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Original subtitles

Ingo Thiel

Sandra Schlitter

Reinhard Schlitter

Mario Eckartz

* spannende Musik *

Mirco?

Mirco?

* Tür wird geöffnet. * Mirco?

* Tür wird geschlossen. *

(AB) "Der Teilnehmer ist zurzeit nicht erreichbar."

* Freizeichen-Ton *

Caro, Sandra hier. Der Mirco ist nicht da.

Ich verspäte mich vermutlich.

Sag doch Bescheid, ob ihr den Laden solange im Griff habt.

Ich komm so schnell wie möglich.

Ich dachte, der hat sich reingeschlichen,

das macht er doch immer so.

Sein Dirtbike ist weg.

Das würde er nie irgendwo stehen lassen.

* Handy läutet. * Caro?

Ja, danke.

Das Krankenhaus in Lörsen hat auch keinen Jungen.

Beim Nick ist er auch nicht.

Caro!

Da hat das Dirtbike heute Morgen gelegen, ganz sicher.

Wann?

Ist keine zwei Stunden her,

kurz vor 8 Uhr war ich im Geschäft und sperrte auf.

Sicher, dass es Mircos Rad war?

Hellgrün und mit diesem Schriftzug drauf.

Ja, und wo ist es dann jetzt?

Das bringt doch jetzt nix, Sandra.

Bitte, lieber Gott, mach, dass das jetzt alles nicht wahr ist!

* Freizeichen-Ton *

(Mann) "Polizei-Leitstelle Viersen, guten Tag!"

Guten Tag, mein Name ist Reinhard Schlitter.

(Lautsprecher) "Hier spricht die Polizei. Es werden Zeugen gesucht."

"Gestern Abend, gegen 21.30 Uhr,"

"verschwand der 10-jährige Mirco Schlitter."

"Er war mit seinem Fahrrad auf dem Heimweg von Oedt nach Kipprath."

"Zuletzt hielt er sich an der Skateranlage in der Mühlengasse auf."

"Wer sah den Jungen?"

"Wer hat gegen 21.30 Uhr etwas Auffälliges beobachtet?"

"Bitte wenden Sie sich an die Notrufzentrale unter 1-1-0."

* Hupen *

Hallo, Papa. Hi, Jungs!

(Junge) Hi! * Handy läutet. *

Ja?

Wann?

Alles klar, ich bin gleich bei euch.

* Er seufzt. *

Hört mal zu.

Da, da ist 'n Junge verschwunden, da muss ich helfen.

Es ist immer was passiert, wenn sie dich anrufen!

Ja, tut mir leid. Aber du hast es versprochen!

Ich weiß, ja. Hier, den fand ich, das ist doch deiner?

Brauche keinen blöden Teddy mehr.

Und Salto kann ich auch alleine üben!

Papa, du weißt schon, Versprechen muss man auch halten!

Ich weiß, tut mir leid.

Ich meld mich bei euch, ja?

Na komm, dann gehen wir jetzt 'n Eis essen, okay?

Komm, gib mir die Tasche.

Ecki, ich bin's.

Egal, was du gerade tust, lass es und komm nach Kipprath.

Da ist 'n Junge verschwunden.

Das ist von Mirco.

Ungewaschen, wie Sie gesagt haben.

* Tür quietscht. *

Mirco würde sich nie hier verstecken,

er findet den Raum gruselig.

* Er seufzt. *

Die scheinen zu glauben, wir hätten Mirco im Haus versteckt.

Was ist? Mein Bauch spinnt wieder.

Du wirst sehen, es wird alles gut.

Gott ist da.

Ja.

Das weißt du.

* spannende Musik *

Hallo. Morgen.

Morgen, Kollegen. Ingo Thiel, KK 11.

Winfried Karls, ich bin der Bezirksbeamte aus Lörsen.

Schieß mal los.

Hier hat eine Kollegin der Mutter des vermissten Jungen

heute ein grünes Fahrrad gesehen.

Als die Eltern da waren, fanden sie nix.

Nun ist das Fahrrad wieder da? Ja.

Frag den da drüben. Der nahm das Bike mit und wollte es verkloppen.

Als er unsere Lautsprecherwagen hörte, wurde er reumütig.

Da hatte er das Rad mit einem Hochdruckstrahler gereinigt.

Alle Spuren beseitigt. 'n paar Kollegen sind unterwegs

mit 'nem Bild von dem Jungen und befragen die Anwohner.

Und? Scheiße.

Richtig scheiße.

Gestern Nachmittag war der Junge mit Freunden im Kino,

danach im Stadtteil Höltz auf der Skaterbahn, das ist hier.

Knapp sechs Kilometer entfernt.

Sein Freund Nick sagt,

dass er sich um kurz vor 21.30 Uhr auf den Weg machte,

da wäre er dann hier vorbeigekommen.

Der Typ, der da drüben wohnt,

in dem weißen Haus, der schaute das EM-Spiel gestern.

Nach dem 1:0 ist auf den Balkon, eine rauchen

und dann sah er 'n Wagen hier im Feld,

glaubte, da wär einer pinkeln.

Was für 'n Wagen? War dunkel.

Wann ist das Tor gefallen? Klose, 51. Minute, Linksschuss.

Anstoß war 20.45 Uhr, das heißt, das war kurz vor 22 Uhr.

Die Eltern wollen erst heute früh bemerkt haben, dass er fehlt?

Die dachten wohl, der sei längst zu Hause.

Nette Leute. Bisschen verspuhlt, wenn ihr mich fragt.

Inwiefern? Na ja...

Keine Ahnung, Glaubensjunkies halt, Mitglieder von 'ner Pfingstgemeinde.

'ne Sekte?

Nee, 'ne Art Protestanten, von denen gibt's hier in Kipprath 'n paar.

Dann packen wir mal aus. Das große Besteck?

'ne Soko also?

Wir brauchen zwei Hundertschaften, Ecki.

Raum für 50, 60 Leute, am besten heute.

Ich kümmer mich um die Hubschrauber, da ist der Mantrailer.

Hallo, Ingo Thiel.

Fritzi, hi. Hallo.

Hallo, hallo.

Na, hilfst du uns, 'n Kind zu finden?

Gib mir mal das Shirt von dem Jungen.

So, hier.

Such! Such!

(Winnie) Ich geh mit.

* spannende Musik *

(Funk) "Polizeikette, Marsch!"

* Hubschrauber nähert sich. *

Der Mantrailer hat Mircos Spur bis hierher verfolgt. Dann war Sense.

* Scheppern *

* spannende Musik *

* Tür schließt. *

Hallo, ist da jemand? Kriminalpolizei! Hallo?

Wohnen Sie hier?

Wie heißen Sie?

Ihr Name! Loslassen, bitte.

Gut. Max Reich.

Herr Reich, sahen Sie 'n 10-jährigen Jungen? Ist er hier?

Wir suchen einen 10-jährigen Jungen! Welcher Junge, was 'n für 'n Junge?

Gehen Sie mal bitte beiseite.

Würden Sie bitte einmal beiseite gehen!

Hey!

Du Arschloch!

Gut jetzt!

Kommst du mal mit dem Hund runter?

Sie hat hier nichts mehr.

Der Typ war so gut, dem hätt ich wirklich alles zugetraut!

Der war viel zu gut.

Einladend hier. Ja, war mal 'n Finanzamt.

Okay, Leute.

Danke, dass ihr's so schnell hierher geschafft habt.

Wir wissen alle, worum's geht.

Wer von euch glaubt, dass wir den Jungen noch lebend finden?

Verstanden.

Unsere erste Spur ist schon mal futsch.

Hier verlor der Mantrailer heute die Fährte.

Der Alki auf dem Hof nebenan hat ein wasserdichtes Alibi.

Er legte gestern zur Tatzeit die Regionalbahn von Gladbach lahm,

hat am Stellwerk ein Leiterkabel durchgeknapst und geklaut.

