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(Glocken läuten)
(idyllische Orchestermusik)
(Pferd wiehert)
(ruft) Thomas! Christian! Die Mützen!
(Mann) Frische Aale! Frische Aale!
Kleines Wettrennen, Buddenbrook?
- Große Petersgrube? - Wer zuerst an der Trave ist!
Mein Wagen!
Vorsicht!
(Wiehern)
(Junge) Ja!
-(Mann) Ich krieg euch schon! -(er Jubelt)
Hey'!
Ah!
Lauf, Tony, lauf!
Hey! Bleib stehen!
(Mann) Wenn ich dich erwische! Ich zieh dir die Hammelbeine lang!
(er brummt böse) (Gelächter)
- Mach schon! - Zuerst einen Kuss.
Hermann Hagenström!
(Hermann) Komm!
(beschwingte Orchestermusik)
Schön ist das jedes Mal.
-(sie lacht) - Das werden wir ja sehen.
Wie ein Schauspiel, in dem wir alle mitspielen.
(Walzermelodie)
- Oh. Alle Tänze vergeben. - Ich hab noch gar nicht gefragt.
Ihre Tochter spielt Prinzessin.
Hinrich Hagenström... Du bist und bleibst 'n ollen Stänker.
Der erste Tanz gehört heute dem Bruder.
- Oh. - Die Hagenströms machen's immer so.
- Wie? -(Tony) Mit dem Ellenbogen.
Sie sind tüchtig, die Hagenströms. Man muss gerecht bleiben.
Ja, sie sind die Heraufkommenden.
(sie lacht ausgelassen)
Auf die Buddenbrooks. Sie sollen leben.
(Walzerklänge)
- Schau nur, wie sie schwebt. - Ja.
Aber immer mit einem anderen.
Und Hagenström? Das ist schon der dritte Tanz mit Huneus' Tochter.
-(lacht) -2 Mio. Mitgift. Unter Brüdern.
Etwas watschelig und dick ist sie.
Na ja, eignet sich fürs Kinderkriegen.
Respekt. Da kommt einiges zusammen.
- Geld heiratet Geld. - Wollen wir das nicht alle?
- Blumen für die Herren? - Oh Ja.
Sie haben wirklich...
...sehr schöne Blumen.
Christian würde ihr am liebsten den Korb nach Hause tragen.
Den Korb mit allem, was dran ist.
(lachend) Unverkäuflich, meine Herren. Mit allem, was drin ist.
(lachen)
(Christian) Die Senatorin!
(Senatorin) James, du darfst das nun mal nicht. Denk an Dr. Grabow.
(sie lachen)
Fräulein Anna.
- Sie haben die schönsten Blumen. - Danke, Herr Buddenbrook.
(er seufzt)
Prinzessin, darf ich bitten?
(lachend) Wenn das Orchester zurückkommt.
- Ich glaube nicht, dass wir alleine... - Und eine Geige.
- Hermann Hagenström! - Soll ich die Bratschen auch holen?
- Und Ihr Fräulein Huneus? - Schon in der Kutsche nach Hause.
(Streicher spielen einen Walzer)
Es ist schon Mitternacht. Ich muss gehen.
(Kirchenglocke läutet)
Wie an unserem ersten Abend, weißt du?
Als wir im Dunkeln an den Wiesen entlangfuhren.
(Anna) Im Dunkeln. Ja...wie immer.
(Thomas) Die Leute...die Firma.
Jetzt machst du wieder dein Gesicht.
- So? Ein Gesicht mache ich? - Als ob du nicht mehr da wärst.
Du riechst ein bisschen.
(schnüffelt) Und du? Rosen?
Eindeutig Rosen.
(lachend) Und warme, feuchte Erde.
- Buddenbrooks. Äußerlich wie geleckt. - Aber innen schwarz.
Haltung.
Disziplin.
Gleichgewicht!
(sie kichern)
- Gleichgewicht! - Die Firma verlangt es.
Ich störe. Man plaudert. Ich muss um Verzeihung bitten.
Herr Grünlich, ein Geschäftsfreund. Meine Frau.
Meine Verehrung.
Das ist mein Sohn Thomas.
- Guten Tag. - Tag.
Mein zweiter Sohn Christian.
Guten Tag.
Bleiben Sie doch auf einen Tee.
Ich will nicht den Eindringling spielen. Ich komme in Geschäften.
Meine Tochter Antonie.
- Sie sind heute aus Hamburg gekommen? - Ich bin viel unterwegs.
- Sich regen bringt Segen. - Das ist für mich Lebensbedingung.
Sie sprechen mir aus der Seele.
Tony, bitte.
Oh.
Wir haben Verwandte in Hamburg.
- Die Duchamps. - Ja. Wir sind miteinander bekannt.
Die Duchamps. Menschen von Herz und Geist.
- Wahre Christenmenschen. - Glaube, Mildherzigkeit...
-...Frömmigkeit. - Und immer eine Tasse Tee.
Ich gestehe meine Schwäche für Architektur.
(sie lacht)
Aber Sie, Fräulein Tony. Bleiben Sie kurz so.
Sehen Sie nur, wie die Sonne in ihrem Haar spielt.
- Ich sah nie schöneres Haar. - Setzen Sie ihr nichts in den Kopf.
Ich will nicht länger stören. Ich kam in Geschäften.
Es würde uns freuen, wenn Sie in unserem Hause wohnen wollten.
Ich danke. Ich habe einige Zimmer im Gasthaus.
Gehen wir ins Kontor.
(Tony) Wichtigtuer. (lacht)
"Man plaudert." Wir haben gar nicht geplaudert.
Etwas albern, oder?
Ein angenehmer, wohlerzogener Mann.
Gute Qualität, Herr Konsul.
Gesunder, trockener Mahlweizen.
Wie verabredet.
Und bezahlt.
1.000 Sack Weizen aus Russland. Über die See glücklich im Hafen.
Mit Gottes Hilfe, lieber Grünlich. Die Ostsee ist keine Pfütze.
Thomas, komm!
Aber was das Geschäft wert ist,
wissen wir doch erst, wenn die Ware verkauft ist.
(Männer rufen auf Plattdeutsch)
Na, Hinrich? Wieder olles klor tu Hus?
- Dank och for dei Help, Herr Konsul. - Gut.
(Mann) Vorsicht! Pass op!
Ich kann Ihnen mit meinen Verbindungen gefällig sein.
Gefällig oder geschäftlich tätig sein?
Ich vermittle. Eine kleine Provision werden Sie mir nicht verweigern.
(Tony) Bendix Grünlich.
(seufzend) Der Mann kommt hierher, sagt allen etwas Angenehmes, reist ab.
Und jetzt schreibt er euch, er habe tiefere Zuneigung zu mir gefasst?
Er bittet um deine Hand.
- Ich weiß nichts von ihm. - In aller Form.
Vater hat ihn in Hamburg besucht. Du kämst dort in glänzende Verhältnisse.
Du bist jetzt alt genug.
Es ist die Gelegenheit, dein Glück zu machen.
- Für die Firma wäre dein Jawort... - Nein! Niemals.
Nie.
Jetzt vergreifst du dich aber im Ton!
Er ist mir widerlich. Verstehst du?
Schau, Tom wird einmal die Firma übernehmen.
Und eine Heirat mit einem Kaufmann ist für dich der vorgeschriebene Weg.
Ja, das weiß ich.
Aber ausgerechnet Grünlich?
Schon diese Warze...
Und wie er redet...
Papa!
Ja?
- Nein! - Ich warf mich in einen Wagen,
um das Entscheidende zu hören.
- Ich geb Ihnen das Jawort nicht! - Seit ich Sie sah...
- Ihr Name, Tony... - Sie irren sich.
Seit dem Tag ist er in mein Herz geschrieben.
Ich habe Nein gesagt.
Ein Haus, Dienerschaft, Kleider und Kutsche.
Ich werde Sie auf Händen tragen.
Sie weisen mich zurück?
Haben Sie ein Herz?
Ein fühlendes Herz?
Wie Sie mich anschauen... Lassen Sie das.
Sie sehen einen Mann vor sich...
...der vernichtet...
...Zugrunde gerichtet ist.
Hier liege ich.
Bringen Sie's übers Herz zu sagen: "Ich verabscheue Sie"?
Nein. Stehen Sie doch auf.
Ich verabscheue Sie nicht. Wie können Sie so etwas sagen?
- Sie wollen mich also nicht töten? - Niemand will Sie töten.
-(Bethsy) Ida! - Ja.
Bitte.
(idyllische Orchestermusik)
Die See wird dir guttun.
Und Travemünde ist Ja erst mal weit weg.
Fräulein Tony, bleiben Sie kurz so.
-(sie lacht) - Ich sah nie schöneres Haar.
(sie lachen)
Herrgott, ich liebe ihn nicht.
Sollte man nicht den heiraten, den man liebt?
- Nicht unbedingt. - Thomas.
Aber wenn man Glück hat, Tony, dann kommt beides zusammen.
