All language subtitles for Der Jugendrichter (1960) (Heinz Ruhmann)

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Original subtitles

Die Sache war so, Herr Richter, ich hörte den Hund heulen

und lief auf das leere Grundstück. Der Hund war mit einem Strick

an einen Pfahl gebunden, und der Junge schlug mit diesem Stock

auf das Tier ein. Ich riss ihm den Stock aus der Hand.

Am liebsten hätte ich den Bengel an... - Danke, das genügt. Herr Staatsanwalt?

Keine Fragen. - Der Zeuge bleibt unbeeidigt.

Zeuge? Sie können sich entfernen.

Hat der Hund nach dir geschnappt, dich vielleicht gebissen? Steh mal auf,

das ist hier so üblich. Komm mal 'in bisschen näher.

Warum hast du denn das Tier geschlagen? Kannst du mir das sagen?

Du musst doch einen Grund gehabt haben. - Ich weiß es nicht.

Wann hat dich denn dein Vater das letzte Mal verprügelt?

War das vorher oder nachher? - Ich glaube, vorher. Ja, vorher.

Wie lange vorher? - Ungefähr zwei Tage vorher.

Warum hast du Prügel bekommen? - Er log.

Ich habe nicht gelogen. - Dann erzähl uns mal, was geschehen ist.

Ich hab 2 Flaschen Bier für Vater geholt. Und jemand hat mir auf der Straße

einen Stoß gegeben. Das Bier fiel mir aus der Hand, die Flaschen gingen kaputt.

Vater hat geglaubt, ich wollte mir von dem Geld eine Fahrradklingel kaufen.

Ich wollte ihm noch auf der Straße die Stelle zeigen, wo die Scherben lagen,

aber Vati ist nicht gegangen. - Nun setz dich mal. Kommen Sie bitte mal

mit dem Hund zu mir. - Ja. Na, komm. Ja, komm.

Die Betreuung hat der Tierschutzverein... übernommen, nicht wahr? Er ist herrenlos?

Ja. Die tierärztliche Untersuchung hat eine Rippenknickung ergeben und...

eine Verletzung der linken Vorderpfote. - Danke schön.

Herr Staatsanwalt.

Dieser Fall ist klar, ich fass mich kurz. Nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung

steht fest, dass Peter Schulta sich der Tierquälerei schuldig gemacht hat.

Jeder Mensch, der auf die Welt kommt, bringt gute und böse Eigenschaften mit.

Es ist daher die Aufgabe des Staates, bei der Erziehung der Jugend

die guten Eigenschaften zu fördern und die bösen zu bekämpfen.

Dem Angeklagten muss daher durch eine fühlbare Strafe bewusst gemacht werden,

dass er Unrecht getan hat. Da es sich hier um ein erstes Vergehen handelt,

beantrage ich einen Jugendarrest von 4 Wochen.

Danke.

Im Namen des Volkes! Der Angeklagte ist des Vergehens der Tierquälerei schuldig.

Er wird verwarnt. Peter, du hast einen armen,

unschuldigen Hund verprügelt. Du wolltest ihm das gleiche Schicksal

erleiden lassen, das du selbst kurz vorher erlitten hast, nämlich unschuldig

verprügelt zu werden. Glaube aber nicht, dass das eine Entschuldigung ist.

Wenn dir eine Ungerechtigkeit widerfährt, bist du nicht berechtigt,

an einem andern auch eine Ungerechtigkeit zu verüben. Das siehst du doch wohl ein?

Ich meine, gerade du solltest wissen, wie weh unverdiente Schläge tun.

Ich verkünde daher folgenden Beschluss: Dem Angeklagten wird auferlegt,

den herrenlosen Hund in Pflege zu nehmen und für die Dauer von 8 Wochen dem Gericht

jeden Sonnabend vorzuführen. Also, Peter, nimm den Hund mit nach Hause.

Er hat kein Halsband, trage ihn bitte. Du wirst ihm von deinem Taschengeld

ein Halsband und eine Leine kaufen, gib ihm zu Fressen, pflege ihn.

Der Hund gehört von heute ab dir! Nächsten Sonnabend meldest du dich

zum ersten Mal bei mir mit dem Hund. Gegen das Urteil kann binnen einer Woche

Berufung eingelegt werden, auch durch die Mutter. Frau Schulta,

sind Sie mit dem Urteil einverstanden? Denn die Pflege verursacht Kosten.

Ja. - Du auch?

Ja. - Aber Peter, wenn du jetzt nicht gut

zu dem Tier bist, dann wär's schlimm. Dann könntest du sogar noch bei einem...

neuen Vergehen eingesperrt werden, nach dem Gesetz.

Wir werden ja sehen, nächsten Sonnabend. Die Verhandlung ist beendet.

Gib dem Hund einen hübschen Namen.

(Musik)

Entschuldigen Sie, Herr Amtsgerichtsrat. Der Landgerichtspräsident hätte es gern,

wenn Sie einen Moment Zeit für ihn hätten. - Ja.

Guten Tag, Herr Kollege.

Frau Winkler, ich finde es ganz reizend, dass Sie sich so für unseren Freund

Ferdinand eingesetzt haben. Ja. Grüß dich! Wie? Sie haben dem Personalreferenten

im Ministerium ganz schön eingeheizt.

Wie? Ja, ja, Ja. Na Ja, na, sicher. Ganz bestimmt.

Aber meine Sanduhr ist jetzt abgelaufen. Frau Winkler, Sie entschuldigen mich.

Was wollte denn Betty? - Ob ich dein Gesuch weitergeleitet hab.

Ist schon weg, nicht? - Du hast vergessen zu unterschreiben.

Ach ja, wo ich manchmal meinen Kopf habe. - Hier.

Danke schön. Weißt du, Otto, man muss auch manchmal an sich denken.

Frau Winkler hat ganz Recht. 15 Jahre bin ich jetzt Jugendrichter.

Ich war ganz zufrieden, dass man mich 'ein bisschen übersehen hatte.

Du hattest schon dreimal die Gelegenheit. - Und diesmal nehme ich sie wahr.

Und weißt du, warum? Weil ich keine Zeit mehr habe.

Und du weißt ganz sicher, dass dir der Abschied vom Jugendgericht

nicht schon bald wieder Leid tun wird? - Ja. Diese Verantwortung ist mir zu viel.

Junge Seelen retten, so viermal täglich, diese dauernde Spannung,

und als Landgerichtsdirektor verdiene ich vielleicht 150 Mark mehr.

Weißt du, wie viel das ist? - 150 Mark.

Viel mehr. Das ist etwas Bequemlichkeit, das bisschen Extra.

Vielleicht mal 'ein kleines Auto, wie deins. - Aber es dauert, bis ich dich weglasse.

Gib Dr. Heizer von deinen Erfahrungen mit. - Heizer. Na ja, warum nicht?

Als Betty eben am Telefon von mir erfuhr, dass alles in Ordnung ist,

hatte sie Freudentränen in den Augen. - Wie hast du das am Telefon festgestellt?

Ich kann mir schon vorstellen, die Gute... - Ja, Ja. Moment, bitte. Unterschreiben!

Mein Federhalter, bitte. - Entschuldige.

Ferdinand? Wie wär's denn mit 'ner Partie Schach heute Abend bei mir?

Leider, ich spiel schon mit Frau Winkler.

Schach? - Canasta! Wenn du's genau wissen willst!

Kann man hier rauchen, in dem Laden? - Würde ich Ihnen nicht empfehlen,

macht keinen guten Eindruck. Wenn ich Ihnen aber 'ein Rat geben darf:

Immer hübsch bescheiden sein. Das gefällt hier besser.

Wer will denn hier gefallen?

Dir hat wohl einer ins Gehirn geschissen? Wenn die uns da oben erkennen,

schnappen sie uns doch. - Dann müssen die viel früher aufstehen.

Die nehmen das Mädchen jetzt in die Zange, hoffentlich singt sie nicht.

Darum sind wir ja hier. Ich muss ihr ein paar Worte zuflüstern.

Moralische Unterstützung, falls ihr wisst, was das ist. Los. Bleib hier,

und peil die Lage. Am Ende machst du dir noch in die Hosen, und die riechen das.

Geht's schon los? - Nein, warten Sie nur ab.

Sie können sich schon setzen. - Danke, ich sitze ja schon 2 Monate.

Die hat 'eine Figur, was? Sogar in Haft. - Aha.

Nur keine Vanille.

Was ist 'ein das eigentlich für 'ein Richter? - Ein ganz gewiefter Bursche.

Ach, jeder lässt sich ja nicht die Würmer aus der Nase ziehen. Wenn sie Glück hat,

wird sie in einer halben Stunde frei sein. Zerrüttete Familienverhältnisse und so,

das zieht hier immer. - Oder Kontaktarmut, Fachausdruck:

fehlende Nestwärme. Das ist das Übliche. Verstanden?

Wo wollen wir denn auf sie warten? - Tja, ach, Gott, weißt du,

neben dem Juweliergeschäft ist 'ein kleines Espresso.

Hallo, Inge! Was gibt's denn Neues? - Nicht mit der Angeklagten sprechen.

Wo wollen Sie denn hin? - Wirst du mich betrügen?

Was fällt Ihnen denn ein? Kommen Sie, setzen Sie sich dahin!

Mann, das war brenzlig. - Na, und?

In dieser Reinigung arbeiten Sie noch? - Ja.

