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*Telefon klingelt*
*Lauter werdende Orchestermusik*
Florence Foster Jenkins
William Key
*Klaviermusik*
(Schr�ger hoher Gesang): Ha, ha, ha ...
*Sanfte Klaviermusik und M�wen*
(Key): Manche sagen, New York sei die Kulturmetropole der Welt.
Es ist ohne Zweifel eine Hochburg der K�nste,
die Wiege der Moderne -
und ganz sicher ein Tummelplatz f�r Exzentriker.
*Ruhige Klaviermusik*
Es liegt ein paar Jahrzehnte zur�ck,
da stieg aus New Yorks H�userschluchten
ein seltener Vogel empor.
Sein Gesang erregte selbst die n�chternsten Gem�ter.
Florence Foster Jenkins!
Ihre Schallplatten, bemerkenswerte Zeugnisse
ihrer einzigartigen Kunst, verkaufen sich bis heute,
lange nach ihrem Tod,
besser als die manch anderer gefeierter Gesangsk�nstler.
Ich traf Madame Jenkins 1944.
Sie hatte gerade ihren k�hnen Plan verk�ndet,
in der Carnegie Hall aufzutreten.
Ich bat sie um ein Interview, und sie willigte ein.
Das Hotel, in dem sie residierte,
sieht heute ganz anders aus als damals.
Und doch ruft der Ort noch immer Erinnerungen wach.
(Jenkins): Ja, ich bin New Yorkerin.
Ich habe zwar
aber ich wohne hier fast mein ganzes Leben lang.
Nehmen Sie Tee, Mr Key? Oder lieber einen Drink?
Ach, wie nett, dass Sie �ber mich schreiben!
Nun denn. Was kann ich f�r Sie tun?
Aber woher wissen Sie von meinem Konzert?
Es stand in der Zeitung. In welcher? Im "Journal"?
Die hab ich noch nicht gelesen.
Ich hoffe doch, dass Datum und Uhrzeit stimmen.
Haben Sie mich �berhaupt schon mal geh�rt?
Ich hatte noch nicht das Vergn�gen.
Aber ich habe schon viel �ber Sie geh�rt. Oh?
*Lebhafte Orchestermusik*
(Francesconi): Sie war die schlechteste S�ngerin der Welt -
und hat es nicht gemerkt.
(Clarke): Sie sagte: Ich will's, ich hab' das Geld und mache es.
(Benko): Sie war ein Monster der Eitelkeit!
Und es ist eine verdammt gute Geschichte.
Unglaublich, aber wahr.
*Florence singt schr�g und hoch*
(Benko): Florence Foster Jenkins' Gesang hat etwas Komisches,
und es ist schwer zu sagen, was genau das ist.
Ich liebe die Tatsache,
dass sie der ernsten Musikwelt einen Witz aufsetzte.
Es war nicht ihre Absicht, aber sie ist tot.
Es spielt also keine Rolle mehr.
Ich sch�tze ihre Schallplatten,
weil sie mich zum L�cheln bringen.
*Clarke spricht Englisch*
(Clarke): Ich war fassungslos, dass jemand so singen konnte.
Aber ich kam schnell �ber diesen Schock hinweg,
auch �ber das komische Element.
Stattdessen fasziniert mich etwas,
das weit jenseits komischer Opern-T�ne liegt.
Ich h�re da eine Tragik heraus.
(Woodall): Sie hielt sich f�r eine exzellente Operns�ngerin.
Aber sie war es nicht.
Trotzdem war sie voller Hingabe f�r ihre Kunst und ihr Publikum.
Und wenn sie die Leute begeistern konnte,
wenn man einen Abend erleben durfte
mit Musik und "Tableaux Vivants",
was k�nnte man besseres mit seiner Zeit anfangen?
(Off): Ihre "Tableaux Vivants" waren Stadtgespr�ch.
Ich habe mich immer gefragt,
wie sie sich wohl selbst wahrgenommen hat.
*Moderne Musik, Vorhang geht klirrend auf*
*Orchester setzt ein*
*Sehr guter Gesang*
*Sie singt sehr gut "Fra il Padre et fra l'amante"
aus "La donna del lago" von Rossini*
(Benko): Offenbar h�rte sie ihre eigene Stimme
nicht so, wie andere sie h�rten.
