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(ernste Streichermusik, militärische Trommeln)
DAS GOLDENE UFER
(getragene Streichermusik)
(Mamsell) Wer weiß, was die schießen.
Vielleicht Hirsch, wir bereiten aber auch alles für Reh vor.
Und um ganz sicher zu sein, auch für Hase. Schnell, schnell!
Husch, husch! Vorwärts!
Gisela, ich bin so gespannt! - Worauf?
Na, auf die junge Frau von Gehlen.
Ob sich der junge Herr in sie verlieben wird?
Stell dir vor, vielleicht heiraten sie sogar!
Das tun sie ganz bestimmt.
Dafür wird sie schon sorgen.
Die gnädige Frau? Warum?
Weil die junge Frau von Gehlen eine gute Partie ist.
Weil sie so schön ist?
Ja, Lottchen. Weil sie so schön ist.
Sie werden heiraten und für immer glücklich und schön sein.
Das kennst du doch von der gnädigen Frau.
Sieht sie nicht immer ganz furchtbar glücklich aus?
Was hast du gerade gesagt?
Verzeiht, gnädige Frau. Verzeiht.
Wie lange bist du jetzt bei uns?
Zehn Jahre, gnädige Frau.
Mein Mann hat dich vor den Franzosen gerettet,
damals in Waterloo?
Ja, gnädige Frau.
Also verdankst du uns dein Leben?
Ja, gnädige Frau.
Warum bist du dann nicht dankbar?
Das bin ich. Es tut mir leid.
Versammelt euch in der Küche!
Ich will euch etwas mitteilen.
Die gnädige Frau meint es nicht so. Sie ist nur aufgeregt, wie wir alle.
Und deswegen darf sie mich zu Boden schlagen? Dieser Drachen!
Was redest du da?
Nichts, Lotte. Sie meint es nicht so. Sie ist nur aufgeregt.
Denk dir nur, wenn der junge Herr heiratet!
Dann wird die junge Frau von Gehlen eines Tages unsere Herrin sein!
Wenn der gnädige Herr und die gnädige Frau nicht mehr sind, mein ich.
Lotte, bis dahin dauert es noch ewig!
Willst du den Rest deines Lebens hier die Asche ausputzen?
Natürlich nicht. Ich will mal Kammerzofe werden.
Stell dir vor, ich als die Kammerzofe von der jungen Frau von Gehlen!
Du bist eine gute Seele, aber eine Revolte ist mit dir nicht zu machen.
Eine was? - Eine Revolte, wie in Amerika.
Amerika! Wo hast du das nun wieder her?
In Amerika soll jeder frei sein zu tun, was er möchte.
Sein Glück zu suchen, wie er möchte.
Dort kann ich Kammerzofe werden, nur weil ich es will?
Ja, Lottchen - genau das.
Genau das ...
(Willibald) Wir sollen alle in die Küche.
Die Gräfin.
(flüstert) Die werden sich noch wundern.
Der Wachmann der Familie von Klasten unterrichtet mich,
dass ein gefährlicher Verbrecher in unserer Gegend sein Unwesen treibt.
(Raunen)
Unser geschätzter Nachbar
ist auf seinem Hof betrogen und bestohlen worden.
Von einem seiner eigenen Knechte.
Ja, so weit ist es jetzt gekommen.
Der Dieb ist auf der Flucht.
Er wurde bis in unsere Wälder verfolgt,
konnte aber leider nicht gefasst werden. Wache?
(Wache) Der Mann ist 60-jährig, kahlköpfig
und trägt die Kluft eines Holzknechtes.
Sein Name ist Mathias.
Wenn ihr ihn seht, ergreift ihn.
Jeder Versuch, diesem Mann zu helfen,
wird als Verschwörung angesehen.
Und mit dem Tod bestraft.
(ängstliches Raunen)
Zurück an die Arbeit.
Gisela! Bleib.
Geh zur Mamsell und lass dich bestrafen. Fünf Hiebe.
Danach will ich dich oben nicht mehr sehen.
Und säubere deinen Kittel.
Du kannst dich auf den Rückweg machen.
Und richte deinem Herrn mein Mitgefühl aus.
Sehr wohl, gnädige Frau.
Ich rate ihm, sein Haus in Zukunft mit festerer Hand zu führen.
Die Zeiten sind unruhig.
Niemandem ist gedient, wenn Fälle wie dieser sich herumsprechen.
Und am Ende noch Schule machen.
Was ist passiert?
Ich habe die gnädige Frau nassgespritzt.
Warum?
Ich dachte, vielleicht lacht sie mal.
Sie ist doch immer so ernst, ich mach mir Sorgen.
Gisela ...
Warum? Es war ein Versehen, natürlich.
Ein lächerliches Missgeschick.
Ihr Kleid muss gewaschen werden, das Wasser aufgewischt.
Wäre mir das hier unten passiert,
würde jetzt niemand mehr daran denken.
Und dort oben? Fünf Stockhiebe. Was gibt ihr das Recht?
Niemand gibt es ihr, sie hat es einfach.
Das stimmt, und das macht es nur noch ungerechter!
Nicht so laut!
Mit mir kannst du so reden, aber bitte lass das niemand anders hören.
Die Herrin ist streng mit uns, das bestreite ich ja gar nicht ...
Streng? Sie ist nicht streng mit uns, du bist milde mit ihr!
Hast du gehört, was sie gesagt hat? Sie hat uns mit dem Tod bedroht!
Sie hat ... - Das darf sie nicht.
Noch nicht mal sie, der Graf auch nicht. Es gibt Gerichte.
Still jetzt! Die Gerichte sind weit weg.
Und glaube ja nicht, dass eine Putzmagd dort Gehör findet,
die eine Gräfin beschuldigt.
Es ist ein alter Mann.
Ein Dieb. - Ein Holzknecht.
Was hat er wohl gestohlen? Und warum? Danach wird niemand fragen.
Nein, und auch du solltest das tunlichst unterlassen!
Und das findest du gerecht?
Es ist, wie es ist!
Und daran wirst du genauso wenig etwas ändern wie ich.
Und jetzt ist Schluss damit.
Du hast recht.
Stockhiebe sind immer noch besser als mit Diebold
den ganzen Tag durch den Wald zu pirschen.
Wenn er wenigstens richtig schießen könnte.
Warum sollte er irgendwas können? Er hat doch dich.
Wünsch mir robuste Nerven.
Wir sehen uns zum Abend.
Sehr schöne Handwerkskunst, von Gehlen.
Nicht wahr, Diebold?
Ja, Vater. Wunderschön. Meinen Glückwunsch, Graf von Gehlen.
Meine Erwartungen an Sie sind hoch, Herr Diebold.
Ich werde nichts unversucht lassen,
mich der Hand Ihrer Tochter als würdig zu erweisen.
Ich spreche von der Jagd, junger Mann.
Ihr Vater ist ein hervorragender Schütze.
Ich bin gespannt, wie Sie sich schlagen.
Ich hoffe, dass ich weder ihm noch Ihnen eine Enttäuschung sein werde.
Herr Senneisen.
Wurde auch Zeit. Warst du wieder bei deiner kleinen Magd?
Verzeiht, ich bin aufgehalten worden.
Ich kann's dir nicht verübeln.
Eine junge Frau gewinnt noch immer gegen ein paar alte Männer im Wald.
(abenteuerliche Musik)
(Von Gehlen) Ich muss schon sagen, Rennitz,
als Jagdrevier kann Ihr Wald sich sehen lassen.
(Rennitz) Sie kennen ja die Trophäensammlung meiner Familie.
Gegen manche der Geweihe, die dort hängen,
nimmt sich dieser Hirsch bescheiden aus.
Kneift Euer Auge nicht zusammen. Haltet es ruhig geschlossen.
Wie er seine Flanke anbietet ... - Etwas Druck auf den Abzug,
damit Ihr ihn beim Schuss nur wenig bewegen müsst.
Das Wichtigste: Haltet nicht die Luft an.
Atmet ruhig ein und wieder aus.
Wenn Eure Lungen zur Hälfte etwa leer sind,
haltet inne - und schießt.
