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In diesem Hotel wird die heiß erwartete Pressekonferenz
zu der Veröffentlichung von Adrien Kellers Buch
"Bericht einer Flucht" abgehalten. Erst vor 6 Monaten nach Frankreich zurückgekommen,
hielt dieser Ausnahmejournalist sich aber von den Medien komplett fern.
Unvergessen sind die Emotionen die durch seine Rückkehr bei uns ausgelöst wurden
nach seinen 735 Tagen Gefangen- schaft im kolumbianischen Dschungel.
Unserem Kollegen Adrien Keller war es gelungen, nach knapp zwei Jahren
und ohne Hilfe von außen aus dem Lager der FARC zu fliehen.
Leider ist Romane Dubois, die Kamerafrau von Adrien Keller,
wenige Wochen später an den Folgen einer Gelbfieber-Infektion
und noch in Gefangenschaft gestorben.
Ihre Asche ist inzwischen hier nach Paris überführt worden.
Was ist denn passiert?
- Wo ist die Leiche gefunden worden? - In einem Abstellraum im Untergeschoss.
Die Journalisten warten seit einer Stunde auf Keller.
Er wollte nämlich Auszüge aus seinem Buch vorlesen.
- So zu sterben, nach allem, was er durch- gemacht hat. - Das war eben sein Schicksal.
- Wer hat ihn entdeckt? - Seine Ex-Frau. Sabine Keller.
- Was sucht denn seine Ex-Frau hier? - Offenbar standen sie sich noch immer nah.
Sie hat zum Unterstützungskomitee während seiner Gefangenschaft gehört.
Sie steht unter Schock. Ich hab ihr ein Zimmer besorgt.
Okay. Wir brauchen die Daten aller Anwesenden.
Bitten Sie Courtène, die Überwachungsvideos zu besorgen,
und die Gerichtsmedizin soll die Leiche über den Hinterausgang rausschaffen,
denn wenn die Presse erfährt, dass vor ihrer Nase ein Mord passiert ist,
bricht hier noch mehr Chaos aus als jetzt schon.
- Alles klar. - Okay.
Ihr erfahrt sowieso nichts von uns.
Ich melde mich wegen der Untersuchungsergebnisse.
Sie sind schwanger! Herzlichen Glückwunsch.
Saint-Laurent? Hallo?
- Alles gut? - Ja, alles gut, verzeihen Sie.
- Ich brauche Sie hier doch, okay? Zu hundert Prozent. - Zu hundert Prozent.
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Dieser Fall gefällt mir nicht.
PROFILING PARIS
FLUCHT VOR DER WAHRHEIT
Ich habe dieses Gesicht so oft im Fernsehen gesehen, dass er mir vertraut erscheint.
- Und, was haben wir? - Ein Schädelhirntrauma mit offenem Bruch.
Vielleicht ein Streit, der ein tödliches Ende genommen hat.
Der Todeszeitpunkt?
Von der Körpertemperatur ausgehend etwa vor zwei Stunden. Das heißt maximal.
Also kurz vor der Pressekonferenz, aber was hatte er in dem Abstellraum verloren?
Nervosität.
Lampenfieber. Er hatte nach zwei Jahren Gefangenschaft
und sechs Monaten Schweigen Angst vor seinen Kollegen.
Der Mörder ging bei den vielen Leuten ein großes Risiko ein.
Er war nicht in der Lage, das Risiko abzuschätzen. Die Gewalt spricht für sich.
Der Mörder hat impulsiv und offen- sichtlich ohne Vorsatz gehandelt.
War aber klar genug im Kopf, um nicht auf die Presse zu treffen.
Er hat den Hinterausgang da benutzt und ließ Keller sterbend zurück.
Sie sind Sabine Keller?
Ich bin Thomas Rocher von der Kriminalpolizei
und leite die Ermittlungen im Fall von Ihrem Ex-Mann.
Das ist Chloé Saint-Laurent, die Kriminologin.
Ihre Bluse.
Ich wollte ihn wiederbeleben. Ich habe es versucht.
Nehmen Sie Platz.
Können Sie uns bitte erzählen, was passiert ist?
- Adrien sollte die Pressekonferenz geben wegen des... -... des Buchs.
Ich war so furchtbar sauer auf ihn.
Er war ja noch nie pünktlich, aber wir haben schon eine Stunde auf ihn gewartet.
Ich hab ihm zehn SMS geschickt, aber es kam keine Antwort.
Dann hab ich ihn überall im Hotel gesucht und in dem Abstellraum gefunden.
Er hat sich nicht bewegt.
Ihr Ex-Mann. Wissen Sie vielleicht, ob er Feinde hatte?
Nein. Der ganze Berufsstand hat Adrien bewundert.
Alle haben für seine Freilassung ge- kämpft, und die nächste Etappe war,
dass alle ihm dabei helfen, wieder arbeiten zu können. Die...
Die Rückkehr aus Kolumbien war sicher schwierig, kann ich mir vorstellen.
Er war nicht mehr so wie früher. Für seine Töchter war das schrecklich.
Sie wollten ihren Vater zurückbe- kommen und trafen auf einen Zombie.
Sie konnten nicht in seine Nähe kommen.
