All language subtitles for Das schweigende Klassenzimmer 2018 HD BluRay.x264.SRTdeutsch

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Original subtitles

Achtung. Auf Gleis drei hält Einfahrt:

Der Triebwagenzug aus Stalinstadt.

Mit Weiterfahrt in den amerikanischen Sektor...

Von Westberlin.

Transitreisende müssen ihren Ausweis bereit halten.

(Spannungsvolle Orchestermusik.)

- So, schönen guten Tach.

- Ihre Papiere bitte.

Was ist denn das?

Meine Zahnbürste.

Wollen Sie ausreisen?

- Nein. Ich bin Page.

- Hotelpage drüben im Kempinski.

Ich hab nur 'ne Nachtschicht. Die ist für morgen früh.

Danke.

- Und wohin wollt ihr?

Südstern.

Wir besuchen das Grab meines Großvaters.

Und du latschst nur mit, oder wie?

Nö, hab 'n grünen Daumen.

(Musik blendet aus)

- Alles Gute zum Geburtstag, Opa.

Werd' ich nie verstehen wie sich einer tot schießen lässt.

Für nix und niemanden?

Ne Kurti... Tot ist tot.

(Kirchenglocke)

(Schnelle heitere Orchestermusik)

Mensch Kurt, wir müssen los!

Mensch Theo, haste gesehen? Guck was die für Radios haben.

Ja aber wir müssen ins Kino.

Komm.

Boa!

(Autohupe)

Liane.

Und wie soll das jetzt gehen ohne Geld?

Na... Lass mal kiecken.

Das ist es!

Bist du dir sicher?

(Musik blendet aus)

Ihre Karten bitte. Danke, viel Spaß.

- Das wird doch nie was. - Jetzt warte doch mal.

- Danke, viel Spaß.

- Wir waren schon drin. - Danke.

(Fröhliche Orchestermusik)

Hey, übrigens nochmal vielen Dank.

Wir sind gerade mit euch reingekommen.

Ja, das haben wir bemerkt.

(Musik endet)

Ungarn. Das Volk begehrt gegen die sowjetische Besatzung auf.

In Budapest demonstrierten am vergangenen Sonntag...

100.000 Menschen für Pressefreiheit, freie Wahlen und...

Das Ende der sowjetischen Vorherrschaft.

Sie fordern eine Regierung...

Unter Oppositionsführer Imre Nägy.

Mensch Theo, die schmeißen die Russen raus.

"Nie wieder Knecht sein" riefen diese Studenten...

Und verbrannten anschließend die Fahne der verhassten Besatzungsmacht.

Als die Demonstranten jedoch versuchten...

Das Rundfunkhaus zu erstürmen,

reagierte die Staatsmacht mit Gewalt.

Mutig wehrten sich ungarische Freiheitskämpfer...

- Schau mal was da los ist. Gegen die Übermacht der Sowjetpanzer.

Die ungarische Armee, die den Aufstand beenden sollte,

schloss sich jedoch dem Aufstand an.

Ungarn schießen nicht auf Ungarn, so die Devise.

Die Panzerverbände wurden so aus der Stadt vertrieben.

Ist das die Stunde des Sieges für Ungarns junge Freiheitskämpfer?

Hallo Theo.

(Gespräche auf Russisch)

- Da sind sie.

- Tagchen Evi. - Schönen Abend auch.

Machst du uns 'ne Runde?

- Hallo. - Hallo.

- Und, ward ihr im Kino?

- Klar. - Ja und? Habt ihr die Möpse gesehen?

- Ja, aber vor allem... - Und sind die so scharf?

Sie ist die ganze Zeit oben ohne?

- Sie ist den ganzen Film oben ohne.

- Pst. - Na, Evi.

Weil's da so heiß ist im Dschungel.

Mensch Meier, ey.

Ich will auch Lianes Titten sehen.

- Du kommst doch mit Erik?

Auf keinen Fall guck ich mir den Dreck an.

Wir haben noch was anderes gesehen. Die Wochenschau.

- Ah, er hat die Wochenschau gesehen. - Waren da auch nackte Mädels drin?

Nein, die haben den Ungarnaufstand gezeigt.

Hunderttausende fordern den Abzug der Russen.

Das ist 'ne Konterrevolution, von Faschisten angeführt.

Hier.

- Ungarn schlägt Konterrevolution nieder.

Am 23. Oktober versuchten ausländische Imperialisten...

In Ungarn einen konterrevolutionären Putsch...

Gegen die Sozialisten zu starten.

- Aber Imre Nägy ist ihr Anführer. - Was für ein Aufstand überhaupt?

Mann Paul, du Hohlkopf.

Fakt ist, dass sie versuchen, die Russen nach Hause zu schicken.

Und das ist doch großartig.

Genau, können die Knallköpfe endlich Leine ziehen.

Raus hier.

Scheiße, wohin?

Rennen los! Komm.

(Spannungsvolle Musik)

Komm Kurt, komm!

(Rufe auf Russisch)

(Musik blendet aus) Es war nur ein Scherz.

Mensch Kurt, steh auf!

- Danke. - Du auch? Klößchen?

Nein.

- Vater?

Führen wirklich Faschisten den ungarischen Volksaufstand an?

Die Situation in Ungarn ist kompliziert, Kurt.

Erklär sie mir doch bitte.

Ich verfüge auch nicht über die Kenntnis aller Einzelheiten.

Die Berichte kommen zeitverzögert.

Versteht nur, dass in Ungarn eine Konterrevolution...

gegen die sozialistische Volksmacht im Gange ist.

Vermutlich ist es so wie bei unserem Aufstand '53.

Da hatten auch ausländische Provokateure ihre Hände im Spiel.

Wir haben heute im Betrieb auch darüber gesprochen.

- Warst du wieder im Westen?

War er wieder am Grab deines Vaters?

- War doch sein Geburtstag, ich hab nur ein paar Blumen gebracht.

Ihr bringt mich in Schwierigkeiten, versteht ihr das nicht?

Wenn der Sohn des Vorsitzenden des Rats der Stadt in den Westen fährt,

um Blumen am Grab eines SS-Mannes niederzulegen.

- Er war nur ein Panzergrenadier. - Bei der Waffen-SS.

Wo hast du die Bilder vom Ungarnaufstand gesehen, im Kino?

War das Theos Idee?

(Sanfte klassische Musik)

- Theo.

- Karl, Jakob.

Los jetzt Kinder!

Familie Lemke, fertig werden.

- Bin schon fertig. - Muss noch den Haferschleim essen.

Schnell, Vati schreit schon.

- Jaja. - Jakob?

- Ich bin gleich fertig. - Karl, los jetzt.

Was wird denn das?

- Ein Kleeblatt.

Vierblättrig.

Komm.

(Musik wird lauter)

(Schulklingel)

Vati, warte kurz.

Tschüss, Theo.

- Hab dich lieb, Theo. - Ich dich auch.

(Musik blendet aus)

Theo?

- Theo? - Hä?

Du schreibst im Frühjahr Abitur.

Konzentrier dich darauf, das ist wichtig.

- Ja, ich weiß.

Mach dir mal keene Sorgen. Ich hab alles im Griff.

Ich bin stolz auf dich, mein Junge.

- Morgen Theo. - Morgen.

- Guten Morgen Wölkchen. - Morgen Theo.

- Ich hab dir was mitgebracht. - Wirklich? Was denn?

- Ein Glücksbringer für's Abitur.

- Ist ja wahnsinnig selten. - Och, naja.

Hebst du's für mich auf, damit's nicht verloren geht?

- Klar.

(Läuten)

- Schnell, Fahnenapell.

- Pioniere und FDJ Mitglieder, stillgestanden.

Wir eröffnen diesen Fahnenappell mit dem Gruß der Pioniere...