(Lerner): Gro�e S�nger haben es immer wieder beschrieben:
Was ihr h�rt, ist nicht das, was sie h�ren!
Sie h�ren etwas anderes in ihrem Kopf.
Insofern ist es m�glich... *Er lacht*
Was sie h�rte, war nicht,
was die anderen h�rten.
Sondern was sie h�rte, war rein und von hoher Qualit�t.
*Telefon klingelt*
*Singt weiter sehr gut "Fra il padre"*
*Schlechter Originalgesang*
*Gesang wieder sehr gut*
(McMoon off): Nun, ich kann sagen,
dass jede Nummer, die sie auff�hrte, einzigartig war.
Sie machte aus jeder Nummer eine Inszenierung.
Sie spielte die Handlung nach, wenn es eine Arie war,
oder sie erfand beschreibende Gesten zu den Liedtexten.
Manchmal f�hrte sie dabei T�nze auf, die �u�erst komisch waren.
Lieben Sie die Oper, Mr Key?
Ich finde es wundervoll,
dass sich junge Menschen heute f�r meine Musik interessieren!
Sie sind Musiker?
Mein Gatte und ich waren immer interessiert an jungen Musikern.
Einige, die wir f�rderten, machen hoffnungsvolle Karrieren.
Sie werden sicher noch von ihnen h�ren.
*Beschwingte Orchestermusik, Fl�ten*
Aber nun haben wir genug Zeit verschwendet,
�ber andere zu reden.
Sie wollten doch ein Interview mit mir!
Vergeben Sie mir, Madam Jenkins.
Ja, wegen des Konzerts in der Carnegie Hall n�chste Woche.
Sie sind doch dabei? Gern. Wie komme ich an Karten?
(Off): Ihr Carnegie-Hall-Vorhaben faszinierte mich.
Und wer h�tte damals gedacht, dass ihr Konzert
in die Geschichte dieses Hauses eingehen w�rde?
(Francesconi): Sie hielt sich f�r eine Musikerin,
und die meisten Musiker tr�umen davon,
in der Carnegie Hall aufzutreten.
*Francesconi spricht Englisch*
Es ist interessant: Seit der Er�ffnung des Archivs
geh�ren Anfragen zu Florence Foster Jenkins
zu den Top F�nf der am h�ufigsten nachgefragten Konzerte.
Wir kriegen Anfragen zu Judy Garland,
zu den Beatles und zum Benny-Goodman-Konzert -
und mittendrin Florence Foster Jenkins! Sie h�tte es geliebt.
*Florence singt zu Klavierbegleitung*
(Benko): Ihr Repertoire war gigantisch!
*Sie singt weiter*
(Francesconi): Sie hatte mit dem Taxi einen Unfall und schrie.
Dabei traf ihre Stimme das hohe F!
Da glaubte sie, noch besser zu singen als vorher!
(Clarke): Es ist keine Parodie.
Man h�rt, dass sie es todernst meint.
*Sie singt eine Arie aus "Zauberfl�te" von Mozart*
(Francesconi): Ich finde es einfach faszinierend.
(Benko): Sie hatte keine Ahnung, was sie tat.
Aber nichts konnte sie stoppen.
(Off): Ich fragte mich, was hier vor sich ging.
Wandelte sie blind durch ein Wolkenkuckucksheim,
ermuntert von einem zynischen Publikum?
Und w�rde ihr wundersamer Aufstieg
nicht irgendwann im Desaster enden?
*Leicht dramatisches Orchesterfinale*
*Beschwingte Orchestermusik*
(McMoon off): Madame Jenkins wurde in Wilkes-Barre,
Pennsylvania, geboren, ungef�hr 1868.
Die Familie war sehr reich.
Sie zeigte fr�h eine starke Neigung zum Singen,
aber es wurde ihr untersagt
wegen der schauderhaften Qualit�t ihrer Stimme.
Solange ihr Vater lebte, sang sie nicht,
aber sie litt unter dieser schrecklichen Unterdr�ckung.
*Dynamische Orchestermusik*
(Brooks): Sie stammt aus einer sehr konservativen Familie,
die zu den Gr�ndern von Wilkes-Barre geh�rt
und gro�en Reichtum angeh�uft hat.
Sie geht zur besten Kirche, wohnt in der besten Stra�e,
besucht die beste Privatschule.