Und da kam ich auf die Idee mit diesem Buch, damit er von...
- ... der Gefangenschaft erzählt. - Ja.
Ich habe nämlich gedacht, dass es Adrien helfen könnte, das Trauma
zu überwinden, wenn er über die Erlebnisse schreiben würde.
- Madame Keller. - Ja?
Würden Sie sich bei uns auf dem Revier melden, wenn es Ihnen besser geht?
- Warum denn? - Weil wir an Sie noch einige Fragen haben. Keine Sorge. Reine Routine.
Mama?
Wo haben Sie denn das Buch her?
- Von einem Stapel im Saal der Pressekonferenz. - Ah ja.
Was wissen wir über das Opfer?
Er hatte seit seiner Rückkehr ein unstetes Verhalten,
was jedoch typisch für Opfer von Entführungen ist.
Er beschreibt alles sehr ausführlich in seinem Buch.
I am a journalist.
Senior, por favor. She is a... Periodista. Aber...
- Adrien. - Nein, wartet. Romane!
Wie er und Romane in unterschied- liche Lager verschleppt wurden.
Seiner Freiheit beraubt, gedemütigt, sah er sich mit dem sicheren Tod konfrontiert.
Und da hat er, wie alle Geiseln, um Hunger, Angst und Gewalt zu ertragen,
begonnen, von seiner Freiheit zu träumen. Zwei Jahre lang.
Aber nach seiner Flucht kamen auch die vielen Ängste
und sein Trauma zurück und da brach dann der angestaute Kummer aus.
Er war am Leben und auch in Freiheit, aber zu seinem alten Leben fand er nicht zurück.
Er hat wohl am Lazarus-Syndrom gelitten.
Die Opfer dieses Syndroms wissen oft nicht, warum sie ein Leid weiterhin verfolgt.
Dadurch verfallen sie in Depressionen und geraten, ohne Behandlung,
in einen selbstzerstörerischen Strudel. Alkohol, Drogen, Selbstmord.
Dass es kein Selbstmord war, ist be- wiesen. Er wurde eindeutig ermordet.
Falls er Drogen genommen hat, hat er vielleicht falsche Freunde gefunden.
- Fred, nehmen Sie Kontakt zur Sitte auf. Vielleicht wissen die was. - Okay.
Chloé?
Wir haben gar nicht noch mal über die Sache in Pascal Morands Wohnung gesprochen.
Und wenn Sie wollen, würde ich Sie gern zum Essen einladen,
weil Sie mich vor dem größten Fehler meines Lebens bewahrt haben.
Mit dem größten Vergnügen. Das ist sehr nett.
Ist bei Ihnen alles okay?
- Aber ja. - Sie haben doch was, oder?
Nein, nein, seien Sie unbesorgt.
- Ich hab einen Durchhänger, aber der geht wieder vorbei. - Dann ist gut.
- Schönen Abend noch. - Ebenso.
Bei einer medikamentösen Ab- treibung sind fünf Beratungstermine
und dann zwei Vorunter- suchungen vorgeschrieben
und dazwischen eine Woche Bedenkzeit.
Aber geht das nicht auch schneller? Das muss doch gehen.
So leid es mir tut, so sind die Vorschriften.
Am Ende dieser Zeitvorgabe wird die Einnahme
des Medikaments in der Klinik stattfinden.
Wir können auch schon gern einen Termin vereinbaren.
Wie sieht es am 6. aus? Geht es da bei Ihnen?
- Ja, ja, der 6. ist super. - Ja. Am 6.
Was sagen die Überwachungskameras?
Außerhalb des Hotels gibt es gar keine. Die Kameras filmen nur die Lobby und die Etagen.
Was ist denn nun los? Ist das ein Absturz?
Der blöde Kasten. Seit heute Morgen spinnt der.
Und das kann ich jetzt gar nicht mehr erklären.
Und wie sieht es mit dem Ausgang am Abstellraum aus?
Auch da gibt es keine Kamera. Ich habe den Fokus auf Sabine Keller gelegt,
wie Sie es wollten, und ihre Geschichte scheint zu stimmen.
Erst sieht man, wie sie hier mit den Reportern wartet,
dann wie sie überall ihren Ex-Mann sucht.
Danach verliert sich ihre Spur.
Und nach 15 Minuten kommt sie völlig aufgelöst wieder.
Wir haben grünes Licht für die Hausdurchsuchung des Opfers.
Gut, dann nichts wie los. Wissen Sie, wo Saint-Laurent ist?
- Hier! - Wo waren Sie denn?
Wollen wir gehen?
- Sieh dir das hier mal an. - Was soll denn das sein?
Machst du uns davon eine Kopie?
- Schon was rausgefunden? - Er hat auf dem Boden geschlafen.
Er konnte nach zwei Jahren Gefangenschaft wohl in keinem Bett mehr liegen.
Geschweige denn ganz normal in einer Wohnung leben.
Er hat keinen Fernseher gehabt, keinen Rechner,
und die Hausmeisterin sagt, dass er das Haus quasi nie verlassen hat.
Was hast du den ganzen Tag gemacht?
Adrien hatte eine Kopie dieses Dokuments da in seinem Buch.
