schwester unterhalten.

Danke.

Ich dachte, es war Raubmord?

Das können wir Ihnen leider noch nicht sagen.

Haben Sie eine Idee, wer das Ihrem Vater angetan haben könnte?

Keine Ahnung, jeder mochte Baba.

Wo waren Sie gestern zwischen neun und zwölf?

Oben in Lukas' Wohnung, wir haben Fußball geguckt.

Das ist alles meine Schuld. Wie meinen Sie das?

Ich sollte meinem Vater im Kontor helfen.

Aber dann habe ich einen Freund getroffen und war mit ihm essen.

Sinnlos.

Danach bin ich nach Hause.

Wenn ich das gemacht hätte, worum er mich gebeten hat,

Baba würde noch leben.

Das verzeihe ich mir nie.

Du hast was? - Gebacken.

Das alles? - Ja, Schwesterherz.

Glaubst du, ich weiß nicht, wie ein Backofen funktioniert?

Hab alle Zutaten sogar mit einer Teigkarte zusammengeschoben,

wie ein richtiger Alman.

Ich dachte, du fährst nachts Taxi? - Ich hab mich krankgemeldet.

Du hast da gerade erst angefangen. - Probier doch mal, ist zuckerfrei.

(Franzi) Sarah, du...

Oh, lecker. - Willst du auch?

Was ist das? - Apfelkuchen, ohne Zucker, selbstgemacht.

Der ist bestimmt noch geiler.

Komm, greif zu. - Ich muss los. Wir reden später.

Und du?

Was wolltest du von mir, Franzi?

Ihr verpasst was, ich sag's euch.

Äh.

Die Halehs sind eine Bilderbuchfamilie.

Julia und Lukas haben sogar eine Wohnung in der Villa.

Die machen sogar Urlaub zusammen. Was gibt der Laptop her?

Der Passwort-Algorithmus läuft noch durch.

Zur Familie Haleh, die sind stinkreich,

Villa abbezahlt, Firma solide.

Es gibt ein Testament, falls unserem Opfer etwas zustößt,

geht die Firma zu 100% an Julia.

Und der Rest? - Zu gleichen Teilen an alle.

Was ist die Firma wert?

Allein an Teppichen kommen mehrere Millionen zusammen.

Dann wissen wir, wer am meisten profitiert.

Wegen Kohle? Hat Julia genug von.

Aber sie hat nicht das Sagen in der Firma.

Das kann bei Familienbetrieben zu Stress führen.

Die hat übrigens eine neue Adresse, die ist letzten Monat ausgezogen.

Warum hat sie das nicht gleich gesagt?

Laut Julias Aussage waren sie und ihr Vater ein Superteam.

Wir müssen mit Bettina Schell sprechen,

dann fragen wir sie, wie sie das Verhältnis einschätzt.

Gut, Oskar. Schell we?

Ja.

Nicht ganz so schön wie Klein Flottbek.

So nah dran.

* Türklingeln *

Ja? Da sind wir schon wieder.

Meine Frau ist noch im Krankenhaus. Wir hätten trotzdem noch Fragen.

Die kommt übermorgen wieder.

Können wir reinkommen?

Ja, meinetwegen, bitte.

Können Sie sich die Schuhe ausziehen?

Nein, können wir nicht.

Setzen Sie sich doch.

Wir stehen lieber, danke.

Herr Schell, hat Ihnen Ihre Frau zufällig gesagt,

wie das Verhältnis ihres Chefs zu seinen Kindern ist?

Das war eng, die haben sogar zusammengewohnt.

Nicht mehr, Julia Haleh ist vor einem Monat ausgezogen.

Die ist 30 oder so, wurde auch langsam Zeit.

Unser Sohn kommt nicht mal mehr zu Weihnachten.

Aber wir haben auch keine Villa.

Wieso hatten Sie Zeit, Ihrer Frau den Schlüssel zu bringen?

Arbeitslos, seit zwei Jahren. Das tut mir leid.

Ist sicherlich schwer, was Neues zu finden.

In meinem Alter?

Ich mache den Haushalt.

