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DAS LETZTE OPFER
"Aufzug f�hrt nach unten."
KONFERENZ, ANGEWANDTE PSYCHOLOGIE UND PSYCHIATRIE, STOCKHOLM 2021
GESCHLOSSEN
Hallo?
Jimmy. Du bist fr�h auf.
Na, das muss ich wohl. Ich muss etwas verdienen.
Hast du getrunken?
Siehst du das Schild nicht?
Es war deine Idee mit dem Restaurant.
Erinnerst du dich?
Ich will mein Geld wieder haben und zwar unter allen Umst�nden, klar?
- Das d�rftest du begriffen haben, oder? - Ja.
- Und? - Ich tue mein M�glichstes.
Du tust dein M�glichstes. Ja.
Sch�n.
Gib dir mehr M�he.
Wer ist das jetzt?
Um diese Zeit...
Was zum Teufel soll das?
"... ist das ratsam oder doch eher �bertrieben?"
"Das l�sst sich nicht so ohne Weiteres sagen.
Das ist sehr individuell."
"Ist es f�r manche Frauen gesund, ihr Haustier als Partnerersatz anzusehen?"
- "Das w�rde ich zur Diskussion stellen." - "Dagegen verwehre ich mich.
Aus tierpsychologischer Sicht wird dem Tier damit
eine Position aufgeb�rdet, die es �berfordern muss."
"Als ob das Tier das f�r sich analysieren k�nnte!"
"Vielleicht zieht ja auch das Tier individuell Nutzen aus der Beziehung?"
"Ein Goldfisch hat sicherlich auch eine andere Funktion als ein Wellensittich
oder dann, eine Stufe h�her, eine Katze oder ein Hund."
"Dazu w�rde ich gerne etwas beitragen.
Als Vertreter des Vereins zum Schutz von Wellensittichen
kann ich eindeutig sagen, dass diese Tiere untersch�tzt werden.
K�nnen Sie das vielleicht etwas pr�zisieren?"
"Das wird jetzt viel zu kleinteilig.
Im Ernst! Ganz allgemein sollten Menschen
ihre Defizite mit anderen menschlichen Wesen kompensieren,
nicht mit Tieren..."
Sie verlassen Ihr Zimmer, es ist noch dunkel.
Sie gehen in den Flur,
am Zimmer Ihres Bruders vorbei, dann gehen Sie weiter.
Und jetzt?
Was sehen Sie?
Das Zimmer meiner Eltern.
Sie schlafen.
Ich sehe,
dass das Bein meines Vaters unter der Bettdecke rausguckt.
D�rfen Sie zu den Eltern ins Bett?
Wenn Sie sich f�rchten?
Ja.
Tr�sten sie Sie?
Halten sie Sie im Arm?
Mein Vater.
Meine Mutter schl�ft zu tief.
Er bringt mich in mein Bett.
Er ist stark.
LIEBE VOM VATER, MUTTER EHER KALT, DEPRESSIV?
Ist das tr�stlich oder bedrohlich?
Tr�stlich.
Gut, Erik. Sie d�rfen sich aufsetzen.
Ich sehe noch nicht so ganz, wo das hinf�hrt.
Wenn Sie zum Beispiel beruflich Vertr�ge verhandeln, was ist das Wichtigste?
Dass ich den Vertragspartner kenne.
Darum geht es hier auch.
Die geheimen Feinde zu finden.
Ist das etwa dasselbe?
Ich rede von Vertragspartnern und Sie von Feinden.
Wir halten den Druck schwer aus, ob wir das sind, was wir gerne w�ren.
Die Frage ist:
Sicherheit oder Erfolg.
Die meisten Menschen wollen Erfolg.
Der sich nur ohne Risiko nicht einstellt.
Und wer Risiken eingeht, kann scheitern. Und das wiederum
f�hrt dann zu Unsicherheit.
Und das Prinzip liegt allem zugrunde.
Wenn die Kluft zwischen dem Sein und dem Wollen zu gro� wird,
dann bekommen wir Angst.
Und dann k�nnen wir nicht mehr schlafen.
Und verreisen Sie
demn�chst mal wieder?
Ich bin gerade aus Stockholm zur�ck.
Wir sehen uns
ab jetzt leider wieder regelm��ig.
Johanne, was habe ich morgen?
Du hast um zehn eine Vorlesung an der Universit�t.
Neuer H�rsaal.
- Also habe ich einen Lageplan angeh�ngt. - Danke.
- Nur einen einzigen Patienten. - Ja.
Ich wei�, das ist nicht so g�nstig, aber
Rasmussen ist krank. Ein anderer Termin wurde verschoben.
Mark Zidenius, ist der neu?
Ja, soll ich es verlegen?
Ist dir schon irgendetwas �ber ihn bekannt?
Ich bin lieber �ber meine Patienten informiert.
Ja, ich wei�. Aber ich habe leider nichts erfahren.
- Hast du ihn gegoogelt? - Ja.
Der einzige Mark Zidenius, den ich finden kann, ist verstorben.
Der ist es wohl kaum.
Nein. Ist es dir lieber, wenn ich ihm absage?
Nein, ach was.
- Bis morgen. - Ich maile es dir.
- Danke. Ciao. - Bis dann.
Danke.
Das war phantastisch.
Der Rest ist mein Job.
Du bringst sie ins Bett.
Das ist ein schlechter Deal. Da ist der Abwasch entspannter.
Ihr Wintermantel ist weg.
Echt jetzt?
Im Tennisclub gestohlen.
Und der letzte Mantel verschwand in einem Cafe.
"Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor
bisher noch nicht erforschten m�glichen Konsequenzen.
Komplikationen, wie etwa bleibende Lungensch�den,
oder Herz-Rhythmusst�rungen
k�nnen nicht ausgeschlossen werden."
"Stockholm. Ein neuer, makabrer Mord ersch�ttert die Hauptstadt.
Svenja Lundgren ist f�r uns vor Ort.
Svenja, was ist bisher bekannt?"
NEUER, MAKABRER MORD ERSCH�TTERT STOCKHOLM
"Soweit bekannt ist, wurde die Frau am Dienstag
in einem geschlossenen Restaurant in einem Arbeiterviertel
hier in Stockholm ermordet.
Polizeiangaben zufolge �berpr�ft man noch ihre Identit�t.
Berichten zufolge schnitt der M�rder der schwangeren Frau den F�tus
aus der Geb�rmutter. Brutale Morde, die diesem hier sehr �hneln,
gab es bereits in weiteren F�llen in Kopenhagen und in Trondheim.