Deine Schuld.
Mein Bursche hat gezuckt.
Verzeihung.
Der nächste Schuss sitzt bestimmt, junger Mann.
Wollen wir uns die Roteichen anschauen?
Gerne.
Herr Diebold. - Herr Graf.
Allerdings wird der nächste Schuss sitzen, Schwiegervater.
Frag nach der Hochzeitsnacht deine Tochter.
Haben Sie von den Studenten gehört, die in Braunschweig aufbegehrt haben?
(Rennitz) Das sind doch Fantasten.
Spätestens seit Waterloo ist die Welt zur alten Ordnung zurückgekehrt.
(Von Gehlen) Dem Namen nach, ja. Königreich Hannover.
Und doch ist nichts mehr so, wie es einmal war.
Ich glaube, dass Häuser wie unsere in Zukunft nur bestehen können,
wenn sie sich von den alten Privilegien trennen.
Die Bürgerlichen kämpfen mit allen Mitteln,
um den besten Ertrag zu erzielen, wie man hört.
Die Abgaben, die unsere Bauern an uns zu leisten haben, sinken stetig.
Viele Häuser wie die unseren sind deshalb hoch verschuldet.
Sind Sie verschuldet?
Schau, wie sie schachern.
Sie träumen vom Imperium derer von Rennitz zu Gehlen.
(Rennitz) Wir haben seit jeher den Großteil unserer Einkünfte
aus dem Holzhandel bestritten und können unsere Schulden
deshalb stetig tilgen. - Das weiß ich.
Ich will da ganz offen sein, Rennitz: Nur deshalb bin ich hier.
Haben Sie einen guten Verwalter?
Senneisen dient unserer Familie seit vielen Jahren.
Ich habe eine Nachricht für Gutsverwalter Senneisen!
Von wem?
Von Dübner, aus Göttingen. - Gott sei's gedankt.
(Rennitz) Gleich morgen wird Senneisen
mit dem Bürgerlichen Dübner einen Kontrakt schließen.
Wie im letzten Jahr werden wir für ihn einhundert Klafter schlagen.
Dann werden wir bald eine Vermählung zu feiern haben.
Um die Hochzeitsnacht, von der Ihr sprecht,
beneidet Euch jeder Mann im Lande.
Du musst reden! Die Magd, mit der du immer bist - Gisela?
Ich möcht sie verschlingen.
Jetzt sag schon, treibst du es mit ihr oder nicht?
Warum nicht, in Gottes Namen?
Wir kennen uns, seit wir Kinder sind.
Sie ist wie eine Schwester für mich.
Ich verstehe - sie will also nicht.
Manche Dinge sind nicht so einfach, wie sie aussehen.
Solche Dinge mag ich nicht.
Das Schießen gehört auch dazu.
Diebold? Kommst du? - Ich komme!
Mach dich nützlich. Treib mir was vor die Flinte.
Gnädiger Herr. - Ab!
(Mamsell) Fünf Hiebe? Was hast du wieder angestellt?
Nichts, natürlich.
Nichts, natürlich. Selbstverständlich, rein gar nichts.
"Hauchdünn" heißt nicht fingerdick!
Hast wohl wieder Flausen von Amerika gesponnen,
vom "Land der Freiheit" - kein Wunder, dass sie dich bestrafen ...
Die Herrin hat ein paar Spritzer Wasser auf ihr Kleid bekommen.
Willibald, was machst du noch hier?
Soll der Mehlsack von selbst hierher wandern?
Das ist nicht "Nichts", Mädchen.
Das sind Flecken auf dem Kleid deiner Herrin.
Ho, ho, ho!
(Gewehrschuss)
Stell dir vor, so ein Halunke hier bei uns in der Gegend.
(Schmerzensschrei)
Wer weiß, was wirklich war. - Was soll das heißen?
Vielleicht hat ihm jemand den Diebstahl nur unterstellt,
weil er zu vorlaut war. (Schmerzensschrei)
Aber danach fragt ja niemand.
Hab ich nicht etwa recht?
Und das erste Mal wäre es auch nicht.
(Schmerzensschrei)
Das erste Wild ist da.
Hol das Mehl! Sonst kannst du dich gleich dazustellen!
Wie oft hab ich zugehauen? - Viermal.
(Schmerzensschrei)
Das ist das letzte Mal, dass ich so etwas aus deinem Mund gehört habe.
Hast du mich verstanden? - Ja.
Gut. Dann geh wieder zurück an die Arbeit.
Die Herrin hat gesagt, ich darf nicht wieder nach oben.
Ach so, dann ... mach die Latrine sauber.
(geheimnisvolle Musik)
(leises Prasseln)
(Schritte)
(spannende Musik)
Herr Senneisen!
Walther.
Treibst du Wild?
(entfernte Schüsse)
Und erfolgreich, wie es scheint.
Ich will mir den Borkenkäferbefall ansehen, drüben bei den Felsen.
Das müssen Sie nicht. Ich war gerade dort. Es sieht gut aus.
Die Entrindungen zeigen ihre Wirkung.
Dann war deine letzte Arbeit bei mir damals eine Gute, Walther.
Ich hatte den besten Lehrer.
Es ist ein Jammer, dass du nicht meine rechte Hand geblieben bist.
(Fanfaren)
Die Jagd ist vorbei.
Kommen Sie, wir gehen gemeinsam zum Haus zurück.
Schon? Ich ...
Vielleicht werfe ich doch noch selbst einen Blick auf die Borkenkäfer ...
Herr Senneisen ...
Was bedrückt Sie?
Ich habe sehr schlechte Nachrichten für den gnädigen Herrn.
Welche? Kommen Sie.
Dübner will nicht mehr unser Holz kaufen. Keinen einzigen Stamm.
"Der Markt hat sich verändert", schreibt er.
Die besten Preise erzielt man für Holz,
das sich für den Schiffsbau eignet.
Und dafür ist unser Holz zu jung.
Und der Graf weiß von nichts? - Eine Katastrophe!
Der gnädige Herr wird mich für alles zur Rechenschaft ziehen,
obwohl ich doch nur seine Anweisungen befolgt habe.
Gib acht mit dem Eimer!
Der bringt dir heute kein Glück. - Verschwinde.
(melancholische Musik)
Wann dürfen wir Ihre Gattin erwarten, Herr Graf?
Heute Nachmittag, zusammen mit Florentine.
Sie werden sich zurückziehen wollen.
Ich freue mich auf das Bankett heute Abend.
Man zeigt Ihnen Ihre Unterkunft. - Danke.
War alles zu deiner Zufriedenheit, Vater?
Senneisen, was ist?
Herr, darf ich Sie um eine kurze Unterredung bitten?
In einer Stunde, ich lasse Sie rufen.
Der Graf schien angetan.
Von Rennitz ist er sicher angetan. Aber von dir?
Jeder Blinde hätte diesen Hirsch erlegt.
Ich erzähle von Gehlen, wie stolz die Familie auf ihre Jagdtrophäen ist
und mein Sohn verfehlt ein Scheunentor. War das Absicht?
Wolltest du mich lächerlich machen? - Walther hat gezuckt.
Schieb nicht deinen Burschen vor!
Das war der Gipfel der Peinlichkeit.
Denkst du, von Gehlen hat das geglaubt?
Walther? - Gnädiger Herr.
Hast du gezuckt und den Lauf der Büchse verrissen?
Sag die Wahrheit.
Ja, es tut mir leid.
Sag, freut es dich, dass du kein Forstgehilfe mehr bist,
weil mein Sohn dich als seinen Burschen auserkoren hat?
Eurem Sohn zu dienen ist mir die höchste Ehre, Herr.
Nimm dir ein Beispiel an diesem Knecht.
Er weiß, was Loyalität ist.
Weißt du, was der Witz ist an der Sache?
Es war keine Absicht.
Ich bin ein schlechter Schütze, das ist alles.
Das dürft Ihr nicht denken.
Wenn Ihr denkt, dass Ihr etwas nicht könnt, könnt Ihr es auch nicht.
Sag mir nicht, was ich denken soll. - Verzeihung.