Sie müssen unser Feriengast sein, Fräulein Buddenbrook.
Und Sie? Haben Sie gebadet?
Ja. Ja, das ist gesund.
Ich bin Morten, der Sohn vom Lotsenkommandanten.
Morten?
Ventriculus Sinister.
(lachend) Karikardio.
Aorta.
Das ist nichts für Sie, Fräulein Buddenbrook.
Lauter Blut und Gedärme und Elend... Sie werden am Badestrand erwartet.
Aber wenn man Doktor werden will, muss man sich damit auskennen.
Ja. Man sieht es nicht den ganzen Tag, wenn Sie das meinen.
Nein, Gott sei Dank.
Wenn man den ganzen Menschen vor sich sieht,
in all seiner Schönheit, so wie Gott ihn schuf, dann...
(sanfte Klaviermusik)
Was rede ich?
Reden Sie nur. Ich höre Ihnen gerne zu.
(entsetzter Laut) Schau an!
-40 Mio. Jahre? - Ja.
Damals versanken die Kiefernwälder. Und gerade diese Mücke blieb erhalten.
Eigentlich bin ich eine dumme Gans und weiß nicht viel von der Welt.
Sie wohnt beim Lotsenkommandanten.
Aber wer ist der junge Mann da?
Wohl nicht der Lotsenkommandant. (Gekicher)
- Ich bin so gerne am Meer. (lacht) -(lacht)
Ja. Manchmal kann's auch langweilig sein.
- Und jetzt? - Was, langweilig? Nein.
-(sie lacht) - Ganz und gar nicht.
Drehen wir lieber um.
(romantische Orchestermusik)
(seufzt) Das ist die Bürgermeister Steenbock.
Die geht nach Russland.
-(sie lacht) - Mit dem möcht ich nicht mit.
Beim Zaren muss es noch empörender zugehen als bei uns.
Jetzt fangen Sie wieder mit den Adligen an.
Ist das richtig? Jemand muss nur geboren werden,
um auserlesen zu sein und verächtlich auf uns herabzublicken?
Niemand will auf Sie herabblicken.
- Sie sagen das nur so. - Nein.
Nicht nur so.
(idyllische Musik setzt ein)
Mein Vater sagt, Buddenbrooks, das ist gerade so wie eine Adelsfamilie.
Sie sind die Tochter eines Patriziers.
Und ich bin nur der Sohn eines Lotsenkommandanten.
Reden Sie doch nicht so.
Ich bin gerne bei Ihnen hier am Strand.
Können Sie ein Geheimnis bewahren?
Sehen Sie mal.
- Was ist denn das? - Das bedeutet,
dass ich in Göttingen einer Burschenschaft angehöre.
Gefährliche Demokraten. Nun wissen Sie's.
Aber sagen Sie's bloß nicht meinem Vater!
Das gäbe ein furchtbares Unglück.
(sanfte Klaviermusik)
(gefühlvolle Streichmusik)
(sie lachen)
(Donner)
(sie lacht)
(Donnergrollen)
(Donnergrollen)
(sanfte Orchestermusik setzt ein)
(entferntes Donnergrollen)
Das war der glücklichste Tag meines Lebens.
Für mich auch.
Ich werde...hart arbeiten, studieren.
Versprich mir, dass du den Tag nicht vergisst, bis ich Doktor bin.
Dann bitte ich bei deinem Vater für uns.
Du bekommst eine Arztstelle in Lübeck.
Hier. Das ist für dich.
(gefühlvolle Orchestermusik)
Morten!
- Es tut mir leid. Das war Grünlich. -(sie schluchzt)
Er hat's von Vater verlangt.
(sie weint)
(traurige Musik)
- Was für Geschichten? - Mama, bitte.
Julchen Hagenström hat sich mit August Möllendorpf verlobt.
- Hinrich Hagenström wird sich freuen. - Warum nicht?
- Dein Vater freut sich auch, wenn... - Nein!
Du hast den ganzen Tag nichts gegessen.
- Ich kann nichts essen. - Hier. Eine Schokolade.
Du bist eine Buddenbrook.
Wir sind nicht dafür geboren, nach dem Zu leben, was wir für Glück halten.
Mit unseren kurzsichtigen Augen.
Ja.
Wir sind Glieder einer Kette.
Auch du bist nicht denkbar ohne die Reihe derer,
die uns vorangegangen sind.
(unheimliche Musik)
(Männerstimme) Anno Domini 1728 bin ich, Siegmund Buddenbrook, geboren.
Anno Domini 1785 habe ich mich durch priesterliche Copulation...
1810 hatte unser Sohn die Pocken.
Alle Leute hatten ihm das Leben schon abgesprochen.
(2. Männerstimme) So wurde Jodokus Buddenbrook
anno 1599 zu Grabau ein Ratsherr
und sein Sohn Kaspar ein Gewandschneider.
Hatte sich nach Rostock verheiratet und sich dort sehr gut gestanden.
"...sich dort sehr gut gestanden."
(2. Männerstimme) Und hat dort 13 Kinder gezeuget.
(3. Männerstimme) Den Handel mit Getreide, Öl und Fellen...
(4. Männerstimme) 1844 reiste ich nach Bergen.
Der Höchste gab mir einen gesunden Körper...
(Konsul) So starb meine geliebte Frau Clara im Kindbett.
"L'année la plus heureuse de ma vie."
(Konsul) Die Zeit mit ihr war l'année la plus heureuse de ma vie.
(seufzt)
Gerade Wege der Pflicht gingen unsere Vorfahren.
Aber Morten liebt mich.
Die Liebe...
Ja, das ist schön.
(bestimmt) Aber du bist eine Buddenbrook.
(düstere Musik)
Und deine Liebe?
Wie war's damit?
"L'année la plus heureuse de ma vie."
Es war ein kurzes Jahr.
Das kann man doch nicht vergessen.
(traurige Musik)
Du hast doch mit Mutter eine gute Partie gemacht, nicht wahr?
Gott hat sie mir geschickt.
Der Herr, der uns leitet...
...und bis heute seine Hand nicht abgezogen hat von Buddenbrooks.
Ist das Gottes Wille?
Jemand muss nur geboren werden, um auserlesen zu sein?
Grünlich hat dein Versprechen.
Gar nichts hab ich ihm versprochen!
Du schuldest deinen Eltern den Gehorsam.
(düstere Streichmusik)
(Konsul) Der Herr ließ meine Tochter Antonie wachsen zu seiner Ehre
und rüstete sie aus mit Tugend,
sodass sie den Willen dessen, der sie kommen ließ, zeitlebens erfüllen möge.
"...kommen ließ, zeitlebens erfüllen möge."
(traurige Musik) (Hufgeklapper)
(Tony) Antonie Buddenbrook verlobte sich am 22. Oktober 1845 mit...
...Bendix Grünlich, Kaufmann zu Hamburg.
(sie pustet)
Die traditionelle Bar-Mitgift für ein junges Mädchen aus unserer Familie
beträgt 70.000 Mark.
Aber...ein Geschäft vergrößert sich...
Eine Familie blüht empor.
Mein Gott, Sie haben mich nicht mal ausreden lassen.
Sonst wüssten Sie, dass ich den 70.000 schlankerhand...
...10.000 hinzufüge.
80.000, also.
(Konsul, zufrieden) Ja.
In Gottes Namen.
(laut stöhnend) Ida! Ihr schnürt mir ja das Herz ab!
- Tut mir leid. - Kindchen, wirst dich gewöhnen!
(beschwingte Walzerklänge)
Jean, glaubst du, dass sie glücklich wird?
Sie ist zufrieden mit sich selbst.
Das ist das solideste Glück, das wir auf Erden erlangen können.
(vorwurfsvoll) James.
Er darf es nun mal nicht. Fragen Sie Dr. Grabow.
(sie seufzt)
Bitte.
(Tony) Halt!
- Bist du zufrieden mit mir? -(seufzt)
(Hund bellt)
Jetzt kommt sie in glänzende Verhältnisse.
Und du darfst zu Mr. Richardson nach London.
Oh yes, my dear. And you?
Good luck for Amsterdam.
(Kirchenglocken läuten)
(Mann mit Akzent) Kaffee, Gewürze, Gummi, Petroleum, Holz, Indigo...
Sie bekommen Einblicke in einen Welthandel von und nach Übersee.
In Lübeck streiten sie noch über den Beitritt zur Zollunion.
Ach, warum? Sie werden sehen.
Je größer der Markt, desto größer die Chancen. Geld will sich vermehren.
Wie Sie das sagen. Als ob's lebendig wäre, das Geld.
(lachend) Wer weiß?
Heute Abend sind wir eingeladen in einer Gesellschaft von Kaufleuten.
Ein sehr erlesener Kreis. Sehr interessant.
(sanfte, melodramatische Musik)
(Musik schwillt an)
(Musik klingt aus)
(Violinenspiel)
Der Hausherr und seine Tochter.
Die Mutter ist früh gestorben. Ein Unglück.
Schön, nicht wahr?