Setzen Sie sich bitte, ich verlese den Eröffnungsbeschluss.

Inge Schumann wird beschuldigt, in Mittäterschaft versucht zu haben,

einen anderen durch Drohung Zu einer Handlung zu nötigen,

um dadurch dem Vermögen des Genötigten einen Nachteil zuzufügen und sich...

und Dritte zu Unrecht zu bereichern, indem sie sich zum Schein auf eine Fahrt

mit Herrn Vogel in die Umgebung einließ und dort in Gemeinschaft mit 3...

noch unauffindbaren jugendlichen Mittätern von der Bedrohung des Zeugen mit dem Ziel

mitwirkte, von dem Zeugen rechtswidrig 300 Mark Lösegeld zu verlangen.

Ein Vergehen nach 8253, 255, 43, 47 StGB. Diese Ist der Tat hinreichend verdächtig.

Es wird daher das Hauptverfahren vor dem Jugendschöffengericht eröffnet.

Warum lachen Sie? Finden Sie das komisch? - Stimmt ja alles nicht,

was Sie da vorgelesen haben. - Bitte stehen Sie auf, ja?

Erzählen Sie uns mal, wie's denn zu der Autofahrt mit Herrn Vogel gekommen ist,

was sich da abgespielt hat und so weiter. - Nichts hat sich abgespielt

in seinem Auto. - Übrigens, ist die Mutter da?

Nein, Herr Amtsgerichtsrat. - Aha. Na also, wie war es denn?

Anders. - Und Sie fühlen sich nicht schuldig?

Nein. - Wieso halten Sie es für richtig,

mit einem verheirateten Mann in einen Wald zu fahren und ihn erpressen zu lassen?

Wer ist denn auf die Idee gekommen? Sie?

Also, wie war das nun mit dem Herrn Vogel? - Er hat mir Geld angeboten,

dafür, dass ich mit ihm im Auto spazieren fahre und nett zu ihm bin.

Wie viel Geld hat er Ihnen dafür geboten? - 30 Mark und 'ein Pulli

wollte er mir schenken. - Haben Sie das Geld bekommen?

Nein. - Na, es kam euch ja weniger...

auf die 30 Mark an, ihr wolltet ihn ja um 300 erpressen.

Die Jungs wollten ihm nur eins auswischen. Weil Herr Vogel sich so billig

mit mir amüsieren wollte. - Was waren denn das für Jungs?

Sag ich nicht. - Warum hat sich einer der Jungs als Ihr

Bruder ausgegeben? Sie haben doch keinen. - Das hat er nur so aus Spaß gesagt.

Er hat mich öfter seine Schwester genannt. - Ich kann mir vorstellen,

dass Ihre Beziehung etwas anders aussieht. - Ich bin sein Stammzahn.

Bitte? - Sein Stammzahn.

Sein was? - So nennt man nun die ständige Freundin.

Das, was man früher mit Liebe bezeichnete. - So was Ähnliches.

Das gibt's heute nicht mehr, was? Liebe. - Mein Freund hat dafür nichts übrig.

"Nur keine Vanille", sagt er immer.

Dann wollen wir den Zeugen Vogel hören. Vielleicht sehen wir dann klarer.

Der Zeuge Vogel, bitte! - Wenn Ihr Freund mehr von Vanille hielte,

dann würde er seinen Stammzahn nicht als Lockvogel mit einem verheirateten Mann

in den Wald schicken! - Er weiß, dass ich mich von so einem...

alten Zausel nicht anrühren lasse. - Bitte weisen Sie die Angeklagte zurecht.

Das tu ich auch ohne Ihre Aufforderung. Inge Schumann, nehmen Sie sich zusammen,

sonst belange ich Sie wegen Beleidigung. Wissen Sie, was "alter Zausel" bedeutet?

Nein. - Sie sind der Handlungsreisende

Hans-Dieter Vogel, 48 Jahre, verheiratet, nicht verwandt oder verschwägert?

Nein. Ich bin nicht Handlungsreisender, sondern selbstständiger Kaufmann.

So. Hm. Haben Sie denn Inge Schumann 30 Mark und einen Pulli angeboten?

Kann sein. Sie wollte sich etwas kaufen. - Bitte, beantworten Sie meine Frage.

Haben Sie ihr Geld geboten? Ja oder nein? - Ja.

Na, also. Sie können sich erst mal setzen.

Sie haben bisher abgelehnt, die Namen Ihrer drei Komplizen zu nennen. Warum?

Haben Sie Angst, stehen Sie unter Zwang? - Nein.

Durch Ihr Schweigen verschlimmern Sie es. - Das war doch alles nicht so schlimm.

Die Jungs haben sich nichts dabei gedacht. - Wenn die 3 sich so unschuldig fühlen,

warum melden sie sich dann nicht hier? - Es gibt ja auch Fehlurteile.

Ich sag mal, warum sie sich nicht melden. Weil sie zu feige sind.

Die kümmern sich nicht darum, was mit Ihnen geschieht.

Sie wollen uns nicht sagen, wo die 3 sind? - Die sitzen bestimmt in einem Espresso.

Na ja. Im Wald damals hat Ihnen Herr Vogel mit der Polizei gedroht,

und bei der Vernehmung hat er angegeben, dass Sie daraufhin mit der Achsel gezuckt

und lachend gesagt hätten: "Wenn Sie sich das als verheirateter Mann

leisten können." Stimmt das? - Daran kann ich mich nicht erinnern.

Das hat sie gesagt. Die sind aber an den Falschen gekommen, weil ich keine Angst

vor meiner Frau habe. Die macht, was sie will und ich mache, was ich will.

Das gehört nicht hierher. Herr Vogel. - Darf ich etwas sagen, Herr Richter?

Das war doch alles nur ein Jux. Bestimmt! Die Jungs wollten ihm nur

einen Denkzettel geben, dafür, weil er den jungen Mädchen Geld anbietet.

Mit der Paula hat er's ja auch versucht. - Ich glaub nicht, dass es so harmlos ist,

wie Sie es darstellen. Zeugin Paula Burg. - Die Zeugin Burg, bitte!

Was hätten Sie denn mit dem Geld gemacht? - Wir wollten ein Kofferradio haben

und ein paar heiße Platten.

Na ja. - Sie sind Paula Burg,

Kellnerin in der Riviera-Bar, 24 Jahre, ledig.

Gott sei Dank. - Stimmt das, hat Herr Vogel Ihnen 30 Mark

und einen Pulli angeboten? - Nein, 20 Mark und 'ein Pulli.

Ich hab ihn gefragt, ob er 'ein Vogel hat. Da musste ich lachen, weil er Vogel heißt.

War er öfter in Ihrer Bar? - Direktor Vogel war Stammgast bei uns.

Direktor? - Er stellte sich so vor.

Er hatte auch Visitenkarten. - Wir wollen den Zeugen

schlicht und einfach Herr Vogel nennen. - Wer ist denn hier nun der Angeklagte?

Dieses Mädchen oder ich. - Herr Staatsanwalt, noch Fragen?

Danke, nein. - Sie können sich entfernen, Herr Vogel.

Alter Zausel. Die Inge Schumann wohnte in der letzten Zeit bei Ihnen?

Wenn sie nicht zu Hause schlafen konnte. - Bitte, die Vertreterin des Jugendamtes.

Die Mutter ist alleinstehend und der Aufenthaltsort vom Vater ist unbekannt.

Die Mutter hat einen ständigen Freund, der mit ihr und Inge zusammenlebt.

Ab und zu empfängt sie Gelegenheitsgäste, dann schickt sie das Mädchen weg.

Aha. Wie stehen Sie denn heute zu Ihrer Tat?

Ich weiß, es war nicht richtig, dass ich mit dem mitging, Herr Richter,

aber ich hab ja nie etwas anderes gesehen zu Hause. Die Nestwärme hat gefehlt,

Kontaktarmut. - Hör damit auf, das zieht bei mir nicht!

Woher kennen Sie die Inge Schumann? - Aus der Riviera-Bar.

Kennen Sie auch ihre Freunde? - Nein.

Auch nicht den einen speziellen Freund? - Nein. Bei uns sind ja viele Junge Leute.

Natürlich, natürlich. Herr Staatsanwalt? Sie können sich entfernen.

Bitte, Herr Sachverständiger. - Die Angeklagte Inge Schumann

ist trotz fehlender Reife als geistig normal entwickelt anzusehen.

Mildernde Umstände nach 851 Abs. 2 können nicht zugebilligt werden,

da ich nicht den Eindruck gewonnen habe, dass die Handlungs- und Einsichtsfähigkeit

zur Zeit der Tat beeinträchtigt waren. - Danke. Herr Staatsanwalt.

Hohes Gericht, die Hauptverhandlung hat das Ergebnis der Anklage bestätigt.

Die Angeklagte hat sich der versuchten räuberischen Erpressung in Mittäterschaft

mit ihren noch nicht ermittelten Freunden schuldig gemacht. Sie hat das zugegeben.

Das hab ich nicht zugegeben. - Sie bekommen später Gelegenheit...

Zu antworten. - Ein solches Verbrechen...

verlangt eine fühlbare Bestrafung. Ich beantrage ein Jahr Jugendstrafe

ohne Bewährung unter Anrechnung der Untersuchungshaft.

Bevor sich das Gericht zur Beratung zurückzieht, haben Sie das letzte Wort.

