All language subtitles for Hannas.schlafende.Hunde.2016.German.AC3.DVDRiP.XViD-SHOWE

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Original subtitles

(sanfte Musik)

(Mutter) Ist der dir zu gewagt?

Modisch ist er schon, aber auch elegant.

Dann schauen wieder alle

und sagen: "Die hat es Not, verrückte Hüte aufzusetzen."

Es darf jeder wissen, wohin unser Weg geht.

Für seinen Glauben braucht man sich nicht schämen.

Wenn er wieder da ist, setze ich mich in eine andere Bank.

- Ich kann nicht neben ihm. - Vielleicht will er freundlich sein?

Er tut doch nur so, merkst du das nicht?

Jetzt beruhige dich.

Was soll er gegen dich haben?

Ja, grüß Gott, Familie Berger.

Guten Tag, Frau Berger.

Was für ein bezaubernder Hut. Steht Ihnen ausgezeichnet.

Grüß Gott, Herr Direktor.

(Mann) Grüß Gott. Morgen, Frau Leeb.

- (Mann) Guten Morgen. - (Frau) Grüß Gott.

(Mann) Grüß Gott.

(Glocke bimmelt)

(Orgelmusik)

Schweigen möchte ich, Herr

Und auf dich warten

Schweigen möchte ich, Herr

Schweigen möchte ich

Damit ich verstehe

Was in deiner Welt geschieht

(Pfarrer) Jetzt schauen wir in einen Spiegel

und sehen nur rätselhafte Umrisse.

Dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.

Jetzt erkenne ich unvollkommen,

dann aber werde ich durch und durch erkennen,

so wie auch ich durch und durch erkannt worden bin.

Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es.

Als Zeichen dieser Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern

geben wir uns die Hände

und sprechen das Gebet, das der Herr uns zu beten gelehrt hat.

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

(sanfte Klaviermusik)

Johanna?

Johanna?

(Mopedmotor brummt weiter)

(Motor heult mehrmals auf)

(Motor verstummt)

(zärtliche Musik)

(Klopfen auf Glas)

Drei Wochen alle Mathe-Aufgaben.

Wenn du es kaputt machst, zahlst du.

Schau, ob alles frei ist.

(Schritte)

(Oma) Hanna? Michael?

Seid ihr das?

Was schleicht ihr da so rum?

- Grüß dich, Oma! - Hmm...

Was schleppt ihr heimlich durch die Wohnung, hm?

Ähm, Michael hat was bei den Pfadfindern bekommen.

So, so.

Denkst du, ich merke nicht, dass du mir einen Bären aufbindest?

Es ist ein Geheimnis. Das verrät man nicht.

Das ist kein Geheimnis, Hanna, das sind Heimlichkeiten.

Irgendwann kommt alles raus und fliegt dir um die Ohren.

(Radionachrichten über den Vietnamkrieg)

(sanfte Musik)

Da kommt einer.

(sanfte Musik geht weiter)

- Blühen schon viele Löwenzähne? - Ja.

Es ist alles gelb.

- (Hanna) Und viele Gänseblümchen. - Die Stängel brauchen wir noch.

(Musik wird schneller)

Halbvoll, ist das genug?

Ja. So halt, dass die Stängel schwimmen können.

So. Ich zeige dir eine Zauberei.

(Oma, lachend) Und? Ist das was geworden?

(Hanna) Ja!

(lautes Knattern)

Was ist das?

Kein schöner Land In dieser Zeit

Als hier das uns're Weit und breit

Wo wir uns finden Wohl unter Linden

Zur Abendzeit

Wunderbar!

Was bist du für ein süßes Goldkehlchen.

Du solltest Schlagersängerin werden!

Dann heiratet dich bestimmt ein reicher, eleganter Mann.

Aber nein, die heilige Johanna geht doch sicher ins Kloster.

Johanna, komm rein.

Tut es noch sehr weh?

Willst du so lange bei ihm bleiben, bis er dich totschlägt?

Warum lässt du dich nicht von ihm scheiden?

Das lässt er nicht zu, da gibt es eine Katastrophe, Mama.

Und die ganze Siedlung zerreißt sich das Maul.

Das tut nicht weh.

(Mann über Lautsprecher) Achtung, Polizei!

- Verlassen Sie sofort Ihre Häuser. - (Mutter) Johanna? Michael?

Achtung! Achtung! Hier spricht die Polizei!

Verlassen Sie Ihre Häuser

und folgen Sie den Anweisungen der Polizei.

Es ist wieder so weit. Danke, Michael.

- Oma, wir müssen. - Wo ist mein Hut?

- (Hausmeister) Ist noch jemand drin? - Nein.

Frau Eberth, wollen Sie verreisen?

- (Hausmeister) Da lang! Sie auch! - (Mutter) Franz, wo sollen wir hin?

Gehen Sie bitte zurück!

Gehen Sie zurück.

20 Meter zurück! Oder wollen Sie alle in die Luft fliegen?

- Oh nee, Mutti! - Wir müssen in den Luftschutzkeller.

Komm, komm.

Schnell, schnell!

(Hund bellt) (Frau schreit) Burli, Burli!

- Burli, komm zu Frauli! - Burli, komm her!

(Frau) Burli! (Burli bellt)

(Frau) Burli!

(Frau) Burli, komm zu Frauli. (Burli winselt)

Weg! In Deckung!

(anhaltender Pfeifton)

(Leute husten)

(Husten, Keuchen)

(Frau) Burli?

(Hausmeister) Burli!

Diese Kriegsverbrecher.

Diese Unmenschen.

(Schrecklaut)

Komm.

(er schluchzt leise)

Alle erst mal einen Schritt zurück.

So, Berger Johanna.

Die Letzten werden die Ersten sein.

Bock, Anna.

(Hanna) Grüß Gott.

Grüß dich.

Johanna, weißt du eigentlich, wo deine Großmutter herkommt?

Aus Wels.

Nein. Die redet nicht wie eine Hiesige.

Wiedersehen.

- Hier. - Danke dir.

- Und... hier. - Danke.

- Bitte. - Wiedersehen!

Da bist du ja endlich. Komm rein, rasch. Es ist offen.

- Danke schön. - Was heißt eigentlich a.D.?

Außer Dienst.

Aber nicht vernaschen,

am besten ins Sparschwein, oder hast du schon ein Sparbuch?

Du hast zarte Hände.

Magst du einen Himbeersaft?

Dann musst du aber noch ein wenig bleiben.

Ich darf nicht zu spät kommen, zum Mittagessen.

- Wiedersehen. - Wiedersehen.

Schau mich nicht an.

Schau mich nicht so an, ich bin nicht da.

Am liebsten bin ich unsichtbar.

Meinst du, ich merke nicht, wie du mich anschaust?