Geh dich waschen und komm dann auf mein Zimmer.
Wir wollen uns heute Abend doch von unserer besten Seite zeigen.
Das musst du dir anschauen!
(flüstert) Los, dreh dich schon um.
Fort mit euch! - Gisela!
Schämt euch!
Wie lange bist du schon hier gestanden?
Lange genug, um zu sehen, dass deine Sünde die Eitelkeit ist,
Walther Fichtner.
Das wirst du mir jetzt vorhalten, bis ich alt und grau bin.
Es ist nicht nett, sich anzuschleichen.
Wie war's im Wald?
Gut. Nichts Besonderes.
Walther, was ist?
Nichts, das sag ich doch. Warum fragst du?
Weil ich dich gut genug kenne, um zu wissen,
wenn "nichts Besonderes" genau das Gegenteil bedeutet.
Und wie immer überschätzt sie sich maßlos.
Du hast einfach kein Talent, Dinge zu verbergen,
das hat man gerade wieder erleben dürfen.
Gisela ... - Ich höre schon auf.
Gut.
Hat es mit dem Dieb zu tun?
Nein. - Walther ...
Hast du ihn gesehen?
Wo?
Das werde ich dir nicht sagen.
Wer weiß, auf was für Ideen du kommst.
Walther!
Er hat es trocken, wenn dich das beruhigt.
Jetzt Schluss damit, kein Wort mehr von mir.
Er hat es trocken, mitten im Wald?
Dann ist er bei unserem Felsen.
Hätte ich bloß mein Maul gehalten.
Dieser Mann hat sein Schicksal selbst gewählt.
Er wollte stehlen, obwohl ihn das den Kopf kosten kann.
Jetzt hat er die Folgen zu tragen.
Warum hast du ihn dann nicht verraten?
Niemand muss davon erfahren.
Niemand hat mich gesehen.
Außerdem geht es mich nichts an, und dich auch nicht!
Ich muss daran denken, dass es vielleicht bald ich bin da im Wald.
Weil mir ein Eimer umkippt. Oder du, weil du einen Fehler machst.
Niemand bestraft uns wegen Nichtigkeiten mit dem Tod.
Aber wegen deines losen Mundwerks vielleicht.
Ich hänge an dir, Gott weiß warum. Also bitte, lass gut sein.
Wo ist mein Bursche?
Im Waschhaus, gnädiger Herr. Soll ich ihn holen?
Ich hole ihn selbst.
Natürlich verstehe ich dich, aber ich ...
Gnädiger Herr! - Gnädiger Herr!
Was gibt es denn hier? Die Zähmung der Widerspenstigen?
Sie suchen mich?
Ich muss mich umziehen, von Gehlens treffen bald ein.
Verzeihung.
Komm du auch mit. Und bringe heißes Wasser.
Meine Füße schmerzen.
Verzeihung, die gnädige Frau hat mir verboten, nach oben zu gehen.
Ich verstehe, dann lässt du dich besser nicht erwischen, was?
(bedrohliche Musik)
Hast du schon von dem Aufwiegler gehört,
der die Gegend unsicher macht? - Ja, Herr.
Meine Mutter ist empört.
Ein kleiner Dieb im Wald und sie wittert eine Revolution.
Und den Graf von Gehlen will sie vermutlich auch beeindrucken.
Das wär's ... der Dieb!
Das wäre eine Trophäe, die ich ihnen bringen müsste.
Aua! Was machst du da?
Verzeihung, gnädiger Herr.
Du sollst mir nicht die Haut abschaben!
Verzeihung! - Geh, es reicht.
Den Rest mache ich selbst.
Ich hoffe, deine Liebste fasst dich unten sanfter an als mich.
Sie ist nicht meine Liebste!
Verzeiht.
Dann würde es dich nicht stören,
wenn ich sie nachts mal besuche, oder?
Noch bin ich nicht verlobt.
Walther!
Ich kann nur hoffen, dass ich meine Zukünftige so lieben lerne,
wie du dieses Mädchen liebst.
Wärst du lieber Forstgehilfe geblieben, anstatt mir zu dienen?
Senneisen kommt auch ohne mich zurecht.
Und ich? Ich komme nicht ohne dich zurecht?
Das wollte ich nicht sagen, verzeiht.
(Rennitz) Aber das ... das ist unmöglich!
Wir haben nicht mehr das Holz, das seinen Anforderungen entspricht?
Aber ich habe von Gehlen den Verkauf an Dübner angekündigt.
Verzeiht, Herr, das ist nicht alles, was auf dem Spiel steht.
Wenn wir das geschlagene Holz nicht verkaufen,
werden wir unseren Verpflichtungen nicht nachkommen können.
Wir müssen einen anderen Käufer finden, schon übermorgen.
Sie müssen ihn finden?
Sie haben noch niemanden an der Hand?
Dübner war immer zuverlässig, ich dachte, sein Wort zählt.
Das Wort eines Kaufmanns ...
Die Bürgerlichen kämpfen mit allen Mitteln,
das hat auch von Gehlen eben gesagt.
Ich habe gesagt, dass ich keine Zweifel an meinem Verwalter habe!
Dieser Verwalter sind Sie, Senneisen!
Ich werde in Göttingen mein Bestes geben, gnädiger Herr.
Nein, danke! Alles, nur das nicht!
Senneisen ...
Wir sind den heutigen Anforderungen des Marktes nicht mehr gewachsen.
Deshalb kann ich die Verantwortung nicht in Ihre Hände legen.
(Rennitz) Wem trauen Sie es zu?
(Senneisen) Wenn ich jemanden vorschlagen soll,
wäre es der Leibdiener des jungen Herren.
Er ist sehr tüchtig, Herr, und talentiert.
(Rennitz) Das befähigt ihn doch nicht zu einer solch heiklen Mission.
Er hat weder die Ausbildung, noch die Erfahrung.
(Senneisen) Das ist wohl wahr.
(Rennitz) Sie hatten mir Walther
schon einmal als Ihren Nachfolger empfohlen.
Ich machte ihn zu Diebolds Burschen.
Ihr seid dem drängenden Wunsch eures Sohnes gefolgt, Herr.
Eine andere Möglichkeit sehen Sie nicht?
Ich fürchte nein.
Ich kann nicht glauben, dass wir erwägen,
einen jungen Knecht zu schicken. Magd!
Jawohl, gnädiger Herr? - Schließ die Tür!
Ja, gnädiger Herr.
(dramatische Musik)
Walther, da bist du! Ich habe etwas gehört, das wird dich freuen!
Sprich!
Sieh nicht hin. - Doch, das ist doch der Sinn.
Deswegen stellen sie doch den Galgen auf,
damit wir nicht vergessen, wer hier über Leben und Tod entscheidet.
Nicht Gott oder die Natur oder das Schicksal. Nein!
Der Graf von Rennitz und seine Brut. - Sei leise!
Richard! Richard! Was machst du da?
Was soll das?
Wonach sieht es denn aus? - Aber warum? Wer wird gehängt?
Der Dieb natürlich. Hast du was dagegen?
Ich habe mehr als genug Strick. - Hör schon auf, Richard.
Gisela hat nichts dagegen, dass der Dieb seine Strafe bekommt.
Stimmt das, Gisela?
Natürlich habe ich nichts dagegen.
(flüstert aufgebracht) Willst du, dass er dich aufhängt?
Bist du wahnsinnig geworden?
Und du? Bist du noch bei Sinnen? "Gerechte Strafe"? Schäm dich!
Du bist keinen Deut besser als Diebold und seine Rotte.
Was ist denn in dich gefahren? - Du bist noch schlimmer als sie.
Weil ich nicht möchte, dass du stirbst?
Weil sie es nicht besser wissen. Sie glauben, sie tun das Richtige,
aber du weißt genau, was richtig und was falsch ist.
Sonst hättest du den Mann heute morgen schon verraten.
Wenn sie ihn aufhängen wirst du zusehen
und deine Hände in Unschuld waschen?
Schuld, Unschuld, richtig, falsch!