Aber politisch interessiert sind Sie, immerhin.

Ich sehe die ständig auf dem Amt,

kein Wort Deutsch, aber das neueste Handy am Start.

Ich krieg nicht mal Hartz VI, weil meine Frau arbeitet.

Wenn man dann was sagt, dann ist man ein Nazi.

Arbeitslos zu sein ist sicherlich kacke,

aber dafür können die Migranten nichts.

Beamte, hm? Sie müssen sich keine Sorgen machen.

Der Typ kommt hier an

und macht ein Scheißvermögen mit seinen bekloppten Bettvorlegern.

Sie fanden, das geht gar nicht.

Sie glauben nicht etwa, dass ich...

Dass Sie was gegen Migranten haben, doch.

Ihre Frau arbeitet für einen, der hat Kohle.

Während Sie sich gerade so durchschlagen.

Quatsch, ich hab dem nichts getan.

Ich war bei meinem Kumpel Andi, fragen Sie den.

Außerdem wollte uns die Bank letztes Jahr das Haus wegnehmen.

Wenn der Chef meiner Frau nicht gewesen wäre,

säßen wir jetzt auf der Straße.

Oh Mann, jetzt muss man dem Ausländer sogar noch dankbar sein.

Sie denken besser noch mal nach, wo Sie gestern Nacht waren.

Sollten wir herausfinden, dass Sie uns angelogen haben,

ist in unserem Fall meistens schlecht.

Fragen Sie lieber den anderen Teppichfritzen,

wo der sich rumgetrieben hat.

Der war immer pleite und hat sich Geld bei Haleh geliehen.

Haben dich die Ärzte mit Schells Frau reden lassen?

Ja, aber nur kurz.

Sie weiß auch nicht, warum Julia ausgezogen ist.

Dieser Schell geht gar nicht.

Keine Aufgabe, die Familie nicht ernähren können,

das macht Angst und Wut.

Es hilft, wenn man einen Schuldigen findet.

Wenn er den Chef seiner Frau umbringt

und seine Frau den Job verliert, haben sie noch mehr Probleme.

Falls sie ihn verliert.

(Sarah) Hast du Schells Handyprofil?

Er war den ganzen Abend im Norden der Stadt eingeloggt,

und sein Kumpel hat das Alibi bestätigt.

Was ist mit dem Konkurrenten von Haleh?

Kamran Mirza, 34, und ist der Inhaber von Orientteppich Mirza.

Irgendwoher kenne ich den.

Es ist der Sohn von Sam Mirza, der beste Freund von Farzad Haleh.

Die beiden sind zusammen aus Teheran geflohen.

Als sein Vater gestorben ist, hat Kamran das Kontor übernommen.

Stimmt es, was Schell sagt?

Dass Kamran mit dem Rücken zur Wand steht?

Er konnte seine Lieferanten nicht bezahlen.

Haleh hat übernommen und ihn abstottern lassen.

Laut Frau Schell wollte Haleh das nicht mehr.

Die letzte Lieferung wollte er selbst verkaufen

und Mirzas Kontor übernehmen.

Jetzt weiß ich, woher ich den kenne.

Ich hab den heute Morgen vorm Kontor gesehen.

Ich hatte gehört, was passiert ist,

und wollte sehen, ob Julia und Lukas Hilfe brauchen.

Ich war in Berlin, ich bin erst heute Früh zurück.

Was haben Sie dort gemacht? War eine Jobsache.

Ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Wann haben Sie Herrn Haleh das letzte Mal gesehen?

Das war letzte Woche.

Wie war Ihr Verhältnis?

Farzad war wie ein Vater für mich.

Der hat mir immer geholfen, wenn ich Rat brauchte.

Er hat sogar meine Lieferanten bezahlt, als ich nicht flüssig war.

Siebenmal in drei Jahren, um genau zu sein.

Aber damit war jetzt Schluss.

Hatten Sie deswegen Streit? Nein.

Sie waren fein damit, dass Herr Haleh Sie übernehmen wollte?

Obwohl Sie so gut befreundet waren?

