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PSYCHIATRISCHE KLINIK - LES CAMBRIERES
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- Wie geht es ihr? - Der Anfall ist vorbei, sie hat ein Beruhigungsmittel bekommen.
Gut.
Ich hatte so was schon geahnt.
Sie zeigt Symptome einer Depression.
- Vermutlich in Folge dieser Fehlgeburt. - Natürlich.
Ich habe ihr gesagt, dass es verrückt ist, so schnell wieder
mit der Arbeit anzufangen, bedauerlicherweise.
Bei solch einem Trauma kann schon ein winziger Impuls völlig ausreichen.
Ist bei der Arbeit in den letzten Tagen irgendwas Besonderes passiert?
Wir haben einen Fall abgeschlossen, der sie ziemlich mitgenommen hat.
Das war wohl eine emotionale Überbelastung.
Wissen Sie, ich will Sie nicht anlügen. Der Zustand Ihrer Kollegin ist kritisch.
PROFILING PARIS
ZWEI TAGE ZUVOR
Der Patient durchlebt in einer Depression verschiedene Stadien.
Möchte uns jemand etwas über die depressive Reaktion sagen?
GEFANGEN
Nicolas? Nein? Jemand anderes?
In der dritten Reihe sitzt ein Beispiel für Abkapselung
mit psychomotorischem Funktionsverlust. Monsieur Vauthier?
Guten Morgen! Herzlich willkommen! Sie befinden sich im Psychologiekurs.
Nun, infolge des psychischen Traumas könnte der Patient...
Hat wieder mal jemand sein Handy vor Unterrichtsbeginn nicht ausgeschaltet?
Oh je, das ist ja meins!
Verzeihung, ich muss weg.
Die Veranstalterin hat die Leiche vor etwa einer Stunde entdeckt.
Sie ist noch ganz benommen von dem Schreck.
Ich befürchte, ihre Party muss sie absagen.
- Und warum meinten Sie, es sei kompliziert? - Warten Sie's ab.
Ach deswegen. Da haben Sie recht.
Laurent Merieux, 24. Er war wegen der Vorbereitungen besonders früh hier.
Laut dem Chef sollten heute zur Anfangsschicht zwei Kellner hier sein,
aber von dem anderen fehlt zurzeit noch jede Spur.
Auf den ersten Blick vermute ich, dass der Blutverlust die Todesursache war.
Ich habe sieben Messerstiche gezählt. Es ging sehr schnell.
Der Täter muss blutüberströmt gewesen sein.
Vermutlich ja. Es wurden diverse Arterien verletzt.
Es war vor etwa zwei Stunden.
Das hier ist die Mordwaffe. Ein Fleischmesser, das hier gefunden wurde.
Es gehört dem Partyservice und es sind eine ganze Menge Fingerabdrücke drauf.
- Darf ich? - Nur zu, das ist Ihr Bereich.
Dass das Messer nicht versteckt wurde, könnte auf eine Affekttat hinweisen.
Da hat jemand die Beherrschung verloren.
Schon, aber da hatte sich Wut angestaut.
Sieben Stiche, obwohl schon einer tödlich gewesen wäre,
und kein Versuch, die Leiche zu ver- bergen. - Und die Augenbinde?
Die weist auf eine intime Beziehung zwischen Täter und Opfer hin,
als ob er sich dem Blick des Toten entziehen wollte.
Ich habe ja gesagt, dass es kompliziert ist.
Oh ja.
Laurent Merieux war erst seit 14 Tagen bei diesem Partyservice.
Es ist ein Resozialisierungsbetrieb.
Die helfen ehemaligen Häftlingen zurück ins Arbeitsleben.
- Dann hatte er also Vorstrafen? - Ja.
Eine Bewährungsstrafe im März letzten Jahres für Körperverletzung.
Er hat seinem damaligen Chef die Nase gebrochen.
Die Geschichte sollte man im Kontext betrachten.
Wie ich hier lese, hat er damals an einem Burn-out gelitten.
Er war ständigem Druck aus- gesetzt. Das Arbeitspensum,
die Anweisungen. All das hat seine Toleranzgrenze überschritten.
- Mit dir reicht's mir heute endgültig. - Halts Maul!
Und dann reicht oft eine Kleinigkeit, um eine Überreaktion auszulösen.
Dieser psychische Mechanismus tritt in chronisch gestressten Berufsgruppen
immer häufiger auf. - Abgesehen davon ist er clean.
Okay. Er ist also nicht Staatsfeind Nummer 1.
Ist der andere Kellner aufgetaucht?
Nach ihm wird gesucht, bisher aber leider erfolglos.
Franck Manurin, 26. Dieser Typ gehört zu unseren Stammgästen.
Raubüberfall, diverse Kleindelikte. Insgesamt vier Verurteilungen.
Eigentlich benimmt er sich seit zwei Jahren. Aber seine Fingerabdrücke
wurden am Tatort gefunden, das beweist, dass er dort gewesen sein muss.
- Gut, befragen Sie seine Familie und Freunde. Finden Sie ihn! - Okay.
Wir fahren zur Wohnung des Opfers.
- Ich ruf dich an, wenn ich was Neues habe. - Ist gut.
Sag mal, ich träume doch wohl, oder?
Die hätten sie weggeworfen! Da hab ich sie lieber als Beweismittel beschlagnahmt.
- Ich muss mit Ihnen reden. - Gibt es Probleme wegen des Sorgerechts?
Nein.
Die Entscheidung der Richterin steht noch aus, aber da bin ich zuversichtlich.
Nein, wer mir wirklich Sorgen macht, sind Sie.
Sie hatten mir versprochen, sich mindestens zwei Wochen freizunehmen.
