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[Rumpeln, Schleifen]
[schweres Atmen]
[dumpfes Poltern]
[er ächzt]
[beklemmende Musik]
[schmatzende Geräusche]
[sphärische Klänge setzen ein]
[Musik stoppt]
-Moin. -Moin, Dieter.
[düstere dröhnende Musik]
[unheilvolle Titelmusik]
Mein Name ist Doormann, Raik Doormann.
Und ich bin Kürschnermeister.
-Moin. -Moin.
[Raik] Schon immer haben Menschen und Tiere in einer Symbiose gelebt.
Ihr Fleisch hat uns ernährt, ihre Milch hat unseren Durst gestillt
und ihr Pelz, der hat uns gewärmt und geschützt.
Könige und Kaiser trugen den Pelz zum Zeichen ihrer Macht.
Und ich, ich habe die Pelze erschaffen.
Pelze waren nie profanen Modetrends unterworfen,
sie waren zeitlos, wie Diamanten.
Und die Magie, wenn sich ein Fell in einen Pelz verwandelt,
die ist unbeschreiblich.
So wie die Beziehungen und Träume der Männer und Frauen, die sie tragen.
Das waren gute Zeiten.
Und dann setzte sich die Stillosigkeit in unserem Land durch.
Und die Hexenjagd begann.
Alles ging den Bach runter.
Wie konnte unser Land nur so verwahrlosen?
Wir Kürschner wurden förmlich aus unserer Heimat herausgetrieben.
In Länder, in denen ein Mann mit seinem Können noch als Mann galt
und etwas wert war.
In der Fahne von Costa Rica
steht rot für die Großzügigkeit und die Freundlichkeit der Menschen.
Aber auch für das Blutvergießen der Helden beim Verteidigen des Landes.
[Mann] Würden Sie bitte auf Pathos verzichten?
[Raik] Entschuldigung, Euer Ehren. Wo war ich?
Costa Rica.
Ich rieche da den frischen Kaffee.
Und eines Tages, Herr Richter, werde ich dort leben.
Und wenn Sie mich freisprechen,
dann lade ich den ganzen Saal hier zum Kaffee nach Costa Rica ein.
Unterlassen Sie bitte solche Bemerkungen.
[muntere Musik aus Fernseher]
Ich habe jetzt extra den Pelz ausgebessert und gereinigt.
Danke, aber der Klient findet Pelze nicht schön.
Modisch oder politisch?
Jetzt sei nicht beleidigt, hm?
Koch den Blumenkohl zum Abendessen.
Tschüss, mein Schatz.
[sie summt vor sich hin]
-[Raik] Tschüss. -Verdient Mama jetzt nur noch das Geld?
Ach, Quatsch, nein.
Du, der Papa, der ist so klug, dass er viel weniger arbeiten muss als die Mama
und trotzdem viel mehr Geld verdient.
[Raik] Stellen Sie sich mal vor,
Sie würden Ihre Arbeit verlieren und dann den Hausmann spielen.
Können Sie sich das vorstellen?
Welche anständige Frau würde denn dann noch Respekt vor Ihnen haben?
Würden Sie dann noch Ihren Mann stehen können?
-Herr Doormann. -Das wird heutzutage oft vergessen.
Schon die Höhlenmenschfrau hat den Höhlenmenschmann nur akzeptiert,
wenn er regelmäßig ein Mammut mitgebracht hat.
Herr Doormann.
Das Einzige, was ich versucht habe, ist, ein respektables Leben zu führen.
Herr Doormann, das kann ich alles gut verstehen,
aber was uns alle noch mehr interessiert, ist:
Als das Geld knapp wurde, haben Sie versucht,
mit vermeintlichen Straftaten an Geld zu gelangen?
Aber das heißt, das ist jetzt die gute Phase, ja?
Gut. Dann danke. Ich melde mich wieder.
-Tschüss, Papa. -Du, Mischa.
Gib das der Oma und sag ihr einen schönen Gruß.
