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Also, ich habe lange nachgedacht, und unsere Geschichte, die...
...ja, die geht einfach zu schnell für mich.
Und ich glaube nicht, dass ich schon bereit dafür bin. Nein.
Nicht zu vergessen, dass wir beide bestimmt wieder
irgendwann zusammenarbeiten werden und...
Also, und ich fasse mich kurz, diese Beziehung ist nicht gut.
Was nicht heißen soll, dass es nicht sehr, sehr schön gewesen ist.
Nein, im Gegenteil, es war ja sehr, sehr schön.
Aber es ist doch besser, wenn an dieser Stelle Schluss ist.
Bist du dir ganz sicher?
Ja.
Okay.
- Lass es klingeln... - Nein. Aber ich... - Hör mir zu. Hör bitte zu.
Chloé. Hör mir jetzt zu! Stimmt, es ist kompliziert.
Aber lass uns keine voreilige Entscheidung treffen, die wir bereuen könnten, okay?
- Ich brauche einfach noch etwas Zeit. - Die bekommst du.
Warte kurz.
- Ja? - Hallo?
Ja.
Ja, ich bin dran, ich bin dran.
Ein Pärchen, das aus einem Club kam, hat ihn heute früh hier gefunden.
- Guten Morgen. - Guten Morgen.
So leid es mir tut, ich habe gerade das hier gefunden.
- Er ist einer von uns. - Er war Polizist. Dimitri Saillan.
So eine verdammte Scheiße.
- Finden Sie doch mal raus, an welchem Fall er gearbeitet hat. - Okay.
Das hier trug er auch bei sich.
Und was wissen wir?
Zwei Einschusswunden aus nächster Nähe auf Höhe des Thorax.
Der Todeszeitpunkt war etwa zwischen ein und vier Uhr morgens.
- Hat man im Umkreis eine Waffe gefunden? - Nicht, dass ich wüsste, nein.
Gut. Halten Sie uns auf dem Laufenden.
Keine Blutspritzer. Er wurde nicht hier getötet.
Der Mörder hat ihn hier ganz sorgfältig am Geländer drapiert.
Die Hände auf den Oberschenkeln. Die Augen zugemacht.
Weil er ihn nicht vergraben konnte, hat er seine Leiche an einem Friedhof abgelegt.
Vielleicht ja, um dem Opfer einen gewis- sen Respekt zu zollen. Aus Schuldgefühl.
Tja, aber zwei Kugeln aus nächster Nähe kann man kaum einen Unfall nennen.
Für mich sieht das nach einer Hinrichtung aus.
Ich rede ja nicht von einem Unfall, eher von einer notwendigen Tat,
die der Mörder geglaubt hat begehen zu müssen.
So als ob das Opfer eine Be- drohung für ihn dargestellt hat.
- Ja? - Er war kein Polizist. Seine Dienst- marke ist eine gut gemachte Fälschung.
Okay. Er ist ein falscher Bulle.
PROFILING PARIS
AUF EIGENE FAUST
Die Dienstmarke ist wirklich gefälscht.
Dimitri Saillan war ein unauffälliger Buchhalter und seit fünf Jahren verheiratet.
Keine Vorstrafen, keine Schulden, ein regelmäßiges Einkommen.
Auf den ersten Blick gibt es keinen Grund dafür,
warum er alten Damen den Polizisten vorspielen sollte.
Vielleicht haben wir es wieder zu tun mit einem Fall von Lügensucht
nach einer Trennung oder dem Verlust der Arbeit.
Manche labile Personen wahren ihr Ego hinter einer gewissen Form von Autorität.
Ja, und mit so einer Dienst- marke forciert man durchaus
eine Art Respekt oder ein Machtgefühl. - Nur dass es sich gegen ihn gewendet hat.
Er hat sich bei einem Schießstand angemeldet vor acht Monaten.
Dort bekam er einen Waffen- schein für eine 9-Millimeter-Waffe
und er wurde laut dem Doc und der Ballistik von seiner Waffe getötet.
Er wollte wohl den Harten markieren und ist an seinen Meister geraten.
Frau Doktor lässt ausrichten, dass ihr zu ihr kommen sollt.
Die Frau von Dimitri Saillan erwartet euch auch dort.
Chloé, wir haben dich gestern ver- misst. Der Geburtstag von Christiane?
Oh nein. Oh, ich bin so doof!
Das hab ich völlig vergessen. Ich rufe sofort an. Tut mir so leid.
Ach, das musst du doch nicht. Das verstehen wir doch.
Und sie freut sich so für dich. Und ich mich übrigens auch.
Und worüber?
Oh, wir kennen uns über 15 Jahre,
und glaubst du, ich merke es nicht, wenn in deinem Leben was passiert?
- Du hast doch irgendjemanden. - Oh, aber ja, und es ist schon vorbei, glaube ich.
Und außerdem weiß ich es nicht. Oder vielleicht doch?
Keine Ahnung, und ich muss jetzt sowieso los.
- Auf Wiedersehen. - Ja, auf Wieder... ja.
Sind Sie soweit?
Er ist es.
Ich begreife das nicht. Wieso hätte er sich als Polizist ausgeben sollen?
War es sein Wunsch, vielleicht mal für die Polizei zu arbeiten?
- Nein. Nein, niemals. - Ich muss Sie das leider fragen.