Der Hund hat Mircos Spur sieben Kilometer verfolgt.

Der Junge wird die Strecke nicht gelaufen sein.

Hier kommt der Hinweis auf das Auto ins Spiel,

was gestern, 22 Uhr, hier parkte,

wo heute Morgen Mircos Fahrrad auftauchte.

Wahrscheinlich der Abgreifort, vermutlich nicht der Tatort.

Okay, was habt ihr?

Beate unterstützt uns bei der Fallanalyse.

Das LKA war so freundlich, sie uns auszuleihen.

Ist mal was. Trevers übernimmt die Leitung der Kriminaltechnik.

Hallo. Gibt es noch mehr Frauen?

Nach Frauenquote schaut's hier echt nicht aus.

Kolleginnen bringen die Leute auf der Straße schneller zum Reden.

Winnie, dich brauchen wir als Ortskundigen für Kipprath.

Das ist Konstanze, Opferschutz, kümmert sich um die Familie.

Hallo! - Hallo.

Wie sieht's aus, seid ihr so weit fertig?

Wie geht's den Eltern?

Wenn Mirco heute nicht kommt, kann ich dann sein Eis kriegen?

Sei nicht so egoistisch!

Ein Eis genügt, Lisa, sonst kriegst du Bauchschmerzen.

Und das andere heben wir auf, bis Mirco wieder da ist, einverstanden?

Ja! Und dann kriegt Mirco gleich zwei Eis!

Wenn du wirklich etwas für Mirco tun möchtest, Lisa,

dann bittest du Gott darum, dass er gut auf ihn aufpasst.

Ja! Bitte, lieber Gott!

Und wenn Mirco einen Unfall hatte, dann kümmer dich bitte,

dass er Hilfe bekommt.

Wir haben ihn doch so lieb! (leise) Ja.

Und wenn er gar nicht wiederkommt?

Bist du total bescheuert? Sag nicht so was!

* Klingel *

Bleibt ihr bitte hier.

Mirco!

Hallo, Sandra, entschuldigen Sie, das ist Ingo Thiel von der Kripo,

er leitet die Suche nach Ihrem Sohn.

Tut mir leid, dass wir so spät stören.

Kein Problem.

Bitte, kommen Sie doch rein.

Sandra hatte mich gebeten, noch mal nach ihm zu sehen.

Aber ich war im Keller und...

dann dachte ich eben, er ist schon da.

Sie haben gesagt, dass Mirco keine Probleme hatte.

Warum sind Sie sich da so sicher?

Da hätt er mit uns drüber gesprochen.

Unsere Kinder vertrauen uns.

Mirco war schon immer sehr selbstständig.

Sein Fahrrad hat er sich ganz alleine ausgesucht z. B.,

und sich vorher vom Händler beraten lassen, aber wenn er Hilfe braucht,

dann kommt er immer gleich zu uns, um für sich 'ne Lösung zu finden.

Hat ein Freund oder ein Verwandter 'n besonderes Interesse

an Mirco gezeigt?

Oder in Ihrer Kirchengemeinde?

Fühlte sich Mirco zu irgendjemandem,

na ja, besonders hingezogen in letzter Zeit?

Ich verstehe, was Sie da andeuten, aber...

Manche Menschen verstehen es sehr gut, ihre Absichten zu verbergen.

Besonders Kindern gegenüber.

Und euch fällt da auch niemand ein? 'n Freund?

Vielleicht sogar schon erwachsen?

Oder 'n Geheimnis, das Mirco jemandem von euch anvertraut hat?

Sie können mich jederzeit anrufen, wenn Sie Hilfe brauchen.

Danke, dass Sie sich so für unsern Sohn einsetzen.

Haben Sie Kinder?

Zwei Söhne.

Die beiden sind sicher sehr stolz auf ihren Vater.

Sie werden Mirco finden, nicht wahr? Wir werden es versuchen, ja.

Ich bin sicher, Jesus wird Ihnen dabei helfen, er ist immer da.

Ich weiß nicht, was Mirco zugestoßen ist,

und ob Gott etwas damit zu tun hat, aber ich verspreche Ihnen:

Ich werde Ihr Kind finden. Ich und mein Team.

* Hund bellt. *

Das war nicht professionell, Ingo, dich selbst so unter Druck zu setzen.

Außerdem weckst du mit deinem Versprechen falsche Hoffnungen.

Wenn der Junge tot ist, wird er vielleicht nie gefunden.

Dieses Gequatsche über Gott, ich mein, das bringt doch nichts.

Religion war nie mein Fach, aber wenn's ihnen hilft.

Andererseits, 80 Prozent der Gewalttaten gegen Kinder

sind familiär bedingt, das sind die Fakten.

Ja, bekannt. Ja.

Was ist los? Ich dachte, ich hab was gehört.

Du bist ja angezogen?

Falls was ist.

Und?

Ich hab mich getäuscht.

* Er seufzt. *

Warum hab ich nicht gewartet, bis er nach Hause kommt?

Sandra, du kannst doch nichts dafür, du warst müde,

du hast zur Arbeit gemusst.

Aber du nicht!

* Sie schluchzt. *

(Radio) "Im Fall des verschwundenen 10-jährigen Mirco S."

"ist eine großangelegte Suchaktion angelaufen."

"Dafür wurden Beamte aus ganz NRW zusammengezogen."

"Das Wetter: es bleibt bewölkt,"

"am späten Nachmittag sind leichte Schauer möglich."

"Und nun zum Verkehr."

* spannende Musik *

Hier ist nix. Ich gucke mal dahinten.

* spannende Musik *

* Vögel kreischen. *

* Stimmengewirr *

Die waren gestern bei 'ner Demo in Düsseldorf eingesetzt,

da ging's mal wieder richtig zur Sache.

Freuten sich schon aufs Wochenende.

Dem Jungen geht's grad sicher schlechter als den Kollegen.

Hallo!

Tach!

Moin, Ingo. Morgen.

Das ist Kollege Koller, der Computerspezialist. - Tach.

Sein Sohn fuhr die Strecke für uns ab. - Ja, freut mich,

dass ich bei der Soko dabei bin, und dass mein Sohn helfen kann.

Das waren exakt 15 Minuten und 21 Sekunden.

Mirco war also gestern zwischen Viertel vor 10 und 10 genau hier.

Das matched mit den Beobachtungen von unserm Fußballfan.

Können wir mal durch, bitte? Macht doch mal Platz! Danke schön!

Einfach draufhalten, okay?

* Stimmengewirr *

* Klingel, er seufzt. *

Hi, bist du die Schwester von Mirco? - Ja.

Ja. - Wie heißt du? - Eva.

Ich bin Oliver. Magst du rauskommen? Ich hab Fragen. Geht schnell.

(Mann) Ja, ja, schnell!

Weiß man denn jetzt schon, was passiert ist?

Ist dein Bruder weggelaufen?

Oder ist er entführt worden? Weißt du was?

Keine Ahnung, ich weiß es doch auch nicht.

Lief dein Bruder früher schon mal weg?

Keine Ahnung! Mama! Mama! * Stimmengewirr *

Frau Schlitter, hallo! Haben Sie Neuigkeiten von Ihrem Sohn?

Lebt er? Gibt es Hinweise für eine Entführung?

Hauen Sie ab! Bitte, gehen Sie! Lassen Sie uns in Ruhe!

Lassen Sie uns in Ruhe! Hauen Sie ab!

Hast du die Kleine, wie sie weint? - Alles im Kasten.

Ich halt das nicht aus!

Hey, was auch immer passiert, wir halten zusammen.

Was soll denn noch passieren? Der Mirco ist weg!

Wir haben nicht mehr nach ihm gesehen!

Es tut mir so leid, ich gäb alles drum,

wenn ich noch mal nach ihm geschaut hätte.

Ja.

* Stimmengewirr *

Ja, verdammt! Ich kenn die Gesetze auch!

Der Junge ist weg, und der hat vielleicht nur noch kurz zu leben.