Bei Gefängnis bringe ich mich um. - Nun wollen Sie sogar...

das Gericht erpressen! Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.

Ich kann ohne ihn nicht leben! - Nur keine Vanille.

Inge.

Zigarette? - Bitte.

Was glauben Sie, wie das Urteil ausfällt? - Ich glaube gar nichts.

Das hab ich mir bei dem abgewöhnt.

Ich glaube, sie hat eine Dummheit gemacht, aber ich habe nicht den Eindruck,

dass sie ein hoffnungsloser Fall ist. - Es gibt keine hoffnungslosen Fälle.

Erlauben Sie, dass ich Ihnen das sage, Sie sind heute zum ersten Mal Schöffin.

Wir versuchen hier in unseren Urteilen diese Jungen, unfertigen und sich noch...

in der Entwicklung befindenden Menschen nicht zu bestrafen, sondern zu helfen.

Ja, aber gibt es da einen andern Weg als Liebe und Verständnis?

Nein. Es gibt nur Liebe und Verständnis. Die Frage ist nur, Liebe mit Milde

oder Liebe mit Strenge.

Kommt mal mit, ich muss euch was zeigen.

Mensch, sieh dir mal die Brummer an. Und nur 'eine dünne Fensterscheibe davor.

Fünf Jahre hätte man keine Sorgen. - Wenn sie uns erwischen,

haben wir auch 5 Jahre keine Sorgen.

Das werden Sie bald erfahren, wo Sie heute Abend tanzen. Kommen Sie.

Im Namen des Volkes! Die Angeklagte wird wegen versuchter gemeinschaftlicher,

räuberischer Erpressung zu einer Jugendstrafe von 8 Monaten verurteilt.

Die Untersuchungshaft wird angerechnet. Eine Bewährung wird abgelehnt.

Die Kosten des Verfahrens hat die Angeklagte zu tragen.

Das Gericht hat erkennen müssen, dass es sich bei der Angeklagten

um ein aufgewecktes, aber auch besonders leichtsinniges Mädchen handelt,

das auf die schiefe Bahn geraten ist. Sie ist In schlechter Gesellschaft.

Sie scheint besonders unter dem Einfluss eines der jugendlichen Mittäter zu stehen,

und sie zeigt leider auch keine Reue. Das Gericht hat jedoch einen längeren

Freiheitsentzug nicht nur als Sühne für das begangene Verbrechen festgesetzt,

sondern auch zum Schutz des Mädchens. Sie wird nicht nur Zeit haben,

sich zu besinnen, sie wird, und das ist das Entscheidende,

dem schlechten Einfluss entzogen, dem sie ausgesetzt ist.

Ich verkünde ferner folgenden Beschluss: Der Angeklagten wird für die Dauer

von zwei Jahren der Besuch folgender Gaststätten verboten: Riviera-Bar,

Kakadu, Tabarain. Hast du das Urteil und diese Anordnung verstanden?

Sieh mal, die Untersuchungshaft hat keinen Eindruck auf dich gemacht.

Wenn du auch das Urteil nicht verstehst, eines Tages wirst du bestimmt einsehen,

dass es in deinem eigensten Interesse war. Nimmst du das Urteil an?

Nein. - Na ja, innerhalb einer Woche

kannst du Berufung einlegen. Ich erkläre die Verhandlung für beendet.

Jetzt gehen wir erst mal in die Wachstube, da ist's gemütlich, da gibt's Kaffee.

Stehen bleiben! Stehen bleiben! Festhalten!

Stehen bleiben, hörst du denn nicht!

Machen Sie doch keine Dummheiten! Das ist doch Wahnsinn!

Kommen Sie sofort zurück.

Feuerwehr mit Sprungtuch! - Schnell, schnell, beeil dich!

Nur Zeit gewinnen. - Wenn Sie näher kommen, springe ich.

Na, spring doch. Spring! Wenn du mit deinem Kopf aufs Pflaster knallst,

hast du deine Probleme gelöst. Sehr hübsch wirst du nicht ausschauen,

und eins garantiere ich dir: Deinen Freund siehst du dann bestimmt nicht wieder.

Den sehe ich sowieso nicht wieder. Denken Sie, der wartet auf mich? Ein Jahr?

So einen Freund wirst du noch finden, das garantiere ich dir auch.

Sei nicht so blöde. Du tanzt doch gern? Gehst gerne ins Kino.

Das ist dann auch vorbei. Komm, dein ganzes Leben liegt noch vor dir.

Drecksleben!

(Sirenen)

Ich hab doch gesagt, du kannst Berufung einlegen gegen das Urteil.

Dein Fall kommt noch mal vor Gericht. - 2 Monate werden sie mir aufbrummen,

wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Bleiben Sie stehen! - Ich hab ja gesagt,

bei einer Strafe bringe ich mich um! - Du wirst nicht eingesperrt!

Ich verspreche dir es! - Sie lügen. Sie wollen nur Zeit gewinnen.

Ich will nicht, dass du stirbst, du Schafskopf.

Geben Sie mir Ihr Ehrenwort, dass ich nicht eingesperrt werde?

Du wirst nicht eingesperrt. - Ich werde freigelassen, sofort!

Ja.

Ich will Ihr Ehrenwort. - Mein Ehrenwort.

Eine Generation ist das.

Geben Sie her. Lassen Sie mich los! Sagen Sie ihm, er soll mich loslassen!

Hab Geduld. - Also, kommen Sie jetzt.

Sie Schwein! Sie gemeines Schwein! Sie haben es mir versprochen!

Warum lassen Sie mich nicht frei? Sie haben mir Ihr Ehrenwort gegeben!

In Ihrer Freizeit können Sie machen, was Sie wollen, Marie, aber Herrenbesuche

dulde ich nicht. Das ist ein solides Haus. - Ich bin auch 'ein solides Haus.

Aber einen Bräutigam hab ich trotzdem. - Und rauchen Sie nicht in der Küche.

Das schickt sich einfach nicht. - Wo leben wir 'ein hier? Im Mittelalter?

Guten Abend! - Ich glaub nicht, dass ich hier alt werd,

Frau Winkler, ist mir zu vornehm hier. - Den Eindruck hab ich auch.

Oh, das ist eine ebenso überraschende wie freudige Begrüßung.

Nur bei besonderen Gelegenheiten. - Haben Sie etwa Geburtstag?

Aber wie oft soll ich denn im Jahr Geburtstag haben? Landgerichtsdirektor!

Ach, das. - Sie nehmen das so leicht.

Dabei ist es ein Wendepunkt in unserem Leben,

wenn ich das so sagen darf. - Sie dürfen. Sie dürfen.

Obwohl mir's 'ein bisschen Leid tut. Ich war gern Jugendrichter.

In einer höheren Position können Sie doch viel mehr Gutes tun, das ist doch logisch.

Warum beim Kindergericht verkommen? - Da haben Sie auch Recht, Betty.

Betty. Ich freue mich schon immer darauf, dass Sie das sagen. Meine Eltern,

die haben mich Elly genannt. Mein Mann, der sagte immer Lissy, und Sie Betty.

Das gefällt mir am Besten. - Elly, Lissy und Betty, mehr ist

aus Elisabeth auch nicht rauszuholen. - Ich mache Ihnen hier Liebeserklärungen

und Sie? Hören gar nicht erst hin. - Wie Sie mich kennen.

Ich hatte heute einen sonderbaren Fall. - Ach nein, danke vielmals, danke.

Heute keine rührenden Geschichten. Von jugendlichen Raubmördern,

die eine reine Seele haben. - Gut, ich habe vollstes Verständnis.

Wo hab ich denn jetzt... - Da liegt ja eine.

Aber rauchen können Sie jetzt nicht mehr. Das Essen wird nämlich kalt.

Es gibt Ihr Lieblingsgericht. Kalbsbraten. Das Stück auf der linken Seite der Platte,

das ist für Sie bestimmt. Das Größte! - Im Grunde genommen geht's mir

doch sehr gut, nicht? - Ach, pfui Teufel.

Ich werde meinen Kampf gegen dieses ekelhafte Ding nicht aufgeben. Das Zimmer,

die Vorhänge und die Gesundheit! - Meinen Sie's nicht zu gut mit mir?

Na, ich werde es schon aufgeben. Geht nur leider nicht von heut auf morgen.

Ferdinand? Ihre Sporen. - Ach ja.

Mit Ihrem Fahrrad stehe ich auf Kriegsfuß. - Wieso, ist doch gesund.

Für einen Landgerichtsdirektor ist das nicht das geeignete Fortbewegungsmittel.

Na, ganz ohne Pfeife und ohne Fahrrad, da werde ich bei Ihrem Essen noch so dick,

dass ich meine Anzüge wegwerfen müsste. - Das wär sowieso keine schlechte Idee.

Na endlich, Fräulein Kaiser. - 'Ein Abend.

Guten Abend.

Guten Abend. - Sie lernen besser Englisch,

wenn wir das in der Praxis machen. Ich berate Sie, ok?

Marie! Es steht wieder keine Wasserkaraffe für den Herrn Dr. Hallmeier auf dem Tisch.

Links reichen, rechte Hand auf dem Rücken. - Soll ich für das Gehalt, das Sie zahlen,

noch Tanzunterricht nehmen? - Nun, meine Lieben, immer noch...

bei der Aufstellung für den Haushalt? - Ich glaube, jetzt haben wir alles.

