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Ich heiße Chloé.
Vor 6 Monaten beschlossen meine Eltern, in Le Mêle-sur-Sarthe zu wohnen.
Sie brauchen nicht zu grübeln. Von dem Ort haben Sie nie gehört.
Es gibt 600 Einwohner, eine Hauptstraße, eine Kirche.
Schluss, aus!
Alles Schöne wurde im Krieg zerbombt.
Le Mêle ist ein Dorf wie hundert andere in der Normandie.
Falls Sie nicht wissen, wo das liegt, haben Sie auch nichts verpasst.
Meine Eltern hatten den Schmutz und die Hektik in Paris satt.
Also wollten sie aufs Land,
einfach so, ohne mich zu fragen.
Zuerst nur in den Schulferien,
dann kam Papa auf die Idee,
drei Viertel seiner Arbeit vom Home-Office aus zu machen.
Mama stellt inzwischen Brot her.
Jeden Dienstag steht sie um fünf auf,
um Bio-Brot zu backen und hier auf dem Markt zu verkaufen.
Donnerstags bringt sie es nach Mamers, das ist noch weiter.
Ursprünglich sollte Papa drei Tage nach Paris,
dann fuhr er nur noch zwei Tage hin,
schließlich einen einzigen.
Heute wollte er eigentlich mit dem Zug in die Agentur.
Aber selbst das ist ihm zu viel.
Hast du was vergessen?
Beeil dich, sonst verpasst du den Zug.
Es gibt keinen Zug mehr. Damit ist es vorbei.
Heute ist was los,
weil die Züchter zeigen wollen, dass es so nicht weitergehen kann.
Denn die Fleisch- und Milchpreise sinken ständig.
Das lassen sie sich nicht mehr bieten.
Sie blockieren die Straße und das ganze Dorf macht mit.
Sollten Sie nur selten rauskommen oder nie Radio hören:
Frankreichs Bauern geht es schlecht.
Jede Woche hängt sich einer in seiner Scheune auf.
So verzweifelt und resigniert sind sie.
Heute ist also Kampf angesagt.
Hey Balbu, hallo!
- Alles klar? - Ja.
- Alles klar, Georges? - Ja, und bei dir?
Geht's, Leute?
Der Anführer ist Georges Balbuzard, der Bürgermeister.
Er ist seit 15 Jahren im Amt, aber bei der letzten Wahl war es knapp,
weil er einem Supermarkt in der Nachbargemeinde zustimmte.
Alle lieben Balbuzard.
Jeder weiß, dass er alles fürs Dorf tut.
Seiner Frau wurde das zu viel, deshalb hat sie ihn verlassen.
Unsere Ställe sind unsere Arbeitsplätze!
Los, Papa, schneller!
Sie schnüren uns die Luft ab!
Für den Preis produziert Frankreich bald kein Fleisch mehr.
Was wird dann aus unseren Weiden?
Es geht um die Überwindung des Systems,
das sich über Jahrzehnte breit gemacht hat,
zurück zu einer nationalen Produktion mit Proteinen aus Frankreich,
wie Luzerne und Klee.
Ich bin Metzger.
Ich arbeite Hand in Hand mit den Züchtern.
Der Preiskampf betrifft uns alle.
Wir wollen nur einen gerechten Lohn für unsere Arbeit.
Sonst gibt es bald keine Bauern und nichts zu essen mehr.
Wir arbeiten 15 Stunden pro Tag, sind verschuldet,
und jeden Monat sinkt der Fleischpreis.
Wir stehen am Rand des Abgrunds. Wenn es so weiter geht, ist es aus.
Deutschland und Rumänien machen die Preise kaputt.
Warum tut die Regierung nichts?
Der Großhandel drückt die Preise.
Frankreich muss endlich begreifen, dass wir dahinsiechen.
Bravo, Balbu!
Wir haben Mais-, Weizen- und Rapsfelder gesehen.
Wir haben steinige Hochebenen und Felsklippen gesehen.
- Wir haben unzählige Fotos. - Die Verdonschlucht.
Die Calanques bei Marseille, die mögen Sie doch?
Nicht übermäßig.
Die Lavendelfelder fanden Sie toll!
Genau, wie wäre es mit dem Lavendel in Valensole?
Der ist zu violett.
Wissen Sie was, Newman?
Das hier wird langsam zu einem sinnlosen Unterfangen.
Wir haben den richtigen Ort noch nicht gefunden.
Den gibt es nicht. Der Ort ist nur in Ihrem Kopf.
Verdammt noch mal, was ist hier los?
Der will nach Paris.
Unmöglich. Die Straße ist gesperrt. Keiner kommt durch.
Wir müssen nach New York. Wir sind Amerikaner.
Amerikaner... Der ist witzig. Das ist kein Passierschein.
Sorry, Straße gesperrt.
Bitte, wir müssen einen Flug erwischen. Ein Flugzeug, verstehen Sie?
Es geht nicht gegen Sie.
Wir lieben Amerika, wir lieben Obama.
Obama ist nicht mehr Präsident.
Ist mir egal. Obama bleibt Obama.
Ich steh nicht auf Amerikaner.
Balbu, der Typ da will durch. Er sagt, er ist Amerikaner.
Scheiße!
Wir werden den Flug verpassen.
Wissen Sie, hier ist Krieg... Wie Vietnam.
Wo sollen wir hin?
Sie warten, äh... Sie warten.
Nein, er kann ja zurückfahren.
- Wir haben einen Flug. - Fahren Sie zurück.
Wir... verloren.
- Wir wollen nach Paris. - Paris?
Das ist nicht schwer.
Fahren Sie geradeaus bis zu einer Abzweigung.
Hier nicht rechts, sondern links.
Dann weiterfahren.
Bis zu einem Gutshaus, da nicht links, sondern rechts.
- Rechts, links, rechts. - Genau.
- Danke, schönen Abend noch. - Gute Fahrt.
GEMEINDESAAL
Beruhigt euch, immer mit der Ruhe.
Sachte, Jungs. Gleich kommen wir.
Die Verzweiflung der Landwirte.
Heute Morgen war die Nationalstraße 12 in beide Richtungen blockiert.
Die Züchter in der Normandie bleiben standhaft.
Sie streuten Stroh auf die Fahrbahn, legten Feuer
und hatten sogar ihr Vieh dabei.
Sie kämpfen gegen fallende Preise für Milch und Fleisch.
Erst am späten Nachmittag normalisierte sich der Verkehr.
Die Züchter wollen ihren Kampf fortsetzen.
Nicolas Corbard und Damien Miniot waren für uns vor Ort.
Unsere Ställe sind unsere Arbeitsplätze!
Mit ihrer Hände Arbeit machen sie die Erde fruchtbar,
tränken sie mit ihren Tränen, ihrem Blut... ihrem Schweiß.
Das ist Frankreichs wahre Identität.
Schon Victor Hugo besang diese Helden im Schatten,
die Arbeiter der Scholle.
Es gibt nichts Schöneres als die Hände der Bauern:
diese rissigen, erdigen Hände,
die vom Boden unserer Vorfahren zeugen.
Der hat gleich meine rissigen Hände in der Fresse!
Kaum zwei Minuten über die Krise, unverschämt!
Eben! Blockaden bringen nichts. Wir müssen härter vorgehen.
Der Rest ist bekannt: Ministergelaber und Hilfsgelder.
Halten die uns für Bettler?
Stimmt, wir sind keine Bettler. Die Franzosen wissen, wie wir schuften.
Die Politik ist das Problem. Die Regierung nervt.
Denen in Brüssel sind wir egal.
Vielleicht sollten wir anders anbauen, ohne Kunstdünger.
Hey, du Öko, machst du bei uns mit oder bei denen?
- Bei euch natürlich. - Dann sag's.
- Ja! - Aber Didier hat recht.
Ihr gebt ein Vermögen für Phosphate aus.
Ihr füttert die Kühe mit Soja aus Argentinien.
Und dann beklagt ihr euch?
Maurice, wo warst du eigentlich während der Blockade?
- Bei meinen Tieren. - Und wir haben etwa keine?
Es lebe die Solidarität.
Ich solidarisiere mich ja auch nicht mit euch.
Ihr irrt euch. Mit Schulden lösen wir die Krise nicht.
Du Besserwisser stiehlst einem anderen das Feld.
- Und wir sollen auf dich hören. - Ich habe kein Feld gestohlen.
- Warum hat sich mein Vater erhängt? - Dein Vater...
Warum hat er sich erhängt?
Schluss! Wir im Dorf müssen zusammenhalten.
Also, tschüss.
Maurice!
Es gibt nur einen Weg: Wir fahren mit den Traktoren nach Paris.
Wenn das nicht reicht, greifen wir zum Gewehr.
Willst du in den Knast?
Mir egal, ich hab nichts zu verlieren.
Wenn wir untergehen, dann gleich das ganze Land.