Und Ihr Vater ihm das Leben gerettet hat?

Ja. Nein.

So war das nicht.

Ich höre mir das nicht länger an.

Ich telefoniere mit der Staatsanwaltschaft.

Warten Sie.

Es stimmt, Farzad hat mir ein Angebot gemacht.

Aber da waren Sie sicher enttäuscht, wütend.

Überhaupt nicht, er hat recht, ich bin kein Kaufmann.

Bin ich nie gewesen, ich bin Musiker.

Ich spiele Klavier, seit ich drei bin.

Das Kontor habe ich nur übernommen, weil mein Vater das wollte.

D.h. Sie wollten verkaufen?

Ich habe endlich ein Musiklabel gefunden.

Deswegen war ich in Berlin.

Farzads Angebot war perfektes Timing.

Ich traue diesem Mirza nicht von der Tapete bis zur Wand.

Der lügt.

Aber was er sagt, macht Sinn.

Viele Iraner machen beruflich, was ihre Eltern wollen.

Mein Vater fand es auch nicht prickelnd,

dass ich im Öffentlichen Dienst gelandet bin,

statt als Partnerin in einer Privatkanzlei am Jungfernstieg.

Wo es auch den besseren Kaffee gibt, mal nebenbei.

Weißt du, für meinen Vater klingt Kripo immer wie Kire Pollo.

Was heißt das?

Kripo, keine richtige Polizei.

Hast du jemanden beim Plattenlabel erreicht?

Nee, da rufe ich noch mal an.

Außerdem hole ich mir die Handydaten von Mirza.

Ey. Eine Brille kann helfen.

Wie bitte?

Sorry, das ist mir so rausgerutscht. Kein Problem.

Julia Haleh, mein Bruder Lukas.

Sarah Khan. Meinen Kollegen Schütz kennen Sie ja bereits.

Sie waren im Tennisverein Klein Flottbek

und haben mit der Damenmannschaft den Cup geholt.

Ja.

Ich bin eingetreten, da waren Sie gerade raus. - Ach was.

Sie waren mein Vorbild.

Eine Deutsch-Iranerin, die den Pokal holt und bei der Kripo ist,

das fand ich beeindruckend.

Wollen wir mal? Kommen Sie.

Natürlich wissen wir von dem Testament.

Wir haben das nach Mamas Tod gemeinsam besprochen.

Sie haben damit kein Problem, dass Sie von der Firma nichts abbekommen?

Ich war gerade erst eingestiegen.

Trotzdem geht Ihnen damit ein ziemlicher Brocken flöten.

Das ist nur Geld.

Wir würden sofort Haus und Firma hergeben,

wenn wir dafür unsere Eltern zurückbekommen könnten.

Warum sind Sie von zu Hause ausgezogen?

Wir sind eine Familie, klar streiten wir mal.

Ich fand, es war falsch, Kamran Mirzas Kontor zu übernehmen.

Dafür ging die Freundschaft unserer Familien zu tief.

D.h. Sie haben sich so mit Ihrem Vater gestritten,

dass Sie deswegen ausgezogen sind?

* Telefonklingeln *

Was machst du schon wieder hier?

Ich freu mich auch, dich zu sehen.

Ich weiß jetzt, was wir Baba schenken.

Ist das Babas alter Teppich? - Ja.

Der hat schon so viel mitgemacht.

Wir lassen den restaurieren. Was sagst du?

Das ist mal eine gute Idee.

Der ist aber schön, so um 1900?

Erbstück der Familie. Kennst du dich mit Teppichen aus?

Wir haben ein Teppichkontor.

Voll cool, dann kennt ihr bestimmt Restauratoren. - Eddi.

Wir arbeiten immer mit demselben, der ist gut.

Ich habe gleich einen Termin mit dem.

Normalerweise ist der Monate im Voraus ausgebucht,

aber wenn ihr wollt, stelle ich euch vor.

Nein... - Das wäre super.

Komm schon, ist für Baba.

Meinetwegen, dann los, ich habe gerade Feierabend.

(spricht persisch)

Dann bringen wir den Teppich die Tage vorbei.

