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-[Tür geht auf] -[Schritte]
[Mann auf Französisch] Hier entlang, bitte.
Bleiben Sie da, Madame.
Das Licht geht gleich an.
[Frau] Ah.
-[Mann] Guten Tag, Herr Kommissar. -[Kommissar, Französisch] Danke, Philippe.
[Frau 2 auf Französisch] Kommen Sie rein. Los.
Kommen Sie.
[auf Englisch] Bereit?
-[auf Französisch] Bitte. -[2. Frau] Profil.
-Weiter. -[Frau 2] Nach vorne schauen.
[auf Englisch] Und?
Kann ich noch eine Zigarette haben?
Sie zögern. Warum?
Sie wissen, ich bin Schauspielerin. Ich wollte Sie nicht enttäuschen.
Ich habe kurz überlegt,
Ihnen eine Geschichte zu erzählen, damit Sie sich freuen.
[Kommissar] Madame, das hier ist kein Spiel.
[Frau] Obwohl es ein bisschen so aussieht.
Jemanden falsch zu beschuldigen oder zu decken ist ein Verbrechen,
dessen Sie sich schuldig machen würden.
"Würden".
Wir suchen weiter, bis wir ihn finden.
Sie wissen, wo Sie mich finden.
POLIZEI
Au revoir, Herr Kommissar.
[auf Deutsch] Auf Wiedersehen, Madame.
[Motor wird angelassen]
[Frau] Alles fängt mit A an. Das Leben, der Schmerz, die Erkenntnis und die Liebe.
Kommt ein Kind zur Welt, schreit erst die Mutter A, dann das Kind.
A sagt der Mensch, wenn er versteht, und A wenn ihn die Lust überwältigt.
A ist der Klang, den man nicht aufhalten kann.
Das A ist immer schon da.
Und dann gibt es unendlich viele Möglichkeiten, wie es weitergehen kann.
Aber alles beginnt mit einem A.
A... wie Adrian...
[stöhnt]
[junger Mann] Anna!
Anna, sind Sie okay?
Hallo? Haben Sie sich wehgetan?
-Können Sie uns hören? -Er... hat meine Tasche.
Wir holen Ihnen Ihr Geld zurück! Komm!
Können Sie stehen? Geht es Ihnen gut?
-Hilf ihr, oder willst du sie loswerden? -Ja...
Wirf die Tasche her.
[Freund schreit] Leah!
[schreit] Hier!
Alles okay?
Rück die Tasche raus!
Und jetzt verpiss dich!
[unverständlich]
[Tür knarrt]
[Tür fällt zu]
Anna! Du siehst ja aus wie ein Gespenst.
Ah, ja? Dasselbe könnte man über dich sagen.
-Was ist denn mit dir? -Du bist so blass.
Ich möchte nicht darüber sprechen.
Worüber?
-Ich bin überfallen worden. -Nein!
Doch.
Also, du bist am Lokal vorbei gegangen,
woher kamst du denn?
-Warst du bei Claire? -Hast du Zigaretten?
Hast du gewusst, dass was passieren würde?
Welche Handtasche war es denn?
Man sagt ja, dass man es kurz vorher immer schon weiß
oder zumindest ein komisches Gefühl hat.
Der ganze Tag war schon beschissen.
[Frau] So, dann lasst uns doch einfach mal reinspringen.
Beide sind zu diesem Zeitpunkt irrsinnig vernarrt ineinander.
Sie sind aufgeregt, es ist Sommer, sie sind jung und voller Energie.
-Ja, ich bin so weit. -Ich auch.
Gut, dann auf den Piepton warten.
[Piep]
Johannes?
[haucht] Clara!
Sie wollten mich sprechen?
Ich wollte dich vor allem küssen.
Johannes!
Komm, du schönste aller Frauen!
[lustvolle Kussgeräusche]
[lachend] Entschuldigung, ganz kurz.
Ähm... Das klingt jetzt alles ein bisschen... fest.
Oder irgendwie müde.
Ähm... Könnt ihr euch vielleicht... dazu bewegen?
-Vielleicht hilft das. Ja? Gut. -Klar.
-[Mann] Darf ich? -[Anna] Wie?
Ähm...
Gut, dann... äh... Liebe.
-Leidenschaft. -[er schnaubt]
-Gefühl. Gefühl, Bernhard. Gefühl. -Ja, ja. Mhm.
-Johannes? -Clara!
-Sie wollten mich sprechen? -Ich wollte dich vor allem küssen.
Johannes!
Komm... Du schönste aller Frauen.
[er stöhnt lustvoll]
Was fällt dir ein, du alter Stinksack!
-[Tür wird zugeschlagen] -[Regisseurin seufzt]
[sie schmunzelt]
[Tür wird geöffnet]
Er identifiziert sich eben sehr stark mit seinen Rollen.
Das habe ich gemerkt.
-Dafür ist er aber auch sehr gut. -Hm.
Anna, ich hab mich so gefreut über Ihre Zusage.
Ja, danke, aber genau deshalb mache ich normalerweise keine Hörspiele mehr.
Ich will schon so lange mit Ihnen arbeiten.
Haben Sie sich schon mal gefragt,
warum man uns Schau-Spieler nennt? Dar-Steller?
-Alle Künstler sind doch verschieden. -Exakt.
Deshalb halten wir uns an gewisse Gepflogenheiten,
damit das hier alles irgendwie funktioniert.
Wollen wir nicht wieder reingehen und von vorne anfangen?
Ganz bestimmt nicht. [spuckt]
Sie können sich ja mit diesem Kerl in eine Kabine pressen und sich ansabbern lassen.
Ich bin keine Animierdame!
[Schritte entfernen sich]
Ja.
Na gut.
Okay, dann...
Tja.
Die hat doch 'ne Meise. Wissen ja auch alle.
Ja, ich weiß, ich habe so schnell niemand anderen gefunden.
Sie ist irgendwie nicht bereit zu geben.