Das pr�gt sicher ihre Entwicklung
zu einer sehr eigenwilligen jungen Dame.
*Ruhige Orchestermusik*
*Ausl�ser Fotoapparat*
(Brooks): Damals gibt es noch keine Frauenbewegung,
nicht einmal Frauenwahlrecht.
Aber es ist der Reichtum in Kombination
mit einer exzentrischen Pers�nlichkeit:
Sie entwickelt das Selbstvertrauen so zu sein, wie sie ist.
Und dann geht sie nat�rlich in die Hauptstadt des Universums,
New York, wo sie ihre Verwandlung zur exzentrischen Diva vollendet.
*Anschwellende Orchestermusik*
*Monumentale Orchestermusik*
*Ausl�ser Fotoapparat*
(Benko): Zu Beginn ihrer Karriere und ungeachtet dessen,
dass sie linkisch und unattraktiv war,
posierte sie in "Tableaux Vivants",
in denen sie Heldinnen der Geschichte darstellte.
Heute wirkt das ein bisschen peinlich,
aber es ist geschehen.
(Bayfield): Es ging ihr darum, andere gl�cklich zu machen!
Sie bereitete dem Publikum so viel Freude
mit herrlicher Musik und Blumen
und sch�nen Kulissen bei den Konzerten,
die sie gesponsert hat.
Deshalb ist es so unfreundlich, so unfair,
all der Spott �ber sie.
(Benko): Die Beziehung zwischen Jenkins und St. Clair Bayfield
hatte etwas Sado-Masochistisches.
Vielleicht nicht sexuell,
aber er f�hlte sich zu dominanten Frauen hingezogen.
Und - Mannomann! -, er hatte eine in Florence Foster Jenkins.
(Woodall): Er war ein h�bscher Kerl!
Er hatte diesen weichen britischen Akzent
und ein kantiges Gesicht.
Er war j�nger als sie, und sie brauchte
einen vorzeigbaren Begleiter in der �ffentlichkeit.
(Benko): Er hat sich abgerackert, um ihr zu helfen.
Er war die Geheimwaffe, die ihrem Wirken
einen Anschein von Professionalit�t verlieh.
Sie h�tte sich vollkommen l�cherlich gemacht
ohne sein Zutun.
*Vorhang hebt sich klirrend*
*Schnelle Klaviermusik*
(Benko): Sie liebte es, bestaunt zu werden.
Sie trug fantastische Kost�me,
wie sie niemand sonst irgendwo jemals getragen h�tte.
(Brooks): Sie sah aus wie eine Dragqueen.
(Lerner): Es war Camp, aber "High Camp".
Und genau das ist sie: "High Camp".
Es gibt guten Camp und schlechten Camp,
und sie war guter Camp,
denn sie hat wirklich
an das geglaubt, was sie tat.
(Clarke): Es gibt einen Aufsatz von Susan Sontag,
"�ber den Camp". Darin beschreibt sie,
dass Camp-Kunst nur dann gro�e Kunst ist,
wenn sie sich selbst ernst nimmt.
H�lt man sich von vornherein f�r komisch,
ist die Wirkung nicht die gleiche,
als wenn man total von sich �berzeugt ist.
Und Florence Foster Jenkins ist ein perfektes Beispiel
f�r Camp-Kunst, ohne Camp sein zu wollen.
*Schnelle Klaviermusik*
*Sie singt einen sauberen Ton, aber die Platte h�ngt*
*Schlechter Originalgesang*
*Guter Gesang*
(Clarke): Sie tritt auf und singt ihre Arien,
weil sie sich f�r die gr��te S�ngerin aller Zeiten h�lt.
Es ist eine faszinierende Wahnvorstellung!
Es ist wie bei Norma Desmond in "Sunset Boulevard",
die sich f�r die gr��te lebende Diva h�lt und nicht begreift,
dass man sie auslacht.
Aber genau das fasziniert die Menschen
an Figuren wie Norma Desmond und Frau Jenkins.
Ihr Publikum liebt Sie. Oh ja, da tut es!
Mein Gatte erz�hlt mir nach jeder
Auff�hrung, wie begeistert die Leute waren.
(Verschw�rerisch): Ich habe manchmal Gel�chter
in meinen Konzerten geh�rt. Aber das waren die St�renfriede.
