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Diese Geschichte ist inspiriert von wahren Begebenheiten,
aber die Figuren, ihre Beziehungen,
Motivationen und die Handlungsverstrickungen
entsprechen nicht der Realität,
sondern sind fiktive Elemente.
DIE VERDÄCHTIGE FOLGE 4
(Richterin) Frau Angeklagte.
Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu den Patienten beschreiben?
Normal, professionell.
Ich habe mich allen Patienten gegenüber immer fair verhalten
und professionell.
Als die Polizei Sie verhörte, haben Sie sich so geäußert.
Ich zitiere: "Die Patienten sind undankbar.
Die meisten können nicht einmal Danke sagen,
wenn man ihnen hilft." Wie haben Sie das gemeint?
Wie ich's gesagt habe. Die meisten sehen nur sich selbst.
Sie erwarten von den Schwestern, dass sie ihre Wünsche erfüllen.
Sie empfinden die Ansprüche als nicht angemessen
und dass sie Hilfe erwarten, während ihres Aufenthalts?
Ich meinte nur, dass die Patienten sich klar machen sollten,
dass Krankenschwestern auch nur Menschen sind,
dass die Arbeit anstrengend ist und sie auch mal müde sind, wie jeder.
Wie viele Patienten sind gestorben,
seit Sie in dieser Abteilung angefangen haben zu arbeiten?
Können sie mir das vielleicht sagen?
Ich weiß nicht, ich zählte die Toten nicht.
Gemurmel Ruhe bitte.
Sie können doch wohl abschätzen, ob es 20 Patienten waren oder 100,
eine ungefähre Größenordnung.
Bei der durchschnittlichen Sterblichkeitsrate unserer Station
müssten es wohl so an die Hundert gewesen sein.
Bitte, Herr Doktor. - Frau Angeklagte.
Hat sich in der Vergangenheit einer Ihrer Patienten oder deren Familie
negativ zu Ihrer Betreuung geäußert?
Nicht, dass ich wüsste, nein. Hm.
Was sagt Ihnen der Name Marie Blazkova?
Nichts. Letzten Sommer kümmerten Sie sich um sie.
Sie hatte eine Harnwegsoperation und wurde in Ihre Abteilung verlegt.
Bei 30 Patienten in der Abteilung erinnere ich mich nicht an alle.
Frau Angeklagte.
Ist es üblich auf Ihrer Station die Patienten ans Bett zu fixieren?
Eine übliche Praxis ist das sicher nicht.
Warum hat dann die Tochter von Frau Blazkova
ihre Mutter mit Binden ans Kopfteil des Bettes fixiert vorgefunden?
Frau Blazkova war verwirrt und dement.
Sie stand ständig auf, ich hatte Angst, dass sie sich verletzt.
Also können Sie sich doch an sie erinnern.
Mich würde interessieren, wie ihre Kolleginnen zum Fixieren standen.
Das war vollkommen unterschiedlich. Mhm.
Also stimmt es, dass zumindest ein Teil der Kolleginnen
gegen die Praxis war und Sie dementsprechend kritisierte?
Einspruch. Die Frage hat nichts mit dem Gegenstand der Anklage zu tun.
Meine Mandantin muss sie nicht beantworten.
Ich glaube, dass die Antwort uns helfen könnte,
das Verhältnis der Angeklagten zu den Patienten besser zu verstehen.
Daher ist sie zulässig. Frau Angeklagte, antworten Sie.
Je nach Alter und Erfahrung ist der Umgang mit Patienten verschieden.
Wie meinen Sie das?
Die jüngeren Kolleginnen haben mehr Energie. Hatte ich auch.
Später hat man nicht zu allem die Kraft.
Sie fixierten sie, weil Sie nicht die Kraft hatten, sich zu kümmern?
Es war nur zu ihrem Besten. Sicher.
Dürfte ich um die Fotos bitten?
Diese Bilder hat Frau Blazkovas Tochter mit ihrem Handy gemacht,
unmittelbar, nachdem sie ihre Mutter ans Bett fixiert vorgefunden hatte.
Zweifelsohne war diese Maßnahme zum Besten für die Patientin.
(Kriz) Sie und der neue Direktor kennen sich also bereits.
Sie fahren sogar gemeinsam Rad.
Es fällt Ihnen schwer zu verstehen,
aber mir ist egal, ob der Direktor mein Freund ist.
