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Mein Name ist Julio Färber.
Ich möchte meinen Pass abholen. Und für meine Mutter und meine Tochter.
Ich irre umher,
des ewigen Wanderns müde,
in der bitteren Schwere meiner Einsamkeit,
erfüllt von der Sehnsucht, anzukommen, irgendwo
Du weißt,
Dich habe ich ein Leben lang gesucht
und unterwegs all meine Träume zerstört
Hab sie zurückgelassen an irgendeiner Kreuzung
Rastlos ging ich,
in der Hoffnung, Dich zu finden,
weite Wege,
hab Meile um Meile überwunden
Nach kurzer Rast in Deinen Armen
werd ich weiterirren, wenn Du's so willst,
auf meinem gestrigen Pfad
Danke. Vielen Dank.
Gratulation.
Mit diesem donnernden Applaus danken wir unseren "Vecinos de Pompeya"
und vor allem unserem Freund Jorge Galante,
der nun unser glorreiches Argentinien verlässt,
um den bitteren Kaviar des Exils zu kosten
und mit unserem Tango unerhörte Triumphe
auf dem alten Kontinent Europa zu feiern...
Was ist?
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff.
Nein. Die Dummen bleiben an Bord und saufen ab.
Dann hau doch ab,
du drittklassiger Aufreißer!
Ruhig, Atilio.
Scheiße! Nicht schon wieder.
Was für ein Land.
Was für ein Land.
Ist doch verständlich, Atilio.
Ist doch nicht so schlimm.
Weißt du, was das ist? Verrat.
Einfach so abhauen. Also bitte!
Jungs, unsere heutige Gage: ein Dutzend Empanadas.
Großartig.
Drei Empanadas für jeden.
Gemessen am Nichts ist das unendlich viel.
El Polaco muss sparen, für die Stromrechnung.
Geld ist nicht wichtig. Wir werden alle sterben.
Ich kapier's einfach nicht.
Entweder wir retten uns gemeinsam
oder wir gehen alle unter.
Geh uns nicht auf den Sack, Atilio.
Ja, ganz sicher!
Hab ich dich je hängen lassen?
Gib mir noch eine Woche.
Dann zahl ich alles auf einmal, versprochen.
Du tust mir einen riesen Gefallen.
Versprochen.
Okay?
Danke dir. Ich muss auflegen, der Laden ist voll.
Ist gut.
Tausend Dank.
Julio, alles klar? - Passt.
Und meine Lieferung?
Wie soll ich dich bezahlen, wenn du mir meine Ware wegnimmst?
Ich bin nicht Rockefeller. Ich muss meine Ware ja auch bezahlen.
Mit deinem Vater ist so was nie passiert.
Mit deinem auch nicht.
Starte ihn mal.
Eine Symphonie!
Mach aus.
Wieso willst du verkaufen?
Na ja, "wollen"...
Es bricht mir das Herz.
Spanien.
Italien.
Australien.
Das Auto machen die Leute als Erstes zu Geld, wenn sie abhauen.
Der hier ist nicht weit gekommen.
Brasilien.
Bring ihn mir einfach vorbei, bevor du gehst.
Die Flugtickets springen da schon raus. - Alles klar.
Willkommen zu einer neuen Deutschstunde!
Lektion 6.
Wie geht es dir?
Sehr gut.
Sehr gut.
Man kann auch antworten: "Ich bin traurig."
Nein, mir geht's hervorragend.
Oder auch...
Verdammte Scheiße!
Hör mal zu, du Arsch...
Fährst du immer über Rot? Oder bist du farbenblind?
Beleidige mich nicht, ja? Du bist über Rot gefahren, nicht ich.
Ich beleidige dich nicht. Du lügst.
Du lügst!
Na gut, dann rufen wir jetzt die Polizei.
Warte mal. Können wir das nicht unter uns regeln?
Okay, dann gib mir deine Versicherungsdaten.
Gut, kein Problem. - Prima.
Heute noch, wenn's geht.
Ja, klar. Heute noch.
Hol doch du schon mal deine Papiere.
Phallokrat!
In diesem Land übernimmt niemand für irgendwas Verantwortung.
Mach dir keinen Kopf. In ein paar Tagen hab ich den repariert.
Also der Motor ist noch gut.
War sie wenigstens gut gebaut?
Was weiß ich, Tito. Da hab ich nicht drauf geachtet.
Ein gravierender Fehler!
Tito!
Der ist auch noch gut.
Kannst du mir ihre Nummer geben?
Wenn die einfach so über Rot rast, dann geht da so einiges...
Hör auf jetzt, Tito.
Die fährt einfach über Rot und haut ab.
Ist das hier 'ne seriöse Firma?
Natürlich sind wir seriös.
Eine Sekunde.
Martita?
Ist Wagen 19 unterwegs? - Ja, die Neue, Mariela.
Funken Sie sie bitte an.
Wagen 19, bitte kommen.
Warum so förmlich, du Luder?
Ich hatte 'nen scheiß Tag und außerdem hab ich meine Tage.
Und du?
Wagen 19, hier ist Zicanelli.
Hatten Sie heute irgendwie so eine Art Unfall?
Nein, negativ.
Wie, negativ? - Warum?
Ein Herr behauptet, Sie wären über Rot gefahren
und hätten sein Fahrzeug beschädigt.
Geschrottet!
Ich bin nicht über Rot gefahren. Das war der!
Was? Du bist über Rot gefahren und dann einfach abgehauen!
Du lügst! - Nein, du lügst...
Wagen 19, Sie kommen sofort in die Zentrale. Verstanden?
Verstanden.
Lassen Sie Ihre Daten da. Bei uns sind alle Fahrzeuge versichert.
Kommen Sie mit.
Sicher? - Keine Sorge.
Das sagen Sie so einfach.
Verdammte Scheiße.
War doch gar nicht so übel.
Nein, aber der Tango ist mit Gesang.
Na und?
Siehst du hier einen Sänger?
...die heutige Gewinnzahl der Quiniela ist die 48.
So ein Scheiß.
Schon wieder "Der Tote, der spricht".
Die 44? - Nein, die 44 ist "Das Gefängnis".