Welche St�renfriede?
Na, die St�renfriede, die von den Feinden eingeschleust wurden!
*Sie singt im Hintergrund*
(K. Bayfield): Ihre Stimme war nichts als ein Quietschen.
Die Leute lachten heftig �ber ihren Gesang!
Ich begriff nie, was St. Clair an ihr fand.
Es ging ihm nat�rlich gut an ihrer Seite.
Aber sie raubte 36 von St. Clairs besten Jahren.
14 davon habe ich auf ihn gewartet.
*Ruhige Orchestermusik*
(Off): Welche Rolle auch immer St. Clair Bayfield
in ihrem Leben spielte,
er war auf jeden Fall ihr privater Archivar.
Ich entdeckte seine Aufzeichnungen viel sp�ter
in der New York Public Library.
Bayfield heftete alles �ber sie in ein riesiges Album.
Ein Zeugnis ihrer, nun ja,
einzigartigen Karriere.
(Benko): Wichtigstes Instrument beim Vorantreiben ihrer Karriere
war das Netzwerk der Frauenclubs, von denen es Hunderte gab.
(Woodall): Und dann gr�ndete Florence selbst den Verdi-Club,
um ihre Verehrung f�r Giuseppe Verdi zu zeigen.
(Bayfield): Ihre Hauptt�tigkeit bestand darin,
die Musikprogramme diverser Clubs
zu unterst�tzen, sowohl mit Arbeit als auch mit Geld.
Der Verdi-Club kostete sie 2000 Dollar im Jahr.
Die Leute wunderten sich immer,
warum sie die Mitglieder des Verdi-Clubs bezahlte.
(Clarke): Heutzutage darf man verr�ckt sein.
Es wird akzeptiert, und man kann damit Erfolg haben.
Aber es ist lange nicht so ein enormer Kampf,
so eine enorme Leistung wie bei Florence Foster Jenkins.
Sie �berragt eine Lady Gaga
und all die anderen Pop-Diven bei weitem.
Denn sie musste viel mehr St�rke aufbringen,
um hinzugelangen, wo sie war.
Das spricht aus jedem Ton, den sie aufnahm, und aus jedem Foto.
Sie kommt nicht einfach daher und sagt:
"Ich tu mal was Verr�cktes f�r meine Fans."
Sie tut es f�r sich selbst!
Ich habe schon einige Schallplatten aufgenommen.
Die Nachfrage war so gro�. Ich war gezwungen, weiterzumachen.
Ich gehe in ein kleines Studio am Central Park West.
So nette Leute! Erst waren sie �berrascht,
dass ich jedes St�ck nur einmal einspiele,
aber wenn es beim ersten Mal nicht klappt,
wird es beim zweiten Mal nicht besser.
Ich finde Aufnahmen deshalb
nicht so anstrengend wie andere S�nger.
Ich habe einige Ihrer Schallplatten geh�rt.
Ich fand sie ...
wirklich au�ergew�hnlich.
Oh, wie freundlich von Ihnen!
Welche gef�llt Ihnen am besten? "Like a Bird I am singing".
Sie Schmeichler!
Sie sagen das nur, weil ich den Text schrieb.
Aber ich finde die Vertonung der Dichtung �u�erst gelungen
und mit feinem Gesp�r
f�r die besonderen M�glichkeiten meiner Stimme.
Denken Sie, dass eine Opernstimme nicht nur ein Geschenk ist,
sondern auch hart erarbeitet werden kann?
Ein Stimme muss entdeckt werden!
Eine Stimme voller Wohlklang kann ein Quell ewiger Freude sein.
Und jedermann ist f�hig, seine Stimme zu entdecken.
Aber man muss sich �ber seine eigene Stimme im Klaren sein
und �ber ihre M�glichkeiten.
*Lebhafte Orchestermusik*
*Florence singt wieder hoch und schr�g*
*Orchestermusik*
(Benko): Das Tonstudio, das ihre Schallplatten aufnahm,
Melotone Records, war eine Art Eitelkeits-Ausstatter.
Und Melotone machte Aufnahmen gegen Geld.
*Sie singt in den h�chsten T�nen*
Der Grund f�r diese Aufnahmen war Florences Eitelkeit.