Hatten Sie vielleicht Geldsorgen oder gab es etwas anderes,
das den Missbrauch der Dienstmarke erklären könnte?
Er war ein ehrlicher Mensch.
Er hatte sich aber verändert, oder?
Sie haben sich bestimmt sehr geliebt.
Selbst bei einer vorübergehenden Krise stellt niemand Ihre Trauer in Frage,
aber wir dürfen nichts außer Acht lassen.
Es gab Spannungen seit geraumer Zeit.
Ja, seit Monaten kam er immer spät nach Hause. Und oft war er die ganze Nacht weg.
Er sagte, er arbeitet an den Wochenenden, doch ich wusste, er lügt.
- Glauben Sie, dass er Sie betrogen hat? - Er hat mir geschworen nein.
Doch so distanziert, wie er wurde? Ich weiß es nicht.
- Kennen Sie vielleicht dieses Mädchen? - Das ist seine ältere Schwester, Elisa.
Sie wurde ermordet vor seinen Augen, als er 13 war.
Es war ein völlig sinnloser Überfall, der aus dem Ruder gelaufen ist.
Und es war niemand da, der ihnen geholfen hat.
Hatte Dimitri kürzlich darüber gesprochen?
Nein. Er sprach niemals darüber. Das Thema war komplett tabu.
Der Mörder von Saillans Schwester bekam 15 Jahre und heißt Thierry Greiner.
- Hier hab ich ihn. - Ist er wieder raus?
Seit zwei Jahren.
Okay. Saillan war kein krankhafter Lügner.
Die Dienstmarke und die Waffe kann er sich besorgt haben,
um seine Schwester zu rächen. - Gut möglich,
aber mich irritiert der zeitliche Abstand zwischen Greiners Entlassung
aus dem Gefängnis und dem Moment, als Dimitri begann,
ein neues Verhalten zu entwickeln. - Ihm hat vorher nur der Mut gefehlt.
- Was haben wir über Greiner? - Er ist nicht gerade der ideale Schwiegersohn.
Mit einer beeindruckenden Sammlung an Delikten vor seiner Festnahme.
Viele Zwischenfälle im Knast. Nach der Entlassung wurde er wohl ruhiger.
Er arbeitet in einer Werkstatt südöstlich des Pariser Zentrums.
Thierry Greiner?
- Ja, wie kann ich helfen? - Polizei.
Dimitri Saillan, sagt Ihnen das was?
Nie gehört.
Sie haben vor 17 Jahren seine Schwester umgebracht.
Schon möglich. Na und?
- Wo waren Sie gestern Abend? - Was ist das Problem?
Das Problem ist, dass ich eine Antwort auf meine Frage möchte.
Und mein Problem ist, dass ich Bullen nicht ab kann.
Okay. Fred, wir gehen.
Ist heute leider nicht dein Glückstag, denn wir werden dich mitnehmen.
Du stehst noch unter richterlicher Aufsicht.
Wie viel Zeit brauche ich wohl, um dich wieder in den Knast zu bringen?
Du ermordest die Schwester und 17 Jahre später den Bruder.
Klingt plausibel, oder?
Ihn hätte man in den Knast stecken sollen!
Dieser Irre macht einen Termin für eine Wagenreparatur
und kommt dann in die Werkstatt und bedroht mich mit einer Waffe!
Was wollte er denn?
Sie hat dich was gefragt!
Dass ich um Verzeihung bitte.
Wegen seiner Schwester. Er hat gesagt,
so was wie das mit seiner Schwester darf nie wieder passieren
und dass er Typen wie mich fertig macht.
Ich dachte, dass er mich abknallt! Dann verschwand er wieder.
Er hat dich erniedrigt, und natürlich hast du nichts unternommen.
Ich hab ihn leider nicht wieder getroffen.
Doch Sie können mir glauben, wenn, dann hätte ich bestimmt nicht lange gefackelt.
Es läuft folgendermaßen: Greiner vertickt Ersatzteile, die er in der Werkstatt klaut.
Und gestern war er bei seinem Wiederverkäufer.
Den haben wir eingebuchtet, aber er hat die Version bestätigt.
- Dann wird Greiner ihm bald folgen. - Saillan hatte Greiner nur bedroht.
Was aber nicht erklärt, warum er monatelang mit Polizei-Dienstmarke
und Waffe unterwegs gewesen ist. - Es ging ihm nicht um Rache.
Was er wollte, waren Vergebung und Reue. Er war auf der Suche nach Gerechtigkeit.
Der Tod seiner Schwester hat ein unerträgliches Gefühl
der Ohnmacht bei ihm ausgelöst, das er seit Jahren unterdrückt.
17 Jahre später stellt er sich endlich diesem Trauma, aber das reicht nicht mehr.
Nein, er fühlt sich zur Verteidigung aller Opfer berufen,
zum Schutz aller Schwachen und opfert dafür seine Zeit,
seine Ehe und sein eigenes Leben.
Das Retter-Syndrom.
Und was kann diesen Umschwung verursacht haben?
Hyppolite! Aua, das hat wehgetan.
Wir müssen den Vorfall finden, der Dimitris Trauma wieder geweckt hat.
Verstehe, was suchen wir?
Eine schockierende Situation, der er auf die eine oder andere Art ausgesetzt war.
Okay.