Eine Karte der Region, in der er gefangen gehalten wurde.
Er wird sie monatelang aus dem Gedächtnis gezeichnet haben.
- Dadurch war es ihm gelungen zu fliehen. - Tja, so richtig geflohen war er nie.
Im Kopf war er noch immer dort gefangen.
Den Brief hier hat er vom Außenministerium gekriegt.
Aus Respekt davor, was Sie erlebt haben,
sehen wir uns verpflichtet, Ihnen mitzuteilen,
dass Javier Lopez in naher Zukunft auf französischem Boden landen wird.
- Javier Lopez? - Ja.
Adrien erwähnt ihn in seinem Buch.
Er war einer der Wächter des Lagers, in dem er gefangen gehalten wurde.
Und er war für seine Entführung verantwortlich.
Ist er hergekommen, um Adrien zu töten?
Sieht wohl so aus. Kolumbien verfolgt ihn noch immer.
Laut Außenministerium ist Lopez als politischer Flüchtling anerkannt worden.
- Was? - Soll das ein Witz sein?
Keineswegs. Offiziell hat er der Guerilla den Rücken gekehrt.
Wenn Frankreich ihm Asyl gewährt, hat er sicher ganz schön was vom Stapel gelassen.
Auf jeden Fall hat das Ministerium mit ihm ein riesiges Problem.
Seit seiner Ankunft auf französischem Bo- den vor zehn Tagen fehlt von ihm jede Spur.
Es lebe die französische Diplomatie, nein, oder?
Dass ein reuiger Sünder sie reinlegt, kann schon hin und wieder vorkommen.
Aber kaum ist er in Frankreich, wird Kel- ler ermordet. Für mich ist das kein Zufall.
Steckt die FARC dahinter? Wurde er hergeschickt, um den Job zu beenden?
Das wäre eine Premiere und würde nicht zu ihren Methoden passen.
Wenn Lopez nicht im Auftrag der FARC hier ist, warum dann?
Na ja, Lopez könnte sich durchaus persönlich
gedemütigt gefühlt haben durch Kellers Flucht.
So was kann seinen Ursprung in der starken Bindung
zwischen dem Wächter und dem Opfer haben.
Auf jeden Fall sollten wir diesen Typen schnell finden.
Polizeirat Lamarck? Rousseau von der Anti-Terror-Abteilung.
Es geht um den Fall Keller, nehme ich an?
- Und Sie sind der für den Fall zuständige Kommissar? - Ja.
Darf ich Sie beide sprechen?
Die Anti-Terror-Abteilung als Verstärkung passiert nicht oft.
Sie dürfen sich auf unsere Effizienz verlassen.
Bekommen wir von Ihnen eine Liste aller reuigen Sünder...
Das haben Sie falsch verstanden. Wir brauchen Sie nicht mehr für den Fall Keller.
- Die Anti-Terror-Abteilung übernimmt. - Wie bitte?
Der Fall übersteigt die Kompetenzen Ihres Reviers.
Weil es sich hier nicht um einen einfachen Mord,
sondern vielmehr um eine potentiell aktive Terrorzelle handelt.
Und was sind wir dann für Sie? Statisten?
Es gibt noch keine Beweise dafür, dass die FARC dahinterstecken könnte.
Die haben sich, soweit ich weiß, noch nicht zu der Tat bekannt.
Ich muss zugeben, das stimmt.
Und ein persönlicher Rachefeldzug ist durchaus in Betracht zu ziehen.
Ja, in Betracht kann man viel ziehen, Herr Polizeirat,
doch wenn es um die innere Sicherheit geht,
darf man nichts dem Zufall überlassen. - Dem stimme ich zu.
Mein Team ist von Anfang an dem Fall dran und damit unentbehrlich für Sie.
Leider ist der Staatsanwalt nicht Ihrer Meinung
und Sie werden von dem Fall abgezogen.
Und ich möchte mich im Voraus dafür bedanken,
dass Sie uns umgehend alle Berichte zukommen lassen.
Was ist das nur für ein Riesen-Arschloch?
Der Typ erzählt was von Effizienz, und als allererstes verbummeln
die gleich mal ihren Hauptverdächtigen. Die sind doch komplett unfähig.
Vielen Dank.
- Wofür denn? - Für die Einladung.
Ach so, ja.
Ich hasse es einfach, wenn man mir meinen Fall wegnimmt, wissen Sie,
vor allem, weil ich immer... Das gehört nicht hierher. Ich höre schon auf.
- Ich habe hier zweimal Pommes mit Merguez? - Ja.
Hier.
Danke vielmals.
Ich wollte mit Ihnen ja irgend- wohin, wo es ein wenig anders ist,
aber da man mir gesagt hat, dass das Ihr Lieblingsrestaurant ist, na ja...
Sie haben recht gehabt.
Mit Morand.
Ich will seinetwegen nicht in den Knast,
aber ich bin trotzdem noch lange nicht fertig mit ihm.
- Thomas. - Machen Sie sich keinen Kopf. Ich werde das regulär lösen.
Ich hab mir einen Anwalt genommen und ihm alle Infos, die ich habe, gegeben.
Und wir werden ihn zu Fall bringen.
Hauen Sie rein. Guten Appetit.