Dem ist es egal, dass ihr seine Telefondaten schützen wollt.

Der will gerettet werden! Wenn das schiefgeht, seid ihr mitschuldig.

Arschlöcher.

Aufgelegt. Einatmen.

Ausatmen. Ich red noch mal mit denen.

Ganz ruhig, ganz freundlich. Vergiss es.

Hab dich trotzdem lieb.

Beeil dich, bitte! - Ja.

Und, hey, nicht so weit weg! - Ja.

(Frau) Los, mach mal hinne!

Komm mal her.

Ja... perfekt.

Komm, die packen wir ein!

Ja, klar. Ich versteh Sie vollkommen.

Mhm, mhm.

Aber wissen Sie,

dem Einzigen, dem das Gesetz hier nützt,

ist ein Verbrecher, der einfach so davonkommt und...

Ja, ja, ich weiß.

Mhm, mhm.

Wenn wir wenigstens wüssten, um welche Uhrzeit das Kind verschwand,

das würde... Ja, gut, ich warte.

Mhm, mhm, ich höre.

Aha. Gut. Danke schön.

Ja, Sie haben uns wirklich sehr geholfen. Wiederhören!

Sag jetzt nichts.

Mircos Handy hat sich um 23:18 Uhr aus dem Netz abgemeldet.

Na, immerhin.

75 Minuten, nachdem er am Abgriffort eingetroffen ist.

Und wo war das?

Vorratsdatenspeicherungsgesetz. Ermittlungsverhinderungsgesetz.

* Telefon läutet. *

Ja. Ingo, Frederike hier.

Ich hab 'n Handballer in der Leitung, der da,

"wo das Fahrrad gefunden wurde, am Freitagabend ein Auto sah,"

"ein Passat!" Danke!

Unser Training war um 21.30 Uhr zu Ende,

dann sind wir unter die Dusche und ab ins Auto,

es war ja Länderspiel an dem Abend.

Wie gesagt, es war so ja um 22 Uhr, als wir hier vorbeikamen.

Ich hab ja rechts gesessen. Ich sah sogar die Fahrradlichter.

Dani fuhr etwas langsamer, weil wir dachten,

da flog vielleicht einer besoffen in den Graben.

Warum habt ihr nicht angehalten? Da war ja schon das Auto!

Dann dachten wir, da ist ja schon einer, der sich kümmert.

Wie sah das Fahrzeug aus? Das sagte ich schon 20 Mal.

Das war 'n VW Passat Kombi B6!

Mann, bin ich 'ne Repeattaste? Mann!

Wir brauchen's halt ganz genau. Warum bist du dir so sicher?

Weil ich die kompletten Automagazine auf meinem Scheißhaus liegen hab,

deswegen weiß ich's so genau, Chef.

Also, noch mal: Der VW Passat Kombi B6 hat genau hier geparkt.

Ich hab's an den runden Rücklichtern erkannt.

Das war die günstigste Ausstattung. Und die Farbe?

* Er seufzt. *

Metallic. Metallic, was?

Dunkel, es war halt auch dunkel!

Wie schaut's denn aus,

können wir jetzt wieder gehen?

Ja, ja, ist gut, danke!

Viel Erfolg.

Danke schön. (Frau) Danke.

Das ist unser Top-Zeuge! * Motor startet. *

Die beiden haben wahrscheinlich, ohne es zu wissen,

den Moment mitbekommen, als ein 10-jähriger Junge weggerissen wurde.

Der Passat. Typisches Vertreterauto. Billigste Variante.

Na super, das Ding haben die bestimmt 200.000 Mal verkauft.

Keine 200 m weiter der Ortsanfang

und 100 m in die Richtung die Saatmittelfabrik.

Die Arbeiter hatten 'ne Viertelstunde später Schichtwechsel.

War da was? Bisher nichts Auffälliges,

alle pünktlich gestempelt, keiner früher weg.

Der Typ stand so unter Druck, dass er die Gefahr,

von Dutzenden Augenzeugen gesehen zu werden, einfach verdrängt hat.

Wer so unter Druck steht, der macht Fehler.

(TV) "Der Junge ist zu Hause nicht angekommen."

"Das Fahrrad lag in einem Acker vor dem Ortseingang."

"Zwei Zeugen haben an besagter Stelle einen dunklen Passat B6 beobachtet."

"Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus."

"Bekleidet war Mirco mit einer dunkelgrauen Jogginghose"

"und einem hellgrauen T-Shirt mit Querstreifen und der Zahl 67."

"Zeugen, die etwas sahen, werden gebeten,"

"sich unter der eingeblendeten Nummer bei der Sonderkommission Mirco..."

Ja, bitte? "Sie sind doch die Familie,"

"die ihren Jungen sucht?"

Ja. Haben Sie ihn gesehen? Wissen Sie, wo er ist?

"Na klar!"

"Der macht Party auf Malle!"

Hallo? Wer ist denn da?

"Wenn man auf seine Kinder nicht aufpasst,"

"dann kommt halt so was bei raus. Mitschuldig seid..."

Sie möchten also keine Infos über sich preisgeben?

Dann fangen wir anders an.

Was können Sie uns im Zusammenhang von Mircos Verschwinden sagen?

Ihr Nachbar klaut immer Ihre Zeitung, jetzt glauben Sie,

er könnte etwas mit dem vermissten Kind zu tun haben.

Warum glaubt dieser Schamane, dass die Organmafia Mirco entführt hat?

Hier! So holt man die Leute hinterm Ofen vor.

Nee, das Kind? Was für Arschlöcher!

Ich will, dass wir jedem einzelnen Verdacht nachgehen,

ich will jeden einzelnen Zeugen! Wann holen wir die Eltern?

Morgen. Gut.

(Eva) Wann kommen sie denn wieder? - Keine Angst, ja?

Eure Eltern müssen nur 'n paar Fragen beantworten.

Kommt, wir gehen mal rein.

Ich sah Mirco nicht mehr an dem Abend.

Und ich weiß auch nicht mehr genau, wie lange ich am Computer saß.

Vielleicht bis 0 Uhr?

Das müssen Sie doch mit Ihrer Technik überprüfen können?

Schauen wir mal.

Was ist mit Ihrer Frau?

Die hat schon geschlafen.

Hat Sie ein Verhältnis zu einem anderen Mann?

Das ist doch völlig absurd!

* Er flüstert unverständlich. *

Was ist mit den Männern in Ihrer Gemeinde?

Wieso?

Na, da kommt man sich doch näher, bei den Bibelabenden,

den Gottesdiensten? Was wollen Sie da unterstellen?

Ich sag Ihnen, warum uns das so wichtig ist:

Es gibt Pädophile, die machen sich über die Mütter an die Opfer ran.

So bekommen sie ihre Infos über die Opfer

und erschleichen Vertrauen, die Mütter wollen nicht,

dass das Verhältnis öffentlich wird und uns fehlt ein Hinweis,

ein wichtiger Hinweis. Noch mal die Frage:

Haben Sie einen Verdacht?

Vielleicht doch in der Gemeinde? Da gibt es keine Kriminellen.

Glauben Sie mir, ich frage nicht ohne Grund.

Von wem reden Sie da?

Das können wir Ihnen nicht sagen. Aber das ist doch verrückt!

Ich liebe meine Frau und sie mich.

Und mit Kriminellen haben wir nichts zu tun!

Mein Mann macht sehr viel Sport, und er fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Ich kontrollier doch nicht, wie lang er weg ist.

Das verstehe ich gut.

In seiner Aussage über den Tag, an dem Mirco verschwand,

fehlt über eine halbe Stunde. Das stimmt nicht,

er kam am späten Nachmittag nach Hause mit dem Rad wie immer.

Mirco ist um 22 Uhr abends verschwunden. Was soll das?

Wo ihr Mann sich um 22 Uhr aufhielt, ist ja auch nicht so ganz klar.

Er war am Computer. Woher wollen Sie das wissen?