Ja. Das habe ich ihr auch gesagt.
Was denkt die sich überhaupt, dass ich auf Omas stehe?
[beide kichern]
-Bernhard! -Ja, was denn?
[schluchzt]
[atmet schwer]
Weißt du, Michel, das Verrückte ist, ich hatte überhaupt keine Angst.
Ich war bereit zu sterben.
Annalein.
Claire hat's gesehen. Sie hat gesagt, was Großes kommt.
Und, war er groß?
Sie hat gesagt "life changing". Mein ganzes Leben würde sich verändern.
Gold und Silber hat sie gesagt.
Na, das wäre doch schön.
Wenn das so ist, Michel, ich schwör's dir,
ich zahle dir die Miete für die nächsten zehn Jahre im Voraus.
Fürs letzte Jahr würde schon reichen.
Er war ungefähr so groß wie du.
Er hatte schwarzes Haar.
Er trug eine Brille.
-Und eine Lederjacke. -[Michel] Hm?
Ich konnte sie riechen.
[Michel atmet tief durch die Nase ein]
Tolle Kombination. Wie alt?
Er war jung. Fast noch ein Kind.
Wie viel Geld hattest du dabei?
Was war in der Tasche?
Ich war natürlich gerade am Automaten.
-Nein. -Eine junge Frau hat sie zurückgebracht.
-Sie ist ihm hinterhergelaufen... -Anna...
Sie wollte unbedingt den Helden spielen.
Hast du dir das alles ausgedacht?
Frag Toni. Alle haben es gesehen...
-Ja, das Portemonnaie ist weg! -Natürlich.
Aber der Lippenstift ist noch da.
Oh!
Na ja.
[Klicken]
[Anna] In jener Nacht hatte sie zum ersten Mal Angst.
Die sonst so vertrauten Geräusche ihrer Altbauwohnung
ließen sie nicht in den Schlaf finden.
Sie malte sich aus, wie leicht es ein Einbrecher haben würde,
wenn er, während sie schlief, in ihre Wohnung kam,
um zu nehmen, was doch eigentlich für niemanden einen Wert hatte.
Das bisschen Schmuck und die Kunst an den Wänden,
sie war ja meistens in irgendeinem Lokal entstanden
oder speziell an sie gerichtet.
Wer würde schon eine gerahmte Serviette kaufen, auf der stand:
"Schlaf mit mir, Anna - Martin Kippenberger".
[Glocke läutet]
Würde ein Einbrecher die Tür öffnen,
würde das Band sich bewegen und die Glöckchen würden erklingen.
[Glocke bimmelt]
Und als wäre der Hammer ein Kreuz, dass sie vor Vampiren schützt,
würde sie sich zu wehren wissen, falls die Glocken sie weckten.
Aber das taten sie nicht.
Ihr Klingen ertönte nicht in dieser Nacht und auch nicht in der nächsten.
Und trotzdem waren Annas Träume erfüllt davon.
[laute Autohupen]
[Wasser plätschert]
Oh nein!
[Türklingeln]
[Michel] Anna?
Das war 'ne Miele. Die halten doch ein Leben lang.
Wir sind langsam älter als ein Leben, Annalein.
Ich weiß nicht,
wenn ein elektronisches Haushaltsgerät kaputtgeht,
kriege ich wirklich Existenzangst, dann geht es tatsächlich bergab.
-[Kellner] Bitte schön. -Danke.
Na dann. Auf die Zukunft, mein Lieber.
Und die Freiheit, mein Schatz.
[Anna] An diesem Abend beschloss Anna, etwas zu tun.
[Michel seufzt genüsslich]
-Für Michel. -Gut.
und für sich selber.
Frau Móth. Freut mich sehr.
Ist mir wirklich eine Ehre.
Sie wissen ja, worum es geht. Also, welches Stück weiß ich nicht genau,
kann er ihnen ja selber sagen. Auf jeden Fall Schultheater,
ein ganz tolles Resozialisierungsprogramm.
Er hat vom Jugendamt 25 Stunden bewilligt bekommen.
-Aber Sie werden selber... -Vom Jugendamt?
Ja. Ich engagiere mich für die Jugendhilfe. Er ist ein Pflegekind.
-Wollen wir ihn hereinbitten? -Was, er ist schon da?
Ja, er wartet nebenan.
Um ehrlich zu sein, Herr Doktor, ich eigentlich nur hergekommen,
weil ich absagen und Sie stattdessen um ein Attest bitten wollte.
Wofür?
Ich bin heiser.
-Im Moment? -Ja.
Nein. Ich...
Ich bin nicht sicher, ob ich sie richtig verstehe.
-Herrgott, ich bin Schauspielerin. -Das weiß ich doch.
-Ich bin keine Lehrerin. -Vielleicht sind sie es doch?
Nein, glauben Sie mir, bestimmt nicht.
Versuchen Sie es doch mal und wenn nicht...
Moment!
Woher wollen Sie wissen, dass ich dazu überhaupt in der Lage bin?
Sie sind doch ausgebildete Sprecherin. Den Rest können sie sich raufschaffen!
-Aber sie müssen mich doch erst testen? -Für ihn wird's reichen.
Nein! Ich bin ganz bestimmt nicht die Richtige für Ihre Idee.
-Die Bezahlung ist anständig. -Über Geld sprechen sie mit der Agentur.
Keine Angst, er beißt nicht. Adrian?
[Anna] Adrian hatte nicht nur einen Sprachfehler,
er kam insgesamt nicht an im Leben.
Er sorgte oft für Schwierigkeiten und es gab ständig Scherereien.
Der Arzt sagte, er hätte ADHS und niemanden, der ihn liebt.
Er lebte bei einer Pflegefamilie,
es war bereits die dritte in zwei Jahren,
und sie waren kurz davor, ihn in ein Heim an die Ostsee zu schicken,
weil es so aussah, als schaffe er auch dieses Schuljahr nicht.