Auch hier in Schweden war die Wand beschrieben,
mit demselben Spruch wie in Trondheim. Er lautet:
"Ich falle in die endlose Leere der Einsamkeit
und niemand f�ngt mich auf"."
ICH FALLE IN DIE ENDLOSE EINSAMKEIT UND NIEMAND F�NGT MICH AUF
TAGEBUCH AB 2018
"Ich falle in die endlose Leere der Einsamkeit.
Ich falle in die endlose Leere der Einsamkeit.
Und niemand f�ngt mich auf.
Und niemand f�ngt mich auf."
Das waren meine Worte.
In Trondheim.
Schreibst du etwa Tagebuch?
Nein.
Ist etwas passiert?
Los, gehen wir schlafen.
Denken Sie daran: Das Verh�ltnis zwischen einem Therapeuten und seinem Patienten
ist auch ein Mittel,
um den Therapeuten zu testen.
Wenn die Therapie Erfolg haben soll,
muss der Therapeut diesen Test bestehen.
- Ja? - Ein Test? Erkl�ren Sie das genauer.
VORLESUNG - SUSANNE HARTMANN
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Patient den Therapeuten
ebenso intensiv studiert wie der Therapeut den Patienten.
So entscheidet er, ob er Vertrauen aufbauen kann.
- Ja? - Und wie besteht man diesen Test?
Ziemlich einfach.
Oder aber auch nicht.
Wichtig ist,
dass der Therapeut sich nicht verh�lt wie die ersten Bezugspersonen,
Mutter und Vater also,
die meistens verantwortlich f�r den ersten Schmerz sind.
Hier benutzen wir den Begriff
der "korrektiven emotionalen Erfahrung".
Das emotionale Korrektiv ist der Schl�ssel der therapeutischen Beziehung,
so treten wir in Kontakt mit den Klienten.
So schaffen wir die Basis.
Das ist der therapeutische Ansatz,
dem Patienten gezielt nachtr�gliche, elterliche F�rsorge zukommen zu lassen,
wobei wir als sein Vertreter seine Gef�hle zu verteidigen haben.
RESERVIERT F�R PSYCHOLOGIN S. HARTMANN
AUS DEINER VERLETZLICHKEIT ERW�CHST DEINE ST�RKE. FREUD
Ja, das sollte gehen.
- Soll ich Kaffee machen? - Nein. Nicht n�tig.
Ja, das d�rfte erstmal reichen.
- Hi. - Hallo.
Sie sind Mark?
- Ja. - Willkommen.
Soll ich vorher zahlen?
Wenn das f�r Sie okay ist?Ja.
Klar, das ist wie bei McDonalds.
Da muss man auch vorher zahlen.
Ja.
- Zahlen Sie mit Karte? - In den besseren Restaurants
zahlt man nach dem Essen.
Meine Eltern haben mich mal
zu einem tollen Sechs-G�nge-Men� mitgenommen.
Da hat mein Vater gezahlt.
DIE F�TENMORDE VON STOCKHOLM
Sie k�nnen auch nach der Sitzung zahlen.
Es kostet
- 1600? - 1700.
Sie ist die teuerste Psychiaterin im ganzen Land, oder?
Susanne ist Psychologin.
Trotzdem, die teuerste.
Wie viel sind das hier?
Lassen Sie mal sehen.
1550.
Den Rest habe ich nur klein.
60,
80,
1700.
Sie sind Mark?
Ja.
Kommen Sie bitte rein.
Bitte, setzen Sie sich.
Lege ich mich nicht hin?
Nein. Wir fangen im Sitzen an.
�bt das nicht Druck aus?
Nein, es schafft mehr Struktur.
Sonst sitzt der Patient da und wei� nicht, wie viel Zeit er noch hat.
Zeit ist ein Faktor, und das gilt auch f�r Psychologen.
Also packen wir den Faktor auf den Tisch.
Was genau f�hrt Sie zu mir?
Ist schwer zu sagen.
Was hat Sie so sehr gequ�lt, dass Sie zu mir kommen wollten?
Ich wollte tot sein.
Haben Sie versucht, sich umzubringen?
Ich habe es versucht.
Und abgebrochen.
Wie lange ist das her?
Ich habe es nicht abgebrochen, weil ich mich f�rchtete.
Ich habe nur gemerkt, dass es nicht reicht.
Wie meinen Sie das?
Es h�tte nicht gereicht.
Selbstmord.
Selbstmord bleibt den Leuten im Ged�chtnis,
das ist etwas f�r Schwache. Ich wollte weg sein, als ob
ich nie dagewesen w�re.
Weswegen wollten Sie das?
Es gibt Menschen, die sollten nicht auf der Welt sein.
Erz�hlen Sie mir von sich. Haben Sie einen Job?
Ja, ich arbeite mit Computern und so,
auf dem Bau, alle m�glichen Jobs.
Haben Sie eine Ausbildung?
Ich habe f�r Sie gespart.
Drei Monate habe ich gespart.
Weil Sie die Beste sind. Habe ich gelesen.
So geht das nicht, und ich bin nicht die Beste, Mark.
Na gut, dann die Teuerste.
Die Teuersten sind immer die Besten.
Ich arbeite eigentlich f�r Unternehmer,
ich vermittle meistens in Arbeitsstreitigkeiten.
Ich bin nicht sicher, ob ich die Richtige f�r Sie bin.
Haben Sie es schon woanders versucht?
Es gibt viele Hilfsprogramme f�r junge Menschen.
Junge Menschen.
Das sind Programme,
da arbeiten Sie zusammen
mit anderen Menschen, die mit �hnlichen Problemen k�mpfen.
Sie wissen nicht, welche Probleme.
Nein.
Welche Probleme?
Ich will gerne verschwinden.
Vollst�ndig.
Als ob ich einfach gar nicht da war.
Verstehen Sie, was ich meine?
Waren Sie schon bei einem Psychiater?
Mark, ich glaube nicht, dass ich Ihnen helfen kann.
Nein.
Weil Sie etwas verstanden haben,
was nur Sie und ich verstehen. Ein Geheimnis.
Was verstehen nur Sie und ich?
Dass manche Leute nicht heilbar sind.
Nicht wert sind, dass man ihnen hilft.
Sie sind wie
Autos oder Haustiere.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt,
dass es aus ist.
Dann kommen sie auf den Schrottplatz. Oder zum Tierarzt.
- Habe ich recht? - Nein.
Nein.
Wieso helfen Sie mir nicht?