Es reicht, wenn er nicht betrügt.
Und weil Sie so ein ehrenwerter Mensch sind, Herr Doktor,
geht jetzt eine Schwester ihr Leben lang ins Gefängnis,
für etwas, was sie nicht getan hat, hm?
Haben Sie mir unbekannte Infos, geben Sie sie der Polizei.
Die wissen das zu schätzen. Erinnern Sie sich an das Dolantin?
Die Einträge dazu gingen auf mysteriöse Weise verloren.
Laut Registriernummer wurde es am 16. August aus dem Lager genommen.
Zwei Tage später wurde es in Kucerovas Spind gefunden.
Sonderbar, was? Wie konnte sie es
dort verstecken? Sie hatte seit dem 11. August Zwangsurlaub.
Aber bei einer Schwester, die einfach fünf Patienten ermordet,
dürfte uns eine solche Fähigkeit kaum überraschen. Oder?
(TV) "Bei allen Opfern haben wir die Krankenakten zugrunde gelegt
und die letzten EKG Werte.
Alle waren stabilisiert und erlitten dann plötzlich einen Herzstillstand.
Die EKG-Kurve weist eindeutig auf eine erhöhte Kaliumdosis hin.
Wieso hat die anschließende Autopsie Ihre Vermutungen nicht bestätigt?
Die Autopsie hat über 16 Stunden nach dem Tod stattgefunden.
Dadurch fehlen uns natürlich überzeugende Beweise.
Für mich gilt der Beweis von Dr. Vaculik."
Willst du raus?
Warum frage ich überhaupt?
Na, komm mit, komm.
Das ist meine Frau, Gabina. Guten Tag.
Ich habe sie um Hilfe gebeten.
Als meine Mitarbeiterin und werdende Anwältin hat sie Zutritt.
Hm. Frau Kucerova.
Nun, wir müssen etwas unternehmen.
Ihr Aussehen betreffend.
So können Sie nicht vor Gericht auftreten. Es geht um Ihre Brille.
Morgen müssen Sie sie abnehmen.
Erwecken Sie bei den Senatsmitgliedern Sympathie.
Und nicht Bedauern.
Die sollen eine ausgeglichene, selbstbewusste Frau vor sich haben.
Und kein Wrack.
Und wir dürfen nicht den Eindruck erwecken,
dass Sie persönliche Probleme an Ihren Patienten abreagiert haben.
Ich habe minus vier Dioptrien.
Da morgen die Vernehmung der Zeugen beginnt,
ist es vielleicht besser, wenn Sie nichts sehen.
Setzen Sie sich bitte.
Warum?
Wir dachten, im Gefängnis haben Sie nicht viel Gelegenheit,
sich um Ihre Haare zu kümmern, also...
Mir schneidet sie auch die Haare.
Ich bin doch kein Zirkuspferd.
Frau Kucerova.
Jede Sekunde, die Sie im Gerichts- saal verbringen, die zählt.
Es geht dabei nicht nur um Ihre Aussagen,
es geht auch darum, welchen Eindruck Sie dabei machen.
Entscheidend ist Ihr Gesamteindruck.
Der bestimmt, wo Sie die nächsten Jahre verbringen werden.
Ob zuhause, mit Tochter und Hund oder mit den Ladys hier.
Aber ich bin doch unschuldig.
Helfen wir der Richterin doch, damit ihr das schnell klar wird.
Setzen Sie sich bitte.
Danke.
Noch eine Sache.
Sagen Sie nie, niemals vor Gericht wieder folgenden Satz:
Ich zähle die Toten nicht.
Sagen Sie auch nicht, dass die Patienten undankbar seien.
Im Gerichtssaal wird viel Unsinn geredet.
Aber das ist etwas, woran sich später jeder erinnern wird.
Seien Sie diplomatisch und achten Sie auf Ihre Worte.
Das hat Ihnen Gabina gekauft. Ich hoffe, es passt Ihnen.
Ich habe versucht, Ihre Größe zu treffen.
Wären Sie so nett und nehmen Sie bitte die Brille ab.
Danke.
Wie spät ist es? Halb zehn.
Habt ihr so lange gefeiert?
Was ist das?
Sieht aus wie ein alter Dienstplan.
Du hast Hana das Dolantin untergeschoben.
Was? Hast du ihr Dolantin in den Spind gelegt?
Spinnst du jetzt?
Als es reingelegt wurde, war sie nicht mehr auf der Station.
