All language subtitles for Meister des Todes 2. 2020 deu

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Original subtitles

(Ruhige Musik)

(Schniefen)

Der hat meine Freunde getötet.

Und sie haben meine Familie zerstört.

Rache hilft dir nicht weiter.

Wir können hier zusammen was erreichen,

was es so noch nie gegeben hat.

Miguel!

(Aufregende Musik)

Miguel!

Ich will Gerechtigkeit für meinen Bruder!

Versprich mir, dass du mir hilfst! Versprich es mir!

Ja.

(Langsame Musik)

Es gab klare Ansagen, nicht mal das bekommst du gebacken!

Aber die sind doch alle ... - Mehr Rollstuhlfahrer!

Wie soll man sonst erkennen, dass die behindert sind?

Du bist so ein ...

Leck mich doch!

♪ Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen.

(Sie singen im Kanon weiter.)

♪ Gesundheit und Freude sei auch mit dabei.

HSW oder Öffentlichkeit?

Öffentlichkeit. - Hier, in der letzten Reihe.

Die HSW-Familie gratuliert dir aufs allerherzlichste!

Danke! Danke, liebe Freunde!

Danke!

Lieber Klaus, komm hoch zu mir.

Klaus, lass dir sagen: 60 ist erst der Anfang.

(Vereinzeltes Lachen)

Lieber Bundestagsabgeordneter,

danke, dass du an deinem 60. Geburtstag

extra hierher zu uns in Ländle gekommen bist.

Und weil 60 so eine besonders runde Zahl ist,

spendet HSW in deinem Namen 10.000 Euro

für ein Hilfsprojekt in deiner Geburtsstadt,

was dir besonders am Herzen liegt.

Für die Fort- und Weiterbildungsschule St. Franziskus

für körperlich und geistig eingeschränkte Kinder.

Bitte sehr!

(Ein Mann flüstert:) Psch, leise!

Komm, Miguel, sei leise!

Vorsichtig!

Vorsicht! Pass auf!

Jaja, ist gut!

Warte! Komm, weiter! Los!

Hey, was ist denn? - Langsam, langsam!

Langsam! Komm!

Zurück! - Hörst du das?

Sch! Weiter!

(Entfernte Stimme)

Gleich da, komm!

(Orgelmusik)

Ein Hoch auf das Brautpaar! - Bravo!

Ein Hoch auf das Brautpaar!

Herr Gouverneur,

ich darf Ihnen von ganzem Herzen zur Hochzeit Ihres Sohnes gratulieren.

Vielen Dank, Kommandant!

(leise:) Gib her!

(Orgelmusik)

Bist du soweit? - Ja.

Also los!

Sekunde noch! - Okay, los!

Er heiligt euren Bund ...

Gerechtigkeit für Mexiko!

(Aufgeregte Durcheinanderrufe)

Was zum Teufel ...

(Aufgeregte Durcheinanderrufe)

Worauf wartet ihr? Schnappt euch die beiden!

Lasst mich los! Lasst mich los! (Ruhige Musik)

Die Regierung ist ein korrupter Haufen!

Und ihr stellt euch für die in den Dienst!

Wie kann so was passieren? - Ich weiß nicht.

Sie sind da, um für Ordnung zu sorgen!

Gebt dem Volk die Macht zurück, die ihm gehört!

Dafür werden diese Typen bezahlen! Haben Sie mich verstanden?

Worauf warten Sie noch?

Weg da! Verschwindet!

Gerechtigkeit für das Volk!

(Aufgeregte Rufe)

(Jubelrufe)

(Rasselnde Geräusche)

(Spannungsvolle Musik)

Wir stehen zu den Beamtinnen und Beamten,

den Soldaten und Soldatinnen rund um die Welt,

die sich auf euer Gerät verlassen.

Das ist unsere Berufung!

Das ist unser Auftrag!

Deshalb stehe ich auch zu euch,

wenn aus Stuttgart dunkle Wolken über uns aufziehen.

(Applaus)

Wir von HSW wissen alle,

dass du immer deine schützende Hand über uns halten wirst.

Hi! Ha!

Dass du uns gesund bleibst, hörst du!

Natürlich, ich versuch es. - Danke, Sabine.

Ich hab mir immer gewünscht, dass du meinen Otto heiratest.

Aber dein Vater hatte andere Pläne für dich.

Da ist sie! Hallo Mama! - Hallo!

"Wie geht's euch? Ist alles in Ordnung?"

Schau her. - "Seid ihr schon auf dem Heimweg?"

Ja, macht euch keine Sorgen.

"Miguel, pass auf deinen kleinen Bruder auf." - Tschüss!

Geile Aktion! Klasse gelaufen! - Das war nur Glück.

Ach, komm!

Komm her, großer Bruder! Immer machst du dir in die Hosen!

Alles klar? - Lass das!

Nein! Nein! Lass mich!

Weißt du noch, ...

vor 30 Jahren, als wir hier ...

Es war der größte Fehler meines Lebens!

Mich zu heiraten? Wieso?

Hätte auch der Otto sein können.

Hierzubleiben.

Warum bist du nicht mit mir weggegangen?

Das weißt du doch.

HSW.

Die Familie. - Familie.

Ihr verkauft Mordwerkzeuge.

Was ist denn das für eine Familie?

Du lebst ganz gut von unserem Gerät.

Gerät, das hab ich an meinem Vater immer schon so bewundert:

harmlose Worte für ekelhafte Sachen.

Alex, lass uns weggehen, bitte, jetzt!

Irgendwohin neu anfangen! Bitte! - Morgen beginnt der Prozess.

Ich kann nicht weg, selbst wenn ich das wollte.

Das ist genau das Problem, du willst es nicht!

Alex, entschuldige, der Umtrunk läuft schon längst,

die warten alle auf dich! - Klar, na komm.

Sabine, du kommst doch auch?

Umtrunk? Natürlich!

(Klickende Blinkergeräusche)

(Signalton)

Na komm.

(Entferntes Bellen)

Brauchst du Hilfe, Alex?

Kümmer dich um deinen Scheiß.

Irgendwo hab ich dich verloren.

Wo ist der Junge geblieben,

in den ich mich verliebt hab?

Nicht weggehen.

(Langsame Musik)

(Menge:) Deutsche Waffen, deutsches Geld,

morden mit in aller Welt.

Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt.

(Computergeräusche)

Prozessbeteiligt? - Prozessbeobachtung.

Große Wirtschaftskammer. - Danke.

Angeklagt sind: Otto Lechner, Mexiko-Vertreter der Firma HSW,

Alexander Stengele, HSW-Vertriebs- leiter für Mittel- und Südamerika,

Lisbeth Kraus, Büroleiterin der Exportabteilung

und Heinz Zöblin, Geschäftsführer des Rüstungskonzerns HSW,

leitender Oberstaatsanwalt a. D.

Die Angeklagten haben gewerbsmäßig

und als Teil einer organisierten kriminellen Bande

gegen das Außenwirtschaftsgesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz

der Bundesrepublik Deutschland verstoßen.

(Lachen)

Das tat gut. - Ja!

Die Bullen! Die Bullen!

Die Bullen? Lasst mich durch, lasst mich durch!

Was ist los? - Scheiße, scheiße, scheiße!

(Aufgeregtes Stimmengewirr)

Auf keinen Fall anhalten! Weiterfahren! Fahr! Fahr!

Fahr, fahr, fahr!

Die haben die Straßen gesperrt!

HSW hat gegenüber dem Bundes- wirtschaftsministerium erst erklärt,

Kriegswaffen in mexikanische Bundesstaaten zu exportieren,

die als extrem gewalttätig gelten

und daher nicht genehmigungsfähig waren.

Unmittelbar darauf wurden neue Erklärungen vorgelegt,

in denen nun plötzlich genehmigungs- fähige Bundesstaaten genannt wurden.

Auf Basis dieser neuen Erklärungen haben das Wirtschaftsministerium,

das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium

dem Export der Kriegswaffen zugestimmt.

Es wurde lediglich

eine genehmigungsfähige Papierlage für die Behörden geschaffen.

Entgegen der erteilten Genehmigung wurden trotzdem 4.000 Kriegswaffen,

Sturmgewehre des Typ SG 38, sowie Zubehör und Ersatzmaterial

in jene gewalttätigen mexikanischen Bundesstaaten exportiert,

die nicht hätten beliefert werden dürfen.

Die Angeklagten haben das "Gerät", so werden Kriegswaffen bei HSW genannt,

in mexikanische Krisenregionen exportiert

und Soldaten und Polizisten vor Ort eingewiesen.

(Grillenzirpen, entferntes Bellen)

Was sollen wir jetzt machen?

(Aufgeregtes Stimmengewirr)

Ruhe! Ruhe! Ruhe!

Seid doch mal still und hört mir zu!

Wir gehen raus und sagen, wir haben einen Fehler gemacht.

Bist du wahnsinnig? Hör mir zu, Mann!

