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Original subtitles

Innsbruck Hauptbahnhof.

Der Schnellzug nach Amsterdam steht am Gleis 4 einsteigebereit.

Idiotisch.

Idiotisch.

Wie kann ich Ihnen helfen, mein Herr? - Gustav Mahler. Dr. Freud erwartet mich.

Mein Herr, Doktor Freud.

Freud. - Angenehm, Mahler.

Angenehm. Wie war die Anreise?

Angenehm.

Ich bin eigentlich unterwegs nach Sizilien.

Habe für Sie meinen Urlaub unterbrochen.

So, bitte.

Herr Gott noch einmal! Ich habe das schon vor einer Stunde bestellt.

Verzeihung, der Herr. Wohin? - Gleich hier, bitte.

Bitte, machen Sie es sich bequem!

Ich habe genug im Zug gesessen.

Mein Tee? - Der Tee.

Danke, das mache ich schon selbst.

Was kann ich für Sie tun, Herr Direktor Mahler?

Sie...

Wir - Sie erwähnen ein Eheproblem mit Ihrer Frau.

Wie viel jünger ist sie als Sie? - Tut das was zur Sache?

Ja.

Wenn Sie möchten, könnten wir mit der Sitzung beginnen.

Das ist doch nich zu ...

Ja? - Der Tee, bitte.

Ich muss an die Luft. Ich kann das nicht. - Was?

Werter Herr Direktor Mahler - Darf ich?

Vor sechs Wochen baten Sie mich um Hilfe.

Trotz Urlaubs gab ich Ihnen einen Termin.

Sie schrieben mir ab. Auch den zweiten Termin.

Und auch den dritten Termin.

Ich kann das nicht.

Das grenzt an Beleidigung. - Ja und?

Ich lasse mich nicht verkaspern. - Zu spät.

Ich habe nur eine Frage: Glauben Sie, dass ein alter, verhärmter Mann

eine junge, lebenshungrige Frau an sich ketten sollte?

Wissen Sie eigentlich, wie glücklich wir sind?

Machen Sie sich eine Vorstellung davon?

Wie sehr wir uns lieben, mit der Musik?

Es ist geschafft! Die Sechste ist fertig.

Gustav. Gratuliere!

Glück..

Sie betet mich an. Ich liege ihr zu Füßen.

Wir sind rasend vor Liebe. Seit über neun Jahren.

Liebesglück.

Höchstes Glück. Höchste Wonne, die ein Mensch erleben kann.

Wozu konsultieren Sie mich?

Was gibt's zu glotzen?

Ja, na kommen Sie doch!

Danke.

Kommen Sie doch endlich!

Meine Tochter beschwert sich immer, dass ich so schnell gehe. Sie sind noch schneller.

Meine Frau betrügt mich.

Ich wurde nicht verführt.

Ich wollte mit ihm schlafen. Wir haben uns leidenschaftlich geliebt.

Wenn das einmal - Nein, nicht nur einmal.

Jede Nacht, die ich im Sanatorium war.

Mehrmals.

Ich war am Verdursten.

Seit ich kein Direktor mehr bin,

kann ich mich mehr um meine Sachen kümmern. - Ihre Kompositionen?

Ja. Wir haben noch die Wohnung in Wien, aber wir sind viel in den Dolomiten.

Bin aber auch viel unterwegs. War zweimal zu Gastdirigaten in den USA.

Die Alma war dabei, aber ihre Gesundheit ist irgendwie schwach. Sie ist sehr anfällig.

Dazu noch die Schwangerschaften. - Abtreibungen.

Letztes Jahr war sie in Levico auf Kur. Diesmal in Tobelbad.

Wenn mein Schwiegersohn Probleme mit Alma hat, kommt er zu mir.

"Liebste Mama, ich bin beunruhigt durch Almschis Briefe."

So nennt er sie. "Sie haben einen so eigentümlichen Ton."

"Was geht denn da vor?"

Ich habe jetzt meine Schlammbadkur und komme dann zu dir.

Schön.

Was ist? - Mein Mann hat sich zu Besuch angesagt.

Hierher ins Sanatorium? - Voriges Jahr in Levico, da kam er ohne Haar.

Er war beim Dorffrisör eingeschlafen.

Ich konnte nicht hinsehen, nicht mit ihm schlafen.

Er fuhr traurig wieder ab. - Du solltest uns vorstellen!

Du bist verrückt.

Wann kommt er? - Das überlässt er mir.

Ich lasse ihn kommen. - Und du stellst uns vor?

Wenn es sich ergibt, Liebling.

"Ich will Sonntag nach Altschluderbach fahren." Das ist die Sommerresidenz.

Zehn Zimmer in einem Bauernhof bei Toblach in Tirol.

"Bitte schreibe mir, ob du es für angezeigt hältst,

dass ich lieber nach Tobelbad zu Almschi gehe!"

Das ist das Sanatorium bei Graz, wo sie sich von ihm erholt.

Warum liebst du mich?

Weil du schön bist.

Mumm

Und dein Körper ist schön.

Küsse mich!

Verstehen Sie's nicht falsch, mein Schwiegersohn und ich lieben uns.

Aber durch die dauernde Hetzjagd an seiner Seite wurde meine Alma nervenkrank.

Armer Gustav.

Er kommt.

Wann? - Morgen.

Hast du vor, deinen ehelichen Pflichten nachzukommen?

In meiner Liebe zu ihr fürchtete ich, dass die ärztliche Behandlung nicht klappt.

Verdacht? - Unsinn! Da war kein Verdacht.

Ich fuhr von München über Wien direkt ins Sanatorium bei Graz.

In München war es grandios. -Ja?

Die gesamten 250 Sänger warteten Schlag 8 Uhr auf mich und standen ehrfurchtsvoll auf.

Das war kolossal. Fräulein, nehmen Sie den Leuchter weg, bitte!

Was habe ich gerade gesagt? Ach ja.

Die ungenügende Besetzung wirkte kolossal. - Ungenügend?

Na, du weißt doch, geplant sind über 800. - Ja, natürlich.

Das Orchester hat nach der Probe getobt. - Toll.

Als ich eintrat, kamen mir der Fried und der Klemperer entgegen. - Das ist fesch.

Jetzt bin ich nur noch müde. - Gut!