Ich bin der Einzige, der dich so anschauen darf.

Ich bin auch der Einzige, der dich so sieht, wie du wirklich bist.

(Mutter stöhnt erregt)

Mama?

- Hier, hier! - Pass zu mir!

- Zu mir! - Zu mir!

Zu mir!

Hier!

- Wolfi ist tot. - Nein, er hat noch ein Leben.

- Zu mir! - Zu mir!

- Das gilt nicht. - Typisch. Meine Mutter hat recht.

Besser, man hat mit euch nichts zu tun.

Aua!

(Junge) Blöde Kuh!

- Verschwinde, blöde Kuh. - Zu mir!

Schau nicht so blöd, du scheinheiliges G'frast.

Vorlesen, laut und deutlich!

"Anweisung an alle Bewohner: Lautes Singen im Stiegenhaus ist verboten.

- Der Hausmeister." - Das bin ich, der Hausmeister.

Ist es wieder so weit? Zum Saufen hast du immer Geld.

- Los, Abmarsch. - Ich bin doch der Hausmeister.

Freier Tag.

Gute Nacht.

(atmet laut aus)

Hast du gesehen? Ich habe sie draußen ausgezogen.

Ich habe sie auf Zeitungspapier gestellt.

- Ist das richtig? - Geh dich waschen.

Wieso ist es besser,

wenn man nichts mit uns zu tun hat?

Wer sagt so was?

Mama?

Mama?

(schräges Geigenspiel)

So wird nie ein Rock 'n' Roller aus dir.

Mit der Geige kann der Michael später im Orchester spielen.

Bis morgen früh, okay?

Habt ihr eigentlich schon angefangen... Auf Wiedersehen.

Ihr seid doch eine Vorzeigefamilie.

Das Wichtigste in einer Familie ist doch, dass wir Opfer bringen.

- (Franz) Der eine für den anderen. - Ja, aber es steht auch geschrieben:

"Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer."

(die Männer unterhalten sich weiter)

- Setzt du dich nicht zu uns, Mutti? - Ich bleibe bei den Kindern.

Die schwarzen Vögel kriegen wieder den ganzen Kuchen.

(Franz) Michael, du musst noch üben.

- Ich will aber Gitarre lernen. - (Mutter) Michael, bitte.

Du bist der einzige Schüler. Sie wäre enttäuscht. Tu es ihr zuliebe.

Wie heißt die erste Kreuzwegstation unseres Herrn?

(Hanna) Jesus wird zum Tode verurteilt.

Die Hohen Priester der Juden hetzen das Volk auf und

verlangen von Pilatus die Kreuzigung unseres Herrn Jesus Christus.

Sehr brav. Wie lautet die zwölfte Station?

Jesus stirbt am Kreuz.

Sehr tüchtig. Da.

- Für deine brave Mitarbeit. - (Mutter) Danke.

(Mutter) Stellt nichts an.

Wir sind das singende Geschwisterpaar aus Wels.

Michael und Johanna. Unser Lied heißt: "Liebe Oma".

(er spielt eine heitere Melodie)

Oma, liebe Oma Wir haben ein Geschenk für dich

Und weil du uns nicht sehen kannst

Da singen wir ein Lied für dich

Die besten Augen hat das Herz Mit dem du so viel siehst

Du siehst auch in der tiefsten Nacht Was wirklich wichtig ist

(melancholische Musik)

Die Kinder haben ein großes oranges Kuvert aufgegeben, irrtümlich.

- Das hätte ich gern wieder. - Bei mir nicht.

Ja aber da liegt es doch.

Das kann jeder sagen. Das ist gegen die Vorschrift.

Aber könnten Sie nicht...

Hören Sie auf, Frau Berger zu sekkieren, aber schnell, ja?

(sie würgt)

Das ist das Herz Jesu, es ist voll Liebe und Güte und Barmherzigkeit.

Aber jedes Mal, wenn jemand von euch etwas Böses getan hat,

blutet das Herz Jesu, weil es so viele Sünden ertragen muss.

Wir malen jetzt das Herz fein säuberlich aus.

Mit dem roten Farbstift, weil...

Rot ist die Farbe der Liebe.

Wir werden alle als schuldige Sünder geboren.

Wer weiß, warum das so ist und wie das heißt?

Ich! Ich, bitte.

- Albert. - Das ist die Erbsünde.

Weil Eva im Paradies in den Apfel von der Schlange gebissen hat.

Sehr brav, Albert.

Nur die Taufe und Jesus selbst können uns von der Erbsünde befreien.

Für jede Wunde, die ihr dem Herzen Jesu geschlagen habt,

könnt ihr einen Blutstropfen auf das Blatt malen.

Schaut mal her.

Bei der Johanna schaut das aus, als hätte man eine Sau abgestochen.

(Kinder lachen)

Was ist das?

(Mutter) Ihr wolltet das hinter unserem Rücken machen.

Bitte, Papa!

Die Besten werden nach Wien eingeladen zur Preisverleihung.

Es ist ein Wettbewerb der katholischen Jungschar.

Der erste Preis ist ein Tonbandgerät.

Wenn wir gewinnen, ist sicher ein Foto von uns in der Zeitung.

Das fehlt gerade noch.

Wenn du dich versteckst, müssen es nicht auch die Kinder.

Katholische Jugend, das klingt doch nach einer seriösen Angelegenheit.

(Mutter) Nein! Dermaßen auffallen in der Öffentlichkeit?

Sei nicht so streng, Katharina. Dein Vater war auch Sänger, Schauspieler.

Den habe ich ja nicht sehr lange erlebt.

Ja.

Mama, bitte. Ich spiele euch das Stück einmal vor.

Darum geht's jetzt nicht.

Wir können ja abwarten, ob das Lied überhaupt ausgewählt wird.

Danke, Papa.

Nein! Fällst du mir auch in den Rücken?

Mama, bitte! Bitte.

Jetzt lass sie doch mal! In Gottes Namen. Was ist denn schon dabei?

(Oma stöhnt)

Mama?

(Oma) Du bist ein Feigling, Franz.

Jetzt geht das wieder los.

Was ist, wenn sie gar nicht mehr zurückkommt? Dann bin ich schuld.

Sie wird schon wiederkommen.

Aber was, wenn man sie jetzt erwischt hat?

Frau Doringer hat zu mir gesagt,

Oma und Mama haben Glück gehabt, dass sie damals nicht erwischt wurden.

Die Menschen sind alle so komisch zu mir.

Die Leute sind nicht immer nett und erzählen viel Blödsinn.

(sanfte Flötenmusik)

(geheimnisvolle Musik)

- (Katharina) Morgen. - Morgen.

Morgen.