- Schmeckt es nicht? - Doch.
Nein.
Hört sich auch absolut so an.
Vielen Dank.
Wie lange schon?
- Was meinen Sie? - Na, ich meine, wie lange Sie schon schwanger sind?
- Seit ein paar Wochen. - Und was hat Hoffman dazu gesagt?
Er weiß es überhaupt nicht.
Und das spielt ja auch gar keine Rolle. Es war ein Unfall.
Und in einer Woche ist die Sache sowieso erledigt.
Verstehe.
Ein Kind hat doch was Besseres als eine labile,
alleinstehende Mutter verdient und einen Großvater,
der seit 15 Jahren in der Psychiatrie wegen Mordes sitzt.
- Finden Sie nicht auch? - Wie ich das finde, spielt doch keine Rolle.
Ich kann nur sehen, wie traurig Sie das macht.
Entschuldigen Sie. Ja?
Geben Sie es niemandem weiter. Auch nicht Lamarck.
Wir fahren gleich morgen früh hin. Danke.
Das war das Kommissariat aus dem 11. Es geht um Romane Dubois Grabstätte.
Auf dem Pére Lachaise. Sie wurde geschändet.
Ich habe es gestern Abend bemerkt und es sofort gemeldet.
- Okay, vielen Dank. - Aber gern.
Die Schändung ist wirklich merkwürdig.
Ja, das und der Mord an Keller kann kein Zufall sein.
Das hat auf jeden Fall mit Javier Lopez zu tun.
Schön und gut, aber warum denn?
Dass er sich an seiner Geisel rächen will, kann ich ja verstehen,
aber die Urne von Romane zu stehlen? Sie ist nicht mal in seinem Lager gewesen.
Wir müssen auf alle Fälle die Spurensicherung
kommen lassen wegen der Fingerabdrücke.
Und zwar diskret, weil wir nicht hier sein dürften.
Das gibt es doch einfach nicht. Romane. Meine arme Tochter.
Monsieur Dubois?
Wie geht es Ihnen, Monsieur Dubois?
Sie müssen verzeihen. Ich hab es gerade erst erfahren.
Das ist wirklich ein Alptraum. Nach allem, was sie durchgemacht hat. Mein Gott.
- Es tut mir so leid. - Es ist besser, wenn Sie sich nicht hier aufhalten.
Ich hab noch zu tun, aber meine Kollegin wird Sie begleiten.
Würden Sie mit mir kommen?
Das wäre wirklich nicht nötig gewesen.
Sie haben eben einen emotionalen Schock gehabt
und sollten im Moment besser nicht allein bleiben.
Gibt es jemanden, der sich um Sie kümmern kann? Wie Ihre Frau vielleicht?
Sie ist vor 13 Jahren gestorben.
Bitte verzeihen Sie mir. Das tut mir sehr leid.
Die hat Romane gehört. Irgendwie bekam ich die Idee, ein bisschen
in den alten Sachen herumzukramen und hab ihre Babysachen gefunden.
Ich habe sehr viel gearbeitet, als sie klein war
und hab mich nicht viel um sie kümmern können.
Vielleicht war sie deshalb immer unterwegs auf der Suche nach etwas, das ihr fehlt.
Sie waren auf Ihre Tochter und ihren Beruf sicher sehr stolz.
Nein, ich war eher besorgt als stolz. Weil sie immer unterwegs war.
Dabei hätte sie doch heiraten können und Lehrerin werden.
Bitte verzeihen Sie mir die Frage.
Ich glaube, ich hab gar keine Gedenktafel für Ihre Frau gesehen
bei der Familiengruft, kann das sein?
Was hat das bitte zu tun mit dem Diebstahl der Urne meiner Tochter?
Nichts, das fiel mir nur gerade auf.
Es tut mir sehr leid, aber ich muss Sie jetzt bitten zu gehen.
Ich fühle mich gerade sehr erschöpft. Ich bringe Sie zur Tür.
Ja, aber natürlich.
Da entlang.
Martine und Armand Dubois waren geschieden. Sie hat ihn verlassen.
Der Scheidungsgrund waren unüberbrückbare Differenzen.
Offenbar hatte Armand Dubois seiner Frau jahrelang verboten, einen Beruf auszuüben.
- Süß. Er wollte sie wohl zuhause haben. - Und Romane war da wie alt?
Da war sie 13. Damals war der Richterspruch zwar geteiltes Sorgerecht,
aber Romane hat bei ihrer Mutter gelebt, bis sie fünf Jahre später an Krebs starb.
- Seitdem hat Romane allein gelebt. - Konflikt mit der Vaterfigur.
Sie hat es mit 18 vorgezogen, alleine zu leben und nicht zu ihrem Vater zu ziehen.
Irre ich mich oder war das eben ein Katzen-Miau?
Stimmt genau. Das war Archibald, der Kater.
Er ist für eine Woche zu Besuch aus dem Tierheim hier
und gehorcht mir aufs Wort. - Sie haben einen Kater im Büro?
Ja, aber aus rein beruflichen Gründen, wie Sie sich bestimmt vorstellen können.
Er muss hier für mich den Hacker fangen, der an meinen Kabeln rum nagt.