Der Geruch von Vogelsand und ein Hauch von Zigarillo
ließen Anna kurz in die Vergangenheit tauchen.
Sie erinnerte sich daran, wie er da stand
und ab und zu eine Nuss in den Käfig warf.
Jeden Tag saß er an diesem Tisch
und starrte in den Innenhof.
Eingefallen ist ihm trotzdem nichts.
Als er starb, war sie erleichtert.
Wer hätte das gedacht?
Sie hatte nicht einmal geweint.
-[Anna] Hallo? -Äh...
-Adrian? -Ja.
Ja.
[Türöffner brummt]
[Tür wird geöffnet]
Kann ich dir helfen?
Móth. Ich suche Anna Móth.
Gleich über uns.
[Tür wird geschlossen und verriegelt]
[Türklingel bimmelt]
-Deine Schuhe ziehst du bitte aus. -[Michel lacht]
Deine Jacke kannst du hier an der Garderobe aufhängen
und dann geradeaus ins gelbe Zimmer.
-Möchtest du ein Glas Wasser? -Ja.
[Wasser plätschert]
[Anna] Sie mochte den Text nicht.
Warum mussten alte Schinken immer neu interpretiert und aufgeführt werden?
Hm. Viel zu tun.
-Ich kann ihn schon. -Wie bitte?
Den Text. Ich kann ihn schon.
Ja, aber sobald du auf der Bühne stehst, wirst du ihn vergessen haben.
Man muss wissen, was man tut, dann kann man auch den Text behalten.
Also, zum Beispiel, ich gehe hier rüber und sage das,
dann nehme ich das Glas und sage das, und bevor ich trinke, sage ich noch das.
Wir machen nichts. Wir kommen nur auf die Bühne und sagen den Text.
Das scheint ein toller Regisseur zu sein. Aber das ist nicht mein Problem,
-Du bist hier zum Sprechen lernen. -Ich kann sprechen.
So, dass man dich versteht.
Weißt du denn, was ein Vokal ist?
Es gibt Vokale und es gibt Konsonanten. Wir fangen mit den Vokalen an.
Vokale sind Laute, bei denen die Luft, die du ausatmest,
ganz ungehindert deinen Mundraum verlässt und dabei einen Ton erzeugt.
-Aha. -Fast. A ist schon mal gut.
"Aha" ist ein A, ein H und wieder ein A.
Wir kümmern uns erstmal um das A.
Das A ist einfach da, das A kann man nicht aufhalten.
Das A ist, "Ahhhh, ich verstehe."
"Aaaa!" wie Aua und "Aahhh" wie... was auch immer.
Beim "H" schließt sich dein Hals ein bisschen,
die Luft kommt nicht ganz ungehindert aus deinem Mund.
-Verstehst du? -Das ist ein Konsonant.
Um ein H zu erzeugen, musst du dich ein bisschen anstrengen.
Spürst du das? Leg deine Hand auf deinen Hals.
Ahhhaaa! Mach mal.
Ah... ha.
Ah... ha... ha.
-Aah. -Ah... ha...
Nicht so doll. Nicht mit so viel Kraft. Das ist ganz freundlich.
Ahhh! Haaaa!
Nicht mit so viel Druck.
Von mir aus kannst du's gerne auch erst im Stehen versuchen.
Also: A-HA.
Ahhh.
A... A...
A-Haa-A.
Gut! Das war gut!
Dann bleiben wir erstmal beim A.
-Wo sitzt das A? -[lacht]
Ja, jeder Vokal hat einen Platz in deinem Körper.
Versuch mal ein lang gezogenes Aaaaa.
Aaa.
Spürst du meine Hand?
-Hier sitzt das A. -Aaa...
Und jetzt versuch noch mal A und schick es in meine Hand.
Nur in deiner Vorstellung schickst du's in meine Hand.
-Aaa. -Genau.
-[beide] Aa. -Ja!
[Adrian] Ja...
Und jetzt versuchen wir ein bisschen Luft unter...
[Anna] Die Unterrichtsstunde verlief besser als gedacht.
Adrian probierte tatsächlich, worum Anna ihn bat.
Manchmal lobte sie ihn, manchmal sagte sie...
Da werden wir noch ein bisschen brauchen, aber das macht nichts.
Aber all das klang in Adrians Ohren irgendwie hoffnungsvoll.
Als wäre er kein Stück Dreck ohne jede Chance.
Als wäre er einfach ein Mann, der eine Frau trifft,
die mit ihm über Buchstaben sprach
und dabei ihre Hände auf seine Schultern legte, was ihm gefiel.
[beide] Aaa.
Vielleicht verging auch deshalb die Stunde so schnell,
dass schon fast die zweite vorbei war, bevor sie es merkten.
Wie spät ist es denn?
[Tür wird geöffnet]
Gut.
[Anna] Dann würde ich sagen, wir treffen uns zwei Mal die Woche.
Zuhause musst du natürlich auch noch was machen.
Adrian?
Wie sieht es aus mit deiner Woche? Wann kannst du nachmittags?
Ich kann immer.
Gut, dann sagen wir... Dienstag und Freitag?
-Was haben wir heute? -Dienstag.
Geht auch Donnerstag? Dienstag und Donnerstag.
Ja. Wenn du möchtest.
Und wann war noch mal diese Aufführung?
-Hm? -Ich frage noch mal...
-Schön, dann bis am Donnerstag. -Danke, vielen Dank.
Danke, danke, danke. Ich danke Ihnen. Danke.
[Tür knarrt und fällt zu]
[Schritte nähern sich]
[Tür wird aufgeschlossen]
[Tür fällt zu]
[Anna] Anna versteckte ihre Zigaretten auf dem Schrank,
damit sie weniger rauchte.
Von oben sah sie auf ihre Küche, die ihr gut gefiel.
-[murmelt vor sich hin] -[Radio läuft im Hintergrund]
[Wasser brodelt]
[Türklingel bimmelt]
Ich wollte nur noch mal fragen, wann genau ich morgen da sein soll.