Sachte, Vandalismus hat noch nie was gebracht.
Wollt ihr alle gegen uns aufbringen?
Wir sollen also die Klappe halten?
Nein, natürlich nicht, wir machen weiter.
Aber wir müssen etwas anderes vorschlagen.
- Die Fantasie anregen. - So, so...
Wie damals, als du den Bau des Supermarkts verhindert hast?
Der hätte uns geholfen.
Stimmt, die Gewerbesteuer hätte uns geholfen.
Ihr habt dagegen gestimmt, weil er den kleinen Läden geschadet hätte.
Dafür kam Intermarché in die Nachbargemeinde.
Das habt ihr davon. Hättet ihr auf mich gehört.
♪ Sie kennen die Namen Der Quellen nicht mehr ♪
♪ Sie wissen nicht mehr Wie Wasser schmeckt ♪
♪ Sie kennen den Laut Der Kette nicht mehr ♪
♪ Die die Räder Des Schöpfbrunnens bewegt ♪
♪ Werden unsere Kinder dereinst wissen ♪
♪ Wie man mit Pferden redet Wie man Sterne zählt ♪
♪ Werden unsere Kinder dereinst wissen ♪
♪ Wie man mit Pferden redet Wie man Sterne zählt ♪
Vincent!
Vincent Jousselin!
Du kommst zurück und sagst nicht mal Hallo?
Du weckst noch das ganze Dorf.
Ich bin der Bürgermeister. Ich darf alles.
Na, also.
Sag, dass du mein Freund bist.
Ich bin dein Freund, Balbu.
Ich bin dein Freund.
Jahrhundertelang ernährten wir das Land und heute verhungern wir.
Wäre wenigstens die Solidarität im Dorf geblieben.
Aber nein, sie führen sich auf wie kleine Kinder,
sie streiten herum, zanken sich um uraltes Zeug.
Ich kann dir sagen...
Und Betty? Du sagst nichts über sie.
Betty...
Sie hat mich vor zwei Jahren verlassen.
Sie ist mit einem Zahnarzt nach Alençon gezogen.
Ich verstehe sie, wir haben zehn Jahre keinen Urlaub gemacht.
Ich hatte es versprochen, ein Hotel in Griechenland gebucht
und dann storniert, weil das Sägewerk fast pleite war.
Ich konnte den Konkurs gerade noch verhindern.
22 Stellen.
Ich habe 22 Stellen gerettet.
Sie hat mir nicht verziehen.
Das mit den 22 Stellen hätte sie verstehen können.
Ich war ja nie da.
Das Rathaus, die Demonstrationen, der Hof...
Sie hatte recht zu gehen.
Schenk mir noch Calvados nach.
- Hattest du nicht genug? - Lieber trinken als sterben.
Blödsinn, du stirbst doch nicht.
Wir machen es wirklich nicht mehr lange.
Es ist aus mit uns.
Du hättest weitermachen sollen, du siehst aus wie ein Champion.
Du bist der Champion.
Ich brauche deinen Pass. Wir müssen einchecken.
- Das Feld. Das ist der Ort. - Welches Feld? Welcher Ort?
Der Ort, an dem wir das Foto aufnehmen.
Was ist? Wir müssen jetzt los. Wir fliegen nach Hause.
Wir fliegen nicht mit. Wir fahren schnell zurück.
- Zu dem Feld. - Was für ein Feld?
Wir überlegen uns das in New York und entscheiden dann.
Ich muss das Foto jetzt machen.
Ich bleibe nicht länger hier.
Wir quartieren uns dort ein, machen das Foto
und in zwei Wochen ist alles vorbei.
- Es wird zwei Monate dauern. - Nur zwei Wochen?
- Ja, sicher. - Ich fliege.
Ihr Feld läuft nicht weg. Wir kommen in einem Monat wieder.
In einem Monat ist alles anders,
das Licht, die Bäume... Es wird ein anderes Feld sein.
Mir reicht's. Ich bin raus.
Ich bin noch da.
Mach dir nichts draus, Eugène.
Wir lassen dich nicht hängen.
Komm schon.
Ich seh wohl nicht recht.
- Der schöne Vincent. - Ist ja ewig her.
- Freut mich, dich zu sehen, Aurélie. - Mich auch.
- Alles klar? - Lass gut sein, Vincent.
- Aurélie heiratet in zehn Tagen. - Sie hat nicht auf dich gewartet.
Wenn du gewollt hättest, hätte ich auch dich nehmen können.
Seit wann hast du dich nicht mehr gemeldet?
Ich habe dir SMS geschickt.
Stimmt, ja, vor drei Jahren.
Das nenne ich regen Austausch.
Du stehst doch nur auf Pariserinnen.
Nein, die sind nur zum Spaß haben, aber ansonsten...
Stehst du auf Mädels aus der Normandie?
Nein, sonst wäre er nicht gegangen.
Du liebst weder Pariserinnen noch uns, also liebst du niemanden.
Zu meiner Hochzeit kommst du aber, oder?
Ja, klar. In zehn Tagen bin ich noch da.
Ich bin Aurélies Trauzeugin. Gib mir deine Nummer.
- Meine Nummer? - Ja, dann sage ich dir wo und wie.
Ach so, ja, ich geb sie dir.
Die hat sich seine Nummer geangelt.
Ja, Charlotte hat's drauf.
Alles klar, meine Kleine?
Was machst du gerade?
Ich sehe mir eine Doku über das Leiden der Tiere an.
- Warum so was Grausiges? - So ist das Leben.
Das ist nichts für dein Alter, mach's aus.
Seltsam, du niest ständig.
Ach, nur ein kleiner Schnupfen.
Deinen kleinen Schnupfen hast du, seit wir hier wohnen.
Stimmt doch gar nicht. Also...
Hier, hörst du?
Der Autobahnring ist gesperrt. An den Uferstraßen ist Stau.
80 km zähfließender Verkehr an der Seine.
- Diese Idioten. - Sag mal, Papa.
Wie leitest du die Agentur, ohne hinzufahren?
Von hier aus: Internet, Skype. Man muss mit der Zeit gehen.
Thierry, hilfst du mir?
Papa tut so, als ginge es ihm gut, als sähe er nichts.
Aber ich sehe seine Symptome.
Lieber geht er vor die Hunde, als es zuzugeben.
Die Psychoanalyse nennt so etwas Verdrängung.
Diese Tomate schmeckt auch nach Tomate.
Ich will später Analytikerin werden.
Ich übe schon mal an meinen Eltern, da ist viel zu tun.
Wie oft hab ich dir gesagt,
dass die Schalen in den Kompost kommen.
- Dein Kompost stinkt. - Nein, alles ist pflanzlich.
Es zersetzt sich nur, versorgt die Erde mit Nährstoffen.
Guck mal, Chloé. Diese Karotte schmeckt auch nach Karotte.
Sieh her.
- Was ist "boudin"? - Das ist Blut.
Blut? Was meinen Sie mit Blut?
Blut, einfach Blut. Es ist Schweineblut.
Hallo.
Guten Tag.
Guten Tag!
Wir sind die Amerikaner.
Mein Name ist Bradley.
Und das ist Monsieur Newman.
Sie haben angerufen. Ich kümmere mich gleich um Sie.
Was machen Sie da?
Wir... Er besamt die Kuh.
Er macht der Kuh ein Baby.
Wo ist der Bulle?
- Es gibt keinen. - Es gibt keinen Bullen?
Das ist der Bulle.
- Das ist das "Champ Chollet". - Das Chollet-Feld.
Ja, so heißt das Feld.
Ach so, das Feld "Chollet", das Chollet-Feld.
Monsieur Newman ist ein sehr bekannter Fotograf.
Er arbeitet in allen Ländern, weltweit.
Überall, wo er ist, zieht er die Leute nackt aus.
Es kann in Städten sein, am Meer, im Wald.
Es sind 100, 200...
manchmal 500.
- Die Leute sind nackt? - Ja.
- Ganz nackt. - Wozu soll das gut sein?
Seine Fotos sind Kunstwerke.
Mit Hunderten von Menschen.
- Wie in der Natur. - Nein, es nicht die Natur.
Monsieur Newman mag die Natur nicht.
Die Kunst ist wichtiger als die Natur.
Warum kommen Sie hierher, in die Perche-Gegend?
- Was verschafft uns die Ehre? - Ihr Feld.
Ja, ich liebe das Chollet-Feld.
Was ist am Chollet-Feld so besonders?
Monsieur Newman wird die Bewohner des Dorfs bitten, Modell zu stehen.
- Splitternackt? - Ja.
Die Kleider ausziehen, nackt.
- Sie sollen nackt Modell stehen? - Ja.
Ach so. Das ist wirklich der Gipfel.
Wir verschleudern Fleisch und Milch, ächzen unter Steuern,
und Sie kommen daher und wollen, dass wir uns nackt aufs Feld stellen?