- Ich habe gezahlt wie alle anderen. - Sie m�ssen nicht zahlen.
Sie wollen nicht mal Geld von mir?
Sie helfen nur den Erfolgreichen, den Gesch�ftsf�hrern,
nicht den Leuten, die wirklich Hilfe brauchen.
Ich arbeite nicht mit jungen Menschen.
Sie haben eine Tochter.
Woher wissen Sie das?
Noch mehr Kinder?
Nein.
Nein, sonst keine.
Aber ich wei�, dass viele Menschen in Ihrem Alter �hnliche Konflikte haben.
Und manche wollen, dass man ihnen gesunde Gliedma�en abnimmt.
Ja.
Aber das ist eine seltene St�rung.
Aber die werden erst zufrieden sein, wenn ein Arm oder Bein fehlt.
In einem Video wollte eine Frau blind werden.
Das ist �hnlich bei mir.
Ich w�re gerne ausgel�scht.
Ausgel�scht?
Spielen Sie am Computer?
Die Welt ist ein Spiel.
Unm�glich zu gewinnen.
Und um das Spiel zu gewinnen, was braucht es daf�r?
- Also, falls ich es gewinnen k�nnte? - Ja.
Was w�re daf�r notwendig, dass Sie gl�cklich durch Ihr Leben gehen?
Dass
meine beiden Eltern mich lieben.
Was ist mit Ihren Eltern?
Die sind nicht mehr.
Aber das macht gar nichts.
Wenn Eltern nicht lieben k�nnen.
Wenn man so aufw�chst, dann f�hlt sich das wie ein Sturz an.
Du f�llst ewig ins Leere,
du bist unendlich einsam.
Und niemand f�ngt dich auf.
Kann ich die Toilette benutzen?
Susanne?
Ja.
Ja, nat�rlich. Da ist die Toilette.
F�HRTICKET, RESERVIERUNG SUSANNE HARTMANN
Was passiert hier gerade?
Die Hirtshals-F�hre.
Hey, Siri.
Ruf Frederik an.
"Ich rufe Frederik mobil an."
"Sie haben die Nummer von Frederik Hartmann gew�hlt.
Hinterlassen Sie eine Nachricht oder kontaktieren Sie mich per SMS.
Ich melde mich zur�ck.
Danke."
Hi, Frederik. Ich bin es.
Hier stimmt etwas nicht.
Irgendetwas ist ganz falsch.
Mark?
Wir m�ssen die Sitzung abbrechen.
Meine Tochter... Ja, die
- Schule hat angerufen und... - Ihre Tochter?
Ein paar Probleme und schon sind Sie weg?
- Wir k�nnen die Sitzung nachholen. - Nein.
- Sie bekommen Ihr Geld zur�ck. - Ich habe Sie f�r eine Stunde bezahlt.
Die will ich haben.
Also los, setzen Sie sich.
Es ist nicht mal eine Stunde.
Im Grunde nur 45 Minuten und 20 sind noch �brig.
- Aber ich sagte bereits, meine Tochter... - Ihre Tochter kann solange warten.
Ich habe ewig auf das hier gewartet.
Na, sch�n. Ich will ehrlich sein. Sie beunruhigen mich.
Ich beunruhige Sie.
Was soll mein Name auf einem F�hrschein nach Bergen?
Sie durchw�hlen meine Sachen?
Bitte, ich will, dass Sie gehen.
Verlassen Sie mein B�ro, oder ich rufe Hilfe.
Sie und ich bleiben hier.
- Johanne? - Wir beide haben noch die halbe Zeit.
Ich habe hier die teuerste Psychiaterin.
Ich bin Psychologin, aber Sie brauchen einen Psychiater.
Dann bin ich also krank?
Nicht allen Leuten k�nnen Psychologen helfen.
Sie sollten einen Arzt anrufen, aber wir sind fertig hier. Johanne?
Die ist nicht mehr hier.
- Nur wir zwei. Setzen Sie sich. - Johanne w�rde nicht einfach weggehen...
Setz dich hin! Susanne.
Wir fangen im Sitzen an.
Johanne?
Johanne?
- Wo ist sie? - Sie ist nicht mehr hier.
Das war mein Erspartes.
Ich frage mich jetzt, wof�r.
Wir machen einen Deal.
Die erste Viertelstunde war sinnlos.
Jetzt solltest du mir aber helfen.
Ich gebe dir 30 Minuten.
Wenn ich also krank bin,
musst du
das therapieren.
Dann kommst du frei.
Ja?
Aber wehe, du schreist
oder versuchst zu entkommen.
Ich bitte Sie!
- Ich will nicht sterben... - Mag schon sein.
Die anderen wollten das auch nicht.
Die anderen?
Sie also.
Sie haben die schwangeren Frauen get�tet.
Ich kriege kein Kind.
Das ist nicht der Punkt.
Aber was?
Oh Gott!
Gott zu rufen, bringt nichts.
Der h�rt nur, was er h�ren will.
Du verschwendest deine Zeit.
Sieh her, Susanne.
Einige Minuten extra.
Zeit ist ein Faktor.
Auch f�r eine Psychologin.
Beginnen wir mit der Therapie.
Komm schon.
Ich kann nicht.
Ich kann nicht.
"Das gl�serne Kind."
Ist das von dir?
"Therapieans�tze zur Behandlung vernachl�ssigter Kinder."
Gro�er Erfolg?
"Was f�r einen Einfluss haben die Traumata der Kindheit auf uns heute?"
Willst du es nicht versuchen?
Was hast du zu verlieren?
"Die Traumata der Kindheit hinterlassen Spuren an K�rper, Psyche und Seele.
Die Erinnerung
- ist fl�chtig, aber wenn man..." - Gefesselt klappt es nicht.
Du befragst mich doch blo�.
Ich muss etwas aufschreiben.
Das geht so aber nicht.
Sie haben ein Messer.
Ich sitze hier.
Ich bewege mich nicht.
Holen Sie mein Notizbuch.
Es ist dort dr�ben.
"K�rperliche Liebe vom Vater,
Mutter eher abweisend, eventuell depressiv.
Sucht sich jetzt Frauen, die dasselbe Muster aufweisen."
Wow. Wer ist das?
Erik Abrahmsen.
Das ist nicht schlecht.
Sein Vater hat ihn gemocht, die Mutter war traurig.
Jetzt ist er w�tend und sucht sich kalte Huren.
Wie ein albernes Luxusproblem kommt mir das vor.
Wollen Sie meine Hilfe?