Prima, schönen Abend noch. - Danke, ebenso.

Baba rastet aus vor Freude.

Der Teppich ist das Einzige, was er aus Iran mitnehmen konnte.

Sorry, ich muss da ran. Was geht, Diggi? Du hast den Job?

Glückwunsch. Das müssen wir feiern.

Der feiert auch gern, ne? - Mhm.

Ich habe Lukas in die Firma geholt.

Er fand Feiern spannender als Medizin, Jura oder BWL.

Pennen kannst du, wenn du alt und grau bist.

Wir treffen uns gleich bei Payam.

Teppiche sind auch nicht so seins.

Aber er ist mein kleiner Bruder, ich würde ihm immer wieder helfen.

Er ist auch kein schlechter Mensch, nur irgendwie...

Schön auf den Kiez und dann weiter auf den Fischmarkt.

Ja.

...nicht besonders zielstrebig?

Alles klar, wir sehen uns gleich. Okay? Ciao.

Schwesterherz, ich muss los.

Ich liebe dich und vielen Dank.

Tausend Dank, Baba wird sich freuen, danke.

Vielleicht wurden kleine Brüder erfunden, um uns zu testen. - Aha.

Moin. Oh, Oskarchen.

Nix Oskarchen.

Was war denn das gestern Abend mit dir und Eddi?

Und Julia Haleh, hm? Ich denke...

Ich habe das Plattenlabel erreicht.

Dieser Mirza hat denen eine CD geschickt,

die waren aber nicht interessiert.

Und wir haben sein Handyprofil.

Er ist gestern nicht früh aus Berlin gekommen, sondern am Abend vorher.

Wusste ich es doch.

Willst du einen Kaffee?

Jetzt ist er fällig.

Danke Oskarchen!

Was? Quatsch. Ich bin morgens...

Wir können das Gespräch auch gerne auf dem Revier weiterführen,

kein Problem.

Ja, ich war vorgestern schon wieder hier.

Aber ich bin direkt nach Hause, Farzad habe ich nicht gesehen.

Das ist aber komisch.

Laut dem Bewegungsprofil Ihres Handys waren Sie an dem Abend

beim Kontor der Halehs.

Gegen halb zehn, zum Todeszeitpunkt von Farzad Haleh.

Ich sage Ihnen, wie das läuft.

Sie hören auf, mir so eine Scheiße zu erzählen.

Haben Sie das verstanden?

Für Farzad zählte nur eins.

Erfolg.

Das kannst du nicht machen!

Du hattest das Geld und hast es in eine CD gesteckt.

Dieses Label in Berlin war interessiert.

Ich habe dein Hobby lang genug bezahlt.

Ich übernehme dein Kontor, mit allen Teppichen.

Dein Vater würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste,

wie du sein Erbe mit Füßen trittst.

Mein Vater würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste,

wie du eure Freundschaft verrätst.

Du verdankst ihm dein Leben. - Deinem Vater, nicht dir.

Du weißt, wo es rausgeht.

Dann sind Ihnen die Sicherungen durchgebrannt.

Wie kommen Sie darauf?

Ach so, klar, weil ich Iraner bin, ne?

Südländisches Temperament, ne?

Mann, ich bin Künstler.

Ich glaube an die Kraft der Poesie und Barmherzigkeit.

Ich bin gegangen.

Kann das jemand bezeugen? Leider nicht.

Hui, das sieht aber doof für Sie aus.

Merken Sie selbst, ne?

Bis zum Abschluss der Ermittlungen verlassen Sie Hamburg nicht

und halten sich zu unserer Verfügung.

Haben Sie das verstanden? Ja.

Gut.

Ich hab was Neues.

Farzad Haleh hatte eine Lebensversicherung

über eine Million Euro.

Begünstigte: die drei Kinder und seine Frau zu gleichen Teilen.

Jetzt ratet mal, wie viele Schulden Lukas Haleh hat.

100.000 Euro.

Wow.

Der haut die Kohle nur so raus, Autos, Rennbahn, Schampus, Partys,

das ist ein richtiger Party-Prince of Persia.