Dann werden Sie mich wohl bald verlassen? - Bis Ende nächster Woche dauert es noch.

Vorher wird die Wohnung nicht fertig. - Dafür wird es auch sicher wunderschön.

Nun, ist alles in Ordnung? - Mein Abendessen, bitte. Ich hab's eilig.

Da haben Sie Glück, Herr Wellmann, Ihr Tisch liegt grad in meiner Richtung.

Wann gibt's 'ein hier mal was Herzhaftes? Eisbein oder Hülsenfrüchte?

Nicht so hastig essen, lieber Herr Doktor. - Ich möchte Herrn Sehmittler nicht...

warten lassen. Wir sind verabredet. - Aber Herr Dr. Bluhme,

heute ist doch unser Canasta-Abend. - Er scheint Wichtiges für mich zu haben.

Das hat bestimmt bis morgen Zeit. - Wollen wir nicht morgen Canasta spielen?

Ich habe eine so gute Flasche Rotwein warm gestellt. Gerade heute Abend.

Ist mir selbst sehr peinlich, aber... - Ich werde für Sie absagen.

Nein, nein, nein, nein. Wenn ich absage, dann muss ich das schon selber machen.

Männer like children. Bitte, übersetzen. - Männer...

...Sind wie die Kinder! - Ja, Ja. Kinder muss man nur erziehen.

Wenn du nichts anderes vorhast, komme ich doch noch heute Abend zu dir.

Was? Ich kann nicht lauter sprechen. Ja, Schach spielen wir auch.

Bis gleich, Otto.

Tja, leider. - Och, aber Ferdinand. Ich...

(Klirren) - Das Geschirr haben wir vergessen.

Nein, Ferdinand, du brauchst dir keine Gewissensbisse zu machen.

Ach, darum handelt es sich gar nicht, Otto. Das Mädchen kann nicht unterscheiden

zwischen Gut und Böse. Sie weiß nicht, was das ist, Anstand. Woher soll sie's

auch wissen. In Ihrem ganzen Leben hat sie noch nie Vertrauen gehabt. Nur zu mir.

Das erste Mal, da oben auf'm Dach. - Ja, Ja. Erpresst hat sie dich.

Hm, sie hat mir geglaubt. Das ist jetzt eine Chance für sie,

eine einmalige große Chance, Zu lernen, dass man glauben kann.

Hast du die Absicht, sie freizulassen? - Wenn ich eine Stelle für sie wüsste,

wo auf sie aufgepasst wird. - Na, dass das kein sehr guter Zug wäre,

müsstest du als ausgezeichneter Schachspieler wissen.

Ich danke dir für das ausgezeichnet. Freue mich, dass du's endlich mal zugibst.

Wenn sie jetzt, wo sie Vertrauen hatte, so enttäuscht wird, dann hat das Urteil

eigentlich seinen Zweck verfehlt. Dann kommt sie nach 6 Monaten

in einem schlimmeren Zustand heraus, als sie reingegangen ist.

Wenn ihr jemand die Hand reichen würde, darauf kommt's an.

Mein lieber Ferdinand, ich glaube, du bist in die Humanität verliebt.

Und das Wörtchen hoffnungslos steht wohl nicht in deinem Lexikon.

Nein. Als ich in die 5. Klasse ging, da wurde einem Jungen 10 Mark

aus der Manteltasche gestohlen. Der Dieb konnte nur ein Schüler sein.

Unser Lehrer führte uns auf den Gang, und da ließ er jeden einzelnen

in die Klasse zurückgehen, um ihm die Chance zu geben, das Geld wortlos

in die Manteltasche zurückzustecken. Aber er sagte, wenn das Geld am Schluss

nicht da wäre, würde er Anzeige erstatten. Dann gingen wir gemeinsam alle wieder

in die Klasse zurück. 10 Mark waren in der Manteltasche.

Bis heute wurde darüber nie gesprochen, und man weiß auch nicht,

wer der Täter war. - Vielleicht wär's für ihn besser gewesen,

bestraft zu werden. Wer weiß, was aus ihm geworden ist.

Ein Jugendrichter. Du bist dran.

Ah, Ferdinand. Diese undankbare Person. - Was ist denn?

Ich bin ohne Dienstmädchen. Wissen Sie, was das heißt? Kein Dienstmädchen?

Nein, aber ich kann es mir ausmalen. - Ich bin zu gut zu dem Personal, zu gut.

Ist es so schwer, eine Neue zu finden? - Das ist nicht schwer, es ist unmöglich.

Na ja, vielleicht kann ich Ihnen helfen. Ich glaube, es wird sich machen lassen.

Wo hat sie eingebrochen? - Kein Einbruch. Es ist ein Mädchen,

das in schlechte Gesellschaft geraten ist. Ach so, Verzeihung. Im Prinzip...

könnte sie heute anfangen. - Hand aufs Herz, Ferdinand,

wem wollen Sie helfen? Mir oder ihr? - Beiden.

Nein? Und wenn ich's Rauchen aufgebe? - Ja, das wär ein Segen.

Na?

Tja...

Tja, na ja, wollte nur helfen...

Um es Ihnen leichter zu machen. - Moment, Moment, bitte.

Kommen Sie näher!

Tja, ich bin gekommen, mein Wort einzulösen.

Ich habe Strafaussetzung verfügt. Die Strafe ist nicht erlassen,

aber du hast Gelegenheit zur Bewährung. Ich hab eine Stellung für dich. Du kannst,

wenn du willst, in einer Pension als Hausmädchen beginnen. Gefällt dir das?

Ja. - Das Lokalverbot bleibt bestehen,

und ich verlange von dir das Ehrenwort, dich mit deinen früheren Freunden

nicht zu treffen. Bekomme ich das? - Ja.

Schön. Frau Direktor, danke schön.

Wundert es dich nicht, dass ich dir glaube? - Ja.

Mich auch, ich tu's aber trotzdem. Ich kann dich leider nicht mitnehmen,

ich bin mit meinem Fahrrad hier. Ich besitze kein Motorrad.

Na, wenn ich nicht genau wüsste, was du hier treibst...

Sehen Sie, so entstehen Justizirrtümer. - Wie gehen die Geschäfte?

Prima. War gar nicht einfach. Die Leute vertrauen nicht jedem ihr Auto an.

Parken ist das Problem unserer Zeit. - Ja?

Parken kostet Zeit und die hat keiner. - Was verdienst 'ein so durchschnittlich?

Och, so 30 Mäuse pro Tag. - Da könntest du 'eine Hilfe gebrauchen.

Ja, soll ruhig kommen. Mit Lebenslauf. Man muss wissen, mit wem man's zu tun hat.

Lausejunge! - Schade, dass Sie noch kein Auto haben.

Sie dürften bei mir umsonst parken! Danke.

Guten Morgen! Ich bringe das Mädchen. - Ah, bitte, kommen Sie rein.

Es ist alles mit Ihnen besprochen worden? - Ja, ist es.

Ich bin Frau Elisabeth Winkler, und Sie? - Inge Schumann.

Ich glaube, wir werden uns gut verstehen. Das heißt natürlich, wenn Sie fleißig

und folgsam sind. Und das setze ich als selbstverständlich voraus. Sehen Sie,

und wenn Sie was auf dem Herzen haben, kommen Sie jederzeit zu mir.

Sie müssen noch quittieren, Frau Winkler. - Was denn quittieren? Ach, das Mädchen.

Ja, natürlich.

So. - Wiedersehen.

Guten Tag. - Wiedersehen.

Kommen Sie, ich zeige Ihnen Ihr Zimmer. Sie haben sich also nicht so benommen,

wie sich ein junges Mädchen benimmt? - Ach, nur wegen versuchter Erpressung.

Ich war der Lockvogel. Das heißt, das hat man vor Gericht angenommen.

In Wirklichkeit war's ein Fehlurteil. Ist der Herr Richter schon zu Hause?

Kommen Sie.

Klein, aber mein. Hier ist alles drin, was Sie brauchen können.

Hm, es gefällt mir schon ganz gut. - Sagen Sie mal,

haben Sie auch etwas anderes anzuziehen? - Ja, ich hab noch ein paar Blue Jeans

und einen anderen Pulli, aber der wird Ihnen auch nicht gefallen.

Na ja, so können Sie natürlich hier nicht herumlaufen.

Ziehen Sie vorläufig das an. - Aber das ist mir ja viel zu groß!

Sie können es sich ja etwas zurechtmachen. Zu weit ist mir lieber als zu eng.

Ich habe noch eine halbe Stunde zu tun. Dann zeige ich Ihnen Ihre Arbeit.

Wenn's läutet, bitte, öffnen Sie! - Jawohl, Frau Winkler.

(Telefon)

Riviera! Nein!

Ja, ich bin's. Ich bin frei. Hm.

Du, das erzähl ich dir alles später. Wo ist Kurt?

Kannst du ihn erreichen?

Bitte? Nein, Mutter, wann ich dich besuchen kann, das weiß ich nicht.

Wieso Mutter? Hm? - Stell dir vor,

ich hab eine wunderbare Stellung. Ich muss jetzt Schluss machen, Mutter.

Auf Wiedersehen.

{Inge) Moment warten! Ich bin im Hemd!

Wieder keine Schlüssel. - Oh, Ferdinand. Wenn das nur gut geht.

Ach, sie ist schon da? - Na, haben Sie's denn nicht gehört?