Und dann tauchen Sie plötzlich ohne Vorwarnung auf.
Da müssen Sie sich keine Sorgen machen.
Die Arbeit an dem Fall ist für mich wirklich eine gute Ablenkung.
Genau deswegen mache ich mir Sorgen.
Sie haben mit der Arbeit vielleicht einen Ausgleich,
aber das ist auch eine Art der Verdrängung.
Nein, das ist Quatsch, die Ar...
Na, wer hat denn da recherchiert?
Was haben Sie eingegeben? Posttraumatischer Stress?
- Ja, also nein... - Das war nicht nötig.
Trotzdem danke dafür, dass Sie sich Sorgen um mich machen. Wie süß von Ihnen.
Lieb oder süß, nennen Sie's, wie Sie wollen.
Beim kleinsten Problem schicke ich Sie nach Hause, verstanden?
Das war Laurents erste eigene Wohnung, er hat hier zwei Jahre gewohnt.
- Was soll ich denn mit seinen ganzen Sachen machen? - Das hat alles Zeit.
Ich muss Ihnen diese Frage stellen. Hatte Ihr Sohn vielleicht Feinde?
Oder war er in irgendwelche kriminellen Machenschaften verwickelt?
Nein. Die Sache da im Restaurant klingt nicht nach meinem Sohn.
Laurent war aufrichtig. Rücksichtsvoll gegenüber anderen.
Nach diesem Anfall hat er zwei Wochen in der Klinik verbracht, das hat ihm gut getan.
Er hat wieder einen Job gefunden. Es ging wieder bergauf mit ihm.
- Was ist da nur passiert? - Wir tun unser Bestes, glauben Sie mir.
Dürfen wir für die Ermittlungen ein paar von seinen Sachen mitnehmen?
Natürlich, nehmen Sie ruhig!
- Wissen Sie, woher er diese Figur hatte? - Nein.
Es wäre nett, wenn Sie auf dem Revier vorbeikommen
und Ihre Aussage zu Protokoll geben könnten.
- Sobald Sie dazu bereit sind. - Sobald ich dazu bereit bin.
Das sind mit Abstand die besten Beweismittel, die wir je hatten.
Wir haben doch mal das Tiramisu eines ermordeten Konditors beschlagnahmt,
Ich steh auf Tiramisu.
Ich auch. Die Spurensicherung hat es dann nicht mehr gebraucht.
Und da hab ich es genommen. War schade drum.
Und dann habe ich einen Finger darin gefunden.
Das hat vielleicht einen Ärger gegeben.
- Ach Mist! - Was?
Der Wagen von Manurin ist aufgetaucht. In Montreuil.
Ich melde es sofort Rocher.
- Hände hoch! Keine Bewegung. - Was wollen Sie?
- Hey, ich habe doch nichts getan! - Ach nein?
Für jemanden, der nichts getan hat, bist du aber schwer zu finden!
Und das hier? Was ist das?
- Abführen! - Los!
Ganz ruhig!
Ich habe ihnen doch eben gesagt, dass ich es nicht war.
- Hören Sie mir nicht zu, oder was? - Erstens hast du so nicht mit mir zu reden.
Und zweitens wurde auf deinem Hemd Laurent Merieux' Blut gefunden.
Ich dachte mir schon, dass mir die Sache angehängt wird.
Deswegen bin ich abgehauen.
Ich habe doch nur versucht, ihm zu helfen.
- Ihm zu helfen? - Ja.
- Wie denn? Mit Messerstichen? - Er lag da auf dem Boden.
Hätte ich ihn etwa krepieren lassen sollen?
Erst wollte ich seine Wunden irgendwie abbinden oder so was,
aber da war überall Blut. Dieser Typ hatte ihn abgeschlachtet.
Was für einen Typen meinst du?
Also gut, wir fangen noch mal von vorn an.
Okay. Wer war dieser Typ? Ich höre.
- Ich höre! - Ich war kurz weg, um eine Zigarette zu rauchen.
Als ich wiederkam, habe ich einen Typen auf Merieux zulaufen sehen.
Der ist einfach so aufgetaucht.
Merieux hat gearbeitet, er war konzentriert.
Er hat den Typen nicht bemerkt.
Der hat sich eins der Messer genommen und auf Merieux eingestochen.
Zuerst zweimal in den Rücken.
Merieux ist umgefallen und der andere hat sich auf ihn drauf gesetzt.
Er hat ihm die Augen ver- bunden, mit einer Serviette.
Ich habe keinen Schimmer, warum er das gemacht hat.
Dann hat er sich wieder das Messer gegriffen.
Und weiter auf ihn eingestochen. Immer und immer wieder.
Einfach so!
Ich schwöre es Ihnen, dieses Bild vergisst man nicht.
Er könnte die Wahrheit sagen. Und da die Abdrücke
auf dem Messer nicht ihm gehören, werden es die des Täters sein.
- Was beschäftigt Sie? - Seine Reaktion.
Obwohl er schon so viel durchgemacht hat, schien er wie paralysiert.
Als ob der Mörder etwas Irrationales hatte, das ihn erschreckt hat.
Erst der Kontrollverlust und dann der methodische Akt,
dem Opfer die Augen zu verbinden,
ohne das geringste Anzeichen sich dabei zu verstecken.
Er war in einem aggressiven Rausch.
Ein brutaler Zwang hat ihn zu der Tat getrieben.
Das könnte pathologisch sein, eine Schizophrenie, Paranoia.
- Der Täter ist psychotisch? - Das wäre gut möglich.
Wir werden der Sache nach- gehen. Solange er hier ist,
soll er uns den Täter beschreiben und wir fertigen ein Phantombild an.