Das ist die einzige Chance, die wir haben. - Bleib da!

Komm zurück! Bleib hier!

(Aufgeregtes Stimmengewirr)

Angel, bleib hier!

Hände hoch, damit die sehen ... - Tu das nicht!

Mit erhobenen Händen. - Ganz ruhig, keine Angst.

HSW hat systematisch betrogen,

um Exportgenehmigungen für ihre Kriegswaffen zu erhalten.

Es handelt sich daher um Verbrechenstatbestände

in besonders schwerem Fall.

Vielen Dank, Herr Staatsanwalt.

Ich weiß, dass dieses Verfahren besondere Emotionen weckt,

weil es um Waffen geht.

Der Prozess darf aber deshalb kein Tribunal

über Waffenexporte und Rüstungsindustrie werden.

Herr Lechner, darf ich Sie als Mexikovertreter der Firma HSW

um eine Stellungnahme bitten?

Mein Mandant zieht es vor ...

Wir verkaufen ausschließlich an staatliche Stellen.

Wir handeln strikt ... nach Recht und Gesetz.

Uns dafür zu bestrafen, ist verlogen.

Vorsicht! Vorsicht! Vorsicht!

(Grillenzirpen)

Kommt nicht alle raus!

(Richterin:) Herr Zöblin, wollen Sie Stellung beziehen?

Verehrte Vorsitzende, sehr verehrte Kammer.

Durch meine jahrzehntelange Tätigkeit als Staatsanwalt

bin ich mit der rechtlichen Interpretation der Materie

sehr gut vertraut.

Endverbleibserklärungen sind kein Bestandteil von Exportgenehmigungen,

weil die Einhaltung nicht kontrolliert werden kann.

Das kann nicht einmal die Bundesregierung.

Also für Staaten wie Saudi-Arabien oder eben Mexiko

sind Endverbleibserklärungen lediglich ein Stück Papier,

an das man sich halten kann.

Oder vielleicht auch nicht.

Jede Frittenbude in Deutschland wird besser überwacht als Waffenexporte.

Denn bei einer Frittenbude kommt immer mal ein Kontrolleur vorbei

und überprüft die Einhaltung der Regeln.

Bei Waffenexporten passiert das faktisch nie.

Wie soll also ich, ein einfacher Jurist aus Rottweil,

die Verantwortung für die Einhaltung

der staatlich ausgestellten Erklärungen übernehmen,

wenn nicht mal die Bundesregierung darauf Einfluss hat.

Schon ein wenige frivol, wenn man bedenkt,

dass Ihre Firma genau mit diesem System Millionengewinne gemacht hat.

Andererseits scheint es mir genauso unmöglich zu kontrollieren,

ob gelieferte Sturmgewehre

in verbotene mexikanische Bundesstaaten gelangen

wie zu überprüfen, ob Mexikaner morgens um Acht Gummibärchen essen.

(Vereinzeltes Lachen)

Scheiße!

(Schreie)

(Wimmernde Laute)

Weg! Weg!

(Schreie)

Angel! Angel!

Gib mir die Hand! Gib mir die Hand!

(Schüsse)

(Geräuschvolles, ängstliches Atmen)

(leise:) Angel! (Unheilvolle Musik)

Angel.

Herr ... Stengele.

Möchten Sie sich positionieren?

Ich möchte keine Stellung beziehen.

Du tust mir nur noch leid.

(Tür wird geöffnet.)

Los! Sucht sie! (Bellen)

Lasst keinen entkommen!

(Düstere Musik)

(leise:) Angel!

Wo sind die Schweine? - Wo bist du?

Die kriegen wir!

(Düstere Musik)

(Herannahende Schritte)

(Er schreit auf.)

(Wimmernde Laute)

(Düstere Musik)

(Sie atmet laut aus.)

(Tür wird geöffnet.)

(Wasserrauschen)

(Etwas fällt zu Boden.)

(Spülung wird betätigt.)

Oh, danke.

Das ist eine kleine Stärkung für die Horrorshow da draußen.

(Tür fällt zu.)

(Signaltöne)

Die Firma übernimmt alle Kosten für euch,

aber nur bei Freispruch.

Je weniger ihr sagt, desto besser.

Du, ich kann ganz gut für mich alleine sprechen, Heinz, ja? Danke.

Schweigen ist Gold. - Und Gold ist teuer.

Du, Otto, ich hatte mir sowieso überlegt,

deine Provision vielleicht aufzustocken, von zehn auf ...

sagen wir 12,5 Prozent? - 15.

15.

Drunter kann ich ganz schlecht schweigen.

Verdammter Mexikaner!

Erwischt!

Na? - Kurt.

Was machst du eigentlich hier, hm?

Ich wollte euch alle gern mal wiedersehen.

Du musst besser lügen lernen.

Lisbeth, meine Liebe, sag mal, magst du noch mitkommen

auf ein Gläschen Wein?

Du, Sabine, tut mir echt leid,

aber ich kann grad mit deiner negativen Energie ...

Ich brauch meine ganze Kraft für den Prozess, verstehst du?

Ja, klar. Ist okay. Wirklich!

Tut mir ...

Entschuldigung! Ich wollte mich Ihnen vorstellen.

Sie sind doch die Frau von ... - Wir haben und auf der Toilette ...

Sie verraten mich doch nicht? - Sie gehören zu HSW?

Nee, auf keinen Fall! Aber Alex Stengele ist mein Mann.

Ich bin Anwältin, Christiane Schuhmann.

Ich vertrete Opfer,

die durch deutsche Waffen zu Schaden gekommen sind.

Hier im Prozess?

Das ist verdammt schwierig.

Ich prüfe für das europäische Zentrum für Menschenrechte,

ob eine Nebenklage möglich ist.

Was halten Sie von den Gummibärchen der Richterin?

Unangebracht.

Schon, oder?

Sabine.

Christiane.

Lust auf ein Glas Wein? - Gerne.

Und hast du Kinder? - (lachend:) Nein, keine Kinder.

Wolfi, noch eine, bitte.

Und du? - Auch nicht.

Warum?

Als es ging, wollt ich nicht und jetzt geht's nicht mehr.

In diese Welt gehören keine Kinder, finde ich.

Hochdorf ist ein durch und durch verlogenes Nest.

Wir bauen seit Generationen Waffen,

zuerst für den Kaiser, dann für die Nazis.

Mein Vater war in der Waffen-SS.

Tschechei, Polen, Russland.

Er wusste wahrscheinlich am Ende selber nicht mehr,

wie viel Menschen er umgebracht hat.

Nach '45 wird er ein braver Demokrat, heuert bei HSW an,

heiratet evangelisch und kriegt Kinder.

Wo er im Krieg war und was er dort gemacht hat,

in Hochdorf fragt da niemand danach.

Auf unsere verlogene Gesellschaft.

Der Prozess bringt HSW zum ersten Mal richtig in die Öffentlichkeit.

Ja, die zittern auch alle davor.

Glaubst du, die werden reden?

(leise:) Nein.

Die halten dicht.

Und dein Mann?

Kann man mit dem reden?

Das versuch ich schon ein halbes Leben.

Eigentlich ist er ein Guter.

Aber er hat seine Seele an die Familie verkauft.

Sabine, hilf mir!

Vielleicht kannst du ihn ja dazu bringen, mit mir zu reden.

Ganz inoffiziell.

Ich muss mal.

Hey! (Würgelaute)

Vorsicht!

Entschuldigung, ich bräuchte mal Hilfe, bitte!

Na komm, Papa.

Ja, ja.

Vorsicht! - Ich pass auf.

Ja.

Otto?

Mein Junge, ich seh dich jetzt zum letzten Mal.

Ach Quatsch! (Er schnieft.)

Quatsch, Papa!

Schau mal, wer da ist. - Für Ihre Mühe.

HSW zahlt immer, ist doch toll.

Ich helf Ihnen.

Ihre Frau hat mir viel von Ihnen erzählt.

Ah ja? Was hat sie denn erzählt?

Vielleicht können wir uns ja auch mal unterhalten.

Und Sie sind?

Christiane Schuhmann, Menschenrechtsanwältin.

Danke, ich schaff das schon allein.

Falls Sie es sich anders überlegen,

Ihre Frau weiß, wie man mich erreichen kann.

(Signalton)

Na komm.

Was bist du nur für ein Feigling?

Du stehst vor Gericht und hältst einfach die Klappe!

Warum sagst du nichts?

Du kannst nicht von mir verlangen, dass ich mich selber hinhänge.

Was soll denn aus dir werden, wenn sie mich verurteilen?

Und was wird aus mir, wenn wir einfach so weitermachen?

Wo willst du hin?

(Langsame Musik)

Nicht weggehen.

(Entferntes Zughorn)

(Langsame Musik)

(Wiehern)

Morgen, Miguel!

Was ist passiert?

Miguel!

Miguel, wo ist Angel?

Miguel!