Für Frieden und Völkerfreundschaft. Seid bereit!

Immer bereit!

Und dem Gruß der freien deutschen Jugend, Freundschaft.

Freundschaft!

- Haben die Russen euch erwischt? - Ja, ist aber nix passiert.

Du hast echt 'nen Vogel. Das hätte Ärger geben können.

Was war denn?

Theo hat 'nem Russen eine Nuss an den Kopf geworfen.

Wieso das denn?

Naja, wegen den Ungarn.

Hast du auch eine geworfen?

Nee.

Der Aufstand ist so mutig von den Ungarn.

- Morgen. - Morgen Paul.

Wenn euch der Aufstand so interessiert,

könnte man später zum alten Edgar gehen...

Und RIAS hören, oder Paule?

Nee weiß... nee.

Doch, im Westen wird anders berichtet als hier.

Ist doch nur Propaganda und es ist verboten.

- Also ich würd' mitgehen. - Dann bin ich auch dabei.

- Ja, aber wir gehen nicht.

Mit euch Pfeifen hätten wir den Krieg in der Tschechei verloren.

Ich würde ihm eine Kugel durch sein Nazihirn jagen...

Und damit die Wand vollspritzen.

- Ist ja ekelhaft, Erik. - Ist doch wahr.

Komm schon Paule!

- Meine Eltern reden nicht mit Edgar. - Muss doch keiner was erfahren.

- Geh nicht zu Edgar Paule, du weißt, - Ruhe da!

Dass der dich ganz heiß findet, wa?

Blödsinn. Wir sind doch alle zusammen.

(Ruhige Harfenmusik)

Na, du bist angemacht worden.

- Du musst dir keene Sorgen machen. - Nö, mach ich auch nicht.

Hier wohnt noch jemand?

Ja, mein Großonkel.

Was ist denn passiert?

Die Russen haben ihm '45 den Hof abgefackelt.

Hab' meinen Onkel gefunden.

(Musik blendet aus)

- Paulchen.

- Mein Lieber.

Schön, dass ihr den alten Edgar mal besuchen kommt.

Wir haben 'ne Frage, Edgar.

Wir wüssten gerne, wie man im Westen über den Ungarnaufstand berichtet?

Ja.

Und da kommt ihr zum alten Edgar, ja?

Wollt ihr heimlich RIAS hören?

Da seid ihr an der richtigen Adresse.

- Dann kommt mal mit.

Kommt rein, kommt.

(Glockenschlag)

Hier ist RIAS Berlin. Eine freie Stimme der freien Welt.

Ungarn: Gestern Nacht mussten die aufständischen Ungarn...

In ihrem Kampf um Freiheit gegen die russische Besatzungsmacht...

Tragische Verluste hinnehmen.

Die Anzahl der gefallenen Freiheitskämpfer...

Konnte nicht genau ermittelt werden.

Schätzungen zufolge handelt es sich um mehrere hundert Gefallene.

Unter ihnen auch der Kapitän der ungarischen...

Fußball-Nationalmannschaft, Ferenc Puskäs.

Puskäs ist tot?!

- Mensch, Hunderte sind da gefallen!

...Setzte die russische Armee wieder ihre Panzerdivision ein,

um gegen den Freiheitswillen des unterdrückten Volks vorzugehen.

In Straßburg erhoben sich daher die Abgeordneten des Europarates...

Und verharrten im Angedenken an die gefallenen ungarischen Volkshelden...

Zwei Minuten in Schweigen.

(Schulklingel)

- Hört mal alle.

Wir machen 'ne Schweigeminute. Wegen den Ungarn.

Was?

Wir sagen nichts. Zwei Minuten lang.

In Angedenken der gefallenen Genossen.

Spinnst du, Kurt?

Wieso? Wo liegt der Sinn,

dass Sozialisten Sozialisten töten?

- Ja, Recht hat er. - Du kapierst es nicht.

- Faschisten und Kapitalisten wollen die Sowjetunion kaputt machen!

- Schwachsinn.

- Einer der Faschisten, den sie erschossen haben,

war dein Idol, Ferenc Puskäs!

- Puskäs ist tot?

Das ist nicht wahr.

Doch, Erik. Puskäs ist tot.

- Was?

Imre Nagy führt die Opposition. Er ist Sozialist, kein Rechter,

das weißt du genau.

Genau, die Russen sollen die Biege machen.

Damit du nicht bis zum Ku'Damm musst, für Tittenfilme.

Mosel kommt gleich! Stimmen wir ab.

Wer ist für eine Schweigeminute?

- Die Ungarn, die da sterben, sind so alt wie wir!

Zwölf. Mehrheit.

Ist mir doch völlig egal.

Wir wiederholen den Stoff.

- Die vorrevolutionäre Situation in Deutschland!

Wie war die Haltung der SPD im Jahr 1918?

(Tickende Uhr)

Hm?

- Paul?

Nein, nichts.

- Das gibt dann wieder eine fünf, Paul.

Nimm die Hände aus den Taschen, wenn ich mit dir rede!

Kurt, sag du es uns.

Kurt, ich weiß, dass du es weißt.

Wieso sagst du nichts?

(Ticken wird lauter)

(Mehrere Uhren ticken)

Wieso sagst du nichts, Kurt?

(Spannungsvolle Klaviermusik)

Und du, Theo?

Sehr lustig, was?

Sag was, verdammt!

Ich will wissen, was hier los ist.

Ich will wissen, was hier gespielt wird.

Was...

...Ist hier los?

(Musik wird lauter)

Ich will wissen, was hier los ist!

Das ist ein Zeichen des Protests.

Was sagst du?

- Wiederhole bitte was du gesagt hast.

Zeichen des Protests.

Protest, gegen was?

Gegen mich?

(Tür fällt zu. Musik stoppt. Ausatmen)

- Kommt Theo, lass mal eine rauchen.

Hört mal alle. Wir waren noch nie so sehr eine Klasse wie heute.

Mensch Kurti, komm doch mal wieder runter.

Ich finde, wir sollten die Sache nicht überbewerten.

Sind gute Schüler, unsere Abiturienten.

Überzeugte Sozialisten.

Wir machen doch gute Arbeit hier, Genosse.

Oder meinst du, wir müssen uns hier was vorwerfen lassen?

Nein.

Wer weiß, was die geritten hat, wa?

Ich finde, wir sollten die Sache unter uns behalten.

Du weißt ja, wer jede Wolke fürchtet, taugt zum Bauer nicht.

Ja, wenn du meinst.

- Genosse Ringel, einen Augenblick, wir sind gleich fertig.

Ich komme in der selben Angelegenheit.

- Genosse Mosel hat mich bereits über den sagenhaften Ungehorsam...

- Der Abiturienten informiert.

(Paukenschläge)

Ahrgh...

(Pfeife)

Spinnst du?

- Willst du auch noch eine? - Schluss jetzt!

Das war ein ganz böses Foul, Erik.

Geht schon wieder.

Theo!

- So, Feierabend. Unter die Dusche und dann nach Hause.

- Du sollst zum Direktor.

- Sag ja nichts zu Papa. - Ja, klar.

- Herein.

(Teekessel pfeift)

Komm rein, Theo. Komm.

Sie wollten mich sprechen?

Äh, ja.

Tee?

Gerne.

Na setz dich.

Setz dich.

- Zucker? - Gerne.

Wie geht's?

Gut.

- Und der Familie auch?

Ja, denen geht's auch gut.

Schön und dem Vater?

Na dem auch, ja.

Arbeitet hart, wa?

Mhm, jaja.

- Weißt du, Theo, ich war auch mal ein einfacher Arbeiter.

- Landarbeiter.

Ich wäre mein Leben ein Arbeiter geblieben, wie dein Vater.