(sanfte Flötenmusik)

(heiteres Gitarrenspiel)

Die besten Augen hat das Herz

Mit dem du so viel siehst

Du siehst auch in der tiefsten Nacht

Und dein Herz ist riesengroß

Großartig. Danke. Wunderbar!

Ihr werdet eurem Großvater immer ähnlicher.

- Na, was ist denn hier los? - Wir hatten es gerade sehr schön.

Eine Familie ist wie ein Baum mit vielen Ästen.

Wir gehören alle zusammen. Jeder ist ein Ast.

Wenn wir zusammenhalten,

wenn wir uns aufeinander verlassen können,

sind wir stark.

Wenn wir aber nicht zusammenhalten, wenn jeder tut, was er will...

dann sind wir schwach.

Bitte versprecht mir,

dass ihr nie wieder etwas hinter meinem Rücken tut.

Versprochen?

Und vom Wettbewerb muss niemand was wissen.

Man weiß nie, wem man trauen kann.

Was in einer Familie passiert, ist Vertrauenssache

und geht niemand anderen was an.

(Oma) Amen.

Du hättest vielleicht doch besser Pfarrer werden sollen.

Du musst schon den Mund aufmachen, Franz.

Deine bösen Blicke nützen bei mir gar nichts.

(ein Eimer klappert leise)

Mademoiselle, darf ich Sie auf eine kleine Ausfahrt einladen?

Das lassen wir hier.

Danke.

Mama hat verboten, dass ich zu Fremden ins Auto steige.

Aber ich bin doch kein Fremder.

Fahren Sie doch ein wenig schneller, wir haben es eilig.

Franz, so lange hat sie noch nie gebraucht.

Sie sollte längst wieder da sein.

Frau Leeb? War Johanna schon bei Ihnen?

Nein, sie wird schon noch kommen.

- Ich muss mit dir reden. - Ja, ja. Auf Wiedersehen.

Frau Doringer. War Johanna schon bei Ihnen?

Sie ist schon zum Öllinger rüber.

Der Herr Direktor a.D. braucht dringend Gesellschaft.

(höhnischer Laut)

(sie klingelt)

(sie klingelt)

(sie klingelt erneut)

- Wieso ist Mama böse auf Sie? - Ein Missverständnis.

Wir haben uns mal wirklich gut verstanden.

Du weißt gar nichts?

Hat sie was angestellt? Muss sie ins Gefängnis?

Nein. So schlimm ist es nicht.

Aber sie könnte schon ein wenig freundlicher zu mir sein.

(leise, düstere Musik)

Komm raus!

Lassen Sie die Finger von meinem Kind.

Beruhige dich, Katharinchen. Johanna hat es gefallen.

- Sagen Sie nicht Katharinchen zu mir. - Was du immer gleich denkst.

Du bringst ihm nie wieder das Kirchenblatt, nie wieder.

- Aber er gibt mir immer 5 Schilling. - Wir brauchen nichts von dem.

- Was habe ich denn falsch gemacht? - Was hast du ihm gesagt?

- Ich habe nur geantwortet. - Und was wollte er wissen?

Aber wir könnten doch ein wenig freundlicher zu ihm sein, oder?

(Katharina schnieft)

Wie du riechst. Geh dich sofort waschen.

(leise, düstere Musik)

Ich habe dich von Anfang an gewarnt vor diesem Mann.

Geht spielen, ja?

Wer weiß, was der alles über uns ausgeplaudert hat in seinem Suff.

(sanfte Musik)

(Hanna) "R".

"U".

"H".

Ruhe?

Johanna, die kleine Samariterin.

Gehst du wieder die Leeb füttern?

Ja. Wird eh Zeit, dass man sie endlich einschläfert.

Ich zeig dir was.

Das war unser Luftschutzkeller.

Und da kommen jetzt wieder die Ratten zurück.

Dagegen muss man was tun!

- Nimm dir noch eins! - Danke.

Das wird Ihnen guttun.

(hustet)

Ich... war so gutgläubig.

Kannst du mir verzeihen?

Sie sind nicht schuld. Das hätte niemand ahnen können.

Ist es immer noch so schlimm?

Frau Leeb, ich bin Ihnen wirklich dankbar für alles.

Aber ich bitte Sie, fangen Sie nicht jedes Mal damit an.

Wieso ist sie schuld? Was hat sie denn getan?

Oma?

Oma?

Hasso?

(Hasso bellt und knurrt)

(fernes Bellen)

Hanna? Wo bist du?

(laut) Hanna?

- Hanna? - Da bin ich. Ich komme ja schon.

Hanna!

- Wie kannst du mich alleine lassen? - Bin schon da.

Tu das nie wieder. Hörst du?

Entschuldigung. Ich war nur ganz kurz bei Hasso.

Ja, das hässliche Vieh ist dir wichtiger als deine Oma.

Hasso ist nur so böse, weil er an der Kette hängt

und niemand mit ihm spazieren geht.

Jetzt hast du ja mich zum Spazierengehen.

Wenn ich tot bin, kannst du dir als Ersatz einen Hund holen.

Sag das Mama bitte nicht. Sie ist immer gleich so traurig.

Wann darf ich endlich schauen?

Du kannst mir in der Dunkelheit ruhig noch etwas Gesellschaft leisten.

- Alles Gute! - (Franz) Alles Gute zum Geburtstag!

- Alles Gute, Hanna! - Da war aber jemand besonders brav!

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Sie hat niemand gefragt.

(Motor heult auf und verstummt)

Das ist kein Kinderspielplatz. Nur für Autobesitzer.

Macht sich der Herr Blockwart wieder wichtig?

Leute schikanieren, das gefällt ihm.

Verlassen Sie endlich den Hof oder ich hole die Polizei.

Belästigen Sie die Leute nicht, Sie Kretin.

(sanfte Musik)

So, jetzt ist aber genug für heute.

Stell das Fahrrad in den Keller und absperren nicht vergessen.

(er lacht)

Sei ruhig, oder ich stopf dir dein dreckiges Maul.

Falls du schreist, lasse ich euch auffliegen.

Ich weiß alles über deine Großmutter.

Und wenn ich auspacke...

(er schnieft laut)

...dann kann deine Familie was erleben!

Ja, so ist es recht.

Und jetzt tust du dich opfern für deine Familie, hm?

Tust so heilig! Hältst du dich für was Besseres, wie deine Mama?

Aber du bist gar nicht katholisch, du bist ein Judeng'frast.

(Schlürflaut)

(lacht) So...

(sie atmet ängstlich)

Jetzt schnell, bevor die Eltern kommen, vom Beten.

(er keucht)

(er lallt)

(verzerrte Klänge)

(Schritte)

(Franz) Wie schaust du denn aus?

Bist du gestürzt mit dem Fahrrad?