Miguel, wo ist dein Bruder? - Miguel! Miguel!

Wo ist Angel?

(leise:) Ist er tot?

Miguel! (Sie schluchzt.)

Ist er tot, Miguel? Sag mir, wo Angel ist!

(Mehrere weinen.)

Miguel!

Miguel, was ist mit deinem Bruder?

Was ist passiert, Miguel?

Miguel, bitte sag mir, wo ist Angel?

Mama, Mama, Mama ... - Aber wo denn?

(Schluchzen im Hintergrund)

Wir müssen ihn suchen!

Wir müssen da hin und ihn suchen, wir müssen ihn suchen!

Ich weiß nicht, ich weiß es nicht. - Was ist passiert?

Ach! Morgen, Lisbeth! - Hallo, Sabine!

Lassen die Jungs dich nicht mitspielen?

Ach du, das überlass ich lieber dem Heinz.

Der hat das alles im Griff, er war ja schließlich Oberstaatsanwalt.

Morgen! - Hallo!

'tschuldige, Heinz, ich hab da noch eine Frage.

Du kümmerst dich ... - Verlass dich auf mich.

Alles wird glatt gehen. - Hm.

Keine Sorge!

Was soll dir schon passieren? Du bist doch nur die Sekretärin, oder?

Ja, keine Sorge.

Ich muss mit dem Professor noch ein paar Details besprechen.

Schauen Sie mal, was ich Ihnen mitgebracht habe.

Sehr schön.

Äh ... Soll ich mit?

(Autotür wird zugeschlagen.)

Bitte nehmen Sie Platz.

Herr Rechtsanwalt Vogdt,

gedenkt Ihr Mandant im Laufe des Tages zu erscheinen?

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, mein Mandant musste dringend verreisen,

geschäftlich, nach Mexiko.

Und wann kehrt er denn zurück?

Das Attest, ausgestellt von seinem mexikanischen Hausarzt,

stellt fest, dass er einen schweren Bandscheibenvorfall erlitten hat

und unter keinen Umständen reisen darf.

Erst recht nicht auf Langstreckenflügen.

Das kommt mir jetzt aber spanisch vor.

Es kommt ja auch aus Mexiko. (Lachen)

Und nun?

Ich werd's selbstverständlich auf der Stelle übersetzen lassen.

Nach seiner Rückkehr nach Mexiko plötzlich akute Bandscheibe?

Ganz genau, bedauerlicherweise.

Dann brauchen wir Sie heute nicht mehr,

Sie können im Zuschauerraum Platz nehmen. - Vielen Dank!

Zeuge Heberling von der Unternehmensberatung KBMC, bitte.

KBMC ist eine Unternehmensberatung,

die Kunden in aller Welt

bei strategischen und wirtschaftlichen Fragen unterstützt.

HSW ist auf KBMC zugekommen, und hat um konsequente Aufklärung

der im Raum stehenden Anschuldigungen gebeten.

Also, ganz konkret: Wir sollten dem Kollegen bei der Staatsanwaltschaft,

dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg und dem Zollamt

Arbeit abnehmen und sie unterstützen. - Warum?

Weil die Beamten nicht über das nötige Spezialwissen verfügen.

Es war in dem Fall HSW

auch lediglich zweieinviertel Ermittlungsstellen zugeteilt.

Die Erkenntnisse sind an die Behörden übermittelt worden?

So ist es.

Dafür liegt auch ein Dankesschreiben ...

von Herrn Staatsanwalt Morlock vor. - Mhm.

(Stimmengewirr)

Wer hat Ihre Ermittlungen gezahlt? An wen gingen die Rechnungen?

An HSW.

Was?

(Durcheinandergerede)

Also, um das zu verstehen,

Sie ermitteln in Absprache mit der Staatsanwaltschaft gegen HSW

und werden dann dafür von der HSW bezahlt?

Korrekt, ja.

Und ich darf ergänzen, selten hab ich in meiner beruflichen Laufbahn

eine so offene und umfängliche Kooperation erlebt wie bei HSW

und der Geschäftsführung um Herrn Zöblin.

Na gut, zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Ähm ... Äh ...

Zwar gibt es geringe Auffälligkeiten

bei der Beantragung der Kriegswaffenexportgenehmigungen,

jedoch ohne Rückschlüsse auf bös- willigen Vorsatz des HSW Management.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Aber eben nichts derartig Dramatisches,

dass es diesen Prozess hier rechtfertigt.

Gibt es noch Fragen an den Zeugen?

Ruhe bitte! - Wir wollen zu unseren Kindern!

Ja, Augenblick. (Stimmengewirr)

Wir lassen Sie sofort zu ihnen!

Ein Moment bitte!

Sie müssen sie identifizieren, das muss geordnet ablaufen!

Schon verstanden, aber jetzt wollen wir rein.

Natürlich! Kommen Sie rein, aber einer nach dem anderen.

Gehen Sie bitte vor. - Wir warten schon so lange!

Hier lang, kommen Sie, kommen Sie.

(Schreie, Weinen)

Nicht hinsehen!

(Stimmengewirr)

Ich weiß Mama, ich weiß!

Augenblick!

Ich brauche noch von Ihnen ... - Lassen Sie uns in Ruhe!

Einen Moment, ja?

Ich will Ihnen nur helfen, okay?

Wen suchen Sie? Ich brauche einen Namen! Verstehen Sie?

Angel. - Und weiter?

Angel Hernández.

Wie alt ist Angel? - 19.

Angel Hernández liegt auf der Intensiv.

Kommen Sie bitte mit, ich bringe Sie hin!

Das heißt, dass er nicht tot ist! - Kommen Sie mit!

Kommen Sie! - Angel lebt!

Wenden Sie sich an meine Kollegen!

Ganz ruhig, ganz ruhig.

Kollegen, ich bin gleich wieder da, ihr müsst mir helfen!

Kümmert euch um die Leute! Nicht hier, da drin bitte!

(Lautes Weinen)

Und ihr lasst ihn da einfach so liegen?

Anordnung der Polizei!

Wir dürfen uns erst um sie kümmern, wenn die Angehörigen da gewesen sind.

Er stirbt! Er braucht einen Arzt!

Wo sind die anderen?

Welche anderen?

Wir waren 50 Studenten in diesem Bus! - Nein!

Nein, nein, nein, sonst ist niemand hier eingeliefert worden.

(Unheilvolle Musik)

(Weinen)

Herr Doktor Herkenrath, erklären Sie uns doch bitte

die Rolle Ihres Ministeriums bei Kriegswaffen.

Sie als Kriegswaffenexportkontrolleur sorgen dafür,

dass die Firmen wie HSW nichts Böses tun.

Oder wie muss ich mir das vorstellen?

Nun, HS ... (Er räuspert sich.)

(Piepton)

HSW ist der Hauptlieferant

für die Ausrüstung der Polizei und der Bundeswehr.

HSW ist gleichzeitig DAS Unternehmen,

das die meisten Exportanträge nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz

bei mir, beziehungsweise beim Ministerium für Wirtschaft stellt.

Durchschnittlich 60 bis 70 Anträge pro Jahr.

Wir vom Ministerium unterstützen die Anliegen

dieses systemrelevanten Unternehmens natürlich.

Und wieso ist HSW systemrelevant?

Die Firma verfügt über Schlüsseltechnologien,

die für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland

unverzichtbar sind, das muss gefördert werden.

Ihr Rollenverständnis überrascht mich jetzt ein bisschen.

Warum?

Mein Ministerium heißt Bundesministerium FÜR Wirtschaft.

Wir helfen dabei,

dass dieser renommierte Hersteller wirtschaftlich überleben kann.

Ich dachte, Sie kontrollieren die Waffenexporte.

Ja, dass alles nach Recht und Gesetz geschieht.

Und die Menschenrechte?

Spielen die dabei eine Rolle?

Aus meiner Sicht ist das eher ein Bemühensunterfangen.

(Murmeln im Saal)

Ein Bemühensunterfangen?

Das müssen Sie jetzt etwas genauer erklären.

Den Kollegen im Auswärtigen Amt ist es wichtig

gegenüber Nichtregierungs- organisationen sagen zu können,

es würden keine Waffen

in Regionen mit Menschenrechtsverletzungen geliefert.

Und das unterstützen wir natürlich selbstverständlich.

Sie verlangen also vom Exporteur eine schriftliche Erklärung

zum Verbleib der Waffen,

um den Bemühungen eines anderen Ministeriums

zur Wahrung der Menschenrechte zu entsprechen?

Ja, genau.

Aber sobald ein Export stattgefunden hat,

ist mit Sicherstellen natürlich nichts mehr.

Fort ist fort.

Wenn's außerhalb der deutschen Grenzen ist, dann kann man,

selbst wenn man Purzelbäume schlägt, nichts mehr ändern,

wenn sich ein Vertragspartner nicht vertragsgerecht verhält.

(Richterin:) Das ist ja abenteuerlich.