Nein, nein, suchen Sie vielleicht besser in den Wochen vor seiner Anmeldung
bei diesem Schießstand. Geht das? - Chloé, dürfen wir erfahren, wonach du suchst?
Oh, das hier könnte was sein. Sehen Sie mal her.
Der 20. Oktober vor sieben Monaten. Da hat Dimitri die Polizei gerufen,
weil eine Frau vergewaltigt wurde, in einem Parkhaus. Er war Zeuge.
Werden Sie mal genauer.
Im Osten von Paris gab es sieben Verge- waltigungen innerhalb von vier Monaten.
Der Parkhaus-Vergewaltiger, natürlich! Der Fall, der nie gelöst wurde.
Wer hat in dem Fall ermittelt?
Ich habe Dimitri Saillan vernommen.
Er hatte eines der Vergewaltigungs- opfer gefunden. Das Vierte, glaube ich.
Wie hat er sich damals denn verhalten?
Er war erschüttert und ist stundenlang dageblieben.
Irgendwann hab ich ihn nach Hause geschickt und dachte, ich würde ihn nie wiedersehen.
- Doch es kam anders. - Genau.
In den Wochen darauf hat er mich immer öfter angerufen
und mir haufenweise Fragen gestellt. Er hatte ein paar verworrene Theorien.
- Er wollte uns helfen, doch auf diese Hilfe... - Ja, kann man verzichten.
- Hatten Sie denn beide noch Kontakt? - Nein.
Ich sah mich gezwungen, ihn einen Monat später vorzuladen
und ihn in die Schranken zu weisen, um weiter ermitteln zu können.
Und er schien das auch zu verstehen.
Seitdem hab ich nie wieder von ihm gehört, bis heute Morgen.
- Und wo stehen Ihre Ermittlungen jetzt? - Auf Null.
Die Vergewaltigungen hörten vor sechs Monaten auf. Warum wissen wir nicht.
Wir treten auf der Stelle.
Und so traurig es ist, der Fall wird nicht mehr vorrangig behandelt.
Könnten wir eine Kopie der Akte von Ihnen kriegen?
Kein Problem. Warum?
Weil Dimitri wohl nie damit aufgehört hat, in Ihrem Fall zu ermitteln.
Cassini hat uns alle Akten zukommen lassen.
Versuchen wir Dimitris letzte sechs Monate nachzuvollziehen,
besonders seine nächtlichen Aktivitäten. Na, dann. An die Arbeit!
Ich will jetzt keine SMS lesen. Bis später.
- Dann bis heute Abend. - Warte, Papa.
Ich wollte dir gestern noch was sagen, aber du warst so spät zuhause.
Was denn, mein Großer?
- Monsieur Rocher? - Ja?
- Guten Tag, Lucas. - Hallo.
Ich wollte Sie wegen Ihrer Frau etwas fragen.
Und ich wollte den ersten Elternabend ab- warten, um mit Ihnen darüber zu reden.
Dass sie morgen zu uns kommen wird, ja, das hat mich unheimlich gefreut.
- Wie bitte? - Wissen Sie, sie stellt morgen der Klasse ihren Beruf vor.
Lucas ist schon ganz aufgeregt, und ich freue mich sehr darauf, sie kennenzulernen.
- Das muss ein Miss- verständnis sein. - Papa.
Gibt es ein Problem?
Nein, es gibt kein Problem.
- Schön, dann bis morgen. - Bis morgen.
- Lucas? Er kommt sofort nach. Ich muss ihm noch etwas sagen. - Natürlich.
Hör mal zu. Ich bin dir überhaupt nicht böse,
aber warum erfindest du so was?
Tut mir ganz doll leid, ist mir einfach so passiert.
Ich weiß, dass es schwer ist, den anderen zu sagen,
dass deine Mutter nicht mehr da ist, aber ich wollte es deiner Lehrerin morgen sagen,
dann ist alles wieder gut, wie im letzten Jahr.
Das war es doch aber im letzten Jahr nicht, und davor auch nicht.
Ich will nicht mehr der sein, der keine Mutter hat.
Es tut mir so leid.
Aber du musst deiner Lehrerin trotzdem die Wahrheit sagen. Ja? Okay?
- Okay. - Und jetzt geh.
Warte kurz. Hey.
Ich denke mir was aus, okay? Wir schaffen das. Okay.
Und sag nichts.
- Hallo? - Ja. Rocher hier.
Ich hab Neuigkeiten über Dimitri.
Nach einiger Recherche habe ich Parkhäuser-Parkscheine gefunden.
- Die, in denen vergewaltigt wurde? - Ganz genau. Er war mehrmals in der Woche dort.
Dann haben wir jetzt den Beweis dafür, dass er weiter ermittelt hat.
- Ich brauche die Adressen. - Kommen sofort.
- Und Saint-Laurent soll sich auf den Weg machen. - Hat sie bereits.
- Ach ja? - Ja, denn langsam fange ich an zu verstehen, wie Sie funktionieren.
Tja, und dem passe ich mich an. Ich könnte zum Beispiel wetten,
dass ich ein Selbstgespräch führe, weil Sie schon längt aufgelegt haben.
Die Wette hab ich gewonnen.
Darf ich stören? Können wir kurz reden?
- Kennen Sie ihn? - Klar, das ist ein Bulle. Ist dem was zugestoßen?