-Tschüss, mein Lieber. -Tschüss.
Brigitte, ich habe endlich das Horoskop für deine Mutter erstellen lassen.
Ach. Raik, warum? Du weißt doch, sie glaubt nicht an die Sterne.
Ja, aber die Sterne, die Sterne glauben an sie.
Das ist nicht irgendein so ein Unsinn aus der Frauenzeitschrift.
Das ist sorgfältig berechnet und aufwendig hergestellt vom Fachmann, ja?
Glaube hin oder her. Da stecken viele gute Denkanstöße drin.
Was machst du heute noch?
Ein bisschen Gartenarbeit, das Gartentor quietscht.
-Tschüss dann. -Tschüss.
Ja, Raik Doormann hier.
Mensch, Harnisch, schön, deine Stimme zu hören.
Du, weshalb ich anrufe, also, du sprichst doch gut Englisch.
Ich habe gleich hier ein paar Schweden
wegen einem Immobiliengeschäft auf Costa Rica
und mir ist der Dolmetscher ausgefallen.
Na ja, mein Englisch ist eher so: "How do you do with the Gummischuh."
-Und du magst doch Eistorte, oder? -[Türklingel]
-Mensch, Harnisch. -Raik.
Komm rein.
-Gut schaust du aus. -Ja, du aber auch.
Rosa Bäckchen hast du bekommen.
Raik, Sachertorte.
Sachertorte liebe ich.
Na ja, aber 'ne Eistorte findet auch ihren Weg.
Christbaumwerfer sind noch nicht da?
Die müssten jeden Augenblick da sein.
Lange nicht mehr gesehen.
Ich habe mir einen Atombunker gebaut.
Muss ich dir zeigen, das Ding ist der Knaller.
Komm.
Ist das da der Bürgermeister?
Ja, der hat den Bunker persönlich eingeweiht. Komm.
[beklemmende Musik]
[elektrisches Surren]
Scheiße, Raik.
Das ist ja wie der Abstieg in die Hölle.
[Metalltür knarzt]
Tada.
Ich glaube, ich könnte das hier nicht aushalten.
Egal, ob da oben Atomkrieg tobt oder nicht.
Hier hast du deine Ruhe.
Keinen Mucks hörst du hier. Absolut schalldicht.
Der ganze Garten, der ist sozusagen das Dach vom Bunker.
Und da, ungefähr, ist der Grill.
Aufräumen könntest du auch mal wieder.
-Da drinnen. -Was?
[schaurige Musik]
Muss ich dir zeigen.
-Der Bürgermeister ist da nicht rein. -Der ist fast stecken geblieben.
Komm.
Komm jetzt. Oder bist du 'ne Memme?
Hm? Komm.
Hier, schau mal, muss ich dir zeigen.
Die ist aus alten Polizeibeständen.
Habe ich über deren Sportschützenabteilung an Land gezogen.
Hut ab, Respekt. Schießt du auch auf was damit?
Ja, letztens im Wald auf einen sterbenden Eber.
-Ah ja. -Ich habe ihn von seinem Leiden erlöst.
Ein Akt der Gnade.
-Wozu brauchst du denn Handschellen? -Pass mal auf.
Schau mal. Weißt du, wie die gehen? Gib mal kurz.
So. Zack.
Sag mal, spinnst du?
Die Sache läuft jetzt so. Da ist ein Papier und ein Stift.
Schreib einen Brief an deine Frau, dass du entführt bist
und dass es 300.000 kostet, dich zu befreien.
Los, schreib.
Spinnst du?
Raik?
Raik?
Raik?
[Harnisch] Raik, mach die Tür auf!
Raik!
[schnaubt] Fick dich.
[Harnisch] Du bist total verrückt.
Und selbst wenn.
-Wir haben keinen Pfennig. -Was?
Meine Knete reicht nur, um über die Runden zu kommen.
Meinem Sohn muss ich das Studium finanzieren.
Willst du mich verarschen?
Meinst du, ich bin hier aus reiner Freundschaft?
