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Erzähler
Die Geschichte, um die es geht, beginnt im Gebirge, in Seebühl.
Kennen Sie Seebühl?
Das Gebirgsdorf Seebühl? Nein?
Seebühl am Bühlsee? Wirklich nicht?
Sonderbar, höchst sonderbar.
Wen man auch fragt, keiner kennt Seebühl.
Womöglich ist Seebühl am Bühlsee eine merkwürdige Ortschaft.
Eine, die nur jene Leute kennen, die man nicht fragt.
So etwas gibt es.
Sie kennen Seebühl also nicht.
Dann können Sie auch das Kinderheim in Seebühl nicht kennen:
Das Ferienheim für kleine Mädchen.
Sehr schade, aber es macht nichts.
Kinderheime ähneln einander sehr. Wer eines kennt, kennt sie alle.
Und wer an ihnen vorbeigeht, könnte sie für Bienenstöcke halten.
Es summt von Gelächter, Geschrei, Getuschel und Gekicher.
Freilich abends...
Da setzt sich zuweilen der graue Zwerg Heimweh ans Bett.
Er zählt die Kindertränen ringsum zusammen:
Die geweinten und die ungeweinten.
Aber am Morgen ist der Zwerg Heimweh verschwunden.
(fröhliche Kinderstimmen)
Dann klappern die Milchtassen, dann plappern die kleinen Mäuler.
Macht nicht solchen Krach! Nun also, ihr Bande.
Tja, und dann rennen die Bademätze rudelweise in den Bühlsee hinein.
In den kühlen, freundlichen See.
Sie planschen, kreischen, jauchzen, krähen, tauchen.
Sie schwimmen, oder sie tun so, als schwömmen sie.
Am wildesten treibt es wie immer ein kleines Mädchen.
Es hat den Kopf voller Locken und Einfälle und heißt Luise.
(lauter Gong)
Kommt, Kinder! Schnell heraus! Tummelt euch!
Luise! Der Gong gilt für alle.
Ich komme ja schon. Ein alter Mann ist kein Schnellzug.
Fräulein Ulrike treibt die schnatternde Herde in den Stall.
Pardon, ins Haus.
(Gänesgeschnatter ist zu hören.)
Beeilen Sie sich, meine Dame! Heute wird pünktlich gegessen.
Am Nachmittag kommen doch die Neuen.
Es ist so still geworden, dass man nicht stören möchte.
Aber was hilft es?
Unsere Geschichte geht auch in der Stille weiter.
Luise, pass auf, wenn ein Auto kommt!
Hoffentlich hat eine Neue einen Ball. Trudes Ball ist entzwei.
Brigitte hat einen.
Aber den hat sie im Schrank eingeschlossen.
Der Omnibus müsste eigentlich...
(Hupen)
(Die Kinder jubeln. Der Busfahrer hupt nochmals.)
(Hupen)
Geht ein bisschen zurück, Kinder!
(Alle schreien auf.)
(Mädchen) Hilfe! Vorsicht! Passt auf meine Kekse auf!
Danke vielmals.
(fröhliche Kinderstimmen)
Luise!
Luise!
Kinder, helft einander beim Tragen und kommt ins Haus herein, ja?
(fröhliche Kinderstimmen)
Sie hat Angst, die Neue mit den Zöpfen.
Kein Wunder.
Man steht einander nicht alle Tage gegenüber wie einem Spiegelbild.
Was wird daraus werden?
So, der Speisezettel für morgen.
Ja.
Die Neuen sind vollzählig angekommen. - Schön, danke.
Dann ist noch eines, Frau Muthesius. - Nämlich?
Luise Palfy wartet vor der Tür. - Herein mit ihr.
Was hat sie wieder ausgefressen? - Diesmal nichts. Es ist bloß...
Ja...
Kommt herein, ihr beiden! Nur keine Angst.
Jetzt schlägt es 13.
Kommt einmal näher, ja?
Lotte Körner kommt aus München. - Seid ihr miteinander verwandt?
(Ulrike) Sie kennen sich nicht. Seltsam.
Seltsam? Dass die aus Wien kommt und die aus München?
2 Doppelgänger wie ihr werden sicher gute Freundinnen.
Gebt euch die Hand! - Nein.
Ihr könnt gehen.
Einen Augenblick.
Ich trage gleich deinen Namen ein, deinen Geburtstag und deine Eltern.
Ich habe nur noch meine Mutti.
Ich ließe mir das nicht gefallen. Kommt da mit deinem Gesicht daher!
Was soll ich machen? - Zerkratz es ihr!
Beiß ihr die Nase ab! Dann bist du den Ärger los.
Einem so die Ferien zu verhunzen!
Sie kann doch nichts dafür. Wenn nun eine aussähe wie ich?
Niemand wäre so blöd, mit deinem Kopf herumzulaufen.
(düstere Musik)
(Ein Gong ertönt.)
Wir setzen sie nebeneinander. - Wie Sie wünschen.
Vielleicht hilft eine Radikalkur. - Ja.
Trude, setz dich neben Hilde Sturm!
Warum? Ich bin doch Luises Klassenkameradin.
Also keine Widerrede, ja? Na?
Guten Appetit zu deiner ersten Mahlzeit bei uns!
Danke.
Kein Kind isst, alle starren zu den zweien hinüber.
Hat denn niemand Hunger?
Sind sie astrologische Zwillinge? - Was ist denn das?
Menschen, die einander gleichen, ohne verwandt zu sein.
Aber sie wurden genau im selben Moment geboren.
Ein Schneider in London glich Eduard VII. völlig.
Sie trugen sogar denselben Bart.
Wurden sie im selben Moment geboren? - Das ließ sich exakt feststellen.
Wie ging die Geschichte weiter? - Der König rief den Mann zu sich.
Und dann? - Der Schneider musste sich rasieren.
Lotte erhält das Bett neben Luise. Sie müssen sich aneinander gewöhnen.
Es ist Nacht. Alle Kinder schlafen.
Bis auf 2.
(Lotte weint.)
Was hatte die Mutter in München beim Abschied gesagt?
Ich freue mich, dass du mit vielen fröhlichen Kindern zusammen bist.
Du bist zu ernst. Das liegt an mir. - Aber Mutti.
Ich bin zu wenig zu Hause.
Wenn ich abends heimkomme, hast du aufgewaschen und gekocht.
Komm mit 1.000 Lachfältchen zurück!
Und nun liegt sie in der Fremde.
Neben einem Mädchen, das sie hasst, weil sie ihm ähnlich sieht.
Da soll man Lachfältchen kriegen.
(sanfte Musik)
Der Mond schaut durchs Fenster und staunt nicht schlecht.
Da liegen 2 kleine Mädchen, die sich nicht anzublicken wagen.
Die eine weinte eben noch.
Jetzt tastet sie mit ihrer Hand nach der streichelnden anderen Hand.
"Na gut", denkt der alte Mond, "da kann ich beruhigt untergehen."
Und das tut der denn auch.
Besaß nun dieser Waffenstillstand zwischen den beiden Wert und Dauer?
Er war ja ohne Verhandlungen und heimlich geschlossen worden.
Ich möchte es schon glauben.
Aber von der Waffenruhe zum Frieden ist es weit, auch bei Kindern.
♪ Horch, was kommt von draußen rein, hollahi, hollaho.
♪ Wird wohl mein Feinsliebchen sein, hollahiaho!
♪ Geht vorbei und schaut nicht rein.