Um vier.
Hmmm.
Bis morgen um vier, Adrian.
Das ist alles, was man für eine Suppe braucht.
Das ist alles, was man für eine Suppe brauch'.
-Alles, was man braucht. -Alles was man brauch'.
Schau, in dem Satz ist ein Komma. Alles, Komma, was man braucht.
Da, wo ein Komma stehst, da nimmst du dir kurz Zeit.
-Alles... -Was man brauch'.
T. Brauch-t! Das T, das will ich gern hören.
Alles, Komma, was man brauch-t.
Ich habe Hunger. Kann ich was von der Suppe?
-Was denn für 'ne Suppe? -Die von gestern.
Woher weißt du denn, dass es eine Suppe war?
Also, kann ich?
Wenn Sie so toll sind, warum drehen Sie eigentlich keine Filme mit Tarantino?
[Filmton läuft rückwärts]
[Anna im Video] ...wie Sarah Bernhardt das wahrscheinlich selbst getan hätte,
haben wir das dann aufgenommen, liegend in einem Sarg.
Mit dem Rascheln der Seide und dem dumpfen Klang...
Das bist du? Das sind Sie!
[Talkmaster] Spannend. Aber was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
-Also, so zum Entspannen? -Ich ruhe mich aus.
Da lesen Sie ein Buch oder halten ein Mittagsschläfchen?
Nein, ich betätige mich gern, ich treibe Sport.
-Was für eine Richtung? -Wie meinen Sie?
Na ja, Gymnastik oder Golf?
Nein, ich fahre Ski. Im Winter fahre ich Ski und im Sommer eben auch.
Acht, echt? Und auch so richtig auf einem Bein?
Nein. Ich habe zwei.
Ja, da haben wir zufälligerweise sogar Fotos von.
Wow.
[Fernsehpublikum jubelt und pfeift]
-Topfit. -Na, das ist unangenehm.
Aber ich find's toll, wie fit Sie noch aussehen in ihrem Alter.
-Sie sind doch genau so alt wie ich? -Na ja, als Frau.
Nein, ich meine... ich meine nur, es gibt ja nicht so viele Frauen,
die in Ihrem Alter noch so fit sind. Sie sind ja noch total in Form.
-Ja, wie man auf den Fotos sieht. -Sie erwarten jetzt wahrscheinlich,
-dass ich mich bedanke... -...dass ich mich bedanke.
-Da nicht für. -Äh, nee, da nicht für...
Sie denken, Sie hätten mir gerade ein Kompliment gemacht, nicht wahr?
Na ja, hat er doch. Habe ich auch.
Ganz ehrlich, Sie sehen fantastisch aus.
Ja, nur, ich sitze ja hier. Der Körper, den Sie auf den Bildern zeigen,
-der sitzt ja vor Ihnen, verstehen Sie? -[Talkmaster] Ja, aber, also...
Nein, nicht genug, dass Sie als zwei mir fremde Männer hier anfangen,
vor mir, vor laufender Kamera über meinen Körper zu urteilen,
als wäre ich überhaupt nicht dabei, als wär mein Körper nur ein Objekt,
reden Sie weiter, ob Ihnen mein Körper,
trotz meines Alters, noch gefällt.
Aber er gefällt uns doch! Und das ist doch schön.
[Brummen]
-[Anna] Ich habe Sie nicht danach gefragt. -[Talkgast] Ach so.
Ich will hier nicht über meinen Körper, sondern über meinen Beruf sprechen,
dann können wir von mir aus noch reden, wie ich so generell zum Leben stehe...
Das war ja nett gemeint.
-[Anna] Das war aber nicht nett. -[Talkgast] Das ist ein Missverständnis.
Nein, das ist kein Missverständnis, das ist Absicht und erniedrigend.
Keiner der männlichen Gäste musste bis jetzt über seinen Körper sprechen.
Keine Angst, es werden sicher keine Bilder von Ihrem halbnackten Körper eingeblendet.
-Die will nämlich auch gar keiner sehen. -[Talkgast] Um Gottes Willen...
Wieso freuen Sie sich nicht, wenn ein Mann Ihnen ein Kompliment macht?
Weil das kein Kompliment war. Das war der Versuch, mich zu erniedrigen.
Wenn dieser mir fremde Mann hier anfängt, mir zu erzählen,
ob ihn mein Körper trotz meines Alters, das übrigens genau dem seinem entspricht,
ob ihn dieser nicht mehr junge, weibliche Körper
ihm noch zu einer Erektion verhelfen könnte...
Das ist kein Kompliment, sondern das ist der Versuch...
Ich werde binnen Sekunden von einer Schauspielerin zur Animierdame degradiert.
-Das ist doch absurd. -Absurd ist, dass das keinem auffällt.
Frau Móth, bei allem Respekt, lassen Sie mich Ihnen eins garantieren.
Ich möchte wirklich nicht mit Ihnen schlafen.
[Publikum lacht und applaudiert]
[Anna] Sie können gar nicht mit mir schlafen.
Sie wissen ganz genau, Männer wie Sie müssen Frauen bezahlen,
-sie heiraten oder ins Bordell gehen... -Ja.
Aber Männer wie Sie kriegen Frauen wie mich nie...
[Rauschen]
Selbst wenn ich 150...
[Rauschen]
...Kneifzange anfassen...
[langer Piepton]
Rauchst du eigentlich?
Stört es dich, wenn ich rauche, während du isst?
Ich verstecke sie immer da oben, damit ich nicht so viel rauche.
Uuuuuuh...
[Ton hält an]
[Ton hört auf]
Jetzt du.
Uuuuuuh...
Ich schaue es mir an. Ich habe es vor Augen.
Und als hätte ich einen Bogen, den ich spanne,
atme ich ein, forme die Lippen, halte mich bereit, und:
[atmet tief ein]
Pau!