Sie haben doch schon geschlafen?

Wollen Sie damit sagen, dass mein Mann etwas

mit dem Verschwinden von Mirco zu tun hat?

Ihr Haus ist nicht weit weg von der Stelle, wo Mircos Fahrrad lag.

Vielleicht wollte der Fahrer des Passats nur austreten.

Und Mirco ist jemand anderem begegnet, jemanden, den er kannte.

Sie haben meinen Mann in Verdacht,

seinen eigenen Sohn verschleppt zu haben?

Hat Ihr Mann vielleicht Verhaltensänderungen gezeigt?

War er unpünktlich, oder hat er Ausreden benutzt?

Sie glauben, dass Sie Ihren Mann sehr gut kennen.

Was ist, wenn Sie sich irren? Und er Ihnen irgendwas verheimlicht?

Es wäre gut, wenn Sie sein Verhalten in nächster Zeit beobachten.

Und wenn Ihnen was auffällt, dann rufen Sie uns bitte an.

Sie wollen, dass ich Reinhard ausspioniere?

(Alle singen) # "Herr, ich komme zu dir"

"und ich steh vor dir,"

"so wie ich bin!"

"Meine Sorgen sind dir nicht verborgen,"

"du wirst sorgen für mich."

"Voll Vertrauen will ich auf dich schauen."

"Herr, ich baue auf dich!"

"Gib mir ein neues Lied"

"in meinen Mund."

"Fülle mich neu mit deinem Geist,"

"denn du"

"bewirkst ein Lob in mir." #

Ich möchte euch etwas sagen.

Vor 'n paar Wochen, da bin ich abends zu dem Mirco ins Zimmer,

da hat er schon geschlafen.

Er schlief friedlich, und da hörte ich in meinem Herzen eine Stimme:

"Sandra,"

"bist du bereit, mir den Mirco zu geben?"

In meiner spontanen Art dachte ich: Ja, klar, Jesus.

Du hast mir die Kinder geschenkt und ich bin bereit,

dir Mirco in deine Hand zu legen!

Aber dann musst du dich auch um ihn kümmern!

Dieser Satz fiel mir ganz leicht.

Ich hab ihn dann zugedeckt

und draußen auf der Treppe

musste ich auf einmal heulen wie 'n Schlosshund.

Bin ich jetzt schuld?

Warum hast du mir denn nichts davon erzählt?

Ich dachte dann wieder,

das hat mit dem Jungen aus seiner Klasse zu tun.

Der, der an Krebs gestorben ist.

Jetzt versteh ich es.

Was?

Vielleicht hat Gott Mirco auf eine Art und Weise beschützt,

die wir nicht verstehen.

Entschuldigen Sie, Herr Pastor,

aber warum soll Gott wollen, dass Mirco weg ist?

Ihr kennt doch alle die schlimme Geschichte von Natascha Kampusch.

Das Mädchen war auch zehn, als der Mann sie entführte.

Und acht Jahre war sie spurlos verschwunden.

Und dann ist sie eines Tages wieder aufgetaucht.

Aus dem Nichts. Gott hat das Kind beschützt.

Warum Mirco nicht? Wer gibt uns das Recht, an Gott zu zweifeln?

Gott hat das Kind beschützt? Indem er sie in 'n Keller eingesperrt

und zuließ, dass 'n Verbrecher sie jahrelang missbrauchte?

Nennst du das beschützen?

Glaubst du, es ist Gottes Wille, dass 'n Kind vergewaltigt wird?

Nee, natürlich nicht. Aber Gott war doch trotzdem da.

Was Martin vielleicht gemeint hat, ist, dass Gott immer da ist.

Aber er hat den Menschen den freien Willen gegeben.

Ja, und damit auch die Möglichkeit, unsagbar Böses zu tun.

Ich versteh's nicht!

Warum behandelst du unsere Freunde so?

Bist du dir sicher, dass es unsere Freunde sind?

Wovon redest du? So kenn ich dich gar nicht!

Es gibt einen Straftäter bei uns in der Gemeinde.

Vielleicht 'n Pädophilen. Die Polizei hat so was angedeutet.

Sie wollten von mir wissen, ob du ein Verhältnis mit jemandem hast.

Und?

Und was hast du geantwortet?

Natürlich, dass du kein Verhältnis hast!

Von mir wollten sie wissen, ob ich mir vorstellen kann,

dass du Mirco entführt hast.

Sie haben von mir verlangt, dass ich dir nachspioniere.

Komm.

Lass uns rübergehen und mit den Kindern beten.

Ich kann nicht.

Das hilft dir und uns! Nein, ich will auch nicht!

Ich kann nicht und ich will nicht!

Entschuldige, es geht mir nicht gut.

(Frau) "Ja, weil, Sie suchen doch Mirco"

"und der Name stand auf so 'nem Waschzettel in einer Hose,"

"die ich aufm Parkplatz fand."

"Ich sah das, als ich die Hose waschen wollte."

"Ich dachte, die würde meinem Sohn passen,"

"deshalb nahm ich sie mit. Wissen Sie, der musste Pipi."

Wo genau lag die Hose? - "Am Hübecker Parkplatz."

Haben Sie die Hose schon gewaschen? - "Nee."

Prima, danke!

Unternehmen Sie bitte nichts!

* düstere Musik *

* Er stöhnt. *

* Er seufzt. *

* Klopfen *

Wie sieht's mit dem Passat aus, Tim?

Schau dir die Listen an, das sind mehr als 100.000 Stück.

Wenn wir die relevanten rausfiltern, sind's locker 4000.

Bis wir die überprüft haben, vergehen Wochen,

Monate.

Kann man das irgendwie beschleunigen?

Auffüllen.

* spannende Musik *

* Schlüssel klirrt. *

* Stimmengewirr *

(Polizist) Fund!

* Vögel kreischen. *

Außer dem blutverschmierten Shirt

und den Socken haben die Kollegen Mircos Boxershort gefunden, hier,

Richtung Süden, am rechten Fahrbahnrand.

Daraus ergibt sich ein Weg, den der Täter mit seinem Wagen zurücklegte.

Wir alle wissen, was das bedeutet.

Wir suchen nach einer Leiche.

Er hat das Kind nackt gemacht. Wir suchen nach einem Sexualtäter.

Passat B6, günstigste Ausstattung.

'n Mann mit mittlerem Einkommen, vielleicht hier aus der Gegend.

Oder im Außendienst, von wegen Vertreterauto,

aber Ortskenntnisse. Wahrscheinlich älter als 25, wenn kein Ersttäter,

dann vielleicht sogar wesentlich älter.

Jochen fand neben der DNA noch zwei Fasern auf der Hose des Jungen.

Eine in Orange, sehr speziell. Schwer entflammbar.

Möglicherweise vom Täter. Irgendwas mit Brandschutz?

'n Feuerwehrmann oder so? Möglich.

Und die andere? Schwarz.

Vermutlich von den Autositzen.

Er ist mit dem Hersteller in Kontakt wegen der Baureihe.

Der Typ ist nicht Richtung Autobahn. Nach Süden kommen nur die Dörfer!

Ja, ist einer von hier.

Ganz nah bei uns. Wie der Vater zum Beispiel?

Tim checkte den Browserverlauf von Schlitters PC.

Anscheinend war der Vater den ganzen Abend zu Hause.

Oder die Mutter deckt ihn? Nein, nein. Die Eltern sind raus.

Da gibt's einfach zu wenig Indizien.

Die Bauernhöfe? Alle überprüft.

Der Mann stand unter Druck.

Wollte die Klamotten ganz schnell loswerden.

Wer clever ist, der entsorgt die Sachen anders.

Vielleicht haben andere Personen Zugang zu dem Wagen.

Ja, oder er lebt nicht allein. Er hat vielleicht Familie.

Wer bist du, hm?

Wo bist du?

(Radio) "Heute früh wurde in über 100 Haushalten"

"in und um Kipprath der Hausmüll beschlagnahmt."