♪ Hollahi, hollaho!
♪ Wird es wohl nicht gewesen sein.
♪ Hollahiaho!
♪ Leute haben es oft gesagt, hollahi, hollaho!
♪ Dass ich ein Feinsliebchen hab, hollahiaho!
Und dann, am See, ist das Zopfmädchen verschwunden.
Wo ist denn die Neue?
Damit du ihr die Nase abbeißen kannst.
Sei nicht so blöd! - Ich denke, du hast eine Wut auf sie.
Ich kann sie doch nicht beißen. Außerdem habe ich keine Wut auf sie.
Aber gestern hattest du welche. - Und wie!
Du hast sie so gegen das Schienbein getreten, sie hätte fast gebrüllt.
Na also! - Seid still, oder ich trete euch!
Du weißt ja nicht, was du willst.
Da ist sie ja!
(Die Kinder kreischen und johlen.)
Nein!
Jetzt beiß ihr die Nase ab! - Ein Versprechen muss man halten.
(alle) Hau ruck! Hau ruck!
Hau ruck! Hau ruck!
Das arme Näschen!
(Gelächter)
Na los! - Sofort, meine Damen.
(Die Mädchen kreischen.)
Auf geht es!
Uns so hineinzulegen! - Eine Gemeinheit!
Fräulein Gerda hat nichts bemerkt. Sie tut, was sie immer tut: lesen.
Auf jeder Seite ist mindestens 12 Mal von Liebe die Rede.
Jetzt denkt sie an Herrn Rademacher, den Untermieter ihrer Tante.
Rudolf heißt er. Sie denkt an ihn und seufzt:
Ach, Rudolf!
Bist du mir noch böse?
Nein.
Es kam alles so plötzlich.
Der Autobus.
Dann du. So ein Schreck.
Eigentlich ist es doch fruchtbar lustig, nein?
Lustig?
Hast du Geschwister? - Nein.
Ich auch nicht.
Ein herrlicher Tag.
Es war nur der Schreck, sagte Luise. Nur der Schreck, keine Feindschaft.
Ein herrlicher Tag. Hoffentlich bleibt er so.
Au!
Nanu, was ist denn los?
Au! Au! - Willst du wohl ruhig sein!
Wenn dir die Mutti Zöpfe flicht, schreist du nicht.
Ich habe doch gar keine Mutti. Deshalb bin ich so laut, sagt Vati.
Zieht er dir nie die Hosen straff? - Nein, dazu hat er mich zu lieb.
Das hat damit nichts zu tun. - Außerdem hat er den Kopf voll.
Es genügt, wenn er eine Hand frei hat.
Halt still!
Was wird das wohl werden?
(vergnügtes Stimmengewirr)
Die Neue!
Du, das ist Luises Platz. - Denk an dein Schienbein!
Was ist denn hier los?
Was ist das für ein Radau?
Da soll sich einer auskennen. Zweimal dasselbe Kind.
Wer von euch beiden ist wer? - Das sagen wir nicht.
Was machen wir denn da? - Ich weiß was.
Felinchen. - Trude geht mit Luise zur Schule.
Sie muss es herausfinden. - Du bist unsere letzte Hoffnung.
Ans Werk, Fräulein Salomo! Wer ist Lotte und wer Luise?
Au! - Das ist Luise!
Große Geister stört all das nicht.
Fräulein Gerda wird noch lesen, wenn die Welt untergeht.
Vorher soll sich die doppelte Lotte erst einmal fotografieren lassen.
Zur bleibenden Erinnerung und um Fotos heimzuschicken.
Da wird man Augen machen, fast so groß wie Herr Hoflacher.
(Hoflacher) Sakra, sakra! So, die dritte und letzte Aufnahme.
Bitte recht freundlich! Ich zähle bis 3.
Achtung!
1, 2, 3. Danke, die Damen.
In 8 bis 10 Tagen könnt ihr nach den Aufnahmen fragen.
(beide) Auf Wiedersehen. - Grüß Gott.
Mach ein paar Glanzabzüge extra und schick sie an eine Illustrierte!
So etwas interessiert immer.
Dir ist nur wohl, wenn ich arbeite. - Aber...
Unterwegs kehren die beiden ein. Luises Vater hat Geld geschickt.
Es ist heiß, und Hitze macht durstig.
Ist dein Vater schon lange tot? - Ich weiß nicht.
Mutti spricht nie von ihm, und fragen will ich nicht.
Ich kann mich an meine Mutti gar nicht mehr erinnern.
Früher stand auf Vatis Flügel ein Bild von ihr.
Einmal kam er dazu, wie ich es mir anschaute.
Und am Tag darauf war es fort.
Er hat es wahrscheinlich weggeschlossen.
♪ Warum weinst du, schöne Gärtnersfrau?
♪ Lalala...
Bist du auch 10 Jahre alt?
Ja, aber ich werde bald 11. Am 14. Oktober.
Am 14. Oktober?
Ja, am 14. Oktober.
Ich auch.
Und wo bist du geboren?
In Linz an der Donau. - Ich auch.
Es ist still im Wirtshaus-Garten. Nur die Baumwipfel bewegen sich.
Vielleicht hat das Schicksal sie mit seinen Flügeln gestreift.
Ich habe ein Bild von Mutti dabei. - Komm, zeig es mir!
Was ist das für eine neue Mode?
Limonade trinken und dann nichts zahlen?
Aber du kriegst ja was raus.
Was haben denn die auf dem Kerbholz?
Sie rennen, als gälte es das Leben.
Dasselbe Bild.
Meine Mutti.
Unsere Mutti.
Frau Muthesius, ich muss mich Ihnen anvertrauen.
Was drückt Ihnen das Herz ab?
Es sind keine astrologischen Zwillinge.
Der König und der Schneider? - Nein. Lotte Körner und Luise Palfy.
Sie sind am gleichen Tag in derselben Stadt geboren.
Das kann kein Zufall sein! - Nein.
Ja und? Was geschieht jetzt? - Nichts.
Nichts?
Nichts. Wenn Sie nicht schweigen, schneide ich Ihnen die Ohren ab.
Aber... - Kein Aber. Die Kinder ahnen nichts.
Sie schicken die Fotos nach Hause, und wenn sich so alles klärt, gut.
Aber wir beide werden nicht Schicksal spielen.
Danke für Ihre Einsicht. Jetzt schicken Sie mir die Köchin!
Ja...
Die Zeit vergeht. Sie weiß es nicht besser.
Haben die 2 Mädchen ihre Fotos bei Herrn Hoflacher abgeholt?
Längst.
Haben sie die Bilder heimgeschickt?
Sie haben es zwar behauptet, aber getan haben sie es nicht.
Sie haben gelogen.
Sie wollen ihr Geheimnis für sich behalten.
Sie wollen es zu zweit verbergen und vielleicht zu zweit enthüllen.
Das Geheimnis war die Saat.
Und Heimlichkeiten sind die Ernte.
Die Schürze ist vom Oberpollinger. - Ich weiß, das ist das Kaufhaus.
In der Neuhauser Straße beim... Wie heißt das Tor?
Karlstor. - Richtig.
Wenn man da durchgeht, kommt man zum Spachus.
Stachus heißt der Platz. - Ah, Stachus.
Oh, München ist schwer. - Und Wien erst.
Jede entdeckt einen neuen Kontinent.
Das, was sie bis jetzt kannten, war nur die eine Hälfte ihrer Welt.