Ah, verstehe. Kommen wir zurück zum Thema.
- Martine Dubois, wo wurde sie bei- gesetzt? - Champagne-sur-Oise.
Aber wozu wollen Sie das wissen, bearbeiten wir den Fall noch?
Nein, natürlich nicht. Nur ein bisschen, das erkläre ich Ihnen später.
Richten Sie dem Hauptkommissar aus, dass er auch dorthin kommt?
- Danke, Hyppolite. - Aber gern.
Archibald? Fass!
Archibald, fass! Du fasst ja überhaupt nichts.
- Erklären Sie mir, was wir hier wollen? - Hier liegt die Asche von Romanes Mutter.
Tja. Genau das habe ich erwartet. Die Asche von Romane liegt auch hier.
1980 geboren, gestorben 2010.
Und darunter steht Ruhe in Frieden, mein Herz, Javier.
Javier Lopez. Er hat die Asche von Romane gestohlen, um sie herzubringen.
Das gibt es ja nicht.
Die Grabschändung war keine politische Rache, sondern eine Liebesgeste.
Der Typ hat den halben Planeten überquert,
damit sie bei ihrer Mutter die letzte Ruhe finden kann.
Romane und Javier, die Geschichte einer verbotenen Liebe.
Hätte die FARC davon erfahren, hätte man ihn sofort exekutiert.
Und wenn Javier der Liebhaber von Romane war und der Bewacher von Keller,
dann war Keller mit Romane gefangen.
Sie waren alle drei im Lager. Keller hat gelogen.
Also ist dort etwas passiert, von dem wir noch nichts wissen,
aber Tatsache ist, dass Keller flüchten konnte und Romane nicht.
Der Typ war jahrelang in Erdbeben und Kriegsgebieten unterwegs,
für ihn war die Gefahr etwas ganz Normales.
Warum sollte er dann allein geflohen sein, wie ein Feigling?
In dem Lager war Keller nicht der große Re- porter, der die Dramen anderer gefilmt hat.
Er war selbst der Gefangene, und das ändert alles.
Wir müssen erfahren, was in dem Lager geschehen ist. Fragen wir Sabine Keller.
Vielleicht hat Adrien ihr mehr erzählt als in dem Buch steht.
Das wird schwierig, weil es nicht mehr unser Fall ist.
Gibt es gegen einen Höflichkeits- besuch etwas zu sagen? Ja?
Nein, im Gegenteil. Ich werde Kancel bitten,
sich hier mal bei den Leuten umzuhören, ganz diskret.
Javier war sicher eine Weile hier. Das muss jemandem aufgefallen sein.
- Kommen Sie zurecht? - Ja.
- Und, wie geht es Ihren Töchtern? - Sie sind tapfer.
Sie kommen nach ihrem Vater. Und uns hilft auch das Komitee sehr.
Die Leute, die sich für die Freilassung von Adrien eingesetzt haben.
Sie helfen mir dabei, die Formalitäten zu bewältigen.
Ich weiß nicht, was ich ohne sie tun würde.
Es ist jedenfalls sehr nett von Ihnen,
dass Sie sich die Zeit nehmen, mit uns zu reden.
Sie haben sicher viel zu tun.
Entschuldigen Sie, nehmen Sie doch Platz, bitte.
Eigentlich überrascht mich Ihr Besuch ja. Ich habe angenommen,
dass die Anti-Terror-Abteilung den Fall übernommen hätte.
So ist es ja auch.
Diese Abteilung glaubt, dass der Tod Ihres Mannes ein Racheakt der FARC war.
Ja. Und Hauptkommissar Rousseau besteht darauf,
dass meine Töchter und ich Paris verlassen,
bis sie diesen Terroristen gefunden haben. Javier Lopez.
Ein Tapetenwechsel ist womöglich keine schlechte Idee,
um Ihre Trauer zu überwinden, wirklich nicht. Aber ich...
Ja, ich glaube nicht, dass Javier Lopez Ihnen
oder den Mädchen was antun will. - Und was macht Sie da so sicher?
Wir haben den begründeten Verdacht, dass Ihr Ex-Mann
und Romane Dubois zusammen festgehalten wurden
und dass sein Tod damit zusammenhängt.
- Hat er Ihnen vielleicht was erzählt, das diese These untermauert? - Nein.
Was wollen Sie damit bitte genau andeuten?
Dass er geflohen ist, ohne Romane Dubois mitzunehmen.
Wie können Sie es wagen, so etwas zu sagen?
Das hätte Adrien niemals getan. Er war ein Ehrenmann.
Wir versuchen nur zu ergründen, wer ihm so böse war, um ihn zu ermorden.
- Und soweit ich weiß hat Sie nie- mand darum gebeten. - Madame Keller.
Sie wissen ja sicher noch, wo die Tür ist, leben Sie wohl.
Ja, wir gehen. Chloé, kommen Sie?
- Fred hat auf dem Friedhof was Neues erfahren. - Ach so.
Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.
Hören Sie, Pater, Sie wurden mit die- sem Mann hier auf dem Friedhof gesehen.
Ich habe einen Zeugen.
Sie hatten gewiss auch nur gute Absichten, aber wissen Sie,
vorgestern ist ein Mann getötet worden.