Sie schrie: "Moment, ich bin im Hemd." - Wenn sie so die Tür geöffnet hätte,

wär Ihnen das auch nicht recht gewesen. - Manieren werde ich ihr schon beibringen,

aber sie hat einen andern Nachteil. Sie ist zu hübsch für ein Hausmädchen.

Ja? Ist sie hübsch? - Dass Sie das gar nicht bemerkt haben.

Übrigens, telefoniert hat sie auch schon. Mit ihrer Mutter.

Die hat Telefon? Und wo ist sie jetzt? - In Ihrem Zimmer.

Und dass mir heute Abend keiner fehlt, heute steigt 'ein ungeheurer Canasta.

Nicht geraucht, Herr Amtsgerichtsrat? - Hand aufs Herz.

Gratuliere.

Fräulein Schumann? Sind Sie nun angezogen? - Ja, bitte, Herr Richter.

Ich mach's mir noch 'ein bisschen zurecht. - Wie gefällt's Ihnen denn hier?

Prima! Und keine Gitter. - Doch. Da sind vorläufig noch Gitter.

Unsichtbare! - Ich habe unerlaubt telefoniert.

Mit meiner Mutter, damit sie weiß, wo ich bin. Durfte ich das?

Es freut mich, dass Sie mir das sagen. - Sie hätte mich gern mal gesehen.

Ja, lässt sich machen. Kann dich besuchen. - Ihr Bein ist in Gips.

Aha. - Deswegen kam sie nicht zur Verhandlung.

Es ist nicht gebrochen, nur verstaucht. - Tut mir Leid.

Könnte ich sie nicht mal besuchen gehen? Ist doch schließlich meine Mutter.

Ja, ich werde es Frau Winkler sagen, vielleicht morgen Nachmittag, so ab 4.

Sie sind so gut zu mir. Wirklich, so gut. - Na. Dazu bin ich beruflich verpflichtet.

Tut mir Leid, dass ich Ihnen das antue. - Eine 10 legt die hin, eine 10.

Eine 6 hätte er genauso brauchen können. Nicht wahr, Doktor?

Nein, die 10 kam wie gerufen. - Murmeln sollten Sie spielen.

Frau Winkler, bitte morgen früh eine Stunde später wecken, ja?

Ach, wieso? Gehen Sie schon schlafen? - Im Gegenteil, 'ein kleiner Bummel.

Wer ist denn dran? - Na, Sie!

Jetzt sitzt es, nicht? - Das ist doch viel zu kurz.

Sie werden sich verspäten, Herr Wellmann. Hatten Sie nicht eine Verabredung?

Ich hab mich im Datum geirrt. Ist nicht heute. Ist morgen.

Beeilen Sie sich, gehen Sie schlafen, ich brauche Sie nicht mehr.

Da tut's einem Leid, dass man nicht mehr 16 ist.

If He doesn't play cards, He ist a nice fellow. Was it your new maid?

Ja, ja. - A pretty nice girl. ist my turn, right?

Unterbrechen wir? - Darf ich bitten, Herrschaften.

Kleine Erfrischung. 'Ein Mix täte sehr gut. Kiebitze erinnern mich immer

an Theaterkritiker. Wehe, wenn sie selber spielen.

(Unverständliche Gespräche)

Thank you very much. - (Klatschen)

Tässchen Kaffee? - Oh, danke, sehr liebenswürdig.

"Eine Kleine Erfrischung? - Bin gleich wieder da.

Inge.

Bist du verrückt geworden? - Ich möchte mich bei Ihnen bedanken.

Dazu legst du dich in mein Bett? - Wie soll ich Ihnen sonst danken?

Ich hab doch nichts anderes. - Machst du das immer so?

Ich brauchte noch niemandem dankbar sein. - Glaubst du vielleicht, ich hätte dir

diese Stellung verschafft, dass du... Mach sofort, dass du rauskommst!

Nein! Ich meine... ich meine, nicht jetzt sofort! Ich meine...

sofort, wenn ich draußen bin!

Und dieses Gesellschaftsspiel habt ihr also auf der Straße exerziert?

Nicht auf der Straße. Wir waren hinter einem Tor mit der Schnur in der Hand,

und wenn sich einer nach der Börse bückte, dann, zack, haben wir gezogen.

(Klopfen) Herein!

Oh, entschuldigen Sie, Herr Kollege. Der Präsident gab mir diese Akten mit.

Danke, Kollege, sehr freundlich von Ihnen. - Aber das ist doch selbstverständlich.

Ich wollte Sie mit dem laufenden Fall bekannt machen. Eine ernste Angelegenheit,

Herr Kollege. Darf ich bitten! Kommt mal näher.

Sind das die Angeklagten? - Ja. Diese drei haben sich,

statt in die Schule zu gehen, herumgetrieben und dieses Spiel gespielt.

Bis den Lehrern die Geduld geplatzt ist und sie Anzeige erstattet haben.

Das ist ja ziemlich bitter. - Ja. Findet ihr das Spiel so komisch?

Es ist ein hochinteressantes Spiel. - Weil manche die Börse stibitzen wollen,

manche nicht. - Die, die sich scheu umgucken,

ob sie jemand beobachtet, wollen klauen. Aber die, die sich schnell bücken

und sie aufheben, so unbefangen... - Welche sind 'n in der Mehrzahl?

Das kann ich Ihnen sagen, Herr Richter. Wir haben da eine erschütternde Statistik.

Ja, wir haben da auch eine erschütternde Statistik:

die meisten Verbrecher haben so begonnen, als Schulschwänzer. Ja, ich glaube,

die Verhandlung muss später stattfinden. Wir müssen noch Nachforschungen anstellen,

und von großer Wichtigkeit wird sein, was die Lehrer über euch aussagen

und wie ihr euch in Zukunft führt. - Jawohl, Herr Richter.

Ihr könnt euch entfernen. Ihr bekommt eine Vorladung zur Hauptverhandlung.

Wiedersehen. - Wiedersehen.

Warum haben Sie den Fall nicht gleich abgeschlossen? Ich hätte das so gemacht.

Ach, so ist nicht immer gut. - Na. Daumen und Mittelfinger.

Aha. Das hab ich schon in der Schule nicht gekonnt. Aber sehen Sie, Kollege,

diese Kinder haben jetzt riesigen Bammel, und ich bin überzeugt, bis zu dieser...

Hauptverhandlung werden sie die Pünktlichsten in der Schule sein.

Und wann findet die Verhandlung statt? - Nie,

Also, bis später. - Wiedersehen.

Ich geh zu meiner Mutter. - Aha.

Und... und wo gehen Sie hin? - Auch zu deiner Mutter.

Hab mich extra frei gemacht, möchte sie gern mal kennen lernen... deine Mutter.

Da staunst du, was?

Jetzt schicken Sie mich wieder in Haft? - Du hattest Lokalverbot.

Ich werde dir viermal Wochenendarrest auferlegen.

Hätten Sie mich vom Dach springen lassen! - Hier kannst du noch viel tiefer fallen.

Inge ist da! - Und guckt mal, mit wem!

Wie heißen die drei?

Kurt Schröder, Alfred Kaiser, Willi Lenz. Kurt Schröder ist dein Freund.

Da brichst du zusammen, was? Eine halbe Stunde nach deiner Verhaftung

waren die Namen bekannt. - Aber wo sie sind, wissen Sie nicht!

Noch nicht. - Inge?

"Eine Cola. - Schrecklich, wenn einer einem immer

einen Schritt voraus ist. Was willst du denn hier? Wieder Lockvogel spielen?

Erwischt werdet ihr ja doch. Und deinen Kurt hast du dann auch nicht mehr.

Im Gefängnis gibt's noch keine Zellen für Liebespaare.

Ich überlege mir vorher nie, wenn ich was mache. Ich mach's einfach.

Es war auch noch nie jemand da, der mir was erklärt hat.

Vielleicht wär dann alles anders geworden? - Es ist noch nicht zu spät.

Entschuldigung.

Ich möchte zahlen. - Moment, bitte.

Wo ist Kurt? - Bei der Endstation der Linie 27,

in der Laubenkolonie. Er sagt, du... Er sagt, du warst schon mal da.

War er denn hier? - Telefoniert hat er.

Soll ich mich hieran setzen? - Ist besetzt. Vielleicht 'ein andermal.

Die hat mich für 'ein alten Zausel gehalten. - Die hat ja X-Beine.

Wie ist es denn mit dem Wochenend-Dings. - Samstagnachmittag gehst du ins Heim,

und Montag früh kommst du wieder raus. - Ob das Frau Winkler recht sein wird?

Na, das regele ich schon mit Frau Winkler. - Warum sind Sie nur so nett zu mir?

Ich bin überhaupt 'ein netter Mensch. - Gefalle ich Ihnen?

Du könntest 'ein ganz patenter Kerl sein. - Nicht als Kerl, ich meine, als Mädchen.

Den hab ich zum Cognac eingeladen.

Der Tisch da hinten erlaubt sich... - Prost, Herr Doktor!

Oh, doch, Moment.

Auf euer Wohl! Danke schön! - Prost!

Sie sind 'ein ganz netter Knochen, wenn man Sie näher kennen lernt.

Zigarette? - Nein, ich mach mir nichts aus Rauchen.

Haben Sie denn überhaupt kein Laster? - Und seit wann rauche ich nicht mehr?