Trotzdem haftet der Exporteur, in diesem Falle HSW,

für den Endverbleib des Geräts.

So steht's im Gesetz.

Was im Gesetzestext steht, ist im Endeffekt nicht wichtig.

Denn was unmöglich ist, kann auch nicht per Gesetz eingefordert werden.

Sie hätten die Exporte nie genehmigen dürfen.

(Pieptöne)

(Wimmern)

Es ist meine Schuld!

(schreiend:) Meine Schuld!

Es ist meine Schuld! - Ich brauche Verstärkung!

Was soll das? Können Sie aufhören?

Wer soll aufhören?

Hört ihr doch mal auf! - Ganz ruhig, ja?

Ich bin ruhig, du Arschloch! - Was macht ihr hier?

Habt ihr nicht genug angerichtet?

Sagen Sie Ihrem Mann, er soll sich beruhigen!

Mein Mann, der Vater meines Kindes

liegt mit einer Kugel im Kopf da drin!

Und die stammt vielleicht aus deiner Waffe!

Wo warst du gestern? Los, sag es mir! - Komm, ist gut.

Ist gut!

Was macht ihr noch hier? Hau ab!

Das habt ihr gemacht! Deswegen liegt er jetzt da drin!

Verschwinde!

(Sie atmet geräuschvoll.)

Los, gehen wir, Jungs.

(Richterin:) Dr. Herkenrath, was haben Sie da?

Bitte? - Der Ordner vor Ihnen, was ist das?

Das? Die Ermittlungsakten und die Anklageschrift. Warum?

Wie bitte?

Woher haben Sie das?

Das haben wir bei uns intern im Büro.

Im Wirtschaftsministerium?

Die Kollegen im Außenministerium haben das auch in ihren Akten.

Das darf nicht wahr sein! Die Er- mittlungsakte ist streng vertraulich!

Das hätte nie in den Händen eines Zeugen landen dürfen!

Und wie ist es überhaupt in Ihre Hände gelangt?

Das tut mir leid, das ist mir leider nicht mehr erinnerlich.

Gibt es noch irgendwelche Über- raschungen, die Sie für uns haben?

Ich weiß nicht, was Sie meinen, wir tun nur unsere Arbeit.

Ich finde es großartig, wie ihr das macht.

Ich meine, ihr zieht die Strippen und die Puppen tanzen.

Na ja, Sie übertreiben.

Ja, dezent im Hintergrund, elegant, stilvoll, effektiv.

Ich meine, die Politik frisst HSW doch sowieso aus der Hand.

(Lauter Einatmer)

Ich kann den Freispruch schon riechen.

Ist ja klar, wenn die Angeklagten die Ermittlungen bezahlen.

Eben! Ich meine, das ist genial,

die Unternehmensberater von KBMC einzubeziehen.

Die beraten das Verteidigungsministerium,

das Wirtschaftsministerium,

so kommen immer wieder neue Aufträge für HSW rein.

Wahnsinn!

Kopf hoch, Frau Stengele, Sie können stolz sein auf Ihren Göttergatten!

Also! - Sabine!

Jetzt mach nicht wieder ein Drama!

Schöne Familie hast du da.

Vielen Dank für die Einladung.

Immer wieder gerne.

Warte mal! Hör mir mal zu!

Lass mich! Ich hab die Schnauze voll von euren dreckigen Geschäften!

Jetzt hör mir doch einfach mal zu! - Ich kann nicht mehr!

Wir stehen das hier gemeinsam durch.

Und wenn das alles vorbei ist ...

Ich verlass dich, Alex.

Hast du auch eine für mich?

Du darfst nicht rauchen mit deinem Herz.

Der Beamte vom Wirtschaftsministerium

gehört doch genauso auf die Anklagebank wie du, Heinz und Otto.

Stimmt.

Aber die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen so lange rausgezögert,

bis alle Straftaten der Beamten in den Ministerien verjährt waren.

Zum Schutz unserer Freunde in Berlin.

Eine Hand wäscht die andere.

Warum überrascht mich gar nichts mehr bei euch?

Ich will, dass du bei mir bleibst.

Ich steig aus.

Ich werde aussagen.

Ich mach im Prozess reinen Tisch.

All die Lügengeschichten von Heinz, die ganzen dreckigen Betrügereien.

Was machst du denn?

Bitte steh doch auf, was ... - Sabine.

Ich schwöre dir, ich meine jedes Wort so, wie ich es gesagt habe.

Ich liebe dich.

Frau Dr. Wetzel?

Ja?

Ich ... Ich möchte jetzt doch Stellung beziehen.

(Unverständliches Flüstern)

(Richterin:) Bitte!

Es macht mich fassungslos, hier als Angeklagter zu sitzen.

Meine Ehe ist durch die Mexikosache zerrüttet.

Es ist Zeit, eine Lebensbilanz zu ziehen.

Ich ...

Ich werde an den folgenden Prozesstagen

umfassend und schonungslos aussagen und alles auf den Tisch legen,

was ich weiß.

Ich werde dem Gericht Dokumente übergeben, die mich selbst

und Heinz Zöblin schwer belasten.

Denn wir haben alles gewusst.

Und jede Phase des Waffenverkaufs nach Mexiko gesteuert.

Falls tatsächlich unschuldige Menschen durch Waffen,

die ich verkauft habe, zu Opfern geworden sein sollten,

kann ich mir das niemals verzeihen.

Das lässt ja einiges erwarten.

Wir setzen morgen die Verhandlung mit Herrn Stengele fort.

Oder Herr Stengele, brauchen Sie mehr Zeit zur Vorbereitung?

Nein.

Arschloch!

Wir werden deine Hilfe brauchen.

Ja. - Danke.

(Pieptöne)

(Ärztin:) Angel liegt im Koma.

Er hat durch den Schuss 30 Prozent seines Hirngewebes verloren.

Der Blutverlust hat ihn zusätzlich stark geschwächt.

Frau Doktor? (Das Baby brabbelt.)

Würden Sie ein Foto von uns machen?

Miguel.

Rosa, kommst du bitte?

Komm.

Schau. - Miguel!

Da legst du dich jetzt hin, dann machen wir ein schönes Foto.

(Das Baby weint.)

(Pieptöne)

(Vogelzwitschern)

(Sie lacht.)

Nicht weggehen.

Ich muss mich vorbereiten ... auf meine Aussage.

Das ist erlaubt. (Hundebellen)

(Vogelzwitschern)

(Entfernte Motorengeräusche)

(Klirren und Poltern)

Sabine!

(Alex ächzt.)

(Schmerzenslaute)

Alex!

Hilfe! - Nicht weggehen!

(Beide atmen laut.)

Alex. - Nicht weggehen.

(Ruhige Musik)

Du bist da. - Ja, ich bin da.

(Düstere Musik)

(Ruhige Musik)

(Vogelzwitschern)

(Stimmengewirr)

(Quietschende Reifen)

(Autotüren fallen zu, Motor wird gestartet.)

(Handy:) "Ich wünsch dir, dass du jetzt viel Kraft hast."

"Wenn ich irgendwas für dich tun kann, gib mir Bescheid."

"Irgendwas, ja?" - Ja, mach ich.

"Ich wünsch dir viel Kraft."

Danke, Otto. Bis bald.

Schatz.

Du weißt, ich bin für dich da.

Ah.

Na.

Hör zu, Sabine, egal, was Alex vor Gericht gesagt hat

oder auch noch sagen wollte,

du musst wissen, ich bin immer für dich da.

Es ging alles so schnell, ich konnte gar nichts machen.

Alex war mein Freund.

Und so werde ich ihn auch in Erinnerung behalten.

Ich danke dir, Heinz.

Und was das Finanzielle betrifft,

HSW zahlt dir natürlich ab sofort eine Witwenrente.

Du kannst selbstverständlich auch hier im Haus bleiben.

Du weißt, die Familie lässt dich nie im Stich, niemals!

Danke, das weiß ich.

Ja.

Ach, und bei der Gelegenheit,

ich könnte doch seine Sachen gleich mitnehmen.

Weißt du, den Laptop, die Fest- platten, die CDs und der ganze Kram.

Gehört ja sowieso der Firma.

Wo hat er's denn?

Ah, scheiße!

(Er murmelt vor sich hin.)

Heinz?

Heinz, kannst du bitte wann anders wiederkommen?

Mir ist das alles zu viel. - Je früher desto besser.

Lass das, bitte.

Ich möchte nicht, dass du in den Sachen von Alex rumwühlst.

Hör auf damit.

(laut:) Hör auf damit!

Jetzt hör mal auf da!

Pass auf, ja?

Dein Mann war untreu gegenüber der Firma.

Ich kann seinen Vertrag so im Nachhinein wieder auflösen.

Dann war es das mit deiner Witwenrente.

Was ist denn mit dir los? Das sind die Sachen meines Mannes!

Dann ist es weg, dann hast du nichts mehr!