"Laut Sicherheitsbehörden, handelt es sich"

"um eine Maßnahme im Zusammenhang mit dem verschwundenen Mirco S.."

"Die Verkehrsmeldungen:"

"Der Stau nach einem Unfall hat sich noch nicht aufgelöst,"

"rechnen Sie mit zusätzlichen 30 Minuten."

* düstere Musik *

* Tastatur klappert. *

* Tastatur klappert. *

* traurige Musik *

* PC-Signal *

* Er schluchzt. *

Was ist? * Er schluchzt laut. *

Hey. * Er schluchzt. *

* Er weint. *

* Er weint laut. *

* Klopfen *

Lasst ihr uns bitte mal alleine!

Es kann ja wohl nicht sein,

dass in dieser Soko Befunde nach außen getragen werden,

die vom Labor noch nicht endgültig abgesegnet sind!

Wovon redest du?

Wie kommst du dazu, den Schlitters zu sagen,

dass wir die Boxershort von dem Jungen fanden?

Das macht der Opferschutz. Die Leute stehen unter Schock!

Ich kenn den Reinhard aus der freiwilligen Feuerwehr.

Hast du sie noch alle?

Was ist, wenn sich herausstellt,

dass die Shorts gar nicht von dem Jungen ist?

Pack deine Sachen, du bist raus.

Dann kommt Mirco wirklich nie mehr wieder zurück?

Mirco ist wahrscheinlich was ganz Furchtbares zugestoßen.

Was?

* Sie schluchzt. *

Das wissen wir noch nicht.

Aber wir werden den Täter finden, und wir werden ihn bestrafen.

Kann uns denn auch so was passieren wie Mirco?

Nein, mein Schatz.

Wir halten alle zusammen.

Und irgendwann werden wir Mirco wiedersehen.

Wann?

Wenn wir auch tot sind?

(Mann) Mirco wird immer bei euch sein, bei seinen Geschwistern,

bei seinen Eltern, die ihn lieben,

die ihn in Erinnerung bewahren werden.

Das ist aber nicht dasselbe!

Mirco ist großes Unrecht widerfahren, aber er ist jetzt an einem gerechten,

an einem friedlichen Ort.

Ich kann einfach nicht glauben, dass Gott das wollte!

Warum hat er denn Mirco nicht mehr Zeit gegeben,

um zu wachsen und um zu dem Menschen zu werden,

für den er ihn vorgesehen hat?

Das kann ich dir nicht sagen, Reinhard.

Auf die Frage kann nur jeder für sich selbst eine Antwort finden,

im Gespräch mit Gott.

Ich hör ihn aber nicht!

Papa hat recht! Mirco ist weg!

Polizei kann ihn nicht wiederbringen und Gott auch nicht!

Aber Gott steht uns bei.

Er gibt uns Kraft.

Das weiß ich.

Tut mir leid, Ingo. Im Müll war leider nichts Relevantes.

Aber ich hab noch 'ne andere Idee.

Leichen werden nach 10 bis 15 Tagen Liegezeit bis zu 90 Grad heiß.

Das liegt an den Bakterien, die am Zersetzungsprozess beteiligt sind.

"Und die Luftwaffe hat Tornados mit Wärmebildkameras."

Wärmebildkameras von der Luftwaffe?

Bei aller Liebe zu deinen Ideen, wer soll denn die Tornados bezahlen?

Jochen, ich meld mich.

* Klopfen * Danke. Wiederhören.

Aktenzeichen XY haben sich gemeldet,

die nehmen dich noch mit rein in die Sendung.

Weißt du jemand, der mir bis übermorgen

zwei Tornados von der Bundeswehr besorgen kann? Ernst jetzt?

Ja. Der Dings hier. Verteidigungsminister?

Ah, Guttenberg? Von dem hab ich leider keine Telefonnummer.

Da bin ich aber enttäuscht.

Dafür kenn ich wen, der wen kennt, der die hat. Ruf den mal an.

Mhm.

Pa, pa, pa, pa, pa...

* spannende Musik *

* Stimmengewirr *

* Handy läutet. * Thiel?

Ja.

Ja, danke für die Info. Ich melde mich. Okay. Ciao.

Es geht los. Die Koordinaten sind da.

Leute, hört mal her! Die Piloten haben heute das gesamte Areal

mit ihren Wärmebildkameras gescannt. Das sind 150 qkm.

Es wird also 'ne Weile dauern, bis wir jeden Hotspot gecheckt haben.

Jedes Team kriegt eine Koordinate zugeteilt.

Sobald ihr eine Position überprüft habt,

gebt ihr Feedback und kriegt 'ne neue.

* spannende Musik *

* Vögel kreischen. *

Ist nix. Heißes Blechdach.

* Handy vibriert. *

Lagerfeuer.

* Er seufzt. *

(Mann) Fund.

* Handy läutet. *

Frank? Ihr seid die letzten.

Was? Totes Wildschwein?

Vergraben? Ja, danke.

Wer vergräbt ein totes Wildschwein? Wilderer vielleicht.

Scheiße!

* unverständliches Gespräch *

* Er seufzt. *

* Er stöhnt. *

* Stimmengewirr *

Sag mal, sind die Telefone kaputt? Nein.

Sei mal ehrlich, Ingo.

Tust du das jetzt für dich oder für die Schlitters?

Die Eltern sind doch völlig fertig.

Ja, und es ist dein Job, sich um die Familie zu kümmern.

Ja, das tue ich!

Und genau deswegen frag ich dich, ob das Ganze wirklich nötig ist?

Die Einzige, die den Täter aus der Reserve locken kann, ist die Mutter!

Sie schaffen das! Aber von vorne anfangen, ist kein Problem. Okay?

Okay. Gut.

"Mirco ist jetzt seit 22 Tagen nicht nach Hause gekommen."

"Für viele ist er einfach ein zehnjähriger Junge,"

"der sich die Haare gelt."

"Aber für uns ist Mirco einzigartig."

"Er war schon als Junge ein Sonnenschein, hat immer gelacht."

"Jeden Tag Leben ins Haus gebracht."

"Letzte Woche war sein 11. Geburtstag,"

"wir hatten alles vorbereitet,"

"Kuchen,"

"Kerzen und Geschenke."

"Ich weiß, dass Mirco etwas Schlimmes zugestoßen ist,"

"das spürt eine Mutter."

"Ich mache mir Gedanken,"

"ob er friert,"

"hungrig ist, Schmerzen hat."

"Ob er nach mir ruft."

"Wir und seine Geschwister würden ihn gerne in die Arme nehmen"

"und ihm sagen, dass alles gut wird, und wir ihn lieb haben."

"Falls das Schlimmste eingetreten ist, "

" müssen wir Abschied nehmen,"

"irgendwie weiterleben."

"Bitte."

"Gib uns bitte unseren Jungen zurück oder sage uns,"

"wo wir Mirco finden können."

(TV) "Hinweise zum Fall Mirco nimmt jede Polizeidienststelle entgegen"

"oder die Soko in Mönchengladbach"

"unter 0-2-1-6-1-7-0..."

Einsatzzentrale Soko Mirco, Sie sprechen mit Frau Wolf, guten Tag.

(TV) "Jeder kleinste Hinweis kann von Bedeutung..."

Das hast du gut gemacht, Mama.

Der Polizist hat bei XY gesagt, es gibt 15.000 Euro für Leute,

die was wissen. - So viel?

Ja. Weil Mirco allen so wichtig ist?

Ja, das ist er.

Also ist er doch nicht tot?

(räuspernd) Er wird nicht mehr nach Hause kommen.

Mama?

Was denn? Weil ich doch das kleinste Zimmer hab,

kann ich dann jetzt in das von Mirco ziehen?

Darüber reden wir 'n anderes Mal? Spinnst du?

Musst du immer an dich denken? Dass du dich nicht schämst!

Entschuldige dich bitte bei deiner Schwester!

Lass sie bitte los!