Seit gestern. Für dich. Das hab ich mit Frau Winkler abgemacht,

dass sie dich nimmt. - Na, wie finde ich denn das.

Warum rauchen Sie denn nicht heimlich? - Das ist der Unterschied zwischen uns.

Fällt es Ihnen schwer? - Je mehr du davon redest, um so schwerer

fällt mir's. Was ist denn?

Können Sie mal mit mir ins Kino gehen? - Wird sich kaum machen lassen.

Wenn Sie mir die Frage erlauben... Was bedeutet Ihnen Frau Winkler?

Frau Winkler ist mein Stammzahn. Oh, zahlen, zahlen!

Du musst ja längst... Was machen wir? Ich hab ja das Fahrrad da.

Sie setzen sich auf die Stange, ich fahre. - Nein, nein, wir laufen. Wir laufen.

Cola, Kaffee. 1,60 - 1,76. - Ja. Danke schön.

Da muss man mit einer Stunde rechnen. - Wo ist 'ein das Telefon? Komm mit.

Übrigens, ich habe Frau Winkler erzählt, dass meiner Mutter ihr Bein in Gips ist.

Ja, nicht gebrochen, aber verstaucht. Den Blödsinn hast du mir auch erzählt.

Warum lügst du immer? Erklär mir das, hm? Ja, Betty, ja, es ist alles in Ordnung.

Ja, ich bin mit ihr zusammen. Es wird nur 'ein bisschen später.

Ja, die Mutter, ja, ist tatsächlich... Ja, nichts Ernsthaftes, aber immerhin.

Bitte? Ja, Musik, Musik! Ja. Die hat's Radio an.

Das lenkt sie ab. Ja, so'n Gipsbein ist ja nicht von Pappe.

(Klingeln)

Guten Abend! Leider keine Schlüssel. - Freue mich, dass Sie nun da sind, Inge.

Der Tisch ist gedeckt, das Essen fertig. Ich werde Ihnen gleich servieren.

Ich geh mich rasch umziehen und dann... - Rasch ist kein Ausdruck.

Ich bin sehr böse auf Sie, Ferdinand! - Entschuldigung, ich hab mich verspätet.

Laut Hausordnung ist es Gästen untersagt, mit dem Hauspersonal auszugehen.

Bin kein Gast, bin Untermieter. - Seien Sie ehrlich, Ferdinand,

hätten Sie dasselbe Interesse, wenn Inge nicht ein hübsches, junges Mädchen wäre,

sondern ein hässlicher Junge mit Pickeln? - Genau das Gleiche!

(Musik)

Wo die nur bleibt. - Ich warte auf sie mit größerer Ungeduld.

Aber die Ursache meiner Sehnsucht hat praktische Gründe. Mit Inge nach Frankfurt

zu gehen ist ein todsicheres Geschäft. - So todsicher ist es auch wieder nicht.

Fünfmal hat's doch geklappt, nur mit diesem scheiß Vogel nicht.

Wir müssen uns beim nächsten Mal die Familienverhältnisse unserer Kunden

genauestens anschauen. Ist die Ehe in Ordnung, zahlt er.

Glatt. - Ich geh nicht mit nach Frankfurt.

Und wir brauchen Geld, um hinzukommen. - Vielleicht kann uns Inge helfen.

Ich geh nicht mit nach Frankfurt! - Was quatschst du da?

Lass mich in Ruhe! Ich halt's nicht aus, ich werde wahnsinnig! Ich kann nicht mehr.

Ich kann nicht mehr. Ich will nach Hause.

Dir ist mies, hm? Uns auch. Bin da auch was Besseres gewöhnt.

Ich will nach Hause. - So eine richtige Tragödie, weißt du.

Und die armen schmerzgekrümmten Eltern. - (Pfeifen)

Da ist sie.

(Pfeifen)

Sicher, dass dir niemand gefolgt ist? - Ich bin nicht von gestern. Wo ist Kurt?

Mach aus!

Aus der Brieftasche von Dr. Hallmeier ist ein 100-Mark-Schein gestohlen worden.

Das kann doch nicht sein. - Die Reinigung, die Sie mit Inges Seele

vorgenommen haben, ist nicht wirkungsvoll. - Schon jemand fort?

Aus der Pension heute morgen, meine ich. Brötchen holen oder Milch?

Nein, das wird gebracht. - Wir müssen die Polizei benachrichtigen,

bevor jemand die Wohnung verlässt. Gestern Abend war es noch in der Börse.

Sind Sie ganz sicher, dass der Schein gestern Abend noch in Ihrer Börse war?

Ich bin bereit, es unter Eid auszusagen. - Nichts unternehmen, bis ich zurück bin.

Bitte.

Was ist denn? - Ich möchte die 100 Mark!

Hab ich nicht, sonst würde ich aushelfen. - Dr. Hallmeier lebt von seiner Pension.

Er braucht die 100 Mark für seine Tochter, die Witwe ist und zwei Kinder hat.

Da sollte man eine Sammlung veranstalten. - Verlogene Person, du!

Ich geb dir jetzt eine letzte Chance. Steck das Geld in die Manteltasche

von Dr. Hallmeier, aber sofort! Wenn er es in 2 Minuten nicht findet,

rufe ich die Polizei. - Rufen Sie doch! Ich hab es nicht!

Ja, also, das Mädchen behauptet, dass es das Geld nicht hat.

Wir müssen die Polizei benachrichtigen. - Moment, bitte. Herr Doktor, haben Sie

ihre Taschen auch gründlich durchsucht? Man ist manchmal zerstreut. Ich fand mal

'Ein 50-Mark-Schein in meinem Tabaksbeutel. Das kann ja nun nicht mehr passieren.

Bitte, ich bin zwar ganz sicher, aber ich könnte ja noch mal nachsehen.

Um Sie zu beruhigen! - Vielleicht hat sie das Geld

wirklich nicht genommen. - Ich mache Sie auf etwas aufmerksam:

Selbst wenn das Luder das Geld so raffiniert versteckt hat,

dass es die Polizei nicht findet, in 30 Minuten ist sie aus dem Haus!

Unglaublich. Ich hätte schwören können, ich hatte einen 100-Mark-Schein

in meiner Brieftasche. Und jetzt find ich in meinem Mantel 2 Hundertmarkscheine.

Das ist doch nicht möglich. -So?

Entschuldigen Sie, Frau Winkler, dass ich hier diesen Wirbel gemacht habe.

Sie haben mir einen Schrecken eingejagt, aber die Hauptsache, das Geld ist da.

Schließlich geht es um den guten Ruf meiner Pension.

Ich bitte um Entschuldigung, aber ich bin etwas spät. Guten Morgen!

Inge! Servieren Sie das Frühstück. - Ich verstehe nur nicht, dass ich die...

Bin ich denn wirklich schon so verkalkt? - Was ist denn, Inge?

Soll ich denn alles zweimal sagen? - Jawohl, Frau Winkler. Sofort.

Eigenartiges Mädchen.

Herr Richter! Ich...

Ich hab's doch zurückgegeben.

Ich dachte, du wolltest nicht mehr kommen. Bei dem Fall könnte ich's verstehen.

Leider etwas verspätet, Entschuldigung. - Ja.

Was ist denn an dem Fall Peters dran? - Ja, der Junge war von seinen...

19 Jahren schon 3 im Jugendgefängnis. Das erste Mal bekam er ein mildes Urteil,

es hat nichts genützt, das zweite Mal ein strenges, hat auch nichts genützt.

Was für ein Urteil würden Sie nun fällen? - Da ist wohl nichts mehr zu machen.

Es wäre wohl besser, die Gesellschaft vor so einem Menschen zu schützen.

Inge! Telefon für Sie. Das Jugendamt.

Hier Inge Schumann. Wer?

Ach so. - Hast du das Geld?

Na, macht nichts, sei um 4 Uhr bei uns. Du kapierst wohl wieder schwer. Um 4 Uhr!

Sie haben uns also nichts zu sagen?

Sie haben eine geladene Pistole in Ihrer Tasche gehabt, und haben trotzdem...

auf den Nachtwächter nicht geschossen. Sie haben diesen Mann dort,

der eine Frau und zwei Kinder hat, nicht getötet. Bleiben Sie bitte sitzen.

Jetzt schämen Sie sich vor Ihren Freunden, dass Sie's nicht getan haben,

sondern lieber weggelaufen sind, was? Sie scheinen überhaupt mehr Angst

vor Ihren Freunden als vor dem Gericht Zu haben. Sie wollen wohl Ihre Autorität

nicht verlieren, sondern der Held bleiben. Darum sagen Sie auch kein Wort

zu Ihrer Verteidigung.

Tja, Sie sind hier die Hauptperson. Sie müssen schon mal den Mund aufmachen,

sonst können wir Sie kaum beurteilen. Sonst wollt ihr ja immer wie Erwachsene

behandelt werden, aber nun möchtest du doch lieber wieder ein Kind sein, hm?

Also, du willst von deinem Recht, das letzte Wort an uns zu richten,

keinen Gebrauch machen?

Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.

Wieso ist Dr. Bluhme nicht zu sprechen? Wie?

Ja, aber haben Sie denn nicht gesagt, dass es sich um Inge Schumann handelt?

Das verstehe ich nicht. Danke.

Der Angeklagte wird wegen Raubes zu 2,5 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte zu tragen.