Du hattest Dienst an den beiden Tagen, die infrage kommen.
Ich hatte nicht als Einzige Dienst. Du mochtest sie nicht.
Wer hat die schon gemocht, da kannst du lange suchen.
Bara! Au!
Sag mir die Wahrheit.
Schnappst du jetzt über?
Du schleppst ein Papier an und beschuldigst mich,
ich hätte Beweise gefälscht. Du hast sie doch nicht alle!
Dalibor, sie hat fünf Menschen getötet.
Hat ihr das auch nur jemand angehängt?
Frau Kucerova! - Können Sie eine Frage beantworten?
Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein? - Wie fühlen Sie sich?
Frau Kucerova, fühlen Sie sich schuldig?
Was geht in Ihnen vor, wenn Sie vor der Richterin stehen?
Anwesend sind ...
für die Anklage der Staatsanwalt Herr Doktor Jindrich Sekanina,
die Angeklagte Hana Kucerova,
der Verteidiger, Herr Magister Pavel Novak.
Bevor wir beginnen, zunächst eine Änderung.
Herr Doktor Dalibor Vaculik sollte heute als erster Zeuge auftreten.
Der Zeuge ließ sich von der Verhandlung
wegen einer plötzlichen Unpässlichkeit entschuldigen.
Wir beginnen mit der Vernehmung der Zeugin Larisa Klimenkova.
Maschine rattert laut.
DIE BETREUUNG DER PATIENTEN HAT SIE GENERVT,
SAGTE EINE KOLLEGIN DER ANGEKLAGTEN SCHWESTER.
"Sie hat keine Beziehung zu den Patienten aufgebaut.
Medikamente verabreichen, Temperatur messen, das war's.
Aber dass sie die Patienten mal was gefragt hätte,
wie es ihnen geht oder was zuhause los ist, habe ich nie erlebt.
Ich hatte eher den Eindruck, dass sie ihr lästig waren."
Was glauben Sie, war der Grund dafür,
dass die Beklagte sich den Patienten gegenüber so schlecht verhielt?
Das weiß ich nicht. Sie räuspert sich.
Wir Kolleginnen waren uns einig, dass sie Menschen eben nicht mochte.
Wir machten uns lustig darüber, dass sie nur ihren Hund liebt.
Sie lebte nur für Ihre Tochter und ihren Hund und brauchte niemanden.
Ruhige Musik
Soweit ich weiß, hatte sie auch keine Freundinnen
und traf sich auch mit niemandem von ihrer Familie.
Sie fuhr manchmal zu einer ehemaligen Kollegin
und ließ sich die Karten legen.
Aber das hat sie normal bezahlt.
War also auch kein so freundschaftliches Verhältnis.
Frau Zeugin, wie würden Sie die Angeklagte beschreiben?
Nun. Sie ist ein ganz eigener Mensch.
Sie tat die Dinge auf ihre Weise. Ich nahm sie so, wie sie ist.
Sie haben angegeben, 19 Jahre lang
mit ihr auf derselben Station gearbeitet zu haben.
Können Sie sagen, warum Sie nicht mehr dort arbeiten?
Letztes Jahr, als plötzlich im August dieser Verdacht aufkam,
hat sich die Atmosphäre in der Abteilung sehr verändert.
Die jüngeren Schwestern haben sich um Doktor Vaculik geschart.
Sie wollten ihn unbedingt vor der Krankenhaus-Leitung verteidigen.
Sie hatten das Gefühl, dass er für sein Vorgehen
zu Unrecht kritisiert wurde und wollten sich für ihn einsetzen.
Und Sie waren nicht einverstanden damit.
Nein.
Ich habe die Situation damals ganz anders wahrgenommen.
Die ... die jüngeren Kolleginnen ...
machten mir deutlich, dass wir nicht am gleichen Strang ziehen.
Was habe ich mir konkret darunter vorzustellen?
Nun, sie fragten mich,
ob ich Berichte schriebe,
oder ob ich der Leitung irgendwelche Dinge zutragen würde.
Sie haben außerdem eine Weile lang gar nicht mehr mit mir gesprochen,
haben mich ignoriert.
Ich habe dann auch im Nachhinein erfahren,
dass Kolleginnen ausgesagt haben, bei der Polizei,
ich hätte Hana schon mal in der Vergangenheit verdächtigt,
den Tod eines anderen Patienten herbeigeführt zu haben.