Das sind die Sachen meines Mannes! Du widerliches Arschloch!

Du Juristenschwein! Du Menschenhasser!

Das sind die Sachen meines Mannes, die gibst du mir jetzt!

Jetzt reiß dich mal zusammen, du versoffene Kuh, du!

(Sie schreit auf.)

Jetzt weiß ich auch, warum Alex gestorben ist.

Hier hält's ja keiner aus.

Scheiße!

(Ruhige Musik)

(Sie schnieft.)

(Ruhige, ernste Musik)

Guerrero, Mexiko.

(Ruhige, ernste Musik)

Fuck!

Oh scheiße!

Fuck, fuck, fuck!

(Tragische Musik)

Das unerwartete Ableben des Herrn Stengele bedaure ich sehr.

Ich möchte im Namen der Kammer

den Hinterbliebenen unser Beileid aussprechen.

Und jetzt legen wir los.

Sehr geehrte Frau Dr. Wetzel, geehrte Kammer, geehrte Kollegen,

ich möchte meine Aussage ergänzen und ein paar Punkte klarstellen.

Gerne. - Danke.

Ich habe jetzt erst erfahren, dass Otto Lechner,

der sich ja hier offenbar dem Prozess entzieht,

und mein leider verstorbener langjähriger Freund Alex Stengele

hochrangige mexikanische Beamte

unter anderem den Polizeichef des Bundesstaates Guerrero

für den Ankauf unseres Geräts bestochen haben sollen.

Für 18 Euro pro Kurz- und für 22 Euro pro Langwaffe.

Ich wusste von diesen Zahlungen nichts.

Ich wurde von meinen Mitarbeitern arglistig getäuscht.

Rückblickend hätte ich meinen Mitarbeitern möglicherweise

weniger uneingeschränkt vertrauen dürfen.

Das bereue ich zutiefst.

Lassen Sie mich Ihnen einen Zwischenstand meiner Einschätzung

der rechtlichen Situation des Verfahrens geben.

Es soll ja kein Geheimnis zwischen mir und dem lieben Gott bleiben.

Nach meiner Auffassung kann der tatsächliche Endverbleib der Waffen

nicht Inhalt einer Genehmigung sein.

Da er verwaltungsrechtlich

weder zur Auflage noch zur Bedingung gemacht werden kann.

Das ist nicht handhabbar, nicht umsetzbar.

Seit Wochen zermartere ich mir den Kopf über diese Frage

und finde keinen Weg,

wie so etwas verwaltungstechnisch überhaupt umgesetzt werden soll.

Also ganz ehrlich ...

was soll hier eigentlich verhandelt werden?

Und vor allem gegen wen?

Der eine Verantwortliche ist tot und der andere krank in Mexiko.

Dann muss Herr Lechner eben mit einem Kreuzfahrtschiff herkommen.

Kreuzfahrtschiff ist ein sehr gutes Stichwort.

Ich bedanke mich bei allen Verfahrensbeteiligten,

wünsche Ihnen allen eine entspannte Sommerpause.

Und der Prozess wird hier in vier Wochen fortgesetzt.

(Stimmengewirr)

Mein Beileid.

Was ist passiert?

Ich hab was für dich.

(Räuspern)

'tschuldigung, ich muss zuschließen.

(Langsame Musik)

Heinz hat Alex' Unterlagen mitgenommen,

die er hier zu Hause hatte.

Heinz Zöblin?

Nur die, die hat er nicht gefunden. (Donnergrollen, Regenprasseln)

Das sind die Reisekostenabrechnungen von Guerrero.

Dreimal hat Alex im Auftrag von HSW das SG 38 in Guerrero vorgeführt.

Und egal, was er im Prozess behauptet,

Zöblin lügt wie gedruckt, er wusste über alles Bescheid.

Das ist sehr gut.

Damit kannst du was anfangen, oder?

Ja, allerdings.

Jetzt muss ich nur noch nachweisen,

dass die Waffen dort auch eingesetzt wurden.

Das legst du bitte erst mal zurück.

Ich muss damit nach Mexiko!

Und ich komm mit.

Warum?

Ich will kämpfen.

Zöblin sagt jedem, dass Alex korrupt war

und er kann sich nicht mehr dagegen wehren.

Aber ich kann es für ihn tun.

Was willst du denn da machen?

Wenn du die Beweise willst, nimmst du mich mit.

Ich kann dir helfen, ich gehöre zur Familie

und ich kenne diese Welt seit ich geboren bin.

Und im Gegensatz zu den staatlichen Stellen

hab ich kein Interesse daran, HSW zu schützen.

Na gut.

(Treibende Musik)

Willkommen in Mexiko!

Danke! Schön, dich wiederzusehen!

Wir haben einen Van für euch organisiert.

Ich muss in der Stadt bleiben, aber Miguel freut sich, euch zu treffen.

Danke, Sara!

Hey Miguel! Jaja, wir sind hier.

Was machen wir hier? - Ja, komm rüber.

Wir treffen unseren Mandanten, der versteckt sich hier in Mexiko City.

Guerrero ist zu gefährlich für ihn. - Er ist da.

Das ist er.

(leise:) Hey!

Miguel, ihr kennt euch ja schon.

Hey, Miguel!

Wer ist das?

Das ist meine Kollegin, Sabine.

Hallo!

Viel Glück!

(Aufregende Klaviermusik)

(Treibende Musik)

(Rufe von draußen, Klicken des Blinkers)

(Grillenzirpen)

Wir sind da.

Hallo!

Willkommen!

Hallo! - Hallo!

Kommen Sie bitte rein.

Miguel hat so ein Glück gehabt, das zu überleben.

Die anderen 43 Studenten sind bis heute verschwunden.

Die Familien suchen jeden Tag.

Warum muss Miguel sich verstecken?

Offiziell sucht die Polizei ihn als Zeuge der Tatnacht,

aber was wirklich mit ihm passiert, wenn sie ihn haben ...

Die Polizei?

Die Polizei hier ist böse.

Lasst uns essen, kommt! Bitte. - Danke! Komm.

(Aufnahme:) "Kommt nicht alle raus!"

"Lauft, lauft!" (Schüsse)

(Schreie)

"Gib mir die Hand!"

Ich glaube, das ist der Moment, als er getroffen wird.

Darf ich das haben?

Ja, klar.

Wir wollen euch als Nebenkläger im Prozess einbringen.

Dazu müssen wir beweisen,

dass die Waffen hier sind und eingesetzt wurden.

Warum soll das, was uns hier passiert,

in einem Prozess am anderen Ende der Welt eine Rolle spielen?

Schau, nach unserem Gesetz ist der Waffenexporteur

für den Bestimmungsort seiner Lieferung verantwortlich.

Die Gewehre hätten nie nach Guerrero geliefert werden dürfen.

Miguel, du musst uns helfen, Beweise zu finden!

(Ernste Musik)

Die Leute kommen hier raus, um nach ihren Angehörigen zu suchen.

Damit kann man uns leichter identifizieren,

falls wir auch in einem Erdloch verschwinden.

Stahl verwest nicht.

Bleibt zusammen! Zusammenbleiben!

Bleibt alle nah beieinander!

(Grillenzirpen)

(Langsame Musik)

So finden wir die Gräber.

Ist noch dunkel und feucht, seht ihr?

Das heißt, sie haben hier gegraben.

Oben sehen die Steine anders aus, so wie der hier.

So wissen wir, wo wir suchen müssen.

Der Gestank, das ist die Verwesung.

(Gespräche im Hintergrund)

Da drüben.

Geht es Ihnen gut?

(Ein Hund winselt.)

(entfernt:) Das riecht aber komisch.

Christiane?

Was ist denn? Komm!

Mir ist nicht gut.

Ich komme jeden Tag hierher und suche meinen Jungen.

Auch wenn es furchtbar wäre, ihn zu finden,

es wäre noch schlimmer, wenn er nie wieder auftauchen würde.

Aber ich denke immer noch, dass er einmal wiederkommt

und ich ihn an mich drücken kann.

Das ist die einzige Hoffnung, die mir bleibt.

(Sie schnieft.)

Ist alles in Ordnung? Warten Sie!

(Langsame Musik)

(Sie ächzen.)

(Piepton)

Also, was ist los?

Christiane, ich ...

Hey! Hey! - Was?

Miguel du musst verschwinden! Renn! Renn! - Ich bleibe.

Renn, renn, renn! - Alles klar.

Ausweise!

Pässe, bitte!

Ausweise!

Das ist eine SG 38, oder?

Ich komme aus Deutschland.

HSW ist meine Familie, ist mein Mann.

Sie kennt unsere Waffen. - Ja. Versteht ihr?

HSW, meine Familie.

Klar, ich weiß, die kommen aus Deutschland.

Ja, das sind die besten aus der ganzen Welt.

Ja, das find ich auch. - Wie lange habt ihr die schon?

Noch nicht so lange, vielleicht ein paar Jahre, maximal.