Aber sie hat jedem Freier bisher einen Korb gegeben.
(Thomas) Gerda Arnoldsen trug einige Stücke vor.
Sie sah prachtvoll dabei aus.
Und obgleich ich keine Ahnung vom Violinenspiel habe,
muss ich gestehen, dass sie so ergreifend spielte,
dass mir beinahe die Tränen kamen.
Sie besitzt übrigens eine Stradivari.
-(Gerda) Mein Vater schenkte sie mir. - Pardon. Wir sind Kaufleute.
Von Musik verstehen wir nicht allzu viel.
- Aber es hat Sie doch berührt? - Ja.
Sehen Sie?
Wenn Sie darauf spielen, ist es, als ob sie lebt.
Ja. Da haben Sie recht.
Man muss jeden Tag darauf spielen.
Sonst stirbt sie.
Sie verstummt! Ihr Klangkörper. Das ist am Ende das Geheimnis.
Die Braut ist gut und gerne runde 300.000 Kurantmark wert.
(Violinenspiel)
(Bethsy) "Ich verehre Gerda Arnoldsen mit Enthusiasmus.
Ich bin nicht gesonnen, tief genug in mich hinabzusteigen,
um zu ergründen, ob die hohe Mitgift zu diesem Enthusiasmus beitrug."
Ein Geschäft von einiger Größe.
- Wie viel? -300.000.
Das nenn ich Liebe.
Ja, das gibt es. Liebe.
Was weißt du denn von Liebe?
Ich weiß es.
"Ich liebe Gerda Arnoldsen, verehre Gerda Arnoldsen.
Wenn ich bei ihr zu Besuch bin, vergeht die Zeit wie im Fluge."
(Gerda) Heinrich Heine, "Das Buch der Lieder”.
Etwas extravagant für einen Kaufmann, oder?
(wohlwollend) Hm.
Immerhin. Ein Kaufmann mit Sehnsucht.
Verraten Sie mich nicht in Lübeck.
(Tony) Liebe Mama. Unsere Villa ist sehr hübsch.
Wenn Ihr nach Grünlich fragt: Er ist viel beschäftigt.
Er fährt morgens in die Stadt und kommt spät abends nach Hause.
Ich bat ihn um ein Coupe, damit ich auch allein in die Stadt fahren kann.
Er versprach es mir.
- Herr Kesselmeyer! - Madame Grünlich.
- Steht mir eine Kutsche zu oder nicht? - Tony!
Sie sind mein Bankier. Er sagt, ich ruiniere ihn.
Sie ihn? (lacht lauthals)
Das ist höchst spaßhaft. (kichert)
Also, wirklich: großartig, wundervoll. (lacht)
Sie ruinieren ihn! (lacht lauthals)
Sein Freund, Bankier Kesselmeyer, ist oft bei uns.
Ein drolliger Kerl. Manchmal klopft er mir auf die Wange und sagt:
Sie gute kleine Frau. Welch Segen für Grünlich, dass er Sie bekommen hat.
(lachen laut)
Grünlich begibt sich merkwürdigerweise
nicht gerne mit mir in die Hamburger Gesellschaft.
Er sieht nicht gern, wenn ich mich mit Leuten in der Stadt unterhalte.
Sollte ich eifersüchtig sein?
Haben Sie Geduld, Thomas. Gerda will sich noch nicht entscheiden.
Geben Sie uns Zeit.
-(Thomas) Herr Arnoldsen. - Gute Reise.
(sehnsüchtige Streichmusik)
(laute Stimmen von draußen)
(Mann) ...Bürgerrechte für alle.
Bitte, zurück an die Arbeit.
(lautes Gebrüll) Revolution, Herr Konsul.
Herrliche Burschen. Flammend vor Hass und Begeisterung.
(Konsul) Ungezogene junge Leute. Gosch, gehen wir in die Bürgerschaft.
Der Schlachtergeselle Berkemeyer warf einen Stein.
- Trine! -(Gosch) Da ist er!
Trine, komm.
- Hiergeblieben, Trine! - Der Berkemeyer.
(lautes Geschrei) Sei vorsichtig!
(Frau) Wir wollen das Bürgerrecht! Bürgerrecht für uns!
(Durcheinanderrufen)
Weg hier!
(Durcheinanderrufen)
Man müsste dem Pack Respekt mit Pulver und Blei in den Leib knallen.
Was für Zeiten! Zeiten des Sturmes und der Bewegung.
Ruhe! Ruhe, ihr Leute.
Gebt nun mal Ruhe hier.
(plattdeutsch) Was stellt ihr für dummes Zeug an?
Kein dummes Zeug, Herr Konsul! Jetzt kommt eine andere Ordnung.
Geht nach Hause. Stört nicht die Ordnung. Nicht mal die Lampen sind an.
Das geht zu weit, mit der Revolution.
Revolution ist überall: Berlin, Paris!
Carl Smolt.
Was wollt ihr nun eigentlich? Sagen Sie das mal.
(plattdeutsch) Ja, Herr Konsul, ich sag mal bloß...
- Die Leute wollen eine Republik. - Du Döskopp.
- Wir haben schon eine. - Na, Herr Konsul...
Dann wollen sie vielleicht noch eine. (Gelächter)
Das ist nicht zum Lachen! Wir wollen eine richtige Republik.
Warten Sie ab.
- Eine andere Ordnung? -(Trine) Ja.
(plattdeutsch) Dann Sitz ich auf dem Sofa im seidenen Kleid.
- Sie bedienen mich. - Ich bediene dich?
(seufzt froh) Ja.
(lacht fassungslos) Das...
- Steht mir doch gut. - Hoch, Trine, hoch.
Sofort! Raus hier.
Wir verzichten auf deine Dienste.
Ich sag Ihnen:
Dann ist Schluss mit Schokolade zum Frühstück im Morgenmantel.
Und faul ins seidene Bett pupen. Ha!
(Gebrüll)
Kutscher, los!
Lasst mich durch!
(Konsul) im Unruhejahr 1848
starb der verehrte Vater meiner über alles geliebten Frau Bethsy
in seinem 81. Jahr.
(traurige Streichmusik)
Mein Sohn Christian ist im Auftrag seines Prinzipals Mr. Richardson
von London nach Valparaiso gereist.
Ein Bankrott in Bremen, Gebrüder Westfahl,
hat unser Haus in den Grundfesten erschüttert.
(dramatische Musik)
(Mann) Rostocker Roggen, 70 Brief.
(Mann) 59 Geld.
-(Mann) 70,25 Geld. -(Mann) 71 Geld.
-(Mann) Wievielmal? -(Mann) Dreimal.
Eine große Menge Getreide, die wir auf Wechsel geliefert hatten,
war für die Firma verloren.
Es handelt sich um 80.000 Kurantmark. Auf einem Brett.
(Mann) Königsberger Weizen, 60 bezahlt.
(Mann) Nein. Per Ultimo fix, aber nicht zu diesen Preisen.
Wie man hört, ist der Schwiegersohn in Hamburg ziemlich klamm.
Lassen Sie mich nicht fallen.
(Kesselmeyer kichert lauthals)
Keinen Tag länger.
Sie boten mir 12 und dann 16 Prozent und ich habe immer prolongiert.
Ich unterschreibe 20 Prozent.
Nein. Nein, nein. (kichert)
(Kesselmeyer) Schreiben Sie Ihrem Schwiegervater.
(Grünlich) Und wenn er sich weigert?
Dann machen wir einen kleinen Bankrott.
(verächtlich) Morgenmäntel!
(knurrend) Ballkleider und Hüte!
Und noch mal Hüte. Deine Putzsucht ruiniert mich!
Mein Vater ist ein reicher Mann. Wenn er wüsste, wie du mich behandelst...
Dann warte auf den Tag, WO uns sein Reichtum etwas nutzt.
Was sagst du da? Willst du dir etwa Vaters Tod wünschen?
Hast du schlechte Geschäfte gemacht, Grünlich?
Grünlich muss seine Zahlungen einstellen.
Verstehst mich doch.
Grünlich macht Bankrott?
Wenn ich ihm kein neues Geld gebe...geben soll...
Glaubst du, dass er schuldig ist?
Ein Betrüger.
Ich werfe gleich einen Blick in seine Bücher.
-(Tony) Um wie viel geht es denn? - Um eine große...sehr große Summe.
Die Summe würde eine Schwächung der Firma bedeuten.
Gut.
Nie. Das tust du nicht.
Du willst doch nicht auch Bankrott machen.
Ach, Papa...
(düstere Streichmusik)
Wäre es damals nicht besser gewesen...
Ja. Vielleicht.
(sanfte, gefühlvolle Musik)
-(Tony) Er war mir immer widerwärtig. -4 Jahre.
Rechnen wir ab.
Ihre Forderungen an Herrn Grünlich betragen 150.000 Kurantmark.
Und Sie wären unter keinen Umständen bereit,
Ihre Geduld...
(lachend) Meine Geduld? Das ist gut.
Keineswegs. Das ist ganz ausgeschlossen.