Ich habe gehofft, du gibst mir was für diesen Übersetzungsquatsch hier.
Raik?
Raik?
-[Metalltür fällt ins Schloss] -Raik!
[wütend] Sag mal, spinnst du?
[dumpf] Raik?
Raik, lass mich raus!
Doormann!
Ich habe meinem Sohn einen Zettel dagelassen.
Den hat der garantiert gefunden, du Schlaumeier.
[Raik] Sie haben anhand der Daten der Person gesagt,
jetzt sei eine gute Phase.
Jetzt hat mir die Person selber gesagt, dass es keine gute Zeit ist.
Was mache ich denn jetzt?
Ich habe extra den heutigen Tag für die Überraschung aus den Daten abgeleitet.
Ja, aber Glücksphase, was heißt denn jetzt Glücksphase?
Bezieht sich das jetzt auf die gesamte Situation?
Oder bedeutet das,
dass er eine bestimmte Situation jetzt glücklich übersteht?
Ach, Scheiße.
[Raik hustet]
Scheiße.
Ich habe so kein Bock mehr, Horst.
Hier in dieser Scheiß-Einöde. Ich will endlich nach Costa Rica.
Ich will endlich wieder leben, Mensch!
Verstehst du?
Hast du vielleicht 'ne Zigarette für mich?
Wollen wir ein Bier trinken gehen oben?
Ja, da würde ich nicht Nein sagen.
Kalt und gut.
Hau ab nach Costa Rica, Raik. Das ist 'ne gute Idee.
Aber so ein Scheiß wie eben, mach das nie mehr. Klar, Raik? Verstanden?
[Raik] Das darfst du niemandem erzählen.
[Horst] Klar doch. Die Sache ist mir auch peinlich.
Ich halte dicht, aber ab jetzt Funkstille.
Wenn du in Costa Rica bist, kannst du eine Karte schicken.
Ich lade dich ein, an meinen Strand.
[Richter] Herr Doormann, haben Sie die Frage gehört? Herr Doormann?
'tschuldigung.
Wie kamen Sie dazu, Ludwig Lübke,
Ihren ehemaligen Lehrmeister, zu erpressen?
Also ich hatte die Irmgard getroffen, seine erste Frau.
Und die hat geklagt, dass sie vom Ludwig überhaupt kein Geld bekommen hat.
Immerhin war sie ihn los, er war ein schrecklicher Mensch.
Denn Ludwig Lübke
ist zur guten alten Zeit der Kürschner steinreich geworden.
Und wenn überhaupt es einer verdient hat,
dass man ihm was abknüpft,
dann der Ludwig Lübke.
[Telefon klingelt]
-Lübke. -[Frauenstimme] Ich bin's.
Haben Sie sich das überlegt mit der Scheidung?
-Ihre Frau will mindestens 300.000. -300.000?
[Frau] Ist sie das wieder, die Anwältin?
Kann ich bitte mit Irmgard sprechen?
Ich will mit ihr reden.
Hören Sie, sie will nicht mit Ihnen reden. Ich vertrete Ihre Frau.
Lass mich das machen.
Hallo? Sie vertreten also Irmgard Lübke?
Ja, genau.
Sie haben sicherlich eine schriftliche Vollmacht von Frau Lübke?
Die würde ich nämlich gern mal sehen.
-Wollen wir uns persönlich treffen? -[Freiton]
[Richter] Sie können Ihre Stimme hochziehen?
[mit hoher Stimme] Wenn Sie Doormann freisprechen,
komme ich Sie gerne privat besuchen.
[Gelächter]
[mit normaler Stimme] 'tschuldigung.
Mit den Telefonaten kam ich anscheinend nicht weiter.
Also musste ich mir was anderes überlegen.
So, ganz ruhig. Du wolltest mich doch persönlich treffen.
Setz die auf. Ich fahre dich an einen Ort,
wo wir uns unterhalten können.
-Was ist mit Ihrer Stimme? -Ruhig, dann passiert nichts.