Wenn mich hier einer sehen würde...
-"Focus, Aim, Shoot" heißt das Spiel. -Wow.
Und es funktioniert nicht nur mit Buchstaben.
-Halt! -Sehr gut, Adrian. Sehr gut. Genau so.
Wunderbar, wunderbar. Jetzt Spannung halten.
Jetzt geht ihr drei auf ihn zu.
Mädchen, geht mal hin, bitte.
Das kann ruhig ein bisschen schneller gehen,
ruhig um ihn herum, richtig, ihn angucken, genau.
Spannung halten, so.
Und jetzt redest du weiter.
-Wartet! Noch bis der Tag vergeht. -[Mädchen kichern]
Noch, bis die Sonne untergeht.
Bis ihr schon fast vergessen hast... habt, was euch hierher gebracht.
Ja, sehr gut, sehr gut. Das ist jetzt nicht mehr so einfach,
wenn die Mädchen um einen herumstehen...
Erkan, nicht einschlafen da.
Gut, und ihr die Schilder hoch, schön hochhalten. Gut.
-[Anna] Ja? -Ja.
[Türöffner brummt]
-Hallo. -Hallo.
Machen Sie die Tür zu, bitte.
Und jetzt setzen Sie sich bitte.
Achtung...
Oh!
-[Vögel zwitschern] -[sinnliche Musik]
[Musik: "Without Her" von Herb Alpert & The Tijuana Brass]
[Anna lacht ausgelassen]
Oh!
Oh!
[Adrian kichert]
Wie spät mag's wohl sein?
Wissen Sie vielleicht, was die Uhr sagt?
Können Sie mir vielleicht sagen, wie spät es ist?
Haben Sie eine Ahnung, wie viel Zeit schon vergangen ist,
seitdem wir hier sind?
[Anna] Sie sprachen über die Zeit.
-Er probierte sie aus... -[Anna und Adrian reden leise weiter]
...die verschiedenen Stimmen von Menschen in unterschiedlichem Alter
und verschiedener Herkunft.
Er fragte sie, warum sie es immer so wichtig fände, auf die Zeit zu achten?
Sie erinnerte ihn daran, dass sie schon älter war als er
und vielleicht nicht mehr so viel Zeit hatte.
Aber er unterbrach sie sofort und sagte, er würde auch nicht jünger werden.
Und sein Leben würde insgesamt mit Sicherheit
von kürzerer Dauer sein als das ihre.
Und so ist er, gemessen an der tatsächlichen Länge als ein Ganzes,
vielleicht sogar schon älter als sie.
...bin ich älter als du!
[Anna] Er war ein Genie.
-Kann sein... -Ja, das kann ich mir vorstellen.
[Musik schwillt an]
[Anna] Doch draußen sah plötzlich alles ganz anders aus.
Sie wussten gar nicht wohin.
Und konnten nicht einmal nebeneinander gehen.
[Junge] Hier, hier!
-[Anna] Oh! -[Junge] Danke!
-Was möchtest du heute noch machen? -Wozu hast du Lust?
-Ich habe zuerst gefragt. -Na und?
Jetzt sag schon! Ich hätte Spaß daran, zu tun, was du dir wünschst.
Dann sag mir, was du machen willst, und das wünsche ich mir dann.
[Anna lacht laut]
[Anna holt Luft]
[Anna] Sie konnten sich nicht entscheiden,
wussten nicht, wer sie füreinander sein sollten.
Sie wollten nicht lügen, aber wussten auch nicht, was die Wahrheit war.
Es gab keine Geschichte, in der sie sich wiederfanden.
Ging es nicht darum, in der Liebe und den Geschichten, die wir uns erzählen?
Sich in ihnen wieder zu finden, sie nachzustellen
und sich darüber zu freuen, dass man genauso ist wie alle anderen?
Aber sie waren nicht wie alle anderen.
Mandeln? Meinst du, so was essen die?
Wenn nicht, esse ich die.
Oh! Capri-Sonne!
-Okay! -Brauchen wir.
[Anna stöhnt begeistert] Oh, ist das schön.
Oh, die ist aber auch schön!
Du bekommst sie erst, wenn du die alte wegschmeißt.
Schmeiß sie weg und benutz ab jetzt die hier!
Ich habe gar nicht mitgekriegt, dass du die gekauft hast.
Und du bekommst sie auch nicht, wenn die alte nicht sofort verschwindet.
Du hast recht, sie hat einen längst vergangenen Charme.
So alte Taschen sind höchstens was für junge Mädchen.
[lacht entzückt]
[Michel] Guck mal!
Mach mal 'nen Kaffee.
[Küchenutensilien rasseln]
[Gasflamme wird entfacht]
-Wo ist der eigentlich? -[Anna] Hm?
Ich verstehe dich nicht, komm doch her...
Wo ist der? Was ist passiert?
Er hing da.
Ich kam nach Hause und er hing da.
Er hat sich aufgehängt.
Hau ab! Raus.
[stampft laut]
Ich bin jetzt hier.
[Adrian] So was macht man nicht. Das ist gemein.
[Anna schluchzt]
Es ist gut jetzt, es ist vorbei.
[Tür knarrt]
[Adrian] Er ist weg.
[Anna schnieft]
Geh jetzt, bitte.
[Tür wird geöffnet und fällt wieder ins Schloss]
[ringt nach Luft]
Adrian!
Hier oben!
Ich warte hier unten...
[lacht fröhlich] Aber ich bin doch längst da.
[Adrian] Ach so.
Jetzt komm rauf, ich habe nicht ewig Zeit.
-Hoppla. -Entschuldigung. Entschuldigung.
-Ich dachte schon... Ich dachte sch... -Was?
Ich... ich... ich...
Möchtest du etwas Wasser?
-Oder einen Kakao? -Ja.
-Warm oder kalt? -Warm.
Es klingt komisch, aber ich dachte plötzlich...