Ihr könnt mich mal.

Du gehst jetzt ganz schnell ins Bett, versprochen?

Ich komm gleich nach, ja?

Die Kinder müssen schon genug leiden.

Was soll ich denn tun?

Dem Mörder vergeben? Das kann ich nicht!

Jesus lehrt uns doch nicht Vergebung, um den Täter zu schonen,

sondern um mit uns selbst im Reinen zu sein.

Damit wir weiterleben können! Wenn sie den Typen kriegen,

der Mirco auf dem Gewissen hat, dann gibt es einen Prozess,

dann wirst du dem Menschen gegenübersitzen,

der das Kind, das du zur Welt gebracht hast, ermordete!

Warum willst du diesem Menschen vergeben?

(stöhnt) Lieber Gott, lass uns aus dieser Situation kommen.

(Mann) Überlegen Sie doch mal,

auf wen können Sie am ehesten verzichten?

Auf die Putzfrau. So geht es nicht weiter!

Ihr habt die Taucher zum 2. Mal in die Niers geschickt.

Mir fiel der Hörer runter, als ich die Luftwaffe dran hatte.

Fakt ist, Sie fanden den Jungen nicht.

Es gibt viele ungeklärte Vermisstenfälle.

Nicht bei mir! Wenn das Kind von irgend so 'nem reichen Schnösel

oder von 'nem Politiker, würden Sie dann genauso reden?

Wir finden den Jungen.

Das dauert, bis wir alles ausgewertet haben.

Aber ich mach mir keine Illusionen. Und ich mach meinen Job!

Und den mach ich gut! Jetzt kommen Sie mal runter!

Hey! Was soll das denn?

Sind Sie hier der Chef? Ja. Ihr müsst mein Feld freigeben!

Wenn ich jetzt nicht loslege, verfault mir die Ernte!

Willst du 'ne Kinderleiche häckseln? Wir sagen euch schon Bescheid,

wenn's losgehen kann.

* Motor startet. *

Musste das sein? Was denn?

Wir reißen uns hier alle den Arsch auf, da bist du nicht der Einzige!

Komm runter! Was?

Und Tim Koller? Was ist mit dem?

Der arbeitete unentgeltlich. Das weiß ich nicht!

Jetzt weißt du's! Sagte mir keiner! Hier, guck rein.

Sind die Mobilfunkdaten. Wir hätten ihn sehr gut gebrauchen können.

* Stimmengewirr *

* Stimmengewirr *

* Klingel *

* Musik *

(Mann) Und 'n Würstchen.

(Frau) Ja, und Würstchen.

Passt auf den Grill auf, ihr Lieben, ja.

Uh, der Papa hat ein Machtwort gesprochen.

Also dann.

Hey, Tim. Hey.

Hör mal.

Ecki sagte, dass du den Kollegen geholfen hast

mit den Listen der Passat, obwohl ich dich gefeuert hab. Ja.

Na ja, das war blöd mit deinem Alleingang, komm, Schwamm drüber.

Wenn du willst, bist du wieder dabei, ab morgen.

Also, wie sieht's aus?

Schwimmt 'ne einbeinige Ente im Kreis? Und das ist für dich.

Das ist toll, danke!

Wir sollten uns die Ramschdaten der Mobilfunkanbieter anschauen.

Was genau?

Zum Teil verschlüsselte Handynummern.

Von Funkmasten, hier aus der Gegend, um die Tatzeit herum.

Den Weg des Täters kennt man doch durch die Kleidungsstücke. Ja.

Ich könnte 'n Programm schreiben, mit dem wir rausfinden,

ob ein Handy zur Tatzeit

in den Funkmasten exakt auf dem Weg des Täters eingeloggt war.

Kann aber 'n bisschen dauern.

Genau das wollt ich hören.

Okay, Leute. Hier sind 4000 Passat Kombi B6 gelistet.

Einer davon ist unser Täterfahrzeug. Das heißt aber erst mal...

Fleißarbeit. Ecki wird euch sagen, was ihr mit euren Teams zu tun habt.

Es gibt 26 Stellen am Fahrzeug,

die für Spuren von Täter und Opfer relevant sein könnten,

das betrifft sowohl die Sitze als auch den Kofferraum.

Alle Stellen müssen von uns abgeklebt werden,

um ausschließen zu können, dass es sich bei dem Wagen

um das Täterfahrzeug handelt.

Ihr solltet nicht mehr als eine Stunde pro Fahrzeug brauchen.

Das kann dauern!

Steht hier alles in dem Heft. Schnappt euch eins, auf geht's!

* spannende Musik *

Gut, danke. Ich meld mich dann, tschüss.

Ciao.

* Stimmengewirr *

Ecki!

Der Honecker, das Arschloch, zieht mir Leute ab,

ohne mir Bescheid zu sagen! Beruhig dich.

Hast du das gewusst? Ja.

Ach ja? Natürlich nicht! Mann!

So, jetzt sind alle wach! Weiter geht's!

Kann ja wohl nicht wahr sein! * Er seufzt. *

* Er seufzt. *

* Klopfen * Ja?

Das kriegst du auch mit weniger Leuten hin.

Ja, und zieht alles in die Länge! Jetzt hab ein bisschen Geduld.

Und wenn ich dich daran erinnere, dass Schlitters genauso lange warten.

Und am besten keinen Tag länger.

Hey...

Kopf hoch.

Hey!

Guter Job.

Und so.

Hi, Papa! Hi.

Ich kann nicht behaupten, dass ich's nicht von dir gewohnt bin.

Ich hab heute 'ne Baustellenbesichtigung,

und das ist auch wichtig! Das hab ich total vergessen. Schule?

Es ist Samstag!

Also. Ihr bleibt jetzt beim Papa, bis ich wieder da bin? Tschüss.

* Er seufzt. *

* Musik von der Spielkonsole *

Was soll der Scheiß? - Ja, genau. Was soll der Scheiß!

Mit Scheiß ist jetzt Schluss hier!

Horst Weiland! Der Typ von der Saatmittelfabrik!

Die erwischten ihn, der stempelte falsch!

Die Leute von der Fabrik überprüften wir doch!

Dieser Weiland hat an dem Abend, als Mirco verschwand,

seine Arbeitskarte gestempelt, obwohl er nicht da war.

Ein Kumpel hat für ihn gestempelt. Hol ihn her, ich will ihn sprechen.

Habt ihr den Mörder jetzt?

Sie erschlichen sich nicht nur 'n Arbeitslohn, sondern auch 'n Alibi.

Anstatt auf Schicht zu gehen, sind Sie rumgefahren

und hielten Ausschau nach 'nem Jungen. War's so?

Nein! Wenige 100 m neben der Fabrik

wurde in der Nacht ein Junge entführt,

missbraucht...

und dann getötet.

Ich war zu Hause an dem Abend! Was? Wo soll das gewesen sein?

Ihre Frau schmiss Sie doch raus!

Ihrem Kollegen sagten Sie, dass Sie krank sind und zu Hause,

damit der Ihre Karte abstempelt in der Fabrik.

Ich hab mit dem Jungen nichts zu tun!

Ich war bei 'ner Bekannten an dem Abend.

Kann die Bekannte das bezeugen?

Hm? Kann die Bekannte das bezeugen?

Sie, äh...

arbeitet,

arbeitet im "Moonshine". Was ist das?

Ich überprüf das. Ist 'n Puff in Gladbach.

Dann wollen wir doch mal sehen.

(Radio) "Über zwei Monaten nach dem Verschwinden des zehnjährigen Mirco,"

"ergab die größte Soko in der Geschichte der Bundesrepublik"

"immer noch keine Resultate."

"Infolge sieht sich das Innenministerium"

"zunehmend Druck ausgesetzt, das Personal der Soko zu reduzieren."

Allgemeine Verkehrskontrolle.

Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte.

* unverständliche Funkdurchsage *

* Er seufzt. *

Die Prostituierte bestätigt seine Aussage.