[Raik] Ganz ruhig.
So, jetzt durch die Luke da.
So.
Ich will nur das Geld, ja?
Hier muss niemand verletzt werden. Du musst nur auf mich hören.
Zu meiner Überraschung gefiel Elke die Idee, den Ludwig übers Ohr zu hauen.
Die waren ja nicht verheiratet.
Ludwig war ja noch nicht mal geschieden von seiner ersten Frau.
Im Todesfall hätte die Elke vom Ludwig überhaupt nichts bekommen.
Du hast keinen Kontakt zu Irmgard.
Ich habe Irmgard auf Teneriffa getroffen.
Ihn zu verlassen war das Beste, was sie tun konnte.
Ich würde schreiben, dass du mich gut behandelst.
Ja.
[mit hoher Stimme] Besorgen Sie das Geld.
Wenn Sie die 300.000 besorgen,
wird Ihrer Lebensgefährtin nichts passieren.
Und keine Polizei. Ich melde mich wieder.
[Richter] Wussten Sie, dass Ludwig Lübke doch die Polizei eingeschaltet hat?
[Raik] Ja, ich hatte mir manchmal den Hund von den Nachbarn geborgt
und das Haus beobachtet.
So, jetzt kackst du hier mal 'nen richtig schönen großen Haufen hin.
Also, streng dich an, alter Junge.
Der alte, notgeile Sack.
-Hält keine Woche ohne Frau aus. -[Hund grunzt]
Im feinsten Waschbärpelz hat sie auf der Terrasse geraucht.
Und Ludwig hat im Haus eine Flasche aufgemacht.
-[Elke] Cognac? -[Raik] Das kann Cognac gewesen sein.
Ich will mir nicht ausmalen, was dann später passiert ist.
[Elke] Ah, dieser Mistkerl.
Vielleicht hat er sich aber auch nur eine Haushaltshilfe geholt.
Die nachts auf der Terrasse raucht?
War sie jünger?
Elke, du bist schöner.
[sie seufzt entzückt]
Ich finde, unsere Beziehung sollte rein geschäftlich bleiben.
Ich habe mir die Fotos angeschaut, die du mir dagelassen hast.
-Sie haben mir gefallen. -[Raik] Ja?
Eine gefesselte Frau…
kann pure Schönheit sein.
Hatten Sie jemals mit Elke Berger intimen Kontakt?
Also wenn ich mit Elke Berger intimen Kontakt hatte, dann…
Wie sagt man? …einvernehmlichen Kontakt.
Die Herrschaften werden verstehen, wenn ich jetzt sage,
der Gentlemen, der genießt und schweigt.
[düster schwelende Musik]
Hast du das verdient?
Ja.
Das habe ich verdient.
Kriegt der Ludwig noch einen hoch?
Nein.
Fass mich an.
Wie?
-So? -Mach deine Hände dreckig.
[Musik wird intensiver]
[sie raunt]
Greif fester zu.
Tu mir weh.
Wenn ich mit dir fertig bin,
wird dich der Ludwig nicht mehr mit der Zange anfassen.
Das will ich auch nicht mehr. Nie wieder.
[sie schreit auf]
-[Richter] Sie sind Nela Langenbeck? -Ja.
Frau Langenbeck,
Sie sind gerade Kriminalkommissarin bei der Mordkommission geworden.
Als erste Frau bei der Hamburger Mordkommission überhaupt.
Gratulation, ist eine große Sache.
Wir sind hier 'ne funktionierende Truppe guter Männer.
Weiß nicht, warum Sie in die Mordkommission wollten.
Wenn Sie einen Ehemann suchen, sind Sie hier falsch.
[Nela] Schon klar, Chef.
[Mann] Moin.
Na, wollen wir heiraten?
Danke, nein. Einmal reicht.
Davor waren Sie neun Jahre bei der Sitte.
Das ist bestimmt noch härter als die Mordkommission.
Schildern Sie bitte, wie Sie in den Entführungsfall hineingekommen sind
und Ihre Beobachtungen.