Ich dachte, du bist gar nicht mehr da,
also irgendwie weg oder überhaupt nie da gewesen.
Ich... ich dachte, ich...
Ich dachte, vielleicht ist das alles nicht wirklich da oder...
dass ich es mir nur ausgedacht habe,
weil ich mir das genau so wünschen würde.
Also, los, vergeuden wir keine Zeit, hopp, fangen wir an.
Jawohl, jawohl, jawohl.
[sie schreit grell]
[beide kichern]
[Flüstern]
[Flüstern verstummt]
[Anna] Der Text ist bescheuert, aber...
Ich find's gut. Du machst es gut.
Ich höre dir zu, ich verstehe, was du sagst.
Ich verstehe, was du meinst.
-Okay, du nuschelst ein bisschen, aber... -Manche Leute nuscheln eben.
Ja, aber man versteht dich trotzdem.
Und, was viel wichtiger ist, man glaubt dir, was du sagst.
Meinst du, die Leute werden mich auslachen?
Warum?
Weil ich komisch aussehe?
-Du siehst ganz normal aus. -Gut.
Und meine Klamotten, auch gut? Normal?
Ja, aber wenn du was anderes anziehen willst,
-ich kann dir einen Anzug von Edgar geben. -Nee, danke.
Ich bin sehr zufrieden.
Du hast große Fortschritte gemacht.
Ich denke auch, ich bin so weit.
[Rufe] Hey! Hey! Hey!...
[Rufe verstummen]
[Durcheinandergeflüster]
[Geflüster verstummt]
So. Und jetzt der Schlussmonolog.
Und den kennen Sie ja alle bereits schon,
und deshalb dachte ich, lasse ich den weg.
Adrian!
Weil er sagt nichts mehr, was heute wichtig ist.
Er will nicht, dass Sie sauer sind, aber das sind Sie ja überhaupt nicht.
Und dass es vorbei ist, merken Sie auch, wenn der Vorhang fällt.
[Publikum lacht beherzt]
[Mann] Bravo!
[Bravorufe]
[unverständlich]
[lauter Jubel]
Was für eine Ehre, dass Sie heute bei uns sind Frau Móth.
Wie bitte?
Das Ende war eigentlich anders geplant.
Ich hoffe, das Stück hat ihnen gefallen...
Ja, großartig. Wir fanden ihn toll.
Ich verstehe ihn bloß nicht.
Kommen Sie hoch!
Ach, ich muss...
[unverständlich]
[lauter Applaus und Jubel]
[Stimmengewirr]
[Türklingel bimmelt]
-[Adrian] Fahren Sie weg? -Nein.
Im Sommer, meine ich.
Nein, erst mal bin ich hier.
-Dann will ich auch nicht weiter stören. -Du störst doch nicht.
[Anna schreit auf]
[Anna atmet tief]
[Laufschritte entfernen sich]
[Wohnungstür knallt]
-[Türklingel] -[Schritte]
[Anna] Ja, bitte?
[Adrian] Amazon.
Adrian?
[Tür wird geschlossen]
[Türklingel bimmelt]
Hier.
Du musst mir doch nicht immer was mitbringen,
damit du herkommen darfst.
Und was ist mit deinem Gesicht passiert?
Heute war ein Scheißtag.
Bis jetzt.
Ziehst du es an? Nur für mich?
Findest du keine Freundin in deinem Alter?
[Tür wird geöffnet und fällt laut ins Schloss]
[Gezwitscher]
[Fenster wird geschlossen]
[Bimmeln]
Liebste.
Wirst du denn weitermachen?
[Anna] Mit Adrian?
Ja, oder mit diesem Doktor.
Wie war denn sein Zeugnis?
Keine Ahnung.
Ja, hat er's geschafft?
Was denn, er war großartig. Das hast du doch gesehen.
Ich meine, die Klasse. Ist er versetzt worden?
Das weiß ich gar nicht.
Ich meine, er erzählt mir ja nie von diesen Dingen.
Ja, dann frag ihn doch mal.
Ja.
Ja, das mache ich.
Ja, das... Ja, danke, Liebster.
Verzeihung? Wo sind denn alle?
Es sind Ferien, seit Freitag.
[unverständlich]
[unverständlich]
-Vom Fisch? -Gräten.
Nein, du weißt doch, das, was unter den Gräten ist.
Dieser Schleim...
Hallo, Adrian, da bist du ja.
Wie geht's dir?
Ausgezeichnet.
-Hat's also nicht gereicht? -[Adrian rülpst]
Das ist schade.
Und jetzt, was hast du jetzt vor?
Ich gehe weg.
Wie, weg?
Nach Binz. Abschluss machen.
Aber warum denn um Gottes Willen in Binz?
-Da ist so 'n Jugendheim mit Schule. -Mh-hm.
[schmunzelt]
Na ja... Pech gehabt, was?
Krass, Alter.
-Dich kenne ich doch auch. -Mm-hm.
-Ich bin Anna, Anna Móth. -Ich bin der Benni.
Was willst du hier?
Ich habe dir nie versprochen, dass es klappt.
Überhaupt finde ich, sollte man euch nichts versprechen.
Dieses "Du kannst es schaffen, wenn du nur unbedingt willst"
ist ja Blödsinn, das wisst ihr ja auch.
Aber weil euch Jungs jedes Bild, jedes Buch, jeder Film erzählt,
dass die Welt euch gehört, denkt ihr einfach, das wäre so.
Und wenn dann der Erfolg ausbleibt, dann seid ihr enttäuscht,
wie wenn der Weihnachtsmann kein Geschenk gebracht hat.
Ja, dann bemitleidet ihr euch gegenseitig, betrinkt euch, macht irgendwas kaputt.
Am besten kommt einer vorbei,
der sich nicht wehren kann, und der ist dann schuld.
Aber egal, was ihr macht, ihr könnt einfach nicht aufhören, euch zu fragen,
was denn aus dem Versprechen geworden ist, dass die Welt doch euch gehört?