Ich meine, jetzt kannst du hier entspannen. Danke.

In München kann man ja vor lauter Autohupen nicht mehr schlafen.

Ich hoffe, dass das hier besser wird.

Obwohl, die Viecher - Gustav?

Ich möchte dir Herrn Gropius vorstellen.

Guten Abend. Herr Direktor, ich bin Walter Gropius.

Freut mich. Sind Sie auch - Er ist Architekt.

Er hat wundervolle Ideen. Architektur für alle.

Klare Linien, undekoriert.

Gesunde Gebäude für die Arbeiter. Glas, Stahl, Beton.

Nichts Muffiges. - Interessant.

Wir hatten ein paar sehr gute Gespräche.

Hier haben Sie nichts gegen Muffiges?

Ich mache gerne einen Spaß.

Ist nett, dass Sie sich um meine Frau kümmern.

Einen schönen Abend noch.

Glas, Stahl, Beton

Nichts Muffiges!

Gustav war zwei Tage in Tobelbad, danach ins Sommerhaus.

Er schreibt: "Liebe Mama, nur in wenigen Worten,

dass ich Almschi viel frischer und fester angetroffen habe

und der festen Überzeugung bin, dass die Kur sehr gut anschlägt.

Bitte rede ihr zu, dass sie so lange wie möglich dort bleibt!"

Sie hatten keinen Verdacht? - Es stand ihr nicht auf der Stirn.

Hatten Sie ehelichen Verkehr? - Sie wiederholen sich.

Also keinen Verkehr.

Das Zimmer war ungastlich.

Bin dann ins Sommerhaus, hab' versucht zu komponieren. - Ihre Fünfte?

Ich bin an meiner Zehnten. Sie haben lange nichts von mir gehört.

Ich habe noch nie etwas von Ihnen gehört.

Was? - Nein.

Ich brauche Stille. Vor allem beim Arbeiten.

Da sollten Sie mich mal erleben.

Ich führe Schlachten gegen jeden Lärm.

Die Bauern gehen für mich auf Zehenspitzen ums Haus, dass die Wände wackeln.

Aber Musik? Musik ist doch kein Lärm.

Der Allergefährlichste. - Was meinen Sie damit?

Leiden Sie an Migräne?

Ja, hab' schreckliche Attacken hinter mir.

Äußerst unangenehm. - Synkopen?

Ich liebe Synkopen.

Nein, nein.

Als Synkopen bezeichnen wir in der Medizin Attacken kurzer Bewusstlosigkeit.

Werden bei bestimmter Disposition durch Musik hervorgerufen.

Ich hatte drei solcher Anfälle. -Ja?

Im Parkhotel, in München.

In der Halle.

Es war ein Klavier.

Nein... Meine Selbstanalyse diagnostizierte eine musikogene Epilepsie.

Musikog...? Nein! - Ja.

fürchtete [EIER

Und jetzt nicht mehr?

Ich habe Don Giovanni entdeckt.

Der tut Ihnen nichts?

Erkennen Sie's?

Tut mir leid.

Erzählen Sie weiter!

Naja, dann kam die Alma aus Tobelbad zurück.

Aus dem Sanatorium? - Ja.

Und mit ihr die Ruhe. Ich konnte sofort wieder komponieren.

Was ist sie eigentlich für Sie?

Mutter, Ehefrau, Haushälterin, Kritiker, Muse?

Gefährtin.

Vertraute. Freundin.

Geliebte.

Sie ist mein Alles.

Zentralpunkt.

Ja.

Mein Zentralpunkt.

Bis..

Alma?

Was ist das?

Alma!

Mama! Was ist los?

Gusti!

Was ist? Was hast du?

Was ist das?

Erklär mir, was das ist!

Geh ins Haus zu Oma, sofort!

Da, lies! Erklär's mir!

Bist du wahnsinnig? Du machst ihr Angst.

Erklär mir das!

Woher hast du das? Wer hat dir das

Wie hat Ihre Frau reagiert?

Dich. Mahler.

Was hat sie vorgebracht?

Ich weiß es nicht.

Lass die Tür offen!

Deine auch, bitte.

Ich will dich schlafen hören.

Alma?

Ich bin zu alt für dich.

Von Anfang an.

Meine Musik. Mein Lied.

Jetzt plötzlich. Warum?

weil's gut ist.

Nicht nur gut, sondern sehr gut.

Komm!

Wir arbeiten dran.

Nach zehn Jahren Komponierverbot.

Almschi, ich hab' so auf dich gewartet.

Er hat mir aufgelauert. - Wer? Dein Herr Gropius?

Unter der Brücke. Ich hab' mich erschrocken.

Hast du mit ihm geredet? - Nein.

Wirklich

Du verschweigst nichts? - Du weißt alles.

Alles.

Gut, dann gehe ich ihn holen.

Nein. - Doch. Er soll sagen, was er will!

Sie wissen, wie wir zueinander stehen.

Wir lieben uns und wollen uns nicht mehr trennen.

Ich mag keine Lügen.

Wir sind fast gleichaltrig, haben dieselben Interessen.

Dieselbe Lebens- und Liebesleidenschaft. - Was?

Meine Karriere beginnt, Formen anzunehmen. Deshalb bitte ich Sie, Herr Direktor Mahler,

geben Sie sie frei!

Alma verdient ein ihrem Alter gemäßes, erfülltes Leben.

Eine ehrenvolle Lösung wäre am besten.

Ehrenvoll? - Das Schicksal scheint es so zu wollen.

"Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten", sagt Goethe.

Machen Sie sich um mich keine Sorgen!

Sie vergessen nur, dass Sie von der Ehefrau Mahlers reden.

Ihr versehentlich an mich gerichteter Brief zeigt schülerhafte Unreife.

Als ehrenvolle Lösung würde ich eher ansehen,

dass Sie Ihr eigenes Weibchen finden zum Nestbau.

Und nicht, dass Sie es rauben wie ein Dieb. - Ein Lebensretter.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie einmal Ehe erleben wie Alma und ich.

Neun Jahre lang. Höchstes Glück und tiefstes Leid.

Mumm

Sie stehen vor Zweien, die die Musik auf ewig verbunden und erfüllt hat.