Auf ihn wurde geschossen, und er war kein Bulle.
Was hat er denn immer hier gemacht?
Er hat mich gefragt, ob mir irgendwas aufgefallen ist oder irgendjemand.
Und dann hat er auch immer die Aufnahmen der Überwachungskameras mitgenommen.
So wie in den anderen Parkhäusern.
Er hat gesagt, er wäre an einem Fall dran und dürfte nicht darüber sprechen.
Okay. Vielen Dank. Auf Wiedersehen.
- Wiedersehen. - Vielen Dank.
Tja, dann wissen wir jetzt schon mal, wie Dimitri seine Ermittlungen betrieben hat.
Er nahm an, er würde was in den Aufnahmen finden.
Das passt zur obsessiven Art der Vorgehensweise.
Aber ich frage mich, warum wir noch von alldem noch nichts gefunden haben.
Wenn die Ermittlungen sich auf seine Ehe ausgewirkt haben,
dann bestimmt auch auf seinen Job. - Denke ich auch.
Das war heute Nacht. Ich wollte Dimitri anrufen, aber er ging nicht ran.
- Hier ist es. - Er geht auch nie wieder ran.
Denken Sie das Gleiche wie ich?
Da will einer Spuren verwischen.
Die Tür des Büros wurde nicht aufge- brochen, das heißt, der, der das war,
hatte Saillans Schlüssel und jetzt auch seinen Computer und alle Aufnahmen.
Das bedeutet: Dimitris Mörder ist der Parkhausvergewaltiger.
Die Spurensicherung hat keine Fingerabdrücke in seinem Büro gefunden.
Der Typ hatte Handschuhe an. Toll, oder?
Wie schätzt du das Profil des Vergewaltigers ein?
Er ist ein organisierter Sexualstraftäter. Er sucht sich Orte, die er gut kennt.
Schafft es, die Überwachungskameras zu umgehen,
und das Opferprofil ist eindeutig.
Er sucht sich blonde Frauen, verheiratet oder gebunden,
die immer abends allein ihre Einkäufe erledigen.
Na gut. Wenn wir Dimitris Mörder finden wollen, müssen wir den Vergewaltiger finden.
Wir brauchen Kopien von allen Über- wachungsaufnahmen aller Parkhäuser.
Kein Problem! Doch die alle zu sichten, wird enorm viel Zeit kosten.
Und die Aufnahmen haben auch keine Fotoqualität.
- Und die wurden doch damals ausgewertet. - Wir haben keine Wahl.
Dimitri hat etwas auf den Aufnahmen ent- deckt, was den Ermittlern entgangen ist,
und dadurch kam er auf die Spur des Vergewaltigers.
- Und? Haben Sie schon was? - Nein.
- Er wird deprimiert sein. - Vielleicht.
- Dabei ist er so nett. - Na ja, ich meine, wenn er sich...
- Sie wissen davon? - Diese Gabe habe ich von meiner Mutter.
Das ist, glaube ich, ein Sinn für Beobachtung
verbunden mit einer perfekten Kenntnis der menschlichen Natur.
- Und weiß Fred es auch? - Ja.
Wir müssen arbeiten.
Und was haben Sie vor, Chloé? Nein! Fassen Sie das nicht an! Oh Gott!
Und, auch nichts gefunden?
Und wir haben noch nicht mal 20 Prozent durch. Wir müssen die Sache eingrenzen.
Ich hätte eine große Bitte an Sie.
Und das fällt mir nicht sehr leicht.
Es geht um meinen Sohn.
Er hat seiner Lehrerin versprochen, dass seine Mutter morgen
vor der Klasse von ihrem Beruf erzählt. - Aha.
Ja. Ich weiß nicht, warum er sich das ausgedacht hat.
Womöglich versucht er auf diese Weise die Erinnerung an seine Mutter
zu bewahren. Indem er sie existieren lässt.
Können Sie mit ihm darüber reden, wer sie war und was geschehen ist?
Es geht hier um was anderes. Können Sie mir einen Gefallen tun?
- Ja, soll ich mit ihm reden? - Nein! Nein.
Eigentlich möchte ich, dass Sie sich als seine Mutter ausgeben
und morgen vor der Klasse sprechen.
Ich wusste, dass das jedem anderen irre vorkommen würde,
aber das Sie das verstehen. - Ja.
- Ich nehme das als Kompliment. - Schön.
Aber ich bezweifle stark, dass das eine Lösung ist, und das wissen Sie auch.
Ja, stimmt, und ich bin hin- und hergerissen, aber
ich würde ihm wahnsinnig gern diese Freude machen.
Wenn Sie gar nicht wollen, kann ich jemand anderen darum bitten.
Und wenn Sie doch wollen, aber nur morgen nicht können,
verschiebe ich einfach den Termin. - Nein, nein, nein. Um das Datum geht es nicht.
Doch, es geht um das Datum.
Also um die Daten. Ach so...
Wegen morgen... Ist in Ordnung.
Warum ist mir das nicht früher aufgefallen?
Zählt man die Tage zwischen den Verge- waltigungen kommen wir auf 40, 30, 21.
- Die Abstände werden kürzer. - Das ist ein klassischer Mechanismus.
Der Vergewaltiger will die Häufigkeit seiner Taten erhöhen.