Er wurde ermordet, und wir haben Grund zu der Annahme,
dass Javier Lopez in den Mord verwickelt ist.
Sie liegen falsch. Er ist kein Mörder.
Leider betrachten alle Sicherheitskräfte Frankreichs ihn als aktiven Terroristen,
wenn Sie ihm die Chance geben wollen, das zu widerlegen, müssen
wir ihn vor denen finden.
Es ist vor drei Tagen hier gewesen. Ich habe ihn auf dem Friedhof rumlungern sehen.
Er hat mir alles von sich erzählt und von der Frau, die er geliebt hat.
Ich habe sein Unterfangen als richtig em- pfunden, und das geht mir noch immer so.
- Okay, und wo ist Lopez jetzt? - In einer Unterkunft meiner Gemeinde,
um sich um den kleinen Mann zu küm- mern. - Um was für ein kleinen Mann?
Javier hat doch ein Baby bei sich.
Da drüben.
Bleiben Sie bitte hier.
Mist!
Hallo? Hauptkommissar Rocher!
Schicken Sie umgehend einen Rettungs- wagen zur Kirche Champagne-sur-Oise.
- Ist er etwa tot? - Nein. Aber sein Puls ist schwach.
Das Baby. Wo ist das Baby?
Das ist leider verschwunden.
Wir hätten ihn beinahe verloren, es war äußerst knapp.
Sein Zustand ist weiterhin kritisch, aber wir werden unser Bestes geben.
- Ich halte Sie auf dem Laufenden. - Vielen Dank.
- Was haben Sie hier zu suchen? - Ihr Timing ist ziemlich schlecht!
Ich dachte, die Jagd nach Terroristen wäre Ihr Ding.
Sie haben hier nichts zu suchen! Sie wurden von dem Fall abgezogen!
Ich habe eine Überraschung für Sie.
Javier Lopez liegt im Koma. Seit 48 Stunden.
Er ist nicht der Mörder von Keller. Ihre Vermutung ist falsch.
Woher wollen Sie das wissen?
Bitte, kennen Sie viele Terroristen, die dazu bereit wären,
für die Frau, die sie lieben, auf einmal aufs Spiel zu setzen?
Oh Mann, Sie hören wohl nie auf, oder?
- In diesem Ton werden Sie nicht mit mir sprechen! - Es reicht jetzt.
Das Leben eines Kindes steht auf dem Spiel und Sie streiten sich über Zuständigkeiten?
Das Baby ist die Tochter von Romane, nicht wahr?
Es ist der Sohn von ihr und Javier Lopez. Er heißt Moise.
- Wieso wurde das verschwiegen? - Um ihn zu schützen.
Lopez riskiert Vergeltungsmaßnahmen, weil er die FARC verlassen hat.
Er hatte furchtbare Angst um seinen Sohn.
Nur der engste Familienkreis weiß von seiner Existenz.
Der engste Familienkreis? Wusste Romanes Vater auch Bescheid?
- Ja, aber natürlich. - Das Söckchen.
Dubois hat die Entfremdung seiner Tochter und ihr Alleinleben nie verkraftet
und will das, was ihm mit seiner Tochter nie gelungen war, mit Moise nachholen.
Ich verstehe kein Wort.
- Was machen Sie denn? - Wohin des Wegs? Wollen Sie verreisen?
Na, dann kommen Sie mal.
Ich habe Moise nicht entführt. Dieser Lopez hat ihn mir anvertraut.
- Ach. Und warum sollte er das tun? - Weil er sich bedroht gefühlt hat.
Er nahm an, die FARC würde sich rächen, indem sie ihm Moise wegnehmen.
Hören Sie doch auf, Märchen zu erzählen. Für Javier waren Sie eine Bedrohung.
Sie haben Romanes letzten Willen igno- riert, er hätte Ihnen Moise nie anvertraut.
Wir stellen gerade Ihre Wohnung auf den Kopf.
Und sobald wir Ihre Waffe gefunden haben, sehen Sie Moise niemals wieder.
Und das ist wohl auch am besten so.
Sie wären kein gutes Vorbild für den Kleinen,
weil Sie nämlich ein Lügner und Verbrecher sind.
Sie bezeichnen mich als Verbrecher? Lopez hat jahrelang Menschen entführt
und umgebracht. Er ist ein Terrorist.
Diesem Schwein rollt der Staat den roten Teppich aus
und ich bin der Verbrecher, ja?
Lopez hat der Gewalt aus Liebe zu Ihrer Tochter abgeschworen.
Sie aber verharren in Ihrer Bitterkeit und Ihrem Groll.
Es hat Sie krank gemacht, dass dieses Kind aus einer fremden Kultur stammt,
von der Sie so gut wie gar nichts wissen. Und vor allem...
Ja, vor allem, dass es wie Ihre Ex-Frau und Romane ein freies Wesen ist.
Sprechen Sie ja nicht von meiner Frau! Sie war verantwortungslos!
Ihretwegen wurde Romane Kamerafrau und Ihretwegen ist sie auch gestorben.
Und die Geschichte durfte sich nicht wiederholen.
Und Moise war Ihre Chance, die Dinge wieder in die Hand zunehmen.