Oft sind sie damit beschäftigt, beide Hälften zusammenzufügen.
Aber es quält sie auch etwas anderes.
Erst haben sie geheiratet.
Dann haben sie 2 Mädchen gekriegt. - Uns.
Und weil Mutti Luiselotte heißt, nannten sie uns Luise und Lotte.
Da müssen sie sich noch gemocht haben.
Ja, bestimmt.
Aber dann haben sie sich sicher furchtbar gezankt.
Und sie sind voneinander fort.
Und haben uns so in 2 geteilt wie bei der Taufe Muttis Vorname.
Sie hätten uns fragen müssen, ob sie uns halbieren dürfen.
Da konnten wir noch nicht reden.
Die Post ist da! Die Post ist da! Ah, da steckt ihr.
Von Vati.
Das ist er.
"Mein liebes einziges Kind!" So ein Schwindler.
Wo er doch genau weiß, dass er Zwillinge hat.
"Erst wollte ich dir ein Bild von mir als nackiges Baby schicken."
"Aber du wolltest ja ein funkelnigelnagelneues Bild."
"Deshalb habe ich mich vom Fotografen knipsen lassen."
"Sonst erkennt mich meine Tochter nicht mehr, wenn sie zurückkommt."
Wie lustig er schreibt! - Dabei sieht er so ernst aus.
Vor anderen Leuten macht er immer ein strenges Gesicht.
Aber mit mir allein kann er sehr komisch sein.
Und ich darf das Bild behalten? - Ja, deshalb bat ich ihn darum.
(Felinchen weint.)
Fehlt dir was? - Meine Eltern lassen sich scheiden.
So eine Gemeinheit! Sie schicken dich weg.
Und dann tun sie heimlich so was. - Und warum?
Der Papa liebt eine andere Frau.
Was ist denn los? Du hast es aber eilig.
Hat unser Vater eine neue Frau? - Nein.
Bestimmt? - Das wüsste ich.
Aber vielleicht eine, mit der er nicht verheiratet ist.
Bekannte hat er natürlich. Aber Du sagt er zu keiner.
Und wie ist das mit Mutti? Hat Mutti einen guten Freund?
Sie hat mich und ihre Arbeit. Mehr will sie gar nicht.
Warum sind sie dann geschieden?
Warum ist Vati in Wien und Mutti in München?
Warum haben sie uns halbiert? - Und uns nichts voneinander gesagt?
Mutti verschwieg dir, dass Vati lebt.
Und er hat mir Mutti verheimlicht. Schöne Eltern haben wir, was?
Wenn wir ihnen die Meinung sagen, die werden staunen.
Aber das dürfen wir nicht. Wir sind nur Kinder.
Nur?
(Wirtin) ♪ Warum weinst du, schöne Gärtnersfrau?
Die Ferien nähern sich unaufhaltsam ihrem Ende.
Locken und Zöpfe, so nennt man Luise und Lotte jetzt.
Die Locken und Zöpfe haben sich von den anderen abgeschlossen.
Sie tun sehr geheimnisvoll, als führten sie etwas im Schilde.
Aber was?
Am liebsten mag Mutti Nudelsuppe.
Nudelsuppe. - Mit Rindfleisch.
Rindfleisch.
Das Fleisch ist vom Metzger Huber. - Metzger Huber.
Ein halbes Pfund Querrippe. - Ein halbes Pfund... Querrippe.
Nicht zu fett, schön durchwachsen. - Nicht zu fett...
Wo ist der Laden? - Max-Emanuel-Straße.
Stimmt. Das Kochbuch... - Nicht so schnell. Durchwachsen.
Das Kochbuch steht im Küchenschrank. - Kochbuch... Küchenschrank.
Im untersten Fach links. - Untersten Fach links.
Neben dem Eingemachten. - Neben dem...
Im Kochbuch sind alle Rezept, die ich kann.
Vor dem Kochen habe ich eine Heidenangst.
Könnte ich der Mutti weismachen, ich hätte das Kochen hier verlernt?
Du kannst mir schreiben, wenn was nicht klappt.
Ich gehe jeden Tag zur Post. - Ich auch. Schreib nur recht oft!
(flüstert) Los, komm.
Da drüben ist es schattiger.
Gänschen.
Portion Kaffee! - (Wirtin) Sofort.
Iss tüchtig im Hotel Astoria! Vati freut sich darüber.
Zu dumm, dass Palatschinken dein Lieblingsgericht sind.
Kalbsschnitzel und Gulasch wären mir viel lieber.
Iss am ersten Tag 4 oder 5 Palatschinken!
Dann kannst du sagen, du hast dich daran überfressen.
Das geht.
So, nun fragen wir uns noch einmal den Schulweg ab.
Du hast es einfach. Du sagst Trude, sie soll dich am ersten Tag abholen.
Und dann läufst du neben ihr her und merkst dir die Straßenecken.
Und vergiss eines ja nicht:
Gib Mutti einen Kuss, wenn sie dich ins Bett bringt.
Das vergesse ich bestimmt nicht.
So, bitte schön. - Danke schön.
Die 2 Mädel stecken immer der Köpfe zusammen.
Da ist eine Verschwörung im Gange. - Kann sein.
Die kommen täglich und schmieren ihre Notizbücher voll.
Der gute Mann hat wohl recht. Und ob das eine Verschwörung ist!
Sie wollen heimlich Kleider, Koffer, Frisur und ihr Leben vertauschen.
Lotte wird mit lockigem Haar lustig und lebhaft nach Wien fahren.
Lottchen als Luise.
Und Luise?
Luise wird mit Zöpfen und so brav, wie es geht, zur Mutter heimkehren.
Von der sie nur eine alte Fotografie kennt.
Luise als Lottchen.
Ja mei, wir sind gleich in München!
Mit Schuhen auf die Bank?
Lege dir eine Zeitung drunter! - Davon werde ich nicht größer.
Luise, du bist doch jetzt Lotte!
Entschuldigen Sie bitte schön.
Frau Körner! - Tut mir leid.
Es ist die Serie von der Messe. - Warten Sie oben!
Ich muss erst zum Bahnhof.
Im Bahnhof einer fremden Stadt auf seine Mutter zu warten.
Und man kennt sie nur als Foto, und sie kommt nicht:
Das ist kein Kinderspiel.
Doch da...
Mutti!
Mein Lottchen, endlich habe ich dich wieder.
Sogar das Hütchen kriegt einen Kuss. Und wie sieht es gerade in Wien aus?
Hotel Astoria.
Da kommt der Doktor Sternecker. - Ah!
Heute schmeckt es dem Herrn Palfy noch einmal so gut.
Und das Fräulein Tochter sitzt bei ihren geliebten Palatschinken.
Das zeugt von Charakter.
Dafür gibt es jetzt auch eine kleine Belohnung.
Ich habe dir nämlich etwas mitgebracht.
Das ist eine Nähschatulle.
Das ist von meiner Großmama selig.
Es ist ein bisschen altmodisch, aber sehr praktisch.
Es ist ein kleiner Willkomm nach den Ferien.
Wie hübsch! - Ja, ja.
So alte Herren wie ich kommen ja nur ganz selten zum Nähen.
Ich danke Ihnen schön. Sie sind zu lieb.
Ja.
Wir Stammgäste sind auch alle froh, dass du jetzt wieder da bist.
So, jetzt nähe fleißig!
Er will bloß, dass du Nähen lernst. - Aber das kann ich...
Lotte, du bist doch Luise.