Ich und andere Kollegen werden manchmal von anderen Dezernaten angefordert,
um Opfer und Angehörige bei Bedarf zu betreuen.
[Kommissar] So, Herr Lübke, das ist Frau Langenbeck.
Die bleibt jetzt hier und ist Ihre Ansprechperson, wenn wir weg sind.
-Nela Langenbeck. -Lübke, Ludwig Lübke.
Das Raubdezernat, das auch für Entführungen zuständig ist,
hat sich gemeldet, dann bin ich zum Haus von Lübke.
Danke. Bitte setzen Sie sich, ich mache das schon.
Frau Langenbeck, ich zeige Ihnen, wie man mit dem Gerät umgeht.
Das müssen Sie später bedienen können.
Ich habe mit dem Reuter-Koffer schon oft gearbeitet.
Setzen Sie sich mal, das ist komplizierter, als man denkt.
[Raik mit Frauenstimme] Besorgen Sie das Geld.
Wenn Sie die 300.000 besorgen, wird Ihrer Lebensgefährtin nichts passieren.
Und keine Polizei.
Ich kenne diese Stimme. Ich bin mir ganz sicher.
Wir sollten Ihre privaten Fotos durchgehen.
Vielleicht erkennen Sie dann ja die Frau.
[Raik] Ich melde mich wieder.
[Elke] Lieber Ludwig, bitte beschaffe schnell das Geld,
damit ich nach Hause kommen kann.
Ich werde gut behandelt, mir fehlt es an nichts.
[ruhige Musik]
Nein, nein, das geht überhaupt nicht.
Die Kekse stauben ja schon. Das ist mir unangenehm.
Herr Lübke, ich mache das schon.
Ich habe was viel Besseres. Habe ich extra in Österreich bestellt.
Elke liebt die nämlich sehr.
Überlassen Sie mir das, Herr Lübke.
Es ist unheimlich, wenn niemand im Haus ist.
Ich meine, schön, dass Sie da sind. Und danke fürs Kochen.
Gerne.
Schön, dass das Fleisch noch frisch ist, hm?
Elke kauft es immer beim Edelfleischer.
Eigentlich will sie nicht viel ausgeben.
Aber ich sage immer: "Warum sparen? Was soll der Geiz?"
Ich habe nicht mehr so viel Zeit.
Und da will ich ein schönes Leben haben. Ich will es genießen, mit Elke.
Ich wollte Elke mit einer Reise in die Karibik überraschen.
-Wie finden Sie das? -Was?
-Verurteilen Sie mich dafür? -Wofür?
Für das schöne Leben.
Nein.
Sie haben hart dafür gearbeitet. Genießen Sie es.
Ach, so ein schönes Leben, das ruft ganz schnell die Neider auf den Plan.
Wissen Sie, manchmal denke ich,
ich bin schuld, dass Elke entführt worden ist.
Das ist Quatsch.
Jetzt decken Sie den Tisch.
Gut.
Mmh.
Das schmeckt wirklich ganz hervorragend, Frau Langenbeck. Danke schön.
-Das Fleisch schmeckt nach… -Das ist Oregano, mit Paprikapulver.
Oregano, genau. Irmgard hat immer so gewürzt.
-Ihre erste Frau? -Mhm.
Wir sind immer noch verheiratet. Tja, das ist es ja.
Irmgard hat mich wohl verlassen…
weil sie ein anderes Leben wollte.
Einfach so abgehauen.
Über Nacht. Vor sechs Jahren.
Dieser seltsame Rechtsanwalt.
-Die Erpresserin? -Mhm.
Ich konnte mich noch nicht mit allen Fakten beschäftigen.
Die hat im Namen von Irmgard Geld verlangt.
Wir haben das natürlich sofort abgelehnt. Nein, nein, nein.
Elke wollte das nicht.
Obwohl…
Ich hätte schon was drum gegeben,
wenn Irmgard persönlich mit mir gesprochen hätte.