"Der Tote, der spricht" ist die 48.
Spielst du wieder?
Nein, ich verfolge das rein hypothetisch.
Aus numerischem Interesse.
Warum lassen wir's nicht einfach sein?
Wir verdienen seit Jahren nichts mehr damit.
Julito, es geht hier um Musik!
Es geht nicht um Geld.
Was ist mit deinen Prinzipien?
Schwierigkeiten muss man überwinden.
Hättest du zu Beethoven gesagt:
"Ludwig, du hast schon acht Symphonien komponiert,
warum 'ne neunte, wenn du eh stocktaub bist?"
So toll ist die Neunte auch wieder nicht. Und wir sind nicht Beethoven.
Schwierigkeiten sind...
...Möglichkeiten. Ich weiß, Atilio. - Exakt.
Dann steckt ihr in gravierenden...
Möglichkeiten.
Dieses Land ist einfach kaputt.
Wenn das so weitergeht, hau ich auch ab.
Red keinen Scheiß, Julito.
Das Problem ist, dass ihr in zu kleinen Maßstäben denkt.
Ich habe neulich gelesen, dass die ganze Milchstraße kaputt geht.
Die geht nicht kaputt. Das Universum dehnt sich aus.
Doch, die geht kaputt.
Atilio, geh bitte deinen Schülern auf die Nerven.
Das ganze Weltall geht kaputt.
Ich hab deswegen zwei Nächte ziemlich schlecht geschlafen.
Du durchfließt mich wie mein Blut
Ich will in jedem Augenblick, fieberhaft und voller Liebe,
Deine Lippen küssen
Ich liebe Dich
und werde Dich für immer lieben
Du steckst in mir
wie ein Dolch im Fleisch
Und leidenschaftlich brennend, vor Furcht erzitternd,
will ich in Deinen Armen sterben
Das war der große Ricardo Tortorella
mit seiner wunderbaren Version von "Pasional".
Mein Gott, was für eine Stimme.
"Pasional" war das Lied meiner Eltern.
Tortorella ist doch schon tot, oder?
Die 48.
"Der Tote, der spricht".
Da seh ich scheiße aus! - Für mich bist du wunderschön.
Wie soll ich so hässlich Schauspielerin werden?
Schauspielerin?
Du wolltest doch Tierärztin werden. - Nee, Papa, Schauspielerin.
Auch gut. Du bist hübsch, das geht auch.
Und ihr meint wirklich, da geht's euch besser?
Die Wohnung von Tante Claudia ist riesig.
Und Berlin ist schön.
Ich kann da von meiner Musik leben und krieg nicht nur drei Empanadas.
Und da gibt's kaum Überfälle und immer Strom.
Und Hunde dürfen mit ins Restaurant. - Wir haben keinen Hund.
Dann kaufen wir uns einen. Und gehen alle zusammen essen.
Schön. Aber ich bleib hier.
Und warum?
Darum.
Das ist keine Antwort. Sag mir, warum.
Weil...
ich hab die Liebe meines Lebens getroffen.
Die Liebe deines Lebens? - Ja, die Liebe meines Lebens.
Großartig. Und das schon mit 14!
Ich bin fast 15.
14, 15, du kannst nicht alleine hierbleiben. - Bleib ich nicht. Ich zieh zu Mama.
Paula...
Pau? - Du bist der schlechteste Vater der Welt!
Du kommst mit und basta!
Wer nervt denn jetzt?
Woher weißt du, wo ich wohne? - Von Martita aus der Zentrale.
Ich kann nichts dafür, dass du so abgefuckt mit der Liebe bist!
Stör ich?
Ja.
Zwei Minuten... Mariela.
Und du? - Julio.
Also...
du hast da noch Koks an der Nase.
Was für ein Deal?
Also... wir...
lassen das mit der Versicherung,
und ich bezahl dir die Reparatur direkt.
Perfekt. - In Raten.
Und wie viele Raten?
20, 30 oder so...
Nein, ich geh nach Deutschland, ich muss das Auto jetzt verkaufen.
Kein Problem. Du kriegst den Rest, wenn du zurückkommst.
Ich komm nicht zurück. Ich wandere aus.
Gib mir jetzt bitte deine Versicherungsdaten.
Ja. Aber... das dauert, bis die zahlen.
Man braucht ein Gutachten,
dann 'ne Bescheinigung, Kopien, Beglaubigungen der Kopien...
Das dauert...
Du hast keine Versicherung, oder? - Natürlich hab ich eine!
Also... quasi.
Quasi?
Ich war pleite und Martita hat mir die Police von 'nem anderen Taxi besorgt.
Die hab ich dann frisiert.
Ist besser als das Original geworden.
Keine Versicherung, keinen Job.
Ich hab 'nen kleinen Sohn und...
bin allein, ich muss die Miete zahlen und Schulsachen,
und jetzt Geschenke vom scheiß Weihnachtsmann.
Machen wir das bitte mit Raten.
Wenn mein Chef das erfährt, flieg ich raus.
Und Martita auch.
Oligarch!
"Keine Zeit, viel um die Ohren, Termine..." Ich kann's nicht mehr hören!
Familien sind... - Es kotzt mich an!
Immer nur Ausreden!
Und sagt seinem Sohn, er muss hier sofort herkommen.
Señor Ricardo ist fünf Monate im Rückstand.
Die schmeißen ihn bald raus!
Kapiert? - Ja.
Das ist doch alles sinnlos. - Die 48. Ich sag's euch.
Señor Ricardo!
Schauen Sie mal, wer da ist. Ihre Freunde aus Rosario.
Und, Ricardo? Freust du dich?
Wie süß!
Dann lass ich euch jetzt mal allein, damit ihr in Ruhe plaudern könnt.
Gut, danke.
Maestro Tortorella...
Maestro...
Das können wir vergessen...
Die 48!
Los. Mach.
Also... Maestro...
es ist uns eine große Ehre...
Sie hier...
persönlich kennenzulernen.
Meine Freunde aus Rosario...
Ich bin alt, aber kein Volltrottel.
Was wollt ihr?
Ich hab kein Geld.
Nein.
Der Tango ist für mich gestorben.