Sie sagen, Sie brauchen welche.
Du schweigst ja nur.
Das ist ein Psychologentrick.
"F�tenm�rder".
So nennen Sie die Leute. Oder?
M�rder.
Das h�rt sich
so primitiv an.
Es ist eine ganz gro�e Sache, ein Leben zu nehmen.
Wei�t du, wie das Gef�hl ist?
Nein.
Du nimmst diesen Menschen nichts.
Nicht wirklich.
Du f�hlst so ziemlich das Gegenteil.
- Was f�hlen Sie? - Dass du gibst.
Du gibst Freiheit.
War das bei den schwangeren Frauen auch so?
Sie umzubringen hat sie befreit?
Sehnst du dich auch danach?
Susanne?
Einfach zu verschwinden?
Frei zu sein von allen Fehlern, die du begangen hast?
Nein, das tue ich nicht.
Werden Sie mich auch t�ten?
Wie kann ich Sie davon abhalten?
Sache der Psychologin.
Warum mussten die anderen Frauen sterben?
Es ging nicht um die Frauen.
Sondern um die Befreiung der Babys.
- Aber die haben Sie auch get�tet. - Kann man etwas Ungeborenes t�ten?
Au�erdem haben sie nichts gemerkt.
Oder zumindest nicht viel.
Sie wurden nicht gerettet, sondern ermordet.
Gerettet vor einem unm�glichen Leben.
Woher wollen Sie das wissen?
Ich wei�, wie sich ein unm�gliches Leben anf�hlt.
Was wei�t du schon?
Jetzt nennen sie mich M�rder.
Soldaten ziehen
- in den Krieg und man nennt sie Befreier. - Der Staat schickt Soldaten in den Krieg.
Wenn viele t�ten, ist es besser, als wenn ein einzelner es tut?
Das glaube ich nicht.
Es ist umgekehrt.
Susanne,
ich verstehe dich nicht.
Du hast eine halbe Stunde, um mich zu retten
und du hast nicht mal angefangen.
Fangen wir mit Ihrem ersten Mord an.
Was willst du wissen?
K�nnen Sie beschreiben, was das jetzt ausl�st?
Am besten, Sie legen sich mit geschlossenen Augen hin.
Wollen Sie Hilfe oder spielen Sie nur mit mir?
Was?
Sie spielen nur ein Spiel, oder?
Sie ziehen das durch, Sie wollen mich
eine halbe Stunde leiden sehen und mich dann umbringen.
Los, machen Sie es jetzt.
- Du bist anders. - Sie lassen sich auf meine Therapie ein
oder Sie tun gleich, was Sie vorhatten, klar?
- Was muss ich tun? - Hinlegen und die Augen schlie�en.
Ich bringe Sie in die Vergangenheit.
- Wenn du etwas versuchst... - Legen Sie sich da hin.
Gut.
Schlie�en Sie die Augen.
Du bist
ein kleiner Junge.
Ein kleiner Junge, dessen Leben noch von Erwachsenen dominiert wird.
- Was siehst du? - Meinen Bruder.
Meinen kleinen Bruder.
Er ist tot.
Es war schwer f�r meine Eltern, Kinder zu kriegen.
Er wurde nur eine Woche alt.
Wie alt bist du?
Drei.
Du bist drei.
Wie f�hlst du dich jetzt?
Gel�hmt vor Hass.
Weswegen?
Gel�hmt vor Hass, weil jetzt alles nur noch schlimmer wird.
Inwiefern schlimmer?
Ich wei�, dass h�chstens mehr Tod es besser macht.
Erst dachte ich, ich m�sste mich opfern.
Mein Tod als L�sung.
Dann kam mir ein Gedanke.
Welcher Gedanke?
Dass sich jemand anders opfert.
Und wie alt bist du jetzt?
Ich bin
f�nf.
Ja.
Als ich f�nf war,
beging ich meinen ersten Mord.
Nicht an einem Menschen, aber wenn man mordet, mordet man.
Ist kein Unterschied zwischen
Ameise und Mensch?
F�r die Ameise nicht.
Und f�r den Menschen?
Tief in uns drinnen wissen wir es doch alle.
Was wissen wir?
Dass wir unsere eigene Art sch�tzen wollen.
Aber ein Mord ist ein Mord.
An der Kr�he oder an Susanne.
Egal, was man t�tet, der Wert ist so ziemlich der gleiche.
Gott sieht zu gleichen Teilen sein Werk mit liebevollen Augen.
Du hast erstmal eine Kr�he get�tet?
Einen Hund auch.
Das war dann die Generalprobe.
Hunde sind dem Menschen am n�chsten.
Sie werden vermisst.
Zettel an Laternenpf�hlen.
Die Leute laufen von Haus zu Haus und weinen.
Die Leiche l�sst sich schwer verbergen.
Die schwangere Frau, war das
dein erstes menschliches Opfer?
Der erste Mensch,
das war Adam.
Sein Sohn Kain beging den ersten Mord der Geschichte.
Es ist ganz nat�rlich f�r Menschen, Gott hat uns so gemacht.
Wir sterben,
geb�ren und t�ten.
Beim ersten richtigen Mord,
an einem Menschen,
wie alt bist du da?
Zehn.
Aber ich betrachte es weniger als Mord, eher als Freiheitskampf.
Wie die Franz�sische Revolution.
Manche Morde sind wie ein Gebot.
Nimm mich
mit in diese Zeit.
Wo hast du das getan?
Das war hinten im Auto.
Dem Auto meiner Eltern.
Was siehst du?
Meinen Vater halbnackt.
Mein Vater war immer betrunkener als meine Mutter,
auch wenn sie gleich viel tranken.
HILFE
Und
was siehst du jetzt?
Den Gabelstapler am Ende der Stra�e.
Einen Gabelstapler?
Ich wei�,
auch wenn ich nur ein kleiner Junge bin,
dass das Schicksal mir eine T�r ge�ffnet hat.
Deine Mutter
und dein Vater betrunken.
Du bemerkst den Gabelstapler.
Meine Mutter rei�t die T�r auf und schreit.
Setz dich nach vorn, Mark!
Sie schreit.
Und dann sind sie hinten eingestiegen
und eingeschlafen.
Die Idee war simpel.
Es war fast wie ein Geschenk.
Ein Geschenk, das man nie wieder so erh�lt.
Langsam habe ich
die Handbremse gel�st
und dann bin ich raus.
Was geschah dann?
Es gab ein kurzes Abwarten.