Es fühlt sich nicht so an, als ob die Erpresserin Kontakt zu Irmgard hatte.
-Nein? -Sonst hätte sie wohl kaum dann Elke…
-…entführt? -Ja.
[mystische Musik]
Ja.
Ja, ja.
Als Irmgard verschwand, das hat mich wahnsinnig belastet.
Es ging sogar das Gerücht,
ich selbst hätte Irmgard verschwinden lassen.
Können Sie sich das vorstellen?
Dann kam der Herzinfarkt.
Dann bin ich ins Krankenhaus,
da habe ich dann Elke kennengelernt.
Und lieben gelernt.
Ich dachte, Sie schlafen schon.
-Ich konnte nicht. Ein Schlummertrunk? -Nein.
Ich darf nicht, ich hatte heute schon zu viel.
Elke wird mich noch schimpfen.
-Ich dachte, Sie rauchen nicht. -Selten.
Am Ende des Tages, vor der Tür.
Wenn die Gedanken noch zu Ende kreisen.
Nein, machen Sie ruhig. Machen Sie ruhig.
Ich gieße Ihnen noch ein Gläschen ein, das können Sie dann nachher austrinken.
Und dann verkrümele ich mich.
Ich will keine Nervensäge sein.
-Sie sind keine Nervensäge. -Warten Sie mal.
Einen Moment. So bleiben, ja?
-Ziehen Sie den an. -Nein.
Draußen ist kühl.
Außerdem könnte die Zigarette den Pelz anbrennen.
Wenn das ein Kriterium wäre,
dann hätte meine Branche 90 Prozent ihres Umsatzes nie gemacht.
Denken Sie doch nur mal an diese ganzen Filmgöttinnen,
die im Pelz mit Zigarette über rote Teppiche schweben.
Wussten Sie eigentlich, dass bereits gegerbte,
aber noch nicht zu Pelz verarbeitete Felle
Rauchwaren genannt werden?
Sehen Sie?
So verbindet sich Sprache und Anmut…
mit Pelz und Zigarette.
[schwelende Musik]
[Nela] Ich habe Ludwig Lübke als altmodischen,
aber fürsorglichen Mann kennengelernt,
dem ich seine emotionale Verbundenheit zu der entführten Elke Berger
und auch zu seiner verschwundenen Frau Irmgard zu 100 Prozent abnahm.
Das möchte ich mit Nachdruck betonen.
Darf ich fragen, warum?
Ich finde, dass hier von Anfang an
der Sichtweise und Darstellung von Raik Doormann
viel zu viel Raum gegeben wird,
und dass eine Tendenz in der Luft liegt.
Welche Tendenz?
Raik Doormann ist ein Geschichtenerzähler,
der einem was vom Pferd erzählt und seine Opfer dabei denunziert.
Ihr solidarisches Mitgefühl in allen Ehren, Frau Langenbeck,
aber was das Gericht glaubt, entscheidet das Gericht.
Da es spät geworden ist,
setzen wir die Verhandlung bis morgen um 9:30 Uhr aus.
Schönen Abend allerseits.
[bedächtige Musik]
Immer dasselbe. Du lädst zum Grillen ein und deine Gäste machen die Gartenarbeit.
Pass auf, meine Gäste lassen sich Wurst und Bier schmecken,
bis ihnen die Bäuche platzen.
Da tut körperliche Ertüchtigung Not am Mann.
Und du fährst gleich richtig auf. Ich könnte ein ganzes Schwein verdrücken.
Was glaubst du denn?
Es gibt noch Lammwürstchen und Cevapcici,
da wirst du deinen Stamm-Jugo nicht mehr angucken.
Da unten wird es noch richtig knallen.
Das ist furchtbar. Nachbar gegen Nachbar, das ist grausam.
Weißt du was? Ich wollte ja nächstes Jahr wieder runterfahren.
-Die FKK-Strände da sind spitze. -Ja, die sind super.
Wenn die Jugos sich den Kopf einhauen, ist es nächstes Jahr billig.