Sie haben nichts Derartiges geäußert? Nein!
Ich habe wirklich niemals gesagt, was da behauptet wurde.
Als ... als ich den Punkt dann den Kolleginnen gegenüber ansprach,
bestanden sie darauf, sie hätten das von anderen Schwestern gehört.
Ähm, sie ließen durchblicken, dass ...
ich vielleicht selbst kein reines Gewissen hätte,
wenn ich mich so für Schwester Kucerova einsetzte
und dass ich womöglich die ganze Zeit über sie Bescheid gewusst
und sie gedeckt hätte.
Sie haben angedeutet, ...
ähm, dass es mir ergehen könnte wie Hana. Also...
Ich beschloss augenblicklich, die Station zu verlassen
und in der Notaufnahme zu arbeiten. Frau Zeugin, können Sie uns sagen,
mit welchen Kolleginnen Sie, wie soeben beschrieben,
wegen Frau Kucerova in Konflikt geraten sind?
Mit den Schwestern Dankova und Klimenkova.
Vielen Dank, Frau Zeugin.
Frau Zeugin, Sie haben uns hier sehr eindrucksvoll geschildert,
wieso Sie die Station verließen,
nämlich um nicht länger Angriffen der Kolleginnen ausgesetzt zu sein.
Sie haben angegeben, dass Sie am Ende sogar befürchten mussten,
der Beihilfe beschuldigt zu werden.
Sind Sie ganz sicher, dass diese Gründe nicht vorgeschoben sind?
Sind die wahren Gründe ganz andere?
Sind sie nicht weniger persönlich? - Was meinen Sie damit?
Nun, Frau Zeugin, stimmt es, dass die Krankenhausleitung
mindestens zwei Beschwerden darüber erhielt,
die Hinweise darauf gegeben haben, dass die Patienten
am Morgen nach Ihren Nachtschichten übermäßig schläfrig waren?
Und dass man darüber hinaus nach ihren Schichten
immer wieder Flaschen mit Beruhigungsmitteln im Müll fand?
Die Beschwerden waren alle anonym.
Die Leitung hat mit mir darüber gesprochen,
und wir waren uns einig, dass das Unsinn ist.
Mhm. Also stimmt es auch nicht,
dass eine Kollegin bei ihrer Ankunft in der Frühschicht feststellte,
dass das Telefon, das die Patienten in Notfällen zu benutzen pflegen,
einfach ausgehängt war
und dass es offenbar Sie waren, die es ausgehängt hat,
um beim Nachtdienst von niemandem belästigt zu werden.
Ich habe das ausgehängte Telefon übersehen. Das war keine Absicht.
So was passiert mal, ich habe mich sofort dafür entschuldigt.
Die Leitung hat sich da gleich hinter mich gestellt.
Meinen Sie Herrn Direktor Kriz
und seine Stellvertreterin Frau Dr. Cechurova?
Die Leitung, die vor einigen Tagen wegen ihres Handelns in dem Fall
von den Vorstandsmitgliedern einstimmig des Amtes enthoben wurde?
Die stellte sich hinter Sie?
Wieso versuchen Sie mich zu verunglimpfen?
Ich arbeite seit 41 Jahren als Krankenschwester,
niemals wurde ich gemaßregelt. Nie gab's irgendwelche Vorwürfe.
Ja, ja, ja, Frau Zeugin.
Sowas Ähnliches hörten wir schon vor ein paar Tagen
aus dem Mund einer Ihrer Kolleginnen
Danke, ich habe keine weiteren Fragen.
Tür
Und, wie war's bei Gericht?
Alles gut.
Das schickten mir die Eltern, spielen wir?
Nein, ich muss mich vorbereiten. Wenigstens ein Spiel.
Welche Farbe willst du, ich blau. Hörst du schlecht? Ich spiele nicht.
Pack das weg und lass mich mal kurz in Ruhe!
Was bildest du dir ein? Du kriegst sowieso lebenslänglich.
Jeder weiß, dass du die Leute getötet hast. Kam im Fernsehen.
Kam im Fernsehen? Dann muss es wohl stimmen.
Hab keine Medizin mehr. Du solltest dich um mich kümmern.
(singt) # Kleine Kirschen, kleine Kirschen.
Sie hustet. (singt) Kleine Kirschen,
Kirschelein... Husten
Da liegt ihr nun auf meinem Weg.