Es ist ganz einfach. Sie gehört euch nicht.
Nein, es kann nicht jeder schaffen, es ist nicht genug Platz für euch alle da.
Weißt du, die aus den Familien, mit den Büchern im Regal,
wo gut gekocht wird, die schaffen's... vielleicht.
Aber für euch ist das schwer.
Unheimlich schwer.
Man sollte also wirklich aufhören, euch diesen Quatsch zu erzählen.
Es reicht einfach nicht, ein junger Mann zu sein, der sich Mühe gibt.
Es hat nicht geklappt? Na, und? Weiter geht's.
Hau ab.
Pfeif doch auf die blöde Schule.
Was heißt denn das, "gut gemacht"? Gut sind die anderen.
Du, du warst ein Star.
[sphärische, melancholische Musik]
[Musik: "Send To Robin Immediately" von Robyn]
[Adrian ruft] Anna!
[Adrian] Anna!
[Anna durch die Freisprechanlage] Adrian!
Fahr nach Hause, Adrian.
[winselt] Anna...
Adrian.
Lass mich nicht alleine.
[Türöffner brummt]
Nein!
[Adrian weint]
Anna...
Anna, es tut mir leid, es tut mir...
Entschuldige dich nicht bei mir.
[Adrian wimmert]
Für nichts.
-Niemals. -[Anna legt den Hörer auf]
[laute Musik läuft weiter]
[Musik wird leiser]
[Durchsage auf Französisch]
Achtung bei der Abfahrt.
-Cool! -Ja?
Sehr cool.
[Kind] La la la...
[auf Französisch] Ein Auto!
-Ein rotes Auto. -Ein Auto. Was ist das?
[Kind unverständlich]
-[Kind] Das Meer... ist da! -Wow.
Oh!
[Anna, unverständlich]
[unverständlich]
[Anna schreit begeistert]
[Möwen kreischen]
[beide kichern]
Und schau, da ist das Casino!
Darf ich mal?
Jetzt siehste, was in der Welt passiert.
[Getrommel]
[Musik wird lauter]
[Meeresrauschen]
Wie 'n Regenbogen
-aus Geld. -[Anna lacht]
[Anna kichert]
[sphärische Musik]
[Musik übertönt alles]
[Menschen johlen und pfeifen]
Willst du mich nicht sehen?
Findest du mich lächerlich?
Stinke ich oder schmecke ich irgendwie komisch?
[gehaucht] Nein.
[flüstert] Wie kommst du denn da drauf?
Geld habe ich auch. Was ist es also?
[flüstert] Ich...
Du bist perfekt.
Küss mich mal.
Na los.
[beide stöhnen lustvoll]
[Anna] Sie konnte ihn nicht mehr zurückweisen.
Sie können einander nicht widerstehen.
Sie sind außer Atem, zärtlich... und wild.
Als es draußen hell wird und Anna kommt, weint sie dabei.
Adrian küsst all ihre Tränen, ohne aufzuhören, sich zu bewegen.
Die Blumen auf der Tapete,
die schon anderen in ähnlicher Situation absurd erschienen waren,
bewegen sich auf sie zu und von ihnen weg.
Und als das schönste A ganz tief aus ihrer Brust,
erst gegen eben diese Tapete knallt,
um sich dann in tausend glitzernden Blitzen
auf der zuckenden Haut der Liebenden zu verteilen...
kommt es beiden.
[Anna stöhnt lustvoll]
Erst Anna, dann Adrian.
[Adrian stöhnt lustvoll]
Wie es sich gehört.
[Alarmanlage schrillt]
[Frau auf Französisch] Ist der verrückt, oder was?
[Liftansage] Fünfter Stock.
[Möwen kreischen]
[Russisch] Hey, das sind meine Diamanten!
Was soll das?
-Aufräumen, sofort! -Oui.
[Frau schimpft weiter auf Russisch]
-[Mann, Russisch] Was ist hier los? -Schau's dir an!
[Mann] Warum liegt hier alles auf dem Boden?
Was redest du da überhaupt?
Was soll das hier sein? Was soll das Chaos?
[Fernseher läuft]
Hast du was gesagt?
Nee.
[atmet scharf ein]
Wow!
[Anna summt eine Melodie]
[Dusche wird angestellt]
[Anna summt weiter]
Du siehst echt schön aus.
Können wir das jetzt öfter machen?
Also, immer?
Muss ich nie wieder wichsen.
Wusste eh nicht mehr, woran ich denken soll.
Alle Bilder durchgewichst.
Mir wird auch immer langweilig.
-Und dann muss man lachen. -[Anna lacht] Oder weinen.
Dann kann man wieder von vorne anfangen.
[Adrian] Fuck.
-Aber jetzt... -Jetzt ist alles gut.
-[Vogelgezwitscher] -[Stimmengewirr]
Wenn sie dich nicht reinlassen, will ich auch nicht.
-Quatsch. Geh doch. -Nein!
Ich warte hier auf dich.
Und wenn ich verliere?
Du gewinnst.
[Croupier] Rien ne va plus.
Vierzehn, rot, gerade.
-[Mann] Für Sie, Madame. -Oh, Monsieur, sehr nett.
Viel Glück.
[Croupier] Ihre Einsätze, bitte.
-[Klaviermusik] -[Stimmengewirr]
POLIZEI
[Croupier] Rien ne va plus.
Ihre Einsätze, bitte.
-Sechs, schwarz, gerade. -[Anna seufzt enttäuscht]
Ihre Einsätze, bitte.
Sie sind verhaftet.
-[auf Englisch] Wie bitte? -[Croupier] Rien ne va plus.
[auf Englisch] Sie sind verhaftet.
Weil ich verloren habe?
Ihr Collier passt nicht zu Ihrem Kleid.
Oh.
[Croupier auf Englisch] Vier, schwarz, gerade.
Anna!