Und pl�tzlich ist Wind aufgekommen.
Es war, als w�re Gott auf meiner Seite.
Nein.
Das stimmt nicht.
Das ist durchaus mein Werk.
Als ich gerade
das Rad des Schicksals gedreht hatte, wachte mein Vater auf.
Wir teilten einen Moment.
Einen Moment, in dem er verstand,
dass es richtig war.
Ich hatte die Pflicht, ihn zu t�ten.
Wie ein krankes Tier.
Dann schlief er wieder ein.
Mein Vater k�mpfte im Krankenhaus
ums �berleben.
HILFE
Als ob sein Leben es wert gewesen w�re.
Ich stand eine Weile still.
Dann kam die Polizei.
Die Polizisten nahmen mich mit auf die Wache.
Diese Nacht betrachtete ich als meine Grundausbildung.
Ich lernte in dieser Nacht,
dass es sich mit Beweisen und Forensik genauso verh�lt, wie mit allem anderen.
POLIZEI
Je fr�her du sie durchschaust, desto besser wirst du.
Sie waren gr�ndlich.
Sie hatten den Verdacht,
dass es ein Verbrechen war.
Typisches Polizeidenken.
Ich habe zwei Dinge gelernt.
Und die habe ich abgespeichert.
Zwei Dinge,
die ich die Polizisten sagen h�rte.
"Die Fingerabdr�cke passen, das steht fest.
Wir haben die gleichen auf der Handbremse gefunden."
"K�nnten es alte Abdr�cke gewesen sein?"
Das machte nichts, ich war zehn
und beging eben Anf�ngerfehler.
"Die Abdr�cke waren aber von der linken Hand.
Vielleicht hat das Kind
irgendwann mal in dem Auto gespielt."
Die meisten Menschen fangen zu sp�t an.
Sie begehen dann
Affektverbrechen.
Aber das bringt gar nichts,
ist �berhaupt nicht gut.
Wenn man aber in jungen Jahren anf�ngt
und durch Wissen aus Fehlern lernt, l�uft das problemlos mit der Polizei.
Und das andere?
Das andere?
Du hast zwei Dinge gelernt.
Ja.
Das zweite.
Das Wichtigste.
Vielleicht der Grund, wieso ich hier liege.
"Der Junge ist noch viel zu klein.
Wir k�nnen ihn nicht einsperren.
Es wird keinen Prozess geben."
Dann sagte der andere etwas, das ich erstmal gar nicht verstand.
"Sie waren nicht seine Eltern.
Er ist adoptiert."
Jetzt verstehe ich, dass die beiden mich nicht mochten.
Wer mag schon fremde Kinder?
Wei�t du inzwischen, wie du mir hilfst?
- Du hast �ngste, da du verlassen wurdest. - Ja.
Aus deinem Verlust r�hrt Schmerz.
Das Schlimmste, das einem Menschen passieren kann.
Ich dachte:
Wer kann so etwas machen?
Bis man 18 ist, erh�lt man keine Informationen.
Wusstest du das?
Nein, aber
das haben sie festgelegt.
An meinem Geburtstag war ich auf dem Amt und erfuhr ihren Namen.
Meine Mutter hatte geheiratet und den Namen ihres Mannes angenommen.
Vielleicht, um ihr Verbrechen zu vergessen.
Ich fand heraus,
wo sie arbeitete
und wartete dort den ganzen Tag auf sie.
Wenn du w�sstest, wie das Gef�hl ist,
wenn du deine Mutter zum ersten Mal siehst.
W�rde sie mich erkennen?
Sie hatte mich noch nie gesehen.
Ich verfolgte sie zu einem Buchladen.
Vielleicht liebte sie ihr Kind ja
auf den ersten Blick?
Ich hatte sie gegoogelt, aber
sie sah anders aus.
Ich dachte: Was soll ich ihr sagen?
Ich wusste es nicht.
Mir fehlten die Worte.
Und f�r wen ist es?
Das hast du gesagt.
Als ob du �ber mich redest.
F�r wen ist das Baby?
Soll ich es behalten
- Nein. - oder soll ich es weggeben?
Das glaube ich nicht.
Das kann nicht sein.
Erinnerst du dich, was dann geschah?
Ich folgte dir durch die Stadt.
Manchmal
war ich so nah bei dir,
dass ich deinen Duft riechen konnte.
Den Duft meiner Mutter.
Ich habe mich dann doch getraut.
Ich bin auf dich zugegangen.
Ich sagte: "Hallo,
kann ich kurz mit Ihnen reden?"
Wei�t du, was du gesagt hast? Du sagtest:
Nein, das passt gerade schlecht.
Und dann gingst du.
Nein. Es tut mir leid.
Ich habe mich gefragt, was deine ersten Worte w�ren.
Warum hast du nichts gesagt?
Ich hatte es mir anders vorgestellt,
meiner Mutter zu begegnen.
Ich hatte gar keine Chance,
- ich konnte das doch nicht wissen. - Du hast mich einfach weggeworfen.
Mark...
Anfangs
habe ich versucht, mich umzubringen.
Das hat nicht gen�gt.
Es reichte nicht.
Zu sterben war nicht genug.
Ich wollte
dabei sein, wenn ich tot bin.
Sehen, wie ich begraben werde, f�hlen, wie es ist
wenn man weg ist.
Verstehen, wieso eine Mutter ihr Kind wegschmei�t,
als ob es Abfall ist.
- Schrott. - Nein, Mark. So war das nicht.
Dann fand ich Javier.
Noch ein Toter, den du verantwortest.
Er war Rucksacktourist.
Ein echt netter Typ.
Aus Spanien.
Er war einsam.
Wir kamen ins Gespr�ch, ich bot ihm an, bei mir zu �bernachten.
Ich wollte alle davon �berzeugen, dass ich tot war.
Daf�r brauchte ich eine verkohlte Leiche.
Aber die Polizei ist gr�ndlich.
Das habe ich mit zehn gelernt.
Wenn sie eine Leiche identifizieren, tun sie es
anhand der Z�hne.
Aber
Javiers Z�hne?
Ich �berlegte
ziemlich lange.
Ich brauchte einen Weg,
die Z�hne loszuwerden.
Aber wie? Das war echt schwer.
Ein Autounfall, klar.
Aber egal, wie lange der Datsun und Javier brennen w�rden,
seine schlechten Z�hne w�rden ihn verraten.
Wei�t du, was ich tat?
Wenn du es rausfindest, kannst du gehen.
Ich sage dir, was ich tat.