Und schweigt still.
Wer wird euch finden? Husten
Auf dem Weg. Wer hebt euch auf?
Gestern hatte ich einen Burschen. Husten
Wer? #
Frau flüstert unverständlich.
(Novakova) Na, soll ich ein Liedchen singen?
Ja? Ein kleines Gute-Nacht-Lied?
(flüstert) Ja! Willst du das Spätzchen?
(singt) # Schwarze Augen schlafen jetzt.
Müde Lieder schließen sich.
Morgen ist ein neuer Tag.
Morgen müsst ihr früh aufstehen.
Morgen ist ein neuer... #
Stimmengewirr
Hallo. Hallo.
Da ist alles drin, was du wolltest, nur ein T-Shirt statt dem Unterhemd.
Die Flip-Flops sind neu. Deine waren in einem fürchterlichen Zustand.
Die Handtücher bringe ich nächstes Mal.
Ich war schon über dem erlaubten Gewicht.
Ah.
Das hier hat mir Novak für dich mitgegeben.
Er arrangierte ein Interview mit Simunek.
Er erklärt, dass die Anschuldigungen aus den Fingern gesaugt sind.
Du schriebst was von 'ner Neuigkeit.
Hm? Na, ich wollte es nur nicht einfach so in dem Brief schreiben.
Ich glaube, ich hab 'n Freund.
Wer ist es? Michal.
Ich kenne Michal von der Arbeit.
Sieht nett aus. Ja, er ist lieb.
Er kennt die ganze Geschichte.
Ist ihm egal, er hat kein Problem damit.
Mami.
Alles wird gut, du wirst sehen.
Die können dich ohne Beweise nicht verurteilen.
Das ist keine Bananenrepublik hier.
Sicher.
Ich reiße mich zusammen, dann geht's so weiter wie vorher.
Eine 12-Stundenschicht nach der anderen,
dann reicht es für ein Telefon oder eine schicke Jacke.
Was dir gefällt. Und täglich kochen, damit Madame nur zugreifen muss.
Was ist? Stellst du dir das so vor? Mami.
Es ist nicht meine Schuld. Du kamst nur, wenn du Geld wolltest.
Die Bude ist uns auf den Kopf gefallen.
Ich habe nur gearbeitet, Überstunden gemacht, samstags, sonntags.
Wie ein Ackergaul. Du wolltest immer alles neu und sofort.
Wohin sollte ich zuerst springen, welches Feuer erst löschen?
Dabei sollte ich nett aussehen, freundlich sein,
mich um die Patienten kümmern, die Kolleginnen anlächeln.
Das ist doch nicht meine Schuld. Ich tat es für dich
und für dich war's selbstverständlich.
Hast du mich nur einmal gefragt, ob du mir helfen kannst?
Wie oft hast du in den letzten Monaten gefragt, wie's mir geht?
Mal darüber nachgedacht, was ich durchmache?
Wie es ist, beim Einkaufen angeglotzt zu werden?
Wenn Leute, die du schon ewig kennst,
die Straßenseite wechseln, um nicht grüßen zu müssen?
Dich interessiert nur, ob ich alles erledige.
Ob ich mich ums Haus kümmere und um den Hund
und ob ich die Kohle für das Gutachten habe.
Wie's mir geht, hast du nie gefragt.
Warum solltest du auch, du bist die, die leidet,
und bei mir da draußen steppt der Bär.
Die Handtücher schicke ich dir. Wenn du was brauchst, sag Bescheid.
Können wir um einen kurzen Kommentar bitten?
Was sagen Sie zum Prozessverlauf?
Zum Prozess äußere ich mich nicht.
Was halten Sie von den Aussagen über Kucerova?
Reichen die Beweise? Von mir hören Sie nichts dazu.
Nur ein paar Worte. Nein danke, danke.
Guten Tag.
Leise Gesrpäche
Herr Doktor.
Laut Aussage Ihres Chefarztes schlugen Sie vor,
die Angelegenheit anders zu regeln,
nämlich durch die Versetzung Kucerovas in eine andere Abteilung.
Ja, das stimmt.
Wieso haben Sie das vorgeschlagen?
Ich ging damals nicht von Vorsatz aus.
Vielmehr von einem Irrtum, von einer Fahrlässigkeit.
Ich kenne Schwester Kucerova seit über 20 Jahren.
Ich wollte nicht ihr Leben zerstören.