Herr Hauptkommissar? Falls ich richtig liege,
so ein Wahn kann sich wiederholen. Wir müssen ihn schnell finden.
Ja, genau.
Rufen Sie mich an, wenn ihn jemand in einer der Kliniken auf dem Phantombild erkennt.
Okay? Bis dann!
Lucas, ich bin da!
"...wird hiermit bestätigt, dass das Sorge- recht beim Vater des Kindes verbleibt."
- Was steht in dem Brief? - Eine sehr gute Nachricht.
- Ich hab dich lieb. - Ich dich auch, Papa.
ZENTRUM FÜR RADIOLOGIE UND ULTRASCHALL
Ja, sehr schön. Vielen Dank, dass Sie angerufen haben.
Ja, hallo? Ah, guten Tag, Doktor Armond. Gut, dass Sie zurückrufen.
- Guten Morgen. - Kleinen Moment! Wir haben das Phantombild veröffentlicht,
und den ganzen Morgen über klingelt hier schon das Telefon. Ich kann nicht mehr.
Ich telefoniere gerade die Psychiater in der Nähe ab.
- Kannst du mir helfen? Liste, Telefon. - Gut. Ich fange von unten an.
Danke! Hallo? Entschuldigen Sie bitte.
Ich habe Ihnen ein Fax geschickt. Ein Phantombild. Und wollte wissen, ob Sie...
Nein? Kennen Sie nicht? Trotzdem vielen Dank. Auf Wiederhören.
- Kann ich Ihnen helfen? - Ich hoffe, ja.
Dieser Mann ist mein Bruder.
Es ist Marc. Da bin ich absolut sicher.
Vor sechs Jahren wurde fest- gestellt, dass er paranoid ist.
Können Sie uns sagen, wo er sich im Augenblick aufhält?
Nein, deswegen bin ich hingefahren,
aber laut der Nachbarin war er seit gestern früh nicht mehr da.
Da lagen alle seine Tabletten. Er muss sie abgesetzt haben.
Die Auswirkungen wären Dekompensation und Angstzustände.
Sie müssen ihn schnellstens finden.
Er hat versucht mich zu töten, als er sie das letzte Mal nicht eingenommen hat.
Er glaubt, dass andere in ihn hineinblicken können
und dass unser Vater umgebracht wurde.
Deswegen hat er seinem Opfer die Augen verbunden.
Sein Rausch hat ihn glauben lassen,
dass Laurent Merieux eine Gefahr für ihn darstellt.
Ihr Bruder ist auf der Suche nach Fixpunk- ten, die seiner Paranoia einen Sinn geben.
Wir brauchen eine Liste aller Orte, an denen er sich verstecken könnte.
Gut.
Guten Tag, Herr Hauptkommissar.
Sie haben es wohl wirklich auf Ärger abgesehen.
Nehmen Sie das Ganze bitte nicht zu persönlich.
Ich muss sagen, das fällt mir schwer.
Sie haben versucht, mir meinen Sohn wegzunehmen.
Ich habe nur getan, wofür man mich bezahlt hat.
Abgesehen davon haben Sie ja gewon- nen, also hat es offenbar nicht gereicht.
- Sie sagen es. - Heute Morgen hat Morand mich gefeuert.
- Ohne Vorwarnung. - Und was geht mich das an?
Ich weiß, wie er das bekommen würde, was er verdient.
Also entweder zicken Sie mich weiter an oder Sie hören mir zu.
Ich bitte Sie, Ihre Eroberungen bringen Sie hierher?
Wenn wir Freunde werden sollen, reicht das nicht.
Hierher komme ich nur mit Leuten, mit denen ich nicht gesehen werden will.
Und damit eins klar ist. Wir sind alles, nur keine Freunde.
Aber vielleicht könnten wir es werden.
Aha. Ich habe einen Mord aufzu- klären und einen Flüchtigen zu fassen.
Wenn Sie sich also beeilen würden.
Morand gehört als Technischer Berater des Schweizer Konsulats
zwar zum diplomatischen Korps,
aber genießt keine komplette, uneingeschränkte Immunität.
Ich weiß, seine Immunität gilt nur für Geschäftsreisen.
Während er meine Frau überfahren hat, war er auf Geschäftsreise.
Ich hab das hundertmal mit meinem Anwalt durchgekaut.
An dem Punkt kommen Sie mit Ihrer Bullendenkweise nicht weiter.
Sie spielen nach Regeln, ohne sich zu fragen, ob die Karten gezinkt sind.
Ah ja?
Morands angebliche Dienstreiseanordnung nach Grenoble ist eine Fälschung.
- Reden Sie weiter. - Sie werden das nie beweisen können.
Es sei denn, Sie würden versuchen...
- Zu beweisen, dass die Reise privat war. - Ganz genau.
- Und wie? - Sie sind doch schon groß. Ihnen fällt schon was ein.
Sollte es dazu kommen, was würde für Sie dabei rausspringen?
Die immense Freude, am Ende mit Morand abzurechnen
und das Vergnügen Ihrer charmanten Gegenwart.
Die Kollegen haben die Liste der Orte, wo Genaro sich verstecken könnte.
Sobald wir wissen, wo er ist, können wir eingreifen.
- Ich hoffe, wir finden ihn rechtzeitig. - Ich auch.
Hyppolite hat den Computer des Opfers überprüft.
Nichts Besonderes, außer dass er im Internet kürzlich nach einem Anwalt gesucht hat.
Vielleicht steht das in Verbindung mit seiner Verurteilung.
Ja, vielleicht.
Wir haben Genaro gefunden, in dem Haus, in dem er aufgewachsen ist.