Da waren sogar ein paar Deutsche da.

Das waren Experten, die haben uns die Waffen erklärt.

Hey, hey, hey!

Was ist das denn?

Seid ihr noch ganz bei Trost?

Ihr nehmt sie fest und bringt sie ins Präsidium.

Und zwar alle!

Was haben wir getan?

Hey! Hey! Sie haben kein Recht uns festzuhalten!

Ist gegen internationales Recht!

Los.

Kommen Sie bitte. Hier.

Hier lang.

Kommen Sie rein.

Nach Ihnen.

Die Reisepässe, bitte.

Was ist der Grund für Ihren Aufenthalt in Guerrero?

Sagen Sie uns zuerst, warum wir verhaftet wurden.

Na gut, warum interessieren Sie sich für die Waffen von HSW?

Was hat das zu bedeuten?

Diese HSW-Waffen hätten nach deutschem Recht

nicht nach Guerrero geliefert werden dürfen.

Ich versteh nicht, was das mit mir zu tun haben soll.

Wissen Sie, was los ist?

Ihnen wird vorgeworfen,

Bestechungsgelder angenommen zu haben für die Waffendeals.

Das ist eine Lüge! Absoluter Unsinn!

Die Beweise sprechen gegen Sie.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Sie sich dafür verantworten müssen.

Das ist das Foto aus dem Gericht!

Sie müssen mich mit jemanden verwechseln.

Das auf dem Foto, das ist mein Mann zusammen mit Ihnen!

Was meinen Sie? - Hier.

Sie kennen meinen Mann! - Setzen Sie sich!

Hast du Fotos von Alex? - Ja.

Hier. - Was?

Sehen Sie? - Wer soll das sein?

Das ist ihr Ehemann.

Hier. - Alex.

Alex, das gibt's doch nicht!

Alex! Mein Freund! Alex. Weißt du noch?

Wir sind Freunde, Alex und ich.

Ja, das ist ihr Mann. - Das ist doch nicht möglich!

Meine Damen, willkommen im wunderschönen Bundesstaat Guerrero.

Sie dürfen jetzt gehen.

Ich würde gern mit Ihnen noch über den Fall reden.

Bitte sagen Sie Alex, er soll mich bald besuchen kommen.

Ja?

Klar. Darf ich Sie auch um einen Gefallen bitte?

Ja.

Darf ich das fotografieren?

Für Alex. - Aber gern!

Warten Sie, warten Sie! Mich auch bitte.

Vielen Dank!

Hat Miguel sich gemeldet? - Mhm.

Bitte! Bitte helfen Sie mir!

Bitte!

Was denn? - Darf ich Sie um noch einen Gefallen bitten?

Diese Frau da, sie hat ... - Hören sie,

ich lasse Sie nur gehen,

weil ich keine Probleme mit ausländischen NGOs will.

Und Sie mischen sich nie wieder in meine Angelegenheiten ein!

♪ Wach auf, mein liebes Kind.

♪ Sieh hinaus, es wird schon hell.

♪ Die Vögel singen ihre Lieder. (Das Baby weint.)

♪ Dein Stern steht noch am Himmelszelt.

(Pieptöne)

♪ Wie schön ist dieser Morgen, an dem wir heute bei dir sind.

(Ernste Musik)

(Bellen)

(Ernste Musik)

(Unheilvolle, düstere Musik)

(Jemand schreit.)

(Unheilvolle, düstere Musik)

(Lebhafte Musik)

Hi!

Einen großen Tequila.

Nein!

Flasche!

(Tragische Musik)

Sabine, was soll das denn?

Fass mich nicht an! - Jetzt reiß dich mal zusammen!

(lallend:) Wenn 43 Kinder, 43 ...

Hi, Miguel!

(Lebhafte Musik)

Miguel, ich bin keine Anwältin.

Das hier ist mein Mann.

Er hat die Waffen hierher geliefert. - Was?

Ich bin seine Frau.

Es tut mir so leid, Miguel!

Nein, nein, bitte hör auf!

Miguel, es tut mir so leid!

(Lebhafte Musik)

Sabine!

Geht's? Alles okay?

(Ernste Musik)

(Donnergrollen)

Soll ich mit rein?

Stimmt das, was sie über ihren Mann sagt?

Ja.

Wir sehen uns morgen, ja?

(Sabine stöhnt.)

Jetzt mach mit!

(Würgelaute)

Scheiße!

Oh Mann, ey!

(Regenprasseln, Donnergrollen)

Alex hat das nicht gewollt, nicht die Toten.

Sei still!

Alex ist tot, tot wie die Studenten.

Hör mit deinem scheiß Selbstmitleid auf!

Lass ihn einfach da raus, ja? Bitte!

Recht hin oder her.

Das war alles der Zöblin.

(Donnergrollen)

Alles nur auf Befehl, wie immer bei euch.

Du verstehst das einfach nicht.

Wir reden, wenn du wieder nüchtern bist.

(Donnergrollen)

(Stimmengewirr)

Miguel, ich möchte ... - Sei still! Du hast mich angelogen!

Was hast du hier eigentlich zu suchen? Was hast du dir vorgestellt?

Dass du die Toten wieder zum Leben erwecken kannst?

Du bist eine verdammte Lügnerin! Eine verdammte Lügnerin bist du!

Eine verdammte Lügnerin! - Hey! Miguel!

Wieso hast du diese verdammte Lügnerin mitgebracht?

Miguel, beruhige dich, bitte!

Was willst du denn noch?

(Entfernte Stimmen, Hupe)

Entweder wir ziehen das jetzt zusammen durch oder wir lassen's.

Ich werd nie aufgeben. Niemals!

(leise:) Ich hab was für dich.

(Vogelzwitschern)

Es tut mir so leid.

Es tut mir wirklich leid, was gestern passiert ist.

Aber ich ...

meine es wirklich gut.

Hör auf zu trinken!

Jetzt!

(Grillenzirpen)

Das Beschusszeichen aus Hochdorf.

Sie haben meine Freunde getötet.

Und sie haben meine Familie zerstört.

Rache hilft dir nicht weiter!

Wir können zusammen was erreichen, was es so noch nie gegeben hat.

Miguel!

Ich will Gerechtigkeit für meinen Bruder.

Versprich mir, dass du mir hilfst! Versprich es mir!

Ja.

Chris, wohin fahr ich euch?

Zum Grand Hotel am Zócalo.

Kennst du, hm? - Geht klar.

In vier Stunden sollten wir in Mexiko-City sein.

Passt das?

(Sirene)

(leise:) Ach du Scheiße!

Sabine, wach auf!

Soll ich anhalten? - Fahr, fahr, fahr!

(Sirene)

(Quietschende Reifen, Schrei)

(Düstere Musik)

Zuerst den Fahrer!

Raus da! Raus da!

Ist ja gut!

Nach vorne! - Hey! Lasst ihn los!

Hey!

Drin bleiben!

Was soll das?

(Spannungsvolle Musik)

Lass mich zu ihnen.

Ach du Scheiße!

Die wahren Verantwortlichen sitzen im Verteidigungsministerium,

halten sie sich an die.

Die haben das Geld eingesteckt.

Aber ich ... ich hab nur Peanuts gekriegt.

Peanuts!

Schieben sie nicht mir die Schuld für den Waffendeal in die Schuhe!

Ich lass Ihnen was da, und Sie halten mich raus.

Glauben Sie an den Barmherzigen?

Ich glaube an ihn.

Lasst sie fahren.

Das war's, wir sind hier fertig.

Lasst ihn gehen!

Hey, alles okay?

Ja.

Schau mal da.

(Ernste Musik)

Das sind die Kaufverträge der Mexikaner mit HSW.

Die wussten genau, wo die Waffen hingehen.

Guerrero.

Und schau mal, wer unterschrieben hat, dein Mann und Otto Lechner.

So.

Jetzt bin ich dran.

(Das Pferd schnaubt.)

(Wiehern)

(Langsame Musik)

(Knall)

Scheiße!

Ganz fein hast du das gemacht.

Komm, jetzt gibt's Belohnung, komm!

Na komm, na komm, na komm!

Pedro? In den kleinen Stall mit ihm, bitte, ja?

Danke.

Fein!

Den hast du tatsächlich mitgenommen?

Sabine!

Ja, badischer Zuchthengst.

So was gibt's nicht in Mexiko.

Otto. - Hi!

Hallo!

Andere Frauen in deinem Alter machen Yoga oder fangen an zu töpfern

und du machst einen auf Menschenrechte.

Zöblin hängt dich ihm Prozess hin. - In einem Prozess in Deutschland?

Soso.

Und wo sind wir hier?

Mexiko!

Er behauptet, du hättest mexikanische Amtsträger bestochen.

Ja, hab ich.

Landestypische Geschenkfolklore.

Mich interessiert, ob er meine Provision bezahlt.

Eure Waffen wurden bei dem Verschwinden

der 43 mexikanischen Studenten eingesetzt.