Ich bin zu alt.
Wer will mich noch hören?
Aber Maestro... - Nein. Ich mag nicht mehr.
Wenn Sie Ihre Meinung ändern, Ricardo...
Wir proben jeden Mittwochmittag im "Glorias".
Verstanden, Wagen 17.
Wagen 23, das ist nicht Ihre Fahrt.
Tschuldige, Martita. Draußen ist die Hölle los. Hallo, mein Lieber.
Hattest du einen schönen Tag?
Hast du gemalt? Zeig mal.
Was ist?
Pablito, gehen wir.
Was uns nicht umbringt, macht uns hart.
Reg dich nicht auf. - Ich müsste längst Wonder Woman sein.
Ist okay. Gehen wir.
Komm.
Guten Tag. - Guten Tag.
Kommen Sie, mein Freund.
Entschuldigung.
Ich brauch dein Mitleid nicht. - Das ist kein Mitleid.
Ich komm gut allein zurecht.
Du willst mich eh nur flachlegen. - Was? Um Gottes willen, nein!
Aha?
Nein. Überhaupt nicht.
Du wolltest ja irgendwie die Reparatur bezahlen.
Ja. In Raten. - Ja, in Raten.
Aber wenn ich ein Auto brauche, musst du mich fahren. - Einverstanden.
Ich verlang von dir auch nur die Hälfte.
Im Ernst jetzt? - Ja.
Keinen Humor?
Haben sie dir den rausoperiert?
Was ist?
Du übertreibst.
Was sagt er?
Dass er sich langweilt.
Okay. Entschuldige.
Ich hab dich falsch verstanden.
Er hat gesagt, du siehst aus wie ein guter Mensch.
Ich rufe Horacio Marini an. - Nein.
Der singt nicht, der jault.
Und Carlos Morel?
Morel würde nie mit uns singen.
Und der... - Nein, der auch nicht.
Wusstet ihr, dass dauernd unzählige Paralleluniversen entstehen,
mit allem, was geschehen kann?
Es gibt also auch ein Universum, in dem Carlos Morel mit euch singt.
Nur, in dem seid ihr leider nicht.
Das ist doch alles sinnlos.
Es gibt auch ein Paralleluniversum, in dem alles sinnvoll ist.
Da seid ihr aber leider auch nicht.
Wir haben geschlossen, Maestro.
Ich dachte, hier wird heute geprobt?
Wollt ihr proben oder quatschen?
Entschuldigt, Jungs, entschuldigt.
Bitte noch mal von vorne. - Klar, Maestro, kein Problem.
So, jetzt geht's.
Also von vorne...
Du irrst umher
und weißt nicht mehr,
welches Gleis
dich weiterführt
Entfremdet von allem Glauben
willst du Meere überqueren
und kannst es nicht
Die Spinne, die du gerettet hast,
hat dich gebissen - egal, so ist's!
Und der Mann, dem du geholfen hast, er tat dir Böses an - was soll's!
Und dieser ganze Karneval des Lebens
trampelt auf der brüderlichen Hand herum,
die Gott dir mitgegeben hat
Welche Entfremdung!
Selbst Gott ist fern
Lügner! Betrüger!
Sonia, was ist los? - Fragen Sie den Scheißkerl da.
Meine Liebe... - Scheiß auf "meine Liebe"! Du Zocker!
Carlos spielt seit Monaten nicht mehr. - Ach!
Und was ist dann das da aus seiner Hosentasche?
Tausendmal hast du geschworen, du spielst nicht mehr.
Ein Mal Quiniela spielen, ist doch nicht so schlimm. - Nein.
Hast du denen gesagt, dass du vor drei Monaten gefeuert wurdest?
Meine Liebe... Bitte geh nicht.
Ich werd mich ändern, versprochen.
Nein, nein, ich gehe nicht.
Du gehst.
Wir gehen nach Hause.
Warum hast du uns nichts gesagt?
Ich wollte nicht, dass ihr euch Sorgen macht.
Welche Entfremdung!
Selbst Gott ist fern
Du weinst in deinem Innern
Alles ist Lüge, alles Niedertracht!
Alles scheint verloren, den Heiland haben sie geschlagen
Vertrau nicht mal deinem Bruder
Jeder hängt sich an dein Kreuz
Und in all deinem Verdruss gelingt dir zum Schluss
nicht einmal der letzte Schuss
Und in all deinem Verdruss gelingt dir zum Schluss
nicht einmal der letzte Schuss
Und dieses Rubato, wenn er singt:
"...welches Gleis
dich...
weiterführt."
Wie er verzögert, mit dem Tempo spielt.
Und diese Melancholie!
"Du irrst umher..."
Diese Brüchigkeit in der Stimme, und gleichzeitig diese Kraft.
Ein wahrer Künstler!
Julito?
Was ist? Hat's dir nicht gefallen?
Natürlich hat's mir gefallen. Es war großartig.
Tortorella ist unglaublich.
Es ist nur... ich wollte dir...
schon lange was sagen...
Ich will irgendwie neu anfangen, Atilio.
Genau! Darum geht's ja!
Unsere Zukunft fängt gerade erst an, Julito.
Das ist eine neue Ära für die "Vecinos",
eine neue Epoche.
Plünderungen in Buenos Aires.
Angespannte Lage in vielen Vororten,
in Morón, San Miguel, José León Suárez,
Lanús und anderen Vierteln.
Die Lage ist angespannt.
Die Leute haben nichts zu essen,
die sozialen Spannungen nehmen zu
in einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen aller Zeiten.
Die Menschen suchen nach Essbarem und nehmen, was sich findet.
Die Gewalt geht weiter und die Polizei...
In so einem Land willst du leben?
Die Ladenbesitzer haben Angst.
Das Land erlebt schwierige Zeiten
und die Regierung gibt keine Antworten.
Hallo. - Hallo.
Hast du hier geschlafen?
Nein.
Kann ich reinkommen? - Ja, klar.
Paula hat gesagt, du willst den Laden verkaufen.
Ist schwer, oder?
Ganz schön verquasselt heute.
Paula will hierbleiben.
Ach was.
Sie ist verliebt, Julio.