Er hat die neue Besitzerin als Geisel genommen.
Hauptkommissar Rocher. Chloé Saint-Laurent.
Wir haben in dem Fall ermittelt. Können wir mit ihm sprechen?
Das ist nicht mehr möglich. Tut mir leid. Der Einsatz hat eben angefangen.
Ich könnte mit ihm reden, bevor es eskaliert.
Ich sag's gern noch mal: Das ist nicht mehr möglich!
Seine Schwester ist unterwegs hierher, und ich kann Ihnen helfen,
weil ich seine psychiatrische Akte kenne.
Ich seh mal zu.
- Was ist passiert? - Die Geisel ist unversehrt.
Der Verdächtige hat nicht auf das Verhandlungsprotokoll reagiert.
Er ist tot. Einsatz beendet.
Die Fingerabdrücke auf der Mordwaffe waren wirklich die von Marc Genaro.
Gut, dann ist dieser Fall abgeschlossen.
Selbst wenn mir ein anderes Ergebnis lieber gewesen wäre.
Ich finde, es gibt da noch einige Fragen zu klären.
Zum Beispiel, warum Genaro aufgehört hat, seine Medikamente zu nehmen.
Der Präfekt verlangt, dass wir uns einem anderen Fall zuwenden.
Vor allem kein Wort an die Presse.
Er will nicht noch einen Skandal um die Psychiatrien.
Ja, "Psychopathen in Freiheit" ist nicht die beste Meldung.
Das ist doch lächerlich, als würden sich solche Taten voraussagen lassen.
Aus dem Grund möchte ich nicht denen Argumente liefern,
die am liebsten jeden präventiv wegsperren würden.
Noch ein, zwei Tage zu ermitteln, würde dem Fall aber nicht schaden.
Chloé, wir wissen, wer der Täter war, und er wurde umgebracht.
Wir müssen uns anderen Fällen widmen, anderen Opfern.
- Das hier ist unser nächster Fall. - Die Notarin, hab ich schon gesehen.
Gut, dann könnt ihr ja anfangen.
Nein, können wir nicht. Dieser Fall ist nicht aufgeklärt, und das wissen wir alle!
Es tut mir leid, aber was diese Abtei- lung betrifft, ist die Ermittlung beendet.
Das ist alles? Und was ist mit der Ermittlung?
Der Mörder Ihres Sohnes ist tot. Die Ermittlung wird eingestellt.
- Die kann man doch nicht einstellen. - Es tut mir leid.
Ihr Sohn ist zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.
Das hätte jedem passieren können.
Mehr haben Sie nicht? Sein Tod war umsonst?
- Ich verstehe, wie Sie sich fühlen. - Nein, wie sollten Sie mich verstehen?
Sie haben nicht vor kurzem Ihr Kind verloren.
Sie werden nicht für den Rest Ihres Lebens anfangen zu weinen,
wenn Sie an sein erstes "Mama" denken.
Oder daran, wie stolz er auf sein Abiturzeugnis war.
- Denn Sie haben noch keine Kinder. - Madame Merieux...
Sie verstehen nicht, wie ich mich fühle.
- Ein neuer Fall? - Ja, die Notarin.
- Ich brauche Sie bei der Autopsie. - Natürlich.
Ich wünschte, wir hätten nicht alle Eclairs auf einmal gegessen.
Courtène! Könnten Sie mir einen kleinen Gefallen tun?
- Sagen Sie mir, warum Sie flüstern? - Der Gefallen ist nicht ganz offiziell.
Die Art, bei der ich eine Waffe tragen
und kriminelle Organisa- tionen infiltrieren könnte?
- Nein, es geht um was ganz anderes. - Mann! Wie kann ich Ihnen dann helfen?
Ich will wissen, warum Morand am 6. April 2006 nach Grenoble gefahren ist.
Seine Geschäftskreditkarten habe ich überprüft, die sind sauber.
Aber da ist etwas anderes.
- Was? - Er ist an dem Abend in einem Hotel abgestiegen,
das ziemlich weit vom Rathaus und dem Geschäftsviertel entfernt liegt.
Und zwar im Studentenviertel.
Ich gleiche das mal mit seiner privaten Kreditkarte ab.
- 6. April, eine Zahlung an Sun Entertain- ment. - Steht da auch wofür?
Das werden wir gleich erfahren.
- Für zwei Konzerttickets. - Pascal Morand, Christina Aguilera.
Das ist bestimmt die Frau, mit der er da war.
- Christina Aguilera, das ist diese Sängerin. Kennen Sie die nicht? - Nein.
Sie haben das nie gehört?
- Nein. - Wie auch immer.
Jedenfalls sind bei diesem Konzert wohl kaum viele andere Berater des Konsulats gewesen.
Warten Sie, Morand hat eine Tochter mit seiner Exfrau zusammen.
Jeanne Loiseau. Sie ist 23, dann war sie damals 17.
Kriegen Sie raus, wo sie damals gewohnt hat? Jeanne Loiseau.
Hammer, Sie haben recht. Sie hat in Grenoble gewohnt.
Sie war auf dem Gymnasium Champollion.
Er hat sie damals besucht.
Sie macht zurzeit eine Ausbildung zur Buchhalterin und wohnt in Paris.
Ich schicke Ihnen ihre Adresse.
Courtène. Ich schulde Ihnen was.
Er hat versucht mich zu töten, als er sie das letzte Mal nicht eingenommen hat.
Dann hat er sich wieder das Messer ge- griffen. Und weiter auf ihn eingestochen.
Laurent war aufrichtig. Rücksichtsvoll gegenüber anderen.
Wir haben Genaro gefunden.
Dann ist dieser Fall abgeschlossen.