Er gewöhnt sich an dieses Gefühl der Befreiung.
Vor der letzten Vergewaltigung waren es doch aber 14.
Ja, vier Tage mehr als bei dem Mal davor. Mitten in der Steigerung.
So ein Mechanismus kann nicht gebremst oder umgekehrt werden.
Er kann bis zur nächsten Tat keine 14 Tage verstreichen lassen. Unmöglich!
Dann gab es noch ein weiteres Opfer?
Leider erstatten nicht alle Vergewaltigungsopfer Anzeige,
und der Vergewaltiger ist zu klug, um gefilmt zu werden.
Doch, und da bin ich mir sicher, wir werden dieses Opfer finden,
von dem noch niemand weiß. - Das heißt, ein Opfer fehlt uns.
Ein Übergriff, der nicht gemeldet wurde.
Konzentrieren wir uns auf die Woche um den 21. November.
Am Abend des 21. habe ich nichts.
Hier habe ich was. Am 22. Ist zumindest auffällig.
Sie wirkt desorientiert. Reibt sich, als würde sie sich schmutzig fühlen.
Sie steht unter Schock. Das ist sie!
Falls Dimitri sie identifiziert hat, könnte er durch ihre Aussage
den Vergewaltiger gefunden haben? - Ich werde mal ihr Nummernschild vergrößern.
Da haben wir sie. Isabelle Garambois.
Guten Tag. Hauptkommissar Rocher. Chloé Saint-Laurent, Kriminologin.
- Guten Tag. - Sind Sie Isabelle Garambois?
- Ja, wieso? - Hätten Sie einen Moment Zeit für uns?
Ja, natürlich.
Entschuldigen Sie kurz.
Es ist nichts. Ganz ruhig, mein Schatz. Es ist nur die Polizei.
Also mach dir keine Sorgen. Du siehst müde aus.
Ich bin gleich wieder da.
Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Dass er jetzt wirklich tot ist.
Aber warum hat er mir erzählt, dass er Polizist wäre?
Weil er Ihnen helfen wollte.
Er war bei Ihnen wegen der Vergewal- tigung, der Sie vor einigen Monaten
zum Opfer gefallen sind, nicht wahr? - Ich will nicht darüber sprechen.
Mein Mann soll auf gar keinen Fall etwas davon erfahren.
Es würde ihn sonst umbringen, verstehen Sie?
- Hatte Ihr Mann einen Unfall? - Er hat im Sommer einen Schlaganfall gehabt.
Es ist Glück im Unglück, dass ich Ärztin bin und meinen Mann pflegen kann.
Ich will ihm diese Sache nicht zumuten.
Glauben Sie denn nicht, dass Ihr Mann im tiefsten Innern schon etwas ahnt?
Eine Vergewaltigung ist immerhin ein Trauma, das...
Wenn ich etwas nicht brauche, dann ist es Mitleid. Das war schon immer so.
Meine Mutter hat mich und meine Schwes- tern allein erzogen und viel gearbeitet.
Aber sie hat uns beigebracht, Schicksalsschläge abzulehnen.
Es abzulehnen, ein Opfer zu sein.
Das, was Ihnen passiert ist, macht aus Ihnen keinen schwachen Menschen.
Das Parkhaus. Das Neonlicht.
Die Schritte hinter mir, die Hände, die mich gepackt haben.
Diese blauen, eiskalten Augen. Ich will das nicht noch einmal durchleben.
Es tut mir leid. Ich habe Ihnen nichts weiter zu sagen.
Und ich flehe Sie wirklich an, lassen Sie mich in Ruhe.
Es ist alles in Ordnung, mein Schatz. Alles gut.
Und gleich geht es dir wieder besser.
Zumindest wissen wir, dass Dimitri durch sie auf die Spur des Vergewaltigers kam.
Und sich jeglicher seelischer Belastbarkeit verschließt?
Das Problem mit der Verdrängung ist der Bumerangeffekt. Und der wird kommen.
Jedenfalls hat sie uns immerhin ein neues Indiz geliefert.
Ja. Die blauen Augen.
Keines der Opfer hat das erwähnt, nur wie hat das Dimitri weitergebracht?
Befragen wir auf dieser Basis die Opfer doch noch mal.
Solch ein Detail kann Erinnerungen wachrufen.
Ich werde sie vorladen, aber das kann Zeit kosten.
- Und, wollen wir dann? - Ja.
Also dann. Ruhe Kinder! Seid ruhig!
Also, heute erzählt die Mama von Lucas uns hier etwas über...
Kriminologie.
Über Kriminologie.
- Weiß denn einer von euch schon, was das ist? - Nein.
Ganz leicht. Das Wort kommt vom Lateinischen
"krimen" und vom Alt-Griechischen "logos".
- Logos? Krimen? - Ist die doof.
- Wisst ihr, was ein Krimineller ist? - Ja.
Mein Vater hat gesagt, die soll man einsperren
und den Schlüssel in einen Brunnen werfen.
Das könnte man machen, aber sollte man nicht
erst einmal versuchen, ihn zu verstehen?
Wir nehmen zum Beispiel einen Mörder.
- Oder besser vielleicht einen Dieb? - Ja, ein Dieb geht auch.
Ist kein Problem. Eins müsst ihr verstehen.