Das ist sein Abrechnungsbeleg über Drinks,

hat er mit Karte bezahlt um 22.41 Uhr. Hatte also 'n guten Abend.

Wir fahren auf den Felgen und beschäftigen uns mit so was.

Du musst den Apparat runterfahren, das macht keinen Sinn mehr.

Dann bau die Straßenkontrollen ab,

damit der Honecker endlich seine dumme Fresse hält! Nee!

* Er seufzt. *

* Tür quietscht. *

'n Mann ruft bei der Polizei an: "Herr Wachtmeister,"

"Herr Wachtmeister, kommen Sie schnell,"

"hier schlagen sich zwei Frauen um mich." "Wo ist das Problem?"

"Ich glaube, die Dicke gewinnt!". Winnie, das Ding ist so alt.

Sonderkommission Mirco, mein Name ist... Hallo? Nein, Moment, Moment,

nein, für Diebstähle sind wir nicht zuständig.

Ja, genau. Tun Sie das. Danke.

Da hab ich noch einen.

* Er erzählt unverständlich. *

Ich hab euch 'ne Grube gebaut, da könnt ihr ab jetzt rein.

Am nächsten Tag kommt er vorbei...

* unverständliche Erzählung *

Was macht ihr denn hier?

Es ist Nikolaus! Geht's euch gut?

Wir haben Weihnachtsbäume mitgebracht.

Ja, das sehe ich! Habt ihr auch richtige Pistolen hier?

Na ja, wären wir sonst richtige Bullen?

Schönen Nikolaus. Auf jeden Tisch einen, ja? Hallo, Tim!

Grüß dich. Schönen Nikolaus.

Schönen Dank.

* traurig-melancholische Musik *

Oh.

Einmal... * Sie lacht. *

Ihr beschämt uns.

Nein. Es hilft uns, wenn wir euch 'ne kleine Freude machen können.

Ja, wir stehen leider nicht so gut da in der Öffentlichkeit im Moment,

aber... der Schein trügt.

Hey, wir bringen doch nur Kleinigkeiten.

Wo ist Reinhard? Geht's ihm gut?

Nicht so sehr.

Ja, das kann ich gut verstehen, ich wär auch verzweifelt und...

ich würde hassen.

Aber wer kann einem das abnehmen?

Warum haben Sie kein Vertrauen?

Im Sommer, da hab ich Mirco mal draußen im Garten erwischt,

wie er mit 'ner Leiter hantierte. Keine zum Ausklappen.

Ich hab ihm gesagt, er soll damit aufhören,

weil das gefährlich ist. Da hat er gesagt:

"Ich baue mir einen Weg in den Himmel, zu Gott!"

Ja... tschüss dann, ne.

Danke. (Alle) Tschüss.

Tschüss. Tschüss.

Wir haben das Kind immer noch nicht gefunden.

Wenn sie uns wenigstens beschimpfen oder Vorwürfe machen würden,

dann wär's irgendwie leichter zu ertragen. Ja.

* Er seufzt. *

* ruhige Musik, Tastaturklappern *

* Er seufzt. *

* Tastaturklappern *

Steh mal auf! Steh doch mal auf!

* Alle lachen. *

(räuspernd) Liebe Frederike,

mit besten Grüßen von der Betriebsleitung,

verleihen wir dir hier heute die Urkunde zum 5000sten Anrufer.

Blumen kommen noch, hab ich nicht geschafft.

Ihr seid echt süß!

Auf die nächsten 5000!

Oder vielleicht haben wir den Täter ja schon. Hoffentlich.

Dafür darfst du dir als Erste deine freien Tage aussuchen.

Leute, hört mal zu. Wer will über Weihnachten freimachen?

Halbe Tage werden auch akzeptiert.

Wir brauchen nicht mehr als acht Leute hier über die Feiertage.

Okay, ja, das hab ich mir gedacht, dann halt Zwangsurlaub.

Ich hab 'ne Liste gemacht, da steht drauf,

wer Dienst hat und wer nicht. Ihr müsst auch zu euren Familien!

Hier, gib mal rum. Also, frohe Weihnachten!

(Alle) Frohe Weihnachten.

Gratuliere! * Sie kichert. *

Muss dich leider enttäuschen.

Wir haben jetzt über 2000 Fahrzeuge durch,

war aber leider nix dabei. Wart's ab, kommt noch.

Bis dahin können aber noch 'n paar Monate vergehen.

Ich weiß. Danke.

* düstere Musik *

* Stimmengewirr *

Sagt mal, was macht ihr denn alle hier?

Arbeiten. Ecki, du hast frei! Es ist Weihnachten!

Na dann, Ingo, frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten. Frohe Weihnachten.

Frohe Weihnachten.

* Tastaturklappern *

* spannende Musik *

Und go, Baby.

* Piepen *

* spannende Musik *

* PC-Signal *

* PC-Signal *

Tim, was soll das?

Ist das dein Ernst? Ja.

Ich fand erst mal nur die Handynummer des Täters. Aber...

Aber? Sie ist teilverschlüsselt,

den Rest müsst ihr euch noch beim Anbieter besorgen,

ist 'n Telekom-Anschluss.

Ingo, wir haben den Täter!

* Piepen *

Die Bundesnetzagentur sagt mir, das ist kein Privatanschluss,

der Inhaber ist die Telekom selbst. Und die Telekom

darf den Nutzer der Nummer nur mit richterlicher Anordnung rausgeben!

Sollen sie haben. Wird nix vor Montag.

Das Wochenende überstehen wir jetzt auch noch.

* Er seufzt. *

* Piepen * Los, geh ran!

Ja, hallo, Eckartz hier, Kripo Mönchengladbach.

Wir faxten Ihnen 'ne richterliche Anordnung durch

und erwarten umgehend Auskunft. Ja, gut, danke. Wiederhören.

Läuft.

* Er räuspert sich. *

Oh, Mann, Geduld war noch nie meine Stärke!

Nee, wirklich?

* Er seufzt. *

* Er pustet aus. *

Na, nun komm schon, komm schon!

* Klappern *

* Piepen *

Gerhard Weber, Reuschtal,

war Besitzer des Handys, hat jetzt 'n neues.

Mitarbeiter der Telekom. Jemand aus der Region.

* Tastaturklappern *

Ecki!

Das ist der Nachbar von Tim Koller.

Brauchen wir 'ne Überwachung? Ja.

Solang der nix ahnt, sind wir im Vorteil.

Am Teich sitzen und gucken, alles klar.

Kein Wort zu Tim, erst mal.

Ja, kein Wort.

Auch nichts an die Kollegen.

Zweimal verheiratet, Vater von zwei Kindern,

mittlere Gehaltsebene bei der Telekom.

So angepasst, wie wir vermutet haben.

Verhält sich völlig unauffällig, ganz normaler Alltag.

Völlig ausdrucksloses Gesicht.

Beängstigender Mangel an Kontur. Wurde im Juni geblitzt:

fuhr damals einen silberfarbenen VW-Passat Kombi B6.

Den hat er allerdings im November zurückgegeben.

Silbermetallic also. Nicht dunkel.

Der Wagen ist dann verkauft worden, nach Luxemburg.

Wir stellten ein Amtshilfeersuchen bei den Kollegen.

Bisher ohne Ergebnis.

Wir lassen die Kollegen aus Luxemburg erst mal außen vor.

Versucht den Besitzer dazu zu bringen,

den Wagen selber zu bringen.

Der Händler ist erst übermorgen zurück, dann schaffen wir ihn her.

Das halten wir jetzt auch noch aus.

Der Autohändler hat unseren Tatverdächtigen kontaktiert,

nachdem er von dem Kind hörte. Aber Weber hat ihm gegenüber behauptet,

dass ein Wagen in anderer Lackierung, 'ner dunklen gesucht wird.

Der weiß, dass er in der Falle sitzt.

Wahrscheinlich wartet er längst darauf, dass wir kommen.