Das geht vorbei, wie wir wissen.
Julio...
Sie kann bei mir wohnen und später nachkommen, wenn sie will.
Jetzt plötzlich interessierst du dich für Paula?
Wie oft muss ich dich noch um Verzeihung bitten?
Immer wieder das Gleiche?
Paula wird bald 15.
Wenn du weggehen willst, dann tu das.
Aber du kannst nicht mehr über ihr Leben entscheiden.
Paula tut, was ich sage.
Sie kommt mit.
Wie, "welcher Julio"?
Dem du das Auto geschrottet hast.
Entschuldige...
Zum letzten Mal, Paula, mach die Musik leiser!
Hallo? Also...
Wir haben morgen einen Auftritt.
Tango.
Ich bleib da! Basta!
Einen Moment, bitte.
Spinnst du jetzt komplett, Papa?
Entschuldige. Morgen um acht vor dem "Glorias"?
Schieb dir deine Hupe in den Arsch, du Wichser!
Alles in Ordnung bei den Herrschaften?
Hast du deinen Führerschein auch gefälscht?
Nein, warum? - Nur so.
Alles ist Liebe...
Die Nachtigall singt...
Verdammt noch mal.
Süße,
ich hab einen Renault Fuego Coupé
mit elektrischen Außenspiegeln und 2.300 Kubik.
Ach ja?
In den könntest du mir mal reinfahren.
Ich überleg's mir. - Halt mal, Tito.
Und hör auf damit.
Das wird ein Desaster. - Nein, Maestro, Sie werden großartig sein!
Willkommen. Kommt rein.
Tolles Haus, Jose.
Man muss das Leben genießen.
Du musst öfter mal kommen!
Ich stell dir jemanden vor.
Ich kenn den doch. - Das ist Senator Salinas, mein Chef.
Der mit der Schmiergeldgeschichte im Senat?
Glaubst du alles, was in der Zeitung steht?
Bin gleich wieder da.
Für dieses korrupte Arschloch spiel ich nicht.
Das ist doch nur ein Job, Attilio.
Das ist eine Frage von Prinzipien.
Hör auf, Atilio.
Maestro Tortorella!
Was für eine Ehre! - Danke sehr.
Wie hast du das angestellt, Jose? - Das ist mein Cousin, Julio.
Ich wusste, dass euch das freut. - Ricardo!
Ich dachte, Sie sind schon tot.
Ja, aber die haben mich exhumiert.
Wo liegt der Grund für mein Verlangen, meinen Glauben?
Wo liegt der Grund für meine Unrast?
Wo, wenn nicht in Deinen Träumen, die mich so sehr bestärken?
Wo, wenn nicht im Zauber Deiner Lippen,
die mir die Kraft verleihen, um Dich zu kämpfen?
Alles ist Liebe...
...die Rose und ich...
la la la la
Ich suche die Liebe
Liebe!
Der Käufer hat das Geschäft besichtigt und kauft es inklusive Mobiliar.
Mit der Unterzeichnung dieses Vertrages
wird der volle Kaufpreis in bar und US-Dollar fällig.
Noch Fragen? - Nein.
Wiedersehen.
Hey, Julito, wie geht's?
Alles gut? - Ja. Und dir?
Oben drüber.
Ich will das einzahlen. - Hui!
Hast du 'ne Bank ausgeraubt? - Ja, aber 'ne kleine.
Mist, mein Scheibenwischer ist weg!
Auf der Beifahrerseite braucht man den nicht so dringend.
Es ist alles aus.
Kommen Sie, Maestro.
Ich will nicht mehr.
Sollen wir Sie gleich ins Krematorium fahren?
Gut so.
Und Ihr Sohn, Ricardo?
Ist dem egal, dass Sie aus dem Altenheim geworfen wurden?
Ich hab ihn zum letzten Mal gesehen, als er zehn war.
Warst du ein Arschloch, als du berühmt warst, Maestro?
Ja.
Vorsichtig.
So ist gut.
Gut. Du musst dich mehr bewegen.
Schön langsam.
Siehst du, geht doch!
Prima, ist doch gar nicht so schwer.
Hey, Tito.
Du hast ja noch nichts gemacht! - Entspann dich. Bin schon dabei.
Und der Scheinwerfer?
Den reinige ich gerade. War brutal verdreckt.
Tschuldigung. - Da lang, Maestro.
Der ist ja wirklich Schrott.
Ich musste Pablito Turnschuhe kaufen und so.
Also hier ist...
mehr oder weniger
die erste Rate.
Na ja, also... quasi.
Lass, es eilt nicht.
Doch, du musst es ja verkaufen. - Der hat noch nicht mal angefangen.
Mir wär's lieber, wenn du es nimmst.
Ja, aber... lass. Wann anders.
Gut. Danke. - Bitte.
Klar.
Nein, alles gut.
Das ist ein Bandoneon.
Schau.
Pablo...
Darf ich?
Schließ die Augen.
So ist gut.
"Der Tag, an dem du mich lieben wirst" von Gardel und Le Pera.
Hat's dir gefallen?
Ihr neues Königreich, Maestro.
Was sagen Sie?
Nur Geduld. Daraus machen wir ratzfatz einen Palast.
Immer gleich ist der Weg,
den die Sonne bescheint und vergoldet
Und mir ist, als verlängere ihn das Schicksal,
um mich zu quälen
Der grüne Grund, wo die Distel wächst,
berührt am Horizont den Himmel, fern wie meine Liebe
Und bisweilen sehe ich ein Nest,
das mein Sehnen nährt
Du, mein Leben,
aus der Ferne lieb ich Dich noch mehr
Du, mein Leben,
denk an meine Wiederkehr
Ich weiß, dass Gold
nicht Deine Küsse birgt
Und darum lieb ich Dich noch mehr
Maestro? - Nein...