Ich habe doch gesagt, du sollst vorsichtig fahren.

Warum bist du denn nicht hineingegangen?

Müssen alle Nachbarn sehen, wie du ausschaust?

(er öffnet die Tür)

(Tür fällt ins Schloss)

Franz?

Franz?

Schau dir das mal an.

So sieht man nicht aus, wenn man mit dem Fahrrad gestürzt ist.

Die war im Keller.

Hast du nicht gesehen, wie der Öllinger sie anschaut?

Jetzt bleib da, das sind nichts als vage Behauptungen.

Es tut mir leid.

Es kommt nie wieder vor.

Versprochen.

(Katharina schluchzt)

(Katharina weint leise)

(Kirchenchor singt)

Wir knien uns nieder.

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,

denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Siebte Station.

Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.

Das Kreuz drückt ihn erneut zu Boden,

er scheint gefangen unter der schweren Last unserer Sünden.

Das Gewicht, das ihn zu Boden presst,

schnürt ihm die Luft zum Atmen ab.

(sie singen) O Haupt voll Blut und Wunden

Voll Schmerz und voller Hohn

O Haupt, zum Spott gebunden

Mit einer Dornenkron'

O Haupt...

Komm, Johanna, jetzt übertreibe nicht gleich so.

Als wahre Christen leiden wir still mit unserem Herrn Jesus.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Entschuldigung, aber ich wollte eigentlich nur etwas fragen.

Dazu brauchst du doch nicht zur Beichte kommen.

Was ist das denn, ein Jude?

Ist das eine Sünde, die man beichten muss?

Nein. Das ist keine Sünde.

Mein Gott, die Unglückseligen.

Weißt du...

Die Juden, die waren mal

die erste große Liebe vom lieben Gott.

Aber dann

ließen sie unseren Messias, unseren Herrn Jesus Christus, kreuzigen.

(unruhige Musik)

(Tür knallt zu)

(Musik wird leiser)

(es klopft)

(Oma) Kind, mach auf.

Fängst du jetzt auch so an wie deine Mutter? (sie klopft)

Hanna?

(sie rüttelt an der Tür)

Hanna?

Wenn deine Haare Feuer fangen, brennst du lichterloh.

Wie Pauline im "Struwwelpeter".

(Arzt) Nervöses Fieber und Erschöpfungszustände.

Ungewöhnlich in diesem Alter.

Sie muss viel schlafen und Ablenkung wäre nicht schlecht.

- Haben Sie schon einen Fernseher? - Nein.

Könnte es sein, dass Johanna Probleme in der Schule hat?

Oder gibt es einen Streit in der Familie?

Die frischen Narben am Knie?

- Sie ist mit dem Fahrrad gestürzt. - Mhm.

Vielleicht hat sie Angst vor irgendwas?

So...

Das Kind wird schon einen Grund haben.

Wenn alles falsch sein soll oder verkehrt oder verboten,

dann sagt man doch besser gar nichts mehr, oder, Herr Doktor?

- Zum Wohl. - Wir meinen es gut mit ihr.

Ja, alle meinen es gut.

- Wiedersehen. - Das ist nicht zum Aushalten.

Das ist das, was dir am Katholischen so gefällt.

Da kannst du schön leiden und die anderen sollen es auch.

(Tür geht zu)

(Pfarrer und Katharina unterhalten sich leise)

Durch diese heilige Salbung

helfe dir der Herr, in seinem reichen Erbarmen.

Er stehe dir bei in der Kraft des heiligen Geistes.

Der Herr, der dich von Sünden befreit,

er rette dich.

In seiner Gnade richte er dich auf. Amen.

(sanfte Musik)

Kommst du mich besuchen, Hanna?

Du musst nicht mit mir reden.

Ich würde dir gerne was vorlesen. Aber das geht ja nicht.

Ich könnte dir eine Geschichte erzählen.

Eine wirkliche Geschichte über das Leben, kein Märchen.

Hm? Hanna?

Soll man beleidigt sein auf das Leben und mit niemandem mehr reden?

- Ich bin nicht beleidigt. - Ah, na, das ist ja gut.

Warum reden Menschen miteinander?

Um sich Witze zu erzählen?

Um sich Vorwürfe zu machen?

Um immer Recht zu haben?

Ich weiß es auch nicht. Aber...

manchmal,

wenn man endlich gesagt hat, was man längst hätte sagen sollen,

dann war es heraußen.

- Hanna? - (leise) Hm.

Und dann ist es einem gleich viel besser gegangen.

Stimmt es eigentlich, dass ich ein Jude bin?

Ah...

Ach, du meine Güte.

Natürlich bist du ein jüdisches Mädchen.

Ist doch kein Grund, so einen Zirkus zu veranstalten.

Aber was bedeutet es?

Ein Jude ist ein Jude,

so wie ein Neger ein Neger ist und ein Arier ein Arier.

Punkt.

Jeder soll sein, was er ist.

Sonst bedeutet das gar nichts.

(Klimpern)

Das kann nur der Herr Blockwart sein.

Schönen Tag, Frau Blumenkohl.

Wieso hat Mama nie was gesagt?

Sie wollte nicht, dass du Angst hast deswegen.

Aber am meisten Angst hat sie selber. Ich bringe das nicht raus aus ihr.

(Mopedmotor)

Es gibt viele hier, die uns immer noch vergasen würden.

- Was meinst du damit? - Mit "vergasen"?

Das, was Herr Leitinger mit den Maulwürfen macht.

Das hast du doch gesehen.

(Zug rattert)

Es kommt einer.

Das war ein Güterzug.

Das musst du mir nicht sagen. Einen Güterzug erkenne ich blind.

Jetzt ist alles gut und ich habe auch kein schlechtes Gewissen mehr.

Es ist nicht so einfach, eine Jüdin zu sein.

Es ist viel zu viel Schreckliches passiert.

Aber dir und Mama und Tante Lisbeth ist ja nichts passiert.

Ihr habt doch Glück gehabt.

Ja, ja.

So reden die alten Nazis.

Wo hast du eigentlich früher gelebt, vor Wels?

In Linz.

Aufgewachsen bin ich in Böhmen,

in der böhmischen Diaspora.

Aber das geht niemand was an.

Der Mann, den ich in Linz geheiratet hatte,

mein zweiter Ehemann, Egon Eberth, also nicht dein Großvater...

Dieser Mann war durch und durch korrupt.

Er kannte alle Nazigrößen von Linz.

So konnte er uns beschützen.

Er war ein Tyrann, ein alter Hurenbock,

aber er hat mir seinen arischen Namen gegeben.

- Was ist ein Hurenbock? - (lacht kurz)

Nicht so wichtig.

Er ist erschlagen worden.