Das Gericht ist aufgrund der heutigen Verhandlung zu der Überzeugung gelangt,

dass der Angeklagte den ihm von der Anklage zur Last gelegten Raubüberfall

auf den Nachtwächter begangen hat. Angesichts der erheblichen Vorstrafen

des Angeklagten fordert die abgeurteilte Tat eine Sühne,

die dem Angeklagten die Schwere seines Unrechts zum Bewusstsein bringt.

Eine Verurteilung zur Jugendstrafe war aber nicht mehr zu rechtfertigen,

es musste das Erwachsenenstrafrecht angewendet werden.

Das Gericht hat jedoch von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, anstelle einer an sich

verwirkten Zuchthausstrafe auf Gefängnis zu erkennen.

Vielleicht nutzen Sie diesmal die Zeit, besser über alles nachzudenken.

Nehmen Sie das Urteil an? Sie brauchen sich jetzt nicht zu entscheiden.

Ich nehme es an. - Ich erkläre die Verhandlung für beendet.

Ja, Betty. Ja, da hatte ich keine Zeit.

Bitte? Was ist mit Inge? Vors Jugendamt, um 4 Uhr.

Ja, ja, lassen Sie sie gehen. Canasta? Nein, dafür hab ich heute nicht den Kopf.

Vielleicht kann man sich mal unterhalten ohne Karten. Wiedersehen.

Bitte, Kriminalpolizei, Inspektor Hoffmann.

Amtsgerichtsrat Bluhme. Herr Hoffmann, es handelt sich um den Haftbefehl

gegen die Flüchtigen Kurt Winter, Alfred Kaiser und Willi Lenz. Sie wissen?

Ich glaube, Sie können die heute fassen. Gegen 4 Uhr wird Inge Schumann

mein Haus verlassen und sich zum Versteck der Jungen begeben. Man soll ihr folgen

und die Jungen verhaften. Bitte? Die Schumann selbstverständlich auch.

Danke.

Bitte, zurückbleiben, der Wagen ist besetzt!

Sie ist nicht mitgekommen. Na, wollen mal sehen.

Da kommt die Nächste.

Nanu.

Ich geb durch, sie ist wieder umgekehrt. - Ja.

Guten Abend, Richter. - Na, alles in Ordnung?

Alles in Ordnung.

Na, was gibt's 'ein heute Abend? - Ihr Lieblingsgericht. Kalbsbraten.

Ferdinand, das geht so nicht mit Inge. - Sie ist doch zurückgekommen.

Aber morgen bin ich wieder ohne Hilfe. Da muss das Fräulein ins Gefängnis.

Ins Heim, Betty. Ist doch nur viermal. - Das geht wirklich nicht so weiter.

Tja, wir sollten uns alles noch mal gründlich überlegen.

Was?

Manches.

Herr Richter. - Was fällt dir denn ein?

Es war nicht das Jugendamt, das angerufen hat. Das war Kurt.

Ich ahnte so etwas. - Ich wollte auch gehen,

ich bin aber nicht gegangen. - Ich weiß.

Ich möchte Ihnen nur sagen, das ist das erste Mal, dass ich nicht gemacht hab,

was Kurt wollte. Es war gar nicht so einfach.

Ob ich es das nächste Mal schaffe? - Gut, dass du's einmal geschafft hast.

Ja, schon, aber Leid tut es mir doch. - Wieso?

Die wollen weg und möchten, dass ich mitkomme.

Willst du uns nicht sagen, wo sie sich aufhalten?

Du würdest den dreien 'ein Gefallen tun. - Nie,

Ich bin immer noch verrückt nach ihm. Er macht mit mir, was er will.

Bitte, passen Sie auf mich auf. Ich schaffe es nicht allein.

Geh jetzt schlafen. - Morgen ist Sonnabend.

Muss ich wirklich in den Arrest? - Na, und ob, natürlich.

Blöd. - Ich bring dich hin. Sicher ist sicher.

In Sie könnte man sich richtig verlieben. - Mach mir keine falschen Hoffnungen.

Ich muss Ihnen noch ein Geständnis machen. Ich habe was gestohlen.

Ihnen. - Was denn?

Einen Kaugummi. - Freigesprochen.

Vielen Dank, Herr Richter.

Bei deinem lieben Herrn Richter gewesen? - Ach, du spinnst ja.

Darum hat's mit dem Geld nicht geklappt. Verknallt in ihn, hm?

Warum bist du nicht gekommen? - Ich will nicht mehr, Kurt!

Nicht mehr so.

Oh, Kurt.

Wir müssen morgen weg. Kommst du mit? - Ich kann nicht, ich bin im Heim.

Na, dann übermorgen. - Aber ich...

Du kommst mit!

Ich kann mich doch auf dich verlassen? Du lässt mich doch nicht allein fahren?

Du kommst mit nach Frankfurt.

(Klopfen) Herein!

Guten Tag, Herr Richter. Ich sollte mich mit meinem Hund melden.

Ja, die ganze Sache scheint euch beiden, wie ich sehe, dir und dem Hund,

ja gut zu bekommen, nicht? Ja, Peter, das wär eigentlich alles.

Du kannst dich entfernen. Nein, Moment, der Hund bleibt hier.

Mit dem hab ich noch ein paar Worte unter vier Augen zu sprechen, ja?

So, Peter, es ist alles in Ordnung. Na, hast du ihm 'ein schönen Namen gegeben?

Wie heißt er denn? - Ferdinand.

Oh, das ist mir eine große Ehre. Also, brauchst nicht wiederzukommen.

Otto? Ich hab 'eine große Bitte an dich. Ich brauchte wieder mal dein Auto

heut Nachmittag. Für eine Stunde. - Willst bei dem Sauwetter mit Betty

"eine Kleine Fahrt ins Grüne machen, was? - Daran hab ich weniger gedacht.

Wir müssen überlegen, was wir mit dir tun. Du kannst nicht bei Frau Winkler bleiben.

Die kann mich nicht leiden. Die ist eifersüchtig.

Sonst bist du gesund, hm? - Mit Kurt bin ich fertig.

Und wissen Sie, warum? Er hat kein Herz. - Na, das hat schon jeder.

Mancher versteckte nur so gut, dass er's nicht mehr findet.

Er kann nicht weinen. - Hm?

Einmal, da... da ist seine Mutter zu ihm gekommen. Ich war dabei.

Sie wollte, dass er zu ihr zurückkommt. Auf der Erde hat sie sich gewälzt

und geschrien hat sie. Und er... hat dagestanden und hat gelacht.

Nein, ich will nichts mehr von ihm wissen.

Ist es noch weit zum Heim? - 'Ein paar Minuten.

Ach, halten Sie doch mal an. Ich muss Ihnen was sagen,

etwas sehr Wichtiges.

Na? - Ich weiß nun, wie der Mann sein müsste,

den ich lieben könnte. So wie Sie! Genauso. Ich möchte bei Ihnen bleiben.

Frau Winkler hat Recht mit der Eifersucht. - Hör auf! Du verwechselst deine Gefühle.

Na? - Ach, so ist das. Ach so!

Ich habe nichts davon gewusst, nichts. - Muss Liebe schön sein, Herr Richter.

Fahren Sie weiter, schnell! - Erst mal können vor Lachen.

Der Herr Richter wollte doch genau wissen, wie 'ein älterer Herr mit 'einem jungen Mädel

im Auto erpresst wird. - Im Allgemeinen bin ich ja großzügig.

Nur bei meiner kleinen Schwester nicht. - Geld wollen wir nicht. Wir wollen,

dass unser Verfahren eingestellt wird. Sonst erstatten wir Anzeige gegen Sie

wegen Amtsmissbrauch, Herr Richter. - Schämen Sie sich eigentlich gar nicht?

'Ein Mann in Ihrer Stellung!

Komm! - Ich will nicht, ich will nicht mehr!

Komm! Oder hast du Tomaten im Ohr? - Lass sie doch.

Los! Da! Suchen Sie Ihre Wagenschlüssel!

Menschenskind, Ferdinand, da hast du dich in eine scheußliche Situation gebracht.

Ja, ja, schimpfe nur. Was soll ich machen? - Na, die Polizei verständigen.

Aber das würde deine Karriere verderben. Frau Winkler wird sich freuen.

Ich hab mich ganz korrekt benommen. - Wie willst du denn das beweisen?

Das sind doch ganz ausgekochte Burschen. Du hast mit dem Mädchen im Wald geparkt.

Oder willst du das leugnen? Na, also. Eine reguläre Liebesszene.

Blödsinn! - Hast du vielleicht wirklich

über dieses Mädchen den Verstand verloren? - Das Mädchen wird aussagen, dass...

...was alle Lockvögel aussagen. Ein Jugendrichter mit einem Mädchen,

das er selbst verurteilt hat. Ein feines Fressen für die Skandalpresse.

Damit richtest du mehr Schaden an, als du überhaupt Gutes getan hast.

Noch dazu in meinem Wagen! Das ist hübsch, sehr hübsch, ja. Gib mir auch 'ein Cognac.

Kann ich heute Nacht bei dir schlafen? - Feigling!

Hier Amtsgerichtsrat Bluhme. Ich möchte Ihnen mitteilen, dass die Inge Schumann,

die sich heute bei Ihnen melden musste, nicht erscheinen wird.

Bitte?

Danke. Danke vielmals. Inge Schumann ist seit 10 Minuten in der Anstalt.