Du, mein Leben,
außer Atem bin ich,
wenn der Augenblick des Glücks, Dich zu berühren,
näher rückt
Du bist mein Leben
Dich will ich an meiner Seite wissen
und so meine Einsamkeit ertränken
Und nun verblassen langsam
die Farben meiner Pfade
Die Sterne leuchten auf,
verleihen dem Himmel seine ganze Pracht
Die Lichter blinken heller,
wenn die Sonne flieht
Und von allen diesen Lichtern
hast eines Du entzündet
Du, mein Leben,
aus der Ferne lieb ich Dich noch mehr
Du, mein Leben,
denk an meine Wiederkehr
Ich weiß, dass Gold
nicht Deine Küsse birgt
Und darum
lieb ich Dich noch mehr
Du, mein Leben,
außer Atem bin ich,
wenn der Augenblick des Glücks, Dich zu berühren,
näher rückt
Du bist mein Leben
Dich will ich an meiner Seite wissen
und so meine Einsamkeit ertränken
...die Gewinnzahl der Nationallotterie ist die 81...
Scheiße, die 81.
81..."Die Blumen"!
Die Blumen...
Hallo?
Für die Küche
reißen wir hier die Wände raus.
Und was machen wir mit den Regalen?
Die Regale? Die hauen wir weg. - Okay.
Die Drehspieße kommen ins Schaufenster.
Dann muss der Gasanschluss dahin. Und die Theke hier?
Die Theke...
Viel Glück in Deutschland. - Vielen Dank.
Die ist scheußlich. Auch weg. - Perfekt.
Wie?
Warum?
Wieso?
Wann?
Bald, Jungs.
Bald.
Ich hab neulich gelesen,
dass die Sonne immer heller wird.
Wie eine Glühbirne, die flackert, bevor sie durchknallt.
Aus kosmologischer Perspektive ist es also egal, ob Julio bleibt oder geht.
Das mit der Sonne, dass die kaputt geht,
ist natürlich trotzdem blöd.
Ohne Julio lassen wir’s.
Du bist feige.
Das ist alles.
Warum habt ihr mich nicht einfach in Ruhe gelassen?
Was ist los? - Nichts.
Wie, "nichts"?
Nichts.
Ich komm doch mit.
Super, Pauli!
Tolle Entscheidung, meine Süße.
Berlin wird dir gefallen.
Das ist eine super Stadt mit tollen Universitäten.
Und du lernst Deutsch,
das ist eine wichtige Sprache für deine Zukunft.
Wieso? Gewinnen die den nächsten Weltkrieg?
Paula...
Was ist los? Sag.
Er ist ein Arsch!
Wer, Liebes? - David.
Was hat er gemacht? - Der hat seine Ex getroffen.
Solche Titten hat die. Und ich hab nur zwei Mückenstiche!
Der hat keine Ahnung, der David.
Du bist schön, wie du bist. - Ich will nicht so sein, wie ich bin.
Ich will auch große Titten.
Komm.
Komm her, Liebes.
Diese Vertäfelung ist neu, hier ist das Bad...
Entschuldige, Julio.
Stören wir? - Nein, kommen Sie rein, Señor Rossetti.
Tut mir leid, dass du gehst.
Wird schwierig, so einen Mieter wie dich zu finden.
Kommt.
Dieses Zimmer hab ich gemeint.
Ist viel geräumiger als man denkt.
Stellt's euch einfach mit schönen Möbeln vor.
Das wird toll.
Sehr gut.
Alles in Ordnung.
Die Mietdauer beträgt zwei Jahre.
Das Haus wird leer übergeben,
besenrein,
zum 31. Dezember.
Julio, ich beneide dich wirklich.
Ich würde auch abhauen, wenn ich könnte.
...das Abheben größerer Bargeldsummen...
Unser Superminister!
Der einzig fähige Bursche in der Regierung.
Zehn Jahre lang war ein Peso ein Dollar, zehn Jahre keine Inflation.
Der weiß, was er tut.
Wir mussten eine Maßnahme
zur Beschränkung der Bargeldabhebungen ergreifen.
Diese sind nur noch bis maximal
250 Pesos pro Woche
und 1.000 Pesos pro Monat möglich.
Geht doch alle scheißen!
Verpisst euch!
Ihr Arschlöcher!
Ihr Scheißkerle, gebt uns unser Geld zurück!
Señora, hören Sie nicht zu? Das ist ein Erlass der Regierung!
Die Regierung ist scheiße! - Kann sein, aber...
Gabriel, ich brauch mein Geld.
Ich kann dir nur 250 Pesos geben.
Ich scheiß auf 250 Pesos! - Was soll ich machen?
Ich hab alles verkauft! Ich hau ab von hier!
Ich leg 'ne Bombe! Ich weiß, wo du wohnst! - Wachen!
Wachen!
Ich bin hier seit 25 Jahren Kunde. - Werft ihn raus!
25 Jahre!
Die sind die Verbrecher, nicht ich!
Die sind die Verbrecher!
Verdammte Schweine!
Ihr scheiß Arschlöcher!
Solche Dreckskerle.
Zeig mal.
Was ist passiert?
Diese Arschlöcher.
Es gibt doch vieles, was du hier machen könntest.
Du hast hier Freunde, Menschen, die dich lieben.
Dieses Land ist eine einzige Ruine.
Du könntest auf der Straße Bandoneon spielen.
Und die Leute werfen das Geld, das sie nicht haben, in meinen Hut.
Ihr könntet in Altenheimen spielen.
Großartige Idee.
Im Ernst.
Und bieten als Kombipaket die Musik in der Aussegnungshalle mit an.
Sehr gute Idee.
Großartig. - Wirklich.
Ich bin Musiker, ich will nicht für Leichen spielen.
Entschuldige.
Ich vergaß, dass ich mit Astor Piazzolla spreche.
Sieben Mal! Und?
Sehr gut.
Sehr gut.
Schau mal.
Du könntest auf sowas abhauen.
Da arbeitest du mit und sparst dir das Ticket.
Du bist äußerst witzig. - Ja.
Und du hast wirklich ein ganz besonderes Talent.
Ja?
Und zwar?
Du findest für jede Lösung ein Problem.
Eine echte Gabe.
Du willst doch auch nicht ewig ein scheiß Taxi fahren.
Ich hab kein scheiß Taxi.
Es ist vielleicht alt, aber ich hab hart dafür gearbeitet.
Und ich bin stolz, dass ich damit für mich und meinen Sohn sorgen kann.