Ja, wir merken das im Dezernat. Es kommen immer mehr Jugos.
Da sitzt dann so eine Großfamilie im Büro,
und die haben Angst, dass ihr Sohn von Kroaten oder so umgebracht worden ist.
Ja, die wollen dann Anzeige erstatten. Totaler Irrsinn.
-Macht nur Arbeit. -Ja.
Du, apropos Arbeit, ich habe letztens meinen Lehrmeister,
den Ludwig Lübke, im Supermarkt getroffen.
Ich wollte ihn nicht direkt anquatschen, aber…
ist dem seine Frau eigentlich, die Irmgard, wieder aufgetaucht?
Nee, ich glaube nicht.
-Wie lange ist das her, fünf Jahre? -Ja.
Habe ich erzählt, dass die uns angeschrieben hat?
-Ja. -Lübke hat's nicht akzeptiert.
Der hat ein Jahr später noch eine Vermisstenanzeige aufgegeben.
Ach, was? Das wusste ich nicht. Das hast du mir nicht gesagt.
Der konnte nicht verknusen, dass die auf 'ner Insel sitzt und es jucken lässt.
Jetzt scheint er drüber hinweg zu sein. Im Supermarkt hatte er eine Elke dabei.
Da ging es ständig Elke hier, Elke da, Elke Schätzchen,
Küsschen da und Küsschen hier, alle waren genervt.
-Ja? Ist doch schön für ihn. -Ja.
Alte Geldsäcke finden immer eine.
Glaubst du, dass der Lübke sein Würstchen noch so hochkriegt?
-Sag mal. -Was weiß ich, Raik.
-Ich habe was gelesen. -Was?
Die haben so eine Pille entwickelt.
Nimmst du die, steht dein bestes Stück in kurzer Zeit so hart wie Kruppstahl.
Die Pille habe ich ja schon bestellt. Ups.
Scheiße, jetzt ist die Wurst gefallen.
-Schmeiß sie zum Nachbarshund. -Der ist auf Diät.
Ich gehe rein, hole Würstchen und Cevapcici,
und weil du es bist, hole ich Bier aus dem Keller!
Bester Mann!
[leise unheilvolle Musik]
[Metalltür knarzt]
[Metalltür knarzt]
Ach, du kriegst den Mund gar nicht zu, nicht?
Das tut mir leid.
Entschuldige.
-Oh je. -[Elke schluchzt]
Ja, du liebe Elke.
-Ja. -[Elke schluchzt und wimmert]
Ja, jeder braucht mal die Nähe und die Wärme…
eines anderen Menschen.
[schwach] Verpiss dich.
Weißt du, ich grille gerade mit einem Freund,
der bei der Polizei arbeitet.
Du kannst gerne schreien.
Ich mache die Luke zu.
So. So, komm her, Hand da rein.
Au.
Du stinkst ganz schön, du mutige kleine Kämpferin.
[Telefonklingeln]
Wo bist du denn? Klingelt schon das zweite Mal.
-Hier. -Nee, muss erst mal Hände waschen.
Ja. Casa de la Doormann.
[Brigitte] Ich bin's.
Ach, das geliebte Eheweib. Wie geht's?
Ich bin ziemlich genervt. Was machst du?
Ich grille mit Ingolf im Garten.
-Welcher Ingolf? -Na, Polizist Ingolf.
Ach, Inge. Sag mal schönen Gruß.
Ja, mache ich. Wer nervt? Deine Schwester?
Dein Sohn hat seinen Cousins gesagt, er will aus ihren Katzen Mäntel machen.
-Ja, das ist mein Sohn. -Quatsch.
Er hat nur einen Witz gemacht, aber es wurde geschlägert.
Seitdem ist nur noch Streit.
Ich habe beschlossen, dass wir doch schon morgen zurückkommen.
Was? Warum denn morgen? Warte mal.
Du wirst doch mit denen klarkommen. Kauf denen Eis.