Dann müssen die Dinge ihren Lauf nehmen. Ich werde sie nicht aufhalten.
Erlauben Sie mir...
Können Sie nicht? Gerade jetzt?
Bei dem Unglück mit dem Wechsel von Westfahl ist das eine Gelegenheit
zu zeigen, dass Ihre Firma Stärke hat.
Um meine Zahlungsfähigkeit klarzustellen,
habe ich es nicht nötig, mein Geld in die nächste Pfütze zu werfen.
Aha. (lacht bedeutsam)
Wollen Sie Ihre Tochter ins Elend stürzen?
Vor 4 Jahren, als uns schon einmal das Messer an der Kehle stand,
als wir die Verlobung an der Börse ausschreien ließen,
bevor sie stattgefunden hatte...
- Kesselmeyer! - Wie haben wir es denn angestellt,
das Töchterchen und die 80.000 Mark zu ergattern?
Man legt dem Herrn Papa hübsche Bücher vor, wie gemalt.
Und dabei waren drei Viertel der Mitgift bereits Wechselschulden.
(er lacht)
Ich habe Erkundigungen eingezogen.
Das Übrige...war Gottes Wille.
(lachend) Gottes Wille. Ja, ja.
Und...man hat Erkundigungen eingezogen?
Bei wem?
Bei Bock?
Bei Maßmann & Timm? Bei Goudstikker?
Bei Petersen? Ja?
(er lacht)
Aber die waren doch alle engagiert.
(lachend) Die waren doch alle ganz ungeheuer engagiert.
(er kichert)
(düstere Musik)
(Kesselmeyer kichert schrill)
(Kesselmeyer kichert)
(Grünlich) Geh nur! Meinst du, dass ich dir nachrenne?
Ich hab dich nur des Geldes wegen geheiratet!
Das hat aber nicht gereicht!
Weg!
Mach, dass du wieder nach Hause kommst!
Ich bin deiner überdrüssig! Überdrüssig!
Glaub mir, ich hab dich nicht leichtfertig in diese Ehe gegeben.
- Ich hatte sichere Auskünfte. - Lass nur, Papa.
Jetzt bin ich ja wieder bei euch.
(gefühlvolle Klaviermusik)
- Grünlich ist... - Bankrott.
Schuldig?
Ja.
(sie seufzt)
- Ich bin doch noch jung. - Ja.
- Und hübsch? -(er lacht leise)
Das bist du. Immer noch.
Das Leben hat doch noch gar nicht richtig angefangen.
(Mann) 154,75.
154,75.
154 Geld.
184, an Sie.
Geld und Gatte perdu.
Unangenehme Sache, wie? (lacht)
- Mein Lieber, die Affäre Grünlich... - Es war Betrug.
Unsere Prinzessin, verkauft an einen Mitgiftjäger.
- Der ganze Mann eine faule Offerte. - Tja, Schicksal!
(Mann) 71, bezahlt an Sie.
Herr Konsul, Mecklenburger Weizen, 166. An Sie?
(unruhige Streichmusik)
-(Mann) 70,25 Geld. -(Mann) 71 Geld.
- Wievielmal? -Dreimal.
(Mann) 71, bezahlt an Sie von Ihnen.
Königsberger Weizen, 60 bezahlt.
Hagenström schnappte mir die Partie vor der Nase weg.
Schreibe es zu den Verlusten.
Wir werden aufholen.
Ganz sicher.
Nein. Ich bin zu ängstlich geworden.
Die Pleiten in Bremen und Frankfurt...
Tonys Mitgift...
Wir haben viel verloren.
Wir werden neue Wege gehen.
Eigene Schiffe würden uns von den Reedern unabhängig machen.
Das Kapital könnten wir mit einer Vereinigung von Kaufleuten aufbringen.
Meine Kraft geht davon.
Setz dich mal an meinen Platz.
Du sollst jetzt eine Annonce für mich aufsetzen.
Der Kaufmann Jean Buddenbrook,
königlich niederländischer Konsul,
beehrt sich anzuzeigen,
dass er vom heutigen Tag
aufhört zu zeichnen.
Der älteste Sohn Thomas
führt nun voll verantwortlich
die Geschäfte
der Firma Buddenbrook.
(dramatische Streichmusik)
(er atmet schwer)
(er ächzt)
(Donnergrollen)
(er ächzt und stöhnt)
(er stöhnt)
(dramatische Musik)
(schwach) Kurios. Kurios.
(lauter Donner)
(sie lacht ausgelassen)
- So ein Wetter! - Wie aus dem Nichts.
(Frau) Frau Konsulin! Frau Konsulin!
(unheilvolle Musik)
(Musik wird leiser)
(Kirchenglocken läuten)
(Schluchzen)
(sie schluchzt)
Ida.
Wie hat er denn gemacht?
Nichts hat er gemacht. Krischan, es ging ganz schnell.
Senoritas, con permiso. Guten Morgen.
(Christian) Riecht das gut!
Wir machen Frikassee für Sie.
Hmmm. Senoritas.
(düstere Musik)
- Die englische Korrespondenz. - Yes, my dear.
(Christian) Ja. Gin, meine Herren.
Das war in Valparaiso Medizin. Gegen die Hitze, Moskitos, Malaria.
(Christian) Johnny Thunderstorm.
Johnny Thunderstorm. Der kam mit mir aus London.
Ein unglaublicher Kerl. Ein Bummelant.
Niemals sah ich ihn arbeiten. Dabei war er ein sehr gewandter Kaufmann.
"Du lieber Himmel”, sagte er immer, "bei der Hitze..."
Einmal lagen wir zu acht wie die Fliegen im Kontor,
rauchten Zigarren, um die Moskitos zu vertreiben.
Da kommt auf einmal der Chef ins Büro:
"Wie? Sie arbeiten nicht, meine Herren?"
Da sagt Johnny:
"No, Sir". (lacht)
"Wie Sie sehen, Sir". (lacht)
Und wir alle blasen ihm den Zigarrenrauch ins Gesicht.
(Christian lacht)
Meine Herren...
(Christian kichert)
An die Arbeit.
Lieber Himmel, Markus. Ich habe einen Scherz gemacht.
(er kichert)
(Christian kichert)
(fröhliche Musik mit Gesang)
(Gesang endet)
(Jubel, Applaus)
Aline Puvogel.
Ich singe nur die kleinen Rollen.
Das kann sich ändern.
Kennen Sie den Herrn Direktor?
Er kennt mich.
Sie sind aber vor gar nichts bange.
Soll ich denn?
Von Ihrem Bruder.
Soll die Firma zahlen?
Ich fühl mich so wohl wie nie.
Mittagszeit. Man isst mit der Familie, ruht sich aus.
Man geht wieder zur Arbeit.
- Dann iss auch mit der Familie. - Wenn man zum Abendbrot kommt,
fühlt man sich so durchdringend zufrieden.
Jedes Glied ist zufrieden, die Hände...
Du machst dich doch lächerlich. Die Hände sind zufrieden?
Ich wäre zufrieden,
wenn du solche Kleinigkeiten selber übernehmen würdest.
(unheilvolle Musik)
(Ida) Der Karpfen.
(traurige Musik)
Was ist mit dir?
Ich gehe ziemlich weit fort.
Nach Amsterdam.
(tragische Streichmusik)
(er seufzt)
Sie sind ernster geworden. Weil Sie nun Konsul der Niederlande sind?
Die Firma, die Verantwortung für die Familie...
- Man lebt nicht in den Tag hinein. - Ihr Bruder hilft doch?
- Ja. Er muss sich noch eingewöhnen. - Ich kenne die Kolonien.
Ich habe dort Gerdas Mutter kennengelernt.
(Violinenspiel)
Gerda spielt mit so viel Leidenschaft.
Gefühl und Verstand, beides gehört zur Kunst.
Ja, Sie können das verbinden, Kaufmann und Musiker zu sein.
Ich bewundere das.
Alles gut und schön.
Aber mit wem soll ich in Zukunft meine Duos spielen?
(romantische Violinenmusik)
(Musik läuft weiter)
Thomas!
Thomas und Gerda sind da!
(leise Streichmusik)
Mein Gott, wie schön du bist, Gerda.
- Ich darf doch "du" sagen? - Ja.
- Und du bist Tony. -(Thomas) Unverkennbar.
Tony.
(Tony) Kommt herein.
(er flüstert)
Mein lieber Jean wäre heute sehr glücklich.
Wir kennen auch jemanden, die heute gerne dabei wäre.
(er röchelt und hustet)
-(er hustet) - Kann ich dir helfen?
Manchmal kann ich nicht schlucken. (Gelächter)
Das ist nicht zum Lachen.
Ich denke, vielleicht kann ich nicht schlucken, und dann geht es nicht.
- Du stellst es dir nur vor? - Ja.
Der Bissen sitzt schon ganz hinten im Hals,
aber das hier...die Muskeln... versagen einfach.
Ich wage nicht einmal, es ordentlich zu wollen.