Also echt, diese Amerikaner.
Man hat uns alles genommen. Wir sind völlig blank.
Wissen Sie, was?
Sie steigen wieder ins Auto und gehen nach New York zurück.
- Monsieur Balbuzard, bitte. - Sparen Sie sich die Mühe.
Schönen Tag noch.
Wie finden Sie das, Lacoudre?
Wir sind schon blank. Wir ziehen uns nicht auch noch aus.
Das stimmt.
Ich liebe die Amerikaner. Ich bin ein Fan.
Im Krieg haben sie das Dorf befreit.
Ich war noch nicht geboren, aber meine Mutter erzählte es oft.
Ich habe eine Überraschung für Sie.
Generalmajor Oliver schlief hier im Hotel,
als die Amerikaner durch die Normandie zur Division Leclerc unterwegs waren.
Sie beschlagnahmten das Hotel.
Meine Mutter fand sie hinreißend.
Ich glaube, sie schwärmte für den General.
Sein Zimmer ist im Originalzustand.
Seitdem hat niemand mehr darin geschlafen.
Ich zeige Ihnen die Zimmer im ersten Stock.
- Ich werde hier schlafen. - Aber nicht doch...
Unten ist es besser für Sie. Alle Zimmer sind renoviert.
Es gibt Fernsehen, Minibar und WLAN.
Hier ist es gut.
- Mist vor die Präfektur werfen? - Nein.
- Milch auf die Autobahn schütten? - Nein.
Wir überfallen den Supermarkt und nehmen den Chef als Geisel?
Auch nicht, nein.
- Dann hängen wir uns auf. - Nein, ganz im Gegenteil.
Wir stellen uns nackt auf ein Feld.
Das ganze Dorf. Splitternackt.
- Was redest du da? - Ein amerikanischer Fotograf ist da.
Er stellt das ganze Dorf nackt auf ein Feld.
Mal langsam. Die Unterhose lassen wir aber an?
Du kapierst es nicht. Nackt ist ohne Unterhose.
- Ist das ein Witz? - Nein, es ist ernst gemeint.
Zum Stil dieses amerikanischen Künstlers gehören eben nackte Leute.
Zurzeit frierst du dir morgens einen ab. Du holst dir den Tod.
- Wir warten, bis es wärmer ist. - Das ist zu lang. Wir handeln jetzt.
- Ich hab keine Lust blankzuziehen. - Du bist schon blank, wie wir alle.
Du schuldest der Bank 145.000 Euro,
verdienst kaum 1000 monatlich, hast nichts mehr, schuftest,
um die Zinsen zu bezahlen, wie wir alle.
Richtig oder falsch?
- Nicht falsch. - Siehst du. Und du, Eugène?
Sag, was auf deinem Hof los ist, dass du blank bist.
Sie haben meinen Heuwender und den Traktor beschlagnahmt.
- Als nächstes ist mein Ackerland dran. - Bei mir ist es auch so.
Sollen die Frauen sich auch ausziehen?
Frauen, Männer, junge, alte...
Im Ernst, Lucie, wirst du Modell stehen?
Mal sehen. Wenn ihr alle kommt, könnte es mich schon reizen.
Dann komme ich vielleicht auch.
Wenn wir das Foto machen, sieht ganz Frankreich, wie es uns geht.
Alle Sender werden es zeigen, nicht nur das Regionalfernsehen.
Die öffentlichen Anstalten in Frankreich, in Europa.
Das Foto wird um die Welt gehen.
Du stellst es dir so vor wie bei Putin, die Russinnen, wie hießen sie noch?
Die Femen. Aber sie wurden eingesperrt.
Aber wir nicht, denn wir halten zusammen. Das ist unsere Stärke.
Aber nackt nur die, die wollen.
Du stellst mich nicht nackt auf ein Feld.
Das ist ja verrückt. Du machst jeden Sommer FKK am Cap d'Agde.
- Aber uns zeigst du deinen Arsch nicht. - Tut mir leid, FKK ist was anderes.
- Sagt dir Einklang mit der Natur was? - Einklang mit der Natur...
Er hat recht. Was haben die Amerikaner vor?
Sie machen Geld mit unseren Körpern.
Geht's noch? Wo ist da der Unterschied?
1944 vertrieben die Amis die Deutschen,
aber ob sie die Normandie ausziehen können?
Es waren die Amerikaner, die das Dorf bombardierten.
Aber die Züge der Deutschen mussten gestoppt werden.
Nur dass unser Haus dabei zerbombt wurde und wir alles verloren haben.
Meine Großeltern überwanden das nie.
Ja, aber die Amerikaner haben uns geholfen, oder?
- Haben sie uns nicht befreit? - Aber das gibt ihnen nicht alle Rechte.
Die wollen sie auch nicht.
Sie schlagen uns etwas nie Dagewesenes vor.
Und du kommst mit den Bombenangriffen vor 70 Jahren an.
- Kennst du die Pflicht zum Gedenken? - Ja, aber ich lebe jetzt.
Jetzt sind wir in Gefahr, jetzt müssen wir kämpfen.
Wir müssen alles auf dieses Foto setzen.
Das kommt nicht nur eineinhalb Minuten im Regionalprogramm.
Sondern eine halbe, eine ganze Stunde. Das wird wie eine Bombe einschlagen.
Geht's noch?
Ihr seid... Ihr seid total verrückt.
Ich gratuliere!
Ein Hoch auf die Pestizide! Und Sie lassen das zu.
Ist Ihnen klar, was die Bauern der Natur antun?
Sie töten die Insekten, die Schmetterlinge.
Es gibt keine Bienen mehr. Sie verschmutzen die Flüsse, alles.
- Gerade beginnt die Aussaat. - Mir doch egal.
Man sollte den Bauern verbieten, auf dem Land zu leben.
Soll ich Sie mitnehmen?
- Adam und Eva. Gefallen sie Ihnen? - Ich finde sie schön.
Rubens.
- Und die hier? - Die beiden anderen fand ich besser.
- Also die Cranach-Version? - Ja.
- Fanden Sie Eva nicht zu dünn? - Nein, ich mag die Cranach.
Na schön.
Ist ja kein Schönheitswettbewerb.
Können Sie die Eva neben den Adam dort stellen?
Es ist nicht dieselbe Zeit. Das ist 16. und hier Anfang 17. Jahrhundert.
- Ist das ein Problem? - Aber nein.
Es ist für die Einwohner hier und nicht für Kunststudenten.
Entschuldigen Sie.
Nehmen wir die zwei?
Ich stelle ihn frei,
dann hole ich Eva.
Wir suchen ein Feld aus.
Gefällt Ihnen das hier? Und los geht's.
Wir verkleinern sie. Gut so?
Ja? Dann legen wir los. Sehen Sie?
Das Paradies auf Erden auf dem Chollet-Feld.
Ich gebe Ihnen die Datei.
Guten Tag.
Guten Tag, Herr Bürgermeister.
- Möchten Sie einen Kaffee? - Nein, danke, ich muss weiter.
Stell dir vor, Newman ist hier. Er will ein Foto machen.
- Der Fotograf Newman? - Ja, nicht Paul Newman.
Das gibt's doch nicht.
- Ist dieser Newman so bekannt? - Ja, er ist ein Star.
Klar, er stellt in der ganzen Welt aus.
Die Abzüge sind ein Vermögen wert.
Und er will Le Mêle-sur-Sarthe ausziehen?
Ja, ich habe den Leuten davon erzählt.
- Was sagen sie? - Es wird nicht leicht werden.
Wollen Sie eine 42-jährige Pariserin auf dem Foto?
Wenn es Ihnen nichts ausmacht?
Valérie tanzte für einen flämischen Choreografen,
dessen Truppe oft nackt auf der Bühne war.
- Haben Sie sich nicht geniert? - Kein bisschen.
Mama, du wirst dich nicht schon wieder nackt zeigen?
- Wir sind alle gleich gemacht. - Das ist kein Grund, es zu zeigen.
Du bist echt verklemmt.
- Sie ist verklemmt. - Nein, du bist Exhibitionistin.
- Ich muss los. Danke für die Datei. - Stets zu Diensten.
SENDEN
ALLE NACKT AUFS CHOLLET-FELD!
FOTO AM 30. APRIL
ALLE NACKT AUFS CHOLLET-FELD!
Habt ihr gesehen, was los ist?
Die haben das Chollet-Feld für ihr Nacktfoto ausgewählt.
Na, und?
Mama und ich machen mit.
Es ist für einen guten Zweck.
Versteht ihr denn nicht?
Sie haben das Chollet-Feld ausgewählt, mein Feld!
Aber es ist nicht unser Feld, es gehört Maurice.
Es ist unser Feld, Lenny.
Unser Feld seit zehn Generationen. Es gehörte meinem Vater,
meinem Großvater, meinem Urgroßvater.