Sie glaubte, ihre Kunst verewigen zu m�ssen.
Aber sie hatte keine Ahnung, wie ein Tonstudio funktioniert.
Die Chefin des Studios erz�hlte in einem Interview,
wie Madame Jenkins sie anrief und fragte,
ob eine der Aufnahmen wiederholt werden sollte,
weil eine einzige Note
ihrer Ansicht nach nicht ganz perfekt war.
Darauf versicherte ihr die Studiochefin:
"Es gibt nichts zu verbessern, alles ist perfekt."
Das beruhigte die Jenkins, und es ist �u�erst schwierig zu sagen,
welche Note es war, die ihr missfallen hat.
Darf ich Sie um Ihre Einsch�tzung als Gesangsk�nstlerin bitten?
Aber durchaus. Ich habe in Gespr�chen mitbekommen,
dass einige S�nger ihre Stimme anders h�ren als das Publikum.
Ich frage mich, ob das stimmt,
und worin der Unterschied liegen k�nnte.
Was bitte deuten Sie an?
Ich meine, w�re es m�glich, dass das Erlebnis der eigenen Stimme
bei einigen S�ngern eher eine Einbildung ist?
Warum sollte sich ein S�nger seine eigene Stimme einbilden
und etwas anderes h�ren als das Publikum?
Ich rate Ihnen, eine solch absurde Theorie zu vergessen,
junger Mann. Ja, nat�rlich, Madam.
Wie dumm von mir, so etwas zu sagen. Allerdings!
Ich glaube, ich brauche jetzt eine Pause.
*Ruhige Orchestermusik*
(K. Bayfield): Ihre erste Ehe
mit Frank Thornton Jenkins war ungl�cklich.
Ich fand es �berraschend,
dass sie seinen Namen behielt,
zumal ihr "Doktor Ehemann"
ihr eine Dosis Syphilis verpasst hatte.
(Clarke): Als ich las, dass sie sich bei ihrem ersten Ehemann
mit Syphilis angesteckt hatte, war ich ziemlich fasziniert.
Eine tragische Sache, zumal die Behandlung kompliziert war.
Man verliert die Haare, die Z�hne k�nnen schwarz werden,
wie es Oscar Wilde passiert ist, oder K�nig Ludwig von Bayern.
Es war nicht einfach, damit klar zu kommen.
Einige vermuten, dass ihr Mangel an Musikalit�t
durch die Syphilis verursacht wurde.
Ich denke, es ging dar�ber hinaus.
Der Wahn, dem sie erlag oder den sie auf der B�hne darstellte,
war eine Auswirkung ihrer Krankheit.
*Frauenchor aus einer Oper*
*Abstrakte Musik*
*Orchester setzt ein - Streicher*
*Schlechter Originalgesang*
*Guter Gesang*
(McMoon off): Sie hat die schiefen T�ne wirklich nicht geh�rt.
Sie sa� entz�ckt da
und h�rte stundenlang ihre eigenen Aufnahmen.
*Guter Gesang*
*Schlechter Gesang*
*Telefon klingelt*
*Dynamische Orchestermusik setzt ein*
*Telefon klingelt weiter*
*Orchester spielt schnellen Walzer*
*Ruhige Musik*
*Sie singt*
*Nadel kratzt auf Platte, Ende des Lieds*
*Nachdenkliche Orchestermusik*
*Harfe spielt schnell Tonleiter rauf und runter*
*Leise abstrakte Musik*
*Sch�ner Gesang, "Like a Bird"*
"Joy of the morning,
The river is flowing,
There's a silvery way
on the crystalline day ..."
*Lied wird zum Duett, Key singt auch*
*Ruhige Orchestermusik*
(�berrascht): Oh, ich wusste nicht, dass Sie ...
Sie sehen... Ich habe vor,
es im 2. Teil des Konzerts zu tragen.
Ich dachte mir, Sie sch�tzen diese kleine Anprobe.
Nat�rlich wird es zus�tzliche Accessoires geben.
Es wird das Publikum in Staunen versetzen.
Haben Sie das selbst entworfen?
Ich entwerfe fast alle meine Kleider selbst, Dummchen.
Sind Sie verheiratet, Mr Key?
Wie bitte?
(Fl�stert): Sind Sie verheiratet?
Verzeihung, Madam, aber ich ...