Mein Gott, Christian. Was für dummes Zeug.
(Gosch) Er wagt nicht zu schlucken? Originell.
- Das ist lächerlich. - Es sind die Nerven.
Christian. Ja. Es war höchste Zeit, dass du wieder nach Hause kamst.
Das Klima dort drüben hätte dich krank gemacht.
(Glas klingt)
Ich habe mit meiner Tochter viele schöne Duos gespielt.
Nun hat sie einen anderen Partner.
Einen Partner nicht für die Kunst, sondern für das Leben.
Ich erhebe mein Glas auf das Glück unserer Kinder.
(Mann) Zum Wohl.
- Zum Wohl. - Zum Wohl.
(Frau) Zum Wohl.
(leise) Gerda.
(gefühlvolles Violinenspiel)
(sie stöhnt)
-(er stöhnt) -(sie schreit lustvoll)
(Violinenmusik klingt aus)
(Tony) Lieber Tom, Eva Ewers hat mich heute zu einer Floßfahrt mitgenommen.
Es ging die Isar nach München herunter.
Ihr Mann, ein Brauereibesitzer, hatte einen Freund dazu eingeladen.
Ein Hopfenhändler.
(bayerisch) Das Ist eine Maß. Ein Liter.
Viel zu viel.
Vielen Dank, dass Sie mitgekommen sind und keine Angst gehabt haben.
- Ich hab vor nichts Angst. - Ach?
So? Na ja...
Dann schauen wir mal.
(sie lachen)
(Tony) Er ist übrigens Junggeselle.
So.
(sanfte Streichmusik)
(er seufzt)
Grüß Gott.
- Tag, auch. - Grüß Gott.
"Noppe & Compagnie, Hopfenhändler".
Ihr Sohn hat mir da ein Geschäft ermöglicht.
So, so, mein Sohn Thomas. Er wird sich gleich hier einfinden.
Ich bitte um Verzeihung wegen dem Karterl,
ich hatte kein anderes zur Hand.
- Herr Noppe, interessant. - Nein, ich bin der Co.
Mein Name ist Permaneder. Alois Permaneder aus München. (lacht)
Vielleicht haben Sie von der Frau Tochter meinen Namen gehört.
- Gewiss, sie hat von Ihnen erzählt. -(seufzend) Ja.
Ja, und jetzt bin ich da.
- Gell, da schauen's. - Wie beliebt?
Na...Gell, da spitzen's. (lacht)
- Ah ja...Nett. - Na, da tun Sie sich halt wundern, hm?
Mein lieber Herr Permaneder, Ja. Das Ist wahr.
(idyllische Musik)
- Wohin? - Nach Rützerau.
Die ganze Partie geht an die Mühle dort.
Wir kaufen auf eigene Rechnung.
Dann hoffen wir auf steigende Nachfrage.
Und Preise.
(Mann) Pass auf die 12 auf!
(Mann) Vorsicht.
- Und Ihre Firma? -(lachend) Ja, Mei.
München ist halt keine Geschäftsstadt. Da will jeder seine Ruhe.
(Permaneder) Eine schöne Jugendzeit müssen Sie hier verbracht haben.
Ach ja. Aber es ist schon traurig, dass man nur einmal lebt.
Dass man das Leben nicht noch mal neu anfangen kann.
(idyllische Musik)
(Permaneder) Und wenn Sie's noch einmal anfangen könnten?
Man würde so manches geschickter anfassen.
(sie lacht)
Brrr!
(er lacht erschöpft)
(sie kichert)
- Kommen Sie. -(sie lacht)
Jetzt haben's wohl Furcht?
- Nein. (lacht) - Vor der Ehe?
Ja...Nein.
Ja?
Aber so ein Jawort fürs Leben...
Ach geh, Tonerl, du...
Sie würden mitkommen in meine Münchener Stadt?
Ja.
Buon Dia.
Guten Tag.
- Gentlemen. - Krischan.
- Glückwunsch zum Schwager. - Danke.
Das Königreich Bayern ist am Ende das Richtige für unsere Prinzessin.
München ist keine Geschäftsstadt. Da braucht jeder seine Ruh und seine Maß.
- Wäre das nichts für unseren Krischan? - Ich würde lieber studieren.
- An der Universität muss es nett sein. - Nett?
Man geht hin, wann man Lust hat. Ganz freiwillig.
Man setzt sich, hört zu...
- Wie am Theater. - Die Professoren singen nicht.
Die halten Vorlesungen. (Gelächter)
Lacht nur. Euch gefällt es doch auch am Theater.
Justus, Stephan... vor und hinter der Bühne.
Am Ende ist es nur Theater, Bühne, Schminke, ein bisschen Tüll...
Trotzdem geht es dort ehrlicher zu. Die Kaufleute tun nur so ehrbar.
In Wahrheit sind das alles Gauner und Schwindler.
(Lachen)
Wo käme denn sonst der Profit her? (Lachen)
(Gelächter)
(lacht)
(lacht)
Also, ich meinerseits halte meinen Beruf sehr hoch.
Du lieber Himmel, Thomas, ich hab einen Spaß gemacht.
Obgleich...eigentlich...
(Gans quiekt aufgeregt)
(Tür knallt) (Thomas, wütend) Spaß?
Du hast gesehen, wie der Spaß verstanden wurde.
"Ich meinerseits halte meinen Beruf sehr hoch”, sagte Hagenström.
Ja, der dumme Kerl.
Ich hab mich so für ihn geschämt.
Die Stimmung war zum Teufel.
Die Leute haben gelacht, als ob sie mir recht geben.
Hagenström hat die Gelegenheit benutzt, uns...
...Nicht nur dir, sondern uns eins zu versetzen!
- Du warst doch gar nicht gemeint. - Weißt du, was "ich meinerseits" hieß?
Solche Erkenntnisse kommen wohl aus dem Kontor Ihres Bruders?
- Du Esel... - Esel?
(Thomas) Ja, Esel! Ich verbiete dir deine Torheiten!
Du machst uns lächerlich mit deinen Liebschaften, Krankheiten und Mitteln.
Oh nein, Thomas. Du verstehst mich nicht.
Man muss doch sozusagen sein Gewissen in Ordnung halten.
Grabow hat mir eine Salbe für die Halsmuskeln verschrieben.
Benutze ich sie nicht, komme ich mir hilflos vor und kann nicht schlucken.
Benutze ich sie, fühle ich, ich habe meine Pflicht getan, bin in Ordnung.
Und das Schlucken geht.
- Pflicht? Ordnung? - Ja. Es ist nicht die Salbe.
So eine Vorstellung kann nur von einer anderen Vorstellung aufgehoben werden.
Ach ja? Tu's doch, aber Schwatz nicht drüber!
Aber das ist genau der Unterschied zwischen uns.
Du siehst auch Theaterstücke an
und hattest früher auch deine Techtelmechtel.
- Alles zu seiner Zeit. - Romane hast du gelesen.
Aber du hast das immer verstanden, das alles...
...mit der ordentlichen Arbeit zu verbinden.
Ich gehe den Weg, den unsere Vorfahren uns gewiesen haben.
- Zum Wohl der Firma. - Ja.
Und das geht mir ab.
Siehst du.
Ich werde von dem anderen...
...Kram aufgebraucht, sodass für das Ordentliche nichts mehr bleibt.
Ich weiß nicht, ob du mich verstehst.
Du bist ein Auswuchs.
Du bist...eine ungesunde Stelle am Körper unserer Familie.
Wäre dieses Haus meins, würde ich dich hinausweisen.
- Zur Tür hinaus! - Was fällt dir ein?
Was hab ich dir denn getan?
Hör endlich auf, mit diesem albernen Stock herumzulaufen.
Christian!
Christian will sein eigener Herr sein und du wirst ihm dabei helfen.
Burmeester am Jungfernstieg. Das ist tipptopp.
- Selbstständig in Hamburg. - Bis auf den Kapitalzufluss der Firma.
Ja, von den Buddenbrooks zu Burmeester.
- Wir werden dich vermissen. - Und Johnny Thunderstorm.
(lachend) Johnny! Auf Johnny Thunderstorm!
Ein unglaublicher Bummelant. Ich sah ihn nie arbeiten.
- Sie arbeiten nicht, meine Herren? -(alle) No, Sir! Wie Sie sehen, Sir.
(Gelächter)
Dass Brüder sich hassen, kommt vor.
Aber man spricht nicht darüber.
(er pfeift eine Melodie)
Habt ihr nicht Lust, zu mir zu ziehen?
- Ihr 2, am Jungfernstieg? -(bejaht)
(flüsternd) Wir 3.
(Glocken läuten)
(sie rülpst)
(er lacht)
So, da sind's fertig, die Pflanzerl.
Das heißt "Frikadelle", Babette.
Sag bittschön "Babett”".
- Pflanzerln sind Pflanzerln. - Ja.
Tonerl...
- Mir war's Genua. - Bitte?
Ich hab mich allweil geschunden. Jetzt will ich Mei Ruh.
Der Kompagnon hat liquidiert.