- Es ist unser Feld. - Kannst du es beweisen?
Nein.
- Der Kataster ist im Krieg verbrannt. - Na, siehst du.
Du gehst uns auf den Geist mit diesem Feld.
Lass gut sein mit dieser alten Geschichte.
Ich arbeite jeden Tag 16 Stunden,
aber kann keine Hochzeitsreise zahlen.
Und der Hund vermietet mein Feld!
Meine Hochzeitsreise veranstalte ich hier mit euch.
Sieh doch mal, wie schön deine Tochter ist.
Guten Tag, Gisèle. Tag, die Damen.
- Ich habe Ihnen die Keule zurückgelegt. - Wie nett.
- Wiedersehen. - Das trifft sich gut.
- Wir wollten Sie was fragen. - Es geht um dieses Foto.
Wenn es dem Dorf hilft, mache ich mit.
Nur eines stört mich: Wir kennen uns doch alle.
Ziehen Sie sich lieber vor Fremden aus? Vor den Leuten aus Mortagne?
Im Ernst, Mme Lemoulin.
Unter Fremden wäre es leichter.
Stimmt, alle sind nackt und dann sieht man sich im Supermarkt.
Wir werden uns nicht auf den Hintern starren.
Wir wirken bei einem Kunstwerk mit.
Warum ausgerechnet hier? So schön sind wir nicht.
Und ob! Wir haben die schönsten Hintern und zeigen sie der ganzen Welt.
Der ganzen Welt? Sie sind ja verrückt.
Nein, aber das Schicksal der Region hängt davon ab.
Unser aller Schicksal.
Gisèle, Sie kommen doch auch? So schön wie Sie sind!
Ach, nein. Das ist nett von Ihnen, aber nicht doch.
Unsere Miss Calvados muss mit uns Modell stehen.
Sie wissen doch, das ist vorbei.
Monsieur Roger, sagen Sie Ihrer Frau, sie soll kommen.
Aber ich bin gegen dieses Foto, total dagegen.
Sollen wir jetzt etwa unsere Frauen ausziehen?
Die Hüllen fallen lassen ist schön, wenn man jung ist.
Aber später ist es unschicklich.
Aber Gisèle, Sie sind doch unsere schönste Blüte.
Sie wissen ja, dass das stimmt.
So viele Verspannungen.
Ich spüre böse Schwingungen.
Merkwürdig. Ich fühle mich fit. Ich liebe das Landleben.
Nur das Land scheint Sie nicht zu lieben.
Ihre Finger sind Gold wert, in Paris wären Sie reich.
Mit 20 war ich mal in Paris, aber es gefiel mir nicht.
So, setzen Sie sich auf.
Ich verstehe Sie, deshalb bin ich von da weg.
- Woher haben Sie die Gabe? - Mein Vater war Rutengänger.
- Rattenfänger? - Nein, Rutengänger.
Er spürte eine Quelle 20 Meter unter der Erde auf.
Und die Viehzucht gaben Sie auf?
Mein Bruder kann das gut allein.
Am Monatsende verdiene ich gleich viel, mehr sogar.
Was halten Sie von dem Nacktfoto?
Ich sehe das ganze Dorf nackt auf meiner Liege, mir ist es gleich.
Los, Mädels, vorwärts.
Wollte Ihr Newman nicht mitkommen?
Er wollte lieber im Hotel bleiben.
- Die Kühe machen ihm Angst. - Aha...
Ihr Chef ist schon eine Nummer.
Seine Eltern waren fromme Leute aus Salt Lake City.
Newman wuchs auf, ohne jemanden nackt gesehen zu haben.
Eines Tages, als er gerade 22 war,
sah Newman 30 Typen auf einmal in einem Umkleideraum.
Das war ein Schock für ihn.
Und dann fing er an, alle auszuziehen?
Ganz richtig.
Ich war Kriegsfotograf.
Ich war im Irak, in Afghanistan.
Dann hat es mich erwischt. Ich musste sofort aufhören.
Newman bot mir eine Zusammenarbeit an.
Das ist jetzt zehn Jahre her.
Wie weit sind Sie mit den Modellen?
Da gibt es noch Widerstand.
Ein paar Ausnahmen, Querköpfe.
- Werden Sie 200 Unterschriften kriegen? - 200, ich weiß nicht.
In zehn Tagen muss das Foto fertig sein.
Sie sind witzig, Mentalitäten sind zäh.
Die Leute im Dorf haben keine große Lust, sich auszuziehen.
Sie mögen nicht modern sein, aber so ist es.
Wir sind in der Normandie. Da zieht man nicht einfach blank.
Selbst bei 40 Grad im Schatten behält man hier Hemd und Hose an.
- Was machen wir? - Ich werde zu ihnen gehen.
Keine Sorge, ich überzeuge sie, einen nach dem anderen.
Das klappt schon. In zehn Tagen: Alle aufs Chollet-Feld!
Sind Sie der, der das ganze Dorf ausziehen will?
Ja. Ich bin der Fotograf.
Ich möchte Blutwurst kaufen.
Wir haben zu heute. Geschlossen.
Geschlossen?
Okay.
ZU VERKAUFEN
Nein, es ist zu.
Guten Tag. Es ist zu, endgültig.
Ich verstehe, aber nur eine Minute, bitte?
Wissen Sie, Kodak ist... kaputt.
- Schluss. - Ja, Schluss, ja.
Ich möchte die Fotos kaufen.
Sie wollen diese Fotos?
Hochzeiten, Erstkommunionen... Wirklich?
Sind Sie sicher? Einverstanden.
Und diese hier? Sind die alle zu verkaufen?
Ja, aber die sind teuer. Teurer als die Fotos.
Schöner Apparat.
Polaroid 600.
Sie gehörte meinem Vater.
War Ihr Vater Fotograf?
Ja, es war sein Laden.
Sind Sie auch Fotograf?
Nein, ich bin Drucker, das heißt, ich war Drucker.
Das ist eine richtige Schatzkammer hier.
Jetzt müsste es klappen.
- Wir probieren es aus. - Oh, danke.
Wunderbar.
Großartig.
Wissen Sie,
das Digitale hat all das kaputtgemacht.
Das sagte mein Vater immer: "Digital hat analog getötet."
Digital hat deinen Vater getötet?
Nein, bei meinem Vater war es eher der Calvados.
Hier in diesem Studio machte mein Vater die Passbilder.
Er hat das ganze Dorf auf diesem Stuhl abgelichtet.
- Das ist verrückt, oder? - Also...
Sie werden für mich arbeiten.
Nein, mein Vater war der Fotograf, nicht ich.
Ja, aber Sie kennen sich aus mit Fotos.
Schon, aber ich gehe fort.
In drei Wochen verkaufe ich das hier.
Was ist das?
Man muss an dem kleinen Hebel ziehen.
Sie werden sehen. Gucken Sie da rein.
Sehen Sie mich?
Das ist einfach großartig!
Hör mal, wir haben alle einen Pimmel.
Da ist doch nichts dabei.
Du zeigst ihn zehn Minuten, dann ist es vorbei.
Ich hab aber keine Lust.
Bei der Armee hatte ich Probleme im Duschraum.
Sogar vor meiner Ex-Frau habe ich mich geschämt.
Deshalb, nackt aufs Chollet-Feld... Nein.
Auch wenn es das Dorf rettet?
Und du? Zeigst du deinen Pimmel?
Hör zu, wenn ich für die Sache die Hose runterlassen muss, mach ich es.
Ich bin nicht einverstanden. Ich komme nicht.
Ich hab nichts zu verbergen, nicht, dass du denkst...
- Eben deshalb. - Genau, nichts zu verbergen.
Steig aus jetzt.
Warum regst du dich auf?
Das Chollet-Feld gehört mir. Ich stelle es zur Verfügung.
Ohne Gegenleistung, aber jetzt lass mich in Ruhe.
Du kaufst doch nicht etwa ohne Gütesiegel?
Wenn du kein Fleisch von hier nimmst, kriegst du Ärger.
Hier, nimm lieber das.
- "Züchter aus der Normandie." - Aus der Normandie?
Warum verkaufen die dann das hier?
Du bist vielleicht naiv.
Weil sie dir für ihre Marge jeden Mist verkaufen.
Deshalb schaffen wir's hier nicht.
Du bist ja richtig militant.
Nein, nicht besonders. Ich kaufe mit Verstand ein.
- Das ist also gut? - Ja, das ist gut.
Also, danke.
Wir sind uns schon mal begegnet.
Daran würde ich mich erinnern.
Bei einem Radrennen in Mamers vor vier Jahren.
Du warst der Sieger, wir kamen, um dich zu feiern.
Keiner verstand, warum du weggegangen bist.
Du warst begabt.
- Du hattest Eleganz. - Nein.
Nein, nicht ich hatte Eleganz, mein Vater wollte sie für mich.
Das Rad war sein Traum, nicht meiner.