Das ist sehr bedauerlich.

Dein Name steht überall drauf, deine Unterschrift.

Oh, das ist furchtbar!

Früher oder später wird auch in Mexiko gegen dich ermittelt werden.

Und zwar nicht nur wegen Bestechung, du musst aufpassen!

Willst du dich nicht wehren? (Wiehern)

Der Zöblin hängt dich und Alex doch nur als Bauernopfer hin!

Dein Alex ist tot.

Und ich hab Bandscheibe,

dass ich schon reiten muss, weil ich kaum noch laufen kann.

(Schnalzende Laute)

Aua!

Glaubst du, er zahlt dir auch nur einen Cent?

(Vogelzwitschern, Wiehern)

Und deinen Vater? Den lässt du alleine sterben, ja?

Toller Kerl bist du!

Pass auf, ja? Meinen Vater lässt du aus dem Spiel!

Willst du mir Angst machen?

Lern töpfern, Sabine.

Du armselige Schnapsdrossel!

(Ernste Musik)

(Quietschende Reifen)

Die Staatsanwaltschaft hat endlich die Unterlagen für uns freigegeben.

Das sind die Ermittlungsakten über die 43 vermissten Studenten.

Und hier ...

Die Analysen der Schmauchspuren

an den Händen der mexikanischen Polizisten,

die in der Nacht von 26. September in Iguala eingesetzt waren.

17 Tests sind positiv.

Hier steht's Schwarz auf Weiß, staatlich beglaubigt.

(Telefonklingeln)

HSW, SG 38 und die Seriennummer.

Jede importierte Waffe muss im Verteidigungsministerium

registriert und beschossen werden.

Das gibt's doch nicht!

(Seufzer)

(Verkehrslärm)

Wenn's hart auf hart kommt,

sind diese Typen sich alle selbst am nächsten.

Er wird uns nicht helfen, ganz im Gegenteil.

Wir brauchen ihn nicht.

Schau, was ich gefunden habe.

Das hier, das ist das Gewehr, das Miguel uns gezeigt hat.

Damit wurde sein Bruder angeschossen.

Das ist der Beweis.

Komm.

(Trommelmusik)

(Rufe)

Ich habe der Staatsanwaltschaft umfassende Beweise übergeben

für den Einsatz illegal exportierter

SG 38 Sturmgewehre in Mexiko.

Was erwarten Sie jetzt von Ihrem Besuch hier in Deutschland?

Ich freue mich, hier zu sein.

Ich glaube, es gibt in diesem Land Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit für meinen Bruder.

Danke.

Komm, wir gehen rein.

Vonseiten der Staatsanwaltschaft

wurde der Kammer ein externer Antrag zugetragen.

Ein mexikanischer Staatsbürger,

dessen Verwandter bei einer Demonstration in Guerrero, Mexiko,

zu Schaden gekommen sein soll, möchte als Nebenkläger auftreten.

Die Kammer lehnt diesen Antrag nachdrücklich ab.

(Stimmengewirr)

Scheiße!

Es kann nicht angehen, dass der Prozess von einem Nichtbeteiligten

als politische Bühne benutzt wird, ich werde das nicht zulassen.

Gibt es irgendwelche Einwände?

Keine Einwände.

(Stimmengewirr)

Das darf doch nicht wahr sein!

Das tut mir so leid!

Nein, das geht hier nicht so! - Ja!

Wir befinden uns in einem Gerichtssaal.

Lassen Sie ihn in Ruhe! - Runter damit!

Geben Sie das her!

Hören Sie auf! - Bringen Sie ihn raus!

Hey! Ich bin seine Anwältin!

Pass auf! - Lasst mich!

Miguel, warte! (Hupe)

Ja, ist ja gut!

Bleib stehen! (Er schluchzt.)

Warum habt ihr mich überhaupt nach Deutschland geholt?

Bleib stehen, Mann!

Genau dieselbe Scheiße wie in Mexiko!

Es tut mir so leid!

Gerechtigkeit, hm?

Gerechtigkeit, Gerechtigkeit. Hier ist alles etwas sauberer,

also es ist dieselbe Scheiße wie in Mexiko!

Ja, du hast recht.

Wir kämpfen weiter!

Wir gehen mit deiner Geschichte an die Öffentlichkeit.

(Er weint.)

Nein, ich will nach Hause.

Ich will mich um meinen Bruder kümmern.

(Langsame Musik)

Scheiße!

(TV:) "... fordere ich den sofortigen Exportstopp

für Waffen der Firma HSW nach Mexiko."

"Die Bundesregierung hat Konsequenzen gezogen."

"HSW darf keine Kriegswaffen mehr nach Mexiko liefern."

"Dennoch ist derzeit nicht abzusehen,

ob die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise

gegen den Rüstungskonzern HSW zu einer Verurteilung führen."

(Grillenzirpen)

Kurt, was machst du hier? - Schöne Aussicht auf HSW.

Um das Grundstück hab ich euch immer beneidet.

(Entferntes Bellen)

Ich hab 'ne Nachricht für dich, vertraulich.

Otto will dich und deine Freundin sehen.

Na wunderbar, dann soll er doch herkommen.

In der Schweiz.

Flughafen Zürich, morgen Früh um neun.

Es gibt nur eine Bedingung.

Du bringst Karl mit.

Seinen Vater? - Ja.

(Langsame Musik)

(Unverständliche Durchsagen)

Papa!

Hallo, Sabine!

Tag. - Tag.

Oh, mein Guter! (Karl sprich unverständlich.)

(Spannungsvolle Musik)

(Schüsse)

Ja, so war das damals in Guerrero.

Und was ist das hier?

Das ist der Ermittlungsbericht der KBMC.

Es gibt zwei Versionen, eine liegt dem Gericht vor,

gekürzt und beschönigt und die andere, das ist die andere,

der echte interne Bericht.

Wo ist der Unterschied?

Sie haben ein paar Tausend E-Mails vergessen.

Weder Gericht noch Staatsanwaltschaft haben die je zu Gesicht bekommen.

Worum geht's in den E-Mails?

Weisungen aus dem Wirtschaftsministerium,

wie man deutsche Gesetze umgehen kann, kleine Tipps unter Freunden.

Aus dem Ministerium? Das gibt's doch nicht!

E-Mails von Heinz Zöblin, die Spenden an Bundestagsabgeordnete belegen

im Austausch für Hilfe bei Kriegswaffenexporten nach Mexiko.

Unter anderem an den Fraktionsvorsitzenden Klaus Wagner.

Überweisungsbelege, Dankesschreiben der Abgeordneten und so weiter.

Die schmieren deutsche Politiker für ihre Waffengeschäfte

und mache es auch noch schriftlich? - Ja.

Schwarz auf Weiß.

Ah, so.

Halten Sie mal.

Añejo.

(Ploppender Laut)

Nur so kann man das Zeug ertragen.

Danke, nein.

Nee?

Na?

Sie aber schon, oder?

Zum Wohl!

Gibst du uns das?

Das kann ich leider nicht machen.

Mach ich mich strafbar.

Ja, meine Damen.

Ich will mit derselben Maschine direkt wieder zurück nach Mexiko.

Wie sollen wir das alles beweisen?

Ich muss mich jetzt um Papa kümmern, hm?

(Seufzer)

(Ruhige, ernste Musik)

Warum hast du uns das dann überhaupt erzählt?

Sabine.

(Seufzer)

Das muss an die Staatsanwaltschaft!

(Ruhige, ernste Musik)

(Computergeräusche)

Ich glaub, ich hab was vergessen, oder?

Warum tun Sie das?

HSW schuldet mir noch einen Haufen Geld, Zöblin will nicht zahlen

wegen des Exportstopps, ich muss mich beruflich neu orientieren.

Du machst weiter? Hast du kein Gewissen?

Ach was!

Die Nazis hat man auch nicht mit Wattebällchen besiegt, oder?

Wer hat denn Hitler besiegt?

Palaversäcke mit Friedenspfeife oder Soldaten mit guten Waffen,

die gut funktioniert haben?

Hm?

Hab ich mir gedacht.

Ihr mit eurer Pfarrheimjugendgruppenmoral nicht.

Frau Schuhmann?

Ich hab Herrn Geiger vom Zollkriminalamt dazugebeten,

um Ihre Aussage zu bezeugen. - Tag.

Ich helfe gern.

Das hier sind die vergessenen E-Mails.

Vielleicht machen Sie dieses Mal was draus.

Woher haben Sie das? - Meine Quellen verrate ich nicht.

Kommen Sie in mein Büro.

Christiane?

(Zöblin:) Sie ziehen hier also die Strippen?

Christiane Schuhmann, ich bin die Anwältin der mexikanischen Opfer.

Vielleicht melden Sie sich ja mal bei mir.

Bitte erheben Sie sich.

Bitte nehmen Sie Platz.