Ich bin nicht derjenige, der sich anmaßt, solche Urteile zu fällen.
Leben oder sterben, vor der Entscheidung stehe ich,
und sie fällt mir leicht. - Das ist kein Leben, Walther!
Kommt essen, wir haben nicht viel Zeit,
die Herrschaften sitzen bald zu Tisch.
Wir kommen, Lotte.
Ein Leben, um das ich bangen muss, weil ich Mitgefühl zeige
mit einem alten Mann, der durch den Wald gehetzt wird,
ist kein Leben, für das ich meinen Anstand aufgebe.
Schweig und komm mit.
Ich werde ihm helfen.
Ich bringe ihm etwas zu essen. - Das wirst du nicht tun.
Lass mich!
Gisela, sag schon, was ist mit dir? - Nichts, was soll sein?
Du wirst doch nicht wütend sein wegen dem Waschhaus?
Wir fressen ihn schon nicht auf, deinen Walther.
Es ist nicht mein Walther.
Die Gräfin!
Ich will euch nicht lange stören, setzt euch!
Ihr wisst, dass heute kein gewöhnlicher Abend
auf Rennitz bevorsteht.
Der Graf und die Gräfin von Gehlen sind zu Gast,
sowie ihre Tochter Florentine.
Warum, brauche ich euch nicht zu erklären.
Nachrichten dieser Art verbreiten sich von selbst.
Ihr wisst also auch, warum ich heute unser Haus
in tadellosem Licht präsentieren möchte.
Wenn nun noch das Abendessen die hohen Erwartungen erfüllt,
die ich daran setze, können wir, könnt ihr stolz sein auf Rennitz.
Ich weiß, dass euch das Ansporn genug ist,
aber meine Dankbarkeit soll sich nicht in Worten erschöpfen.
Wenn der heutige Abend zur Zufriedenheit verläuft,
sollt ihr alsbald ein Gesindefest feiern.
Mit Wein, Fleisch und wenn unbedingt nötig, auch mit Tanz und Gesang.
(aufgeregte Stimmen, Applaus)
Ihr habt mich gehört.
Wenn der Abend zur Zufriedenheit verläuft! Gebt euch Mühe!
Walther! Mein Sohn schickt nach dir.
Walther, worauf wartest du? Willst du kein Fest feiern?
(spannende Musik)
(Mamsell) Ja, gut.
Sehr gut. Finger raus da!
Sehr gut.
Und die Beilagen!
Wunderbar! Sehr schön.
(Ein Hund bellt.)
So ist es meiner verehrten Gattin und mir und unserem Sohn
Freude und Ehre, Ihre erlauchte Familie
heute auf Rennitz begrüßen zu dürfen.
Zum Wohle Gehlens! - Zum Wohle Rennitz'!
(feierliche Streichermusik)
Sind Sie ebenso an der Jagd interessiert wie Ihr Vater?
Nein.
Was sagt man zu von Klasten, hm, Rennitz?
Wegen des Diebstahls?
Ich würde ja sagen, er tut mir leid, aber ...
Nun, sagen wir, Klasten ist nicht unbedingt
für seine Strenge dem Gesindel gegenüber bekannt.
(Stimmen werden leiser, dramatische Musik setzt ein.)
Ich tue dir nichts, ich will dir helfen.
Du bist gesehen worden, heute morgen, von einem Freund.
Keine Angst, er wird uns nicht verraten. Hier, iss!
Danke.
Von wo bist du? - Von Rennitz.
Und wie heißt du? - Gisela.
Ich heiße Mathias. - Ich weiß.
Was ist geschehen? Sie haben dir einen Diebstahl angehängt, oder?
Nein, ich habe gestohlen.
Brot. Vor lauter Hunger.
Und dafür jagen sie dich wie ein tollwütiges Tier?
Du musst fliehen. Sie suchen dich, du musst weg von hier.
Wo soll ich denn hin?
Über den Fluss? Da müsste mir jemand zuerst das Schwimmen beibringen.
Da drüben ist bald die preußische Grenze,
bis dorthin werden sie dich nicht verfolgen.
Ich gehe keinen Schritt mehr. Mein Weg ist zu Ende.
Nein. Nicht so.
Wenn sie dich kriegen, gut.
Aber dann doch wenigstens beim Versuch, die Freiheit zu erlangen.
Die Leute halten Ausschau nach einem einsamen, alten Mann.
Nicht nach einer jungen Frau mit ihrem Großvater.
Gisela! Gemeinsam können wir das schaffen!
Mathias, so war das nicht gemeint.
Ja, was hält dich?
Die Liebe zu deiner Herrschaft? - Nein!
Es ist ...
Hier in Rennitz ist alles was ich kenne, hier ist ...
Rede hier mir nicht von Freiheit, wenn du selbst zu feige dafür bist.
Na los, lauf zurück. Lauf ins Warme.
Du bist ungerecht. Ich riskiere mein Leben, indem ich dir hier helfe!
(Rennitz) Wenn der Dieb sich wirklich in den Wäldern versteckt hält,
wird er sicher bald gestellt.
Von ihm geht keine Gefahr aus.
Dann hoffen wir, dass es nicht der Herr Diebold ist, der ihn stellt.
Zumindest nicht mit dem Gewehr.
Denn so ein Dieb ist ja viel kleiner als ein Rotwild.
Wie soll er dann erst den treffen?
Verzeihen Sie, Diebold.
Erlauben Sie mir diesen Witz.
Es gibt doch diese Tage.
Ich selbst jage seit 40 Jahren.
Es kann mir dennoch passieren,
dass ich genauso wie Sie heute morgen ...
Mein Bursche hat gezuckt. Er hat den Lauf verrissen.
Ich hab ...
(Gräfin von Gehlen räuspert sich.)
Natürlich.
Verzeihen Sie.
Sie glauben mir nicht?
Diebold! - Nein, Vater!
Walther! - Sie müssen wirklich nicht ...
Gnädiger Herr. - Antworte mir, Bursche.
Wie war das heute morgen, als du mir den Schuss vermasselt hast?
Es war meine Schuld, verzeiht.
Nein, war es nicht! Sag die Wahrheit, Walther!
Ich ...
Ich hab es gesehen und Graf von Gehlen auch.
Also, sag die Wahrheit!
(spannungsvolle Musik)
Ich hab das Gewehr nicht angerührt.
Sei still!
Danke, Walther.
Nein - danke, Herr Fichtner.
Jetzt ist es aber genug! - Schweig!
Herr Fichtner, Sie kommen morgen in der Früh zu mir.
Sie können jetzt gehen. Sie sind für heute entlassen.
Musik!
(Streichermusik setzt ein.)
(bedrückende Musik)
(aufwühlende Musik)
(Musik setzt sich fort.)
Selbstverständlich findet die Hochzeit statt.
Ich glaube sogar, dass mein Vorgehen von Gehlen Respekt abgenötigt hat.
Sicher keinen Respekt vor unserem Sohn.
Diebold steht da als jemand,
der weniger Ehre im Leib hat als ein Knecht.
Fichtner ist nicht mehr sein Knecht.
Hätte es nie werden sollen.
Das ist ein Fehler, den ich gerne eingestehe.
Was soll das?
Was ist mit ihm? Mit diesem ... - Walther Fichtner.
Was hast du mit ihm vor?
Er wird in Göttingen etwas erledigen.
Etwas Geschäftliches.
Senneisen ist - krank.
Und das soll der Mann erledigen, der unserem Sohn die Stiefel bindet?
Ich hoffe bloß, es ist nichts Wichtiges.
Doch ... sehr.
Unsere Existenz könnte davon abhängen.
(spannungsvolle Musik)
(Musik steigert sich.)
Bist du noch bei Sinnen, mich so zu erschrecken?
Was, wenn ich geschrien hätte?
Ich hab dich schon am Galgen hängen sehen, mit gebrochenem Genick!
Warum hast du dich so in Gefahr gebracht?
Walther, der Mann braucht Hilfe.
Er ist alt, krank und sein "Diebstahl" war Mundraub.
Lass mich raten: Das sagt er.
Es stimmt. Ein Stück Brot hat er gestohlen.