Deren Sprache beide sprechen. Womit wollen Sie ihr das jemals ersetzen?

Womit? Mit Ihren klaren Linien?

Solange Sie nicht mit Ihrer Frau vor dem Grab eines über alles geliebten Kindes standen,

wissen Sie nichts. - Dein Herz

Sie wissen nichts.

Nichts.

Es ist an dir, Alma, eine Entscheidung herbeizuführen.

Ich werde dich an nichts hindern.

Ich will dein Kind!

Alma.

Alma, wo stehst du?

Ich kann ihn nicht verlassen. Ich kann nicht wieder von vorne anfangen.

Du musst warten!

Es bringt ihn sonst um.

Ich bin dein Weib, aber ich muss ihm weiter dienen.

Wir schreiben uns.

Wir sehen uns. Wir lieben uns.

Ich sage ihm, dass ich bei ihm bleibe.

Warum hast du mich kommen lassen?

Geh jetzt, bitte!

Es ist gut.

Mein Gott, was ist? Mama!

Um Gottes willen!

Er glüht.

Sind Sie auch so hungrig?

In meiner Praxis in Wien wäre unsere erste Stunde um.

Sie würden nächste Woche wiederkommen. - Dann gehen wir essen! Ins Hotel.

Ohne Lärm. - Einverstanden. Wo sind wir eigentlich?

Ja, das ist falsch. Wir sind in der Irre. Typisch!

Die Wahl Ihrer Frau hat Sie nicht beruhigt? - Warum?

Warum hätten Sie mich sonst konsultiert? - Ja, ich versinke in einer Verzweiflung.

Das frisst mich auf. - Hatte Ihre Frau die Finanzen im Auge?

Bitte?

Als schuldhaft Geschiedene verlöre sie alle ihre Ansprüche.

Das ist nicht in Almas Wesen.

Da.

Versuchen Sie, sie zu bestrafen?

Ganz im Gegenteil. Ich versuche, ihr zu vergeben, aber das ist nicht immer einfach.

Ich lese jeden Wunsch von ihren Lippen ab, liebe sie wie nie zuvor.

Wie steht's mit dem ehelichen Verkehr? - Sie wiederholen sich.

Diese Tabuhaltung in sexuellen Dingen ist wie ein Krebsgeschwür.

Es macht uns alle zu seelischen Krüppeln.

Ja, die Schuld meiner Frau - Nein, ob Sie Schuldgefühle haben.

Schuld? um

Meine Schuld besteht vielleicht allein darin, dass ich zu alt bin für meine Frau.

Sonst biete ich ihr ein erfülltes Leben.

Meine Frau hat Ehebruch begangen. Nicht ich.

Ich habe wegen Ihrer Ankunft heute schon um zwölf Uhr zu Mittag gegessen.

Ansonsten speise ich pünktlich um ein Uhr.

Sie als Künstler sind da wahrscheinlich etwas freier.

Freier?

Mein Schwiegersohn rumpelt um sieben Uhr auf.

Frühstück, Arbeit, um neun in die Oper.

Punkt ein Uhr: Mittagessen.

Der Diener ruft aus der Oper an, wenn er geht.

Mahler läutet unten am Haus.

Worauf die Suppe oben im vierten Stock auf den Tisch muss.

Die Wohnungstür muss offen sein.

Damit er nicht warten muss.

Er stürmt durch alle Zimmer, wirft wie der Wind Türen vor sich her,

wäscht sich die Hände, sie setzen sich zu Tisch.

Appetit. Appetit.

Kurze Siesta.

Dann entweder viermal um das Belvedere herumgerannt oder die ganze Ringstraße.

Punkt fünf Uhr: Jause. Dann in die Oper.

Dirigiert er nicht, bleibt er einen Teil der Aufführung. Alma holt ihn ab.

Ist er im Büro noch nicht fertig, sieht sie die Oper an,

bleibt aber nie länger, als er zu tun hat.

So gibt es viele Opern, von denen sie nie das Ende gesehen hat.

Er meint, sie habe nichts verloren, wenn sie das nicht weiß.

Zuhause nach dem Nachtmahl

legen sich beide auf ein Sofa, plaudern oder Alma liest ihm vor.

Der letzte Zug ist heute schon weg.

Außerdem war der Tag lang.

Gute Nacht.

Ich nehme die meine mit hinauf. Ich habe noch zu tun.

Ich auch.

Dann sehen wir uns beim Frühstück.

Vielleicht. Sie schicken mir Ihre Liquidation, bitte.

Jaja. Das ist schon in Ordnung.

Gute Nacht und angenehme Träume.

Ich träume nie. - Das sagen alle. Zuerst.

Gute Nacht, Herr Doktor. - Gute Nacht, Herr Direktor.

Sondern nur ein solches Weib, auf das ein anderer Mann

als Freund, Verlobter, Ehegatte Eigentumsrechte geltend machen kann.

Punkt.

Erst wenn sie eifersüchtig sein können, erreicht die Leidenschaft ihre Höhe,

gewinnt das Weib seinen vollen Wert.

Er rettet sie also, indem er nicht von ihr lässt.

Verzeihen Sie, ich hab' eine Frage. Sie sprachen von Schuld.

Ob ich Schuld empfinde. Das quält mich.

Erklären Sie mir, was Sie damit meinen? - Nein.

Schauen Sie, Herr Mahler:

Dafür müssten wir sehr weit zurückgehen und sehr tief hinabsteigen.

Mein kreativer Prozess ist da ähnlich. - Sie müssen es wirklich wollen.

Vielleicht finden Sie dann selbst die Wahrheit raus, die im Unterbewussten liegt.

Ich verstehe.

Es ist ein sehr langwieriger Prozess. Gute Nacht.

Aber ich kann nicht warten.

Ich versuche zu arbeiten. Es ist spät.

Gerne gebe ich Ihnen einen neuen Termin Anfang August in Wien.

Da fahre ich nach New York. Es muss jetzt sein! Ich zahle doppelt.

Es geht nicht um Geld, Herr Mahler.

Ich bitte Sie.

Bitte, treten Sie ein!

Machen Sie es sich bequem!

Mir ist das unangenehm. - Können Sie mich im Stehen Klavier spielen lehren?

Liegend, bitte.

Aber beim Klavier spielen - Wollen Sie oder nicht?