'43. Beim Bombenangriff auf Linz.

Wir mussten sofort fliehen.

(Oma) Du wirst nichts finden.

Nicht mal ein Foto von Mama und Tante Lisbeth, als sie klein waren?

Nein.

Wir haben keine Bilder mehr von früher.

Jedes Foto hätte uns verraten.

Als ich noch sehen konnte,

saß ich oft bis spät in die Nacht hinein am Fenster

und wartete darauf, dass sie uns abholen kommen.

Eines Nachts kamen die Gestapo-Männer angefahren.

Ich dachte schon, jetzt holen sie uns ab.

Aber sie sind ins Haus gegenüber,

der Herr Leitinger hatte ihnen aufgesperrt.

Sie haben eine Frau und ihren Buben abgeholt.

Der Bube hat so geweint.

Sie sind nie mehr wieder zurückgekommen.

Ich bin froh, dass ich jetzt alles weiß.

Was hat dir die Großmutter erzählt?

Wie sie alle Fotos verbrannt hat, damit niemand weiß, wer wir sind.

Ts! "Damit niemand weiß, wer wir sind."

Die Oma hat gesagt,

es ist jetzt Zeit, dass endlich alles auf den Tisch kommt.

Was erzählst du Johanna für Sachen?

Hör endlich auf, dich einzumischen.

Du kannst Hanna nicht alles verbieten.

Das Kind will leben, aber nicht so wie du.

Wieso sagst du so was zu mir?

(leise, dramatische Musik aus dem Radio)

Was hast du da zu suchen?

Das sind meine Sachen. Die gehen dich nichts an.

Raus.

Wir müssen uns nicht mehr verstecken, sagt Oma.

- Wo hast du das denn her? - Wir fragen nur Papa.

Papa sagt es der Mama.

Und Mama sagt niemals Ja, wenn sie einmal Nein gesagt hat.

Wenn, dann müssen wir es heimlich machen.

Aber vielleicht geht sie dann wieder weg.

Und kommt vielleicht nie wieder zurück.

Willst du jetzt deswegen immer nur machen, was sie will?

Es ist deine Entscheidung.

Auch wenn sie traurig ist.

(sanfte Musik)

Johanna?

Es gibt keinen Grund, übermütig zu werden.

Johanna?

Wo ist eigentlich dein Großvater geblieben? Der Vater deiner Mutter.

Weißt du jetzt wenigstens, wo deine Oma herkommt?

Aus Linz.

Sie kommt doch nicht aus Linz. Das hört man doch.

Sie ist aufgewachsen in Böhmen, in Dia-Spora.

In der Diaspora. Das heißt, sie ist Jude?

Ich auch!

Das sagt sie auch noch so.

Frau Religionslehrerin?

Bitte warten Sie, Frau Religionslehrerin.

Entschuldigung.

- Herr Pfarrer. Herr Pfarrer! - Frau Doringer, ich hab's eilig!

Das sind Juden und die haben in der Kirche nichts verloren.

Ich hab's wirklich eilig.

Fragen Sie nach dem Taufschein. Die tun nur so katholisch.

Die benutzen die Kirche als Tarnung. So unverschämt sind die.

Das ist so gemein und stimmt gar nicht!

(Frau Doringer) Bist du ein unverschämter Fratz!

- Sehen Sie. Das ist typisch. - Frau Doringer.

Jeder ist willkommen in der Kirche.

Sie will die Oma nicht mehr in die Kirche lassen.

Du musst was tun.

Was soll ich da tun?

Das werden wir auch noch ertragen.

Hauptsache, du bist das Opfer.

Kannst du wieder stolz sein auf das, was die anderen uns antun.

Ich möchte etwas klarstellen, Frau Doringer.

Johanna, geh um die Ecke, das ist nichts für dich.

Nein, Hanna, du bleibst hier.

Was wollen Sie von mir? Ich habe nichts Unrechtes getan.

Sie sind doch Sudetendeutsche?

Ja.

Die Tschechen haben unser Haus geplündert

und uns über Nacht aus Teplitz vertrieben.

Im Viehwaggon. Mein Vater hat das nicht überlebt.

Teplitz-Schönau?

Ja. Teplitz-Schönau.

Ich habe keinen Taufschein

und verstehe nicht so viel von Ihrem lieben Gott.

Ich gehe aus Dankbarkeit in diese Kirche.

Die Einzigen, die uns damals geholfen haben,

waren der junge Kaplan und die Frau Leeb.

Also halten Sie in Zukunft Ihre Klappe.

- Hanna? - Mhm.

Woher kennen Sie eigentlich Teplitz-Schönau?

(ein tiefes C auf dem Klavier)

(Frau Doringer) Stell dich nicht so an, sing endlich.

Ich kann das nicht.

Stimmt doch gar nicht.

Ich weiß, wie gut du singen kannst. Sing endlich, du dumme Gans.

Ich kann nicht vor so vielen Leuten singen.

Lüg doch nicht.

Du träumst schon ewig davon, dass dir alle einmal andächtig zuhören.

Du hast die schönste Stimme der ganzen Klasse, sing!

(tiefes C)

Kein schöner Land

(Hanna) Kein schöner Land

In dieser Zeit

Als hier das uns're Weit und breit

Wo wir uns finden Wohl unter Linden

(er murmelt etwas)

Zur Abendzeit

Wo wir uns finden

Wohl unter Linden

Zur Abendzeit

Auch wenn man uns derzeit verbieten will,

zu unserer Überzeugung zu stehen...

Der 8. Mai ist für uns kein Tag der Befreiung.

Dieser Tag ist für uns ein Tag der Trauer

und des Gedenkens all unserer tapferen Kameraden,

die im Kampf gegen einen barbarischen Feind

ihr Leben hingegeben haben für unser Volk.

Als sich das Kriegsglück

auf so grausame Weise von uns abgewendet hat.

(sie spielen das Horst-Wessel-Lied)

Die Fahne hoch

Die Reihen fest geschlossen

SA marschiert

Was hat denn so lange gedauert?

Was hast du dort zu suchen?

Ich hab geglaubt, das war eine Schulfeier.

- Hat Frau Doringer auch gesagt. - Du hast da gesungen?

Wie oft denn noch? Wir fallen nicht auf!

Aber am wenigsten fällt man doch auf,

wenn man das tut, was die anderen von einem wollen.

Johanna, verstehst du das nicht?

Sie macht das, um uns zu demütigen.

(Mopedmotor)

Wunderbar hat sie gesungen, die kleine Johanna.

(er kichert)

Wolfi!

Wolfi, komm!

Wolfi?

Wenn er so grinst und schwitzt,

dann wird es gefährlich, ich kenne das.

Wolfi, komm zum Papa.

Komm mal. Wolfi.