Genau wie du.
Und bei dir war's kein Mundraub.
Dir hat die Herrin gerade ein Fest empfohlen,
mit Wein, Tanz und Gesang.
Kannst du nicht ein Mal das tun, was die Vernunft dir gebietet?
Was du mir sagst, meinst du wohl.
Ja! Von mir aus! Was ich dir sage. Es soll dich vor Schaden bewahren!
Ich hab ein Gewissen und manchmal erhebt es sich über das,
was du Vernunft nennst.
Du bist ein zänkischer Dickschädel!
Dann schau eben weg! Ich hab Dich nicht gebeten, über mich zu wachen.
Das kannst du Dir bald ohnehin nicht mehr erlauben.
Bald bist du der neue, edle, ach so vernünftige Gutsverwalter,
dem ich, zänkisches Gesinde, den Nachttopf ausleere!
Was? Wovon sprichst du?
Ich habe ein Gespräch des Grafen belauscht. Mit Senneisen.
Du sollst zur Holzbörse reiten.
Was, ich?
Ja, statt Senneisen.
Wer weiß, Walther, wenn du dich bewährst,
dann wirst du vielleicht bald sein Nachfolger!
Das kann nicht ...
Gisela, bist du sicher? - Ja!
Weißt du, was das bedeutet?
Dein geheimster Traum wird wahr.
Ja, genau das bedeutet das!
Und was ist mit meinen Träumen, Walther?
Du sagst, ich bin leichtsinnig.
Aber vielleicht bin ich nicht leichtsinnig genug.
Vielleicht bin ich feige.
Mathias ist ein Zeichen.
Ein Zeichen, dass es auch für mich Zeit ist, meinen Traum zu erfüllen.
In die Freiheit zu gehen, nicht immer nur davon zu sprechen,
heimlich und in ständiger Angst. - Wage es nicht.
Gisela, wage nicht, auch nur daran zu denken!
Keine dreihundert Schritt würdet ihr fliehen können,
bevor sie euch ergreifen!
Und dann werden sie euch hängen, noch am selben Tag!
Begreifst du das? - Fliehen ist das Wort,
das du gerade benutzt hast, Walther.
Fliehen kann man nur, wenn man gefangen ist.
Und das sind wir.
Kein Fest wird daran etwas ändern,
kein Wein, kein Tanz und kein Gesang.
Gisela, wenn ich wirklich Verwalter werde,
dann wird das Leben hier auch für dich angenehmer.
Dafür werde ich sorgen.
Begreifst du das nicht?
Denkst du wirklich, du, du kannst mir sonntags mehr Kartoffeln geben
und alles ist gut? Kennst du mich so schlecht?
Gisela, sei still! Du wirst jemanden noch wecken.
Gisela ...
Du musst jetzt gehen.
(aufwühlende Streichermusik)
(Rennitz) Ich will, dass du das verstehst.
Scheitern diese Verhandlungen in Göttingen, scheitert deine Hochzeit.
Du willst meinen Burschen hinschicken?
Das kommt nicht in Frage, ich brauche ihn hier.
Was ist so wichtig, dass du mir meinen Burschen wegnimmst? Walther!
Und zugleich so unwichtig, dass er es erledigen kann?
Still jetzt!
Willst du wirklich wissen, wie wichtig es ist?
Das Schicksal von Rennitz liegt in Walthers Händen.
Was?
Wenn er scheitert, steht nicht nur deine Hochzeit auf dem Spiel,
sondern alles.
Ich verstehe.
Ich bin mir sicher, dass deine Entscheidung weise ist, Vater.
Ich wünsche dir alles Gute, Walther.
Danke, Herr.
Verzeihung, Fichtner.
Senneisen hat Ihnen erklärt, was zu tun ist?
Er hat mich beim ersten Morgengrauen geweckt, gnädiger Herr.
Ich muss einen neuen Käufer finden für das Holz.
Diebold.
Mutter.
Du fühlst dich gedemütigt.
Ich kann dich verstehen.
Dein Vater ist in großer Sorge.
Er setzt alle Hoffnung auf Fichtner.
Ja, nicht auf seinen Sohn.
Aber immerhin doch auf den Diener seines Sohnes.
Nur knapp verfehlt.
Mit knapp verfehlten Schüssen habe ich Erfahrung,
wie du spätestens seit gestern Abend weißt.
Er tut das alles doch für dich.
Du bist sein Sohn.
Er will deine Zukunft sichern und deine Hochzeit mit Florentine.
Gott bewahre, dass meine Hochzeit mit Florentine in Gefahr gerät.
Ist sie nicht liebreizend?
Sie ist jung. Ihre Persönlichkeit wird sich noch formen.
Eine höfliche Art, auszudrücken, dass sie gegenwärtig keine hat.
Kann ich noch irgendetwas für dich tun, Mutter?
(bedrückende Musik)
Gisela.
Walther.
Was?
Nichts.
Der Rock des Verwalters steht dir gut.
Ich trage ihn nur zur Probe.
Er sitzt.
Gottes Segen, Walther.
Was geht in dir vor?
Bitte tu das nicht.
Was?
Weggehen. Fliehen.
Daran denkst du immer noch, nicht wahr?
Ich muss jetzt weitermachen, Walther.
Bitte bleib hier.
Gisela, bitte wirf dein Leben nicht weg.
Ich würde meines eigenen nicht mehr froh.
Und was ist mit mir?
Bin ich meines Lebens froh?
Walther?
Gnädiger Herr. - Gnädiger Herr.
Wie ich sehe, verabschiedet ihr euch gerade.
Das kann warten, Herr.
Nein, nein, Herr Verwalter, nur zu, ich begleite dich zu deinem Pferd.
Ich sehe dich morgen Abend wieder.
Ja, komm gesund zurück.
Na, dann komm, Walther.
(traurige Musik)
Herr, es tut mir leid.
Was meinst du?
Wie sich die Dinge entwickelt haben.
Mein Vater hat recht, dich auf diese Mission zu schicken.
Du bist ehrlich und tüchtig. Meine Stärken liegen woanders.
Hier. Mein Friedensangebot.
Wo sollst du in Göttingen übernachten?
In einem Gasthof, in dem auch Senneisen immer absteigt.
Papperlapapp, Gasthof. Du schläfst hier.
Gib das Kuvert dort ab und man wird dir ein Gemach zuweisen,
das deinem neuen Stand angemessen ist.
Es wird dir dort an nichts fehlen.
Das ist zu freundlich, Herr ...
An nichts wird es dir dort fehlen.
Herr?
Eine Dirne?
Nicht irgendeine, Walther. Die beste.
Das kann ich nicht annehmen.
Du lehnst mein Friedensangebot ab?
Nein! Nein, natürlich nicht. Ich danke Euch.
Wenn du wiederkommst, sind wir Brüder,
Ritter im Orden der geilsten Hure im Königreich.
Fichtner!
Herr. - Kommen Sie, es ist ein langer Ritt.
Das wollen wir hoffen.
Wir erwarten Sie morgen Abend zurück.
Mach deine Sache gut, Walther.
Auch auf dem Holzmarkt.
Herr, vielen Dank.
Auf jetzt, los.
Gnädiger Herr ...
(düstere Musik)
Diebold, ich musste diese Entscheidung treffen.
Für die Zukunft von Rennitz und damit auch für deine Zukunft.
Das weiß ich, Vater.
Und Du wirst morgen sehen, dass es die richtige Entscheidung war.
Davon bin ich überzeugt.
Ich bin froh.
Du zeigst Größe.
(hoffnungsvolle Musik)
Kein Bett mehr frei, junger Herr.
Ich komme in Vertretung eines Stammgastes, Senneisen.
Auch für Stammgäste halten wir nichts mehr frei.
Kann ich wenigstens mein Pferd hier unterstellen?
Na sicher. Macht zwei Taler.
Zwei Taler?
Senneisen hat mir gesagt, dass ein ganzes Zimmer so viel kostet!
Ihr seid doch wegen des Holzmarktes hier.
Dann wisst Ihr es besser als ich: Nachfrage bestimmt den Preis.