Und du vermutlich auch.

Wenn die Genossen nicht Menschen wie mir die Möglichkeit gegeben hätten,

- Neulehrer zu werden und so eine wunderbare Schule hier zu leiten.

Der Sozialismus ist noch nicht perfekt.

Aber der ist gut.

Für uns ist der gut.

Ich weiß. Sie wollen jetzt sicher wissen warum...

Nee, Ich will gar nichts wissen.

Ich will einfach nur mit einem Schüler,

der aus ähnlichen Verhältnissen stammt...

Und nächstes Jahr Abitur machen darf, einen Tee trinken.

- Ich sitze hier ja nicht mit einem kleinbürgerlichen Pinkel,

- der sich für was Besseres hält, sondern mit einem, der weiß,

dass wir Arbeiter zum ersten Mal eine Chance haben.

Eine historische Chance. Eine Zukunft.

Und die wollen wir uns nicht verbauen.

Theo, du kannst nächstes Jahr Abitur machen!

Und dann steht dir die Zukunft offen.

Und wenn man so kurz davor mal nichts zu sagen hat,

dann ist das nicht schlimm.

Aber wenn eine ganze Klasse für zwei Minuten nichts zu sagen hat?

Wenn alle schweigen?

Das ist schon merkwürdig, Theo.

- Das kann man kaum glauben, oder?

- Dafür muss es eine Erklärung geben.

(Ruhige Harfenmusik)

Dafür brauchen wir eine Erklärung.

Die Bauern sagen:

Wühlt im Herbst der Regenwurm,

bringt der Winter Frost und Sturm.

Und auf einen Sturm bereitet sich der schlaue Bauer vor.

- Gute Nacht, Theo.

Gute Nacht, Herr Direktor.

(Musik blendet aus)

Die Lage in Ungarns Hauptstadt Budapest...

scheint sich zunehmend zu klären.

Nachdem Hundertausende für Meinungsfreiheit,

für freie Wahlen und für mehr Unabhängigkeit...

von der Sowjetunion demonstrierten,

gab heute Oppositionsführer Imre Nägy...

seine neue Regierung bekannt und erkannte die Revolution an.

Die Sowjetunion kündigte an, sich militärisch...

aus Ungarn zurückzuziehen.

Die Hauptstadt Budapest wurde bereits von den russischen Truppen...

an die neue Regierung übergeben.

- Theo, Theo hast gehört, die Russen ziehen ab.

- Was ist denn hier los?

Theo, sie haben es geschafft.

Die Russen ziehen ab, die Ungarn haben eine neue Regierung.

(Schnelle Blues Musik)

Tanzen Kinder, tanzen!

Ist doch ein Grund zum Feiern.

Auf die Freiheit der Völker.

Auf die Freiheit.

(Ruhige Jazz Musik)

Kommst du mal, Wölkchen?

- Was ist denn? - Ich will dir was zeigen.

(Musik blendet aus)

- Theo?

Entschuldigung, wir gehen jetzt.

- Äh nee, warte mal.

- Die sollen kurz warten, komm mal.

- Ich hab noch was zu sagen.

- Ne ne, wartet nochmal, geht nochmal rein bitte.

Ja, ich hatte vorher so ein ganz merkwürdiges Gespräch...

Mit dem Direktor Schwarz.

- Wieso, was hat er denn gesagt?

Ja, der meinte, dass sich da was zusammenbraut.

Wieso, was denn?

Irgendwas von 'nem Regenwurm im Herbst...

Und dass ein Sturm kommt, oder so.

- Ja Mensch, ich hab's vergessen, aber die Botschaft war deutlich.

Die werden die Schweigeminute untersuchen.

- Was?

- Er hat Angst um seinen Posten.

Und er meinte, das kann uns das Abitur kosten.

- Wieso das Abitur?

- Weil eine Schweigeminute eine unliebsame,

politische Demonstration ist.

Ja, wie auch immer.

Ich habe aber drüber nachgedacht und eine Lösung gefunden:

- Wenn jemand fragt, warum wir geschwiegen haben,

dann sagen wir, weil Puskäs gefallen ist.

- Wer? - Der Fußballer Ferenc Puskäs, genau.

Wir haben für ein Idol geschwiegen.

Aus Sportbegeisterung, nicht aus politischer Überzeugung.

Aber das stimmt nicht.

Nee, das ist 'ne Ausrede,

sonst gibt's Stunk.

- Wir sollen uns unpolitisch zeigen? - Genau

Die Russen ziehen ab.

Die Ungarn haben gewonnen. Die Sache ist doch vorbei.

Wir brauchen eine Ausrede.

Ich will mich aber nicht rausreden.

Lena hat Recht. Wir können uns nicht mit Puskäs rausreden.

Was nützt die Revolution, wenn sie nur in unseren Köpfen ist?

Die Revolution?

Sag mal, habt ihr es nicht ein bisschen kleiner?

Man muss sich manchmal durchmogeln, so ist es.

Theo hat Recht.

- Das kann tierischen Ärger geben.

- Darf ich mal 'ne Frage stellen?

Warum braucht ihr ein Abitur?

Weil ihr...

Ihr scheint doch große Pläne zu haben.

Warum braucht ihr also ein Abitur?

- Ich geh mal davon aus,

dass ihr einfach nur nicht...

so wie eure Eltern den ganzen Tag in der LPG schuften wollt?

Nein, ich glaube an den Sozialismus.

Aha.

Das ist gut.

Man muss an etwas glauben.

Sonst geht es nicht.

An den Sozialismus oder Kapitalismus oder an den König.

- Ganz egal.

Wichtig ist,

dass man sich einem System...

unterordnet.

Ja, aber das habt ihr nicht gemacht.

- Ihr habt was anderes gemacht,

- als ihr euch mit den Ungarn solidarisiert habt.

Ihr habt euch als...

Freidenker zu erkennen gegeben und das mag kein System.

Das Individuum...

muss sich fügen, sonst gibt es Anarchie.

- Eine Idee der ich nicht abgeneigt bin...

- Aber das tut jetzt nichts zur Sache.

- Habt ihr verstanden, was ich euch sagen will?

- Ja.

Ihr seid jetzt Staatsfeinde.

- Pff, was?

- Ihr seid Staatsfeinde, weil ihr...

frei gedacht habt und aus diesen Gedanken Taten folgten.

Und da glaube ich schon, dass euer Direktor recht hat, wenn er sagt,

- dass sich da ein Sturm zusammenbraut.

Gut, ich schlage vor, dass wir abstimmen.

Gut. Wer ist für die Ausrede?

Und wer für unsere Solidaritätsbekundung?

Nee Kurt, diesmal machen wir es geheim.

Ja bitte.

Es gab schon genug Ärger mit Erik.

(Spannungsvolle Musik)

Die Mehrheit ist für die Notlüge.

(Gemurmel)

(Ruhige Klaviermusik)

Oh oh.

- Mensch, Kurti.

Hast du noch 'ne Zigarette?

Meine Letzte.

Danke.

Teilen?

Auuuuh!

Aaaa!

- Aaaaaah! - Aaaah!

- Aaaaaaaaah! - Jaaaaah!

- Ahh. - Richtig!

Los Kurt, du bist doch auch sauer! Lass es raus!

- Aaaaaah! - Aaaah!

- Aaaaaaaaah! - Jaaaaaaaaaaaah!

Wohooo!

(Hunde heulen)

Wir haben noch ein Problem.

Erik muss mitmachen.

(Klingel)

- Abend. - Abend.

- Tut uns leid, dass wir so spät noch stören. Ist Erik da?

Ja, er wird sich freuen.

Erik!

- Was wollt ihr denn?

Lass den Scheiß, Mann. Lass das.

Die Russen zieh'n aus Ungarn ab.