Komm zu mir.

Wolfi, komm, komm her.

Grüß euch, Kinder.

Hanna? Wolfi?

Du musst sie bitte fragen. Nur für heute Nacht.

- Also, Lisbeth, so geht das nicht. - Pscht. Nicht jetzt.

Tante Lisbeth, darf ich heute bei Wolfi übernachten?

Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.

- Bitte, Mama, heute, nur einmal. - Bitte.

- Bitte. - Bitte.

Gute Nacht.

Du darfst mich nicht alleine lassen.

(Schritte)

Alles raus. Antreten!

Wer nicht kämpft wie ein Soldat

soll verrecken.

Komm, Wolfi!

Wolfi, antreten!

Jetzt komm, Wolfi, komm!

(schreit) Es ist Krieg, verstanden?

Es ist Krieg! Komm, aufsitzen!

Aufsitzen! Wolfi, es ist Krieg! Komm, Wolfgang!

(Reifen quietschen)

Halt! Wolfi! Ich lass dich nicht allein!

Johanna!

Johanna!

Johanna!

(Türklingel)

(leise) Kommt.

(Arzt) Ich kann das nicht mehr verantworten. Ich muss das anzeigen.

Bitte...

Es ist nicht das erste Mal. Jetzt gibt es Konsequenzen.

- Bitte nicht! - (Oma) Herr Doktor, Moment noch!

Herr Doktor, der Wolfi geht nicht mehr zurück zu seinem Vater.

- Das gefällt mir aber gar nicht. - Was denn?

- Na, Ihre Werte. - Der Bub bleibt bei uns.

Mutter!

Das ist aber nix bei Ihrem Blutdruck.

Ich hab schon ganz andere Sachen überlebt.

- Also? - Gut.

Tut mir leid.

Ich konnte dich nicht beschützen.

Papa hat mich in den Krieg geschickt.

Da ist man dann ganz allein.

- (Michael) Ist das für Berger? - Ja.

Kommen Sie! Ich zeige Ihnen den Weg. Erster Stock.

Wofür hat Deutschland wieder Entschädigung zahlen müssen?

Für Leute wie Sie, die noch immer frei herumlaufen.

Da müsste man eigentlich das Zehnfache kriegen.

(schräges Geigenspiel)

Ja.

(Piepton) (Hanna) Das Programm beginnt gleich.

- Hol vorher ein Birnenkompott. - Kann nicht mal Michael gehen?

- Michael? Kannst du... - Johanna!

Hast du mich nicht gehört?

(traurige Musik)

(Wohnungstür wird geöffnet)

Soll ich mit dir gehen?

(Mopedmotor)

Ich kann schon alleine gehen.

(es klopft)

Entschuldige.

- Willst du mit uns Fernsehen schauen? - (kichert)

War das jetzt ein Witz?

Hätte ich dir gar nicht zugetraut.

Franz?

Bist du wirklich so blind?

(Schritte auf der Treppe)

Du gehst nie wieder allein in den Keller. Ja?

Deine Frau erstickt fast neben dir und du tust, als wäre nichts.

(Franz) Natürlich merke ich, dass sie was belastet.

Aber sie möchte nicht darüber reden

und ich respektiere das.

Du bist seit 15 Jahren mit ihr verheiratet

und hast sie nie gefragt?

Hast du dir mal überlegt, dass du es vielleicht bist,

die Katharina das Leben so schwer macht?

(Oma) Es interessiert dich nicht.

Du lässt sie allein.

Willst du es von mir erfahren?

Mutter, es reicht. Das ist meine Sache.

Wenn ich etwas mit meinem Mann zu besprechen habe, tue ich es.

Ja, dann tu es auch.

(Tür fällt ins Schloss)

- (Piepton) - (Fernsehsprecher beginnt zu reden)

Nun kannst du den Segen deines Papsts im Wohnzimmer empfangen, Franz.

Urbi et orbi.

- Und "Lassie" und "Fury". - (Michael) Und "Isar 12".

Das ist kein Kinderprogramm.

Die Kinder schalten nur ein, wenn wir es erlauben, ja?

Ja.

Weil gerade die Frau Leeb da ist... Erzählen Sie doch mal, wie das war.

Mit dem Herrn Direktor a.D.

Mutter, lass das bitte.

Das hat hier keinen Platz.

- Ich denke, ich gehe jetzt lieber. - Nein, Frau Leeb, bleiben Sie.

Kinder, geht jetzt mal in euer Zimmer.

Aber "Lassie" beginnt gleich!

(Katharina) Das ist egal.

(es klopft)

Das ist jetzt nicht der richtige Augenblick für solche Gespräche.

(TV) Hier ist der österreichische Rundfunk

mit seinem Fernsehprogramm. Die Sendungen beginnen um...

Grüß Gott.

Wir wollten fragen, ob wir bei Ihnen ein bisschen fernschauen dürfen.

Merken Sie eigentlich, wie unverschämt Sie sind?

Es ist Ihnen doch nichts passiert. Seien Sie nicht so nachtragend.

(Franz) Katharina, rede.

Katharina, red bitte.

Vertraust du nicht einmal mir?

Ich schäme mich.

(Franz) Du kannst mir alles sagen.

Alles.

Warum hast du mich eigentlich geheiratet?

Aus Mitleid?

Weil ich dich liebe.

(es klopft)

(es klopft erneut)

(erneutes Klopfen) Der kommt hier nicht rein.

(Oma) Sie kapiert es einfach nicht.

Danke für alles.

(Tür fällt ins Schloss)

(schnarcht)

(geheimnisvolle Musik)

(Trippelschritte)

(Herr Leitinger) Hey!

Kleine!

Lass mich hier raus! Ich will raus. Bitte.

(undeutliche, flehende Laute)

(weinerlich) Bitte. Bitte.

Hey!

Wieso glauben alle, sie können mich behandeln wie den letzten Dreck?

Hilf mir doch! Bitte.

Du bist meine Rettung.

Der... Der Schlüssel ist da.

Komm.

Ja. Braves Mädchen.

Ja.

Und dann bleibst du noch ein wenig bei mir und wir singen.

- (Schlüssel fällt zu Boden) - Lass mich doch nicht allein.

(Schritte entfernen sich)

(singt unartikuliert "Kein schöner Land in dieser Zeit")

(singt atemlos und mit Unterbrechungen weiter)

(Gitarrenklänge)

Ist da eine Herdplatte an?

(Nähmaschine verstummt)

- Mutter, hast du wieder was brennen? - Bei mir brennt gar nichts.

- Johanna! - (Oma) Wo ist die Hanna?

- Hast du den Strahler an? Mach auf. - (Oma) Katharina?

- Johanna, bitte. - Da brennt was. Riecht ihr das nicht?