Der Ursprung seiner Taten befindet sich irgendwo zwischen dem Erlebten,
seinem sozialen Umfeld und dem, wie seine Psyche diese Elemente interpretiert.
Und dieser Mechanismus sitzt im...? Gehirn. Ich nehme an, das kennt ihr?
- Ja. - Ich hab eins für euch.
Das hab ich aus der Gerichtsmedizin.
Hey, du hast ja eine coole Mutter.
Ein Kleinhirn hab ich auch noch für euch.
Vielen Dank, Madame Rocher, das war - wie soll ich sagen - überaus lehrreich.
Nichts zu danken. War mir ein Vergnügen.
- Ich komme auch gerne noch einmal. - Ach nein, das müssen Sie nicht.
Wir haben ja noch so viele andere Eltern
und die wollen ja auch von ihren spannenden Berufen erzählen.
- Na, du? Stimmt was nicht? - Doch, es war super.
Meine Freunde finden meine Mutter voll cool.
Sie fehlt mir doch genauso wie dir.
Weißt du, was deine Mutter konnte, was noch viel cooler ist?
Komm, ich zeige es dir.
Deine Mutter konnte die Uhrzeit mit Hilfe der Sonne lesen.
- Stimmt das? - Und wie das stimmt. Dein Opa hat ihr das beigebracht.
Sie hatte niemals eine Uhr, war aber immer pünktlich.
- Ob ich das auch lernen kann, Papa? - Aber klar.
Das wird jeder Generation weiter- gegeben. Du hast es im Blut.
Das würde ich gern meiner Lehrerin erzählen. Darf ich das?
Das halte ich für eine supertolle Idee.
Na los.
- Ist alles in Ordnung? - Ja.
Was hat Sie aber geritten, den Kids Gehirne zu zeigen?
- Haben Sie noch alle Tassen im Schrank? - Ja, lassen Sie es raus.
Das ist Ihre Art, sich für etwas zu bedanken.
Danke.
- Sagen Sie, war ich zu theoretisch? - Nein. Nein.
Ach, Fred hat geschrieben, sie hat drei der Opfer
des Vergewaltigers ins Revier bestellt. Sie warten auf uns.
Okay. Das sollten wir sanft angehen.
Ich weiß, dass das sehr schmerzhaft für Sie sein muss.
Aber jedes Detail könnte wichtig für uns sein.
Es fällt einfach noch immer schwer.
Würden Sie mir erzählen, was genau an dem Abend passiert ist?
Ich bin mit dem Auto meines Mannes einkaufen gefahren.
Und das Parkhaus war menschenleer.
Ich bin zum Auto gelaufen und als ich die Tür aufschließen wollte,
hat er mich von hinten gepackt und seine Hände fest um meinen Hals gelegt.
Dann hat er mir zugeflüstert, dass er eine Waffe hätte
und dass ich mich nicht umdrehen soll und das ich tun soll, was er sagt.
Sein Gesicht habe ich nicht gesehen. Er trug nämlich eine Strumpfmaske.
Er hat mir den Rock runtergerissen
und da habe ich gedacht, dass jetzt alles aus wäre, dass ich sterben würde.
Eine von Ihnen hat gesagt, Ihr...
...Vergewaltiger hatte blaue Augen.
Haben Sie trotz der Maske seine Augen sehen können?
Sie wollen wissen, ob er blaue Augen hatte? Geilen Sie sich auf, oder was?
- Überhaupt nicht. - Was soll denn dann diese Frage?
Wird das ein Test, ob ich mir ihn bloß eingebildet habe?
Glauben Sie, es reicht mir nicht, dass ich das immer wieder durchleben muss.
Das ist für sie viel zu hart. Scheiße.
Sie verheimlichen uns was.
Etwas, wofür sie sich schämen, irgendwas Intimes.
Ich will mich ja nicht einmischen, aber ist für ein Vergewaltigungsopfer
ein Schamgefühl nicht normal? - Ja, die Scham vor anderen, das Gefühl,
dass man eine Mitschuld, eine Mit- verantwortung für das alles trägt.
Nein, aber das hier ist anders.
Wie kommen Sie darauf?
Wegen der Aggressivität Rocher gegen- über. Ihre Ticks, ihre Körpersprache.
Zum Beispiel haben alle einen Ehe- mann, eine von ihnen trägt den Ring
aber nicht, eine trägt einen anderen Ring und eine spielt so am Ring herum,
als würde sie sich ihn gern abziehen wollen.
Was hat sich in Ihrem Verhältnis zu Ihrem Mann geändert?
- Wie, was? - Chloé Saint- Laurent. Unsere Kriminologin.
Gibt es so ein Gefühl, als ob er Sie verraten hat?
Ist das ein ambivalentes Gefühl?
Ihr Mann kann nichts dafür und Sie fühlen sich deswegen schuldig.
Wieso? Sie sind ihm böse, wieso?
Wegen seines Geruchs. Das Schwein trug das Parfüm von meinem Mann,
und seitdem kann ich ihn nicht mehr...
Ich kann sein Parfüm nicht mehr riechen, ohne sofort an dieses Schwein zu denken.
Alle haben es bestätigt. Der Ver- gewaltiger trug das gleiche Parfüm
wie ihr Mann oder Lebensgefährte. - Also jedes Mal ein anderes Parfüm.
Ein Parfüm ist etwas Persönliches.