Nein, bin ich nicht. Das ist v�llig in Ordnung.
Viele meiner Freunde sind unverheiratet
und zeigen ein besonderes Interesse f�r die Modewelt.
Wie sie meine Auftritte bewundern!
Oh, bevor ich es vergesse - wie viele Karten brauchen Sie?
Damit erhalten Sie Einlass, Sie und Ihre Begleitung.
Kostenlos, nat�rlich.
Aber ich w�rde Sie gern um einen Gefallen bitten.
Ich singe "Like a Bird" als Zugabe, und ich dachte,
Sie k�nnten mir am Ende vielleicht ...
ein paar Blumen bringen.
Es w�re mir eine Ehre, Madam Jenkins.
(Off): Von meinem damaligen Hungerlohn
konnte ich mir keine Blumen leisten.
Ich brach mein Versprechen.
Mich plagte das Gewissen.
Und das um so mehr, als sich herausstellte,
dass ihr ehrgeizigster Auftritt
zugleich ihr letzter sein w�rde.
(Benko): Ich denke, das Carnegie-Hall-Konzert
war die Apotheose ihrer Eitelkeit.
Sie hatte alles erreicht, was sie wollte,
au�er anerkannt zu sein als Musikerin
von internationalem Rang.
Bis dahin war sie nur die singende Club-Lady.
(Francesconi): Man zahlt der Carnegie Hall die Saalmiete
und sagt, was man braucht: B�hnenpersonal, Security, Licht.
Der Rest ist Sache des Kunden.
Interessanterweise war es damals schwer,
die Carnegie Hall auszuverkaufen.
(McMoon off): Ich war
ihr Klavierbegleiter an dem Abend.
Als ich zur Carnegie Hall kam,
konnte ich kaum zum Eingang vordringen.
Schon von weitem staute sich
eine Menschenmenge. Es gab fast kein Durchkommen.
(K. Bayfield): Die Carnegie Hall war �berf�llt.
Die Leute wedelten mit 20-Dollar-Scheinen,
um rein zu kommen! Sie wackelte auf die B�hne.
Man fragte sich, ob sie es schaffen w�rde.
Aber sie st�tzte sich am Klavier ab, richtete sich auf und sang!
*Zittrig gehaltener hoher Ton*
(Lerner): Ich wusste, was mich erwartet.
Ich habe sie nicht vorverurteilt.
Sie hatte das gewisse Etwas
und war so ernsthaft bei der Sache,
dass es sich auf einen �bertrug.
Man musste sie daf�r respektieren,
dass sie wirklich an sich glaubte.
*Florence singt hoch und schr�g*
(Francesconi): Es ist erstaunlich:
Sie deb�tiert in der Carnegie Hall, und sie hat Geld,
aber sie hat diesen Auftritt nicht dokumentiert.
Wir haben nur das Programmheft von dem Abend,
und es gibt ein Foto in der New York Public Library.
Aber auf dem Foto sieht man nicht
Florence Foster Jenkins, sondern das Publikum.
Es scheint, als w�rden die Leute sich gut am�sieren.
Vermutlich reden sie �ber das gerade Erlebte
w�hrend einer Umbaupause.
*Applaus und hoher schr�ger Gesang*
(McMoon off): Das Konzert verlief unter tosendem Applaus,
wie ich ihn nie zuvor erlebt habe,
weder bei einem Stierkampf
noch in einem Fu�ballstadion beim Finale.
Und sie liebte das!
*Applaus und hoher Gesang*
(Francesconi): Bei ihren Konzerten
wurden Kritiker sonst ferngehalten.
Deshalb gibt es keine Rezensionen.
Au�er beim Konzert in der Carnegie Hall.
*Telefon klingelt*
*Telefon klingelt weiter, sonst Stille*
*Orchester setzt leise ein, Telefon klingelt weiter*
*Orchester wird lauter*
(Mann 1 etwas hallend): Florence Foster Jenkins' Deb�t
in der Carnegie Hall war wohl der verr�ckteste Massenwitz,
den New York je gesehen hat!
(Frau): Florence Foster Jenkins' Deb�t
in der Carnegie Hall war wohl der verr�ckteste Massenwitz, ...
(Mann 2 leise): Mrs Florence Foster Jenkins
kann alles singen, au�er Noten.