Der ist gut.

Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen,

dass er seinen eigenen Vater für die Kohle eiskalt umbringt.

Aber so viele Gläubiger, wie der hat,

bleibt ihm nur die Privatinsolvenz.

Oder eine Lebensversicherung. Max, machst du?

Logo.

* Musik *

Ach nee.

Ja, ich habe Schulden.

Aber deswegen tue ich doch meinem Vater nichts an.

Außerdem, was soll das bringen?

Unser Geld steckt in Villa und Firma, da komme ich nicht ran.

Was ist mit den 300.000 Euro auf Ihrem Konto? Was?

Ihr Vater hat eine Lebensversicherung abgeschlossen.

Im Fall seines Todes erhalten Sie über 300.000.

Sie waren nicht mit Ihrer Schwester Fußball gucken,

als Ihr Vater gestorben ist.

Jetzt bitte die Wahrheit, Lügen habe ich genug gehört.

Die kennen Sie.

Ich hätte im Kontor sein sollen, bei meinem Vater.

Dann wäre er noch am Leben.

Aber ich war wieder mal unterwegs.

Was für ein Sohn macht so was, ey?

Gibt's dafür Zeugen?

Mein bester Kumpel, Lars Deffner.

Hey Sarah, ich bin's. Na?

Ich habe mit der Staatsanwaltschaft telefoniert.

Die Durchsuchungsbeschlüsse

für Kontor und Wohnung von Kamran Mirza sind in Arbeit.

Super. Ich habe auch eine Neuigkeit.

Julia Haleh ist mit einer Frau zusammen.

Guck mal, ihr Vater ist Iraner.

Was wäre denn, wenn ihm das nicht gepasst hätte?

Da gabs Streit, der ist eskaliert, und plötzlich war er tot.

Weil alle Iraner bornierte Hinterwäldler sind

und ein Problem mit Homosexualität haben, oder was?

Das habe ich nicht gesagt.

Aber es ist doch eine Spur, sollen wir die jetzt ignorieren?

Ich übernehme das lieber, ich rede mit ihr.

* Musik *

Jette und ich sind seit zwei Jahren zusammen.

Wie hat Ihr Vater darauf reagiert?

Wie wohl? Er war entsetzt.

Bis er mitbekommen hat, dass sie Anwältin ist, mit eigener Kanzlei.

Dann war er okay damit.

Meine Mutter hatte da mehr Probleme.

Sie wollte Enkel, gerne im Paket mit Haus, Hund, Kombi und Schwiegersohn.

Wussten Sie, dass Ihr Vater

eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte?

Nee, das wusste ich nicht.

Hi. Ich bin oben, arbeiten.

Ironie des Schicksals.

Baba hat sich immer gewünscht, dass er weniger feiert.

Jetzt stürzt er sich in die Arbeit.

Tschüs. Tschüs, vielen Dank.

Das war Lars Deffner, der Freund von Lukas, der hat sein Alibi bestätigt.

So viel dazu. Oskar hat gesagt, Julia Haleh steht auf Frauen?

Ja, aber ihr Vater hatte kein Problem damit.

Sagt sie.

Seit wann misstraust du meinem Instinkt?

Dein Instinkt ist nicht das Problem. Sondern?

Julia Haleh ist eine Verdächtige.

Du lässt dir von ihr mit eurem Teppich helfen.

Ach, das jetzt?

Wenn Farzad Haleh ein homophober Fanatiker gewesen wäre,

hätte er nicht fliehen müssen.

Dann würde er noch in Teheran hocken und mit seinen Kumpanen

vom Wächterrat schwule Jugendliche am nächsten Baukran aufknüpfen.

Das ist nicht der Punkt. Sondern?

Julia und du, ihr seid modern, emanzipiert, tough,

ihr habt iranische Wurzeln.

Du hast die Distanz verloren.

Wenn dir das genügt, um uns in eine Schublade zu stecken.

Ich stecke niemand... Ich habe was Neues.

Ich war noch mal auf den Social-Media-Kanälen von Lukas.