Sie haben nicht vor kurzem Ihr Kind verloren.
Es tut mir leid, aber was uns betrifft, ist der Fall beendet.
- Guten Abend. - Hallo.
Danke, dass Sie diesem Treffen zugestimmt haben.
- Ich hatte nicht wirklich eine Wahl, oder? - Dieser Fall ist sehr wichtig für mich.
Was erwarten Sie von mir? Ich habe meinen Vater ewig nicht gesehen.
Sein Alkoholproblem hat unsere Familie zerstört.
Ich will nichts mehr mit ihm zu tun haben.
Eine Frau hat Ihr Vater bereits auf dem Gewissen.
Morgen ist es vielleicht ein Kind oder eine Familie.
Wir müssen das verhindern, verstehen Sie?
Zu dem Konzert ist er zu spät gekommen. Und mit einer Fahne.
Alles, worum ich Sie bitte, ist die Wahrheit zu sagen.
Nämlich, dass er damals in Grenoble war, um Sie zu besuchen.
Sie bitten mich, Ihnen zu helfen, meinen Vater ins Gefängnis zu bringen?
Ich bitte Sie, mir bei meiner Arbeit zu helfen.
Geht es hier tatsächlich um die Arbeit?
Verabreden Sie sich mit Zeugen immer nachts?
Ich frage Sie nicht nach Details. Aber hier geht es eindeutig um was Persönliches.
Also vergessen Sie es.
Hallo?
Was?
- Wie geht es ihr? - Der Anfall ist vorbei, sie hat ein Beruhigungsmittel bekommen.
Sie zeigt Symptome einer depressiven Reaktion.
Vermutlich in Folge dieser Fehlgeburt.
Wissen Sie, ich werde Sie nicht anlügen. Der Zustand Ihrer Kollegin ist kritisch.
Wie wird es mit ihr jetzt weitergehen?
Sie nimmt für eine Weile ein Beruhigungsmittel.
Wir stellen für sie ein entspannungs- therapeutisches Programm auf.
Aber das dauert seine Zeit. Mehrere Wochen.
Ehe ich es vergesse. Wenn Sie Fragen haben, können Sie mich gern anrufen.
- Ja, gut. - Seien Sie unbesorgt, sie ist bei uns in guten Händen.
Danke.
- Wie geht es ihr? - Als ich gegangen bin, hat sie noch geschlafen.
Sie hatte einen Nervenzusammenbruch. Ich hätte es ahnen müssen.
Hören Sie auf, Rocher, jeder von uns hätte das ahnen müssen. Ich zu allererst.
Der Arzt meint, dass es nach ein paar Wochen Ruhe wieder gehen wird.
Ich sorge dafür, dass niemand von der Sache erfährt.
Das ist nicht die Art Überraschung, die unser Präfekt schätzt.
- Wenn Sie etwas von ihr hören, sagen Sie Bescheid! - Ja.
Dürfen wir sie dort besuchen?
Nein, für ein paar Tage sollen wir ihr noch Ruhe gönnen.
Das wird schon.
Kommen Sie, machen wir uns an den neuen Fall, das wir uns gut tun.
Wissen wir schon was über die Notarin?
- Die Akte liegt auf Ihrem Schreibtisch. - Danke.
Sieh einer an! Anscheinend hat Chloé den Fall schon aufgeklärt.
Es war der Nachbar von unten. Chloé.
- Haben Sie gewusst, dass sie gestern noch hier war? - Nein.
- Ist das die Akte von Merieux? - Ja.
Sie hat weitere Informationen über Merieux angefordert.
Die Mutter von Laurent Merieux hat gesagt,
dass er nach seinem Anfall zwei Wochen in einer Klinik war.
Hier. In der Klinik Les Cambrieres.
Und hier ist auch das Gutachten über die psychische Verfassung von Marc Genaro.
ZUSAMMENFASSUNG UND HISTORIE DER PSYCHISCHEN STÖRUNGEN
- Genaro wurde in dieser Klinik zweimal be- handelt. - Das wäre aber ein großer Zufall!
Das wird kein Zufall sein.
- In genau der Klinik ist Chloé seit gestern. - Nein. Sie meinen, sie hat sich...
Richtig. Sie hat sich mit Absicht einweisen lassen.
Die Frau ist irre!
Sie haben eine überraschend dünne psychiatrische Akte.
- Sie sind ein unbeschriebenes Blatt. - Ja, das sagt man mir öfter.
Ich bin etwas schweigsam.
Haben Sie Verwandte, sollen wir jemand anrufen?
Ich fürchte, dass das nicht möglich sein wird.
Ach hören Sie, Sie sind eine Kollegin!
Ihnen wird bewusst sein, wie negativ Ihr Beruf sich auf Ihre Krise auswirkt.
- Er setzt Sie unter Stress. Da besteht kein Zweifel. - Kein Zweifel.
Und dann haben wir noch diese Fehlgeburt.
Als Impuls denkbar. Auf hormoneller Ebene, meine ich.
Auf hormonaler Ebene.
Ich nehme an, Sie beabsichtigen, mir Benzodiazepin zu verschreiben?
Normalerweise bespreche ich meine Rezepte nicht mit meinen Patienten.
Aber in Ihrem Fall werde ich eine Ausnahme machen.
Für den Anfang würde ich sagen: 10 Milligramm Pranex einmal täglich.
- Was halten Sie davon? - Erscheint mir angebracht.
Sie werden mich doch nicht kränken und kontrollieren,
ob ich sie geschluckt habe? - Nein.
- Ich glaube nicht, dass das Doktor Capel gefallen würde. - Was?
Ach so. Entschuldigung.