Das kann ich doch endlich lernen.
Bitte nein, sonst platze ich. - Aber das ist doch erst Nummer 5.
Vati, ab morgen esse ich immer das, was du isst.
Und wenn ich Geselchtes esse? Das kannst du nicht ausstehen.
Dann zwinge ich mich eben dazu.
Grüß Gott, Franz. Grüß Gott.
Na also, da wär...
Da schau her, Peperl, wer wieder da ist!
Geh schön hin und sag der Luise Grüß Gott!
Du bist ein blöder Hund. Erkennt seine beste Freundin nicht.
Nur weil sie auf dem Land war.
Und da reden die Leute immer vom untrüglichen Instinkt der Tiere.
Ein Glück, dass die Hofräte nicht so gescheit wie Peperl sind.
Und daheim, die Resi? Die merkt schon gar nichts.
So, jetzt springe ich schnell zum Kaufmann.
Das möchte ich gern sehen, Resi, wenn du springst.
Jetzt machen wir es uns gemütlich.
Ach, du.
Ja. Das war schön am See, oder? - Schön war es.
Hast du dich mit jemandem besonders angefreundet?
Nein. Ich fand eigentlich fast alle nett.
Und die Trude aus meiner Klasse war dabei.
Ach ja, richtig, die Trude.
Sie holt mich morgen zur Schule ab.
O weh, du, die Schule!
Vati. - Ja?
Ich habe mir fest vorgenommen, mich zu bessern.
Das hast du schon oft gesagt.
(Telefon klingelt.) Kann man denn nie seine Ruhe haben?
Palfy.
Oh, servus.
Ja.
Ja, ich... ich wollte eigentlich...
Ja.
Das weißt du... Das wissen Sie doch.
Ja, also schön. Gut. Auf Wiedersehen.
Aus ist es mit der Gemütlichkeit.
Ich muss mit Pfeidler den "Rigoletto" korrepetieren.
Kann man nichts machen. Hinterher muss ich in die Oper.
Du gehst rechtzeitig schlafen. Und morgen Mittag im Astoria, ja?
Servus.
Nein, Lottchen, das ist nicht die Küche.
Jetzt stimmt es.
Hier sind wir vorerst überflüssig.
Schauen wir uns ein bisschen in der Wohnung um.
"Der Rosenkavalier" war ein großer Erfolg für Palfy.
Die Carmen, die Mimi, Papagena.
Ja, so ein Künstler hat es gut. Schöne Stimmen, schöne Frauen, Ruhm.
Was gibt es noch zu sehen? Dort zum Beispiel.
Ein Gruppenbild. Man kann es nicht erkennen.
Moment einmal, man müsste einen Stuhl nehmen.
Ach ja, das ist eine alte Aufnahme.
Als die Wiener Philharmoniker seine erste Sinfonie uraufführten.
Damals war er jung verheiratet, verliebt, ehrgeizig und verrückt.
Dann kamen die Zwillinge und brüllten ständig.
Da schnappte er vollends über. Er ließ den Flügel abholen.
Er ließ ihn in ein Atelier bringen, das er voller Verzweiflung mietete.
Seine Frau fand das nicht so fidel, und als er... Halt, das kommt noch.
Ist da wer?
Nein. Ich hätte schwören können, da hat jemand geredet.
Luise! Wo steckst du denn? - Hier.
War jemand hier, während ich weg war?
Nein, wer denn? - Woher soll ich denn das wissen?
Was treibst du da?
Ich habe ein bisschen nachgerechnet. - Was sind das für neue Moden?
Du hast dich fast auf jeder Seite verrechnet.
Und immer zu deinem Vorteil. - Rechne du in der Schule!
Ich rechne jetzt immer nach.
Wir lernen in der Schule, aber nicht für die Schule.
(Telefon klingelt.)
Luise!
Papa ist am Telefon. - Ich komme!
Luise kommt gleich, Herr Kapellmeister.
Sie spielt gerade so hübsch in ihrem Zimmer.
Oh, da wird sie sich aber freuen.
Natürlich bringe ich sie hin.
Ja, freilich hole ich sie ab.
Ja, Vati?
Oh. Und ich kann dich von meinem Platz aus sehen?
Und ich darf dir winken? Wie? Du winkst sogar zurück?
Ich freue mich. Danke, danke, danke!
Ich darf in die Oper, zu Vati! - Und er winkt und du winkst.
Was ziehst du an? - Das blaue Matrosenkleid.
Das kann sie ja gar nicht anziehen. Das hat im München Luise angezogen.
Luise? Ach nein, Lotte. War beim Metzger Huber.
Nun will sie zu Frau Wagenthaler.
Nanu? Machst du auf der Straße Schularbeiten? In den Ferien?
Herrje, wer ist das? Da hilft nur eines.
Grüß Gott. Kommst du mit? Ich muss Nudeln einkaufen.
Meinetwegen.
Ich warte auf dich.
Zu dumm, wenn einen wer anspricht, den man nie gesehen hat.
Und doch soll man ihn kennen.
Ein halbes Kilo Nudeln und Salz. Und jetzt noch ein wenig Suppengrün.
Seit wann magst du die freche Anni Habersetzer?
Habersetzer?
Anni Habersetzer?
So, dein Suppengrün. Das macht zusammen...
Anni, dreimal war ich mit dir böse, wegen der Ilse Merck und so.
Das nächste Mal bin ich nicht nur böse, sondern...
Das werden wir ja sehen! Gleich morgen werden wir es sehen!
Die ist wohl übergeschnappt.
Das mit der Anni hat gut geklappt. Entschlossenheit muss man zeigen.
Beim Kochen ist das anders.
Um Nudeln mit Rindfleisch zu kochen, da braucht es mehr als Willenskraft.
Das tut aber weh! Hilft nichts, weitermachen.
Salz für die Nudeln. Wie viel Salz? "Einen halben Esslöffel".
Was noch? Selleriesalz. Eine Prise, wie viel ist das?
Und wie die Zeit vergeht! Und Mutti kommt gleich.
Und decken muss ich noch. Die Zeit vergeht, und Mutti kommt.
Ob das Fleisch schon weich ist? Gabel, da unten. Topflappen nehmen!
Nein, nicht weich. War wohl ein alter Ochse.
Und was fehlt noch? Richtig...
Muskatnuss, oben auf dem Schrank.
Reibeisen, Muskat. Einmal nichts, zweimal nichts.
Wo ist denn... ah, da drüben.
Reibnuss, Muskateisen. Quatsch, Muskatnuss und Reibeisen.
Wieder nichts. Doch, da ist sie. Endlich, diese Muskatnuss!
Und jetzt das Reibeisen natürlich. Reiben! Die Nuss, nicht die Finger.
Wer hat das Wasser aufgedreht? So! Und was liegt denn da?
Das Suppengrün. Das muss gewaschen werden.
Doch aber nicht so. Mit dem Sieb natürlich.
Da ist das Sieb. Das Sieb... Wozu braucht der Mensch ein Sieb?
Ist nicht leicht, seine eigene Schwester zu sein.
Schimpf nicht! Ich kann nicht mehr kochen.
Aber Kochen verlernt man nicht. - Ich schon.
Nun schmeckt es doch noch ganz gut.
Die nächsten Abende koche ich selber. Bald kannst du es wieder wie früher.
Vielleicht sogar noch besser. - Ja.
So, mein Lottchen, schlaf gut und träum schön.