Ich hab mir oft die Zähne mit Seife geputzt und kaum gegessen.
Aber Pablito hat's nie an was gefehlt.
Bitte entschuldige.
Alles gut.
Und ich fahre sehr gern. Und sehr gut.
Gibt's da einen Trick?
Verarscht du mich?
Du hast das noch nie gemacht?
Nein, noch nie. - Das kann ich mir vorstellen.
Es gibt keinen Trick, du musst...
dran glauben, dass es klappt. Dann klappt's auch.
Das ist alles?
Du musst dran glauben, dass es möglich ist.
Dann wird's auch möglich.
Eigentlich gehen Steine im Wasser unter, aber wenn du
fest daran glaubst, können sie manchmal
sogar auf dem Wasser tanzen.
Na los. Versuch's.
Ich glaub an dich.
Echt?
Julio, du schaffst das!
Ich versuch's.
Immerhin ein Anfang.
Ein Anfang.
Hallo?
Angélica?
Ricardo, bist du's?
Ja.
Wie geht's dir?
Nach all den Jahren?
Das ist mein Lieblingsort in Buenos Aires.
Von hier aus gesehen sind alle Probleme weit weg.
Gefällt's dir?
Sehr.
Ich werde es vermissen.
Hallo, Tito.
Na, du Siegertyp.
Maestro. - Hallo.
Ich arbeite 14 Stunden am Tag
und spar jeden Peso, damit ich überleben kann, wenn ich in Rente geh.
Und jetzt gibt mir die Bank mein Geld nicht mehr?
Soll ich den Kongress in die Luft jagen?
Oder abhauen?
Nein. Das ist mein Land. Ich will hier bleiben.
Tito, ich muss das Auto verkaufen.
Für die Flugtickets.
Entspann dich, bin fast fertig.
Die Scheibenwischer sind weg. - Es regnet ja nicht.
Und die Räder?
Räder sind in Werkstätten eine zirkulierende Masse.
In fünf Minuten sind die wieder dran.
Und der Motor?
Was soll mit dem Motor sein?
Der ist weg!
Willst du ohne Räder losfahren?
Wozu braucht man einen Motor, wenn das Auto nicht fährt?
Du bist ein Arschloch.
Geh mir nicht auf den Sack. Brauchst du das Auto?
Dann ist da in zwei Minuten wieder ein Motor drinnen.
Das war nicht irgendein Motor! Das war eine Symphonie!
Du hast mein Auto ausgeschlachtet! - Warte!
Hör auf, Julio. Das sind doch nur Gegenstände.
Was zählt, ist Freundschaft. Vertrauen.
Hör auf. - Arschloch!
Du bist ein Materialist!
Ich krieg 'nen Motor rein, von 'nem anderen, der nach Europa abhaut.
Den bau ich dir ruckzuck ein. Entspann dich, Julio.
Ich bring dich um, aber nicht jetzt, sondern wenn du schläfst.
Julio! Das ist doch dein Cousin! - Herr Senator?
Was sagen Sie zu den Vorwürfen der Bestechlichkeit?
Haben Sie Unternehmen geholfen, ihr Geld aus dem Land zu schaffen?
Wie können Sie es wagen, mich so etwas zu fragen?
Ich bin unschuldig, das sind Verleumdungen,
alles Lügen, die vor Gericht keinen Bestand haben werden.
Herr Senator, ist das alles, was Sie dazu sagen?
Die Vorwürfe gegen Sie sind massiv.
Das sind Erfindungen von euch Journalisten.
Der Senator hat nichts damit zu tun. Es gibt eine eidesstattliche Erklärung.
Wieso sprech ich mit dem überhaupt?
Wie kommst du dazu, dein Geld zur Bank zu bringen?
Wohin denn sonst, Jose?
In Dollar.
In Dollar!
Wusstest du, dass das passiert?
Der Senator hat doch Kontakte. Kann er mir helfen?
Unglaublich! Woher hat dieses Presse-Arschloch meine Nummer?
Keine Ahnung. Hat irgendjemand geplappert.
Mein Cousin Julio.
Der mit Maestro Tortorella bei mir gespielt hat.
Ach ja, Tortorella.
Sehr schön.
Eine Minute.
Hallo?
Hör mal gut zu, du abnormales Stück Scheiße.
Das war das letzte Mal, dass du mich oder den Senator anrufst.
Sonst sorge ich dafür, dass du kein Telefon mehr halten kannst.
Hast du das kapiert, du Stück Scheiße?
Hast du das kapiert, du Stück Scheiße?
Gut.
Der macht keinen Ärger mehr.
Also...
Gib mir deine Bankverbindung, ich kümmere mich darum.
Danke, Jose. Wirklich.
Hör auf, Julio. Wir sind doch eine Familie.
Meine Frau feiert doch bald Geburtstag.
Wenn Tortorella da singt, würde sie sich riesig freuen.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar.
Das müsste ich erst mit unserem Geiger besprechen.
Ernesto, ich kümmer mich drum. Vielen Dank.
Danke, Jose. - Gerne.
"...unserem Geiger..."
Es ist der Geburtstag seiner Frau. - Der Frau eines korrupten Arschlochs.
Wir bekommen eine Gage!
Geld, keine Empanadas.
Typen wie Salinas richten unser Land seit Jahren zugrunde.
Und für den wollt ihr spielen?
Schämt ihr euch nicht?
Habt ihr keine Prinzipien?
Atilio, was wir nicht haben, ist Geld.
Hör doch auf, Mann.
Was machst du, Atilio?
Warte. Wir reden doch nur.
Polaco, gibt's unter all deinen Paralleluniversen auch eins,
in dem Atilio nicht nervt?
Nein.
Da stößt auch die Unendlichkeit an ihre Grenzen.
Vergiss ein Mal deine Prinzipien. Ein einziges Mal.
Was?
Was, Atilio?
Julio?
Pass mit El Jose auf.
Und hör du mit El Jose auf, Mama.
Die nicht, die nehmen wir mit.
Die hat mir dein Vater aus Salta mitgebracht.
Die ist zu schwer, Mama.
Viel zu schwer.