Die Kammer hat den Parteien das neue Beweisstück,

einen Datensatz der Unternehmensberatung KBMC,

bereits zur Selbstlese zukommen lassen.

Es ist offensichtlich,

dass mindestens sechs Jahre elektronische Kommunikation,

15.000 E-Mails, im Ermittlungsbericht der KBMC

für die Staatsanwaltschaft fehlen.

Wie es dazu kommen konnte, steht in den Sternen.

Warum auch immer, I don't know, keine Ahnung.

Herr Rechtsanwalt Dr. Baumgartner, Sie wollen Stellung beziehen.

Hohes Gericht, diese neuen Beweis- stücke belegen ein für allemal,

dass Lisbeth Kraus

nur eine unbedeutende und einflusslose Sachbearbeiterin ist.

Denn meine Mandantin war bei all diesen Mails

überall lediglich in Kopie gesetzt.

Stimmt das, Frau Kraus? - Ja, das stimmt schon.

Meine Mandantin ist eine einfache Sekretärin,

da hat sie unter anderem diese Liste erstellt.

Was ist das für eine Liste?

Das ist eine Übersicht aller SG 38-Lieferungen.

Mit Vertragsnummern, Anzahl der Waffen,

Datum der Endverbleibserklärungen.

Mit den darin benannten offiziellen Empfängern

und eine weitere Spalte mit den tatsächlichen Empfängern.

Meine Mandantin hat nur ihre Arbeit gemacht,

nicht mehr und nicht weniger.

Frau Kraus, Sie haben diese Liste erstellt?

Ja. - Und wer hat Ihnen das aufgetragen?

Niemand, so direkt.

Und warum machen Sie sich dann Gedanken um die Endverwender?

Ich mein, entweder der steht fest oder der steht nicht fest.

Was kümmert das eine einfache Sekretärin?

Herr Zöblin, kennen Sie diese Liste?

Nein, noch nie gesehen.

(Stimmengewirr)

Frau Kraus,

haben Sie diese Liste vielleicht mal mit Herrn Zöblin besprochen?

Nein.

Für mich zeigt diese Liste, dass Sie gewusst haben,

dass die Waffen woanders hingeliefert wurden,

als von den Behörden genehmigt.

Das schaut nicht gut für Sie aus. - Ich tu hier nur, was ...

Wie Sie den E-Mails entnehmen können,

war ich zu keinem Zeitpunkt über diesen Sachverhalt informiert.

Dass ich dafür den Kopf hinhalten soll,

ist gegen jede juristische Vernunft.

Ich hab das immer mit Herrn Zöblin besprochen!

Sie haben aber gerade eben noch das Gegenteil behauptet!

Ich bitte die Rechtsvertreter nach vorne.

(Gemurmel)

Die hängen sie hin. - Ja, die ist geliefert.

Warum macht er das wohl, hm? - Ja.

(Richterin:) Gut, dann machen wir das jetzt so.

Aufgrund der Verfahrenseffizienz verzichten wir darauf,

weitere Teile des neuen Datensatzes in den Prozess einzubringen.

Bitte was? - Was?

(Aufgeregtes Stimmengewirr)

Gibt es Einwände?

Keine Einwände.

Gut, die Kammer zieht sich zur Urteilsfindung zurück.

Die Beweisaufnahme ist beendet.

Was tun Sie denn? Sie sollen mich verteidigen!

Sie sollen mich nicht hinhängen! Heinz, der soll mich verteidigen!

Gratulation,

dass Sie auch noch hier vor Gericht gegen Ihren Anwalt fetzen.

Glückwunsch!

Sinn und Zweck der Exportgesetze für Kriegswaffen ist es,

das friedliche Zusammenleben der Völker zu gewährleisten.

Was sich hier abgespielt hat,

schadet nicht nur dem hohen Ansehen der Firma HSW,

sondern auch der Exportwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland.

Gegenstand des Strafverfahrens ist jedoch ausschließlich

dieser Fall von Waffenexporten

und eben nicht der Einsatz der Waffen in Mexiko.

Es geht nicht darum, was als richtig empfunden wird,

sondern eine objektive Entscheidung über das,

was Recht und das, was Unrecht ist.

Und zur Frage nach einem Mitver- schulden des Wirtschaftsministeriums

und des BAfaAn möchte ich klarstellen,

dass ich auf Behördenseite keinerlei Versagen erkennen kann.

Weder vorsätzlich noch fahrlässig.

Bitte erheben Sie sich.

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:

"Lisbeth Kraus wird als Mitglied einer Bande ..." - Bande?

".. wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt."

"Die Haftstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt."

"Heinz Zöblin wird freigesprochen."

"Es gibt keine Belege,

dass er Kenntnisse über die Aktivitäten der Bande hatte."

"Herr Zöblin ist ein honoriger Mann,

der auf eine beeindruckende Lebensleistung

als Jurist zurückblicken kann."

"Die Kammer ist des Weiteren zu dem Schluss gekommen,

dass die Endverbleibserklärungen,

nicht Bestandteil der Exportgenehmigungen geworden sind."

"Bei HSW wird der Gesamtumsatz der Mexikogeschäfte eingezogen."

"Die Zuverlässigkeit des Unternehmens bleibt davon unberührt."

Die Sitzung ist hiermit beendet.

Mein Leben hab ich für diese Scheißfamilie hergegeben!

Und das ist der Dank?

Lisbeth, es tut mir leid. - Ach, lass mich!

Tja, jetzt war's die Sekretärin.

Ja, und alle sind zufrieden.

Ja, wenn man bedenkt, dass Richterin Wetzel in Rottweil ...

von einem gewissen Staatsanwalt Zöblin ausgebildet wurde ... - Was?

Die hat bei dem gelernt?

Staatsanwalt Morlock ebenfalls.

Die hätten das Verfahren abgeben müssen.

HSW ist gut vernetzt,

so gut, dass ich mich früher oft gefragt habe,

wo HSW aufhört und wo die Behörden anfangen.

Mach's gut, Schatz. Pass auf dich auf.

Du auch. - Ja.

Wer ist das?

Kurt Weisgerber, er war 16 Jahre lang Chef bei HSW

und so eine Art Ziehvater für Alex und Otto.

Zöblin hat ihn rausgeschmissen.

Wie konnten Sie ihn freisprechen?

Ich hab Ihnen alle Unterlagen übergeben, ich weiß, was drin steht.

Falls Sie damit an die Öffentlichkeit gehen sollten,

leite ich umgehend ein Ermittlungsverfahren gegen Sie ein.

Können Sie sich noch an meinen Mandanten erinnern? Miguel?

Natürlich.

Er hat geglaubt, Deutschland sei ein Rechtsstaat.

Ihr Gutmenschen glaubt immer, dass ihr die Welt besser macht.

Ihr macht sie nicht besser, ihr fühlt euch nur besser.

(Ruhige Musik)

Da kommt er.

Ich hab Beweise, dass Sie Geld gespendet haben

an mehrere Bundestagsabgeordnete. - Unverschämtheit!

War das für Genehmigungen von Export ...

Nichts wissen Sie!

Haben Sie Politiker bestochen, um an ...

(Knall) Machen Sie das aus!

(Ruhige Musik)

(Ticken)

(Marschmusik)

(Hupen)

Jetzt wo HSW nicht mehr liefern darf,

brauchen unsere Freunde in Mexiko eine vergleichbare Alternative.

Natürlich Made in Germany.

Es gibt ein nationales Interesse,

einen starken deutschen Player auf dem Markt zu unterstützen.

Aber das darf uns im Wirtschaftsministerium

natürlich nicht wieder auf die Füße fallen.

Herr Weisgerber bietet an, im Namen des Traditionsunternehmens aus Kiel,

das Mexikogeschäft zu übernehmen.

Da haben die Kollegen im Auswärtigen Amt natürlich wieder Einwände.

Wegen der Menschenrechte, Bedenkenträger.

Es läuft alles über NATO-Staaten.

Wir liefern einfach an unser Tochterunternehmen in den USA,

von da aus weiter nach Mexiko.

Den Vertrieb vor Ort übernimmt Herr Lechner.

Mit dem hab ich bei HSW zusammengearbeitet.

Guten Morgen, meine Herren.

Zur Vereinheitlichung schlagen wir eine Gesamtvereinbarung

zur Umrüstung der mexikanischen Sicherheitskräfte

mit einem Volumen von 250 Millionen Euro vor.

Kolumbien hat übrigens auch schon starkes Interesse bekundet.

Aber das muss Sie ja gar nicht weiter interessieren.

Also, meine Herren, da wird es doch einen politischen Weg geben.

Gut.

(Ernste Musik)

Herr Weisgerber. - Ich freu mich auf die Zusammenarbeit.

Ich meine, da tun sich Möglichkeiten auf.

Nur diese Kolumbiengeschichte halten wir unter Verschluss.

Davon hören Sie nie wieder was.

Sie haben's gar nicht gehört, gehen wir davon aus?

(Ernste Musik)

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