Und vom Kapital, da leben wir in Frieden.
Du willst aufgeben?
(langsame Ballmusik)
Und dann sagst du, ihr Buddenbrooks seid unmusikalisch.
Bis zum Walzer reicht unser Verständnis noch aus.
- Gute Partie. - Tipptopp.
Mein alter Schulfreund Thomas.
Gerda.
Und seine Schwester, Frau Permaneder?
Geschiedene Frau Grünlich.
(unterdrücktes Kichern) Die ist jetzt weit weg.
- Im Königreich Bayern. -(sie kichern)
(Glocke läutet)
(Glocke läutet)
(sie seufzt)
(langsamer Walzer)
Alle schauen dir zu.
Und haben ihr Vergnügen.
Am Klatsch.
(Thomas) Ein bisschen was musst du ihnen gönnen.
Sonderbar. Diese Toiletten, dieses Haar.
Diese Haltung, dieses Gesicht.
Sie hat ein bisschen was Gewisses.
Aber 4 Jahre verheiratet... und noch immer kein Kind.
Wie originell! Wie finde ich das furchtbar originell.
(sie kichern)
Aber... Tony!
(Thomas) Das ist eine Überraschung.
- Was soll das heißen? - Ich gehe nicht zu ihm zurück.
Wie beliebt?
(Thomas) Tony...
Ich will mich scheiden lassen.
- Bleib erst mal und dann... - Nein!
Du machst uns keinen Skandal, hörst du?
(unheilvolle Musik)
(leise, düstere Streichmusik)
(hoffnungsvolle Klaviermusik)
Du kannst es ihm nicht verzeihen?
Es waren die vielen Demütigungen, die ich herunterwürgen musste.
Ach, Tom...
Dass mir alles so misslingen würde...
Das hätte ich nie gedacht.
Schon gut.
(er seufzt)
Dann bist du ganz allein.
Gott sei mit dir, dass wir Buddenbrooks den Platz behaupten.
(Violinenspiel)
-(Tony) Jeden Tag das Gleiche. -(Ida) Ja.
Wir haben uns dran gewöhnt.
Nun würden wir sie schon vermissen.
(sie stöhnt)
(Tony) Gerda!
(Gerda stöhnt)
Danke, Tony.
Ich fühle mich so hilflos.
Wir freuen uns alle auf das Kind.
Jetzt gehörst du wirklich zu uns.
(Baby schreit)
(sanfte Streichmusik)
Als ob er gar nicht auf die Welt kommen wollte.
-(erleichtert) Ein Junge. -(Arzt) Gratuliere.
Fast hätte es die Mutter das Leben gekostet.
(Baby weint)
Jetzt wird alles gut, Tom.
Danke. Wir taufen ihn auf die Namen der Väter.
Justus Johann Kaspar Buddenbrook.
(Applaus)
(plattdeutsch) Ich bin gekommen, um Herrn Konsul und der Frau Konsulin...
...aus vollem Herzen zu gratulieren.
Dass das Kind gedeihen möge. (Geschrei)
Gedeihen möge. Denn das verdienen Sie vor Gott und den Menschen.
Denn wie Sie gibt es nicht viele.
- Ist Ja gut, komm. - Ein edler Herr.
Der Herrgott wird ihm das lohnen.
Und wenn es so weit ist, wenn wir vor seinem Stuhl stehen,
müssen wir alle zu Moder werden.
Komm.
(düstere Musik)
Zu Moder.
(unheilvolle Musik)
-(Mann) Danke schön, Tom. -(Thomas) Bis morgen.
- Nun geh. Nun sag's ihnen. - Ich kann nicht, Aline.
Mama.
(er flüstert)
Wie beliebt?
Sie heißt Aline.
Aline wie?
- Puvogel. - Meine Güte.
Du wirst von ihr gehört haben, Mama.
Sie...sie ist Sängerin.
(Bethsy) So ein Mensch betritt unser Haus nicht. Niemals.
(traurige Musik)
Bist du wieder in Unordnung?
Ja. Ich bin Ja nie wirklich in Ordnung gekommen.
Ich hatte gleich Verluste in Kaffee. Dann der Bankrott in Antwerpen.
Christian!
- Krischan! - Stephan.
Burmeester und Co. vom Jungfernstieg.
(beide) Tipptopp.
Thomas.
Dann tat ich nichts mehr und verhielt mich still.
Du hast dich still verhalten?
Die Karre im Dreck gelassen und dich anders unterhalten.
Ja. Na ja...man muss ja auch leben.
Thomas...
- Ida. - Krischan.
Ja, und... jetzt sind da noch die Wechsel.
Und ein paar andere Schulden.
Wechsel und andere Schulden? Woher denn?
Ich hab vor Augen, wie du gelebt hast. Im Theater, im Zirkus, in Klubs.
- Mit minderwertigen Frauenzimmern. - Sag das nicht.
Aline ist nicht minderwertig. So etwas darfst du nicht sagen.
Weißt du, was für ein prachtvolles Geschöpf sie ist? Sie ist so gesund!
Und als ich sie bekommen habe...
Tja, das...war nicht, wie ein gutes Geschäft zu machen.
(Thomas) Genug! Schweig endlich!
(düstere Musik)
(Thomas) Mit einem Kapitalzuschuss als weiterer Vorabzahlung
hat mein Bruder Christian sich in Hamburg als ein Agent
für Champagner und Cognac etabliert.
(Schleifstein quietscht)
(Geflügel gackert)
(Kinder rufen)
(Fliegen summen)
Nein! Nein!
(Ida) So. So hat er dagesessen.
Senator James Möllendorpf.
Sie müssen einen Nachfolger wählen.
Kistenmaker ausgeschieden.
Entscheidung zwischen Hagenström und Buddenbrook.
(Mann) Hagenström ist ein feiner Kerl.
- Hagenström! -(Mann) Mit seinen vielen Schals.
Hagenström ist viel reicher.
-(Frau) Aber Buddenbrooks Schwester... -(Frau) Da kann der Konsul nichts für.
(Mann) Hagenström.
(Mann) Das wird Hagenström.
Buddenbrook. Es ist Buddenbrook.
(Mann) Buddenbrook wird's. Die gehen in die Eckstrasse.
(sie lacht)
(freudige Streichmusik)
Sie kommen!
Ida, sie kommen!
Tom! Sie kommen!
(atemlos) Du bist es. Und Hagenström ist durchgefallen.
(pompöse Musik)
Herr Buddenbrook, der Senat der Freien und Hansestadt Lübeck
hat Sie zu seinem Mitglied gewählt.
Ich frage Sie: Nehmen Sie die Wahl an?
Ich will meinem Amt gewissenhaft vorstehen,
das Wohl des Staates Lübeck nach allen meinen Kräften erstreben,
dessen Verfassung treu befolgen, das Öffentliche Gut redlich verwalten,
und weder auf eigenen Vorteil noch auf Verwandtschaft Rücksicht nehmen.
Ich will Gerechtigkeit üben gegenüber jedermann,
reich oder arm,
so wahr mir Gott helfe.
(Thomas) Wir müssen für die weitere Begradigung der Trave sorgen.
Die Dampfschifffahrt macht die Konkurrenz in Kiel und Hamburg stark.
Die Schiffe müssen schneller die Trave rauf und runter.
Das ist die Zukunft, Bürgermeister.
Als Kaufmann wissen Sie besser Bescheid als unsere Diplomaten.
Bescheid wissen ist gut.
Aber man muss auch die Kraft haben, danach zu handeln.
(Mann) Dies Glas soll jetzt zerspringen
und Glück dem Haus und Hausherrn bringen.
Jetzt haben wir endlich unser eigenes Haus.
- Und Säulen aus Italien. - Ja.
Und endlich ein Musikzimmer für dich und Hanno.
- Prost, meine Herren. -(Männer) Prost!
Hermann Hagenström bewohnt eine Kate im Vergleich zu dir.
Warum so verzagt?
Ich hab eine nicht sehr kleine Partie Roggen nicht sehr vorteilhaft...
Kurz und gut, ich hab eine sehr große Partie Roggen
sehr unvorteilhaft verkaufen müssen.
Aber das passiert. Das machst du morgen wieder gut.
Guten Abend.
Der Erfolg kommt zurück.
(seufzend) Tony...
Glück und Erfolg sind in uns.
Wir müssen sie halten. Fest. Tief.
- Wenn es da nachlässt... - Nachlässt?
Du bist Senator! Da sind Gerda und Hanno...
Und die Firma, die bald Jubiläum hat.
(lachend) 100 Jahre Buddenbrook. Wir leben!
Ich dachte in letzter Zeit oft an ein türkisches Sprichwort:
Wenn das Haus fertig ist, so kommt der Tod.
Der Tod? Was redest du da?
Der Rückgang.
Der Abstieg.
Weißt du noch?
Bei Hannos Taufe sagtest du:
"Jetzt beginnt noch mal eine ganz neue Zeit."
Aber du stehst doch glänzend da.
Strahlend, Tony.