Und woher wisst ihr das?

RIAS.

Ward ihr wieder bei Edgar, hm?

Gefällt dem, wenn die Jungs auf seinem Sofa fläzen.

- Mensch, ist doch gut jetzt, Erik.

Schwarz sagt, es wird untersucht.

Ja sicher.

- Wir wollen alle sagen,

dass die Schweigeminute nur in Angedenken an Puskäs war.

Also...

Unpolitisch.

Genau.

Und du siehst das auch so, Kurt?

Ist 'ne Mehrheitsentscheidung.

Wenn du sie mitträgst, machen die anderen auch mit.

Das ist keine Antwort. Bist du dafür?

Nein, ich bin dagegen. Aber ich füge mich.

Na,und?

Ja, ich bin dabei.

Freundschaft.

Freundschaft.

Ihr schreibt bitte alle Kapitel 3 ab.

Und du, Lena, gehst bitte zum Direktor.

Jetzt, Lena.

Herein.

Freundschaft.

Guten Morgen, Lena. Setz dich doch, bitte.

Genossin Kessler vom Kreisschulamt hat einige Fragen an dich.

Es geht um die Schweigeminute, die ihr...

Im Geschichtsunterricht veranstaltet habt.

Warum habt ihr geschwiegen?

Wir dachten...

Also...

Entschuldige, Lena.

Wir kennen uns nicht.

Ein gesunder Oppositionsgeist ist an unseren Schulen immer willkommen.

Ich möchte nur verstehen, weshalb ihr geschwiegen habt.

Weil Puskäs gefallen ist.

Wer bitte?

- Puskäs

Ein Fußballer.

Weil Puskäs gefallen ist.

Es hieß, dass er beim Ungarnaufstand starb.

Da waren wir traurig.

Er ist doch ein Vorbild.

Du willst also damit sagen,

dass ihr den Lehrer Mosel veralbert habt,

weil ihr sportbegeistert seid?

Ja.

Aber das ist ja dann etwas ganz anderes.

Erik, du sollst...

- Zum Direktor.

Kreisschulrätin.

Theo.

- Du sollst das Klassenbuch mitbringen.

Wo sitzt du, Theo?

Ihr habt also bei dem Schweigen der gefallenen Ungarn gedacht?

Nur aus Trauer um Puskäs.

- Sie wissen schon, der Major.

Jahrhundertspiel '53, 6:3 gegen England.

- Rückspiel 7:1.

Nicht aus politischen Gründen?

Nee, nicht politisch. Gar nicht.

Wer hat denn damit angefangen?

Kam aus der Gruppe. Wurde so rumgeplaudert.

Weiß nicht von wem.

Erik hat aber behauptet, du hättest angefangen.

Das kann nicht sein.

Eine Sportbegeisterte Klasse.

Es wird dich freuen zu hören,

dass Ferenc Puskäs nicht tot ist.

Erlebt?

- Ja.

Eine Fehlmeldung des RIAS.

Westpropaganda.

Nun frage ich mich natürlich, wo...

Und warum hört ihr den Sender des Feindes?

Gar nicht.

Wurde auch so rumgeflüstert.

Na Spitze.

(Schulklingel)

(Dramatische Paukenschläge)

Erik.

Was hast'n denen für einen Quatsch erzählt?

Was meinst du?

Ringel hat gesagt du hättest mich als Anführer benannt.

Die wollen uns gegeneinander ausspielen. Ist doch klar.

Du hast also nichts gesagt?

Nein.

Sicher?

Glaubst du, ich lüge?

- Du oder Ringel. - Setzen bitte.

Das ist jetzt ein Problem.

- Für uns alle.

Ein sehr großes Problem.

Genossin Kessler schreibt jetzt einen Bericht.

Der Teufel weiß, wohin diese Geschichte noch führt.

Mann, Feindsender hören, so kurz vorm Abitur!

Darf ich was sagen?

Ringel geht nicht sauber mit uns um.

Er dreht uns das Wort im Mund um.

Will der uns gegeneinander ausspielen?

Keine grundlosen Anschuldigungen.

Grundlos?

Er hat gesagt, Erik hätte mich verraten.

- Ja. - Ja und hab ich das?

Nee.

Das sind Gestapomethoden.

Gestapo?!

Sag mal ist dir klar, wie Männer wie Ringel und ich...

Gegen den Faschismus gekämpft haben?!

Du bist unverschämt Theo!

Ihr seid ein undankbares Pack,

das die Privilegien einer Oberschule nicht verdient hat.

(Dramatische Musik)

Die gesamte Abiturklasse erhält heute eine Verwarnung.

Theo Lemke. Ich erteile Ihnen hiermit einen Tadel.

Du hast dich im besonderen Ungehorsam gezeigt.

Der Tadel kommt auch in dein Abschlusszeugnis rein.

(Musik blendet aus)

Noch einen Tadel und Theo macht kein Abitur.

Es wird nichts mehr weiter vorfallen.

- Ganz sicher.

Ich hätte aber noch eine Bitte, Genosse Schwarz.

Können wir Theo für einen Tag aus der Schule nehmen morgen?

Gut.

Lies vor.

Nicht du. Sie.

Ich hab meine Brille gar nicht.

Dann nimm meine.

- In welch fürchterliches Chaos...

das Wüten konterrevolutionärer Banden...

Ungarn in der vergangenen Woche gestürzt hatte,

schildert der österreichische Journalist Bruno Frei.

Stopp-

- Ein Österreicher.

Wohlgemerkt.

Ein Beobachter aus dem Westen. Weiter.

Die Stadt hatte in den letzten Tagen zweimal den Herrn gewechselt.

Die Aufständischen hatten ihr Hauptquartier im ehemaligen Lokal...

der Pfeilkreuzler aufgeschlagen.

Stopp-

Pfeilkreuzler.

Die faschistische, antisemitische Partei Ungarns bis '45

(Spannungsvolle Musik)

Weiter.

Lies weiter.

21 Mitarbeiter der kommunistischen Partei,

- die die Aufständischen beim Sturm auf das Gebäude...

- zunächst gefangen nahmen, wurden am helllichten Tage auf dem...

- Vorplatz des Gebäudes gehängt.

- So, mein lieber Herr Sohn.

- Es herrscht Chaos...

- in Ungarn.

- Und die Russen sind die einzigen, die uns davor bewahren,

dass das Chaos sich ausbreitet.

- Im Westen sitzen die Faschisten bis in Adenauers Regierung.

Du denkst, du stehst auf der richtigen Seite, Kurt.

Solidarisch mit den Freiheitskämpfern.

Doch du bist im Boot mit den Faschisten.

Aber vielleicht bist du deinem Großvater mütterlicherseits ja näher,

als ich wahrhaben will.

(Musik wird lauter)

(Laute dramatische Musik)

(Musik wird leiser. Tiefe Paukenschläge)

Ist doch gut hier.

Hey Hermann, Pausenende. Halt die Rinne sauber.

(Musik endet)

Theo.

Du bist der erste Mann in unserer Familie...

- Ich weiß doch, aber... - Unterbrich mich nicht!

Verzeihung, Vater.

- Du bist der erste Mann in unserer Familie,

der eine bessere Schule besuchen kann.

- Der erste.

Alle anderen sind gefallen in Kriegen.

- Oder haben ihr ganzes Leben unter Tage gearbeitet, in Kraftwerken.

Oder wie ich als Stahlkocher.

Aber du bist klug, Theo.

- Du bist wie Opa Hans, ein Schlauer!

Was ist denn?

Ich bin doch auch ein Schlauer.

Ja, Schlaukopf.

- Jetzt bist du einer.

(Glockenschlag)

Hier ist RIAS Berlin,

eine freie Stimme der freien Welt.

Seid ihr der traurige Rest?