Erinnerst du dich wirklich nicht?
Ich überreichte dir den Strauß des Gewinners.
- Nicht möglich. - Doch.
Du hast mir auf dem Podium einen Kuss gegeben?
Nein, damals hab ich keine Jungs geküsst.
- Und heute? - Heute?
ZIEH BLANK, GISÈLE!
Wie viel zahlen sie dir für das Foto?
Ich nehme nichts dafür, ich stelle es zur Verfügung.
Sie boten mir 5000 Euro.
- Kannst du haben. - Ich will dein Geld nicht.
Wehe, die Amerikaner betreten das Feld. Es gehört mir.
Ziehen wir einen Schlussstrich.
Das betrifft uns doch nicht mehr.
Für uns ist das nur eine uralte Geschichte.
Uralt? Für dich vielleicht.
Ich seh mich jede Nacht meinen Vater abknüpfen.
Hast du das schon mal gemacht?
Dein Vater hat sich nicht wegen dem Feld erhängt, das weißt du.
Er hat sich erhängt, weil er nicht mehr konnte.
Mit dem Feld hätte er es geschafft. Deshalb überlass ich es dir nicht.
Was willst du mit dem Gewehr?
Willst du auf mich schießen?
Du hast Glück, dass meine Tochter bald heiratet.
Heute hüte ich mich vor Dummheiten.
Aber wehe du kommst noch mal hierher.
- Guten Tag, Gisèle. - Guten Tag.
Guten Tag, Roger.
Es gab drei Schmierereien auf meinem Schaufenster.
Was steht drauf?
Da steht: "Zieh blank, Gisèle!"
"Zieh blank, Gisèle!" Deswegen sollte ich kommen?
Das ist nicht lustig, Balbu.
Verdächtigst du jemanden?
Einmal denke ich, es ist Leclerc.
Als Rache dafür, dass ich ihm kein Fleisch mehr abnehme.
Dann verdächtige ich den jungen Bezon.
Ich nahm ihn zum Gehilfen, aber behielt ihn nicht.
Oder Lefranc. Dem habe ich 2000 Euro geliehen und nicht zurückgekriegt.
So was würde Lefranc nicht machen.
Ich dachte, ich hätte viele Freunde, aber jetzt...
Weißt du, was wir machen?
Wir stellen eine Überwachungskamera auf.
Wenn es wieder passiert, wissen wir, wer es war, okay?
Danke.
Können wir jetzt raus? Bei der Kälte friert einem sonst was ab.
Es schmerzt vor allem im Kreuz.
Eben, es muss straff sitzen.
- Kann ich es abends abnehmen? - Ja, sicher.
Monsieur Balbuzard, schön, Sie zu sehen.
Guten Tag, Monsieur Férol.
Sie wurden nicht gewählt, um das Dorf auszuziehen.
Ich werde Beschwerde einlegen, bei der Präfektur, beim Senat.
- Beruhigen Sie sich. - Nein, fällt mir gar nicht ein.
Unterm Vorwand, das Dorf zu retten,
zwingen Sie uns zu kollektiver Demütigung. Eine Schande.
Nehmen Sie doch ein Beruhigungsmittel!
Ach, so sehen Sie das?
Ich warne Sie, ich werde kämpfen.
Sie kennen doch den Katechismus?
Ja, ich bin praktizierender Katholik.
Dann erinnern Sie sich an die Schöpfungsgeschichte.
"Mann und Frau waren nackt und sie schämten sich nicht."
Was hast du denn, Liebling?
Nichts.
Ich seh, dass du was auf dem Herzen hast.
Nein, nein.
Versprich mir, dass du nicht nackt auf dem Feld Modell stehst.
Wie gesagt, ich habe gar keine Lust dazu.
Also frag mich nicht mehr.
Einverstanden?
Versprochen.
Nur du darfst mich ganz nackt sehen.
Sieh mal, was in dem Zimmer hing.
All die jungen Leben wurden für unsere Freiheit geopfert.
- Manche wurden nicht mal 18. - Ja.
Die Geometrie ist...
Geometrie?
So möchte ich das Foto im Chollet-Feld anordnen.
Sieh her.
200 Pfähle, vor denen die Modelle sich aufstellen sollen.
So entsteht der Eindruck abstrakter Körper,
so weit das Auge reicht.
Genau wie die Kreuze.
Hier ist es, das Feld.
Mein Feld. Das Chollet-Feld.
Danke.
- Wer ist der Typ? - Keine Ahnung.
Guten Tag, Sie sind...?
- Der Eigentümer des Felds. - Ah, Sie sind der Eigentümer?
Ich mag dieses Feld sehr, das Chollet-Feld.
Ich freue mich sehr, ein Foto hier aufnehmen zu können,
mit den Fotomodellen.
Ich werde sie hier aufstellen,
hier herum, überall.
Die Frauen und die Männer, nackt.
Das wird fantastisch.
Das wird nicht möglich sein.
Nicht möglich?
Verlassen Sie bitte mein Feld.
Erklären Sie es ihm, Bradley.
Wir machen ein Foto, in fünf Tagen.
Ein schönes Foto.
Ein Künstlerfoto.
Oh mein Gott!
Sind Sie komplett übergeschnappt?
Eugène, die ganze Gegend hängt von diesem Foto ab.
Und du schießt auf die Amerikaner. Spinnst du?
Ich scheiß auf das Foto und die Amis.
Du kriegst eine Entschädigung, aber erlaube es uns.
- Ich will kein Geld, nur mein Feld. - Du sabotierst alles?
- Wo wir endlich was gefunden haben. - Ich will mein Feld zurück.
Es weiß doch keiner mehr, wem es gehört.
Es steht im Kataster.
Du weißt ja, dass er verbrannt ist.
Wer mein Feld betritt, auf den schieß ich.
Deinen Zahlungsaufschub bei der Bank kannst du dann selbst aushandeln.
- Kratz doch allein ab auf deinem Feld. - Auch gut.
- Was? - Nichts.
Ist es nicht schön hier?
Hier dürfen Sie tun und lassen, was Sie wollen.
Sie stellen 500 Leute splitternackt hin.
Ganz wie Sie wollen. Keiner wird Sie stören.
Ich will das Chollet-Feld.
Der geht mir langsam auf den Keks.
Was hat das Chollet-Feld, was das hier nicht hat?
Es ist klein, hässlich.
Es ist gar nichts Besonderes.
Sehen Sie sich dieses hier an, sehen Sie!
Sehen Sie, die Kühe.
Die Eiche dort. Ist das nicht schön?
Na?
Monsieur Newman will das Chollet-Feld.
Vergessen wir das Chollet-Feld.
Der Spinner bringt uns alle um, wenn wir sein Feld betreten.
Aber warum?
Um das Feld gibt es einen Streit wegen, wie heißt das noch... Erbfolge.
Was bedeutet das, Erbfolge?
So ist das eben in Frankreich.
Man streitet 100 Jahre lang und weiß nicht mehr, warum.
Was machen wir jetzt?
Und ein Foto vor der Präfektur?
Genau vor dem Gebäude. 300 nackte Bauern.
Das würde toll aussehen. Oder? Die Präfektur.
Ich ziehe das Chollet-Feld vor.
Du bist ja noch da. Bist du noch nicht fort?
Der Verkauf ist in 2 Wochen.
Hallo.
Du hättest dich ja mal melden können.
Der Kuss bei Intermarché bringt dich nicht auf Ideen?
- Doch, schon. - Deine Begeisterung ist ja unglaublich.
Gibst du mir was zu trinken?
- Willst du was trinken? - Ja.
Du bist nicht der Schnellste.
- Was machst du da? - Ich packe die alten Apparate ein.
Der Amerikaner von neulich hat den halben Laden aufgekauft.
- Das ist doch toll. - Ja.
- Als ich klein war, war ich mal hier. - Ja?
Meine Mutter wollte ein Kommunionsfoto.
Damals war ich sehr katholisch.
Ich hatte eine Kutte an, einen Schleier auf dem Kopf,
den Rosenkranz in der Hand.
Dein Vater war nett.
Er erzählte viel, während ich posierte.
Möglicherweise ist das Foto immer noch hier.
- Willst du es nicht suchen? - Nein, das dauert Stunden, glaub mir.
Komm schon, bitte.
Und?
Glaubst du, ich passe gut aufs Feld?
Lass mich noch etwas nachbessern.
Schneelandschaft.
Das ist zu kalt.
Bereit?
Vincent, hast du keine Lust, mich zu küssen?
Volker wollte uns schon seit Wochen besuchen kommen.
Endlich kam er mit seinem kleinen Hubschrauber.
Volker ist Papas bester Freund
und sein ehemaliger Teilhaber.
Sie gründeten die Agentur zusammen. Volkers Start-up machte ihn reich.
Papa gibt es nicht zu, aber er hat Psoriasis, ein Ekzem und Asthma.