Ich l�schte mich aus.
Ich vernichtete meine Akten.
Das kostete mich eine Nacht Arbeit.
Ich vernichtete jeden medizinischen Beweis meiner Existenz.
Ich stahl ein paar R�ntgenaufnahmen
und l�schte einige Daten.
Wie oft war ich beim Zahnarzt,
ehe sie mich aus der Schule warfen?
Vier oder f�nf Mal?
Dein
Sohn fuhr mindestens 200 Stundenkilometer.
Dann rammte er einen
parkenden Tanklastwagen.
Voller Heiz�l.
Das war eine Explosion.
Unm�glich, ihn zu identifizieren.
Und so machte ich eine Erfahrung, die sonst niemand macht.
Meine eigene Beerdigung.
Niemand kam, um sich von Mark zu verabschieden.
Nicht einmal meine eigene Mutter.
Es gab mich nicht mehr.
Ich war
nichts.
Ich ging dort hinaus als Nichts.
Und dann
geschah es.
Ich wurde erl�st.
Und wiedergeboren.
Als Gott der Verdammten.
Sch�tzer der Ungeliebten.
Und mit jedem Schritt, den ich tat,
mit jedem Fl�gelschlag,
wuchs meine Kraft.
Ich war nicht l�nger menschlich.
Ich war der Besch�tzer der Ungeborenen.
Der R�cher der Verlassenen.
Und jetzt komme ich zu dir.
Meiner Erdenmutter.
Sie sagten, es w�re eine gute Familie.
Ich h�tte es sonst ganz sicher nicht getan.
Aber du warst nicht da.
Das durfte ich nicht.
Ein Auto
f�hrst du,
bevor du es kaufst, bestimmt
mehrmals Probe.
Ein neues Haus
besichtigst du auch mehrmals vor einem Kauf.
Aber einer neuen Familie,
die du �berhaupt nicht kennst,
vertraust du einfach blind dein Kind an.
Ich wusste es nicht.
- Hattest du Sorge um mich? - Ja.
Nat�rlich hatte ich die.
Du l�gst mich an.
- Nein. Ich hatte Sorge. - Ich erkenne L�gen.
Ich wei�, dass du l�gst.
Wei�t du, wieso ich mich damit auskenne?
Wie bei einem Hasen, der den Fuchs h�rt,
auch wenn er noch Kilometer weg ist.
Entweder er
h�rt den J�ger schon vorher durch das hohe Gras kommen
oder er ist erledigt.
Ich konnte die Laune meines Vaters
an seiner Stimme erkennen.
Willst du es h�ren?
Hier!
"Sieh dir das fette, freche Kind an!
Er isst und isst! Wer soll das bezahlen?"
- Es tut mir leid. Verzeih mir! - "Was? Du widersprichst?"
"Was? Wieder frech?
H�rst du das, Martha?
DerJunge ist wieder frech.
Deine Mutter sagt, du meinst es nicht b�se."
- Gef�llt dir mein Vater? - Es tut mir leid, Mark.
So leid.
Wir haben nicht mehr viel Zeit.
Wie war der Tag, an dem du mich weggabst?
Was willst du wissen?
Welcher Tag war es?
Ein Mittwoch?
Ein Sonntag?
Keine Ahnung.
Du erinnerst dich nicht?
Nur an den Blick meines Vaters.
Ich...
Ich war allein, als ich dich geboren habe.
Ich nahm mir ein Taxi vom Krankenhaus.
Zusammen mit dir.
"Deine Mutter sagt, das Beste ist f�r uns alle, wenn du ausziehst."
Sie schmissen mich raus.
Sie wollten uns beide nicht haben.
In dem Moment wurde mir klar:
Ich w�rde das alles ohne meine Mutter nicht hinkriegen.
Ohne ihre Liebe.
Ich war erst sechzehn.
Aber ich sollte es hinkriegen.
Ich dachte, es w�re f�r uns beide gut.
Und so habe ich es getan.
Ich habe unterschrieben.
Und liebte sie dich dann?
Nein, sie liebte mich nicht.
Ich erkannte das viel zu sp�t.
Sie h�tte mich nur geliebt, wenn ich wie sie gewesen w�re.
Nicht so, wie ich damals war.
Niemals.
"Schl�fst du?
Ich wei�, dass du nicht schl�fst.
Mark.
Ich falle nicht drauf rein, Mark."
Wir haben etwas Besonderes gemeinsam.
Ich konnte das nicht wissen.
Mark!
Es tut mir leid.
Ich wusste das nicht.
Bitte.
Bitte tu das nicht.
Bitte tu das nicht.
Als ob ich pervers w�re!
Meine eigene Mutter.
Mark!
Ich will dir helfen.
Du willst mir helfen.
Einem furchtbaren Menschen wie mir?
Nein.
- Du bist nicht furchtbar. - Doch.
Denkst du, ich m�sste mich ergeben?
Ich werde dir helfen, wenn du das tust.
- Wirklich? - Ja.
Kommst du mit mir zur Polizei?
Ja, das tue ich.
Ich schw�re, ich helfe dir, ehrlich.
Wenn ich jetzt den Notruf w�hle,
wirst du erz�hlen,
was passiert ist, ja?
Die Wahrheit.
Eine Mordmeldung.
Ja.
Das tue ich.
Ich brauche deinen Code.
Zw�lf, zehn, zw�lf.
Da hat deine Tochter Geburtstag.
Wieso denn nicht meiner?
Ich �ndere ihn.
Du �nderst ihn.
Das klingt gro�artig.
"Sie haben den Notruf gew�hlt. Bitte bleiben Sie in der Leitung."
"Notrufzentrale?"
Ich m�chte einen Mord melden.
"Von wo rufen Sie an?
Hallo?"
Ich melde hiermit drei Morde.
Ich habe pl�tzlich Zweifel.
Sind das meine Morde?
Oder sind es deine?
Du hast mich verlassen.
Du verantwortest
all das hier.
Ich wusste das nicht.
Ich wusste das nicht.
Wusstest du nicht, dass wirklich alles
geschehen kann, wenn man sein Kind weggibt?
Wer sollte es wissen?
Sollten es vielleicht die Beh�rden wissen, die mir eine Familie suchten?
Bestraft man sie f�r meine Verbrechen?
Die Rechnung
geht leider so nicht auf.
Ein Amokl�ufer
ermordet zwanzig Kinder.
Wie ist das Strafma�?
Ich wei� es nicht.
Er kriegt
einmal lebensl�nglich.
F�r zwanzig tote Menschen.