Die Revolution kann nicht starten. Die Schüler sind zu müde.

Seit Ungarns neue Regierung unter Imre Nägy erklärt hat,

dass das Land aus dem Warschauer Pakt austritt,

schlagen die Russen mit aller Härte zurück.

- Nein.

Eine Panzerdivision hat die Hauptstadt Budapest angegriffen,

aber die tapferen Ungarn greifen erneut unerschrocken zu den Waffen,

und verteidigen ihre neugewonnene Freiheit.

Aus dem Rundfunkhaus der Hauptstadt Budapest...

erreicht uns dieser Hilferuf:

“SOS!

Völker der Welt. Marschiert vorwärts...

und reicht uns die brüderliche Hand. Rettet uns...”

- Die verdammten Russen setzen wieder Panzer ein...

Können wir nicht irgendwas machen?

Interessiert das nur uns?

Vielleicht greifen die Amerikaner ein.

- Ganz bestimmt nicht.

(Ruhige Klaviermusik)

(Musik blendet aus)

Das geht nicht.

(Spannungsvolle Musik)

Was?

Mein Gott!

(Musik wird leiser)

Ich hielt es übrigens für angebracht,

Herrn Direktor Schwarz nicht von ihrem Kommen vorab zu informieren.

Genosse Volksbildungsminister, welch unerwartete Ehre, Sie hier begrüßen zu dürfen.

Darf ich mich vorstellen? Direktor Schwarz.

Genosse Ringel hat mich informiert.

Da ich in der Gegend war, dachte ich...

- Ich schau da mal vorbei.

Es wäre uns eine Freude gewesen,

Ihnen einen gebührlichen Empfang zu bereiten.

Von wem? Den Konterrevolutionären?

(Musik blendet aus)

Theo. Gestern Abend, bei Edgar.

Was denn?

Die setzen dir Hörner auf.

- Du spinnst doch. - Morgen, Paul.

Was ist mit dem los?

- Freundschaft. - Freundschaft.

- Guten Morgen. Wir haben Besuch.

Volksbildungsminister Lange persönlich ist heute unser Gast.

Guten Morgen.

Morgen.

Sie können jetzt gehen.

Ich bemerke erstaunte Blicke.

- Wer von Euch wundert sich über meinen Besuch?

Niemand?

So?

- Dann war Euch also bewusst,

dass der Versuch einer Konterrevolution keine Bagatelle ist.

Konterrevolution?

Oder dachtet ihr, dass die Sache mit dem Tadel für den Herrn...

Theo.

- ...erledigt sei?

- Ja, Theo.

Du hast richtig gehört.

Das ist eine Konterrevolution.

Und ich werde jetzt rausfinden, wer die Rädelsführer sind.

Was weißt du über die Gestapo?

Ist das eine rhetorische Frage?

Dein Vater ist also Hermann Lemke.

- Der hat Personalwissen.

- Ruhe.

Ich bin Kommunist.

Ich habe den Klassenfeind kennengelernt.

Ich bin ihm im Kampf begegnet. Und ich werde nicht zuschauen,

wie der Klassenfeind versucht, den Sozialismus zu unterlaufen.

- Oder einfacher:

Wer gegen den Sozialismus ist, dem haue ich in die Fresse.

Welchen Beruf möchtest du mal ergreifen?

Möchte Filmregisseur werden.

Ah, ein Künstler.

Nein, Sportfilme.

- Ah ja.

Handelt sich hier ja um die...

Sportbegeistertste Klasse der Republik.

- Und du...

- glaubst also an den lieben Gott.

Glaubst du an Gott?

Ja.

- Und glaubst du auch an Marias jungfräuliche Empfängnis?

Glaubst du, dass Maria ihr Kind jungfräulich empfangen hat?

Ja.

Und dein Glaube um die Freiheit der Arbeiterklasse?

- Lassen Sie meine Schwester. - Ruhe!

Ihr seid die Töchter des Tierarztes Winkler, richtig?

Tierärzte sind die schlimmsten.

Die haben den Bauern das letzte Hemd ausgezogen und sich fett gefressen.

- Wie die Minister.

Wer war das?

- Ohne Zweifel, muss eure Sympathiebekundung...

für die Ungarn als Konterrevolution gewertet werden.

- Ich verlange...

binnen einer Woche die Namen der Rädelsführer,

ansonsten wird die gesamte Klasse vom Abitur in der ganzen Republik...

- ...ausgeschlossen. - Was?

Genossin Kessler wird weitere Befragungen durchführen.

Wenn ihr euer Schweigen nicht brecht,

wird sie am Ende der Woche diese Klasse schließen.

Ihr könnt jetzt gehen.

Ihr könnt jetzt gehen und überlegen,

- wie diese Sache zu Ende gehen soll.

- Erik Babinsky.

Du bleibst bitte noch hier.

Die anderen können gehen.

Setz dich bitte.

Das ist einen Bericht der Untersuchung,

die Genossin Kessler hier durchgeführt hat.

Demnach bist du offensichtlich der Rädelsführer.

Ich?

Ja.

Du hast der Sache den Namen gegeben.

Du hast gesagt, ich zitiere: “Es ist ein Zeichen des Protests”.

- Oder etwa nicht?

Doch, aber nur um Lehrer Mosel die Situation zu erklären.

Ich habe ja gerade nicht mitgemacht.

Ach.

Dann warst du also gar nicht der Anführer.

- Nein.

Ich bin auf gar keinen Fall der...

Wissen Sie nicht, wer mein Vater war?

Franz Babinsky.

Der Rotfrontkämpfer?

Ja, genau.

Der war im KZ, nicht?

Er starb für den Sozialismus.

Ich würde mich an keiner Konterrevolution beteiligen.

Das ist aber sehr missverständlich in ihrem Bericht, Genossin.

- Verzeihen Sie, Herr Minister.

- Aber wenn du gar nicht dabei warst,

- dann wüsste ich gerne, weshalb du bei der Befragung gesagt hast,

dass auch du wegen Puskäs geschwiegen hast?

- Und ich wüsste auch gerne,

- weshalb du als überzeugter Sozialist den RIAS hörst.

Ich hab... Nicht...

- Ich muss aufbrechen, wir machen das anders.

Du kannst zeigen, dass du deinem Vater Ehre machst.

- Als erstes möchte ich wissen,

wo ihr überhaupt den RIAS hört!

Bei Edgar, also...

Die anderen, also ich war da nie, aber die anderen...

Die gehen zu diesem alten Schwulen namens Edgar!

(Spannungsvolle Musik. Ticken.)

Der hat 2,3 Liter.

(Ticken stoppt)

- Wartet mal.

Erik!

(Musik wird leiser)

Bleib doch mal stehen Erik, Mensch.

Was er noch gewollt?

Du hältst das immer noch für Spaß, oder?

- Ne, für 'ne Konterrevolution. - Hast du uns verraten, Erik?

Nee Kurt, hab ich nicht. Kannst dich weiter hinter der Klasse verstecken.

- Was?

Aber irgendeiner wird dich verraten,

- sonst fliegen wir von der Schule. - So ein Blödsinn.

Es war meine Idee. Ich hab euch reingeritten...

- Und werd' mich freiwillig melden. - Find' ich gut.

Rüdiger, halt dein Maul! Du warst auch dafür.

Ne, eben nicht.

Du warst aber bei Edgar dabei.

Kurt darf sich nicht stellen.

Siehst du Theo,

- Genau wie... - Schnauze.

- Aber, die... - Halt die Fresse Mensch!

Ist ja in Ordnung, wenn du den Kopf hinhalten willst,

aber es wird nicht funktionieren.

Die fragen dich: Wer war beim Radiohören dabei?

Und wo haben wir gehört.

- Die wollen es genau wissen und lassen dich nicht einfach gehen.