Ich heiße Chloé und bin neu hier.
- Mein Name ist Joseph. Darf ich Sie etwas fragen? - Ja?
Ich wüsste gern Ihr Geburtsdatum, außerdem Ihre Größe, Ihr Gewicht,
Ihre Schuhgröße, die Uhrzeit, um die Sie üblicherweise schlafen gehen,
und den Abstand zwischen Ihren Ohren.
- Oh, mit Zahlen und so steh ich auf dem Kriegsfuß. - Es ist für mein Buch.
Zwanghafte Persönlichkeitsstörung.
Sie versuchen damit, Ihre Angst vor der Außenwelt zu kompensieren, richtig?
- Sind Sie Therapeut oder Patient? - Weder noch.
Ich bin eine Freundin und Sie können eine gebrauchen.
Vielen Dank. Joseph, sagen Sie mal,
gab es in den vergangenen Wochen irgendwas Ungewöhnliches in der Klinik?
Was Ungewöhnliches?
Na ja, für eine psychiatrische Klinik ist es fast ein bisschen zu...
Es ist eher ruhig, im Moment.
Neulich haben sich hier zwei Jesusse be- kriegt. Aber einer von ihnen wurde verlegt.
Und wie ist es sonst unter den Patienten?
- Marc Genaro und Laurent Merieux, sagen die Ihnen was? - Genaro sagt mir nichts.
Aber Merieux, Laurent, 24. 1,74, 69 kg. An den erinnere ich mich.
Er war nicht lange da, aber sehr sympathisch.
War sehr viel im Atelier für Kunsttherapie.
Er wurde vor Monaten entlassen. Aber dann kam er wieder.
- Er kam wieder? - Vor zwei Wochen. Wollte zum Direktor.
Ich weiß nicht worüber, aber sie haben sich im Büro gestritten.
Was schreibe ich bei Schuhgröße?
- Sie hat was? - Ich weiß. Diesmal hat sie es etwas übertrieben.
Wenn der Staatsanwalt das erfährt, gibt es Ärger.
Wir werden sie da doch nicht mit Gewalt rausholen, oder?
Das hat uns gerade noch gefehlt.
Aber ohne Grund würde Chloé so etwas nicht tun.
Wir haben uns erlaubt, die Spur von Laurent Merieux weiterzuverfolgen.
Werden meine Befehle eigentlich gar nicht mehr befolgt?
Warten Sie. Wir haben Post bei ihm gefunden.
Vor zehn Tagen hatte er dringend um einen Termin bei der Ärztekammer gebeten.
Er hatte nur angegeben, dass es um die Klinik Les Cambrieres geht.
Ist diese Klinik in irgendeiner Weise aufgefallen?
Nein, die Prüfungen haben nichts ergeben,
aber Merieux muss was in der Hand gehabt haben,
denn drei Tage vor dem Termin ist er gestorben.
Und was vermuten Sie? Dass er misshandelt wurde?
Das wäre möglich. Auf jeden Fall ist dort irgendetwas vorgefallen.
Und Laurent Merieux hat davon erfahren.
Gut, wir müssen uns beeilen. In einer halben Stunde ist die Besuchszeit zu Ende.
Also, ich war in Ihrer Wohnung.
Ich weiß, dass Sie das nur für die Ermittlungen getan haben,
aber geht es Ihnen wirklich gut?
- Haben Sie meine Notiz gefunden über die erwürgte Notarin? - Ja.
Sie müssen den Nachbarn unbedingt in Untersuchungshaft nehmen.
- Er weist eine akute Störung der... - Warten Sie, eins nach dem anderen!
Sie hätten mich wenigstens warnen können, dass Sie das vorhaben.
Ich wollte nur verhindern, dass Sie ein unnötiges Risiko eingehen.
Und ich war mir nicht sicher, ob es eine so gute Idee ist.
Na, da bin ich ja beruhigt.
Immerhin weiß ich jetzt, dass ich recht hatte.
Merieux und Genaro haben keine Verbindung.
Sie sind nicht mal zur gleichen Zeit hier gewesen.
Die Verbindung ist Doktor Capel. Der Klinikleiter.
Ich habe das überprüft, er hat sich persönlich um Genaro gekümmert.
Und vor zwei Wochen ist Laurent Merieux noch einmal hergekommen
und sie haben sich gestritten.
Zur selben Zeit hat er auch die Ärztekammer kontaktiert.
Er hatte mit Sicherheit etwas herausgefunden.
Entweder über Capel selbst oder über die Klinik.
Wir müssen in Erfahrung bringen, was es war.
Capel hat Merieux jedenfalls nicht getötet. Das ist sicher.
Für den Fall, dass Merieux ihm im Weg war...
...hätte Capel die Störung von Genaro ausnutzen können,
indem er dessen Paranoia füttert und sie auf Merieux fokussiert.
Es reicht, die medikamentöse Behandlung zu unterbrechen,
und dann musste er seine selbst kreierte menschliche Bombe
nur noch in die richtige Richtung lenken.
Wenn ich recht habe, war Genaro nicht der Mörder,
sondern nur die Tatwaffe. Klingt das für Sie irre?
Seit wir uns kennen, hat der Begriff "irre" eine ganz neue Definition für mich.
Aber ich glaube, dass Sie recht haben.
Und bei diesem durchtriebenen Plan, den Capel ausgeheckt hat,
muss Merieux etwas Schwerwiegendes über ihn herausgefunden haben.
- Ich wusste, dass sie nur so getan hat. - Ja, sicher.
Tag zusammen, gibt's was Neues?
Ja. Ich habe den Nachbarn von Marc Genaro das Foto von Capel gezeigt.