(betrunkener Gesang)
(Magdalena) Gisela?
Gisela!
Verzeih, ich war in Gedanken.
Der junge Graf ruft nach dir.
Diebold will mich sehen?
Er liegt in den Armen der schönsten Hure weit und breit.
Ich habe ihn für seine Dienste belohnt.
Gib dir Mühe.
(bedrohliche Musik)
Herein.
Gnädiger Herr. - Gisela. Komm herein.
Willibald, für heute bist du entlassen.
Und du darfst niemandem davon erzählen!
Das wäre Walther nicht recht!
Setz dich.
So setz dich doch, ich erlaube es.
Ich nehme an, du weißt, welche Veränderungen uns ins Haus stehen,
die Walther betreffen?
Walther bedeutet mir viel und ich weiß, was du ihm bedeutest.
Was ihr euch bedeutet.
Du bist das Liebste, was er hat, und ich wage die Vermutung,
dass umgekehrt das Gleiche gilt?
Es würde mir das Herz brechen, wenn ihr euch nie wiederseht.
Warum sollte das geschehen?
Nun, wenn Walther seine Sache in Göttingen gut macht,
wird mein Vater ihn sicher zum Verwalter des Gutes bestellen.
Dann bekommt er sein eigenes Gemach, wird den ganzen Tag hier oben sein
und mit meinem Vater und mir zu tun haben.
Ihr werdet euch kaum je begegnen.
Und das will ich nicht.
Deshalb stelle ich dich in die Dienste meiner zukünftigen Frau.
Du wirst ihre Kammerzofe sein.
Meinen Glückwunsch.
Davon träumen sicherlich viele Mägde unten.
Freust du dich?
Ja, gnädiger Herr. Danke.
So bleibst du in Walthers Nähe.
Ja, gnädiger Herr.
Gut.
Du kannst gehen.
Ach, sollte Walther in Göttingen scheitern
wir gehen nicht davon aus, aber wer weiß
wird mein Vater seine Anwesenheit auf Rennitz nicht mehr dulden.
Und meine Vermählung steht dann auch in Frage, sehr bedauerlich.
Dann wären wir beide ganz allein.
Nun, wir werden sicherlich einen Weg finden, damit umzugehen.
(heiteres Stimmengewirr und Musik)
(Gelächter, Musik)
Exzellente Wahl.
Das Etablissement hat einen denkbar schlechten Ruf in der Stadt
also den allerbesten.
Das hat man mir auch schon gesagt.
Dann ist dir auch bekannt, was man zahlt, um hier Eintritt zu bekommen?
Nein. - Spring in die Luft.
Was?
So.
Na, hüpf schon. Wie willst du dich da drinnen behaupten,
wenn du hier draußen nicht mal auf der Stelle hüpfen kannst?
Da, zufrieden?
Wenn du es dir leisten könntest, hier einzukehren,
dann hättest du jetzt geklimpert und geklingelt.
Goldmünzen würden auf die Straße regnen.
Das ist nicht mein Problem.
Ich habe ein Empfehlungsschreiben, eine Art Gutschein.
Und du zögerst dennoch?
Jetzt hast du mein Interesse.
Heinrich Heine, und wie heißt du? - Walther Fichtner.
Hast du Durst und Hunger, Walther?
Durchaus.
Gut. Zumindest dein Magen scheint zu wissen, was gut für ihn ist.
Dein Schwanz sollte sich ein Beispiel daran nehmen. Komm mit.
Wohin? - Trinken, fressen, palavern
alles, was vonnöten ist, damit du dich besinnst und da hineingehst
oder mir den Gutschein überlässt.
Jetzt hab ich dich. Was sollst du nicht sagen?
Was wäre Walther nicht recht?
Au! Ist ja gut, lass los.
Walther ist in Göttingen.
Ja, das weiß ich. Willibald ...
Ist ja gut, ich sage es ja, nicht wehtun.
Er ist bei einer Hure.
Der gnädige Herr hat ihm das geschenkt.
Kann ich jetzt gehen?
Ja, sicher. Geh schlafen, Willi.
(bedrohliche Musik)
(abenteuerliche Musik, schnelles Atmen)
Mathias ...
Gisela? - Ich bin bereit.
Du kommst mit? - Lass uns fliehen.
Jetzt, so? - Ja.
Ja, ich will weg, ich habe meine Entscheidung getroffen.
Hast du an Proviant gedacht?
Ich hatte keine Gelegenheit.
Gisela ...
Lieber heute als morgen, aber wir brauchen unbedingt Proviant.
Und etwas Geld.
(unheilvolle Musik)
Woher soll ich das nehmen?
Gut.
Morgen, bei Einbruch der Nacht.
Gisela ...
Gib Acht auf dich.
Ja.
(Kneipengeräusche, Stimmengewirr)
(Gelehrte) Wenn wir nicht aufstehen, laut rufen und uns wehren,
dann wird es in Deutschland immer schlimmer werden.
(Applaus)
Der Zustand, der in den deutschen Staaten herrschend ist,
dringt mehr und mehr in unser Bewusstsein.
Je tiefer seine Unerträglichkeit in unsere Gemüter dringt,
desto heftiger wird der Drang, sich von ihnen zu befreien.
(Applaus, Jubel)
Desto stärker wird der Trieb,
nach Bremen zu fahren und ein Schiff nach Amerika zu besteigen,
in der letzten, noch gültigen Hoffnung!
(heftiger Beifall, Jubel)
Wo er die Stätte seiner Wirksamkeit frei auswählen darf,
wo ihm gestattet ist, selbst der Schmied seines Glückes zu sein.
(Heine) Komm mit.
Hier hinten müssen wir dem Geschwätz dieser Kindsköpfe nicht lauschen.
Du findest nicht, dass sie recht haben?
(Heine lacht.) Zwei Krug.
Walther, willst du, dass ich dir ein Bild von Amerika male?
Gern.
Ah, was hältst du davon?
"Träum ich von Deutschland in der Nacht, bin ich im Nu aufgewacht"?
Muss ich wohl noch mal ran, was?
Danke - Prost.
Zum Wohl.
Also, Amerika.
Amerika ist ein weißes Blatt, Freund, das musst du selbst füllen.
Aber es klingt doch tatsächlich wie der Traum,
von dem hier drüben gesprochen wird, die absolute Freiheit.
Ja, ganz recht, es klingt wie ein Traum
aber er hat ungezählte Träumer.
Jeden Tag landen Schiffe in Amerika und spucken sie aus.
Jeder hat einen Stift im Gepäck, und jeder fängt an zu malen.
Abertausend Träumer, abertausend Stifte
doch was geschieht, wenn der eine das Bild des Nachbarn übermalt?
Niemand, der in Bremen ein Schiff besteigt, sollte glauben,
dass die Tyrannei nur auf unserem Kontinent wohnt
und den neuen verschmäht.
Die Tyrannei wohnt hier, und hier muss man sie bekämpfen.
Überall auf Gottes weiter Erde.
(spannende Musik, Schnarchen)
(spannende Musik)
(bedrohliche Musik)
(Heine) Morgen werde ich meine Seele verraten.
Morgen werde ich als Jude aufwachen
und als braver Protestant ins Bett gehen.
Nein, nicht als braver - als feiger, als bequemer.
Du lässt dich taufen?
Jüdische Rechtsgelehrte finden keine Stellen.
Und wenn ich keine Stelle finde, dann lerne ich bald den Hunger kennen.
Dann tust du das Richtige.
Für ein besseres Leben.
Aber ist es dann besser, das Leben?
Ich werde satt sein und sicher, das stimmt.
Aber werde ich noch ich sein?
Versteh mich nicht falsch, Frömmelei ist mir fremd.
Aber ich möchte selbst entscheiden können,
in welches Gotteshaus ich nicht gehe.
Hör mir auf. Man hat nur das eine Leben.
Wenn Protestant werden alles ist, was du tun musst,
um dich satt zu machen, und Frau und Kinder noch dazu - was zögerst du?
Wenn du nur durch diese Tür dort gehen musst,
um die Liebesnacht deines Lebens zu erleben - was zögerst du?