Wie dieser Stern da oben am Himmel.
Und du weißt nicht, ob er nicht gerade erlischt,
wenn er am hellsten leuchtet.
(Klavierspiel)
(Violinenspiel)
(er spielt ihre Melodie nach)
(sie spielen ein Duett)
(dramatisches Klaviersolo)
(Thomas) Genug!
(betont) Es ist zu viel.
Zu viel?
Die Musik wird Hanno im Leben nicht weiterhelfen.
Musik.
(Tür geht auf) Was ihr Buddenbrooks daran so liebt,
das Trällern, diesen faden Optimismus.
Herr Leutnant von Trotha.
Frau Senator, Herr Senator.
- Wenn ich störe... - Keineswegs.
Sie stören nicht, mein lieber René.
Der Senator will ins Kontor. Er wollte sich verabschieden.
(Hanno) René, haben Sie an mich gedacht?
Aber ja, Hanno. Hier sind sie, die Noten zum "Tristan".
(Klavierspiel)
Vom Klavier aus kann man keinen Getreidehandel führen.
Die Firma verlangt es. Er muss.
Siehst du? Das ist schwere Arbeit.
Und du konntest als Junge so einen Sack tragen?
Ich kann's wohl heute noch. Soll ich?
(Hanno) Ja.
(er ächzt)
Auch du musst schwer arbeiten, wenn du gut leben willst.
Aber zum Glück im Kontor und an der Börse.
Willst du das?
Ja, Papa.
Sag mir mal, was du da siehst?
- Große Segler mit lustigen Wimpeln. - Weißt du die Namen der Segler?
Das ist die Wullenwever und da...
...das ist die Frederike Oeverdieck.
Mhm, das ist doch schon was.
Aber wer von den beiden geht nach Kopenhagen und wer nach Riga?
Welche gehören der Konkurrenz?
Schau nur! Da ist René!
(Klavierspiel)
(leidenschaftliches Duett)
(Gerda lacht) (er stöhnt erzürnt)
(Stille)
(Violinen- und Klavierspiel setzt ein)
Papa?
Nun ist der Leutnant schon 2 Stunden bei Mama.
Mach mich nicht lächerlich.
Das liegt ganz bei dir.
- Schon zurück vom Gut Pöppenrade? - Guten Abend, Tom.
Wie geht's deinen adligen Freunden?
Also... (räuspert sich)
- Herr von Maiboom... - Was ist denn mit ihm?
Ein liebenswürdiger Mensch, eigentlich.
Er spielt Karten.
Er spielt am Roulette.
Er spielt in Rostock, in Travemünde...
Er spielt überall.
Er braucht eine größere Summe. Sofort.
Innerhalb von 14 Tagen.
Er muss also verkaufen. Auf dem Halm.
Und jetzt wird ihm irgendein Halsabschneider ein Angebot machen.
Aber es ist von dir die Rede, Tom. Von dir.
Von mir?
Ja, ich soll dir den Vorschlag überbringen.
Also die gesamte Ernte noch auf dem Halm für 55.000 Kurantmark.
Das könnten wir beim Verkauf verdoppeln.
- Ein Coup.
Ein Coup.
Glück und Erfolg sind in uns.
Wenn es da nachlässt... Du hast es selbst gesagt.
Es sind etwa 1.000 Sack Weizen. Ich weiß nicht, wie viel Hafer und Gerste.
- Du könntest einfach mal hinfahren. -(belustigt) Nein.
Niemals.
(idyllische Streichmusik)
Alle Achtung. Da bin ich wohl zu spät gekommen.
- Allerdings. - Na, dann...Viel Glück.
- Wer zuerst an der Trave ist! -(er lacht)
- Los! - Komm!
(idyllische Klaviermusik)
(sie lachen)
(Glocken läuten)
Schäfers Sonntagslied. Das ist der Tag des Herrn.
Das ist nichts.
Man hängt doch nicht an der Säule und faltet die Hände.
Einen Vortrag beginnt man mit einer Verbeugung und viel lauter.
Noch einmal, bitte.
-(zögernd) Schäfers Sonntagslied. -(energisch) Schäfers Sonntagslied.
(zaghaft) Ich bin allein auf weiter Flur...
(flüstert) Von fern...
Bin allein...
Nun, das ist kein Vergnügen.
Worüber weinst du?
Weinen könnte man darüber,
dass du selbst heute nicht genug Energie aufbringst,
um mir eine Freude zu machen.
- Bist du ein kleines Mädchen? - Genug!
Was soll aus dir werden?
(sie erschrickt)
(sie lacht)
- Glückwunsch, Herr Senator. - Danke.
Ihr habt immer noch die schönsten Blumen.
(beschwingte, feierliche Musik)
Ich weiß nicht, wie ich weggekommen bin.
(Gelächter)
(Christian) Das war die Chance.
- Tipptopp. -(Christian) Tipptopp.
- Glückwunsch zum Jubiläum. - Vielen Dank.
Ich arbeite seit Langem an einer Übersetzung von Lope de Vega.
- Sämtliche Werke? - Ich werde sie Ihnen zu Füßen legen.
Wenn ich fertig bin.
Ein Telegramm von Permaneder. Glückwünsche aus München.
Für dich.
Er war doch ein guter Mensch.
Wir haben's uns nicht nehmen lassen. Wir sind von Travemünde hergefahren.
- Unseren aufrichtigen Glückwunsch. - Danke. Zu viel der Ehre.
Ehre, wem Ehre gebührt. Auf die nächsten 100 Jahre.
(lautes Krachen)
(dramatische Musik)
Seltsam.
(Hagelkörner prasseln)
(Mann) Telegramm für den Herrn Senator.
Telegramm für den Herrn Senator.
Telegramm für Herrn Senator.
Herr Senator.
Großartige Burschen waren darunter.
- Augen flammend vor Hass. -(Mann) Den haben wir gesehen.
Mit Steinen haben sie geworfen.
(dramatische Musik)
Geh mal zu ihm.
Es ist gut So.
Mein Gott. Die 55.000 Kurantmark, die du Maiboom bezahlt hast.
Verloren.
Perdu.
Das ist aber auch ganz gut so.
(fröhliches Streicherspiel)
Ich habe gewarnt. Ich höre noch Ihren Herrn Vater...
"Mein Sohn, sei mit Lust bei den Geschäften am Tage.
Aber mache nur solche, dass wir bei Nacht gut schlafen können."
(flüsternde Stimmen der Vorfahren)
(Männerstimme) Die alte, zu Wittenberg gedruckte Bibel
gehörte dem Hause Buddenbrook.
Sie kommt immer auf den Erstgeborenen zu.
(Jean) Der Herr ließ meine Tochter wachsen zu seiner Ehre.
Er rüstete sie aus mit Tugend,
auf dass sie den Willen dessen, der sie kommen ließ,
zeitlebens erfüllen möge.
(Thomas) ...mein Sohn und Stammhalter
auf den Namen Justus Johann Kaspar getauft.
(sanft) Na?
Hast du das gemacht, Hanno?
Ja.
Wie kommst du zu dem Unfug?
Ich glaubte...es käme nichts mehr.
(leise weihnachtliche Gesänge)
Weihnachten.
- Fast hätt ich's vergessen. - Aber Herr Christian!
Ja.
(Chor singt Stille Nacht)
(Glöckchen klingelt)
Hast du dir das gewünscht?
Ja. Ich habe den "Fidelio" im Theater gesehen.
(leise) "Fidelio"?
(Zwitschern) (sie lachen)
Hör mal, Hanno.
Du darfst dein Herz nicht an solche Sachen hängen. Theater und so was.
Das taugt nichts.
Das hast du dir also gewünscht. (lacht)
(Christian singt) Er sterbe!
Doch soll er vorher wissen
Wer ihm sein stolzes Herz zerfleischt.
(sie hustet)
(Bethsy hustet heftig)
(sie hustet weiter)
(sie hustet und ringt nach Luft)
(sie röchelt)
(sie ringt nach Luft und hustet)
(leise Streichmusik)
(Tony schluchzt)
(traurige Streichmusik)
(Thomas) Das Service mit dem Goldrand.
- Das übernehme ich. - Wie? Und ich?
Ich bitte darum, mich nicht ganz und gar zu vergessen, ja?
Was willst du denn mit dem Essgeschirr?
- Ich denke daran, mich zu verheiraten. - Das ist doch wohl unmöglich!
- Du hättest Mutters Tod abgewartet... - Ich habe Rücksicht genommen, ja.
Eigentlich kann ich nicht darüber reden, wo Tony und Gerda dabei sind...
Du weißt, ich habe Verpflichtungen.
- Die kleine Gisela... - Ich will davon nichts wissen.
- Sie ist von mir! - Man belügt dich.
- Du Irrst dich... - Schweig!
Es reicht, Tom. Ich verbitte mir jegliche Einmischung von deiner Seite.
Ich bin ein erwachsener Mensch!
Ein Narr bist du.