Schuhe an oder aus?

Sagt Ihnen Teilhypnose etwas? - Ich weiß nicht, ob ich das wissen will.

Ich werde Ihnen meine Hand auf die Stirn legen.

Sie versuchen, an nichts zu denken.

An nichts?

Was immer Ihnen in den Sinn kommt, sprechen Sie laut aus.

Ich dachte, ich soll an nichts denken? - Atmen Sie ein!

Und aus.

Ganz ruhig. Ein...

und aus.

Darf man da auch mitlachen?

Wir streiten über Schönheit.

Die Gastgeberin ist schön, nicht, Berta?

Findest du? Du musst es wissen, Klimt. Deine Weiber sind die schönsten.

Wie wär's mit dem Kopf des Sokrates?

Ja, der ist schön.

Wenn du den magst, hätte ich Chancen bei dir. - Zemlinsky ist auch schön.

Der Zemlinsky? - Dieser glupschäugige

wulstlippige - Dieser grüne Jüngling?

Alexander Zemlinsky ist ein Genie. Und er hat so schöne Augen.

Vielleicht schickt er dir eins.

So wie Van Gogh sein Ohr.

Du Sauhammel!

Sei doch nicht so empfindlich!

Ich kenne meinen Bruder. Ich sah gleich, dass das gefährlich ist.

Ich bin am selben Abend zu ihm und sagte ihm, dass er in eine Falle gelockt wurde.

Berta Zuckerkandl ist berühmt für ihre Kuppeleien bei Prominenten.

Auf gut Jiddisch fürs "Schadachen".

Das Mädel ist doch stadtbekannt.

Der Klimt, der neben ihr saß, hat sie in schandbaren Posen gezeichnet.

Und ihr den ersten Kuss verpasst.

Ihre Eltern luden ihn dann nicht mehr ein.

Bist du narrisch, Klimt?

übergeschnappt!

Der Burchard,

Burgtheaterdirektor,

der wollte ihr den zweiten geben und mehr.

Aber sie hat etwas gehabt mit ihrem Musiklehrer.

Dem grauslichen Herrn von Zemlinksy.

Jetzt der arme Gustav. Der Eigenbrötler, der nicht weiß, wo ihm der Kopf steht.

Der genug zu tun hat mit seinen hysterischen Sängerinnen.

Der braucht selber jemand, der ihn führt.

Und jetzt diese Gymnasiastenliebschaft.

Jahre jünger

Mir graust es.

Was ist mit "Das gläserne Herz"?

mm Ballett.

Ein Meisterwerk. - Ich versteh's nicht.

Ich erklär's Ihnen. - Ich bin gespannt.

Weil für Sie die Handlung wichtiger ist als die Musik.

Sie haben kein Recht, ein eingereichtes Werk ein Jahr lang unbeantwortet zu lassen.

Sie können Nein sagen.

Sie studieren Musik. Wieso befürworten Sie den Schmarrn?

Es ist kein Schmarrn!

Also gut. Ich bestelle Ihren Lehrer morgen zu mir.

Weil Sie so lieb für ihn kämpfen. Ja?

Letzten Sonntag spielte Alma bei uns Klavier.

Gounod, Strauß, Wagner. Tristan, Liebestod.

Wir waren baff, gerührt, bewegt. Alle haben ihr gratuliert.

Ich habe zu ihr gesagt: "Du bist schön, das ist unangenehm.

Du spielst toll Klavier. Das verdrießt.

Und du komponierst.

Das ist ja zum Aus der Haut Fahren!"

Wo wohnen Sie? - Auf der Hohen Warte.

Soll ich Sie heimbringen? - Nein, ich bin mit dem Rad da.

Ich muss noch arbeiten für meine Kontrapunktstunde.

Verstehe, beim genialen Zemlinsky. - Genau bei dem.

Herr Direktor Mahler.

Wollen Sie in meine Probe von Hoffmanns Erzählungen kommen?

Ja, mit Freuden.

Der Herbst hat sich in den Frühling verliebt.

Schauerlich!

Schindler!

Ich hab' die Mama mitgebracht. - Freut mich.

Mumm; geschlafen? - Ausgezeichnet. Mumm

Ich keine Minute. Die ganze Nacht.

Selber schuld. - Bitte, gnädige Frau.

Fünf Minuten bis zum Vorhang. - Zehn.

Dann müssen wir nicht so hetzen. Heute auf meinen zweiten Einsatz warten.

Ja, Maestro. - Primgeiger Rosä. Geht für mich durch dick und dünn.

Die ziehe ich nicht an, die verschwitzte Perücke.

Ich hab' sie frisch gebürstet. - Lüg nicht!

Passen Sie auf Ihre Stimme auf! - Dreimal sagte ich, sie soll sie waschen.

Ich muss arbeiten. Entschuldigen Sie!

Bitte gehen Sie jetzt raus!

Er soll mit allen Sopranistinnen was haben.

Der Mildenburg, der Gutheil-Schoder, der Michalek. Mach das auf!

Und sogar mit der Kurz.

Da weiß man den Unterschied zwischen Oper und Kindergarten nicht mehr.

Es funktioniert. Komm!

Waren Sie schon auf unserer Bühne? Kommen Sie!

Herr Gurgel, wie geht's? Bitte. - Danke. Und Ihnen?

Wo wohnen Sie? - Auf der Hohen Warte.

Ja, die Alma, das Fräulein, erwähnte es. Da bin ich oft.

Das sind meine Spazierwege. - Kommen Sie mal zu uns!

Ja, gern. Wann?

Sie sind der Vielgehetzte. Sagen Sie's!

Samstag? - Zum Nachtessen.

Ich esse abends nichts. Geht's nachmittags? - Zum Tee?

Gut, dann zum Tee. Ein Mann, ein Wort.

Jetzt wird's funktionieren. Endlich. Weg.

Wir haben die ganze Nacht daran gebaut. Es wird gehen. Bitte, noch einmal.

Hörst du was? - Nichts.

Siehst du? - Großartig.

Da vergeht einem Hören und Sehen. Gigantisch!

Sprich deutsch! Ich bin aus Hamburg. Unser Deutsch ist das reinste.

Ich war da engagiert.

So. Danke.

Ich würd' so gerne hier der Kapellmeister sein.