(Mann 3): Ein Liederabend ohne Stimme! *Gel�chter*
(Mann 3): Sie vollbringt das Kunstst�ck,
einer Melodie W�rze zu verleihen,...
(Mann 1): Ihre T�ne sind schwach...
(Mann 2): ... bis zur Unh�rbarkeit.
(Frau): Ihr Gesang hat uns einen gr��eren Kick gegeben
als Wodka oder Marihuana!
(Mann 1): Sie gluckst und johlt wie ein besoffener Kuckuck!
*Gel�chter*
(Frau): Wie ein besoffener Kuckuck! *Lacht*
(Mann 1): Sie traf nur ein paar Noten;
die �brigen waren leere Versprechen.
*Alle lachen schallend*
(Lerner): Sie h�tte die Kritiken nicht lesen d�rfen!
Viele S�nger und Schauspieler raten davon ab,
Kritiken zu lesen!
Es war ein Fehler, die Kritiken zu lesen.
(Benko): Offensichtlich war sie danach so niedergeschlagen,
dass es ihren Tod herbeif�hrte. Sie starb nur f�nf Wochen sp�ter.
*Abstrakte Musik*
*Sch�ner Gesang einer Sopranstimme*
(Clarke): Keiner m�chte schlechte Kritiken �ber sich lesen,
egal ob man durch Syphilis verwirrt ist oder nicht.
Es tut immer weh, vor allem wenn man es so weit bringt,
die Carnegie Hall mietet und glaubt, es sei ein Triumph.
Es w�re f�r jeden schockierend. F�r sie ganz bestimmt.
Ob das wirklich die Ursache f�r ihren Tod war, ist unerheblich.
Das ist die Kraft des Mythos: Er inspiriert uns,
sie mit anderen Ohren zu h�ren und mit anderen Augen zu sehen.
*Sch�ner melancholischer Gesang*
(Bayfield): Es ist sehr einsam ohne sie.
Aber ich sollte dankbar sein, dass sie mir 36 Jahre lang
mehr Gl�ck geschenkt hat, als viele M�nner je erfahren werden.
Seien Sie r�cksichtsvoll mit dem, was Sie sagen.
Ich f�hle mich so hilflos.
(K. Bayfield): Seine Trauer um ihren Tod war tief.
Er weinte sehr.
All der Glanz der vergangenen 36 Jahre war dahin.
Keine Partys mehr, kein Verdi- Club, das Band war zerrissen.
Nat�rlich habe ich ihn bedauert.
Aber nun war er frei,
um mich zu heiraten.
*Sanfte Klaviermusik*
(Off): Gro�e Kunst ist ein Mysterium.
Man kann sie nicht an �blichen Ma�st�ben messen,
au�er vielleicht an ihrer Unnachahmlichkeit.
(Lerner): Sie liebte Oper so sehr
und wollte so sehr dazugeh�ren, dass sie sich einbildete,
es zu k�nnen. *Lacht*
(Woodall): Und ob sie dabei nach Perfektion strebte oder nicht,
spielt doch keine Rolle.
Perfektionisten sind ein ganz anderer Menschenschlag.
Dieser Zwang zur Perfektion
zerst�rt auch einen Teil der Kreativit�t.
(Benko): Ich streite nicht ab,
dass man bestimmte Dinge an ihr bewundern kann.
Sie war ganz sicher nicht ausnahmslos �bel.
(Clarke): Was sie von all ihren sp�teren Nachahmern unterscheidet,
ist ihre beispiellose Ernsthaftigkeit.
Sie ist nicht irgendeine verr�ckte M�chtegern-Operns�ngerin.
Davon gibt es genug. Zum Beispiel auf Youtube.
Sie ist das Original, und das garantiert ihr
ihren Platz im Pantheon der Oper f�r alle Zeiten.
*Muntere Orchestermusik*
(Off): Ich brauchte einige Jahre um zu begreifen,
was f�r ein Gl�cksfall das damals war,
meine Begegnung mit ihr an jenem Abend.
Florence Foster Jenkins.
Exzentrisch, anma�end und doch so liebenswert.
Sie war auf ihre eigene Art ein Genie.
*Orchester spielt ein Finale*
UNTERTITELUNG: Globe tv GmbH, Saarbr�cken, 2016.
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