Raik, ich will nicht mit dir darüber diskutieren. Ich gebe dir Bescheid.
-Was soll das? -Warte mal.
-Hey! -Wir sehen uns morgen.
Scheiße.
Eure Lavendelseife ist wirklich top. Scheiße, der Grill.
Oh, Scheiße!
[Raik] Warte, ich komme!
[Raik] Guten Abend, hier ist der Raik Doormann.
Ich weiß, wie spät es ist, aber ich brauche Hilfe von den Sternen.
Ich stehe unter Druck, muss Entscheidungen treffen.
Wie sieht es aus mit den Transiten?
[Mann] Im Augenblick steht alles im Zeichen des Jupiters bei Ihnen.
Die Konstellationen stehen nicht gut. Geldgeschäfte auch schwierig.
Der laufende Mond befindet sich im Skorpion,
zusammen mit Pluto, dem Unterweltgott.
Das bedeutet die mögliche Aufdeckung von dunklen Machenschaften,
Verstrickungen, Erpressungen.
Zudem ein Aufruhr der Gefühle, der Gewalt.
Ja, mit Jupiter ist derzeit nicht zu spaßen.
Seien Sie äußerst vorsichtig, Jupiters Auge ist auf Sie gerichtet.
Und das bedeutet, alle Ihre Handlungen könnten schieflaufen.
Daher mein Rat: Verhalten Sie sich lieber still.
Kein Risiko, wenn Sie es vermeiden können.
[Telefonklingeln]
Versuchen Sie, das Gespräch so lange wie möglich hinzuziehen.
Schaffen Sie, Herr Lübke.
Gehen Sie ran.
Ja, Lübke.
[Raik mit Frauenstimme] Haben Sie das Geld?
Das ist nicht einfach, eine solche Summe in so kurzer Zeit.
Haben Sie das Geld oder haben Sie es nicht?
Ja. 300.000, so wie Sie es verlangt haben.
Hören Sie, ich habe gar nichts verlangt.
Ich gebe nur Nachrichten weiter.
Haben Sie was zu schreiben?
Äh, nein. Einen Moment, ich hole einen Stift.
Gut.
[angespannte Musik]
So, da bin ich wieder.
Dann schreiben Sie: "Heute Abend, 20 Uhr, Ohlsdorfer Friedhof."
Deponieren Sie das Geld unter dem Baum hinter der Schicksalsskulptur.
Wann lassen Sie Elke frei? Wie geht's ihr?
-Und keine Polizei. -Ich möchte mit Elke sprechen.
Das möchte ich nicht.
-Sie hören von mir… -Geben Sie mir ein Lebenszeichen.
[Knacken in der Leitung]
Wie geht es ihr?
Hallo?
Hallo?
-[Elke] Was ist los? -Wir müssen weg.
-Wieso? -Wir sind hier nicht mehr sicher.
Komm, komm.
[metallisches Klirren]
Komm.
[Elke atmet zitternd]
[Raik] Lass los.
So, rein da.
[düstere Musik]
-War das eine Schaufel? -Nein.
-Das war eine Schaufel. -Nein.
Jetzt halt die Schnauze, ich muss denken.
Ich will nicht sterben.
[Motor startet]
[düstere Musik läuft weiter]
[düstere Musik läuft weiter]
[Wasserstrahl läuft]
[düstere Musik klingt aus]
[Uhr tickt leise]
Es tut mir leid.
[sie schluchzt]
"Kürschnermeister Raik D., 46,
muss sich wegen erpresserischen Menschenraubs vor Gericht verantworten.
Eine Woche hielt er die Krankenhaus-Angestellte Elke B.
in dem Atomschutzbunker seines Hauses gefangen.
Ihr Lebensgefährte Ludwig L. sollte 300.000 Mark Lösegeld zahlen.
Zu seiner Verteidigung meint Raik D.,
dass es mit seinem Pelzgeschäft bergab gegangen sei.
Seit September 1991 sitzt er in U-Haft."
[dröhnende Musik]
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