Lassen Sie nur! Ich würde Sie sofort engagieren. Sie sind bestimmt begabt.

Ihr Urteil ist mir nicht objektiv genug.

Es gibt kein objektives Urteil.

Ich geb's zu. Ich hab' sie damals auch angesponnen.

Sie war fast unerträglich reizvoll.

Ihre Mama hätte sie gern als Frau Burgtheaterdirektor gesehen.

Ich hab' Alma gesagt:

Mahler ist zu alt für dich. Er ist nicht gesund.

Der ist als Schürzenjäger verschrien. - Zu dem gehst du mit ihr in sein Zimmer?

Wir waren nur hinter der Bühne.

Seine Finanzen sollen zerrüttet sein. - Seine Werke werden ausgepfiffen.

Bei Zuckerkandl war der narrisch auf dich. - Wie alle.

Verliebt ist er. Davon hab' ich nichts gemerkt. - Und wenn er dir einen Antrag macht?

Ich werde ihn annehmen.

Erfinden Sie das?

Wieso? - Wenn Sie nicht dabei waren

In unseren glücklichen Nächten hat mir Alma alle Nuancen unserer ersten Zeit geschildert.

Sie machte daraus eine regelrechte Performance. Es gab sogar "da capos".

Wiederholungen? - Ja.

Wie ein Kind wollte ich es immer wieder hören.

"Ich werde ihn annehmen." Herrlich!

Das soll gut sein? Das soll das Genie geschrieben haben?

Das ist Kitsch, säuerliches, blutarmes,

konstruiertes, möchtegern-modernes Zeugs, Hirnmusik.

Und dann dieses widerlich Volkstümelnde.

Mahler. Umtaufen lassen sollte er sich in Malheur.

Des Knaben Wunderhorn. Bimbam!

Ja, so ein ganz kleines Wunderhorn.

Damit kann er doch einer Alma Schindler nicht imponieren.

Oder?

Deine Lieder sind zehntausendmal besser.

Ich weiß nicht, ob er meine Musik so unterstützen würde wie du.

Neumann;

Ich bin verwirrt. - Dann lass uns zusammen bleiben!

Er ist 19 Jahre älter als du. Ich bin fast gleichalt.

Acht Jahre älter. - Ich liebe deine Lieder wie kein anderer.

Ich vergöttere dich.

Ich bin geil auf dich wie kein anderer Mann.

Geliebter!

Bitte bleib mein Freund! Ich kann ohne dich nicht leben.

Bitte verzeih mir!

Ich bin schlecht und du bist gut.

Was ist mit dir, Alma?

Du liebst den Alex, hast dich ihm fast hingegeben. Heiße Küsse überall.

Und jetzt?

BREMER

Er besteht nur aus Sauerstoff. Er glüht.

Er ist allen anderen turmhoch überlegen.

Ich mag seine Musik nicht. Die Erste Sinfonie, da spüre ich nichts.

Aber wenn er dirigiert

Wenn er dirigiert

ist er göttlich.

BREMEN.

Wie er sich nach mir umgedreht hat!

einem.

Ich weiß, dass er mich hoch raus über mich hinaus

Entschuldigen Sie bitte die Unordnung! Wir sind erst vor Kurzem eingezogen.

Sie wissen ja, wie lange so etwas dauern kann.

Ich gratuliere zum Einzug. Ist das Fräulein ...?

Gehen Sie nur hinauf! Alma ist oben.

Servus, Fräulein. - Servus.

Mumm

Legen Sie's nur dahin!

Mögen Sie mal reinschauen? - Freilich.

Die hat mir alle der Burckhard geschenkt. - Der Burgtheaterdirektor?

Ja. Nietzsche, den könnte ich verschlingen. - So was Giftiges gehört in den Kamin.

Auf den Kamin. - Ins Feuer.

Ein neues Streitobjekt. Bleiben Sie zum Essen?

Was, schon so spät?

Es gibt Burckhard und Paprikahuhn. - Ich mag zwar beides nicht, aber ich bleibe.

Da muss ich aber meine Schwester anrufen. Ich bin immer pünktlich.

Wir haben noch kein Telefon. Auf der Hohen Warte

Prächtig. Ein Spaziergang. Kommen Sie!

Seit er ein Jahr zuvor den Blutsturz hatte und fast daran gestorben ist,

Todesangst.

Und als er dann an dem Samstag

nicht pünktlich heimgekommen ist und die Sekretärin hat anrufen lassen,

da war alles klar: Er baut sich jetzt ein Nest.

Er will Familie. Er will es einmal erleben, ein eigenes Kind.

Da war die kleine Schindler, die Prominentenmuse,

gerade die richtige Bruthenne.

Es ist nicht so einfach, einen Menschen wie mich zu heiraten.

Heiraten?

redet jetzt am

Nein, Mama, hör mir zu: Er hat mich nicht gefragt.

Er sagte: "Es ist nicht so leicht, jemanden wie mich zu heiraten."

Er hat so getan, als ob ich ihm einen Antrag gemacht hätte.

Und er nur darauf antwortet. Umgedreht hat er den Spieß.

So was!

Er sagte, wie ich ihm gefiel. Ich sagte nicht, wie er mir gefiel.

Das ist schlau.

Gefällt arm

Schön ist er nicht. - Ach, geh! Bitte, Mama.

Für mich ist er der Schönste.

Ich hab' dem Gustav neun Jahre lang den Haushalt geführt.

Seine Schuhe und Anzüge ließ ich in London machen.

Wir haben beim Belvedere in der Auenbruggergasse Nr. 2 gelebt.

Ganz hoch oben.

Mit seinen starken Dirigentenarmen trug er mich oft die Treppen hinauf,

wenn ich müd' war.

Ich bin acht Jahre jünger als er.

Er ist das zweite von zwölf Kindern.

Ich die Vorletzte.

Man muss die volle Freiheit des Handelns behalten.

Ganz frei muss ich sein.

Kann mich nirgends materiell binden.

Meine Stellung an der Oper kann man mir plötzlich kündigen.

Aber wenn man ein anderes Wesen an sich kettet

Vergessen Sie nicht, dass ich ein Künstlerkind bin!

Dass ich immer mit Künstlern gelebt habe.