Lopez ist mit dem Kleinen bei mir zuhause aufgetaucht.
Sollte ich dem meinen Enkel überlassen? Was habe ich denn schon getan?
Ich wollte ihn beschützen. Es war meine Pflicht.
Ich hab mich verantwortlich gefühlt.
Sie sind Lopez gefolgt und haben auf ihn geschossen.
- Ich habe meinen Enkel gerettet! - Und Keller?
War es auch Ihre Pflicht, ihn zu ermorden?
Keller? Ich habe mit seinem Tod nichts zu tun.
Ich kümmere mich um ein sechs Monate altes Kind, hören Sie?
Da hab ich wohl kaum die Zeit, mich mit diesem Parasiten zu befassen.
Sechs Monate.
Hyppolite?
Ja, bitte? Was kann ich für Sie tun, Nummer 2?
Autsch, nein, nein, nein, nein, nein. Aua.
Die Karte. Machen Sie die Karte auf.
Die Karte, die Karte? Welche Karte? Ich stehe auf dem Schlauch.
Na, die, die an der Wand hing. In Kellers Wohnung.
- Die, die ihm geholfen hat zu fliehen. - Ach die. Ganz kurz. Da ist sie.
Uns fehlt doch die Verbindung zwischen Javier Lopez, Keller und Romane.
Die Verbindung ist diese Karte.
Ich bin davon überzeugt, dass Lopez sie gezeichnet hat.
Er kennt die Gegend wie seine Westentasche.
- Er musste einen Weg aus dem Dschungel heraus finden. - Und wieso?
Weil Moise jetzt ein halbes Jahr auf der Welt ist.
Das heißt, Romane stand zum Zeitpunkt der Flucht kurz vor der Entbindung.
Aber wenn Lopez ihnen geholfen hat zu fliehen,
warum ist er dann nicht gleich mit geflohen?
Das war bestimmt ein Ablenkungsmanöver.
Lopez ist noch im Lager geblieben, um den beiden einen Vorsprung zu verschaffen.
Haben Sie von dem Tag der Flucht die Wetterdaten dieser Region?
- Ja. Ganz kurz. - Darf ich erfahren, was hier läuft?
Es gab in der ganzen Gegend Überschwemmungen.
Um der FARC zu entkommen, mussten sie den Fluss durchqueren.
In ihrem Zustand war es Romane wahr- scheinlich nicht möglich zu schwimmen.
Romane!
Keller war in einem Dilemma.
Romane zurückzulassen oder von der FARC geschnappt zu werden.
Nein!
- Er hat sich für seine Freiheit entschieden. - Was meinen Sie damit?
Er hat Romane im Dschungel zurück- gelassen, sie hat allein entbunden
und starb aus dem Grund.
Wie konnte Keller, dieses Schwein, sich noch im Spiegel ansehen?
Gar nicht, er wurde ja von seinen Schuldgefühlen aufgefressen.
Er war ja auch am Leben. Da kann man sich schon mal
den Luxus einer Depression leisten. Ja, Courtène?
Tja, Dubois Alibi wurde bestätigt. Er war bei seinem Hausarzt,
um das Kind von oben bis unten durchzuchecken.
- Von morgens bis abends. - Okay. Danke.
Dubois können wir ausschließen.
Aber für den Mordversuch an Lopez kriegen wir ihn dran.
Ich habe gerade mit dem Jugendamt gesprochen.
Die können Moise erst morgen früh übernehmen.
- Heute Nacht muss einer von uns ran. - Ich gehe dann mal.
Schlagt euch das aus dem Kopf.
Nein, er ist süß und alles, aber ich drehe durch, wenn der ständig rumjammert.
Ach, das ist doch kein Ding. Ich zeige es Ihnen.
Erst mal streicheln Sie dem Kleinen den Bauch.
So. Sehen Sie? Und schon geht es ihm besser, oder?
Oh, super, ja, vielen Dank, läuft toll!
Sie machen das schon.
Ich drehe durch.
Na los.
So, das wäre es dann. Mit den Windeln müssen Sie mich beraten.
- Gern, was hat das Kind für ein Gewicht? - Das weiß ich doch nicht.
Vielleicht so viel wie ein Hühnchen?
- Also, wie ein fettes Hühnchen. Wie eine Pute. - Verstehe.
Dann brauchen Sie sieben bis zwölf Kilo. Und dafür empfehle ich Ihnen die hier.
Doppelte Saugfähigkeit, schöne textile Außenschicht,
die die Haut des Babys wunderbar atmen lässt.
- Das ist der Verkaufshit dieser Apotheke. - Ach.
Und es gibt die Variante für die Mutigen.
Diese Windeln darf man aber nur mit der Hand waschen.
Die sind teurer aber ökologisch.
Mit der Hand?
Ich nehme die hier. Vielen Dank.
Aber nein, nicht weinen.
Bestimmt hast du schon ganz großen Kohldampf.
Und jetzt gibt es Schmatze- schmatz für den lieben Hosenmatz.
Und jetzt wartest du noch ein paar Minuten
und dann kannst du dir dein Bäuchlein richtig vollschlagen.