Es gibt keine Allergie, die er nicht hat.
Volker will Papa zurückholen. Ich fürchte, das sieht schlecht aus.
Setz deine Brille ab.
Warum?
- Setz deine Brille ab. - Wenn du meinst.
Und jetzt?
Siehst du dich eigentlich?
Nur ein kleiner Heuschnupfen. In einer Woche ist der wieder weg.
Weißt du was?
Komm mit mir nach Paris.
Da gehst du zu einer Spezialistin, und dann fährst du zurück.
Ich habe alles hier.
Ich gehe zu einer tollen Heilerin. Ihr Vater war Rutengänger.
Und die Agentur?
Die brauchen dich dort.
- Drei Tage, und es läuft wieder. - Damit ist Schluss.
So ist es. Hier haben wir unser Gemüse, unsere Kürbisse,
unsere Tomaten. Valérie bäckt Brot.
Wir sind autonom.
Was ist mit dir los, Thierry?
Ich habe mich verändert. Kannst du das nicht verstehen?
Dass man nicht immer dieser blöden Routine folgt?
- Sei nicht so aggressiv. - Bin ich doch gar nicht.
Du siehst nur einen Weg. Deinen. Damit ist für mich Schluss.
Volker ist wieder weggeflogen.
Ich bat ihn, mich mitzunehmen, aber er wollte nicht.
Mein Platz sei bei Papa, und er würde sich wieder einkriegen.
Balbu?
- Ist da jemand? - Komm rein, Vincent.
Das ist Charlotte. Sie arbeitet in Vanchères Molkerei.
Ich kenne dich doch. Du bist Blamands Tochter.
Ja, das stimmt.
War dein Vater nicht sauer, als du vom Hof weggingst?
Nein, das heißt, doch, aber wir reden wieder miteinander.
Ihr Vater ist ein sturer Esel.
Vincent, wollten wir beide nicht zusammen essen?
Ja, schon, aber wir beide wollten uns treffen.
Und dann lädst du mich zum Essen ein, also...
Was, also?
Na ja, also... Da hab ich mir gesagt...
- Dass wir auch zu dritt essen könnten. - Äh, ja
Gut gemacht!
Wie du guckst!
- Kalter Schweiß! - Ich hatte schon Angst.
- Trinkt ihr einen Weißwein? - Gern.
Die habe ich beim Aufräumen im Laden gefunden.
Dort sind noch Hunderte davon.
Hier bin ich im Alter von vier Jahren.
- Man erkennt mich, oder? - Ja, süß.
Das Getreidesilo, das vor fünf Jahren abgerissen wurde.
- Erkennst du ihn? - Ja, der ehemalige Bürgermeister.
Seht euch das an!
Gisèle als Miss Calvados.
- Sie sah klasse aus. - Wunderschön.
Von den Fotos hat er keinem was erzählt.
Wie steht's mit dem Foto?
Da hakt es an allen Ecken und Enden.
Dabei wollte ich unsere Leute wenigstens einmal im Leben nackt sehen.
Ich auch.
Moment mal, lasst uns die Nachrichten ansehen.
...doppelt so viel wie im Weltdurchschnitt.
Das Muskelfleisch enthält Eisen.
Bei der industriellen Herstellung von Wurstwaren wird Nitrit zugesetzt,
eine Art Salz, hier zusammen mit Gewürzen,
das der Haltbarkeitsmachung dient.
Die Weltgesundheitsorganisation unterstreicht im letzten Bericht,
dass rotes Fleisch krebserregend ist.
Es ist nicht das erste Mal, dass Wurst und rotes Fleisch am Pranger stehen.
Doch zum ersten Mal greift die WHO ein und veröffentlicht Schockierendes.
Fleischverzehr begünstigt Diabetes,
Fettleibigkeit und Herz-Kreislauferkrankungen.
Die Viehzucht stellt nicht nur ein Gesundheitsrisiko dar,
sondern ist weltweit für 18% des Treibhausgasausstoßes verantwortlich,
mehr als der gesamte Verkehrssektor.
Die Viehzucht gehört also zu den Hauptverursachern
der Klimaerwärmung unseres Planeten.
Diese Katastrophe muss verhindert werden,
indem wir unseren Fleischkonsum einschränken.
Verdammt, die wollen wirklich unseren Tod.
Nach den Nachrichten gestern machen wir mit.
Ja, wir müssen alle mitmachen.
Danke.
Ich hab nichts zu verbergen.
Sie werden doch nicht Modell stehen, Madame de Quincy.
Warum soll nur die Jugend ihren Spaß haben?
Ich will auch aufs Foto.
Aber in Ihrem Alter...
Ich bin noch recht fest. Ich wasche mich jeden Tag mit kaltem Wasser.
- Danke. Auf Wiedersehen. - Wiedersehen, Madame de Quincy.
Guten Tag, Roger. Wie geht's uns denn heute?
Sonst schlafe ich gut, aber seit einer Woche krieg ich kein Auge zu.
Ich gebe Ihnen Imovane, damit schlafen Sie wie ein Baby.
- Dieses Foto plagt Sie, nicht wahr? - Woher wissen Sie das?
Weil es das ganze Dorf plagt.
Man wird uns auf diese obszöne Parade reduzieren.
Der Präfekt hat meine Beschwerde nicht beantwortet.
- Die werden das Foto machen. - Bestimmt.
Und meine Frau wird hingehen.
Na ja, so hübsch wie Ihre Gisèle ist.
Natürlich wollen alle Männer sie auf dem Feld ansehen.
Die Saukerle.
- Man kann's ihnen nicht verübeln. - Saukerle.
Roger, es wird schon werden.
Die Leute werden kommen, Stielaugen machen, das ist klar.
Aber in zehn Tagen ist alles vergessen.
- Die Saukerle. - Tja.
ZIEH BLANK, GISÈLE!
Weißt du, dass du Ärger kriegen kannst mit dem Gesprühe?
Sachbeschädigung, sexistische Beleidigung, Verleumdung.
Mir egal, ich bin minderjährig.
Schon, aber es kommt ins Führungszeugnis.
Ist dir klar, was du Roger angetan hast?
Er dachte, jemand will ihm an den Kragen.
Geschieht ihm recht. In zehn Jahren isst keiner mehr Fleisch.
Ohne Züchter und Metzger wird die Welt besser sein.
Das darf nicht wahr sein. Wie kommst du auf so dumme Ideen?
Deine Eltern werden sich wundern.
Mir egal, was die denken.
Ich bleib nicht in dem Kaff, ich will zurück nach Paris.
Gut, schnall dich an.
Du wirst dich sofort bei Roger entschuldigen.
Nie im Leben. Roger ist ein Mörder. Er exekutiert unschuldige Rinder.
- Spinnst du? - Was ist los?
Chloé hat Rogers Vitrine besprüht. Er wird sie anzeigen.
Nein, wir regeln das ohne Anzeige.
- Aber warum? - Weil Metzger Unmenschen sind.
Hast du mal einen Schlachthof im Internet gesehen?
Wie arme, wehrlose Tiere gequält werden?
- Roger hat dir nichts getan. - Nichts.
Ihr habt mich hier ohnehin in eine Falle gelockt.
Es war nicht meine Idee. Mir gefiel es in Paris.
Mir eh egal. Es ist sowieso nicht von Dauer. Wisst ihr warum?
Das sehen wir später. Ab auf dein Zimmer!
Weil der Klimawandel die Normandie zur Wüste machen wird.
Die Temperaturen werden steigen, alles vertrocknet.
Es wird nie mehr regnen in der Normandie.
Es wird 40 Grad haben.
Die Felder werden gelb und die Erde rissig sein.
Es wird kein Gras mehr wachsen.
Die Kühe werden verdursten.
Sie werden nur noch Haut und Knochen sein.
Alles klar, Papa? Du siehst so komisch aus.
Ich habe geträumt, dass die Normandie eine Wüste ist.
Es war das Ende der Welt.
Aber Papa, nur weil ich heirate, ist das nicht das Ende der Welt.
Es hat geklappt.
Da sind die Amerikaner.
Meine Tochter feiert Hochzeit.
Kommen Sie, Seien Sie unsere Gäste. Kommt alle.
Nehmen Sie Platz.
Wir werden den Rathaussaal vergrößern müssen.
- Soll ich eine Rede halten? - Ja!
Das trifft sich gut. Ich habe eine vorbereitet.
Liebe Aurélie. Ich kannte dich schon, als du so warst.
Lieber Jimmy, ihr habt euch auserwählt, weil ihr euch liebt.
Dazu möchte ich euch gratulieren.
In einer Welt, das muss man wohl sagen,
in der die Mächtigen die Schwachen unterdrücken,
in einer Welt, die uns ignoriert, die uns mit Füßen tritt,
steht Heirat für Zukunft, wie wir alle wissen.