Und dass ich mich auch als Künstlerin fühle.

Meine Kompositionen bedeuten mir alles. Die sind mein Leben.

Für die würde ich sterben.

Schindler?

Ja?

Alma. -Ja?

Es gibt jemanden. Einen Geliebten.

Du liebst deinen Lehrer. Das ist mir verständlich.

Es ist aber mehr. - Aber jetzt bin ich da.

Schauen Sie sich meine Lieder an? - Bitte, Alma, nenn mich Gustav!

Schauen Sie sich meine Lieder an? - Natürlich.

Wenn Sie sie mir zeigen.

So was hätte ich jetzt nicht erwartet.

Das ist ja beachtlich. Sogar sehr beachtlich.

Direkt gut. - Wirklich?

Wirklich.

Danke, Gustav.

Und wann heiraten wir?

Gustav

Rasch, lass uns Mann und Frau sein! Bitte, Alma, ich kann nicht warten.

Spielen wir!

Mumm.

"Winterstürme wichen dem Wonnemond."

Du hast eine Achtel ausgelassen.

Ist geschenkt. Kannst auch eine Viertel haben.

Eine Halbe.

Oder auch das Ganze Mich.

Gustav, du bist verrückt. - Ja, das bin ich.

Nach dir.

Ich war dann jeden Tag, jeden Abend, an dem ich nicht arbeitete, bei ihr.

Meist wurde es so spät, dass ich keine Retourkutsche mehr bekam.

Aber das hat nichts ausgemacht. Denn auf diesen Gängen

war ich so glücklich wie nie mehr wieder.

Den Zemlinsky hatte ich ausgestochen.

Na, Kinder? Was sagt ihr zu Mahlers Verlobung?

Seine Braut, Alma Schindler, ist 22 Jahre alt, groß und schlank.

Das schönste Mädchen Wiens. Aus sehr guter Familie und sehr reich.

Wir aber, seine Freunde, sind besorgt.

Sie ist glänzende Gesellschaften gewohnt.

Und er so völlig weltfern und einsamkeitsliebend.

Als Bräutigam ist ihm unwohl. Er wird wütend, wenn man gratuliert.

Gratuliere, Gustav!

Die Zeitungen haben mich verlobt. Aber es stimmt wirklich.

Aber gratulieren Sie mir nur ganz rasch! - Ich gratuliere.

So, das langt. Jetzt reden wir nicht mehr drüber.

Reden wir lieber über meine Schwester Justine und meinen Primarius Rose.

Die beiden haben sich auch verlobt.

Jetzt aber ordentlich Beifall, wenn ich bitten darf!

Mama! - Akma, was ist?

Ein furchtbarer Brief.

abgesagt?

Der Mahler glaubt, dass mein ganzes Leben ein Witz ist.

Was? - Der glaubt nicht, dass ich arbeite,

sondern mich vergnüge. - Also!

Der fragt, wozu ich Kontrapunkt lerne.

Der findet Klimt und Burckhard banal.

Meine Arbeit bereichere nicht alle wie die seine.

Der will, dass ich alles aufhöre und nur ihm diene.

Als wenn seine ausgepfiffene Musik uns bereicherte!

Darin soll ich mich erfüllen, an seiner Menschheitsbereicherung.

Weißt du, was er geschrieben hat?

Ein Weib will er.

Und keinen Kollegen.

Ein komponierendes Ehepaar findet er lächerlich.

Wenn mich die Muse reizt, was er dann machen soll?

Meins? Nein!

Nur seine zählt und meins gar nicht.

Wie ein Mensch zweiter Klasse.

Eben halt doch nur ein Weib.

Tja...

Angelogen hat er mich, mir was vorgemacht.

Als wenn ihm mein Zeug gefällt.

So ungeschickt, so brutal. Er hätt's kommen lassen können, von allein.

Was mache ich denn jetzt, Mama?

Du bist nicht der Mensch, Opfer zu bringen.

"Sofort Schluss machen!", habe ich zu ihr gesagt.

Banal. - Banal.

Als ob der es raus hätte.

Wie sagte schon ihr Lieblingsautor Nietzsche? "Gehst du zum Weibe, vergiss die...

Peitsche nicht."

Wenn ich so malte, wie der komponiert, würde ich kein einziges Bild verkaufen.

Ich muss die Gestaltung meiner Zukunft von seinen Bedürfnissen abhängig machen.

Für nichts als seine Liebe.

Liebe?

Purer Egoismus ist das.

Er hält sich für besser als Wagner. Aber sie pfeifen ihn aus.

Gustav meint, die Rollen müssen richtig ausgeteilt sein.

Da fällt die Rolle des Komponierens, des Arbeitens ihm zu.

Und mir die des verstehenden Gefährten.

Des liebenden Kameraden.

Viel lieberjetzt noch eine Trennung, als einen Selbstirrtum weitergeführt.

Denn das gäbe für uns beide eine Katastrophe.

Er hat mir mit kalter Faust das Herz aus der Brust genommen.

Nein, Alma.

Es schlägt hier wie immer an dem meinen.

Ich liebe ihn.

Unbeschreiblich.

Er wäre die bessere Wahl gewesen.

was?

Das Gestein kommt in Bewegung.

Du überholst mich ja.

Noch nie hat jemand so gut Stimmen für mich geschrieben.

Machst du mir noch die zweite Hornstimme?

Das sechste Horn soll das "H" sieben Takte halten.

Was ist? - Dein Sohn hat mich getreten.

Der hat auch so einen Zucker im Fuß wie du.

Naja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Himmlisch, Gustav.

Für dich, Almschi.

Es braucht seine Zeit. - Ihr bringt sie mir noch um.

Keine Sorge. Es ist gleich so weit. - Das kann keiner aushalten.

Ein Mädchen!

Für dich, Gustav.

Putzi! Was ist?

Marmeladespiel.

Marmeladenspiel

Hör auf!

Mama, was ist das?

IIAII-

"A" wie Almschi.

Aber Frau von Mildenburg!

Sie können mir doch nicht vorschreiben, wo ich ein Sommerhaus kaufe.

Nein. Aber sich hier neben Mahler, ihrem Verflossenen, eine Villa zu kaufen

Geschmacklosigkeit. Geschmacklos?