Wir halten zusammen, dann können die uns nichts.

Die schmeißen keine ganze Klasse raus, wie sieht das aus?

Vielleicht sollte ich die Wahrheit sagen.

Mensch, gehst du mir auf den Zeiger mit deiner Wahrheit.

Alle bleiben bei der Notlüge.

Sonst gibt's Bambule.

- Theo, wart' mal. - Nee Kurt, lass mich.

- Ich weiß nicht was Paul gesagt hat, - Aber?!

Kannst sie ruhig haben, Kurt.

Ich hab' ja eh schon mal mit 'ner anderen.

Der Minister höchstpersönlich, ja.

- Er wird jetzt die Sache vollkommen unabhängig bewerten.

- Auch komm, hör doch auf!

- Unabhängig?

Wenn ich das höre. Glaubst du ja selber nicht.

- Woher kennt eigentlich der Minister deinen Namen, Papa?

Ich will jetzt wissen, auf wessen Mist...

diese Idee mit der Schweigeminute gewachsen ist?

Ich werde jetzt hier niemand verraten.

Mein lieber Freund, komm mir jetzt nicht so.

Du sagst mir jetzt,

wer diesen ganzen Kram angezettelt hat.

Jetzt, verdammt nochmal!

Kurt hatte die Idee, aber wir haben abgestimmt. Die Mehrheit war dafür.

Die Mehrheit...

Kurt.

Wenn es wirklich Kurts Idee war,

dann muss er sich dafür verantworten.

Mir ist es egal, von mir aus warte bis zum Ende des Ultimatums.

Wenn bis dahin keiner...

Dann benennst du Kurt!

Ich soll meinen besten Freund verraten?

Haben wir uns verstanden?

Mama, das könnt ihr doch nicht wollen?

Geh jetzt mal in dein Zimmer.

Dicke Luft, tut mir leid.

Was ist denn eigentlich eine Schweigeminute?

Und warum kriegt man da so viel Ärger?

Gute Frage, nächste Frage.

(Klopfen)

Können wir reden?

Natürlich. Was gibt's denn?

Kommst du kurz raus?

Nee.

Aber ich hab noch was von dir.

- Musst dich nicht zu doll freuen.

Ist 'ne Fälschung, das hab' ich zusammengeklebt, stimmt's Karli?

Aber ein echtes vierblättriges Kleeblatt ist was sehr seltenes.

Es tut mir Leid, wenn ich dich enttäuscht habe.

Aber ich kann nicht mit jemand zusammen sein,

der sich immerzu rausredet.

(Ruhige Musik)

(Motorengeräusche)

(Musik wird dramatischer)

(Musik blendet aus)

Klopf, klopf.

Entschuldigung.

Wir hatten geklopft.

Mein Name ist Kessler.

Ich bin die Kreisschulrätin.

Stimmt es, dass die Abiturienten bei Ihnen RIAS hören dürfen?

Guten Tag, meine Damen und Herren. Wir begrüßen Sie zu unserem...

Beliebten Tanztee und beginnen mit einem Boogie-Woogie.

(Boogie Musik)

- Jesus sprach:

Wahrlich ich sage euch, einer von euch wird mich überliefern.

- Das haben wir gerade gehört, das Evangelium nach Markus.

Aber was, wenn in jener Nacht...

- Du miese Drecksau.

- Paul! - Du hast uns verraten, du Schwein!

Sie haben ihn abgeholt. Sie haben Edgar abgeholt.

Ich weiß, dass du's warst! Ich weiß es!

(Kirchenglocken)

(Schritte)

Möchtest du uns etwas sagen, Erik?

- Setz dich bitte aufrecht hin wenn dein Vater mit dir redet.

Mein Vater.

- Stimmt es, dass du ausgesagt hast,

- Edgar habe der Klasse sein Radio zur Verfügung gestellt?

Was weiß ich, warum sie den warmen Bruder verhaftet haben.

Wenn das so ist, musst du deine Aussage zurücknehmen.

Homosexuellen Männern geht es schlecht in den Gefängnissen.

Erik, bitte sag, dass du nichts damit zu tun hast, dein Vater hat Recht.

Das ist nicht mein Vater!

Das war er aber, du warst zu schwach ihm treu zu bleiben.

(Langsame Volksmusik)

Ich bring dich hin.

Wat? Ne, lass ma.

Ick hab die Kneipe jefunden, wie du noch nich da warst.

Und wenn du eines Tages wech bist, muss ick sie ja och wieder finden.

Gut, aber dann bleib' ich wach bis du wiederkommst.

Ich will wissen was bei dem Treffen rauskommt.

Nüscht wird so heiß jegessen, wie es jekocht wird.

(Musik blendet aus)

(Lautes Gemurmel)

- Darf ich nochmal um Ruhe bitten.

Darf ich nochmal um Ruhe bitten!

- Bitte!

Es macht doch überhaupt keinen Sinn,

dass wir an jedem Detail des Briefes...

An den Minister herumdiskutieren.

- Viel wichtiger ist doch,

- dass wir schnell eine Stellungnahme abschicken,

um die Kinder zu schützen!

Die Schulleitung muss mit rein.

Das ist eine Stellungnahme der Eltern.

Ja aber, ich meine...

(Lautes Gemurmel)

(Schreibmaschinentippen)

(Telefon klingelt)

- Ja.

- Der Minister empfängt Sie jetzt.

Vielen Dank.

Genosse Lemke.

Genosse Minister.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen.

Setzen Sie sich doch, was kann ich für Sie tun?

Es geht um die Schüler in Stalinstadt.

Ja, Theo ist Ihr Sohn, ich bin im Bilde.

Sicher, ja.

Es ist so, dass das Ganze...

nur ein dummer Jungenstreich war.

Theo ist ein juter Schüler.

Und er ist janz gewiss kein Konterrevolutionär.

Der Junge ist so überzeugt,

dass der Weg in die Zukunft nur der sozialistische sein kann.

Und er liebt Fußball.

Naja, und die Jungs lieben Fußball...

Und Sie sind gekommen, um mir diese Plattitüden zu erzählen?

Sehen Sie das hier?

Da haben SA-Männer versucht...

Mich an einem Draht aufzuhängen.

Sie verstehen, dass mir Fußball vollkommen egal ist.

Ich will die Anführer und ich werde sie vom Abitur ausschließen.

- Ich weiß nur noch nicht, ob Ihr Sohn auch dabei war.

Ganz bestimmt nicht.

Würden Sie sagen, dass Theo Ihnen im Charakter ähnlich ist?

- Ich würde sagen,

- es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Er ist offensichtlich genauso...

unzufrieden...

wie Sie.

- Wir haben nicht vergessen, dass sie beim Aufstand '53 dabei waren.

Aber ich hab' mich auch gefügt.

Wollen wir hoffen, dass Ihr Sohn...

Ihrem Vorbild folgt.

Theo.

- Ruhe!

Hinsetzen.

Theo Lemke bitte.

- Alles in Ordnung, Klara?

Setzt dich bitte auf deinen Platz.

(Leises Ticken)

Wer hat dir von der Schweigeminute erzählt?

Weiß nicht, das wurde...

- Durch die Reihen geflüstert, ich weiß.

- Dein Vater war beim Aufstand '53 beteiligt?

- Ach so.

- Das wusstest du gar nicht?

- Mmmh.

- Dennoch gab man ihm die Möglichkeit,

- hier in Stalinstadt neu anzufangen.

- Eine sichere Lebensgrundlage für deine ganze Familie.

- Auch für deine Geschwister. Die sind ja noch sehr jung.

- So etwas sollte man nicht riskieren, Theo.

Nein.

Wer waren die Rädelsführer?

Es wurde durch die Reihen geflüstert.

- Lena.