Ich verbiete dir, uns mit einer Kurtisane zu Verschwägern
und ihr unser Geld in den Schoß zu werfen.
(er lacht bitter)
(Thomas) Du willst ihren Kindern wohl unseren Namen geben?
- Ja, wo sie doch meine Frau wird. - Ich lasse dich für kindisch erklären.
Ich lasse dich einsperren. Ich mache dich zunichte.
Wir sind darinnen fertig.
(Christian) Für Mutter warst du immer der bessere Sohn.
Aber solange ich denken kann,
hast du auf mich eine Kälte ausströmen lassen, dass mich immer gefroren hat.
Ich kann nicht den ganzen Tag an deine Krankheiten denken.
Vielleicht bin ich kränker als du.
Ein starkes Stück. Tony, Gerda, er sagt, er sei kränker als ich.
Hier, ich zeig dir mal was. Schau her.
Ich kann vor Schmerzen kaum gehen!
Christian!
Worüber streitet ihr bloß? Als wäre es eine Ehre, der Kränkere zu sein.
(Thomas) Wenn du verrückt wirst, was nicht unmöglich ist,
dann werde ich keine Träne vergießen.
(Christian) Genauso wenig, wenn ich sterbe.
- Du stirbst nicht. - Nein?
Wir werden ja sehen, wer von uns beiden früher stirbt.
Du bist ein Egoist, Thomas.
Ja, das bist du.
Und ich liebe dich.
Auch wenn du mich ausschimpfst und niederdonnerst.
Aber am schlimmsten ist dein Schweigen.
Wenn ich alleine und beschämt dastehe.
Du bist so ohne Mitleid...
...und Liebe und Demut.
(er stöhnt angewidert)
Wie satt ich das alles habe.
Haltung! Gleichgewicht, Disziplin, Würde.
Wie sterbenssatt!
Ich bin geworden, wie ich bin,
weil ich nicht werden wollte wie du.
Wie ich?
(lachend) Du, der Senator?
Ich spreche die Wahrheit.
(melancholische Musik)
(gefühlvolle Klaviermusik)
-(Junge) 1, 2... -(Hanno) 1, 2, 3.
-(Junge) Noch mal. -(Hanno) Gut.
Ich war hier auch einmal sehr glücklich.
Aber das ist lange her.
(Klaviermusik läuft weiter)
(Türglocke)
- Ja... -(Thomas stöhnt)
Wir müssen zur Extraktion schreiten.
(nervös) Schreiten Sie.
So...
Nur ein Momentchen, Herr Senator.
(er stöhnt laut)
(er schreit)
(er stöhnt)
Der Zahn.
- Was? - Der Zahn ist abgebrochen.
Die Wurzeln müssen einzeln entfernt werden.
Mittels eines Hebels.
Es sind 4 an der Zahl.
(er stöhnt)
Thomas?
Was machst du hier? Du hast doch Sitzung?
(schwach) Kleiner Schwindel... Weißt du, die Augen...
(hustet) Die frische Luft wird mir guttun.
Soll ich dich begleiten?
Schon gut.
Ich geh jetzt nach Hause...
...und ruh mich erst mal aus.
Lass mich nicht allein, Tom! Bitte!
Du musst bei mir bleiben. Bleib bei mir!
(schluchzend) Fahren Sie doch!
Fahren Sie doch!
(düstere Streichmusik)
Ja, du hast recht behalten, Tom.
Jetzt bist du tot...und ich lebe noch.
Verachtest du mich dafür?
(plattdeutsch) Äußerlich, mein gutes Kind, bist du glatt und geleckt,
aber innerlich bist du schwarz.
(kichert)
(benommen) Du lieber Gott, Tom.
Ich wusste es doch nicht.
Du hast es Ja keinem gesagt.
Was es dich gekostet hat...
Die Firma und immer die Firma.
Und deine Würde.
(Christian seufzt)
(flüsternd) Aber du darfst nicht denken, ich hab ein kaltes Herz.
Ich hab einfach...keine Tränen mehr.
Ja, Tom. Jetzt hast du gewonnen.
Und ich beuge mich.
(er stöhnt)
(er weint)
(er schluchzt)
(sanfte, würdevolle Musik)
(Thomas) Was ist der Tod?
Ein Glück,
die Rückkunft von einem unsäglich peinlichen Irrgang, vom Leben.
Ich werde leben.
(Tony) "Ich werde zurückkehren zur drängenden Urkraft des Lebens,
die in allen Gestalten wirkt und webt.
So ist mein Leben,
dieses eine Ich, nur ein Gefängnis,
eine Haft, in die wir mit der Geburt gelangen.
Bis der Tod zur Heimkehr und Befreiung ruft.”
In seinem letzten Willen hat er verfügt,
dass die Firma Buddenbrook liquidiert wird.
Die Barmittel fallen Frau Senator und dem Sohn zu.
Er konnte in Hanno nicht den Erben seiner Firma sehen.
"Firma...
...Buddenbrook liquidiert.”
(er kichert)
(er kichert atemlos)
Endlich ist alles vorbei. (lacht)
Ach, das war gut.
"Das Leben ist ein Gefängnis. Schranken überall."
Ja. Jeden Vormittag in der Schule bei Wuhlicke. Oberschranke.
"Eine Haft, in die wir mit der Geburt gelangen."
So 'n Quatsch! Du bist frei!
Für deine Musik. Du wirst einmal berühmt.
Nein. Ich will nicht berühmt werden.
Hanno!
Ich will gar nichts.
Hm?
Na?
So, jetzt ist es weg.
(dramatische Streichmusik)
(er bibbert und wimmert)
(Hanno atmet unregelmäßig)
(Dr. Grabow) Kein Zweifel, es ist Typhus.
Wir geben Chinin und Antipyrin.
Wir tun das Menschenmöglichste.
Aber wenn es denn sein soll...
Frau Senator...
Dagegen ist noch kein Kraut gewachsen.
(Gerda weint)
Nicht. Nein, nein, nein!
- Er ist sein bester Freund. - Ist schon recht.
(er wimmert)
- Hanno! -(er ächzt)
(er wimmert und bibbert)
Kal...
Ich...
Ich...bin so...müde.
(traurige Musik)
(er wimmert)
(düstere Musik)
(Kirchenglocke läutet)
Ich brauche Raum.
Meine Familie wächst.
Mein Sohn will heiraten.
Dann kommen Kinder. Wir platzen aus allen Nähten.
Es ist die richtige Wahl. Das richtige Gehäuse.
Ein Palast für Sie.
Eine schöne Antiquität.
Ganz wie die Firma und der Chef.
Gott hab ihn selig. (lauter Hammerschlag)
(plattdeutsch) Die Damen sind oben.
(Tony) Das Haus.
Mutters Haus.
Immer wenn Gott mein Leben in Stücke gehen ließ...
Ich war nie ganz verloren.
Das Elternhaus war der Ort, an den ich mich flüchten konnte.
Und jetzt sucht uns Gosch einen Käufer. (seufzt)
Du kannst doch nicht alleine hier wohnen bleiben.
Es ist nicht recht, dass Sie uns verlassen wollen.
Vielleicht habe ich nicht ganz nach Lübeck gepasst.
Wir haben dich alle geliebt. Ja, Gerda.
Obwohl wir dir immer widerwärtig waren.
Ich habe mich nie dazugehörig gefühlt.
Sie haben sich das Glück mit starkem Arm erobert.
- Mit starken Händen fest zugepackt. - Ja, schon gut.
Der Sieg über Frankreich, die Zollunion.
Herrliche Zeiten für einen Kaufmann.
Einen Julius Cäsar, einen Borgia der Börse.
Geld will sich vermehren, wenn man ihm Raum gibt. Und Gelegenheit.
Hermann Hagenström. Nein!
(Hermann) Entschuldigung, die Damen. Bitte, sich nicht stören zu lassen.
Nur ein Rundgang durch die Räumlichkeiten. Der Konsul sucht Raum.
Ein schöner Bau. Schon dieses Zimmer...
So groß wie ein Ballsaal. Da können Sie tanzen.
Ja, ich erinnere mich an den Ball. Noch vor Ihrer Hochzeit.
Ist Ja lange her.
Ja.
Sie waren die Prinzessin an dem Abend.
Sie haben mir immerhin die Musik zurückgeholt.
Das war doch sehr schön.
(Walzerklänge)
Eine Perle.
Effektiv eine Perle.
Für dich, Tony.
Vielen Dank, Gerda.
Leb wohl.
So bist du damals mit Thomas gekommen. Vor vielen Jahren.
Thomas ist nicht mehr.
Und ich...
Nun, ich gehe, wie ich gekommen bin.
(bewegt) Hanno...
Ich hab ihn so geliebt.
(atmet tief durch) Tom...
Vater und Mutter...und Großvater.
Wo sind sie nur alle hin?
Es ist so...hart und traurig.
Es gibt ein Wiedersehen.
Ja...so sagt man.
Ein Wiedersehen.
Wenn es so wäre.
Aber Tonychen, das ist so.
(idyllische Streichmusik)
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