19-mal lebensl�nglich scheint da
noch zu fehlen.
Verstehst du nicht?
Das entspricht sich nicht.
Wer wird f�r die 19 anderen bestraft?
Die Eltern?
Die Verantwortung f�r ihn hatten
und ihn vor den Computer setzten
und ihn mit grausamen Spielen allein lie�en.
Oder die Waffenproduzenten?
Oder die Entwickler dieser Spiele,
durch die diese armen kleinen Seelen wie s�chtig sind?
Und sie spielen und spielen und ballern los,
und dann ist da kein Unterschied mehr zwischen Spiel und Wirklichkeit!
Kriegen die die Strafe?
Diese 19 Jahre
lebensl�nglich?
Ich habe dir bestimmt nicht wehtun wollen.
Das hat damit nichts zu tun.
Es ist eine ziemlich einfache Rechnung.
Es geht um Balance und Ausgleich.
Menschen sterben.
Und irgendwer zahlt den Preis daf�r.
Wen trifft die Schuld?
Dich oder mich?
- Ich wei� es nicht. - Was ist mit den unschuldigen Frauen?
Denen man den F�tus aus dem Leib geschnitten hat?
Wer f�hrte das Messer?
War das ich?
Oder du?
Die ihr Kind den L�wen vorwarf?
Was wirst du sagen, wenn du vor dem Richter stehst
und er dich fragt:
"Haben Sie der Anklage noch irgendetwas hinzuzuf�gen?"
Es tut mir leid.
Verzeih, dass ich es tat.
- Dich weggab. - Es tut dir leid?
Soll ich dich tr�sten?
Soll ich jetzt Mitleid haben?
Hier.
Gabst du mir die Brust?
Wie lange?
Eine Woche.
Wenn ich gewusst h�tte,
dass es so kurz war, h�tte ich es mehr genossen.
Ich erinnere mich einfach nicht.
So sehr ich es auch versuche.
Das musst du nicht.
Du kannst sie dir auch jetzt
ansehen.
- Ansehen. - Ja.
Und sie f�hlen.
Mein geliebtes Kind.
Mutter?
Du h�ttest mich umbringen sollen, als du die Chance hattest.
Du solltest nie z�gern.
Das war das zweite Mal.
Unwillkommene Kinder
musst du umbringen.
Sonst wollen sie dich umbringen.
Du kriegst dann vielleicht keine Chance mehr.
Hey, Siri.
Ruf Frederik an!
Ruf Frederik mobil an!
Hilfe! Hilfe!
Mama! Die b�se Frau...
Hilfe!
- Hilfe! - ...schl�gt mich.
Hilfe!
Er bringt mich um!
Er bringt mich um! Hilfe!
Hilfe!
Hilfe!
Mama!
Mama.
HILFE
Ganz ohne Betreff?
Nein.
Soll ich dir eine Geschichte erz�hlen?
Es war eine Mutter,
die hatte zwei Kinder.
Ein M�dchen und einen
Jungen.
Doch die Mutter hasste
den Jungen und sie stie� ihn von sich
und gab ihn weg an Fremde,
die gerade vorbeikamen.
Eines Tages hat der Junge
sich dann das M�dchen geholt...
- Nein. Nein. - Doch. Doch.
So geht das in solchen Geschichten.
Also:
Der ungeliebte Junge
bewies der Mutter,
wie schmerzhaft Verlust ist.
Wenn man alles verliert.
Und so hat er der Mutter das M�dchen weggenommen.
Sieh hin.
Ja. Da ist sie.
Rebekka.
- Nein. - Hey, Rebekka.
Hi!
Ich kenne deine Mutter.
Ich komme, um dich abzuholen.
Ja, komm ruhig mit.
Los, steig in den Wagen.
Bist du m�de?
Wir beenden die Erz�hlung dann morgen.
Hilfe! Hilfe!
Hilfe!
Hilfe!
SCHWANGERSCHAFT UND GEBURT
Wo bin ich?
Was ist das hier?
Zuhause.
Wo ist meine Tochter?
H�re ich richtig?
Kannst du das Ende einer Geschichte nicht abwarten?
Rebekka!
Rebekka!
Rebekka, h�rst du mich?
Nein.
Ich f�rchte, sie kann dich nicht h�ren.
Geplant hast du das.
Von Anfang an.
Ja.
Mich.
Hier.
Jetzt sehe ich es.
Der F�hrschein.
Der war auf meinen Namen.
Mein Wagen.
Wof�r?
Warum?
Der Gott der Verlassenen...
- Was? - Das ungeliebte Kind hat zwei Optionen.
Kannst du nachlesen.
DAS GL�SERNE KIND
"Das vernachl�ssigte Kind kann ein �bergro�es Selbstbild entwickeln
und es versucht, dadurch Liebe zu erhalten."
Ich hatte das Empfinden, dass du direkt mich meinst.
F�R MARK VON SUSANNE HARTMANN
Du hast es mir signiert.
Ich wei�, wie es sich anf�hlt, zu sterben.
Dadurch kann ich den Tod auch anderen schenken.
Nein. Du musst das Ganze nicht so l�sen.
Meiner Schwester den Tod schenken.
Nein. Nein!
Bitte, du hast mich, lass sie gehen!
Nein. Mark!
Nein!
Mark!
Rebekka!
Lauf!
Rebekka!
Lauf!
Jetzt wei� ich, wie du f�r dein Kind k�mpfst.
Du hast sie nicht!
Du hast sie nicht!
Siehst du es?
Das Verschwinden?
Es ist dort unten im Wasser, das Verschwinden.
Flie�t in den Ozean.
Ins Nichts.
So, als ob es nie existiert h�tte.
Mark. Mark!
Ein ungeliebtes Kind
stirbt oft und zwar t�glich.
Das hier ist gar nichts.
POLIZEI
Susanne?
Na? Wurden Sie gut behandelt?
Ja, leider haben wir doch ein paar Tage gebraucht, da war einiges
nicht ganz klar, also...
Ich will zu meinem Mann und meiner Tochter.
Ihre Tochter?
Sie haben erz�hlt, er habe sie gekidnappt oder
so getan als h�tte er sie gekidnappt. Ist das richtig?
Ja, er wollte mich pr�fen.
- Eine Art Test? - Ja.
- Warum? - Um...
Um herauszukriegen, wie sehr ich sie liebe.
Wie weit ich gehen w�rde.
Er wollte rausfinden,
ob ich um sie k�mpfe.