- Theo. - Kurt!

Deine Mutter lebt in Schweden richtig?

Ja.

Und deine Großmutter...

- Ist eine Näherin für die Produktionsgenossenschaft,

- sieht schlecht und ist alleinstehend?

Jawohl, Genossin Kessler.

Wenn sie ihre Arbeit behalten soll,

dann sag mir, wer die Konterrevolution anführt.

Niemand.

Es wurde durch die Reihen geflüstert.

Ich habe mir jetzt die Lügen deiner Klassenkameraden angehört, Erik.

Wer ist der Rädelsführer?

Es war eine Mehrheitsentscheidung.

Es ist doch ganz einfach.

Ich brauche nur einen Namen.

Einen.

Wer ist es?

Es ging nicht von Einem aus, sondern wurde durch die Reihen geflüstert.

Ich bin müde, Erik.

Wir machen das jetzt ganz kurz.

Ich habe hier eine Akte von deinen Vater Franz.

Deine Mutter hat dir nicht die ganze Wahrheit...

- Über ihn erzählt, was ich verstehe.

Sie hat dich angelogen.

- Er war ein Rotfrontkämpfer, das ist richtig.

Und deshalb kam er auch ins KZ Sachsenhausen.

Aber er kollaborierte mit den Nationalsozialisten...

Und hat andere Kommunisten verraten.

Und als die Sowjetarmee kam,

- da hat man ihn...

- gehenkt.

(Tiefe Klaviertöne)

Das...

(Spannungsvolle Musik)

- Du hast jetzt zwei Möglichkeiten, Erik.

- Entweder du sagst mir jetzt wer die Idee hatte...

- Oder wir veröffentlichen die Geschichte...

- über deinem Vater in der Zeitung.

Nein.

Es war Kurt.

Kurt?

Bist du dir da ganz sicher?

Du belastest den Sohn des Stadtratsvorsitzenden.

Du wirst das vor der ganzen Klasse wiederholen,

wenn das Ultimatum abläuft.

- Du kannst jetzt gehen.

Erik, du kannst das Foto ruhig mitnehmen.

Es wird dich daran erinnern, dass du das richtige getan hast.

(Musik wird lauter)

(Schüsse)

Ziel besser.

Zu spät, Herr Genosse Babinsky.

- Wiedermal zu spät.

- Kurt.

- Was ist los?

- Ich... - Und jetzt auch noch plaudern?!

- Erik, was ist passiert?

An deinen Gefechtsstand!

- Erik! - Jawohl, Herr Untersturmbandführer!

(Musik blendet aus)

Nimm die Waffe runter, Junge.

Du verfluchter Drecks-Nazi.

Was ist denn passiert?

- Leg das Gewehr weg, Erik.

Der ist es nicht wert!

Der nicht.

- Das wirst du bereuen, du Pfeife!

(Dramatische Musik)

(Musik wird schneller)

- Wo will der mit der Waffe hin?

- Erik!

- Erik bleib stehen!

Erik!

Bleib stehen!

Erik!

Erik!

(Ruhige Orgelmusik)

(Musik blendet aus)

Wie ist mein Vater gestorben?

Erik, was soll das, nimm das Gewehr runter!

Halt dich da raus!

- Erik, Was machst du?

- Wie ist mein Vater gestorben? - Von was redest du?

- Kinder, geht weg!

- Los.

- Die schießen mich tot.

Wie ist mein Vater gestorben?!

- Mama. - Erik, bitte.

Wie ist mein Vater gestorben?!

- Erik, ich weiß nicht wovon du redest.

(Schnelles Atmen)

Hast du mich angelogen, Mama?

Hat Vater kollaboriert?

Was ist das?

Ja, was ist das.

- Christa, sag ihm die Wahrheit.

Was?!

Erik.

Es ist wahr, dein...

- Er hat...

Erik, dein Vater war sehr schwach.

Nein!

- Nein! - Erik.

- Erik, es tut mir leid.

- Warum?!

- Erik, ich konnte nicht... - Warum?!

Mama, warum?

(Dramatische Musik)

(Schluchzen)

Warum?

Ich hab' dich verraten.

Sie hätten die ganze Geschichte über meinen Vater...

- In der Zeitung geschrieben.

- Über meinen...

Und deinen.

- Es tut mir leid.

(Musik wird lauter)

(Musik blendet aus)

Danke.

Kurt.

Wir möchten mit dir sprechen.

Setz dich.

Setz dich bitte, Kurt.

Erik hat behauptet, dass du die Idee mit der Schweigeminute hattest.

(Leises Ticken)

Aktenkundig ist bislang allerdings nur eines:

Erik gab der Sache den Namen.

Er nannte es ein Zeichen des Protests.

- Ich möchte Rücksicht auf das politische Amt deines Vaters nehmen.

- Und daher werde ich dich...

morgen als erstes in der Klasse aufrufen...

Und du wirst sagen,

Dass Erik der Rädelsführer dieser Konterrevolution war.

Die Klasse wird das nicht mitmachen.

Die Klasse werde ich dazu nicht mehr befragen.

- Mit deiner Aussage beende ich die Untersuchung.

Ich gebe dir diese Gelegenheit.

Auf Erik wartet ohnehin eine Gefängnisstrafe von...

mindestens 10 Jahren.

Wir sehen uns morgen.

Ich bring Sie noch raus.

- Vielen Dank.

Soll ich dir einen Tee machen?

- Ich muss dich was fragen, setz dich bitte.

Wie wichtig ist für dich die Wahrheit?

- Die Wahrheit, die Wahrheit. - Ich habe Mutter gefragt.

Du musst das kleinere Übel nehmen, Kurt.

Du sagst Erik war es, der geht ohnehin in den Bau,

und die Sache ist erledigt.

Sei froh, dass Kessler dir diese Gelegenheit gibt.

Mama.

- Hör jetzt auf, deine Mutter zu fragen!

Ich befehle dir zu gehorchen!

Du hast dein ganzes Leben noch vor dir, Kurt.

Du wirst dir nicht wegen sowas deine Zukunft versauen.

Eine Notlüge ist das, nichts weiter.

Mit der ich mein Leben lang herumlaufen muss.

In zehn Jahren... in zwei, wirst du darüber lachen.

Wie sollte ich jemals darüber lachen?

Hast du gelacht, als Ihr Eriks Vater aufgehängt habt?

Er war ein Kollaborateur.

Was tut das zur Sache?

Hast du ihn an die Russen verraten?

Geh jetzt schlafen, Kurt.

- Morgen ist ein wichtiger Tag für dich.

- Mama, warum sagst du nichts?!

Geh weg von hier und komm nie wieder.

Ich hab' dich so lieb.

Ich werd' immer an dich denken.

Jeden Tag.

Jede Minute.

(Schluchzen)

Aber jetzt musst du weggehen.

Ja?

Noch heute Nacht.

Die Kleinen schlafen.

- Kannst du rauskommen?

- Theo? Was ist?

- Schlaf weiter, Karl.

Was ist denn?

Ich geh in den Westen und mach da mein Abitur.

- Was?

Sie wollen jetzt, dass ich es Erik anhänge.

Und ihr werdet nicht mehr gefragt, aber das mache ich nicht.

- Wenn du gehst, ist das wie ein Schuldeingeständnis.

Dann können alle anderen wenigstens ihr Abitur machen.

Und wir beide wissen, dass ich die Idee hatte.

Das ist das Beste so.

Ich bin eigentlich nur gekommen weil ich dachte...

Ja ich dachte...

Vielleicht kommst du mit in den Westen.

Ich? Nee.

- Das geht nicht.

Weil ich unsere Freundschaft verraten habe.

Mensch, Kurti.

Hör doch auf immer mit dem ganz großen Krams.