Das hier ist von der letzten Jubiläumsparty der Firma.

Ach, guck, der ist ja richtig eifersüchtig.

Wenn da mal nicht was lief zwischen Farzad Haleh und Bettina Schell.

Dieser Michael Schell schiebt sowieso Frust bis zum Anschlag.

Ach ja?

* Musik *

Ich? Eifersüchtig? Auf das Ölauge?

Herr Schell, ich will diese beschissenen Sprüche

nicht mehr von Ihnen hören.

Haben Sie mich verstanden?

Gut.

Wir haben etwas von der Verkehrsüberwachung bekommen.

Vorgestern Abend, St. Annenufer.

Hamburger Trennung, Berta Ludwig 2395.

Das ist Ihr Kennzeichen, oder?

Ja, ich war da. Aber...

Ab jetzt keine Lügen mehr.

Sie haben eine attraktive Frau.

Und die sitzt jeden Tag mit ihrem Chef zusammen.

Der ist erfolgreich, hat Geld wie Heu,

und Sie sind arbeitslos.

Da kann man schon mal darüber nachdenken,

ob die beiden nur zusammenarbeiten.

Ich habe nie begriffen,

warum sie sich für mich entschieden hat.

Ist eine tolle Frau.

Lief was zwischen ihr und Haleh? Nein.

Keine Ahnung.

In letzter Zeit hat sie sich abends häufiger mit Freundinnen getroffen.

Da wollten Sie gucken, ob das stimmt.

Oder ob sie mit Haleh zusammen ist.

War es so?

Und dann?

Nichts, ich bin wieder gefahren.

Ja, nee, ist klar.

Sie stellen Haleh zur Rede, die Situation eskaliert,

und plötzlich ist Haleh tot.

Wo Sie gerade da waren, haben Sie den hier noch gesehen.

Und dachten sich, den nehme ich mit.

Da kann ich noch meine Kasse aufbessern.

Was? Nein.

Ich habe im Auto gesessen, ich habe eine geraucht.

Ich wollte rein und dann fiel mir das Jubiläumsfest wieder ein,

an dem ich völlig ausgeflippt bin.

Verdammte Scheiße, Farzad, ich habe die Schnauze voll!

Lass die Finger von meiner Frau.

Ich werde nie vergessen, wie meine Frau mich angeguckt hat.

So enttäuscht.

Wenn ich jetzt wieder so eine Welle gemacht hätte,

das hätte sie doch erfahren.

Ich liebe meine Frau.

Und ich will sie nicht verlieren.

Bitte.

Bitte sagen Sie ihr nicht, dass ich in der Speicherstadt gewesen bin.

Max, konntest du mit Bettina Schell sprechen?

Ihr Mann hat auf dem Jubiläum eine Szene gemacht,

sie glaubt aber, dass er es kapiert hat.

Sie sagt also definitiv, dass zwischen ihr und Haleh nichts lief?

Wirkte glaubwürdig. Ihr Alibi wurde auch bestätigt.

Und er?

Er hat sich angeblich umentschieden und ist wieder weggefahren.

Also hatte er ein Motiv und war vor Ort? Das hatte Mirza auch.

Wir haben zu viele Verdächtige und keine Beweise.

Ich besorge jetzt einen Durchsuchungsbeschluss

für Schells Haus, wir müssen diesen Teppich finden.

* Musik *

Welch unermesslicher Reichtum hinter schmucklosen Gemäuern.

Und nicht jeder Schatz besteht aus Silber und Gold.

Das ist schön. Ist das von Rumi?

Capitan Jack Sparrow.

Wollen wir den Teppich abliefern? - Alles klar.

Ist das nicht diese Julia?

Warte.

Was soll sein?

Die liefern einen Teppich aus, ist doch deren Job.

* Handyklingeln *

Sarah, was gibt's?

Ich könnte hier deine Hilfe gebrauchen, glaube ich.

Okay, wo bist du?

Die haben den Teppich eingeladen und sind wieder rein?

Ich hab Eddi nach Hause geschickt, seitdem ist nichts passiert,

es war so ein Bauchgefühl.