- Das kommt von unten! - Mach sofort zu!

(Alarmsirenen)

Hanna?

- Oma, ich bin ja schon da. - Wir müssen hier raus.

(Alarmsirenen)

Michael? Michael, komm sofort zurück!

(Alarmsirenen)

Franz? Franz?

Franz! Hilfe!

Hilfe, Hilfe!

Franz! Hilfe!

(Hanna) Die Feuerwehr ist da.

- Die werden uns jetzt alle retten. - Ja.

Da, in den Keller! Hilfe! Helfen Sie mir, da!

(Frau Leitinger) Hilfe!

Spannen sie das Tuch auf?

- Ich trau mich nicht zu springen. - Der Michael muss unten sein.

Jetzt spritzt ein Feuerwehrmann mit dem Schlauch.

Und es raucht wirklich stark.

Der Michael ist weg.

(Frau Leitinger hustet)

Herr Leitinger ist noch im Keller.

Seine Frau hat ihn eingesperrt.

Hat er wieder mit dem Feuer gespielt.

- Brennen soll er, wie in der Hölle. - Mutter, nicht vor dem Kind.

Das schadet nicht. Verkohlen soll er.

Man soll doch niemandem was Böses wünschen. Sagt Papa immer.

Hm. Es gibt auch Ausnahmen.

Für alles.

(Stimmengewirr)

Die Feuerwehr trägt jetzt jemanden aus dem Haus.

Ist das der Herr Leitinger?

- Hm? - Ich weiß es nicht.

Frau Leitinger steht jetzt daneben,

neben dem...

(Oma) Ausgerechnet im Keller.

- Das Schicksal kann boshaft sein. - Mutter, es reicht.

Was reicht, Katharina?

Erinnerst du dich nicht?

Wie er in der Tür gestanden ist und geschrien hat:

"Ich lasse kein rassisches Ungeziefer in unseren Luftschutzkeller!

Um euch ist es nicht schade!"

- Ist noch wer im Haus? - (Michael) Ja, da oben.

(Mann) Anleitern!

Wir haben alles unter Kontrolle.

Die Fenster geschlossen halten.

Und Ruhe bewahren.

Frau Leeb,

Sie waren doch dabei,

wie er die Eisentür vor uns zugeschlagen hat.

Wie er mich mit den Kindern auf die Straße rausgejagt hat.

- Mitten unter die Bomben. - Ich hab doch alles versucht,

ich habe ihn angefleht, dass er euch wieder reinlassen soll.

Und dann bin ich... mit den Mädchen nach Hause zurückgelaufen.

Eine Granate explodierte direkt vor meinen Augen.

Ich habe zu lange in den Blitz geschaut.

Die Mädchen haben geschrien.

Ich dachte, ich verliere den Verstand.

Aber ich habe nur...

mein Augenlicht verloren.

(Hanna) Sie decken ihn mit einem weißen Tuch zu.

Mach das Fenster auf.

(seufzt)

Wie das riecht...

So riecht Gerechtigkeit.

Das war's dann.

Was haben Sie hier zu suchen?

Sie stören die polizeilichen Ermittlungen.

Ganz klar...

Guten Tag, Frau Berger.

Kommst du mit?

Ich bleibe lieber bei der Oma.

Was für ein schrecklicher Tod. Den man niemandem wünscht.

Eine Mahnung für uns alle. Und dann diese schlimmen Gerüchte.

Wer weiß, ob es ein Unfall war?

"De mortuis nil nisi bene", wie der Lateiner sagt.

Kein schlechtes Wort über einen Toten.

- Er war ein Mensch wie wir alle. - Nicht wie wir alle.

Nur einer wie Sie. Das ist schlimm genug, Herr Direktor.

Ich erwarte doch nur eine Entschuldigung von ihm.

(Oma) Ach, Kind.

Von dem kannst du nichts erwarten. Der ändert sich doch nicht.

Das macht dich nur noch unglücklicher.

Bin ich jetzt noch selber schuld?

Willst du ewig das Opfer bleiben?

- Franz, bist du da? - Nein, nein!

Doch! Franz?

Franz? Hast du dich mal gefragt, wie deine Frau damals in Wels überlebte?

Mutter, hör auf.

Sie konnte nach ihrer Ausbildung als Lehrerin

nicht anfangen in der Schule.

- Ohne Ariernachweis. - Es ist meine Geschichte

und die geht niemanden was an!

Sie brauchte sofort eine neue Stellung.

Franz, bist du noch da?

Frau Leeb war überzeugt davon,

dass man dem Herrn Öllinger vertrauen könnte.

Er hat ihr sofort eine Stellung in seiner Bank gegeben.

Als seine persönliche Sekretärin.

Es tut mir sehr leid.

Ich konnte ja nicht wissen, dass...

Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen.

(Katharina erschrickt)

Er hat es Überstunden genannt.

Er hat mich einfach gezwungen, vom ersten Tag an.

"Du könntest schon ein bisschen freundlicher sein",

hat er gesagt.

Dann hat er mit mir gemacht, was er wollte.

Ich hab's machen müssen. Er hätte uns sonst auffliegen lassen.

(sie schluchzt)

(panische Laute)

(klopft)

Katharina? Mach auf.

Es tut mir leid.

(er klopft) Bitte.

(ruhige Musik)

Was machst du?

Jetzt bleib da.

(Wohnungstür wird geöffnet und wieder geschlossen)

Franz weiß alles.

Aber das ist doch das Beste, was passieren konnte.

(ruhige Musik)

- Bis später. - Danke.

(Motor springt an)

Guten Morgen, Herr Berger. Sie wirken so ernst.

Ist etwas passiert?

Herr Direktor, Sie wissen, was in der Bibel steht:

"Wenn dein Bruder gesündigt hat,

dann stelle ihn unter vier Augen zur Rede."

Tatsächlich, steht das geschrieben? Sie kennen sich da ja besser aus.

"Und wenn er nicht bereit ist zur Umkehr,

dann berichte es der Gemeinde."

Ja, wenn das so in der Bibel steht...

Aber ich bin nicht sicher, ob das Katharina so gefallen würde.

Ach, das ist doch schon so lange her, ist ja fast vergessen.

Ich hab's wirklich sehr eilig.

Entschuldigen Sie sich endlich bei ihr.

Aber wofür denn?

Es ist doch alles gut.

Auf meine Weise habe ich sogar zu ihrer Rettung beigetragen.

(kurze Schmerzensschreie)

Hasso?

Hasso, komm! Komm, Hasso.

Hasso!

Komm.

(wimmert)

...Vorhersage für den heutigen Tag.

Wir kommen jetzt zum Liederwettbewerb der katholischen Jugend

und spielen den Beitrag von Johanna und Michael aus Wels.