Ein Duft, der sich aufdrängt. Den man riechen soll, ob man will oder nicht.
Ich habe sie gezwungen, dieses Parfüm,
diese Intimität ihrer Partnerschaft zu riechen.
Auf die Art hab ich sie mir ange- eignet. Ich hab Angst vor Frauen.
Ich hasse das, was ich bin, aber sehne mich nach Liebe.
Also nehme ich symbolisch den Platz eines Mannes ein,
dessen Frau ich besitzen möchte. Wenn ich das Parfüm ihres Mannes trage,
ist es keine Vergewaltigung mehr, sondern ein Liebesakt.
Und das ist es, was ich auf dieser Welt am meisten begehre. Diese Liebe.
Diese Liebe, die ich jedoch nie finden kann, wenn ich immer nur ich selbst bin.
Der Vergewaltiger kannte das Parfüm der Partner des jeweiligen Opfers.
Dann waren es keine Zufallsopfer.
Er hat sie verfolgt.
Alle Opfer haben bestätigt, dass sie das Parfüm ihrer Partner selbst gekauft haben,
und zwar in der gleichen Parfümerie-Kette.
Der Vergewaltiger wird wohl für die arbeiten.
Ich logge mich auch soeben in deren Personallisten ein.
Gut, dreh dich nicht um. Nein, Fred, nicht umdrehen, sage ich.
Du darfst nicht Zeugin eines Hacker- angriffs auf eine Firma werden. Vielen Dank.
Das Parfüm hier habe ich schon mal gerochen.
Ich glaube, das kenne ich hier aus dem Revier.
Wow, das riecht ja sexy. Total wild, oder?
Das benutzt mit Sicherheit dieser Typ aus der Drogenfahndung.
Na, den werde ich mir mal jetzt schnappen.
Das ist meins!
- Ich trage es bereits seit Jahren! - Ach.
Ist für böse Jungs. Na, das war ja knapp.
Gut, das sind alle Verkäufer der Parfümerien.
Kann das auch dein Drogenfahnder? Na klar!
Was haben wir denn da? Sag bloß, wir haben einen Volltreffer.
Yvon Losserin, er ist Ausbilder, und so wie es aussieht
immer in den Parfümerien unterwegs.
Und er war zur gleichen Zeit wie die Opfer in den jeweiligen Parfümerien.
Und? Gibt es schon was Neues?
Na ja, wir sind gerade auf was gestoßen, das funktionieren könnte.
Der Typ hier heißt Yvon Losserin, er könnte passen.
Noch dazu gibt sein Arbeitgeber an, dass er seit sechs Monaten
von der Bildfläche verschwunden wäre.
- Zu der Zeit haben die Vergewaltigungen aufgehört. - Genau. Hier, das ist er.
Der Mann von Isabelle Garambois. Ihr Mann.
- Der Schlaganfall. Deshalb hat er aufgehört. - Ist ja ein Ding.
Leute, nach dem, was ich hier sehe, war er nie in einer Klinik,
und vor allem war Isabelle Garambois niemals verheiratet.
Was soll denn das jetzt, bitte? Glauben Sie, er hat die Behinderung simuliert?
Ich habe keine Ahnung.
Vielleicht hat er Isabelle mani- puliert oder er beherrscht sie.
Aha. Dann lebt sie seit Monaten in panischer Angst. Los geht's!
Polizei! Ganz vorsichtig.
Ist hier jemand?
Seltsam, dass es keine Spuren eines Kampfes gibt. Sie ist ihm einfach gefolgt.
Dieses Schloss. Da stimmt etwas nicht.
Nein. Sie ist ihm nicht gefolgt, er ist das Opfer.
Gleich geht es dir wieder besser.
Isabelle hat von ihrer Mutter gelernt, stark zu sein
und die Dinge nicht einfach hinzu- nehmen. Sie kann kein Opfer sein.
Nach der Vergewaltigung leidet sie natürlich, und zwar so sehr,
dass sie nicht zur Normalität zurück- finden und keine Anzeige erstatten kann.
Dieses Schuldgefühl ist so furchtbar. Sie muss dieses Schuldgefühl, das an ihr nagt,
wieder loswerden, um zu überleben.
Sie muss wieder die Macht übernehmen und sucht den Vergewaltiger,
der sie zerstört hat
und vertauscht die Rollen.
Sie ist es. Sie hält ihn seit sechs Monaten gefangen, nicht umgekehrt.
Sie hat die Rache der Justiz vorgezogen, um niemals ein Opfer werden zu müssen,
und sie lässt ihren Peiniger genau das durchleben,
was das Schlimmste für eine narzisstische, herrschsüchtige Persönlichkeit ist.
Zu einem Sklaven gemacht und beherrscht zu werden.
Und als Dimitri Saillan sie gefunden hat, musste sie verhindern, dass das auffliegt.
Sie tötet ihn, um ihre Rache zu wahren, und sie bricht in sein Büro ein,
um die Spuren zu verwischen.
Sie weiß, dass wir hinter ihr her sind, also ist sein Leben keinen Pfifferling mehr wert.
Hyppolite?
Isabelle Garambois? Ja, verstanden.
Ich überprüfe ihre Kreditkarten-Bewe- gungen und werde ihr Handy verfolgen.
Man kann ja nie wissen.