Wenn ich nicht zu müde bin.
Kommst du auch bald, Mutti? - Gleich, mein Kind.
Gute Nacht. - Ich bin froh, dass du zurück bist.
Ich habe ja nur noch dich. - Ach, meine liebe, liebe Mutti.
Es gibt noch so viel zu tun.
Das Kind schläft. Das eine Kind.
Und das andere?
Das andere sitzt im schönsten Kleid der Schwester in der Oper.
(Die Musiker stimmen ihre Instrumente.)
(Beifall)
(Sanfte Bläsermusik beginnt.)
(sanfte, gefühlvolle Musik)
Wie die Musiker dem Vati parieren, obwohl alte Herren darunter sind.
(gefühlvolle, ernste Musik)
Das reinste Schaufenster.
(Die Musik wird dramatisch.)
Er hat ihr zugenickt, nicht mir. Wieso hat Luise sie nie erwähnt?
Ich muss ihr schreiben: postlagernd, Vergissmeinnicht München 18.
(Die Musik klingt sanft aus.)
(Die Musik beginnt wieder.)
♪ Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?
♪ Die Gänse gehen barfuß und haben kein' Schuh'.
♪ Der Schuster hat Leder, kein' Leisten dazu.
♪ Drum kann er den Gänsen machen... - ♪ Also werden sie warten.
♪... kein' Schuh'.
♪ Was, Bengel, du lachst mich noch aus?
♪ Wart, kommt nur der Vater nach Haus!
♪ Marsch, fort in den Wald!
♪ Dort sucht mir Erdbeeren! Wird es bald?
♪ Und bringt ihr den Korb nicht voll bis zum Rand...
Da auf der Bühne schicken die Eltern ihre Kinder weg, um sie loszuwerden.
Wie können sie nur so böse sein?
Oder sind sie gar nicht böse?
Ist nur das, was sie tun, böse?
Und tun sie es nur, weil sie kein Geld für Brot haben?
Das Spiel geht weiter.
♪ Vom Teufel selber hat sie Gewalt!
♪ Um Mitternacht, wenn niemand wacht, dann reitet sie aus zur Hexenjagd.
♪ Zum Schornstein hinaus!
♪ Auf dem Besen, o Graus!
♪ Über Berg und Schlucht, über Tal und Kluft.
♪ Durch Nebelduft, im Sturm durch die Luft!
Die Kinder haben sich im Wald verirrt.
Sie kommen vor dem Pfefferkuchenhaus an.
♪ Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?
Willst du auch mal knabbern?
Entschuldigen Sie. - Das macht nichts, Luise.
Sie kennt mich? Wieso?
Das ist genau so eine Hexe wie die auf der Bühne.
Nur viel hübscher.
♪... das himmlische Kind.
(Die Hexe lacht boshaft.)
♪ Was seid ihr für leckere Teufelsbrätchen!
♪ Besonders du, mein herziges Mädchen.
(Die Hexe lacht.)
♪ Kommt, kleine Mäuslein!
♪ Kommt in mein Häuslein!
♪ Ihr sollt es gut bei mir haben.
Das Märchen von Hänsel und Gretel.
Im Herzen des Mädchens vermischt es sich mit der eigenen Kinderwelt.
Und so ist es kein Wunder, was Lotte nach der Oper widerfährt.
Zum ersten Mal im Bett der Schwester.
Vom ersten Tag des großen Abenteuers ist sie überwältigt und erschöpft.
Und sie träumt, kaum dass sie eingeschlafen ist.
(düstere Musik)
1, 2! 1, 2!
1, 2! 1, 2!
Aber was soll nun werden? - Die Kinder müssen fort!
Wir brauchen Platz für all das Brot! - Niemals!
Hinaus!
(Tierlaute)
(Ein Rabe krächzt.)
(Ein wildes Tier brüllt.)
(Krächzen)
(Das wilde Tier brüllt.)
(Sie lacht höhnisch.)
Ah!
(sanfte Klänge)
(liebliche Musik)
Milchschokolade und Nougat. - Krokant und Edelbitter.
(boshaftes Lachen)
Nein!
Nicht! Das ist alles vergiftet!
Wir haben solchen Hunger. - Hier ist Brot.
Ich musste noch arbeiten. Kommt!
Lassen Sie die Kinder in Ruhe! - Das sind meine.
Meine auch! Ich halbiere sie. Das ist das Einfachste.
Jeder nimmt je ein halbes Kind. - Nein!
(furchterregende Musik)
So!
Welche Hälfte wollen Sie haben? - Beide!
Also ich nehme die da. Welche bist du denn?
Die Luise. Du darfst das nicht tun. - Halt den Mund! Eltern dürfen alles.
Wir schreiben uns! - Postlagernd, Vergissmeinnicht.
München 18.
In der Zeit danach hat sich in Wien und München manch einer gewundert.
Die Diktathefte. - Ja.
Danke schön, Luise.
Also diese kleine Palfy!
Früher hatte sie ein überschwängliches Temperament.
Daraus hat sich diese stille Kraft herausgebildet, das ist einzigartig.
Und diese Verwandlung ist passiert ohne erzieherischen Druck von außen.
Diese Selbstentfaltung des Charakters zeigt sich auch in Luises Schrift.
Ich sage ja immer, Schrift...
Wir wollen nicht hören, was Fräulein Bruckbaur immer sagt.
Wir nehmen lieber etwas anderes zur Kenntnis:
Peperl, der Hund von Hofrat Strobl, sagt dem Mädchen wieder Grüß Gott.
Er hat sich damit abgefunden, dass Luise nicht wie Luise riecht.
Außerdem isst sie jetzt Koteletts, Beinfleisch oder ähnliche Dinge.
Früher die Palatschinken hatten so gar keine Knochen.
So hat sich manches geändert, von Resi ganz zu schweigen.
Sie ist unter Lottes sanfter Gewalt zu einer Perle geworden.
Zu einer ungefassten Perle.
Was ist, Resi? - Ich brauche Geld, Luise.
Für Tischblumen und fürs Nachtessen. Kalte Platte und Salat.
Und Gewürzgurken für Vati. - Ja, Gewürzgurken.
Und ich muss seinen Anzug abholen von der Büglerin.
Das wird reichen. Und abends rechnen wir ab.
Versteht sich.
Währenddem geht der Papa in seinem Atelier auf und ab.
Und, äh... arbeitet auch.
Du hast neuerdings wenig Zeit für mich.
Ja, kürzlich sehe ich, wie Luise auf den Tasten klimpert.
Und dazu singt sie ein Lied. Süß!
Früher wäre sie nie ans Klavier gegangen.
Darum hast du weniger Zeit für mich?
Ich gebe ihr Klavierunterricht.
Ich dachte, du bist Komponist und nicht Klavierlehrer für Kinder.
Ich habe noch nie so viel komponiert wie jetzt.
(Er spielt eine heitere Melodie.)
Was wird das? - Eine Kinderoper.
Wie gesagt, auch in München mussten sich einige Leute wundern.
Und anderem auch eine Lehrerin.
Diese Unterhaltung war leider nicht mehr zu vermeiden.
Die Aufmerksamkeit Ihrer Tochter, ihre Ordnungsliebe und ihr Fleiß:
Sie lassen seit einiger Zeit sehr zu wünschen übrig.
Es ist mir lieber, sie ist fröhlich, als dass sie die beste Schülerin ist.
Lottchen soll ein Kind sein, kein kleiner Erwachsener.