Angeblich gehört das Geschwisterpaar zum engeren Favoritenkreis.

(heitere Gitarrenmusik)

Oma, wir werden berühmt.

Wir werden berühmt.

(Hanna singt im Radio) Oma, liebe Oma

Wir haben ein Geschenk für dich

(er schaltet aus)

Schade.

Ohne Mama können wir nicht fahren.

(Frau Doringer) Die ersten Zeugen der Geburt Christi, die Hirten,

trafen nicht allein nur auf das Jesuskind,

sondern auf eine kleine Familie.

Mutter, Vater und das soeben geborene Kind.

Johanna, worüber reden wir gerade?

Über die christliche Familie.

Aber du weißt ja nicht einmal, wo dein Großvater herkommt

und wo er jetzt ist.

Gott kommt im Schoße einer Familie zur Welt

und zeigt so, dass die Familie ein sicherer Ort ist,

um ihm zu begegnen und ihn kennenzulernen.

Daher besteht einer der wichtigsten Dienste...

Ich warte.

Die Frau Lehrerin hat gesagt,

dass ich nicht einmal weiß, wer mein Großvater ist.

Mein erster Ehemann,

Gideon Feingold,

Schauspieler und Sänger,

Großvater von Hanna,

wurde am 9. April 1943

nach Auschwitz deportiert.

Seine Häftlingsnummer dort war

J 70813.

Er wurde...

wahrscheinlich im März 1944...

vergast und anschließend verbrannt.

Ich habe ihn noch oft im Theater gesehen.

Hm. Wahrscheinlich.

Hanna. Gehen wir.

(ruhige Musik)

Hanna?

Johanna?

(sanfte Musik)

(leise klassische Musik aus dem Radio)

Und?

- Bist du jetzt eine andere? - Nein.

Mich stört das nicht.

Ein paar Vorteile muss es ja haben, blind zu sein.

Ruth Blumenau.

Blumenau war mein Mädchenname,

bevor ich Gideon geheiratet habe.

Deinen Großvater.

Er war die Liebe meines Lebens.

Ich war Kostümschneiderin am Theater

und er war der Star.

Er sollte eine Rolle beim Film bekommen.

Im Dezember 1932

ist er nach Berlin gefahren.

Danach haben wir nie mehr was von ihm gehört.

(Klopfen)

(Katharina) Johanna?

Es ist schon spät.

Gehst du vor? Ich komme Gute Nacht sagen.

Es gab nie ein Filmangebot für Vater in Berlin.

Er hat dich verlassen.

Und mich auch. Und Lisbeth.

Ja.

Er hat auf meine Briefe nicht geantwortet.

Erst kurz vor seiner Deportation hat er geschrieben.

"Ich trage euch immer in meinem Herzen.

Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder."

(Franz) Johanna, was ist? Bist du endlich fertig?

(leicht genervt) Ja.

- Kommst du jetzt mit? - Sicher nicht.

Was soll ich da, wenn Leitinger unter die Erde kommt?

(lautes Klopfen)

Simader, Kriminalpolizei.

- Wir müssen mit Ihrer Tochter reden. - Was?

- Ja, bitte? - (Oma) Was will er?

Will er das Kind abholen, wie damals?

Kommst du?

Nur das Kind.

Warte! Moment mal.

Katharina?

Und der Leitinger?

- Der saß da drinnen. - Wollte er was von dir?

Bist du zu ihm hingegangen? Die Tür war ja offen, hm?

Sie war verschlossen. Von außen, mit einem Vorhängeschloss.

Jetzt hör endlich auf zu lügen.

Die Feuerwehr hat den Leitinger genau hier gefunden.

Das Vorhängeschloss ist offen, der Schlüssel steckt

und die Abteiltür ist auch offen. Hm?

Damit habe ich ja gar nichts zu tun.

Und ob.

Ihr hattet ständig Streit mit Leitinger.

Du hast gesehen, wie er da seinen Rausch ausgeschlafen hat.

Die Oma hat dir die Streichhölzer zugesteckt

und du bist damit in den Keller.

Schluss jetzt mit diesen Methoden. Augenblicklich.

Macht es Ihnen Spaß, ein Kind so zu verängstigen?

Wir müssen jedem Verdacht nachgehen, auch den Gerüchten.

Die Sache hat sich erledigt.

Ganz prima hast du das gemacht.

Mutter.

Mutti?

Mutti, sag was!

(leise, düstere Musik)

Das ist ein Fehlalarm. Sie können wieder gehen.

Hanna? Hanna?

Sei nicht so streng mit deiner Mutter.

Pass auf sie auf. Du bist die Stärkere.

(ruhige Musik)

Ich hatte nichts zum Anziehen

für das Laubhüttenfest.

Da nähte mir meine Mutter über Nacht ein wunderschönes weißes Kleid.

Ich hab ausgesehen wie ein Engel.

- Hanna? - Ja.

Wo kommst du denn her?

Ich glaube, es wird nichts mehr mit mir.

Sag doch so was nicht.

Wer sollte mir denn zu guter Letzt den Mund verbieten?

Gib mir deine Hand.

Das letzte Überbleibsel

von der Familie Blumenau.

(Tür wird geöffnet)

(Frau) Geh jetzt. Dafür bist du noch zu jung.

Geh jetzt.

(Schritte entfernen sich)

(Tür fällt ins Schloss)

Was Dunkles, Elegantes, hat der Bestatter gesagt.

Hm?

Was ist denn das?

Was hast du denn da gemacht?

Das ist unsere Tradition, hat Oma gesagt.

Das Kleid soll für nichts mehr nütze sein.

Ein Riss geht durch unser Herz.

(Katharina) Und Schuhe.

Wer weiß, wenn mein Weg steinig und steil weitergeht,

dann brauche ich die Wanderschuhe, hat sie gesagt.

(Pfarrer) Herr, gib ihr die ewige Ruhe

und das ewige Licht leuchte ihr.

- Herr, lass sie ruhen in Frieden. - (alle) Amen.

(Katharina) So spricht der Gott Israels,

Abrahams, Isaaks und Jakobs:

Fürchte dich nicht, denn ich erlöse dich.

Ich rufe dich bei deinem Namen. Du gehörst zu mir.

Denn ich, der Herr, bin dein Gott, bin dein Retter.

Weil du mir teuer bist, wertvoll und lieb.

Das ist typisch. Beim Begräbnis!

- Es tut mir sehr leid. - Wie bitte?

Mein herzliches Beileid, es tut mir sehr leid.

Was genau? Alles?

Frau Berger, auf einen Moment bitte.

Katharina, ich...

wollte dir eigentlich wirklich nur erklären, dass...

mir...

Ach, Herr Öllinger.

(sanfte Musik)

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