Aber die Zukunft... Haben wir eine Zukunft?
Solange rumänisches und deutsches Fleisch
unsere Märkte überschwemmt, haben wir keine Zukunft.
Das ist wahr.
Wenn wir auf die Exportzahlen sehen,
seit Russland seine Grenzen dichtgemacht hat,
ganz zu schweigen vom chinesischen Markt...
Balbu, das ist eine Hochzeit und keine politische Veranstaltung.
Aber Papa, lass ihn reden.
Dein Vater hat recht, Aurélie.
Heute feiern wir deine Liebe.
Deine Liebe zu Jimmy, und Jimmys Liebe zu dir.
Ihr habt es geschafft,
der Hoffnungslosigkeit zu entkommen. Heute haben wir Hoffnung.
Wir verdanken sie unseren amerikanischen Freunden. Applaus!
Stehen Sie auf!
Ihr habt eure Unterstützung für das Foto zugesagt.
Ein paar unter euch zögern noch,
fragen sich, ob sie für das Foto Modell stehen werden.
Ich beschwöre euch: Kommt alle morgen!
Es ist lebenswichtig für euch, für uns.
- Ich unterstütze dich. - Du kommst also aufs Chollet-Feld?
Natürlich. Dafür ziehe ich mein Hochzeitskleid aus.
Sofort, wenn du willst.
Fantastisch.
Ich auch.
Von Anfang an haben mich alle gefragt, ob ich komme...
Abgemacht, Balbu, ich komme.
Recht so!
Unsere Miss Calvados ist mit uns.
Die schönste Blüte des Dorfes.
Nun darf ich den Empfang eröffnen.
Du hast die Hochzeit noch nicht vollzogen.
Stimmt, also dann!
- Weißt du, die Käufer für den Laden... - Ja?
Sie haben es eilig. Also sagte ich, dass hier ab nächsten Monat frei ist.
- Das ist doch toll. - Ja.
- Warum sagst du mir das? - Ich will ehrlich zu dir sein.
Weil wir zusammen ins Bett gehen?
Nein, nein. Nicht deswegen.
Befürchtest du, dass ich mir Hoffnungen mache?
Nein, ich...
Glaubst du, ich werde dich anflehen, hierzubleiben, falls ich mich verliebe?
- Das habe ich nie gesagt. - Wird eh nicht passieren.
Mach, was du willst.
Ob du gehst oder bleibst, mir ist das egal.
Also dann, tschüss.
Was ist in dich gefahren?
Was ist in dich gefahren? Sag schon, Gisèle.
Es ist also beschlossene Sache: Du willst aufs Foto?
Aber dein Versprechen, erinnerst du dich?
- Du hast gesagt... - Sei still, Roger.
Ich will nichts mehr hören.
Hallo, Josy, Sie servieren schon Blutwurst?
- Monsieur Newman hat sie bestellt. - Zum Frühstück!
- Ah, Josy. - Hier kommt Ihre Blutwurst.
Guten Tag, Monsieur Newman.
- Bradley. - Guten Tag, Balbu.
Heute ist also der große Tag.
In zwei Stunden werden wir das Dorf nackt sehen!
- Wir zählen auf Sie, Josy. - Klar, das wird fein.
Also, kosten Sie.
Die beste Blutwurst der Region.
Worauf warten Sie? Sie ist köstlich.
Roger, du kommst gerade recht.
Monsieur Newman kostet deine Wurst.
Endlich!
Was ziehst du für ein Gesicht?
Monsieur Newman, Sie dürfen das Foto nicht machen.
Was ist in dich gefahren?
Sie dürfen das Foto nicht machen.
Sei so nett, da reden wir ein andermal drüber.
Alle warten auf uns.
Monsieur Newman,
Sie dürfen das Foto nicht machen.
Gib mir das Messer.
Monsieur Newman.
Gib mir das Messer.
Roger, bitte. Beruhig dich.
Hör mit dem Blödsinn auf. Hör sofort damit auf.
Roger, hör auf.
Monsieur Newman.
Das Foto...
Lass das Messer los. Lass es los.
Sie dürfen das Foto nicht machen.
Meine Frau geht aufs Chollet-Feld.
Nackt. Sie heißt Gisèle.
- Sie dürfen das Foto... - Roger!
Setz dich.
Wir müssen hier weg. Die Leute hier sind verrückt.
- Wohin wollen Sie? - Es ist aus.
Nein, gehen Sie nicht.
Wir sind nah dran, Newman.
Sie warten alle da draußen auf uns. Wir schaffen das.
Balbuzard, hier spricht Vincent.
Ich weiß nicht, was los ist, aber es ist keiner da. Ruf zurück.
Was ist los, Vincent?
- Wo sind die anderen? - Sie kommen.
Verdammt, wo sind die Modelle?
- Was hast du am Arm? - Roger ist ausgerastet.
- Was ist los? - Ich telefoniere allen hinterher.
Und keiner kann, jeder hat einen Notfall: die Molkerei,
der Tank, der Tierarzt... Sie wollen später kommen.
Wir brauchen sie jetzt.
Wo sind die Normannen?
Keine Ahnung.
Wir warten schon ewig.
Wir fangen gleich an. Keine Sorge.
Alles klar, Thierry?
Na Balbu, was wird jetzt?
Balbu, was ist hier los?
Wo sind die Normannen?
Ich weiß nicht, ich weiß nicht, was los ist.
Sie wollen uns wohl verarschen.
Sie haben gelogen. Da ist keiner auf dem Chollet-Feld.
- Keiner! - Sie kommen noch.
Sie haben es mir versprochen.
Jetzt ist es zu spät. Das Licht ist weg. Gehen wir.
- Wir müssen gehen. - Nein, wir verschieben es auf morgen.
Ich sage es allen, sie werden kommen. Versprochen.
Auf ein andermal. Sorry.
Nein, Sie können nicht bloß "sorry" sagen und gehen.
- Was soll aus der Region werden? - Ist nicht mehr unser Problem.
Sie kommen, sie haben es versprochen.
Viel Glück, Balbu.
Ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Ich habe genug von der Normandie.
Ich werde sie anrufen. Morgen sind alle da.
Ich gebe Ihnen mein Wort darauf.
Dein Wort?
Warten Sie, warten Sie noch.
Warten Sie!
Komm!
Hallo, da sind wir.
Wir sind da.
Ich kam nicht dazu, die Blutwurst zu kosten.
Jetzt ist es vorbei. Es wird kein Foto geben.
Ich bin traurig, wie alle anderen.
Das Foto war eine gute Idee. Im Dorf war was los.
Es gab die, die dafür und die, die dagegen waren.
Es gab Streit, Leben.
Es ist vorbei. Die Leute aus dem Dorf werden nie nackt sein.
Sie sind Waisen, machen Gesichter wie auf einem Kriegerdenkmal.
Nur einer freut sich: Férol, der Apotheker.
Roger war einen Tag in Polizeigewahrsam.
Aber Balbuzard war anständig und hat ihn nicht angezeigt.
Die Gendarmen ließen ihn frei.
Das Leben in der Metzgerei geht weiter, aber die Geschäfte gehen schlecht.
Wie geht's? Gut?
Hallo, Vincent.
Ich mache mir Sorgen. Balbu war drei Tage nicht hier.
Er ruft einfach nicht zurück.
- Ihm ist doch nichts passiert? - Doch!
Ihr habt ihn hängenlassen, das ist passiert. Ihr wart richtig mies.
Bezon, Didier, Lefranc, alle.
Ich dachte, die anderen gehen hin.
Michèle und ich dachten, später ist auch noch Zeit.
- Wir auch. - Es war uns nicht klar, das ist alles.
- Können wir zu ihm? - Um was zu sagen?
Dass wir das Foto jetzt machen wollen und er die Amerikaner anrufen soll.
Die Amerikaner sind fort. Sie kommen nicht wieder. Schluss, aus.
Aber vielleicht kann Balbu sie zurückholen.
Wenn ihr euch seinem Hof nähert, schießt er auf euch.
Genau das wird er tun.
Willst du nicht für uns gehen? Echt jetzt...
Balbu!
Bleib fort, ich will keinen sehen.
Was machst du im Schlafanzug?
Betty... Hätte ich das Amt niedergelegt, wäre sie noch da.
Ich habe alles einem Haufen Undankbarer geopfert.
Das wissen sie. Eines Tages werden sie dir danken.
Die Leute vom Supermarkt boten mir 20.000 Euro an.
Und ich Idiot schlug es aus. Warum?
Du hast das Richtige getan.
Sie behaupten, ich hätte Provision kassiert.
Ich? Eine Provision kassieren für den Supermarkt?
- Weißt du was, Balbu, du... - Lass mich.
- Geh zurück ins Rathaus. - Nein, lass mich in Ruhe.
In drei Tagen gehst du auch, stimmt's?
Zieh Leine. Zieh Leine!
Hau ab!