Kennen Sie auch andere Schwestern Ihrer Abteilung näher?
Die Frage verstehe ich nicht.
Haben Sie auch mit anderen Mitarbeiterinnen von Ihrer Station
mehr als ein reines Arbeitsverhältnis?
Ich gebe mir Mühe, zu allen Kollegen gute Beziehungen zu pflegen.
Das liegt in meinem Charakter.
Und wie ist Ihre Beziehung zu Schwester Dankova?
Wir leben seit 2,5 Jahren zusammen.
Das habe ich bereits bei der ersten Aussage
letztes Jahr im August zu Protokoll gegeben.
Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Schwester Klimenkova beschreiben?
Nun.
Schwester Klimenkova ist eine Freundin der Familie.
Sie steht meiner Partnerin nah. Ich verstehe mich auch gut mit ihr.
Ich verstehe mich mit allen gut. Oder versuche es zumindest.
Und welche Erklärung haben Sie dafür,
dass Sie alle drei dieselbe Adresse angegeben haben?
Wir wohnen alle im selben Haus.
Und wer ist der Eigentümer des Hauses? Ich.
Schwester Klimenkova hat eine der Wohnungen gemietet.
Sie zahlt ganz normal Miete dafür.
Ich kann den Mietvertrag vorlegen.
Vermieten Sie in Ihrem Haus noch mehr Wohnungen
an Kollegen aus dem Krankenhaus?
Nein.
Mal aus Ihrer Sicht betrachtet.
Was hat dieser Fall ganz persönlich mit Ihnen gemacht?
Hat er Ihnen in der Öffentlichkeit oder bei Kollegen eher geschadet?
Oder hat er Ihnen eher geholfen?
(Staatsanwalt) Einspruch.
Die Frage ist haltlos.
(Richterin) Dem wird stattgegeben, der Zeuge muss nicht antworten.
Weder legte ich es darauf an, Kucerova zu ertappen,
noch wollte ich sie decken.
Ich wollte wissen, was mit dem Kalium geschehen ist,
das nicht in der Infusion war, in der es hätte sein sollen.
So wäre jeder Arzt vorgegangen.
Jeder Arzt versucht seine Patienten zu retten.
Streicherklänge
Tereza, eins sollten Sie wissen.
Wenn Sie etwas brauchen oder ich Ihnen helfen kann,
sagen Sie's mir.
Sie können sich jederzeit an mich wenden.
Leck mich am Arsch.
Husten
Röcheln
Weiter durchgehend Husten
Beine runter. Hände auf die Oberschenkel.
Wenn ich "jetzt" sage, atmest du ein. Achtung!
Jetzt! Sie holt tief Luft.
Atme langsam.
Langsam!
Ruhige Musik
Leise Rufe im Hintergrund
Welches Urteil erwarten Sie im Fall von Schwester Kucerova?
Man muss sich wohl bewusst machen,
dass wir es mit sorgfältig geplanten Morden zu tun haben,
die kaltblütig an wehrlosen Menschen begangen wurden.
Es gelang uns, überzeugende Argumente zusammenzutragen,
die die Angeklagte eindeutig der vorgetragenen Straftaten überführen
und ich erwarte, dass unsere Arbeit im Urteil Berücksichtigung findet.
Guten Tag. Guten Tag.
Das wievielte Interview gibt er?
Das dritte, seitdem ich hier bin.
Die haben alles vermasselt.
Die Journalisten? Die auch.
Leise Fragen der Journalisten
Denken Sie wirklich, dass so eine Serienmörderin aussieht, Kommissar?
Ich sage Ihnen was. Mich interessieren nur Beweise.
Nun, ob sie eine Serienmörderin ist, kann ich nicht sagen.
Doch ich weiß mit Gewissheit, sie ist für einen Tod verantwortlich.
(Richterin) Ich möchte das Publikum bitten, sich zu setzen,
damit wir einen Überblick bekommen.
Wenn nötig, rücken Sie ein wenig zusammen.
Zur Urteilsverkündung genehmige ich heute Stehplätze im Gerichtssaal.
Damit alle, die es wünschen, der Verhandlung beiwohnen können.
(leise) Geben Sie das Tereza, wenn's schlecht ausgeht, danke.
Mache ich gern.
Ich gehe selbstverständlich davon aus,
dass die Urteilsverkündung in keiner Weise vom Publikum gestört wird.
Danke.