Aber früher wusste das Kind beides vorbildlich zu vereinbaren.
Als Berufstätige weiß man so wenig von seinem Kind.
Aber ich sehe, dass sie es nicht mehr kann.
Ich als Erzieherin sehe das anders.
Ich muss die Harmonie des Kindes wiederherstellen.
Finden Sie, dass Unaufmerksamkeit beim Rechnen und Tintenkleckse...
Ein gutes Beispiel, Frau Körner.
Lottes Schrift zeigt deutlich den Verlust der seelischen Balance.
Und noch etwas.
Finden Sie es in Ordnung, dass Lotte Mitschülerinnen prügelt?
Mitschülerinnen?
Sie schlug nur Anni Habersetzer. - Nur?
Anni hat die Ohrfeigen verdient. Irgendwer muss sie ihr geben.
Frau Körner! - Sie vergreift sich an den Kleinen.
Sie sollten sie nicht verteidigen. - Davon weiß ich nichts.
Dann fragen Sie die arme kleine Ilse Merck!
Warum sagte Lotte nichts, als ich sie bestrafte?
Dazu fehlt es ihr wohl an der nötigen "seelischen Balance".
Frau Körner ist mit sich zurate gegangen.
Die Ferien haben ihr Kind verwandelt.
Es ist im Gebirge lustiger geworden, unbeschwerter.
So soll es bleiben. Aber was kann man tun?
Mutti!
In Rechnen habe ich wieder eine 3.
Ist das sehr schlimm oder bloß schlimm?
Es ist schlimm genug, noch dazu am Samstag.
Was ist das? - Ein Rucksack.
Wir fahren in die Berge, bis morgen Abend.
Oh. Fein, fein, fein, fein!
Fein!
Wird das nicht zu teuer?
Zur Not verkaufe ich dich unterwegs.
Ja. Du verkaufst mich 3 bis 4 Mal und kannst einen Monat freinehmen.
So teuer bist du? - 400 Mark und 11 Pfennige.
Das wurde ein Wochenende wie Himbeeren mit Schlagsahne.
(Lotte spielt auf der Mundharmonika "Horch, was kommt von draußen rein".)
Gegen Abend gerieten sie in ein Dorf namens Grainau.
Sie futterten aus dem Rucksack, was das Zeug hielt.
Später schliefen sie in einem Bett.
Das war billiger, und schöner war es außerdem.
Und draußen geigten die Grillen eine kleine Nachtmusik.
Am Sonntagmorgen wanderten sie weiter.
Die Zugspitze glänzte silberweiß.
Dann ging es über das Törl.
Das war ein Gekraxel, sakra, sakra!
Und tief, tief unten lag der Eibsee. Er sah ganz winzig aus.
So winzig, dass Luise versonnen sagte:
Als ob der liebe Gott bloß mal da hingespuckt hätte.
Zwischen Himbeerstäuchern stiegen sie später zum See hinunter.
Im Eibsee wurde selbstverständlich gebadet.
Es war schon spät am Nachmittag.
Und es wurde Zeit, heimzufahren.
Leider, leider.
Ach, Mutti, es war so schön.
So schön wie nichts auf der Welt.
(liebliche Musik)
In Wien sah es nicht ganz so lustig aus.
Der Vater hat neuerdings wenig Zeit für Klavierstunden übrig.
Vielleicht hängt es mit der Arbeit an der Kinderoper zusammen.
Es ist nur so:
Vater redet viel von Kinderopern und schweigt über Fräulein Irene.
Und dann wittern kleine Mädchen wie Tiere, dass Gefahr droht.
Und woher sie droht.
Luise hat zwar postlagernd geantwortet.
Irene sei die Tochter vom Besitzer des Hotels Astoria.
So kenne man sich, es habe nichts auf sich.
Doch das muss sich geändert haben.
Vielleicht dass Vati allein war und niemand auf ihn aufpasste.
Oh, die Luise. - Herr Gabele, ich hätte Zeit.
Hereinspaziert, Fräulein Nachbar!
Moment, ich gehe voraus.
Bitte näherzutreten.
Du spielst neuerdings wenig Klavier. - Hat es Sie sehr gestört?
Im Gegenteil, es fehlt mir. - Vater unterrichtet mich seltener.
Er komponiert an einer Oper. Eine Kinderoper.
Oh, wie schön! So was wird gebraucht wie Brot.
Diese Fenster, diese Gucklöcher. Rein gar nichts kann man sehen.
Kein Seitenlicht, kein Oberlicht. Ein Atelier müsste man haben.
Ein helles Atelier. - Warum mieten Sie sich keins?
Weil es keine zu mieten gibt. Ateliers sind selten.
Vati hat ein Atelier. - Ja, ich weiß. Am Ring.
Mit großen Fenstern und Licht von oben.
Herr Gabele.
Ja?
Zum Komponieren braucht man doch nicht so viel Licht wie zum Malen.
So große Fenster und Licht von oben.
"Nein, diese Kinder", denkt Herr Gabele.
"Was spinnt sich da an? Was hat sie wohl vor?"
(Klaviermusik dringt aus der Wohnung.)
(Türklingel)
(Es klingelt noch einmal.)
Vati, ich bringe dir nur rasch frische Blumen.
Du scheinst bei deiner Tochter unter dem Pantoffel zu stehen.
Sie hat eine dezidierte Art.
Und sie tut immer das Richtige. Da kann man nichts machen.
Ich koche nur rasch einen Kaffee für deinen Besuch.
Irene Gerlach weiß, was sie will. Sie will Herrn Palfy heiraten.
Noch ahnt er nichts davon.
Aber sie wird es ihm schon beibringen.
Ein Hindernis ist freilich da: dieses merkwürdige Kind.
Nun, mit dem Fratz wird sie auch noch fertig werden.
Trinken wir eine Schale Kaffee.
Ich trinke zur Gesellschaft mit. - Wie viel Milch?
Halb und halb. - Bitte, meine Dame.
Vielen Dank, mein Herr.
Na, was hast du seit dem Mittagessen erlebt?
Erst habe ich Klavier gespielt und dann war ich bei Herrn Gabele.
Hat er dich gezeichnet? - Er hat es probiert.
Es ging nicht recht. Er braucht Licht von oben.
So wie hier. - Dann soll er ein Atelier mieten.
Das habe ich ihm auch gesagt. Aber alle Ateliers sind vermietet.
Zum Komponieren braucht man eigentlich kein Oberlicht, oder?
Nein, eigentlich nicht.
Vati. - Ja?
Wenn du nun mit Herrn Gabele tauschtest?
Dann hätte er sein Atelier.
Und du wohntest neben Resi und mir. Genauso allein wie hier.
Doch wenn du Gesellschaft willst, kommst du über den Flur.
Und mittags können wir daheim essen.
Und wenn du Klavier spielst, hören wir es durch die Wand.
Wie man sich verplaudern kann! Gerade bei interessanten Gesprächen.
Ich bringe Sie hinaus. - Auf Wiedersehen.
Und danke für den guten Kaffee. - Auf Wiedersehen.
Auf heute Abend. - Falls du Zeit hast.
Wieso? - Vielleicht ziehst du um.
Deine Tochter hat bestimmt schon Möbelpacker bestellt.
(Er spielt ein paar Töne.)
(düstere Klaviermusik)
Ich gehe jetzt, Vati.
Kommst du zum Abendessen? - Nein, heute nicht.
Hör mal, Luise.