Wäre das denn wirklich eine Liebesnacht?
Dann hast also auch du ein "Ich" dem du treu bleiben willst.
Oder ist es eine "Sie"?
Na dann her mit dem Brief!
Willst du wirklich deine letzte Nacht mit unbeschmutzter Seele
in den Armen einer Dirne verbringen?
Nein, ich bin Dichter, und frage mich nur schon seit Stunden
wie formuliert sich wohl ein Gutschein für eine Hure?
(melancholische Musik)
Freund?
Was ist?
Was steht da?
Dieser Gutschein ist mit der Bitte verbunden,
dich mit etwas Opium ins Reich der Träume zu schicken.
Bis mindestens morgen Mittag.
Und zwar so, dass du von dieser List nichts merkst.
Bis nach der Holzbörse ...
Ist das ein guter Freund von dir, dieser Diebold von Rennitz?
(traurige Musik)
(gefühlvolle Musik)
"Wir sehen uns morgen Abend wieder."
(Auktionator) Ulme, 40 Jahre, 60 Klafter, jeder zu 20 Talern.
25! - 40!
50! - 55!
Hier, 60!
Zuschlag für Grubenhagen, Hannover - 60 Taler!
(Glockenklingeln)
Junge Roteiche, 20 Jahre,
100 Klafter, jeder zu zehn Talern!
Ich biete zehn. - Elf!
(Auktionator) Elf von Wolter, höre ich zwölf?
Hier. - Gut. Sie, Zübert, 13?
Nie und nimmer, bietet selbst.
(Gelächter)
Verkauft für zwölf an Taschenbeck, nächster Posten.
Alte Roteiche von Schöffelbeck.
100 Klafter, Schiffsqualität.
(wildes Stimmengewirr)
Der Händler Schöffelbeck
setzt ein Mindestgebot von 100 Talern je Klafter.
(unzufriedenes Gemurmel)
Ich biete 100!
Erstes Gebot von Dübner. Höre ich 110?
Zuschlag für Dübner!
Nussbaum, 40 Jahre, 50 Klafter, je 15 Taler.
(spannungsreiche Musik)
Herr Dübner?
Walther Fichtner, der Graf von Rennitz schickt mich.
Ich vertrete Gutsverwalter Senneisen.
Tut mir leid, meine Geschäfte mit Rennitz sind beendet.
Dübner - der Posten aus Bayern, Schöffelbeck.
Hören Sie mich an. - Was erlauben Sie sich?
Auf ein Wort.
Moment.
Eine Minute.
Sie verkaufen das Holz an Werften, nicht wahr?
Deshalb brauchen Sie das beste Holz,
und deshalb zahlen Sie Wucher nach Bayern - nur:
Was wenn das Klafter Schiffseiche demnächst 200 Taler kostet?
Was, wenn, keine Ahnung, aber ich werde sicher nicht bei Ihnen kaufen.
Das habe ich Senneisen erklärt. Ihr Holz ...
Unser Holz ist zu jung, zu weich, um sich für Ihre Zwecke zu eignen.
Wir haben zu viel und zu schnell geerntet, Raubbau betrieben.
Wir haben nicht damit gerechnet, dass neue Zeiten anbrechen.
Zeiten, in denen Kräfte den Preis bestimmen,
auf die auch der älteste Adel keinen Einfluss mehr hat.
Aber damit ist jetzt Schluss.
Ab sofort werden die Wäldereien von Rennitz langfristig bewirtschaftet.
Das ist die richtige Entscheidung, ich wünsche Ihnen Glück damit.
Aber ich brauche das Holz jetzt. Richten Sie ihm meine Grüße aus.
Hören Sie mich an, ich will Ihnen ein Angebot machen.
Sie kaufen uns unser zu junges Holz heute ab.
Für 14 Taler pro Klafter.
Das nennen Sie ein Angebot?
Wieso sollte ich so etwas tun?
Weil ich mich im Gegenzug dazu verpflichte, das Eichenholz,
das in Zukunft reif wird, zuerst Ihnen anzubieten.
Und zwar mit einem Festpreis.
Zu einem Festpreis?
Den wir jetzt bestimmen? - Wir gewinnen beide.
Sie werden auf Jahre hinaus unabhängig von dem Irrsinn da drin,
wo die Preise in immer fantastischere Höhen getrieben werden.
Und wir bekommen etwas zurück,
das Güter wie Rennitz gerade im ganzen Land verlieren:
eine sichere Zukunft.
(Eine Uhr schlägt.)
(Rennitz) Ich kann nur hoffen,
dass Fichtner aus Göttingen gute Nachrichten mitbringt.
Ganz sicher, Vater.
Deine Entscheidung, ihm diese Aufgabe zu übertragen, war richtig.
Du wirst es nicht bereuen.
(Pferdegetrappel)
Er ist es.
(Rennitz) Gut. Wir erwarten ihn in der Bibliothek.
Lotte!
Walther! Oh, Verzeihung - Herr Fichtner.
Was?
Nein, vergiss das.
Wie war es in der großen Stadt?
Später. Sag, wie war es hier?
Ist etwas geschehen, während ich weg war?
Hier? Nein. Es ist alles wie immer.
Hast du Gisela heute schon gesehen?
Nein, ich glaube nicht. Doch, wir haben die Küche gefegt.
Wirklich, bist du sicher? - Ja, natürlich.
Wo sollte sie denn auch sein?
Herr Fichtner?
Die Herrschaften schicken nach Ihnen.
(spannungsreiche Musik)
(Senneisen) Walther!
Und?
Ich wusste es.
Nein, Sie hatten höllische Angst, genau wie ich.
Herr Fichtner.
Ja, geh und sag es ihnen. - Das werde ich.
(Klopfen)
(Rennitz) Ja?
Gnädige Herren.
Fichtner. Berichten Sie.
Mein Graf.
Ich habe ...
Es ist mir nicht gelungen, einen anderen Käufer zu finden.
(Rennitz) Nun ja.
Aber ich habe das Gespräch mit Dübner gesucht.
Ich konnte ihn überzeugen,
seine Geschäfte mit dem Hause Rennitz fortzusetzen.
Mehr noch, er hat sich bindend für die nächsten zehn Jahre
als unser Kunde verpflichtet.
Fichtner, ist das die Wahrheit?
Sein Emissär wird morgen mit den Verträgen eintreffen.
Sie haben mich nicht enttäuscht, nein, das stimmt nicht,
Sie haben meine Erwartungen sogar übertroffen!
Diebold, was sagst du?
Ich bin außer mir vor Freude.
Meinen Glückwunsch, Herr Fichtner.
Bitte entschuldigt mich.
Darf ich mich ebenfalls entschuldigen, gnädiger Herr?
Natürlich, die Reise war lang. Einen Augenblick noch.
Ihr erster Lohn, Herr Gutsverwalter.
Herzlichen Dank.
(Es klopft an der Tür.)
Wer ist da? - (flüsternd) Walther.
Gisela!
Du bist da! Gott sei Dank! Ich hatte Angst, du könntest weg sein.
Psst! Das wollte ich auch.
Ich hab's dir angesehen. - Ich wollte sich nicht wiedersehen.
Warum? - Jetzt noch die Scheinheiligkeit?
Ich weiß, wo du die Nacht verbracht hast!
Hat Diebold erzählt, dass ich bei einer Hure war?
Er hat es Willibald erzählt. Du Hurenbock!
Dann lag genau das in seiner Absicht.
Hier, das ist der Brief, den Diebold an die Hure geschickt hat.
Was soll ich damit?
Lies. Hier.
Dann hast du es nicht ... - Getan?
Nein, habe ich nicht. - Warum nicht?
Ich wollte nicht.
Warum bist du noch hier?
Du hast noch Proviant gesammelt?
Dein Entschluss steht also fest?
Ja.
Was gab den Ausschlag?
Die Sache mit der Hure?
Nein.
Aber ich bin trotzdem froh, dass du es nicht getan hast.
Walther, ich muss weg von hier.
Diebold will mich zur Kammerzofe seiner Frau machen.