Was ist, Maurice? Wir brauchen kein Holz vor dem Winter.
Falls es einen Kälteeinbruch gibt.
Dass du nicht beim Nacktfoto warst, ist kein Zufall.
Ich gehe doch zum Fototermin.
Ich hab nichts zu verbergen.
Und was ist das hier?
Wie lange geht dieses Gezänk schon?
Keine Ahnung.
Seit Generationen.
- Wollte Papa, dass du nichts sagst? - Ja.
Davor der Großvater, und...
davor Großvaters Vater, und...
Und so weiter.
Immer die männlichen Nachfahren.
Man erzählte sich das Geheimnis.
Dann hatte Eugène recht.
Morgen...
bringe ich den Kataster zum Notar.
Nein, du wirst ihn Eugène eigenhändig überbringen.
Ich will ihn nicht triumphieren sehen.
- Er kriegt sein Feld wieder. - Du kapierst es nicht.
Das Chollet-Feld ist ihm egal.
Er will, dass du ihm den Kataster gibst.
Ich will dich hier nicht sehen.
Willst du was trinken?
Ich sag nicht nein.
Holt euch Stühle und Gläser.
- Ist das deiner? - Ja, schenk ein.
- Hast du einen Destillierapparat? - Klar, du nicht?
Natürlich hab ich einen. Calvados brennt man zu Hause.
Hey, Balbu!
- Das Kriegsbeil ist begraben. - Wir sind jetzt Freunde.
Das muss gefeiert werden. Komm, trink mit uns.
Oh, Balbu...
Seit wann redet ihr nicht miteinander?
- Seit dem ersten Weltkrieg. - Mindestens.
- Was macht er in deiner Scheune? - Ich bin kein Polizist.
Er hatte Lust, mit deinen Ziegen zu quatschen.
Lacht nicht. Ziegen haben Gefühle. Ich rede auch mit ihnen.
Was will der im Schlafanzug?
- Hatte er einen Schlafanzug an? - Aber ja.
Balbu, was soll das? Stopp!
Lass das!
Das ist das Haus des Erhängten, also häng ich mich auf.
- Komm sofort runter. - Nein, das werd ich nicht.
Ich warne dich, man hängt sich nicht bei anderen Leuten auf.
Eugène hat recht. Mach es bei dir.
Wenn ich es bei Eugène machen will, mach ich's auch.
Ihr wart nicht mal in der Lage,
zum Foto mit den Amerikanern zu kommen.
Das war zu viel verlangt.
Einer war bei seiner Kuh, der andere bei seiner Ziege,
der Dritte erwartete den Tierarzt, der Vierte reparierte den Traktor.
Da war kein Einziger,
der über seine Nasenspitze hinausgesehen hat.
Kein Einziger!
Ich habe alles gegeben, meine Frau ist fort, ich bin geblieben.
Sie hätte dich sowieso verlassen.
Jeder weiß, dass sie dich schon seit zehn Jahren nicht mehr ertrug.
Ihr habt einfach keinen Grips,
und ihr habt auch kein Herz.
Keinen Elan. Keine Solidarität.
Ihr zankt euch um ein Stück Feld.
Dabei ist das Land am Ende, die Normandie, alles.
Deshalb kratzen wir ab, nicht wegen der Quoten.
So läuft's. Warum seid ihr nicht aufs Chollet-Feld gekommen?
Weil ihr euch schämt. Ihr lebt in Schmach und Schande.
Mit euren miesen Geheimnissen, euren jämmerlichen Geschäften.
Jetzt ist aber genug.
Gerade du willst uns belehren.
Du hättest dich aufhängen sollen, als du das mit Intermarché verbockt hast.
Warte, was ist mit dem Supermarkt?
Du bist schuld, dass ihn die Nachbargemeinde gekriegt hat.
Fangt nicht schon wieder an, mich mit Intermarché zu nerven.
Ihr Idioten habt das Bauvorhaben abgelehnt.
Jeder weiß von deiner Provision,
Ich soll eine Provision kassiert haben?
- Das war nicht so klar. - Ich...
Mach schnell.
- Ihr... - Geht's?
Das ist jetzt wirklich das letzte Mal.
Ich hab mich entschieden.
- Ich verkaufe den Laden doch nicht. - Was geht mich das an?
Wer sagt, dass sie dich sehen will?
Sei so nett, Aurélie, ich rede nicht mit dir.
Ich will mit dir zusammen bleiben.
Echt? Und ich habe dazu nichts zu sagen?
Die Kerle wählen aus, und wir sollen applaudieren.
Übrigens, hier,
du wolltest doch das Kommunionsfoto, ich hab's gefunden.
Seht her, Mädels.
Das Foto der Arbeiterinnen in der Molkerei hat mein Vater gemacht.
- Wo bist du? - Hinter Jocelyne.
Das ist Caroline. Sie hatte Monsieur Gilbert contra gegeben.
Wer war Monsieur Gilbert?
Der Personalchef, ein übler Ausbeuter.
Hoffentlich hast du einen guten Grund, mich zu wecken.
Ich wollte das Licht auf dem Chollet-Feld sehen.
Dafür holst du mich um sechs Uhr früh?
Guck, jetzt verstehe ich, warum Newman das Foto morgens machen wollte.
- Die Sonne geht im Osten auf. - Na und?
Newman wollte Sonne auf den Gesichtern.
Ich finde es besser, wenn das Licht von Westen kommt.
Im Gegenlicht.
Das macht die Gesichter weicher.
- Warum erzählst du mir das? - Verstehst du nicht?
- Nein... - Balbuzard, ich werde das Foto machen.
Du Spinner.
HEUTE GESCHLOSSEN
ZIEH BLANK, FÉROL
Papa.
Spiel uns nicht weiter vor, dass du hier glücklich bist.
Aber mir geht es gut hier, mein Schatz.
Mir kannst du es ruhig sagen. Sag, dass du das Landleben hasst.
Sag, dass du's nicht mehr aushältst.
Du hast es versucht, aber es hat nicht geklappt.
Das ist keine Schande.
Alle wären erleichtert, wenn du nicht mehr so tust, als ob.
Sollen wir nicht nach Paris zurück?
Wir könnten auf einer Caféterrasse sitzen.
Im Reinitas in der Rue La Fayette.
Wie schön, ganz ohne Grünflächen.
Du hast recht. Keine Bäume, keine Pflanzen, nur Asphalt.
Da ist immer was los.
Stau, Benzingeruch, Verkehr...
Hupende Autos. Überall Lärm.
Wie ich das liebe.
- Heute früh ist es mild. - In der Nacht gab es noch Frost.
- Finden wir die Kleider wieder? - Nicht dass ich die von Pechon anziehe.
Was hast du gegen meine? Riechen sie nach Kuhstall?
Stört es dich, wenn wir nebeneinander stehen?
Nein, ganz im Gegenteil.
Schließlich haben wir nichts mehr zu verbergen.
Sieh mal einer an... Wie geht's, Vincent?
- Hallo, Mädels. - Ein Küsschen?
Ich komme.
- Du willst uns ausziehen? - Genau.
Das hast du ja fein eingefädelt.
Hallo, Freunde.
Du bist also gekommen.
Was machst du hier? Ich dachte, du bist dagegen.
Wenn Vincent fotografiert, ist es was anderes.
Kein amerikanischer Imperialismus, wir sind unter uns.
Na, Roger, wie geht es dir?
Ich wollte mich bedanken.
Du hast mich nicht angezeigt.
Ich weiß nicht, was ich hatte. Ich wollte dir nicht wehtun.
Ich weiß, Roger.
Sag ihm, was du mir vorhin gesagt hast.
Nun, also... Im Endeffekt bin ich einverstanden.
Womit bist du einverstanden?
Na ja, ich bin einverstanden, dass Gisèle...
Dass Gisèle was?
Ich bin einverstanden, dass Gisèle aufs Foto kommt.
Ich dachte, mit der Fleischkrise und allem...
Deutschland, Rumänien... Das Foto muss gemacht werden.
- Und Gisèle auch? - Ja, sie auch.
Gisèle splitternackt auf dem Foto?
Ausgezeichnet!
Roger ist einverstanden. Gisèle kommt mit uns aufs Foto.
Legen wir los?
Warte, ich will keine Wolke auf dem Foto.
Er prüft das Licht.
- Können wir die Gummistiefel anlassen? - Ja, lass sie an.
- Wieso? - Wegen der Kuhfladen.
Auf dem Chollet-Feld sind keine.
Er war schon mit dem Staubsauger da.
Das Licht ist gut. Legen wir los.
Wie machen wir's, Freunde?
Auf drei geht's los. Einverstanden?
Eins,
zwei,
drei!
Wartet!
Das ist meine Tochter Chloé.
Guck mal, da unten ist Mama.
Eins, zwei,
drei!
Untertitel: Birgit Leib mimikri media 2018
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