Sie müssen reden! Sie haben ihn mir ja ausgespannt.

Das ist eine infame Lüge!

Sie waren längst ausrangiert bei ihm.

Sie sind ein Luder.

Ich hab's immer gewusst.

Die Villa kaufe ich. Da lasse ich mich von Ihnen nicht von abbringen.

Kinder, kommt!

Es warten schon alle.

Anna, das haben Sie wunderbar gemacht!

Seid alle ruhig!

Bravo! - Bravo!

Anna! Das wird sie mir nie glauben.

Kommen Sie, das müssen Sie sehen!

Das glauben Sie nie!

Ist das nicht wunderbar?

Im, Almschi?

Ich glaube, es ist so weit. - Ich hole die Hebamme.

Wo waren Sie?

Am Wasser.

Ich meine, in Ihrer Erinnerung.

In den guten Zeiten.

Glauben Sie immer noch, frei von Schuld zu sein?

Komm, hol die Kinder! Ich spiele euch meinen letzten Satz Sechste.

Lass uns allein sein, bitte!

Hol die Kinder, rasch!

Schuld?

Ich weiß es nicht.

Meine Verzweiflung wächst nur noch. - Und nach den guten Jahren?

Kam die Katastrophe. - Der Ehebruch.

um.

Herr Direktor, warum sind Sie zurückgetreten? - Gefeuert?

Und was haben Sie dafür bekommen? - Bitte?

Für Ihre Hetzkampagne. - Aber ich bin doch für ihn.

Bis hierher und nicht weiter. Sie kennen die Hausregeln.

Das hast du ja gut hingekriegt.

Was sagst du?

Eine Schande, Gustav Mahler rauszuschmeißen. Beschützen hättest du ihn müssen!

Dem Roller freie Hand geben, des Kaisers Geliebte abservieren.

Die Katzenmusik Schönbergs verteidigen! Das hat dir wohl imponiert?

Seine Position hat's ihn gekostet. Das Größte, was ein Musiker erreichen kann.

Komm, bitte! - Verspielt Eine Schande!

Wir sind frei, wir gehen nach Amerika.

Wir brauchen deinen Rat nicht mehr. - Du Mistvieh!

Ich bin nur für ihn da, im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten. - Komm!

Ein arroganter Hund.

Sie sind nicht in der Kneipe. - Sie haben sein Grab geschaufelt.

Professor Roller hat zukunftsweisende Inszenierungen geschaffen.

Die Oper ist überhaupt nicht lustig. - Reden und Zuspätkommen sind verboten.

Kein Auspfeifen, Blumensehmeißen mehr.

Nicht mal der Tenor darf aussingen. - Die Sängerinnen hat er alle gepudert!

Nur noch Kunst!

Danke! Ja, genau: Kunst.

GEWEBE zehnjährigen Tätigkeit,

schreiben Sie, aus einem schlampigen Betrieb mit seinem Tristan,

Fidelio, Don Giovanni eine Kunststätte geschaffen, an der sich alle messen werden.

Ein unangenehmer Chef war er schon. - Die Förster-Lauterer hat er abserviert.

Die hat aber noch gut gesungen. - Ausgesungen ist sie.

Jetzt hat unser Direktor ausgesungen.

Und was ist mit dem Geld? - Welches Geld? - 200.000 Kronen Schulden.

Nie da gewesen, so was.

Ich hab's recherchiert. Es war alles eine Schmäh.

Der Schuldenberg war ein Rechenfehler, ein blöder oder ein manipulierter.

Gustav Mahler war ein guter Wirtschafter, einen besseren hat die Oper nie gehabt.

Ja, ich kann mich an die Schmutzkampagne gut erinnern.

BIENE-m getroffen? Ehebruch?

Nein, das nicht.

Putzt hat es auch. - Nein.

man

Sh schläft.

Luftröhrenschnitt.

Mahlers vergötterte Tochter Putzt

war noch nicht fünf Jahre alt,

als sie an Scharlach und Diphtherie starb.

BEIM

konnte Mahler meiner Tochter Alma nicht mehr in die Augen sehen.

Warum man?

EIN?“

Ich glaube, ich hab' ihr in meinem tiefsten Innern die Schuld an Putzis Tod gegeben.

Putzis Tod hat unserer Ehe den Todesstoß versetzt.

Wenn ihr zwei euch besonders nah wart, wenn du ihr näher warst als mir,

kroch etwas in mir hoch, etwas Unaussprechliches, Verbotenes.

Wenn die Putzt nicht mehr da wäre

Oh Gott!

Glauben Sie noch immer, dass Sie schuldlos sind?

Ich weiß es nicht mehr.

Was sagte Ihre Frau zum Brief des Architekten? Das ist der Schlüssel.

Wie hat sie auf die Enthüllung reagiert? - Ich weiß es nicht.

Doch, Sie wissen es! Aber Sie verdrängen es. Es ist hier drin.

Du! Dein! Dich! Mahler

Du hast mir allen eigenen Halt genommen, so dass ich nicht mehr stehen konnte.

WEN

Sie sind nicht Herr im eigenen Haus.

Das verdrängte, das Unbewusste hat Herrschaft über Sie.

Aber Sie sind angewiesen auf die dürftigen Nachrichten aus Ihrem Unterbewusstsein.

Du hast mir allen eigenen Halt genommen, so dass ich nicht mehr stehen konnte.

Darum wurde ich immerzu krank. Du hast den Brief von damals wahr gemacht.

Ich hatte mich aufgegeben, nur für dich gelebt. Ich hab' deine Hölle mitgelebt.

Ich hab' mich in deinem Fegefeuer quälen lassen. Und was bekam ich dafür?

Was hab' ich dafür bekommen?

Unsere Musik. - Deine Musik.

Meine Musik hattest du konfisziert.

Verboten.

Ich bin kein Genie.

Aber ich hätt's gerne selbst herausgefunden.

Meine Musik

hast du mit Strafe untersagt.

Im Haus Mahler gibt es nur einen Künstler, ein Genie.

Und dessen guten Kameraden, der alles schluckt und ausbadet.

Alles arrangiert, alles einsteckt.

Ich habe dein Genieleben mit dir als deine Frau erlitten.

Und jetzt

ist es genug.

Ich habe den Strohhalm Leben ergriffen.