Als ihr klein wart, hat dir El Jose nie deine Musikkassetten zurückgegeben.
Menschen ändern sich nicht.
Nicht den Bierkrug. - Den fandest du doch immer hässlich!
Ja, aber der ist von Opa August.
Wir haben keinen Container, Mama.
Den kauft sowieso niemand.
Gib her.
Langsam. Was ist los?
Bist du krankenversichert? - Ja.
Ich glaub du musst mal dein Gehirn checken lassen. Du spinnst.
Was ist mit dir los?
Hör mal, ich hab einen kleinen Sohn, und du gehst doch eh.
Außerdem hab ich keine Zeit. Wie stellst du dir das vor?
Was meinst du? - Mein Leben ist schrecklich kompliziert.
Die Liebe und den ganzen Scheiß braucht kein Mensch.
Da drehen immer alle völlig durch.
Ich mag ja ein emotionales Knallbonbon sein, aber ihr Männer!
Ich fand's echt daneben, dass du versucht hast, mich im Auto zu küssen.
Aber... hab ich nicht! - Genau! Wir passen einfach nicht zusammen.
Weg da.
Machst du mal den Kofferraum zu?
Frauen sind eigentlich ziemlich leicht zu verstehen.
Aber nicht für Männer.
Nicht für Männer.
Du wirst niemals verstehen, wie es ist,
tausendmal vor Sehnsucht zu vergehen
Du wirst niemals verstehen,
wie es ist, zu lieben und den Verstand zu verlieren
Was ist?
Julio...
Einen alten Baum kann man nicht mehr verpflanzen.
Geh du.
Wo willst du wohnen?
Keine Sorge, ich finde schon was.
Außerdem wird's Zeit, dass ich mal allein lebe. Mit 75!
Bist du sicher?
Das ist für uns.
Uns?
Ciao, Doro. - Ciao, Dave.
Das ist also David?
Was geht, Julio? Alles cool?
Alles cool.
Liebes...
Ihr habt euch doch getrennt, weil ihm... - Papa, vergiss es!
Das war ein Missverständnis. Er steht nicht auf große Hupen.
Aber du kapierst ja eh nix, Papa.
Stunden der Verzweiflung im gesamten Land.
Die Menschen sind hungrig und gehen auf die Straße.
Die Polizei ist völlig überfordert
und reagiert mit Tränengas und Schüssen.
Es gibt Verletzte und einen Toten in Rosario.
Die ganze Gesellschaft fordert, die Wirtschaftspolitik radikal zu ändern.
Es heißt, der Präsident könnte in Kürze eine Ausgangssperre verhängen.
Atilio! Es ist Julio.
Sag ihm, ich bin nicht da.
Die Wut der Menschen ist groß
angesichts der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten...
Du gehst allein?
Was weiß ich, Atilio.
Ich hab die Hoffnung verloren, dass es hier jemals besser wird.
Erinnerst du dich, als Graciela und ich auf Ibiza waren?
Wir wollten eigentlich dort bleiben.
Weißt du, warum wir zurückgekehrt sind?
Du hast die Schule vermisst.
Kann man so blöd sein?
Ich hab gedacht, hier verdiene ich miserabel,
dieses Land wird von einer korrupten Bande regiert,
meine Schüler geben einen Scheißdreck auf Geschichte.
Aber dann habe ich gedacht...
Vielleicht nehmen sie ja doch etwas mit, von dem, was ich erzähle.
Keine Jahreszahlen oder die Namen von Schlachten. Das ist unwichtig.
Aber vielleicht ein Gefühl dafür, was Geschichte bedeutet.
Dass es einen Unterschied macht,
ob man auf der Seite der Mörder und Korrupten steht,
wie die Leute, die unser Land regieren,
oder auf der Seite derer, die arbeiten,
der Ehrlichen,
die sich jeden Tag einsetzen für ihr Land.
Auch wenn's nur Tango spielen ist,
und das nicht mal sehr gut,
in einem runtergekommenen Laden ohne Publikum,
mit drei Empanadas als Gage.
Julito...
Man muss für das kämpfen, woran man glaubt.
Selbst wenn es ein aussichtsloser Kampf ist.
Ibiza war wunderschön.
Die Strände...
alle baden da nackt...
Aber...
Ich brauch deine Hilfe, Atilio.
Lass uns noch ein Mal spielen.
Ein letztes Mal.
Danke, dass du gekommen bist.
Danke, dass du angerufen hast.
...die Wut der Menschen wächst.
Die Polizei geht hart gegen die Demonstranten vor,
und niemand weiß, wo das enden wird.
Wir sind auf der Plaza de Mayo.
Immer mehr Menschen kommen hierher, aus allen Bevölkerungsschichten.
Arbeitslose, Arbeiter, Geschäftsleute, manche sogar mit ihren Kindern...
Tut mir leid, in der Stadt ist die Hölle los.
Sogar beim lieben Gott,
dem flutschen gerade die Engel aus der Hand.
Hallo. - Hallo.
Alles okay?
Nein.
Was ist los? Liebeskummer?
Es gibt ein Problem. Die Sonne geht kaputt.
Das ist natürlich blöd.
Wo ist Atilio?
An alle Wagen:
Aus der ganzen Stadt ziehen Demonstranten in Richtung Zentrum.
Meiden Sie den Obelisco, das Kongresszentrum,
meiden Sie die Plaza de Mayo, meiden Sie das Stadtzentrum.
Meiden Sie am besten ganz Argentinien.
Alle müssen weg!
Kein einziger darf bleiben!
Dass die Welt ein Saustall ist,
das weiß ich längst
Das war sie schon im Jahre 506
und ist sie auch im Jahr 2000
Es gab schon immer Gauner,
Machiavellisten und Betrogene,
Zufriedene und Verbitterte,
Ehrbare und Taugenichtse
Dass aber das 20. Jahrhundert ein Aufmarsch an dreister Bosheit ist,
das kann niemand länger leugnen
Wir alle leben in einem Wust
und suhlen uns im gleichen Schlamm
Es macht keinen Unterschied mehr,
ob du anständig bist oder ein Verräter,
ignorant, weise, ein Bandit,
ehrbar oder Dieb
Alles ist gleich
Nichts ist besser
Ein Esel ist einem großen Professor gleichgestellt
Keiner bleibt mehr sitzen
Keiner steigt mehr auf
Die ohne Moral
sind den Guten gleichgestellt
Wenn einer von Verleumdung lebt,
ein anderer aus Habgier stiehlt,
dann ist es gleich, ob einer Priester ist,
Nichtsnutz oder Ass,
Schurke oder Schwindler
Welch ein Mangel an Respekt!