Ich mag es nicht, wenn andere Leute sich meinen Kopf zerbrechen.
Auch meine Tochter nicht. Ich weiß, was für mich am besten ist.
(weinend) Natürlich, Vati. - Schlaf gut!
Kindertränen, auch das noch!
Dabei soll man nun eine Kinderoper komponieren.
Die Tränen hingen in den Wimpern wie... Tautropfen an Grashalmen.
(Er spielt eine sanfte Tonabfolge.)
Wozu Kindertränen doch gut sind!
Ja, so ein Künstler ist fein heraus.
Er hat seine Kunst und das Fräulein Gerlach dazu.
Aber so ein Kind...
Was fängt das in all den Wochen mit seinem heimlichen Kummer an?
(Klavierspiel aus dem Wohnzimmer)
Vati, wie schön!
Soll ich dir einen Kaffee machen? - Nein, nein, danke.
Komm und setz dich!
(Räuspern)
Ja, ich... ich muss mit dir sprechen.
Es handelt sich um eine wichtige und sehr ernste Angelegenheit.
Also, Luise...
Seit deine Mutter nicht mehr da ist, bin ich allein gewesen, 7 Jahre lang.
Natürlich nicht völlig allein, ich habe ja dich.
Aber es wird sich etwas ändern in meinen und auch in deinem Leben.
Kurz und gut, ich werde heiraten. - Nein!
Nein, Vati. Bitte, bitte, nein.
Du kennst Fräulein Gerlach. Sie hat dich sehr gern.
Und böse Stiefmütter gibt es nur im Märchen.
Du bist der tapferste kleine Kerl, den es gibt.
Auf dich ist Verlass.
So, und jetzt muss ich mit Pfeidler den "Rigoletto" korrepetieren.
Also servus, Luise.
(verzweifelt) Vati!
Es klingt, als ob jemand ertränke.
"Aber", denkt der Herr Palfy, "im Wohnzimmer ertrinkt man nicht."
Mutti, Mutti, Mutti, was soll ich nur tun?
Der Herr Kapellmeister. Waren Sie bei der Luise?
Nein, ich komme direkt aus China.
Aus China?
Das muss ein Irrtum sein.
Nanu? Bleibst du nicht zur Jause?
Wie komme ich zur Cobenzlstraße? - Cobenzlstraße, Cobenzlstraße.
Wo ist die denn? Ach, ich weiß schon.
Das fährst du mit der Dreier bis zur Endstation...
(bedrohliche Musik)
(spannende Musik)
(Klopfen)
Ja! - Ein Kind möchte Sie sprechen.
Ein Kind? - Luise Palfy heißt sie.
Führen Sie sie herauf!
Wie hübsch, dass du mich besuchst.
Kochen Sie uns eine Schokolade und bringen Sie uns Waffeln!
Ich hätte dich einladen sollen. - Ich bleibe nicht lange.
So? Aber zum Hinsetzen wirst du hoffentlich Zeit haben.
Bist du zufällig vorbeigekommen?
Nein. Ich muss Ihnen etwas sagen. - Ich bin ganz Ohr.
Vati sagte, Sie wollen ihn heiraten.
Hat er das wirklich so formuliert?
Sagte er nicht, dass er mich heiraten will?
Also, mein Kind, ja. Dein Papa und ich wollen heiraten.
Und du und ich? Pass auf.
Wenn wir erst mal zusammenwohnen, werden wir die besten Freundinnen.
Wir geben uns beide Mühe. Meine Hand drauf.
Sie dürfen Vati nicht heiraten. - Und warum nicht?
Weil Sie es nicht dürfen. - Das ist keine gute Erklärung.
Du willst mir die Heirat verbieten?
Ja.
Also das ist wirklich allerhand.
Ich muss dich bitten zu gehen.
Ob ich deinem Vater von diesem Besuch erzählen werde, weiß ich noch nicht.
Sollte ich es unterlassen, dann nur wegen unserer späteren Freundschaft.
Ich will ihr nichts in den Weg legen. Auf Wiedersehen.
Lassen Sie uns so, wie wir sind. Bitte, bitte!
Da hört sich doch alles auf. So ein Fratz!
Du isst ja heute gar nichts.
Du schaust aus wie ein Gespenst.
Was hast du denn?
Magst du was anderes essen?
Du schläfst ja mit offenen Augen.
Aufgewacht!
Du hast ja Fieber.
Du gehst sofort ins Bett.
Nichts dem Vati erzählen. - Nein, nein, Schatzi.
Der Herr Hofrat muss her.
Masern? - Keine Spur.
Grippe? - Sie können laut reden.
Sie hat eine Spritze bekommen.
Es ist offenbar die Auswirkung einer inneren Krise.
Wissen Sie was davon? - Nein.
Haben Sie eine Vermutung oder einen Anhaltspunkt?
Ist gestern oder heute was passiert? - Ich weiß nicht, ob es das ist.
Aber heute Nachmittag ging sie weg. Zu jemandem in der Cobenzlstraße.
Sie wird jetzt bis morgen früh durchschlafen.
Und dann?
Um 7 bin ich wieder da.
Ja, der Inspizient rief an, als ich gerade gehen wollte.
Was fehlt ihr denn? Masern oder Grippe?
Ach, du Armer. Wo ich heute so nett zu dir...
Was? Ja, sie war bei mir. Aber warum erzählt sie dir das?
Was sie wollte? Das lass dir von ihr erzählen.
Also gut. Sie wollte mir verbieten, deine Frau zu werden.
Hallo?
Hallo?
So ein kleines Biest!
Kämpft mit allen Mitteln. Legt sich hin und spielt krank.
Nervenfieber hat das Kind. Kopf hoch!
Morgen früh wissen wir mehr.
Ich brauche Sie nicht mehr, Resi. - Soll ich nicht...
Schlafen Sie gut! - Gut schlafen? Das sagen Sie so.
Frau Körner!
Herr Doktor? - Saure-Gurken-Zeit.
Woher ein Titelbild nehmen? - Die Meisterin im Turmspringen?
Hübsch? - Fürs Turmspringen reicht es.
Neulich hat ein Dorffotograf Fotos von Zwillingen geschickt.
Zum Totlachen ähnlich. Wo seid ihr, ihr Frauenzimmer?
So was gefällt dem Publikum immer. Ein paar hübsche Zwillinge.
Na endlich!
Wird gemacht.
Dichten Sie eine Unterschrift!
Erfinden Sie eine Story. Das können Sie ja so gut.
Der Text hat bis morgen Zeit. Ich danke Ihnen, liebe Körner.
Nein, heute haben wir wieder nichts. - Das verstehe ich nicht.
Womöglich hat man dich vergessen. - Nein, nein.
Ich komme morgen wieder. - Ist recht. Was kochst du heute?
Rippchen mit Kraut. - Oh, da wäre ich gern dabei.
Heute riecht es besonders gut! Was gibt es denn Feines?
Rippchen mit Kraut von der Meisterköchin Lotte.
Wie schnell du Kochen gelernt hast!
Ja, ich hätte nie gedacht, dass ich es so schnell...
Luise.
Luise.
Luise.
Mein Kind.
Die Beichte war lang und wortreich und die Absolution kurz und wortlos.
Ach, ist das schön, endlich die Wahrheit zu sagen.
Ihr seid mir schon 2 raffinierte Frauenzimmer.
Was soll nun werden?
Lotte hat sicher Heimweh nach dir. Und du nach ihr, und ich auch.