Menschenskind, Ferdinand, du hast mehr Glück als Verstand.

Umgekehrt, Herr Präsident, mehr Verstand als Glück.

(Musik)

Das ist nett, dass du kommst. - Ich dachte schon, es wäre Kurt.

Nein, ich bin's nur. Bist du froh? - Du tust mir Leid, Fred.

Ich bin sehr froh, dass es zu Ende ist. - Du wirst doch wieder gesund.

Das meine ich nicht. Zu Ende mit dem Versteckspiel.

Wissen Ihre Eltern, wo Sie sind? - Nein. Könnten Sie...

Ich will sie noch mal sehen, falls ich... - Reden Sie nicht so viel.

Was ist denn mit den anderen? - Ich weiß nicht.

Wie ich zum ersten Mal ins Riviera kam, um mir 'ein paar Zigaretten zu holen,

da hab ich dich gleich gesehen, an dem runden Tisch.

Und dann bin ich immer wieder hingegangen, um dich zu sehen.

Deswegen bin ich auch zu euch gekommen. Na, ist Ja egal.

Ich hab dich sehr gern, Fred. - Den Kurt hast du lieb, nicht?

Ist ja klar.

Wie du weg warst, da im Nebel, da ist er dir immer nachgerannt im Kreis.

"Eine ganze Stunde. Er hat geschrien, geflucht,

geweint.

Richtig geweint. Dabei hat er doch gar keinen Grund.

Gar keinen Grund.

Ich will jetzt mit Kurt sprechen. - Die machen Sie fertig!

Wo bleibt der denn nur? - Tankstelle ist weit.

Hoffentlich türmt er nicht mit dem Geld. - Die haben schon wieder nach uns gesucht?

Zwei in zivil. Bei Paula und bei deiner Mutter.

Zigarette. - Pass mal auf, Kurt.

Ich hab 'ein Tipp für Frankfurt. Hier, an der Mark, da ist 'ein Nylonfaden.

(Knall)

Macht das Licht ruhig wieder an.

Störe ich? Soll wohl schon losgehen?

Schade, nun türmt er. Aha, ein neuer Zahn. Ging ja schnell.

Inge wird nicht allzu unglücklich sein. - Sie hat uns verpfiffen, das Dreckstück!

Aber noch ist nicht aller Tage Abend. - Das stimmt!

Tatsächlich! Ganz allein gekommen, der Richter. Weit und breit keine Polizei.

Das ist ja doll.

Traut man ihm gar nicht zu, diesen Mut. - Macht euch nur nicht in die Hosen.

Ich möchte mit Ihnen sprechen. - Bitte. Ich möchte Ihnen auch was sagen.

Na ja, bitte, nehmen Sie doch Platz, Herr Richter, bitte, hier.

Hut ab, wie im Amtsgericht. Ohne seine schwarze Robe sieht er aus

wie 'ein ganz normaler Mensch, nicht? - Gib mal das Rohr rüber, ich glaub,

der braucht 'eine Stärkung. - Interessant, privat mit Ihnen zu reden.

Anders als vor Gericht. - Wo man nur auf Anweisung reden darf.

"Stehen Sie auf! Setzen Sie sich!" - Oder sind Sie hierher gekommen

in Ihrer Eigenschaft als Richter? - Warum ich hier bin, werden Sie erfahren.

Dann muss er doch so 'ein Helm aufhaben. - Aber natürlich. Aber na klar!

Na, mal los, eröffnen Sie die Verhandlung. - Sie stehen bald vor Ihrem Richter.

Wer stellt die Richter denn vor Gericht? - Was steht auf Amtsmissbrauch?

Fünf Jahre Zuchthaus. - Ganz schön. Fühlen Sie sich schuldig?

Sorgt euch nicht um mich, euer Lockvogel ist mein Zeuge. Fühlen Sie sich schuldig?

Lass das! Also, ich fühle mich nicht schuldig.

Wir leben in einer Welt, in der man bescheißt oder beschissen wird.

Das wissen wir, weil wir klug sind. - Wir machen's nur im Kleinen.

Kümmern Sie sich lieber um die Großen. - Da verschwinden die Akten,

da werden Verfahren eingestellt. Das Verfahren gegen uns aber nicht.

Sprechen Sie weiter. - Ich bin milieugeschädigt,

ich beantrage mildernde Umstände. - Wir sind keine Wirtschaftswunder-Kinder.

Mir fehlen immer 100 Pfennig an 'ner Mark. - Und wissen Sie, was uns noch fehlt?

'Eine Zukunft. - Stimmt, wenn ihr dieses Leben fortsetzt.

Und wenn wir ins Gefängnis gehen, garantieren Sie uns dann die Zukunft?

Soll das die Welt davor beschützen Zu zerplatzen wie 'ein faules Ei?

Das ist nun unsere Zukunft, Herr Richter! - Und das ist eure Antwort darauf:

Erpressung, Diebstahl, Raub. Feiglinge seid ihr, erbärmliche!

Glaubt ihr, mir gefällt die Welt? Seid ihr die Einzigen, die durch den Dreck

gegangen sind? Raubt jetzt jeder, mordet jeder? Euch gefällt die Welt nicht,

mir auch nicht. Dann tut doch was dagegen. Wer sonst, wenn nicht die Jungen?

Haben Sie schon mal Hunger gehabt? - Ja. In eurem Alter oft.

Ich war so jung wie ihr, und wir wussten auch nicht mit unserer Kraft wohin.

Aber wir haben keine Verbrechen begangen. - Richter können sogar predigen.

Mich haben Sie doch auch schon mal für drei Monate verknackst. War ganz ulkig.

Wissen Sie, was man im Gefängnis lernt? - Ja. Das ist ein großes Problem.

Darüber zerbrechen wir uns schon lange den Kopf. Aber es gibt ja auch viele,

denen wir geholfen haben, den Weg zurückzufinden. Und es...

gibt ja auch welche, die raus wollen aus dem Dreck. Ihr kennt einen...

von denen sehr gut. Fred.

Ich war heute zweimal bei ihm. Das erste Mal am Vormittag.

Er hat auch von Ihnen gesprochen, Kurt. Und er hat gesagt, dass Sie geweint haben.

Inge glaubt, dass Sie nicht weinen können. - Ich? Geweint?

Und dann hat er gesagt, dass er froh ist, dass Schluss ist mit dem Versteckspiel.

Abends war ich dann noch mal bei ihm. - Was hat er da gesagt?

Da hat er nichts mehr gesagt. Da war er tot.

Der Fred...

Ja, das wollte ich euch sagen.

Schuss in die Reifen. Na, was meint ihr? Lohnt sich das alles?

Ist es nicht besser, ihr stellt euch? - Was würde für uns dabei raus-springen?

Das entscheidet das Gericht. - Werden Sie unser Richter sein?

Mal sehen. - Wenn wir uns freiwillig stellen würden,

ich meine, das müsste doch bewertet werden, oder?

Das kommt ganz auf euch an, ob ihr Milde oder Bewährung verdient.

Das entscheidet nur ihr selbst, und wie ihr euch eurem Weg vorstellt.

Muss es gleich sein oder langt es morgen früh?

Die Polizei hat Tag und Nacht geöffnet.

Na, Inge, was machst du denn hier? - Ich hatte Angst um Sie.

Hatten Sie denn gar keine Angst? - Nein. Aber jetzt hab ich Angst.

Vor Frau Winkler.

Guten Morgen! Sie bemühen sich selbst? - Inge packt ihre Sachen.

Ich hab gestern das Jugendamt verständigt, dass man sie heute früh abholen soll.

Sie kamen ja leider sehr spät nach Hause. - Ja, es ist spät gestern Abend geworden.

Sie war gestern wieder den ganzen Abend weg gewesen ohne meine Erlaubnis.

Leider mit Ihrem Einverständnis. Ich kann mich ja nicht zu Tode arbeiten.

Nein. Das sehe ich ein.

Tja, ich habe Ihnen da etwas zugemutet...

Entschuldigen Sie. - Moment bitte.

Guten Morgen! Ich komme, um Inge Schumann abzuholen.

Sie werden abgeholt, Inge. - Ich bin gleich fertig, Frau Winkler.

Ich hab überhaupt keine Angst. - Freu mich, dass du so vernünftig bist.

Ich sehe mich schon nach einer neuen Stelle für dich um.

Wiedersehen, Frau Winkler. Ich danke Ihnen für alles, und ich glaube,

ich war doch nicht das Richtige für Sie. - Schön, dass Sie das wenigstens einsehen.

Guten Morgen. - Guten Morgen.

Na, endlich.

Adieu, Betty!

Otto, das Gesuch wegen der Beförderung, ich möchte es zurückziehen.

Das hättest du mir früher sagen sollen. Wenn das Gesuch weg ist,

da ist nichts mehr zu machen. - Ich will aber nicht.

Aha. Rauchst ja wieder.

Ist gar nicht erst abgeschickt. Na, wie kenne ich dich? Hm?

Nach so vielen Jahren. - Was wird denn Frau Winkler dazu sagen?

Nur keine Vanille.

Was sollen wir denn tun? Es fehlt ihr an nichts. Mein Mann und ich,

wir sind moderne Menschen. Wir sind richtige Freunde unserer Tochter.

Freunde sind nicht so wichtig. Vater und Mutter brauchen sie. Und Liebe.

Liebe mit Milde und Liebe mit Strenge. Danke schön.

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