* spannende Musik *

* Piepen *

* PC-Signal *

* Handy läutet. *

Jochen!

Tut mir leid, Ingo, leider keine Treffer,

"wir haben wirklich alles versucht."

Ihr seid absolut sicher? Absolut.

"Das Auto muss akribisch gesäubert worden sein."

Klebt bitte alle Stellen noch mal ab, die infrage kommen.

Das bringt doch nichts.

Trotzdem! Bitte! Jochen, macht's einfach! Macht es einfach!

* Er seufzt. *

* Er seufzt. *

Kann doch nicht wahr sein!

* Er seufzt. *

* Telefon läutet. *

* Telefon läutet. *

* Telefon läutet. *

Ja? Wolltest du nicht einen ausgeben?

"Hallo? Ingo?"

"Bist du noch dran?" Ihr habt ihn?

Hundertpro.

"Das ist nicht wahr!" Doch!

"In 'ner Beugefalte vom Rücksitz. Das haben wir übersehen."

"Der Junge saß in dem Auto!"

* Er seufzt. *

* Er seufzt. *

Herrschaften!

Gibt was zu feiern.

Wir haben ihn. * Alle jubeln. *

Jeder holt sich 'ne Flasche. Kommt.

Wenn die leer ist, kriegt ihr Feedback und kriegt 'ne neue, ja?

Wir haben ihn. * Klopfen * Ja.

Wir haben ihn.

* Er lacht. *

Die Nummer, die du rausgefunden hast,

gehört deinem Nachbar, Gerhard Weber.

Du machst Witze! Nein, ganz bestimmt nicht.

Der DNA-Abgleich hat das bestätigt.

Das glaub ich einfach nicht.

Der hat schon auf unsern Florian aufgepasst!

* spannende Musik *

* spannende Musik *

* Klingel *

* Klingel *

* Schritte nähern sich. *

Tim, was ist 'n los, ist was passiert?

Morgen, Gerhard.

Da sind 'n paar Kollegen von mir. Die würden gern mit dir sprechen.

Guten Morgen, Herr Weber. Ingo Thiel.

Wir würden uns gern mal mit Ihnen unterhalten.

Sie waren also den ganzen Vormittag zu Hause bei Ihrer kranken Tochter

und schauten mit ihr Filme. Ja.

Währenddessen sprachen Sie mit Ihrem Arbeitgeber

und der hat Ihnen beruflich Druck gemacht. - Ja.

Das ist gelogen. Ihr Arbeitgeber war am 3. September im Urlaub

und konnte gar nicht mit Ihnen telefonieren. Definitiv.

Dürfte ich eine rauchen?

Danke.

* Er pustet aus. *

Vielleicht war es an einem anderen Tag.

Als Ihre Frau von der Arbeit gekommen ist, was war dann?

Ich bin zu den Schwiegereltern, den Gartenzaun reparieren. Und dann?

Bin ich heim. Sonst nichts.

Am nächsten Tag war das Nena-Konzert, daran erinnere ich mich.

"Gib mir die Hand, ich bau dir ein Schloss aus Sand!"

Ihre Frau sagt, Sie haben sich nach dem Besuch bei den Schwiegereltern

noch mit Kollegen getroffen? Mit wem und wo?

Das hatte sich zerschlagen.

Ich bin dann noch 'n bisschen rumgefahren,

dann bin ich nach Hause.

Sie sind also durch die Gegend gefahren.

Um Ausschau nach einem Jungen zu halten? - Nein!

Mirco ist in Ihrem Wagen gesessen, Herr Weber. Das können wir beweisen!

* Er seufzt. *

Sie werden's nicht glauben, ich lieh meinen Wagen mal meinem Nachbarn.

Sie liehen Ihrem Nachbarn am Abend des 3. September Ihren Wagen?

Sie sagten, Sie seien selbst damit unterwegs gewesen?

Wir fanden an der Jogginghose eine orangene Faser.

Haben Sie eine Ahnung, wozu die gehört? Weiß nicht.

Von einem Karohemd, das wir bei Ihnen zu Haus sicherstellten.

Also: Kannten Sie Mirco? Nein, ich hab doch gesagt, nein!

So ein Hemd haben viele!

Herr Weber, machen Sie's uns doch nicht so schwer.

Sobald wir den DNA-Abgleich gemacht haben,

kommen Sie aus dieser Nummer nicht mehr raus! Sie sahen ihn.

Vielleicht wollten Sie ihn nach Hause fahren?

Herr Weber, denken Sie nach.

In Ihrer Geschichte stimmt etwas nicht.

Ja.

Sie geben also zu, dass Sie auch logen,

als sie sagten, den Jungen bereits tot am Fahrradweg

neben der Mühlhausener Straße gefunden zu haben.

Er hat noch gelebt.

Sie haben ihm aufgelauert, ihm den Weg abgeschnitten.

Warum ausgerechnet den Mirco?

Ich weiß nicht. - Haben Sie den Jungen verfolgt?

Nein.

Es war spontan, ich hab noch gedacht, warum fährt der Junge da?

Weil es schon so spät war?

Nein, einfach, wieso fährt der Junge da?

Und welche Kinder noch? Hm?

Das ist doch nicht der erste Junge, den Sie sich geschnappt haben.

Ich hab überhaupt nichts gemacht! Sie sind Mitte 40.

Und wollen uns erzählen, dass Sie sich die letzten 20 Jahre noch nie

an ein anderes Kind rangemacht haben, ja?

Brauchen Sie was zu trinken?

So langsam nähern wir uns der Wahrheit.

Es war also kein Zufall, dass Sie Mirco begegnet sind.

Sie waren auch nicht pinkeln, wie Sie sagten,

und er hat Sie nicht überrascht und deswegen beschimpft? Ja.

Und Sie hielten ihm auch nicht den Mund zu, damit er nicht schreit?

Nein. Nein! Wie war es dann?

Wie war es dann?

(laut) Herr Weber!

Ich hatte einen Strick dabei. Zufällig. Wie das Messer auch.

Den Strick legte ich ihm um den Hals,

nachdem er sich ausgezogen hat.

Hat er sich gewehrt?

Er hat Angst gehabt.

Er war ganz starr.

Machte, was ich ihm gesagt hab.

Was haben Sie ihm gesagt, Herr Weber?

Dass er sich ausziehen soll und auf die Decke im Kofferraum legen soll.

Und dann?

Ging nicht.

Was?

Ich hab keinen hochgekriegt.

Was haben Sie dann getan?

Was war dann?

Ich konnt ihn ja nicht mehr gehen lassen!

* Stimmengewirr *

Wo liegt der Junge, Herr Weber?

Hier so.

Da? Mhm.

So weit nördlich?

Wenn Sie mit uns kommen und uns zeigen, wo Sie ihn hinlegten,

dann würde uns das sehr helfen. Nein, das kann ich nicht.

Denken Sie doch an Ihre eigenen Kinder.

Würden Sie nicht auch wissen wollen, wo sie sind?

Wir werden Tage brauchen, bis wir alles durchsucht haben.

Helfen Sie uns, Mirco nach Hause zu bringen.

Geben Sie seinen Eltern eine Chance, sich von ihm zu verabschieden.

Gut.

* traurig-dramatische Musik *

Hier rechts bitte, den Weg rein.

Stopp.

* Vögel kreischen. *

Vorne, neben der Tanne, schräg rein. Sie bleiben bitte hier stehen.

Ungefähr fünf Meter.

* traurige Musik *

* Vögel zwitschern. *

* Autotür schließt. *

Wo ist Mirco?

Bei Gott.

Wer hat...

Wir haben ihn, und wir wissen, wo er ihn hingelegt hat.

Danke.

Jetzt haben wir unseren Mirco wieder.

Jetzt können wir Abschied nehmen.

* Er schluchzt. *

Sie hätten ihm nicht mehr helfen können, Herr Schlitter.

* Alle schluchzen. *

* traurige Musik *

Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018

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