Im Gegensatz zu Lukas hat Julia nämlich kein Alibi.

Ich dachte, du findest es gut,

wenn ich sie als Verdächtige nicht ausschließe. Tue ich auch.

Nur weil jemand in Teheran geboren ist,

halte ich ihn nicht für homophob, ich bin kein Rassist.

Da sind sie.

* Musik *

Weißt du, dieses ganze Thema, wie Perser so sind,

das ist mir einfach zu anstrengend.

Ich habe es satt,

immer der Erklärbär im Migranten-Stadel zu sein.

Da kann man schon mal ein dünnes Fell kriegen, ne?

(lacht) Ja.

* Musik *

Was machen die da?

* Musik *

120.000, wie besprochen.

Okay, alles hier drin.

Guten Abend. Na, können wir helfen?

Hatten Sie nicht gesagt, dass Ihr Seiden-Kaschan gestohlen wurde?

Das kam unerwartet.

Machst du? Ja.

Herr Haleh, ganz schlechte Idee.

Sie bleiben hier, und Sie auch.

Was ist mit meinem Teppich? Beschlagnahmt.

Ach, nö. Ach, doch.

* Musik *

Fuck. (weint)

Was mache ich hier?

Sie sind vorläufig festgenommen.

Gegen Sie besteht der dringende Tatverdacht, dass Sie Ihren Vater...

Ich wollte das nicht, es tut mir so leid.

* Musik *

Ihre Schwester hat sich mit Ihrem Vater gestritten. Weswegen?

Meine Schwester hat nichts gemacht.

Mein Vater hat mich angerufen.

So kurz nach neun.

Er wollte, dass ich ins Kontor komme.

Ich dachte erst, das ist ein Fehler, ist es aber nicht.

Wie viele Teppiche hast du schon unter der Hand verkauft?

Baba, keine Ahnung.

Das ist deine Schrift, du hast den Lieferschein nachträglich geändert.

Warum kannst du nicht so sein wie deine Geschwister?

In dieser Firma und zu Hause ist kein Platz mehr für dich.

Ich habe alles gemacht, was du wolltest.

Jura studiert, Medizin, BWL. Und jetzt bin ich hier.

Du hast jedes Mal versagt, weil du lieber feierst.

Erfolg ist so wichtig.

Wer erfolgreich ist, wird anerkannt, egal wo er herkommt.

Du bist so eine Enttäuschung.

Such dir einen Job und zieh aus.

Du hast bis Ende des Monats.

Baba, lass mich nicht wieder so stehen.

Baba? Baba, Baba.

Also ist das Alibi Ihres Bruders gelogen?

Der war gar nicht feiern.

Ich wollte gerade ins Bett, als Lukas angerufen hat.

Wir müssen den Notarzt rufen.

Er ist tot.

Ich wollte das nicht.

Ich weiß.

* Musik *

Was hätte ich denn machen sollen?

Er ist mein kleiner Bruder.

Dann haben Sie ihn in den Teppich gewickelt

und den Seiden-Kaschan verschwinden lassen,

damit es wie ein Raubmord aussieht.

Es vergeht keine Minute, in der ich nicht bereue, was ich getan habe.

Oder meinen Vater nicht vermisse.

Wenn ich könnte, würde ich alles wieder gutmachen.

Das müssen Sie mir glauben.

Mein Vater sagt immer, du musst doppelt so hart arbeiten,

damit die Deutschen dich akzeptieren.

Das könnte genauso gut von Julias Vater sein.

Du hattest recht, ich habe sie angeguckt und mich selbst gesehen.

Gut, dass wir uns aufeinander verlassen können.

* Musik *

Sarah, das ist das beste Geschenk ever.

Ich muss schon sagen, wir sind ein gutes Team, Schwesterherz.

Ja, das sind wir.

Aber du musst dein Leben endlich auf die Kette bekommen.

Ja.

Ich habe Schiss,

dass ich dich irgendwann nicht mehr beschützen kann.

Ich kriege das hin, okay?

Keine Sorge.

Okay. Du trägst. (lacht)

* Musik *

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