Er hat ihn wenige Tage vor dem Mord mehrfach besucht.
Die Theorie von Chloé scheint zu stimmen.
- Capel hat ihn manipuliert, um den Mord zu begehen. - Dann fehlt nur noch das Motiv.
Nehmen Sie Kontakt mit den Angestellten der Klinik auf,
auch mit den freien Ärzten. Vielleicht kann uns jemand weiterhelfen.
"Helfen Sie mir."
Wir müssen sofort Chloé informieren.
Behalten Sie im Sinn, dass es hier nicht um den künstlerischen Aspekt geht.
Dieses Atelier ist der erste Schritt auf Ihrem Weg
der psychischen Verwandlung. Ein Findungspfad.
Das sind alles Werke von ehemaligen Teilnehmern.
Schön, was sie erreicht haben, oder? Eine Inspiration.
Entschuldigen Sie bitte. Diese Nadia, ist sie hier?
Nein, seit zwei Wochen nicht mehr. Sie wurde
wahrscheinlich in eine andere Abteilung verlegt.
Sie ist talentiert. Immer dasselbe Motiv.
Ich hatte den Eindruck, dass sie sehr befangen war.
Sie hat sich hier kaum geöffnet.
Außer, wenn sie eins ihrer Werke verschenkt hat.
- Konnten Sie etwas in Erfahrung bringen? - Ich habe die letzten 15 Jahre überprüft.
Eine Nadia konnte ich in der Klinik nicht finden.
Der Kunsttherapeut hat aber bestätigt, dass sie hier Patientin war.
Und die Schwestern sagen, dass sie sogar eine ganze Weile hier war.
Die Skulptur, die wir bei Merieux gefunden haben,
hat Nadia ihm geschenkt, und sie hat auch den Hilferuf eingeritzt.
Demnach muss sie in Not gewesen sein, nicht Merieux.
Laut dem, was ich hier lese, hat sie die Klinik
nie verlassen, weil sie nie da gewesen ist.
Ich hab sie! Das ist von ihrem Hausarzt.
Er kann sich erinnern, dass er vor ein paar Jahren
eine Einweisung in die Klinik Les Cambrieres unterschrieben hat.
Auf Bitten der Mutter, die Gesuchte heißt Nadia Philippon, damals 17.
Die Kleine hatte in einem hysterischen Anfall ihren Stiefvater angegriffen.
- Wann war das? - Vor vier Jahren.
Vor vier Jahren? Völlig übertrieben für so einen harmlosen Zwischenfall.
Und warum taucht Sie nirgendwo auf,
wenn ihre Einweisung damals von einem Arzt unterschrieben wurde?
Das kann nur eins bedeuten. Dass Capel ihre Anwesenheit vertuscht hat.
Und Nadias Familie hat das zugelassen, ohne Widerstand?
Bestellen Sie ihre Familie ins Revier.
- Guten Tag! - Guten Tag.
Ich bin Hauptkommissar Rocher. Sie sind Marianne Philippon?
Ja. Und ich wüsste gern, warum ich hier bin.
Wir sind auf der Suche nach Ihrer Tochter Nadia.
- Ich hab sie nicht gesehen, seit sie aus der Klink raus ist. - Verstehe.
Das war offiziell vor drei Jahren, aber Zeugen haben uns bestätigt,
dass sie sich um einiges länger dort aufgehalten hat. Bis vor zwei Wochen.
Was? Aber wie kann das sein?
Ich habe Doktor Capel angerufen. Er meinte, sie hätte die Klinik verlassen
und wollte mich nicht mehr sehen.
Das ist alles? Sie wollten der Sache nicht auf den Grund gehen?
Maxime, mein zweiter Mann, hat mich davon abgehalten.
Er hat Nadia vor vier Jahren angegriffen, richtig?
Die beiden haben sich überhaupt nicht verstanden.
Und es wurde täglich unkontrollierbarer.
Also hat Maxime Doktor Capel angerufen. Er war ein Freund von ihm,
und er war einverstanden, sich um Nadia zu kümmern.
Das kannst du doch nicht machen!
Mama, ich flehe dich an, bitte! Mama!
Schatz, komm, komm. Lass uns gehen.
Wenn ich Sie also richtig verstehe, haben Sie Ihre Tochter abgeschoben,
weil Ihr neuer Mann ein Problem mit ihr hatte.
Sie verstehen das nicht. Er war gewalttätig.
Ich hatte Angst vor ihm. Er hat mich dazu gezwungen!
Meine Kollegin würde sicher irgendeine Entschuldigung für Ihr Verhalten finden.
Sie würde von beherrschendem Einfluss reden oder so was.
Aber da sie nicht hier ist, sage ich Ihnen meine Meinung.
Sie sind ihre Mutter, Sie hätten ihr irgendwie helfen können.
Ich sag Ihnen doch, es war wegen Maxime.
Maxime ist voriges Jahr gestorben.
Und seitdem haben Sie nicht daran gedacht, den Kontakt zu ihr wiederherzustellen?
Das wollte ich ja, ich schwöre es.
Aber ich habe mich geschämt und ich wusste nicht, wo sie war.
Sie war noch genau da, wo Sie sie vor vier Jahren zurückgelassen hatten.
In der Obhut eines Irren, der sie im besten Fall gefangen hält.
Sie wurde zwangseingewiesen? Die Arme hatte nicht die geringste Chance.
Laurent Merieux war der einzige, der ihren Hilferuf verstanden hat
und sie da rausholen wollte. Deshalb hat er die Ärztekammer kontaktiert.
Das ist erstaunlich. Dieser Kampf hat ihm über seine eigene Krise hinweggeholfen.