Ein junger Mann

HEIM] gerettet.

Ich liebe ihn und werde ihn nicht mehr aufgeben.

Ich werde deinen Kerker verlassen.

Ich werde dich verlassen.

Ich habe lange nicht begriffen, dass du nur mit deinem Werk verheiratet bist.

Arbeit, hochgemutes Dasein, Verzicht auf eigene Freunde,

Streben ins Unendliche. - Aber Alma, das wollten wir doch beide.

Warum habe ich damals vorm Altar nicht einfach Nein gesagt?

Du hast mir meine Hochzeit geraubt.

Ganz Wien wollte mich sehen.

Sie waren alle da, am Nachmittag.

Weil du's so arrangiert hattest.

Am Nachmittag war der Raum brechend voll, so wie er morgens schauerlich leer war.

Ich wollte dich, Gustav, wie du mich wolltest.

Ich wollte einen Mann, wie es mein Vater war.

Mit Wärme, mit Autorität, mit Lebenserfahrung

Mit erfolg.

Ich wollte dich, Gustav.

Aber ich hatte nicht erwartet,

dass ich dieses ganze verheißungsvolle, bunte Leben für dich opfern musste.

Woher in Böhmen stammen Sie eigentlich?

Aus Kamm.

Ich aus Freiberg. Fast Nachbarn.

Wie viele Geschwister hatten Sie?

geblieben.

Sie?

EH.

Sechs sind früh gestorben, an Scharlach und Diphtherie.

Es gab damals mehr tote Kinder als lebende.

Mein Bruder Ernst starb mit 13.

An Herzbeutelwassersucht.

Mein Bruder Otto hat sich mit 28 erschossen.

Ich hab' meine Mutter überhaupt nur schwanger gekannt.

Meine hatte ein krankes Herz.

Und sie hinkte.

Ich liebte ihr verlittenes Gesicht.

Ich hab' mir die Alma auch so gewünscht, manchmal.

Verlitten?

Magma

Mm Blattern

und mein Gesicht wär' entstellt,

wenn

dann erst könntest du mir zeigen, wie du mich liebst.

Die leidensvollen Gesichter unserer Mütter.

Du bist mein Gott.

Nie habe ich Größeres erlebt als mit dir.

Nie habe ich anderes ersehnt als dich und deine Liebe.

Du hieltest alles, was du versprachst.

Du hast mich zu dir hinauf gehoben.

Ich bin in deiner Musik.

Ich werde mit ihr weiterwachsen.

Und nichts...

Und nichts kann mich von ihr trennen.

Du bist stark.

Ich bin schwach. Ich habe in deiner Höhe nicht mehr atmen können.

Bitte verzeih mir!

Bitte.

Du musst dich vollenden.

512161135313.

Ich will versuchen, dich wieder zu lieben.

Am nächsten Tag ging sie nach Toblach.

Gab einen Brief auf und holte einen Brief ab.

mm Architekten. um

Es zieht sie dorthin.

Zwanghaft. Das Fleisch.

Dann kam ich zu Ihnen.

Doktor Freud?

Es ist sechs. Sie wollten geweckt werden.

BERG.

Mein Zug geht um kurz vor zehn.

Meiner auch.

Ich steig' in Amsterdam um. - Ich auch.

Wissen Sie, mein lieber Herr Direktor Mahler?

Es kommt mir fast so vor,

als hätte Ihre Gattin den Ehebruch erfinden müssen.

Männer tatsächlich stattgefunden

Um Ihnen die Augen zu öffnen.

Gustl.

Lamm

Sigi.

Eine Woche später

habeich Gustav Mahler in München wiedergesehen.

Mehrere Dirigentenkollegen bereiteten die Uraufführung seiner Achten vor.

Chöre aus ganz Deutschland, Musiker aus zahlreichen Orchestern.

Ich studierte die Solisten ein.

Tausend Mitwirkende.

Dieser Abend in München

in einer Halle auf dem Ausstellungsgelände schenkte ihm den Triumph seines Lebens.

Alles, was Rang und Namen hatte, war da und huldigte ihm.

Unter ihnen waren auch Doktor Sigmund Freud und ein junger Mann,

den ich später als Frau Almas zweiten Gatten kennen lernte, Walter Gropius.

Gewidmet hat Mahler die Achte nach dem Besuch bei Freud seiner Frau, Alma.

Nach dem Konzert brach das Ehepaar zu einer Konzerttournee nach Amerika auf.

Vorher sprach Mahler begeistert von Almas Kompositionen, die er veröffentlichte.

Er war bereits vom Tode gezeichnet.

Die Angina, unter der er seit seiner Kindheit litt,

hatte sich auf sein Herz geschlagen.

In Amerika dirigiert er noch mit über 40 Grad Fieber,

brach dann zusammen und musste nach Europa zurückkehren.

Er war so schwach, dass man ihn in Paris

aus dem Zugfenster nach draußen schieben musste.

Er starb,

während ein orkanartiger Sturm tobte.

In der Nacht des 18. Mai 1911 in Wien.

Frau Alma verbat ihr Arzt, am Begräbnis teilzunehmen.

Meine Geliebte,

die Nachmittagsprobe ist vorüber, jede Note an dich gerichtet.

Es hat mich so aufgeregt, als ob ich wieder an deinem Bett säße.

Freud hat Recht: Du warst mir immer das Licht und der Zentralpunkt.

Und dies selige Bewusstsein steigert all meine Empfindungen ins Unendliche.

Welche Qual, dass du es nicht mehr erwidern kannst.

So wahr, als Liebe wieder Liebe erweckt und Treue wieder Treue findet,

solange Eros Herrscher sein wird, so wahr will ich mir alles zurückerobern.

Das Herz, das einst mein war.

Morgen ist Dienstag, da wolltest du kommen.

Bitte schreib mir, ob du willst, dass ich im Nebenzimmer schlafe?

Dein heutiger Brief war so lieb.

Zum ersten Mal nach acht Wochen

fühle ich wieder dieses selige Glück der Liebe.

Aber Almschi, du musst es mir immer wieder sagen, denn morgen glaube ich's nicht mehr.

Nun gute Nacht, meine Holde, Süße.

Telegrafiere, wann du kommst!

Meine Geliebte.

Dein Gustav

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