An Romane, Javier und Moise. Nichts wird mir je die Last meiner Schuld nehmen.
Nein.
Romane!
Oh, mein kleiner Engel.
Javier hatte diesen Stick hier im Korb versteckt.
Da ist die echte Version von Kellers Memoiren drauf.
Was heißt die echte Version?
Er hatte sich dazu entschlossen, die Wahrheit über seine Flucht zu schreiben.
Es steht alles drin. Wie er Romane zurückließ, ihre Liebe zu Javier, das Baby.
- Er hat das Buch völlig neu geschrieben. - Und wie kam Javier an dieses Buch heran?
Ich denke, Javier und Keller werden sich getroffen haben
und Keller hat ihn so um Verzeihung gebeten.
Ist ja auch leichter, für etwas um Verzei- hung zu bitten, wenn alles vorbei ist.
Schon, aber Javier hat mit dem politischen Asyl auch eine zweite Chance bekommen,
und das trotz seiner Vergangenheit als Terrorist.
Und ich bin mir sicher, dass er Keller verziehen hat.
Dann wollte Keller die Geschichte seines Verrats
auf der Pressekonferenz öffentlich machen. - Er war auf der Suche nach Erlösung,
doch jemand wollte verhindern, dass er sein Heldenimage zunichte macht.
Adrien Keller hat sich immer den schlimmsten Gefahren ausgesetzt.
Und zwar für uns, und unsere Aufgabe als gute Bürger ist es,
alles für seine Freilassung zu tun und uns von seinem Mut
und seiner Kraft inspirieren zu lassen. Ich möchte Ihnen danken.
Wieso zeigen Sie mir das?
Es ist bewundernswert, was Sie für Ihren Ex-Mann
während seiner Gefangenschaft alles gemacht haben.
Die Presse, die Öffentlichkeit zu mobi- lisieren, an die Politik zu appellieren.
Ja, Sie haben nie aufgegeben.
Ich habe alles, was für Adrien und die Mädchen nötig war, getan.
Das glaube ich Ihnen. Es war bestimmt nicht einfach,
mit einem Mann wie Adrien verheiratet zu sein.
Die Gefahren, das ungewisse Warten.
Er war ständig unterwegs, während Sie sich immer zuhause
um ihre beiden Mädchen kümmern mussten.
Die Gründe für unsere Scheidung gehen Sie ja wohl überhaupt nichts an.
Was ist in Ihnen vorgegangen, als man Adrien entführt hatte?
Was glauben Sie denn? Ich war komplett erschüttert.
Ich glaube, dass es Ihnen gefallen hat, sich in den Kampf zu stürzen.
Die Bewunderung, die Ihnen zuteil wurde, die ganze Aufmerksamkeit.
Als Kopf des Komitees konnten Sie sich
nach einer halben Ewigkeit wieder lebendig fühlen.
Denken Sie ruhig von mir, was Sie wollen. Es ist mir völlig egal.
Und was die Welt von Adrien denken wird, ist Ihnen auch egal?
- Was ist das? - Das wissen Sie doch.
Als Adrien frei war, haben Sie auf gewisse Weise für ihn weitergekämpft.
Das Buch. Sie haben ihn ermuntert, es zu schreiben,
um ihm zu helfen, sein Trauma zu über- winden, aber auch und vor allem um
weiter im Rampenlicht zu stehen. Doch Adrien wollte Ihnen alles verderben.
- Ich bin ein Stück Scheiße. - Hör schon auf, Adrien.
Ich habe Romane im Dschungel sterben lassen.
- Ich werde es ihnen sagen. - Nein!
- Doch, es ist vorbei, hörst du? - Nein, Adrien, hör auf mit dem Unsinn!
- Ich werde es ihnen sagen! - Was du da getan hast... Nein, das wirst du nicht!
- Doch, doch, das werde ich! - Adrien!
Er hätte nicht nur seinen Ruf zerstört,
wenn er öffentlich seine Feigheit während der Flucht zugegeben hätte,
sondern auch Ihren Ruf, den Ihrer Mädchen, und das, wofür Sie gekämpft haben.
Er wäre vom Nationalhelden zum Feigling der Nation geworden
und Sie wären in die Anonymität Ihres kleinen Lebens,
ins Schattendasein zurückgekehrt. Was Sie niemals verkraftet hätten.
Er wollte alles kaputtmachen.
Jetzt die Wahrheit zu erzählen, das hätte doch keinem was genützt.
Schon gar nicht Romane.
- Es war ein Unfall. - Ja.
Was habe ich nur getan?
Es tut mir so leid.
- Wollen wir? - Und, war dein Mäusejäger nun erfolgreich?
- Nein. Eine Oberlusche. - Und jetzt muss er ins Tierheim zurück?
Nein, ich finde, er passt gut zu mir. Ich werde ihn wohl behalten.
- Ciao. - Bis dann.
- Bis morgen. - Bis morgen.
Ich gehe jetzt zu meinem Termin.
- Kopf hoch. - Ich versuche es.
- Ja? - Herr Hauptkommissar?
Ja?
Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich meine Meinung geändert habe.
Sie hatten recht, es macht mich traurig, aber jetzt bin ich es nicht mehr.
Na, dann bis morgen.
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