Erheben Sie sich und hören Sie sich das Urteil im Namen der Republik an.
Die angeklagte Hana Kucerova, geboren am 6. Februar 1970,
ständiger Wohnsitz Dvorakova 745, Ostrov,
wird freigesprochen.
Es wurde nicht bewiesen, dass die zur Anzeige gebrachten Handlungen
tatsächlich stattgefunden haben.
Von der Staatsanwaltschaft wurden keine direkten Beweise vorgelegt,
die die Schuld der Angeklagten eindeutig bewiesen hätten.
Unter diesen Umständen ist das Gericht zu dem Schluss gekommen,
dass der Tod der Patientin im Jansky-Krankenhaus
nicht durch Handlungen
der angeklagten Krankenschwester eingetreten ist.
Hana Kucerova wird hiermit von allen Anklagepunkten freigesprochen.
Sie gilt somit weiterhin als unschuldig.
Streicherklänge
Es ist schon fast halb, soll ich klingeln? Hm.
Hallo! Hallo.
Ich bin durch den Seitenausgang raus, wegen der Reporter.
Es wimmelt ja nur so von denen hier.
Worüber sollen die schreiben, da die Mörderin gar keine ist?
Ich nehme das. Nein, ist nicht schwer.
Meine Mutter, das ist Michal.
Nett sie kennenzulernen. Guten Tag.
Fahren wir? Ja.
Geben Sie schon her.
Ruhige Musik
Ruhige Musik mit männlichem Gesang
Wir haben einen Großeinkauf gemacht. Fleisch, Käse, Gemüse und Obst.
Damit kommst du über die Runden.
Ich habe die Dill-Soße gemacht nach Omas Rezept.
Schmeckt nicht so gut wie deine, aber ist essbar.
Soll ich sie gleich warmmachen? Wir können ja zusammen Mittagessen?
Naja, wir müssen los.
Michals Schwester ist gestern 15 geworden, heute ist die Feier.
Wann bist du zurück?
Bis Monatsende bin ich bei Michal.
Ab dem 1. habe ich 'ne Wohnung in der Siedlung gemietet.
Nur 10 Minuten von meiner Arbeit. Du hast endlich Ruhe vor mir.
Aber Tereza.
Was ich neulich beim Besuch gesagt habe, da war ich einfach fertig.
Ich weiß, es ist nicht deine Schuld.
Das müsste ich denen sagen, die mich in den Knast brachten.
Mami, die Leute haben nur gesagt, was sie wirklich über dich denken.
Wenn du dich anders verhalten würdest,
Dann würden sie nicht so reden.
Niemand würde glauben, du tötest Patienten.
Weil ich nicht nett bin, dürfen die mich des Mordes beschuldigen?
Es geht nicht ums Nettsein. Ich bin eben so zur Welt gekommen
Was kann ich für meinen Charakter?
Habe ich nicht das Recht so zu sein, wie ich bin?
Doch.
Ich mache dir die Soße warm, ja?
Sie schluchzt laut.
Hallo.
Hallo.
Guten Tag. Tag.
Willst du lieber das Schokoeis? - Ja, nehmen wir das mit Schokolade.
TV läuft leise.
(TV) "... Analyse durchgeführt, die zeigt, dass Sterbende
im letzten Lebensjahr etwa 1,5 Monate im Krankenhaus verbringen.
Das sind die Momente, in denen wichtige Entscheidungen fallen,
in denen es nicht mehr nur um Medizin geht.
Es geht um die Familie. Um Hinterbliebene,
Trauerbewältigung.
Wir müssen zugeben, dass die heutige Medizin
die wirklichen Bedürfnisse der Patienten vergisst.
Dieses neue Projekt der Palliativ-Versorgung ..."
Es läutet.
Danke.
Das Bezirksgericht hat ein Disziplinarverfahren
gegen Dr. Jelinek angestrengt.
Sollte sich dann rausstellen, dass das von ihm gefertigte Gutachten
fehlerhaft war, wird er verurteilt.
Dann bekommt erganz sicher eine Geldstrafe
oder er verliert seine ärztliche Zulassung.
Der Mann hat in seinem Leben schon bei mehreren Gutachten gepfuscht.
Ist Tereza bei der Arbeit? Sie ist ausgezogen.
Ich habe sie seit drei Wochen nicht gesehen.
Wollen Sie vielleicht ein paar Eier? Von meinen Hühnern.