[Anna auf Englisch] Wenn mir ein Mann etwas schenkt,
frage ich nicht, ob er es gestohlen hat,
oder rufe die Polizei an und frage, ob danach gesucht wird.
Wie erkennt man gestohlenen Schmuck überhaupt?
Glitzern die Steine nicht mehr
oder glitzern sie sogar noch mehr wegen der ganzen Aufregung und Abenteuer?
-So ist es nämlich mit Perlen. -Genug.
Das war mir sowieso zu schwer. Ich bin froh, dass ich es los bin.
Und Sie erinnern sich an nichts außer seinem Vornamen.
Nicht mal seine genaue Augenfarbe,
oder wo er wohnt oder woher er kommt, richtig?
Nein, ich habe es nicht vergessen, ich wusste es nie.
Sein Französisch war noch schlechter als meins.
Ich konnte ihn kaum verstehen.
Wir verbrachten eine Woche zusammen in Paris.
Ich nannte ihn immer Ahab, weil er mir erzählte,
dass Moby Dick sein Lieblingsbuch sei.
Aber sein Name war ganz anders.
Er hieß so ähnlich wie Apat, Arrat...
Ich bin mir nicht sicher.
Ich glaube, er war aus Ungarn.
Oder war es Bulgarien? Ich...
Wissen Sie, ich habe eine Schwäche für osteuropäische Männer.
Was heißt das, "Schwäche"?
-"Faiblesse". -[Kommissar] Ah.
Und dann?
Er wollte mich wiedersehen, in einer anderen Stadt.
-Und dann? -Er wohnt im Palace.
[auf Französisch] Schickt jemanden zum Palace.
[Mann] Sofort.
[auf Englisch] Wir waren im Casino verabredet. Ich sollte den Schmuck...
-Er war im Casino? -Ja.
Er hatte gerade den Tisch verlassen, bevor Sie seinen Platz einnahmen.
Ich glaube, er wollte Black Jack spielen.
[auf Französisch] Besorgen Sie alle Überwachungsvideos aus dem Casino.
Darf ich?
[auf Englisch] Wo haben Sie übernachtet?
In meinem Hotel.
In welchem Hotel?
Dem Piermont.
Und Kapitän Ahab?
Den habe ich erst heute Abend im Casino gesehen.
Ich konnte mich nicht mal mehr verabschieden.
Wir lassen Ihre Sachen aus dem Hotel holen.
Sie müssen über Nacht auf der Wache bleiben.
Brauche ich einen Anwalt?
Tun Sie, was Sie für nötig halten. Sie dürfen einmal telefonieren.
Sie müssen die Null drücken, um eine Leitung nach draußen zu bekommen.
[elektronisches Piepen]
[es klingelt]
[Handy klingelt]
-Hallo? -Michel, Liebster...
-Anna? -Ich bin an der Côte d'Azur.
Ich bin im Casino verhaftet worden. Ich rufe aus dem Polizeirevier an.
[Michel lacht genüsslich]
[Michels Lachen klingt nach]
[Polizist auf Französisch] Wir sind da.
-[Kommissar, Funk] Überwacht das Gebäude. -Verstanden.
Ah, da ist ja Kapitän Ahab.
[unverständliches Gespräch zwischen Kommissar und Kollegin]
[Anna stöhnt]
[genussvolles Stöhnen]
Oh, der Kleine. Los, Madame.
Wie immer, verlassen Sie den Strand.
[unverständlich]
Auf, Madame!
Na los! Wie viele sind das?
Los, Monsieur!
Bewegung, wie immer.
-Guck mal, der. -Wir müssen ihn wecken.
Ja.
Aufwachen, Monsieur. Polizei.
Na los!
-Los! -Das gibt's nicht.
Polizei, aufwachen!
Verlassen Sie den Strand. Können Sie sich ausweisen?
ID card? Nicht? Also los. Danke.
-Los! -Danke!
[Frau] Nach vorne schauen.
Zeigen Sie jetzt die Buchstaben.
Gut.
[Kommissar] Wenn es noch Fragen gibt, melde ich mich bei Ihnen.
Ich muss etwas übersehen haben.
Sie machen das schon.
Ja, das ist meistens so.
[Mann spricht Französisch]
[Bremsen quietschen plötzlich]
[Geschrei]
[Mann auf Englisch] Was ist los?
[auf Französisch] Bleiben Sie sitzen. Bleiben Sie sitzen.
Ich sehe nach, was los ist.
Alles gut.
[Frau] Bleiben Sie bitte auf den Gleisen.
Wir müssen weiter. Kann ich Ihnen etwas abnehmen?
Kommen Sie.
Kommen Sie weiter, Madame.
Alles wird gut. Machen Sie sich keine Sorgen.
[es klingelt]
[Frau auf Französisch] City Hotel Straßburg, wie kann ich helfen?
Verzeihung... Mein Fenster...
[auf Englisch] Ich kann mein Fenster nicht aufmachen.
Auf Französisch, Madame.
Wäre es möglich, mein Fenster aufzumachen?
Die Fenster sind geschlossen, Madame.
[auf Englisch] Ich möchte es auf haben. Ich möchte mein Fenster aufmachen, bitte.
Madame, wir sprechen kein Englisch.
Ich weiß nicht... ob Sie mich richtig verstehen.
Ich verstehe Sie. Aus Sicherheitsgründen
sind die Fenster der oberen Etagen abgeschlossen.
[auf Englisch] Glauben Sie, ich stürze mich aus dem Fenster? Das ist lächerlich!
-Michel! -Anna! Anna!
-[Anna weint und schluchzt] -Anna.
Ich bin unten, wenn du mich brauchst.
Liebster, ich werde dir das nie vergessen.
Ich werde dich daran erinnern.
Wenn du Hunger hast, kommst du einfach runter.
Dann kannst du mir alles in Ruhe erzählen.
[Wohnungstür fällt ins Schloss]
[leichte, verspielte Musik]
[Musik: "Plastic Love" von Mariya Takeuchi]
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