Er hat versucht das Richtige zu tun. Und das hat ihn sein Leben gekostet.
Bleibt nur noch die Frage, was Capel mit Nadia angestellt hat.
Also wissen Sie, das gefällt mir gar nicht.
Sie sollten da lieber rauskommen.
Ich kann einen Durchsuchungsbefehl besorgen.
Nein, wir sollten... Das würde Capel nur alarmieren.
Wenn wir Nadia lebend finden wollen, dann lassen Sie mir Zeit bis morgen früh.
Okay.
Mademoiselle Saint-Laurent, Sie scheinen sehr beschäftigt für jemanden,
dem ausdrücklich Ruhe verordnet wurde.
Würden Sie mir bitte Ihr Handy geben?
Sie verstehen sicher, dass das zu Ihrem Besten ist.
Joseph, Sie müssen mir helfen.
Ich habe doch schon gesagt, im Buch habe ich keine Nadia.
Habe ich nicht, habe ich nicht, habe ich nicht, habe ich...!
Schon gut, schon gut, schon gut. Nur nicht aufregen!
Was ich eigentlich suche, sind Unregelmäßigkeiten in Ihren Zahlen.
Unregelmäßigkeiten wie wenn die Schwester sich verspätet,
weil sie mit dem Hausmeister schläft?
Das weniger. Hat sich bei den Zahlen etwas verändert seit dem Besuch
von Laurent Merieux und dem Streit im Büro von Doktor Capel?
Wie 132 Essen für 131 Leute?
Ich habe immer wieder gezählt, da isst einer immer zweimal.
Ach ja? Sie ist noch hier.
Was haben Sie sonst noch?
Da sind die abendlichen Runden von Doktor Capel.
Er braucht 16 Minuten für den Weg von Gebäude A zu Gebäude B.
Und das ist merkwürdig, weil...?
Es nur 283 Schritte von A zu B sind.
Außer wenn er dabei durchs Untergeschoss der Klinik geht.
Aber da ist schon ewig eine Baustelle.
Nein, nein, das reicht mir schon.
Nadia. Nadia.
Nadia, wachen Sie auf! Nadia!
Es ist vorbei, ich helfe Ihnen hier raus.
Sie wussten, dass niemand mehr nach Nadia fragen würde
und haben das ausgenutzt. All diese Jahre.
Vorher musste ich sie nie narkotisieren. Sie war gern hier.
- Sie hat mich nämlich gebraucht. - Das ist nicht wahr.
Sie wussten, dass es eine Projektion war.
Nadia wurde von ihrer Mutter verstoßen.
Wir sind alle hier, um Ihnen zu helfen. Besonders ich.
Sie waren ihre einzige Kontaktperson, ihr Beschützer.
Wir machen Fortschritte. Wir kommen voran.
Haben Sie Vertrauen zu mir, Nadia. Ihre Entscheidung!
Irgendwann wurde ihr bewusst, dass es außerhalb der Mauern
keinen Platz mehr für sie gab.
Und Ihr Verhältnis wurde zur Obsession.
Sie haben ein idealisiertes Bild in sie projiziert.
Zu der Zeit wurden Sie zum zweiten Mal geschieden,
da haben Sie vielleicht genau das gebraucht.
Sie ist Ihr Objekt geworden.
Aber als Laurent Merieux bei Ihnen war, wurde Ihnen bewusst,
dass Ihr Schützling Ihnen entglitten ist. Sie wollte raus.
Ihr war klar, dass Sie sie niemals gehen lassen würden.
Sie mussten Laurent Merieux los- werden und Nadia verschwinden lassen.
Nadias Stiefvater ist letztes Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Ich vermute, dass sie das aufgeweckt hat.
Ich hatte Panik.
Was haben Sie mit mir vor?
Sie müssen sie gehen lassen. So können Sie nicht ewig weitermachen.
Was soll Sie denn da draußen? Sie hat niemanden.
Keine Familie mehr, keine Eltern. Sie hat nur mich.
Sie will, dass ihr Alptraum endet.
Sie lassen mir keine Wahl.
Morgen früh wird man Sie tot in Ihrem Zimmer finden.
Chloé!
- Haben Sie das so gemeint? - Ja, vielen Dank.
Etwas früher hätte nicht geschadet.
Ich musste einen Knüppel mit den passenden Maßen finden.
Und die Auswahl fiel schwer bei 3 Kastanien, 7 Ulmen,
5 Eichen, und nicht zu vergessen 2 Weiden. Die musste ich in meinem Buch notieren.
- Würden Sie die Fesseln lösen? - Oh ja, natürlich.
Passen Sie gut auf sie auf.
Sie ist ihrer Hölle entkommen.
Ich werde mit Laurent Merieux' Mutter reden.
- Sie soll wissen, dass sein Tod nicht umsonst war. - Gute Idee.
Ohne ihn wäre Nadia vielleicht nie freigekommen.
Ich finde, Sie sollten sich erst mal ausruhen. Oder?
- Ja. - Sie haben mir Angst gemacht.
- Ich dachte wirklich, Sie wären... - Verrückt geworden?
Ich hatte da drin sehr viel Zeit nachzudenken.
Vielleicht habe ich das auch gebraucht.
Das, was alles passiert ist, musste ich erst verdauen.
Kennen Sie zufällig einen guten Innenausstatter?
Ja, zufällig kenne ich einen. Übrigens hatten Sie recht.
Es war der Nachbar von unten. Er hat den Mord gestanden.
- Ja? - Hauptkommissar Rocher? Jeanne Loiseau.
Ich bin ganz Ohr.
Ich werde Ihnen helfen, meinen Vater ins Gefängnis zu bringen.
Vielen Dank.
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