Soll ich zur Sicherheit die Luft- und Grenzschutzpolizei informieren?
- Verzeihung? - Einen Moment, bitte.
Ich bitte um Verzeihung.
Ich glaube, Sie suchen mich.
Ich habe jetzt alles erledigt und Sie können mich festnehmen.
Herr Hauptkommissar, könnten Sie sofort zurückkommen? Es ist dringend.
Sie werden sich vielleicht an mich erinnern. Chloé Saint-Laurent. Ich bin Psychologin.
Hören Sie, ich...
Das war alles sehr, sehr schwer für Sie.
Das, was Sie erlebt haben und was Sie, um da wieder rauszukommen,
alles angestellt haben, das kann wohl niemand in Worte fassen.
Ich war es.
Ich habe diesen Mann getötet. Dimitri Saillan.
- Das wissen wir. - Ich bereue es.
Er hat mich angefleht und mir gesagt, er wäre kein Polizist
und will mir nur helfen, aber ich hatte keine Wahl.
Er hätte Ihre Rache durchkreuzt, und nur das ist das, was zählt.
Und jetzt muss ich nur noch eins von Ihnen wissen.
- Wo ist Yvon Losserin? - Sprechen Sie nicht von ihm.
Ich bin schuldig! Ich gehe dafür ins Gefängnis,
aber niemand soll mehr über ihn sprechen.
Und das spielt jetzt sowieso keine Rolle mehr.
Es ist vorbei. Genau. Und wenn Sie möchten, können Sie es doch sagen.
Es sei denn, er ist noch am Leben.
Seine Augen. Dieser Blick.
Er ist mir schon aufgefallen, als ich in der Parfümerie war,
und ich habe ihn auch sofort er- kannt, als er mich vergewaltigt hat.
Und heute wollte ich ihn töten, aber er hat mich
mit diesen furchtbaren Schlangenaugen angeblickt,
und da habe ich nur in die Luft geschossen.
Würden Sie mir sagen, wo er ist?
Seinetwegen hat mich mein Lebensgefährte verlassen.
Er hat mein Leben zerstört.
Und deswegen werde ich Ihnen nicht sagen, wo er ist. Das hat er verdient.
Yvon hat sieben weitere Frauen vergewaltigt.
Wenn Sie nur Ihr persönliches Bedürfnis nach Rache befriedigen wollen,
verwehren Sie diesen Frauen zu ihrem Recht zu kommen.
Das dürfen Sie ihnen nicht antun.
Vielleicht war Yvon Ihr Gefangener.
Sie aber, Sie waren Gefangene Ihrer persönlichen Rache.
Also reden Sie mit mir, sonst bleiben Sie es.
Er liegt in meinem Kofferraum. Das Auto steht im Parkhaus.
Also dort, wo alles begonnen hat.
Vielen Dank.
An alle Wagen. Wir suchen ein Fahrzeug mit dem Kennzeichen
2025-YB92, Farbe grau.
Verstanden. Verstanden. Wir sind in der dritten Etage.
Da vorne.
- Danke. - Bedanken Sie sich nicht zu früh.
Wir verhaften Sie hiermit wegen achtfacher Vergewaltigung.
Ihr Martyrium beginnt gerade erst. Na, dann wollen wir mal.
Sie hatte das Recht, die Wahrheit über ihren Mann zu erfahren.
Nun weiß sie, dass sein Tod nicht umsonst war.
Ein Straftäter kommt dank ihm ins Gefängnis.
- Soll ich Sie irgendwo absetzen? - Ich...
Ich weiß noch gar nicht genau, wo ich jetzt hin will.
Oh, ist ja ganz toll. Sie wissen es auch. Und sagen Sie mir woher?
Ich bin nun mal ein Bulle. Ist aber eher eine komplizierte Geschichte, hm?
Nein, es ist nur...
Ich bin es nicht gewohnt, mich in so was hinein zu projizieren.
Ich glaube, ich brauche die Sicherheit, Vertrauen haben zu können
und dass nichts Schlimmes geschehen wird,
denn falls es einmal wehtun könnte, weiß ich nicht, ob ich das verkraften würde,
- denn gerade Schmerz ist etwas, womit ich gar... - Gott sei Dank sind Sie besser
darin, Kriminelle zu verstehen.
Diese vielen Fragen bringen doch nichts.
Wenn Sie scharf auf ihn sind, dann los.
Aber nicht, dass dann gleich Chaos bei unserer Arbeit ausbricht.
- Chloé? - Ja, ja, ich weiß, ich weiß, ich hätte anrufen sollen,
aber ich wollte dir kurz sagen, dass ich nachgedacht habe,
und ich hoffe, dass das mit uns funktioniert.
Darf ich stören? Valérie Hoffman, freut mich.
Treffen wir uns zuhause?
Tut mir leid, Valérie, darf ich vorstellen?
Chloé Saint-Laurent, wir arbeiten zusammen an einem Fall
und sie ist hier wegen eines Berichts. - Guten Abend.
Freut mich.
- Der Bericht. - Unser Sohn wartet auf mich. Ich muss los.
Nein, nein, ich bin schon wieder weg. Entschuldigen Sie die Störung.
Chloé? Ich würde darüber gern morgen mit Ihnen sprechen.
Ich glaube, dass ich da nicht kann. Die Termine, wissen Sie?
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