Ich kann meine Familie nicht alleine lassen.

Das kann ich meinen Eltern nicht antun.

- Ich werd' auch meine Geschwister so doll vermissen.

Dann sieh zu, dass die Sache gut zu Ende geht, ja.

Die andern sollen ihr Abitur machen können. Kümmerst du dich darum?

Klar.

- Mit dem Rad?

Bis Königswusterhausen. Morgen nehme ich die erste Bahn.

Eins noch.

Ich konnte Lena nicht leb wohl sagen.

- Wenn du sie siehst, dann sag ihr... - Was denn?

Ach nichts.

Kurt, Kurti!

- Kurti!

(Ruhige Klaviermusik)

- Viel Glück.

Mach's gut.

(Musik wird lauter)

(Türe quietscht)

(Wind)

Er ist weg.

Mein Sohn ist weg.

Anna. Anna!

Kurt ist weg.

Anna!

Ich weiß.

(Spannungsvolle Musik)

...In den amerikanischen Sektor von Westberlin.

Transitreisende müssen ihren Ausweis bereit halten.

(Zischen)

- Morgen.

Papiere bitte.

- Wohin geht's?

Südstern, ich besuche das Grab von meinem Großvater.

- Mhm.

Deine Tasche?

Ja.

- Mach mal auf.

- Schulsachen?

Ich schreibe bald mein Abitur.

- Am Grab deines Großvaters?

Nein, ich wollte auf der Fahrt lernen.

- Mhm.

- Komm mal mit.

(Schreibmaschinentippen)

Setzen Sie sich.

Ihr Sohn hat angegeben,

dass er mit der S-Bahn in den Westen fahren wollte,

um das Grab seines Großvaters auf dem Soldatenfriedhof zu besuchen.

Ja, das tut er gelegentlich.

- Was hatte den der Opa für einen Dienstgrad?

- Mein Schwiegervater.

Er war Panzergrenadier bei der Waffen-SS.

- Sie wussten also, dass Ihr Sohn in die amerikanische Zone fahren will,

um das Grab eines Nationalsozialisten zu besuchen?

Das Grab seines Großvaters, ja.

- Er wird noch heute wiederkommen.

- Ich quittiere Ihnen das, wenn Sie möchten.

Gut.

Dann kannst du gehen.

Vater, das kannst du doch nicht machen.

Mutter wird dich zum Essen erwarten.

Ja, Vater.

Bis dann.

Dann noch hier unterschreiben, Genosse.

- Tschüss, Großer. - Tschüss, Theo.

- Auf Wiedersehen, Vati. - Tschüss, Theo.

Der große Tag, mhm?

Spiel nicht den Helden, Theo.

Nee, ist klar.

Bin stolz auf dich.

(Motor geht an)

- Stehen!

- Freundschaft. - Freundschaft.

Setzt euch.

Wie ihr wisst, hat mich der Volksbildungsminister gebeten,

bis heute zu klären, wer die Rädelsführer sind.

Für mich stellt sich die Sache nun so dar,

- dass Kurt Wächter seine Schuld eingestanden hat.

Wie uns seine Eltern soeben mitgeteilt haben, hat Kurt...

Republikflucht begangen.

(Gemurmel)

- Der Minister will, dass nun endlich Ruhe in dieser Klasse einkehrt.

- Es ist allerdings unerlässlich,

dass jeder einzelne von euch...

Hier und jetzt...

Bestätigt, dass Kurt der Rädelsführer dieser Schweigeminute war.

Theo?

Kannst du bestätigen, dass Kurt euch zur Schweigeminute verleitet hat?

Nein, so war es nicht.

- So war es nicht?

Wie war es dann?

Wir waren alle dafür.

- Oder zumindest die Mehrheit.

Und du?

Warst du dafür oder dagegen?

Ich war dafür.

- Gut.

Dann verweise ich dich hiermit der Schule.

- Still jetzt!

- Du wirst in der Deutschen...

Demokratischen Republik kein Abitur ablegen können.

- Jeder akademische Bildungsweg ist dir damit versperrt.

- Du hast das Schulgebäude unverzüglich zu verlassen.

Jetzt!

(Spannungsvolle Musik)

- Das ist nicht richtig, es gab eine Mehrheits...

Du bist auch entlassen.

Entlassen.

Was?

Es war meine Idee.

(Musik wird lauter)

Setzen!

Und meine.

- Es war auch meine Idee.

Setzt euch hin!

Es war auch meine Idee.

Meine auch.

Ihr sollt euch hinsetzen.

Ja, und meine Idee war's auch.

Hinsetzen hab ich gesagt!

- Ich war auch dafür.

- Ich auch. - Es war auch meine Idee.

- Hinsetzen!

- Meine auch. - Sowohl meine.

Hinsetzen hab ich gesagt!

- Meine auch. - Auch meine.

Ihr sollt euch setzen!

(Musik wird lauter)

Ich verweise hiermit die ganze Klasse der Schule.

- Ihr seid nicht länger geduldet. - Frau Genossin.

- Auch Sie werden sich verantworten müssen, Direktor Schwarz

(Musik wird leiser)

- Und was hat das jetzt den Ungarn gebracht?

Nüscht.

Gar nüscht hat des denen jebracht.

(Musik stoppt)

Und was machen wir jetzt, Theo?

Muss jetzt jeder selber wissen.

- Gut, kommt mal ran.

Zwischen Weihnachten und Neujahr besuchen viele...

Ihre Verwandtschaft im Westen.

Da sind die Kontrollen ungenauer.

Das klappt doch nie.

Das ist die Chance.

Aber müsst ihr selber wissen.

Wir müssen alles zurücklassen.

Wenn ihr geht, dann mindestens zu zweit, damit einer...

Die Eltern benachrichtigt, wenn ihr erwischt werdet.

Wie soll denn das gehen?

(Gemurmel)

Wir sollten jetzt gehen.

Tschüss.

Und?

Laufen wir weg oder bleiben wir hier?

Wie gesagt.

Muss jetzt jeder für sich entscheiden.

Ist gut.

Mach's gut Wölkchen.

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum...

- Gute Nacht Theo. - Schlaf gut Karl.

Und danke für den Ball

Du grünst nicht nur zur Sommerzeit,

nein auch im Winter wenn es schneit.

Na.

Dann ist es eben so.

Fängst im Januar im Stahlwerk an.

Warum hast du mir eigentlich nie vom Aufstand erzählt?

- Warst du doch dabei '53, oder?

Ich werde nicht bleiben, Papa.

Ich gehe in den Westen und mache dort das Abitur.

- Die lochen dich ein wenn sie dich kriegen.

- Du könntest nie mehr zurückkommen.

Aber ihr könntet mit mir kommen.

Was, wegrennen und dann auch noch stolz darauf sein? Schwachsinn.

Gute Nacht.

Du kennst deinen Vater schlecht, wenn du denkst, dass er wegrennt, Nie.

Niemals geht der weg.

Aber warum denn nicht?

- Was ist denn hier? Was denn?

Nichts. Hier ist doch nichts.

Hier kommt er her.

Hier ist er geboren und...

Hier geht er nicht weg.

(Dumpfe Stimmen)

(Ruhige Klaviermusik)

Los jetzt Jungs, Oma ist bestimmt schon ungeduldig.

Theo, komm.

Theo.

- Theo.

Theo, komm.

Ich geh mit Paul.

Tschüss Theo, bis später.

- Theo, komm.

- Tschüss Jungs. - Tschüss.

Tschüss.

(Schluchzen)

- Mama?

Papa?

- Was ist denn?

Nichts, wir fahren.

- Tschüss, Theo!

(Musik wird lauter)

(Lautsprecherdurchsage)

(Musik wird leiser)

(Zischen)

(Musik endet

(Ruhige Klaviermusik)

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