Nach ihr und... - Nach deinem Vater, gell?
Aber warum schreibt sie nicht mehr? - Ich mache mir Sorgen.
(Telefon klingelt.)
Ja? - Ein Ferngespräch aus München.
Wer ist es denn? Die Konzertdirektion Keller?
Hier Palfy.
Wer ist dort?
Luiselotte?
Ja, ja, das Kind ist krank. Aber ich verstehe nicht...
Wieso du und Luise?
Was?
Nein. Nein, das... das ist doch...
Das ist doch unglaublich.
Was, du auch nicht?
Ich bin wie vor den Kopf geschlagen.
Bitte?
Nervenfieber, ja. Auf dem Wege der Besserung.
Gewiss, der Hofrat kennt Luise von klein auf.
Ach so, ja, es ist ja Lotte. Ich kenne mich auch nicht mehr aus.
Ach!
Vati. Lieber, lieber Vati. Hier ist Luise. Grüß dich Gott.
Sollen wir nach Wien kommen?
Mit dem Flugzeug morgen früh? Doch, das wird schon gehen.
Grüß dich, Ludwig.
Meine Frau kommt morgen. Meine geschiedene Frau.
Lottes Mutter. - Lottes?
Und die Luise kommt auch mit. - Da liegt sie doch!
Nein. Das ist der Zwilling.
(Telefon klingelt.)
Es ist doch nicht die Möglichkeit.
Fräulein Gerlach ist am Telefon.
Bist du denn übergeschnappt? Rasch ins Bett!
Grüß Gott. - Du kannst dir den Tod holen.
Peperl! Grüß dich, Peperl.
Es ist nicht das Kind, das Sie meinen.
Grüß Gott, Resi. - (Strobl) So ein paar Intriganten.
Sie sind also Resi. - Ich zeige Ihnen den Weg.
Ich kenne mich aus. - Bitte, passieren zu dürfen.
Verzeihen Sie. - Beißen Sie die Zähne zusammen!
Wer weiß, wie lange Sie sie haben. - Moment, schöne Frau!
Mutti.
Peperl schaut unschlüssig zwischen den 2 Kindern hin und her.
Einen netten, kinderlieben Hund so in Verlegenheit zu bringen!
Guten Tag allerseits.
Na? Wie geht es der Patientin? - Schon viel besser.
Haben wir endlich Appetit? - Wenn Mutti kocht.
Na also.
Aha, Puls normal. Temperatur?
Gestern Abend 37,2°. - (Strobl) Heute morgen 36,9°.
Verzeih, ich begrüße dich erst jetzt. - Danke, dass du gekommen bist.
Du bist über den Berg, Luise. - Danke schön.
Was? - Oder meinen Sie mich?
Au, mein Kopf! - Das geht vorüber.
Komm, Peperl, reiß dich los von diesen trügerischen Weibsbildern!
Mutti weiß nichts von Fräulein Gerlach.
Wir dürfen es ihr nie sagen.
Eine Mutter ist eine Medizin, die man nicht kaufen kann.
Können Sie so lange bleiben, bis die Luise... Lotte gesund ist?
Ich denke schon.
Na? Das Künstlerherz wird ihm bluten, wenn viele Leute da sind. Nur Geduld!
Bald sind Sie wieder allein. Bis morgen.
Au!
Mit einem sauberen Messer flach drücken!
Danke schön.
Der wertvolle Rat kostet nichts.
Komm, Peperl! - Die Tasche, Herr Doktor.
Und am Abend verlässt dann auch der Herr des Hauses die Wohnung.
Falls etwas ist, ich bin im Atelier. - Mach dir keine Sorgen!
Du hast viel Schlaf nachzuholen.
Gute Nacht. - Gute Nacht.
Kommst du zum Frühstück? - Ja, ich komme.
(Türklingel)
Du? - Erraten.
Warum lässt du dich am Telefon verleugnen?
Findest du das sehr geschmackvoll? - Ich konnte nicht mit dir reden.
Das Kind war sehr krank. - Aber es geht ihm besser.
Sonst wärst du drüben. - Ja, es geht ihm besser.
Und meine Frau ist da. - Wer?
Meine geschiedene Frau. Sie kam mit dem anderen Kind.
Mit dem anderen Kind? - Es sind Zwillinge.
Sie begegneten sich im Kinderheim.
Dann fuhr Luise nach München, und Lotte kam zu mir.
Raffiniert eingefädelt von deiner Geschiedenen.
Sie weiß es erst seit gestern.
Die Situation ist nicht unpikant.
Mit einer Frau bist du nicht mehr, mit einer noch nicht verheiratet.
Es gibt viele Frauen, mit denen ich nicht verheiratet bin.
Witzig kannst du auch sein. - Entschuldige, ich bin so nervös.
Entschuldige, ich auch.
Die Zeit heilt Wunden, die Zeit heilt Krankheiten.
Lottchen ist gesund und trägt Zöpfe, und Luise hat wie einst ihre Locken.
Oft geht es lustig zu, nur manchmal sehen sich die Mädchen ängstlich an.
Denn was wird werden?
(heitere Klaviermusik)
Bravo! Schön!
Bravo, die Kapelle! Bravo! - Bravo! Bravo!
Warum haben wir euch eigentlich nichts schenken dürfen?
Wir wünschen uns etwas, was man nicht kaufen kann.
Und was wünscht ihr euch? - Dass Lotte und ich zusammenbleiben.
Dann braucht ihr uns nie wieder etwas zu schenken.
Zu keinem Geburtstag und zu keinem Weihnachtsfest.
Ihr könnt es doch versuchen.
Wir werden gut folgen, noch viel mehr als jetzt.
Das versprechen wir euch.
Daumen halten!
Wenn es dein Wille ist, so kannst du beide Kinder mit nach München nehmen.
Aber vielleicht dürfen sie mich alljährlich 4 Wochen besuchen.
Oder 3 Wochen. - Ach, Ludwig.
Spürst du nicht, wonach sie sich sehnen?
Ja, sie möchten, dass du und ich zusammenbleiben.
Uns beide wollen sie haben. Ist das unbescheiden?
Nein.
Aber auch bescheidene Wünsche sind manchmal nicht erfüllbar.
Warum nicht erfüllbar?
Das fragst du mich? Nach diesen 7 Jahren?
Das frage ich dich, nach diesen 7 Jahren.
Betest du?
Komm, Herr Jesu, sei unser Gast, segne, was du uns bescheret hast!
Es passt nicht. Aber mir fällt nichts anderes ein.
Das Gebet hat nicht gepasst, aber es hat trotzdem geholfen.
(Peperl bellt.)
Ah, ein vierbeiniger Trauzeuge.
Tja...
Herzlich willkommen im alten und neuen Heim!
Danke schön, Resi.
Hereinspaziert in die gute Stube! - Ich muss noch kurz ins Atelier.
Bitte, Frau Palfy.
Wenn das Essen fertig ist, klingelt ihr.
Das war der Herr Gabele. - Juhu!
(Kinderlachen von nebenan)
Drüben werden wir zu viert glücklich sein, hier ich allein.
Aber Wand an Wand mit euch.
Ich hätte nie geglaubt, dass man Glück nachholen kann.
(Er spielt eine heitere Melodie.)
(Klaviermusik von nebenan)
Das ist Vatis Kinderoper.
(Das Orchester spielt die Kinderoper.)
Copyright MDR 2016 UT: zeile 21 / Frank H. Richter
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