Welche Beleidigung der Vernunft!
Jeder ist ein Herr,
jeder ein Bandit
Alle sind gleich: Stavisky,
Don Bosco und La Mignon,
Don Chicho und Napoleon,
Carnera und San Martin
Wie der Krimskrams in den Fenstern der Trödelläden
hat das Leben sich verwirrt
Dort siehst du eine Bibel, verwundet von einem abgewetzten Säbel,
mit Tränen an einem Kessel lehnen
20. Jahrhundert, du Trödelladen,
verwirrt und fieberkrank
Wer nicht heult, kriegt keine Brust
Wer nicht raubt, ist ein Idiot
Mach nur so weiter!
Immer weiter so!
In der Hölle treffen wir uns wieder
Hör auf zu denken
Bleib ruhig abseits sitzen
Es kümmert keinen, ob du ehrenhaft geboren bist
Es ist gleich,
ob du Tag und Nacht schuftest wie ein Ochse
oder auf Kosten anderer lebst,
mordest oder heilst,
gesetzlos bist
Hallo.
Also...
Wollt ihr was trinken?
Ein Glas Wasser? - Nein, danke.
Wann fährst du?
Am Mittwoch.
Ihr könnt mich ja mal besuchen.
Ja klar.
Du kannst uns ja mal 'ne Postkarte schicken.
Gute Reise.
Danke.
Ciao, Pablito.
Du bist ein Großer.
Gehen wir?
Die 17.
"Das Elend".
Vielen Dank, Maestro. - Gute Reise.
Maestro, es war mir eine Ehre. Vielen Dank.
Ich hab dich lieb! - Ich dich auch.
Gute Reise, Julio.
Viel Glück, David. - Danke.
Ciao, mein Schatz.
Hier sind Rettungsboote.
Da sind Rettungsboote.
Da drüben sind noch mehr.
Wenn wir absaufen,
einfach hier draufdrücken, dann bläst sich das auf.
Aber vielleicht saufen wir ja nicht ab.
Du hast dich richtig entschieden, Alter. Hier gibt's keine Zukunft.
Ich bin vor 30 Jahren weg und mir geht's blendend.
Ich komme rum in der Welt, bin frei,
kann machen, worauf ich Bock hab.
Krieg gutes Fressen. Sogar im Urlaub bekomm ich Geld.
Seit ich klein war, geht hier alles den Bach runter.
Das wird sich auch nie ändern, Alter.
Vergiss es.
Keiner weiß so genau, wie man leben soll.
Man versucht jeden Tag sein Bestes, aber...
irgendwann kommt der Moment, in dem man denkt,
woanders, auf der anderen Seite des Ozeans, wird alles besser sein.
Ich hab ja mein Erspartes in den BH eingenäht.
Ich bring doch mein Geld nicht zur Bank.
Aber erst wenn man aufbricht,
begreift man, dass das, was man zurücklässt,
das Wichtigste ist im Leben.
Die alltäglichen Dinge,
die unbedeutend erscheinen. Der Blick deiner Tochter.
Die Straßen in deinem Viertel, voller Erinnerungen.
Die Gespräche mit deinem sturen Freund,
der dir dauernd auf die Nerven geht und behauptet,
dass Schwierigkeiten Möglichkeiten sind.
Und dass man im Leben Prinzipien haben muss.
Der ist doch von einer Sekte.
Klappe halten, sonst fliegt ihr raus.
Oder eine Taxifahrerin,
die über Rot rast, dein Auto schrottet
und dein Leben in eine völlig neue Richtung lenkt.
Ich bin nicht über Rot gefahren!
Kennen Sie den?
Die mich gelehrt hat, dass es das Wichtigste ist,
wenn man fällt, immer wieder aufzustehen.
Immer wieder.
Und die mir den Glauben an die Liebe wiedergegeben hat.
So ein Kitsch!
Klar geht es uns schlecht und keiner weiß, wie wir da wieder rauskommen.
Das weiß ich.
Doch auch wenn es unmöglich erscheint,
können wir es schaffen, gemeinsam, wenn wir an uns glauben.
So wie mit den Steinen,
die eigentlich untergehen,
aber wenn wir fest daran glauben,
manchmal...
auf dem Wasser tanzen.
Zwischendurch wird's schon mal ziemlich krachen.
Ich weiß.
Du bist über Rot gefahren, du blöde Kuh!
Ja.
Steigst du ein?
Nein!
Bloß da zu sein, während die Zeit verrinnt,
bedeutet zu vergehen, nicht zu leben
und nicht das Leben ehren!
Es gibt so viele Weisen, nicht zu sein,
so viel Bewusstsein, das in tiefen Schlaf gefallen ist
Das eigene Leben zu verdienen bedeutet nicht, zu schweigen
und all das Unrecht hinzunehmen
Es erfordert Tugend,
Würde,
klare Haltung zum eigenen Selbst
Bloß da zu sein, während die Zeit verrinnt,
gibt uns kein Recht, uns dessen noch zu rühmen
Denn das Leben nur zu leben ist etwas anderes
als das Leben ehren!
Nein!
Bloß da zu sein, während die Zeit verrinnt,
bedeutet nicht, das Leben ehren
Es gibt so viel Eitelkeit
in unserem verblendet blöden Sein
Das Leben zu verdienen heißt aufrecht stehen,
fernab des Bösen, trotz des Strauchelns
Es bedeutet: der Wahrheit
und unserer eigenen Freiheit
ein Willkommensgruß!
Bloß da zu sein, während die Zeit verrinnt,
gibt uns kein Recht, uns dessen noch zu rühmen
Denn das Leben nur zu leben ist etwas anderes
als das Leben ehren!
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