Also das war Ihr Sohn
Mark, den Sie zur Adoption freigaben und
- der bei einem Autounfall starb? - Der war nur fingiert.
Was ich schon sagte!
Ich habe das so oft gesagt und werde behandelt, als ob alles falsch ist.
Sie durften f�r einen Anruf aus dem Krankenhaus raus?
Einen!
Ja. Sicher verstehen Sie das,
Susanne. In einem Fall wie dem Ihren, da...
Ja,
da d�rfen wir uns keine Fehler leisten.
- Beweismaterial verlangt Gr�ndlichkeit. - Gr�ndlichkeit, ja?
Ich wurde entf�hrt.
Und Sie behandeln mich wie eine Kriminelle?
Wollen meine DNA, meine Fingerabdr�cke...
Ihre Fingerabdr�cke, die sind
auf den Gl�sern, die man in der H�tte fand.
Mit den F�ten.
Also noch einmal:
Dieser Sohn hat Sie aufgesp�rt,
und Sie behaupten also, dass er die Frauen get�tet hat?
Hat er. Ja.
Das habe ich hundertmal gesagt, weswegen
ist das so schwierig?
Gut.
Susanne, ich habe hier...
Ich habe hier
den Kaufvertrag �ber das Land in der N�he des Berges.
Der Kauf ist datiert vor drei Jahren, ein Hektar.
Mit dem alten G�terwaggon,
der als H�tte diente.
Erkennen Sie Ihre Unterschrift?
Ist das Ihre Unterschrift?
Ich... Das...
Siehst du, Mutter?
Das ist deine Unterschrift.
Die hat er gef�lscht.
Er?
In dem Waggon
gab es keine anderen Fingerabdr�cke.
Nur Ihre sind �berall gewesen, Susanne.
Das ist Ihr Buch.
Auch da sind Ihre Fingerabdr�cke zu erkennen.
Er hat das alles inszeniert.
- Er hat mich entf�hrt. - Und auf die F�hre gebracht?
- Ja. - Ja. Aber
diese Bilder hier stammen
von der �berwachungskamera auf der F�hre.
Er hatte eine Per�cke auf.
Er trug meine Kleider.
Also
- sind Sie das hier nicht? - Nein. Das bin nicht ich!
Was geht hier vor?
Bin ich hier verd�chtig?
Glauben Sie, ich h�tte diese Frauen get�tet?
Ja?
Wieso fahnden Sie nicht nach ihm, verdammt?
- Er ist ins Wasser gest�rzt? - Ja.
Sehr praktisch.
Er fiel da in den Fluss,
wo die Str�mung stark ist. Wie h�rt sich das f�r Sie an?
Seine Leiche ist ins Meer gesp�lt worden, also
wird man sie nie finden, also
wie soll ich das deuten, Susanne?
Das war sein Plan.
Das war sein Plan?
Er wollte verschwinden.
Und zwar, als ob es ihn niemals gegeben h�tte.
Er hat das inszeniert.
Er sah das alles voraus.
Er wollte, dass ich ihn umbringe.
Es war Selbstverteidigung.
War das auch Selbstverteidigung?
Ich kenne diese Frau �berhaupt nicht.
Ich habe sie noch nie gesehen.
Waren Sie letzte Woche in Stockholm?
Ihre DNA wurde am Tatort �berall gefunden.
- Die Polizei hat ein Haar gefunden. - Nein.
Das ist unm�glich.
Ihre Sekret�rin
wurde vielleicht misstrauisch?
Also
haben Sie sie get�tet und fl�chteten dann nach Norwegen.
- Das ist absurd. Das ist absurd. - Ist es das? Ist es das?
Ihre Abdr�cke sind �berall, Susanne.
Ich habe versucht,
Johanne zu retten.
Erinnern Sie sich
an Sofia hier?
Ihre Leiche fand man in Trondheim,
letztes Jahr.
Die Polizei fand Spuren von Blut des Verd�chtigen.
In dem Keller, wo sie ermordet wurde.
Und es war Ihres.
Sie waren in Trondheim
letztes Jahr? Auf einer Konferenz?
Was ist das alles?
Was?
Was geschieht hier?
Das hier war in dem Waggon.
KONFERENZ, TRONDHEIM, 2020
Auch hier sind Ihre Fingerabdr�cke drauf.
Susanne. Susanne!
Was ist mit den Spr�chen an der Wand, Susanne?
Sie waren mit dem Blut des Opfers geschrieben.
"Ich falle in die endlose Leere der Einsamkeit..."
Ihre eigenen Worte.
Vor Jahren geschrieben. Wir fanden Ihr Tagebuch.
Susanne?
Ihre Sekret�rin wurde vielleicht misstrauisch?
Also haben Sie sie get�tet und fl�chteten dann nach Norwegen.
Die Polizei fand Spuren von Blut des Verd�chtigen.
Und es war Ihres.
Du bringst sie ins Bett.
Das ist ein schlechter Deal. Da ist der Abwasch entspannter.
Ihr Wintermantel ist weg.
Echt jetzt?
Im Tennisclub gestohlen.
Ich lernte, dass es sich mit Beweisen
so verh�lt, wie mit allem anderen.
Je fr�her du sie durchschaust, desto besser wirst du.
Ihre Fingerabdr�cke sind
auf den Gl�sern, die man in der H�tte fand.
ICH FALLE IN DIE ENDLOSE EINSAMKEIT UND NIEMAND F�NGT MICH AUF
Ich war zehn
und beging eben Anf�ngerfehler.
Die meisten Menschen
fangen zu sp�t an.
Sie begehen dann Affektverbrechen.
Aber das bringt gar nichts.
Wenn man aber in jungen Jahren anf�ngt,
und durch Wissen aus Fehlern lernt,
dann l�uft das problemlos mit der Polizei.
Wirst du erz�hlen, was passiert ist?
Ich melde hiermit drei Morde.
"Ich melde hiermit drei Morde."
Siehst du es nicht?
Es ergibt keinen Sinn.
Wen trifft die Schuld?
Dich oder mich?
Was ist mit den Frauen,
denen man den F�tus herausgeschnitten hat?
Wer f�hrte das Messer?
Ich oder du? Die ihr Kind den L�wen vorwarf?
Was wirst du sagen, wenn du vor dem Richter stehst
und er dich fragt:
KEIN VERSPRECHEN IST SO GUT ZU BEFOLGEN WIE DIE WAHRHEIT
"Haben Sie der Anklage noch irgendetwas hinzuzuf�gen?"
DAS LETZTE OPFER
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