Da wird die Freude zuhause sicher groß sein. Ich hole eine Schachtel.
Ruhige Musik
Leise Gespräche
Als Mädchen würde ich die Finger von Pajda lassen.
Wieso, Pajda, der hat Charisma.
Ja. Das schon. Lässt er aber meistens zuhause.
Was ist das?
Ich weiß nicht.
Na mach schon auf.
Später. Vielmehr interessiert mich, was es zu essen gibt!
Wir bestellen uns was.
Verzeih mir bitte ...
Wie oft habe ich dir erzählt, wie viel Angst ich um dich hatte.
Nie vergesse ich den Moment, als ich dich das erste Mal sah.
Schmerz und Angst waren wie weggeblasen ...
Danke für alles, was du für mich getan hast.
Ich wünschte, ich könnte dir etwas davon zurückgeben.
Ich hab dich lieb. Mama
Ruhige Musik
(Mann) Wie bitte? Wissen Sie nicht, wer das ist?
(Frau) Doch.
(Mann) Es ist nicht gut, wenn sie hier arbeitet.
(Frau) Ist nicht meine Schuld, wenn die sich hier bewirbt.
Tür
Guten Tag. Ich muss mich entschuldigen.
Hier herrscht Chaos.
Ein Riesenchaos. Er räuspert sich.
So.
Äh. Die Stelle, wegen der Sie gekommen sind,
ist leider bereits besetzt.
Am Montag meinte Frau Jancova, ich solle mich vorstellen.
Sie war wohl nicht im Bilde.
Wir haben schon jemanden eingestellt. Tut mir leid.
Sie sagte, dass ich hinsichtlich meiner Qualifikation
und Fachkenntnisse alle Anforderungen erfülle.
Dass es sich nur um Formalitäten handle.
Sie hätte sagen müssen, dass die Stelle nicht mehr frei ist.
Tut mir leid, ich habe gleich ein Meeting.
Die Anzeige hing heute noch da.
Dann hat die Agentur vergessen, sie abzunehmen. Ich rufe dort an.
Seien Sie so nett und gehen Sie. Was ist das Problem?
Hören Sie.
Ich muss mich vor Ihnen für nicht rechtfertigen. Gehen Sie bitte?
Das Gericht hat mich freigesprochen, mich für unschuldig erklärt.
Frau Kucerova.
Mich interessiert in keinster Weise, was das Gericht entschieden hat.
Ich bilde mir selbst mein Urteil.
Wen wir einstellen,
ist allein unsere Sache.
Reicht Ihnen das?
(Frau) Hey! Stehenbleiben!
Sind Sie taub, Herr Bartak? Was wird das?
Was machen Sie auf dem Flur?
Schon vergessen, dass Sie ins Bett gehören?
Soll ich ihnen das vielleicht schriftlich geben?
Hop hop.
Schuhe ausziehen und hinlegen.
Es kann doch nicht jeder hier machen, was er will.
Sonst wäre hier ja sonst was los?
Ruhige Musik
Hallo. Hallo.
Ich konnte meine Jacke nicht finden.
Ich gab sie Perry als Schlafdecke. Sie hatte Löcher.
Die war noch gut.
Hast du 'ne neue Brille? Mhm.
Steht dir, du siehst tough damit aus.
Deshalb habe ich sie mir ausgesucht.
Ich ziehe mich schnell um und komme dir helfen. Ja.
Aber um halb acht muss ich los, ich gehe mit Michal ins Kino.
Was seht ihr euch an? Den neuen Bond.
Spielt den noch dieser Muskeltyp?
Meinst du Craig? Ja, ja.
Der hat mir immer gefallen.
Du kannst ihn dir ja anschauen. Der läuft die ganze Woche.
Gut, dann. Ich komme gleich. Ja.
Dissonante Klänge, vermischt Alarmansignale
Hana (Klára Melísková): Katrin Zimmermann
Novak (Miroslav Hanus): Hanns Jörg Krumpholz
Tereza (Denisa Baresová): Derya Flechtner
Berka (Marek Pospíchal): Uve Teschner
Bára (Johana Matousková): Jessica Rust
Übersetzung: Barbara Mainer
Dialogbuch und Regie: Beate Klöckner
Deutsche Fassung: Studio Hamburg Synchron GmbH
Redaktion: Felicitas Schwarz
Untertitelung: Timecode-Filmstudio, Kehl, 2022
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