Ich wäre den Rest meines Lebens an seiner Seite.
In seiner Reichweite. - Gisela ...
Nein. Ich weiß, was du sagen willst.
Du wirst auf mich Acht geben, du wirst Diebold in Schach halten,
mir wird nichts geschehen, und ich glaube es dir.
Aber das reicht mir nicht. Ich kann so nicht leben.
Ich weiß, du findest mich albern und stur ...
Halt ein. Sei still.
Du weißt nicht, was ich sagen will.
Oder nein, natürlich weißt du, was ich sagen will,
das weißt du immer.
Aber ich werde es nicht sagen. Ich verstehe dich jetzt.
Ich verstehe, dass du hier nicht glücklich sein kannst.
Du leidest.
Wenn ich versuche, dich hier festzuhalten,
dann tue ich das nicht zu deinem Wohl, wie ich immer dachte,
sondern allein zu meinem eigenen.
Ich will, dass du glücklich bist.
In Amerika, wenn du das willst.
Nach Bremen sind es nur fünf Tagesreisen.
Dort steigt ihr in ein Schiff.
Ich weiß nicht, ob das Geld für zwei Passagen ausreicht.
Aber wenn nicht, bin ich sicher, dass dir etwas einfällt.
Sobald dein Verschwinden auffällt, werde ich alles tun,
um die Verfolger auf die falsche Spur zu lenken.
Du musst mir etwas versprechen. - Was denn?
Werde der beste Gutsverwalter, den die Welt je gesehen hat.
Versprochen.
Nimm dich in Acht vor Diebold. - Ja, das ist keine schlechte Idee.
Und wenn du mal heiratest, dann tue es aus Liebe.
Versprich mir das. - Ich verspreche es.
Gisela, bist du da drin? Komm bitte, du musst mir helfen.
Komm nicht herein, ich bin nicht angezogen.
Ich habe meinen Schlüssel verlegt.
Ich komme sofort.
Sei vorsichtig heute Nacht. Geh erst, wenn das Haus schon schläft.
Lebewohl.
Lebewohl, mein Schatz.
Ich suche ihn schon den ganzen Tag. Ich könnte schwören,
ihn auf die Kommode gelegt zu haben. - Keine Sorge, wir finden ihn.
Was ist mit dir? Hast du geweint?
Geweint? Hast du mich jemals weinen gesehen?
Komm, ich glaube, ich habe deinen Schlüssel gesehen.
Ich habe Euch bereits ein Feuer gemacht, Herr Verwalter.
Gefällt Euch Eure neue Stube? - Ja, sehr schön. Danke, Franz.
Soll ich Euch beim Auskleiden behilflich sein?
Das ist nicht nötig. Du kannst gehen.
(Grillen zirpen.)
Herr Gutsverwalter. - Guten Abend, gnädiger Herr.
Ich will mich persönlich bei dir bedanken. Gut gemacht.
Das Vertrauen, das Ihr in mich gesetzt habt, hat mich beflügelt.
Und, wie war die Nacht? Hast du mein Geschenk benutzt?
Sind wir Brüder im Orden der geilsten Hure?
Nein, das sind wir nicht.
Du hast den Brief nicht abgegeben? Warum? Es war ein Geschenk.
Ich wollte nicht.
Ich verstehe.
Und den Brief?
Den hast du ungelesen vernichtet?
Ja. Natürlich.
Gut.
Dann auf eine gute Zusammenarbeit, Herr Gutsverwalter.
Gute Nacht. - Gute Nacht.
Oder habe ich?
Was? - Den Brief.
Ich meine mich zu erinnern, ihn verbrannt zu haben,
aber ich bin nicht sicher.
Vielleicht habe ich ihn noch, vielleicht auch nicht.
Es besteht ja kein Grund zur Annahme,
dass ihn jemand Unbefugtes hier lesen muss.
Der gnädige Herr Euer Vater zum Beispiel.
Ein Teil von mir ist stolz auf dich, Walther.
Du hast von mir gelernt.
(Tür fällt laut ins Schloss.)
(aufwühlende Musik)
(aufwühlende Musik)
(Musik steigert sich.)
"Ein weißes Blatt."
(dramatische Musik)
Gisela! - Mathias.
Hast du alles? - Ja.
Proviant für viele Tage.
Und ... hier.
Geld.
Du Teufel!
Es ist kein Reichtum, aber es wird dir die Reise erleichtern.
Mir? - Ja.
Verzeih.
Dein Freund?
Grüß deinen Freund.
Ich hoffe, er hat dich verdient.
Auf Wiedersehen. - So Gott will.
Mehr.
Mehr, habe ich gesagt!
Sieh, was du angerichtet hast!
Verschwinde!
Walther, was machst du hier?
Na, was schon? Ich komme mit!
Was? - Ich komme mit dir.
Aber warum?
Was habe ich hier verloren, ohne dich? Nichts.
Wenn ich ohne dich hierbleibe, wird es nicht lange dauern,
bis ich mich selbst verliere. - Walther!
Später. Wir müssen uns beeilen. Wo ist Mathias?
Ich habe ihm das Geld und das Essen gegeben und mich verabschiedet.
Warum?
Was habe ich in Amerika verloren ohne dich?
Gisela! - Maul halten!
Keine Bewegung!
Sieh an. Der Herr Verwalter ist der Dritte im Bunde.
Nimm das Geld und lass uns laufen! - Unten bleiben!
Richard, bitte hör mir zu!
Du musst das nicht tun.
Lass uns einfach gehen. Niemand muss davon erfahren.
Willst du uns wirklich hängen sehen?
(Düstere Musik)
Zurück!
(Glas zerbricht.)
Runter!
Herr!
Verschwinde!
Nein! - Verschwinde!
Ihr müsst kommen!
Sie waren auf der Flucht, gemeinsam mit dem Dieb.
Und ich dachte, der Tag würde damit enden,
dass ich in meinem Bett liege und mich frage:
Warum steht heute eigentlich alles Kopf?
Warum ist heute unten oben und oben unten?
Und dann hat's gerufen.
Und plötzlich war alles wieder richtig herum.
Und jetzt wird er in die Familiengeschichte eingehen:
Der Tag, an dem ich auf Rennitz eine Verschwörung entdeckt
und vereitelt habe.
Mein Vater wird Augen machen! Glaubst du nicht auch, Walther?
Ja.
Weißt du noch, was ich zu dir gesagt habe, Walther?
Wir hätten Brüder sein können,
Ritter im Orden der geilsten Hure im Königreich.
Und jetzt werden wir es auch sein.
Nein! - Nein! Gisela!
Walther! Walther! Nein! Nein!
(Gisela schreit panisch.)
Gisela!
Siehst Du? Ich habe doch gesagt, wir würden uns näherkommen.
Diebold!
Schau mal, Vater, ich hab doch noch was geschossen.
Was ist bloß in dich gefahren!? Diebold, hör auf!
(Kampfgeräusche)
Walther!
Komm, wir müssen weg.
Wir müssen weg! Komm, komm!
(Diebold schluchzt.)
Liebster!
Diebold?
Walther war's.
Walther Fichtner.
Er hat sich verschworen mit Gisela und dem Dieb.
(traurige Musik)
(spannungsgeladene Musik)
Da sind sie!
Die Hunde haben die Spur. Schneller!
Walther, ich kann nicht schwimmen!
Du musst dich nur an mir festhalten.
Ich kann das nicht.
Gisela, ich lass dich nicht untergehen!
Das weißt du doch. Komm!
Ihnen nach!
Die müssen im Wasser sein.
Da! Sie schwimmen rüber!
Schieß!
(unheilvolle Musik)
(sanfte Musik)
(Soldat) Sie sind erledigt. - Ja, lass uns gehen.
(hoffnungsvolle Musik)
(bedrohliche Musik)
(sanfte Musik)
(hoffnungsvolle Musik)
Walther, Amerika.
Ein weißes Blatt.
Was?
Ein weißes Blatt.
Und da müssen wir selbst drauf malen.
Ach Walther, ich liebe dich.
(gefühlvolle Streichermusik)
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